1Mo 1,1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
1Mo 1,2 Noch war die Erde leer und ohne Leben, von Wassermassen bedeckt.
Finsternis herrschte, aber über dem Wasser schwebte der Geist Gottes.
1Mo 1,3 Da sprach Gott: »Licht soll entstehen!«, und es wurde hell.
1Mo 1,4 Gott sah, dass es gut war. Er trennte das Licht von der Dunkelheit
1Mo 1,5 und nannte das Licht »Tag« und die Dunkelheit »Nacht«. Es wurde Abend
und wieder Morgen: Der erste Tag war vergangen.
1Mo 1,6 Und Gott befahl: »Im Wasser soll sich ein Gewölbe bilden, das die
Wassermassen voneinander trennt!«
1Mo 1,7 So geschah es: Er machte ein Gewölbe und trennte damit das Wasser
darüber von dem Wasser, das die Erde bedeckte.
1Mo 1,8 Das Gewölbe nannte er »Himmel«. Es wurde Abend und wieder Morgen: Der
zweite Tag war vergangen.
1Mo 1,9 Dann sprach Gott: »Die Wassermassen auf der Erde sollen zusammenfließen,
damit das Land zum Vorschein kommt!« So geschah es.
1Mo 1,10 Gott nannte das trockene Land »Erde« und das Wasser »Meer«. Was er sah,
gefiel ihm, denn es war gut.
1Mo 1,11 Und Gott sprach: »Auf der Erde soll es grünen und blühen: Alle Arten
von Pflanzen und Bäumen sollen wachsen und Samen und Früchte tragen!« So geschah
es.
1Mo 1,12 Die Erde brachte Pflanzen und Bäume in ihrer ganzen Vielfalt hervor.
Gott sah es und freute sich, denn es war gut.
1Mo 1,13 Es wurde Abend und Morgen: Der dritte Tag war vergangen.
1Mo 1,14 Da befahl Gott: »Am Himmel sollen Lichter entstehen, die den Tag und
die Nacht voneinander trennen und nach denen man die Jahreszeiten und auch die
Tage und Jahre bestimmen kann!
1Mo 1,15 Sie sollen die Erde erhellen.« Und so geschah es.
1Mo 1,16 Gott schuf zwei große Lichter, die Sonne für den Tag und den Mond für
die Nacht, dazu alle Sterne.
1Mo 1,17 Er setzte sie an den Himmel, um die Erde zu erhellen,
1Mo 1,18 Tag und Nacht zu bestimmen und Licht und Finsternis zu unterscheiden.
Gott sah es und freute sich, denn es war gut.
1Mo 1,19 Wieder wurde es Abend und Morgen: Der vierte Tag war vergangen.
1Mo 1,20 Dann sprach Gott: »Im Wasser soll es von Leben wimmeln, und Vögel
sollen am Himmel fliegen!«
1Mo 1,21 Er schuf die großen Seetiere und alle anderen Lebewesen im Wasser, dazu
die Vögel. Gott sah, dass es gut war.
1Mo 1,22 Er segnete sie und sagte: »Vermehrt euch, und füllt die Meere, und auch
ihr Vögel, vermehrt euch!«
1Mo 1,23 Es wurde Abend und wieder Morgen: Der fünfte Tag war vergangen.
1Mo 1,24 Darauf befahl er: »Die Erde soll Leben hervorbringen: Vieh, wilde Tiere
und Kriechtiere!« So geschah es.
1Mo 1,25 Gott schuf alle Arten von Vieh, wilden Tieren und Kriechtieren. Auch
daran freute er sich, denn es war gut.
1Mo 1,26 Dann sagte Gott: »Jetzt wollen wir den Menschen machen, unser Ebenbild,
das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im
Meer, am Himmel und auf der Erde.«
1Mo 1,27 So schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf
er sie.
1Mo 1,28 Er segnete sie und sprach: »Vermehrt euch, bevölkert die Erde, und
nehmt sie in Besitz! Ihr sollt Macht haben über alle Tiere: über die Fische, die
Vögel und alle anderen Tiere auf der Erde!
1Mo 1,29 Ihr dürft die Früchte aller Pflanzen und Bäume essen;
1Mo 1,30 den Vögeln und Landtieren gebe ich Gras und Blätter zur Nahrung.«
1Mo 1,31 Dann betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte, und es war sehr
gut! Es wurde Abend und wieder Morgen: Der sechste Tag war vergangen.
1Mo 2,1 So waren nun Himmel und Erde erschaffen, und nichts fehlte mehr.
1Mo 2,2 [2/3] Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von seiner
Arbeit aus. Darum segnete er den siebten Tag und sagte: »Dies ist ein ganz
besonderer, heiliger Tag! Er gehört mir.«
1Mo 2,4 So entstanden Himmel und Erde, so wurden sie geschaffen. Als Gott, der
Herr, Himmel und Erde gemacht hatte,
1Mo 2,5 wuchsen zunächst keine Gräser und Sträucher, denn Gott hatte es noch
nicht regnen lassen. Außerdem war niemand da, der den Boden bebauen konnte.
1Mo 2,6 Nur aus der Tiefe der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden.
1Mo 2,7 Da nahm Gott Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den
Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch lebendig.
1Mo 2,8 Dann legte Gott, der Herr, einen Garten im Osten an, in der Landschaft
Eden, und brachte den Menschen, den er geformt hatte, dorthin.
1Mo 2,9 Viele verschiedene Bäume ließ er im Garten wachsen. Sie sahen prachtvoll
aus und trugen köstliche Früchte. In der Mitte des Gartens standen zwei Bäume:
der Baum, dessen Frucht Leben schenkt, und der Baum, der Gut und Böse erkennen
lässt.
1Mo 2,10 Ein Fluss entsprang in Eden und bewässerte den Garten. Dort teilte er
sich in vier Arme:
1Mo 2,11 [11/12] Der erste Fluss heißt Pischon, er fließt rund um das Land
Hawila. Dort gibt es reines Gold, wertvolles Harz und den Edelstein Karneol.
1Mo 2,13 Der zweite ist der Gihon, er fließt rund um das Land Äthiopien.
1Mo 2,14 Der dritte heißt Tigris, er fließt östlich von Assyrien. Der vierte ist
der Euphrat.
1Mo 2,15 Gott, der Herr, setzte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm
die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten und zu schützen.
1Mo 2,16 Dann schärfte er ihm ein: »Von allen Bäumen im Garten darfst du essen,
1Mo 2,17 nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen lässt. Sobald du
davon isst, musst du sterben!«
1Mo 2,18 Gott, der Herr, dachte sich: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein
lebt. Er soll eine Gefährtin bekommen, die zu ihm passt!«
1Mo 2,19 Er formte aus dem Erdboden die Landtiere und die Vögel und brachte sie
zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Genauso sollten sie dann
heißen.
1Mo 2,20 Der Mensch betrachtete die Tiere und benannte sie. Für sich selbst aber
fand er niemanden, mit dem er leben konnte und der zu ihm passte.
1Mo 2,21 Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf über ihn kommen, entnahm
ihm eine Rippe und verschloss die Stelle wieder mit Fleisch.
1Mo 2,22 Aus der Rippe formte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen.
1Mo 2,23 Da rief dieser: »Endlich gibt es jemanden wie mich! Sie wurde aus einem
Teil von mir gemacht - wir gehören zusammen!«
1Mo 2,24 Darum verlässt ein Mann seine Eltern und verbindet sich so eng mit
seiner Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.
1Mo 2,25 Der Mann und die Frau waren nackt, sie schämten sich aber nicht.
1Mo 3,1 Die Schlange war listiger als alle anderen Tiere, die Gott, der Herr,
gemacht hatte. »Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum die Früchte
essen dürft?«, fragte sie die Frau.
1Mo 3,2 »Natürlich dürfen wir«, antwortete die Frau,
1Mo 3,3 »nur von dem Baum in der Mitte des Gartens nicht. Gott hat gesagt: ›Esst
nicht von seinen Früchten, ja - berührt sie nicht einmal, sonst müsst ihr
sterben!‹«
1Mo 3,4 »Unsinn! Ihr werdet nicht sterben«, widersprach die Schlange,
1Mo 3,5 »aber Gott weiß: Wenn ihr davon esst, werden eure Augen geöffnet - ihr
werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist.«
1Mo 3,6 Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Seine Früchte wirkten
verlockend, und klug würde sie davon werden! Sie pflückte eine Frucht, biss
hinein und reichte sie ihrem Mann, und auch er aß davon.
1Mo 3,7 Plötzlich gingen beiden die Augen auf, und ihnen wurde bewusst, dass sie
nackt waren. Hastig flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich einen
Lendenschurz.
1Mo 3,8 Am Abend, als ein frischer Wind aufkam, hörten sie, wie Gott, der Herr,
im Garten umherging. Ängstlich versteckten sie sich vor ihm hinter den Bäumen.
1Mo 3,9 Aber Gott rief: »Adam, wo bist du?«
1Mo 3,10 Adam antwortete: »Ich hörte dich im Garten und hatte Angst, weil ich
nackt bin. Darum habe ich mich versteckt.«
1Mo 3,11 »Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?«, fragte Gott. »Hast du etwa
von den verbotenen Früchten gegessen?«
1Mo 3,12 »Ja«, gestand Adam, »aber die Frau, die du mir gegeben hast, reichte
mir eine Frucht - deswegen habe ich davon gegessen!«
1Mo 3,13 »Warum hast du das getan?«, wandte der Herr sich an die Frau. »Die
Schlange hat mich dazu verführt!«, verteidigte sie sich.
1Mo 3,14 Da sagte Gott, der Herr, zur Schlange: »Das ist deine Strafe: Verflucht
sollst du sein - verstoßen von allen anderen Tieren! Du wirst auf dem Bauch
kriechen und Staub schlucken, solange du lebst!
1Mo 3,15 Von nun an werden du und die Frau Feinde sein, auch zwischen deinem und
ihrem Nachwuchs soll Feindschaft herrschen. Er wird dir den Kopf zertreten, und
du wirst ihn in die Ferse beißen!«
1Mo 3,16 Dann wandte Gott sich zur Frau: »Du wirst viel Mühe haben in der
Schwangerschaft. Unter Schmerzen wirst du deine Kinder zur Welt bringen. Du
wirst dich nach deinem Mann sehnen, aber er wird dein Herr sein!«
1Mo 3,17 Zu Adam sagte er: »Deiner Frau zuliebe hast du mein Verbot missachtet.
Deshalb soll der Ackerboden verflucht sein! Dein ganzes Leben lang wirst du dich
abmühen, um dich von seinem Ertrag zu ernähren.
1Mo 3,18 Du bist auf ihn angewiesen, um etwas zu essen zu haben, aber er wird
immer wieder mit Dornen und Disteln übersät sein.
1Mo 3,19 Du wirst dir dein Brot mit Schweiß verdienen müssen, bis du stirbst.
Dann wirst du zum Erdboden zurückkehren, von dem ich dich genommen habe. Denn du
bist Staub von der Erde, und zu Staub musst du wieder werden!«
1Mo 3,20 Adam gab seiner Frau den Namen Eva (»Leben«), denn sie sollte die
Stammmutter aller Menschen werden.
1Mo 3,21 Gott, der Herr, machte für die beiden Kleider aus Fell.
1Mo 3,22 Dann sagte er: »Nun ist der Mensch geworden wie wir, weil er Gut und
Böse erkennen kann. Auf keinen Fall darf er jetzt von dem Baum essen, dessen
Frucht Leben schenkt - sonst lebt er für immer!«
1Mo 3,23 Darum schickte er die beiden aus dem Garten Eden fort und gab ihnen den
Auftrag, den Ackerboden zu bebauen, aus dem er sie gemacht hatte.
1Mo 3,24 An der Ostseite des Gartens stellte er Engel mit flammenden Schwertern
auf. Sie sollten den Weg zu dem Baum bewachen, dessen Frucht Leben schenkt.
1Mo 4,1 Adam schlief mit seiner Frau Eva, sie wurde schwanger und brachte einen
Sohn zur Welt. »Mit Hilfe des Herrn habe ich einen Sohn geboren!«, rief sie aus.
Darum nannte sie ihn Kain (»Gewinn«).
1Mo 4,2 Ihren zweiten Sohn nannte sie Abel (»Vergänglichkeit«). Abel wurde ein
Hirte, Kain ein Bauer. Die beiden wuchsen heran.
1Mo 4,3 Zur Zeit der Ernte opferte Kain dem Herrn von dem Ertrag seines Feldes.
1Mo 4,4 Abel schlachtete eines von den ersten Lämmern seiner Herde und brachte
die besten Fleischstücke dem Herrn als Opfer dar. Abels Opfer nahm der Herr an,
1Mo 4,5 das von Kain aber nicht. Darüber wurde Kain zornig und starrte mit
finsterer Miene vor sich hin.
1Mo 4,6 »Warum bist du so zornig und blickst so grimmig zu Boden?«, fragte ihn
der Herr.
1Mo 4,7 »Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du doch jedem offen ins Gesicht
sehen. Wenn du jedoch Böses planst, dann lauert die Sünde dir auf. Sie will dich
zu Fall bringen, du aber beherrsche sie!«
1Mo 4,8 Kain schlug seinem Bruder vor: »Komm, wir gehen zusammen aufs Feld!« Als
sie dort ankamen, fiel er über Abel her und schlug ihn tot.
1Mo 4,9 Da fragte der Herr: »Wo ist dein Bruder Abel?« »Woher soll ich das
wissen?«, wich Kain aus. »Ist es etwa meine Aufgabe, ständig auf ihn
aufzupassen?«
1Mo 4,10 Aber der Herr entgegnete: »Warum hast du das getan? Das vergossene Blut
deines Bruders schreit von der Erde zu mir!
1Mo 4,11 Darum bist du von nun an verflucht: Weil du in diesem Land einen Mord
begangen hast, musst du von hier fort.
1Mo 4,12 Und wenn du ein Feld bebauen willst, wird es dir keinen Ertrag mehr
bringen. Gejagt und gehetzt musst du von jetzt an umherirren!«
1Mo 4,13 »Meine Strafe ist zu hart - ich kann sie nicht ertragen!«, erwiderte
Kain.
1Mo 4,14 »Du verstößt mich aus meiner Heimat, und auch vor dir muss ich mich
verstecken! Gejagt und gehetzt werde ich umherirren, und jeder, der mich sieht,
kann mich ungestraft töten!«
1Mo 4,15 »Nein«, sagte der Herr, »wenn dich jemand tötet, wird er dafür
siebenfach bestraft werden!« Er machte ein Zeichen an Kain, damit jeder, der ihm
begegnete, wusste: Kain darf man nicht töten.
1Mo 4,16 Dann verließ Kain die Nähe des Herrn und wohnte im Land Nod (»Land des
ruhelosen Lebens«), östlich von Eden.
1Mo 4,17 Kains Frau wurde schwanger und bekam einen Sohn: Henoch (»Gründung«).
Kain baute eine Stadt und benannte sie nach ihm.
1Mo 4,18 Henoch hatte einen Sohn namens Irad, Irads Sohn war Mehujaël, dessen
Sohn hieß Metuschaël, der war der Vater von Lamech.
1Mo 4,19 Lamech hatte zwei Frauen: Ada und Zilla.
1Mo 4,20 Ein Sohn Adas war Jabal - von ihm stammen alle ab, die mit ihren Herden
umherziehen und in Zelten wohnen.
1Mo 4,21 Sein Bruder hieß Jubal - auf ihn gehen alle die zurück, die Zither und
Flöte spielen.
1Mo 4,22 Auch Zilla bekam einen Sohn: Tubal-Kain; er war der Erste, der Bronze-
und Eisengeräte benutzte. Seine Schwester hieß Naama.
1Mo 4,23 Lamech sagte zu seinen Frauen: »Ada und Zilla, meine Frauen, hört mich
an: Wenn ein Mann mich verwundet, erschlage ich ihn - sogar einen Jungen töte
ich für eine einzige Strieme!
1Mo 4,24 Wenn schon ein Mord an Kain siebenfach bestraft wird - für Lamech wird
alles siebenundsiebzigmal gerächt!«
1Mo 4,25 Adam und Eva bekamen noch einen Sohn. Eva nannte ihn Set (»Ersatz«).
»Gott hat mir einen anderen Sohn geschenkt!«, sagte sie. »Er wird mir Abel
ersetzen, den Kain erschlagen hat!«
1Mo 4,26 Auch Set bekam später einen Sohn und nannte ihn Enosch (»Mensch«). Zu
dieser Zeit begannen die Menschen, zum Herrn zu beten.
1Mo 5,1 Dies ist das Verzeichnis der Nachkommen Adams: Als Gott die Menschen
schuf, machte er sie nach seinem Ebenbild.
1Mo 5,2 Er schuf sie als Mann und Frau, segnete sie und nannte sie »Mensch«.
1Mo 5,3 Adam war 130 Jahre alt, als er einen Sohn zeugte, der ihm in jeder
Hinsicht ähnlich war. Er nannte ihn Set.
1Mo 5,4 Danach lebte er noch 800 Jahre; ihm wurden noch weitere Söhne und
Töchter geboren,
1Mo 5,5 bis er im Alter von 930 Jahren starb.
1Mo 5,6 Set war 105 Jahre alt, als er Enosch zeugte.
1Mo 5,7 Danach lebte er noch 807 Jahre; ihm wurden noch weitere Söhne und
Töchter geboren,
1Mo 5,8 bis er im Alter von 912 Jahren starb.
1Mo 5,9 Enosch war 90 Jahre alt, als er Kenan zeugte.
1Mo 5,10 Danach lebte er noch 815 Jahre; ihm wurden noch weitere Söhne und
Töchter geboren,
1Mo 5,11 bis er im Alter von 905 Jahren starb.
1Mo 5,12 Kenan war 70 Jahre alt, als er Mahalalel zeugte.
1Mo 5,13 Danach lebte er noch 840 Jahre; ihm wurden noch weitere Söhne und
Töchter geboren,
1Mo 5,14 bis er im Alter von 910 Jahren starb.
1Mo 5,15 Mahalalel war 65 Jahre alt, als er Jered zeugte.
1Mo 5,16 Danach lebte er noch 830 Jahre; noch weitere Söhne und Töchter wurden
ihm geboren,
1Mo 5,17 bis er im Alter von 895 Jahren starb.
1Mo 5,18 Jered war 162 Jahre alt, als er Henoch zeugte.
1Mo 5,19 Danach lebte er noch 800 Jahre; noch weitere Söhne und Töchter wurden
ihm geboren,
1Mo 5,20 bis er im Alter von 962 Jahren starb.
1Mo 5,21 Henoch war 65 Jahre alt, als er Metuschelach zeugte.
1Mo 5,22 Danach lebte er noch 300 Jahre; ihm wurden noch weitere Söhne und
Töchter geboren.
1Mo 5,23 [23/24] Henoch lebte in enger Gemeinschaft mit Gott. Er wurde 365 Jahre
alt. Dann war er plötzlich nicht mehr da - Gott hatte ihn zu sich genommen!
1Mo 5,25 Metuschelach war 187 Jahre alt, als er Lamech zeugte.
1Mo 5,26 Danach lebte er noch 782 Jahre; ihm wurden noch weitere Söhne und
Töchter geboren,
1Mo 5,27 bis er im Alter von 969 Jahren starb.
1Mo 5,28 Lamech war 182 Jahre alt, als er einen Sohn zeugte.
1Mo 5,29 »Der wird uns Trost bringen bei all der harten Arbeit auf dem Acker,
den Gott verflucht hat!«, sagte er. Darum nannte er ihn Noah (»Trost«).
1Mo 5,30 Danach lebte er noch 595 Jahre; ihm wurden noch weitere Söhne und
Töchter geboren,
1Mo 5,31 bis er im Alter von 777 Jahren starb.
1Mo 5,32 Noah war 500 Jahre alt, als er Sem, Ham und Jafet zeugte.
1Mo 6,1 [1/2] Die Menschen wurden immer zahlreicher und breiteten sich auf der
Erde aus. Da bemerkten die Engel, wie schön die Töchter der Menschen waren. Sie
wählten die Schönsten aus und nahmen sie zu Frauen.
1Mo 6,3 Da sagte der Herr: »Die Menschen sollen nicht mehr so alt werden, ich
werde ihnen meinen Lebensatem nicht für immer geben. Sie lassen sich immer
wieder zum Bösen verleiten. Ich werde ihre Lebenszeit auf hundertzwanzig Jahre
begrenzen.«
1Mo 6,4 Aus der Verbindung der Engel mit den Menschentöchtern gingen die Riesen
hervor. Sie lebten damals - und auch später noch - auf der Erde und waren als
die berühmten Helden bekannt.
1Mo 6,5 Der Herr sah, dass die Menschen voller Bosheit waren. Jede Stunde, jeden
Tag ihres Lebens hatten sie nur eines im Sinn: Böses planen, Böses tun.
1Mo 6,6 Der Herr war bekümmert und wünschte, er hätte die Menschen nie
erschaffen.
1Mo 6,7 »Ich werde die Menschen und mit ihnen die Tiere wieder vernichten!«,
sagte er. »Es wäre besser, ich hätte sie gar nicht erst erschaffen.«
1Mo 6,8 Nur Noah fand Gnade beim Herrn.
1Mo 6,9 Dies ist seine Geschichte: Noah lebte so, wie es Gott gefiel, und hörte
auf ihn. Er tat nur, was in Gottes Augen gut war. Die Menschen, die ihn kannten,
wussten, dass er ein vorbildliches Leben führte.
1Mo 6,10 Er hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet.
1Mo 6,11 [11/12] Die übrige Menschheit aber war vollkommen verdorben. Keiner
wollte von Gott etwas wissen, niemand beachtete das Recht und die Gesetze. Es
gab nur ein Gesetz: Grausamkeit.
1Mo 6,13 Da sprach Gott zu Noah: »Ich habe beschlossen, die gesamte Menschheit
zu vernichten, denn wo man auch hinsieht, herrscht Grausamkeit. Darum werde ich
alles auslöschen!
1Mo 6,14 [14-16] Bau dir ein Schiff aus Holz, und dichte es außen und innen mit
Pech ab! Drei Stockwerke soll es haben und jedes Stockwerk mehrere Räume. Es
muss 150 Meter lang, 25 Meter breit und 15 Meter hoch sein. Setz ein Dach
darauf, das einen halben Meter hoch ist, und bau an einer Schiffsseite eine Tür
ein!
1Mo 6,17 Mit einer großen Wasserflut werde ich die Erde überschwemmen. Kein
Lebewesen soll verschont bleiben.
1Mo 6,18 Nur dir gebe ich ein Versprechen: Du sollst überleben. Geh mit deiner
Frau, deinen Söhnen und Schwiegertöchtern ins Schiff!
1Mo 6,19 Nimm von allen Tieren ein Männchen und ein Weibchen mit, damit keine
Tierart ausstirbt.
1Mo 6,20 Jede Art der Vögel, des Viehs und aller anderen Landtiere soll mit ins
Schiff kommen, damit sie alle erhalten bleiben.
1Mo 6,21 Leg genug Vorräte an, dass es für euch und die Tiere ausreicht!«
1Mo 6,22 Noah führte alles so aus, wie Gott es ihm aufgetragen hatte.
1Mo 7,1 Dann sagte der Herr zu ihm: »Geh nun mit deiner ganzen Familie in das
Schiff! Denn du bist der Einzige, der noch vor mir bestehen kann!
1Mo 7,2 Nimm von allen reinen Tieren je sieben Paare mit und von allen unreinen
nur je ein Männchen und ein Weibchen!
1Mo 7,3 Bring auch je sieben Paare von allen Vogelarten mit! So können sich die
verschiedenen Tierarten nach der Flut wieder vermehren und weiterbestehen.
1Mo 7,4 Noch eine Woche, dann werde ich es vierzig Tage und vierzig Nächte
regnen lassen, damit alle Lebewesen umkommen, die ich geschaffen habe!«
1Mo 7,5 Noah befolgte alles genau so, wie der Herr es befohlen hatte.
1Mo 7,6 Er war 600 Jahre alt, als die Wasserflut über die Erde hereinbrach.
1Mo 7,7 Noah und seine Frau, seine Söhne und Schwiegertöchter gingen in das
Schiff, um sich vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen.
1Mo 7,8 Sie nahmen die verschiedenen Tierarten mit - die reinen und unreinen -,
von den Vögeln bis zu den Kriechtieren.
1Mo 7,9 Paarweise kamen sie in das Schiff, so wie Gott es angeordnet hatte.
1Mo 7,10 Nach sieben Tagen brach die Flut herein.
1Mo 7,11 Es war im 600. Lebensjahr Noahs, am 17. Tag des 2. Monats. Alle Quellen
in der Tiefe brachen auf, und die Schleusen des Himmels öffneten sich.
1Mo 7,12 Vierzig Tage und vierzig Nächte regnete es in Strömen.
1Mo 7,13 Aber Noah und seine Frau, seine Söhne und Schwiegertöchter waren genau
an diesem Tag in das Schiff gegangen,
1Mo 7,14 zusammen mit den verschiedenen Tieren.
1Mo 7,15 [15/16] Sie waren paarweise gekommen, ein Männchen und ein Weibchen.
Niemand fehlte, alle waren an Bord, genau wie Gott es befohlen hatte, und der
Herr schloss hinter ihnen zu.
1Mo 7,17 Vierzig Tage lang fiel das Wasser vom Himmel. Die Flut stieg ständig an
und hob das Schiff vom Boden ab.
1Mo 7,18 Die Wassermassen nahmen immer mehr zu, bis das Schiff auf dem Wasser
schwimmen konnte.
1Mo 7,19 Bald waren sämtliche Berge bedeckt,
1Mo 7,20 das Wasser stand sieben Meter über ihren höchsten Gipfeln.
1Mo 7,21 [21/22] Alle Lebewesen ertranken: das Vieh, die wilden Tiere, Vögel,
Kriechtiere und auch die Menschen.
1Mo 7,23 Gott löschte das Leben auf der Erde aus. Niemand konnte sich retten.
Nur Noah und seine Familie kamen mit dem Leben davon.
1Mo 7,24 Hundertfünfzig Tage lang blieb das Wasser auf seinem höchsten Stand.
1Mo 8,1 Aber Gott hatte Noah und die Tiere auf dem Schiff nicht vergessen. Er
sorgte dafür, dass ein Wind aufkam, der das Wasser zurückgehen ließ.
1Mo 8,2 Die Quellen in der Tiefe versiegten, und die Schleusen des Himmels
wurden verschlossen, so dass kein Regen mehr fiel.
1Mo 8,3 Nach den hundertfünfzig Tagen ging das Wasser allmählich zurück,
1Mo 8,4 und plötzlich - am 17. Tag des 7. Monats - saß das Schiff auf einem der
Berge von Ararat fest.
1Mo 8,5 Schon bis zum 1. Tag des 10. Monats war das Wasser so weit gesunken,
dass die Berggipfel sichtbar geworden waren.
1Mo 8,6 Nach weiteren vierzig Tagen öffnete Noah das Fenster
1Mo 8,7 und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange ein und aus, bis das
Wasser abgeflossen war.
1Mo 8,8 Noah ließ eine Taube fliegen, um zu sehen, ob das Wasser versickert war.
1Mo 8,9 Aber die Taube fand keinen Platz zum Ausruhen, denn die Flut bedeckte
noch das ganze Land. Darum kehrte sie zu Noah zurück. Er streckte seine Hand aus
und holte sie wieder ins Schiff.
1Mo 8,10 Dann wartete er noch weitere sieben Tage und ließ die Taube erneut
hinaus.
1Mo 8,11 Sie kam gegen Abend zurück, mit dem frischen Blatt eines Ölbaums im
Schnabel. Da wusste Noah, dass das Wasser fast versickert war.
1Mo 8,12 Eine Woche später ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen, und
diesmal kehrte sie nicht mehr zurück.
1Mo 8,13 Im 601. Lebensjahr Noahs, am 1. Tag des 1. Monats, war das Wasser
abgeflossen. Noah entfernte das Dach vom Schiff und hielt Ausschau. Tatsächlich
- das Wasser war verschwunden!
1Mo 8,14 Am 27. Tag des 2. Monats war der Erdboden wieder trocken.
1Mo 8,15 Da sagte Gott zu Noah:
1Mo 8,16 »Verlass mit deiner Frau, deinen Söhnen und Schwiegertöchtern das
Schiff!
1Mo 8,17 Lass alle Tiere frei, die bei dir sind: die Vögel und alle großen und
kleinen Landtiere. Sie sollen sich vermehren und sich auf der Erde ausbreiten!«
1Mo 8,18 [18/19] Also verließ Noah mit seiner Familie und allen Tieren das
Schiff.
1Mo 8,20 Dann baute er für den Herrn einen Altar und brachte von allen reinen
Vögeln und den anderen reinen Tieren je eines als Brandopfer dar.
1Mo 8,21 Der Herr wurde durch das Opfer gnädig gestimmt und sagte sich: »Nie
mehr will ich wegen der Menschen die Erde vernichten, obwohl sie von frühester
Jugend an voller Bosheit sind. Nie wieder will ich alles Leben auslöschen, wie
ich es getan habe!
1Mo 8,22 Solange die Erde besteht, soll es immer Saat und Ernte, Kälte und
Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht geben.«
1Mo 9,1 Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: »Vermehrt euch, damit die
Erde wieder bevölkert wird!
1Mo 9,2 Alle Tiere werden sich vor euch fürchten müssen, denn ich gebe sie in
eure Hand.
1Mo 9,3 Von jetzt an könnt ihr euch von ihrem Fleisch ernähren, nicht nur von
Obst und Getreide.
1Mo 9,4 Aber esst kein Fleisch, in dem noch Blut ist, denn im Blut ist das
Leben.
1Mo 9,5 Niemand darf einen anderen Menschen ermorden! Wer dies tut - ob Mensch
oder Tier -, muss mit dem Tod dafür büßen. Ich selbst werde ihn zur Rechenschaft
ziehen.
1Mo 9,6 Wer einen Menschen tötet, darf selbst nicht am Leben bleiben; er soll
hingerichtet werden. Denn ich habe den Menschen als mein Ebenbild geschaffen.
1Mo 9,7 So seht nun zu, dass eure Nachkommen zahlreich sind. Bevölkert die Erde,
und nehmt sie in Besitz!«
1Mo 9,8 Dann sagte Gott zu Noah und seinen Söhnen:
1Mo 9,9 »Ich schließe einen Bund mit euch und mit allen euren Nachkommen,
1Mo 9,10 dazu mit allen Tieren, die auf dem Schiff waren.
1Mo 9,11 Das ist mein Versprechen: Nie wieder werde ich durch eine Wasserflut
die Erde und was auf ihr lebt vernichten.
1Mo 9,12 [12/13] Das gilt für alle Zeiten. Ich schließe diesen Bund mit euch und
allen Lebewesen. Der Regenbogen soll ein Zeichen für dieses Versprechen sein.
1Mo 9,14 Wenn er in den Wolken erscheint,
1Mo 9,15 dann werde ich an meinen Bund denken, den ich mit euch und den anderen
Lebewesen geschlossen habe: Nie wieder eine Wasserflut! Nie wieder soll das
Leben vernichtet werden!
1Mo 9,16 [16/17] Diese Zusage bleibt für alle Zeiten bestehen, der Regenbogen
ist das Erinnerungszeichen. Wenn er zu sehen ist, werde ich daran denken.«
1Mo 9,18 Zusammen mit Noah hatten auch seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet das
Schiff verlassen. Ham wurde der Stammvater der Kanaaniter.
1Mo 9,19 Von diesen dreien stammen alle Völker der Erde ab.
1Mo 9,20 Noah bebaute die Felder, legte aber auch einen Weinberg an.
1Mo 9,21 Als er von dem Wein trank, wurde er betrunken und lag nackt in seinem
Zelt.
1Mo 9,22 Ham, der Stammvater der Kanaaniter, entdeckte ihn so und lief sofort
nach draußen, um es seinen beiden Brüdern zu erzählen.
1Mo 9,23 Da nahmen Sem und Jafet einen Mantel, legten ihn über ihre Schultern
und gingen rückwärts ins Zelt. Sie ließen ihn mit abgewandtem Gesicht über ihren
Vater fallen, um ihn nicht nackt zu sehen.
1Mo 9,24 Als Noah aus seinem Rausch aufwachte, erfuhr er, was sein zweiter Sohn
ihm angetan hatte.
1Mo 9,25 »Verflucht sei Kanaan!«, rief er. »Er soll für seine Brüder der
niedrigste aller Knechte sein!«
1Mo 9,26 Weiter sagte er: »Gelobt sei der Herr, der Gott Sems! Er mache Kanaan
zu Sems Knecht!
1Mo 9,27 Gott gebe Jafet viel Land, damit er sich ausbreiten kann. Sein eigenes
Gebiet soll sich in das Gebiet Sems erstrecken! Er mache Kanaan zu Jafets
Knecht!«
1Mo 9,28 Noah lebte nach der Flut noch 350 Jahre
1Mo 9,29 und starb im Alter von 950 Jahren.
1Mo 10,1 Dies ist der Stammbaum der drei Söhne Noahs, Sem, Ham und Jafet. Ihre
Söhne wurden nach der Flut geboren.
1Mo 10,2 Jafets Söhne hießen: Gomer, Magog, Madai, Jawan, Tubal, Meschech und
Tiras.
1Mo 10,3 Von Gomer stammen Aschkenas, Rifat und Togarma ab;
1Mo 10,4 von Jawan: Elischa, Tarsis, die Kittäer und die Rodaniter.
1Mo 10,5 Jawans Nachkommen breiteten sich in den Küstenländern und auf den
Inseln aus. Sie wuchsen zu Völkern heran, die in Sippen zusammenlebten. Jedes
Volk hatte sein eigenes Gebiet und redete eine eigene Sprache.
1Mo 10,6 Hams Söhne waren: Kusch, Mizrajim, Put und Kanaan.
1Mo 10,7 Von Kusch stammen ab: Seba, Hawila, Sabta, Ragma und Sabtecha; von
Ragma: Saba und Dedan.
1Mo 10,8 Kusch hatte noch einen Sohn mit Namen Nimrod. Er war der erste
Herrscher, der sich andere Völker mit Gewalt unterwarf.
1Mo 10,9 Vor dem Herrn galt er als ein unerschrockener Jäger. Darum gibt es noch
heute das Sprichwort: »Er gilt vor dem Herrn als ein unerschrockener Jäger wie
Nimrod.«
1Mo 10,10 Den Ausgangspunkt seines Reiches bildeten die Städte Babylon, Erech,
Akkad und Kalne, die im Land Schinar liegen.
1Mo 10,11 Von da aus drang er nach Assyrien vor und vergrößerte sein Reich. Dort
ließ er die große Stadt Ninive bauen sowie Rehobot-Ir, Kelach
1Mo 10,12 und Resen, das zwischen Ninive und Kelach liegt.
1Mo 10,13 Von Mizrajim stammen ab: die Luditer, die Anamiter, die Lehabiter, die
Naftuhiter,
1Mo 10,14 die Patrositer, die Kasluhiter, auf die die Philister zurückgehen, und
die Kaftoriter.
1Mo 10,15 Kanaans ältester Sohn hieß Sidon, außerdem stammen von ihm ab: Het
1Mo 10,16 sowie die Jebusiter, Amoriter, Girgaschiter,
1Mo 10,17 Hiwiter, Arkiter, Siniter,
1Mo 10,18 Arwaditer, Zemariter und die Hamatiter. Später breiteten sich die
Sippen der Kanaaniter immer mehr aus,
1Mo 10,19 so dass ihr Gebiet von Sidon südwärts bis nach Gerar und Gaza reichte
und ostwärts bis nach Sodom und Gomorra, Adma, Zebojim und Lescha.
1Mo 10,20 Diese alle sind Hams Nachkommen. Sie wuchsen zu Völkern heran, die in
Sippen zusammenlebten. Jedes Volk hatte sein eigenes Gebiet und eine eigene
Sprache.
1Mo 10,21 Auch Sem, der ältere Bruder Jafets, hatte Söhne. Er ist der Stammvater
aller Nachkommen Ebers.
1Mo 10,22 Sems Söhne hießen: Elam, Assur, Arpachschad, Lud und Aram.
1Mo 10,23 Von Aram stammen Uz, Hul, Geter und Masch ab.
1Mo 10,24 Arpachschads Sohn hieß Schelach, und Schelach war der Vater Ebers.
1Mo 10,25 Eber hatte zwei Söhne: Der eine hieß Peleg (»Teilung«), weil sich
damals die Menschen auf der Erde verteilten; der andere hieß Joktan.
1Mo 10,26 Von Joktan stammen ab: Almodad, Schelef, Hazarmawet, Jerach,
1Mo 10,27 Hadoram, Usal, Dikla,
1Mo 10,28 Obal, Abimaël, Saba,
1Mo 10,29 Ofir, Hawila und Jobab. Sie alle sind seine Söhne.
1Mo 10,30 Ihr Gebiet erstreckte sich von Mescha über Sefar bis zum Gebirge im
Osten.
1Mo 10,31 Diese alle sind Sems Nachkommen. Sie wuchsen zu Völkern heran, die in
Sippen zusammenlebten. Jedes Volk hatte sein eigenes Gebiet und eine eigene
Sprache.
1Mo 10,32 Die genannten Männer sind Nachkommen Noahs. Von ihnen stammen alle
Völker ab, die nach der großen Flut auf der Erde lebten.
1Mo 11,1 Damals sprachen die Menschen noch eine einzige Sprache, die allen
gemeinsam war.
1Mo 11,2 Als sie von Osten weiterzogen, fanden sie eine Talebene im Land Schinar.
Dort ließen sie sich nieder
1Mo 11,3 und fassten einen Entschluss. »Los, wir formen und brennen
Ziegelsteine!«, riefen sie einander zu. Die Ziegel wollten sie als Bausteine
benutzen und Teer als Mörtel.
1Mo 11,4 »Auf! Jetzt bauen wir uns eine Stadt mit einem Turm, dessen Spitze bis
zum Himmel reicht!«, schrien sie. »Dadurch werden wir überall berühmt. Wir
werden nicht über die ganze Erde zerstreut, weil der Turm unser Mittelpunkt ist
und uns zusammenhält!«
1Mo 11,5 Da kam der Herr vom Himmel herab, um sich die Stadt und das Bauwerk
anzusehen, das sich die Menschen errichteten.
1Mo 11,6 Er sagte: »Sie sind ein einziges Volk mit einer gemeinsamen Sprache.
Was sie gerade tun, ist erst der Anfang, denn durch ihren vereinten Willen wird
ihnen von jetzt an jedes Vorhaben gelingen!
1Mo 11,7 Wir werden hinuntersteigen und ihre Sprache verwirren, damit keiner
mehr den anderen versteht!«
1Mo 11,8 So zerstreute der Herr die Menschen über die ganze Erde; den Bau der
Stadt mussten sie abbrechen.
1Mo 11,9 Darum wird die Stadt Babylon (»Verwirrung«) genannt, weil dort der Herr
die Sprache der Menschheit verwirrte und alle über die ganze Erde zerstreute.
1Mo 11,10 Dies ist das Verzeichnis von Sems Nachkommen: Sem war 100 Jahre alt,
als er Arpachschad zeugte. Das war zwei Jahre nach der Wasserflut.
1Mo 11,11 Danach lebte er noch 500 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,12 Arpachschad war 35 Jahre alt, als er Schelach zeugte.
1Mo 11,13 Danach lebte er noch 403 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,14 Schelach war 30 Jahre alt, als er Eber zeugte.
1Mo 11,15 Danach lebte er noch 403 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,16 Eber war 34 Jahre alt, als er Peleg zeugte.
1Mo 11,17 Danach lebte er noch 430 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,18 Peleg war 30 Jahre alt, als er Regu zeugte.
1Mo 11,19 Danach lebte er noch 209 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,20 Regu war 32 Jahre alt, als er Serug zeugte.
1Mo 11,21 Danach lebte er noch 207 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,22 Serug war 30 Jahre alt, als er Nahor zeugte.
1Mo 11,23 Danach lebte er noch 200 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,24 Nahor war 29 Jahre alt, als er Terach zeugte.
1Mo 11,25 Danach lebte er noch 119 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter.
1Mo 11,26 Terach war 70 Jahre alt, als er Abram, Nahor und Haran zeugte.
1Mo 11,27 Dies ist das Verzeichnis von Terachs Nachkommen: Terachs Söhne waren
Abram, Nahor und Haran. Haran war der Vater Lots,
1Mo 11,28 er starb noch vor seinem Vater Terach in seiner Heimat Ur in
Babylonien.
1Mo 11,29 Abram heiratete Sarai, und Nahor heiratete Milka, die Tochter Harans
und Schwester Jiskas.
1Mo 11,30 Sarai bekam keine Kinder.
1Mo 11,31 Terach verließ mit seinem Sohn Abram, seinem Enkel Lot und seiner
Schwiegertochter Sarai Ur in Babylonien, um in das Land Kanaan auszuwandern. Sie
kamen nach Haran und schlugen dort ihre Zelte auf.
1Mo 11,32 Dort starb Terach im Alter von 205 Jahren.
1Mo 12,1 Der Herr sagte zu Abram: »Geh fort aus deinem Land, verlass deine
Heimat und deine Verwandtschaft, und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!
1Mo 12,2 Deine Nachkommen sollen zu einem großen Volk werden; ich werde dir viel
Gutes tun; deinen Namen wird jeder kennen und mit Achtung aussprechen. Durch
dich werden auch andere Menschen am Segen teilhaben.
1Mo 12,3 Wer dir Gutes wünscht, den werde ich segnen. Wer dir aber Böses
wünscht, den werde ich verfluchen! Alle Völker der Erde sollen durch dich
gesegnet werden.«
1Mo 12,4 Abram gehorchte und machte sich auf den Weg. Er war zu diesem Zeitpunkt
75 Jahre alt.
1Mo 12,5 Mit ihm kamen seine Frau Sarai, sein Neffe Lot, alle Knechte und Mägde
und ihr ganzer Besitz. Sie erreichten Kanaan
1Mo 12,6 und durchzogen das Land, das damals von den Kanaanitern bewohnt wurde.
Bei Sichem ließen sie sich nieder, in der Nähe des Orakelbaums.
1Mo 12,7 An dieser Stätte zeigte der Herr sich Abram und versprach ihm: »Ich
werde dieses Land deinen Nachkommen geben!« Abram schichtete Steine auf als
Opferstätte für Gott, dort, wo der Herr ihm erschienen war.
1Mo 12,8 Dann zog er weiter nach Süden zu dem Gebirge östlich von Bethel.
Zwischen Bethel im Westen und Ai im Osten schlugen Abram und die Seinen ihre
Zelte auf, und auch hier schichtete er Steine auf als Opferstätte für den Herrn.
Dort betete er den Herrn an.
1Mo 12,9 Abram blieb nicht lange, weil er weiter nach Süden wollte.
1Mo 12,10 Im Land Kanaan brach eine Hungersnot aus. Abram zog nach Ägypten, um
während dieser Zeit dort zu leben.
1Mo 12,11 Kurz vor der ägyptischen Grenze sagte er zu seiner Frau Sarai: »Weil
du so schön bist, wirst du bei den Männern Aufsehen erregen.
1Mo 12,12 Wenn dich die Ägypter sehen, sagen sie bestimmt: ›Das ist seine Frau.
Wenn wir ihn töten, haben wir sie für uns!‹
1Mo 12,13 Sag doch einfach, du seist meine Schwester, dann werden sie mich
bestimmt gut behandeln und leben lassen!«
1Mo 12,14 Tatsächlich zog Sarai die Aufmerksamkeit der Ägypter auf sich.
1Mo 12,15 Selbst die Beamten des Pharaos waren beeindruckt und lobten Sarais
Schönheit vor ihm. Da ließ er Sarai in seinen Palast holen
1Mo 12,16 und überhäufte Abram ihretwegen mit Geschenken: Diener, Schafe,
Ziegen, Rinder, Esel und Kamele.
1Mo 12,17 Aber der Herr bestrafte den Pharao und seine Familie mit Krankheiten,
weil er sich Sarai zur Frau genommen hatte.
1Mo 12,18 Da rief der Pharao Abram zu sich und stellte ihn zur Rede: »Was hast
du mir da angetan? Warum hast du mir nicht gesagt, dass sie deine Frau ist?
1Mo 12,19 Warum hast du behauptet, sie sei deine Schwester, so dass ich sie mir
zur Frau nahm? Hier, nimm sie zurück! Macht, dass ihr wegkommt!«
1Mo 12,20 Er beauftragte Soldaten, die Abram und seine Frau mit ihrem ganzen
Besitz zur ägyptischen Grenze zurückbrachten.
1Mo 13,1 Abram kehrte in den Süden des Landes Kanaan zurück und mit ihm seine
Frau und sein Neffe Lot. Ihren ganzen Besitz führten sie mit sich.
1Mo 13,2 Abram war sehr reich. Er besaß viele Viehherden, dazu Silber und Gold.
1Mo 13,3 Sie blieben aber nicht im Süden, sondern zogen in Tagesmärschen nach
Bethel - zu jener Stelle, wo sie ihr Zelt zuerst aufgeschlagen hatten, zwischen
Bethel und Ai.
1Mo 13,4 Bei der Opferstätte, die Abram damals aus Steinen erbaut hatte, betete
er nun zum Herrn.
1Mo 13,5 Wie Abram war auch Lot sehr reich: Er besaß viele Schafe, Ziegen und
Rinder und eine große Anzahl Diener und Mägde.
1Mo 13,6 Darum gab es nicht genug Weideplätze für alle Viehherden. Sie konnten
unmöglich zusammenbleiben,
1Mo 13,7 zumal die Kanaaniter und die Perisiter noch im Land wohnten. Immer
wieder gerieten Abrams und Lots Hirten aneinander.
1Mo 13,8 Abram besprach das mit Lot: »Es soll kein böses Blut zwischen unseren
Hirten geben! Wir sind doch Verwandte und sollten uns nicht streiten!
1Mo 13,9 Es ist besser, wenn wir uns trennen. Das Land ist groß genug.
Entscheide du, wo du dich niederlassen möchtest! Wenn du den Westen wählst, gehe
ich nach Osten. Wenn du lieber nach Osten ziehst, gehe ich nach Westen.«
1Mo 13,10 Lot betrachtete das Land genau und sah die fruchtbare Jordanebene -
überall reich bewässert, bis nach Zoar hin. Später veränderte sich die
Landschaft, nachdem der Herr Sodom und Gomorra vernichtet hatte. Die Jordanebene
sah aus wie der Garten des Herrn oder das Niltal in Ägypten.
1Mo 13,11 Darum wählte Lot diese Gegend. Er verabschiedete sich von Abram und
machte sich auf den Weg nach Osten.
1Mo 13,12 Abram blieb im Land Kanaan, während Lot sich bei den Städten in der
Jordanebene aufhielt und mit seinen Zelten umherzog, bis er an die Stadt Sodom
herankam.
1Mo 13,13 Die Menschen in dieser Stadt waren schlecht. Was sie taten,
verabscheute der Herr.
1Mo 13,14 Nachdem die beiden sich getrennt hatten, sagte der Herr zu Abram:
»Schau dich nach allen Seiten um!
1Mo 13,15 Das ganze Land, alles, was du jetzt siehst, will ich dir und deinen
Nachkommen geben - für immer!
1Mo 13,16 Ich will dir so viele Nachkommen schenken, dass sie unzählbar sind wie
der Staub auf der Erde!
1Mo 13,17 Mach dich auf den Weg, und durchziehe das Land nach allen Richtungen,
denn dir will ich es geben!«
1Mo 13,18 Abram zog also weiter und schlug seine Zelte bei den Terebinthen von
Mamre auf, nahe bei Hebron. Dort baute er aus Steinen eine Anbetungsstätte für
den Herrn.
1Mo 14,1 Im Land Kanaan brach Krieg aus: Amrafel, König von Schinar, Arjoch,
König von Ellasar, Kedor-Laomer, König von Elam, und Tidal, König von Gojim,
1Mo 14,2 kämpften gegen Bera, König von Sodom, Birscha, König von Gomorra,
Schinab, König von Adma, Schemeber, König von Zebojim, und gegen den König von
Bela, das später Zoar hieß.
1Mo 14,3 Diese zuletzt genannten fünf Könige hatten sich verbündet und zogen mit
ihren Truppen zum Tal Siddim, wo später das Tote Meer entstand.
1Mo 14,4 Zwölf Jahre lang hatte Kedor-Laomer die Oberherrschaft über sie
ausgeübt, aber im dreizehnten Jahr lehnten sie sich gegen ihn auf.
1Mo 14,5 Jetzt, ein Jahr später, marschierten Kedor-Laomer und seine Verbündeten
auf, und der Krieg begann. Zuerst schlugen sie folgende Völkerstämme: die
Refaïter bei Aschterot-Karnajim, die Susiter bei Ham, die Emiter in der Ebene
von Kirjatajim
1Mo 14,6 und die Horiter im Gebirge Seïr bis nach El-Paran am Rande der Wüste.
1Mo 14,7 Danach kehrten sie zurück nach En-Mischpat, dem späteren Kadesch. Sie
verwüsteten das ganze Gebiet der Amalekiter und auch die Gegend um Hazezon-Tamar,
die von den Amoritern bewohnt wurde.
1Mo 14,8 Doch dann stellten sich ihnen im Tal Siddim die Heere der abtrünnigen
Könige entgegen: der Könige von Sodom, von Gomorra, von Adma, von Zebojim und
von Bela, dem späteren Zoar.
1Mo 14,9 Diese kämpften nun gegen Kedor-Laomer und seine Verbündeten, vier
Könige gegen fünf.
1Mo 14,10 Das Tal war voller Asphaltgruben. Als die Könige von Sodom und Gomorra
in die Flucht geschlagen wurden, stürzten sie hinein, die anderen entkamen ins
Gebirge.
1Mo 14,11 Die Sieger plünderten Sodom und Gomorra, sie raubten wertvolle
Gegenstände und die Lebensmittelvorräte.
1Mo 14,12 Auch Lot, den Neffen Abrams, der in Sodom wohnte, verschleppten sie,
dazu seinen gesamten Besitz.
1Mo 14,13 Ein Flüchtling aber konnte sich zu Abram durchschlagen, der zu der
Zeit bei den Terebinthen des Amoriters Mamre wohnte. Mamre und seine Brüder
Eschkol und Aner waren mit Abram verbündet.
1Mo 14,14 Als Abram erfuhr, dass Lot verschleppt worden war, bewaffnete er alle
kampferprobten Leute, die in seinem Lager geboren waren - 318 Männer -, und
jagte den vier Königen hinterher. Bei Dan im Norden holte er sie ein,
1Mo 14,15 teilte seine Leute in zwei Gruppen auf und überfiel die Feinde bei
Nacht. Er schlug sie in die Flucht und verfolgte sie bis nach Hoba, nördlich von
Damaskus.
1Mo 14,16 Das Erbeutete nahm er ihnen wieder ab; er befreite Lot, die Frauen und
alle anderen Gefangenen.
1Mo 14,17 Als Abram von seiner siegreichen Schlacht gegen Kedor-Laomer und
dessen Verbündete zurückkehrte, zog ihm der König von Sodom ins Schawetal
entgegen, das jetzt Königstal genannt wird.
1Mo 14,18 Ebenso kam Melchisedek, der König von Salem, dorthin und brachte Brot
und Wein mit. Er war Priester des höchsten Gottes.
1Mo 14,19 Melchisedek sagte zu Abram: »Der höchste Gott, der Himmel und Erde
geschaffen hat, schenke dir seinen Segen, Abram!
1Mo 14,20 Gepriesen sei der höchste Gott, denn er gab dir Macht über deine
Feinde.« Da gab Abram Melchisedek den zehnten Teil von allen Gütern, die er den
Königen abgenommen hatte.
1Mo 14,21 Der König von Sodom bat Abram: »Gib mir nur meine Leute zurück - alles
andere kannst du behalten!«
1Mo 14,22 Abram entgegnete ihm: »Ich schwöre bei dem Herrn, dem höchsten Gott,
der Himmel und Erde geschaffen hat:
1Mo 14,23 Nicht einmal einen Schuhriemen behalte ich von dem, was dir gehört! Du
sollst niemals sagen können: ›Ich habe Abram reich gemacht!‹
1Mo 14,24 Nur was meine Männer verzehrt haben, gebe ich dir nicht zurück.
Außerdem sollen meine Verbündeten Aner, Eschkol und Mamre ihren Beuteanteil
bekommen. Ich aber will nichts davon!«
1Mo 15,1 Danach redete der Herr zu Abram in einer Vision: »Hab keine Angst,
Abram, ich selbst beschütze dich, ich werde dich auch reich belohnen!«
1Mo 15,2 [2/3] Aber Abram entgegnete: »Ach Herr, mein Gott, was willst du mir
denn schon geben? Ich habe keinen Sohn, und ohne einen Nachkommen sind alle
Geschenke wertlos. Ein Diener meines Hauses - Eliëser von Damaskus - wird meinen
ganzen Besitz erben.«
1Mo 15,4 »Nein«, erwiderte der Herr, »nicht dein Diener, sondern dein eigener
Sohn wird den ganzen Besitz übernehmen!«
1Mo 15,5 Er führte Abram aus dem Zelt nach draußen und sagte zu ihm: »Schau dir
den Himmel an, und versuche, die Sterne zu zählen! Genauso werden deine
Nachkommen sein - unzählbar!«
1Mo 15,6 Abram nahm dieses Versprechen ernst. Er setzte sein ganzes Vertrauen
auf den Herrn, und so fand er Gottes Anerkennung.
1Mo 15,7 Daraufhin sagte der Herr zu ihm: »Ich bin der Herr, der dich aus der
Stadt Ur in Babylonien herausgeführt hat, um dir dieses Land zu geben.«
1Mo 15,8 »Herr, mein Gott«, erwiderte Abram, »woher kann ich wissen, dass dieses
Land einmal mir gehört?«
1Mo 15,9 [9/10] Da sagte der Herr: »Bring mir eine dreijährige Kuh, eine
dreijährige Ziege, einen dreijährigen Schafbock, eine Turteltaube und eine junge
Taube; schneide sie mittendurch, und lege die Hälften einander gegenüber. Nur
die Tauben zerteile nicht!« Abram tat, was der Herr ihm befohlen hatte;
1Mo 15,11 und als Raubvögel sich auf die Tiere stürzten, verscheuchte er sie.
1Mo 15,12 Bei Sonnenuntergang wurde Abram müde und fiel in einen tiefen Schlaf.
Eine schreckliche Angst überkam ihn, und dunkle Vorahnungen beunruhigten ihn
sehr.
1Mo 15,13 Da sagte Gott zu ihm: »Ich vertraue dir jetzt etwas an, das in der
Zukunft geschehen wird: Deine Nachkommen werden in einem fremden Land
unterdrückt. Sie arbeiten dort als Sklaven - vierhundert Jahre lang.
1Mo 15,14 Aber ich werde das Volk bestrafen, das sie dazu gezwungen hat. Mit
großen Reichtümern werden sie von dort wegziehen;
1Mo 15,15 [15/16] nach vier Generationen kehren sie in das Land Kanaan zurück.
Bis dahin leben die Amoriter in diesem Land, denn sie sind noch nicht reif für
das Gericht. Du selbst wirst ein hohes Alter erreichen, in Frieden sterben und
begraben werden.«
1Mo 15,17 Die Sonne war inzwischen untergegangen, und es war dunkel geworden. Da
sah Abram einen rauchenden Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den
Fleischstücken hindurch.
1Mo 15,18 So schloss der Herr einen Bund mit Abram und versprach ihm: »Ich gebe
deinen Nachkommen dieses Land, von der ägyptischen Grenze bis zum Euphrat -
1Mo 15,19 das ganze Land, in dem jetzt die Keniter, Kenasiter und die Kadmoniter,
1Mo 15,20 die Hetiter, Perisiter und die Refaïter,
1Mo 15,21 die Amoriter, Kanaaniter, Girgaschiter und die Jebusiter wohnen.«
1Mo 16,1 [1/2] Abram und Sarai bekamen keine Kinder. Da schlug Sarai ihrem Mann
vor: »Der Herr hat mir keine Kinder geschenkt. Aber nach den geltenden Gesetzen
kannst du mir durch eine Sklavin Kinder schenken. Ich habe doch eine ägyptische
Sklavin, die heißt Hagar. Ich überlasse sie dir, vielleicht wird mir durch sie
ein Kind geboren!« Abram war einverstanden,
1Mo 16,3 und Sarai gab ihm Hagar zur Nebenfrau. Sie lebten zu der Zeit schon
zehn Jahre im Land Kanaan.
1Mo 16,4 Er schlief mit Hagar, und sie wurde schwanger. Als Hagar wusste, dass
sie schwanger war, sah sie auf ihre Herrin herab.
1Mo 16,5 Da beklagte Sarai sich bei Abram: »Jetzt, wo Hagar weiß, dass sie ein
Kind bekommt, verachtet sie mich - dabei war ich es, die sie dir überlassen hat!
Du bist schuld, dass ich jetzt so gedemütigt werde! Der Herr soll darüber
urteilen!«
1Mo 16,6 »Sie ist dein Eigentum«, erwiderte Abram, »ich lasse dir freie Hand -
mach mit ihr, was du willst!« In der folgenden Zeit behandelte Sarai Hagar so
schlecht, dass sie davonlief.
1Mo 16,7 Der Engel des Herrn fand sie an einer Quelle in der Wüste auf dem Weg
nach Schur
1Mo 16,8 und fragte sie: »Hagar, Sklavin Sarais, woher kommst du, und wohin
gehst du?« »Ich bin meiner Herrin Sarai davongelaufen«, antwortete sie.
1Mo 16,9 Da sagte der Engel zu ihr: »Geh zu ihr zurück. Bleib ihre Sklavin!
1Mo 16,10 Der Herr wird dir so viele Nachkommen schenken, dass man sie nicht
mehr zählen kann!
1Mo 16,11 Du wirst einen Sohn bekommen. Nenne ihn Ismael, denn der Herr hat
gehört, wie du gelitten hast.
1Mo 16,12 Dein Sohn wird wie ein wildes Tier sein, das niemand bändigen kann. Er
wird mit jedem kämpfen und jeder mit ihm. Aber niemand kann ihn wegjagen. Er
wird in der Nähe seiner Verwandten wohnen.«
1Mo 16,13 Da rief Hagar aus: »Den, der mich angeschaut hat, habe ich tatsächlich
hier gesehen!« Darum gab sie dem Herrn, der mit ihr gesprochen hatte, den Namen:
»Der Gott, der mich anschaut.«
1Mo 16,14 Seitdem wurde diese Quelle »Quelle des Lebendigen, der mich anschaut«
genannt. Sie liegt zwischen Kadesch und Bered.
1Mo 16,15 Hagar ging wieder zurück. Sie bekam einen Sohn, und Abram nannte ihn
Ismael.
1Mo 16,16 Abram war zu der Zeit 86 Jahre alt.
1Mo 17,1 Als Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sagte zu ihm:
»Ich bin Gott, der Macht hat über alles. Wo du auch bist, lebe mit mir, und tu,
was recht ist.
1Mo 17,2 Ich will einen Bund mit dir schließen, und ich sichere dir zu: Du wirst
unzählbar viele Nachkommen haben.«
1Mo 17,3 Da warf sich Abram zu Boden, und Gott sprach weiter zu ihm:
1Mo 17,4 [4/5] »Du wirst Stammvater vieler Völker werden. Darum sollst du von
nun an nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham.
1Mo 17,6 Ich werde dir so viele Nachkommen geben, dass zahlreiche Völker daraus
entstehen - sogar Könige sollen von dir abstammen!
1Mo 17,7 Dieser Bund gilt für alle Zeiten, für dich und für deine Nachkommen. Es
ist ein Versprechen, das niemals gebrochen wird: Ich bin dein Gott und der Gott
deiner Nachkommen,
1Mo 17,8 und ich gebe euch das ganze Land Kanaan, wo ihr bisher nur Fremde seid.
Ihr werdet es für immer besitzen, und ich werde euer Gott sein.
1Mo 17,9 Doch auch du, Abraham, musst dich bei unserem Bund zu etwas
verpflichten, und deine Nachkommen sollen sich ebenfalls daran halten:
1Mo 17,10 [10/11] Alle Männer unter euch sollen an der Vorhaut ihres Gliedes
beschnitten werden - als Zeichen dafür, dass ich mit euch einen Bund geschlossen
habe.
1Mo 17,12 [12/13] Bei allen männlichen Neugeborenen soll die Beschneidung am
achten Tag durchgeführt werden. Das gilt auch für Sklaven, die ihr von den
Ausländern gekauft habt, und für Sklaven, die bei euch geboren wurden. So tragt
ihr an eurem Körper das Zeichen des Bundes, der nie aufhören wird.
1Mo 17,14 Wer sich nicht beschneiden lassen will, der muss aus dem Volk
ausgeschlossen werden und sterben, denn er hat den Bund mit mir gebrochen.«
1Mo 17,15 Dann sagte Gott: »Auch deine Frau soll einen anderen Namen erhalten:
Nenne sie nicht mehr Sarai, denn von nun an heißt sie Sara.
1Mo 17,16 Ich werde sie reich beschenken, sie soll einen Sohn von dir empfangen.
Mein Segen bedeutet noch mehr: Sie soll die Stammmutter zahlreicher Völker
werden, und Könige werden von ihr abstammen!«
1Mo 17,17 Da warf Abraham sich erneut zu Boden - aber im Stillen lachte er in
sich hinein. Er dachte: »Wie kann ich mit hundert Jahren noch einen Sohn zeugen?
Und Sara ist schon neunzig, wie kann sie da noch Mutter werden?«
1Mo 17,18 Laut sagte er dann zu Gott: »Ja, erhalte doch Ismael am Leben!«
1Mo 17,19 »Du hast mich nicht verstanden«, entgegnete Gott, »deine Frau Sara
wird einen Sohn bekommen! Gib ihm den Namen Isaak! Mit ihm werde ich meinen Bund
aufrechterhalten, und für seine Nachkommen wird der Bund ebenfalls gelten.
1Mo 17,20 Aber auch deine Bitte für Ismael will ich erfüllen. Ich werde ihn
segnen und ihm viele Nachkommen schenken. Zwölf Fürsten sollen von ihm
abstammen, und er wird der Stammvater eines großen Volkes werden.
1Mo 17,21 Trotzdem werde ich meinen Bund mit Isaak schließen; nächstes Jahr um
diese Zeit wird Sara Mutter werden.«
1Mo 17,22 Nachdem Gott dies gesagt hatte, erhob er sich zum Himmel.
1Mo 17,23 Kurz darauf, noch am selben Tag, beschnitt Abraham seinen Sohn Ismael
und alle männlichen Sklaven, die bei ihm geboren oder von Ausländern gekauft
worden waren - so wie Gott es ihm aufgetragen hatte.
1Mo 17,24 Auch Abraham ließ sich beschneiden. Er war 99 Jahre alt
1Mo 17,25 und Ismael 13 Jahre.
1Mo 17,26 Beide wurden am selben Tag beschnitten,
1Mo 17,27 zusammen mit allen, die bei ihnen wohnten.
1Mo 18,1 Abraham wohnte bei den Terebinthen von Mamre, da erschien ihm der Herr
wieder. Abraham saß in der heißen Mittagszeit am Eingang seines Zeltes,
1Mo 18,2 als er plötzlich drei Männer bemerkte, die auf ihn zukamen. Sofort
sprang er auf, lief ihnen entgegen, verneigte sich bis zur Erde und bat:
1Mo 18,3 [3-5] »Mein Herr, bitte schenk mir deine Aufmerksamkeit, und geh nicht
einfach weiter! Ich lasse Wasser holen für eure Füße, ruht euch solange unter
dem Baum aus; ich sorge für das Essen, damit ihr gestärkt weitergehen könnt! Ihr
sollt nicht umsonst bei mir vorbeigekommen sein!« »Einverstanden«, sagten die
drei, »tu, was du dir vorgenommen hast!«
1Mo 18,6 Abraham lief ins Zelt zurück und rief Sara zu: »Schnell! Nimm eine
große Schüssel vom besten Mehl, das wir haben, und backe davon einige
Brotfladen!«
1Mo 18,7 Er lief weiter zu seiner Rinderherde, wählte ein zartes, gesundes Kalb
aus und befahl seinem Knecht, es so schnell wie möglich zuzubereiten.
1Mo 18,8 Den fertigen Braten bot er dann seinen Gästen mit Sauerrahm und Milch
an. Sie saßen im Schatten des Baumes, und während sie aßen, bediente Abraham
sie.
1Mo 18,9 »Wo ist denn deine Frau Sara?«, fragten sie ihn. »Hier im Zelt«,
antwortete Abraham.
1Mo 18,10 Da sagte der Herr: »Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu
euch, und dann wird Sara einen Sohn haben.« Sara stand hinter ihnen im
Zelteingang und lauschte.
1Mo 18,11 [11/12] Sie lachte heimlich. Denn Abraham und sie waren beide sehr
alt, und Sara konnte gar keine Kinder mehr bekommen. Darum dachte sie: »Ich bin
verbraucht, und meinem Mann geht es genauso - er ist kraftlos geworden. Nein,
die Zeit der Liebe ist längst vorbei!«
1Mo 18,13 Da sagte der Herr zu Abraham: »Warum lacht Sara? Warum zweifelt sie an
meinen Worten, dass sie noch ein Kind bekommen wird?
1Mo 18,14 Für mich ist nichts unmöglich! Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich
wieder zu euch - dann hat Sara ihren Sohn!«
1Mo 18,15 Sara fürchtete sich und log: »Ich habe nicht gelacht!« Aber der Herr
erwiderte ihr: »Doch, du hast gelacht!«
1Mo 18,16 Danach machten sich die drei auf den Weg nach Sodom, und Abraham
begleitete sie noch ein Stück.
1Mo 18,17 »Soll ich wirklich vor Abraham verbergen, was ich mit Sodom und
Gomorra vorhabe?«, dachte der Herr.
1Mo 18,18 »Wenn er durch mich zum Stammvater eines großen und mächtigen Volkes
wird, dann kann ich es ihm nicht vorenthalten. Schließlich soll sogar allen
Völkern der Erde durch ihn Gutes zuteil werden.
1Mo 18,19 Ich selbst habe ihn auserwählt; und er soll seine Nachkommen
auffordern, so zu leben, wie es mir gefällt. Sie sollen das Recht achten und
Gerechtigkeit üben, damit ich meine Zusage einlösen kann, die ich Abraham
gegeben habe.«
1Mo 18,20 Darum sagte der Herr laut: »Harte Anschuldigungen habe ich über die
Menschen von Sodom und Gomorra vernommen: Sie sollen ein abscheuliches Leben
führen.
1Mo 18,21 Ich gehe jetzt dorthin, um selbst nachzusehen, ob die schweren
Vorwürfe wirklich zutreffen.«
1Mo 18,22 Die zwei anderen Männer gingen weiter in Richtung Sodom, nur der Herr
blieb noch mit Abraham zurück.
1Mo 18,23 Abraham trat näher heran und fragte: »Willst du wirklich Unschuldige
und Schuldige zusammen vernichten?
1Mo 18,24 Vielleicht findest du ja fünfzig Leute in der Stadt, die nichts Böses
getan haben und dir dienen. Willst du die Stadt nicht um ihretwillen verschonen?
1Mo 18,25 Es wäre unrecht von dir, Sodom ganz zu vernichten! Denn dann tötest du
ohne Unterschied den Schuldlosen und den Schuldigen und behandelst beide gleich.
Das wäre nicht recht! Du bist der Richter der ganzen Welt und willst gegen die
Gerechtigkeit verstoßen?«
1Mo 18,26 Da erwiderte der Herr: »Wenn ich in Sodom fünfzig Unschuldige finde,
werde ich um ihretwillen den ganzen Ort verschonen.«
1Mo 18,27 Abraham aber ließ nicht locker: »Ich habe es nun einmal gewagt, mit
dem Herrn zu sprechen, obwohl ich nur ein vergänglicher Mensch bin.
1Mo 18,28 Angenommen, es gibt bloß fünfundvierzig Menschen, die kein Unrecht
getan haben - willst du wegen der fehlenden fünf die ganze Stadt zerstören?«
»Nein«, sagte der Herr, »wenn ich fünfundvierzig finde, verschone ich die
Stadt.«
1Mo 18,29 Abraham tastete sich noch weiter vor: »Und wenn es nur vierzig sind?«
Der Herr versprach: »Auch dann vernichte ich die Stadt nicht.«
1Mo 18,30 »Bitte werde nicht zornig, wenn ich weiterrede«, bat Abraham,
»vielleicht gibt es nur dreißig dort?« »Selbst dann werde ich es nicht tun.«
1Mo 18,31 Abraham setzte zum fünften Mal an: »Ich habe es nun einmal gewagt,
Herr, mit dir zu reden! Angenommen, es sind nur zwanzig?« Und der Herr sprach:
»Dann werde ich die Stadt trotzdem verschonen.«
1Mo 18,32 »Mein Herr«, sagte Abraham, »bitte werde nicht zornig, wenn ich zum
Schluss noch einmal spreche: Was wirst du tun, wenn dort nur zehn unschuldige
Menschen wohnen?« Wieder antwortete der Herr: »Die zehn werden verschont bleiben
und ebenso die ganze Stadt.«
1Mo 18,33 Nachdem er dies gesagt hatte, ging er weiter, und Abraham kehrte zu
seinem Zelt zurück.
1Mo 19,1 Am Abend kamen die beiden Engel nach Sodom. Lot saß gerade beim
Stadttor. Als er sie sah, ging er ihnen entgegen, verneigte sich tief und sagte:
1Mo 19,2 »Ich bin euer Diener! Kommt doch mit in mein Haus, und seid meine
Gäste! Ruht euch aus, und bleibt über Nacht! Morgen könnt ihr dann eure Reise
fortsetzen.« »Nein danke, wir möchten lieber im Freien übernachten«, antworteten
die beiden.
1Mo 19,3 Aber Lot drängte sie mitzukommen, bis sie schließlich einwilligten. Zu
Hause brachte er ihnen ein gutes Essen und frisches Brot.
1Mo 19,4 Danach wollten sie sich schlafen legen, doch in der Zwischenzeit waren
alle Männer Sodoms, junge und alte, herbeigelaufen und hatten Lots Haus
umstellt.
1Mo 19,5 Sie brüllten: »Lot, wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen
sind? Gib sie raus, wir wollen sie vergewaltigen!«
1Mo 19,6 Lot zwängte sich durch die Tür nach draußen und schloss sofort wieder
hinter sich zu.
1Mo 19,7 »Freunde, ich bitte euch, begeht doch nicht so ein schweres
Verbrechen!«, rief er.
1Mo 19,8 »Ich habe zwei unverheiratete Töchter, die gebe ich euch heraus. Mit
ihnen könnt ihr machen, was ihr wollt! Nur lasst die Männer in Ruhe, sie stehen
unter meinem Schutz, denn sie sind meine Gäste!«
1Mo 19,9 »Hau ab!«, schrien sie. »Du bist nur ein Ausländer und willst uns
Vorschriften machen? Pass bloß auf, mit dir werden wir es noch schlimmer treiben
als mit den beiden anderen!« Sie überwältigten Lot und wollten gerade die Tür
aufbrechen,
1Mo 19,10 da streckten die beiden Männer die Hand aus, zogen Lot ins Haus und
verschlossen die Tür.
1Mo 19,11 Sie schlugen die Männer von Sodom mit Blindheit, so dass sie die Tür
nicht mehr finden konnten.
1Mo 19,12 Zu Lot sagten sie: »Hast du irgendwelche Verwandte hier in der Stadt?
Seien es Schwiegersöhne, Söhne, Töchter oder sonst jemand von deiner Familie -
bring sie alle von hier fort!
1Mo 19,13 Der Herr hat uns nämlich geschickt, die Stadt zu vernichten, er hat
von dem abscheulichen Verhalten der Einwohner Sodoms gehört. Deshalb werden wir
diese Stadt zerstören.«
1Mo 19,14 Sofort eilte Lot zu den Verlobten seiner Töchter und rief ihnen zu:
»Schnell, verschwindet aus dieser Stadt, denn der Herr wird sie vernichten!«
Aber sie lachten ihn nur aus.
1Mo 19,15 Bei Tagesanbruch drängten die Männer Lot zur Eile: »Schnell, nimm
deine Frau und deine beiden Töchter, bevor ihr in den Untergang der Stadt mit
hineingerissen werdet!«
1Mo 19,16 Weil er noch zögerte, fassten die Engel ihn, seine Frau und seine
beiden Töchter bei der Hand, führten sie hinaus und ließen sie erst außerhalb
der Stadt wieder los, denn der Herr wollte sie verschonen.
1Mo 19,17 »Lauft um euer Leben!«, sagte einer der beiden Engel. »Schaut nicht
zurück, bleibt nirgendwo stehen, sondern flieht ins Gebirge! Wer zurückbleibt,
muss sterben!«
1Mo 19,18 »Ach bitte nicht, Herr«, flehte Lot,
1Mo 19,19 »du warst so gnädig und hast uns das Leben gerettet! Aber bis ins
Gebirge schaffen wir es nicht mehr, bevor das Unglück auch uns packt und
vernichtet.
1Mo 19,20 Die kleine Stadt dort ist nah genug, die können wir noch gut
erreichen. Bitte lass uns dorthin laufen, dann sind wir gerettet. Verschone sie
- siehst du nicht, wie klein sie ist?«
1Mo 19,21 »Gut«, sagte der Engel, »auch diesen Wunsch will ich dir erfüllen. Ich
zerstöre die Stadt nicht.
1Mo 19,22 Flieht schnell dorthin, denn ich kann nichts tun, bevor ihr dort in
Sicherheit seid!« Von da an wurde die Stadt Zoar genannt, was »kleine Stadt«
bedeutet.
1Mo 19,23 Die Sonne ging auf, als Lot in Zoar ankam.
1Mo 19,24 Da ließ der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel auf Sodom und Gomorra
herabfallen.
1Mo 19,25 Er vernichtete sie völlig, zusammen mit den anderen Städten der
Jordanebene. Er löschte alles Leben aus - Menschen, Tiere und Pflanzen.
1Mo 19,26 Lots Frau drehte sich auf der Flucht um und schaute zurück. Sofort
erstarrte sie zu einer Salzsäule.
1Mo 19,27 Am selben Morgen stand Abraham früh auf und eilte zu der Stelle, wo er
mit dem Herrn geredet hatte.
1Mo 19,28 Er sah hinunter auf die Jordanebene: Dort, wo Sodom und Gomorra einmal
standen, stiegen dichte Rauchwolken auf, wie aus einem großen Ofen.
1Mo 19,29 Gott hatte an Abrahams Bitte gedacht: Er zerstörte zwar die Städte, in
denen Lot gewohnt hatte, Lot selbst aber brachte er vorher in Sicherheit.
1Mo 19,30 Lot hatte Angst, länger in Zoar zu bleiben. Er ging mit seinen beiden
Töchtern ins Gebirge hinauf; dort fanden sie eine Höhle, in der sie von nun an
lebten.
1Mo 19,31 [31/32] Eines Tages sagte die ältere Tochter zur jüngeren: »In dieser
verlassenen Gegend gibt es keinen Mann, der uns heiraten könnte. Und unser Vater
ist schon so alt, dass er bestimmt nicht mehr heiraten wird. Wenn unser
Geschlecht nicht aussterben soll, dann müssen wir etwas unternehmen. Deshalb
habe ich mir einen Plan ausgedacht: Wir machen ihn mit Wein betrunken und legen
uns zu ihm.«
1Mo 19,33 Noch am selben Abend machten sie ihren Vater betrunken, und die ältere
Tochter legte sich zu ihm. Lot schlief mit seiner Tochter. In seiner Trunkenheit
merkte er nichts, und am nächsten Morgen konnte er sich nicht mehr erinnern.
1Mo 19,34 Die ältere Schwester ging zur jüngeren und sagte: »Ich habe diese
Nacht mit unserem Vater geschlafen. Das Beste ist, wir machen ihn heute wieder
betrunken, und du schläfst auch mit ihm, damit es sicher ist, dass unsere
Familie erhalten bleibt.«
1Mo 19,35 Am Abend gaben sie ihrem Vater erneut viel Wein zu trinken, und die
Jüngere ging zu ihm. Lot bemerkte wieder nichts.
1Mo 19,36 So wurden beide Töchter von ihrem eigenen Vater schwanger.
1Mo 19,37 Die Ältere bekam einen Sohn und nannte ihn Moab (»von meinem Vater«).
Er wurde der Stammvater der Moabiter.
1Mo 19,38 Auch die Jüngere bekam einen Sohn und nannte ihn Ben-Ammi (»Sohn
meines Verwandten«). Er wurde der Stammvater der Ammoniter.
1Mo 20,1 Abraham zog südwärts in die Landschaft Negev und wohnte eine Zeit lang
zwischen dem Brunnengebiet Kadesch und der Wüste Schur. Danach ließ er sich in
der Stadt Gerar nieder.
1Mo 20,2 Dort gab er seine Frau als seine Schwester aus. Abimelech, der König
von Gerar, fand Gefallen an Sara und ließ sie in sein Haus holen.
1Mo 20,3 In der Nacht erschien Gott Abimelech im Traum und sagte: »Du musst
sterben! Die Frau, die du dir genommen hast, ist verheiratet!«
1Mo 20,4 Abimelech aber hatte noch nicht mit Sara geschlafen. Er entgegnete:
»Herr, willst du mich wirklich töten? Ich bin unschuldig!
1Mo 20,5 Abraham hat zu mir gesagt, sie sei seine Schwester, und sie hat es
bestätigt. Also habe ich es nicht anders wissen können, ich bin unschuldig!«
1Mo 20,6 »Ja, ich weiß«, antwortete Gott, »deshalb habe ich dich auch davor
zurückgehalten, an mir schuldig zu werden. Ich habe dafür gesorgt, dass du keine
Gelegenheit hattest, mit ihr zu schlafen.
1Mo 20,7 Und nun gib sie ihrem Mann zurück! Er ist ein Prophet; er soll für dich
beten, dann wirst du am Leben bleiben. Wenn du sie ihm aber nicht zurückgibst,
musst du auf jeden Fall sterben, und alle, die zu dir gehören, werden umkommen.«
1Mo 20,8 Am nächsten Morgen stand Abimelech früh auf, rief alle seine
Untergebenen zusammen und erzählte ihnen, was vorgefallen war. Die Männer
bekamen große Angst.
1Mo 20,9 Dann rief er Abraham zu sich und stellte ihn zur Rede: »Warum hast du
uns das angetan? Was haben wir verbrochen, dass du mich und mein Volk in solch
große Schuld hineinziehst? Ich verstehe dein hinterhältiges Verhalten nicht.
1Mo 20,10 Was hast du dir nur dabei gedacht?«
1Mo 20,11 Abraham erwiderte: »Ich glaubte, die Leute in dieser Stadt hätten
keine Ehrfurcht vor Gott und kümmerten sich nicht um Gut und Böse. Ich dachte:
›Sie wollen bestimmt meine Frau haben und werden mich deshalb töten!‹
1Mo 20,12 Außerdem ist sie wirklich meine Schwester: Wir haben nämlich beide
denselben Vater, nur nicht dieselbe Mutter - darum konnte ich sie heiraten.
1Mo 20,13 Als Gott mir befahl, meine Heimat zu verlassen, sagte ich zu ihr: ›Tu
mir den Gefallen und gib dich überall als meine Schwester aus!‹«
1Mo 20,14 Da gab Abimelech Abraham seine Frau zurück und ließ ihm großzügige
Geschenke zukommen: Knechte, Mägde, Schafe, Ziegen und Rinder.
1Mo 20,15 »Mein Land steht dir offen - du kannst wohnen, wo es dir gefällt!«,
bot er Abraham an.
1Mo 20,16 Danach wandte er sich an Sara: »Ich gebe deinem Bruder tausend
Silberstücke als Entschädigung. Daran können die Leute sehen, dass deine Ehre
nicht geraubt worden ist. Niemand soll dir etwas nachsagen können!«
1Mo 20,17 [17/18] Dann betete Abraham für Abimelech. Gott, der Herr, erhörte ihn
und hob die Strafe wieder auf, die er über das ganze Haus Abimelechs verhängt
hatte. Abimelechs Frau und alle seine Sklavinnen waren nämlich unfruchtbar
geworden, weil er Abrahams Frau zu sich geholt hatte. Aber nun konnten sie
wieder Kinder bekommen.
1Mo 21,1 Der Herr hielt sein Versprechen, das er Sara gegeben hatte:
1Mo 21,2 Sie wurde schwanger und bekam einen Sohn. Abraham wurde trotz seines
hohen Alters Vater, genau zu der Zeit, die Gott angegeben hatte.
1Mo 21,3 Abraham nannte seinen Sohn Isaak (»Gelächter«).
1Mo 21,4 Als Isaak acht Tage alt war, beschnitt Abraham ihn, so wie Gott es ihm
aufgetragen hatte.
1Mo 21,5 Er war zur Zeit der Geburt 100 Jahre alt.
1Mo 21,6 Sara rief: »Gott lässt mich wieder lachen! Jeder, der das erfährt, wird
mit mir lachen!
1Mo 21,7 Denn kein Mensch konnte sich vorstellen, dass ich in meinem Alter noch
Mutter werde! Abraham hat Jahrzehnte darauf warten müssen, aber jetzt habe ich
ihm einen Sohn geboren!«
1Mo 21,8 Isaak wuchs heran, und als Sara aufhörte, ihn zu stillen, feierte
Abraham mit seinen Leuten ein großes Fest.
1Mo 21,9 Eines Tages bemerkte Sara, wie Ismael - der Sohn, den die Ägypterin
Hagar für Sara geboren hatte - sich über Isaak lustig machte.
1Mo 21,10 Darüber wurde sie sehr zornig und bedrängte Abraham: »Jag diese
Sklavin und ihren Sohn fort! Ich will nicht, dass mein Sohn Isaak mit ihm das
Erbe teilen muss!«
1Mo 21,11 Abraham war damit gar nicht einverstanden, denn schließlich war auch
Ismael sein Sohn.
1Mo 21,12 Aber Gott sagte zu ihm: »Sträube dich nicht dagegen, den Jungen und
die Sklavin wegzuschicken! Tu alles, was Sara von dir fordert, denn nur die
Nachkommen deines Sohnes Isaak werden das auserwählte Volk sein!
1Mo 21,13 Aber auch Ismaels Nachkommen werde ich zu einem großen Volk machen,
weil er von dir abstammt!«
1Mo 21,14 Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er holte etwas zu essen und
einen Ledersack voll Wasser, hängte Hagar alles über die Schulter und schickte
sie mit ihrem Sohn weg. Hagar irrte ziellos in der Wüste von Beerscheba umher.
1Mo 21,15 Bald ging ihnen das Wasser aus. Da ließ sie den Jungen unter einem
Strauch zurück
1Mo 21,16 und setzte sich etwa hundert Meter davon entfernt auf die Erde. »Ich
kann nicht mit ansehen, wie das Kind stirbt!«, weinte sie.
1Mo 21,17 Aber Gott hörte den Jungen schreien. Der Engel Gottes rief Hagar vom
Himmel herab zu: »Warum weinst du, Hagar? Hab keine Angst - Gott hat das
Schreien des Kindes dort unter dem Strauch gehört!
1Mo 21,18 Geh zu dem Jungen, und heb ihn auf, denn aus seinen Nachkommen will
ich ein großes Volk machen!«
1Mo 21,19 Dann ließ Gott sie einen Brunnen sehen. Sie füllte ihren Ledersack mit
Wasser und gab dem Jungen zu trinken.
1Mo 21,20 [20/21] Gott kümmerte sich auch weiterhin um Ismael. Er wuchs heran
und wurde ein guter Bogenschütze. Er lebte in der Wüste Paran, und seine Mutter
gab ihm eine Ägypterin zur Frau.
1Mo 21,22 Um diese Zeit kam Abimelech mit seinem Heerführer Pichol zu Abraham
und sagte zu ihm: »Gott lässt dir alles, was du tust, gelingen.
1Mo 21,23 Darum schwöre jetzt bei Gott, dass du weder mich noch meine Nachkommen
hintergehen wirst! Ich habe dir nur Gutes getan, darum erweise mir deine
Freundschaft - mir und dem ganzen Land, in dem du zu Gast bist!«
1Mo 21,24 »Ich schwöre«, antwortete Abraham.
1Mo 21,25 Er beschwerte sich aber bei Abimelech darüber, dass dessen Knechte
einen seiner Brunnen weggenommen hatten.
1Mo 21,26 »Das höre ich jetzt zum ersten Mal!«, erwiderte Abimelech. »Auch du
hast mir bisher nichts davon erzählt! Ich weiß nicht, wer das getan hat!«
1Mo 21,27 Abraham gab Abimelech Schafe, Ziegen und Rinder, und sie schlossen
einen Vertrag miteinander.
1Mo 21,28 Dann wählte Abraham noch sieben Lämmer von seiner Herde aus.
1Mo 21,29 »Was soll das bedeuten?«, fragte Abimelech.
1Mo 21,30 »Die sollst du von mir annehmen. Damit bestätigst du, dass der Brunnen
mir gehört«, antwortete Abraham.
1Mo 21,31 Seit dieser Zeit wurde der Ort Beerscheba (»Brunnen des Schwörens«)
genannt, weil Abraham und Abimelech dort ihren Vertrag mit einem Schwur
bekräftigt hatten.
1Mo 21,32 Danach kehrten Abimelech und sein Heerführer Pichol wieder in das Land
der Philister zurück.
1Mo 21,33 Abraham pflanzte in Beerscheba eine Tamariske und betete dort zum
Herrn, dem ewigen Gott.
1Mo 21,34 Noch lange Zeit hielt er sich im Land der Philister auf.
1Mo 22,1 Nach diesen Ereignissen vergingen einige Jahre. Da stellte Gott Abraham
auf die Probe. »Abraham!«, rief er. »Ja, Herr?«
1Mo 22,2 »Geh mit deinem einzigen Sohn Isaak, den du liebst, in das Land Morija.
Dort zeige ich dir einen Berg. Auf ihm sollst du deinen Sohn Isaak töten und als
Opfer für mich verbrennen!«
1Mo 22,3 Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf und spaltete Holz für das
Opferfeuer. Dann belud er seinen Esel und nahm seinen Sohn Isaak und zwei seiner
Knechte mit. Gemeinsam zogen sie los zu dem Berg, den Gott Abraham genannt
hatte.
1Mo 22,4 Nach drei Tagesreisen war er in der Ferne zu sehen.
1Mo 22,5 »Ihr bleibt hier und passt auf den Esel auf!«, sagte Abraham zu den
beiden Knechten. »Der Junge und ich gehen auf den Berg, um Gott anzubeten; wir
sind bald wieder zurück.«
1Mo 22,6 Abraham legte das Holz auf Isaaks Schultern, er selbst nahm das Messer
und eine Schale, in der Holzstücke glühten. Gemeinsam bestiegen sie den Berg.
1Mo 22,7 »Vater?«, fragte Isaak. »Ja, mein Sohn.« »Feuer und Holz haben wir -
aber wo ist das Lamm für das Opfer?«
1Mo 22,8 »Gott wird schon dafür sorgen, mein Sohn!« - Schweigend gingen sie
weiter.
1Mo 22,9 Als sie die Stelle erreichten, die Gott angegeben hatte, errichtete
Abraham aus Steinen einen Altar und schichtete das Brandholz auf. Er fesselte
Isaak und legte ihn oben auf den Holzstoß.
1Mo 22,10 Dann griff er nach dem Messer, um seinen Sohn zu töten.
1Mo 22,11 »Abraham, Abraham!«, rief da der Engel des Herrn vom Himmel. »Ja,
Herr?«
1Mo 22,12 »Leg das Messer beiseite, und tu dem Jungen nichts! Jetzt weiß ich,
dass du Gott gehorsam bist - du bist sogar bereit, deinen geliebten Sohn für
mich zu opfern!«
1Mo 22,13 Plötzlich entdeckte Abraham einen Schafbock, der sich mit den Hörnern
im Dickicht verfangen hatte. Er tötete das Tier und opferte es anstelle seines
Sohnes auf dem Altar.
1Mo 22,14 Den Ort nannte er: »Der Herr versorgt.« Noch heute sagt man darum:
»Auf dem Berg des Herrn ist vorgesorgt.«
1Mo 22,15 Noch einmal rief der Engel des Herrn vom Himmel Abraham zu:
1Mo 22,16 »Ich, der Herr, schwöre bei mir selbst: Weil du gehorsam warst und mir
deinen einzigen Sohn als Opfer geben wolltest,
1Mo 22,17 werde ich dich überreich beschenken und dir so viele Nachkommen geben,
wie es Sterne am Himmel und Sand am Meer gibt. Sie werden ihre Feinde besiegen.
1Mo 22,18 Alle Völker der Erde werden mich bitten, sie so zu segnen, wie ich
dich segnen werde. Das alles werde ich dir geben, weil du bereit warst, meinen
Willen zu tun.«
1Mo 22,19 Danach verließen sie den Berg, holten die Diener ab und machten sich
auf den Weg zurück nach Beerscheba. Dort blieb Abraham wohnen.
1Mo 22,20 Bald darauf erreichte ihn die Nachricht, dass Milka, die Frau seines
Bruders Nahor, acht Söhne geboren hatte:
1Mo 22,21 [21-23] Uz, den ältesten, Bus, Kemuël (Vater von Aram), Kesed, Haso,
Pildasch, Jidlaf und Betuël (Vater von Rebekka).
1Mo 22,24 Rëuma, die Nebenfrau Nahors, hatte vier Söhne geboren: Tebach, Gaham,
Tahasch und Maacha.
1Mo 23,1 [1/2] Als Sara 127 Jahre alt war, starb sie in Hebron, das damals
Kirjat-Arba hieß. Abraham trauerte um sie und weinte an ihrem Totenbett.
1Mo 23,3 Dann ging er zu den Hetitern und bat sie:
1Mo 23,4 »Ich bin nur ein Fremder bei euch und besitze kein eigenes Land.
Überlasst mir ein kleines Grundstück für ein Familiengrab, ich will es euch
bezahlen!«
1Mo 23,5 »Natürlich«, antworteten die Hetiter,
1Mo 23,6 »du bist ein Mann, vor dem wir Achtung haben, denn Gott ist mit dir,
und er hat dich reich und mächtig gemacht. Darum ist es für uns alle eine Ehre,
wenn du dir das beste unserer Gräber aussuchst und dort deine Frau beerdigst!«
1Mo 23,7 Abraham stand auf und verneigte sich vor ihnen.
1Mo 23,8 »Wenn ihr also damit einverstanden seid«, sagte er, »dann legt bei
Efron, dem Sohn Zohars, ein gutes Wort für mich ein,
1Mo 23,9 dass er mir die Höhle von Machpela verkauft, die am Ende seines
Grundstücks liegt. Ich bezahle, was er verlangt, damit ich in eurem Land ein
Familiengrab besitze.«
1Mo 23,10 Efron saß nun gerade unter den Hetitern, die sich beim Stadttor
versammelt hatten. Vor allen Anwesenden sagte er zu Abraham:
1Mo 23,11 »Herr, bitte höre mich an! Ich schenke dir das Grundstück und die
Höhle. Alle Anwesenden sind Zeugen: Du brauchst nichts zu bezahlen. Begrabe
deine Frau in der Höhle von Machpela!«
1Mo 23,12 Erneut verneigte sich Abraham vor den Hetitern und sagte zu Efron:
1Mo 23,13 »Ich bitte dich - lass mich für das Grundstück bezahlen! Nimm das Geld
von mir an, dann werde ich dort meine Frau beerdigen!«
1Mo 23,14 [14/15] »Mein Herr, das Land ist vierhundert Silberstücke wert«,
antwortete Efron, »aber für dich ist das ja nicht viel! Du kannst deine Frau
dort begraben!«
1Mo 23,16 Abraham wog die Geldmenge ab, die Efron ihm vor allen Hetitern genannt
hatte - vierhundert Silberstücke nach dem damals üblichen Gewicht.
1Mo 23,17 [17/18] Von da an gehörte ihm das Grundstück bei Machpela, östlich von
Mamre, und die Höhle am Ende des Grundstücks sowie alle Bäume, die dort standen.
Die anwesenden Männer waren Zeugen dafür, dass das Land rechtmäßig in den Besitz
Abrahams überging.
1Mo 23,19 In dieser Höhle begrub er seine Frau Sara.
1Mo 23,20 Seitdem war es von den Hetitern als Familiengrab anerkannt.
1Mo 24,1 Abraham war mittlerweile sehr alt geworden. Der Herr hatte sein Leben
gesegnet und ihm in jeder Hinsicht Gutes getan.
1Mo 24,2 Eines Tages sagte Abraham zu seinem Hausverwalter, der sein ältester
Knecht war: »Als Zeichen des Schwures lege die Hand auf meinen Unterleib,
1Mo 24,3 und schwöre bei Gott, dem Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat,
dass du meinen Sohn Isaak nicht mit einer Kanaaniterin verheiratest! Er soll
keine Frau aus dieser Gegend nehmen.
1Mo 24,4 Geh in meine Heimat, und such in meiner Verwandtschaft eine Frau für
ihn aus!«
1Mo 24,5 »Aber was ist, wenn die Frau nicht mitkommen will?«, fragte der Knecht.
»Soll ich dann deinen Sohn in deine Heimat zurückbringen?«
1Mo 24,6 »Auf keinen Fall!«, erwiderte Abraham.
1Mo 24,7 »Denn der Herr des Himmels hat mir aufgetragen, meine Heimat und mein
Elternhaus zu verlassen, und er hat mir versprochen, meinen Nachkommen dieses
Land zu geben. Er wird seinen Engel vor dir herschicken und dafür sorgen, dass
du eine Frau für meinen Sohn findest.
1Mo 24,8 Nur wenn die Frau unter gar keinen Umständen mitkommen will, bist du
nicht mehr an diesen Schwur gebunden. Niemals aber darfst du Isaak in meine
Heimat zurückbringen!«
1Mo 24,9 Da legte der Knecht seine Hand auf Abrahams Unterleib und schwor ihm,
alles zu tun, was Abraham gesagt hatte.
1Mo 24,10 Er belud zehn Kamele Abrahams mit wertvollen Geschenken und ritt nach
Mesopotamien in die Stadt, in der die Familie von Abrahams Bruder Nahor lebte.
1Mo 24,11 Als er ankam, hielt er an einem Brunnen kurz vor der Stadt und ließ
dort die Kamele lagern. Es war gegen Abend - etwa die Zeit, in der die Frauen
aus der Stadt kommen, um Wasser zu schöpfen.
1Mo 24,12 »Ach, Herr, du Gott meines Herrn Abraham«, betete er, »du bist immer
gut zu Abraham gewesen, erfülle auch diesmal den Wunsch meines Herrn, und lass
meinen Plan gelingen!
1Mo 24,13 Ich stehe hier am Brunnen, und gleich kommen die Mädchen aus der
Stadt, um Wasser zu holen.
1Mo 24,14 Ich werde eine von ihnen fragen, ob sie mir zu trinken gibt. Wenn sie
dann antwortet: ›Natürlich, trink nur; ich will auch deinen Kamelen Wasser
geben!‹, dann bin ich überzeugt, dass sie es ist, die du für Isaak ausgesucht
hast! So weiß ich, dass du den Wunsch meines Herrn erfüllt hast.«
1Mo 24,15 [15/16] Kaum hatte er das Gebet zu Ende gesprochen, da kam ein Mädchen
aus der Stadt mit einem Wasserkrug auf der Schulter und füllte ihn am Brunnen.
Es war Rebekka, die Tochter Betuëls und Enkelin Milkas, der Frau von Abrahams
Bruder Nahor. Sie war noch unverheiratet und sehr schön.
1Mo 24,17 Rasch ging der Knecht auf sie zu und bat sie um einen Schluck Wasser.
1Mo 24,18 »Natürlich, Herr!«, antwortete sie, nahm sofort den Krug von der
Schulter und gab ihm zu trinken.
1Mo 24,19 Dann sagte sie: »Ich will auch deinen Kamelen Wasser geben, bis sie
sich satt getrunken haben.«
1Mo 24,20 Sie goss das Wasser aus ihrem Krug in die Tränkrinne, lief zum Brunnen
und schöpfte so lange, bis alle Kamele genug hatten.
1Mo 24,21 Schweigend stand der Knecht daneben und beobachtete sie. Er war
gespannt, ob der Herr sein Gebet erhört hatte und ob seine Reise erfolgreich
sein würde.
1Mo 24,22 Als Rebekka die Kamele versorgt hatte, schenkte er ihr einen
wertvollen goldenen Nasenring, der 6 Gramm wog, und zwei goldene Armreife zu je
120 Gramm.
1Mo 24,23 »Wer ist dein Vater?«, fragte er. »Habt ihr in eurem Haus noch Platz
für uns zum Übernachten?«
1Mo 24,24 »Mein Vater ist Betuël, seine Eltern heißen Milka und Nahor«,
antwortete sie.
1Mo 24,25 »Ja, wir haben genug Platz für euch, und Futter für eure Kamele ist
auch vorhanden.«
1Mo 24,26 Da warf sich der Knecht zu Boden und betete:
1Mo 24,27 »Danke, Herr, du Gott meines Herrn Abraham, danke, dass du so gut zu
ihm bist und all das erfüllst, was du ihm versprochen hast! Du hast mich direkt
zu den Verwandten meines Herrn geführt!«
1Mo 24,28 Rebekka lief nach Hause und erzählte, was vorgefallen war.
1Mo 24,29 [29/30] Als ihr Bruder Laban den Ring und die Armreife an seiner
Schwester sah und ihre Geschichte hörte, lief er sofort hinaus zum Brunnen. Der
Knecht stand immer noch bei seinen Kamelen.
1Mo 24,31 Laban rief ihm zu: »Dich schickt der Herr! Warum stehst du noch hier
draußen? In unserem Haus habe ich schon alles für dich vorbereitet. Auch für
deine Kamele ist genug Platz!«
1Mo 24,32 Da ging der Knecht mit. Man sattelte die Kamele ab und gab ihnen Stroh
und Futter. Den Gästen wurde Wasser gebracht, damit sie sich die Füße waschen
konnten.
1Mo 24,33 Vor dem Abendessen aber sagte der Knecht: »Ich esse erst, wenn ich
erzählt habe, warum ich hier bin!« »Einverstanden«, sagte Laban, »erzähl!«
1Mo 24,34 »Ich bin Abrahams Knecht«, stellte er sich ihnen vor.
1Mo 24,35 »Der Herr hat meinen Herrn reich beschenkt. Er ist sehr wohlhabend
geworden: Ihm gehören Schafe, Ziegen und Rinder, Kamele und Esel, dazu Silber
und Gold und viele Sklaven.
1Mo 24,36 Seine Frau Sara bekam noch im hohen Alter einen Sohn. Dieser wird
einmal den ganzen Besitz erben.
1Mo 24,37 Nun will mein Herr, dass sein Sohn Isaak keine Kanaaniterin zur Frau
nimmt. Ich musste ihm schwören, dass ich das nicht zulassen werde.
1Mo 24,38 Er hat mich hierher geschickt, um aus seiner Verwandtschaft eine Frau
zu suchen.
1Mo 24,39 ›Aber was ist, wenn sie nicht mitkommen will?‹, fragte ich ihn.
1Mo 24,40 ›Sie wird mitkommen‹, antwortete er, ›denn Gott, der Herr, dem mein
Leben gehört, wird dir seinen Engel vorausschicken, so dass dir alles gelingt.
Du wirst eine Frau aus dem Haus meines Vaters finden.
1Mo 24,41 Falls meine Familie ihr nicht erlaubt mitzukommen, dann - und nur dann
- bist du von deinem Schwur entbunden!‹
1Mo 24,42 Ja, und so kam ich heute zu eurem Brunnen vor der Stadt; dort betete
ich: Herr, du Gott meines Herrn Abraham! Wenn du willst, dass ich meinen Auftrag
erfolgreich ausführe, dann lass meinen Plan gelingen:
1Mo 24,43 Ich warte hier am Brunnen. Gleich werden die Mädchen kommen, um Wasser
zu schöpfen. Ich werde auf eine von ihnen zugehen und sie bitten, mir einen
Schluck Wasser aus ihrem Krug zu geben.
1Mo 24,44 Wenn sie dann antwortet: ›Natürlich - und auch deinen Kamelen will ich
Wasser geben!‹, dann ist sie es, die du für den Sohn meines Herrn ausgesucht
hast!
1Mo 24,45 Kaum hatte ich dies Gebet gesprochen, da kam Rebekka mit einem Krug
auf ihrer Schulter. Sie lief zum Brunnen hinunter und füllte den Krug mit
Wasser. ›Bitte gib mir etwas zu trinken!‹, bat ich sie.
1Mo 24,46 Sofort nahm sie den Krug von ihrer Schulter und sagte: ›Trink, mein
Herr, - und auch deinen Kamelen will ich Wasser geben!‹ Als sie damit fertig
war,
1Mo 24,47 fragte ich sie nach ihrem Vater. ›Mein Vater ist Betuël‹, antwortete
sie, ›seine Eltern heißen Nahor und Milka!‹ Da schenkte ich ihr den Ring und die
Armreife.
1Mo 24,48 Ich warf mich zu Boden und lobte den Gott meines Herrn Abraham, weil
er mich direkt zum Bruder meines Herrn gebracht hatte. Und jetzt bitte ich euch:
Gebt eure Rebekka dem Sohn Abrahams zur Frau!
1Mo 24,49 Wenn mein Herr euer Vertrauen und euer Wohlwollen gefunden hat, dann
willigt in diese Heirat ein; wenn ihr aber nicht wollt, sagt es mir nur, dann
werde ich anderswo suchen.«
1Mo 24,50 Laban und Betuël antworteten: »Das hat der Herr so geführt. Wie er
will, so soll es geschehen!
1Mo 24,51 Wir geben dir Rebekka, sie soll den Sohn deines Herrn heiraten, wie
der Herr es bestimmt hat!«
1Mo 24,52 Als der Knecht das hörte, warf er sich zu Boden und dankte dem Herrn.
1Mo 24,53 Dann holte er aus den Satteltaschen die mitgebrachten Geschenke
hervor. Rebekka gab er Silber- und Goldschmuck und schöne Kleider, und auch
ihrem Bruder und ihrer Mutter überreichte er viele wertvolle Geschenke.
1Mo 24,54 Danach begann das Abendessen. Als die Gäste gegessen und getrunken
hatten, legten sie sich schlafen. Am nächsten Morgen sagte der Knecht: »Ich
möchte zurück zu meinem Herrn. Mit eurer Erlaubnis wollen wir schon heute
aufbrechen.«
1Mo 24,55 »So plötzlich trennen wir uns nicht gern von Rebekka, lass sie noch
zehn Tage bei uns bleiben, dann kann sie mit dir kommen!«, baten ihr Bruder und
ihre Mutter.
1Mo 24,56 Er entgegnete: »Haltet mich nicht auf! Der Herr hat meine Reise
gelingen lassen, und jetzt möchte ich so schnell wie möglich zu meinem Herrn
zurück!«
1Mo 24,57 »Am besten, sie entscheidet selbst«, sagten die beiden.
1Mo 24,58 Sie riefen Rebekka herbei und fragten: »Bist du einverstanden, heute
schon mit diesem Mann fortzuziehen?« »Ja, das bin ich!«, antwortete sie.
1Mo 24,59 Da willigten sie ein und ließen Rebekka gehen. Der Knecht, seine
Leute, Rebekka und ihr früheres Kindermädchen machten sich für die Reise fertig.
1Mo 24,60 Der Bruder und die Mutter verabschiedeten sich von ihr mit einem
Segenswunsch: »Unsere Schwester, du sollst die Stammmutter eines großen und
mächtigen Volkes werden! Mögen deine Nachkommen alle ihre Feinde besiegen!«
1Mo 24,61 Danach bestiegen Rebekka und ihre Dienerinnen die Kamele und machten
sich mit Abrahams Knecht auf den Weg.
1Mo 24,62 Isaak wohnte zu der Zeit im Süden des Landes. Er kam gerade zurück von
dem Brunnen, der den Namen »Brunnen des Lebendigen, der mich sieht« trägt,
1Mo 24,63 und machte abends noch einen Spaziergang, um nachzudenken und zu
beten. Da sah er auf einmal Kamele kommen.
1Mo 24,64 Auch Rebekka hatte Isaak entdeckt. Schnell sprang sie vom Kamel
herunter und fragte den Knecht:
1Mo 24,65 »Wer ist dieser Mann, der uns da entgegenkommt?« »Er ist der Sohn
meines Herrn«, antwortete er. Da verhüllte sie ihr Gesicht mit dem Schleier.
1Mo 24,66 Der Knecht erzählte Isaak vom Verlauf der Reise.
1Mo 24,67 Isaak brachte Rebekka in das Zelt, in dem seine Mutter gelebt hatte.
Er nahm sie zur Frau und gewann sie sehr lieb. So wurde er über den Verlust
seiner Mutter getröstet.
1Mo 25,1 Abraham heiratete noch einmal; seine Frau hieß Ketura.
1Mo 25,2 Sie bekamen viele Söhne: Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und
Schuach.
1Mo 25,3 Jokschans zwei Söhne hießen Saba und Dedan. Von Dedan stammen die
Aschuriter, die Letuschiter und die Lëummiter ab.
1Mo 25,4 Midians Söhne waren Efa, Efer, Henoch, Abida und Eldaa. Sie alle sind
die Nachkommen von Abraham und Ketura.
1Mo 25,5 Abraham vermachte Isaak seinen ganzen Besitz;
1Mo 25,6 den anderen Söhnen, die er von den Nebenfrauen hatte, gab er Geschenke
und schickte sie noch zu seinen Lebzeiten in den Osten, damit sie sich nicht in
Isaaks Nähe ansiedelten.
1Mo 25,7 Abraham wurde 175 Jahre alt;
1Mo 25,8 dann starb er nach einem erfüllten Leben.
1Mo 25,9 [9/10] Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle von
Machpela, östlich von Mamre. Es war das Grundstück, das Abraham von dem Hetiter
Efron, dem Sohn Zohars, gekauft hatte. Er wurde neben Sara begraben.
1Mo 25,11 Nach Abrahams Tod segnete Gott Isaak. Ihm galt jetzt, was Gott Abraham
versprochen hatte. Isaak wohnte bei dem Brunnen, der den Namen trägt: »Brunnen
des Lebendigen, der mich sieht.«
1Mo 25,12 Es folgt der Stammbaum Ismaels, des Sohnes Abrahams und der Ägypterin
Hagar.
1Mo 25,13 Die Namen der Söhne sind nach der Geburtsfolge angegeben: Nebajot,
Kedar, Adbeel, Mibsam,
1Mo 25,14 Mischma, Duma, Massa,
1Mo 25,15 Hadad, Tema, Jetur, Nafisch und Kedma.
1Mo 25,16 Diese zwölf Söhne waren die Begründer von zwölf Stämmen, die nach
ihnen benannt wurden.
1Mo 25,17 Ismael starb im Alter von 137 Jahren.
1Mo 25,18 Seine Nachkommen wohnten in dem Gebiet von Hawila bis Schur, das
östlich der ägyptischen Grenze in Richtung Assyrien liegt. Was Gott über Ismael
gesagt hatte, traf auch auf sie zu: Niemand konnte sie vertreiben. Sie wohnten
in der Nähe ihrer Verwandten.
1Mo 25,19 Hier beginnt die Familiengeschichte Isaaks: Isaak war Abrahams Sohn.
1Mo 25,20 Er war 40 Jahre alt, als er Rebekka heiratete. Sie war die Tochter des
Aramäers Betuël, die Schwester Labans, und sie stammte aus Mesopotamien.
1Mo 25,21 Rebekka blieb kinderlos. Isaak betete für sie zum Herrn, und der Herr
erhörte seine Bitte. Rebekka wurde schwanger.
1Mo 25,22 Als sie merkte, dass es Zwillinge waren, die sich im Mutterleib
stießen, seufzte sie: »Jetzt bin ich endlich schwanger. Und warum bekämpfen sich
nun meine Kinder?« Sie fragte den Herrn,
1Mo 25,23 und er antwortete ihr: »Von den zwei Söhnen in deinem Leib werden
einmal zwei verfeindete Völker abstammen. Eins wird mächtiger sein als das
andere, der Ältere wird dem Jüngeren dienen!«
1Mo 25,24 Und tatsächlich - als die Stunde der Geburt kam, brachte Rebekka
Zwillinge zur Welt.
1Mo 25,25 Der Erste war am ganzen Körper mit rötlichen Haaren bedeckt, wie ein
Tierfell. Darum nannten ihn seine Eltern Esau (»der Behaarte«).
1Mo 25,26 Dann kam sein Bruder; er hielt bei der Geburt Esau an der Ferse fest,
und so nannten sie ihn Jakob (»Fersenhalter«). Isaak war 60 Jahre alt, als die
beiden geboren wurden.
1Mo 25,27 Die Jungen wuchsen heran. Esau wurde ein erfahrener Jäger, der gern im
Freien herumstreifte. Jakob dagegen war ein ruhiger Mann, der lieber bei den
Zelten blieb.
1Mo 25,28 Isaak mochte Esau mehr als Jakob, weil er gern sein gebratenes Wild
aß; Jakob war Rebekkas Lieblingssohn.
1Mo 25,29 Eines Tages - Jakob hatte gerade ein Linsengericht gekocht - kam Esau
erschöpft von der Jagd nach Hause.
1Mo 25,30 »Lass mich schnell etwas von der roten Mahlzeit da essen, ich bin ganz
erschöpft!«, rief er. Darum bekam er auch den Beinamen Edom (»Roter«).
1Mo 25,31 »Nur wenn du mir dafür dein Vorrecht als ältester Sohn überlässt!«,
forderte Jakob.
1Mo 25,32 »Was nützt mir mein Vorrecht als ältester Sohn, wenn ich am Verhungern
bin!«, rief Esau.
1Mo 25,33 Jakob ließ nicht locker. »Schwöre erst!«, sagte er. Esau schwor es ihm
und verlor damit das Erbe und den besonderen Segen seines Vaters.
1Mo 25,34 Jakob gab ihm das Brot und die Linsensuppe. Esau schlang es hinunter,
trank noch etwas und ging wieder weg. So gleichgültig war ihm sein Vorrecht als
ältester Sohn.
1Mo 26,1 Wieder einmal brach eine Hungersnot im Land aus, wie schon damals zur
Zeit Abrahams. Darum zog Isaak in die Stadt Gerar, wo der Philisterkönig
Abimelech lebte.
1Mo 26,2 [2/3] Dort erschien ihm der Herr. »Geh nicht nach Ägypten«, sagte er,
»sondern bleib in diesem Land! Ich werde dir immer beistehen und dich reich
beschenken. Du bist hier ein Fremder, aber deinen Nachkommen werde ich das ganze
Land Kanaan schenken, denn ich halte mein Versprechen, das ich deinem Vater
Abraham gegeben habe.
1Mo 26,4 Ich mache deine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel und
überlasse ihnen dieses Land. Alle Völker der Erde werden mich bitten, sie so zu
segnen, wie ich dich segnen werde.
1Mo 26,5 Das will ich tun, weil Abraham auf mich gehört hat und meinen Geboten
und Weisungen gehorsam war.«
1Mo 26,6 So blieb Isaak in Gerar.
1Mo 26,7 Als die Männer aus der Stadt Rebekka sahen und sich nach ihr
erkundigten, sagte er: »Sie ist meine Schwester.« Er hatte Angst, ihnen die
Wahrheit zu sagen, denn er dachte: »Rebekka ist sehr schön. Am Ende töten die
Männer mich, nur um sie zu bekommen!«
1Mo 26,8 Als Isaak schon längere Zeit in Gerar lebte, schaute der Philisterkönig
Abimelech eines Tages zufällig zum Fenster hinaus und sah, wie Isaak und Rebekka
sich küssten und zärtlich miteinander waren.
1Mo 26,9 Sofort rief er Isaak zu sich: »Sie ist ja deine Frau!«, fuhr er ihn an.
»Wie kannst du nur behaupten, sie sei deine Schwester?« »Ich hatte Angst, ihr
würdet mich töten, um sie zu bekommen«, antwortete Isaak.
1Mo 26,10 Abimelech brauste auf: »Kein Grund, uns anzulügen! Wie leicht hätte
einer meiner Männer mit Rebekka schlafen können, dann hättest du große Schuld
auf uns geladen!«
1Mo 26,11 Abimelech ließ dem ganzen Volk bekannt geben: »Jeder, der diesem Mann
oder seiner Frau etwas zuleide tut, wird zum Tod verurteilt!«
1Mo 26,12 In jenem Jahr erntete Isaak das Hundertfache von dem, was er ausgesät
hatte, denn der Herr segnete ihn.
1Mo 26,13 Sein Besitz wuchs ständig, so dass er bald ein sehr reicher Mann war.
1Mo 26,14 Er besaß große Rinderherden, zahlreiche Schafe und Ziegen und viele
Knechte. Darum beneideten ihn die Philister.
1Mo 26,15 Sie schütteten alle Brunnen, die Abrahams Knechte einmal gegraben
hatten, mit Erde zu.
1Mo 26,16 Sogar Abimelech forderte Isaak auf, wegzuziehen. »Siedle dich woanders
an, denn du bist uns zu mächtig geworden!«, sagte er.
1Mo 26,17 Also verließ Isaak die Stadt und schlug sein Lager im Tal von Gerar
auf.
1Mo 26,18 Dort hatten die Philister nach Abrahams Tod alle Brunnen, die er
graben ließ, mit Erde zugeschüttet. Isaak ließ die Brunnen wieder ausgraben und
gab ihnen dieselben Namen, die sein Vater ihnen damals gegeben hatte.
1Mo 26,19 Während die Knechte Isaaks im Tal gruben, stießen sie auf eine
unterirdische Quelle.
1Mo 26,20 Sofort waren die Hirten von Gerar zur Stelle und beanspruchten sie für
sich. »Das Wasser gehört uns!«, riefen sie. Darum nannte Isaak den Brunnen Esek
(»Streit«).
1Mo 26,21 Seine Leute gruben an einer anderen Quelle einen Brunnen, und erneut
gerieten sie mit den Hirten von Gerar aneinander. Darum nannte Isaak den Brunnen
Sitna (»Anfeindung«).
1Mo 26,22 Danach zog er weiter und ließ zum dritten Mal einen Brunnen ausheben.
Diesmal gab es keinen Streit. »Jetzt können wir uns ungehindert ausbreiten, denn
der Herr hat uns genug Raum gegeben«, sagte er. Deshalb nannte er den Brunnen
Rechobot (»freier Raum«).
1Mo 26,23 Von dort zog Isaak weiter nach Beerscheba.
1Mo 26,24 In der Nacht nach seiner Ankunft erschien ihm der Herr und sprach:
»Ich bin der Gott deines Vaters Abraham. Hab keine Angst, denn ich bin bei dir!
Ich will dich segnen und dir viele Nachkommen geben, weil ich es meinem Diener
Abraham so versprochen habe!«
1Mo 26,25 An dieser Stelle baute Isaak aus Steinen einen Altar und betete den
Herrn an. Er schlug dort auch seine Zelte auf, und seine Knechte gruben einen
Brunnen.
1Mo 26,26 Eines Tages kam König Abimelech von Gerar zu ihm, zusammen mit seinem
Berater Ahusat und seinem Heerführer Pichol.
1Mo 26,27 »Was wollt ihr?«, fragte Isaak. »Ihr habt mich doch wie einen Feind
fortgejagt!«
1Mo 26,28 »Wir haben erkannt, dass der Herr auf deiner Seite steht«, antworteten
sie. »Darum wollen wir gerne mit dir in Frieden leben. Lass uns ein Bündnis
schließen und es mit einem Schwur bekräftigen.
1Mo 26,29 Versprich uns, dass du uns nichts Böses tust, so wie wir dir nichts
angetan haben. Wir haben dich immer gut behandelt und dich in Frieden wegziehen
lassen. Wir wissen ja, dass du ein Mann bist, dem der Herr sehr viel Gutes tut.«
1Mo 26,30 Da ließ Isaak ein Festessen zubereiten, und sie aßen und tranken
zusammen.
1Mo 26,31 Früh am nächsten Morgen schworen sie sich gegenseitig: »Wir wollen
einander keinen Schaden zufügen.« So trennten sie sich in Frieden.
1Mo 26,32 Am selben Tag kamen Isaaks Knechte und meldeten: »Wir haben Wasser
gefunden!«
1Mo 26,33 Isaak nannte den Brunnen Schiba (»Schwur«). Darum heißt die Stadt bis
heute Beerscheba (»Brunnen des Schwurs«).
1Mo 26,34 Als Esau 40 Jahre alt war, heiratete er zwei Hetiterinnen: Jehudit,
die Tochter Beeris, und Basemat, die Tochter Elons.
1Mo 26,35 Das bereitete Isaak und Rebekka großen Kummer.
1Mo 27,1 Isaak war alt geworden und konnte nichts mehr sehen. Eines Tages rief
er seinen ältesten Sohn Esau zu sich. »Was ist, Vater?«, fragte Esau.
1Mo 27,2 »Ich bin alt und weiß nicht, wie lange ich noch lebe«, sagte Isaak.
1Mo 27,3 »Deshalb erfülle mir noch einen Wunsch: Nimm deinen Bogen, und jage ein
Stück Wild für mich!
1Mo 27,4 Du weißt ja, wie ich es gern habe - bereite es mir so zu, und bring es
her! Ich möchte davon essen, und bevor ich sterbe, will ich dich segnen.«
1Mo 27,5 Rebekka aber hatte das Gespräch der beiden belauscht. Kaum war Esau zur
Jagd hinausgegangen,
1Mo 27,6 [6/7] da rief sie Jakob herbei und erzählte ihm, was sie gehört hatte.
1Mo 27,8 »Jetzt pass genau auf, was ich dir sage!«, forderte sie ihn auf.
1Mo 27,9 »Lauf schnell zur Herde, und such zwei schöne Ziegenböckchen aus! Ich
bereite sie dann so zu, wie dein Vater es gern hat.
1Mo 27,10 Und du bringst ihm den Braten, damit er davon isst und dir vor seinem
Tod den Segen gibt.«
1Mo 27,11 »Hast du denn nicht daran gedacht, dass Esaus Haut behaart ist, aber
meine ganz glatt?«, entgegnete Jakob.
1Mo 27,12 »Wenn mein Vater mich berührt, merkt er den Unterschied. Der Betrug
fliegt auf, und er verflucht mich, anstatt mich zu segnen!«
1Mo 27,13 Rebekka aber ließ sich nicht beirren: »Dann soll der Fluch mich
treffen!«, erwiderte sie. »Jetzt tu, was ich dir gesagt habe! Hol mir die
Ziegenböckchen!«
1Mo 27,14 Jakob brachte sie, und Rebekka bereitete ein schmackhaftes Essen zu,
so wie Isaak es gern hatte.
1Mo 27,15 Sie nahm die besten Kleider Esaus, die sie im Haus aufbewahrte, und
befahl Jakob, sie anzuziehen.
1Mo 27,16 Die Felle der Böckchen wickelte sie ihm um die Hände und um den
glatten Hals.
1Mo 27,17 Dann gab sie ihm den Braten und frisch gebackenes Brot.
1Mo 27,18 Jakob ging damit zu seinem Vater und begrüßte ihn. Isaak fragte: »Wer
ist da, Esau oder Jakob?«
1Mo 27,19 »Ich bin dein ältester Sohn Esau«, antwortete Jakob. »Ich habe getan,
worum du mich gebeten hast. Komm, setz dich auf und iss, damit du mir nachher
den Segen geben kannst!«
1Mo 27,20 Verwundert fragte Isaak: »Wie konntest du nur so schnell ein Stück
Wild erlegen, mein Sohn?« »Der Herr, dein Gott, hat es mir über den Weg laufen
lassen!«, erwiderte Jakob.
1Mo 27,21 »Komm näher«, forderte Isaak ihn auf, »ich will mich davon überzeugen,
ob du wirklich mein Sohn Esau bist oder nicht!«
1Mo 27,22 Jakob ging zu ihm hin, und Isaak betastete ihn. »Die Stimme ist zwar
die von Jakob«, sagte er, »aber den Händen nach ist es Esau!«
1Mo 27,23 Er erkannte Jakob nicht, weil er behaarte Hände hatte wie Esau. Darum
entschloss er sich, ihn zu segnen,
1Mo 27,24 doch vorher fragte er noch einmal nach: »Bist du wirklich mein Sohn
Esau?« »Ja, ich bin's!«, log Jakob.
1Mo 27,25 »Dann gib mir das Essen, damit ich von dem Wild esse und dir den Segen
gebe!«, sagte Isaak. Jakob reichte es ihm, und sein Vater aß; dann gab er ihm
Wein, und Isaak trank.
1Mo 27,26 »Komm und küss mich, mein Sohn!«, bat Isaak.
1Mo 27,27 Jakob ging zu ihm und küsste ihn. Als Isaak den Duft der Kleider roch,
sprach er den Segen: »Mein Sohn, deine Kleider tragen den Geruch der Felder, die
der Herr mit Regen getränkt hat!
1Mo 27,28 Gott gebe dir viel Regen und mache dein Land fruchtbar, Getreide und
Wein sollst du im Überfluss ernten!
1Mo 27,29 Viele Völker und Volksstämme sollen dir dienen. Herrsche über deine
Brüder; in Ehrfurcht müssen sie sich vor dir beugen! Verflucht sei, wer dir
Böses tut; wer dir aber wohlgesinnt ist, soll gesegnet werden!«
1Mo 27,30 Isaak hatte gerade diesen Segen ausgesprochen und Jakob war
weggegangen, da kam Esau von der Jagd zurück.
1Mo 27,31 Auch er bereitete das Essen zu, wie es sein Vater so gerne aß, und
brachte es ihm. »Setz dich auf, und iss von meinem Wild, Vater, damit du mir den
Segen geben kannst!«, sagte er.
1Mo 27,32 »Wer bist denn du?«, fragte Isaak verwundert. »Dein ältester Sohn
Esau!«, bekam er zur Antwort.
1Mo 27,33 Da erschrak Isaak heftig und fing an zu zittern. »Aber gerade eben hat
mir jemand schon einmal gebratenes Wild zu essen gegeben!«, rief er. »Ich habe
alles gegessen und ihn gesegnet, bevor du kamst. Ich kann mein Wort nicht mehr
rückgängig machen!«
1Mo 27,34 Als Esau das hörte, schrie er voll Bitterkeit laut auf. »Segne mich,
Vater, segne mich!«, flehte er.
1Mo 27,35 Aber Isaak entgegnete: »Dein Bruder hat dich betrogen und um den Segen
gebracht.«
1Mo 27,36 »Ja, nicht umsonst trägt er den Namen Jakob«, sagte Esau. »Jetzt hat
er mich schon zum zweiten Mal überlistet! Zuerst hat er sich meine Rechte als
ältester Sohn erschlichen, und jetzt bringt er mich auch noch um den Segen, der
mir zusteht! Hast du denn keinen Segen mehr für mich übrig?«
1Mo 27,37 Isaak antwortete: »Ich habe ihn zum Herrscher über dich gemacht, und
alle seine Stammesverwandten müssen ihm dienen. Getreide und Wein habe ich ihm
versprochen - was kann ich dir da noch geben, mein Sohn?«
1Mo 27,38 Aber Esau ließ nicht locker: »Hast du wirklich nur diesen einen Segen,
Vater? Segne doch auch mich!« Er fing laut an zu weinen.
1Mo 27,39 Da sagte Isaak: »Dort wo du wohnst, wird es keine fruchtbaren Felder
geben, kein Regen wird dein Land bewässern!
1Mo 27,40 Durch dein Schwert musst du dich ernähren, und deinem Bruder wirst du
dienen. Doch eines Tages wirst du sein Joch abschütteln!«
1Mo 27,41 Esau hasste Jakob, weil dieser ihn betrogen hatte. Er nahm sich vor:
»Wenn mein Vater gestorben ist und die Trauertage vorbei sind, dann werde ich
Jakob umbringen!«
1Mo 27,42 Aber Rebekka erfuhr von seinem Plan und ließ Jakob zu sich rufen.
»Dein Bruder will sich an dir rächen und dich umbringen!«, flüsterte sie ihm zu.
1Mo 27,43 »Darum befolge meinen Rat: Flieh zu meinem Bruder nach Haran,
1Mo 27,44 und bleib so lange dort, bis sich Esaus Zorn wieder gelegt hat.
1Mo 27,45 Wenn er nicht mehr daran denkt, was du ihm angetan hast, schicke ich
dir diese Nachricht: ›Du kannst zurückkommen.‹ Schließlich will ich nicht beide
Söhne an einem Tag verlieren!«
1Mo 27,46 Dann ging sie zu Isaak. »Ich habe keine Freude mehr am Leben, weil
Esau diese Hetiterinnen geheiratet hat!«, klagte sie. »Wenn ich auch noch mit
ansehen muss, dass Jakob eine solche Frau heiratet, möchte ich lieber sterben!«
1Mo 28,1 Da ließ Isaak seinen Sohn Jakob zu sich kommen. Er segnete ihn und
schärfte ihm ein: »Heirate niemals eine Einheimische, nimm dir keine
Kanaaniterin zur Frau!
1Mo 28,2 Es ist besser, du gehst nach Mesopotamien zur Familie deines Großvaters
Betuël und heiratest eine Tochter deines Onkels Laban!
1Mo 28,3 Gott, der alle Macht besitzt, wird dich reich beschenken und dir so
viele Nachkommen geben, dass von dir viele Völker abstammen werden.
1Mo 28,4 Gott segnete Abraham; dieser Segen ging auf mich über, und jetzt gilt
er dir und deinen Nachkommen: Ihr werdet das Land in Besitz nehmen, in dem du
jetzt noch ein Fremder bist. Das hat Gott deinem Großvater Abraham versprochen!«
1Mo 28,5 Mit diesen Worten verabschiedete Isaak seinen Sohn. So ging Jakob nach
Mesopotamien zu Laban, dem Bruder seiner Mutter, der ein Sohn des Aramäers
Betuël war.
1Mo 28,6 [6/7] Esau hörte davon; die Leute sagten ihm: »Dein Vater hat Jakob
gesegnet und nach Mesopotamien geschickt, um dort eine Frau zu suchen. Jakob
soll keine Kanaaniterin heiraten. Er hat auf seine Eltern gehört und ist zu
seinem Onkel nach Mesopotamien gegangen.«
1Mo 28,8 Da begriff Esau, dass sein Vater die Kanaaniterinnen als Ehefrauen
ablehnte.
1Mo 28,9 Darum ging er zu seinem Onkel Ismael und nahm sich zu seinen beiden
Frauen noch eine dritte dazu. Sie hieß Mahalat und war die Tochter Ismaels, des
Sohnes Abrahams, und die Schwester Nebajots.
1Mo 28,10 Jakob verließ Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran.
1Mo 28,11 Als die Sonne unterging, blieb er an dem Ort, wo er gerade war, um zu
übernachten. Unter seinen Kopf legte er einen der Steine, die dort herumlagen.
1Mo 28,12 Während er schlief, hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf
der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Engel Gottes stiegen hinauf und
herab.
1Mo 28,13 Oben auf der Treppe stand der Herr und sagte zu ihm: »Ich bin der
Herr, der Gott Abrahams und Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, werde ich dir
und deinen Nachkommen geben!
1Mo 28,14 Sie werden unzählbar sein wie der Staub auf der Erde, sich in diesem
Land ausbreiten und alle Gebiete bevölkern. Und durch dich soll allen Völkern
der Erde Gutes zuteil werden.
1Mo 28,15 Ich stehe dir bei; ich behüte dich, wo du auch hingehst, und bringe
dich heil wieder in dieses Land zurück. Niemals lasse ich dich im Stich; ich
stehe zu meinem Versprechen, das ich dir gegeben habe.«
1Mo 28,16 [16/17] Jakob erwachte. Entsetzt blickte er um sich. »Tatsächlich -
der Herr wohnt hier, und ich habe es nicht gewusst!«, rief er. »Wie
furchterregend ist dieser Ort! Hier ist die Wohnstätte Gottes und das Tor zum
Himmel!«
1Mo 28,18 Am nächsten Morgen stand er früh auf. Er nahm den Stein, auf den er
seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Gedenkstein auf und goss Öl darüber,
um ihn Gott zu weihen.
1Mo 28,19 Er nannte den Ort Bethel (»Haus Gottes«). Früher hieß er Lus.
1Mo 28,20 Dann legte Jakob ein Gelübde ab: »Wenn der Herr mir beisteht und mich
auf dieser Reise beschützt, wenn er mir genug Nahrung und Kleidung gibt
1Mo 28,21 und mich wieder heil zu meiner Familie zurückbringt, dann soll er mein
Gott sein!
1Mo 28,22 An der Stelle, wo ich den Stein aufgestellt habe, soll der Herr
verehrt und angebetet werden. Von allem, was er mir schenkt, will ich ihm den
zehnten Teil zurückgeben!«
1Mo 29,1 Danach brach Jakob auf und ging weiter nach Osten zu dem Gebiet, aus
dem seine Mutter stammte.
1Mo 29,2 [2/3] Eines Tages erreichte er einen Brunnen mitten in der Steppe. Die
Hirten dieser Gegend tränkten daraus ihre Schafe und Ziegen. Schon drei Herden
lagerten bei dem Brunnen, aber der große Stein auf dem Brunnenloch war noch
nicht weggeschoben worden. Es war üblich, dass man so lange wartete, bis alle
Hirten mit ihrem Vieh da waren; dann erst wälzten die Hirten gemeinsam den Stein
vom Loch, tränkten das Vieh und verschlossen die Brunnenöffnung wieder mit dem
Stein.
1Mo 29,4 »Woher kommt ihr?«, fragte Jakob die Hirten. »Von Haran«, war die
Antwort.
1Mo 29,5 »Kennt ihr dann vielleicht Laban, den Sohn Nahors?« »Sicher, den kennen
wir«, erwiderten sie.
1Mo 29,6 »Geht es ihm gut?«, wollte Jakob wissen. »Es geht ihm gut. Da vorne
kommt gerade seine Tochter Rahel mit ihrer Herde!«
1Mo 29,7 »Weshalb wartet ihr eigentlich hier?«, fragte Jakob weiter. »Es ist
doch noch viel zu früh, um die Schafe und Ziegen zusammenzutreiben! Tränkt sie,
und lasst sie wieder auf die Weide!«
1Mo 29,8 »Nein, das geht nicht«, entgegneten sie. »Wir warten so lange, bis alle
Hirten mit ihren Herden eingetroffen sind. Dann wälzen wir den Stein gemeinsam
vom Brunnenloch und tränken unsere Tiere.«
1Mo 29,9 Inzwischen war Rahel mit den Schafen und Ziegen ihres Vaters
herangekommen, denn auch sie war eine Hirtin.
1Mo 29,10 »Das ist also die Tochter meines Onkels, und das ist sein Vieh«,
dachte Jakob. Er ging zum Brunnen, wälzte den Stein vom Loch und tränkte Labans
Herde.
1Mo 29,11 Dann küsste er Rahel und weinte laut vor Freude.
1Mo 29,12 »Ich bin mit deinem Vater verwandt«, erklärte er ihr, »deine Tante
Rebekka ist meine Mutter!« Als sie das hörte, lief sie zu ihrem Vater und
erzählte es ihm.
1Mo 29,13 Da eilte Laban Jakob entgegen. Er umarmte und küsste ihn und nahm ihn
mit in sein Haus. Dort erzählte Jakob seinem Onkel, weshalb er von zu Hause
weggegangen war und was er unterwegs erlebt hatte.
1Mo 29,14 »Es ist wahr - du bist mein Blutsverwandter!«, sagte Laban. Jakob
blieb bei seinem Onkel und half mit bei der Arbeit. Nach einem Monat
1Mo 29,15 sagte Laban zu ihm: »Du bist mein Verwandter, aber deshalb sollst du
nicht umsonst für mich arbeiten! Sag mir, welchen Lohn willst du haben?«
1Mo 29,16 Laban hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea und ihre jüngere
Schwester Rahel.
1Mo 29,17 Lea hatte glanzlose Augen, Rahel aber war eine sehr schöne Frau.
1Mo 29,18 Jakob liebte sie. Darum antwortete er: »Ich will sieben Jahre für dich
arbeiten, wenn du mir Rahel gibst!«
1Mo 29,19 »Einverstanden«, sagte Laban, »ich gebe sie lieber dir als einem
fremden Mann. Bleib solange bei mir!«
1Mo 29,20 Die sieben Jahre vergingen für Jakob wie im Flug. Dass er so lange für
Rahel arbeiten musste, störte ihn nicht, weil er sie sehr liebte.
1Mo 29,21 Danach ging er zu Laban: »Die Zeit ist um! Gib mir Rahel, für die ich
gearbeitet habe!«
1Mo 29,22 Laban lud alle Leute des Ortes zu einer großen Hochzeitsfeier ein.
1Mo 29,23 Am Abend, als es dunkel war, brachte er aber nicht Rahel, sondern Lea
zu Jakob, und er schlief mit ihr.
1Mo 29,24 Laban gab ihr seine Magd Silpa zur Dienerin.
1Mo 29,25 Am nächsten Morgen entdeckte Jakob entsetzt, dass Lea neben ihm lag.
Sofort stellte er Laban zur Rede: »Was hast du mir da angetan? Warum hast du
mich betrogen? Ich habe doch für dich gearbeitet, um Rahel zu bekommen!«
1Mo 29,26 »Es ist bei uns nicht Sitte, die jüngere Tochter vor der älteren zu
verheiraten«, entgegnete Laban.
1Mo 29,27 »Verbring mit Lea die Hochzeitswoche, dann bekommst du Rahel noch dazu
- allerdings musst du weitere sieben Jahre für mich arbeiten!«
1Mo 29,28 Jakob willigte ein. Eine Woche später bekam er auch Rahel zur Frau.
1Mo 29,29 Ihr wurde die Magd Bilha als Dienerin mitgegeben.
1Mo 29,30 Jakob schlief auch mit Rahel, und er liebte sie mehr als Lea. Er blieb
noch einmal sieben Jahre bei Laban.
1Mo 29,31 Als der Herr sah, dass Lea nicht geliebt wurde, schenkte er ihr
Kinder, während Rahel kinderlos blieb.
1Mo 29,32 Lea nannte ihren ersten Sohn Ruben (»Seht, ein Sohn«), denn sie sagte
sich: »Der Herr hat mein Elend gesehen; jetzt wird mein Mann mich lieben, weil
ich ihm einen Sohn geboren habe.«
1Mo 29,33 Danach brachte Lea den zweiten Sohn zur Welt. »Der Herr hat gehört,
dass ich nicht geliebt werde. Darum hat er mir noch einen Sohn geschenkt!«, rief
sie und gab ihm den Namen Simeon (»Der Herr hat gehört«).
1Mo 29,34 Sie wurde wieder schwanger und brachte erneut einen Sohn zur Welt.
»Jetzt wird sich Jakob mir endlich zuwenden, weil ich ihm drei Söhne geboren
habe!«, sagte sie. Deshalb nannte sie ihn Levi (»Zuwendung«).
1Mo 29,35 Schließlich wurde ihr vierter Sohn geboren. »Ich will den Herrn
preisen!«, sagte sie und nannte ihn Juda (»Lobpreis«). Danach bekam sie keine
Kinder mehr.
1Mo 30,1 Weil Rahel keine Kinder bekam, wurde sie eifersüchtig auf ihre
Schwester. Sie bestürmte Jakob mit Vorwürfen: »Verschaff mir endlich Kinder,
sonst will ich nicht länger leben!«
1Mo 30,2 Jakob wurde wütend und rief: »Bin ich denn Gott? Er hat dir Kinder
versagt und dich unfruchtbar gemacht, nicht ich!«
1Mo 30,3 »Dann gebe ich dir eben meine Magd Bilha«, entgegnete Rahel. »Geh zu
ihr, und mach sie schwanger! Wenn es so weit ist, soll sie das Kind auf meinem
Schoß gebären, dann ist es wie mein eigenes.«
1Mo 30,4 Jakob war einverstanden, und Rahel gab ihm Bilha zur Nebenfrau. Er
schlief mit ihr,
1Mo 30,5 sie wurde schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.
1Mo 30,6 Da sagte Rahel: »Gott hat mir Recht gegeben! Er hat auf meine Bitte
gehört und mir einen Sohn geschenkt!« Darum nannte sie ihn Dan (»Einer, der zum
Recht verhilft«).
1Mo 30,7 Bilha wurde erneut schwanger und bekam einen zweiten Sohn.
1Mo 30,8 »Ich habe mit meiner Schwester einen Kampf ausgefochten, bei dem Gott
mir geholfen hat - und ich habe gewonnen!«, sagte Rahel und gab ihm den Namen
Naftali (»mein Erkämpfter«).
1Mo 30,9 Als Lea merkte, dass sie keine Kinder mehr bekam, gab sie ihre Magd
Silpa Jakob zur Nebenfrau.
1Mo 30,10 Silpa wurde schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.
1Mo 30,11 »Mein Glück kehrt zurück!«, freute sich Lea und nannte ihn Gad
(»Glück«).
1Mo 30,12 Als Silpa Jakob einen zweiten Sohn gebar, sagte Lea:
1Mo 30,13 »Ich Glückliche! Alle Frauen werden mich beglückwünschen!« Darum
nannte sie ihn Asser (»glücklich«).
1Mo 30,14 Zur Zeit der Weizenernte fand Ruben auf einem Feld Alraunfrüchte, auch
Liebesäpfel genannt; er nahm sie mit nach Hause und gab sie seiner Mutter Lea.
Rahel sah das und bat Lea: »Gib mir ein paar davon ab!«
1Mo 30,15 Aber Lea fuhr sie an: »Reicht es dir nicht, dass du mir meinen Mann
weggenommen hast? Musst du mir auch noch die Liebesäpfel wegnehmen, die mein
Sohn gefunden hat?« »Ich mache dir einen Vorschlag«, entgegnete Rahel, »du gibst
mir die Liebesäpfel, und dafür schläft Jakob diese Nacht bei dir.«
1Mo 30,16 Am Abend, als Jakob vom Feld nach Hause kam, ging Lea ihm entgegen.
»Du schläfst heute Nacht bei mir«, sagte sie, »ich habe mir dieses Vorrecht von
Rahel erkauft. Sie hat dafür die Liebesäpfel bekommen, die Ruben gefunden hat.«
Jakob verbrachte die Nacht mit ihr,
1Mo 30,17 und Gott erhörte Leas Gebete; sie wurde schwanger und bekam ihren
fünften Sohn.
1Mo 30,18 Da sagte sie: »Gott hat mich dafür belohnt, dass ich meinem Mann die
Magd gegeben habe!« Darum nannte sie ihn Issaschar (»Belohnung«).
1Mo 30,19 Als Lea erneut schwanger wurde und ihren sechsten Sohn bekam,
1Mo 30,20 rief sie: »Gott hat mich reich beschenkt! Jetzt wird mich mein Mann
anerkennen und bei mir wohnen, weil ich ihm sechs Söhne geboren habe!« Sie gab
ihm den Namen Sebulon (»Wohnung«).
1Mo 30,21 Danach brachte sie eine Tochter zur Welt, die nannte sie Dina.
1Mo 30,22 Gott dachte nun auch an Rahel und erhörte ihre Gebete.
1Mo 30,23 Sie wurde schwanger und bekam einen Sohn. »Endlich hat Gott die
Schande von mir genommen!
1Mo 30,24 Hoffentlich gibt der Herr mir noch einen Sohn dazu!«, sagte sie und
nannte ihn Josef (»hinzufügen«).
1Mo 30,25 Nach der Geburt Josefs ging Jakob zu seinem Onkel Laban. »Lass mich in
meine Heimat zurückkehren!«, bat er.
1Mo 30,26 Ȇberlass mir meine Frauen und meine Kinder; um sie zu bekommen, habe
ich hart für dich gearbeitet. Du weißt ja selbst, was ich geleistet habe - jetzt
lass mich bitte gehen!«
1Mo 30,27 Aber Laban erwiderte: »Tu mir doch den Gefallen und bleib hier! Vor
einiger Zeit sagte mir jemand die Zukunft voraus. Durch ihn weiß ich, dass der
Herr mir nur deshalb so viel Besitz geschenkt hat, weil du bei mir bist.
1Mo 30,28 Bleib und bestimm den Lohn - ich gebe dir alles, was du verlangst!«
1Mo 30,29 Aber Jakob entgegnete: »Du weißt genau, wie viel ich für dich getan
habe und wie deine Herden in dieser Zeit gewachsen sind.
1Mo 30,30 Als ich kam, hattest du nur eine kleine Herde, aber inzwischen sind
deine Viehbestände sehr gewachsen. Der Herr wollte, dass mir alles gelang, was
ich für dich unternahm; er hat dich reich gemacht. Aber was habe ich davon? Ich
muss jetzt endlich einmal für meine eigene Familie sorgen!«
1Mo 30,31 »Nenn mir deinen Lohn!«, wiederholte Laban. »Ich will keinen Lohn«,
sagte Jakob und schlug vor: »Ich werde mich sogar wieder um dein Vieh kümmern,
wenn du mir diese eine Bedingung erfüllst:
1Mo 30,32 Ich gehe heute durch deine Herden und sondere für mich alle schwarz
gefleckten, schwarz gesprenkelten und schwarzen Schafe aus sowie alle weiß
gefleckten und weiß gesprenkelten Ziegen.
1Mo 30,33 Und alle Tiere mit diesen Farben, die in Zukunft geworfen werden,
sollen ebenfalls mir gehören. An der Farbe meiner Tiere kannst du dann jederzeit
prüfen, ob ich dir gegenüber ehrlich bin oder ob ich dich betrüge.«
1Mo 30,34 »Abgemacht«, sagte Laban, »ich bin mit deinem Vorschlag
einverstanden.«
1Mo 30,35 Am selben Tag noch sonderte Laban alle Ziegen aus, an denen etwas
Weißes war, und alle Schafe, an denen etwas Schwarzes war, und schickte seine
Söhne mit ihnen fort.
1Mo 30,36 Sie sollten so weit wegziehen, dass sie von Jakob drei Tagesreisen
entfernt waren. Dann gab er seine Herde Jakob zur Aufsicht.
1Mo 30,37 Jakob holte sich frische Zweige von Weißpappeln, Mandelbäumen und
Platanen und schälte einige Streifen von ihrer Rinde ab.
1Mo 30,38 Die weiß gestreiften Stäbe stellte er in die Tränkrinnen, so dass die
Tiere sie vor sich sahen, wenn sie zum Trinken kamen. Dies war nämlich der Ort,
an dem sie sich paarten;
1Mo 30,39 dabei hatten sie die Stäbe vor Augen. In der folgenden Zeit wurden
gestreifte, gefleckte und gesprenkelte Junge geworfen.
1Mo 30,40 Jakob sonderte sie aus und ließ sie im Blickfeld der übrigen Herde
weiden. Wenn nun die Tiere der Herde brünstig wurden und sich paarten, hatten
sie Jakobs Herde vor Augen. Deshalb warfen auch sie gestreifte, gefleckte und
gesprenkelte Jungtiere. Daraus bildete er seine eigene Herde.
1Mo 30,41 Die gestreiften Stäbe legte er aber nur dann in die Tränkrinnen, wenn
die kräftigen Tiere sich paarten.
1Mo 30,42 Bei den schwachen ließ er es sein. Dadurch bekam Laban die schwachen
und Jakob die kräftigen Jungtiere.
1Mo 30,43 So wurde Jakobs Viehbestand stark vergrößert, außerdem besaß er Kamele
und Esel sowie Sklaven und Sklavinnen.
1Mo 31,1 Eines Tages erfuhr Jakob, dass Labans Söhne über ihn schimpften: »Der
Kerl ist ein Dieb! Alles hat er sich vom Vater unter den Nagel gerissen. Auf
unsere Kosten ist er reich geworden!«
1Mo 31,2 An Labans finsterer Miene bemerkte Jakob, dass auch sein Onkel nicht
mehr so auf seiner Seite stand wie früher.
1Mo 31,3 Da sprach der Herr zu Jakob: »Geh wieder zurück in das Land deiner
Väter und zu deinen Verwandten! Ich bin mit dir, ich werde dich beschützen!«
1Mo 31,4 Daraufhin ließ Jakob Rahel und Lea zu sich auf die Weide holen.
1Mo 31,5 Er sagte zu ihnen: »Ich merke es eurem Vater an, er ist nicht mehr so
freundlich zu mir wie früher. Aber der Gott meiner Väter hält zu mir!
1Mo 31,6 Ihr wisst, wie ich für euren Vater gearbeitet habe; meine ganze Kraft
habe ich für ihn eingesetzt.
1Mo 31,7 Trotzdem hat er mich betrogen und mir immer wieder einen anderen Lohn
gegeben, als wir vereinbart hatten. Aber Gott hat nicht zugelassen, dass er mir
Schaden zufügen konnte.
1Mo 31,8 Wenn Laban zu mir sagte: ›Die Gesprenkelten sind dein Lohn‹, dann warf
die ganze Herde gesprenkelte Tiere. Und wenn er dann sagte: ›Du bekommst doch
lieber die Gestreiften‹ - dann gab es nur Gestreifte!
1Mo 31,9 Dadurch hat Gott eurem Vater die Tiere genommen und sie mir gegeben.
1Mo 31,10 Zu der Zeit, als die Tiere brünstig waren, hatte ich einen Traum. Ich
sah, dass nur gestreifte, gesprenkelte und gescheckte Böcke die Tiere
besprangen.
1Mo 31,11 Ich hörte auch eine Stimme. Der Engel Gottes rief meinen Namen, und
als ich ihm antwortete,
1Mo 31,12 sagte er: ›Sieh zur Herde! Alle Böcke, die die Tiere bespringen, sind
gestreift, gesprenkelt oder gescheckt. Das habe ich für dich bewirkt, denn ich
habe gesehen, wie Laban dich betrügen wollte.
1Mo 31,13 Ich bin der Gott, der dir in Bethel erschienen ist; du hast dort den
Gedenkstein mit Öl begossen und mir ein Gelübde abgelegt. Verlass jetzt dieses
Land, und kehr in deine Heimat zurück!‹«
1Mo 31,14 Rahel und Lea erwiderten: »Wir bekommen ja doch kein Erbe mehr von
unserem Vater!
1Mo 31,15 Er hat das Familienrecht verletzt und uns wie Fremde behandelt! Denn
alles Geld, das er damals für uns bekam, hat er für sich allein verbraucht; er
hat uns also verkauft!
1Mo 31,16 Der ganze Reichtum, den Gott unserem Vater weggenommen hat, gehört
rechtmäßig uns und unseren Kindern! Wir halten zu dir! Tu alles, was Gott dir
gesagt hat!«
1Mo 31,17 Da setzte Jakob seine beiden Frauen und seine Kinder auf die Kamele
1Mo 31,18 und zog Richtung Kanaan, in das Land seines Vaters Isaak. Er nahm mit,
was er sich in Mesopotamien erarbeitet hatte: seinen ganzen Besitz und alle
seine Viehherden.
1Mo 31,19 Kurz bevor sie aufbrachen, nutzte Rahel die Gelegenheit und stahl die
kleinen Götterfiguren ihres Vaters. Laban war nicht zu Hause, er war mit der
Schafschur beschäftigt.
1Mo 31,20 Ohne Laban zu benachrichtigen,
1Mo 31,21 floh Jakob mit seinem ganzen Besitz. Er überquerte den Euphrat und zog
in Richtung Gilead.
1Mo 31,22 Erst nach drei Tagen erfuhr Laban von der Flucht;
1Mo 31,23 sofort rief er alle Männer aus der Verwandtschaft zusammen und jagte
Jakob hinterher. Sieben Tage dauerte die Verfolgungsjagd, dann stellte er Jakob
im Gebirge Gilead.
1Mo 31,24 In der Nacht davor aber hatte Laban einen Traum: Er sah, wie Gott zu
ihm kam und ihn warnte: »Hüte dich davor, Jakob zu bedrohen!«
1Mo 31,25 Laban holte Jakob ein, als dieser seine Zelte im Gebirge Gilead
aufgeschlagen hatte. Laban und seine Verwandten schlugen dort ebenfalls ihre
Zelte auf.
1Mo 31,26 Dann stellte er Jakob zur Rede: »Warum hast du mich hinters Licht
geführt und meine Töchter wie Kriegsgefangene fortgeschleppt?
1Mo 31,27 Warum hast du dich heimlich davongeschlichen? Du hättest doch ruhig
etwas sagen können, dann wären wir fröhlich auseinander gegangen. Mit Gesang und
mit Musik hätten wir euch verabschiedet und wären noch ein Stück Weg
mitgegangen.
1Mo 31,28 Aber du hast mir nicht einmal erlaubt, meine Töchter und Enkel zum
Abschied zu küssen. Das war dumm von dir!
1Mo 31,29 Ich könnte es euch heimzahlen, aber der Gott eures Vaters hat letzte
Nacht zu mir gesagt: ›Hüte dich davor, Jakob zu bedrohen!‹
1Mo 31,30 Na schön, du bist losgezogen, weil das Heimweh dich nach Hause treibt.
Aber warum hast du meine Götterfiguren gestohlen?«
1Mo 31,31 »Ich habe dich heimlich verlassen, weil ich Angst hatte, du würdest
deine Töchter nicht mit mir gehen lassen«, antwortete Jakob.
1Mo 31,32 »Und was deine Götterfiguren betrifft: Bei wem du sie findest, der
soll sterben! Durchsuch alles, und nimm, was dir gehört - die Männer hier sind
Zeugen!« Jakob wusste nämlich nicht, dass Rahel die Götterfiguren gestohlen
hatte.
1Mo 31,33 Laban durchsuchte zuerst das Zelt Jakobs, danach Leas Zelt und das der
beiden Mägde.
1Mo 31,34 [34/35] In der Zwischenzeit hatte Rahel die Götterfiguren unter ihren
Kamelsattel gestopft und sich darauf gesetzt. Als ihr Vater in das Zelt kam,
sagte sie zu ihm: »Sei mir nicht böse, Vater, es ist kein Mangel an Respekt,
dass ich vor dir nicht aufstehe; ich habe gerade meine Tage.« Laban durchsuchte
alles, fand aber nichts.
1Mo 31,36 Da packte Jakob der Zorn, und er überhäufte Laban mit Vorwürfen: »Was
habe ich dir getan, dass du mir nachhetzt wie einem Verbrecher?
1Mo 31,37 Du hast meinen ganzen Besitz durchwühlt. Und? - Hast du irgendetwas
gefunden, was dir gehört? Dann leg es hier in die Mitte, damit es alle Männer
sehen und beurteilen können, wer von uns beiden im Recht ist!
1Mo 31,38 Zwanzig Jahre bin ich bei dir gewesen, und in dieser Zeit habe ich so
gut für deine Herden gesorgt, dass weder deine Schafe noch deine Ziegen
Fehlgeburten hatten. Ich habe nie ein Tier aus deiner Herde gestohlen und für
mich geschlachtet.
1Mo 31,39 Wenn ein Schaf von einem Raubtier gerissen wurde, dann hast du keine
Entschuldigung gelten lassen; ich musste für den Schaden aufkommen - es war dir
ganz egal, ob das Tier bei Tag oder bei Nacht geraubt worden war!
1Mo 31,40 Ich bekam die ganze Härte des Hirtenlebens zu spüren: am Tag die Hitze
und in der Nacht die Kälte, und oft konnte ich nicht schlafen.
1Mo 31,41 Insgesamt bin ich zwanzig Jahre bei dir gewesen; davon habe ich
vierzehn Jahre für deine beiden Töchter gearbeitet und dann noch einmal sechs
Jahre, um die Herde zu bekommen. Doch du hast mir immer wieder einen anderen
Lohn gegeben, als wir vereinbart hatten.
1Mo 31,42 Du hättest mir sogar jetzt alles weggenommen und mich mit leeren
Händen davongejagt, wenn mir nicht der Gott meines Großvaters Abraham geholfen
hätte, dem auch mein Vater Isaak mit Ehrfurcht gedient hat. Gott hat mit
angesehen, wie ich mich für dich abgearbeitet habe und wie schlecht du mich
behandelt hast. Darum hat er mir letzte Nacht zu meinem Recht verholfen!«
1Mo 31,43 Laban entgegnete: »Die Frauen sind meine Töchter und ihre Kinder meine
Kinder, die Herde ist meine Herde, und alles, was du hier siehst, gehört mir!
Aber jetzt kann ich doch nichts mehr für meine Töchter und Enkelkinder tun!
1Mo 31,44 Komm, wir schließen ein Abkommen miteinander und stellen ein Zeichen
auf, das uns beide daran erinnert!«
1Mo 31,45 Jakob wälzte einen großen Stein heran und richtete ihn als Gedenkstein
auf.
1Mo 31,46 Er befahl seinen Dienern, Steine zu sammeln und sie zu einem Hügel
aufzuschütten. Auf dem Steinhügel versammelten sie sich und aßen gemeinsam.
1Mo 31,47 Laban nannte den Ort Jegar-Sahaduta, und Jakob nannte ihn Gal-Ed.
1Mo 31,48 »Dieser Hügel ist jetzt Zeuge für unser Abkommen«, sagte Laban.
Deswegen nannte auch er ihn Gal-Ed.
1Mo 31,49 Man gab dem Gedenkstein noch einen anderen Namen: Mizpa (»Wachturm«),
denn Laban sagte zu Jakob: »Der Herr soll darüber wachen, dass wir unsere
Abmachung einhalten, wenn wir uns getrennt haben.
1Mo 31,50 Niemals darfst du meine Töchter schlecht behandeln oder dir noch
andere Frauen dazunehmen! Ich werde es zwar nicht erfahren, aber Gott ist unser
Zeuge!«
1Mo 31,51 [51/52] Laban fuhr fort: »Dieser Hügel und dieser Gedenkstein, die ich
errichtet habe, sind Zeugen für unsere gegenseitige Übereinkunft: Keiner von uns
darf diese Grenze je in feindlicher Absicht überschreiten!
1Mo 31,53 Der Gott Abrahams und der Gott Nahors - der Gott ihres gemeinsamen
Vaters - soll jeden bestrafen, der sich nicht daran hält!« Jakob schwor bei dem
Gott, dem sein Vater Isaak mit Ehrfurcht diente, sich an dieses Abkommen zu
halten.
1Mo 31,54 Danach schlachtete er ein Opfertier und lud seine Verwandten zum
Opfermahl ein. Dort im Bergland blieben sie auch über Nacht.
1Mo 32,1 Früh am nächsten Morgen küsste Laban seine Töchter und seine Enkel zum
Abschied und segnete sie. Dann kehrte er wieder nach Hause zurück.
1Mo 32,2 Auch Jakob setzte seine Reise fort. Unterwegs begegnete ihm eine Schar
von Engeln.
1Mo 32,3 »Das ist ein Heer Gottes!«, rief er erstaunt. Darum nannte er den Ort
Mahanajim (»Doppelheer«).
1Mo 32,4 Jakob schickte Boten zu seinem Bruder Esau, der sich gerade in Edom im
Land Seïr aufhielt.
1Mo 32,5 Sie sollten Esau diese Nachricht überbringen: »Ich, Jakob, dein Diener,
bin bis jetzt bei Laban gewesen.
1Mo 32,6 Dort habe ich mir viele Rinder, Esel, Schafe und Ziegen sowie Sklaven
und Sklavinnen erworben. Jetzt sende ich dir, meinem Herrn, diese Nachricht und
hoffe, dass du uns großzügig aufnimmst!«
1Mo 32,7 Die Boten kamen zurück und meldeten: »Esau ist schon auf dem Weg zu
dir! Vierhundert Mann begleiten ihn!«
1Mo 32,8 Jakob wurde von Angst gepackt. Schnell teilte er seine Leute und das
Vieh in zwei Gruppen ein,
1Mo 32,9 weil er sich dachte: »Wenn Esau eine Gruppe angreift und alles
niedermacht, können wenigstens die anderen entkommen!«
1Mo 32,10 Dann betete er: »Du Gott meines Großvaters Abraham und meines Vaters
Isaak, du hast zu mir gesagt: ›Kehr zurück in deine Heimat zu deinen Verwandten,
ich werde dafür sorgen, dass es dir gut geht!‹
1Mo 32,11 Ich habe es nicht verdient, dass du so viel für mich getan und immer
wieder deine Versprechen eingehalten hast! Als ich damals den Jordan hier
überquerte, besaß ich nur einen Wanderstock - und nun komme ich mit zwei großen
Herden an!
1Mo 32,12 Bitte rette mich vor meinem Bruder Esau! Ich habe große Angst, dass er
uns alle umbringt, die Frauen und auch die Kinder!
1Mo 32,13 Du hast mir doch versprochen: ›Ich will dafür sorgen, dass es dir gut
geht, und dir viele Nachkommen schenken, unzählbar wie der Sand am Meer!‹«
1Mo 32,14 Über Nacht blieb Jakob noch im Lager. Er bereitete ein Geschenk für
Esau vor, um es vorauszuschicken:
1Mo 32,15 200 Ziegen, 20 Ziegenböcke, 200 Schafe, 20 Schafböcke,
1Mo 32,16 30 säugende Kamele mit ihren Jungen, 40 Kühe, 10 Stiere, 20 Eselinnen
und 10 Esel.
1Mo 32,17 Er stellte sie in Herden zusammen und übergab jedem seiner Knechte
eine. Sie sollten vorausziehen und zwischen den einzelnen Herden Abstand lassen.
1Mo 32,18 Dem, der die erste anführte, befahl er: »Wenn du Esau begegnest und er
dich fragt: ›Wer ist dein Herr? Wohin willst du? Wem gehört das Vieh, das du vor
dir hertreibst?‹,
1Mo 32,19 dann antworte: ›Es gehört deinem Diener Jakob. Er hat es als Geschenk
vorausgeschickt für dich, Esau, seinen Herrn; er selbst kommt auch schon hinter
uns her!‹«
1Mo 32,20 Dasselbe sagte Jakob zu allen übrigen, die eine Herde anführten. Er
schärfte ihnen ein: »Haltet euch an das, was ihr Esau antworten sollt.
1Mo 32,21 Sagt ihm: ›Dein Knecht Jakob kommt auch gleich!‹« Jakob dachte
nämlich: »Ich will ihn milde stimmen mit dem Geschenk, das ich vorausschicke,
erst dann will ich ihn selbst sehen. Vielleicht nimmt er mich freundlich auf!«
1Mo 32,22 Er schickte also die Viehherden schon voraus, blieb aber selbst über
Nacht im Lager.
1Mo 32,23 Mitten in der Nacht stand Jakob auf und überquerte den Jabbokfluss an
einer seichten Stelle, zusammen mit seinen beiden Frauen, den beiden Mägden und
den elf Kindern.
1Mo 32,24 Auch seinen Besitz brachte er auf die andere Seite.
1Mo 32,25 Nur er blieb noch allein zurück. Plötzlich stellte sich ihm ein Mann
entgegen und kämpfte mit ihm bis zum Morgengrauen.
1Mo 32,26 Als der Mann merkte, dass er Jakob nicht besiegen konnte, gab er ihm
einen so harten Schlag auf das Hüftgelenk, dass es ausgerenkt wurde.
1Mo 32,27 Dann bat er: »Lass mich los, der Morgen dämmert schon!« Aber Jakob
erwiderte: »Ich lasse dich nicht eher los, bis du mich gesegnet hast!«
1Mo 32,28 »Wie heißt du?«, fragte der Mann. Als Jakob seinen Namen nannte,
1Mo 32,29 sagte der Mann: »Von jetzt an sollst du nicht mehr Jakob heißen. Du
hast schon mit Gott und mit Menschen gekämpft und immer gesiegt. Darum heißt du
von jetzt an Israel.«
1Mo 32,30 »Wie ist denn dein Name?«, fragte Jakob zurück. »Warum fragst du?«,
entgegnete der Mann nur, dann segnete er ihn.
1Mo 32,31 »Ich habe Gott gesehen, und trotzdem lebe ich noch!«, rief Jakob.
Darum nannte er den Ort Pnuël (»Gesicht Gottes«).
1Mo 32,32 Die Sonne ging gerade auf, als Jakob weiterzog. Er hinkte, weil seine
Hüfte ausgerenkt war.
1Mo 32,33 Bis heute essen die Israeliten bei geschlachteten Tieren nicht den
Muskel über dem Hüftgelenk, weil Jakob auf diese Stelle geschlagen wurde.
1Mo 33,1 Kaum war Jakob weitergezogen, da sah er auch schon Esau, wie er mit
vierhundert Mann anrückte. Sofort stellte er seine Kinder zu ihren Müttern.
1Mo 33,2 Die beiden Mägde mit ihren Kindern mussten vorangehen, dahinter kam Lea
mit ihren und ganz zum Schluss Rahel mit Josef.
1Mo 33,3 Er selbst lief an die Spitze des Zuges und verbeugte sich siebenmal,
bis sie seinen Bruder erreicht hatten.
1Mo 33,4 Der rannte Jakob entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Beide
weinten.
1Mo 33,5 Dann betrachtete Esau die Frauen und die Kinder. »Wer sind sie?«,
fragte er. »Das sind die Kinder, die Gott deinem Diener geschenkt hat«,
antwortete Jakob.
1Mo 33,6 Die beiden Mägde mit ihren Kindern kamen näher und verbeugten sich vor
Esau,
1Mo 33,7 ebenso Lea mit ihren Kindern und schließlich Rahel mit Josef.
1Mo 33,8 »Warum hast du mir diese großen Herden entgegengeschickt?«, fragte
Esau. »Sie sind ein Geschenk für dich, meinen Herrn, damit du dich mit mir
versöhnst«, erklärte Jakob.
1Mo 33,9 Aber Esau erwiderte: »Ach, mein Bruder, ich habe schon selbst genug,
behalte es doch!«
1Mo 33,10 »Nein, bitte nimm mein Geschenk an«, bat Jakob, »als Zeichen, dass du
auch mich wieder annimmst. Als ich dir ins Gesicht schaute, war es, als würde
ich Gott selbst sehen, so freundlich bist du mir begegnet!
1Mo 33,11 Nimm es also an! Ich habe es von Gott geschenkt bekommen, und ich habe
wirklich alles, was ich brauche!« So drängte Jakob, und Esau gab schließlich
nach.
1Mo 33,12 »Jetzt können wir zusammen weiterziehen«, schlug Esau vor, »ich gehe
mit meinen Leuten voraus und zeige euch den Weg.«
1Mo 33,13 Aber Jakob entgegnete: »Mein Herr, du siehst, dass ich kleine Kinder
bei mir habe. Auch bei meinen Herden gibt es viele säugende Schafe, Ziegen und
Rinder. Wenn ich die Tiere nur einen Tag überanstrenge, sterben sie!
1Mo 33,14 Darum ist es besser, wenn du schon vorausziehst und wir später
nachkommen. Dann kann ich mich nach dem langsamen Tempo der Kinder und der
Jungtiere richten und dich in Seïr wiedertreffen!«
1Mo 33,15 »Aber ich lasse wenigstens einige meiner Männer zum Schutz bei dir!«,
erwiderte Esau. »Nein, das ist nicht nötig!«, wehrte Jakob ab. »Wichtig ist für
mich nur, dass du mich wieder angenommen hast!«
1Mo 33,16 Dann machten sich beide auf den Weg: Esau kehrte nach Seïr zurück,
1Mo 33,17 und Jakob zog nach Sukkot. Dort baute er ein Haus, und für seine
Herden fertigte er Hütten an. Darum trägt der Ort den Namen Sukkot (»Hütten«).
1Mo 33,18 Schließlich kam Jakob nach Sichem im Land Kanaan. Die lange Reise, die
in Mesopotamien begonnen hatte, war nun zu Ende. Vor der Stadt schlug er seine
Zelte auf
1Mo 33,19 und kaufte den Lagerplatz für hundert Silberstücke von der Familie
Hamors, des Gründers der Stadt.
1Mo 33,20 Dort errichtete er einen Altar und nannte ihn »Gott ist Israels Gott«.
1Mo 34,1 Eines Tages wollte Dina, die Tochter Leas und Jakobs, die
kanaanitischen Mädchen kennen lernen und verließ das Zeltlager.
1Mo 34,2 Als Sichem, der Sohn des Hiwiters Hamor, sie sah, fiel er über sie her
und vergewaltigte sie.
1Mo 34,3 Er verliebte sich in sie und redete ihr freundlich zu, um sie für sich
zu gewinnen.
1Mo 34,4 Dann ging er zu seinem Vater Hamor. »Sorg dafür, dass ich dieses
Mädchen heiraten kann!«, bat er ihn.
1Mo 34,5 Sehr bald erfuhr auch Jakob, dass Dina vergewaltigt worden war. Er
wollte sofort etwas unternehmen, aber weil seine Söhne noch auf dem Feld bei
seiner Herde waren, hielt er sich zurück und wartete ab, bis sie wiederkamen.
1Mo 34,6 In der Zwischenzeit kam Sichems Vater Hamor zu ihm, um über die Sache
zu reden.
1Mo 34,7 Kaum war er dort, da kehrten auch schon Jakobs Söhne vom Feld zurück.
Als sie hörten, was geschehen war, tobten sie vor Wut. Sie fühlten sich in ihrer
Familienehre gekränkt, denn eine solche Tat galt bei den Israeliten als Schande.
1Mo 34,8 Hamor wollte sie besänftigen: »Mein Sohn Sichem hat sich in Dina
verliebt. Erlaubt doch, dass er sie heiratet!
1Mo 34,9 Lasst uns ein Abkommen schließen: Unsere Völker sollen sich durch
gegenseitige Heirat verbinden.
1Mo 34,10 Ihr könnt euch bei uns niederlassen - unser Land steht euch offen! Ihr
könnt euch ansiedeln und Besitz erwerben.«
1Mo 34,11 Auch Sichem bat Dinas Vater und ihre Brüder: »Erfüllt mir meinen
Wunsch - ich gebe euch dafür alles, was ihr verlangt!
1Mo 34,12 Hochzeitsgeld und Brautpreis können so hoch sein, wie ihr wollt, ich
werde alles bezahlen. Nur lasst mich Dina heiraten!«
1Mo 34,13 Jakobs Söhne aber wollten sich an Sichem und seinem Vater rächen. Sie
antworteten scheinheilig:
1Mo 34,14 »Darauf können wir uns nicht einlassen! In unserem Volk gilt es als
eine Schande, wenn wir unsere Schwester einem Mann geben, der nicht beschnitten
ist!
1Mo 34,15 Nur unter einer Bedingung könnten wir sie dir geben: Ihr müsst alle
männlichen Einwohner beschneiden.
1Mo 34,16 Nur dann können wir uns bei euch ansiedeln und durch gegenseitige
Heirat zu einem Volk werden.
1Mo 34,17 Wenn ihr davon nichts wissen wollt, nehmen wir Dina und gehen!«
1Mo 34,18 Der Vorschlag gefiel Hamor und Sichem.
1Mo 34,19 Sichem verlor keine Zeit: Er kümmerte sich um alles, denn er liebte
Dina, und in seiner Familie hatte er das letzte Wort.
1Mo 34,20 Hamor und Sichem gingen zum Versammlungsplatz beim Stadttor, um die
Männer der Stadt von der Sache zu überzeugen.
1Mo 34,21 »Diese Männer sind friedlich«, sagten sie, »wir sollten sie bei uns
wohnen lassen, dann können sie selbst Besitz erwerben. Unser Land ist doch groß
genug. Wir können uns durch gegenseitige Heirat mit ihnen verbinden.
1Mo 34,22 Allerdings stellen sie eine Bedingung: Wir müssen alle männlichen
Einwohner beschneiden, so wie es bei ihnen üblich ist.
1Mo 34,23 Überlegt doch mal: Ihr ganzer Besitz würde uns gehören! Lasst uns auf
ihren Vorschlag eingehen, damit sie bei uns bleiben!«
1Mo 34,24 Die Männer der Stadt stimmten zu, und alle männlichen Einwohner wurden
beschnitten.
1Mo 34,25 Drei Tage später lagen sie im Wundfieber. Da nahmen Dinas Brüder
Simeon und Levi ihr Schwert und überfielen die Stadt, ohne auf Widerstand zu
stoßen. Sie brachten alle männlichen Einwohner um,
1Mo 34,26 auch Hamor und Sichem. Dina holten sie aus Sichems Haus, dann
verschwanden sie wieder.
1Mo 34,27 Die anderen Söhne Jakobs plünderten die Stadt aus. Sie rächten sich
dafür, dass Sichem ihre Schwester dort vergewaltigt hatte.
1Mo 34,28 Alles Vieh - Schafe, Ziegen, Esel und Rinder - nahmen sie mit und was
sie sonst in der Stadt oder auf dem Feld fanden.
1Mo 34,29 Auch die Frauen und Kinder sowie allen Besitz aus den Häusern
schleppten sie fort.
1Mo 34,30 Als Jakob davon erfuhr, warf er Simeon und Levi vor: »Ihr stürzt mich
ins Unglück! Jetzt bin ich allen Bewohnern des Landes verhasst! Die Zahl unserer
Leute ist verschwindend klein gegen die Menge der Kanaaniter und der Perisiter.
Wenn sie sich zusammentun, ist es aus mit uns! Dann wird keiner von uns am Leben
bleiben!«
1Mo 34,31 Aber Simeon und Levi erwiderten nur: »Konnten wir es zulassen, dass
Sichem unsere Schwester wie eine Hure behandelt hat?«
1Mo 35,1 Gott sprach zu Jakob: »Mach dich auf, und zieh wieder nach Bethel!
Bleib dort, und bau mir einen Altar. Denn an diesem Ort bin ich dir erschienen,
als du auf der Flucht vor deinem Bruder Esau warst.«
1Mo 35,2 Jakob befahl seiner Familie und denen, die zu ihm gehörten: »Werft alle
Götterfiguren weg, die ihr noch bei euch habt! Wascht euch, und zieht saubere
Kleidung an!
1Mo 35,3 Wir gehen jetzt nach Bethel. Dort will ich für Gott einen Altar bauen,
denn er hat in der Not meine Gebete erhört. Während meiner ganzen Reise bis
hierher hat er mir immer geholfen!«
1Mo 35,4 Sie gaben Jakob alle Götterfiguren und Ohrringe, und er vergrub sie
unter der Terebinthe bei Sichem.
1Mo 35,5 Dann machte die ganze Familie sich auf den Weg. Gott versetzte die
Einwohner der Städte ringsum in so große Angst, dass sie es nicht wagten, Jakob
und seine Söhne anzugreifen.
1Mo 35,6 So erreichten sie Lus im Land Kanaan, das heute Bethel heißt.
1Mo 35,7 Dort baute Jakob einen Altar. Er nannte ihn »Gott von Bethel«, weil
Gott ihm an dieser Stelle erschienen war, als er vor seinem Bruder Esau fliehen
musste.
1Mo 35,8 Während sie dort waren, starb Debora, die früher Rebekkas Kindermädchen
war. Sie wurde unter der Eiche im Tal von Bethel begraben, die seitdem
»Träneneiche« heißt.
1Mo 35,9 Gott erschien Jakob erneut. Es war das zweite Mal seit seiner Rückkehr
aus Mesopotamien.
1Mo 35,10 »Von jetzt an sollst du nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel. Das
ist dein neuer Name!«, sagte er.
1Mo 35,11 »Ich bin Gott, der alle Macht besitzt. Ich werde dir so viele
Nachkommen schenken, dass nicht nur ein Volk, sondern zahlreiche Völker daraus
entstehen - sogar Könige sollen von dir abstammen!
1Mo 35,12 Dir und deinen Nachkommen gebe ich das Land, das ich Abraham und Isaak
versprochen habe.«
1Mo 35,13 Nachdem Gott dies gesagt hatte, erhob er sich wieder zum Himmel,
1Mo 35,14 und Jakob errichtete an der Stelle einen Gedenkstein. Er schüttete
Wein als ein Trankopfer darüber und begoss ihn mit Öl, um ihn Gott zu weihen.
1Mo 35,15 Weil Gott an diesem Ort zu ihm gesprochen hatte, nannte er ihn Bethel
(»Haus Gottes«).
1Mo 35,16 Danach verließen sie Bethel und zogen weiter. Als sie nur noch ein
kurzes Stück von Efrata entfernt waren, setzten bei Rahel starke Geburtswehen
ein.
1Mo 35,17 Sie krümmte sich vor Schmerzen, doch die Hebamme rief ihr zu: »Nur
Mut, du hast wieder einen Sohn!«
1Mo 35,18 Aber Rahel spürte, dass sie sterben musste. Darum nannte sie den
Jungen Benoni (»Schmerzenskind«), Jakob jedoch gab ihm den Namen Benjamin
(»Glückskind«).
1Mo 35,19 Rahel starb, und Jakob begrub sie an der Straße nach Efrata, das jetzt
Bethlehem heißt.
1Mo 35,20 Er errichtete einen Gedenkstein auf ihrem Grab, der heute noch als
Rahels Grabmal bekannt ist.
1Mo 35,21 Von dort zog Jakob mit seiner Familie weiter und schlug seine Zelte
hinter Migdal-Eder auf.
1Mo 35,22 Damals schlief Ruben mit Bilha, der Nebenfrau seines Vaters, und Jakob
erfuhr davon. Inzwischen hatte Jakob zwölf Söhne:
1Mo 35,23 Von Lea stammten der älteste Sohn Ruben sowie Simeon, Levi, Juda,
Issaschar und Sebulon;
1Mo 35,24 Rahel brachte Josef und Benjamin zur Welt;
1Mo 35,25 Rahels Magd Bilha bekam Dan und Naftali,
1Mo 35,26 und von Leas Magd Silpa stammten Gad und Asser. Alle wurden in
Mesopotamien geboren.
1Mo 35,27 Jakob zog weiter zu seinem Vater Isaak nach Mamre bei Kirjat-Arba, das
heute Hebron heißt. Dort hatte schon Abraham gewohnt.
1Mo 35,28 [28/29] Isaak starb im Alter von 180 Jahren nach einem langen und
erfüllten Leben. Esau und Jakob begruben ihn.
1Mo 36,1 Es folgt der Stammbaum von Esau, der auch Edom genannt wird:
1Mo 36,2 [2/3] Esau hatte drei Frauen aus Kanaan geheiratet: Ada, eine Tochter
des Hetiters Elon; Oholibama, eine Tochter Anas und Enkelin des Horiters Zibon,
und Basemat, eine Tochter Ismaels und Schwester Nebajots.
1Mo 36,4 Ada hatte einen Sohn mit Namen Elifas; Basemats Sohn hieß Reguël,
1Mo 36,5 und Oholibamas Söhne waren Jëusch, Jalam und Korach. Alle wurden im
Land Kanaan geboren.
1Mo 36,6 Später verließ Esau das Land. Seine Frauen, Kinder und alle, die zu ihm
gehörten, nahm er mit; dazu seine Viehherden und den Besitz, den er in Kanaan
erworben hatte. Er zog in das Land Seïr, fort von seinem Bruder Jakob.
1Mo 36,7 Sie besaßen beide so große Viehherden, dass es im Land Kanaan nicht
genug Weidefläche für sie gab.
1Mo 36,8 Deshalb ließ sich Esau, der Stammvater der Edomiter, im Bergland Seïr
nieder.
1Mo 36,9 Dies ist die Liste der Nachkommen Esaus; es sind die Edomiter, die im
Land Seïr leben.
1Mo 36,10 Die Söhne Esaus: Von seinen beiden Frauen Ada und Basemat hatte Esau
je einen Sohn; Ada brachte Elifas zur Welt und Basemat Reguël.
1Mo 36,11 Die Söhne des Elifas waren Teman, Omar, Zefo, Gatam, Kenas
1Mo 36,12 und Amalek. Amalek war der Sohn von Elifas' Nebenfrau Timna.
1Mo 36,13 Reguël hatte vier Söhne: Nahat, Serach, Schamma und Misa.
1Mo 36,14 Oholibama, die Tochter Anas und Enkelin Zibons, bekam drei Söhne:
Jëusch, Jalam und Korach.
1Mo 36,15 [15/16] Esaus Söhne wurden zu Oberhäuptern verschiedener Stämme. Von
Esaus ältestem Sohn Elifas stammen die Fürsten Teman, Omar, Zefo, Kenas, Korach,
Gatam und Amalek. Sie gehen auf Esaus Frau Ada zurück.
1Mo 36,17 Von Esaus Sohn Reguël stammen die Fürsten Nahat, Serach, Schamma und
Misa. Sie gehen auf Esaus Frau Basemat zurück.
1Mo 36,18 Von Esaus Frau Oholibama stammen die Fürsten Jëusch, Jalam und Korach.
1Mo 36,19 Diese Fürsten sind Nachkommen Esaus und bilden das Volk der Edomiter.
1Mo 36,20 [20/21] Die Einwohner im Land Edom gehen auf den Horiter Seïr zurück.
Seine Söhne waren: Lotan, Schobal, Zibon, Ana, Dischon, Ezer und Dischan. Sie
waren die Oberhäupter von den verschiedenen Stämmen der Horiter.
1Mo 36,22 Lotans Söhne hießen Hori und Hemam, seine Schwester hieß Timna.
1Mo 36,23 Schobals Söhne waren Alwan, Manahat, Ebal, Schefi und Onam.
1Mo 36,24 Zibons Söhne waren Aja und Ana. Ana fand eine heiße Quelle in der
Wüste, als er dort die Esel seines Vaters Zibon weidete.
1Mo 36,25 Ana hatte einen Sohn namens Dischon und eine Tochter mit Namen
Oholibama.
1Mo 36,26 Dischons Söhne hießen Hemdan, Eschban, Jitran und Keran.
1Mo 36,27 Ezers Söhne waren Bilhan, Saawan und Akan.
1Mo 36,28 Dischans Söhne hießen Uz und Aran.
1Mo 36,29 [29/30] Aus diesen entstanden die Stämme der Horiter, denen die
Stammesfürsten Lotan, Schobal, Zibon, Ana, Dischon, Ezer und Dischan als
Oberhäupter vorstanden.
1Mo 36,31 Noch bevor die Israeliten einen König hatten, regierten im Land Edom
nacheinander folgende Könige:
1Mo 36,32 König Bela, der Sohn Beors, in der Stadt Dinhaba;
1Mo 36,33 König Jobab, der Sohn Serachs, in der Stadt Bozra;
1Mo 36,34 König Huscham aus dem Gebiet der Temaniter;
1Mo 36,35 König Hadad, der Sohn Bedads, in der Stadt Awit; sein Heer schlug die
Midianiter im Gebiet von Moab;
1Mo 36,36 König Samla in der Stadt Masreka;
1Mo 36,37 König Schaul in der Stadt Rehobot am Fluss;
1Mo 36,38 König Baal-Hanan, der Sohn Achbors;
1Mo 36,39 König Hadar in der Stadt Pagu; seine Frau hieß Mehetabel, eine Tochter
Matreds und Enkelin Me-Sahabs.
1Mo 36,40 [40-43] Folgende Oberhäupter der Edomiter stammen von Esau ab: Timna,
Alwa, Jetet, Oholibama, Ela, Pinon, Kenas, Teman, Mibzar, Magdiël und Iram. Nach
ihnen werden die verschiedenen Stämme und ihre Gebiete benannt.
1Mo 37,1 Jakob wurde im Land Kanaan sesshaft, in dem auch schon sein Vater Isaak
gelebt hatte,
1Mo 37,2 und so geht seine Geschichte weiter: Jakobs Sohn Josef war inzwischen
17 Jahre alt. Seine Aufgabe war es, die Schaf- und Ziegenherden seines Vaters zu
hüten, zusammen mit seinen Halbbrüdern, den Söhnen Bilhas und Silpas. Hinter
ihrem Rücken verleumdete er sie bei seinem Vater und verriet ihm alles, was sie
trieben.
1Mo 37,3 Jakob liebte Josef mehr als die anderen Söhne, weil er ihn noch im
hohen Alter bekommen hatte. Darum ließ er für ihn ein besonders vornehmes und
prächtiges Gewand anfertigen.
1Mo 37,4 Natürlich merkten Josefs Brüder, dass ihr Vater ihn bevorzugte. Sie
hassten ihn deshalb und redeten kein freundliches Wort mehr mit ihm.
1Mo 37,5 Eines Nachts hatte Josef einen Traum, den er gleich am nächsten Morgen
seinen Brüdern erzählte. Das machte sie nur noch zorniger.
1Mo 37,6 »Hört mal, was ich geträumt habe!«, rief er.
1Mo 37,7 »Wir waren auf dem Feld und banden das Getreide in Garben zusammen. Da
richtete meine sich auf und blieb aufrecht stehen. Eure dagegen bildeten einen
Kreis darum und verbeugten sich tief vor meiner Garbe.«
1Mo 37,8 »Was, du willst also König werden und dich als Herrscher über uns
aufspielen?«, schrien seine Brüder. Sie hassten ihn nun noch mehr, weil er ihnen
von diesem Traum berichtet hatte.
1Mo 37,9 Bald darauf hatte Josef wieder einen Traum, und auch diesen erzählte er
seinen Brüdern. »Ich sah, wie die Sonne, der Mond und elf Sterne sich tief vor
mir verbeugten«, beschrieb er.
1Mo 37,10 Diesmal erzählte er den Traum auch seinem Vater. »Was soll das?«,
schimpfte der. »Bildest du dir etwa ein, dass wir alle - dein Vater, deine
Mutter und deine Brüder - uns dir unterwerfen?«
1Mo 37,11 Josefs Brüder waren eifersüchtig auf ihn, aber seinem Vater ging der
Traum nicht mehr aus dem Kopf.
1Mo 37,12 Eines Tages trieben Josefs Brüder die Viehherden ihres Vaters nach
Sichem, um sie dort weiden zu lassen.
1Mo 37,13 [13/14] Da sagte Jakob zu Josef: »Geh zu deinen Brüdern nach Sichem,
und erkundige dich, wie es ihnen und dem Vieh geht! Dann komm wieder, und
berichte mir!« »Gut«, sagte Josef. Er verließ das Tal von Hebron und machte sich
auf den Weg nach Sichem.
1Mo 37,15 Dort irrte er auf den Weideplätzen umher, bis er einen Mann traf. »Wen
suchst du?«, fragte der.
1Mo 37,16 »Meine Brüder mit ihren Herden. Hast du sie vielleicht gesehen?«,
entgegnete Josef.
1Mo 37,17 »Ja, sie sind von hier weitergezogen«, antwortete der Mann, »ich habe
gehört, wie sie sagten, sie wollten nach Dotan ziehen.« Josef ging nach Dotan
und fand sie dort.
1Mo 37,18 Seine Brüder erkannten ihn schon von weitem. Noch bevor er sie
erreichte, beschlossen sie, ihn umzubringen.
1Mo 37,19 »Da kommt ja der Träumer!«, spotteten sie untereinander.
1Mo 37,20 »Los, wir erschlagen ihn und werfen ihn in einen tiefen Brunnen!
Unserem Vater erzählen wir, ein wildes Tier hätte ihn gefressen. Dann werden wir
ja sehen, was aus seinen Träumen wird!«
1Mo 37,21 Nur Ruben wollte ihn retten. »Wir dürfen ihn nicht töten!«, rief er.
1Mo 37,22 »Vergießt kein Blut! Werft ihn doch lebend in den Brunnen hier in der
Steppe!« Ruben wollte ihn später heimlich wieder herausziehen und zu seinem
Vater zurückbringen.
1Mo 37,23 Kaum hatte Josef sie erreicht, da entrissen sie ihm sein vornehmes
Gewand
1Mo 37,24 und warfen ihn in den leeren Brunnenschacht.
1Mo 37,25 Dann setzten sie sich, um zu essen. Auf einmal bemerkten sie eine
Karawane mit ismaelitischen Händlern. Ihre Kamele waren beladen mit wertvollen
Gewürzen und Harzsorten. Sie kamen von Gilead und waren unterwegs nach Ägypten.
1Mo 37,26 Da sagte Juda: »Was haben wir davon, wenn wir unseren Bruder töten und
den Mord auch noch verheimlichen? Nichts!
1Mo 37,27 Los, wir verkaufen ihn an die Ismaeliter! Schließlich ist er immer
noch unser Bruder!« Die anderen stimmten zu,
1Mo 37,28 und so holten sie Josef aus dem Brunnen und verkauften ihn für zwanzig
Silberstücke an die ismaelitischen Händler, die ihn mit nach Ägypten nahmen.
1Mo 37,29 Ruben aber war nicht dabei gewesen. Als er nun zum Brunnen zurückkam
und bemerkte, dass Josef verschwunden war, erschrak er und zerriss entsetzt
seine Kleider.
1Mo 37,30 »Der Junge ist weg!«, schrie er auf. »Wie kann ich jetzt noch meinem
Vater in die Augen schauen?«
1Mo 37,31 Sie schlachteten einen Ziegenbock, wälzten Josefs Gewand in dem Blut
1Mo 37,32 und gingen damit zu ihrem Vater. »Das haben wir unterwegs gefunden«,
sagten sie, »kannst du es erkennen? Ist es Josefs Gewand oder nicht?«
1Mo 37,33 Jakob erkannte es sofort. »Das Gewand meines Sohnes!«, rief er. »Ein
wildes Tier hat ihn gefressen! Josef ist tot!«
1Mo 37,34 Er zerriss seine Kleider, wickelte als Zeichen der Trauer ein grobes
Tuch um seine Hüften und weinte viele Tage um Josef.
1Mo 37,35 Alle seine Söhne und Töchter kamen, um ihn zu trösten, aber keinem
gelang es. »Bis zu meinem Tod werde ich um ihn trauern!«, weinte er.
1Mo 37,36 Die Händler verkauften Josef in Ägypten an Potifar, einen Hofbeamten
des Pharaos, den Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache.
1Mo 38,1 Um diese Zeit ging Juda von zu Hause fort. Er zog hinunter zur Stadt
Adullam und wohnte bei einem Mann namens Hira.
1Mo 38,2 Dort lernte er die Tochter des Kanaaniters Schua kennen und heiratete
sie.
1Mo 38,3 [3-5] Die beiden bekamen drei Söhne: Er, Onan und Schela. Bei Schelas
Geburt wohnten sie gerade in Kesib.
1Mo 38,6 Als der Älteste erwachsen war, verheiratete Juda ihn mit einem Mädchen
namens Tamar.
1Mo 38,7 Aber der Herr verabscheute, wie dieser sein Leben führte, darum ließ er
ihn sterben.
1Mo 38,8 Da ging Juda zu seinem Sohn Onan. »Du musst Tamar heiraten!«, forderte
er ihn auf. »Das ist deine Pflicht als ihr Schwager, damit sie noch einen Sohn
bekommt. Er soll als der Sohn deines Bruders gelten!«
1Mo 38,9 Aber Onan wollte keinen Sohn zeugen, der nicht ihm gehörte. Jedes Mal,
wenn er mit Tamar schlief, ließ er seinen Samen zu Boden fallen.
1Mo 38,10 Aber das missfiel dem Herrn, und er ließ auch ihn sterben.
1Mo 38,11 Da sagte Juda zu seiner Schwiegertochter: »Geh in dein Elternhaus
zurück, und bleib so lange Witwe, bis Schela erwachsen ist!« Weil er aber
befürchtete, dass auch Schela sterben könnte wie seine Brüder, dachte er gar
nicht daran, die beiden zu verheiraten. Tamar ging in ihr Elternhaus zurück.
1Mo 38,12 Einige Zeit später starb Judas Frau, die Tochter Schuas. Als die
Trauerzeit vorüber war, ging Juda mit seinem Freund Hira nach Timna, wo gerade
seine Schafe geschoren wurden.
1Mo 38,13 Tamar erfuhr, dass ihr Schwiegervater auf dem Weg nach Timna war,
1Mo 38,14 und fasste einen Plan. Denn inzwischen hatte sie gemerkt, dass Schela,
der längst erwachsen war, sie nicht heiraten sollte. Sie zog ihre Witwenkleider
aus, verhüllte sich mit einem Schleier und setzte sich an den Ortseingang von
Enajim, das auf dem Weg nach Timna liegt.
1Mo 38,15 Als Juda vorbeikam, hielt er sie für eine Prostituierte, weil ihr
Gesicht verhüllt war.
1Mo 38,16 Er ging zu ihr an den Wegrand. »Lass mich mit dir schlafen!«, forderte
er sie auf - ohne zu wissen, wen er vor sich hatte. »Was bekomme ich dafür?«,
wollte Tamar wissen.
1Mo 38,17 »Ich werde dir einen Ziegenbock aus meiner Herde bringen«, versprach
Juda. »Nur wenn du mir ein Pfand dalässt, bis du ihn bringst!«, bekam er zur
Antwort.
1Mo 38,18 »Gut, was soll ich dir geben?«, fragte er. »Deinen Siegelring mit der
Schnur und deinen Stab!« Er gab ihr, was sie verlangte. Dann schlief er mit ihr,
und sie wurde von ihm schwanger.
1Mo 38,19 Danach ging Tamar nach Hause, legte ihren Schleier ab und zog die
Witwenkleider wieder an.
1Mo 38,20 Juda schickte seinen Freund Hira, um der Frau den Ziegenbock zu
bringen und das Pfand zurückzuholen. Aber Hira konnte sie nicht finden.
1Mo 38,21 Er fragte die Leute in Enajim: »Wo ist die Hure, die an der Straße
saß?« »Hier gibt es keine Huren!«, antworteten sie.
1Mo 38,22 Da ging er zu Juda zurück und erzählte ihm alles.
1Mo 38,23 »Dann soll sie das Pfand eben behalten!«, sagte Juda. »Wir setzen uns
nur dem Gespött der Leute aus, wenn wir noch weiter nachforschen. Schließlich
habe ich mein Bestes versucht!«
1Mo 38,24 Etwa drei Monate später wurde Juda berichtet: »Deine Schwiegertochter
Tamar ist schwanger. Sie hat sich mit einem Mann eingelassen!« »Bringt sie
sofort aus dem Dorf heraus!«, schrie Juda. »Sie soll verbrannt werden!«
1Mo 38,25 Als man sie hinausschleppte, ließ sie Juda ausrichten: »Der Mann, dem
dieser Siegelring und dieser Stab gehören, ist der Vater meines Kindes. Erkennst
du sie wieder?«
1Mo 38,26 Juda erkannte seine Sachen sofort. »Tamar ist mir gegenüber im Recht«,
gab er zu, »ich hätte sie meinem Sohn Schela zur Frau geben müssen!« Juda
schlief nie mehr mit ihr.
1Mo 38,27 Kurz vor der Entbindung stellte sich heraus, dass Tamar Zwillinge
bekam.
1Mo 38,28 Bei der Geburt streckte ein Kind die Hand heraus. Die Hebamme hielt
sie fest und band einen roten Faden um das Handgelenk.
1Mo 38,29 Aber das Kind zog seine Hand wieder zurück, und der andere kam zuerst.
»Warum erzwingst du dir den Durchbruch?«, rief die Hebamme. Darum wurde er Perez
(»Durchbruch«) genannt.
1Mo 38,30 Dann erst wurde sein Bruder mit dem roten Faden ums Handgelenk
geboren. Er bekam den Namen Serach (»Rotglanz«).
1Mo 39,1 Die Ismaeliter hatten Josef nach Ägypten gebracht. Sie verkauften ihn
an den Ägypter Potifar, den Hofbeamten des Pharaos und Oberbefehlshaber der
königlichen Leibwache.
1Mo 39,2 Der Herr half Josef: Ihm glückte alles, was er unternahm. Er durfte im
Haus arbeiten,
1Mo 39,3 und Potifar sah, dass der Herr ihm Erfolg schenkte.
1Mo 39,4 Deshalb bevorzugte er ihn vor allen anderen Sklaven und machte ihn zu
seinem persönlichen Diener. Er setzte Josef zum Hausverwalter ein und vertraute
ihm seinen ganzen Besitz an.
1Mo 39,5 Von da an ließ der Herr bei Potifar alles besonders gut gelingen. Die
Arbeiten im Haus waren erfolgreich, es gab eine gute Ernte, und die Viehherden
vergrößerten sich.
1Mo 39,6 Potifars Vertrauen wuchs: Er ließ Josef freie Hand und kümmerte sich
selbst um nichts mehr, außer um seine eigenen Speisen. Josef sah sehr gut aus.
1Mo 39,7 Das bemerkte auch Potifars Frau. »Schlaf mit mir!«, forderte sie ihn
auf.
1Mo 39,8 Aber Josef weigerte sich: »Mein Herr braucht sich im Haus um nichts zu
kümmern - alles hat er mir anvertraut.
1Mo 39,9 Ich habe genauso viel Macht wie er. Nur dich hat er mir vorenthalten,
weil du seine Frau bist. Wie könnte ich da ein so großes Unrecht tun und gegen
Gott sündigen?«
1Mo 39,10 Potifars Frau ließ nicht locker. Jeden Tag redete sie auf Josef ein,
er aber hörte nicht darauf und ließ sich nicht von ihr verführen.
1Mo 39,11 Einmal kam Josef ins Haus, um wie gewöhnlich seine Arbeit zu tun. Von
den Sklaven war gerade niemand anwesend.
1Mo 39,12 Da packte sie ihn am Gewand. »Komm mit mir ins Bett!«, drängte sie.
Josef riss sich los, ließ sein Gewand in ihrer Hand und floh nach draußen.
1Mo 39,13 [13/14] Potifars Frau schrie auf, rief nach ihren Dienern und zeigte
ihnen Josefs Gewand. »Seht«, rief sie, »mein Mann hat uns einen Hebräer ins Haus
gebracht, der jetzt mit uns umspringt, wie er will! Er wollte mich
vergewaltigen, aber ich habe laut geschrien.
1Mo 39,15 Da lief er schnell davon, doch dieses Gewand hat er bei mir
zurückgelassen!«
1Mo 39,16 Sie behielt Josefs Gewand und wartete, bis ihr Mann nach Hause kam.
1Mo 39,17 [17/18] Ihm erzählte sie dieselbe Geschichte.
1Mo 39,19 Als Potifar das hörte, geriet er in Zorn
1Mo 39,20 und ließ Josef ins Staatsgefängnis werfen.
1Mo 39,21 Aber der Herr war auf Josefs Seite und sorgte dafür, dass der
Gefängnisverwalter ihm wohlgesinnt war.
1Mo 39,22 Josef wurde zum Aufseher über die Gefangenen ernannt; er war nun
verantwortlich für alles, was im Gefängnis geschah.
1Mo 39,23 Der Verwalter brauchte sich um nichts mehr zu kümmern. Er vertraute
Josef völlig, weil er sah, dass der Herr ihm half und ihm Erfolg schenkte.
1Mo 40,1 Einige Zeit später hatten zwei Beamte des Königs ihren Herrn verärgert:
der Mundschenk und der oberste Bäcker.
1Mo 40,2 Der Pharao war zornig auf sie.
1Mo 40,3 Er warf sie in das Gefängnis, dem der Oberbefehlshaber der königlichen
Leibwache vorstand und in dem sich Josef aufhielt.
1Mo 40,4 Der Oberbefehlshaber beauftragte Josef damit, sie zu versorgen. Nach
einiger Zeit
1Mo 40,5 hatten beide in derselben Nacht einen besonderen Traum.
1Mo 40,6 Als Josef am nächsten Morgen zu ihnen kam, fielen ihm ihre
niedergeschlagenen Gesichter auf.
1Mo 40,7 »Was ist los mit euch? Warum seid ihr so bedrückt?«, fragte er.
1Mo 40,8 »Wir haben beide einen seltsamen Traum gehabt, aber hier gibt es
niemanden, der uns die Träume deuten kann!«, klagten sie. »Nur Gott kann Träume
deuten«, entgegnete Josef, »doch wenn ihr wollt, erzählt sie mir!«
1Mo 40,9 Der Mundschenk begann: »Ich sah einen Weinstock
1Mo 40,10 mit drei Ranken. Als er Knospen trieb, waren sofort die Blüten da, und
dann auch schon die reifen Trauben.
1Mo 40,11 In meiner Hand hielt ich den Becher des Pharaos. Ich nahm die Trauben,
presste ihren Saft in den Becher und gab dem König zu trinken.«
1Mo 40,12 »Ich weiß, was der Traum bedeutet!«, sagte Josef. »Die drei Ranken
sind drei Tage.
1Mo 40,13 In drei Tagen wird der Pharao dich aus dem Gefängnis herausholen und
dich wieder in dein Amt als Mundschenk einsetzen.
1Mo 40,14 Aber denk an mich, wenn es dir wieder gut geht! Erzähl dem Pharao von
mir, und bitte ihn, mich hier herauszuholen!
1Mo 40,15 Ich wurde aus dem Land der Hebräer entführt, und auch hier in Ägypten
habe ich nichts Verbotenes getan. Ich sitze unschuldig im Gefängnis!«
1Mo 40,16 Als der oberste Bäcker merkte, dass der Traum des Mundschenks eine
gute Bedeutung hatte, fasste er Mut. »In meinem Traum trug ich drei Brotkörbe
auf dem Kopf«, erzählte er.
1Mo 40,17 »Im obersten Korb lag viel feines Gebäck für den Pharao, aber Vögel
kamen und fraßen alles auf.«
1Mo 40,18 »Die drei Körbe bedeuten drei Tage«, erklärte Josef.
1Mo 40,19 »In drei Tagen wird der Pharao dich aus dem Gefängnis herausholen und
an einem Baum erhängen. Die Vögel werden dein Fleisch fressen!«
1Mo 40,20 Drei Tage später hatte der Pharao Geburtstag. Er gab ein großes Fest
für seine Hofbeamten und ließ den Mundschenk und den obersten Bäcker aus dem
Gefängnis holen.
1Mo 40,21 Den Mundschenk setzte er wieder in sein Amt ein,
1Mo 40,22 aber den obersten Bäcker ließ er aufhängen - genau wie Josef es
vorausgesagt hatte.
1Mo 40,23 Doch der Mundschenk dachte nicht mehr an Josef, er vergaß ihn einfach.
1Mo 41,1 Zwei Jahre waren inzwischen vergangen. Eines Nachts hatte der Pharao
einen Traum: Er stand am Nilufer,
1Mo 41,2 als sieben schöne, dicke Kühe aus dem Wasser stiegen und im Ufergras
weideten.
1Mo 41,3 Danach kamen sieben magere und hässliche Kühe aus dem Fluss und
stellten sich neben die anderen.
1Mo 41,4 Plötzlich stürzten die mageren sich auf die dicken Kühe und
verschlangen sie. Der Pharao wachte auf,
1Mo 41,5 schlief aber sofort wieder ein und hatte einen zweiten Traum: Sieben
volle, reife Ähren wuchsen an einem Halm.
1Mo 41,6 Danach wuchsen sieben kümmerliche Ähren, die vom heißen Wüstenwind
verdorrt waren.
1Mo 41,7 Die dürren fielen über die vollen her und fraßen sie auf. Der Pharao
erwachte und merkte, dass es nur ein Traum gewesen war.
1Mo 41,8 Aber auch am nächsten Morgen ließen die Träume ihn nicht los.
Beunruhigt rief er alle Wahrsager und Gelehrten Ägyptens zu sich. Er erzählte
ihnen, was er geträumt hatte, aber keiner konnte es deuten.
1Mo 41,9 Da meldete sich der Mundschenk beim König: »Heute muss ich mich an ein
Unrecht erinnern, das ich begangen habe.
1Mo 41,10 Vor einiger Zeit warst du, Pharao, zornig über den obersten Bäcker und
über mich. Darum hast du uns ins Gefängnis geworfen.
1Mo 41,11 Dort hatte jeder von uns einen seltsamen Traum.
1Mo 41,12 Wir erzählten ihn einem jungen Hebräer, der mit uns im Gefängnis saß,
einem Sklaven von Potifar, dem Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache. Er
konnte unsere Träume für jeden richtig deuten.
1Mo 41,13 Was er vorausgesagt hatte, traf ein: Ich wurde wieder in mein Amt
eingesetzt, und der oberste Bäcker wurde erhängt.«
1Mo 41,14 Sofort ließ der Pharao Josef aus dem Gefängnis holen. Josef ließ sich
die Haare schneiden, zog schöne Kleider an und trat vor den Pharao.
1Mo 41,15 »Letzte Nacht hatte ich einen Traum«, begann der König, »und keiner
kann ihn deuten. Aber ich habe erfahren, dass du Träume auslegen kannst, sofort
nachdem du sie gehört hast.«
1Mo 41,16 »Ich selbst kann das nicht«, erwiderte Josef, »aber Gott wird dir
sicher etwas Gutes ankündigen!«
1Mo 41,17 Der Pharao begann: »In meinem Traum stand ich am Nilufer.
1Mo 41,18 Da stiegen sieben schöne, dicke Kühe aus dem Fluss. Sie weideten im
Ufergras.
1Mo 41,19 Nach ihnen kamen sieben hässliche Kühe aus dem Nil. Sie waren dürr und
abgemagert - noch nie habe ich in Ägypten so hässliche Kühe gesehen!
1Mo 41,20 Die mageren fraßen die dicken auf,
1Mo 41,21 aber hinterher sahen sie noch genauso dünn aus! Ich wachte auf,
1Mo 41,22 dann schlief ich wieder ein und träumte, dass an einem Halm sieben
volle, reife Ähren wuchsen.
1Mo 41,23 Danach wuchsen sieben kümmerliche heran, vom heißen Wüstenwind
verdorrt.
1Mo 41,24 Sie verschlangen die sieben vollen Ähren. Ich erzählte alles meinen
Wahrsagern, aber keiner wusste eine Deutung.«
1Mo 41,25 »Beide Träume bedeuten dasselbe«, erklärte Josef, »Gott sagt dir, was
er vorhat:
1Mo 41,26 Sowohl die sieben dicken Kühe als auch die sieben vollen Ähren
bedeuten sieben Jahre, in denen es eine überreiche Ernte gibt.
1Mo 41,27 Die sieben mageren Kühe und die sieben verdorrten Ähren bedeuten
sieben Jahre Missernte und Hunger.
1Mo 41,28 Gott lässt dich wissen, was er tun will:
1Mo 41,29 In den nächsten sieben Jahren wird es in ganz Ägypten mehr als genug
zu essen geben.
1Mo 41,30 [30/31] Aber danach kommen sieben Jahre Hungersnot. Dann ist der
Überfluss schnell vergessen, der Hunger wird das Land auszehren.
1Mo 41,32 Dass du sogar zwei Träume hattest, zeigt dir: Gott hat dies fest
beschlossen!
1Mo 41,33 Darum empfehle ich dir, einen klugen Mann zu suchen, der fähig ist,
ganz Ägypten zu regieren.
1Mo 41,34 Setz noch weitere Verwalter ein, die in den fruchtbaren Jahren ein
Fünftel der Ernte als Steuern erheben.
1Mo 41,35 Den Ertrag sollen sie in den Städten in Kornspeichern sammeln, damit
er dir zur Verfügung steht.
1Mo 41,36 So haben wir genug Vorrat für die sieben dürren Jahre und müssen nicht
verhungern.«
1Mo 41,37 Josefs Vorschlag gefiel dem Pharao und seinen Hofbeamten.
1Mo 41,38 »Wir finden für diese Aufgabe keinen besseren Mann als Josef«, sagte
der König, »denn in ihm wohnt Gottes Geist!«
1Mo 41,39 Er wandte sich an Josef: »Gott hat dir dies gezeigt, darum bist du der
Klügste und für die Aufgabe am besten geeignet.
1Mo 41,40 Meine Hofbeamten und das ganze Volk sollen auf dein Wort hören, nur
ich selbst stehe noch über dir.
1Mo 41,41 Ich ernenne dich zu meinem Stellvertreter, der über ganz Ägypten
herrscht!«
1Mo 41,42 Er nahm den Siegelring mit dem königlichen Wappen von seinem Finger
und steckte ihn Josef an. Dann gab er ihm kostbare Kleidung und legte eine
goldene Kette um seinen Hals.
1Mo 41,43 Er ließ ihn den Wagen des zweiten Staatsoberhaupts besteigen. Wo immer
Josef sich sehen ließ, wurde vor ihm ausgerufen: »Werft euch vor ihm nieder, und
ehrt ihn!« So setzte der Pharao ihn zu seinem Stellvertreter über ganz Ägypten
ein.
1Mo 41,44 »Ich bin der König«, sagte er zu ihm, »und ich bestimme, dass ohne
deine Einwilligung niemand etwas unternehmen darf!«
1Mo 41,45 Er gab Josef den ägyptischen Namen Zafenat-Paneach (»Gott lebt, und er
redet«) und verheiratete ihn mit Asenat. Sie war eine Tochter Potiferas, des
Priesters von Heliopolis.
1Mo 41,46 Josef war 30 Jahre alt, als der Pharao ihn zu seinem Stellvertreter
machte. Er verließ den Königshof und reiste durch ganz Ägypten.
1Mo 41,47 Die folgenden sieben Jahre brachten dem Land überreiche Ernten.
1Mo 41,48 Josef verlangte, dass das überflüssige Getreide abgegeben und in den
Städten gesammelt wurde. In jede Stadt ließ er den Ertrag der sie umgebenden
Felder bringen.
1Mo 41,49 Die Getreideberge waren nicht mehr zu wiegen - ja, nicht einmal mehr
schätzen konnte man die riesigen Mengen!
1Mo 41,50 In den Jahren vor der Hungersnot bekamen Josef und Asenat zwei Söhne.
1Mo 41,51 »Gott hat mich mein Elternhaus und meine Sorgen vergessen lassen!«,
rief Josef und nannte den ältesten Manasse (»Der vergessen lässt«).
1Mo 41,52 Den zweiten nannte er Ephraim (»Kindersegen«), denn er sagte: »Gott
hat mir im Ausland Kinder geschenkt!«
1Mo 41,53 Nach den sieben fruchtbaren Jahren
1Mo 41,54 begann die Hungersnot - wie Josef es vorausgesagt hatte. Alle Länder
ringsum waren betroffen, nur Ägypten besaß genug Vorräte.
1Mo 41,55 Doch auch hier hungerten die Menschen und flehten den Pharao um Brot
an. »Wendet euch an Josef«, antwortete er ihnen, »und tut, was er euch sagt!«
1Mo 41,56 [56/57] Als die Hungersnot immer drückender wurde, öffnete Josef die
Kornspeicher und verkaufte Getreide an die Ägypter und an Leute aus anderen
Ländern.
1Mo 42,1 Auch Jakob erfuhr, dass es in Ägypten Getreide zu kaufen gab. »Warum
zögert ihr noch?«, fragte er seine Söhne.
1Mo 42,2 »In Ägypten gibt es Getreide zu kaufen! Los, beeilt euch, und besorgt
etwas, bevor wir verhungern!«
1Mo 42,3 Alle Brüder Josefs machten sich auf den Weg;
1Mo 42,4 nur sein jüngster Bruder Benjamin blieb zu Hause, weil Jakob
befürchtete, ihm könnte etwas zustoßen.
1Mo 42,5 Zusammen mit vielen anderen kamen sie nach Ägypten, denn die Hungersnot
wütete überall.
1Mo 42,6 Weil Josef über ganz Ägypten regierte, mussten alle zu ihm kommen, die
Getreide kaufen wollten. Als seine Brüder vor ihn traten, verbeugten sie sich
tief.
1Mo 42,7 [7/8] Josef erkannte sie sofort, ließ sich aber nichts anmerken. »Woher
kommt ihr?«, fuhr er sie an. »Aus Kanaan, um Getreide zu kaufen«, gaben sie
ahnungslos zur Antwort.
1Mo 42,9 Josef erinnerte sich an seine Träume von damals. »Ihr seid Spione!«,
beschuldigte er sie. »Ihr seid nur gekommen, um zu erkunden, wo unser Land
schwach ist!«
1Mo 42,10 »Nein, nein, Herr!«, riefen sie. »Wir möchten nur Getreide kaufen!
1Mo 42,11 Wir sind Brüder und ehrliche Leute. Wir sind keine Spione!«
1Mo 42,12 »Das glaube ich nicht«, entgegnete Josef, »ihr wollt unser Land
ausforschen!«
1Mo 42,13 »Herr«, antworteten sie, »unser Vater lebt in Kanaan. Wir waren zwölf
Brüder. Der jüngste ist bei ihm geblieben, und einer von uns lebt nicht mehr.«
1Mo 42,14 Aber Josef wiederholte: »Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe -
Spione seid ihr!
1Mo 42,15 Ich werde eure Aussage überprüfen. Beim Leben des Pharaos schwöre ich:
Ihr kommt hier nicht eher heraus, bis ich euren jüngsten Bruder gesehen habe!
1Mo 42,16 Einer von euch soll ihn holen. Die anderen bleiben in Haft, bis ich
weiß, ob man sich auf eure Worte verlassen kann. Wenn nicht, dann seid ihr
Spione - beim Leben des Pharaos!«
1Mo 42,17 Er sperrte sie alle für drei Tage ein.
1Mo 42,18 Am dritten Tag sagte er zu ihnen: »Ich bin ein Mann, der Ehrfurcht vor
Gott hat. Darum lasse ich euch unter einer Bedingung am Leben:
1Mo 42,19 Um eure Ehrlichkeit zu beweisen, bleibt einer von euch hier in Haft.
Ihr anderen geht zurück, damit eure Familien nicht mehr hungern müssen.
1Mo 42,20 Aber bringt mir euren jüngsten Bruder herbei! Dann weiß ich, dass ihr
die Wahrheit gesagt habt, und lasse euch am Leben.« Die Brüder willigten ein.
1Mo 42,21 Sie sagten zueinander: »Jetzt müssen wir das ausbaden, was wir Josef
angetan haben! Wir sahen seine Angst, als er uns um sein Leben anflehte, aber
wir haben nicht gehört.«
1Mo 42,22 »Habe ich euch damals nicht gesagt, ihr solltet den Jungen in Ruhe
lassen?«, warf Ruben den anderen vor. »Aber ihr habt nicht gehört. Jetzt müssen
wir für seinen Tod büßen!«
1Mo 42,23 Sie ahnten nicht, dass Josef sie verstand, denn vorher hatte er durch
einen Dolmetscher mit ihnen geredet.
1Mo 42,24 Josef verließ den Raum, damit sie nicht merkten, dass er weinen
musste. Als er sich wieder gefasst hatte, kam er zurück und ließ Simeon
festnehmen.
1Mo 42,25 Dann befahl er seinen Dienern, die Säcke der anderen mit Getreide zu
füllen und ihnen Verpflegung mitzugeben. Heimlich gab er die Anweisung, jedem
auch sein Geld oben in den Sack zu stecken.
1Mo 42,26 Die Brüder beluden ihre Esel mit den Getreidesäcken und machten sich
auf den Weg.
1Mo 42,27 Über Nacht blieben sie in einer Herberge. Als einer von ihnen seinen
Sack öffnete, um seinen Esel zu füttern, bemerkte er das Geld.
1Mo 42,28 »Ich habe mein Geld gefunden!«, rief er. »Seht, hier im Sack!« Da
bekamen sie es mit der Angst zu tun. »Was hat Gott uns angetan?«, riefen sie.
1Mo 42,29 Zu Hause in Kanaan erzählten sie alles ihrem Vater Jakob:
1Mo 42,30 »Der ägyptische Herrscher war sehr unfreundlich und nannte uns Spione,
die das Land auskundschaften wollen.
1Mo 42,31 Wir versicherten ihm, dass wir ehrliche Menschen und keine Spione
sind.
1Mo 42,32 ›Wir waren zwölf Brüder‹, erzählten wir ihm, ›aber einer ist tot und
der jüngste zu Hause bei unserem Vater.‹
1Mo 42,33 Da antwortete er: ›Ich werde überprüfen, ob ihr die Wahrheit sagt.
Lasst einen von euch bei mir zurück, und nehmt das Getreide mit zu euren
Familien nach Hause.
1Mo 42,34 Aber ihr müsst euren jüngsten Bruder zu mir bringen! Daran will ich
erkennen, dass ihr keine Spione, sondern ehrliche Menschen seid. Ich werde euch
euren Bruder zurückgeben, und ihr könnt euch im Land frei bewegen!‹«
1Mo 42,35 Als die Brüder ihre Säcke ausleeren wollten, entdeckten sie die
anderen Geldbeutel. Sie erstarrten vor Schreck.
1Mo 42,36 »Ihr raubt mir meine Kinder!«, rief Jakob verzweifelt. »Josef lebt
nicht mehr, Simeon ist zurückgeblieben, und Benjamin wollt ihr mir auch noch
nehmen! Nichts bleibt mir erspart!«
1Mo 42,37 Da griff Ruben ein: »Wenn ich dir Benjamin nicht zurückbringe, kannst
du meine beiden Söhne töten«, sagte er. »Ich übernehme die Verantwortung!«
1Mo 42,38 »Nein«, rief Jakob, »das kommt nicht in Frage! Sein Bruder Josef ist
schon tot, und er ist der letzte von Rahels Söhnen. Ich bin schon ein alter
Mann, und wenn ihm unterwegs etwas zustößt, würde mich das ins Grab bringen!
Daran wärt allein ihr schuld!«
1Mo 43,1 Die Hungersnot wurde immer drückender.
1Mo 43,2 Bald war das Getreide aufgebraucht, das sie aus Ägypten mitgebracht
hatten. »Geht wieder nach Ägypten, und kauft etwas!«, bat Jakob seine Söhne.
1Mo 43,3 [3-5] Juda erwiderte: »Der Mann hat uns ausdrücklich gesagt: ›Lasst
euch nicht mehr hier blicken, außer ihr bringt euren Bruder mit!‹ Wir können
also nur gehen und Getreide kaufen, wenn du Benjamin mit uns kommen lässt! Sonst
hat unsere Reise keinen Sinn.«
1Mo 43,6 »Warum habt ihr dem Mann überhaupt erzählt, dass ihr noch einen Bruder
habt? Musstet ihr mir das antun?«, fragte Jakob.
1Mo 43,7 »Der Mann hat sich genau nach unserer Familie erkundigt«, entgegneten
sie. »Er wollte wissen, ob unser Vater noch lebt und ob wir noch einen Bruder
haben. Konnten wir denn ahnen, dass er sagen würde: ›Bringt euren Bruder mit!‹?«
1Mo 43,8 Juda schlug vor: »Vertrau mir den Jungen an! Dann können wir losziehen,
und keiner von uns muss verhungern.
1Mo 43,9 Ich übernehme für ihn die volle Verantwortung. Wenn ich ihn dir nicht
gesund zurückbringe, will ich mein Leben lang die Schuld dafür tragen!
1Mo 43,10 Wir könnten schon zweimal wieder hier sein, wenn wir nicht so lange
gezögert hätten!«
1Mo 43,11 Da gab Jakob nach: »Wenn es sein muss, dann nehmt Benjamin mit. Bringt
dem Mann etwas von den besten Erzeugnissen unseres Landes: kostbare Harze,
außerdem Honig, Pistazien und Mandeln.
1Mo 43,12 Nehmt doppelt so viel Geld mit, wie ihr braucht, und gebt den Betrag
zurück, der oben in euren Säcken lag. Vielleicht war es ja nur ein Versehen.
1Mo 43,13 Macht euch mit Benjamin auf den Weg.
1Mo 43,14 Gott besitzt Macht über alles. Ich bete zu ihm, dass der ägyptische
Herrscher Mitleid mit euch hat und Simeon und Benjamin freigibt. Und wenn ich
meine Kinder verliere, dann muss es wohl so sein!«
1Mo 43,15 Die Brüder nahmen die Geschenke und den doppelten Geldbetrag und zogen
mit Benjamin nach Ägypten. Dort meldeten sie sich bei Josef.
1Mo 43,16 Als Josef sah, dass Benjamin dabei war, sagte er zu seinem
Hausverwalter: »Diese Männer werden heute Mittag mit mir essen. Führe sie in
meinen Palast, schlachte ein Tier, und bereite ein gutes Essen vor!«
1Mo 43,17 Als der Verwalter die Brüder aufforderte, ihm in Josefs Palast zu
folgen,
1Mo 43,18 erschraken sie. »Sicher werden wir dort hineingeführt, weil das Geld
in unseren Säcken war!«, dachten sie. »Jetzt werden sie uns überwältigen, die
Esel wegnehmen und uns zu Sklaven machen!«
1Mo 43,19 Am Eingang zum Palast sagten sie zu dem Verwalter:
1Mo 43,20 »Herr, wir waren schon einmal hier, um Getreide zu kaufen.
1Mo 43,21 Auf dem Rückweg übernachteten wir in einer Herberge. Als wir dort
unsere Getreidesäcke öffneten, lag in jedem das Geld, mit dem wir bezahlt
hatten. Jetzt haben wir es wieder mitgebracht,
1Mo 43,22 zusammen mit neuem Geld, um noch einmal Getreide zu kaufen. Wir können
wirklich nicht sagen, wer das Geld in unsere Säcke gelegt hat!«
1Mo 43,23 »Macht euch keine Sorgen«, beruhigte sie der Hausverwalter, »euer Gott
muss es heimlich hineingelegt haben, denn ich habe euer Geld bekommen!« Dann
brachte er Simeon zu ihnen
1Mo 43,24 und führte sie in den Palast. Dort gab er ihnen Wasser, damit sie sich
die Füße waschen konnten, und fütterte ihre Esel.
1Mo 43,25 Sie nutzten die Zeit, um ihre Geschenke für Josef zurechtzulegen;
inzwischen hatten sie nämlich erfahren, dass sie mit ihm essen würden.
1Mo 43,26 Als Josef eintrat, überreichten sie ihm die Geschenke und warfen sich
vor ihm nieder.
1Mo 43,27 Er erkundigte sich, wie es ihnen ging. »Was macht euer alter Vater,
von dem ihr mir erzählt habt?«, fragte er. »Lebt er noch?«
1Mo 43,28 »Ja«, antworteten sie, »und es geht ihm gut.« Dann warfen sie sich
erneut vor ihm nieder.
1Mo 43,29 Josef sah seinen Bruder Benjamin an, den Sohn seiner eigenen Mutter,
und fragte: »Das ist also euer jüngster Bruder, von dem ihr mir erzählt habt?
Gott segne dich!«
1Mo 43,30 Der Anblick Benjamins bewegte ihn so sehr, dass ihm die Tränen kamen.
Er lief hinaus und weinte in seinem Zimmer.
1Mo 43,31 Dann wusch er sein Gesicht und ging wieder zurück. Mühsam beherrschte
er sich und befahl seinen Dienern, das Essen aufzutragen.
1Mo 43,32 Josef hatte einen eigenen Tisch, die Brüder aßen an einem anderen, und
an einem dritten saßen die Ägypter, die mit dabei waren. Es war nämlich streng
verboten, als Ägypter mit Hebräern an einem Tisch zu essen.
1Mo 43,33 Josefs Brüder saßen ihm gegenüber. Jeder hatte seinen Platz zugewiesen
bekommen, und zwar genau nach der Reihenfolge ihres Alters. Sie blickten sich
erstaunt an.
1Mo 43,34 Als Zeichen der besonderen Ehre ließ Josef ihnen von den Gerichten
auftragen, die auf seinem Tisch standen. Benjamin bekam einen sehr großen Anteil
- fünfmal so viel wie seine Brüder! Dazu tranken sie Wein. Es war eine fröhliche
Feier.
1Mo 44,1 Nach dem Essen gingen die Brüder in ihre Unterkunft. Als sie fort
waren, sagte Josef zu seinem Hausverwalter: »Füll jeden Sack mit so viel
Getreide, wie sie tragen können. Dann leg heimlich bei jedem das Geld wieder
hinein.
1Mo 44,2 Meinen silbernen Becher verstau in Benjamins Sack, zusammen mit seinem
Geld!« Der Verwalter führte den Befehl aus.
1Mo 44,3 Früh am nächsten Morgen reisten die Brüder mit ihren voll bepackten
Eseln wieder ab.
1Mo 44,4 Sie waren noch nicht lange fort, da befahl Josef seinem Hausverwalter:
»Schnell, jag den Männern hinterher! Wenn du sie eingeholt hast, frag sie:
›Warum habt ihr dieses Unrecht begangen, obwohl ihr so gut behandelt worden
seid?
1Mo 44,5 Warum habt ihr den silbernen Trinkbecher meines Herrn gestohlen, mit
dessen Hilfe er die Zukunft voraussagt? Das ist ein Verbrechen!‹«
1Mo 44,6 Der Verwalter eilte den Brüdern nach, und als er sie erreicht hatte,
wiederholte er die Worte seines Herrn.
1Mo 44,7 »Wie kannst du so etwas behaupten!«, antworteten sie entrüstet.
»Niemals würden wir das tun!
1Mo 44,8 Du weißt doch, dass wir das Geld zurückgebracht haben, das wir nach
unserer ersten Reise in den Säcken fanden. Warum sollten wir jetzt Silber oder
Gold aus dem Palast deines Herrn stehlen?
1Mo 44,9 Wenn du bei einem von uns den Becher findest, dann soll er sterben! Und
wir anderen werden für immer deinem Herrn als Sklaven dienen!«
1Mo 44,10 »Gut«, erwiderte der Verwalter, »aber nur der wird ein Sklave, bei dem
der Becher gefunden wird, die anderen sind frei.«
1Mo 44,11 Hastig stellte jeder seinen Sack auf die Erde und öffnete ihn.
1Mo 44,12 Der Verwalter durchsuchte alle Säcke sorgfältig, er ging der Reihe
nach vom Ältesten bis zum Jüngsten, und schließlich fand er den Becher bei
Benjamin.
1Mo 44,13 Da zerrissen die Brüder ihre Kleider vor Verzweiflung, beluden ihre
Esel und kehrten in die Stadt zurück.
1Mo 44,14 Josef war noch in seinem Palast, als sie dort ankamen. Sie warfen sich
vor ihm nieder.
1Mo 44,15 »Warum habt ihr das versucht?«, stellte Josef sie zur Rede. »Ihr
hättet wissen müssen, dass ein Mann wie ich den Schuldigen herausfindet!«
1Mo 44,16 Juda antwortete: »Was sollen wir jetzt noch zu unserer Verteidigung
vorbringen? Gott hat eine Schuld von uns bestraft. Darum sind wir alle deine
Sklaven - nicht nur der, bei dem dein Becher gefunden wurde!«
1Mo 44,17 »Nein, auf keinen Fall!«, entgegnete Josef. »Nur der ist mein Sklave,
der den Becher gestohlen hat, ihr anderen seid frei und könnt zu eurem Vater
zurückkehren!«
1Mo 44,18 Da trat Juda vor und sagte: »Herr, bitte höre mich an! Ich weiß, dass
man dir nicht widersprechen darf, weil du der Stellvertreter des Pharaos bist.
Bitte werde nicht zornig, wenn ich es trotzdem wage!
1Mo 44,19 Herr, du hattest uns gefragt, ob wir noch einen Vater oder einen
anderen Bruder haben.
1Mo 44,20 Wir antworteten: ›Wir haben einen alten Vater und einen Bruder, der
ihm noch im hohen Alter geboren wurde. Er ist der Jüngste von uns. Sein Bruder
ist gestorben. Ihre Mutter war die Lieblingsfrau unseres Vaters und hatte nur
diese zwei Söhne. Darum liebt unser Vater den Jüngsten besonders!‹
1Mo 44,21 Da hast du von uns verlangt, ihn herzubringen, um ihn mit eigenen
Augen zu sehen.
1Mo 44,22 Wir entgegneten: ›Herr, sein Vater würde sterben, wenn er ihn
verließe!‹
1Mo 44,23 Du gingst nicht darauf ein und sagtest: ›Ohne ihn dürft ihr euch nicht
mehr hier sehen lassen!‹
1Mo 44,24 Wir kehrten zu unserem Vater zurück und erzählten ihm alles.
1Mo 44,25 Als er uns einige Zeit später aufforderte, wieder Getreide zu kaufen,
1Mo 44,26 antworteten wir: ›Das geht nur, wenn du unseren jüngsten Bruder
mitkommen lässt. Sonst können wir dem ägyptischen Herrscher nicht unter die
Augen treten!‹
1Mo 44,27 Da sagte mein Vater zu uns: ›Ihr wisst doch, dass meine Lieblingsfrau
nur zwei Söhne bekommen hat.
1Mo 44,28 Der eine ist verschwunden - ich habe ihn nie wieder gesehen. Sicher
hat ein wildes Tier ihn zerrissen!
1Mo 44,29 Jetzt wollt ihr mir den anderen auch noch wegnehmen. Wenn ihm etwas
zustößt, bringt ihr mich ins Grab!‹
1Mo 44,30 Darum, Herr«, fuhr Juda fort, »wenn wir jetzt zu unserem Vater kommen
ohne den Jungen, an dem er so hängt,
1Mo 44,31 dann wird er vor Kummer sterben - und wir sind schuld daran!
1Mo 44,32 Herr, ich habe bei meinem Vater die volle Verantwortung für den Jungen
übernommen und gesagt: ›Wenn ich ihn dir nicht gesund zurückbringe, will ich
mein Leben lang die Schuld dafür tragen!‹
1Mo 44,33 Darum bitte ich dich, Herr: Lass mich an seiner Stelle als dein Sklave
hier bleiben, und lass ihn mit seinen Brüdern zurückziehen!
1Mo 44,34 Wie soll ich ohne den Jungen meinem Vater begegnen? Ich könnte seinen
Schmerz nicht mit ansehen!«
1Mo 45,1 Da konnte Josef sich nicht länger beherrschen. »Verlasst den Raum!«,
befahl er seinen Hofbeamten erregt. Nun war er mit seinen Brüdern allein.
1Mo 45,2 Er brach in Tränen aus und weinte so laut, dass die Ägypter es hörten.
Auch am Hof des Pharaos sprachen bald alle davon.
1Mo 45,3 »Ich bin Josef!«, sagte er zu seinen Brüdern. »Lebt mein Vater noch?«
Fassungslos standen die Brüder vor ihm. Sie brachten keinen Ton heraus.
1Mo 45,4 »Kommt doch näher!«, sagte Josef. Sie kamen zu ihm heran, und er
wiederholte: »Ich bin euer Bruder Josef, den ihr nach Ägypten verkauft habt.
1Mo 45,5 Aber ihr braucht euch nicht zu fürchten. Macht euch keine Vorwürfe,
dass ihr mich hierher verkauft habt, denn Gott wollte es so! Er hat mich
vorausgeschickt, um euch zu retten.
1Mo 45,6 Schon seit zwei Jahren hungern die Menschen, und auch in den nächsten
fünf Jahren wird man kein Feld bestellen und keine Ernte einbringen können.
1Mo 45,7 Gott hat mich euch vorausgesandt, damit ihr mit euren Familien
überlebt. Nur so kann ein großes Volk aus euren Nachkommen entstehen.
1Mo 45,8 Nicht ihr habt mich hierher geschickt, sondern Gott! Er hat mir diese
hohe Stellung gegeben: Ich bin der Berater des Pharaos, und ganz Ägypten hört
auf das, was ich sage.
1Mo 45,9 Schnell, kehrt zu meinem Vater zurück! Sagt ihm: ›Dein Sohn Josef lässt
dir ausrichten: Gott hat mich zum Herrn über ganz Ägypten gemacht. Komm sofort
zu mir!
1Mo 45,10 Du kannst im Gebiet Goschen wohnen, dann bist du ganz in meiner Nähe.
Bring deine Familie, deinen Besitz und dein Vieh mit!
1Mo 45,11 Die Hungersnot wird noch fünf Jahre dauern. Ich werde für euch sorgen,
und keiner wird mehr hungern müssen.‹
1Mo 45,12 Ihr seht doch mit eigenen Augen, dass ich wirklich euer Bruder bin«,
fuhr Josef fort. »Benjamin, auch du hast mich gesehen.
1Mo 45,13 Darum erzählt meinem Vater von meiner hohen Stellung und von allem,
was ihr erlebt habt, und bringt ihn schnell hierher!«
1Mo 45,14 Er fiel Benjamin um den Hals und weinte. Auch Benjamin begann zu
weinen.
1Mo 45,15 Dann umarmte er die anderen und küsste sie. Endlich fanden die Brüder
ihre Sprache wieder und redeten mit ihm.
1Mo 45,16 Bald wusste jeder am Hof des Pharaos: »Josefs Brüder sind gekommen!«
Der Pharao und seine Beamten freuten sich.
1Mo 45,17 Er sagte zu Josef: »Richte deinen Brüdern aus, sie sollen ihre Tiere
beladen und nach Kanaan ziehen. Sag ihnen:
1Mo 45,18 ›Holt euren Vater und eure Familien hierher! Ihr könnt in unserem
fruchtbarsten Gebiet wohnen und das Beste essen, was es in Ägypten gibt!‹
1Mo 45,19 Sie sollen einige Wagen mitnehmen und damit euren Vater, die Frauen
und die Kinder holen.
1Mo 45,20 Ihrem Besitz zu Hause brauchen sie nicht nachzutrauern. Hier bekommen
sie das Beste, was wir haben!«
1Mo 45,21 Josef gab seinen Brüdern die Wagen und Verpflegung für die Reise.
1Mo 45,22 Jedem schenkte er ein schönes Gewand, nur Benjamin gab er fünf
Gewänder und dreihundert Silberstücke.
1Mo 45,23 Seinem Vater schickte er zehn Esel mit den besten Waren Ägyptens sowie
zehn Eselinnen mit Getreide und anderen Nahrungsmitteln für die Reise.
1Mo 45,24 Dann schickte er seine Brüder los und ermahnte sie: »Streitet euch
nicht unterwegs!«
1Mo 45,25 Kaum waren die Brüder bei ihrem Vater angekommen,
1Mo 45,26 da riefen sie: »Josef lebt! Er ist sogar Herrscher über ganz Ägypten!«
Jakob war wie betäubt - er glaubte ihnen kein Wort.
1Mo 45,27 Sie bestürmten ihn und erzählten alles, was Josef ihnen aufgetragen
hatte. Sie zeigten ihm die Wagen, die Josef geschickt hatte, um ihn zu holen. Da
kam wieder Leben in ihn.
1Mo 45,28 »Tatsächlich - mein Sohn Josef lebt noch!«, rief er. »Ich will zu ihm
und ihn sehen, bevor ich sterbe!«
1Mo 46,1 Jakob packte seinen ganzen Besitz zusammen und machte sich auf den Weg.
Als er nach Beerscheba kam, schlachtete er ein Tier und opferte es dem Gott
seines Vaters Isaak.
1Mo 46,2 Nachts hörte er Gottes Stimme: »Jakob! Jakob!« »Ja, Herr?«
1Mo 46,3 »Ich bin Gott«, antwortete die Stimme, »der Gott deines Vaters. Hab
keine Angst davor, nach Ägypten zu ziehen! Dort will ich deine Nachkommen zu
einem großen Volk machen.
1Mo 46,4 Ich gehe mit dir nach Ägypten, und deine Nachkommen bringe ich wieder
hierher zurück. Josef wird bei dir sein und dir die Augen zudrücken, wenn du
stirbst.«
1Mo 46,5 Danach setzten Jakobs Söhne ihn und ihre Familien in die Wagen, die sie
vom Pharao bekommen hatten.
1Mo 46,6 [6/7] Ihr Vieh und ihren Besitz nahmen sie mit. So erreichte Jakob mit
allen Verwandten Ägypten.
1Mo 46,8 Es folgt das Verzeichnis der Familie Jakobs, die mit ihm nach Ägypten
zog. Nachkommen von Jakob und Lea: Ruben, der Älteste,
1Mo 46,9 und seine Söhne Henoch, Pallu, Hezron und Karmi;
1Mo 46,10 Simeon und seine Söhne Jemuël, Jamin, Ohad, Jachin, Zohar und Schaul;
Schauls Mutter war eine Kanaaniterin;
1Mo 46,11 Levi und seine Söhne Gerschon, Kehat und Merari;
1Mo 46,12 Juda und seine Söhne Er, Onan, Schela, Perez und Serach; Er und Onan
waren schon in Kanaan gestorben; Perez hatte zwei Söhne: Hezron und Hamul;
1Mo 46,13 Issaschar und seine Söhne Tola, Puwa, Jaschub und Schimron;
1Mo 46,14 Sebulon und seine Söhne Sered, Elon und Jachleel.
1Mo 46,15 Männliche Nachkommen von Jakob und Lea: 33; dazu kommt ihre Tochter
Dina.
1Mo 46,16 [16-18] Nachkommen von Jakob und der Magd Silpa - Laban hatte sie
damals seiner Tochter Lea gegeben -: Gad und seine Söhne Zifjon, Haggi, Schuni,
Ezbon, Eri, Arod und Areli; Asser und seine Söhne Jimna, Jischwa, Jischwi und
Beria sowie seine Tochter Serach; Beria hatte zwei Söhne: Heber und Malkiël.
Nachkommen von Jakob und Silpa: 16.
1Mo 46,19 [19-22] Nachkommen von Jakob und Rahel: Josef und seine Söhne Manasse
und Ephraim. Sie wurden ihm in Ägypten von Asenat geboren. Asenat war die
Tochter Potiferas, des Priesters von Heliopolis. Benjamin und seine Söhne Bela,
Becher, Aschbel, Gera, Naaman, Ehi, Rosch, Muppim, Huppim und Ard. Nachkommen
von Jakob und Rahel: 14.
1Mo 46,23 [23-25] Nachkommen von Jakob und der Magd Bilha - Laban hatte sie
damals seiner Tochter Rahel mitgegeben -: Dan und sein Sohn Schuham; Naftali und
seine Söhne Jachzeel, Guni, Jezer und Schillem. Nachkommen von Jakob und Bilha:
7.
1Mo 46,26 Insgesamt zogen 66 Kinder und Enkel mit Jakob nach Ägypten - dazu noch
die Frauen seiner Söhne.
1Mo 46,27 Zählt man Jakob, Josef und dessen zwei Söhne hinzu, die ihm in Ägypten
geboren wurden, so kamen 70 männliche Familienangehörige nach Ägypten.
1Mo 46,28 Jakob schickte Juda voraus. Er sollte Josef ausrichten, dass sie nach
Goschen ziehen würden.
1Mo 46,29 Josef ließ sofort seinen Wagen anspannen und fuhr ihnen entgegen. Er
fiel seinem Vater um den Hals und weinte lange.
1Mo 46,30 Jakob sagte: »Jetzt bin ich bereit zu sterben! Ich habe dich gesehen
und weiß, dass du lebst!«
1Mo 46,31 Josef wandte sich an die ganze Familie: »Ich gehe zum Pharao und
erzähle ihm, dass ihr von Kanaan hierher gekommen seid.
1Mo 46,32 Ich sage ihm: ›Diese Männer sind Viehhirten. Sie haben ihre Rinder,
Schafe und Ziegen sowie ihren ganzen Besitz mitgebracht!‹
1Mo 46,33 Wenn der Pharao euch nach eurem Beruf fragt,
1Mo 46,34 dann antwortet: ›Schon seit vielen Generationen sind wir Viehhirten.‹
Wenn ihr ihm das sagt, wird er euch hier in Goschen wohnen lassen!« Die Ägypter
wollten nämlich mit Viehhirten nichts zu tun haben, weil dieser Beruf bei ihnen
verachtet war.
1Mo 47,1 [1/2] Zusammen mit fünf seiner Brüder ging Josef zum Pharao. »Mein
Vater und meine Brüder sind von Kanaan hierher gekommen«, sagte er, »ihren
Besitz und ihre Viehherden haben sie mitgebracht. Jetzt sind sie in Goschen.« Er
stellte seine Brüder vor.
1Mo 47,3 »Welchen Beruf übt ihr aus?«, fragte der Pharao. »Wir sind Hirten - wie
schon unsere Vorfahren«, antworteten sie.
1Mo 47,4 »Wir möchten uns gern vorübergehend in Ägypten niederlassen. Die
Hungersnot in Kanaan wird immer unerträglicher, alle Weideplätze für unsere
Herden sind vertrocknet. Bitte gib deine Zustimmung, dass wir in Goschen wohnen
können!«
1Mo 47,5 [5/6] Der Pharao wandte sich an Josef: »Goschen ist der beste Teil
unseres Landes. Gern dürfen dein Vater und deine Brüder dort wohnen bleiben! Und
wenn unter ihnen geschickte Männer sind, kannst du sie zu Aufsehern über meine
Herden ernennen.«
1Mo 47,7 Dann brachte Josef seinen Vater Jakob herein. Jakob begrüßte den Pharao
mit einem Segenswunsch.
1Mo 47,8 »Wie alt bist du?«, fragte der Pharao.
1Mo 47,9 »Ich lebe nun 130 Jahre als Gast auf dieser Erde«, antwortete Jakob,
»das ist keine lange Zeit - meine Vorfahren sind viel älter geworden-, und es
waren harte Jahre.«
1Mo 47,10 Dann verabschiedete Jakob sich wieder mit einem Segenswunsch.
1Mo 47,11 Josef gab seinem Vater und seinen Brüdern Grundbesitz im fruchtbarsten
Gebiet Ägyptens, wie der Pharao gesagt hatte. Es war die Gegend nahe bei der
Stadt Ramses.
1Mo 47,12 Er versorgte jede Familie nach der Zahl ihrer Kinder mit so viel
Lebensmitteln, wie sie brauchten.
1Mo 47,13 Die Hungersnot wurde immer drückender, weil auf den Feldern nichts
mehr wuchs. Nicht nur in Kanaan, auch in Ägypten litten die Menschen schwer
darunter.
1Mo 47,14 Josef verkaufte Getreide und übergab dem Pharao das Geld. Er nahm so
gut wie alles Geld ein, das es in Kanaan und Ägypten gab.
1Mo 47,15 Deshalb hatten die Ägypter auch nichts mehr, womit sie bezahlen
konnten. Sie kamen zu Josef und flehten: »Sollen wir sterben, nur weil wir kein
Geld mehr haben? Bitte gib uns Brot!«
1Mo 47,16 »Gebt mir euer Vieh«, entgegnete Josef, »dann bekommt ihr Brot dafür!«
1Mo 47,17 Sie brachten ihr Vieh zu ihm, und er gab ihnen Getreide. Bald waren
alle Pferde, Schafe, Ziegen, Rinder und Esel Ägyptens im Besitz des Pharaos.
1Mo 47,18 Ein Jahr später kamen die Ägypter wieder zu Josef und sagten: »Herr,
wir haben kein Geld mehr, und das Vieh gehört auch schon dir! Wir können dir nur
noch uns selbst und unsere Felder geben!
1Mo 47,19 Lass uns nicht sterben! Kauf uns und unser Land, wir wollen uns
mitsamt unserem Grundbesitz dem Pharao als Leibeigene zur Verfügung stellen. Nur
gib uns Getreide zum Leben und Saatgut, damit unsere Felder nicht verwildern!«
1Mo 47,20 Josef kaufte das ganze Land auf. Weil die Hungersnot so groß war,
musste jeder seinen Grundbesitz dem König überlassen.
1Mo 47,21 Alle Bewohner Ägyptens wurden zu Sklaven des Pharaos.
1Mo 47,22 Nur das Eigentum der Priester kaufte Josef nicht. Sie bekamen ein
festes Einkommen vom Pharao und brauchten deshalb ihren Besitz nicht zu
verkaufen.
1Mo 47,23 Josef ließ allen Ägyptern melden: »Ich habe euch und eure Felder an
den König verkauft. Ihr bekommt Saatgut, das ihr aussäen sollt.
1Mo 47,24 Wenn die Ernte kommt, gehört der fünfte Teil davon ihm. Vom Rest könnt
ihr euch und eure Familien ernähren und wieder neue Saat aufsparen.«
1Mo 47,25 »Du hast uns das Leben gerettet«, antworteten sie, »wir sind gerne
Diener des Pharaos.«
1Mo 47,26 Josef machte es zu einem Gesetz in Ägypten, dass ein Fünftel der Ernte
dem Pharao gehören sollte. Diese Verordnung gilt dort noch heute. Nur der
Grundbesitz der Priester wurde nicht Eigentum des Pharaos.
1Mo 47,27 Die Israeliten ließen sich in Goschen nieder. Sie wurden zu einem
großen Volk.
1Mo 47,28 Jakob lebte noch siebzehn Jahre in Ägypten. Er wurde 147 Jahre alt.
1Mo 47,29 Als er merkte, dass er bald sterben würde, rief er Josef zu sich.
»Bitte erfüll mir meinen letzten Wunsch!«, bat er. »Leg die Hand auf meinen
Unterleib, und versprich mir, dass du mich nicht in Ägypten begräbst!
1Mo 47,30 Wenn ich gestorben bin, bring mich von hier fort, und begrab mich
neben meinen Vorfahren!« »Das verspreche ich dir!«, antwortete Josef.
1Mo 47,31 »Schwöre!«, bat Jakob. Josef schwor. Da betete Jakob auf seinem Bett
Gott an.
1Mo 48,1 Kurze Zeit später erhielt Josef die Nachricht: »Dein Vater ist krank.«
Sofort eilte er mit seinen Söhnen Ephraim und Manasse zu ihm.
1Mo 48,2 Als Jakob hörte, dass Josef gekommen war, setzte er sich mit letzter
Kraft im Bett auf.
1Mo 48,3 Er sagte zu Josef: »Der allmächtige Gott ist mir bei Lus im Land Kanaan
erschienen.
1Mo 48,4 Er hat mich gesegnet und mir versprochen: ›Aus dir wird ein großes Volk
entstehen. Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land für immer.‹
1Mo 48,5 Josef, ich möchte Ephraim und Manasse als meine Söhne annehmen!«, fuhr
Jakob fort. »Sie wurden in Ägypten geboren, bevor ich hierher kam, und werden
nun Ruben und Simeon gleichgestellt.
1Mo 48,6 Die Söhne aber, die du nach ihnen bekommen hast, gelten als deine
eigenen. Sie sollen kein Erbe bekommen, sondern zu Ephraim und Manasse gezählt
werden.
1Mo 48,7 Dies tue ich, weil ich deine Mutter Rahel immer besonders geliebt habe.
Als wir aus Mesopotamien zurückkamen, starb sie in Kanaan, nicht weit von
Efrata, dem heutigen Bethlehem. Dort begrub ich sie.«
1Mo 48,8 Jakob blickte Ephraim und Manasse an. »Wer sind sie?«, fragte er.
1Mo 48,9 »Das sind die beiden Söhne, die Gott mir in Ägypten geschenkt hat«,
antwortete Josef. »Bring sie zu mir, ich will sie segnen!«, bat Jakob.
1Mo 48,10 Jakobs Augen waren im Alter schwach geworden, er konnte kaum noch
sehen. Darum brachte Josef die beiden nah an ihn heran. Jakob umarmte und küsste
sie.
1Mo 48,11 Dann wandte er sich wieder an Josef und sagte: »Ich hätte nicht
geglaubt, dich jemals wiederzusehen. Jetzt lässt Gott mich sogar deine Kinder
noch erleben!«
1Mo 48,12 Josef nahm Ephraim und Manasse von Jakobs Knien und verbeugte sich
tief vor ihm.
1Mo 48,13 Dann nahm er die beiden an die Hand und stellte Ephraim an Jakobs
linke, Manasse an seine rechte Seite.
1Mo 48,14 Aber Jakob kreuzte seine Hände und legte seine rechte Hand auf
Ephraims Kopf, obwohl er der Jüngere war; seine linke legte er auf Manasses
Kopf, obwohl er der Ältere war.
1Mo 48,15 Er segnete Josef und seine Söhne und sagte: »Gott, dem meine Väter
Abraham und Isaak dienten, hat mein Leben lang für mich gesorgt.
1Mo 48,16 Sein Engel hat mich aus vielen Gefahren gerettet. Dieser Gott erweise
Ephraim und Manasse Gutes! Sie sollen weitertragen, was er mit Abraham, Isaak
und mir begonnen hat! Ihre Nachkommen sollen zahlreich werden und das verheißene
Land bevölkern!«
1Mo 48,17 Josef gefiel es nicht, dass Jakob seine rechte Hand auf Ephraims Kopf
gelegt hatte. Er nahm sie, um sie auf Manasse zu legen.
1Mo 48,18 »Er ist der Älteste!«, sagte er. »Leg deine rechte Hand auf ihn!«
1Mo 48,19 Aber sein Vater ging nicht darauf ein. »Ich weiß, mein Sohn, ich
weiß!«, erwiderte er. »Auch von Manasse wird ein großes Volk abstammen, aber
Ephraims Nachkommen sollen noch zahlreicher und mächtiger werden!«
1Mo 48,20 Schließlich segnete Jakob die beiden: »Euer Name soll sprichwörtlich
sein, wenn man sich in Israel Gutes wünscht. Dann wird man sagen: ›Gott erweise
dir Gutes wie Ephraim und Manasse!‹«
1Mo 48,21 Zu Josef sagte er: »Ich muss sterben. Gott wird euch helfen und euch
nach Kanaan zurückbringen, in das Land eurer Vorfahren.
1Mo 48,22 Du sollst deinen Brüdern etwas voraushaben: Ich verspreche dir das
Bergland, das ich den Amoritern im Kampf mit Schwert und Bogen abgenommen habe.«
1Mo 49,1 Danach ließ Jakob alle seine Söhne herbeirufen. »Kommt an mein Bett«,
forderte er sie auf, »ich sage euch, was in Zukunft mit euch geschehen wird.
1Mo 49,2 Hört, was euer Vater Israel sagt!
1Mo 49,3 Ruben, du bist mein erster Sohn, geboren in der Zeit meiner größten
Kraft. Du nimmst den höchsten Rang ein, genießt das größte Ansehen.
1Mo 49,4 Aber du kannst dich nicht im Zaum halten - darum wirst du nicht der
Erste bleiben. Mit einer meiner Frauen hast du geschlafen und mich dadurch
beleidigt.
1Mo 49,5 Simeon und Levi, sie beide verfolgen dieselben Ziele: Ihre Schwerter
haben sie zu Mord und Totschlag missbraucht.
1Mo 49,6 Mit ihren finsteren Plänen will ich nichts zu tun haben, von ihren
Vorhaben halte ich mich fern. In blinder Wut brachten sie Menschen um, mutwillig
schnitten sie Stieren die Sehnen durch.
1Mo 49,7 Weil sie im Zorn so hart und grausam waren, müssen sie die Folgen
tragen: Ihre Nachkommen erhalten kein eigenes Gebiet, sondern wohnen verstreut
in ganz Israel.
1Mo 49,8 Juda, dich loben deine Brüder! Deine Feinde schlägst du in die Flucht,
darum verehren dich alle Söhne deines Vaters.
1Mo 49,9 Mein Sohn, du bist wie ein junger Löwe, der gerade seine Beute gerissen
hat. Majestätisch legt er sich daneben, und niemand wagt es, ihn zu stören.
1Mo 49,10 Juda, immer behältst du das Zepter in der Hand, Könige gehen aus
deinem Stamm hervor - bis ein großer Herrscher kommt, dem alle Völker dienen.
1Mo 49,11 Juda wäscht sein Gewand in Wein - im Überfluss kann er ihn genießen;
er bindet seinen Esel am Weinstock an - denn es wächst genug davon in seinem
Land.
1Mo 49,12 Seine Augen sind dunkler als Wein und seine Zähne weißer als Milch.
1Mo 49,13 Sebulon - nah beim Meer wird er wohnen, sein Ufer ist ein Hafen für
Schiffe. Bis nach Sidon erstreckt sich sein Gebiet.
1Mo 49,14 Issaschar gleicht einem knochigen Esel, der träge zwischen den
Satteltaschen ruht.
1Mo 49,15 Sein schönes Land und seine Ruhe möchte er nicht verlieren. Darum
lässt er sich unterjochen und gibt seine Freiheit auf, anstatt für sie zu
kämpfen.
1Mo 49,16 Dan verhilft seinem Volk zum Recht - darum wird er geachtet, obwohl er
nur ein kleiner Stamm ist.
1Mo 49,17 Listig ist er wie eine kleine, aber gefährliche Schlange, die am
Wegrand liegt. Sie greift ein Pferd an, und nach ihrem Biss fällt der Reiter zu
Boden.
1Mo 49,18 O Herr, ich warte darauf, dass du uns rettest!
1Mo 49,19 Gad wird von plündernden Horden bedrängt, aber er treibt sie zurück
und schlägt sie in die Flucht.
1Mo 49,20 Assers Land bringt reiche Ernte; köstliche Früchte wachsen dort, es
sind wohlschmeckende Speisen sogar für Könige.
1Mo 49,21 Naftali gleicht einer Hirschkuh, die leichtfüßig umherläuft und schöne
Kälber wirft.
1Mo 49,22 Josef, du bist wie ein fruchtbarer Baum, der an einer Quelle wächst
und dessen Zweige eine Mauer überragen.
1Mo 49,23 Feindliche Truppen greifen dich an, verfolgen dich mit Pfeil und
Bogen,
1Mo 49,24 aber dein Bogen bleibt unzerbrechlich. Deine Arme und Hände sind
stark, weil Jakobs mächtiger Gott dir hilft. Er sorgt für Israel wie ein Hirte,
gibt dem Volk Sicherheit wie ein starker Fels.
1Mo 49,25 Der Gott, dem schon dein Vater gedient hat, wird dir beistehen. Er ist
allmächtig und wird dir seinen Segen schenken: Regen bewässert dein Land von
oben, und das Wasser aus den Tiefen der Erde macht deine Felder fruchtbar;
Menschen und Tiere vermehren sich und breiten sich aus.
1Mo 49,26 Stell dir die Berge vor, deren Gipfel bis in den Himmel ragen: Dein
Wohlstand wird noch viel größer sein! Dies steht dir zu, denn du nimmst einen
besonderen Platz unter deinen Brüdern ein.
1Mo 49,27 Benjamin gleicht einem reißenden Wolf, der morgens seine Feinde
verschlingt und abends seine Beute teilt.«
1Mo 49,28 Jedem seiner zwölf Söhne sagte Jakob ein besonderes Segenswort. Es
galt zugleich für die zwölf Stämme Israels, die von ihnen abstammen sollten.
1Mo 49,29 [29/30] »Ich muss bald sterben«, sagte er dann zu seinen Söhnen,
»begrabt mich in unserem Familiengrab! Es ist die Höhle in Kanaan, bei Machpela,
östlich von Mamre. Abraham hat sie dem Hetiter Efron abgekauft.
1Mo 49,31 Dort sind schon Abraham und Sara, Isaak und Rebekka begraben, und dort
habe ich Lea beigesetzt.
1Mo 49,32 Die Höhle mit dem Grundstück gehört uns. Begrabt auch mich dort!«
1Mo 49,33 Nachdem Jakob seinen letzten Willen erklärt hatte, legte er sich aufs
Bett zurück und starb.
1Mo 50,1 Josef warf sich über seinen Vater, küsste ihn und weinte laut.
1Mo 50,2 Er beauftragte seine Ärzte, den Körper einzubalsamieren.
1Mo 50,3 Das dauerte wie gewohnt vierzig Tage, und ganz Ägypten trauerte siebzig
Tage lang um Jakob.
1Mo 50,4 Als die Trauerzeit vorüber war, bat Josef die königlichen Hofbeamten,
dem Pharao auszurichten:
1Mo 50,5 »Ich habe meinem Vater geschworen, ihn in Kanaan zu bestatten. Dort ist
unser Familiengrab. Lass mich meinen Vater nach Kanaan bringen! Danach komme ich
wieder zurück!«
1Mo 50,6 Der Pharao ließ ihm sagen: »Du kannst deinen Vater bestatten, wie du es
ihm versprochen hast.«
1Mo 50,7 Josef machte sich auf den Weg. Mit ihm zogen die obersten Beamten
Ägyptens,
1Mo 50,8 seine eigene Familie und die Familien seiner Brüder sowie alle anderen
Angehörigen Jakobs. Nur die kleinen Kinder und das Vieh ließen sie in Goschen
zurück.
1Mo 50,9 Zu ihrem Schutz wurden sie von Kriegswagen und Reitern begleitet. Es
war ein sehr großer Trauerzug.
1Mo 50,10 Als sie nach Goren-Atad östlich des Jordan kamen, ließ Josef die
Totenklage für seinen Vater halten, sieben Tage lang.
1Mo 50,11 Die einheimischen Kanaaniter beobachteten sie und staunten: »Seht, wie
groß die Trauer der Ägypter ist!« Darum heißt der Ort Abel-Mizrajim (»Trauer der
Ägypter«).
1Mo 50,12 [12/13] Jakobs Söhne erfüllten den Wunsch ihres Vaters und brachten
ihn nach Kanaan. Sie bestatteten ihn in der Höhle bei Machpela, östlich von
Mamre, in dem Familiengrab, das Abraham damals von dem Hetiter Efron gekauft
hatte.
1Mo 50,14 Danach kehrten Josef und seine Brüder mit dem Trauerzug nach Ägypten
zurück.
1Mo 50,15 Weil ihr Vater nun tot war, bekamen Josefs Brüder Angst. »Was ist,
wenn Josef sich jetzt doch noch rächen will und uns alles Böse heimzahlt, was
wir ihm angetan haben?«
1Mo 50,16 Sie schickten einen Boten zu Josef mit der Nachricht: »Bevor dein
Vater starb, beauftragte er uns, dir zu sagen:
1Mo 50,17 ›Vergib deinen Brüdern das Unrecht von damals!‹ Darum bitten wir dich
jetzt: Verzeih uns! Wir dienen doch demselben Gott wie du und unser Vater!« Als
Josef das hörte, musste er weinen.
1Mo 50,18 Danach kamen die Brüder selbst zu ihm, warfen sich zu Boden und
sagten: »Wir sind deine Diener!«
1Mo 50,19 Aber Josef erwiderte: »Habt keine Angst! Ich maße mir doch nicht an,
euch an Gottes Stelle zu richten! Was er beschlossen hat, das steht fest!
1Mo 50,20 Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus entstehen
lassen. Durch meine hohe Stellung konnte ich vielen Menschen das Leben retten.
1Mo 50,21 Ihr braucht also nichts zu befürchten. Ich werde für euch und eure
Familien sorgen.« So beruhigte Josef seine Brüder, und sie vertrauten ihm.
1Mo 50,22 Josef, seine Brüder und ihre Familien blieben in Ägypten wohnen. Josef
wurde 110 Jahre alt.
1Mo 50,23 Er sah noch Ephraims Kinder und Enkel. Auch erlebte er noch die Kinder
von Machir, dem Sohn Manasses, und nahm sie in seine Familie auf.
1Mo 50,24 Als Josef merkte, dass er bald sterben würde, sagte er zu seinen
Brüdern: »Gott sorgt für euch. Er wird euch aus Ägypten herausführen und in das
Land bringen, das er Abraham, Isaak und Jakob versprochen hat.
1Mo 50,25 Schwört mir, dass ihr meine Gebeine mitnehmt, wenn Gott euch nach
Kanaan bringt!« Die Brüder schworen es.
1Mo 50,26 Josef starb im Alter von 110 Jahren. Sein Körper wurde einbalsamiert
und in einen Sarg gelegt.
2Mo 1,1 Dies sind die Namen der Israeliten, die mit ihrem Vater Jakob und ihren
Familien nach Ägypten gekommen waren:
2Mo 1,2 [2-4] Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Sebulon, Benjamin, Dan,
Naftali, Gad und Asser.
2Mo 1,5 Insgesamt waren es siebzig Personen, und alle stammten von Jakob ab.
Josef, auch ein Sohn Jakobs, hatte bereits vorher in Ägypten gelebt.
2Mo 1,6 Nach und nach waren Josef und seine Brüder gestorben, und schließlich
lebte von ihrer Generation niemand mehr.
2Mo 1,7 Ihre Nachkommen aber wurden zu einem großen Volk und ließen sich überall
in Ägypten nieder.
2Mo 1,8 Dann trat ein neuer König die Herrschaft an, der Josef nicht mehr
kannte.
2Mo 1,9 Er sagte zu den Ägyptern: »Ihr seht, dass die Israeliten zahlreicher und
mächtiger sind als wir.
2Mo 1,10 Wir müssen etwas dagegen unternehmen! Denn wenn dieses Volk weiter
wächst, laufen sie im Krieg womöglich zu unseren Feinden über, kämpfen gegen uns
und bringen dann das Land in ihre Gewalt.«
2Mo 1,11 So zwang man die Israeliten zur Sklavenarbeit und setzte Aufseher über
sie ein. Sie mussten für den Pharao die Vorratsstädte Pitom und Ramses bauen.
2Mo 1,12 Doch je mehr die Israeliten unterdrückt wurden, desto zahlreicher
wurden sie. Sie breiteten sich im ganzen Land aus, so dass die Ägypter Angst
bekamen.
2Mo 1,13 Darum zwangen sie die Israeliten erbarmungslos zu harter Arbeit
2Mo 1,14 und machten ihnen das Leben schwer: Sie mussten aus Lehm Ziegel
herstellen und auf den Feldern arbeiten. Mit Gewalt wurden sie dazu gezwungen.
2Mo 1,15 Den israelitischen Hebammen Schifra und Pua befahl der ägyptische
König:
2Mo 1,16 »Wenn ihr von den hebräischen Frauen zur Geburt gerufen werdet und
seht, dass ein Junge zur Welt kommt, dann tötet ihn sofort! Ist es ein Mädchen,
könnt ihr es am Leben lassen!«
2Mo 1,17 Aber aus Ehrfurcht vor Gott hielten sich die Hebammen nicht an den
königlichen Befehl, sondern ließen die Jungen am Leben.
2Mo 1,18 Als der König sie deswegen zur Rede stellte,
2Mo 1,19 erklärten sie: »Die hebräischen Frauen sind viel kräftiger als die
Ägypterinnen. Ehe wir zu ihnen kommen, haben sie ihr Kind schon geboren!«
2Mo 1,20 [20/21] Weil die Hebammen Ehrfurcht vor Gott hatten, tat er ihnen Gutes
und schenkte ihnen viele Kinder. Das Volk Israel wurde immer größer und
mächtiger.
2Mo 1,22 Schließlich befahl der Pharao den Ägyptern: »Werft alle neugeborenen
Jungen der Hebräer in den Nil, nur die Mädchen lasst am Leben!«
2Mo 2,1 Ein Mann vom Stamm Levi heiratete eine Frau aus demselben Stamm.
2Mo 2,2 Sie wurde schwanger und bekam einen Sohn. Als sie sah, wie schön der
Junge war, hielt sie ihn drei Monate lang versteckt.
2Mo 2,3 Doch schließlich konnte sie ihn nicht mehr verbergen. Sie nahm einen
Korb aus Schilfrohr und dichtete ihn mit Erdharz und Pech ab. Dann legte sie das
Kind hinein und setzte es im Schilf am Nilufer aus.
2Mo 2,4 Die Schwester des Jungen blieb in einiger Entfernung stehen, um zu
beobachten, was mit ihm geschehen würde.
2Mo 2,5 Irgendwann kam die Tochter des Pharaos zum Baden an den Fluss. Ihre
Dienerinnen gingen am Ufer hin und her und warteten. Plötzlich entdeckte die
Tochter des Pharaos den Korb im Schilf. Sie schickte eine Dienerin hin und ließ
ihn holen.
2Mo 2,6 Als sie den Korb öffnete, sah sie den weinenden Jungen darin liegen. Sie
bekam Mitleid und sagte: »Das ist bestimmt eins von den hebräischen Kindern.«
2Mo 2,7 Da ging die Schwester des Jungen zu ihr und erzählte: »Ich kenne eine
hebräische Frau, die gerade stillt. Soll ich sie rufen? Dann kann sie das Kind
für dich stillen.«
2Mo 2,8 »Ja, ruf sie her!«, antwortete die Tochter des Pharaos. Und so lief das
Mädchen los und holte seine Mutter.
2Mo 2,9 Die Tochter des Pharaos forderte die Frau auf: »Nimm dieses Kind mit,
und still es für mich! Ich werde dich dafür bezahlen.« Da nahm die Frau ihren
Sohn wieder zu sich und stillte ihn.
2Mo 2,10 Als das Kind größer wurde, brachte sie es zur Tochter des Pharaos, die
es als ihren eigenen Sohn annahm. »Ich habe ihn aus dem Wasser geholt«, sagte
sie, und darum nannte sie ihn Mose.
2Mo 2,11 Mose war erwachsen geworden. Einmal ging er los, um zu sehen, wie seine
israelitischen Brüder zu harter Arbeit gezwungen wurden. Dabei wurde er Zeuge,
wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen Mann aus seinem Volk!
2Mo 2,12 Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sich überzeugt hatte,
dass außer ihnen niemand in der Nähe war, schlug er den Ägypter tot und
verscharrte ihn im Sand.
2Mo 2,13 Am nächsten Tag ging er wieder dorthin und sah zwei Hebräer miteinander
streiten. »Warum schlägst du einen Mann aus deinem eigenen Volk?«, fragte Mose
den, der im Unrecht war.
2Mo 2,14 Der Mann erwiderte: »Was geht dich das an? Bist du unser Aufseher oder
Richter? Willst du mich jetzt auch umbringen wie gestern den Ägypter?« Mose
erschrak. »Es ist also doch herausgekommen!«, dachte er.
2Mo 2,15 Als der Pharao von Moses Tat erfuhr, wollte er ihn hinrichten lassen.
Doch Mose flüchtete nach Midian. Dort machte er an einem Brunnen Rast.
2Mo 2,16 In Midian gab es einen Priester, der sieben Töchter hatte. Sie hüteten
seine Schafe und Ziegen und kamen gerade zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Als
sie die Tränkrinnen für die Tiere gefüllt hatten,
2Mo 2,17 kamen andere Hirten und drängten die Mädchen weg. Da stand Mose auf und
half den Mädchen, ihre Herde zu tränken.
2Mo 2,18 Als sie wieder nach Hause zu ihrem Vater Reguël kamen, fragte er
erstaunt: »Warum kommt ihr heute schon so früh zurück?«
2Mo 2,19 Die Töchter erzählten: »Ein Ägypter hat uns gegen die anderen Hirten
verteidigt. Er half uns sogar, Wasser zu schöpfen und die Tränkrinnen zu
füllen.«
2Mo 2,20 »Wo ist er denn?«, fragte Reguël. »Warum habt ihr ihn nicht
mitgebracht? Bittet ihn, hereinzukommen und mit uns zu essen!«
2Mo 2,21 So kam Mose zu Reguël. Der lud ihn ein, bei ihnen zu bleiben, und Mose
willigte ein. Reguël gab ihm seine Tochter Zippora zur Frau.
2Mo 2,22 Sie brachte einen Sohn zur Welt. Bei seiner Geburt sagte Mose: »Er soll
Gerschom (›ein Fremder dort‹) heißen, weil ich hier in einem fremden Land Schutz
gesucht habe.«
2Mo 2,23 Viele Jahre später starb der König von Ägypten. Aber die Israeliten
stöhnten weiter unter der Zwangsarbeit und schrien zu Gott um Hilfe.
2Mo 2,24 Er hörte ihr Klagen und dachte an den Bund, den er einst mit Abraham,
Isaak und Jakob geschlossen hatte.
2Mo 2,25 Ja, Gott hatte die Israeliten nicht vergessen, er kam ihnen zu Hilfe.
2Mo 3,1 Mose hütete damals die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro,
des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er die Herde von der Steppe hinauf
in die Berge und kam zum Horeb, dem Berg Gottes.
2Mo 3,2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem
Dornbusch schlug. Als Mose genauer hinsah, bemerkte er, dass der Busch zwar in
Flammen stand, aber nicht niederbrannte.
2Mo 3,3 »Merkwürdig«, dachte Mose, »warum verbrennt der Busch nicht? Das muss
ich mir aus der Nähe ansehen.«
2Mo 3,4 Der Herr sah, dass Mose sich dem Feuer näherte, um es genauer zu
betrachten. Da rief er ihm aus dem Busch zu: »Mose, Mose!« »Ja, Herr«,
antwortete er.
2Mo 3,5 »Komm nicht näher!«, befahl Gott. »Zieh deine Sandalen aus, denn du
stehst auf heiligem Boden!
2Mo 3,6 Ich bin der Gott deiner Vorfahren, der Gott Abrahams, Isaaks und
Jakobs.« Mose verhüllte sein Gesicht, denn er hatte Angst davor, Gott
anzuschauen.
2Mo 3,7 Der Herr sagte: »Ich habe gesehen, wie schlecht es meinem Volk in
Ägypten geht, und ich habe auch gehört, wie sie über ihre Unterdrückung klagen.
Ich weiß, was sie dort erleiden müssen.
2Mo 3,8 Darum bin ich gekommen, um sie aus der Gewalt der Ägypter zu retten. Ich
will sie aus diesem Land herausführen und in ein gutes, großes Land bringen, in
dem Milch und Honig fließen. Jetzt leben dort noch die Kanaaniter, Hetiter,
Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
2Mo 3,9 Ja, ich habe die Hilfeschreie der Israeliten gehört; ich habe gesehen,
wie die Ägypter sie quälen.
2Mo 3,10 Darum geh nach Ägypten, Mose! Ich sende dich zum Pharao, denn du sollst
mein Volk Israel aus Ägypten herausführen!«
2Mo 3,11 Aber Mose erwiderte: »Ich soll zum Pharao gehen und die Israeliten aus
Ägypten herausführen? Wer bin ich schon?«
2Mo 3,12 Der Herr antwortete: »Ich stehe dir bei und gebe dir ein Zeichen, an
dem du erkennst, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten
herausgeführt hast, werdet ihr mir an diesem Berg hier Opfer darbringen!«
2Mo 3,13 Mose entgegnete: »Wenn ich zu den Israeliten komme und ihnen sage, dass
der Gott ihrer Vorfahren mich zu ihnen gesandt hat, werden sie mich nach seinem
Namen fragen. Was sage ich dann?«
2Mo 3,14 Gott antwortete: »Ich bin euer Gott, der für euch da ist. Darum sag den
Israeliten: ›Ich bin für euch da‹ hat mich zu euch gesandt.
2Mo 3,15 Ja, der Herr hat mich geschickt, der Gott eurer Vorfahren, der Gott
Abrahams, Isaaks und Jakobs. - Denn das ist mein Name für alle Zeiten. Alle
kommenden Generationen sollen mich mit diesem Namen anreden, wenn sie zu mir
beten.
2Mo 3,16 Geh nun nach Ägypten, versammle die Oberhäupter der Sippen Israels, und
sag ihnen: Der Herr ist mir erschienen, der Gott eurer Vorfahren, der Gott
Abrahams, Isaaks und Jakobs. Er lässt euch ausrichten: Ich habe euch nicht
vergessen und habe gesehen, was man euch in Ägypten antut.
2Mo 3,17 Darum verspreche ich, dass ich eurem Elend ein Ende mache: Ich werde
euch aus Ägypten herausführen und in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter,
Perisiter, Hiwiter und Jebusiter bringen, ein Land, in dem Milch und Honig
fließen.
2Mo 3,18 Die Sippenoberhäupter Israels werden auf dich hören. Du sollst dann mit
ihnen zum Pharao gehen und sagen: Der Herr, der Gott der Hebräer, ist uns
erschienen. Bitte erlaube uns, drei Tagesreisen weit in die Wüste zu ziehen, um
ihm dort Opfer darzubringen!
2Mo 3,19 Ich weiß aber: Der König von Ägypten wird euch das nie erlauben, wenn
ihn nicht eine starke Hand dazu zwingt!
2Mo 3,20 Darum werde ich meine Hand erheben und die Ägypter strafen. Mit
gewaltigen Taten werde ich ihnen zusetzen, bis der Pharao euch ziehen lässt.
2Mo 3,21 Ich will euch bei den Ägyptern Achtung verschaffen. Ihr werdet das Land
nicht mit leeren Händen verlassen.
2Mo 3,22 Jede Israelitin soll von ihrer Nachbarin Gold- und Silberschmuck und
schöne Kleider verlangen. Eure Kinder sollen dies alles bekommen; es wird eure
Beute sein.«
2Mo 4,1 Mose wandte ein: »Die Israeliten werden mir nicht glauben und nicht auf
mich hören. Sie werden sagen: ›Der Herr ist dir gar nicht erschienen!‹«
2Mo 4,2 Da fragte ihn der Herr: »Was hast du da in der Hand?« »Einen Stab«,
erwiderte Mose.
2Mo 4,3 »Wirf ihn auf den Boden!«, befahl der Herr. Mose gehorchte, und sofort
verwandelte sich der Stab in eine Schlange. Voller Entsetzen lief Mose weg.
2Mo 4,4 Der Herr aber forderte ihn auf: »Pack die Schlange beim Schwanz!« Mose
griff nach ihr, und sie wurde in seiner Hand wieder zum Stab.
2Mo 4,5 Der Herr sagte: »Tu dies vor den Augen der Israeliten! Dann werden sie
dir glauben, dass ich, der Herr, dir erschienen bin, der Gott ihrer Vorfahren,
der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
2Mo 4,6 Und nun steck deine Hand in den Bausch deines Gewandes!« Mose gehorchte,
und als er die Hand wieder herauszog, war sie schneeweiß - sie war aussätzig.
2Mo 4,7 »Steck die Hand noch einmal in den Bausch!«, befahl der Herr. Als Mose
sie dann wieder herauszog, war sie gesund.
2Mo 4,8 Der Herr sagte: »Wenn die Israeliten dir nicht glauben und das erste
Zeichen nicht beachten, werden sie sicher nach dem zweiten Zeichen auf dich
hören.
2Mo 4,9 Wollen sie dir aber trotz dieser beiden Zeichen nicht glauben und deine
Botschaft nicht beachten, dann schöpfe Wasser aus dem Nil, und gieß es auf das
Land. Dieses Wasser wird zu Blut werden!«
2Mo 4,10 »Ach Herr«, entgegnete Mose, »ich bin noch nie ein guter Redner
gewesen. Auch jetzt, wo du mit mir sprichst, hat sich daran nichts geändert. Ich
rede nicht gerne, die Worte kommen mir nur schwer über die Lippen.«
2Mo 4,11 Aber der Herr sagte: »Habe nicht ich, der Herr, den Menschen einen Mund
gegeben? Kann ich sie nicht stumm oder taub, sehend oder blind machen?
2Mo 4,12 Geh jetzt! Ich bin bei dir und sage dir, was du reden sollst.«
2Mo 4,13 Doch Mose bat: »Herr, sende doch lieber einen anderen!«
2Mo 4,14 Da wurde der Herr zornig und erwiderte: »Ich weiß, dass dein Bruder
Aaron vom Stamm Levi sehr gut reden kann. Er ist schon unterwegs und kommt dir
entgegen. Er wird sich von Herzen freuen, wenn er dich wiedersieht.
2Mo 4,15 Sag ihm, was er den Israeliten ausrichten soll. Ich will bei euch sein,
wenn ihr reden müsst, und ich werde euch zeigen, was ihr tun sollt.
2Mo 4,16 Aaron soll an deiner Stelle zu den Israeliten sprechen. Was du ihm
aufträgst, soll er ausrichten, als hätte ich selbst es ihm gesagt.
2Mo 4,17 Vergiss auch deinen Stab nicht, denn mit ihm wirst du die Zeichen tun,
die deinen Auftrag bestätigen!«
2Mo 4,18 Mose ging zu seinem Schwiegervater Jitro und sagte: »Ich möchte gerne
zu meinen Verwandten nach Ägypten ziehen, um zu sehen, ob sie noch leben.« Jitro
antwortete: »Geh nur, ich wünsche dir alles Gute!«
2Mo 4,19 Noch während Mose in Midian war, sagte der Herr: »Du kannst jetzt ohne
Gefahr nach Ägypten zurückkehren, denn inzwischen sind alle gestorben, die dich
töten wollten!«
2Mo 4,20 Mose ließ seine Frau und die Söhne auf einen Esel steigen und machte
sich auf den Weg zurück nach Ägypten; den Stab Gottes nahm er mit.
2Mo 4,21 Der Herr sprach zu ihm: »Wenn du in Ägypten bist, dann sollst du alle
Zeichen vor dem Pharao tun, zu denen ich dich bevollmächtigt habe! Aber ich
werde dafür sorgen, dass der Pharao unnachgiebig bleibt und mein Volk nicht
ziehen lässt.
2Mo 4,22 Dann sollst du ihm ausrichten: So spricht der Herr: Das Volk Israel ist
mein erstgeborener Sohn.
2Mo 4,23 Ich befehle dir: Lass meinen Sohn ziehen, denn er soll mir dienen!
Weigerst du dich, werde ich deinen ältesten Sohn töten!«
2Mo 4,24 Als Mose und seine Familie unterwegs in einer Herberge übernachteten,
fiel der Herr über Mose her und wollte ihn töten.
2Mo 4,25 Da nahm Zippora rasch einen scharfen Stein, schnitt die Vorhaut am
Glied ihres Sohnes ab und berührte damit Moses Füße. Dann sagte sie zu ihm: »Du
bist mein Blutsbräutigam!«
2Mo 4,26 Da verschonte Gott Moses Leben. Zippora hatte Mose »Blutsbräutigam«
genannt, weil sie ihren Sohn beschnitten hatte.
2Mo 4,27 Inzwischen hatte der Herr auch zu Aaron geredet: »Geh Mose entgegen in
die Wüste!« Da brach Aaron auf. Er begegnete Mose am Berg Gottes und begrüßte
ihn mit einem Kuss.
2Mo 4,28 Mose berichtete Aaron, was der Herr zu ihm gesagt hatte, und erzählte
ihm von den Wundern, die er tun sollte.
2Mo 4,29 Gemeinsam zogen sie dann nach Ägypten; dort versammelten sie die
Sippenoberhäupter der Israeliten.
2Mo 4,30 Aaron teilte ihnen Wort für Wort mit, was der Herr zu Mose gesagt
hatte, und Mose tat die Wunder vor aller Augen.
2Mo 4,31 Die versammelten Israeliten glaubten ihnen. Als sie hörten, dass der
Herr ihr Elend gesehen hatte und ihnen helfen wollte, warfen sie sich nieder und
beteten ihn an.
2Mo 5,1 Mose und Aaron gingen zum König von Ägypten und sagten: »So spricht der
Herr, der Gott Israels: ›Lass mein Volk ziehen! Es soll mir zu Ehren ein Fest in
der Wüste feiern!‹«
2Mo 5,2 »Wer ist denn dieser ›Herr‹?«, fragte der Pharao. »Weshalb sollte ich
ihm gehorchen und Israel gehen lassen? Ich kenne den Herrn nicht und lasse sein
Volk nicht frei!«
2Mo 5,3 Mose und Aaron erwiderten: »Der Herr ist der Gott der Hebräer. Er ist
uns begegnet. Erlaube uns, dass wir drei Tagesreisen weit in die Wüste ziehen
und dort dem Herrn, unserem Gott, Opfer darbringen! Sonst straft er uns mit
Seuchen und Krieg.«
2Mo 5,4 Doch der ägyptische König blieb unnachgiebig: »Warum wollt ihr beide,
Mose und Aaron, das Volk von seinen Pflichten abhalten? Was soll das? Geht
zurück an die Arbeit!
2Mo 5,5 In meinem Land gibt es sowieso schon genug von euch Israeliten. Wollt
ihr sie jetzt auch noch von ihren Aufgaben abhalten?«
2Mo 5,6 Noch am selben Tag gab der Pharao den ägyptischen Aufsehern und ihren
israelitischen Vorarbeitern folgenden Befehl:
2Mo 5,7 »Ab sofort wird den Israeliten kein Stroh mehr für die Herstellung von
Lehmziegeln geliefert! Schickt sie los, sie sollen selbst Stroh sammeln!
2Mo 5,8 Trotzdem müssen sie täglich genauso viele Ziegel abliefern wie bisher.
Diese Leute sind faul geworden, nur deshalb jammern sie nach einem Opferfest für
ihren Gott!
2Mo 5,9 Lasst sie noch härter arbeiten, und haltet sie auf Trab! Dann haben sie
keine Zeit mehr, auf falsche Versprechungen zu hören.«
2Mo 5,10 Die Aufseher und ihre israelitischen Vorarbeiter gingen zu den
Israeliten und gaben den Erlass des Pharaos bekannt: »Ihr erhaltet ab sofort
kein Stroh mehr.
2Mo 5,11 Zieht selbst los, und seht zu, wo ihr es herbekommt! Aber lasst euch ja
nicht einfallen, heute Abend weniger Ziegel abzuliefern!«
2Mo 5,12 Daraufhin zogen die Israeliten durch das ganze Land, um Stroh für die
Herstellung von Ziegeln zu sammeln.
2Mo 5,13 Die Aufseher trieben sie unerbittlich an: »Beeilt euch, denn ihr müsst
genauso viele Ziegel abliefern wie früher, als ihr noch Stroh bekommen habt!«
2Mo 5,14 Die ägyptischen Aufseher prügelten die israelitischen Vorarbeiter, die
sie eingesetzt hatten, und schrien sie an: »Warum habt ihr gestern und heute
nicht genug Ziegel hergestellt?«
2Mo 5,15 Darauf gingen die israelitischen Vorarbeiter zum Pharao und beschwerten
sich: »Herr, weshalb behandelst du uns so?
2Mo 5,16 Wir bekommen kein Stroh mehr geliefert, und gleichzeitig verlangt man
von uns die gleiche Menge an Ziegeln wie früher! Das schaffen wir nicht und
werden zur Strafe auch noch geschlagen. Dein Volk tut uns großes Unrecht!«
2Mo 5,17 Der Pharao aber rief: »Faul seid ihr und arbeitsscheu! Nur deshalb
wollt ihr wegziehen und dem Herrn Opfer darbringen!
2Mo 5,18 Und jetzt geht wieder an die Arbeit! Alles bleibt, wie es ist: Ihr
bekommt kein Stroh mehr und müsst trotzdem so viele Lehmziegel abliefern wie
früher.«
2Mo 5,19 Da merkten die israelitischen Vorarbeiter, in welch auswegloser Lage
sie sich befanden: Die Arbeit wurde ihnen nicht erleichtert, sie mussten Tag für
Tag die frühere Menge an Ziegeln herstellen.
2Mo 5,20 Als sie den Königspalast verließen, trafen sie Mose und Aaron, die
draußen auf sie warteten.
2Mo 5,21 »Das soll euch der Herr heimzahlen!«, schimpften die Vorarbeiter. »Ihr
habt den Pharao und seine Beamten gegen uns aufgebracht. Ihr habt ihnen das
Schwert in die Hand gegeben, mit dem sie uns töten werden!«
2Mo 5,22 Da rief Mose zum Herrn: »Ach, Herr, warum hast du meinem Volk das
angetan? Und warum hast du mich überhaupt hierher gesandt?
2Mo 5,23 Denn seit ich in deinem Auftrag mit dem Pharao geredet habe,
unterdrückt er mein Volk nur noch härter. Und du unternimmst nichts, um uns zu
helfen!«
2Mo 6,1 Der Herr antwortete Mose: »Bald wirst du sehen, was ich mit dem Pharao
mache! Ich werde ihn dazu zwingen, mein Volk gehen zu lassen. Wenn er meine
Macht spürt, wird er sogar froh sein, euch loszuwerden!«
2Mo 6,2 Gott sprach noch einmal zu Mose: »Ich bin der Herr!
2Mo 6,3 Euren Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob bin ich als ›der allmächtige
Gott‹ erschienen, aber meinen Namen ›der Herr‹ habe ich ihnen nicht offenbart.
2Mo 6,4 Ich habe mit ihnen meinen Bund geschlossen und versprochen, ihnen das
Land Kanaan zu geben, in dem sie als Fremde gelebt haben.
2Mo 6,5 Nun habe ich gehört, wie die Israeliten als Sklaven der Ägypter stöhnen.
Ich habe an meinen Bund mit ihnen gedacht.
2Mo 6,6 Darum richte den Israeliten aus: Ich bin der Herr! Ich will euch von
eurer schweren Arbeit erlösen und euch von der Unterdrückung durch die Ägypter
befreien. Mit starker Hand werde ich die Ägypter strafen und mein Urteil an
ihnen vollstrecken. Euch aber werde ich retten.
2Mo 6,7 Ich nehme euch als mein Volk an, und ich will euer Gott sein. Ja, ihr
sollt erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin, der euch aus der Sklaverei
Ägyptens befreit!
2Mo 6,8 Ich bringe euch in das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob mit einem
Eid versprochen habe. Ich will es euch für immer schenken, denn ich bin der
Herr!«
2Mo 6,9 Mose berichtete den Israeliten, was der Herr gesagt hatte, aber sie
hörten nicht auf ihn. Sie waren erschöpft von der schweren Arbeit. Ihr Mut war
gebrochen, ihre Hoffnung erloschen.
2Mo 6,10 Da sagte der Herr zu Mose:
2Mo 6,11 »Geh zum Pharao, dem König von Ägypten! Er soll die Israeliten aus dem
Land ziehen lassen!«
2Mo 6,12 »Ach, Herr«, wandte Mose ein, »wenn mir schon die Israeliten nicht
geglaubt haben, wie sollte dann der Pharao auf mich hören? Ich bin einfach ein
zu schlechter Redner!«
2Mo 6,13 Doch der Herr sprach erneut mit Mose und Aaron und beauftragte sie,
noch einmal mit den Israeliten und dem ägyptischen König zu reden; denn sie
sollten das Volk Israel aus Ägypten herausführen.
2Mo 6,14 Dies sind die Sippenoberhäupter Israels, die in Ägypten lebten: Ruben,
der älteste Sohn Jakobs, war der Vater von Henoch, Pallu, Hezron und Karmi. Von
ihnen stammten vier Sippen ab, die sich nach ihnen nannten.
2Mo 6,15 Die Sippen des Stammes Simeon gingen auf Simeons Söhne zurück: Jemuël,
Jamin, Ohad, Jachin, Zohar und Schaul, dessen Mutter eine Kanaaniterin war.
2Mo 6,16 Die Söhne Levis - in der Reihenfolge ihrer Geburt - waren: Gerschon,
Kehat und Merari. Ihr Vater Levi wurde 137 Jahre alt.
2Mo 6,17 Gerschon hatte zwei Söhne: Libni und Schimi; von ihnen stammen die
gleichnamigen Sippen ab.
2Mo 6,18 Kehats Söhne hießen Amram, Jizhar, Hebron und Usiël. Kehat wurde 133
Jahre alt.
2Mo 6,19 Merari hatte zwei Söhne: Machli und Muschi. Dies waren die Sippen des
Stammes Levi, nach ihrer Herkunft geordnet.
2Mo 6,20 Amram heiratete Jochebed, die Schwester seines Vaters; sie hatten zwei
Söhne: Aaron und Mose. Amram wurde 137 Jahre alt.
2Mo 6,21 Jizhars Söhne hießen Korach, Nefeg und Sichri.
2Mo 6,22 Usiëls Söhne waren Mischaël, Elizafan und Sitri.
2Mo 6,23 Aaron heiratete Elischeba, eine Tochter Amminadabs und Schwester
Nachschons. Sie hatten vier Söhne: Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar.
2Mo 6,24 Korachs Söhne waren Assir, Elkana und Abiasaf. Nach ihnen wurden die
Sippen der Korachiter benannt.
2Mo 6,25 Aarons Sohn Eleasar heiratete eine Tochter Putiëls; sie hatten einen
Sohn namens Pinhas. Dies waren die Familienoberhäupter der Leviten, nach Sippen
geordnet.
2Mo 6,26 Mose und Aaron, die Söhne Amrams, waren es, denen der Herr befahl:
»Führt die Israeliten aus Ägypten heraus, nach Stammesverbänden geordnet!«
2Mo 6,27 Diese beiden Männer redeten mit dem König von Ägypten, damit er die
Israeliten freiließ.
2Mo 6,28 [28/29] Der Herr sprach zu Mose in Ägypten: »Ich bin der Herr! Richte
dem Pharao, dem König von Ägypten, alles aus, was ich dir sage!«
2Mo 6,30 Mose wandte ein: »Ach, Herr, ich bin so ein schlechter Redner! Wie
sollte da der Pharao auf mich hören?«
2Mo 7,1 Doch der Herr entgegnete: »Ich habe dich als meinen Botschafter
eingesetzt. Wenn du zum Pharao gehst, ist das so, als würde ich selbst zu ihm
sprechen! Außerdem wird dein Bruder Aaron für dich reden.
2Mo 7,2 Sag Aaron alles, was ich dir befohlen habe! Er soll den Pharao
auffordern, die Israeliten aus seinem Land ziehen zu lassen.
2Mo 7,3 Aber ich werde dafür sorgen, dass der Pharao unnachgiebig bleibt, und
dann will ich meine Macht durch viele Wunder zeigen!
2Mo 7,4 Weil der Pharao nicht auf mich hört, strafe ich die Ägypter mit starker
Hand und vollstrecke mein Urteil an ihnen. Dann werde ich mein Volk Israel wie
ein siegreiches Heer aus dem Land herausführen.
2Mo 7,5 Wenn ich meine Hand gegen die Ägypter erhebe und Israel aus ihrem Land
befreie, werden sie erkennen, dass ich der Herr bin.«
2Mo 7,6 Mose und Aaron taten, was ihnen der Herr befohlen hatte.
2Mo 7,7 Als sie mit dem Pharao redeten, war Mose 80 Jahre und Aaron 83 Jahre
alt.
2Mo 7,8 Der Herr sagte zu Mose und Aaron:
2Mo 7,9 »Wenn euch der Pharao auffordert, euch durch ein Wunder auszuweisen,
dann soll Aaron seinen Stab vor dem König auf den Boden werfen, und der Stab
wird zu einer Schlange werden.«
2Mo 7,10 Mose und Aaron taten, was der Herr ihnen befohlen hatte. Sie gingen zum
Pharao, und Aaron warf seinen Stab vor ihm und den Hofbeamten auf den Boden. Der
Stab verwandelte sich in eine Schlange.
2Mo 7,11 Da ließ der Pharao seine weisen Männer und Zauberer rufen. Mit Hilfe
ihrer Magie vollbrachten sie genau dasselbe:
2Mo 7,12 Jeder warf seinen Stab hin, und sofort wurden Schlangen daraus. Doch
Aarons Schlange fraß alle anderen auf.
2Mo 7,13 Der König aber zeigte sich unbeeindruckt und hörte nicht auf Mose und
Aaron. So hatte der Herr es vorausgesagt.
2Mo 7,14 Da sagte der Herr zu Mose: »Das Herz des Pharaos ist verhärtet. Er
weigert sich, mein Volk ziehen zu lassen.
2Mo 7,15 Darum geh morgen früh zu ihm, wenn er zum Nil hinunterkommt. Nimm
deinen Stab mit, der zu einer Schlange geworden ist, und warte am Flussufer auf
den König!
2Mo 7,16 Dann sollst du ihm sagen: Der Herr, der Gott der Hebräer, hat mich zu
dir gesandt; schon oft hat er dir befohlen, sein Volk ziehen zu lassen, damit es
ihm in der Wüste Opfer darbringen kann. Doch bis heute hast du nicht auf ihn
gehört.
2Mo 7,17 Darum sollst du an dem, was nun geschieht, erkennen, dass er der Herr
ist: Ich schlage jetzt mit diesem Stab in den Nil, und das Wasser wird zu Blut
werden.
2Mo 7,18 Die Fische sterben, und das Nilwasser wird eine stinkende Brühe, so
dass dein Volk nicht mehr davon trinken kann.«
2Mo 7,19 Der Herr sagte zu Mose: »Aaron soll seinen Stab nehmen und ihn über
alle Gewässer in Ägypten ausstrecken - über alle Flüsse, Kanäle, Sümpfe und
Wasserstellen. Dann wird das Wasser in ihnen zu Blut werden. Ja, im ganzen Land
soll Blut sein, sogar in den Wasserkrügen aus Holz und Stein!«
2Mo 7,20 Mose und Aaron gehorchten: Vor den Augen des Pharaos und seiner
Hofbeamten erhob Aaron seine Hand mit dem Stab und schlug in den Nil. Da wurde
das Wasser zu Blut.
2Mo 7,21 Die Fische starben, und der Fluss wurde eine stinkende Brühe, so dass
die Ägypter sein Wasser nicht mehr trinken konnten. Überall in Ägypten war das
Wasser zu Blut geworden.
2Mo 7,22 Doch die ägyptischen Zauberer konnten mit ihrer Magie dasselbe
bewirken, und so blieb der Pharao starrsinnig. Er hörte nicht auf Mose und
Aaron, wie der Herr es vorausgesagt hatte.
2Mo 7,23 Er drehte sich um und ging in den Palast zurück, ohne die Warnung ernst
zu nehmen.
2Mo 7,24 Die Ägypter gruben am Ufer des Flusses nach Grundwasser; denn sie
konnten das Nilwasser nicht mehr trinken,
2Mo 7,25 das der Herr in Blut verwandelt hatte. So vergingen sieben Tage.
2Mo 7,26 Der Herr sprach zu Mose: »Geh zum Pharao, und sag ihm: Der Herr
befiehlt dir: Lass mein Volk ziehen, es soll mir dienen!
2Mo 7,27 Wenn du dich weigerst, werde ich dein ganzes Reich mit einer
Froschplage strafen.
2Mo 7,28 Der Nil wird von Fröschen wimmeln. Sie werden an Land kriechen und in
deinen Palast kommen; bis in dein Schlafzimmer und auf dein Bett werden sie
hüpfen. Sie werden in die Häuser deiner Hofbeamten und deines ganzen Volkes
eindringen, in Backöfen und Schüsseln werdet ihr sie finden.
2Mo 7,29 Du, deine Beamten und dein ganzes Volk - ihr alle werdet unter ihnen
leiden!«
2Mo 8,1 Der Herr sagte zu Mose: »Aaron soll seinen Stab über die Flüsse, Kanäle
und Sümpfe ausstrecken! Dann werden unzählige Frösche über Ägypten herfallen.«
2Mo 8,2 Aaron streckte seinen Arm mit dem Stab über die Wasserläufe in ganz
Ägypten aus; da kamen von überallher Frösche und breiteten sich im ganzen Land
aus.
2Mo 8,3 Doch den Zauberern des Königs gelang mit ihrer Magie dasselbe: Auch sie
ließen Frösche über Ägypten kommen.
2Mo 8,4 Nun rief der König Mose und Aaron zu sich und sagte: »Bittet den Herrn,
dass er mich und mein Volk von den Fröschen befreit! Dann will ich die
Israeliten ziehen lassen, damit sie dem Herrn Opfer darbringen können.«
2Mo 8,5 Mose erwiderte: »Bestimme die Zeit, wann ich für dich, deine Beamten und
dein ganzes Volk beten soll! Dann wird die Froschplage aufhören, und die Frösche
werden nur noch im Nil zu finden sein.«
2Mo 8,6 »Bete morgen für mich«, antwortete der Pharao. Mose sagte: »Ich will
deine Bitte erfüllen. Du sollst erkennen, dass keiner dem Herrn, unserem Gott,
gleich ist!
2Mo 8,7 Die Frösche werden aus deinem Palast verschwinden, sie werden dich,
deine Beamten und dein ganzes Volk in Ruhe lassen. Nur im Fluss werden sie noch
zu finden sein.«
2Mo 8,8 Mose und Aaron verließen den Pharao, und Mose flehte den Herrn an, der
Froschplage ein Ende zu machen.
2Mo 8,9 Der Herr erhörte seine Bitte. In den Häusern, Gehöften und auf den
Feldern starben die Frösche.
2Mo 8,10 Man kehrte sie zu großen Haufen zusammen, und das ganze Land stank nach
Verwesung.
2Mo 8,11 Sobald der Pharao sah, dass er die Frösche los war, änderte er seine
Meinung und hörte nicht auf Mose. Genau so hatte es der Herr vorausgesagt.
2Mo 8,12 Der Herr sprach zu Mose: »Aaron soll seinen Stab ausstrecken und damit
in den Staub schlagen. Dann wird der Staub im ganzen Land zu Stechmücken.«
2Mo 8,13 Mose und Aaron gehorchten: Aaron streckte seinen Arm mit dem Stab aus
und schlug ihn auf die Erde. Da wurde der Staub im ganzen Land zu Stechmücken,
die Menschen und Tiere plagten.
2Mo 8,14 Die ägyptischen Zauberer versuchten, mit Hilfe ihrer Magie ebenfalls
Stechmücken hervorzubringen, aber sie hatten keinen Erfolg. Sie konnten auch
nichts dagegen unternehmen, dass Menschen und Tiere unter der Plage litten.
2Mo 8,15 »Da hat Gott seine Hand im Spiel«, warnten die Zauberer den Pharao.
Doch er blieb stur und ließ sich nichts sagen, wie der Herr es angekündigt
hatte.
2Mo 8,16 Der Herr befahl Mose: »Mach dich morgen früh auf den Weg, und tritt dem
Pharao entgegen, wenn er zum Fluss hinuntergeht! Richte ihm in meinem Namen aus:
Lass mein Volk ziehen, es soll mir dienen!
2Mo 8,17 Wenn du dich weigerst, werde ich Schwärme von Fliegen auf dich und
deine Beamten loslassen. Sie werden dein Volk plagen und kein Haus verschonen.
Ja, eure Häuser werden voller Fliegen sein, und das ganze Land ist von ihnen
übersät!
2Mo 8,18 Nur die Provinz Goschen, in der mein Volk wohnt, werde ich verschonen.
Dort wird keine einzige Fliege zu finden sein. Daran sollst du erkennen, dass
ich der Herr bin, auch hier in diesem Land!
2Mo 8,19 Ich werde mein Volk von den Fliegenschwärmen verschonen, die dein Volk
plagen werden. Schon morgen soll dies geschehen!«
2Mo 8,20 Der Herr tat, was er gesagt hatte. Er ließ riesige Fliegenschwärme
kommen, die den Königspalast, die Häuser der Hofbeamten und ganz Ägypten
überzogen und schweren Schaden anrichteten.
2Mo 8,21 Da rief der Pharao Mose und Aaron zu sich und sagte: »Ihr dürft
losziehen und eurem Gott Opfer darbringen - bleibt aber hier im Land!«
2Mo 8,22 »Das geht nicht«, erwiderte Mose, »es wäre für die Ägypter unerträglich
und abscheulich zu sehen, wie wir dem Herrn, unserem Gott, opfern. Sie würden
uns vor Empörung steinigen!
2Mo 8,23 Darum wollen wir drei Tagesreisen weit in die Wüste ziehen, dort Tiere
schlachten und sie dem Herrn, unserem Gott, als Opfer darbringen. Das hat er uns
befohlen!«
2Mo 8,24 »Gut«, lenkte der Pharao ein, »ihr dürft in die Wüste gehen und dort
dem Herrn, eurem Gott, opfern. Nur entfernt euch nicht zu weit, und betet auch
für mich!«
2Mo 8,25 Mose versprach: »Sobald ich den Palast verlassen habe, werde ich zum
Herrn beten. Ab morgen werden die Fliegenschwärme euch nicht mehr quälen, weder
dich noch deine Beamten, noch dein Volk. Doch täusche uns nicht wieder! Du hast
uns erlaubt, loszuziehen und dem Herrn Opfer darzubringen. Das darfst du nicht
wieder zurücknehmen!«
2Mo 8,26 Mose verließ den Pharao und betete zum Herrn.
2Mo 8,27 Der Herr erhörte seine Bitte und befreite den Pharao, seine Hofbeamten
und das ganze ägyptische Volk von der Plage. Nicht eine Fliege blieb übrig.
2Mo 8,28 Doch auch dieses Mal änderte der Pharao seine Meinung und ließ die
Israeliten nicht gehen.
2Mo 9,1 Der Herr sprach zu Mose: »Geh noch einmal zum Pharao, und sag ihm: Der
Herr, der Gott der Hebräer, verlangt, dass du sein Volk freilässt; es soll ihm
dienen!
2Mo 9,2 Wenn du die Israeliten weiter festhältst und dich weigerst, sie ziehen
zu lassen,
2Mo 9,3 bekommst du seine mächtige Hand zu spüren: Er wird eine schlimme Seuche
unter euren Viehherden ausbrechen lassen, die Pferde, Esel, Kamele, Rinder,
Schafe und Ziegen dahinrafft.
2Mo 9,4 Und auch hier wird er zwischen euch und den Israeliten unterscheiden:
Ihr Vieh wird er verschonen, kein einziges Tier werden sie verlieren.
2Mo 9,5 Bereits morgen kommt der Zeitpunkt, an dem der Herr die Viehpest
ausbrechen lässt!«
2Mo 9,6 Am nächsten Morgen machte der Herr seine Drohung wahr: Das Vieh der
Ägypter begann zu sterben, doch die Israeliten verloren kein einziges Tier.
2Mo 9,7 Der Pharao sandte Diener los, die sich davon überzeugen sollten. Sie
stellten fest, dass in den Herden der Israeliten nicht ein einziges Tier fehlte!
Doch der Pharao blieb unnachgiebig und ließ das Volk nicht ziehen.
2Mo 9,8 Der Herr befahl Mose und Aaron: »Nehmt ein paar Hand voll Ruß aus einem
Ofen! Mose soll den Ruß vor den Augen des Pharaos in die Luft werfen.
2Mo 9,9 Der Ruß wird zu einer schwarzen Wolke, die sich über Ägypten ausbreitet!
Der Staub wird im ganzen Land an Menschen und Tieren bösartige Geschwüre
ausbrechen lassen.«
2Mo 9,10 Mose und Aaron holten Ruß aus einem Ofen und traten vor den Pharao.
Mose warf den Ruß in die Luft, und nach kurzer Zeit litten Menschen und Tiere an
bösartigen Geschwüren.
2Mo 9,11 Die königlichen Zauberer konnten Mose nicht mehr entgegentreten, denn
auch sie waren von Geschwüren befallen wie alle anderen Ägypter.
2Mo 9,12 Doch der Herr ließ den Pharao starrsinnig bleiben. Er hörte nicht auf
Mose und Aaron, wie der Herr es vorausgesagt hatte.
2Mo 9,13 Der Herr sprach zu Mose: »Geh morgen früh zum Pharao, und richte ihm
aus: So spricht der Herr, der Gott der Hebräer: Lass mein Volk ziehen, es soll
mir dienen!
2Mo 9,14 Wenn du nicht auf mich hörst, werde ich solche Strafen über dich, deine
Hofbeamten und dein ganzes Volk verhängen, dass du einsehen musst: Niemand auf
der Welt ist so mächtig wie ich!
2Mo 9,15 Es wäre leicht für mich, jetzt schon meine Hand auszustrecken, dich und
dein ganzes Volk mit der Pest zu bestrafen und vom Erdboden zu vertilgen!
2Mo 9,16 Aber ich habe dich am Leben gelassen, um dir meine Macht zu zeigen und
meinen Namen in der ganzen Welt bekannt zu machen.
2Mo 9,17 Immer noch bist du hochmütig und weigerst dich, mein Volk ziehen zu
lassen.
2Mo 9,18 Darum schicke ich morgen um diese Zeit den schlimmsten Hagel, den
Ägypten in seiner Geschichte je gesehen hat!
2Mo 9,19 Sorg dafür, dass deine Knechte sich selbst und deine Viehherden draußen
auf dem Land in Sicherheit bringen! Alle Menschen und Tiere, die nicht in
Häusern oder Ställen Schutz gesucht haben, werden vom Hagel erschlagen.«
2Mo 9,20 Einige der ägyptischen Hofbeamten nahmen die Drohung des Herrn ernst.
Sie ließen ihre Knechte und das Vieh schleunigst in die Häuser und Ställe
bringen.
2Mo 9,21 Andere dagegen beachteten die Warnung nicht; ihre Knechte und ihr Vieh
blieben draußen auf den Weiden.
2Mo 9,22 Der Herr sprach zu Mose: »Streck deine Hand zum Himmel aus - dann wird
ein Hagelsturm auf ganz Ägypten niedergehen, auf Menschen, Tiere und Pflanzen!«
2Mo 9,23 Als Mose seinen Stab zum Himmel ausstreckte, schickte der Herr ein
gewaltiges Gewitter; es hagelte, blitzte und donnerte.
2Mo 9,24 Der Hagel prasselte auf das Land nieder, und überall schlugen Blitze
ein. Es war das schlimmste Unwetter, das Ägypten in seiner Geschichte je erlebt
hatte;
2Mo 9,25 es hatte im ganzen Land furchtbar gewütet: Auf den Feldern waren
Menschen und Tiere vom Hagel erschlagen worden, die Äcker waren verwüstet, die
Bäume zerschmettert.
2Mo 9,26 Nur das Gebiet Goschen, in dem die Israeliten wohnten, war verschont
geblieben.
2Mo 9,27 Da ließ der Pharao Mose und Aaron rufen. »Diesmal habe ich mich
schuldig gemacht«, gab er zu. »Der Herr ist im Recht, ich und mein Volk sind im
Unrecht.
2Mo 9,28 Bittet den Herrn, dass er Gewitter und Hagel aufhören lässt! Ich
verspreche euch: Ihr dürft aus meinem Land fortziehen! Niemand wird euch
zurückhalten.«
2Mo 9,29 Mose antwortete: »Sobald ich die Stadt verlassen habe, will ich meine
Hände erheben und zum Herrn beten. Dann werden Donner und Hagel aufhören. So
sollst du erkennen, dass die Erde dem Herrn allein gehört.
2Mo 9,30 Aber ich weiß: Du und deine Hofbeamten, ihr habt immer noch keine
Ehrfurcht vor Gott, dem Herrn!«
2Mo 9,31 Das Unwetter hatte Flachs und Gerste vernichtet, denn die Gerste stand
in Ähren, und der Flachs blühte.
2Mo 9,32 Aber Weizen und Emmer blieben unbeschädigt, weil sie später gesät und
geerntet werden.
2Mo 9,33 Mose verließ den Pharao, ging zur Stadt hinaus und betete dort mit
erhobenen Händen zum Herrn. Da hörten Regen, Donner und Hagel auf.
2Mo 9,34 [34/35] Als der Pharao sah, dass das Unwetter vorüber war, änderte er
seinen Entschluss und blieb starrsinnig, ebenso seine Beamten. Er weigerte sich,
die Israeliten ziehen zu lassen, und lud so weiter Schuld auf sich. Genau so
hatte es Mose im Auftrag des Herrn vorausgesagt.
2Mo 10,1 Der Herr befahl Mose: »Geh zum Pharao! Ich habe dafür gesorgt, dass er
und seine Hofbeamten unnachgiebig bleiben. Denn ich will mitten unter ihnen
Wunder und Zeichen vollbringen,
2Mo 10,2 damit ihr euren Kindern und Enkeln erzählen sollt, wie ich mit den
Ägyptern umgegangen bin und welche Wunder ich unter ihnen getan habe. So werdet
ihr erkennen, dass ich der Herr bin!«
2Mo 10,3 Mose und Aaron gingen wieder zum Pharao und sagten: »So spricht der
Herr, der Gott der Hebräer: ›Wie lange weigerst du dich noch, dich mir zu
unterwerfen? Lass mein Volk ziehen, es soll mir dienen!
2Mo 10,4 Sonst lasse ich morgen Heuschreckenschwärme über dein Land herfallen.
2Mo 10,5 Dann wird man vor lauter Heuschrecken den Boden nicht mehr sehen! Sie
werden alles kahl fressen, was den Hagel überstanden hat, auch die Bäume.
2Mo 10,6 Sie dringen in deinen Palast ein, in die Häuser deiner Hofbeamten und
in alle anderen Häuser in Ägypten. Diese Heuschreckenplage wird die schlimmste
sein, die ihr Ägypter je erlebt habt, seit ihr in diesem Land wohnt!‹« Mose
drehte sich um und verließ den Palast.
2Mo 10,7 Da drängten die Hofbeamten den Pharao: »Wie lange soll uns dieser Mann
noch Schaden zufügen? Lass die Leute doch gehen und dem Herrn, ihrem Gott,
dienen! Merkst du nicht, dass unser Land Ägypten zugrunde geht?«
2Mo 10,8 Der Pharao ließ Mose und Aaron zurückholen und sagte: »Zieht los, und
opfert dem Herrn, eurem Gott! Wer von euch soll denn mitgehen?«
2Mo 10,9 Mose antwortete: »Wir wollen mit Jung und Alt losziehen, mit unseren
Söhnen und Töchtern, mit unseren Schaf-, Ziegen- und Rinderherden, um ein Fest
zu Ehren des Herrn zu feiern!«
2Mo 10,10 Da spottete der Pharao: »O ja, geht nur mit dem Segen des Herrn! Ich
werde euch aber niemals mit euren Familien ziehen lassen. Ihr führt Böses im
Schilde!
2Mo 10,11 Nein, nur ihr Männer dürft das Land verlassen, um dem Herrn, eurem
Gott, zu opfern. Das ist es doch, was ihr wollt!« Darauf ließ der König Mose und
Aaron hinauswerfen.
2Mo 10,12 Der Herr befahl Mose: »Streck deine Hand über Ägypten aus! Dann werden
Heuschrecken über das Land herfallen und alle Pflanzen kahl fressen, die vom
Hagel verschont geblieben sind.«
2Mo 10,13 Mose streckte seinen Stab aus, und der Herr ließ einen Ostwind
aufkommen, der den ganzen Tag und die folgende Nacht wehte. Am nächsten Morgen
hatte der Wind riesige Schwärme von Heuschrecken herangetrieben.
2Mo 10,14 Sie fielen über ganz Ägypten her und ließen sich in allen Teilen des
Landes nieder. Es war eine Heuschreckenplage, wie sie vorher noch nie da gewesen
war und auch nicht wieder auftreten sollte.
2Mo 10,15 Die Heuschrecken verfinsterten den Himmel und bedeckten den Erdboden
im ganzen Land. Sie fraßen alles Grüne am Boden und an den Bäumen ab, alles, was
vom Hagel verschont geblieben war. In ganz Ägypten fand sich an den Bäumen kein
einziges grünes Blatt und auf den Feldern kein einziger Halm.
2Mo 10,16 Schnell ließ der Pharao Mose und Aaron zu sich rufen. »Ich habe gegen
den Herrn, euren Gott, gesündigt und auch gegen euch«, gab er zu.
2Mo 10,17 »Vergebt mir noch dieses eine Mal meine Schuld! Betet zum Herrn, eurem
Gott, und bittet ihn, dass er uns von dieser tödlichen Plage befreit!«
2Mo 10,18 Mose verließ den Palast und betete zum Herrn.
2Mo 10,19 Da ließ der Herr einen starken Westwind aufkommen, der die
Heuschrecken wegblies und ins Schilfmeer trieb. Im ganzen Land blieb keine
einzige mehr übrig.
2Mo 10,20 Doch auch dieses Mal sorgte der Herr dafür, dass der Pharao hart blieb
und die Israeliten nicht ziehen ließ.
2Mo 10,21 Der Herr sprach zu Mose: »Streck deine Hand zum Himmel aus! Dann wird
sich eine Dunkelheit über Ägypten ausbreiten, die man mit Händen greifen kann.«
2Mo 10,22 Mose erhob seine Hand zum Himmel, und eine völlige Finsternis kam über
ganz Ägypten. Drei Tage lang blieb es so dunkel,
2Mo 10,23 dass keiner den anderen sehen und niemand sein Haus verlassen konnte.
Nur wo die Israeliten wohnten, war es hell.
2Mo 10,24 Wieder ließ der Pharao Mose zu sich rufen und sagte: »Zieht los, und
dient dem Herrn, eurem Gott! Ihr dürft auch eure Familien mitnehmen. Nur eure
Schafe, Ziegen und Rinder sollen hier bleiben.«
2Mo 10,25 Aber Mose widersprach: »Selbst wenn du uns Tiere mitgeben würdest, die
wir dem Herrn, unserem Gott, als Schlacht- und Brandopfer darbringen könnten,
2Mo 10,26 muss unser Vieh trotzdem mit uns gehen. Kein einziges Tier darf
zurückbleiben! Denn wir müssen die Opfertiere für den Herrn, unseren Gott, aus
unseren Herden nehmen. Und solange wir noch nicht in der Wüste sind, wissen wir
gar nicht, welche Tiere wir für das Opfer brauchen.«
2Mo 10,27 Doch der Herr ließ den Pharao starrsinnig werden, so dass er den
Israeliten die Erlaubnis verweigerte.
2Mo 10,28 »Verschwinde von hier!«, rief der König. »Ich will dich nicht mehr
sehen. Wenn du mir noch einmal unter die Augen kommst, bist du ein toter Mann!«
2Mo 10,29 Da antwortete Mose: »Du hast Recht, ich werde nie wieder vor dir
erscheinen!«
2Mo 11,1 Der Herr sprach zu Mose: »Nun werde ich den Pharao und sein Volk noch
ein letztes Mal strafen. Danach wird er euch von hier wegziehen lassen, ja, er
wird euch regelrecht fortjagen!
2Mo 11,2 Sag den Israeliten: Jeder Mann und jede Frau soll die Nachbarn um
silberne und goldene Schmuckstücke und Gefäße bitten.«
2Mo 11,3 Der Herr hatte den Israeliten hohes Ansehen bei den Ägyptern
verschafft. Auch Mose war in Ägypten hoch geachtet, bei den Hofbeamten des
Pharaos wie bei der Bevölkerung.
2Mo 11,4 Mose sagte zum Pharao: »So spricht der Herr: ›Um Mitternacht werde ich
durch dein Land gehen
2Mo 11,5 und alle ältesten Söhne der Ägypter töten - angefangen bei deinem Sohn,
der dir auf den Thron folgen soll, bis hin zum ältesten Sohn einer Sklavin, die
mit der Handmühle Korn mahlt. Auch jedes erstgeborene Tier wird sterben.
2Mo 11,6 Überall im Land soll man die Menschen klagen und weinen hören, wie es
noch nie war und auch nie wieder sein wird.
2Mo 11,7 Die Israeliten und ihre Tiere aber werden verschont bleiben, nicht
einmal ein Hund bellt sie an. Daran wirst du erkennen, dass ich die Israeliten
anders behandle als die Ägypter.‹
2Mo 11,8 Wenn der Herr dies tut, werden alle deine Beamten zu mir kommen, vor
mir niederfallen und mich anflehen, zusammen mit den Israeliten das Land zu
verlassen. Und dann werden wir fortziehen!« Glühend vor Zorn verließ Mose den
Pharao.
2Mo 11,9 Der Herr hatte zu Mose gesagt: »Ich will den Pharao dazu bringen, dass
er nicht auf euch hört, damit ich in Ägypten mächtige Wunder tun kann.«
2Mo 11,10 Mose und Aaron hatten all diese Wunder vor den Augen des Pharaos
vollbracht. Aber der Herr ließ den König hart bleiben, so dass die Israeliten
das Land nicht verlassen durften.
2Mo 12,1 Noch in Ägypten sagte der Herr zu Mose und Aaron:
2Mo 12,2 »Dieser Monat soll für euch von nun an der erste Monat des Jahres sein.
2Mo 12,3 Richtet den Israeliten aus: Am 10. Tag dieses Monats soll jeder für
seine Familie ein Lamm auswählen.
2Mo 12,4 Wenn eine Familie aber für ein ganzes Lamm zu klein ist, soll sie sich
mit ihren nächsten Nachbarn zusammentun. Es sollen so viele Menschen von dem
Lamm essen, dass es für alle reicht und nichts davon übrig bleibt.
2Mo 12,5 Sucht einjährige, männliche Tiere ohne Fehler aus; es können Schafe
oder Ziegen sein.
2Mo 12,6 Bis zum 14. Tag des 1. Monats müsst ihr sie gesondert halten. Dann
sollen alle, die zur Gemeinschaft der Israeliten gehören, die Passahlämmer in
der Abenddämmerung schlachten.
2Mo 12,7 Sie sollen etwas vom Blut der Tiere in einer Schale auffangen und es an
die Pfosten und oberen Türbalken der Häuser streichen, in denen sie das Lamm
essen.
2Mo 12,8 Noch in derselben Nacht müssen sie das Fleisch über dem Feuer braten.
Dazu sollen sie bittere Kräuter essen und Brot, das ohne Sauerteig gebacken ist.
2Mo 12,9 Ihr dürft das Fleisch nicht roh oder gekocht essen; es muss über dem
Feuer gebraten sein, und zwar das ganze Tier mit Kopf, Unterschenkeln und
Eingeweiden.
2Mo 12,10 Lasst nichts bis zum nächsten Morgen übrig, sondern verbrennt das
restliche Fleisch!
2Mo 12,11 Beeilt euch beim Essen! Ihr sollt für die Reise angezogen sein,
Sandalen tragen und eure Wanderstäbe in der Hand halten. So sollt ihr das
Passahfest für mich, den Herrn, feiern.
2Mo 12,12 In dieser Nacht werde ich durch Ägypten gehen und jeden ältesten Sohn
einer Familie töten und auch jedes erstgeborene Tier. Ich werde mein Urteil an
allen Göttern Ägyptens vollstrecken, denn ich bin der Herr!
2Mo 12,13 Das Blut an den Türpfosten eurer Häuser aber wird ein Zeichen sein,
das euch schützt. Wenn ich das Blut sehe, will ich euch verschonen. Ich werde
die Ägypter strafen, doch an euch wird das Unheil vorübergehen.
2Mo 12,14 Diesen Tag sollt ihr niemals vergessen! Feiert an ihm jedes Jahr ein
Fest für mich, den Herrn! Dies gilt jetzt und für alle kommenden Generationen.«
2Mo 12,15 »Esst sieben Tage lang nur Brot, das ohne Sauerteig gebacken wurde!
Bereits am ersten Tag sollt ihr alle Sauerteigreste aus euren Häusern entfernen.
Wer in diesen sieben Tagen doch Sauerteigbrot isst, muss aus dem Volk Israel
ausgeschlossen werden und sterben.
2Mo 12,16 Versammelt euch am ersten und am siebten Tag zu einem heiligen Fest!
An diesen beiden Tagen sollt ihr nicht arbeiten; ihr dürft nur eure Mahlzeiten
zubereiten.
2Mo 12,17 So müsst ihr das Fest der ungesäuerten Brote feiern, denn genau an
diesem Tag habe ich euch wie ein siegreiches Heer aus Ägypten herausgeführt.
Darum sollt ihr diesen Tag Jahr für Jahr feiern, jetzt und in allen kommenden
Generationen.
2Mo 12,18 Esst im 1. Monat vom Abend des 14. bis zum Abend des 21. Tages nur
ungesäuertes Brot!
2Mo 12,19 Sieben Tage lang dürft ihr keinen Sauerteig in euren Häusern haben.
Wer mit Sauerteig gebackenes Brot isst, muss aus der Gemeinschaft der Israeliten
ausgeschlossen werden und sterben, ganz gleich, ob er ein Fremder oder
Einheimischer ist.
2Mo 12,20 Esst also kein Brot, das mit Sauerteig gebacken ist, sondern nur
ungesäuertes, wo immer ihr wohnt!«
2Mo 12,21 Dann rief Mose die Sippenoberhäupter der Israeliten und befahl: »Geht
los, sucht euch je nach der Größe eurer Familien eines oder mehrere Lämmer aus,
und schlachtet sie als Passahopfer!
2Mo 12,22 Fangt das Blut in einer Schale auf, taucht ein Büschel Ysop hinein,
und streicht das Blut an den oberen Balken und an die beiden Pfosten eurer
Haustüren. Bis zum nächsten Morgen darf niemand von euch sein Haus verlassen!
2Mo 12,23 Wenn der Herr durchs Land geht, um die Ägypter zu töten, und das Blut
an den Pfosten und Balken sieht, wird er an diesen Türen vorübergehen; er wird
dem Todesengel nicht erlauben, in eure Häuser einzudringen und euch zu töten.
2Mo 12,24 Haltet euch für immer an den Brauch dieses Festes; er gilt für euch
und alle eure Nachkommen!
2Mo 12,25 Wenn ihr in das Land kommt, das euch der Herr versprochen hat, sollt
ihr auch dort diesen Brauch bewahren.
2Mo 12,26 Eure Kinder werden euch einst fragen, was dieses Fest bedeutet;
2Mo 12,27 dann erklärt ihnen: ›Dies ist das Passahopfer, das wir dem Herrn
darbringen. Denn als er damals die Ägypter tötete, ging er an unseren Häusern
vorüber und verschonte uns.‹« Da warfen sich die Israeliten nieder und beteten
den Herrn an.
2Mo 12,28 Dann gingen sie nach Hause und bereiteten alles vor, wie der Herr es
ihnen durch Mose und Aaron befohlen hatte.
2Mo 12,29 Um Mitternacht tötete der Herr alle ältesten Söhne der Ägypter,
angefangen vom Sohn des Pharaos, der ihm auf den Thron folgen sollte, bis hin
zum ältesten Sohn eines Häftlings im Gefängnis; auch jedes erstgeborene Tier
ließ er sterben.
2Mo 12,30 Der Pharao wachte auf, seine Hofbeamten fuhren aus dem Schlaf, ja,
ganz Ägypten schreckte hoch in dieser Nacht. Überall im Land hörte man lautes
Klagen und Weinen. In jeder Familie gab es einen Toten!
2Mo 12,31 Noch in derselben Nacht ließ der Pharao Mose und Aaron rufen und sagte
zu ihnen: »Zieht so schnell wie möglich los, und verlasst unser Land, ihr und
die anderen Israeliten! Geht, und opfert dem Herrn, wie ihr es verlangt habt!
2Mo 12,32 Nehmt eure Ziegen- und Schafherden mit, auch eure Rinder, ganz wie ihr
wollt! Nur zieht los, und bittet euren Gott auch um Segen für mich!«
2Mo 12,33 Die Ägypter drängten die Israeliten zur Eile, damit sie schleunigst
das Land verließen. »Wenn ihr noch länger hier bleibt«, sagten sie, »kommen wir
alle um!«
2Mo 12,34 Die Israeliten nahmen ihre Backschüsseln mit dem ungesäuerten Teig,
schlugen sie in ihre Gewänder ein und trugen sie auf den Schultern.
2Mo 12,35 Auf Moses Befehl hatten sie sich von den Ägyptern silberne und goldene
Schmuckstücke und Gefäße sowie Gewänder geben lassen.
2Mo 12,36 Der Herr hatte dem Volk Israel ein so großes Ansehen bei den Ägyptern
verschafft, dass sie auf ihre Bitten eingegangen waren. So nahmen die Israeliten
von den Ägyptern reiche Beute mit.
2Mo 12,37 Sie brachen auf und zogen zu Fuß von Ramses nach Sukkot; es waren etwa
600000 Männer mit ihren Frauen und Kindern.
2Mo 12,38 Auch viele Nichtisraeliten verließen mit ihnen das Land. Die
Israeliten nahmen ihre großen Ziegen-, Schaf- und Rinderherden mit.
2Mo 12,39 Unterwegs backten sie aus dem ungesäuerten Teig, den sie mitgenommen
hatten, Fladenbrote. Weil man sie so plötzlich aus Ägypten vertrieben hatte, war
keine Zeit geblieben, den Teig durchsäuern zu lassen und sich mit Proviant zu
versorgen.
2Mo 12,40 Insgesamt hatten die Israeliten 430 Jahre in Ägypten gelebt.
2Mo 12,41 Auf den Tag genau nach 430 Jahren zogen sie wie ein siegreiches Heer
aus Ägypten fort.
2Mo 12,42 In dieser Nacht hielt der Herr selbst Wache, um sein Volk sicher aus
Ägypten herauszuführen. Darum sollen alle kommenden Generationen der Israeliten
in der Passahnacht dem Herrn zu Ehren wachen.
2Mo 12,43 Der Herr sagte zu Mose und Aaron: »Für das Passahfest gebe ich euch
folgende Anordnungen: Kein Ausländer darf am Passahmahl teilnehmen.
2Mo 12,44 Wenn ihr einen Sklaven gekauft habt, darf er nur von dem Lamm essen,
wenn ihr ihn vorher beschnitten habt;
2Mo 12,45 Fremde, die nur vorübergehend bei euch leben, und ausländische
Lohnarbeiter dürfen jedoch nicht an der Mahlzeit teilnehmen.
2Mo 12,46 Ihr müsst das Passahlamm in demselben Haus essen, in dem ihr es
zubereitet habt. Bringt nichts von seinem Fleisch nach draußen, und zerbrecht
keinen einzigen Knochen!
2Mo 12,47 Die ganze Gemeinschaft der Israeliten soll das Passahfest feiern.
2Mo 12,48 Und wenn ein Fremder, der bei euch lebt, mir zu Ehren mitfeiern will,
soll er jeden Mann und jeden Jungen in seinem Haus beschneiden lassen. Dann kann
er am Fest teilnehmen wie jeder, der zu eurem Volk gehört. Ein Unbeschnittener
aber darf auf keinen Fall vom Passahlamm essen.
2Mo 12,49 Für die Einheimischen und für die Fremden, die bei euch leben, soll
ein und dasselbe Recht gelten.«
2Mo 12,50 Die Israeliten folgten den Weisungen, die Mose und Aaron vom Herrn
empfangen hatten.
2Mo 12,51 An diesem Tag führte der Herr die Israeliten wie ein siegreiches Heer
aus Ägypten fort.
2Mo 13,1 Der Herr sprach zu Mose:
2Mo 13,2 »Die Israeliten sollen mir ihre ältesten Söhne weihen und jedes
männliche Tier, das zuerst geboren wird. Sie gehören mir!«
2Mo 13,3 Mose sagte zum Volk: »Behaltet diesen Tag in Erinnerung, denn heute
werdet ihr aus der Sklaverei in Ägypten befreit! Der Herr führt euch mit starker
Hand hinaus. Esst darum kein Brot, das mit Sauerteig gebacken wurde!
2Mo 13,4 Heute, im Monat Abib, zieht ihr aus Ägypten fort.
2Mo 13,5 Der Herr hat euren Vorfahren geschworen, euch das Land der Kanaaniter,
Hetiter, Amoriter, Hiwiter und Jebusiter zu geben. Wenn er euch in dieses reiche
und fruchtbare Land gebracht hat, sollt ihr auch weiterhin im ersten Monat
diesen Brauch beibehalten:
2Mo 13,6 Esst sieben Tage lang nur Brot, das ohne Sauerteig gebacken wurde, und
am siebten Tag feiert ein Fest zu Ehren des Herrn.
2Mo 13,7 Ja, sieben Tage lang sollt ihr nur ungesäuertes Brot essen! Im ganzen
Land darf es kein Sauerteigbrot und keinen Sauerteig mehr geben!
2Mo 13,8 Erklärt zu Beginn des Festes euren Söhnen, dass ihr es feiert, weil der
Herr euch geholfen und euch aus Ägypten herausgeführt hat.
2Mo 13,9 Das Fest soll euch wie ein Zeichen an eurer Hand oder ein Band um eure
Stirn daran erinnern, dass ihr stets die Weisungen des Herrn befolgen sollt.
Denn er hat euch mit starker Hand aus Ägypten befreit.
2Mo 13,10 Feiert das Fest Jahr für Jahr zur festgesetzten Zeit, und haltet euch
dabei an diese Vorschriften!«
2Mo 13,11 »Der Herr wird euch ins Land der Kanaaniter bringen und es euch für
immer schenken. So hat er es euch und euren Vorfahren geschworen. Wenn er euch
das Land gegeben hat,
2Mo 13,12 dann sollt ihr dem Herrn eure ältesten Söhne weihen und ihm jedes
männliche Tier opfern, das von seiner Mutter als erstes zur Welt gebracht wird.
2Mo 13,13 Anstelle jedes zuerst geborenen Esels sollt ihr ein Lamm opfern und
ihn so auslösen. Wollt ihr das nicht, dann brecht dem jungen Esel das Genick!
Eure ältesten Söhne aber müsst ihr auf jeden Fall auslösen.
2Mo 13,14 Wenn eure Söhne eines Tages fragen, was dieser Brauch bedeutet, dann
erklärt ihnen: ›Der Herr hat uns mit starker Hand aus der Sklaverei in Ägypten
befreit.
2Mo 13,15 Als der Pharao sich hartnäckig weigerte, uns ziehen zu lassen, hat der
Herr jeden ältesten Sohn und jedes erstgeborene männliche Tier in Ägypten
getötet. Darum opfern wir dem Herrn unsere erstgeborenen männlichen Tiere,
unsere ältesten Söhne aber kaufen wir frei.
2Mo 13,16 Dieser Brauch soll uns wie ein Zeichen an der Hand oder ein Band um
die Stirn daran erinnern, dass der Herr uns mit starker Hand aus Ägypten befreit
hat.‹«
2Mo 13,17 Nachdem der Pharao die Israeliten hatte ziehen lassen, führte Gott sie
nicht auf der Straße in Richtung des Philisterlandes, obwohl das der kürzeste
Weg gewesen wäre. Gott dachte: »Das Volk könnte seinen Sinn ändern und nach
Ägypten zurückkehren, wenn es merkt, dass ihm Kämpfe bevorstehen!«
2Mo 13,18 Darum ließ Gott sie einen Umweg machen, auf der Wüstenstraße, die zum
Schilfmeer führt. So zogen die Israeliten zum Kampf gerüstet aus Ägypten fort.
2Mo 13,19 Mose nahm den Sarg mit den Gebeinen Josefs mit. Josef hatte nämlich
den Israeliten ein Versprechen abgenommen und gesagt: »Gott wird euch bestimmt
eines Tages aus Ägypten herausführen und nach Hause bringen. Dann nehmt auch
meine Gebeine von hier mit!«
2Mo 13,20 Nachdem die Israeliten von Sukkot aufgebrochen waren, lagerten sie bei
Etam am Rande der Wüste.
2Mo 13,21 Tagsüber zog der Herr in einer Wolkensäule vor ihnen her, um ihnen den
Weg zu zeigen, und nachts war er in einer Feuersäule bei ihnen, die ihren Weg
erhellte. So konnten sie bei Tag und Nacht wandern.
2Mo 13,22 Tagsüber sahen sie die Wolkensäule vor sich und nachts die Feuersäule.
2Mo 14,1 Der Herr sprach zu Mose:
2Mo 14,2 »Sag den Israeliten, sie sollen ihre Richtung ändern und bei Pi-Hahirot
Halt machen, zwischen Migdol und dem Meer. Schlagt das Lager direkt am Ufer des
Roten Meeres auf, gegenüber von Baal-Zefon!
2Mo 14,3 Der Pharao wird denken, ihr irrt ziellos im Land umher und habt euch in
der Wüste verlaufen.
2Mo 14,4 Ich werde dafür sorgen, dass er seine Meinung wieder ändert und euch
verfolgt. Doch dann werde ich ihn und sein Heer besiegen und zeigen, wie mächtig
und erhaben ich bin. So werden die Ägypter erkennen, dass ich der Herr bin!« Die
Israeliten befolgten den Befehl des Herrn.
2Mo 14,5 Als der König von Ägypten erfuhr, dass die Israeliten wirklich geflohen
waren, änderten er und seine Hofbeamten ihre Meinung: »Was haben wir bloß getan?
Warum haben wir die Israeliten aus der Sklaverei entlassen?«
2Mo 14,6 Der Pharao ließ seine Streitwagen anspannen und zog mit seinen Soldaten
los.
2Mo 14,7 600 seiner besten Streitwagen bot er auf, dazu noch zahlreiche andere
aus ganz Ägypten. Auf jedem Wagen fuhr neben dem Wagenlenker und dem
Bogenschützen auch noch ein Schildträger mit.
2Mo 14,8 Der Herr hatte den König wieder starrsinnig gemacht. Darum jagte der
Pharao den Israeliten nach, die Ägypten ungehindert verlassen hatten.
2Mo 14,9 Die Soldaten des Pharaos mit ihren Streitwagen holten die Israeliten
ein, während diese bei Pi-Hahirot am Meer, gegenüber von Baal-Zefon, lagerten.
2Mo 14,10 Als die Israeliten den Pharao und seine Truppen heranziehen sahen,
packte sie das Entsetzen, und sie schrien zum Herrn um Hilfe.
2Mo 14,11 Zugleich machten sie Mose bittere Vorwürfe: »Gibt es etwa in Ägypten
nicht genug Gräber für uns? Warum führst du uns hierher? Wir sollen wohl hier in
der Wüste sterben! Was hast du uns nur angetan! Warum hast du uns aus Ägypten
herausgeholt?
2Mo 14,12 Haben wir dir nicht schon dort gesagt, du solltest uns in Ruhe lassen?
Wir hätten bleiben und den Ägyptern dienen sollen. Lieber wären wir ihre Sklaven
geblieben, als hier in der Wüste umzukommen!«
2Mo 14,13 Doch Mose antwortete: »Habt keine Angst! Verliert nicht den Mut! Ihr
werdet erleben, wie der Herr euch heute rettet. Die Ägypter werden euch nie
wieder bedrohen.
2Mo 14,14 Der Herr selbst wird für euch kämpfen, wartet ihr nur ruhig ab!«
2Mo 14,15 Der Herr aber sagte zu Mose: »Warum schreist du zu mir um Hilfe? Sag
den Israeliten lieber, dass sie aufbrechen sollen!
2Mo 14,16 Heb deinen Stab hoch, und streck ihn aus über das Meer! Es wird sich
teilen, und ihr könnt trockenen Fußes mitten hindurchziehen.
2Mo 14,17 Ich werde die Ägypter so starrsinnig machen, dass sie euch auch dort
noch verfolgen. Ich will meine Macht und Herrlichkeit zeigen und den Pharao und
sein Heer mit den Streitwagen und Reitern vernichten.
2Mo 14,18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der Herr bin. Ja, mein Sieg über
den Pharao, seine Streitwagen und Reiter wird mir Ehre bringen!«
2Mo 14,19 Der Engel Gottes, der bisher den Israeliten vorangezogen war, stellte
sich nun ans Ende des Zuges. Auch die Wolkensäule, die sonst vor ihnen herzog,
stand jetzt hinter ihnen,
2Mo 14,20 genau zwischen den Ägyptern und den Israeliten. Sie versperrte dem
ägyptischen Heer wie eine dunkle Wand die Sicht, für die Israeliten aber
leuchtete sie die ganze Nacht. So kamen die Ägypter während der Nacht nicht an
die Israeliten heran.
2Mo 14,21 Mose streckte seine Hand über das Wasser aus; da ließ der Herr einen
starken Ostwind aufkommen, der das Meer die ganze Nacht hindurch zurücktrieb und
den Meeresboden zu trockenem Land machte. Das Wasser teilte sich,
2Mo 14,22 und die Israeliten konnten trockenen Fußes mitten durchs Meer ziehen.
Links und rechts von ihnen türmten sich die Wassermassen wie Mauern auf.
2Mo 14,23 Die Ägypter jagten den Israeliten nach. Mit allen Streitwagen, Pferden
und Reitern stürmten sie ins Meer hinein.
2Mo 14,24 Kurz vor Tagesanbruch blickte der Herr aus der Wolken- und Feuersäule
auf das ägyptische Heer hinab und brachte es in Verwirrung.
2Mo 14,25 Er ließ die Räder ihrer Streitwagen abspringen, so dass sie nur mühsam
vorankamen. »Der Herr steht auf der Seite der Israeliten«, riefen die Ägypter,
»er kämpft gegen uns! Kehrt um! Flieht!«
2Mo 14,26 Da sprach der Herr zu Mose: »Streck deine Hand noch einmal über das
Meer aus, damit das Wasser zurückkehrt und die Wagen und Reiter der Ägypter
überflutet!«
2Mo 14,27 Mose gehorchte: Bei Tagesanbruch streckte er seine Hand über das Meer
aus. Da strömte das Wasser wieder zurück, den fliehenden Ägyptern entgegen. So
trieb der Herr die Ägypter mitten ins Meer hinein.
2Mo 14,28 Die Wassermassen flossen zurück und überfluteten die Streitwagen und
Reiter des Pharaos, die den Israeliten ins Meer hinein gefolgt waren. Kein
einziger Ägypter blieb am Leben!
2Mo 14,29 Die Israeliten aber waren trockenen Fußes durchs Meer gezogen, während
das Wasser wie eine Mauer zu beiden Seiten stand.
2Mo 14,30 So rettete der Herr die Israeliten an diesem Tag vor den Ägyptern; sie
sahen, wie die Leichen ihrer Feinde ans Ufer geschwemmt wurden.
2Mo 14,31 Als die Israeliten erkannten, dass der Herr die Ägypter mit großer
Macht besiegt hatte, wurden sie von Ehrfurcht ergriffen. Sie vertrauten ihm und
seinem Diener Mose.
2Mo 15,1 Damals sangen Mose und die Israeliten dieses Lied zu Ehren des Herrn:
»Ich will dem Herrn singen, denn er ist mächtig und erhaben, Pferde und Reiter
warf er ins Meer!
2Mo 15,2 Der Herr hat mir Kraft gegeben und mich froh gemacht; nun kann ich
wieder singen. Er hat mich gerettet! Er ist mein Gott, ihn will ich preisen! Er
ist der Gott meines Vaters, ihn allein will ich ehren.
2Mo 15,3 Der Herr ist ein mächtiger Kämpfer; sein Name ist ›der Herr‹.
2Mo 15,4 Die Streitwagen des Pharaos und sein Heer hat er ins Meer geschleudert.
Die besten Wagenkämpfer sind im Schilfmeer ertrunken.
2Mo 15,5 Wasserfluten haben sie bedeckt, wie Steine sind sie in der Tiefe
versunken.
2Mo 15,6 Herr, deine Hand tut große Wunder, ja, deine gewaltige Hand
zerschmettert den Feind!
2Mo 15,7 Du bist mächtig und erhaben. Du stürzt zu Boden, die sich gegen dich
erheben. Dein glühender Zorn trifft sie und verbrennt sie wie Stroh.
2Mo 15,8 Zornerfüllt hast du aufs Meer geblasen, da türmten sich die
Wassermassen, die Fluten standen wie ein Wall, die Meerestiefen wie eine Mauer!
2Mo 15,9 Der Feind prahlte: ›Los, wir verfolgen sie! Wir holen sie ein und
machen reiche Beute! Jeder bekommt, was er haben will. Wir ziehen das Schwert
und rotten sie aus!‹
2Mo 15,10 Aber als dein Atem blies, verschlang sie das Meer. Wie Blei versanken
sie in den mächtigen Wogen.
2Mo 15,11 Herr, wer unter allen Göttern ist dir gleich? Wer ist wie du, herrlich
und heilig? Wer vollbringt so große, furchterregende Taten? Wer tut Wunder - so
wie du?
2Mo 15,12 Als du deinen rechten Arm ausstrecktest, verschlang die Erde unsere
Feinde.
2Mo 15,13 Voller Liebe hast du uns geführt, dein Volk, das du gerettet hast! Mit
großer Macht hast du uns geleitet bis zu dem heiligen Ort, an dem du wohnst.
2Mo 15,14 Als die anderen Völker hörten, was geschehen war, erschraken sie.
Angst überfiel die Philister,
2Mo 15,15 und die Fürsten Edoms waren entsetzt. Moabs Herrscher fingen an zu
zittern, und die Bewohner Kanaans verloren allen Mut.
2Mo 15,16 Furcht und Schrecken packte sie. Sie sahen deine große Macht und
standen wie versteinert da, bis dein Volk vorbeigezogen war, ja, bis das Volk,
das dir gehört, vorbeigezogen war!
2Mo 15,17 Du bringst sie zu deinem Berg und pflanzt sie dort ein, an dem Ort,
den du dir als Wohnung gewählt hast. Dort ist dein Heiligtum, o Herr, das du mit
eigener Hand errichtet hast!
2Mo 15,18 Der Herr ist König für immer und ewig!«
2Mo 15,19 Die Soldaten des Pharaos waren den Israeliten mit Pferden und
Streitwagen ins Meer gefolgt. Da hatte der Herr das Wasser zurückfluten lassen,
und die Wogen hatten sie verschlungen. Die Israeliten aber waren trockenen Fußes
mitten durchs Meer gezogen.
2Mo 15,20 Die Prophetin Mirjam, Aarons Schwester, nahm ihr Tamburin zur Hand.
Auch die anderen Frauen schlugen ihr Tamburin, und zusammen tanzten sie im
Reigen.
2Mo 15,21 Mirjam sang ihnen vor: »Singt dem Herrn, denn er ist mächtig und
erhaben! Pferde und Reiter warf er ins Meer!«
2Mo 15,22 Mose ließ die Israeliten vom Schilfmeer aufbrechen. Sie zogen los und
kamen in die Wüste Schur. Drei Tage lang waren sie hier unterwegs, ohne Wasser
zu finden.
2Mo 15,23 Als sie endlich die Oase von Mara erreichten, war das Wasser dort so
bitter, dass sie es nicht trinken konnten. Darum heißt dieser Ort Mara
(»Bitterkeit«).
2Mo 15,24 »Was sollen wir nun trinken?«, fragten die Leute Mose vorwurfsvoll.
2Mo 15,25 Mose flehte den Herrn um Hilfe an, und der Herr zeigte ihm ein Stück
Holz. Als Mose es ins Wasser warf, wurde das Wasser genießbar. In Mara gab der
Herr seinem Volk Gesetze, nach denen sie leben sollten, und stellte sie auf die
Probe.
2Mo 15,26 Er sagte zu ihnen: »Hört auf mich, den Herrn, euren Gott, und lebt so,
wie es mir gefällt! Haltet euch an meine Gebote und Weisungen! Wenn ihr das tut,
werdet ihr keine der Krankheiten bekommen, mit denen ich die Ägypter bestraft
habe. Denn ich bin der Herr, der euch heilt!«
2Mo 15,27 Dann brachen die Israeliten wieder auf und erreichten Elim, eine Oase
mit zwölf Quellen und siebzig Palmen. Dort schlugen sie ihr Lager auf.
2Mo 16,1 Die Israeliten zogen von Elim weiter. Am 15. Tag des 2. Monats nachdem
sie Ägypten verlassen hatten, erreichten sie die Wüste Sin, die zwischen Elim
und dem Berg Sinai liegt.
2Mo 16,2 Bald fingen die Israeliten wieder an, sich bei Mose und Aaron zu
beschweren.
2Mo 16,3 Sie stöhnten: »Ach, hätte der Herr uns doch in Ägypten sterben lassen!
Dort hatten wir wenigstens Fleisch zu essen und genug Brot, um satt zu werden.
Ihr habt uns doch nur in diese Wüste gebracht, damit wir alle verhungern!«
2Mo 16,4 Da sprach der Herr zu Mose: »Ich lasse Brot vom Himmel für euch regnen!
Die Israeliten sollen morgens losgehen und so viel einsammeln, wie sie für den
Tag brauchen, mehr nicht. Denn ich will sie auf die Probe stellen und
herausfinden, ob sie mir gehorchen.
2Mo 16,5 Wenn sie am sechsten Tag die eingesammelte Nahrung zubereiten, werden
sie entdecken, dass es doppelt so viel ist wie sonst.«
2Mo 16,6 Darauf sagten Mose und Aaron zu den Israeliten: »Heute Abend werdet ihr
erfahren, dass der Herr es war, der euch aus Ägypten herausgeführt hat,
2Mo 16,7 und morgen früh werdet ihr seine Macht und Herrlichkeit sehen. Er hat
eure Vorwürfe gehört. Denn mit eurem Klagen lehnt ihr euch nicht gegen uns auf,
sondern gegen ihn!
2Mo 16,8 Trotzdem wird er euch abends Fleisch zu essen geben und am Morgen Brot
genug. Er hat gehört, wie ihr ihn anklagt! Euer Murren richtet sich ja nicht
gegen uns, sondern gegen den Herrn!«
2Mo 16,9 Mose beauftragte Aaron: »Ruf die ganze Gemeinschaft der Israeliten
zusammen! Sie sollen vor den Herrn treten, denn er hat ihre Vorwürfe gehört.«
2Mo 16,10 Aaron richtete dies den Israeliten aus. Als sie sich versammelt hatten
und zur Wüste hinüberschauten, erschien von dort die Herrlichkeit des Herrn in
einer Wolke.
2Mo 16,11 Der Herr sprach zu Mose:
2Mo 16,12 »Ich habe die Klagen der Israeliten gehört. Darum sag ihnen: Heute
Abend werdet ihr Fleisch zu essen bekommen und morgen früh so viel Brot, wie ihr
braucht. Daran werdet ihr erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin!«
2Mo 16,13 Am selben Abend zogen Schwärme von Wachteln heran und ließen sich
überall im Lager nieder. Und am nächsten Morgen lag Tau rings um das Lager.
2Mo 16,14 Als er verdunstet war, blieben auf dem Wüstenboden feine Körner
zurück, die aussahen wie Reif.
2Mo 16,15 Die Israeliten entdeckten sie und fragten sich: »Was ist das bloß?«
Nie zuvor hatten sie so etwas gesehen. Mose erklärte ihnen: »Dies ist das Brot,
das euch der Herr zu essen gibt.
2Mo 16,16 Der Herr hat angeordnet: Jeder von euch soll so viel sammeln, wie er
für seine Familie braucht, ein Krug von zweieinhalb Litern für jede Person, die
in seinem Zelt lebt.«
2Mo 16,17 Die Israeliten hielten sich daran und lasen die Körner auf, einer
mehr, der andere weniger.
2Mo 16,18 Doch als sie es zu Hause maßen, hatte der nicht zu viel, der viel
eingesammelt hatte, und wer nur wenig aufgelesen hatte, dem fehlte nichts. Jeder
hatte genauso viel, wie er brauchte.
2Mo 16,19 Mose befahl: »Hebt nichts davon bis zum nächsten Morgen auf!«
2Mo 16,20 Einige Israeliten aber hielten sich nicht daran und ließen etwas
übrig. Am nächsten Morgen war es voller Würmer und stank. Mose wurde zornig auf
sie.
2Mo 16,21 So lasen die Israeliten jeden Morgen die Körner auf, jeder so viel,
wie er zum Essen brauchte. Später, wenn es heiß wurde, schmolz der Rest am Boden
und verschwand.
2Mo 16,22 Als sie am sechsten Tag die eingesammelte Nahrung zubereiten wollten,
war es doppelt so viel wie sonst - fünf Liter für jeden. Die führenden Männer
Israels gingen zu Mose und berichteten ihm davon.
2Mo 16,23 Mose erklärte ihnen: »Der Herr hat angeordnet: Morgen sollt ihr den
Sabbat feiern, den Ruhetag, der ganz dem Herrn geweiht ist. Backt heute aus den
Körnern Brot, oder kocht sie, ganz wie ihr wollt. Was übrig bleibt, hebt für
morgen auf!«
2Mo 16,24 Das taten die Israeliten. Und diesmal war die Speise nicht verdorben
wie sonst und enthielt auch keine Würmer.
2Mo 16,25 Mose befahl: »Esst heute, was von gestern übrig ist, denn heute halten
wir den Ruhetag, der dem Herrn geweiht ist. In der Wüste werdet ihr nichts
finden!
2Mo 16,26 Sechs Tage lang könnt ihr die Körner sammeln, aber am siebten Tag, dem
Sabbat, wird nichts da sein.«
2Mo 16,27 Trotzdem versuchten einige Israeliten, am siebten Tag Körner zu
sammeln. Doch sie fanden nichts.
2Mo 16,28 Da sagte der Herr zu Mose: »Wie lange weigert ihr euch noch, meine
Gebote und Weisungen zu befolgen?
2Mo 16,29 Ich habe euch den siebten Tag als Ruhetag gegeben; darum versorge ich
euch am sechsten Tag mit der doppelten Menge Nahrung. Geht also am Sabbat nicht
los, um Körner zu sammeln! Bleibt in euren Zelten!«
2Mo 16,30 Daraufhin hielt das Volk den siebten Tag als Ruhetag ein.
2Mo 16,31 Die Israeliten nannten die Körner »Manna«. Sie waren weiß wie
Koriandersamen und schmeckten gebacken wie Honigkuchen.
2Mo 16,32 Mose sagte zu den Israeliten: »Der Herr hat befohlen, einen Krug voll
Manna für eure Nachkommen aufzubewahren. Sie sollen sehen, womit der Herr euch
in der Wüste ernährt hat, nachdem er euch aus Ägypten befreit hatte.«
2Mo 16,33 Dann wies er Aaron an: »Füll zweieinhalb Liter Manna in einen Krug,
und bewahre es im Heiligtum des Herrn auf, damit es für die kommenden
Generationen erhalten bleibt!«
2Mo 16,34 Aaron gehorchte und stellte den Krug mit dem Manna ins Heiligtum vor
die Bundeslade.
2Mo 16,35 Die Israeliten lebten vierzig Jahre lang von Manna, bis sie an der
Grenze Kanaans besiedeltes Land erreichten.
2Mo 16,36 Damals benutzte man als Hohlmaß ein Fass von fünfundzwanzig Litern und
einen Krug, in den ein Zehntel davon passte - zweieinhalb Liter.
2Mo 17,1 Die Israeliten brachen aus der Wüste Sin auf und zogen von einem
Lagerplatz zum nächsten, wie der Herr es ihnen befahl. Als sie in Refidim ihr
Lager aufschlugen, fanden sie kein Trinkwasser.
2Mo 17,2 Da machten sie Mose bittere Vorwürfe und verlangten: »Gib uns Wasser
zum Trinken!« Mose erwiderte: »Warum beschwert ihr euch bei mir? Warum stellt
ihr den Herrn auf die Probe?«
2Mo 17,3 Aber die Israeliten quälte der Durst, und sie klagten Mose an: »Warum
hast du uns nur aus Ägypten herausgeholt? Willst du uns mit unseren Kindern und
all unseren Herden hier verdursten lassen?«
2Mo 17,4 Da rief Mose zum Herrn: »Was soll ich jetzt mit diesem Volk tun? Es
fehlt nicht viel, und sie steinigen mich!«
2Mo 17,5 Der Herr antwortete: »Ruf einige von den Sippenoberhäuptern Israels,
und geh mit ihnen dem Volk voran! Nimm den Stab in die Hand, mit dem du in den
Nil geschlagen hast!
2Mo 17,6 Am Berg Horeb werde ich vor dir auf einem Felsen stehen. Schlag mit dem
Stab an den Felsen! Dann wird Wasser aus dem Stein herausströmen, und das Volk
kann trinken.« Vor den Augen der Sippenoberhäupter Israels tat Mose, was der
Herr ihm befohlen hatte.
2Mo 17,7 Er nannte diesen Ort Massa und Meriba (»Herausforderung« und
»Vorwurf«), weil die Israeliten dort dem Herrn Vorwürfe gemacht und ihn
herausgefordert hatten. Denn sie hatten gefragt: »Kümmert sich der Herr um uns
oder nicht?«
2Mo 17,8 Als die Israeliten bei Refidim lagerten, rückten die Amalekiter an, um
Israel anzugreifen.
2Mo 17,9 Mose befahl Josua: »Wähle kampferprobte Männer aus, und zieh mit ihnen
in die Schlacht gegen die Amalekiter! Ich selbst werde mich morgen auf den Hügel
stellen, den Stab Gottes in der Hand.«
2Mo 17,10 Josua gehorchte und zog mit seinen Soldaten in den Kampf, wie Mose es
befohlen hatte. Mose, Aaron und Hur stiegen auf den Hügel.
2Mo 17,11 Solange Mose seine Hände mit dem Stab erhoben hatte, behielten die
Israeliten im Kampf die Oberhand; ließ er die Hände sinken, waren die Amalekiter
überlegen.
2Mo 17,12 Mit der Zeit wurden Mose die Arme schwer. Da holten Aaron und Hur
einen großen Stein, auf den er sich setzen konnte; sie selbst stellten sich
links und rechts neben ihn und stützten seine Arme, bis die Sonne unterging.
2Mo 17,13 So konnte Josua das Heer der Amalekiter besiegen.
2Mo 17,14 Danach sagte der Herr zu Mose: »Schreib zur Erinnerung auf, was heute
geschehen ist, und präge Josua die Worte ein! Denn ich werde die Amalekiter
völlig vernichten, niemand wird sich mehr an sie erinnern.«
2Mo 17,15 Mose errichtete einen Altar und nannte ihn: »Der Herr ist mein
Feldzeichen.«
2Mo 17,16 Er sagte: »Kommt her, und schwört dem Herrn Treue! Der Herr führt
Krieg gegen die Amalekiter für alle Zeiten!«
2Mo 18,1 Moses Schwiegervater Jitro, der Priester von Midian, hörte, dass Gott
Mose und dem ganzen Volk Israel geholfen und sie aus Ägypten herausgeführt
hatte.
2Mo 18,2 Da machte er sich auf den Weg, gemeinsam mit Moses Frau Zippora, die
Mose zu ihm zurückgesandt hatte,
2Mo 18,3 und mit ihren beiden Söhnen. Der ältere hieß Gerschom (»ein Fremder
dort«), weil Mose bei seiner Geburt gesagt hatte: »Wir wollen ihn Gerschom
nennen, denn ich habe hier in einem fremden Land Schutz gesucht.«
2Mo 18,4 Der zweite Sohn hieß Eliëser (»Mein Gott ist Hilfe«), denn Mose hatte
gesagt: »Der Gott meines Vaters ist meine Hilfe gewesen. Er hat mich vor dem
Schwert des Pharaos gerettet.«
2Mo 18,5 Nun kam Jitro mit Zippora und ihren beiden Söhnen zu Mose. Die
Israeliten lagerten in der Wüste, am Berg Gottes.
2Mo 18,6 Jitro ließ Mose ausrichten: »Dein Schwiegervater Jitro ist zusammen mit
deiner Frau und deinen beiden Söhnen angekommen.«
2Mo 18,7 Da ging Mose seinem Schwiegervater entgegen, verneigte sich vor ihm und
küsste ihn. Sie fragten einander nach ihrem Wohlergehen und gingen dann in Moses
Zelt.
2Mo 18,8 Mose erzählte Jitro, was der Herr mit dem Pharao und den Ägyptern getan
hatte, um die Israeliten zu retten. Er verschwieg nicht die vielen
Schwierigkeiten auf ihrer Reise, berichtete aber auch, wie der Herr ihnen immer
wieder geholfen hatte.
2Mo 18,9 Jitro freute sich sehr, dass der Herr den Israeliten so viel Gutes
getan und sie aus Ägypten herausgeführt hatte.
2Mo 18,10 Er rief: »Gelobt sei der Herr, der euch aus der Gewalt der Ägypter und
ihres Königs gerettet hat! Ja, er hat dieses Volk aus der Sklaverei befreit!
2Mo 18,11 Jetzt weiß ich: Der Herr ist größer als alle anderen Götter. Als die
Ägypter sich besonders stark fühlten, hat er ihnen seine Macht gezeigt.«
2Mo 18,12 Dann brachte Jitro ein Brand- und ein Schlachtopfer für Gott dar.
Aaron und die Sippenoberhäupter der Israeliten nahmen an der Opfermahlzeit teil,
um den Herrn zu ehren.
2Mo 18,13 Am nächsten Tag setzte Mose sich hin, um Streitigkeiten zu schlichten
und Recht zu sprechen. Die Leute drängten sich um ihn vom Morgen bis zum Abend.
2Mo 18,14 Als Jitro sah, wie viel Mose zu tun hatte, sagte er: »Du hast so viel
Arbeit mit den Leuten! Du sitzt den ganzen Tag da, um Streitfälle zu schlichten,
und die Leute stehen um dich herum, vom Morgen bis zum Abend. Warum tust du das
alles allein?«
2Mo 18,15 Mose antwortete: »Die Leute kommen zu mir, um Weisung von Gott zu
erhalten.
2Mo 18,16 Wenn sie einen Rechtsstreit haben, fragen sie mich um Rat, und ich
muss zwischen ihnen schlichten. Ich teile ihnen Gottes Weisungen und
Entscheidungen mit.«
2Mo 18,17 Sein Schwiegervater entgegnete: »So wie du es machst, ist es nicht
gut!
2Mo 18,18 Die Aufgabe ist für dich allein viel zu groß. Du reibst dich nur auf,
und auch die Leute sind überfordert.
2Mo 18,19 Hör zu! Ich gebe dir einen guten Rat, und Gott möge dir helfen: Du
sollst das Volk vor Gott vertreten und ihre Streitfälle vor ihn bringen.
2Mo 18,20 Schärf ihnen Gottes Gebote und Weisungen ein, sag ihnen, wie sie ihr
Leben führen und was sie tun sollen!
2Mo 18,21 Sieh dich aber zugleich in deinem Volk nach zuverlässigen Männern um.
Sie müssen Ehrfurcht vor Gott haben, die Wahrheit lieben und unbestechlich sein.
Übertrag ihnen die Verantwortung für jeweils tausend, hundert, fünfzig oder zehn
Personen.
2Mo 18,22 Sie sollen die alltäglichen kleineren Streitigkeiten schlichten. Zu
dir sollen sie nur mit den größeren Fällen kommen. So helfen sie dir, die
Verantwortung zu tragen, und du wirst entlastet.
2Mo 18,23 Wenn mein Rat Gottes Willen entspricht und du dich daran hältst, wirst
du deine Aufgabe bewältigen; die Leute können in Frieden nach Hause gehen, weil
ihre Streitfälle geschlichtet sind.«
2Mo 18,24 Mose nahm den Rat seines Schwiegervaters an und setzte ihn in die Tat
um:
2Mo 18,25 Er wählte unter den Israeliten zuverlässige Männer aus und übertrug
ihnen die Verantwortung für jeweils tausend, hundert, fünfzig oder zehn
Personen.
2Mo 18,26 Von nun an konnten sie jederzeit Recht sprechen und die einfachen
Streitigkeiten selbst schlichten. Nur mit den schwierigen Fällen kamen sie zu
Mose.
2Mo 18,27 Danach verabschiedete Mose seinen Schwiegervater, und Jitro kehrte
wieder in seine Heimat zurück.
2Mo 19,1 Genau am 1. Tag des 3. Monats nachdem die Israeliten Ägypten verlassen
hatten, erreichten sie die Wüste Sinai.
2Mo 19,2 Sie waren von Refidim aufgebrochen und schlugen nun in der Wüste, am
Fuß des Berges Sinai, ihr Lager auf.
2Mo 19,3 Mose bestieg den Berg, um Gott zu begegnen. Der Herr rief ihm vom Berg
aus zu: »Richte den Israeliten, den Nachkommen Jakobs, diese Botschaft von mir
aus:
2Mo 19,4 Ihr habt selbst gesehen, was ich mit den Ägyptern gemacht habe. Ich
habe euch sicher hierher zu mir gebracht, wie ein Adler, der seine Jungen trägt.
2Mo 19,5 Wenn ihr nun auf mich hört und euch an den Bund haltet, den ich mit
euch schließen will, dann werde ich euch aus allen Völkern auserwählen. Mir
gehört die ganze Welt, aber ihr seid in besonderer Weise mein Eigentum.
2Mo 19,6 Ja, ihr sollt ein heiliges Volk sein, das allein mir gehört. Als
königliche Priester sollt ihr mir dienen! Sag dies den Israeliten weiter!«
2Mo 19,7 Mose ging zurück, rief die Sippenoberhäupter des Volkes zusammen und
erzählte ihnen, was der Herr ihm aufgetragen hatte.
2Mo 19,8 Das ganze Volk Israel war sich einig: »Wir wollen alles tun, was der
Herr befiehlt!« Mose überbrachte ihre Entscheidung dem Herrn.
2Mo 19,9 Nachdem er berichtet hatte, was die Israeliten geantwortet hatten,
sagte der Herr zu Mose: »Ich werde in einer dichten Wolke zu dir kommen und so
mit dir sprechen, dass auch das Volk es hört. Es soll nie wieder einen Zweifel
geben, dass du in meinem Auftrag redest.
2Mo 19,10 Geh nun wieder zurück! Die Israeliten sollen sich heute und morgen
darauf vorbereiten, mir zu begegnen. Sie sollen ihre Kleider waschen
2Mo 19,11 und sich am dritten Tag bereithalten. Denn dann werde ich vor aller
Augen auf den Berg Sinai herabkommen.
2Mo 19,12 Zieh eine Grenze rings um den Berg, und warne die Leute davor, sie zu
überschreiten! Sie dürfen ihn nicht besteigen und sich auch nicht am Fuß des
Berges aufhalten. Wer dem Berg zu nahe kommt, muss sterben:
2Mo 19,13 Man soll diesen Menschen steinigen oder mit Pfeilen erschießen. Das
Gleiche gilt für die Tiere, sie dürfen nicht am Leben bleiben! Erst wenn das
Widderhorn lang anhaltend ertönt, dürfen die Israeliten auf den Berg kommen.«
2Mo 19,14 Wieder stieg Mose vom Berg herunter; er sorgte dafür, dass die Leute
ihre Kleider wuschen und sich darauf vorbereiteten, dem Herrn zu begegnen.
2Mo 19,15 »Haltet euch am dritten Tag bereit«, befahl er ihnen, »und so lange
soll niemand von euch mit seiner Frau schlafen!«
2Mo 19,16 Früh am Morgen des dritten Tages begann es zu donnern und zu blitzen.
Dichte Wolken umhüllten den Berg, und man hörte den lauten Klang eines
Widderhorns. Die Israeliten im Lager zitterten vor Angst.
2Mo 19,17 Mose führte sie aus dem Lager, Gott entgegen, und sie stellten sich am
Fuß des Berges auf.
2Mo 19,18 Der Berg Sinai war in dichten Rauch gehüllt, denn der Herr war im
Feuer herabgekommen. Rauch stieg auf wie aus einem Schmelzofen, und der ganze
Berg bebte.
2Mo 19,19 Das Horn ertönte immer lauter. Mose redete, und Gott antwortete ihm
mit lauter Stimme.
2Mo 19,20 So kam der Herr herab auf den Gipfel des Berges Sinai. Von dort rief
er Mose zu sich, und Mose stieg auf den Berg.
2Mo 19,21 Doch der Herr befahl ihm: »Geh sofort wieder hinunter, und schärfe dem
Volk ein, sie sollen ja nicht die Grenze überschreiten, um mich zu sehen! Wenn
sie es trotzdem tun, werden viele von ihnen sterben.
2Mo 19,22 Auch die Priester sollen sich reinigen, bevor sie sich mir nähern,
sonst ist ihr Leben in Gefahr!«
2Mo 19,23 Mose erwiderte: »Das Volk kann gar nicht auf den Berg Sinai steigen.
Du hast uns ja schon gewarnt und befohlen, eine Grenze um den Berg zu ziehen,
weil er heilig ist.«
2Mo 19,24 Doch der Herr befahl: »Steig trotzdem hinunter, und komm zusammen mit
Aaron wieder herauf. Die Priester und das Volk dürfen die Grenze nicht
überschreiten, sonst bricht mein Zorn gegen sie los!«
2Mo 19,25 Da stieg Mose vom Berg hinunter und erklärte dem Volk, was der Herr
gesagt hatte.
2Mo 20,1 Dann redete Gott. Er sprach:
2Mo 20,2 »Ich bin der Herr, dein Gott; ich habe dich aus der Sklaverei in
Ägypten befreit.
2Mo 20,3 Du sollst außer mir keine anderen Götter verehren!
2Mo 20,4 Fertige dir keine Götzenstatue an, auch kein Abbild von irgendetwas am
Himmel, auf der Erde oder im Meer.
2Mo 20,5 Wirf dich nicht vor solchen Götterfiguren nieder, bring ihnen keine
Opfer dar! Denn ich bin der Herr, dein Gott. Ich dulde keinen neben mir! Wer
mich verachtet, den werde ich bestrafen. Sogar seine Kinder, Enkel und Urenkel
werden die Folgen spüren!
2Mo 20,6 Doch denen, die mich lieben und sich an meine Gebote halten, bin ich
gnädig. Über Tausende von Generationen werden auch ihre Nachkommen meine Liebe
erfahren.
2Mo 20,7 Du sollst meinen Namen nicht missbrauchen, denn ich bin der Herr, dein
Gott! Ich lasse keinen ungestraft, der das tut!
2Mo 20,8 Achte den Sabbat als einen Tag, der mir allein geweiht ist!
2Mo 20,9 Sechs Tage sollst du deine Arbeit verrichten,
2Mo 20,10 aber der siebte Tag ist ein Ruhetag, der mir, dem Herrn, deinem Gott,
gehört. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, weder du noch deine Kinder,
weder dein Knecht noch deine Magd, auch nicht deine Tiere oder der Fremde, der
bei dir lebt.
2Mo 20,11 Denn in sechs Tagen habe ich, der Herr, den Himmel, die Erde und das
Meer geschaffen und alles, was lebt. Aber am siebten Tag ruhte ich. Darum habe
ich den Sabbat gesegnet und für heilig erklärt.
2Mo 20,12 Ehre deinen Vater und deine Mutter, dann wirst du lange in dem Land
leben, das ich, der Herr, dein Gott, dir gebe.
2Mo 20,13 Du sollst nicht töten!
2Mo 20,14 Du sollst nicht die Ehe brechen!
2Mo 20,15 Du sollst nicht stehlen!
2Mo 20,16 Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen!
2Mo 20,17 Begehre nicht, was deinem Mitmenschen gehört: weder sein Haus noch
seine Frau, seinen Knecht oder seine Magd, Rinder oder Esel oder irgendetwas
anderes, was ihm gehört.«
2Mo 20,18 Als die Israeliten den Donner und den Klang des Horns hörten, als sie
die Blitze und den rauchenden Berg sahen, zitterten sie vor Angst und zogen sich
vom Fuß des Berges zurück.
2Mo 20,19 Sie sagten zu Mose: »Rede nur du mit uns, wir wollen auf dich hören!
Gott selbst aber soll nicht mehr zu uns sprechen, sonst sterben wir noch!«
2Mo 20,20 Doch Mose beruhigte sie: »Habt keine Angst! Gott ist gekommen, um euch
auf die Probe zu stellen. Er will, dass ihr Ehrfurcht vor ihm habt und keine
Schuld auf euch ladet.«
2Mo 20,21 Das Volk blieb in einiger Entfernung vom Berg stehen. Nur Mose näherte
sich der dunklen Wolke, in der Gott war.
2Mo 20,22 Der Herr sprach zu Mose: »Sag den Israeliten: Ihr habt selbst gesehen,
wie ich vom Himmel her zu euch geredet habe.
2Mo 20,23 Macht euch keine Götterfiguren aus Silber oder Gold, die ihr außer mir
noch anbetet!
2Mo 20,24 Errichtet für mich einen Altar aus Erde, und bringt auf ihm Schafe,
Ziegen oder Rinder als Brand- und Dankopfer dar! Ich werde euch zeigen, wo ihr
mir zu Ehren opfern sollt. Dann will ich zu euch kommen und euch segnen.
2Mo 20,25 Wenn ihr mir einen Altar aus Steinen errichtet, so verwendet dazu nur
unbehauene Feldsteine. Denn ihr würdet den Altar entweihen, sobald ihr ihn mit
dem Meißel bearbeitet.
2Mo 20,26 Baut den Altar ohne Stufen, damit man euch nicht unter das Gewand
sehen kann, wenn ihr hinaufsteigt!«
2Mo 21,1 »Gib den Israeliten folgende Gesetze weiter:
2Mo 21,2 Wenn ein Israelit sich wegen seiner Armut als Sklave an einen anderen
Israeliten verkauft hat, soll er sechs Jahre lang für ihn arbeiten. Im siebten
Jahr soll er freigelassen werden, ohne dass ihn jemand freikaufen muss.
2Mo 21,3 Ist er unverheiratet gekommen, soll er auch als Lediger wieder gehen.
Ist er als Verheirateter gekommen, soll er zusammen mit seiner Frau wieder
gehen.
2Mo 21,4 Hat ihm jedoch sein Herr während dieser Zeit eine Frau gegeben, mit der
er nun Kinder hat, dann bleiben die Frau und die Kinder Eigentum des Herrn. Nur
der Sklave selbst wird im siebten Jahr wieder frei.
2Mo 21,5 Doch wenn er an seinem Herrn hängt, wenn er seine Frau und die Kinder
liebt und darum nicht frei sein will,
2Mo 21,6 soll sein Herr mit ihm zum Heiligtum kommen und die Entscheidung dort
bestätigen lassen. Danach soll er den Sklaven an den Türpfosten stellen und
einen Pfriem durch sein Ohrläppchen ins Holz bohren. Nun muss der Sklave auf
Lebenszeit bei seinem Herrn bleiben.
2Mo 21,7 Wenn jemand seine Tochter als Sklavin verkauft hat, darf sie im siebten
Jahr nicht zu denselben Bedingungen freigelassen werden wie ein Sklave.
2Mo 21,8 Wenn ihr Herr sie für sich als Ehefrau bestimmt hatte, sie ihm aber
nicht gefällt, muss er ihren Verwandten anbieten, sie freizukaufen. Er hat nicht
das Recht, sie an Ausländer weiterzuverkaufen, denn er hat sein Eheversprechen
nicht gehalten.
2Mo 21,9 Hat er sie für seinen Sohn als Frau bestimmt, muss er sie rechtlich
einer Tochter gleichstellen.
2Mo 21,10 Wenn er nach ihr noch eine zweite Frau heiratet, darf er die erste
nicht benachteiligen. Er muss ihr Nahrung und Kleidung geben und darf den
ehelichen Verkehr nicht verweigern.
2Mo 21,11 Wenn er diese drei Verpflichtungen ihr gegenüber nicht erfüllt, muss
er sie freilassen, ohne Geld für sie zu bekommen.«
2Mo 21,12 »Wer einen Menschen vorsätzlich so schwer verletzt, dass er stirbt,
muss mit dem Tod bestraft werden.
2Mo 21,13 Hat er ihn aber nicht mit Absicht getötet, sondern es geschah durch
einen Zufall, den ich, der Herr, geschehen ließ, dann soll er an einen Ort
fliehen, den ich bestimmen werde.
2Mo 21,14 Doch wer einen Menschen vorsätzlich und heimtückisch umbringt, muss
sterben. Selbst wenn er an meinem Altar Schutz sucht, sollt ihr ihn von dort
wegholen und töten.
2Mo 21,15 Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt, soll mit dem Tod bestraft
werden.
2Mo 21,16 Wer einen Menschen entführt, muss ebenfalls getötet werden, ganz
gleich, ob der Entführte schon als Sklave verkauft wurde oder sich noch in der
Gewalt des Entführers befindet.
2Mo 21,17 Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, soll sterben.«
2Mo 21,18 »Wenn ein Mann einen anderen im Streit mit einem Stein oder der Faust
so verletzt, dass er zwar nicht stirbt, aber bettlägerig wird, dann soll der
Schuldige bestraft werden.
2Mo 21,19 Er kann nur dann straffrei bleiben, wenn der Verletzte wieder
aufstehen und am Stock umhergehen kann. Er muss ihn aber gesund pflegen lassen
und für die Zeit entschädigen, in der er nicht arbeiten konnte.
2Mo 21,20 [20/21] Schlägt ein Herr seinen Sklaven mit einem Stock so sehr, dass
er auf der Stelle stirbt, muss der Besitzer bestraft werden. Bleibt der Sklave
aber noch ein bis zwei Tage am Leben, soll der Besitzer nicht bestraft werden;
der Verlust seines Eigentums ist Strafe genug. Dasselbe gilt für Sklavinnen.
2Mo 21,22 Wenn sich Männer streiten und dabei eine schwangere Frau so stoßen,
dass sie eine Fehlgeburt hat, aber sonst nichts weiter erleidet, soll dem
Schuldigen eine Geldstrafe auferlegt werden. Die Höhe der Strafe wird vom
Ehemann festgelegt und muss durch ein Gericht bestätigt werden.
2Mo 21,23 Wenn die Frau aber noch weiteren Schaden erleidet, dann wird die
Strafe nach dem Grundsatz festgelegt: Leben um Leben,
2Mo 21,24 Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß,
2Mo 21,25 Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Strieme um Strieme.
2Mo 21,26 Wenn ein Herr seinen Sklaven so schlägt, dass er dabei ein Auge
verliert, soll er ihn zur Entschädigung freilassen.
2Mo 21,27 Schlägt er ihm einen Zahn aus, soll er ihn dafür ebenfalls freilassen.
Dasselbe gilt für Sklavinnen.«
2Mo 21,28 »Wenn ein Rind einen Mann oder eine Frau so stößt, dass sie sterben,
muss das Rind gesteinigt werden, und niemand darf von seinem Fleisch essen; der
Besitzer aber geht straffrei aus.
2Mo 21,29 Falls aber das Rind schon vorher auf Menschen losgegangen ist und der
Besitzer es trotz Warnung nicht eingesperrt hat, muss das Tier gesteinigt
werden, und auch der Besitzer soll sterben.
2Mo 21,30 Ihr könnt ihm aber die Möglichkeit geben, sich durch ein Sühnegeld
freizukaufen. Dieses Geld muss er in voller Höhe zahlen.
2Mo 21,31 Das gilt auch dann, wenn das Tier einen Jungen oder ein Mädchen
tödlich verletzt hat.
2Mo 21,32 Tötet das Rind einen Sklaven oder eine Sklavin, muss der Besitzer
ihrem Herrn 30 Silberstücke bezahlen, und das Tier soll gesteinigt werden.
2Mo 21,33 Wenn jemand die Abdeckung von einer Zisterne wegnimmt oder eine
Zisterne neu aushebt und die Öffnung nicht zudeckt, und ein Rind oder Esel fällt
hinein,
2Mo 21,34 dann muss der Besitzer der Zisterne Schadenersatz leisten. Er soll dem
Besitzer des Tieres den Wert erstatten, das tote Tier aber gehört ihm.
2Mo 21,35 Wenn ein Rind das eines anderen niederstößt und tötet, sollen beide
Besitzer das lebende Rind verkaufen und sich den Erlös teilen; ebenso sollen sie
das tote Tier unter sich aufteilen.
2Mo 21,36 Wenn aber das Rind schon vorher auf andere Tiere losgegangen ist und
sein Besitzer es trotz Warnung nicht eingesperrt hat, dann muss er das tote Rind
durch eines seiner Tiere ersetzen; das getötete Tier aber gehört ihm.«
2Mo 21,37 »Hat jemand ein Rind oder Schaf gestohlen und es geschlachtet oder
verkauft, dann soll er für ein gestohlenes Rind fünf Rinder erstatten und für
ein gestohlenes Schaf vier Schafe.
2Mo 22,1 Wenn ein Einbrecher bei Nacht auf frischer Tat ertappt und so
geschlagen wird, dass er stirbt, dann ist der, der ihn getötet hat, kein Mörder.
2Mo 22,2 Wenn es aber schon hell war, gilt die Tat als Mord. Ein Dieb muss das
Gestohlene erstatten; besitzt er nichts, soll er als Sklave verkauft werden. Das
Geld steht dem Bestohlenen als Entschädigung zu.
2Mo 22,3 Wenn sich ein gestohlenes Tier - ob Rind, Esel, Schaf oder Ziege - noch
lebend im Besitz des Diebes befindet, muss er doppelten Ersatz leisten.
2Mo 22,4 Wenn jemand sein Feld oder seinen Weinberg abweiden lässt und das Vieh
nicht beaufsichtigt, so dass es das Feld eines anderen abgrast, soll er den
Schaden ersetzen: Die besten Früchte seines Weinbergs und das beste Getreide von
seinen Feldern muss er dem Geschädigten geben.
2Mo 22,5 Entzündet sich durch ein Feuer Gestrüpp, und die Flammen greifen auf
ein benachbartes Feld über und vernichten dort Garben, stehendes Getreide oder
junge Ähren, dann muss der Schadenersatz leisten, der das Feuer angezündet hat.
2Mo 22,6 Wenn jemand einem anderen Geld oder wertvolle Gegenstände zur
Aufbewahrung anvertraut und sie aus dessen Haus gestohlen werden, soll der Dieb
- falls er gefasst wird - das Gestohlene doppelt ersetzen.
2Mo 22,7 Wird der Dieb nicht gefasst, muss derjenige, der die Wertgegenstände
aufbewahrte, vor mir, dem Herrn, erscheinen, damit herauskommt, ob er selbst die
ihm anvertrauten Dinge unterschlagen hat.
2Mo 22,8 Wenn sich zwei Leute um etwas Wertvolles streiten - ganz gleich, ob um
ein Rind, einen Esel, ein Schaf oder eine Ziege, um Kleider oder um etwas
anderes - und jeder behauptet, dass es ihm gehört, dann soll ihr Streitfall vor
mich gebracht werden. Wen ich für schuldig erkläre, der soll dem rechtmäßigen
Besitzer sein Eigentum doppelt zurückerstatten.
2Mo 22,9 Wenn jemand einem anderen Israeliten einen Esel, ein Rind, ein Schaf,
eine Ziege oder sonst ein Tier anvertraut und es dort stirbt, sich verletzt oder
gestohlen wird, ohne dass es Zeugen gibt,
2Mo 22,10 dann soll der Streit zwischen beiden durch einen Eid vor mir, dem
Herrn, geschlichtet werden: Der Beschuldigte soll schwören, dass er sich nicht
selbst am Eigentum des anderen vergriffen hat. Der Besitzer muss diese Erklärung
gelten lassen, und der Beschuldigte braucht keinen Ersatz zu leisten.
2Mo 22,11 Wenn ihm das Tier aber nachweislich gestohlen wurde, soll er es dem
Besitzer ersetzen.
2Mo 22,12 Hat ein wildes Tier es gerissen, soll er die Überreste als Beweis
herbringen; dann muss er keinen Schadenersatz leisten.
2Mo 22,13 Wenn sich jemand ein Arbeitstier ausleiht, und es verletzt sich oder
stirbt, muss er Schadenersatz leisten, sofern der Besitzer nicht dabei gewesen
ist.
2Mo 22,14 War der Besitzer dabei, braucht derjenige, der das Tier geliehen hat,
keinen Ersatz zu leisten. Hatte er das Tier gemietet, so ist der Schaden mit dem
Mietpreis abgegolten.«
2Mo 22,15 »Wenn ein Mann ein Mädchen, das noch nicht verlobt ist, verführt und
mit ihr schläft, muss er den Brautpreis für sie bezahlen und sie heiraten.
2Mo 22,16 Falls sich ihr Vater aber weigert, sie ihm zur Frau zu geben, muss der
Mann ihm dennoch den Brautpreis bezahlen, der einer Jungfrau angemessen ist.«
2Mo 22,17 »Eine Zauberin sollt ihr nicht am Leben lassen!
2Mo 22,18 Jeder, der mit einem Tier verkehrt, muss mit dem Tod bestraft werden.
2Mo 22,19 Wer anderen Göttern Opfer darbringt und nicht mir, dem Herrn, allein,
soll aus dem Volk Israel ausgestoßen werden und sterben.«
2Mo 22,20 »Unterdrückt die Fremden nicht, und beutet sie nicht aus! Denn ihr
selbst seid einmal Fremde in Ägypten gewesen.
2Mo 22,21 Benachteiligt die Witwen und Waisen nicht!
2Mo 22,22 Wenn ihr es doch tut und sie zu mir um Hilfe schreien, werde ich sie
ganz sicher erhören.
2Mo 22,23 Mein Zorn wird losbrechen, und ich lasse euch von euren Feinden töten.
Dann werden eure Frauen Witwen sein und eure Kinder Waisen!
2Mo 22,24 Wenn ihr einem Armen aus meinem Volk Geld leiht, sollt ihr euch nicht
daran bereichern. Verlangt keine Zinsen von ihm!
2Mo 22,25 Wenn ihr den Mantel eures Schuldners als Pfand nehmt, müsst ihr ihn
vor Sonnenuntergang zurückgeben,
2Mo 22,26 denn er ist seine einzige Decke für die Nacht. Womit soll er sich
sonst zudecken? Wenn ihr den Mantel nicht zurückgebt und der Mann zu mir um
Hilfe ruft, werde ich ihn erhören, denn ich bin barmherzig.«
2Mo 22,27 »Mich, den Herrn, sollt ihr nicht verhöhnen, und einen Fürsten aus
eurem Volk sollt ihr nicht verfluchen!
2Mo 22,28 Gebt mir rechtzeitig die Opfergaben vom Ertrag eurer Getreidefelder
und Weingärten! Auch eure ältesten Söhne sollt ihr mir weihen.
2Mo 22,29 Eure erstgeborenen Rinder, Schafe und Ziegen dürfen sieben Tage lang
bei ihrer Mutter bleiben; am achten Tag sollt ihr sie mir als Opfer darbringen.
2Mo 22,30 Ihr seid heilige Menschen, die allein mir gehören. Esst darum kein
Fleisch von einem Tier, das von Raubtieren gerissen wurde! Wenn ihr einen
Kadaver findet, werft ihn den Hunden vor!«
2Mo 23,1 »Verbreite kein falsches Gerücht! Weißt du aber sicher, dass jemand
Unrecht getan hat, dann darfst du ihn nicht durch eine falsche Aussage
entlasten.
2Mo 23,2 Folge nicht der Mehrheit, wenn sie im Unrecht ist! Musst du vor Gericht
aussagen, sollst du nicht der Mehrheit nach dem Mund reden und so ein gerechtes
Urteil verhindern.
2Mo 23,3 Du darfst aber auch einen Armen vor Gericht nicht begünstigen!
2Mo 23,4 Wenn du ein Rind oder einen Esel deines Feindes umherirren siehst, dann
bring das Tier auf jeden Fall zurück!
2Mo 23,5 Wenn der Esel eines Menschen, der dich hasst, unter einer Last
zusammengebrochen ist, dann geh nicht einfach vorüber! Hilf deinem Feind, das
Tier wieder auf die Beine zu bringen.
2Mo 23,6 Verweigere einem Armen vor Gericht nicht sein Recht!
2Mo 23,7 Wenn vor Gericht gelogen wird, beteilige dich nicht daran! Verurteile
den Unschuldigen nicht zum Tode, denn ich sorge dafür, dass der Schuldige kein
Recht bekommt.
2Mo 23,8 Nimm keine Bestechungsgeschenke an, denn sie machen die Sehenden blind
und verleiten dazu, das Recht zu beugen.
2Mo 23,9 Unterdrückt die Fremden nicht! Ihr wisst ja, wie ihnen zumute sein
muss, denn ihr seid selbst einmal Fremde in Ägypten gewesen.«
2Mo 23,10 »Sechs Jahre lang sollt ihr eure Felder bewirtschaften und die Ernte
einbringen.
2Mo 23,11 Aber im siebten Jahr lasst sie brachliegen, sät und erntet nicht! Was
dann noch auf ihnen wächst, soll den Armen gehören, und den Rest mag das Wild
fressen. Dasselbe gilt für eure Weinberge und Olivenhaine.
2Mo 23,12 Sechs Tage lang sollt ihr eure Arbeit tun, aber am siebten Tag sollt
ihr ruhen, damit eure Rinder und Esel sich erholen und auch eure Sklaven und die
Fremden bei euch sich ausruhen können.
2Mo 23,13 Haltet euch an alles, was ich euch befohlen habe! Betet nicht zu
anderen Göttern, ich will ihre Namen aus eurem Mund nicht hören!«
2Mo 23,14 »Dreimal im Jahr sollt ihr mir zu Ehren ein Fest feiern:
2Mo 23,15 Feiert als erstes das Fest der ungesäuerten Brote! Sieben Tage im
Monat Abib sollt ihr Brot essen, das ohne Sauerteig gebacken wurde, wie ich es
euch befohlen habe. Denn in diesem Monat seid ihr aus Ägypten fortgezogen.
Keiner soll mit leeren Händen zu meinem Heiligtum kommen!
2Mo 23,16 Feiert dann das Erntefest, wenn ihr das erste Getreide einbringt, das
ihr ausgesät habt. Als drittes sollt ihr das Fest der Wein- und Obsternte am
Ende des Jahres feiern, wenn ihr die Früchte aus den Weinbergen und Gärten
geerntet habt.
2Mo 23,17 Dreimal im Jahr sollen sich alle Männer Israels vor mir, dem Herrn,
versammeln.
2Mo 23,18 Wenn ihr ein Tier schlachtet und opfert, dürft ihr sein Blut nicht
zusammen mit Brot darbringen, das Sauerteig enthält. Vom Fett der Tiere, die ihr
mir an den Festtagen opfert, darf nichts bis zum nächsten Morgen übrig bleiben.
2Mo 23,19 Bringt das Beste vom Ertrag eurer Felder als Gabe in mein Heiligtum!
Kocht ein Ziegenböckchen nicht in der Milch seiner Mutter!«
2Mo 23,20 »Ich werde einen Engel vor euch hersenden, der euch auf dem Weg
bewahrt und in das versprochene Land bringt.
2Mo 23,21 Hört zu, und achtet auf seine Worte! Widersetzt euch ihm nicht! Er
wird euch nicht vergeben, wenn ihr euch gegen ihn auflehnt, denn ich selbst bin
in ihm gegenwärtig.
2Mo 23,22 Wenn ihr aber bereitwillig auf das hört, was ich euch durch ihn
mitteile, dann werden eure Feinde auch meine Feinde sein und eure Gegner meine
Gegner.
2Mo 23,23 Denn mein Engel wird vor euch herziehen und euch in das Land der
Amoriter, Hetiter, Perisiter, Kanaaniter, Hiwiter und Jebusiter bringen. Diese
Völker werde ich ausrotten.
2Mo 23,24 Werft euch nicht vor ihren Götterstatuen nieder, und betet sie nicht
an! Übernehmt auch nicht die heidnischen Bräuche dieser Völker! Ihr müsst ihre
Götterfiguren zerstören und ihre heiligen Steinsäulen zerschlagen.
2Mo 23,25 Dient mir, dem Herrn, eurem Gott! Dann werde ich euch reichlich Essen
und Trinken geben und alle Krankheiten von euch fern halten.
2Mo 23,26 In eurem Land wird keine Frau Fehlgeburten haben, keine wird
unfruchtbar sein; ich werde euch ein langes Leben schenken.
2Mo 23,27 Den Völkern, zu denen ihr kommt, werde ich Angst und Schrecken
einjagen; aus lauter Verwirrung werden eure Feinde Hals über Kopf vor euch
fliehen.
2Mo 23,28 Wohin ihr auch kommt, wird die Angst herrschen; die Hiwiter,
Kanaaniter und Hetiter werden entsetzt davonlaufen, wenn ihr heranzieht.
2Mo 23,29 Aber ich werde sie nicht alle auf einmal vertreiben, sonst ist das
Land menschenleer und öde, und die wilden Tiere vermehren sich so sehr, dass sie
euch schaden.
2Mo 23,30 Ich werde die Bewohner des Landes nach und nach vertreiben, bis euer
Volk so groß geworden ist, dass ihr ganz Kanaan in Besitz nehmen könnt.
2Mo 23,31 Euer Land wird vom Roten Meer bis zum Mittelmeer reichen und von der
Wüste im Süden bis zum Euphrat. Die Menschen, die jetzt dort wohnen, gebe ich in
eure Hand. Ihr werdet sie vertreiben, während ihr immer weiter vordringt.
2Mo 23,32 Schließt keinen Bund mit ihnen und ihren Göttern!
2Mo 23,33 Sie dürfen nicht in eurem Land bleiben, sonst verführen sie euch noch
zum Götzendienst. Denn wenn ihr ihre Götter verehrt, geratet ihr in eine
tödliche Falle!«
2Mo 24,1 Der Herr sprach zu Mose: »Steig zu mir auf den Berg, zusammen mit
Aaron, Nadab, Abihu und siebzig von den Sippenoberhäuptern Israels. Bleibt in
einiger Entfernung stehen, und werft euch vor mir nieder!
2Mo 24,2 Nur du allein darfst dich mir nähern, die anderen müssen sich fern
halten. Das Volk darf auf keinen Fall mit dir den Berg besteigen!«
2Mo 24,3 Mose trat vor die Israeliten und teilte ihnen die Gebote und
Bestimmungen des Herrn mit. Sie antworteten einmütig: »Wir wollen alles tun, was
der Herr befohlen hat!«
2Mo 24,4 Danach schrieb Mose die Worte des Herrn auf. Früh am nächsten Morgen
errichtete er einen Altar am Fuß des Berges, dazu zwölf Steinsäulen, je eine für
jeden Stamm Israels.
2Mo 24,5 Dann rief er einige junge Israeliten zu sich und befahl ihnen, dem
Herrn zu opfern. Sie brachten Brandopfer dar und schlachteten junge Stiere für
das Dankopfer.
2Mo 24,6 Mose fing die Hälfte des Blutes der Opfertiere in Schalen auf, die
andere Hälfte goss er an den Altar.
2Mo 24,7 Dann nahm er die Buchrolle, in der er die Gesetze des Bundes
aufgeschrieben hatte, und las sie den Israeliten vor. Sie antworteten: »Alles,
was der Herr befohlen hat, wollen wir tun! Wir wollen ihm gehorchen!«
2Mo 24,8 Da besprengte Mose das Volk mit dem Blut aus den Schalen und sagte:
»Das Blut besiegelt den Bund, den der Herr mit euch geschlossen hat. Dieser Bund
beruht auf seinen Zusagen und Geboten.«
2Mo 24,9 Mose, Aaron, Nadab, Abihu und die siebzig Sippenoberhäupter stiegen auf
den Berg Sinai,
2Mo 24,10 und sie sahen den Gott Israels. Der Boden unter seinen Füßen leuchtete
wie mit Saphiren bedeckt, blau und klar wie der Himmel.
2Mo 24,11 Die ausgewählten Männer, die mit Mose auf dem Berg waren, durften Gott
sehen, ohne dass er sie tötete. Dann aßen und tranken sie in seiner Gegenwart.
2Mo 24,12 Nachdem sie wieder hinabgestiegen waren, sagte der Herr zu Mose: »Komm
noch einmal zu mir auf den Berg, und bleib einige Zeit hier! Ich will dir zwei
Steintafeln geben, auf denen meine Gebote stehen. Ich selbst habe das Gesetz
aufgeschrieben, um Israel zu unterweisen.«
2Mo 24,13 Mose und sein Diener Josua machten sich auf den Weg, und Mose bestieg
den Berg Gottes.
2Mo 24,14 Vorher hatte er zu den Sippenoberhäuptern Israels gesagt: »Wartet hier
auf uns, bis wir zu euch zurückkehren! Aaron und Hur bleiben bei euch. Wer einen
Streitfall hat, soll sich an sie wenden!«
2Mo 24,15 [15/16] Als Mose hinaufstieg, kam die Herrlichkeit des Herrn in einer
dichten Wolke auf den Berg Sinai herab. Sechs Tage lang bedeckte sie den Berg.
Am siebten Tag rief der Herr aus der Wolke Mose zu sich.
2Mo 24,17 Die Herrlichkeit des Herrn auf dem Berg erschien den Israeliten wie
ein loderndes Feuer.
2Mo 24,18 Mose aber ging weiter hinauf zum Gipfel, mitten in die Wolke hinein.
Vierzig Tage und Nächte blieb er dort.
2Mo 25,1 Der Herr sprach zu Mose:
2Mo 25,2 »Sag den Israeliten, sie sollen für mich eine Abgabe entrichten! Jeder,
der es gerne tut, soll mir etwas geben.
2Mo 25,3 Sammle von den Israeliten ein, was sie dir bringen: Gold, Silber und
Bronze,
2Mo 25,4 violette, purpurrote und karmesinrote Wolle, feines Leinen, Ziegenhaar,
2Mo 25,5 rot gefärbte Felle von Schafböcken, Tachasch-Leder, Akazienholz,
2Mo 25,6 Öl für den Leuchter, wohlriechende Gewürze für das Salböl und die
Weihrauchmischung,
2Mo 25,7 Onyx-Steine und andere Edelsteine, die auf dem Schurz und der
Brusttasche des Priesters eingesetzt werden können.
2Mo 25,8 Die Israeliten sollen mir aus diesen Materialien ein Heiligtum bauen,
denn ich will bei ihnen wohnen.
2Mo 25,9 Fertigt das heilige Zelt und alles, was dazugehört, genau so an, wie
ich es dir jetzt zeigen werde!«
2Mo 25,10 »Die Israeliten sollen einen Kasten aus Akazienholz bauen,
eineinviertel Meter lang, einen drei viertel Meter breit und ebenso hoch.
2Mo 25,11 Innen und außen sollen sie ihn mit reinem Gold überziehen und auf der
Oberseite ringsum eine goldene Zierleiste anbringen.
2Mo 25,12 Lass vier Ringe aus massivem Gold gießen und sie an den vier unteren
Ecken des Kastens befestigen, je zwei Ringe an jeder Längsseite.
2Mo 25,13 Dann sollen Tragstangen aus Akazienholz angefertigt und mit Gold
überzogen werden.
2Mo 25,14 Sie werden durch die Ringe an den Längsseiten des Kastens gesteckt,
damit man ihn daran tragen kann.
2Mo 25,15 Die Tragstangen müssen stets an ihrem Ort bleiben und dürfen nicht
mehr aus den Ringen herausgezogen werden.
2Mo 25,16 In die Bundeslade sollst du die beiden Steintafeln legen, die ich dir
geben werde. Auf ihnen sind meine Gebote und Weisungen niedergeschrieben.
2Mo 25,17 Lass eine Deckplatte aus reinem Gold für den Kasten gießen,
eineinviertel Meter lang und einen drei viertel Meter breit.
2Mo 25,18 [18/19] Dann sollen zwei Engelfiguren aus massivem Gold geschmiedet
werden, die an den beiden Enden der Deckplatte stehen. Die Platte und die beiden
Engel sollen aus einem Stück gearbeitet sein.
2Mo 25,20 Die Engel breiten ihre Flügel nach oben aus und beschirmen die
Deckplatte, die Gesichter sind einander zugewandt und ihre Augen auf die Platte
gerichtet.
2Mo 25,21 Die Deckplatte soll die Bundeslade verschließen, in der die beiden
Steintafeln mit den Geboten liegen, die ich dir geben werde.
2Mo 25,22 An dieser Stelle, über der Bundeslade zwischen den beiden
Cherub-Engeln, will ich mich dir offenbaren und dir alles sagen, was du den
Israeliten weitergeben sollst.«
2Mo 25,23 »Lass einen Tisch aus Akazienholz anfertigen, einen Meter lang, einen
halben Meter breit und einen drei viertel Meter hoch.
2Mo 25,24 Er soll mit reinem Gold überzogen sein und ringsum eine goldene
Zierleiste haben.
2Mo 25,25 Auf die Tischplatte soll eine acht Zentimeter hohe Umrandung aus Gold
aufgesetzt werden, die auch wieder ringsum mit einer goldenen Leiste verziert
wird.
2Mo 25,26 Lass vier Ringe aus massivem Gold gießen und sie an den vier Seiten
anbringen, wo die Tischbeine anfangen.
2Mo 25,27 Die Ringe sollen unterhalb der Goldumrandung befestigt sein; sie
müssen die Stangen halten, mit denen man den Tisch trägt.
2Mo 25,28 Auch die Stangen sollen aus Akazienholz gefertigt und mit Gold
überzogen sein.
2Mo 25,29 Lass Schüsseln und Schalen, Kannen und Opferschalen machen, alles aus
reinem Gold. Aus ihnen soll man das Trankopfer ausgießen.
2Mo 25,30 Auf dem Tisch sollen stets die Brote liegen, die mir geweiht sind.«
2Mo 25,31 »Lass einen Leuchter aus reinem Gold anfertigen. Fuß und Schaft sollen
geschmiedet sein, und aus dem Schaft sollen Kelche - Knospen und Blüten -
hervorgehen, ebenfalls aus massivem Gold.
2Mo 25,32 Vom Schaft gehen sechs Seitenarme aus, drei nach jeder Seite.
2Mo 25,33 Jeder Arm soll mit drei Kelchen verziert sein, die wie Knospen und
Blüten des Mandelbaumes aussehen,
2Mo 25,34 der Schaft selbst mit vier Kelchen.
2Mo 25,35 Drei davon sollen jeweils unter den Ansätzen der Seitenarme angebracht
werden.
2Mo 25,36 Die Seitenarme und Kelche sollen wie der ganze Leuchter aus einem
einzigen Stück reinem Gold geschmiedet sein.
2Mo 25,37 Lass sieben Lampen anfertigen und sie mit dem Docht nach vorne auf die
Arme des Leuchters setzen, damit sie den Raum erhellen.
2Mo 25,38 Die Dochtscheren und Schalen für das Öl sollen ebenfalls aus reinem
Gold sein.
2Mo 25,39 Aus 36 Kilogramm reinem Gold sollst du den Leuchter und alle diese
Gegenstände herstellen lassen.
2Mo 25,40 Achte genau darauf, dass alles nach dem Vorbild angefertigt wird, das
ich dir hier auf dem Berg zeige!«
2Mo 26,1 »Für das heilige Zelt sollst du zehn Bahnen Zelttuch weben lassen.
Verwendet dazu violette, purpurrote und karmesinrote Wolle sowie feines Leinen.
Auf den Zeltbahnen sollen Engelfiguren dargestellt sein.
2Mo 26,2 Die einzelnen Bahnen müssen 14 Meter lang und 2 Meter breit sein.
2Mo 26,3 Jeweils fünf von ihnen sollen an den Längsseiten aneinander genäht
werden, so dass zwei große Zeltdecken entstehen.
2Mo 26,4 Um diese beiden Decken verbinden zu können, müssen an einer Längsseite
jeder Decke 50 Schlaufen aus violett gefärbter Wolle angebracht werden,
2Mo 26,5 also 50 Schlaufen an der einen und ebenso viele an der anderen
Zeltdecke. Legt die beiden Decken so aneinander, dass die Schlaufen einander
gegenüberstehen.
2Mo 26,6 Dann lass 50 goldene Haken schmieden, die jeweils zwei
gegenüberliegende Schlaufen verbinden und so die beiden Decken zu einem Stück
zusammenfügen.
2Mo 26,7 [7/8] Lass außerdem elf Zeltbahnen aus Ziegenhaar weben, 15 Meter lang
und 2 Meter breit! Sie sollen über das erste Zelt gelegt werden und es
überdachen.
2Mo 26,9 Fünf dieser Bahnen werden an den Längsseiten zu einem Stück verbunden,
die übrigen sechs zu einem zweiten. Die sechste Bahn des zweiten Zeltstücks soll
doppelt gelegt werden. Sie bildet später an der Vorderseite des Zeltes die
Überdachung des Eingangs.
2Mo 26,10 Um die beiden Zeltstücke verbinden zu können, müssen jeweils an einer
Längsseite 50 Schlaufen angebracht werden.
2Mo 26,11 Dann lass 50 Bronzehaken herstellen und mit ihnen die beiden
Zeltstücke zusammenfügen.
2Mo 26,12 Diese zweite Zeltdecke reicht an der Rückwand des Heiligtums einen
Meter über die erste Decke hinaus.
2Mo 26,13 An den Längsseiten überragt die Ziegenhaardecke die darunter liegende
wollene Decke jeweils um einen halben Meter.
2Mo 26,14 Als Schutz für die beiden Zeltdecken sollst du ein Dach aus rot
gefärbten Fellen von Schafböcken nähen lassen und darüber legen. Über dieses
Felldach muss noch eine Schutzdecke aus Tachasch-Leder gespannt werden.
2Mo 26,15 Lass Platten aus Akazienholz fertigen, die - aufrecht gestellt - die
Wände des Heiligtums bilden sollen.
2Mo 26,16 Jede Platte soll fünf Meter lang und einen drei viertel Meter breit
sein.
2Mo 26,17 Alle Platten müssen an der kurzen Seite zwei Zapfen haben, die
parallel angeordnet sind.
2Mo 26,18 Es werden 20 Platten für die südliche Längsseite des Zeltes benötigt,
2Mo 26,19 dazu 40 silberne Sockel, auf denen die Platten stehen. Zwei Sockel
gehören unter jede Platte, für jeden Zapfen einer.
2Mo 26,20 Für die nördliche Längsseite des Zeltes werden ebenfalls 20 Platten
benötigt
2Mo 26,21 und 40 silberne Sockel, auf denen die Platten stehen, je zwei Sockel
unter jeder Platte.
2Mo 26,22 Für die schmale Rückseite im Westen sollst du 6 Platten fertigen
lassen,
2Mo 26,23 2 weitere Wandteile werden für die Ecken an der Rückseite des Zeltes
gebraucht.
2Mo 26,24 Sie sollen auf ganzer Länge gewinkelt und an ihrem oberen Ende durch
Ringe befestigt sein, um so die Eckkonstruktion der Wände zu bilden.
2Mo 26,25 Die Rückseite besteht also insgesamt aus 8 Platten mit 16 silbernen
Sockeln, jeweils zwei Sockel unter einer Platte.
2Mo 26,26 [26/27] Lass außerdem Querbalken aus Akazienholz anfertigen, jeweils
fünf Stück für jede Längsseite und die westliche Querseite. Diese Balken sollen
die aufrecht stehenden Platten zusammenhalten.
2Mo 26,28 Der mittlere Balken soll genau auf halber Höhe an der ganzen Wand
entlanglaufen, von vorn bis hinten.
2Mo 26,29 Die Querbalken werden durch goldene Ringe gesteckt, die in den Platten
verankert sind. Platten und Querbalken müssen vollständig mit Gold überzogen
sein.
2Mo 26,30 Aus all diesen Platten, Sockeln, Ringen und Stoffen sollst du mein
Heiligtum, in dem ich wohnen will, errichten, ganz so, wie ich es dir hier auf
dem Berg zeige.«
2Mo 26,31 »Lass einen Vorhang weben aus violetter, purpurroter und karmesinroter
Wolle und feinem Leinen, kunstvoll verziert mit Engelfiguren.
2Mo 26,32 Er soll mit goldenen Haken an vier Säulen aus Akazienholz aufgehängt
werden. Die Säulen müssen mit Gold überzogen sein und auf silbernen Sockeln
stehen.
2Mo 26,33 Der Vorhang trennt den heiligen Vorraum vom Allerheiligsten, in dem
die Bundeslade stehen soll. Sobald der Vorhang an den Haken aufgehängt ist,
bring die Bundeslade mit den Steintafeln hinein.
2Mo 26,34 Wenn sie im Allerheiligsten steht, dann lass die Deckplatte darauf
legen.
2Mo 26,35 Der Tisch mit den Broten, die mir geweiht sind, soll vor dem Vorhang
im heiligen Vorraum an der Nordseite des Zeltes aufgestellt werden. Gegenüber,
an der Südseite im Vorraum, hat der goldene Leuchter seinen Platz.
2Mo 26,36 Ein weiterer Vorhang wird für den Zelteingang benötigt, ebenfalls aus
violetter, purpurroter und karmesinroter Wolle sowie aus feinem Leinen, bunt und
kunstvoll gewebt.
2Mo 26,37 Lass diesen Vorhang mit goldenen Haken an fünf Akazienholzsäulen
aufhängen, die mit Gold überzogen sind und auf Bronzesockeln stehen.«
2Mo 27,1 »Lass einen Altar aus Akazienholz anfertigen; er soll quadratisch sein:
zweieinhalb Meter lang und ebenso breit. Die Höhe beträgt eineinhalb Meter.
2Mo 27,2 An den vier oberen Ecken sollen Hörner hervorragen. Die Hörner dürfen
nicht aufgesetzt, sondern müssen Teil der Seitenwände sein. Der ganze Altar soll
mit Bronze überzogen werden.
2Mo 27,3 Auch die dazugehörigen Gefäße und Werkzeuge müssen aus Bronze sein: die
Aschenkübel, Schaufeln, Fleischgabeln, Feuerbecken und Schalen zum Auffangen des
Blutes.
2Mo 27,4 Lass einen Gitterrahmen aus Bronze anfertigen, und bring an den vier
Ecken je einen Ring aus Bronze an.
2Mo 27,5 Der Gitterrahmen soll unter dem Altar befestigt werden können und ihn
ringsum bis zur halben Höhe umschließen.
2Mo 27,6 Dazu müssen noch Akazienholzstangen angefertigt werden, die mit Bronze
überzogen sind.
2Mo 27,7 Die Stangen sollen für den Transport durch die Ringe an beiden Seiten
des Altars gesteckt werden.
2Mo 27,8 Der Altar soll ganz aus Holz sein, aber innen hohl. Die Handwerker
müssen ihn genau so bauen, wie ich es dir hier auf dem Berg zeige.«
2Mo 27,9 »Um das heilige Zelt herum soll ein Vorhof abgegrenzt werden. Die
Abgrenzung an der Südseite muss 50 Meter lang sein und aus Vorhängen von feinem
Leinen bestehen.
2Mo 27,10 Die Vorhänge werden mit silbernen Haken und Stangen an 20 Holzpfosten
befestigt, die auf Bronzesockeln stehen.
2Mo 27,11 Die Abgrenzung auf der Nordseite soll ebenfalls 50 Meter lang sein;
sie besteht aus den gleichen Vorhängen, die mit silbernen Haken und Stangen an
20 Holzpfosten mit Bronzesockeln hängen.
2Mo 27,12 An der Westseite des Vorhofs sollen auf einer Breite von 25 Metern die
Vorhänge an 10 Holzpfosten hängen, deren Sockel aus Bronze bestehen.
2Mo 27,13 Auch auf der Ostseite, in Richtung Sonnenaufgang, soll der Vorhof 25
Meter breit sein.
2Mo 27,14 [14-16] An dieser Seite befindet sich sein Eingang. Links und rechts
vom Eingang hängen Vorhänge auf einer Breite von je 7,5 Metern an jeweils drei
Holzpfosten auf Bronzesockeln. Vor dem Eingang hängt ebenfalls ein Vorhang, 10
Meter breit, bunt und kunstvoll gewebt aus violetter, purpurroter und
karmesinroter Wolle und feinem Leinen. Ihn halten vier Holzpfosten auf
Bronzesockeln.
2Mo 27,17 Alle Pfosten stehen auf Sockeln aus Bronze, und die Vorhänge sind mit
silbernen Haken und Stangen an den Pfosten befestigt.
2Mo 27,18 Die Länge des Vorhofs beträgt 50 Meter, seine Breite 25 Meter. Die
Vorhänge sind 2,5 Meter hoch, als Vorhangstoff soll feines Leinen verwendet
werden. Die Sockel der Pfosten müssen aus Bronze sein.
2Mo 27,19 Alle Gefäße und Werkzeuge für den Dienst im heiligen Zelt sollen aus
Bronze hergestellt sein, auch die Pflöcke für das heilige Zelt und für die
Vorhänge des Vorhofs.«
2Mo 27,20 »Sag den Israeliten, sie sollen dir reines Öl aus gepressten Oliven
für den Leuchter bringen, damit die Lampen ständig brennen.
2Mo 27,21 Im heiligen Zelt, vor dem Vorhang zum Allerheiligsten und der
Bundeslade, müssen Aaron und seine Söhne den Leuchter aufstellen. Sie sollen
immer wieder Öl nachfüllen, damit er vom Abend bis zum Morgen brennt und mein
Heiligtum erhellt. Diese Weisung gilt für euch und alle kommenden Generationen!«
2Mo 28,1 »Ruf deinen Bruder Aaron und seine Söhne Nadab, Abihu, Eleasar und
Itamar herbei! Von allen Israeliten habe ich sie ausgewählt, mir als Priester zu
dienen.
2Mo 28,2 Lass für deinen Bruder Aaron Kleider anfertigen, würdevoll und
prächtig, seinem heiligen Priesteramt angemessen!
2Mo 28,3 Gib diesen Auftrag an alle aus deinem Volk weiter, die ich dazu begabt
und mit Weisheit erfüllt habe. Sie sollen die Gewänder anfertigen, in denen
Aaron zum Priester geweiht wird und mir dient.
2Mo 28,4 Die Priesterkleidung besteht aus folgenden Teilen: der Brusttasche, dem
Priesterschurz, dem Obergewand, dem gewebten Untergewand, dem Turban und dem
Gürtel. Diese heiligen Kleidungsstücke sollen für deinen Bruder Aaron und seine
Nachfolger angefertigt werden. Dann kann er mir als Priester dienen.
2Mo 28,5 Die Stoffe für die Priesterkleidung sind die gleichen wie für das Zelt:
violette, purpurrote und karmesinrote Wolle, feines Leinen und Goldfäden.«
2Mo 28,6 »Der Priesterschurz soll aus Goldfäden, aus violetter, purpurroter und
karmesinroter Wolle sowie aus feinem Leinen angefertigt werden, bunt und
kunstvoll gewebt.
2Mo 28,7 Er soll zwei Bänder haben, die über die Schultern gelegt und vorn und
hinten an ihm befestigt werden.
2Mo 28,8 Lass außerdem einen Gürtel weben, mit dem der Schurz zusammengebunden
wird; er soll aus den gleichen Stoffen sein: aus Goldfäden, violetter,
purpurroter und karmesinroter Wolle sowie aus feinem Leinen.
2Mo 28,9 Dann such zwei kostbare Onyx-Steine aus, und lass die Namen der zwölf
Stämme Israels darauf eingravieren:
2Mo 28,10 jeweils sechs Namen auf einen Stein, in der Reihenfolge, in der die
Stammväter geboren wurden.
2Mo 28,11 So wie man ein Siegel in Stein eingraviert, sollen die Namen der
Stämme in die Edelsteine eingraviert werden. Dann lass die Steine in Gold fassen
2Mo 28,12 und auf die Schulterstücke des Priesterschurzes aufsetzen. Wenn Aaron
in das Heiligtum geht, trägt er die Namen der Israeliten auf seinen Schultern,
und ich, der Herr, werde dann stets an sie denken.
2Mo 28,13 Lass zwei goldene Spangen schmieden,
2Mo 28,14 dazu zwei Kettchen aus reinem Gold, wie Schnüre gedreht. Die Kettchen
sollen mit den Spangen verbunden werden.«
2Mo 28,15 »Lass eine Brusttasche anfertigen; in ihr sollen die Lose aufbewahrt
werden, mit denen ihr meinen Willen erfragt. Sie soll aus den gleichen Stoffen
gewebt werden wie der Priesterschurz: aus Goldfäden, violetter, purpurroter und
karmesinroter Wolle sowie aus feinem Leinen.
2Mo 28,16 Die Tasche soll quadratisch sein, jede Seite 25 Zentimeter lang; der
Stoff muss doppelt gelegt sein.
2Mo 28,17 Lass sie mit vier Reihen goldgefasster Edelsteine besetzen. Die erste
Reihe besteht aus einem Karneol, Topas und Smaragd,
2Mo 28,18 die zweite Reihe aus einem Rubin, Saphir und Jaspis,
2Mo 28,19 die dritte Reihe aus einem Hyazinth, Achat und Amethyst,
2Mo 28,20 die vierte Reihe aus einem Türkis, Onyx und Nephrit.
2Mo 28,21 Die zwölf Steine stehen für die zwölf Stämme Israels; auf jedem Stein
soll ein Stammesname eingraviert werden, auf dieselbe Art, wie man ein Siegel
herstellt.
2Mo 28,22 An der Brusttasche sollen die goldenen, gedrehten Kettchen angebracht
werden.
2Mo 28,23 [23/24] Zur Befestigung dienen zwei goldene Ringe an den beiden oberen
Ecken der Tasche.
2Mo 28,25 Die anderen Enden der beiden Kettchen führen zu den goldenen Spangen
vorn an den Schulterbändern des Priesterschurzes.
2Mo 28,26 Auch an den unteren Ecken der Tasche sollen zwei goldene Ringe
befestigt werden, und zwar auf der Innenseite, die dem Priesterschurz zugewandt
ist.
2Mo 28,27 Zwei weitere Ringe werden mit den Schulterstücken des Priesterschurzes
verbunden, an deren unterem Ende, dicht bei dem Gürtel, der den Priesterschurz
hält.
2Mo 28,28 Die Ringe der Brusttasche sollen mit Schnüren aus violettem Purpur mit
den Ringen am Priesterschurz verbunden werden. So liegt die Brusttasche oberhalb
des Gürtels und kann nicht verrutschen.
2Mo 28,29 Wenn Aaron dann ins Heiligtum geht, trägt er die Steine mit den Namen
der Stämme Israels an seinem Herzen. So werde ich immer an mein Volk erinnert.
2Mo 28,30 In der Brusttasche sollen die beiden Lose ›Urim‹ und ›Tummim‹
aufbewahrt werden. Aaron soll sie an seinem Herzen tragen, wenn er zu mir in das
Heiligtum kommt. Mit diesen Losen soll er meinen Willen erfragen; darum soll er
sie bei sich haben, wenn er vor mich tritt.«
2Mo 28,31 »Lass ein Obergewand aus violetter Wolle weben, das der Priester unter
dem Priesterschurz tragen soll!
2Mo 28,32 Der Saum der Halsöffnung muss mit einem gewebten Kragen verstärkt
werden, damit er nicht einreißt, ähnlich wie bei einem ledernen Panzerhemd.
2Mo 28,33 [33/34] Am unteren Saum des Gewandes werden ringsum Granatäpfel aus
violettem, purpurrotem und karmesinrotem Stoff angebracht und dazwischen kleine
goldene Glöckchen, immer abwechselnd.
2Mo 28,35 Aaron soll das Gewand tragen, wenn er seinen Dienst ausübt. Man soll
das Klingeln hören, wenn er zu mir ins Heiligtum hereinkommt und wenn er wieder
hinausgeht. Dann wird er nicht sterben.«
2Mo 28,36 »Lass auch ein kleines Schild aus reinem Gold anfertigen und die Worte
eingravieren: ›Dem Herrn geweiht‹!
2Mo 28,37 Mit einer Schnur aus violettem Purpur soll es vorn am Turban befestigt
werden,
2Mo 28,38 so dass es auf Aarons Stirn liegt. Er soll es immer tragen, wenn er in
das Heiligtum geht. Wenn die Israeliten die Gaben bringen, die sie mir weihen,
und dabei Gebote übersehen und Schuld auf sich laden, dann soll Aaron mit dem
Schild auf der Stirn vor mich treten, damit ich ihre Schuld vergebe.
2Mo 28,39 Das Untergewand soll aus feinem Leinen gewebt werden, ebenfalls der
Turban. Schließlich sollst du noch den bunten Gürtel machen lassen.«
2Mo 28,40 »Auch Aarons Söhne erhalten Gewänder, Gürtel und Turbane, damit sie
würdevoll und schön aussehen.
2Mo 28,41 Leg deinem Bruder Aaron und seinen Söhnen ihre Gewänder an! Salbe sie,
indem du Öl auf ihren Kopf gießt! Setze sie so in ihr Amt ein! Sie allein sollen
mir als Priester dienen.
2Mo 28,42 Lass noch leinene Hosen für sie anfertigen, die von der Hüfte bis zu
den Oberschenkeln hinabreichen, damit sie unter ihrem Gewand nicht nackt sind.
2Mo 28,43 Aaron und seine Söhne sollen die Hosen tragen, wenn sie in das heilige
Zelt oder zum Altar kommen, um mir zu opfern. Dann werden sie keine Schuld auf
sich laden und müssen nicht sterben. Diese Ordnung gilt Aaron und seinen
Nachkommen für alle Zeiten!«
2Mo 29,1 »Wenn Aaron und seine Söhne in ihr Amt eingesetzt werden, um mir als
Priester zu dienen, sollst du Folgendes tun: Such einen jungen Stier und zwei
fehlerlose Schafböcke aus!
2Mo 29,2 Lass ungesäuertes Brot aus feinem Weizenmehl backen, Kuchen aus
ungesäuertem Teig, mit Öl vermengt, außerdem Fladenbrot, das mit Öl bestrichen
ist.
2Mo 29,3 Leg die Brote und Kuchen in einen Korb, und bring sie zusammen mit dem
Stier und den Schafböcken zum heiligen Zelt!
2Mo 29,4 Führe Aaron und seine Söhne an den Eingang des Heiligtums, und wasche
sie dort mit Wasser!
2Mo 29,5 Dann leg Aaron die Priestergewänder an: das Untergewand, das Obergewand
und den Priesterschurz mit der Brusttasche. Binde ihm den Gürtel um, der den
Priesterschurz hält,
2Mo 29,6 setz ihm den Turban auf, und befestige daran das goldene Schild.
2Mo 29,7 Nimm das Salböl, und weihe Aaron, indem du es über seinen Kopf gießt!
2Mo 29,8 Dann hol auch seine Söhne herbei, und lass sie ihre Gewänder anziehen,
2Mo 29,9 leg ihnen den Gürtel an, und binde ihnen die Turbane um! So sollst du
Aaron und seine Söhne in ihr Amt einsetzen; sie und ihre Nachkommen sollen mir
für alle Zeiten als Priester dienen.
2Mo 29,10 Dann bring den jungen Stier zum Eingang des heiligen Zeltes! Aaron und
seine Söhne sollen ihre Hände auf seinen Kopf legen.
2Mo 29,11 Schlachte den Stier am Altar vor dem Eingang zum Heiligtum.
2Mo 29,12 Fang das Blut in einer Schale auf, und streich etwas davon mit dem
Finger an die vier Hörner des Altars! Das restliche Blut sollst du an den Fuß
des Altars gießen.
2Mo 29,13 Das Fett, das die Eingeweide bedeckt, den Fettlappen über der Leber
und die beiden Nieren mit ihrem Fett sollst du auf dem Altar verbrennen.
2Mo 29,14 Das Fleisch des Stieres, sein Fell und die Innereien samt Inhalt musst
du außerhalb des Lagers verbrennen. Dieses Opfer ist ein Sündopfer.
2Mo 29,15 Danach hol den ersten Schafbock! Aaron und seine Söhne sollen wieder
die Hände auf seinen Kopf legen.
2Mo 29,16 Schlachte den Schafbock, fang das Blut in einer Schale auf, und spreng
etwas davon ringsum an den Altar!
2Mo 29,17 Zerleg den Schafbock, und wasch seine Eingeweide und Schenkel. Leg sie
zu den Fleischstücken und dem Kopf.
2Mo 29,18 Dann verbrenn den ganzen Schafbock auf dem Altar! Dies ist ein
Brandopfer, das mir, dem Herrn, geweiht ist. Über ein solches Opfer freue ich
mich.
2Mo 29,19 Danach hol den zweiten Schafbock! Auch auf seinen Kopf sollen Aaron
und seine Söhne die Hände legen.
2Mo 29,20 Schlachte den Schafbock, und fang das Blut in einer Schale auf!
Streich ein wenig davon Aaron und seinen Söhnen auf ihr rechtes Ohrläppchen, den
rechten Daumen und die rechte große Zehe. Dann spreng das Blut ringsum an den
Altar,
2Mo 29,21 vermisch einen Teil davon mit dem Salböl, und bespreng Aaron und seine
Kleider damit! Tu das Gleiche mit Aarons Söhnen und ihren Kleidern. So werden
sie mit ihren Kleidern für ihren Dienst geweiht.
2Mo 29,22 Der Schafbock ist für das Einsetzungsopfer bestimmt. Du sollst ihn
zerlegen und das Fett herauslösen: den Fettschwanz, das Fett über den
Eingeweiden, den Lappen an der Leber, die beiden Nieren und ihr Fett, dazu die
rechte Keule.
2Mo 29,23 Hol aus dem Korb am Eingang des Heiligtums ein ungesäuertes Brot,
einen Ölkuchen und einen Fladen!
2Mo 29,24 Leg das Fett, die Keule, das Brot und den Kuchen Aaron und seinen
Söhnen in die Hände; sie sollen es vor dem heiligen Zelt hin- und herschwingen
und mir, dem Herrn, weihen.
2Mo 29,25 Dann nimm alles wieder an dich, und verbrenn es auf dem Altar! Dieses
Opfer ist ein Brandopfer, das mir, dem Herrn, gefällt.
2Mo 29,26 Dann nimm das Bruststück des Schafbocks, der für Aarons Amtseinsetzung
dargebracht wird, und schwing es vor dem heiligen Zelt hin und her! Dieses Stück
ist dein Anteil.
2Mo 29,27 Jedes Mal, wenn ein Priester in sein Amt eingesetzt wird, soll das
Bruststück des Schafbocks vor dem Heiligtum hin- und hergeschwungen und die
Keule vor mir hochgehoben und so mir geweiht werden. Sie sind der Anteil, den
die Priester erhalten.
2Mo 29,28 Auch wenn die Israeliten mir künftig ihre Dankopfer darbringen,
gehören diese beiden Stücke Aaron und seinen Söhnen. Diese Ordnung gilt für alle
Zeiten!
2Mo 29,29 [29/30] Aarons heilige Gewänder sollen nach seinem Tod einem seiner
Söhne übergeben werden, und zwar dem, der das Priesteramt Aarons übernimmt und
mir im Heiligtum dient. Sieben Tage lang soll er sie tragen. Dann wird er mit Öl
gesalbt und in sein Amt eingesetzt.
2Mo 29,31 Das Fleisch des Schafbocks, der zur Einsetzung geschlachtet wurde,
musst du beim Heiligtum kochen.
2Mo 29,32 Am Eingang zum heiligen Zelt sollen Aaron und seine Söhne das Fleisch
sowie die Brote und Kuchen aus dem Korb essen.
2Mo 29,33 Außer ihnen darf niemand von diesem Fleisch essen, denn es ist heilig.
Durch das Opfer werden sie mit mir, dem Herrn, versöhnt und in ihr Amt
eingesetzt.
2Mo 29,34 Was vom Brot oder Fleisch noch bis zum nächsten Morgen übrig bleibt,
muss verbrannt werden. Es ist heilig und darf nicht mehr gegessen werden.
2Mo 29,35 Halte dich bei der Amtseinführung Aarons und seiner Söhne ganz genau
an meine Anweisungen! Die Einsetzungsfeier soll sieben Tage lang dauern!
2Mo 29,36 Jeden Tag sollst du einen jungen Stier als Sündopfer schlachten und
mit seinem Blut den Altar von aller Schuld reinigen, die auf ihm lastet.
Besprenge ihn außerdem mit Salböl, und weihe ihn so mir, dem Herrn!
2Mo 29,37 Sieben Tage lang musst du den Altar mit Blut und Salböl besprengen.
Dann wird er in besonderem Maße heilig sein, und jeder, der ihn berührt, ist
ebenfalls heilig.«
2Mo 29,38 »Lass täglich zwei einjährige Lämmer auf dem Altar verbrennen,
2Mo 29,39 eins am Morgen, das andere am Abend!
2Mo 29,40 Mit dem ersten Lamm soll ein Speiseopfer von eineinhalb Kilogramm Mehl
dargebracht werden, vermengt mit einem Liter bestem Olivenöl, dazu als
Trankopfer ein Liter Wein.
2Mo 29,41 Für das zweite Lamm, das abends verbrannt wird, sollen dieselben
Speise- und Trankopfer dargebracht werden. Ein solches Opfer gefällt mir, dem
Herrn.
2Mo 29,42 Alle künftigen Generationen sollen mir dieses Brandopfer regelmäßig am
Eingang zum heiligen Zelt darbringen. Dort werde ich euch begegnen und mit euch
reden.
2Mo 29,43 Ja, ich selbst will euch begegnen und mein Heiligtum mit meiner
Herrlichkeit erfüllen!
2Mo 29,44 Darum wird dieses Zelt heilig sein, ebenso der Altar. Auch Aaron und
seine Söhne werden durch meine Gegenwart zu heiligen Priestern, die mir dienen.
2Mo 29,45 Ich will bei euch Israeliten wohnen und euer Gott sein.
2Mo 29,46 Ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin. Ich habe euch
aus Ägypten herausgeführt, um bei euch zu wohnen. Ja, ich bin der Herr, euer
Gott!«
2Mo 30,1 »Lass einen Altar aus Akazienholz bauen, auf dem man das Räucheropfer
darbringen kann.
2Mo 30,2 Er soll quadratisch sein: einen halben Meter lang und ebenso breit.
Seine Höhe beträgt einen Meter. An den vier oberen Ecken sollen Hörner
hervorragen. Die Hörner sollen nicht aufgesetzt, sondern Teil der Seitenwände
sein.
2Mo 30,3 Die obere Platte, die Seitenwände und die vier Hörner sollen mit reinem
Gold überzogen werden, und an der Oberseite soll ringsum eine Goldleiste
verlaufen.
2Mo 30,4 Lass zwei Paar goldene Ringe schmieden, die an beiden Seiten des Altars
unterhalb der Zierleiste angebracht werden! Durch diese Ringe werden Stangen
gesteckt, damit man den Altar tragen kann.
2Mo 30,5 Lass die Stangen aus Akazienholz anfertigen und mit Gold überziehen!
2Mo 30,6 Stell den Altar im heiligen Zelt auf, vor dem Vorhang, hinter dem sich
die Bundeslade mit den Gesetzestafeln und der Deckplatte befindet, wo ich euch
begegne.
2Mo 30,7 Jeden Morgen, wenn Aaron die Lampen des Leuchters mit Öl füllt, soll er
auf dem Altar eine wohlriechende Weihrauchmischung verbrennen.
2Mo 30,8 In der Abenddämmerung, wenn er wiederum die Lampen versorgt, soll er
ebenfalls Weihrauch verbrennen. Die Räucheropfer sollen regelmäßig im Heiligtum
verbrannt werden. Dies gilt für alle Zeiten!
2Mo 30,9 Auf dem Altar dürfen nur die von mir erlaubten Duftstoffe verbrannt
werden - keine anderen! Auch Tieropfer sowie Speise- und Trankopfer dürft ihr
dort nicht darbringen.
2Mo 30,10 Einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, muss Aaron den Altar von
aller Schuld reinigen, die auf ihm lastet: Er soll etwas von dem Blut des
Opfertieres an die Hörner des Altars streichen. Auch diese Anweisung gilt für
alle künftigen Generationen. Der Altar ist in besonderem Maße heilig, er gehört
mir, dem Herrn!«
2Mo 30,11 Der Herr sagte zu Mose:
2Mo 30,12 »Wenn du die wehrfähigen Männer in Israel zählst, sollen alle
Gemusterten mir, dem Herrn, ein Lösegeld für ihr Leben geben, damit ich sie
nicht durch eine Seuche sterben lasse.
2Mo 30,13 Jeder, der bei der Musterung erfasst wird, soll ein halbes Silberstück
geben, gewogen nach dem Gewicht, das im Heiligtum gilt. Ein Silberstück wiegt
zwölf Gramm; die Abgabe für mich beträgt also sechs Gramm Silber.
2Mo 30,14 Sie muss von allen entrichtet werden, die zwanzig Jahre und älter
sind.
2Mo 30,15 Ein Reicher soll nicht mehr als ein halbes Silberstück geben und ein
Armer nicht weniger; denn es ist ein Lösegeld, das ihr für euer Leben zahlt und
das mir geweiht wird.
2Mo 30,16 Dieses Geld sollst du für den Dienst im heiligen Zelt verwenden. Dann
werde ich stets an euch Israeliten denken und euer Leben bewahren.«
2Mo 30,17 Der Herr sprach zu Mose:
2Mo 30,18 »Lass ein Gestell mit einem Becken darauf aus Bronze für die
Waschungen anfertigen! Stell es zwischen dem heiligen Zelt und dem
Brandopferaltar auf! Füll es mit Wasser,
2Mo 30,19 damit Aaron und seine Söhne sich die Hände und Füße waschen können.
2Mo 30,20 [20/21] Bevor sie das heilige Zelt betreten oder auf dem
Brandopferaltar ein Opfer darbringen, müssen sie sich die Hände und Füße
waschen, damit sie nicht sterben. Dies ist eine ewige Ordnung für Aaron und alle
seine Nachkommen.«
2Mo 30,22 Der Herr sagte zu Mose:
2Mo 30,23 »Lass dir kostbare Gewürze und Duftstoffe bringen: 6 Kilogramm Myrrhe,
3 Kilogramm wohlriechenden Zimt, 3 Kilogramm Kalmus,
2Mo 30,24 6 Kilogramm Kassia - alles gewogen nach dem Gewicht, das im Heiligtum
gilt -, dazu 5 Liter Olivenöl.
2Mo 30,25 Lass daraus ein wohlriechendes Öl zubereiten. Es soll heilig sein und
nur dann gebraucht werden, wenn ein Gegenstand oder eine Person mir geweiht
wird.
2Mo 30,26 Besprenge damit die Bundeslade und das heilige Zelt,
2Mo 30,27 den Tisch mit allen seinen Gegenständen, den Leuchter und die
Öllampen, den Räucheropferaltar,
2Mo 30,28 den Brandopferaltar mit allen Gefäßen und Werkzeugen und das
Wasserbecken mit dem Untergestell.
2Mo 30,29 So sollst du alle diese Dinge weihen. Sie werden dann besonders heilig
sein, und jeder, der sie berührt, wird heilig werden.
2Mo 30,30 Auch Aaron und seine Söhne sollst du mit dem Öl besprengen. Dadurch
werden sie heilig und können mir als Priester dienen.
2Mo 30,31 Erkläre den Israeliten, dass dieses Öl heilig ist und für immer
ausschließlich mir, dem Herrn, gehört.
2Mo 30,32 Darum darf niemand es für sich selbst oder für einen anderen Menschen
verwenden! Ihr dürft auch kein Öl für euren eigenen Gebrauch zusammenmischen,
das aus den gleichen Zutaten besteht. Dieses Öl ist heilig, und darum soll es
auch euch als heilig gelten.
2Mo 30,33 Wer dennoch ein solches Öl herstellt oder irgendeinen Menschen mit
diesem Öl salbt, muss aus meinem Volk ausgestoßen werden und sterben.«
2Mo 30,34 [34/35] Der Herr sagte zu Mose: »Besorge dir wohlriechendes Harz,
Galbanum, reinen Weihrauch und würzige Räucherklaue! Misch alles zu gleichen
Teilen zusammen, und gib etwas Salz dazu; verwende nur reine Zutaten! Von dieser
Mischung sollst du mir immer das Räucheropfer darbringen.
2Mo 30,36 Zerstoße etwas davon zu feinem Pulver, und streu es im heiligen Zelt
vor die Bundeslade, wo ich dir begegne! Diese Weihrauchmischung ist besonders
heilig.
2Mo 30,37 Ich habe sie allein für mich, den Herrn, bestimmt, und deshalb soll
sie auch euch heilig sein. Darum dürft ihr keine solche Weihrauchmischung für
euch selbst zusammenstellen.
2Mo 30,38 Wer es doch tut, um sich an dem Duft zu erfreuen, soll aus meinem Volk
ausgestoßen werden und sterben.«
2Mo 31,1 Dann sprach der Herr zu Mose:
2Mo 31,2 »Ich habe Bezalel, den Sohn Uris und Enkel Hurs vom Stamm Juda,
ausgewählt, den Bau des heiligen Zeltes zu leiten.
2Mo 31,3 Mit meinem Geist habe ich ihn erfüllt; ich habe ihm Weisheit und
Verstand gegeben und ihn befähigt, alle für den Bau erforderlichen
handwerklichen und künstlerischen Arbeiten auszuführen.
2Mo 31,4 Er kann Pläne entwerfen und nach ihnen Gegenstände aus Gold, Silber
oder Bronze anfertigen;
2Mo 31,5 er hat die Fähigkeit, Edelsteine zu schleifen und in Gold zu fassen; er
versteht sich auf das Bearbeiten von Holz und auf viele andere Arten von
Kunsthandwerk.
2Mo 31,6 Ich habe Oholiab, den Sohn Ahisamachs vom Stamm Dan, ausgesucht, ihm
bei allen Arbeiten zu helfen. Auch allen anderen Kunsthandwerkern, die am
heiligen Zelt arbeiten, habe ich Weisheit und Verstand gegeben, damit alles nach
meinem Befehl angefertigt wird:
2Mo 31,7 das heilige Zelt, die Bundeslade für die steinernen Gesetzestafeln und
ihre Deckplatte, die heiligen Gefäße und Werkzeuge, die im Zelt gebraucht
werden,
2Mo 31,8 [8/9] den Tisch für die Brote, den goldenen Leuchter, den
Räucheropferaltar und den Brandopferaltar mit allem, was zu ihnen gehört, das
Wasserbecken und sein Untergestell,
2Mo 31,10 die heilige Amtskleidung für Aaron, die Priestergewänder für seine
Söhne,
2Mo 31,11 das heilige Salböl und die wohlriechende Weihrauchmischung für das
Heiligtum. Die Kunsthandwerker sollen alles genau so anfertigen, wie ich es dir
befohlen habe.«
2Mo 31,12 Der Herr sagte zu Mose:
2Mo 31,13 »Schärfe den Israeliten ein, dass sie jeden Sabbat als Ruhetag achten!
Denn er ist ein Zeichen: Jeder soll daran erkennen, dass ich der Herr bin und
dass ich euch dazu auserwählt habe, mir allein zu dienen. Dieses Zeichen
zwischen mir und euch bleibt für alle Generationen bestehen.
2Mo 31,14 Darum achtet den Sabbat als einen heiligen Tag! Wer ihn entweiht, muss
sterben. Jeder, der am Sabbat irgendeine Arbeit verrichtet, soll aus meinem Volk
ausgestoßen und getötet werden.
2Mo 31,15 Sechs Tage könnt ihr arbeiten, aber der siebte Tag ist ein Ruhetag,
der mir, dem Herrn, geweiht ist. Wer an diesem Tag arbeitet, muss sterben.
2Mo 31,16 Alle Israeliten - heute und in allen künftigen Generationen - sollen
sich daran halten. Sie sollen den Sabbat feiern als Zeichen des Bundes, den ich
mit ihnen geschlossen habe.
2Mo 31,17 Dieses Zeichen bleibt bestehen, für alle Zeiten! Denn in sechs Tagen
habe ich, der Herr, den Himmel und die Erde geschaffen. Doch am siebten Tag habe
ich mich von meiner Arbeit ausgeruht.«
2Mo 31,18 Nachdem der Herr dies alles zu Mose gesagt hatte, übergab er ihm auf
dem Berg Sinai die Steintafeln, auf denen die Gesetze des Bundes festgehalten
waren. Gott selbst hatte alle seine Worte auf diese Tafeln geschrieben.
2Mo 32,1 Als Mose so lange Zeit nicht vom Berg herabkam, versammelten sich die
Israeliten bei Aaron und forderten ihn auf: »Mach uns eine Götterfigur, die uns
den Weg zeigt! Wer weiß, was diesem Mose zugestoßen ist, der uns aus Ägypten
herausgeführt hat!«
2Mo 32,2 Aaron schlug vor: »Eure Frauen und Kinder sollen ihre goldenen Ohrringe
abziehen und zu mir bringen!«
2Mo 32,3 Da nahmen alle Israeliten ihre Ohrringe ab und brachten sie Aaron.
2Mo 32,4 Er nahm den Schmuck entgegen, schmolz ihn ein und goss daraus ein
goldenes Kalb. Anschließend gab er ihm mit dem Meißel die endgültige Form. Als
es fertig war, schrien die Israeliten: »Das ist unser Gott, der uns aus Ägypten
befreit hat!«
2Mo 32,5 Daraufhin errichtete Aaron einen Altar vor der Götterfigur und ließ
bekannt geben: »Morgen feiern wir ein Fest zu Ehren des Herrn!«
2Mo 32,6 Am nächsten Morgen standen alle früh auf und brachten Brand- und
Dankopfer dar. Danach ließen sie sich nieder, um zu essen und zu trinken. Sie
feierten ein rauschendes, ausschweifendes Fest.
2Mo 32,7 Da sprach der Herr zu Mose: »Steig schnell hinab, denn dein Volk, das
du aus Ägypten herausgeführt hast, hat etwas Abscheuliches getan!
2Mo 32,8 Wie schnell haben sie sich von meinen Geboten abgewandt! Sie haben sich
ein goldenes Kalb gegossen, sie sind vor ihm niedergefallen, haben ihm Opfer
dargebracht und gerufen: ›Das ist unser Gott, der uns aus Ägypten befreit hat!‹
2Mo 32,9 Ich kenne dieses Volk genau und weiß, wie stur es ist.
2Mo 32,10 Versuch mich jetzt nicht aufzuhalten, denn ich will meinem Zorn freien
Lauf lassen und sie vernichten! An ihrer Stelle werde ich deine Nachkommen zu
einem großen Volk machen.«
2Mo 32,11 Doch Mose flehte: »Herr, mein Gott, du hast dein Volk aus Ägypten
befreit und dabei deine ganze Macht gezeigt! Warum willst du es jetzt im Zorn
vernichten?
2Mo 32,12 Sollen die Ägypter etwa sagen: ›Der Herr hat die Israeliten nur aus
unserem Land geholt, um sie in den Bergen zu töten und vom Erdboden verschwinden
zu lassen!‹? Sei nicht länger zornig über dein Volk! Lass das Unheil nicht über
sie hereinbrechen!
2Mo 32,13 Denk daran, dass du deinen Dienern Abraham, Isaak und Jakob bei deinem
Namen geschworen hast: ›Ich lasse eure Nachkommen so zahlreich werden wie die
Sterne am Himmel. Sie werden das Land, das ich euch versprochen habe, für immer
in Besitz nehmen!‹«
2Mo 32,14 Da lenkte der Herr ein und ließ das angedrohte Unheil nicht über sie
hereinbrechen.
2Mo 32,15 Mose wandte sich um und stieg vom Berg herab. In seinen Händen hielt
er die beiden Steintafeln mit den Gesetzen, die Gott dem Volk beim Bundesschluss
gegeben hatte. Sie waren auf beiden Seiten beschrieben.
2Mo 32,16 Gott selbst hatte die Tafeln gemacht und die Schrift eingemeißelt.
2Mo 32,17 Als Josua das Volk lärmen hörte, sagte er zu Mose: »Unten im Lager
muss ein Kampf ausgebrochen sein!«
2Mo 32,18 Mose erwiderte: »Das klingt weder wie Siegesgeschrei noch wie die
Klage nach einer Niederlage; nein, es ist ein lautes Singen!«
2Mo 32,19 Als Mose sich dem Lager näherte, sah er das Volk um das goldene Kalb
tanzen. Da packte ihn der Zorn, er schleuderte die Tafeln fort und
zerschmetterte sie am Fuß des Berges.
2Mo 32,20 Das goldene Kalb, das die Israeliten gemacht hatten, schmolz er ein
und zerrieb es zu Staub; den Staub streute er ins Wasser und gab es den
Israeliten zu trinken.
2Mo 32,21 Dann stellte er Aaron zur Rede: »Was hat dir dieses Volk getan, dass
du sie zu einer so großen Sünde verführt hast?«
2Mo 32,22 Aaron verteidigte sich: »Sei nicht zornig, mein Herr, du weißt doch
selbst, dass dieses Volk immer auf Böses aus ist!
2Mo 32,23 Sie forderten mich auf: ›Mach uns eine Götterfigur, die uns den Weg
zeigt! Wer weiß, was diesem Mose zugestoßen ist, der uns aus Ägypten
herausgeführt hat!‹
2Mo 32,24 Ich fragte sie: ›Wer hat Gold?‹ Da haben sie ihren Schmuck abgenommen
und ihn mir gegeben. Ich habe das Gold eingeschmolzen, und dabei ist dann dieses
Kalb entstanden.«
2Mo 32,25 Mose sah, dass die Israeliten jede Beherrschung verloren hatten, denn
Aaron ließ sie tun, was sie wollten. Nun hatten Israels Feinde Grund zum Spott.
2Mo 32,26 Mose stellte sich an den Eingang des Lagers und rief: »Wer noch zum
Herrn gehört, soll zu mir kommen!« Da versammelten sich alle Leviten bei ihm.
2Mo 32,27 Er sagte zu ihnen: »Der Herr, der Gott Israels, befiehlt euch: ›Legt
eure Schwerter an, und geht durch das ganze Lager, von einem Ende zum anderen.
Jeder soll seinen Bruder, seinen Freund oder Verwandten töten!‹«
2Mo 32,28 Die Leviten gehorchten, und an diesem Tag starben etwa dreitausend
Männer.
2Mo 32,29 Mose sagte zu den Leviten: »Heute seid ihr für den Dienst des Herrn
geweiht worden, denn ihr wart sogar bereit, eure eigenen Söhne und Brüder zu
töten. Darum wird der Herr euch segnen!«
2Mo 32,30 Am nächsten Tag sprach Mose zu den Israeliten: »Ihr habt große Schuld
auf euch geladen. Doch ich will noch einmal zum Herrn auf den Berg steigen;
vielleicht kann ich erreichen, dass er euch vergibt.«
2Mo 32,31 Mose ging zum Herrn zurück und sagte: »Ach, dieses Volk hat eine
schwere Sünde begangen! Einen Gott aus Gold haben sie sich gemacht!
2Mo 32,32 Bitte, vergib ihnen! Wenn du ihnen aber nicht vergeben willst, dann
streich auch mich aus deinem Buch, in dem du die Namen der Menschen
aufgeschrieben hast, die zu dir gehören.«
2Mo 32,33 Der Herr erwiderte: »Ich streiche nur den aus meinem Buch, der gegen
mich sündigt.
2Mo 32,34 Und nun geh wieder! Führe das Volk in das Land, von dem ich gesprochen
habe! Mein Engel wird vor dir hergehen. Ich werde die Israeliten für ihre Schuld
zur Rechenschaft ziehen, wenn die Zeit dazu gekommen ist.«
2Mo 32,35 Der Herr ließ eine Seuche unter den Israeliten ausbrechen, denn sie
hatten das Kalb verehrt, das Aaron gemacht hatte.
2Mo 33,1 Der Herr befahl Mose: »Verlass diesen Ort! Geh mit dem Volk, das du aus
Ägypten herausgeführt hast, in das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob
versprochen habe! Damals habe ich ihnen geschworen: ›Euren Nachkommen werde ich
das Land geben!‹
2Mo 33,2 Und nun will ich einen Engel vor euch hersenden und die Kanaaniter,
Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter vertreiben.
2Mo 33,3 Ja, zieht nur in das Land, in dem Milch und Honig fließen! Ich aber
werde nicht mit euch kommen, weil ihr ein so starrsinniges Volk seid; ich würde
euch sonst unterwegs vernichten!«
2Mo 33,4 Als die Israeliten diese harten Worte hörten, trauerten sie, und keiner
von ihnen legte mehr Schmuck an.
2Mo 33,5 Denn der Herr hatte Mose befohlen, ihnen zu sagen: »Ihr seid ein
starrsinniges Volk! Wenn ich auch nur einen Augenblick mit euch käme, würde ich
euch vernichten! Legt nun euren Schmuck ab, dann will ich entscheiden, was mit
euch geschehen soll!«
2Mo 33,6 Da legten die Israeliten am Berg Horeb ihren Schmuck ab.
2Mo 33,7 Wenn die Israeliten irgendwo ihr Lager aufschlugen, stellte Mose jedes
Mal außerhalb des Lagers ein Zelt auf. Er nannte es: »Zelt der Begegnung.« Jeder
Israelit, der den Herrn befragen wollte, musste dorthin gehen.
2Mo 33,8 Immer wenn Mose das Lager verließ und zum Zelt ging, traten alle
Israeliten an die Eingänge ihrer Zelte und blieben dort stehen. Sie schauten
Mose nach, bis er im Zelt der Begegnung verschwunden war.
2Mo 33,9 Kaum hatte Mose es betreten, kam die Wolkensäule herab und blieb über
dem Eingang stehen, während der Herr mit Mose sprach.
2Mo 33,10 Sobald die Israeliten die Wolkensäule beim Zelteingang sahen, standen
sie auf und warfen sich vor ihren Zelten nieder.
2Mo 33,11 Der Herr sprach mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie Freunde
miteinander reden. Danach kehrte Mose wieder ins Lager zurück. Doch sein junger
Diener Josua, der Sohn Nuns, verließ das Zelt der Begegnung nicht.
2Mo 33,12 Mose sagte zum Herrn: »Du befiehlst mir, dieses Volk nach Kanaan zu
bringen, aber du hast mir noch nicht gezeigt, wen du mit mir senden willst. Du
hast gesagt, dass du mich ganz genau kennst und ich deine Gunst gefunden habe.
2Mo 33,13 Wenn du nun wirklich mit mir bist, dann lass mich deine Pläne
erkennen! Ich möchte dich besser verstehen und weiter deine Hilfe erfahren.
Denke doch daran: Dieses Volk ist dein Volk!«
2Mo 33,14 Der Herr antwortete: »Ich selbst werde dir vorangehen und dich in ein
Land bringen, in dem du in Frieden leben kannst!«
2Mo 33,15 Mose erwiderte: »Wenn du nicht selbst voranziehst, dann schick uns
nicht von hier fort!
2Mo 33,16 Woran soll man denn erkennen, dass du zu mir und diesem Volk hältst?
Doch nur daran, dass du mit uns gehst! Was sonst sollte uns unterscheiden von
allen Völkern auf der Erde?«
2Mo 33,17 Der Herr antwortete Mose: »Auch diesen Wunsch, den du gerade
ausgesprochen hast, will ich erfüllen, denn ich habe dich gnädig angenommen und
kenne dich ganz genau!«
2Mo 33,18 Mose bat: »Lass mich dich in deiner Herrlichkeit sehen!«
2Mo 33,19 Der Herr erwiderte: »Ich will an dir vorüberziehen, damit du sehen
kannst, wie gütig und barmherzig ich bin. Meinen eigenen Namen ›der Herr‹ werde
ich vor dir aussprechen. Ich erweise meine Güte, wem ich will. Und über wen ich
mich erbarmen will, über den werde ich mich erbarmen.
2Mo 33,20 Mein Gesicht darfst du nicht sehen, denn kein Mensch, der mich gesehen
hat, bleibt am Leben!
2Mo 33,21 Aber du kannst hier bei mir auf dem Felsen stehen.
2Mo 33,22 Wenn ich dann in meiner Herrlichkeit vorüberziehe, stelle ich dich in
eine Felsspalte und halte meine Hand schützend über dich, bis ich
vorübergegangen bin.
2Mo 33,23 Dann ziehe ich meine Hand zurück, und du kannst mir hinterherschauen;
mein Gesicht aber darf niemand sehen!«
2Mo 34,1 Der Herr befahl Mose: »Meißle dir zwei Steintafeln zurecht wie die
ersten beiden, die du zerschmettert hast! Dann will ich noch einmal dieselben
Worte darauf schreiben.
2Mo 34,2 Mach dich bereit, morgen früh auf den Berg Sinai zu steigen! Stell dich
dort auf dem Gipfel vor mich hin!
2Mo 34,3 Keiner darf dich begleiten, auf dem ganzen Berg darf sich niemand sonst
sehen lassen. Auch keine Schafe, Ziegen oder Rinder dürfen am Fuß des Berges
weiden.«
2Mo 34,4 Mose fertigte zwei neue Steintafeln an, die wie die ersten aussahen.
Früh am Morgen stand er auf und stieg auf den Berg Sinai, wie der Herr es ihm
befohlen hatte. In seinen Händen hielt er die beiden Steintafeln.
2Mo 34,5 Da kam der Herr in der Wolke herab, trat zu Mose und rief seinen Namen
»der Herr« aus.
2Mo 34,6 Er zog an Mose vorüber und rief: »Ich bin der Herr, der barmherzige und
gnädige Gott. Meine Geduld ist groß, meine Liebe und Treue kennen kein Ende!
2Mo 34,7 Ich lasse Menschen meine Liebe erfahren über Tausende von Generationen.
Ich vergebe die Schuld und die Bosheit derer, die sich gegen mich aufgelehnt
haben, doch ich strafe auch. Wenn jemand mich verachtet, dann muss er die Folgen
tragen, und nicht nur er, sondern auch seine Kinder, Enkel und Urenkel!«
2Mo 34,8 Schnell warf Mose sich zu Boden und betete den Herrn an:
2Mo 34,9 »Herr, wenn ich wirklich in deiner Gunst stehe, dann zieh bitte mit
uns, obwohl dieses Volk so starrsinnig ist! Vergib uns unsere Schuld, und lass
uns wieder zu dir gehören!«
2Mo 34,10 Der Herr antwortete: »Ich schließe einen Bund mit euch. Vor den Augen
deines ganzen Volkes will ich Wunder vollbringen, wie sie bisher bei keinem Volk
auf der Welt geschehen sind. Wenn die Israeliten sehen, was ich mit dir tue,
werden sie große Ehrfurcht vor mir haben!
2Mo 34,11 Merkt euch genau, was ich euch heute befehle! Ich werde die Amoriter,
Kanaaniter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter vertreiben und euch ihr
Gebiet geben.
2Mo 34,12 Schließt keinen Bund mit den Bewohnern des Landes, in das ihr kommt!
Ihr geratet sonst durch sie in eine tödliche Falle.
2Mo 34,13 Reißt ihre Altäre nieder, zertrümmert ihre heiligen Steinsäulen, und
schlagt die Pfähle ihrer Göttin Aschera um!
2Mo 34,14 Betet keinen anderen Gott an, denn ich, der Herr, dulde keinen neben
mir! Ihr sollt mir allein gehören.
2Mo 34,15 Schließt niemals einen Bund mit den Bewohnern des Landes! Denn sie
haben sich ihren Götzen an den Hals geworfen und bringen ihnen Opfer dar. Sie
könnten euch einladen, an ihren Opfermahlzeiten teilzunehmen.
2Mo 34,16 Ihr würdet vielleicht eure Söhne mit ihren Töchtern verheiraten, und
diese Frauen würden eure Söhne dazu verführen, den anderen Göttern nachzulaufen.
2Mo 34,17 Gießt euch keine Götterfiguren aus Metall!«
2Mo 34,18 »Feiert das Fest der ungesäuerten Brote! Sieben Tage im Monat Abib
sollt ihr ungesäuertes Brot essen, wie ich es euch befohlen habe. Denn in diesem
Monat seid ihr aus Ägypten fortgezogen.
2Mo 34,19 Eure ältesten Söhne sollt ihr mir weihen, ebenso jedes männliche Tier,
das zuerst geboren wird - ob Rind, Schaf oder Ziege.
2Mo 34,20 Anstelle jedes zuerst geborenen Esels sollt ihr ein Lamm opfern und
ihn so auslösen. Wollt ihr dies nicht, dann brecht dem jungen Esel das Genick.
Eure ältesten Söhne aber müsst ihr auf jeden Fall auslösen. Zum Fest soll keiner
mit leeren Händen zu meinem Heiligtum kommen!
2Mo 34,21 Ihr sollt sechs Tage arbeiten und am siebten Tag ruhen! Das gilt auch
für die Zeit, in der ihr pflügt und erntet.
2Mo 34,22 Feiert das Erntefest, wenn ihr den ersten Weizen einbringt, und
schließlich das Fest der Wein- und Obsternte am Ende des Jahres!
2Mo 34,23 Dreimal im Jahr sollen sich alle Männer Israels vor mir, dem Herrn,
eurem Gott, versammeln.
2Mo 34,24 Ich will ganze Völker vertreiben und euer Gebiet immer größer werden
lassen. Niemand wird in euer Land einfallen, während ihr dreimal jährlich zum
Heiligtum kommt, um mir, dem Herrn, eurem Gott, zu begegnen.
2Mo 34,25 Wenn ihr ein Tier schlachtet und opfert, dürft ihr sein Blut nicht
zusammen mit Brot darbringen, das Sauerteig enthält! Vom Fleisch der Tiere, die
ihr am Passahfest opfert, darf nichts bis zum nächsten Morgen übrig bleiben.
2Mo 34,26 Bringt das Beste vom Ertrag eurer Felder als Gabe in mein Heiligtum!
Kocht ein Ziegenböckchen nicht in der Milch seiner Mutter!«
2Mo 34,27 Der Herr befahl Mose: »Schreib alles auf, was ich dir gesagt habe,
denn es ist die Grundlage für den Bund, den ich mit dir und den Israeliten
schließe!«
2Mo 34,28 Vierzig Tage und Nächte blieb Mose auf dem Berg in der Gegenwart des
Herrn. Während dieser Zeit aß und trank er nichts. Er schrieb auf die
Steintafeln die Zehn Gebote, auf die sich der Bund des Herrn mit den Israeliten
gründete.
2Mo 34,29 Als Mose mit den beiden Tafeln in der Hand vom Berg Sinai herabstieg,
lag ein Glanz auf seinem Gesicht, denn er hatte mit dem Herrn gesprochen; Mose
selbst merkte nichts davon.
2Mo 34,30 Aaron und die anderen Israeliten aber sahen sein leuchtendes Gesicht
und fürchteten sich, in seine Nähe zu kommen.
2Mo 34,31 Doch Mose rief sie zu sich. Da traten Aaron und die führenden Männer
des Volkes zu ihm, und Mose redete mit ihnen.
2Mo 34,32 Danach kamen auch die anderen Israeliten, und Mose gab ihnen alle
Gebote weiter, die ihm der Herr auf dem Berg Sinai mitgeteilt hatte.
2Mo 34,33 Als Mose ihnen alles gesagt hatte, verhüllte er sein Gesicht mit einem
Tuch.
2Mo 34,34 Immer wenn Mose ins Zelt der Begegnung ging, um mit dem Herrn zu
reden, nahm er das Tuch ab, bis er das Zelt wieder verließ. Draußen teilte er
den Israeliten mit, was ihm der Herr aufgetragen hatte,
2Mo 34,35 und sie sahen den Glanz auf seinem Gesicht. Dann verhüllte er sich
wieder mit dem Tuch, bis er das nächste Mal das Lager verließ, um mit dem Herrn
zu reden.
2Mo 35,1 Mose versammelte alle Israeliten und sagte zu ihnen: »Der Herr hat euch
befohlen:
2Mo 35,2 Sechs Tage sollt ihr eure Arbeit verrichten, aber den siebten Tag sollt
ihr als einen heiligen Tag achten. Er ist der Sabbat, der Ruhetag, der allein
dem Herrn geweiht ist. Wer am Sabbat arbeitet, muss sterben!
2Mo 35,3 An diesem Tag dürft ihr noch nicht einmal ein Feuer anzünden, wo auch
immer ihr lebt!«
2Mo 35,4 Mose sagte zu den Israeliten: »Der Herr hat uns befohlen,
2Mo 35,5 eine Abgabe für ihn zu entrichten. Jeder, der es gerne tut, soll etwas
geben: Gold, Silber und Bronze,
2Mo 35,6 violette, purpurrote und karmesinrote Wolle, feines Leinen, Ziegenhaar,
2Mo 35,7 rot gefärbte Felle von Schafböcken, Tachasch-Leder, Akazienholz,
2Mo 35,8 Öl für den Leuchter, wohlriechende Gewürze für das Salböl und die
Weihrauchmischung,
2Mo 35,9 Onyx und andere Edelsteine, die auf dem Schurz und der Brusttasche des
Priesters eingesetzt werden sollen.
2Mo 35,10 Wer von euch dazu begabt ist, soll mitarbeiten, damit wir alles
anfertigen können, was der Herr uns aufgetragen hat:
2Mo 35,11 das heilige Zelt mit seinen verschiedenen Dächern, Haken, Platten,
Querbalken, Säulen und Sockeln,
2Mo 35,12 die Bundeslade mit den Tragstangen, die Deckplatte und den Vorhang vor
der Bundeslade,
2Mo 35,13 den Tisch für die Gott geweihten Brote mit seinen Tragstangen und
allem, was dazugehört,
2Mo 35,14 den Leuchter mit seinen Gefäßen und Werkzeugen, die Lampen und das Öl,
2Mo 35,15 den Räucheropferaltar mit den Tragstangen, das Salböl, die
Weihrauchmischung, den Vorhang für den Eingang zum heiligen Zelt,
2Mo 35,16 den Brandopferaltar mit seinem Bronzegitter, seinen Tragstangen und
allen Gefäßen und Werkzeugen, das Wasserbecken und sein Untergestell,
2Mo 35,17 die Vorhänge, die den Vorhof abgrenzen, mit ihren Pfosten und Sockeln,
den Vorhang für den Eingang zum Vorhof,
2Mo 35,18 die Pflöcke und Seile für das heilige Zelt und für die Abgrenzung des
Vorhofs
2Mo 35,19 sowie die gewobenen Priestergewänder für den Dienst im Heiligtum, die
Aaron und seine Söhne tragen sollen.«
2Mo 35,20 Daraufhin gingen die Israeliten wieder auseinander.
2Mo 35,21 Alle, die gern etwas geben wollten, kamen mit einer Opfergabe für das
heilige Zelt, seine Ausstattung und die Priestergewänder.
2Mo 35,22 Männer und Frauen holten bereitwillig ihre Spangen, Ohrringe, Ringe,
Halsketten und anderen Goldschmuck als Gabe für den Herrn.
2Mo 35,23 Wer violette, purpurrote und karmesinrote Wolle besaß, feines Leinen,
Ziegenhaar, rot gefärbte Felle von Schafböcken oder Tachasch-Leder , der brachte
es ebenfalls zu Mose.
2Mo 35,24 Auch Silber, Bronze und Akazienholz wurden als Gabe für das Heiligtum
gespendet.
2Mo 35,25 [25/26] Alle Frauen, die dazu begabt waren, spannen Ziegenhaarfäden,
Leinenfäden und Wolle, die mit violettem und rotem Purpur oder mit Karmesin
gefärbt war.
2Mo 35,27 Die führenden Männer des Volkes brachten Onyx und andere Edelsteine
für den Schurz und die Brusttasche des Priesters,
2Mo 35,28 außerdem Balsamöl und Olivenöl für den Leuchter, für das Salböl und
die Weihrauchmischung.
2Mo 35,29 So kamen die israelitischen Männer und Frauen mit ihren freiwilligen
Gaben für den Herrn herbei. Sie alle wollten etwas zum Bau des Heiligtums
beitragen. Der Herr hatte sie durch Mose dazu aufgefordert.
2Mo 35,30 Mose sagte zu den Israeliten: »Hört mir genau zu! Der Herr hat
Bezalel, den Sohn Uris und Enkel Hurs vom Stamm Juda, ausgewählt, den Bau des
heiligen Zeltes zu leiten.
2Mo 35,31 Er hat ihn mit seinem Geist erfüllt und ihm Weisheit und Verstand
gegeben; er hat ihn befähigt, alle für den Bau erforderlichen handwerklichen und
künstlerischen Arbeiten auszuführen.
2Mo 35,32 Bezalel kann Pläne entwerfen und nach ihnen Gegenstände aus Gold,
Silber oder Bronze anfertigen;
2Mo 35,33 er hat die Fähigkeit, Edelsteine zu schleifen und in Gold zu fassen;
er versteht sich auf das Bearbeiten von Holz und auf viele andere Arten von
Kunsthandwerk.
2Mo 35,34 Der Herr hat ihn und Oholiab, den Sohn Ahisamachs vom Stamm Dan, dazu
begabt, andere anzuleiten.
2Mo 35,35 Er hat die beiden mit Weisheit erfüllt und sie fähig gemacht, alle
Arbeiten eines Kunsthandwerkers, Stickers oder Buntwebers auszuführen. Sie
können mit violettem, purpurrotem und karmesinrotem Stoff und mit feinem Leinen
umgehen, sie können weben und auch alles selbst entwerfen und ausführen.
2Mo 36,1 Bezalel, Oholiab und die anderen Kunsthandwerker, denen der Herr
Weisheit und Verstand für den Bau des Heiligtums gegeben hat, sollen alles genau
so machen, wie es der Herr befohlen hat!«
2Mo 36,2 Mose rief Bezalel, Oholiab und alle anderen Kunsthandwerker zu sich,
denen Gott Weisheit und Geschick gegeben hatte. Sie waren bereit, ans Werk zu
gehen,
2Mo 36,3 und nahmen von Mose entgegen, was das Volk für den Bau des Heiligtums
herbeigebracht hatte. Morgen für Morgen kamen die Israeliten mit weiteren
freiwilligen Gaben.
2Mo 36,4 Da ließen die Kunsthandwerker, die das Heiligtum errichten sollten,
ihre Arbeit liegen,
2Mo 36,5 gingen zu Mose und sagten: »Die Leute bringen zu viel! Wir haben mehr
als genug Material für die Arbeit, die der Herr uns aufgetragen hat.«
2Mo 36,6 Mose ließ im ganzen Lager ausrufen: »Ihr Männer und Frauen, ihr braucht
nichts mehr für den Bau des Heiligtums herzubringen!« Da brachten die Israeliten
keine weiteren Gaben.
2Mo 36,7 Denn es war bereits mehr als genug Material für die Arbeiten vorhanden,
die getan werden mussten.
2Mo 36,8 Die Kunsthandwerker fertigten das heilige Zelt an: Unter der Leitung
von Bezalel webten sie zehn Bahnen Zelttuch und verwendeten dazu violette,
purpurrote und karmesinrote Wolle sowie feines Leinen. Auf die Zeltbahnen
stickten sie Engelfiguren.
2Mo 36,9 Die einzelnen Bahnen waren 14 Meter lang und 2 Meter breit.
2Mo 36,10 Jeweils fünf von ihnen wurden an den Längsseiten aneinander genäht, so
dass zwei große Zeltdecken entstanden.
2Mo 36,11 Um diese beiden Decken verbinden zu können, ließ Bezalel an einer
Längsseite jeder Decke 50 Schlaufen aus violett gefärbter Wolle anbringen,
2Mo 36,12 also 50 Schlaufen an der einen und ebenso viele an der anderen
Zeltdecke. Die Decken wurden so aneinander gelegt, dass die Schlaufen einander
gegenüberstanden.
2Mo 36,13 Dann schmiedete Bezalel 50 goldene Haken, die jeweils zwei
gegenüberliegende Schlaufen verbanden und so die beiden Decken zu einem Stück
zusammenfügten.
2Mo 36,14 [14/15] Außerdem ließ er elf Zeltbahnen aus Ziegenhaar weben, 15 Meter
lang und 2 Meter breit. Sie sollten als Dach über das erste Zelt gelegt werden.
2Mo 36,16 Fünf dieser Bahnen wurden an den Längsseiten zu einem Stück verbunden,
die übrigen sechs zu einem zweiten.
2Mo 36,17 Um die beiden Zeltstücke verbinden zu können, brachte Bezalel jeweils
an einer Längsseite 50 Schlaufen aus violett gefärbter Wolle an.
2Mo 36,18 Er stellte 50 Bronzehaken her und fügte mit ihnen die beiden
Zeltstücke zu einem zusammen.
2Mo 36,19 Als Schutz für die beiden Zeltdecken ließ er ein Dach aus rot
gefärbten Fellen von Schafböcken nähen. Über dieses Felldach wurde noch eine
Schutzdecke aus Tachasch-Leder gespannt.
2Mo 36,20 Als Nächstes ließ Bezalel Platten aus Akazienholz zusägen, die als
Wände für das Zelt dienen sollten.
2Mo 36,21 Jede Platte war fünf Meter lang und einen drei viertel Meter breit.
2Mo 36,22 Alle Platten hatten an der kurzen Seite zwei Zapfen, die parallel
angeordnet waren.
2Mo 36,23 Für die südliche Längsseite des Zeltes wurden 20 Platten angefertigt,
2Mo 36,24 dazu 40 silberne Sockel, auf denen die Platten stehen sollten. Zwei
Sockel gehörten unter jede Platte, für jeden Zapfen einer.
2Mo 36,25 Für die nördliche Längsseite des Zeltes ließ Bezalel ebenfalls 20
Platten fertigen
2Mo 36,26 und 40 silberne Sockel gießen, auf denen die Platten stehen sollten,
je zwei Sockel unter jeder Platte.
2Mo 36,27 Für die schmale Rückseite im Westen wurden 6 Platten gefertigt
2Mo 36,28 [28/29] und 2 weitere Wandteile für die Ecken an der Rückseite des
Zeltes. Sie waren auf ganzer Länge gewinkelt und an ihrem oberen Ende durch
einen Ring befestigt, um so die Eckkonstruktion der Wände zu bilden.
2Mo 36,30 Die Rückseite bestand also insgesamt aus 8 Platten mit 16 silbernen
Sockeln, jeweils zwei Sockel unter einer Platte.
2Mo 36,31 [31/32] Nun fertigte Bezalel Querbalken aus Akazienholz an, jeweils
fünf Stück für jede Längsseite und die westliche Querseite. Diese Balken sollten
die aufrecht stehenden Platten zusammenhalten.
2Mo 36,33 Der mittlere Balken verlief genau auf halber Höhe an der ganzen Wand
entlang.
2Mo 36,34 Alle Platten und Querbalken wurden vollständig mit Gold überzogen.
Schließlich schmiedete Bezalel noch die goldenen Ringe, die in den Platten
verankert werden sollten. Durch sie wurden später die Querbalken gesteckt.
2Mo 36,35 Bezalel ließ einen Vorhang weben aus violetter, purpurroter und
karmesinroter Wolle und feinem Leinen, kunstvoll verziert mit Engelfiguren.
2Mo 36,36 Dann wurden unter seiner Leitung für den Vorhang vier Säulen aus
Akazienholz angefertigt, außerdem goldene Haken und silberne Sockel. Die Säulen
wurden mit Gold überzogen.
2Mo 36,37 Einen weiteren Vorhang ließ Bezalel für den Zelteingang herstellen,
ebenfalls aus violetter, purpurroter und karmesinroter Wolle sowie aus feinem
Leinen, bunt und kunstvoll gewebt.
2Mo 36,38 Der Vorhang wurde mit Haken an fünf Akazienholzsäulen befestigt, deren
Kapitelle und Verbindungsstangen mit Gold überzogen waren. Sie standen auf
bronzenen Sockeln.
2Mo 37,1 Bezalel fertigte einen Kasten aus Akazienholz an, eineinviertel Meter
lang, einen drei viertel Meter breit und ebenso hoch.
2Mo 37,2 Innen und außen überzog er ihn mit reinem Gold und brachte auf der
Oberseite ringsum eine goldene Zierleiste an.
2Mo 37,3 Dann goss er vier Ringe aus massivem Gold und befestigte sie an den
vier unteren Ecken des Kastens, je zwei Ringe an jeder Längsseite.
2Mo 37,4 Außerdem fertigte er Tragstangen aus Akazienholz an und überzog sie mit
reinem Gold.
2Mo 37,5 Sie wurden durch die Ringe an den Längsseiten des Kastens gesteckt,
damit man ihn daran tragen konnte.
2Mo 37,6 Bezalel stellte auch die Deckplatte aus reinem Gold für den Kasten her,
eineinviertel Meter lang und einen drei viertel Meter breit.
2Mo 37,7 [7/8] Er schmiedete zwei Engelfiguren aus massivem Gold, die an den
beiden Enden der Deckplatte stehen sollten. Die Platte und die beiden Engel
waren aus einem Stück gearbeitet.
2Mo 37,9 Die Engel breiteten ihre Flügel nach oben aus und beschirmten die
Deckplatte, ihre Gesichter waren einander zugewandt.
2Mo 37,10 Als Nächstes fertigte Bezalel einen Tisch aus Akazienholz an: einen
Meter lang, einen halben Meter breit und einen drei viertel Meter hoch.
2Mo 37,11 Er überzog ihn mit reinem Gold und brachte ringsum eine goldene
Zierleiste an.
2Mo 37,12 An die Tischplatte setzte er eine 8 Zentimeter hohe Umrandung aus
Gold, die auch ringsum mit einer goldenen Leiste verziert war.
2Mo 37,13 Nun goss er vier Ringe aus massivem Gold und brachte sie an den vier
Seiten an, wo die Tischbeine anfingen.
2Mo 37,14 Er befestigte sie unterhalb der Goldumrandung. Die Ringe sollten die
Stangen halten, mit denen man den Tisch trug.
2Mo 37,15 Auch die Stangen fertigte Bezalel aus Akazienholz an und überzog sie
mit Gold.
2Mo 37,16 Schließlich stellte er noch die Gefäße her, die auf dem Tisch stehen
sollten: die Schüsseln, Schalen, Opferschalen und Kannen, alle ebenfalls aus
reinem Gold. Sie sollten beim Trankopfer verwendet werden.
2Mo 37,17 Dann fertigte Bezalel den Leuchter aus reinem Gold an. Fuß und Schaft
waren geschmiedet, und aus dem Schaft gingen Kelche - Knospen und Blüten -
hervor, ebenfalls aus massivem Gold.
2Mo 37,18 Vom Schaft gingen sechs Seitenarme aus, drei nach jeder Seite.
2Mo 37,19 Jeder Arm war mit drei Kelchen verziert, die wie Knospen und Blüten
des Mandelbaumes aussahen,
2Mo 37,20 der Schaft selbst mit vier Kelchen.
2Mo 37,21 Drei davon waren jeweils unter den Ansätzen der Seitenarme angebracht.
2Mo 37,22 Die Seitenarme und Kelche waren wie der ganze Leuchter aus einem Stück
reinem Gold geschmiedet.
2Mo 37,23 Aus reinem Gold fertigte Bezalel auch die sieben Lampen, die
Dochtscheren und die Schalen für das Öl an.
2Mo 37,24 Für diese Gegenstände und den Leuchter brauchte er 36 Kilogramm Gold.
2Mo 37,25 Nun baute Bezalel den Räucheropferaltar aus Akazienholz. Der Altar war
quadratisch: einen halben Meter lang und ebenso breit. Seine Höhe betrug einen
Meter. An den vier oberen Ecken ragten Hörner hervor. Sie waren nicht
aufgesetzt, sondern Teil der Seitenwände.
2Mo 37,26 Die obere Platte, die Seitenwände und die vier Hörner überzog Bezalel
mit reinem Gold, und an der Oberseite brachte er ringsum eine Goldleiste an.
2Mo 37,27 Er schmiedete zwei Paar goldene Ringe und befestigte sie an beiden
Seiten des Altars unterhalb der Zierleiste. Durch diese Ringe wurden Stangen
gesteckt, damit man den Altar tragen konnte.
2Mo 37,28 Die Stangen wurden aus Akazienholz angefertigt und mit Gold überzogen.
2Mo 37,29 Bezalel bereitete auch die wohlriechende Weihrauchmischung für das
Räucheropfer zu sowie das Salböl, das gebraucht wurde, wenn ein Gegenstand oder
eine Person dem Herrn geweiht wurde.
2Mo 38,1 Bezalel fertigte den Brandopferaltar aus Akazienholz an; der Altar war
quadratisch: zweieinhalb Meter lang und ebenso breit. Die Höhe betrug eineinhalb
Meter.
2Mo 38,2 An den vier oberen Ecken ragten Hörner hervor. Sie waren nicht
aufgesetzt, sondern Teil der Seitenwände. Der ganze Altar wurde mit Bronze
überzogen.
2Mo 38,3 Auch die dazugehörigen Gefäße und Werkzeuge ließ Bezalel aus Bronze
herstellen: die Aschenkübel, Schaufeln, Fleischgabeln, Feuerbecken und Schalen
zum Auffangen des Blutes.
2Mo 38,4 Er fertigte einen Gitterrahmen aus Bronze an, der unter dem Altar
befestigt wurde und ihn ringsum bis zur halben Höhe umschloss.
2Mo 38,5 Dann goss er vier bronzene Ringe und brachte sie jeweils an den vier
Ecken des Gitters an. Sie sollten als Halterung für die Tragstangen dienen.
2Mo 38,6 Die Stangen fertigte Bezalel aus Akazienholz und überzog sie mit
Bronze.
2Mo 38,7 Er steckte sie durch die Ringe an den Seiten des Altars, damit man den
Altar tragen konnte. Der Brandopferaltar war ganz aus Holz, aber innen hohl.
2Mo 38,8 Bezalel fertigte auch das Wasserbecken mit seinem Gestell aus Bronze
an. Dazu verwendete er die Bronze aus den Spiegeln der Frauen, die am Eingang
des Zeltes der Begegnung ihren Dienst taten.
2Mo 38,9 Dann ließ Bezalel die Vorhänge aus feinem Leinen nähen, die als
Abgrenzung des Vorhofs dienen sollten. Die Abgrenzung an der Südseite sollte 50
Meter lang werden.
2Mo 38,10 Außerdem wurden silberne Haken und Stangen angefertigt sowie 20
Holzpfosten mit Bronzesockeln, an denen die Vorhänge befestigt werden sollten.
2Mo 38,11 Für die 50 Meter lange Nordseite wurden die gleichen Vorhänge,
silberne Haken und Stangen sowie 20 Holzpfosten mit Bronzesockeln hergestellt.
2Mo 38,12 Für die Westseite des Vorhofs ließ Bezalel Vorhänge mit insgesamt 25
Metern Breite nähen, hinzu kamen 10 Holzpfosten und ebenso viele Bronzesockel
sowie die dazugehörigen silbernen Haken und Stangen.
2Mo 38,13 Auch auf der Ostseite, in Richtung Sonnenaufgang, wurden Vorhänge für
eine Breite von 25 Metern benötigt.
2Mo 38,14 [14/15] Links und rechts vom Eingang im Osten sollten die Vorhänge auf
einer Breite von je 7,5 Metern an jeweils drei Holzpfosten hängen, die auf
Bronzesockeln standen.
2Mo 38,16 Für alle diese Vorhänge wurde feines Leinen verwendet,
2Mo 38,17 die Pfosten standen auf Sockeln aus Bronze, und die Vorhänge waren mit
silbernen Haken und Stangen an den Pfosten befestigt. Auch die Kapitelle der
Pfosten waren mit Silber überzogen.
2Mo 38,18 Für den Eingang selbst ließ Bezalel einen 10 Meter breiten Vorhang
machen, bunt und kunstvoll gewebt aus violetter, purpurroter und karmesinroter
Wolle und feinem Leinen. Wie die anderen Vorhänge des Vorhofs war er 2,5 Meter
hoch.
2Mo 38,19 Für ihn wurden vier Holzpfosten mit Bronzesockeln sowie silberne Haken
und Stangen angefertigt. Das obere Ende dieser Pfosten war mit Silber überzogen.
2Mo 38,20 Die Pflöcke für das heilige Zelt und für die Vorhänge des Vorhofs ließ
Bezalel aus Bronze herstellen.
2Mo 38,21 Es folgt eine Liste des Materials, das für den Bau des Heiligtums
verwendet wurde. Mose hatte den Priester Itamar, den Sohn Aarons, beauftragt,
die Liste zusammen mit den Leviten aufzustellen.
2Mo 38,22 Bezalel, der Sohn Uris und Enkel Hurs vom Stamm Juda, hatte alle
Arbeiten so ausgeführt, wie der Herr es befohlen hatte,
2Mo 38,23 und Oholiab, der Sohn Ahisamachs vom Stamm Dan, hatte ihn dabei
unterstützt. Oholiab war ein Kunsthandwerker, der sticken und weben konnte. Er
verarbeitete violetten, purpurroten und karmesinroten Stoff und feines Leinen.
2Mo 38,24 Das Gold aus den freiwilligen Opfergaben, das zur Arbeit am Heiligtum
verwendet wurde, wog etwa 1000 Kilogramm, nach dem Gewicht, das im Heiligtum
gilt.
2Mo 38,25 Das Silber war durch eine Abgabe zusammengekommen, die jeder
gemusterte Israelit zu entrichten hatte. Es wog rund 3620 Kilogramm, nach dem
Gewicht, das im Heiligtum gilt.
2Mo 38,26 Alle wehrfähigen Männer, die zwanzig Jahre und älter waren, mussten
ein halbes Silberstück geben; insgesamt waren es 603550 Männer.
2Mo 38,27 Aus dem Silber wurden 100 Sockel für die Wandplatten und für die
Säulen des heiligen Zeltes gegossen, an denen die Vorhänge befestigt wurden;
jeder Sockel wog 36 Kilogramm.
2Mo 38,28 Aus den restlichen 20 Kilogramm Silber wurden die Haken und Stangen
für die Vorhangpfosten des Vorhofs gegossen und die Kapitelle der Pfosten
versilbert.
2Mo 38,29 Die Bronze, die durch die freiwilligen Gaben zusammenkam, wog etwa
2550 Kilogramm.
2Mo 38,30 Daraus ließ Bezalel die Sockel für den Eingang des heiligen Zeltes
herstellen, den Brandopferaltar mit seinem Gitterrahmen und den dazugehörigen
Gefäßen und Werkzeugen,
2Mo 38,31 die Sockel für die Abgrenzung des Vorhofs, die Sockel für den Eingang
zum Vorhof sowie alle Pflöcke für das heilige Zelt und für die Vorhänge des
Vorhofs.
2Mo 39,1 Aus violetter, purpurroter und karmesinroter Wolle fertigten die
Kunsthandwerker die bunt gewebten, heiligen Gewänder an, die Aaron beim Dienst
im Heiligtum tragen sollte. Sie hielten sich dabei an alle Weisungen, die Mose
vom Herrn empfangen hatte.
2Mo 39,2 Den Priesterschurz webten sie aus Goldfäden, aus violetter, purpurroter
und karmesinroter Wolle und feinem Leinen.
2Mo 39,3 Sie hämmerten Goldbleche zurecht, zerschnitten sie zu Fäden und
arbeiteten die Fäden in den violetten, purpurroten und karmesinroten Stoff und
in das Leinen ein.
2Mo 39,4 Dann fertigten sie zwei Bänder an, die über die Schultern gelegt und
vorn und hinten am Schurz befestigt werden konnten.
2Mo 39,5 Der Gürtel, mit dem der Schurz zusammengebunden wurde, war aus den
gleichen Stoffen gewebt: aus Goldfäden, violetter, purpurroter und karmesinroter
Wolle sowie aus feinem Leinen. So hatte der Herr es Mose befohlen.
2Mo 39,6 Als Nächstes fassten sie zwei Onyx-Steine in Gold und gravierten die
Namen der zwölf Stämme Israels ein, so wie man ein Siegel in Stein eingraviert.
2Mo 39,7 Die Steine wurden auf die Schulterstücke des Priesterschurzes
aufgesetzt und sollten den Herrn an sein Volk Israel erinnern. So hatte der Herr
es Mose befohlen.
2Mo 39,8 Dann fertigten die Kunsthandwerker die Brusttasche an. Sie war aus
denselben Stoffen gemacht wie der Priesterschurz: aus Goldfäden, violetter,
purpurroter und karmesinroter Wolle sowie aus feinem Leinen.
2Mo 39,9 Die Tasche war quadratisch, jede Seite 25 Zentimeter lang, und der
Stoff war doppelt gelegt.
2Mo 39,10 Die Kunsthandwerker besetzten sie mit vier Reihen von Edelsteinen. Die
erste Reihe bestand aus einem Karneol, Topas und Smaragd,
2Mo 39,11 die zweite Reihe aus einem Rubin, Saphir und Jaspis,
2Mo 39,12 die dritte Reihe aus einem Hyazinth, Achat und Amethyst,
2Mo 39,13 die vierte Reihe aus einem Türkis, Onyx und Nephrit. Alle Steine waren
in Gold eingefasst.
2Mo 39,14 Sie standen für die zwölf Stämme Israels; auf jedem Stein war ein
Stammesname eingraviert, auf dieselbe Art, wie man ein Siegel herstellt.
2Mo 39,15 Nun fertigten die Kunsthandwerker für die Brusttasche zwei Kettchen
aus reinem Gold an, wie Stricke gedreht,
2Mo 39,16 dazu zwei goldene Spangen und zwei goldene Ringe. Sie befestigten die
Ringe an den beiden oberen Ecken der Brusttasche.
2Mo 39,17 Dann wurden die Kettchen mit den Ringen verbunden.
2Mo 39,18 Die Spangen brachte man vorn an den Schulterbändern des
Priesterschurzes an und befestigte die anderen Enden der beiden Kettchen daran.
2Mo 39,19 Auch an den unteren Ecken der Tasche wurden zwei goldene Ringe
angebracht, und zwar auf der Innenseite, die dem Priesterschurz zugewandt war.
2Mo 39,20 Zwei weitere Ringe wurden mit den Schulterstücken des Priesterschurzes
verbunden, an deren unterem Ende, dicht bei dem Gürtel, der den Priesterschurz
hielt.
2Mo 39,21 Die Ringe der Brusttasche verbanden die Kunsthandwerker mit Schnüren
aus violettem Purpur mit den Ringen am Priesterschurz. So lag die Brusttasche
direkt oberhalb des Gürtels und konnte nicht verrutschen. Genau so hatte der
Herr es angeordnet.
2Mo 39,22 Aus violetter Wolle webten die Kunsthandwerker das Obergewand, das der
Priester unter dem Priesterschurz tragen sollte.
2Mo 39,23 Den Saum der Halsöffnung verstärkten sie mit einem gewebten Kragen,
damit er nicht einriss, ähnlich wie bei einem ledernen Panzerhemd.
2Mo 39,24 [24-26] Am unteren Saum des Gewandes brachten sie ringsum Granatäpfel
aus violettem, purpurrotem und karmesinrotem gezwirntem Stoff an, und dazwischen
kleine goldene Glöckchen, immer abwechselnd. Dieses Gewand sollte Aaron tragen,
wenn er seinen Dienst ausübte. So hatte der Herr es Mose befohlen.
2Mo 39,27 Als Nächstes fertigten die Kunsthandwerker die Leinengewänder für
Aaron und seine Söhne an,
2Mo 39,28 dazu die leinenen Turbane und Hosen
2Mo 39,29 und den bunt gewebten Gürtel aus feinem Leinen, violetter, purpurroter
und karmesinroter Wolle. Alles war so, wie der Herr es Mose befohlen hatte.
2Mo 39,30 Dann fertigten sie ein kleines Schild aus reinem Gold an, das heilige
Diadem, und gravierten darauf die Worte ein: »Dem Herrn geweiht.«
2Mo 39,31 Sie befestigten es mit einer Schnur aus violettem Purpur vorne an
Aarons Turban, wie der Herr es angeordnet hatte.
2Mo 39,32 Schließlich waren die Arbeiten am Heiligtum beendet. Die Israeliten
hatten alles genau so ausgeführt, wie der Herr es Mose befohlen hatte.
2Mo 39,33 Sie brachten die einzelnen Teile zu Mose: das heilige Zelt mit allem,
was dazugehörte, die Haken, Wandplatten, Querbalken, Säulen und Sockel,
2Mo 39,34 die Zeltdächer aus rot gefärbten Fellen von Schafböcken und aus
Tachasch-Leder, den Vorhang vor der Bundeslade,
2Mo 39,35 die Bundeslade für die Gesetzestafeln, die Tragstangen und die
Deckplatte,
2Mo 39,36 den Tisch für die Gott geweihten Brote mit allem, was zu ihm gehörte,
2Mo 39,37 den goldenen Leuchter mit seinen Gefäßen und Werkzeugen, die Lampen
und das Öl,
2Mo 39,38 den goldenen Altar, das Salböl, die wohlriechende Weihrauchmischung,
den Vorhang für den Eingang zum heiligen Zelt,
2Mo 39,39 den Bronzealtar mit seinem Gitterrahmen, seinen Tragstangen und allen
Gefäßen und Werkzeugen, das Wasserbecken und sein Untergestell,
2Mo 39,40 die Vorhänge, die den Vorhof abgrenzen sollten, mit ihren Pfosten und
Sockeln, den Vorhang für den Eingang zum Vorhof, die Seile und Zeltpflöcke sowie
alle übrigen Gegenstände, die für den Dienst im Heiligtum gebraucht wurden.
2Mo 39,41 Außerdem brachten die Israeliten die heiligen gewobenen
Priestergewänder für den Dienst im Heiligtum, die Aaron und seine Söhne tragen
sollten.
2Mo 39,42 Die gesamte Arbeit war nach dem Befehl des Herrn ausgeführt worden.
2Mo 39,43 Mose überprüfte die einzelnen Teile und sah, dass alles so war, wie
der Herr es angeordnet hatte. Da segnete Mose die Israeliten.
2Mo 40,1 Der Herr sprach zu Mose:
2Mo 40,2 »Am 1. Tag des 1. Monats sollst du das heilige Zelt errichten.
2Mo 40,3 Stell die Bundeslade mit den Gesetzestafeln hinein, und häng den
Vorhang davor!
2Mo 40,4 Dann bring den Tisch für die geweihten Brote hinein, und stell die
Gefäße darauf, die zu ihm gehören. Auch den Leuchter sollst du hineintragen und
die Lampen darauf setzen.
2Mo 40,5 Stell den goldenen Räucheropferaltar vor die Bundeslade, und häng den
Vorhang vor den Zelteingang!
2Mo 40,6 Der Brandopferaltar muss draußen vor dem Eingang zum heiligen Zelt
stehen.
2Mo 40,7 Das Wasserbecken sollst du zwischen dem heiligen Zelt und dem Altar
aufstellen und mit Wasser füllen.
2Mo 40,8 Lass die Abgrenzung des Vorhofs errichten, und häng den Vorhang am
Eingang des Vorhofs auf!
2Mo 40,9 Dann sollst du mit dem Salböl das heilige Zelt und alle Gegenstände
darin besprengen. So werden sie mir geweiht und sind heilig.
2Mo 40,10 Besprenge außerdem den Brandopferaltar und alles, was dazugehört! Dann
wird er besonders heilig sein.
2Mo 40,11 Auch das Wasserbecken und sein Untergestell soll auf diese Weise mir
geweiht werden.
2Mo 40,12 Nun führe Aaron und seine Söhne an den Eingang des Heiligtums, und
wasche sie dort mit Wasser!
2Mo 40,13 Leg Aaron die heiligen Priestergewänder an, und salbe ihn, damit er
mir geweiht wird und mir als Priester dient.
2Mo 40,14 Dann lass seine Söhne herantreten und ihre Leinengewänder anziehen.
2Mo 40,15 Auch sie müssen gesalbt werden wie Aaron, um ihr Priesteramt ausüben
zu können. Durch die Salbung werden sie und später auch alle ihre Nachkommen für
immer zu Priestern geweiht!«
2Mo 40,16 Mose führte alles so aus, wie der Herr es ihm befohlen hatte.
2Mo 40,17 Am 1. Tag des 1. Monats, genau ein Jahr nachdem die Israeliten Ägypten
verlassen hatten, wurde das heilige Zelt errichtet.
2Mo 40,18 Mose ließ die Sockel aufstellen und die Platten darauf setzen. Dann
brachte man die Querbalken an und stellte die Säulen für die Vorhänge auf.
2Mo 40,19 Die Zeltdecke wurde über die Wände gespannt und mit den anderen Decken
überdacht, genau nach der Anweisung des Herrn.
2Mo 40,20 Mose legte die Gesetzestafeln in die Bundeslade, steckte die
Tragstangen durch die Ringe und legte die Deckplatte darauf.
2Mo 40,21 [21/22] Er ließ die Bundeslade ins Zelt bringen und hängte den Vorhang
davor, wie der Herr es angeordnet hatte. An die Nordseite des Zeltes, vor den
Vorhang, der die Bundeslade verdeckte, stellte man den Tisch.
2Mo 40,23 Mose legte die Brote, die dem Herrn geweiht waren, auf den Tisch, wie
der Herr es befohlen hatte.
2Mo 40,24 Gegenüber, an der Südseite, stellte er den Leuchter auf
2Mo 40,25 und setzte die Lampen darauf, ganz nach der Anweisung des Herrn.
2Mo 40,26 Den goldenen Altar ließ er im Zelt vor dem Vorhang aufstellen
2Mo 40,27 und verbrannte ein wohlriechendes Räucheropfer darauf. So hatte es der
Herr angeordnet.
2Mo 40,28 Dann hängte Mose den Vorhang am Zelteingang auf.
2Mo 40,29 Draußen vor den Eingang stellte man den Brandopferaltar, und Mose
brachte auf ihm ein Brand- und ein Speiseopfer dar, wie der Herr es befohlen
hatte.
2Mo 40,30 Zwischen dem heiligen Zelt und dem Altar ließ Mose das Becken
aufstellen und goss Wasser hinein,
2Mo 40,31 damit er, Aaron und dessen Söhne sich darin die Hände und Füße waschen
konnten.
2Mo 40,32 Jedes Mal wenn sie das Zelt betreten oder auf dem Altar ein Opfer
darbringen wollten, wuschen sie sich. Sie befolgten damit die Weisung des Herrn.
2Mo 40,33 Schließlich wurde auch noch die Abgrenzung des Vorhofs rings um das
heilige Zelt und den Altar errichtet, und Mose hängte den Vorhang am Eingang zum
Vorhof auf. So vollendete Mose den Bau des Heiligtums.
2Mo 40,34 [34/35] Da kam die Wolke auf das heilige Zelt herab, und die
Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Heiligtum, so dass Mose nicht hineingehen
konnte.
2Mo 40,36 Immer wenn sich die Wolke vom Zelt erhob, brachen die Israeliten auf.
2Mo 40,37 Erhob sie sich nicht, blieben die Israeliten, wo sie waren, bis die
Wolke weiterzog.
2Mo 40,38 Tagsüber stand die Wolke über dem heiligen Zelt, und nachts leuchtete
sie vor den Augen aller Israeliten wie Feuer. So blieb es während der ganzen
Zeit, in der das Volk Israel umherzog.
3Mo 1,1 Der Herr rief Mose zum heiligen Zelt und sprach dort mit ihm.
3Mo 1,2 Er befahl ihm, den Israeliten diese Botschaft auszurichten: »Wenn jemand
von euch mir, dem Herrn, ein Opfer darbringen will, dann soll er dafür ein Rind,
ein Schaf oder eine Ziege aussuchen.
3Mo 1,3 Wählt er ein Rind für ein Brandopfer, muss er ein männliches,
fehlerloses Tier nehmen, damit mir seine Gabe gefällt. Er soll es zum Eingang
des heiligen Zeltes bringen
3Mo 1,4 und dort seine Hand auf den Kopf des Tieres legen. Dann werde ich, der
Herr, seine Gabe annehmen und ihm seine Schuld vergeben.
3Mo 1,5 Vor meinem Heiligtum muss er das Rind schlachten. Die Priester, die
Nachkommen Aarons, sollen das Blut auffangen und ringsum an den Altar sprengen,
der am Eingang zum heiligen Zelt steht.
3Mo 1,6 Der Israelit, der das Tier gebracht hat, zieht ihm das Fell ab und
zerlegt es.
3Mo 1,7 Die Priester zünden auf dem Altar ein Feuer an und schichten Holz
darüber.
3Mo 1,8 Dann legen sie die Fleischstücke, den Kopf und das Fett des Tieres auf
den brennenden Holzstoß.
3Mo 1,9 Die Eingeweide und Unterschenkel muss der Opfernde vorher mit Wasser
abwaschen, und der Priester verbrennt das ganze Tier auf dem Altar. Ein solches
Brandopfer gefällt mir, dem Herrn, gut.
3Mo 1,10 Will jemand ein Schaf oder eine Ziege als Brandopfer darbringen, dann
muss er ein männliches, fehlerloses Tier aussuchen
3Mo 1,11 und es an der nördlichen Altarseite vor dem Heiligtum schlachten. Die
Priester sprengen das Blut ringsum an den Altar.
3Mo 1,12 [12/13] Der Opfernde zerlegt das Tier und wäscht die Eingeweide und
Unterschenkel mit Wasser ab. Die Priester legen die Fleischstücke, den Kopf und
das Fett auf einen brennenden Holzstoß auf dem Altar. So wird das ganze Tier
verbrannt. Dies ist ein Brandopfer, das mir, dem Herrn, gefällt.
3Mo 1,14 Will mir jemand einen Vogel als Brandopfer darbringen, dann soll er
eine Turteltaube oder eine andere Taube nehmen.
3Mo 1,15 Der Priester bringt sie zum Altar, trennt ihren Kopf ab und verbrennt
ihn. Das Blut lässt er an der Altarwand auslaufen.
3Mo 1,16 Er entfernt ihren Kropf mitsamt Inhalt und wirft ihn auf den
Aschenhaufen an der Ostseite des Altars.
3Mo 1,17 Ihre Flügel soll er nur einreißen, nicht ganz abtrennen. Dann verbrennt
der Priester die Taube auf dem Holzstoß oben auf dem Altar. Ein solches
Brandopfer gefällt mir, dem Herrn, gut.«
3Mo 2,1 »Wenn jemand mir, dem Herrn, ein Speiseopfer darbringen will, dann soll
er feines Weizenmehl nehmen, Olivenöl darüber gießen und auch etwas Weihrauch
bereithalten.
3Mo 2,2 Er bringt es den Priestern, den Nachkommen Aarons. Einer von ihnen nimmt
eine Hand voll vom Mehl und vom Öl sowie den ganzen Weihrauch. Dieser Teil
gehört mir, und der Priester verbrennt ihn auf dem Altar. Ein solches Opfer
gefällt mir, dem Herrn, gut.
3Mo 2,3 Das restliche Mehl und Öl steht den Priestern zu. Auch ihr Anteil ist
besonders heilig, denn er gehört zum Opfer, das mir dargebracht wurde.
3Mo 2,4 Will jemand ein Speiseopfer darbringen, das im Ofen gebacken wird, dann
soll es aus feinem Mehl zubereitet sein: mit Olivenöl gebackene Kuchen oder mit
Olivenöl bestrichene Brotfladen. Dabei dürft ihr keinen Sauerteig verwenden.
3Mo 2,5 Wird die Opfergabe auf einem Backblech zubereitet, dann soll
ungesäuertes feines Mehl mit Olivenöl vermengt werden.
3Mo 2,6 Brecht den fertigen Kuchen in Stücke, und übergießt ihn mit Olivenöl! So
ist auch dies ein Speiseopfer.
3Mo 2,7 Wenn das Speiseopfer in der Pfanne gebacken wird, muss ebenfalls feines
Weizenmehl und Olivenöl verwendet werden.
3Mo 2,8 Bereitet das Speiseopfer immer so zu, und bringt es dann mir, dem Herrn,
dar! Überreicht es dem Priester, damit er es zum Altar bringt.
3Mo 2,9 Den Teil, der mir gehört, soll er dort verbrennen. Dies ist ein Opfer,
das mir, dem Herrn, gefällt.
3Mo 2,10 Der Rest steht den Priestern zu. Auch ihr Anteil ist besonders heilig,
denn er gehört zum Opfer, das mir dargebracht wurde.
3Mo 2,11 Kein Speiseopfer für mich darf mit Sauerteig gebacken sein; ihr dürft
weder Sauerteig noch Honig auf meinem Altar verbrennen!
3Mo 2,12 Zwar könnt ihr sie mir zusammen mit den Gaben der ersten Feldfrüchte
bringen, aber sie dürfen nicht auf meinem Altar verbrannt werden!
3Mo 2,13 Jedes Speiseopfer muss mit Salz gewürzt sein! Niemals darf das Salz
fehlen, denn es ist ein Zeichen für meinen bleibenden Bund mit euch! Verwendet
Salz bei jeder Opfergabe!
3Mo 2,14 Wenn ihr mir, dem Herrn, ein Speiseopfer von den ersten Feldfrüchten
bringt, dann nehmt dafür am Feuer geröstete Ähren oder zerriebene Körner.
3Mo 2,15 Gießt noch Olivenöl darüber, und legt etwas Weihrauch dazu! So ist es
ein Speiseopfer.
3Mo 2,16 Der Priester soll von den Körnern und vom Öl den Anteil, der mir
gehört, zusammen mit dem ganzen Weihrauch auf dem Altar verbrennen als Opfer für
mich, den Herrn.«
3Mo 3,1 »Will jemand mir, dem Herrn, ein Dankopfer darbringen und wählt er ein
Rind dafür aus, so muss es ein fehlerloses Tier sein, männlich oder weiblich. Er
soll es zum heiligen Zelt bringen,
3Mo 3,2 seine Hand auf den Kopf des Tieres legen und es am Zelteingang
schlachten. Die Priester, die Nachkommen Aarons, sprengen das Blut ringsum an
den Altar.
3Mo 3,3 Zum Anteil, der mir als Opfer dargebracht wird, gehören die Fettstücke
über den Eingeweiden, alles Fett an den Eingeweiden,
3Mo 3,4 die Nieren mit dem Fett, das sie bedeckt und an den Lenden sitzt, sowie
das Fettstück an der Leber. Dieses Fett soll bei den Nieren abgetrennt werden.
3Mo 3,5 Die Priester schichten auf dem Altar einen Holzstoß auf und verbrennen
das ganze Fett zusammen mit dem Brandopfer. Dies ist ein Opfer, das mir, dem
Herrn, gefällt.
3Mo 3,6 Wählt jemand für sein Dankopfer ein Schaf oder eine Ziege aus, dann muss
es ein fehlerloses Tier sein, männlich oder weiblich.
3Mo 3,7 Opfert er ein Schaf, soll er es zum heiligen Zelt bringen,
3Mo 3,8 seine Hand auf den Kopf des Tieres legen und es am Zelteingang
schlachten. Die Priester sprengen das Blut ringsum an den Altar.
3Mo 3,9 Zum Anteil, der mir als Opfer dargebracht wird, gehört alles Fett des
Schafes: der Fettschwanz, dicht beim Schwanzwirbel abgetrennt, die Fettstücke
über den Eingeweiden, alles Fett an den Eingeweiden,
3Mo 3,10 die Nieren mit dem Fett, das sie bedeckt und an den Lenden sitzt, sowie
das Fettstück an der Leber. Dieses Fett soll bei den Nieren abgetrennt werden.
3Mo 3,11 Der Priester verbrennt alles auf dem Altar; es ist mein Anteil am
Opfer.
3Mo 3,12 Will jemand eine Ziege opfern, dann soll er sie ebenfalls zum heiligen
Zelt bringen,
3Mo 3,13 ihr die Hand auf den Kopf legen und sie am Zelteingang schlachten. Die
Priester sprengen das Blut ringsum an den Altar.
3Mo 3,14 Zum Anteil, der mir, dem Herrn, als Opfer dargebracht wird, gehören die
Fettstücke über den Eingeweiden, alles Fett an den Eingeweiden,
3Mo 3,15 die Nieren mit dem Fett, das sie bedeckt und an den Lenden sitzt, sowie
das Fettstück an der Leber. Dieses Fett soll bei den Nieren abgetrennt werden.
3Mo 3,16 Der Priester verbrennt alles auf dem Altar, denn dieser Anteil gehört
mir, dem Herrn. Es ist ein Opfer, das mir gefällt. Von den Opfertieren, die ihr
darbringt, müsst ihr alles Fett für mich verbrennen!
3Mo 3,17 Ihr selbst dürft kein Fett und kein Blut verzehren! Dies ist eine ewige
Ordnung, die für euch und all eure Nachkommen gilt. Wo ihr auch wohnt, sollt ihr
euch daran halten.«
3Mo 4,1 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 4,2 »Richte den Israeliten aus: Wenn jemand unabsichtlich gegen eines meiner
Gebote verstößt, dann muss ein Opfer dargebracht werden.«
3Mo 4,3 »Wenn der Hohepriester gegen mich sündigt und so Schuld über das ganze
Volk bringt, dann muss er einen jungen, fehlerlosen Stier als Opfer für seine
Sünden darbringen.
3Mo 4,4 Er soll den Stier zum Eingang des heiligen Zeltes führen, seine Hand auf
den Kopf des Tieres legen und es dort schlachten.
3Mo 4,5 Dann nimmt er etwas von dem Blut und bringt es in das Heiligtum.
3Mo 4,6 Er taucht seinen Finger hinein und sprengt siebenmal etwas davon gegen
den Vorhang zum Allerheiligsten.
3Mo 4,7 Anschließend streicht er Blut an die vier Hörner des Räucheropferaltars
im heiligen Zelt. Alles restliche Blut gießt er draußen an den Fuß des
Brandopferaltars beim Zelteingang.
3Mo 4,8 Dann entnimmt er dem Stier alles Fett: die Fettstücke über den
Eingeweiden, alles Fett an den Eingeweiden,
3Mo 4,9 die Nieren mit dem Fett, das sie bedeckt und an den Lenden sitzt, sowie
das Fettstück an der Leber. Dieses Fett soll bei den Nieren abgetrennt werden.
3Mo 4,10 Es sind genau die gleichen Fettstücke, die dem Rind beim Dankopfer
entnommen werden. Der Priester soll alles auf dem Brandopferaltar verbrennen.
3Mo 4,11 Das Fell des Stieres, sein ganzes Fleisch, Kopf und Schenkel, die
Eingeweide und den Darminhalt
3Mo 4,12 muss man aus dem Lager entfernen. An einem abgesonderten Ort, wo man
auch die Asche vom Opfer hinschüttet, soll alles auf einem Holzfeuer verbrannt
werden.«
3Mo 4,13 »Wenn das ganze Volk Israel unabsichtlich gegen eines meiner Gebote
verstößt, dann lädt es Schuld auf sich, selbst wenn es sich dessen nicht bewusst
ist.
3Mo 4,14 Erkennen sie dann aber ihre Sünde, sollen sie einen jungen Stier zum
heiligen Zelt bringen.
3Mo 4,15 Dort legen die führenden Männer Israels ihre Hände auf den Kopf des
Tieres und schlachten es.
3Mo 4,16 Der Hohepriester bringt etwas von dem Blut in das heilige Zelt,
3Mo 4,17 taucht seinen Finger hinein und sprengt siebenmal etwas davon gegen den
Vorhang zum Allerheiligsten.
3Mo 4,18 Anschließend streicht er Blut an die Hörner des Räucheropferaltars im
heiligen Zelt. Alles restliche Blut gießt er draußen an den Fuß des
Brandopferaltars beim Zelteingang.
3Mo 4,19 [19/20] Dann entnimmt er dem Stier alles Fett und geht dabei genauso
vor wie bei dem Opfer für die Schuld des Priesters. Er verbrennt alles Fett auf
dem Brandopferaltar. So soll der Priester das Volk mit mir, dem Herrn,
versöhnen, und ich werde ihnen die Schuld vergeben.
3Mo 4,21 Was von dem Stier übrig bleibt, muss - wie beim Sündopfer für den
Priester - aus dem Lager gebracht und verbrannt werden. Dies ist das Sündopfer
für das Volk.«
3Mo 4,22 »Wenn das Oberhaupt eines Stammes unabsichtlich gegen eines meiner
Gebote verstößt und so Schuld auf sich lädt,
3Mo 4,23 dann soll er, sobald ihm seine Sünde bewusst wird, einen fehlerlosen
Ziegenbock als Opfer darbringen.
3Mo 4,24 Er legt seine Hand auf den Kopf des Bockes und schlachtet ihn dort, wo
auch die Tiere für das Brandopfer geschlachtet werden: am Eingang des
Heiligtums. Dies ist ein Sündopfer.
3Mo 4,25 Der Priester taucht seinen Finger in das Blut des Ziegenbocks und
streicht es an die Hörner des Brandopferaltars. Das restliche Blut gießt er an
den Fuß des Altars.
3Mo 4,26 Alles Fett des Tieres verbrennt er wie beim Dankopfer auf dem Altar. So
versöhnt er das Oberhaupt des Stammes mit mir, dem Herrn, und ich werde seine
Schuld vergeben.«
3Mo 4,27 »Wenn sonst jemand unabsichtlich gegen eines meiner Gebote verstößt und
so Schuld auf sich lädt,
3Mo 4,28 dann soll er, sobald er seine Sünde erkannt hat, eine fehlerlose Ziege
als Opfer für seine Sünde darbringen.
3Mo 4,29 Er legt seine Hand auf den Kopf der Ziege und schlachtet sie vor dem
heiligen Zelt, wo auch die Tiere für das Brandopfer geschlachtet werden.
3Mo 4,30 Wieder taucht der Priester seinen Finger in das Blut und streicht es an
die Hörner des Brandopferaltars, das restliche Blut gießt er an den Fuß des
Altars.
3Mo 4,31 Dann löst er alles Fett des Tieres ab - genau wie beim Dankopfer - und
verbrennt es auf dem Brandopferaltar. So versöhnt der Priester den Schuldigen
mit mir, dem Herrn, und ich werde ihm vergeben. Ein solches Opfer gefällt mir,
dem Herrn, gut.
3Mo 4,32 Will der Mann ein Schaf als Sündopfer darbringen, dann soll er ein
fehlerloses, weibliches Tier aussuchen.
3Mo 4,33 Er muss die Hand auf den Kopf des Schafes legen und es dann vor dem
heiligen Zelt schlachten, wo auch die Tiere für das Brandopfer geschlachtet
werden.
3Mo 4,34 Der Priester taucht seinen Finger in das Blut und streicht es an die
Hörner des Brandopferaltars, alles übrige Blut gießt er an den Fuß des Altars.
3Mo 4,35 Dann löst er alles Fett des Tieres ab - wie bei einem Schaf, das als
Dankopfer dargebracht wird - und verbrennt es zusammen mit den anderen Opfern
auf dem Altar. So versöhnt der Priester den Schuldigen mit mir, dem Herrn, und
ich werde ihm vergeben.«
3Mo 5,1 »Ein Sündopfer muss dargebracht werden, wenn jemand auf folgende Weise
Schuld auf sich lädt: Jemand hört, wie ein Verbrecher verflucht wird, und er
meldet sich nicht als Zeuge, obwohl er das Verbrechen gesehen oder davon
erfahren hat;
3Mo 5,2 jemand berührt unbeabsichtigt den Kadaver eines wilden oder zahmen
Tieres oder eines Kriechtieres und verunreinigt sich so vor mir, dem Herrn;
3Mo 5,3 jemand bemerkt zu spät, dass er einen Menschen berührt hat, der aus
irgendeinem Grund unrein ist;
3Mo 5,4 jemand spricht unüberlegt einen Schwur aus - so wie man schnell einmal
etwas unbedacht sagt und erst später die Folgen merkt -, ganz gleich, ob er mit
dem Schwur etwas Gutes oder Schlechtes bewirken wollte.
3Mo 5,5 In allen diesen Fällen muss der Betreffende zuerst seine Schuld
bekennen.
3Mo 5,6 Dann soll er ein weibliches Schaf oder eine Ziege als Sündopfer
darbringen, und der Priester soll ihn mit mir, dem Herrn, versöhnen.
3Mo 5,7 Wenn er sich ein Schaf oder eine Ziege nicht leisten kann, soll er mir
zwei Turteltauben oder zwei andere Tauben als Opfer darbringen, eine als
Sündopfer und die andere als Brandopfer.
3Mo 5,8 Er soll sie dem Priester geben. Der Priester bringt die erste Taube als
Sündopfer dar. Er bricht ihr das Genick, ohne den Kopf abzutrennen.
3Mo 5,9 Etwas von ihrem Blut spritzt er an die Altarwand, den Rest lässt er am
Fuß des Altars auslaufen. Dies ist das Sündopfer.
3Mo 5,10 Die zweite Taube bringt er als Brandopfer dar, so wie es vorgeschrieben
ist. Auf diese Weise soll der Priester den Schuldigen mit mir, dem Herrn,
versöhnen, und ich werde ihm vergeben.
3Mo 5,11 Wenn der Betreffende sich auch zwei Turteltauben oder zwei andere
Tauben nicht leisten kann, darf er als Opfergabe für seine Sünde eineinhalb
Kilogramm feines Mehl darbringen. Er soll aber weder Öl noch Weihrauch
dazugeben, denn es ist ein Sündopfer.
3Mo 5,12 Er bringt das Mehl dem Priester; dieser nimmt eine Hand voll als meinen
Anteil und verbrennt ihn mit den anderen Opfern auf dem Altar. Auch dies ist ein
Sündopfer.
3Mo 5,13 So versöhnt der Priester den Schuldigen mit mir, dem Herrn, und ich
werde ihm vergeben. Das übrige Mehl soll wie beim Speiseopfer dem Priester
gehören.«
3Mo 5,14 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 5,15 »Wenn jemand ohne Absicht versäumt, die Abgaben für das Heiligtum zu
entrichten, dann soll er einen fehlerlosen Schafbock als Schuldopfer darbringen.
Das Opfertier muss einen angemessenen Wert haben. Als Maßstab gelten
Silberstücke, gewogen nach dem Gewicht, das im Heiligtum gilt.
3Mo 5,16 Der Schuldige muss erstatten, was er dem Heiligtum vorenthalten hat.
Außerdem soll er ein Fünftel des Wertes zusätzlich bezahlen und alles dem
Priester geben. Dieser bringt den Schafbock als Schuldopfer dar und versöhnt den
Schuldigen mit mir, dem Herrn; dann werde ich ihm vergeben.
3Mo 5,17 Wenn jemand unabsichtlich gegen eines meiner Gebote verstößt, so ist er
doch schuldig und muss sich für seine Schuld verantworten.
3Mo 5,18 Er soll einen fehlerlosen Schafbock als Schuldopfer zum Priester
bringen. Vorher wird bestimmt, welchen Wert das Tier haben soll. Dann soll der
Priester den Schuldigen mit mir, dem Herrn, versöhnen, und ich werde ihm
vergeben, was er unabsichtlich getan hat.
3Mo 5,19 Dies ist ein Schuldopfer für jemanden, der an mir schuldig geworden
ist.«
3Mo 5,20 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 5,21 »Jeder, der einem anderen Israeliten Schaden zufügt, sündigt gegen
mich, den Herrn. Wer etwas als seinen Besitz beansprucht, was ein anderer ihm
anvertraut oder ausgeliehen hat, wer einen anderen beraubt oder ihn durch
Erpressung zwingt, ihm sein Eigentum zu überlassen,
3Mo 5,22 wer etwas findet und es unrechtmäßig behält oder wer einen Meineid
schwört, um seine Lügen glaubhaft zu machen, der lädt Schuld auf sich.
3Mo 5,23 Wenn einer auf solche Weise sündigt, muss er alles zurückgeben: was er
geraubt oder durch Erpressung gewonnen hat, was ihm anvertraut wurde, was er
gefunden hat
3Mo 5,24 oder was er durch einen Meineid an sich gebracht hat. Alles muss er
vollständig erstatten und noch ein Fünftel dazugeben. An dem Tag, an dem er sein
Schuldopfer darbringt, soll er alles dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben.
3Mo 5,25 Als Schuldopfer für mich, den Herrn, bringt er dem Priester einen
fehlerlosen Schafbock. Vorher wird bestimmt, welchen Wert das Tier haben soll.
3Mo 5,26 Der Priester versöhnt den Schuldigen mit mir, dem Herrn, und ihm wird
alles vergeben, was er getan hat.«
3Mo 6,1 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 6,2 »Richte Aaron und seinen Söhnen diese Anweisungen für das Brandopfer
aus: Ein Brandopfer muss die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen auf der
Feuerstelle des Altars bleiben, und das Feuer darf nicht verlöschen.
3Mo 6,3 Am Morgen soll der Priester ein Gewand und Hosen aus Leinen anziehen und
die Asche wegräumen, die vom Brandopfer übrig geblieben ist. Er schüttet sie
neben den Altar,
3Mo 6,4 wechselt dann die Kleider und bringt die Asche aus dem Lager hinaus an
einen abgesonderten, reinen Ort.
3Mo 6,5 Das Feuer auf dem Brandopferaltar muss immer brennen, es darf niemals
verlöschen! Jeden Morgen soll der Priester Holz nachlegen. Darauf soll er das
Brandopfer zurichten und die Fettstücke der Dankopfer verbrennen.
3Mo 6,6 Das Feuer auf dem Altar darf nicht verlöschen!«
3Mo 6,7 »Dieses Gesetz gilt für das Speiseopfer: Der Priester, ein Nachkomme
Aarons, soll das Speiseopfer auf dem Altar mir, dem Herrn, darbringen.
3Mo 6,8 Er nimmt eine Hand voll feines Mehl, mit einer Hand voll Öl vermengt,
und den ganzen Weihrauch, der zum Speiseopfer dazugegeben wurde. Dieser Anteil
gehört mir, und der Priester verbrennt ihn auf dem Altar. Es ist ein Opfer, das
mir, dem Herrn, gefällt.
3Mo 6,9 Alles Übrige dürfen die Priester verzehren; mit ungesäuertem Teig
gebacken, sollen sie es an heiliger Stätte essen: im Vorhof des Heiligtums.
3Mo 6,10 Es darf kein Sauerteig verwendet werden! Ich habe diesen Anteil für sie
bestimmt. Er gehört zum Opfer, das mir dargebracht wird, und ist deshalb
besonders heilig, genauso wie das Fleisch des Sünd- und Schuldopfers.
3Mo 6,11 Jeder männliche Nachkomme Aarons darf davon essen. Diese Ordnung gilt
für alle Generationen. Wer die Opfergaben berührt, ist heilig.«
3Mo 6,12 Weiter sprach der Herr zu Mose:
3Mo 6,13 »Wenn ein Nachkomme Aarons zum Priester geweiht wird, soll er mir von
da an jeden Tag eineinhalb Kilogramm feines Mehl als Speiseopfer darbringen, die
eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.
3Mo 6,14 Die Opfergabe soll auf einem Backblech zubereitet werden, dazu wird
Olivenöl in das Mehl gerührt. Die Fladen sollen in Stücke gebrochen und dann als
Speiseopfer dargebracht werden. So gefällt es mir, dem Herrn.
3Mo 6,15 Der Priester, der sein Amt antritt, muss das Opfer selbst darbringen,
es soll ganz verbrannt werden. Diese Ordnung gilt für alle Zeiten.
3Mo 6,16 Jedes Speiseopfer eines Priesters gehört vollständig mir, man darf
nichts davon essen.«
3Mo 6,17 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 6,18 »Gib Aaron und seinen Söhnen diese Anweisungen für das Sündopfer: Das
Tier für das Sündopfer soll wie die Tiere für das Brandopfer am Eingang des
heiligen Zeltes geschlachtet werden. Das Fleisch des Opfertieres ist besonders
heilig.
3Mo 6,19 Der Priester, der es darbringt, darf es an heiliger Stätte, im Vorhof
des Heiligtums, essen.
3Mo 6,20 Wer das Fleisch berührt, ist heilig. Wenn Blut vom Opfertier auf ein
Gewand spritzt, muss man es an einem reinen Ort wieder auswaschen.
3Mo 6,21 Wurde das Fleisch in einem Tontopf gekocht, dann soll dieser zerbrochen
werden; wenn es ein Bronzetopf war, muss man ihn scheuern und mit Wasser
ausspülen.
3Mo 6,22 Alle männlichen Angehörigen der Priester dürfen von dem Fleisch essen,
das besonders heilig ist.
3Mo 6,23 Aber kein Opfertier, von dessen Blut etwas ins Heiligtum gebracht
worden ist, um dort die Schuld zu sühnen, darf verzehrt werden; man muss das
Fleisch verbrennen!«
3Mo 7,1 »Dieses Gesetz gilt für das besonders heilige Schuldopfer:
3Mo 7,2 Das Tier für das Schuldopfer soll an derselben Stelle wie die Tiere für
das Brandopfer geschlachtet werden. Sein Blut wird ringsum an den Altar
gesprengt.
3Mo 7,3 Alles Fett muss mir, dem Herrn, dargebracht werden: der Fettschwanz, das
Fett über den Eingeweiden,
3Mo 7,4 die Nieren mit dem Fett, das sie bedeckt und an den Lenden sitzt, sowie
das Fettstück an der Leber. Dieses Fett soll bei den Nieren abgetrennt werden.
3Mo 7,5 Der Priester verbrennt alles auf dem Altar, es ist ein Schuldopfer für
mich, den Herrn.
3Mo 7,6 Alle männlichen Angehörigen der Priester dürfen von dem Fleisch essen.
Sie sollen es im Bereich des Heiligtums verzehren, denn es gehört zum Opfer und
ist darum besonders heilig.
3Mo 7,7 Für das Sünd- und für das Schuldopfer gilt ein und dasselbe: Der
Priester bringt das Opfer dar, um die Schuld zu sühnen. Ihm gehört das Fleisch.
3Mo 7,8 Darüber hinaus steht ihm das Fell jedes Tieres zu, das er als Brandopfer
für jemanden darbringt.
3Mo 7,9 Alle Speiseopfer, die im Ofen gebacken, im Topf oder auf dem Backblech
zubereitet werden, sollen dem Priester gehören, der sie darbringt.
3Mo 7,10 Jedes andere Speiseopfer - ganz gleich, ob das Mehl mit oder ohne Öl
dargebracht wird - sollen alle Priester, die Nachkommen Aarons, unter sich
aufteilen.«
3Mo 7,11 »Dieses Gesetz gilt für das Dankopfer, das jemand mir, dem Herrn,
darbringt:
3Mo 7,12 Ist es ein Dankopfer, dann sollen außer dem Tier noch Kuchen
dargebracht werden, ohne Sauerteig und mit Öl vermengt gebacken, dazu
ungesäuerte, mit Öl bestrichene Brotfladen sowie feines Mehl, ebenfalls mit Öl
vermengt.
3Mo 7,13 Dazu kommen noch Brotkuchen aus Sauerteig.
3Mo 7,14 Von jeder Gabe soll der Opfernde einen Teil zurückhalten, ihn mir, dem
Herrn, weihen und dann dem Priester geben. Ihm soll es gehören. Der Priester
sprengt das Blut des Opfertieres an den Altar.
3Mo 7,15 Das Fleisch muss noch am selben Tag verzehrt werden, an dem das Tier
geschlachtet wurde; nichts davon darf bis zum nächsten Morgen übrig bleiben.
3Mo 7,16 Nur wenn das Opfer freiwillig dargebracht wird oder um ein Gelübde
einzulösen, kann das Fleisch auch noch am nächsten Tag gegessen werden.
3Mo 7,17 Am dritten Tag aber müssen die Fleischreste verbrannt werden.
3Mo 7,18 Wer am dritten Tag doch noch davon isst, wird meine Gnade nicht
erfahren, denn ich, der Herr, werde sein Opfer nicht annehmen. Es ist dann
unrein, und wer davon isst, lädt Schuld auf sich.
3Mo 7,19 Kommt das Fleisch mit irgendetwas Unreinem in Berührung, darf es nicht
verzehrt werden; man soll es verbrennen. Doch sonst darf jeder davon essen, der
rein ist.
3Mo 7,20 Wenn jemand, der vor mir als unrein gilt, vom Fleisch des Dankopfers
isst, das mir, dem Herrn, geweiht ist, muss er aus der Gemeinschaft der
Israeliten ausgestoßen werden und sterben.
3Mo 7,21 Wenn jemand mit etwas Unreinem in Berührung gekommen ist - mit einem
unreinen Menschen, einem unreinen Tier oder mit irgendetwas, das ich, der Herr,
verabscheue - und dann vom Fleisch des Dankopfers isst, muss er aus der
Gemeinschaft der Israeliten ausgestoßen werden und sterben.«
3Mo 7,22 Weiter sagte der Herr zu Mose:
3Mo 7,23 »Richte den Israeliten aus: Ihr dürft kein Fett von Rindern, Schafen
oder Ziegen essen!
3Mo 7,24 Das Fett verendeter oder gerissener Tiere könnt ihr zu jedem Zweck
verwenden, nur verzehren dürft ihr es nicht!
3Mo 7,25 Wer das Fett von Tieren isst, die man mir, dem Herrn, als Opfer
darbringt, verdient den Tod.
3Mo 7,26 Ihr dürft auch kein Blut verzehren, weder vom Vieh noch von Vögeln, wo
immer ihr auch wohnt.
3Mo 7,27 Jeder, der das Blut isst, muss aus der Gemeinschaft der Israeliten
ausgestoßen werden und sterben!«
3Mo 7,28 Der Herr befahl Mose,
3Mo 7,29 den Israeliten dies weiterzusagen: »Wer ein Dankopfer darbringt, soll
einen Teil davon mir, dem Herrn, weihen:
3Mo 7,30 das Fett des Tieres und das Bruststück. Beides muss er zum Altar
bringen und dort hin- und herschwingen.
3Mo 7,31 Das Bruststück überlässt er den Priestern. Dann verbrennt ein Priester
das Fett auf dem Altar.
3Mo 7,32 Ihm soll die rechte hintere Keule des Opfertieres gehören.
3Mo 7,33 Sie ist sein festgesetzter Anteil, wenn er das Blut und Fett des Tieres
darbringt.
3Mo 7,34 Von allen Dankopfern der Israeliten habe ich das Bruststück und die
rechte hintere Keule den Priestern gegeben. Dieser Anteil steht ihnen für alle
Zeiten zu,
3Mo 7,35 und zwar vom Tag ihrer Priesterweihe an.
3Mo 7,36 Ich, der Herr, habe befohlen, dass sie von den Israeliten diese Abgabe
bekommen sollen, sobald sie ihren Dienst als Priester beginnen. Das gilt für
alle Generationen.«
3Mo 7,37 Dies sind die Bestimmungen für das Brand-, Speise-, Sünd- und
Schuldopfer, das Einweihungs- und Dankopfer.
3Mo 7,38 Der Herr gab sie Mose auf dem Berg Sinai in der Wüste und forderte die
Israeliten auf, ihre Opfergaben ihm, dem Herrn, zu bringen.
3Mo 8,1 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 8,2 [2/3] »Lass Aaron und seine Söhne zum Eingang des heiligen Zeltes
kommen. Bringt die Priesterkleider mit, das Salböl, einen jungen Stier für das
Sündopfer, zwei Schafböcke und einen Korb mit Broten, die ohne Sauerteig
gebacken sind. Das ganze Volk soll sich beim Heiligtum versammeln.«
3Mo 8,4 Mose gehorchte, und als die Israeliten zusammengekommen waren,
3Mo 8,5 sagte er zu ihnen: »Nun werde ich tun, was der Herr befohlen hat.«
3Mo 8,6 Mose ließ Aaron und seine Söhne herantreten und sich waschen.
3Mo 8,7 Dann zog er Aaron das leinene Gewand an und band ihm den Gürtel um;
darüber kamen das Obergewand und der Priesterschurz, der mit dem gewebten Gürtel
zusammengebunden wurde.
3Mo 8,8 Anschließend hängte er Aaron die Brusttasche um und legte die beiden
Lose »Urim« und »Tummim« hinein.
3Mo 8,9 Er setzte ihm den Turban auf und befestigte an dessen Vorderseite ein
goldenes Schild, das heilige Diadem. So hatte der Herr es ihm befohlen.
3Mo 8,10 Dann nahm Mose das Salböl, besprengte damit das Heiligtum und alle
Gegenstände darin und weihte es so dem Herrn.
3Mo 8,11 Er sprengte etwas vom heiligen Salböl siebenmal an den Brandopferaltar,
an die dazugehörigen Gefäße und Werkzeuge, an das Wasserbecken und sein
Untergestell, um alles dem Herrn zu weihen.
3Mo 8,12 Dann goss er Salböl auf Aarons Kopf und setzte ihn dadurch zum Priester
ein.
3Mo 8,13 Als Nächstes ließ Mose die Söhne Aarons herantreten, er bekleidete sie
mit dem leinenen Gewand und band ihnen den Gürtel um. Jedem setzte er einen
Turban auf, so wie der Herr es angeordnet hatte.
3Mo 8,14 Nun ließ er den jungen Stier für das Sündopfer herbeiführen; Aaron und
seine Söhne legten ihm die Hände auf den Kopf.
3Mo 8,15 Mose schlachtete den Stier und strich mit dem Finger etwas von seinem
Blut an die vier Hörner des Altars; so reinigte er den Altar von aller Schuld,
die auf ihm lastete. Das restliche Blut schüttete er am Fuß des Altars aus, um
ihn dem Herrn zu weihen und von aller Unreinheit zu befreien.
3Mo 8,16 Alle Fettstücke des Opfertieres, das Fett an den Eingeweiden, das
Fettstück an der Leber und die Nieren mit ihrem Fett verbrannte Mose auf dem
Altar.
3Mo 8,17 Die Überreste - das Fell, das Fleisch und die Eingeweide - ließ er
außerhalb des Lagers verbrennen, so wie der Herr es ihm befohlen hatte.
3Mo 8,18 Als Nächstes wurde der Schafbock für das Brandopfer geholt. Aaron und
seine Söhne legten ihre Hände auf den Kopf des Schafbocks.
3Mo 8,19 Mose schlachtete ihn und sprengte das Blut ringsum an den Altar.
3Mo 8,20 Er zerlegte den Schafbock und verbrannte die Stücke samt dem Kopf und
dem Fett.
3Mo 8,21 Er wusch die Eingeweide und Schenkel mit Wasser ab und verbrannte auch
sie auf dem Altar, wie der Herr es angeordnet hatte. Dieses Brandopfer gefiel
dem Herrn, und er nahm es an.
3Mo 8,22 Dann ließ Mose den zweiten Schafbock holen, der als Opfer für die
Einsetzung der Priester bestimmt war. Wieder legten Aaron und seine Söhne ihre
Hände auf den Kopf des Tieres.
3Mo 8,23 Mose schlachtete es, nahm etwas von dem Blut und strich es auf Aarons
rechtes Ohrläppchen, seinen rechten Daumen und die rechte große Zehe.
3Mo 8,24 Anschließend ließ er Aarons Söhne herantreten. Auch ihnen strich er
Blut auf das rechte Ohrläppchen, den rechten Daumen und die rechte große Zehe.
Das übrige Blut sprengte er ringsum an den Altar.
3Mo 8,25 Er entnahm das Fett des Schafbocks: den Fettschwanz, die Fettstücke
über den Eingeweiden, das Fettstück an der Leber, die Nieren mit ihrem Fett
sowie die rechte hintere Keule.
3Mo 8,26 Aus dem Korb am Eingang des heiligen Zeltes nahm er ein ungesäuertes
Brot, einen Ölkuchen und einen Brotfladen; diese legte er auf die Fettstücke und
auf die rechte Keule.
3Mo 8,27 Dann gab er alles Aaron und seinen Söhnen, und sie schwangen es vor dem
Heiligtum hin und her, um es dem Herrn zu weihen.
3Mo 8,28 Danach nahm Mose es wieder zurück und verbrannte alles auf dem Altar,
wo vorher das Brandopfer dargebracht worden war. Dieses Opfer zur Priesterweihe
gefiel dem Herrn, und er nahm es an.
3Mo 8,29 Mose nahm das Bruststück des Schafbocks und schwang es vor dem
Heiligtum hin und her, um es dem Herrn zu weihen. Es war sein Anteil am
Einsetzungsopfer. So hatte es der Herr befohlen.
3Mo 8,30 Dann nahm Mose Salböl und Blut vom Altar und besprengte damit Aaron,
seine Söhne und ihre Kleider. So weihte er sie und ihre Kleider dem Herrn.
3Mo 8,31 Mose sagte ihnen: »Kocht das Opferfleisch am Eingang zum heiligen Zelt,
und esst es dort mit dem Brot, das ihr im Korb für das Einsetzungsopfer findet!
Denn so hat der Herr es mir befohlen.
3Mo 8,32 Was vom Fleisch und Brot übrig bleibt, sollt ihr verbrennen!
3Mo 8,33 Verlasst sieben Tage lang nicht den Eingangsbereich des Zeltes, bis zu
dem Tag, an dem eure Priesterweihe beendet ist!
3Mo 8,34 [34/35] Der Herr will, dass an allen sieben Tagen dieselben Opfer
dargebracht werden, damit ihr von aller Schuld befreit werdet. Bleibt in dieser
Zeit Tag und Nacht im Eingangsbereich des heiligen Zeltes! Folgt den Anweisungen
des Herrn, dann werdet ihr nicht sterben. So hat er es mir gesagt.«
3Mo 8,36 Aaron und seine Söhne befolgten alles, was ihnen der Herr durch Mose
aufgetragen hatte.
3Mo 9,1 Nachdem die sieben Tage der Priesterweihe vorüber waren, rief Mose
Aaron, seine Söhne und die führenden Männer Israels zusammen.
3Mo 9,2 Er befahl Aaron: »Hol ein junges Kalb für das Sündopfer und einen
Schafbock für das Brandopfer, beides fehlerlose Tiere, und bring sie dem Herrn
dar!
3Mo 9,3 Sag den Israeliten, sie sollen einen Ziegenbock für das Sündopfer sowie
ein einjähriges Kalb und ein einjähriges Schaf für das Brandopfer holen,
ebenfalls fehlerlose Tiere!
3Mo 9,4 Als Dankopfer müssen sie dem Herrn einen Stier und einen Schafbock
darbringen. Auch ein Speiseopfer, mit Öl vermengt, soll dargebracht werden. Denn
heute wird euch der Herr erscheinen.«
3Mo 9,5 Die Israeliten brachten alles, was Mose verlangt hatte, zum Eingang des
heiligen Zeltes. Das ganze Volk kam und versammelte sich vor dem Heiligtum.
3Mo 9,6 Mose sagte zu ihnen: »Heute wird euch der Herr in seiner Herrlichkeit
erscheinen. Darum tut, was er euch befohlen hat.«
3Mo 9,7 Dann forderte er Aaron auf: »Tritt an den Altar, und bring dein
Sündopfer und dein Brandopfer dar, damit deine Sünden und die des Volkes
vergeben werden! Bring dann die Opfergaben des Volkes dar zur Vergebung ihrer
Schuld, wie der Herr es befohlen hat.«
3Mo 9,8 Aaron trat an den Altar und schlachtete das Kalb, das als Sündopfer für
ihn selbst bestimmt war.
3Mo 9,9 Seine Söhne reichten ihm das Blut, er tauchte den Finger hinein und
bestrich damit die Hörner des Altars, das übrige Blut goss er an den Fuß des
Altars.
3Mo 9,10 Das Fett, die Nieren und das Fettstück an der Leber verbrannte er auf
dem Altar, wie der Herr es Mose befohlen hatte.
3Mo 9,11 Das Fleisch und das Fell verbrannte er außerhalb des Lagers.
3Mo 9,12 Dann schlachtete er den Schafbock für das Brandopfer. Seine Söhne gaben
ihm das Blut, und er sprengte es ringsum an den Altar.
3Mo 9,13 Sie brachten ihm die einzelnen Stücke des Schafbocks, zusammen mit dem
Kopf, und Aaron verbrannte sie auf dem Altar.
3Mo 9,14 Anschließend wusch er die Eingeweide und die Unterschenkel und
verbrannte auch sie auf dem Altar.
3Mo 9,15 Nun brachte er die Opfergaben des Volkes dar: Er holte den Ziegenbock
für das Sündopfer, schlachtete ihn und opferte ihn so dem Herrn, wie er es
vorher bei seinem Sündopfer getan hatte.
3Mo 9,16 Auch das Brandopfer brachte er nach der Weisung des Herrn dar.
3Mo 9,17 Er holte das Speiseopfer, nahm eine Hand voll davon und verbrannte es
auf dem Altar, zusätzlich zu dem Speiseopfer, das am Morgen zusammen mit dem
Brandopfer dargebracht worden war.
3Mo 9,18 Dann schlachtete er den Stier und den Schafbock für das Dankopfer des
Volkes. Seine Söhne reichten ihm das Blut, und er sprengte es ringsum an den
Altar.
3Mo 9,19 Sie entnahmen die Fettstücke des Stieres und des Schafbocks - den
Fettschwanz, das Fett über den Eingeweiden, die Nieren und das Fettstück an der
Leber -
3Mo 9,20 und legten sie zu den Bruststücken. Das Fett verbrannte Aaron auf dem
Altar,
3Mo 9,21 doch die Bruststücke und die rechten Hinterkeulen schwang er vor dem
Heiligtum hin und her, um sie dem Herrn zu weihen. So hatte der Herr es Mose
befohlen.
3Mo 9,22 Nachdem Aaron das Sündopfer, das Brandopfer und das Dankopfer
dargebracht hatte, erhob er die Hände und segnete das Volk. Danach stieg er vom
Brandopferaltar herab
3Mo 9,23 und ging mit Mose in das heilige Zelt. Als sie wieder herauskamen,
segneten sie die Israeliten. Da erschien der Herr in seiner Herrlichkeit dem
ganzen Volk.
3Mo 9,24 Feuer ging von ihm aus, es verzehrte das Brandopfer und die Fettstücke
auf dem Altar. Als die Israeliten das sahen, jubelten sie und warfen sich voller
Ehrfurcht zu Boden.
3Mo 10,1 Zwei Söhne Aarons, Nadab und Abihu, nahmen ihre Räucherpfannen, legten
glühende Holzkohle hinein und streuten Weihrauch darüber. Damit gingen sie ins
heilige Zelt, um es dem Herrn darzubringen. Aber sie taten es eigenmächtig, denn
der Herr hatte es ihnen nicht befohlen.
3Mo 10,2 Da tötete der Herr die beiden durch ein Feuer. So starben sie dort im
Heiligtum.
3Mo 10,3 Mose sagte zu Aaron: »Jetzt geht in Erfüllung, was der Herr gesagt hat:
›Denen, die meine Nähe suchen, zeige ich meine Heiligkeit, das ganze Volk sieht
meine Hoheit und Macht.‹« Aaron schwieg.
3Mo 10,4 Mose rief Mischaël und Elizafan, die Söhne von Aarons Onkel Usiël, und
forderte sie auf, ihre toten Verwandten aus dem Heiligtum hinaus vor das Lager
zu bringen.
3Mo 10,5 Die beiden kamen und trugen die Leichen mitsamt ihren Priestergewändern
hinaus vor das Lager.
3Mo 10,6 Mose sagte zu Aaron und dessen Söhnen Eleasar und Itamar: »Lasst nicht
euer Haar als Zeichen eurer Trauer ungekämmt, und zerreißt auch nicht eure
Kleider! Denn sonst werdet ihr sterben, und Gottes Zorn trifft das ganze Volk.
Die übrigen Israeliten mögen die Toten beweinen, die der Herr durch das Feuer
getötet hat!
3Mo 10,7 Verlasst nicht den Eingang zum heiligen Zelt, sonst sterbt auch ihr,
denn ihr seid mit dem heiligen Öl zu Priestern des Herrn geweiht worden!« Die
drei befolgten, was Mose ihnen befohlen hatte.
3Mo 10,8 Der Herr sprach zu Aaron:
3Mo 10,9 »Du und deine Nachkommen, ihr sollt weder Wein noch andere berauschende
Getränke trinken, wenn ihr das heilige Zelt betretet; sonst werdet ihr sterben!
Diese Ordnung gilt euch und euren Nachkommen für alle Zeiten.
3Mo 10,10 Ihr müsst unterscheiden zwischen dem, was Gott geweiht ist und was
nicht, was als rein und was als unrein gilt.
3Mo 10,11 Erklärt den Israeliten alle Ordnungen, die ich euch durch Mose gegeben
habe!«
3Mo 10,12 Mose sagte zu Aaron und dessen Söhnen Eleasar und Itamar, die ihm
geblieben waren: »Was vom Speiseopfer nicht für den Herrn verbrannt wird, könnt
ihr für euch nehmen und daraus ungesäuertes Brot backen. Es ist besonders
heilig, darum esst es neben dem Brandopferaltar!
3Mo 10,13 An diesem heiligen Ort dürft ihr es essen, denn es ist euer Anteil.
Euch und euren Nachkommen steht er zu; so hat der Herr es mir gesagt.
3Mo 10,14 Von den Opfern, bei denen das Bruststück und die rechte Hinterkeule
des Tieres dem Herrn besonders geweiht werden, stehen euch Priestern diese
beiden Stücke zu. Ihr dürft sie zusammen mit euren Familien essen. Verzehrt das
Fleisch an einem reinen Ort! Es ist euer Anteil an den Dankopfern der
Israeliten.
3Mo 10,15 Vorher jedoch sollen die Priester die Keule und das Bruststück
zusammen mit dem Fett vor dem Heiligtum hin- und herschwingen, um es dem Herrn
zu weihen. Danach gehören diese Stücke euch und euren Nachkommen. Der Herr hat
befohlen, dass dies für alle Zeiten gelten soll.«
3Mo 10,16 Mose erkundigte sich, was mit dem Fleisch des Ziegenbocks geschehen
war, den man als Sündopfer dargebracht hatte. Als er hörte, dass auch das
Fleisch verbrannt worden war, wurde er sehr zornig auf Aarons Söhne Eleasar und
Itamar und stellte sie zur Rede:
3Mo 10,17 »Warum habt ihr das Sündopferfleisch nicht im Heiligtum gegessen? Es
ist doch euer Anteil, der besonders heilig ist. Der Herr hat es euch gegeben,
damit ihr davon esst. Wenn ihr das nicht tut, ist das Opfer unvollständig! Ihr
befreit das Volk dann nicht von seiner Schuld, es wird nicht mit Gott versöhnt!
3Mo 10,18 Das gilt für jedes Tieropfer, bei dem kein Blut ins heilige Zelt
gebracht wird. Ihr hättet also unbedingt von dem Fleisch essen müssen. Das hatte
ich euch doch befohlen!«
3Mo 10,19 Aaron entgegnete: »Heute hat das Volk dem Herrn sein Sündopfer und
sein Brandopfer dargebracht, und mir ist so etwas Schreckliches zugestoßen!
Hätte es da dem Herrn gefallen, wenn wir heute vom Sündopfer gegessen hätten?«
3Mo 10,20 Als Mose das hörte, gab er sich zufrieden.
3Mo 11,1 Der Herr gab Mose und Aaron den Auftrag,
3Mo 11,2 den Israeliten dies mitzuteilen: »Das Fleisch von folgenden Tieren
dürft ihr essen: Von den Landtieren
3Mo 11,3 sind euch alle erlaubt, die vollständig gespaltene Hufe oder Pfoten
haben und wiederkäuen.
3Mo 11,4 [4-6] Das Kamel, den Klippdachs und den Hasen dürft ihr aber nicht
essen. Denn sie sind zwar Wiederkäuer, haben aber keine gespaltenen Hufe oder
Pfoten. Sie müssen bei euch als unrein gelten.
3Mo 11,7 Das Schwein hat zwar vollständig gespaltene Hufe, aber es ist kein
Wiederkäuer; darum ist es für euch unrein.
3Mo 11,8 Esst das Fleisch dieser Tiere nicht, und berührt auch nicht ihre
Kadaver! Sie sind für euch unrein!
3Mo 11,9 Von den Tieren im Meer, in den Flüssen und Seen dürft ihr alle essen,
die Flossen und Schuppen haben.
3Mo 11,10 Aber alle Lebewesen im Wasser ohne Flossen oder Schuppen sind unrein!
3Mo 11,11 [11/12] Ihr dürft sie nicht essen und auch nicht ihre Kadaver
berühren. Von allem, was im Wasser lebt und keine Flossen oder Schuppen hat,
sollt ihr euch voller Abscheu fern halten!
3Mo 11,13 Folgende Vögel sollt ihr nicht anrühren und erst recht nicht essen:
Gänsegeier, Lämmergeier, Mönchsgeier,
3Mo 11,14 Gabelweihe und die verschiedenen Arten der Königsweihe,
3Mo 11,15 alle Arten des Raben,
3Mo 11,16 Strauß, Falke, Seemöwe, alle Habichtarten,
3Mo 11,17 Steinkauz, Fischeule, Waldohreule,
3Mo 11,18 Schleiereule, Wüstenkauz, Aasgeier,
3Mo 11,19 Storch, alle Reiherarten, Wiedehopf und Fledermaus.
3Mo 11,20 Auch alle krabbelnden und fliegenden Insekten sollt ihr verabscheuen,
3Mo 11,21 außer denen, die Sprungbeine haben und am Boden hüpfen.
3Mo 11,22 Ihr dürft also alle Heuschreckenarten essen.
3Mo 11,23 Aber alle anderen Insekten sollt ihr verschmähen!
3Mo 11,24 [24-28] Folgende Tiere dürft ihr nicht berühren, wenn sie verendet
sind: jedes Tier, das geteilte, aber nicht vollständig gespaltene Hufe oder
Pfoten hat und nicht wiederkäut, sowie alle Vierbeiner mit Pfoten. Sie alle sind
unrein, und wer ihren Kadaver berührt, wird unrein bis zum Abend. Wenn jemand
ihren Kadaver wegträgt, muss er seine Kleider waschen und ist bis zum Abend
unrein.
3Mo 11,29 [29/30] Von den kleinen Tieren, die am Boden kriechen, sind für euch
verboten: Maulwurf, Springmaus, alle Eidechsenarten, Gecko, Salamander und
Chamäleon.
3Mo 11,31 Sie alle sind unrein, und wer ihre Kadaver berührt, ist bis zum Abend
unrein.
3Mo 11,32 Jeder Gegenstand, auf den der Kadaver eines dieser Tiere fällt, wird
unrein, ganz gleich, ob er aus Holz, Stoff, Fell oder Sackleinen gemacht ist,
und ganz gleich, wofür er gebraucht wird. Legt ihn ins Wasser; bis zum Abend
bleibt er unrein.
3Mo 11,33 Fällt ein totes Tier dieser Art in einen Tontopf, wird alles darin
unrein, und den Topf müsst ihr zerschlagen.
3Mo 11,34 Jedes Essen, das mit Wasser aus solch einem Tonkrug zubereitet wurde,
ist unrein, ebenso jedes Getränk aus solch einem Gefäß.
3Mo 11,35 Alles, was mit einem Kadaver dieser Tiere in Berührung kommt, wird
unrein. Handelt es sich um einen Backofen oder um einen kleinen Herd, muss er
niedergerissen werden.
3Mo 11,36 Nur eine Quelle oder eine Zisterne, in der man das Wasser sammelt,
bleibt rein. Doch wer das tote Tier berührt, das hineingefallen ist, wird
unrein.
3Mo 11,37 Fällt der Kadaver eines dieser Kriechtiere auf Saatgut, das gerade
ausgesät werden soll, so bleibt dies rein.
3Mo 11,38 Wurden die Samen aber mit Wasser befeuchtet und es fällt dann ein
totes Tier darauf, so werden sie unrein.
3Mo 11,39 Wenn ein Tier, das ihr essen dürft, verendet, wird jeder bis zum Abend
unrein, der den Kadaver anfasst.
3Mo 11,40 Wer von dem Fleisch isst oder den Tierkörper wegträgt, soll seine
Kleider waschen und gilt bis zum Abend als unrein.
3Mo 11,41 Alle kleinen Tiere, die sich am Boden fortbewegen, sollt ihr
verabscheuen und sie auf keinen Fall essen,
3Mo 11,42 ganz gleich, ob sie auf dem Bauch kriechen oder auf vier oder mehr
Füßen umherlaufen.
3Mo 11,43 Hütet euch davor, sie zu essen, denn sonst verabscheue ich euch, weil
ihr in meinen Augen unrein seid!
3Mo 11,44 Ich bin der Herr, euer Gott. Ihr sollt heilig sein, denn ich bin
heilig! Verunreinigt euch nicht durch diese kleinen Tiere, die am Boden
kriechen!
3Mo 11,45 Ich bin der Herr, ich habe euch aus Ägypten herausgeführt, um euer
Gott zu sein! Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin!
3Mo 11,46 Dies ist das Gesetz über das Vieh, die Vögel, die Wassertiere und die
Kleintiere am Boden.
3Mo 11,47 Mit seiner Hilfe sollt ihr unterscheiden können zwischen reinen
Tieren, die man essen kann, und unreinen Tieren, die nicht gegessen werden
dürfen.«
3Mo 12,1 Der Herr befahl Mose,
3Mo 12,2 den Israeliten diese Weisungen weiterzugeben: »Wenn eine Frau einen
Jungen zur Welt bringt, ist sie sieben Tage lang unrein wie bei ihrer
monatlichen Blutung.
3Mo 12,3 Am achten Tag soll der Junge beschnitten werden.
3Mo 12,4 Die Mutter muss wegen ihrer Blutungen noch weitere 33 Tage zu Hause
bleiben und als unrein gelten. In dieser Zeit darf sie nichts Heiliges anfassen
und das Heiligtum nicht betreten.
3Mo 12,5 Hat sie ein Mädchen geboren, ist sie zwei Wochen unrein wie bei ihrer
monatlichen Blutung. Danach soll sie weitere 66 Tage zu Hause bleiben und als
unrein gelten.
3Mo 12,6 Wenn die Zeit vorüber ist - ganz gleich, ob sie einen Jungen oder ein
Mädchen bekommen hat -, soll sie dem Priester ein einjähriges Lamm als
Brandopfer und eine Turteltaube oder andere Taube als Sündopfer zum Eingang des
heiligen Zeltes bringen.
3Mo 12,7 Der Priester bringt ihr Opfer mir, dem Herrn, dar, damit die Unreinheit
der Blutung von ihr genommen wird und sie wieder rein ist. Diese Weisung gilt
für eine Frau, die einen Jungen oder ein Mädchen geboren hat.
3Mo 12,8 Wenn sie sich kein Lamm als Opfertier leisten kann, darf sie
stattdessen zwei Turteltauben oder zwei andere Tauben nehmen, eine als
Brandopfer und eine als Sündopfer. Damit soll der Priester sie von ihrer
Unreinheit befreien, damit sie in Gottes Augen wieder rein ist.«
3Mo 13,1 Der Herr sagte zu Mose und Aaron:
3Mo 13,2 »Wenn jemand auf seiner Haut eine Schwellung, einen Ausschlag oder
einen hellen Fleck entdeckt und darum Verdacht auf Aussatz besteht, dann soll er
zum Priester gebracht werden, zu Aaron oder zu einem seiner Söhne.
3Mo 13,3 Der Priester untersucht die erkrankte Stelle: Ist das Haar dort weiß
geworden und erscheint die Haut tiefer als ringsum, dann ist es Aussatz, und der
Priester muss den Kranken für unrein erklären.
3Mo 13,4 Wenn der Fleck zwar weiß ist, aber nicht tiefer liegt als die Haut
ringsum und sich das Haar auch nicht weiß verfärbt hat, soll der Priester den
Betreffenden für sieben Tage an einen abgesonderten Ort schicken.
3Mo 13,5 Am Ende dieser Woche untersucht ihn der Priester erneut. Sieht er, dass
der weiße Fleck sich auf der Haut nicht weiter ausgebreitet hat, soll er den
Betreffenden ein weiteres Mal für sieben Tage an einen abgesonderten Ort
schicken.
3Mo 13,6 Danach begutachtet ihn der Priester noch einmal. Sieht er, dass die
Haut wieder die normale Farbe angenommen und die Krankheit sich somit nicht
weiter ausgebreitet hat, soll er ihn für rein erklären; denn der Fleck ist nur
ein Hautausschlag. Der Kranke muss lediglich seine Kleider waschen, dann ist er
wieder rein.
3Mo 13,7 Wenn sich aber der Ausschlag wider Erwarten doch noch ausbreitet,
nachdem der Priester ihn untersucht und für rein erklärt hat, soll der Mann sich
erneut dem Priester zeigen.
3Mo 13,8 Stellt dieser dann fest, dass der Ausschlag doch weiter um sich greift,
muss er den Kranken für unrein erklären, weil es Aussatz ist.
3Mo 13,9 Wenn bei einem Menschen Verdacht auf Aussatz besteht, soll er zum
Priester gebracht werden.
3Mo 13,10 Sieht dieser eine weiße Schwellung mit weiß verfärbten Haaren und wild
wucherndem Fleisch,
3Mo 13,11 dann ist es weit fortgeschrittener Aussatz. Der Priester muss den
Kranken sofort für unrein erklären, ohne ihn vorher noch zur Beobachtung an
einen abgesonderten Ort zu schicken.
3Mo 13,12 Wenn sich aber der Aussatz rasch auf der Haut ausbreitet und den
Kranken von Kopf bis Fuß bedeckt,
3Mo 13,13 wenn also der Priester sieht, dass der Aussatz die Haut ganz erfasst
hat, erklärt er den Betreffenden für rein. Weil die Haut dann ganz weiß ist,
gilt er als rein.
3Mo 13,14 Zeigt sich aber wucherndes Fleisch, ist er unrein.
3Mo 13,15 Der Priester muss ihn, sobald er es sieht, für unrein erklären. Wild
wucherndes Fleisch ist in jedem Fall unrein, denn es handelt sich um Aussatz.
3Mo 13,16 Bildet sich aber das wuchernde Fleisch zurück und wird die Stelle
wieder weiß, soll der Betreffende den Priester aufsuchen.
3Mo 13,17 Sieht dieser, dass die Haut dort tatsächlich wieder weiß geworden ist,
erklärt er ihn für rein.
3Mo 13,18 Wenn sich auf der Haut eines Menschen ein Geschwür bildet und wieder
abheilt,
3Mo 13,19 dann aber an dieser Stelle eine weiße Schwellung oder ein
weißlich-roter Fleck entsteht, soll der Kranke sich dem Priester zeigen.
3Mo 13,20 Stellt dieser eine Vertiefung der Haut und weiß gewordenes Haar fest,
erklärt er den Kranken für unrein. Denn dann hat sich an der Stelle, wo vorher
das Geschwür war, Aussatz gebildet.
3Mo 13,21 Sieht der Priester aber, dass sich das Haar nicht weiß verfärbt hat,
die Stelle nicht tiefer liegt als die Haut ringsum und auch die normale Farbe
hat, dann schickt er den Betreffenden für sieben Tage an einen abgesonderten
Ort.
3Mo 13,22 Breitet sich der Hautausschlag in dieser Zeit weiter aus, erklärt der
Priester den Kranken für unrein, denn es handelt sich um Aussatz.
3Mo 13,23 Wird aber der Fleck nicht größer, dann ist es die Narbe des
abgeheilten Geschwürs. Der Priester soll den Betreffenden für rein erklären.
3Mo 13,24 Wenn jemand eine Brandwunde hat und sich dort ein weiß-roter oder
weißer Fleck bildet,
3Mo 13,25 muss er den Priester aufsuchen. Stellt dieser fest, dass sich das Haar
dort weiß verfärbt hat und die Stelle tiefer liegt als die Haut ringsum, dann
handelt es sich um Aussatz, der in der Brandwunde ausgebrochen ist. Der Priester
erklärt den Kranken für unrein, weil er aussätzig ist.
3Mo 13,26 Bemerkt der Priester aber keine weißen Haare im Bereich des Flecks und
auch keine Vertiefung oder Verfärbung der Haut, dann soll er den Kranken für
sieben Tage an einen abgesonderten Ort schicken.
3Mo 13,27 Stellt er am siebten Tag fest, dass sich der Fleck ausgebreitet hat,
muss er den Kranken für unrein erklären, denn es handelt sich um Aussatz.
3Mo 13,28 Wenn aber der Fleck nicht größer wird und die Haut wieder die normale
Farbe angenommen hat, ist es nur die Narbe der Brandwunde. Darum erklärt der
Priester ihn für rein.
3Mo 13,29 Bekommt jemand auf der Kopfhaut oder auf der Haut unter dem Bart einen
Ausschlag,
3Mo 13,30 soll der Priester die Stelle untersuchen. Sieht er eine Vertiefung der
Haut mit schütterem, gelblichem Haar, erklärt er ihn für unrein. Es handelt sich
um Aussatz an Kopf oder Kinn.
3Mo 13,31 Stellt der Priester fest, dass die befallene Stelle nicht tiefer liegt
als die umliegende Haut, die Haare sich aber trotzdem verfärbt haben, soll er
den Kranken für sieben Tage an einen abgesonderten Ort schicken.
3Mo 13,32 Sieht der Priester am siebten Tag, dass der Ausschlag sich nicht
ausgebreitet hat, kein gelbliches Haar dort zu finden ist und die Stelle auch
nicht tiefer liegt,
3Mo 13,33 dann soll der Kranke sich rasieren, aber die befallene Stelle
aussparen. Der Priester schickt ihn für weitere sieben Tage an einen
abgesonderten Ort.
3Mo 13,34 Stellt er danach fest, dass sich der Ausschlag nicht weiter
ausgebreitet hat und die Haut dort auch nicht tiefer liegt als ringsum, soll er
den Betreffenden für rein erklären. Dieser wäscht seine Kleider und gilt dann
als rein.
3Mo 13,35 Wenn sich der Ausschlag wider Erwarten doch noch ausbreitet,
3Mo 13,36 soll der Priester den Kranken erneut untersuchen und ihn, sobald er es
sieht, für unrein erklären. Er braucht gar nicht erst nach gelblichen Haaren zu
suchen.
3Mo 13,37 Sieht er aber, dass der Ausschlag zum Stillstand gekommen und
schwarzes Haar nachgewachsen ist, dann ist der Betreffende wieder gesund, und
der Priester erklärt ihn für rein.
3Mo 13,38 Bilden sich auf der Haut eines Mannes oder einer Frau weiße Flecken,
3Mo 13,39 soll der Priester sie untersuchen. Sind die Flecken nur
weißlich-blass, dann handelt es sich um einen gutartigen Ausschlag, und der
Betreffende ist rein.
3Mo 13,40 [40/41] Verliert ein Mann die Haare auf seinem Kopf, sei es am
Hinterkopf oder an der Stirnseite, bleibt er trotzdem rein.
3Mo 13,42 [42/43] Wenn aber an der Glatze ein weiß-rötlicher Ausschlag entsteht,
muss der Priester den Mann gründlich untersuchen. Stellt er fest, dass sich eine
weiß-rötliche Schwellung bildet, die genau wie Aussatz am Körper aussieht,
3Mo 13,44 dann hat der Mann Aussatz, und der Priester soll ihn für unrein
erklären.«
3Mo 13,45 »Ein Aussätziger soll zerrissene Kleider tragen, das Haar
ungeschnitten und ungekämmt lassen, den Bart verhüllen und immer wieder rufen:
›Unrein, unrein!‹
3Mo 13,46 Solange er vom Aussatz befallen ist, gilt er als unrein. Er soll
außerhalb des Lagers wohnen, abgesondert von allen anderen.«
3Mo 13,47 [47-49] »Wenn an einem Kleidungsstück oder Gewebe aus Wolle oder
Leinen, an einem Stück Leder oder an irgendetwas anderem, das aus Leder gemacht
ist, ein grünlicher oder rötlicher Fleck auftritt, dann ist das Kleidungsstück
von Schimmel befallen, und man soll es dem Priester zeigen.
3Mo 13,50 Dieser begutachtet die Stelle und schließt das Kleidungsstück sieben
Tage lang ein.
3Mo 13,51 Stellt er am siebten Tag fest, dass sich der Befall ausgebreitet hat,
dann ist es fressender Schimmel. Das Kleidungsstück ist unrein
3Mo 13,52 und muss verbrannt werden. Weil der Schimmel sich immer weiter
ausbreiten würde, muss das betreffende Kleidungsstück restlos beseitigt werden,
ganz gleich, ob es aus Wolle, Leinen oder Leder gemacht ist.
3Mo 13,53 Stellt der Priester aber fest, dass der Schimmelfleck nicht größer
geworden ist,
3Mo 13,54 ordnet er an, dass man das Kleidungsstück wäscht und weitere sieben
Tage einschließt.
3Mo 13,55 Sieht der Priester nach dieser Zeit, dass der Fleck zwar nicht größer
geworden ist, aber immer noch so aussieht wie vorher, ist das Kleidungsstück
unrein und muss verbrannt werden. Denn der Schimmel hat sich tief eingefressen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Außenseite oder die Innenseite befallen ist.
3Mo 13,56 Bemerkt der Priester aber, dass die Stelle durch das Waschen blass
geworden ist, soll er sie aus dem Stoff oder Leder heraustrennen.
3Mo 13,57 Falls nun wiederum Schimmel an einer anderen Stelle auftritt, muss das
Kleidungsstück verbrannt werden, denn der Schimmel hat es bereits ganz befallen.
3Mo 13,58 Ist der Schimmel jedoch nach dem Waschen verschwunden, wäscht man die
Kleidung noch einmal. Danach ist sie rein.
3Mo 13,59 Dies ist das Gesetz über Schimmelbefall an einem Kleidungsstück oder
Gewebe aus Wolle oder Leinen, an einem Stück Leder oder an irgendetwas anderem,
das aus Leder gemacht ist. Mit Hilfe dieses Gesetzes soll entschieden werden, ob
der befallene Gegenstand rein oder unrein ist.«
3Mo 14,1 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 14,2 »Wenn ein Aussätziger gesund geworden ist und für rein erklärt werden
will, dann gilt folgende Ordnung: Er muss zum Priester gebracht werden,
3Mo 14,3 der ihn außerhalb des Lagers untersuchen soll. Ist der Kranke wirklich
wieder gesund geworden,
3Mo 14,4 lässt der Priester für ihn zwei lebende, reine Vögel bringen sowie
Zedernholz, karmesinrote Wolle und ein Büschel Ysop.
3Mo 14,5 Auf Anweisung des Priesters wird ein Vogel über einem Tongefäß mit
frischem Quellwasser getötet, um das Blut des Tieres aufzufangen.
3Mo 14,6 Den lebenden Vogel nimmt der Priester in die Hand und taucht ihn
zusammen mit dem Zedernholz, der karmesinroten Wolle und dem Ysop in das Blut
des ersten Vogels, das sich mit dem frischen Quellwasser vermischt hat.
3Mo 14,7 Siebenmal besprengt er mit dem blutvermischten Wasser den Geheilten und
erklärt ihn für rein. Den lebenden Vogel lässt er fliegen.
3Mo 14,8 Der Geheilte wäscht seine Kleider, rasiert alle seine Haare und wäscht
sich; danach ist er rein. Er darf wieder ins Lager kommen, soll aber sieben Tage
sein Zelt nicht betreten.
3Mo 14,9 Am siebten Tag rasiert er noch einmal den Kopf, den Bart, die
Augenbrauen und alle anderen Haare. Nachdem er seine Kleider gewaschen und
selbst gebadet hat, ist er endgültig rein.
3Mo 14,10 Am achten Tag sucht er zwei männliche Lämmer und ein einjähriges
weibliches Schaf aus, alles fehlerlose Tiere; zusätzlich bringt er für das
Speiseopfer vier Kilogramm feines Mehl, mit Öl vermengt, sowie einen halben
Liter Öl.
3Mo 14,11 Der Priester führt den Mann mit seinen Opfergaben zum Eingang des
heiligen Zeltes, in meine Gegenwart.
3Mo 14,12 Eines der Lämmer und das Öl sind für das Schuldopfer bestimmt. Der
Priester weiht sie mir, dem Herrn, indem er sie vor dem Heiligtum hin- und
herschwingt.
3Mo 14,13 Dann schlachtet er das Lamm am Eingang des heiligen Zeltes, wo auch
die Tiere für das Sündopfer und für das Brandopfer geschlachtet werden. Wie das
Sündopfer steht das Schuldopfer dem Priester zu; es ist besonders heilig.
3Mo 14,14 Der Priester nimmt etwas vom Blut des Opfertieres und streicht es dem,
der gereinigt werden möchte, an das rechte Ohrläppchen, den rechten Daumen und
die rechte große Zehe.
3Mo 14,15 Nun gießt er etwas Öl in die linke Hand,
3Mo 14,16 taucht seinen rechten Zeigefinger hinein und besprengt damit siebenmal
den Altar.
3Mo 14,17 Von dem Öl in seiner Hand streicht er dem Geheilten etwas auf das
rechte Ohrläppchen, den rechten Daumen und die rechte große Zehe, wo er zuvor
das Blut des Opfertieres hingestrichen hat.
3Mo 14,18 Das restliche Öl streicht der Priester auf den Kopf des Mannes. So
soll er ihn mit mir, dem Herrn, versöhnen.
3Mo 14,19 Dann bringt er das Sündopfer dar, um den Geheilten von aller Schuld zu
befreien. Anschließend schlachtet er das Tier für das Brandopfer
3Mo 14,20 und verbrennt das Speise- und das Brandopfer auf dem Altar. So bewirkt
er, dass der Betreffende in meinen Augen wieder rein ist.
3Mo 14,21 Wenn jemand zu arm ist und sich die Opfergaben nicht leisten kann,
bringt er nur ein Lamm für das Schuldopfer. Es soll mir, dem Herrn, geweiht
werden, damit ich dem Geheilten alle Schuld vergebe. Als Speiseopfer genügen in
einem solchen Fall eineinhalb Kilogramm feines, mit Öl vermengtes Mehl sowie ein
halber Liter Öl.
3Mo 14,22 Wenn der Mann es aufbringen kann, kommen noch zwei Turteltauben oder
zwei andere Tauben dazu, eine für das Sündopfer, die andere für das Brandopfer.
3Mo 14,23 Am achten Tag, wenn er gereinigt werden möchte, bringt er diese
Opfergaben zum Priester an den Eingang des heiligen Zeltes, in meine Gegenwart.
3Mo 14,24 Der Priester nimmt das Lamm und den halben Liter Öl entgegen und
schwingt sie vor dem Heiligtum hin und her, um sie mir, dem Herrn, zu weihen.
3Mo 14,25 Dann schlachtet er das Lamm für das Schuldopfer und streicht dem
Geheilten etwas von dem Blut an das rechte Ohrläppchen, den rechten Daumen und
die rechte große Zehe.
3Mo 14,26 Anschließend gießt er Öl in die linke Hand
3Mo 14,27 und sprengt etwas davon mit seinem rechten Zeigefinger siebenmal an
den Altar.
3Mo 14,28 Von dem Öl in seiner Hand streicht er dem Geheilten etwas auf das
rechte Ohrläppchen, den rechten Daumen und die rechte große Zehe, wo er zuvor
das Blut des Opfertieres hingestrichen hat.
3Mo 14,29 Das restliche Öl streicht der Priester auf den Kopf des Mannes. So
soll er ihn mit mir, dem Herrn, versöhnen.
3Mo 14,30 [30/31] Dann bringt er eine der beiden Tauben als Sündopfer und die
andere als Brandopfer dar, zusammen mit den Speiseopfergaben. So befreit der
Priester ihn von seiner Unreinheit und sorgt dafür, dass ich, der Herr, ihm alle
Schuld vergebe.
3Mo 14,32 Diese Ordnung gilt für einen vom Aussatz Geheilten, der die volle
Opfergabe für seine Reinigung nicht aufbringen kann.«
3Mo 14,33 Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
3Mo 14,34 »Wenn ihr ins Land Kanaan kommt, das ich euch als euer Eigentum
schenken will, und ich lasse dort an einem Haus einen Schimmelpilz entstehen,
3Mo 14,35 dann soll der Besitzer seinen Verdacht dem Priester melden.
3Mo 14,36 Dieser ordnet an, das Haus auszuräumen, ehe er kommt, um den Befall zu
untersuchen. Denn sonst müsste, falls es ein Pilzbefall ist, der ganze Hausrat
für unrein erklärt werden. Nun kommt der Priester, um sich das Haus anzusehen.
3Mo 14,37 Entdeckt er im Mauerwerk rötliche oder grünliche Vertiefungen,
3Mo 14,38 verlässt er das Haus und verschließt es für sieben Tage.
3Mo 14,39 Wenn er am siebten Tag wiederkommt und sieht, dass sich der Befall am
Mauerwerk ausgebreitet hat,
3Mo 14,40 dann muss er anordnen, die befallenen Steine auszubrechen und
außerhalb der Stadt an einen unreinen Ort zu werfen.
3Mo 14,41 Die Innenwände des Hauses lässt er abkratzen und den Lehm ebenfalls
außerhalb der Stadt an einen unreinen Ort schütten.
3Mo 14,42 Dann werden die herausgebrochenen Steine durch andere ersetzt, und das
Haus wird mit neuem Lehm verputzt.
3Mo 14,43 Wenn aber der Befall wieder auftritt, nachdem man die alten Steine
herausgebrochen, den Lehm abgekratzt und das Haus neu verputzt hat,
3Mo 14,44 kommt der Priester und schaut es sich erneut an. Stellt er fest, dass
sich der Befall ausgebreitet hat, dann handelt es sich um einen hartnäckigen
Schimmelpilz, der nicht wieder verschwindet; das Haus bleibt unrein.
3Mo 14,45 Man muss es abreißen und den Schutt - die Steine, die Balken und den
Lehm - an einen unreinen Ort außerhalb der Stadt bringen.
3Mo 14,46 Wer das Haus betritt, während es verschlossen bleiben soll, ist unrein
bis zum Abend.
3Mo 14,47 Wer in dem Haus schläft oder isst, muss danach seine Kleider waschen.
3Mo 14,48 Wenn aber der Priester sieht, dass sich der Pilzbefall am Haus nicht
ausgebreitet hat, nachdem es neu verputzt wurde, soll er das Haus für rein
erklären, denn der Schimmelpilz ist verschwunden.
3Mo 14,49 Er holt dann zwei Vögel, Zedernholz, karmesinrote Wolle und ein
Büschel Ysop, um das Haus von seiner Unreinheit zu befreien.
3Mo 14,50 Den einen Vogel tötet er über einem Tongefäß mit frischem Quellwasser,
um das Blut des Tieres aufzufangen.
3Mo 14,51 Dann nimmt er das Zedernholz, den Ysop, die karmesinrote Wolle und den
lebenden Vogel und taucht alles in das Blut des ersten Vogels, das sich mit dem
Wasser vermischt hat. Siebenmal besprengt er mit dem blutvermischten Wasser das
Haus.
3Mo 14,52 So befreit er es von aller Unreinheit, die auf ihm lastet.
3Mo 14,53 Den lebenden Vogel lässt er aus der Stadt hinaus ins Freie fliegen. So
sorgt er dafür, dass das Haus in meinen Augen wieder rein ist.
3Mo 14,54 [54-56] Dieses Gesetz gilt für jede Art von krankhaftem oder
schädlichem Befall, nämlich für Hautkrankheiten wie Aussatz, Geschwüre,
Ausschläge und Flecken sowie für Schimmelpilz an Kleidung und Häusern.
3Mo 14,57 Mit Hilfe dieser Bestimmungen soll entschieden werden, wann ein Mensch
oder Gegenstand unrein oder rein ist.«
3Mo 15,1 Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
3Mo 15,2 »Richtet den Israeliten aus: Wenn ein Mann an einem krankhaften
Ausfluss aus seinem Glied leidet, ist er unrein,
3Mo 15,3 ganz gleich, ob der Ausfluss dickflüssig ist oder nicht.
3Mo 15,4 Alles, worauf der Kranke liegt oder sitzt, wird unrein.
3Mo 15,5 [5/6] Jeder, der sein Bett oder etwas, worauf er gesessen hat, berührt,
muss sich und seine Kleidung waschen und bleibt bis zum Abend unrein.
3Mo 15,7 [7-11] Dasselbe gilt, wenn jemand den Kranken berührt, mit seinem
Speichel in Kontakt kommt, etwas nimmt oder wegträgt, worauf dieser gesessen
hat, oder wenn der Kranke jemanden anfasst, ohne sich vorher die Hände gewaschen
zu haben. In allen diesen Fällen muss der Betreffende sich und seine Kleider
waschen und ist bis zum Abend unrein. Auch jeder Sattel, auf dem der Kranke
sitzt, ist unrein.
3Mo 15,12 Jedes Tongefäß, das er berührt, muss zerbrochen werden, ein Holzgefäß
soll ausgespült werden.
3Mo 15,13 Ist der Ausfluss abgeheilt, wartet der Genesene sieben Tage. Dann
wäscht er seine Kleider und sich selbst mit frischem Wasser und gilt wieder als
rein.
3Mo 15,14 Am achten Tag geht er mit zwei Turteltauben oder zwei anderen Tauben
zum Eingang des Heiligtums, in meine Gegenwart, und gibt sie dort dem Priester.
3Mo 15,15 Dieser bringt die eine Taube als Sündopfer und die andere als
Brandopfer dar und befreit den Mann so von der Unreinheit seines Ausflusses,
damit er vor mir, dem Herrn, wieder als rein gilt.
3Mo 15,16 Wenn ein Mann einen Samenerguss hat, soll er seinen ganzen Körper
waschen; bis zum Abend ist er unrein.
3Mo 15,17 Alle Kleidung und jedes Stück Leder, das mit dem Samen in Berührung
gekommen ist, muss gewaschen werden und ist bis zum Abend unrein.
3Mo 15,18 Wenn ein Mann mit einer Frau schläft, sollen sich beide waschen; sie
sind unrein bis zum Abend.«
3Mo 15,19 »Wenn eine Frau ihre monatliche Blutung hat, ist sie sieben Tage
unrein; wer sie berührt, ist ebenfalls bis zum Abend unrein.
3Mo 15,20 Alles, worauf sie sich in dieser Zeit legt oder setzt, wird unrein.
3Mo 15,21 [21/22] Jeder, der ihr Bett oder etwas, worauf sie gesessen hat,
berührt, muss sich und seine Kleider waschen; bis zum Abend bleibt er unrein.
3Mo 15,23 Liegt etwas auf ihrem Bett oder Sitz und jemand fasst es an, so wird
auch er unrein bis zum Abend.
3Mo 15,24 Wenn ein Mann während dieser Zeit mit ihr schläft, so ist auch er
sieben Tage unrein, ebenso jedes Bett, auf dem er liegt.
3Mo 15,25 Hat eine Frau Blutungen über die normale Zeit hinaus oder außerhalb
ihrer monatlichen Regel, dann ist sie während dieser Tage unrein wie zur Zeit
ihrer Monatsblutung.
3Mo 15,26 Jedes Bett, auf dem sie liegt, und jeder Gegenstand, auf dem sie
sitzt, wird unrein.
3Mo 15,27 Wer eines dieser Dinge berührt, wird ebenfalls unrein. Er muss sich
und seine Kleider waschen und bleibt bis zum Abend unrein.
3Mo 15,28 Wenn die Blutungen aufgehört haben, wartet die Frau noch weitere
sieben Tage, bis sie wieder rein ist.
3Mo 15,29 Am achten Tag geht sie mit zwei Turteltauben oder zwei anderen Tauben
zum Eingang des heiligen Zeltes und gibt sie dort dem Priester.
3Mo 15,30 Dieser bringt die eine als Sündopfer und die andere als Brandopfer dar
und befreit so die Frau von der Unreinheit ihrer Blutung, damit sie vor mir, dem
Herrn, wieder als rein gilt.
3Mo 15,31 Ihr, Mose und Aaron, sollt die Israeliten davor warnen, sich zu
verunreinigen und das Heiligtum, in dem ich mitten unter euch wohne, zu
entweihen! Denn sonst müssen sie sterben!
3Mo 15,32 Dieses Gesetz gilt für Männer, die an einem krankhaften Ausfluss
leiden oder einen Samenerguss haben, der sie unrein macht,
3Mo 15,33 für Frauen, die ihre monatliche Blutung haben, und für einen Mann, der
mit einer Frau schläft während ihrer monatlichen Regel.«
3Mo 16,1 Nach dem Tod der beiden Söhne Aarons, die dem Herrn eigenmächtig ein
Räucheropfer dargebracht hatten,
3Mo 16,2 sprach der Herr zu Mose: »Sag deinem Bruder Aaron, dass er nur zu
festgesetzten Zeiten das Allerheiligste im heiligen Zelt betreten und sich dort
vor die Deckplatte der Bundeslade stellen darf. Hält er sich nicht daran, muss
er sterben! Denn ich, der Herr, erscheine in einer Wolke über der Deckplatte.
3Mo 16,3 Aaron darf nur ins Allerheiligste gehen, wenn er sich genau an folgende
Anweisungen hält: Er soll einen jungen Stier für das Sündopfer und einen
Schafbock für das Brandopfer darbringen.
3Mo 16,4 Vorher wäscht er sich und zieht heilige Priesterkleider an: ein Gewand,
Hosen, einen Gürtel und einen Turban, alles aus Leinen.
3Mo 16,5 Die Israeliten sollen ihm zwei Ziegenböcke für das Sündopfer und einen
Schafbock für das Brandopfer geben.
3Mo 16,6 Erst bringt er den jungen Stier als Sündopfer für sich selbst und für
seine Familie dar,
3Mo 16,7 dann führt er die beiden Ziegenböcke an den Eingang des heiligen
Zeltes, in meine Gegenwart.
3Mo 16,8 Durch das Los wird entschieden, welcher der beiden für mich, den Herrn,
und welcher für Asasel bestimmt ist.
3Mo 16,9 Den Ziegenbock, der mir gehört, bringt Aaron als Sündopfer dar.
3Mo 16,10 Der andere Bock, der durch das Los dem Asasel zugefallen ist, wird zum
Heiligtum gebracht. Von dort aus soll er in die Wüste zu Asasel geschickt
werden, damit das Volk mit mir, dem Herrn, versöhnt wird.
3Mo 16,11 Zuvor aber muss Aaron den jungen Stier als Sündopfer darbringen, damit
er und seine Familie von aller Schuld befreit werden. Wenn er das Tier
geschlachtet hat,
3Mo 16,12 nimmt er eine Räucherpfanne voll glühender Kohlen vom Altar im
heiligen Zelt und zwei Hand voll zerstoßene, wohlriechende Weihrauchmischung.
Dies alles bringt er hinter den inneren Vorhang des Zeltes ins Allerheiligste.
3Mo 16,13 Dort, in meiner Gegenwart, legt er die Weihrauchmischung auf die
glühenden Kohlen. Der aufsteigende Rauch verhüllt die Deckplatte auf der
Bundeslade, so dass Aaron sie nicht sieht und nicht sterben muss.
3Mo 16,14 Er taucht einen Finger in das Blut des jungen Stieres und sprengt
etwas davon auf die Vorderseite der Deckplatte sowie siebenmal vor der
Deckplatte auf den Boden.
3Mo 16,15 Dann schlachtet er den Ziegenbock für das Sündopfer des Volkes, bringt
das Blut ins Allerheiligste und sprengt es auf die Deckplatte und davor auf den
Boden, wie er es mit dem Blut des jungen Stieres getan hat.
3Mo 16,16 So befreit er das Allerheiligste von aller Unreinheit und von aller
Schuld, die das Volk Israel auf sich geladen hat. Auch das heilige Zelt reinigt
er auf diese Weise; denn es steht mitten im Lager, das die Israeliten durch ihre
Sünden immer wieder unrein machen.
3Mo 16,17 Kein Mensch darf sich im heiligen Zelt aufhalten, wenn Aaron
hineingeht, um sich, seine Familie und das ganze Volk mit mir, dem Herrn, zu
versöhnen.
3Mo 16,18 Anschließend verlässt Aaron das Allerheiligste, geht zum Altar im
heiligen Zelt und befreit ihn von aller Schuld, die auf ihm lastet. Dazu
streicht er etwas vom Blut des jungen Stieres und des Ziegenbocks an die Hörner
des Altars.
3Mo 16,19 Mit dem Finger sprengt er siebenmal Blut an den Altar und reinigt ihn
von den Sünden der Israeliten, damit er wieder heilig ist.
3Mo 16,20 Wenn Aaron das Allerheiligste und das Heiligtum sowie den Altar
gereinigt hat, holt er den zweiten Ziegenbock,
3Mo 16,21 legt die Hände auf seinen Kopf und bekennt alle Vergehen und alle
Schuld des Volkes. So lädt er die Sünden der Israeliten auf den Kopf des
Ziegenbocks und lässt ihn durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, in die
Wüste treiben.
3Mo 16,22 Der Ziegenbock trägt alle Schuld mit sich hinaus in die Wüste.
3Mo 16,23 Aaron geht nun wieder ins heilige Zelt, zieht seine Leinengewänder
aus, in denen er das Heiligtum betrat, und lässt sie dort zurück.
3Mo 16,24 Er wäscht sich, zieht die Amtskleidung des Hohenpriesters an, geht
hinaus und bringt das Brandopfer für sich und für das Volk dar. So wird ganz
Israel wieder mit mir, dem Herrn, versöhnt.
3Mo 16,25 Auch die Fettstücke der Sündopfertiere verbrennt er auf dem Altar.
3Mo 16,26 Der Mann, der den Sündenbock für Asasel fortgetrieben hat, darf erst
wieder ins Lager zurückkehren, wenn er sich und seine Kleider gewaschen hat.
3Mo 16,27 Den jungen Stier und den Ziegenbock, die als Sündopfer dargebracht
wurden und deren Blut versprengt wurde, um das Heiligtum von aller Unreinheit zu
befreien, soll man hinaus vor das Lager bringen. Dort müssen sie vollständig
verbrannt werden, mit Fell, Fleisch und Eingeweiden.
3Mo 16,28 Jeder, der daran beteiligt ist, darf erst wieder ins Lager
zurückkehren, wenn er sich und seine Kleider gewaschen hat.
3Mo 16,29 Dies alles soll am 10. Tag des 7. Monats geschehen. Zusätzlich gelten
für diesen Tag noch folgende Ordnungen, die ihr stets einhalten müsst: Ihr sollt
fasten und keinerlei Arbeit verrichten, weder ihr noch die Ausländer, die bei
euch wohnen.
3Mo 16,30 Denn an diesem Tag werdet ihr mit mir, dem Herrn, versöhnt und von
aller Schuld befreit, die auf euch lastet.
3Mo 16,31 Der ganze Tag muss ein Ruhetag sein, an dem ihr fasten sollt. Haltet
euch für alle Zeiten daran!
3Mo 16,32 Der Hohepriester, der als Nachfolger seines Vaters gesalbt und in sein
Amt eingesetzt worden ist, soll euch an diesem Tag mit mir versöhnen. Dazu zieht
er die heiligen Priestergewänder aus Leinen an.
3Mo 16,33 Er befreit das Allerheiligste, das ganze heilige Zelt und den Altar
von aller Schuld, ebenso die anderen Priester und das ganze Volk.
3Mo 16,34 Diese Ordnung soll bei euch für alle Zeiten gelten. Einmal im Jahr
sollen alle Israeliten von ihren Sünden befreit werden.« Aaron führte alles so
aus, wie der Herr es Mose befohlen hatte.
3Mo 17,1 Der Herr befahl Mose:
3Mo 17,2 »Richte Aaron, seinen Söhnen und dem ganzen Volk aus:
3Mo 17,3 Jeder Israelit, der innerhalb oder außerhalb des Lagers ein Rind, ein
Schaf oder eine Ziege schlachtet
3Mo 17,4 und das Tier nicht zum Eingang des heiligen Zeltes bringt, um es mir,
dem Herrn, als Gabe darzubringen, lädt Schuld auf sich. Er hat Blut vergossen,
darum soll er aus seinem Volk ausgestoßen werden und sterben!
3Mo 17,5 Diese Weisung dient dazu, dass die Israeliten ihre Opfertiere, die sie
auf freiem Feld schlachten, von nun an mir, dem Herrn, darbringen. Sie sollen
die Tiere zu meiner Ehre am Eingang des heiligen Zeltes dem Priester übergeben
und sie dann als Dankopfer für mich schlachten.
3Mo 17,6 Der Priester sprengt das Blut an den Brandopferaltar vor dem Eingang
des heiligen Zeltes und verbrennt anschließend die Fettstücke auf dem Altar. Ein
solches Opfer gefällt mir, dem Herrn.
3Mo 17,7 Kein Israelit soll mir die Treue brechen, indem er weiterhin den
Dämonen sein Schlachtopfer darbringt! Diese Ordnung gilt für alle Zeiten.
3Mo 17,8 [8/9] Jeder Israelit und auch jeder Fremde, der bei euch wohnt, wird
aus dem Volk ausgestoßen und muss sterben, wenn er seine Brand- oder
Schlachtopfer nicht zum Eingang des heiligen Zeltes führt, um sie dort mir, dem
Herrn, zu weihen.«
3Mo 17,10 »Wenn ein Israelit oder ein Fremder unter euch Fleisch verzehrt, das
nicht völlig ausgeblutet ist, werde ich, der Herr, mich gegen ihn wenden! Ich
verstoße ihn aus seinem Volk und töte ihn.
3Mo 17,11 Denn im Blut ist das Leben, und ich selbst habe angeordnet, dass es
auf dem Altar dargebracht wird, um euch von eurer Schuld zu befreien. Weil im
Blut das Leben ist, darum werdet ihr durch das Blut mit mir, dem Herrn,
versöhnt.
3Mo 17,12 Niemand darf es also verzehren, weder ein Israelit noch ein Fremder,
der bei euch lebt!
3Mo 17,13 Wer auf der Jagd ein Stück Wild oder einen Vogel erlegt - ein Tier,
das man essen darf -, der soll es ausbluten lassen und das Blut mit Erde
bedecken.
3Mo 17,14 Denn im Blut ist das Leben eines jeden Tieres. Deshalb habe ich den
Israeliten verboten, Blut zu verzehren. Alles Leben ist im Blut, und wer davon
isst, muss getötet werden!
3Mo 17,15 Jeder, der Fleisch von einem verendeten oder gerissenen Tier isst,
wird bis zum Abend unrein. Er soll sich und seine Kleider waschen; dann ist er
wieder rein.
3Mo 17,16 Wer sich nicht daran hält, muss die Folgen seiner Schuld tragen!«
3Mo 18,1 Der Herr befahl Mose,
3Mo 18,2 den Israeliten dies weiterzusagen: »Ich bin der Herr, euer Gott.
3Mo 18,3 Lebt nicht nach den Sitten der Ägypter, in deren Land ihr gewohnt habt!
Richtet euch auch nicht nach den Bräuchen der Bewohner Kanaans, wohin ich euch
bringen werde! Nehmt sie nicht zum Vorbild!
3Mo 18,4 Handelt nach meinen Weisungen, lebt nach meinen Ordnungen! Ich bin der
Herr, euer Gott.
3Mo 18,5 Richtet euch nach meinen Geboten! Jedem, der sie befolgt, bringen sie
Leben. Ich bin der Herr.
3Mo 18,6 Niemand von euch darf mit einer Blutsverwandten schlafen. Dies sage
ich, der Herr.
3Mo 18,7 Du sollst nicht mit deiner Mutter schlafen, denn dadurch entehrst du
deinen Vater. Darum tu es nicht, denn sie ist deine Mutter!
3Mo 18,8 Du sollst auch nicht mit einer anderen Frau deines Vaters schlafen,
denn auch damit entehrst du deinen Vater.
3Mo 18,9 Schlaf nicht mit deiner Schwester, auch nicht mit deiner Halbschwester
oder Stiefschwester!
3Mo 18,10 Du darfst nicht mit deiner Enkelin schlafen, dem Kind deines Sohnes
oder deiner Tochter, denn dadurch entehrst du dich selbst.
3Mo 18,11 Auch sollst du nicht mit deiner Halbschwester schlafen, die von einer
Frau deines Vaters geboren wurde.
3Mo 18,12 [12/13] Das Gleiche gilt für Blutsverwandte deiner Eltern: Schlafe nie
mit der Schwester deines Vaters oder der Schwester deiner Mutter!
3Mo 18,14 Du sollst einen Bruder deines Vaters nicht entehren, indem du mit
seiner Frau schläfst, denn sie ist deine Tante.
3Mo 18,15 Auch mit deiner Schwiegertochter darfst du nicht schlafen, denn sie
ist die Frau deines Sohnes.
3Mo 18,16 Du sollst nicht mit deiner Schwägerin schlafen, sonst entehrst du
deinen Bruder.
3Mo 18,17 Wenn du mit einer Frau schläfst, darfst du nicht auch noch mit ihrer
Tochter oder ihrer Enkelin schlafen. Dies wäre eine Schande, weil sie ihre
Blutsverwandten sind.
3Mo 18,18 Heirate nicht die Schwester deiner Frau, solange deine Frau lebt.
3Mo 18,19 Du sollst nicht mit einer Frau schlafen, wenn sie ihre monatliche
Blutung hat, denn in dieser Zeit ist sie unrein.
3Mo 18,20 Schlafe nicht mit der Frau eines anderen Mannes, denn damit machst du
dich selbst unrein!
3Mo 18,21 Lass keines deiner Kinder für den Götzen Moloch als Opfer verbrennen,
denn damit entweihst du meinen Namen! Ich bin der Herr, dein Gott.
3Mo 18,22 Ein Mann darf nicht mit einem anderen Mann schlafen, denn das
verabscheue ich.
3Mo 18,23 Kein Mann und keine Frau darf mit einem Tier verkehren. Wer es tut,
macht sich unrein und lädt große Schande auf sich.
3Mo 18,24 Macht euch nicht unrein, indem ihr gegen diese Gebote verstoßt! Denn
so haben sich die Völker Kanaans verunreinigt. Ich vertreibe sie und gebe euch
das Land.
3Mo 18,25 Sie haben ihr Land unrein gemacht; doch ich lasse sie nicht ungestraft
davonkommen, sondern sorge dafür, dass das Land seine Bewohner ausspuckt.
3Mo 18,26 Lebt nach meinen Weisungen und Geboten, tut nichts, was ich
verabscheue! Das gilt für euch Israeliten und auch für alle Ausländer, die dann
bei euch wohnen.
3Mo 18,27 Die Bewohner des Landes, die vor euch dort lebten, haben alle diese
abscheulichen Dinge getan und so das Land unrein gemacht.
3Mo 18,28 Wenn auch ihr dies tut, wird das Land euch ausspucken - so wie die
Völker, die vor euch dort wohnten.
3Mo 18,29 Jeder, der eine dieser abscheulichen Sünden begeht, soll aus dem Volk
Israel ausgestoßen werden und sterben.
3Mo 18,30 Richtet euch nach meinen Geboten, und hütet euch davor, diese
abscheulichen Bräuche zu übernehmen, die bei den anderen Völkern in diesem Land
üblich sind. Verunreinigt euch nicht durch sie! Ich bin der Herr, euer Gott!«
3Mo 19,1 Der Herr befahl Mose,
3Mo 19,2 dem ganzen Volk Israel dies mitzuteilen: »Ihr sollt heilig sein, denn
ich, der Herr, euer Gott, bin heilig!
3Mo 19,3 Jeder von euch soll seine Mutter und seinen Vater achten und den Sabbat
als Ruhetag einhalten. Ich bin der Herr, euer Gott!
3Mo 19,4 Ihr sollt nicht anderen Göttern dienen und euch keine Götzenstatuen
anfertigen, denn ich bin der Herr, euer Gott!
3Mo 19,5 Wenn ihr mir ein Dankopfer darbringt, dann tut es so, dass ich Gefallen
an euch und eurem Opfer habe.
3Mo 19,6 Das Fleisch des Opfertieres müsst ihr am selben oder am folgenden Tag
verzehren. Was am dritten Tag noch übrig ist, muss verbrannt werden,
3Mo 19,7 denn dann ist es unrein. Wenn doch noch jemand davon isst, nehme ich
das Opfer nicht an.
3Mo 19,8 Er muss die Folgen tragen, denn er hat etwas entweiht, das für mich,
den Herrn, bestimmt war. Darum muss er aus seinem Volk ausgestoßen werden und
sterben.
3Mo 19,9 Wenn ihr die Getreideernte einbringt, sollt ihr eure Felder nicht ganz
bis an den Rand abmähen und keine Nachlese halten.
3Mo 19,10 Auch in euren Weinbergen soll es keine Nachlese geben. Sammelt die
Trauben am Boden nicht ein, sondern überlasst sie den Armen und Fremden! Ich bin
der Herr, euer Gott.
3Mo 19,11 Ihr sollt nicht stehlen, nicht lügen und einander nicht betrügen!
3Mo 19,12 Ihr sollt meinen Namen nicht durch einen Meineid entweihen. Ich bin
der Herr, euer Gott.
3Mo 19,13 Unterdrückt und beraubt einander nicht! Wenn ihr jemanden tageweise
beschäftigt, müsst ihr ihm jeden Abend seinen Lohn auszahlen.
3Mo 19,14 Beschimpft einen Tauben nicht, und legt einem Blinden kein Hindernis
in den Weg! Begegnet mir, eurem Gott, mit Ehrfurcht, denn ich bin der Herr.
3Mo 19,15 Vor Gericht dürft ihr das Recht nicht beugen! Begünstigt weder den
Armen noch den Einflussreichen, wenn ihr ein Urteil fällt. Jeder soll zu seinem
Recht kommen.
3Mo 19,16 Verleumdet einander nicht, und tut nichts, was das Leben anderer
gefährdet! Ich bin der Herr.
3Mo 19,17 Hege keinen Hass gegenüber deinem Mitmenschen! Wenn du etwas gegen
jemanden hast, dann weise ihn zurecht, sonst lädst du Schuld auf dich.
3Mo 19,18 Räche dich nicht, und sei nicht nachtragend! Liebe deinen Mitmenschen
wie dich selbst! Ich bin der Herr.
3Mo 19,19 Haltet euch an das, was ich euch sage. Kreuzt nicht verschiedene Arten
eures Viehs miteinander; besät eure Felder nicht mit zweierlei Saatgut; tragt
keine Kleidung aus Mischgewebe!
3Mo 19,20 Wenn ein Mann mit einer Sklavin schläft, die mit einem anderen Mann
verlobt ist, aber noch nicht freigekauft oder freigelassen wurde, dann muss der
Mann Schadenersatz leisten. Die beiden müssen aber nicht getötet werden, denn
die Frau war nicht frei.
3Mo 19,21 Der Mann soll einen Schafbock als Schuldopfer zu mir, dem Herrn, an
den Eingang des heiligen Zeltes bringen.
3Mo 19,22 Der Priester opfert das Tier, damit der Mann von seiner Schuld befreit
wird. Dann werde ich, der Herr, seine Sünde vergeben.
3Mo 19,23 Wenn ihr ins Land Kanaan kommt und Obstbäume pflanzt, dann sind ihre
Früchte in den ersten drei Jahren für euch verboten; ihr dürft sie nicht essen.
3Mo 19,24 Im vierten Jahr bringt ihr mir, dem Herrn, alle Früchte als
Erntedankopfer dar.
3Mo 19,25 Vom fünften Jahr an dürft ihr die Früchte essen. Wenn ihr euch daran
haltet, wird eure Ernte umso reicher sein. Ich bin der Herr, euer Gott.
3Mo 19,26 Esst kein Fleisch, das nicht völlig ausgeblutet ist! Treibt keine
Wahrsagerei und Zauberei!
3Mo 19,27 [27/28] Wenn ihr um einen Toten trauert, dann schneidet nicht euer
Haupthaar rundum ab; stutzt auch nicht eure Bärte, ritzt euch nicht in die Haut,
und macht euch keine Tätowierungen! Ich bin der Herr.
3Mo 19,29 Entehrt eure Töchter nicht, indem ihr sie zur Prostitution anstiftet!
Sonst wird das ganze Land zu einer Stätte des Treuebruchs, und ich verabscheue
alles, was dort geschieht.
3Mo 19,30 Haltet den Sabbat als Ruhetag ein, und habt Ehrfurcht vor meinem
Heiligtum! Ich bin der Herr.
3Mo 19,31 Sucht niemals Hilfe bei Totenbeschwörern und Wahrsagern, denn sonst
seid ihr in meinen Augen unrein. Ich bin der Herr, euer Gott.
3Mo 19,32 Begegnet alten Menschen mit Achtung und Respekt, und ehrt mich, den
Herrn, euren Gott!
3Mo 19,33 Unterdrückt die Fremden nicht, die bei euch leben,
3Mo 19,34 sondern behandelt sie wie euresgleichen. Liebt sie wie euch selbst,
denn auch ihr seid Fremde in Ägypten gewesen! Ich bin der Herr, euer Gott.
3Mo 19,35 Beugt nicht das Recht vor Gericht, betrügt nicht mit falschen Maßen
und Gewichtsangaben,
3Mo 19,36 verwendet genaue Waagen und richtige Gewichtssteine! Eure Hohlmaße für
Getreide und Flüssigkeiten dürfen nicht gefälscht sein. Ich bin der Herr, euer
Gott, der euch aus Ägypten befreit hat.
3Mo 19,37 Lebt nach allen meinen Ordnungen und Geboten, und befolgt sie! Ich bin
der Herr.«
3Mo 20,1 Der Herr befahl Mose,
3Mo 20,2 den Israeliten dies weiterzusagen: »Wer von euch oder von den Fremden,
die bei euch leben, eines seiner Kinder dem Götzen Moloch opfert, muss sterben!
Das Volk soll ihn steinigen.
3Mo 20,3 Ich selbst werde mich gegen ihn wenden, ihn aus seinem Volk ausstoßen
und töten. Denn er hat mein Heiligtum entweiht und meinen heiligen Namen
beschmutzt, indem er eines seiner Kinder dem Götzen Moloch geopfert hat.
3Mo 20,4 Wenn die Israeliten die Augen davor verschließen und ihn nicht
hinrichten,
3Mo 20,5 strafe ich selbst diesen Mann und seine Familie. Ich verstoße ihn aus
seinem Volk und töte ihn - zusammen mit allen, die mir, dem Herrn, die Treue
gebrochen und den Götzen Moloch angebetet haben.
3Mo 20,6 Mein Zorn trifft auch jeden, der bei Totenbeschwörern und Wahrsagern
Hilfe sucht und mir so die Treue bricht: Ich verstoße ihn aus seinem Volk und
lasse ihn sterben.
3Mo 20,7 Dient nur mir allein, und lebt als mein heiliges Volk, denn ich bin der
Herr, euer Gott!
3Mo 20,8 Richtet euch nach meinen Ordnungen, und befolgt sie! Ich bin der Herr,
der euch heilig macht.
3Mo 20,9 Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, muss getötet werden! Er
hat für sein Verbrechen nichts anderes verdient.
3Mo 20,10 Wenn ein Mann mit der Frau eines anderen Israeliten die Ehe bricht,
sollen beide getötet werden.
3Mo 20,11 Schläft ein Mann mit der Frau seines Vaters, dann entehrt er seinen
Vater. Er und die Frau müssen sterben, sie sind selbst schuld an ihrem Tod.
3Mo 20,12 Wenn ein Mann mit seiner Schwiegertochter schläft, sollen beide mit
dem Tod bestraft werden. Sie haben etwas Abscheuliches getan und müssen die
Folgen tragen.
3Mo 20,13 Wenn ein Mann mit einem anderen Mann schläft, ist dies eine widerliche
Tat. Beide sollen mit dem Tod bestraft werden, ihre Schuld fällt auf sie zurück.
3Mo 20,14 Heiratet ein Mann eine Frau und dann noch ihre Mutter, ist das ein
schändliches Vergehen. Man soll ihn und die beiden Frauen verbrennen, damit so
etwas nie wieder bei euch geschieht.
3Mo 20,15 Wenn ein Mann mit einem Tier verkehrt, soll er hingerichtet werden,
und auch das Tier soll man töten.
3Mo 20,16 Verkehrt eine Frau mit einem Tier, muss man die Frau und das Tier
töten. Beide müssen sterben, denn ihre Schuld fällt auf sie zurück.
3Mo 20,17 Heiratet ein Mann seine Schwester oder Halbschwester, ist das eine
Schande. Beide müssen öffentlich hingerichtet werden. Weil der Mann mit seiner
Schwester geschlafen hat, ist er selbst schuld an seinem Tod.
3Mo 20,18 Wenn ein Mann mit einer Frau während der Zeit ihrer monatlichen
Blutung schläft, so machen beide sich damit unrein. Sie müssen aus dem Volk
ausgestoßen werden und sterben.
3Mo 20,19 Niemand darf mit der Schwester seiner Mutter oder seines Vaters
schlafen. Das ist Blutschande, und beide müssen die Folgen tragen.
3Mo 20,20 Wer mit der Frau seines Onkels schläft, entehrt seinen Onkel. Er und
die Frau werden die Folgen tragen und ohne Nachkommen sterben.
3Mo 20,21 Wenn ein Mann die Frau seines Bruders heiratet, ist das eine Schande.
Weil er seinen Bruder damit entehrt, werden er und die Frau kinderlos bleiben.
3Mo 20,22 Haltet euch an meine Ordnungen, lebt nach meinen Geboten! Dann werdet
ihr nicht aus dem Land Kanaan verstoßen, in das ich euch bringe und in dem ihr
wohnen sollt.
3Mo 20,23 Richtet euch nicht nach den Sitten und Bräuchen der Völker im Land!
Ich werde sie verstoßen, weil sie alle diese Dinge getan haben, die in meinen
Augen abscheulich sind. Darum werde ich euch das Land geben.
3Mo 20,24 Ich habe es euch zugesagt und versprochen, dass ihr es in Besitz
nehmen könnt, ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Ich bin der Herr, euer
Gott; euch habe ich unter allen Völkern zu einem besonderen Volk gemacht.
3Mo 20,25 Deshalb müsst ihr unterscheiden zwischen reinem und unreinem Vieh,
zwischen reinen und unreinen Vögeln. Verunreinigt euch nicht, indem ihr Vieh,
Vögel oder Kriechtiere esst, die ich für unrein erklärt habe!
3Mo 20,26 Ihr sollt heilig sein und mir allein dienen, denn ich, der Herr, bin
heilig. Euch habe ich als einziges Volk zu meinem Eigentum erwählt.
3Mo 20,27 Ein Totenbeschwörer oder Wahrsager muss getötet werden, ganz gleich,
ob Mann oder Frau. Man soll sie steinigen, sie sind selbst schuld an ihrem Tod.«
3Mo 21,1 Der Herr befahl Mose, folgende Anweisungen den Priestern, den
Nachkommen Aarons, weiterzugeben: »Ein Priester darf sich nicht verunreinigen,
indem er eine Leiche berührt.
3Mo 21,2 [2/3] Er darf sich nur unrein machen, wenn jemand von seinen engsten
Familienangehörigen stirbt - der Vater, die Mutter, ein Sohn, eine Tochter, ein
Bruder oder eine unverheiratete Schwester, die in seinem Haus gewohnt hat.
3Mo 21,4 War seine Schwester aber verheiratet, darf er ihre Leiche nicht
berühren, denn er würde sich sonst verunreinigen.
3Mo 21,5 Kein Priester darf sich bei einem Trauerfall eine Glatze scheren, den
Bart stutzen oder sich die Haut einritzen.
3Mo 21,6 Ein Priester soll mir allein dienen und meinen Namen nicht entweihen.
Denn er bringt mir, dem Herrn, seinem Gott, die Opfer dar. Sie sind meine
Speise, darum muss er darauf achten, dass er sich nicht verunreinigt.
3Mo 21,7 Er darf weder eine Hure heiraten noch ein Mädchen, das keine Jungfrau
mehr ist, noch eine geschiedene Frau. Denn er ist mir, seinem Gott, geweiht.
3Mo 21,8 Ein Priester soll als ein heiliger Mann geachtet werden, denn er bringt
die Opfer für mich dar. Betrachtet ihn als heilig, denn ich, der Herr, bin
heilig, und ich habe euch dazu bestimmt, mir allein zu dienen.
3Mo 21,9 Wenn die Tochter eines Priesters zu einer Hure wird, entehrt sie sich
und ihren Vater. Darum soll sie verbrannt werden.
3Mo 21,10 Der Hohepriester wurde mit Öl gesalbt und in sein Amt eingesetzt. Er
trägt die heiligen Gewänder. Deshalb darf er nicht als Zeichen der Trauer seine
Haare ungekämmt lassen oder seine Kleidung zerreißen.
3Mo 21,11 Er darf keine Leiche berühren, nicht einmal die seines Vaters oder
seiner Mutter. Denn sonst würde er sich verunreinigen.
3Mo 21,12 Solange ein Toter in seinem Haus liegt, soll er den Bereich des
Heiligtums nicht verlassen und nach Hause gehen. Er würde sonst das Heiligtum
entweihen, denn er ist mit dem heiligen Öl zum Priester geweiht worden. Ich bin
der Herr!
3Mo 21,13 Der Hohepriester darf nur eine Jungfrau heiraten,
3Mo 21,14 keine Witwe, keine Geschiedene und keine Hure, sondern nur ein Mädchen
aus seinem Stamm.
3Mo 21,15 Denn sonst würden seine Kinder unrein. Ich bin der Herr, und ich habe
ihn dazu bestimmt, mir allein zu dienen!«
3Mo 21,16 Weiter sagte der Herr zu Mose:
3Mo 21,17 »Dies sollst du Aaron ausrichten: Wenn einer seiner Nachkommen eine
Krankheit oder eine Behinderung hat, darf er mir keine Opfergaben auf dem Altar
darbringen. Dies gilt für alle Generationen.
3Mo 21,18 Kein Blinder oder Gelähmter darf den Dienst im Heiligtum verrichten,
auch kein Verstümmelter oder Entstellter,
3Mo 21,19 niemand mit einem gebrochenen Fuß oder einer gebrochenen Hand,
3Mo 21,20 mit Buckel oder Muskelschwund oder einem weißen Fleck im Auge,
niemand, der an Krätze oder an einer Hautkrankheit leidet oder verletzte Hoden
hat.
3Mo 21,21 Kein Nachkomme Aarons mit einer Krankheit oder Behinderung darf zum
Altar treten, um mir, dem Herrn, die Opfer darzubringen, die meine Speise sind.
3Mo 21,22 Er darf zwar von den heiligen, ja sogar von den besonders heiligen
Opfergaben essen, die den Priestern zustehen,
3Mo 21,23 aber er soll nicht an den Vorhang zum Allerheiligsten und an den
Brandopferaltar treten! Er würde sonst mein Heiligtum entweihen. Ich bin der
Herr, und mein Heiligtum soll heilig bleiben!«
3Mo 21,24 Mose gab diese Weisungen Aaron, seinen Söhnen und allen Israeliten
weiter.
3Mo 22,1 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 22,2 »Sag Aaron und seinen Söhnen, sie sollen sorgfältig mit den Opfergaben
der Israeliten umgehen, sonst entweihen sie meinen heiligen Namen. Ich bin der
Herr.
3Mo 22,3 Für alle künftigen Generationen soll gelten: Wenn ein Priester unrein
ist und trotzdem die mir geweihten Opfergaben der Israeliten berührt, werde ich
ihn verstoßen, und er muss sterben. Ich bin der Herr.
3Mo 22,4 Kein Nachkomme Aarons, der an Aussatz oder Ausfluss leidet, darf seinen
Anteil an den heiligen Opfergaben essen, bevor er wieder rein ist. Hat er etwas
berührt, das durch einen Toten verunreinigt worden ist, hat er einen Samenerguss
gehabt,
3Mo 22,5 ein unreines Kriechtier angefasst oder einen Menschen, der gerade
unrein ist,
3Mo 22,6 dann gilt er selbst als unrein bis zum Abend. Er kann erst wieder von
den heiligen Opfergaben essen, wenn er sich gewaschen hat.
3Mo 22,7 Erst nach Sonnenuntergang ist er wieder rein. Dann darf er seinen
Anteil an den heiligen Opfergaben essen, denn sie sind sein Lebensunterhalt.
3Mo 22,8 Er soll aber kein Fleisch von verendeten oder gerissenen Tieren
verzehren, denn dadurch wird er unrein. Ich bin der Herr.
3Mo 22,9 Die Priester müssen meine Weisungen beachten. Sonst laden sie Schuld
auf sich und müssen sterben, weil sie heilige Dinge entweiht haben. Ich bin der
Herr, und ich habe sie dazu bestimmt, mir allein zu dienen.
3Mo 22,10 Nur wer zur Familie des Priesters gehört, darf von den heiligen
Opfergaben essen. Wer lediglich in seinem Haus wohnt oder tageweise bei ihm
Arbeit findet, darf dies nicht!
3Mo 22,11 Ein Sklave aber, den ein Priester kauft, kann von den Gaben essen,
ebenso jeder Sklave, der im Haus des Priesters geboren wurde.
3Mo 22,12 Heiratet die Tochter eines Priesters einen Mann, der nicht zu den
Nachkommen Aarons gehört, darf sie nicht mehr von den heiligen Abgaben essen.
3Mo 22,13 Wenn sie aber als Witwe oder Geschiedene in das Haus ihres Vaters
zurückkehrt und keine Kinder hat, darf sie von den Anteilen am Opfer essen, die
ihr Vater erhält. Wer nicht zur Priesterfamilie gehört, darf auf keinen Fall
davon essen!
3Mo 22,14 Wenn jemand versehentlich etwas vom Anteil eines Priesters isst, muss
er ihm alles erstatten und noch ein Fünftel dazugeben.
3Mo 22,15 Die Priester dürfen die heiligen Abgaben für den Herrn nicht
entweihen, die sie von den Israeliten empfangen.
3Mo 22,16 Wenn sie dem Volk erlauben, davon zu essen, würden sie zulassen, dass
es große Schuld auf sich lädt. Ich bin der Herr, und die Opfergaben der
Israeliten sind allein mir geweiht.«
3Mo 22,17 Der Herr befahl Mose:
3Mo 22,18 »Sag Aaron, seinen Söhnen und allen Israeliten: Wenn ein Israelit oder
ein Fremder bei euch mir, dem Herrn, ein Brandopfer darbringen will - sei es
freiwillig oder um ein Gelübde einzulösen -,
3Mo 22,19 dann muss er ein fehlerloses, männliches Tier aussuchen, ein Rind, ein
Schaf oder eine Ziege. Nur dann werde ich die Gabe gnädig annehmen.
3Mo 22,20 Opfert kein Tier, das einen Fehler hat, denn ich, der Herr, werde es
nicht annehmen!
3Mo 22,21 Wer mir, dem Herrn, ein Dankopfer darbringt, weil er ein Gelübde
erfüllen oder eine freiwillige Gabe bringen will, soll dafür ein fehlerloses
Tier aussuchen, ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege. Dann nehme ich das Opfer
gnädig an.
3Mo 22,22 Ihr dürft kein Tier auf dem Altar für mich, den Herrn, verbrennen, das
blind ist, gebrochene Gliedmaßen hat, verstümmelt ist, Geschwüre, Krätze oder
eine Flechte hat.
3Mo 22,23 Ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege mit einem überlangen oder
unterentwickelten Körperteil könnt ihr als freiwillige Opfergabe bringen; ich
nehme es aber nicht an, wenn ihr damit ein Gelübde erfüllen wollt.
3Mo 22,24 Kastrierte Tiere, deren Hoden zerquetscht, zerstoßen, abgerissen oder
abgeschnitten wurden, dürft ihr mir nicht darbringen! Ihr sollt in eurem Land
weder Tiere kastrieren
3Mo 22,25 noch solche Tiere von einem Ausländer kaufen, um sie mir, dem Herrn,
zu opfern. Sie sind nicht unversehrt und makellos, deshalb werde ich ein solches
Opfer nicht gnädig annehmen.«
3Mo 22,26 Weiter sagte der Herr zu Mose:
3Mo 22,27 »Wenn ein Kalb, ein Lamm oder ein Zicklein geboren wird, soll es die
ersten sieben Tage bei seiner Mutter bleiben. Erst vom achten Tag an nehme ich,
der Herr, es als Opfergabe an.
3Mo 22,28 Ihr dürft das Muttertier nicht am selben Tag wie das Junge schlachten.
3Mo 22,29 Wenn ihr mir, dem Herrn, ein Dankopfer darbringen wollt, dann tut es
so, dass ich es gnädig annehmen kann:
3Mo 22,30 Das Fleisch muss noch am selben Tag gegessen werden, nichts darf bis
zum nächsten Morgen übrig bleiben. Das befehle ich, der Herr.
3Mo 22,31 Haltet meine Gebote, lebt danach, denn ich bin der Herr!
3Mo 22,32 Entweiht nicht meinen heiligen Namen! Alle Israeliten sollen mich als
ihren heiligen Gott verehren. Ich bin der Herr, und ich habe euch dazu bestimmt,
mir allein zu dienen.
3Mo 22,33 Aus Ägypten habe ich euch befreit, um euer Gott zu sein, ich, der
Herr!«
3Mo 23,1 Der Herr befahl Mose,
3Mo 23,2 den Israeliten Folgendes weiterzusagen: »Dies sind die Feste, an denen
sich das ganze Volk zu meiner Ehre versammeln soll, um mich anzubeten.
3Mo 23,3 Sechs Tage sollt ihr arbeiten, aber der siebte Tag ist ein ganz
besonderer Ruhetag. Dann sollt ihr euch zum Gottesdienst versammeln. Es ist der
Sabbat, der mir, dem Herrn, geweiht ist. An diesem Tag dürft ihr keinerlei
Arbeit verrichten, wo immer ihr auch wohnt.«
3Mo 23,4 »Auch an den folgenden Festen, die ihr einmal im Jahr zu meiner Ehre
feiert, sollt ihr euch versammeln, um mich anzubeten:
3Mo 23,5 Am 14. Tag des 1. Monats in der Abenddämmerung wird das Passahfest für
mich, den Herrn, gefeiert.
3Mo 23,6 Am darauf folgenden Tag beginnt das Fest der ungesäuerten Brote. Feiert
es mir zu Ehren! Sieben Tage lang sollt ihr Brot essen, das ohne jeden Sauerteig
gebacken wurde.
3Mo 23,7 Am ersten dieser sieben Tage sollt ihr keine Arbeit verrichten, sondern
gemeinsam mich, den Herrn, anbeten.
3Mo 23,8 Bringt mir sieben Tage lang Opfer dar! Am letzten Tag sollt ihr euch
wieder zum Gottesdienst versammeln; auch dann dürft ihr nicht arbeiten.«
3Mo 23,9 Der Herr sagte zu Mose:
3Mo 23,10 »Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und dort die
Getreideernte einbringt, sollt ihr die erste Garbe dem Priester geben.
3Mo 23,11 Dieser schwingt sie am Tag nach dem folgenden Sabbat vor dem heiligen
Zelt hin und her. So weiht er eure Gabe mir, dem Herrn, und ich werde sie gnädig
annehmen.
3Mo 23,12 Am selben Tag müsst ihr mir ein fehlerloses, einjähriges Lamm als
Brandopfer darbringen,
3Mo 23,13 dazu als Speiseopfer zweieinhalb Kilogramm feines Mehl, mit Öl
vermengt. Verbrennt alles für mich auf dem Altar; dann nehme ich es gnädig an.
Gebt als Trankopfer noch einen Liter Wein dazu.
3Mo 23,14 Erst wenn ihr mir, eurem Gott, diese Gaben dargebracht habt, dürft ihr
die frischen Körner rösten, Brot daraus backen und von dem Getreide essen. Diese
Ordnung gilt für alle Generationen, wo immer ihr auch wohnt.«
3Mo 23,15 »Vom Tag nach dem Sabbat, an dem ihr die ersten Ähren mir, dem Herrn,
geweiht habt, zählt ihr genau sieben Wochen.
3Mo 23,16 Am fünfzigsten Tag, nach dem siebten Sabbat, sollt ihr mir ein
Speiseopfer von der neuen Ernte darbringen.
3Mo 23,17 Jede Familie gibt zwei Brote, die jeweils aus zweieinhalb Kilogramm
feinem Weizenmehl mit Sauerteig gebacken wurden. Diese Opfergaben, die ihr mir
weihen sollt, müssen vom ersten Getreide genommen werden.
3Mo 23,18 Zusätzlich bringt ihr sieben fehlerlose, einjährige Lämmer, einen
Jungstier und zwei Schafböcke als Brandopfer dar. Dazu kommen noch die üblichen
Speise- und Trankopfer. Ein solches Opfer gefällt mir, dem Herrn, gut, und ich
nehme es an.
3Mo 23,19 Sucht auch einen Ziegenbock für das Sündopfer und zwei einjährige
Lämmer für das Brandopfer aus!
3Mo 23,20 Der Priester weiht mir alle diese Opfergaben, zusammen mit dem Brot
der ersten Ernte und den beiden Lämmern. Sie gehören mir, und der Priester darf
sie als seinen Anteil am Opfer behalten.
3Mo 23,21 An diesem Tag sollt ihr euch versammeln, um mich anzubeten. Ihr dürft
dann keinerlei Arbeit verrichten! Diese Ordnung gilt für alle künftigen
Generationen, wo immer ihr auch wohnt.
3Mo 23,22 Wenn ihr die Getreideernte einbringt, sollt ihr eure Felder nicht ganz
bis an den Rand abmähen und auch keine Nachlese halten. Überlasst die Reste den
Armen und Fremden! Ich bin der Herr, euer Gott.«
3Mo 23,23 Weiter sagte der Herr zu Mose:
3Mo 23,24 »Der 1. Tag des 7. Monats soll ein Ruhetag für euch sein, an dem ihr
euch mir zu Ehren versammelt. Zur Erinnerung daran sollen die Posaunen laut
geblasen werden.
3Mo 23,25 Lasst an diesem Tag alle Arbeit ruhen, und bringt mir, dem Herrn, eure
Opfer auf dem Altar dar!«
3Mo 23,26 Der Herr sagte zu Mose:
3Mo 23,27 »Der 10. Tag des 7. Monats ist der Tag der Versöhnung. Dann sollt ihr
fasten, euch zu meiner Ehre versammeln und eure Opfer auf dem Altar verbrennen.
3Mo 23,28 Ihr dürft keinerlei Arbeit verrichten, denn an diesem Tag werdet ihr
mit mir, dem Herrn, eurem Gott, versöhnt und von all euren Sünden befreit.
3Mo 23,29 Wer an diesem Tag nicht fastet, muss aus seinem Volk ausgestoßen
werden und sterben.
3Mo 23,30 Ich selbst lasse jeden umkommen, der an diesem Tag irgendeine Arbeit
verrichtet.
3Mo 23,31 Arbeitet auf keinen Fall am Versöhnungstag! Diese Ordnung gilt für
alle künftigen Generationen, wo immer ihr auch wohnt.
3Mo 23,32 Der Versöhnungstag ist ein ganz besonderer Feiertag, an dem ihr fasten
sollt und nicht arbeiten dürft. Er dauert vom Abend des 9. Tages bis zum
folgenden Abend.«
3Mo 23,33 Der Herr sagte zu Mose:
3Mo 23,34 »Am 15. Tag des 7. Monats beginnt das Laubhüttenfest, das sieben Tage
dauert. Feiert es zu meiner Ehre!
3Mo 23,35 Am ersten Tag sollt ihr euch versammeln, um mich, den Herrn,
anzubeten. Dann dürft ihr nicht arbeiten.
3Mo 23,36 Sieben Tage lang bringt ihr mir eure Opfer dar; am achten Tag kommt
ihr wieder zu einem Festgottesdienst zusammen und opfert mir eure Gaben. Auch an
diesem Tag dürft ihr keine Arbeit verrichten.
3Mo 23,37 Dies sind die jährlichen Feste zu meiner Ehre, an denen ihr euch zum
Gottesdienst versammelt und mir eure Brand-, Speise-, Schlacht- und Trankopfer
darbringt, wie es für den jeweiligen Tag vorgeschrieben ist.
3Mo 23,38 Dazu kommen die wöchentlichen Sabbatfeiern, eure Geschenke sowie die
versprochenen und freiwilligen Gaben, die ihr mir, dem Herrn, bringt.
3Mo 23,39 Am 15. Tag des 7. Monats, wenn ihr die Ernte eingebracht habt, sollt
ihr sieben Tage lang das Laubhüttenfest zu meiner Ehre feiern. Der erste und der
achte Tag sind Ruhetage.
3Mo 23,40 Am ersten Tag sammelt ihr schöne Baumfrüchte, Palmwedel, Zweige von
Laubbäumen und von Bachpappeln. Feiert sieben Tage lang ein fröhliches Fest für
mich, den Herrn, euren Gott.
3Mo 23,41 Jedes Jahr sollt ihr im siebten Monat eine Woche lang feiern! Diese
Ordnung gilt für alle Generationen, wo immer ihr auch lebt.
3Mo 23,42 Während der Festwoche sollt ihr in Laubhütten wohnen; das gilt für
alle Israeliten im Land.
3Mo 23,43 So behalten eure Nachkommen für alle Zeiten im Gedächtnis, dass ich,
der Herr, euch Israeliten in Laubhütten wohnen ließ, als ich euch aus Ägypten
führte. Ich bin der Herr, euer Gott!«
3Mo 23,44 Mose gab den Israeliten alle Anweisungen für die jährlichen Feste
weiter, die zur Ehre des Herrn gefeiert werden sollten.
3Mo 24,1 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 24,2 »Sag den Israeliten, sie sollen dir reines Öl aus zerstoßenen Oliven
für den Leuchter bringen, damit die Lampen ständig brennen.
3Mo 24,3 Aaron soll den Leuchter im heiligen Zelt aufstellen - vor dem Vorhang
zum Allerheiligsten, in dem die Bundeslade steht. Vom Abend bis zum Morgen soll
das Licht brennen und mein Heiligtum erhellen. Diese Weisung gilt für euch und
alle kommenden Generationen.
3Mo 24,4 Aaron muss dafür sorgen, dass die Lampen auf dem goldenen Leuchter im
Heiligtum nicht verlöschen!
3Mo 24,5 Backt zwölf Fladenbrote, jedes aus zweieinhalb Kilogramm Weizenmehl,
3Mo 24,6 und legt sie in zwei Stapeln zu je sechs Broten auf den goldenen Tisch
in meinem Heiligtum!
3Mo 24,7 Auf die Brote sollt ihr reinen Weihrauch streuen. Anschließend müsst
ihr den Weihrauch - anstelle der Brote - auf dem Altar verbrennen.
3Mo 24,8 An jedem Sabbat werden neue Brote im Heiligtum aufgeschichtet. Diese
Weisung sollen die Israeliten für alle Zeiten beachten!
3Mo 24,9 Nur Aaron und seine Söhne dürfen von den Broten im Bereich des
Heiligtums essen. Sie stehen ihnen für alle Zeiten als Anteil an den besonders
heiligen Gaben zu.«
3Mo 24,10 [10/11] Im Lager der Israeliten lebte ein Mann, der eine israelitische
Mutter und einen ägyptischen Vater hatte. Seine Mutter hieß Schelomit, sie war
eine Tochter Dibris und gehörte zum Stamm Dan. Dieser Mann geriet eines Tages
mit einem Israeliten in Streit. Dabei fluchte er und verhöhnte den Herrn. Man
brachte ihn zu Mose
3Mo 24,12 und nahm ihn dann in Gewahrsam, um auf eine Weisung des Herrn zu
warten.
3Mo 24,13 Der Herr sprach zu Mose:
3Mo 24,14 »Führe den Mann, der mich verhöhnt hat, aus dem Lager hinaus! Alle
Zeugen, die sein Fluchen gehört haben, sollen ihm die Hand auf den Kopf legen.
Dann müssen alle Versammelten ihn steinigen.
3Mo 24,15 Sag den Israeliten: Jeder, der seinen Gott verflucht, muss die Folgen
seiner Sünde tragen:
3Mo 24,16 Wer den Namen des Herrn verhöhnt, muss mit dem Tod bestraft werden.
Alle Israeliten sollen ihn steinigen, ganz gleich, ob er ein Fremder oder ein
Einheimischer ist!
3Mo 24,17 Wer einen anderen Menschen umbringt, muss ebenfalls sterben.
3Mo 24,18 Wer ein Stück Vieh tötet, muss es ersetzen. Es gilt der Grundsatz:
Leben für Leben!
3Mo 24,19 Wenn jemand seinem Mitmenschen Schaden zufügt und ihn verletzt, soll
er dasselbe am eigenen Leib zu spüren bekommen.
3Mo 24,20 Bei der Festlegung jeder Strafe sollt ihr euch nach dem Grundsatz
richten: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Knochenbruch um Knochenbruch. Was jemand
einem anderen angetan hat, muss ihm selbst zugefügt werden.
3Mo 24,21 Wer ein Stück Vieh tötet, soll es ersetzen. Wer einen Menschen
umbringt, muss sterben.
3Mo 24,22 Für alle, ob Einheimische oder Fremde, soll das gleiche Recht gelten.
Ich bin der Herr, euer Gott.«
3Mo 24,23 Mose richtete den Israeliten alle Worte des Herrn aus. Daraufhin
führten sie den Mann, der den Herrn verhöhnt hatte, aus dem Lager hinaus und
steinigten ihn. So befolgten sie die Weisung, die Mose vom Herrn bekommen hatte.
3Mo 25,1 Auf dem Berg Sinai sprach der Herr zu Mose:
3Mo 25,2 [2/3] »Dies sollst du den Israeliten weitersagen: Wenn ihr in das Land
kommt, das ich euch schenken will, sollen nach jedem sechsten Jahr alle Äcker
und Weinberge ein Jahr lang zu meiner Ehre brachliegen. Bestellt eure Felder,
beschneidet eure Weinberge, und erntet die Früchte eurer Arbeit sechs Jahre
lang!
3Mo 25,4 Im siebten Jahr aber soll das Land ruhen und sich erholen. Dieses Jahr
ist mir, dem Herrn, geweiht. Dann dürft ihr weder eure Felder bestellen noch
eure Weinstöcke beschneiden.
3Mo 25,5 Bringt auch keine Ernte ein, weder vom Getreide, das wild auf den
Feldern wächst, noch von den Trauben an euren unbeschnittenen Weinstöcken! Das
Land soll ein Ruhejahr haben.
3Mo 25,6 Jeder darf aber einsammeln, was er für sich selbst zum Leben braucht,
ihr, eure Sklaven und Sklavinnen, eure Lohnarbeiter und die Fremden, die bei
euch leben.
3Mo 25,7 Euer Vieh und die wilden Tiere finden genug zu essen.«
3Mo 25,8 »Nach sieben Ruhejahren, also nach 49 Jahren,
3Mo 25,9 sollt ihr im 50. Jahr am Versöhnungstag, am 10. Tag des 7. Monats, die
Signaltrompeten im ganzen Land blasen lassen.
3Mo 25,10 Das 50. Jahr soll für euch ein heiliges Jahr sein! Es ist ein
Erlassjahr. Gebt dann allen Bewohnern des Landes, die sich hoch verschuldet
haben und so zu Sklaven wurden, ihre Freiheit wieder. Jeder erhält seinen
verpfändeten Grundbesitz zurück und kann zu seiner Sippe zurückkehren.
3Mo 25,11 Alle Schulden müssen in diesem Jahr erlassen werden. Streut kein
Saatgut aus! Bringt keine Ernte ein - auch nicht von dem, was auf den Feldern
von selbst nachwächst -, und haltet keine Weinlese!
3Mo 25,12 Das Erlassjahr soll für euch heilig sein. Jeder darf täglich nur das
einsammeln, was er zum Leben braucht.
3Mo 25,13 In diesem Jahr soll auch jeder von euch seinen alten Grundbesitz
zurückbekommen.
3Mo 25,14 Übervorteilt einander nicht beim Kauf oder Verkauf von Land!
3Mo 25,15 Weil im Erlassjahr jedes Stück Land wieder dem alten Besitzer zufällt,
soll beim Kaufpreis berücksichtigt werden, wie viele Jahre der Käufer das Land
noch bewirtschaften kann:
3Mo 25,16 Je höher die Anzahl der Ertragsjahre ist, desto höher ist auch der
Kaufpreis. Umgekehrt mindert sich der Preis umso mehr, je näher das Erlassjahr
kommt. Der Preis des Landes hängt ab von der Zahl der Ernten bis zum nächsten
Erlassjahr.
3Mo 25,17 Betrügt einander nicht! Habt Ehrfurcht vor mir, denn ich bin der Herr,
euer Gott!
3Mo 25,18 Haltet euch an meine Ordnungen, richtet euch nach meinen Geboten! Wenn
ihr danach lebt, werdet ihr sicher in eurem Land wohnen.
3Mo 25,19 Es wird reichen Ertrag bringen, und ihr habt genug zu essen. In Ruhe
und Frieden könnt ihr dort leben.
3Mo 25,20 Wenn ihr euch fragt, was ihr im siebten Jahr essen sollt, weil ihr
nicht sät und erntet,
3Mo 25,21 dann sollt ihr wissen: Ich schenke euch im sechsten Jahr genug Ertrag
für drei Jahre.
3Mo 25,22 Wenn ihr im achten Jahr wieder aussät, werdet ihr euch noch bis zur
kommenden Ernte vom Ertrag des sechsten Jahres ernähren können.«
3Mo 25,23 »Ihr dürft euren Grund und Boden nicht endgültig verkaufen, denn das
Land gehört nicht euch, sondern mir! Ihr wohnt hier als Gäste.
3Mo 25,24 Im ganzen Land sollt ihr ein Rückkaufsrecht auf Grund und Boden
gewähren.
3Mo 25,25 Wenn ein Israelit verarmt und deshalb einen Teil seines Grundbesitzes
verkauft, muss sein nächster Verwandter das Grundstück zurückerwerben.
3Mo 25,26 Hat er keinen Verwandten, der es an seiner Stelle kauft, bringt aber
selbst nach einiger Zeit die erforderliche Summe auf,
3Mo 25,27 dann soll er die Jahre seit dem Verkauf auf den Wert anrechnen und den
Restwert dem Käufer auszahlen. So kommt das Grundstück wieder in seinen Besitz.
3Mo 25,28 Wenn er aber das Geld für den Rückkauf nicht aufbringen kann, bleibt
das Grundstück bis zum nächsten Erlassjahr im Besitz des Käufers. Dann wird es
wieder Eigentum des ursprünglichen Besitzers.
3Mo 25,29 Wenn jemand ein Wohnhaus in einer ummauerten Stadt verkauft, gilt das
Rückkaufsrecht nur für ein volles Jahr vom Verkaufsdatum an.
3Mo 25,30 Wird das Haus innerhalb dieses Jahres nicht zurückgekauft, bleibt es
für immer im Besitz des Käufers und seiner Nachkommen und wird auch im
Erlassjahr nicht zurückgegeben. Dies gilt nur für Wohnhäuser in ummauerten
Städten.
3Mo 25,31 Wohnhäuser in Dörfern ohne Stadtmauern werden rechtlich wie Land
behandelt: Man kann sie immer zurückkaufen, und im Erlassjahr müssen sie
zurückgegeben werden.
3Mo 25,32 Die Leviten haben jederzeit das Recht, die Häuser in den ihnen
zugeteilten Städten zurückzukaufen.
3Mo 25,33 Nimmt ein Levit dies nicht in Anspruch, so fällt sein Eigentum im
Erlassjahr wieder an ihn zurück. Denn die Häuser der Leviten in ihren Städten
sind ihr einziger Besitz.
3Mo 25,34 Das dazugehörige Weideland darf nie verkauft werden, denn es gehört
ihnen für immer.
3Mo 25,35 Wenn ein Israelit, den du kennst, seinen Besitz verliert und verarmt,
musst du ihn unterstützen, damit er weiterhin bei euch leben kann. Auch einem
Fremden oder einem Gast, der vorübergehend bei euch wohnt, sollst du helfen.
3Mo 25,36 Verlange keine Zinsen und keinen Aufpreis! Hab Ehrfurcht vor mir,
deinem Gott, und hilf dem Verarmten in deiner Nachbarschaft!
3Mo 25,37 Leih ihm zinslos Geld und Nahrungsmittel!
3Mo 25,38 Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus Ägypten geführt hat, um euch
das Land Kanaan zu geben. Ich will euer Gott sein!«
3Mo 25,39 »Wenn ein Israelit aus deiner Nachbarschaft sich dir wegen Armut als
Sklave verkauft, dann sollst du ihn keine Sklavenarbeit verrichten lassen!
3Mo 25,40 Behandle ihn wie einen Lohnarbeiter oder wie einen Fremden, der
vorübergehend bei dir lebt. Er darf höchstens bis zum nächsten Erlassjahr für
dich arbeiten.
3Mo 25,41 Dann schenk ihm und seinen Kindern die Freiheit! So können sie wieder
zu ihrer Sippe und ihrem Land zurückkehren, das sie von ihren Vorfahren geerbt
haben.
3Mo 25,42 Denn die Israeliten sind mein Eigentum, ich habe sie aus Ägypten
herausgeführt. Ist einer von ihnen dein Sklave geworden, dann darfst du ihn
nicht verkaufen!
3Mo 25,43 Du sollst keinen Israeliten mit Gewalt zum Sklavendienst zwingen. Hab
Ehrfurcht vor mir, deinem Gott!
3Mo 25,44 Sklaven und Sklavinnen könnt ihr von den umliegenden Völkern kaufen,
3Mo 25,45 ebenso die im Land geborenen Kinder der Fremden, die bei euch leben.
Sie sind dann euer Eigentum,
3Mo 25,46 und ihr könnt sie euren Kindern als bleibenden Besitz vererben. Fremde
dürft ihr als Sklaven erwerben, aber die Israeliten - Menschen aus eurem eigenen
Volk - dürft ihr nicht zu Sklaven machen!
3Mo 25,47 Wenn ein Fremder, der bei euch lebt, zu Wohlstand kommt und einen
armen Israeliten für sich oder seine Nachkommen als Sklave kauft,
3Mo 25,48 dann muss es für den israelitischen Sklaven ein Rückkaufsrecht geben.
Einer seiner nächsten Verwandten soll ihn zurückkaufen,
3Mo 25,49 entweder sein Onkel, dessen Sohn oder ein anderer naher Verwandter aus
seiner Sippe. Hat der Sklave selbst wieder Besitz erworben, kann er sich auch
selbst freikaufen.
3Mo 25,50 In diesem Fall muss er mit dem, der ihn gekauft hat, den
Rückkaufspreis nach der Anzahl der Jahre berechnen, die zwischen dem Jahr des
Kaufs und dem nächsten Erlassjahr liegen. Der Kaufpreis soll mit dem Lohn seiner
Dienstjahre verrechnet werden, wobei die Arbeitszeit eines Lohnarbeiters
zugrunde gelegt wird.
3Mo 25,51 Wenn es bis zum nächsten Erlassjahr noch viele Jahre sind, muss er für
seinen Loskauf einen entsprechend höheren Restanteil des ursprünglichen
Kaufpreises zahlen.
3Mo 25,52 Sind es nur wenige Jahre bis zum nächsten Erlassjahr, fällt der
Loskaufpreis entsprechend niedriger aus.
3Mo 25,53 Der israelitische Sklave soll von seinem Herrn den Lohn eines
Arbeiters bekommen, solange er bei ihm ist. Sorgt dafür, dass er nicht wie ein
Sklave behandelt wird!
3Mo 25,54 Wenn er nun nicht losgekauft werden kann, muss er im Erlassjahr auf
jeden Fall zusammen mit seinen Kindern freigelassen werden!
3Mo 25,55 Denn ihr Israeliten seid mein Eigentum, ich habe euch aus Ägypten
befreit. Ich bin der Herr, euer Gott.«
3Mo 26,1 »Ihr sollt euch keine Götzen machen, weder Götterstatuen noch geweihte
Steinsäulen, noch Steine mit eingeritzten Bildern. Ihr dürft euch vor keinem
Götzen niederwerfen und ihn anbeten, denn ich allein bin der Herr, euer Gott!
3Mo 26,2 Haltet den Sabbat als Ruhetag ein, und habt Ehrfurcht vor meinem
Heiligtum! Ich bin der Herr.
3Mo 26,3 Wenn ihr nach meinen Weisungen lebt und meine Gebote beachtet,
3Mo 26,4 werde ich es zur rechten Zeit regnen lassen, damit das Land reichen
Ertrag bringt und die Bäume viele Früchte tragen.
3Mo 26,5 Dann dauert die Dreschzeit bis zur Weinlese und die Weinlese bis zur
Aussaat. Ihr habt reichlich zu essen und wohnt sicher in eurem Land.
3Mo 26,6 Ich, der Herr, schenke euch Frieden. Wenn ihr euch zur Ruhe legt,
braucht ihr nicht zu befürchten, dass euch jemand aufschreckt. Die wilden Tiere
vertreibe ich aus dem Land, und kein feindliches Heer wird bei euch einfallen.
3Mo 26,7 Ihr werdet eure Feinde vertreiben, ja, sie werden durch euer Schwert
umkommen.
3Mo 26,8 Fünf von euch schlagen hundert Feinde in die Flucht und hundert von
euch ein Heer von zehntausend Soldaten. Ihr werdet sie mit dem Schwert töten.
3Mo 26,9 Ich sorge für euch, ich schenke euch viele Kinder und stehe für immer
treu zu dem Bund, den ich mit euch geschlossen habe.
3Mo 26,10 Ihr werdet zu Beginn einer neuen Ernte immer noch vom Getreide des
Vorjahrs essen und noch so viel übrig haben, dass ihr altes Getreide wegwerfen
müsst, um Platz für das neue zu bekommen.
3Mo 26,11 Ich selbst werde in meinem Heiligtum unter euch wohnen und mich nie
wieder von euch abwenden.
3Mo 26,12 Ja, bei euch will ich leben, ich will euer Gott sein, und ihr sollt
mein Volk sein.
3Mo 26,13 Ich bin der Herr, euer Gott. Aus Ägypten habe ich euch befreit, denn
ich wollte nicht, dass ihr dort länger Sklaven seid. Das harte Joch, das dort
auf euch lastete, habe ich zerbrochen. Aufrecht und frei dürft ihr nun gehen!
3Mo 26,14 Wenn ihr mir aber nicht gehorcht und euch nicht an alle diese Gebote
haltet,
3Mo 26,15 wenn ihr meine Ordnungen missachtet und meine Weisungen verabscheut,
brecht ihr den Bund, den ich mit euch geschlossen habe.
3Mo 26,16 Dann werdet ihr die Folgen zu spüren bekommen! Ich lasse plötzlich
schweres Unheil über euch hereinbrechen, Fieber und unheilbare Krankheiten, die
euch erblinden und zugrunde gehen lassen. Vergeblich werdet ihr eure Saat
aussäen, denn die Feinde werden die ganze Ernte rauben.
3Mo 26,17 Ich selbst werde mich gegen euch wenden, ihr werdet von euren Feinden
geschlagen und unterdrückt. Ständig seid ihr auf der Flucht, selbst wenn euch
niemand verfolgt!
3Mo 26,18 Wenn ihr dann immer noch nicht auf mich hört, werde ich euch noch
härter für eure Sünden bestrafen.
3Mo 26,19 Euren unbeugsamen Stolz will ich dann brechen. Ich lasse es nicht mehr
regnen; der Himmel über euch wird verschlossen sein, als wäre er aus Eisen, und
der Ackerboden hart wie Stein.
3Mo 26,20 Vergeblich werdet ihr eure Kraft einsetzen: Die Felder bringen euch
keinen Ertrag und die Bäume keine Frucht.
3Mo 26,21 Wenn ihr mir dann immer noch den Rücken kehrt und nicht auf mich hören
wollt, werde ich euch noch härter bestrafen, so wie ihr es für eure Sünden
verdient.
3Mo 26,22 Ich lasse wilde Tiere auf euch los; sie fallen eure Kinder an, reißen
euer Vieh und töten so viele von euch, dass die Straßen einsam und leer sind.
3Mo 26,23 Wenn ihr euch dadurch immer noch nicht zurechtbringen lasst, sondern
weiterhin nichts von mir wissen wollt,
3Mo 26,24 dann werde auch ich mich von euch abwenden und euch noch härter für
eure Sünden bestrafen.
3Mo 26,25 Ich lasse Krieg in eurem Land ausbrechen und räche mich dafür, dass
ihr meinen Bund mit euch gebrochen habt. Wenn ihr dann in euren Städten Schutz
sucht, schicke ich euch die Pest, und ihr fallt euren Feinden in die Hände.
3Mo 26,26 Eure Lebensmittelvorräte lasse ich zu Ende gehen. Zehn Frauen werden
ihr Brot in nur einem Ofen backen und es anschließend genau abwiegen und
aufteilen. Von dem wenigen, das euch bleibt, werdet ihr nicht satt!
3Mo 26,27 Hört ihr danach immer noch nicht auf mich und kehrt mir weiter den
Rücken,
3Mo 26,28 dann werde ich mich voller Zorn gegen euch wenden und euch noch härter
wegen eurer Sünden bestrafen.
3Mo 26,29 Vor Hunger werdet ihr eure eigenen Kinder essen.
3Mo 26,30 Ich lasse eure Höhenheiligtümer zerstören, eure Räucheropferaltäre
zerschlagen und eure Leichen bei den leblosen Figuren eurer Götter verrotten.
Ich werde euch verabscheuen,
3Mo 26,31 eure Städte in Schutt und Asche legen und eure Heiligtümer zerstören!
Kein Opfer wird euch mehr retten können.
3Mo 26,32 Euer Land mache ich zu einer menschenleeren Wüste; sogar eure Feinde,
die sich dort niederlassen, werden entsetzt darüber sein.
3Mo 26,33 Euch selbst vertreibe ich in fremde Länder und ziehe noch dort mein
Schwert, um euch zu vernichten. Euer Land wird zur Einöde und eure Städte zu
Trümmerhaufen.
3Mo 26,34 Während ihr im Land eurer Feinde wohnen müsst, liegt euer Land brach.
Dann bekommt es endlich die Ruhejahre,
3Mo 26,35 die ihr immer missachtet habt, solange ihr dort wohntet. Nun kann das
Land endlich ausruhen.
3Mo 26,36 Diejenigen, die meine Strafen überleben und in fremden Ländern wohnen
müssen, mache ich so verzagt, dass schon das Rascheln verwelkter Blätter sie
davonlaufen lässt, als ginge es um ihr Leben. Sie werden fliehen und stürzen,
auch wenn niemand sie verfolgt.
3Mo 26,37 Einer stolpert über den anderen; sie fliehen, als jagte ein ganzes
Heer ihnen nach. Euren Feinden werdet ihr nicht standhalten können.
3Mo 26,38 Bei fremden Völkern werdet ihr zugrunde gehen, ja, das Land eurer
Feinde bringt euch den Tod!
3Mo 26,39 Die Übriggebliebenen siechen in fernen Ländern dahin wegen ihrer
Schuld und der Schuld ihrer Vorfahren.
3Mo 26,40 Dann werden sie bekennen, dass sie und ihre Vorfahren mir die Treue
gebrochen haben und nichts mehr von mir wissen wollten.
3Mo 26,41 Darum habe auch ich mich von ihnen abgewandt und sie ins Land ihrer
Feinde gebracht. Doch wenn ihr stolzes Herz sich vor mir demütigt und ihre
Schuld genug bestraft ist,
3Mo 26,42 dann werde ich an meinen Bund mit Jakob, Isaak und Abraham denken. Ich
will mich daran erinnern, dass ich ihren Nachkommen das Land für immer
versprochen habe.
3Mo 26,43 Vorher aber müssen die Israeliten das Land verlassen, damit es
brachliegt und seine Ruhejahre bekommt. Alle Bewohner müssen für ihre Schuld
bestraft werden, weil sie meine Gebote abgelehnt und meine Weisungen verworfen
haben.
3Mo 26,44 Doch selbst wenn sie im Land ihrer Feinde leben müssen, will ich mich
nicht völlig von ihnen abwenden und sie nicht verabscheuen. Ich lasse sie nicht
alle zugrunde gehen, meinen Bund mit ihnen breche ich nicht, denn ich bin der
Herr, ihr Gott!
3Mo 26,45 Nein, um ihretwillen denke ich an den Bund, den ich mit ihren
Vorfahren geschlossen habe. Ich habe ihre Vorfahren vor den Augen aller Völker
aus Ägypten befreit, um ihr Gott zu sein, ich, der Herr!«
3Mo 26,46 Dies sind die Gebote, Weisungen und Ordnungen, die der Herr den
Israeliten durch Mose auf dem Berg Sinai gegeben hat.
3Mo 27,1 Der Herr befahl Mose:
3Mo 27,2 »Sag den Israeliten: Wenn jemand mir einen anderen Menschen mit einem
Gelübde geweiht hat, kann er ihn mit einer bestimmten Summe wieder loskaufen.
3Mo 27,3 Für einen Mann zwischen 20 und 60 Jahren sind 50 Silberstücke zu
zahlen, gemessen nach dem Gewicht, das im Heiligtum gilt;
3Mo 27,4 für eine Frau im gleichen Alter müssen 30 Silberstücke gezahlt werden,
3Mo 27,5 für einen Jungen zwischen 5 und 20 Jahren 20 Silberstücke und für ein
Mädchen im gleichen Alter 10 Silberstücke.
3Mo 27,6 Ein Kleinkind zwischen einem Monat und 5 Jahren kann mit 5
Silberstücken losgekauft werden, wenn es ein Junge ist; für ein kleines Mädchen
sind 3 Silberstücke zu bezahlen.
3Mo 27,7 Für einen Mann über 60 müssen 15, für eine Frau 10 Silberstücke
entrichtet werden.
3Mo 27,8 Kann derjenige, der das Gelübde abgelegt hat, den festgesetzten Betrag
nicht aufbringen, soll er mit dem Betreffenden zum Priester gehen. Dieser legt
einen Schätzwert fest, den der Mann bezahlen kann.
3Mo 27,9 Hat jemand mir, dem Herrn, ein Tier geweiht, das auch als Opfergabe
geeignet ist, dann gilt es als heilig
3Mo 27,10 und darf nicht eingetauscht werden, weder ein gutes gegen ein
schlechtes noch ein schlechtes gegen ein gutes Tier. Tauscht dennoch jemand ein
Tier gegen ein anderes ein, dann sollen beide Tiere mir gehören!
3Mo 27,11 Wird mir ein unreines Tier geweiht, das nicht als Opfergabe geeignet
ist, dann soll der Besitzer es dem Priester zeigen.
3Mo 27,12 Dieser schätzt den Wert des Tieres nach dessen Vorzügen und Mängeln.
An diesen festgelegten Preis soll man sich halten.
3Mo 27,13 Will der Eigentümer das Tier wieder zurückkaufen, muss er zum
Schätzwert noch ein Fünftel dazugeben.
3Mo 27,14 Wenn jemand mir sein Haus weihen will, soll zunächst der Priester den
Wert feststellen. Diese Schätzung ist rechtsgültig.
3Mo 27,15 Wenn der Besitzer sein Haus dann doch wieder zurückkaufen will, muss
er zusätzlich zum Schätzwert ein Fünftel bezahlen. Dann gehört das Haus wieder
ihm.
3Mo 27,16 Will jemand ein geerbtes Stück Land mir, dem Herrn, weihen, soll man
den Wert nach dem erforderlichen Saatgut festlegen. Für ein Feld, auf dem man
drei Zentner Gerste aussäen kann, müssen 50 Silberstücke gezahlt werden,
3Mo 27,17 vorausgesetzt, der Besitzer weiht mir sein Feld vom Erlassjahr an.
3Mo 27,18 Übereignet er das Grundstück erst danach, soll der Priester berechnen,
wie viele Jahre noch bis zum nächsten Erlassjahr bleiben, und den Schätzwert
entsprechend verringern.
3Mo 27,19 Wenn aber der Besitzer sein Feld wieder zurückkaufen will, muss er ein
Fünftel zum Schätzwert dazugeben. Dann gehört es wieder ihm.
3Mo 27,20 Wenn er das Feld, das er mir, dem Herrn, geweiht hat, an einen anderen
verkauft, ohne es vorher von mir zurückzukaufen, dann verliert er für immer das
Recht auf Rückkauf.
3Mo 27,21 In diesem Fall wird das Feld im nächsten Erlassjahr frei und ist dann
für alle Zeiten mir geweiht. Es bleibt mein Eigentum und ist somit auch Eigentum
der Priester.
3Mo 27,22 Wenn jemand mir, dem Herrn, ein Stück Land weiht, das er nicht geerbt,
sondern gekauft hat,
3Mo 27,23 berechnet der Priester den Wert des Grundstücks nach der Zahl der
Jahre bis zum nächsten Erlassjahr. Diesen Betrag zahlt der Betreffende noch am
selben Tag als heilige Gabe für mich, den Herrn.
3Mo 27,24 Im nächsten Erlassjahr fällt das Land wieder an den ursprünglichen
Besitzer zurück, der es verkauft hatte.
3Mo 27,25 Die Silberstücke für den Rückkauf werden gewogen nach dem Gewicht, das
im Heiligtum gilt. Ein Silberstück wiegt zwölf Gramm.
3Mo 27,26 Das erstgeborene Jungtier von allen Rindern, Schafen und Ziegen kann
mir grundsätzlich nicht geweiht werden, weil es mir ohnehin gehört.
3Mo 27,27 Die erstgeborenen Jungen von unreinen Tieren stehen mir ebenfalls zu.
Der ursprüngliche Besitzer kann ein solches Tier jedoch loskaufen, wenn er ein
Fünftel des Schätzwertes zusätzlich bezahlt. Erwirbt er es nicht zurück, soll es
zum festgesetzten Preis an jemand anders verkauft werden.
3Mo 27,28 Hat jemand nun etwas von seinem Besitz unwiderruflich mir, dem Herrn,
geweiht, ganz gleich, ob Mensch, Tier oder Land, darf er nichts davon
zurückerwerben oder an einen anderen verkaufen. Alles, was mir unwiderruflich
geweiht wurde, ist besonders heilig.
3Mo 27,29 Werden mir Kriegsgefangene oder Verbrecher mit einem heiligen Bann
übereignet, dann kann niemand sie loskaufen. Sie müssen getötet werden!
3Mo 27,30 Ein Zehntel jeder Ernte vom Getreide und von allen Früchten gehört
mir, dem Herrn, und ist heilig.
3Mo 27,31 Will jemand den zehnten Teil seines Ertrags zurückkaufen, muss er zum
festgesetzten Preis noch ein Fünftel dazugeben.
3Mo 27,32 Auch von den Rindern, Schafen und Ziegen gehört mir jedes zehnte Tier.
Wenn die Tiere abgezählt werden,
3Mo 27,33 darf der Hirte sie nicht so vorbeiziehen lassen, dass nur die
schwachen ausgewählt werden. Er darf auch kein gesundes gegen ein krankes
austauschen. Sonst gehören beide Tiere mir, dem Herrn.«
3Mo 27,34 Diese Gebote hat der Herr den Israeliten am Berg Sinai durch Mose
gegeben.
4Mo 1,1 Vor mehr als einem Jahr hatten die Israeliten Ägypten verlassen. Noch
immer befanden sie sich in der Wüste Sinai. Am 1. Tag des 2. Monats sprach der
Herr im heiligen Zelt zu Mose:
4Mo 1,2 [2/3] »Zähle zusammen mit Aaron die ganze Gemeinschaft der Israeliten!
Mustert ihre Truppen! Schreibt die Namen aller wehrfähigen Männer ab zwanzig
Jahren auf, nach Sippen und Familien geordnet.
4Mo 1,4 Aus jedem Stamm soll euch ein Sippenoberhaupt dabei helfen:
4Mo 1,5 Elizur, der Sohn Schedëurs vom Stamm Ruben,
4Mo 1,6 Schelumïel, der Sohn Zurischaddais vom Stamm Simeon,
4Mo 1,7 Nachschon, der Sohn Amminadabs vom Stamm Juda,
4Mo 1,8 Netanel, der Sohn Zuars vom Stamm Issaschar,
4Mo 1,9 Eliab, der Sohn Helons vom Stamm Sebulon,
4Mo 1,10 Elischama, der Sohn Ammihuds vom Stamm Ephraim, Gamliël, der Sohn
Pedazurs vom Stamm Manasse - Ephraim und Manasse waren Söhne Josefs -,
4Mo 1,11 Abidan, der Sohn Gidonis vom Stamm Benjamin,
4Mo 1,12 Ahiëser, der Sohn Ammischaddais vom Stamm Dan,
4Mo 1,13 Pagiël, der Sohn Ochrans vom Stamm Asser,
4Mo 1,14 Eljasaf, der Sohn Deguëls vom Stamm Gad,
4Mo 1,15 und Ahira, der Sohn Enans vom Stamm Naftali.«
4Mo 1,16 Die ausgewählten Männer waren die Stammesfürsten und Oberhäupter des
Volkes Israel.
4Mo 1,17 Mose und Aaron holten sie herbei
4Mo 1,18 und riefen noch am selben Tag das ganze Volk zusammen. Jeder Israelit
ab zwanzig Jahren wurde in ein Verzeichnis eingetragen, das nach Sippen und
Familien geordnet war.
4Mo 1,19 So ließ Mose das Volk in der Wüste Sinai mustern, wie der Herr es ihm
aufgetragen hatte.
4Mo 1,20 [20-31] Und dies war das Ergebnis: Der Stamm Ruben, die
Nachkommenschaft des ältesten Sohnes Israels, hatte 46500 Mann im wehrfähigen
Alter. Sie wurden nach Sippen und Familien gemustert und in ein Verzeichnis
eingetragen. Der Stamm Simeon hatte 59300 Mann, Gad 45650, Juda 74600, Issaschar
54400 und Sebulon 57400.
4Mo 1,32 [32-43] Der Stamm Ephraim zählte 40500, der Stamm Manasse 32200 Mann.
Ephraim und Manasse waren Söhne Josefs gewesen. Benjamin hatte 35400, Dan 62700,
Asser 41500 und Naftali 53400 Leute im wehrfähigen Alter.
4Mo 1,44 All diese Männer wurden von Mose, Aaron und den zwölf
Stammesoberhäuptern Israels gemustert.
4Mo 1,45 Die Gesamtzahl der wehrfähigen Israeliten ab zwanzig Jahren
4Mo 1,46 betrug 603550 Mann.
4Mo 1,47 Die wehrfähigen Männer des Stammes Levi wurden nicht mitgezählt,
4Mo 1,48 denn der Herr hatte zu Mose gesagt:
4Mo 1,49 »Die Leviten sollst du nicht mustern und sie nicht zu den anderen
Israeliten dazurechnen.
4Mo 1,50 Sie haben die Aufgabe, für das heilige Zelt zu sorgen, in dem das
Bundesgesetz aufbewahrt wird, und für alles, was an Gefäßen, Werkzeugen und
sonstigen Dingen noch dazugehört. Rings um das Heiligtum sollen sie lagern und
die Arbeit darin verrichten.
4Mo 1,51 Wenn das Volk weiterzieht, sollen sie das Zelt abbauen. Unterwegs
müssen sie es tragen, und wenn Halt gemacht wird, sollen sie es wieder
aufstellen. Nur die Leviten dürfen sich dem Heiligtum nähern. Wer es sonst tut,
muss getötet werden.
4Mo 1,52 Die anderen Israeliten sollen jeweils bei dem Feldzeichen des
Heeresverbands lagern, zu dem sie gehören.
4Mo 1,53 Die Leviten aber sollen ihre Zelte rings um das Heiligtum aufschlagen,
damit kein anderer zu nahe herankommt und meinen Zorn über euch alle
herausfordert. Sie sind verantwortlich für den Dienst im heiligen Zelt, in dem
das Bundesgesetz aufbewahrt wird.«
4Mo 1,54 Die Israeliten führten alles so aus, wie der Herr es Mose aufgetragen
hatte.
4Mo 2,1 Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
4Mo 2,2 »Die Israeliten sollen ihr Lager in einigem Abstand rings um das heilige
Zelt aufschlagen, jeder bei den Feldzeichen seines Heeresverbands und seiner
Sippe.«
4Mo 2,3 Im Osten sollte das Banner der Abteilung stehen, die vom Stamm Juda
geführt wurde. Ihr Oberhaupt war Nachschon, der Sohn Amminadabs.
4Mo 2,4 Seine Truppen zählten 74600 Mann.
4Mo 2,5 [5/6] Daneben lagerten die 54400 Mann des Stammes Issaschar unter dem
Befehl von Netanel, dem Sohn Zuars,
4Mo 2,7 [7/8] und die 57400 Mann vom Stamm Sebulon mit ihrem Fürsten Eliab, dem
Sohn Helons.
4Mo 2,9 Zusammen waren das 186400 wehrfähige Männer. Sie alle gehörten zum
Heeresverband von Juda. Sie sollten den Zug des Volkes anführen.
4Mo 2,10 Im Süden stand das Feldzeichen der Abteilung, die vom Stamm Ruben
geführt wurde. Ihr Oberhaupt war Elizur, der Sohn Schedëurs.
4Mo 2,11 Seine Truppen zählten 46500 Mann.
4Mo 2,12 [12/13] Neben ihnen schlugen die 59300 Mann des Stammes Simeon ihr
Lager auf. Sie standen unter dem Befehl von Schelumiël, dem Sohn Zurischaddais.
4Mo 2,14 Zu dieser Abteilung gehörte auch der Stamm Gad mit seinem Oberhaupt
Eljasaf, dem Sohn Deguëls.
4Mo 2,15 Seine Truppen zählten 45650 Mann.
4Mo 2,16 Der Heeresverband von Ruben umfasste also insgesamt 151450 Mann. Sie
brachen an zweiter Stelle auf.
4Mo 2,17 Ihnen folgten die Leviten mit dem heiligen Zelt, die sich in der Mitte
des Lagers befanden. Die Stämme zogen in der Reihenfolge los, in der sie
lagerten, jeder unter seinem Feldzeichen.
4Mo 2,18 Im Westen stand das Banner der Abteilung von Ephraim. Ihr Oberhaupt war
Elischama, der Sohn Ammihuds.
4Mo 2,19 Seine Truppen zählten 40500 Mann.
4Mo 2,20 [20/21] Daneben lagerten die 32200 Mann des Stammes Manasse unter dem
Befehl von Gamliël, dem Sohn Pedazurs,
4Mo 2,22 [22/23] und die 35400 Mann vom Stamm Benjamin mit ihrem Oberhaupt
Abidan, dem Sohn Gidonis.
4Mo 2,24 Der Heeresverband von Ephraim umfasste 108100 Mann und brach als
Dritter auf.
4Mo 2,25 Im Norden stand das Feldzeichen der Abteilung von Dan. Ihr Oberhaupt
war Ahiëser, der Sohn Ammischaddais.
4Mo 2,26 Seine Truppen zählten 62700 Mann.
4Mo 2,27 [27/28] Neben ihnen lagerten die 41500 Mann vom Stamm Asser unter dem
Befehl von Pagiël, dem Sohn Ochrans,
4Mo 2,29 [29/30] und die 53400 Mann des Stammes Naftali mit ihrem Oberhaupt
Ahira, dem Sohn Enans.
4Mo 2,31 Der ganze Heeresverband Dans umfasste 157600 Mann und bildete das Ende
des Zuges.
4Mo 2,32 Die Gesamtzahl der gemusterten Israeliten in allen Abteilungen und
Lagern betrug 603550 Mann.
4Mo 2,33 Nur die Leviten wurden nach der Anweisung des Herrn nicht
dazugerechnet.
4Mo 2,34 Die Israeliten führten alles so aus, wie der Herr es Mose befohlen
hatte: Ob sie lagerten oder weiterzogen, jeder von ihnen blieb bei seiner
Familie, seiner Sippe und seiner Abteilung.
4Mo 3,1 Zu der Zeit, als der Herr am Berg Sinai mit Mose sprach, hatte Aaron
4Mo 3,2 vier Söhne. Der Älteste war Nadab, die anderen hießen Abihu, Eleasar und
Itamar.
4Mo 3,3 Sie waren zu Priestern gesalbt und in ihr Amt eingeführt worden.
4Mo 3,4 Doch Nadab und Abihu starben im Heiligtum in der Wüste Sinai, weil sie
dem Herrn ein unerlaubtes Opfer darbrachten. Sie hatten keine Söhne. So blieben
nur noch Eleasar und Itamar, die zusammen mit Aaron den Priesterdienst versahen.
4Mo 3,5 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 3,6 »Ruf die Männer vom Stamm Levi zusammen, und lass sie zu Aaron kommen.
Ich möchte, dass sie ihm helfen.
4Mo 3,7 Sie sollen für ihn und das ganze Volk der Israeliten die Arbeiten
erledigen, die beim heiligen Zelt anfallen:
4Mo 3,8 Sie haben die Aufgabe, die Werkzeuge und Gefäße in Ordnung zu halten und
die Dienste zu verrichten, die ich den Israeliten aufgetragen habe.
4Mo 3,9 Als einziger von allen Stämmen Israels sollen die Leviten Aaron und
seinen Nachkommen zur Verfügung stehen.
4Mo 3,10 Aber das Priesteramt selbst dürfen nur Aaron und seine Nachkommen
ausüben. Jeder andere, der es eigenmächtig übernehmen will, muss getötet
werden!«
4Mo 3,11 Weiter sagte der Herr zu Mose:
4Mo 3,12 »Du siehst, ich habe von allen Stämmen die Leviten ausgesucht. Ich
nehme sie anstelle eurer ältesten Söhne, damit sie ganz für mich da sind.
4Mo 3,13 Denn eigentlich gehören mir alle Menschen und Tiere in Israel, die als
Erste zur Welt kommen. Ich habe sie zu meinem Eigentum erklärt, als ich den
ältesten Söhnen der Ägypter das Leben nahm. Eure Erstgeborenen gehören mir, dem
Herrn!«
4Mo 3,14 Dann sprach der Herr zu Mose in der Wüste Sinai:
4Mo 3,15 »Zähle alle männlichen Leviten, die älter als einen Monat sind, und
schreibe sie nach Sippen und Familien geordnet auf!«
4Mo 3,16 Mose tat, was der Herr ihm befohlen hatte.
4Mo 3,17 Der Stammvater Levi hatte drei Söhne gehabt: Gerschon, Kehat und
Merari.
4Mo 3,18 Gerschons Söhne waren Libni und Schimi,
4Mo 3,19 Kehats Söhne hießen Amram, Jizhar, Hebron und Usiël,
4Mo 3,20 und Meraris Söhne waren Machli und Muschi. Von ihnen allen stammen die
Sippen der Leviten ab.
4Mo 3,21 Die Libniter und Schimiter, die Nachkommen Gerschons,
4Mo 3,22 zählten 7500 Männer und Jungen, die älter als einen Monat waren.
4Mo 3,23 Sie sollten im Westen hinter dem heiligen Zelt lagern.
4Mo 3,24 Ihr Oberhaupt war Eljasaf, der Sohn Laëls.
4Mo 3,25 Die Gerschoniter bekamen die Verantwortung für das heilige Zelt, für
die Decke, den Vorhang am Zelteingang,
4Mo 3,26 für die Vorhänge zur Abgrenzung des Vorhofs rings um Zelt und Altar,
den Vorhang am Eingang des Vorhofs und die Seile. Ihnen wurden alle Arbeiten
übertragen, die damit zusammenhingen.
4Mo 3,27 Von Levis Sohn Kehat stammen die Sippen Amram, Jizhar, Hebron und Usiël
ab.
4Mo 3,28 Die Zahl ihrer Männer und Jungen, die älter als einen Monat waren und
im Heiligtum dienen sollten, betrug 8600.
4Mo 3,29 Sie lagerten an der Südseite des heiligen Zeltes.
4Mo 3,30 Ihr Oberhaupt war Elizafan, der Sohn Usiëls.
4Mo 3,31 Den Kehatitern wurde die Verantwortung für die Bundeslade, den Tisch,
den Leuchter und die Altäre übertragen, ebenso für den Vorhang zum
Allerheiligsten und für die Gefäße und Werkzeuge, die im Heiligtum gebraucht
wurden. Sie sollten alle Arbeiten erledigen, die damit zusammenhingen.
4Mo 3,32 Das höchste Oberhaupt der Leviten war Eleasar, der Sohn des Priesters
Aaron. Er hatte die Aufsicht über alle, die im Heiligtum dienten.
4Mo 3,33 Von Levis Sohn Merari stammen die Sippen Machli und Muschi ab.
4Mo 3,34 Sie zählten 6200 Jungen und Männer.
4Mo 3,35 Ihr Oberhaupt war Zuriël, der Sohn Abihajils. Sie sollten an der
Nordseite des Heiligtums lagern.
4Mo 3,36 [36/37] Den Nachkommen von Merari übertrug man die Verantwortung für
die Holzplatten des Zeltes, die Querbalken, die Säulen, die Sockel, alle
dazugehörigen Werkzeuge, für die Pfosten der Abgrenzung des Vorhofs, ihre
Sockel, Pflöcke und Seile und für alle Arbeiten, die damit zusammenhingen.
4Mo 3,38 Vor dem Eingang des heiligen Zeltes im Osten lagerten Mose und Aaron
mit seinen Söhnen. Sie sollten den Dienst im Heiligtum ausüben, wie der Herr es
den Israeliten befohlen hatte. Wer sich aber dem heiligen Zelt unerlaubt
näherte, musste sterben.
4Mo 3,39 Nach der Zählung, die Mose und Aaron im Auftrag des Herrn durchführten,
gab es insgesamt 22000 männliche Leviten, die einen Monat und älter waren.
4Mo 3,40 Dann sprach der Herr zu Mose: »Zähle alle ältesten Söhne in Israel, die
älter als einen Monat sind, und schreib ihre Namen auf.
4Mo 3,41 Du sollst an ihrer Stelle die Leviten zu meinem Eigentum erklären, und
anstelle der erstgeborenen Tiere der Israeliten sollst du mir das Vieh der
Leviten geben.«
4Mo 3,42 Mose tat, was der Herr ihm befohlen hatte, und ließ alle erstgeborenen
Israeliten zählen,
4Mo 3,43 die einen Monat und älter waren. Ihre Zahl betrug 22273.
4Mo 3,44 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 3,45 »Die Leviten und ihr Vieh gehören nun mir, dem Herrn - anstelle der
erstgeborenen Söhne der anderen Israeliten und ihrer erstgeborenen Tiere.
4Mo 3,46 Da es nun mehr Erstgeborene als Leviten gibt, sollen die 273
überzähligen Erstgeborenen freigekauft werden.
4Mo 3,47 Nimm für jeden von ihnen fünf Silberstücke zu je 12 Gramm, nach dem
Gewicht, das im Heiligtum gilt!
4Mo 3,48 Dieses Geld, das aus dem Loskauf der überzähligen Erstgeborenen
zusammenkommt, sollen Aaron und seine Söhne erhalten.«
4Mo 3,49 [49/50] Mose ließ sich das Silber von den erstgeborenen Israeliten
geben. Es waren 1365 Silberstücke, die zusammen etwa 16 Kilogramm wogen.
4Mo 3,51 Er gab das Silber Aaron und seinen Söhnen, wie der Herr es ihm
aufgetragen hatte.
4Mo 4,1 Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
4Mo 4,2 »Zählt die Nachkommen Kehats vom Stamm Levi, und schreibt sie nach
Sippen und Familien geordnet auf.
4Mo 4,3 Alle Männer zwischen 30 und 50 Jahren sollen zur Arbeit im Heiligtum
verpflichtet werden.
4Mo 4,4 Sie sind für das Allerheiligste verantwortlich.
4Mo 4,5 Wenn das Lager abgebrochen wird, müssen Aaron und seine Söhne in das
heilige Zelt gehen, den Vorhang zum Allerheiligsten abnehmen und ihn über die
Bundeslade legen.
4Mo 4,6 Dann sollen sie eine Decke aus Tachasch-Leder und zuletzt ein Tuch aus
violettem Purpur darüber breiten und die Tragstangen anbringen.
4Mo 4,7 Auch über den Tisch für die mir geweihten Brote sollen sie ein violettes
Tuch legen. Darauf kommen die Brote, die Schüsseln, die Schalen und Opferschalen
sowie die Kannen für das Trankopfer.
4Mo 4,8 Über dies alles sollen Aaron und seine Söhne ein rotes Tuch und eine
Decke aus Tachasch-Leder ausbreiten. Zum Schluss müssen auch hier Tragstangen
angebracht werden.
4Mo 4,9 Weiter sollen sie den Leuchter und die Öllampen zusammen mit den
Dochtscheren, den Pfannen und Schalen für das Öl in violetten Stoff hüllen,
4Mo 4,10 in eine Tachasch-Decke einwickeln und auf eine Trage legen.
4Mo 4,11 Dann sollen Aaron und seine Söhne ein violettes Tuch über den goldenen
Räucheropferaltar breiten, eine Tachasch-Decke darüber legen und die Tragstangen
anbringen.
4Mo 4,12 Alle Gefäße und Werkzeuge, die im Heiligtum verwendet werden, müssen
Aaron und seine Söhne in violettes Tuch hüllen, mit Tachasch-Leder umwickeln und
auf Tragen laden.
4Mo 4,13 Sie sollen die Asche vom Brandopferaltar fegen und ein purpurrotes Tuch
über ihn breiten.
4Mo 4,14 Darauf kommen die Gefäße und Werkzeuge, die am Altar verwendet werden:
Feuerbecken, Fleischgabeln, Schaufeln und Schalen zum Auffangen des Blutes.
Alles wird mit Tachasch-Leder bedeckt, und dann werden die Tragstangen
befestigt.
4Mo 4,15 Diese Teile des heiligen Zeltes sollen die Kehatiter tragen. Sie dürfen
aber erst kommen und sie mitnehmen, nachdem Aaron und seine Söhne alles, was zum
heiligen Zelt gehört, verhüllt haben. Denn wenn die Kehatiter die heiligen Dinge
selbst berühren, müssen sie sterben.
4Mo 4,16 Die Aufsicht über das heilige Zelt und alles, was darin ist, hat
Eleasar, der Sohn des Priesters Aaron. Er ist auch verantwortlich für das
Lampenöl, das Salböl, für die wohlriechende Weihrauchmischung und für die
täglichen Speiseopfer.«
4Mo 4,17 Weiter sprach der Herr zu Mose und Aaron:
4Mo 4,18 »Sorgt dafür, dass die Kehatiter vom Stamm Levi nicht sterben müssen,
4Mo 4,19 wenn sie sich dem Allerheiligsten nähern! Aaron und seine Söhne sollen
jeden Einzelnen von ihnen zu seiner Traglast führen und so verhindern, dass sie
mit dem Tod bestraft werden.
4Mo 4,20 Lasst sie nicht allein hineingehen! Denn wenn sie das Heilige nur einen
Augenblick sehen, müssen sie sterben!«
4Mo 4,21 Dann sprach der Herr zu Mose:
4Mo 4,22 »Erstelle auch eine Liste von den Nachkommen Gerschons, geordnet nach
Sippen und Familien.
4Mo 4,23 Alle Männer zwischen 30 und 50 Jahren sollen zur Arbeit am Heiligtum
verpflichtet werden.
4Mo 4,24 Ihre Aufgabe ist es,
4Mo 4,25 die Zeltdecken zu tragen: das Dach, die Schutzdecke aus Tachasch-Leder
und den Vorhang vom Zelteingang,
4Mo 4,26 außerdem die Vorhänge zur Abgrenzung des Vorhofs rings um das Zelt und
den Altar, den Vorhang am Eingang des Vorhofs, die Seile und das dazugehörige
Werkzeug. Sie sind für alle Arbeiten zuständig, die damit zusammenhängen.
4Mo 4,27 Bei allem sollen sie sich an die Weisungen Aarons und seiner Söhne
halten. Achtet darauf, dass sie ihren Dienst gewissenhaft ausüben.
4Mo 4,28 Bei der Erfüllung dieser Aufgaben soll Itamar, der Sohn des Priesters
Aaron, sie anleiten.«
4Mo 4,29 Der Herr befahl: »Zählt auch die Nachkommen Meraris, und schreibt sie
nach Sippen und Familien geordnet auf.
4Mo 4,30 Alle Männer zwischen 30 und 50 Jahren sollen mir im Heiligtum dienen.
4Mo 4,31 Ihre Aufgabe ist es, folgende Teile des heiligen Zeltes zu tragen: die
Wandplatten, die Querbalken, die Säulen und die Sockel,
4Mo 4,32 außerdem die Pfosten und Sockel für die Abgrenzung des Vorhofs, die
Pflöcke, Seile und das dazugehörige Werkzeug. Sagt jedem Einzelnen genau, was er
zu tragen hat.
4Mo 4,33 Die Merariter sollen unter der Leitung von Itamar arbeiten, dem Sohn
des Priesters Aaron.«
4Mo 4,34 Mose, Aaron und die führenden Männer des Volkes zählten die Kehatiter
mit ihren Familien und Sippen,
4Mo 4,35 alle Männer zwischen 30 und 50 Jahren, die im Heiligtum dienen sollten:
4Mo 4,36 [36/37] Es waren 2750.
4Mo 4,38 [38-41] Bei den Gerschonitern waren es 2630
4Mo 4,42 [42-45] und bei den Meraritern 3200 Mann.
4Mo 4,46 [46-48] Insgesamt zählten Mose, Aaron und die führenden Männer Israels
8580 Leviten, die im Heiligtum dienen und es tragen sollten, wenn das Volk
unterwegs war.
4Mo 4,49 Unter der Aufsicht Moses erfuhr jeder Einzelne genau, was er zu tun
hatte und was er tragen sollte. So hatte der Herr es Mose befohlen.
4Mo 5,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 5,2 »Befiehl den Israeliten, jeden aus dem Lager zu schicken, der aussätzig
ist, eine Hautkrankheit hat oder an einem Ausfluss leidet. Es darf auch niemand
dableiben, der einen Toten berührt hat und dadurch unrein geworden ist.
4Mo 5,3 Ganz gleich, ob es Männer oder Frauen sind, sie sollen das Lager
verlassen, damit es nicht verunreinigt wird. Denn ich selbst wohne hier mitten
unter euch!«
4Mo 5,4 Die Israeliten gehorchten dem Herrn und schickten alle aus dem Lager,
die nicht rein waren.
4Mo 5,5 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 5,6 »Ich gebe dir eine Anweisung, die für alle Israeliten gelten soll, ganz
gleich, ob Männer oder Frauen: Wer einen anderen um sein Eigentum betrügt, lehnt
sich gegen mich, den Herrn, auf und macht sich schuldig.
4Mo 5,7 Er soll sein Vergehen zugeben und alles zurückerstatten, was er dem
anderen schuldet, ja, sogar noch ein Fünftel des Wertes hinzufügen.
4Mo 5,8 Wenn der Geschädigte aber inzwischen gestorben ist und keine Erben hat,
die sein Eigentum an seiner Stelle zurücknehmen können, fällt es mir, dem Herrn,
zu. Es soll den Priestern gehören, so wie der Schafbock, den der Priester für
den Schuldigen opfern muss, damit ich seine Sünde vergebe.
4Mo 5,9 [9/10] Im Übrigen erhalten die Priester einen Anteil an allen
Opfergaben, die von den Israeliten zum Heiligtum gebracht werden. Diese Anteile
sollen allein den Priestern gehören.«
4Mo 5,11 Der Herr befahl Mose:
4Mo 5,12 »Sag den Israeliten: Stellt euch vor, eine verheiratete Frau gerät auf
Abwege. Sie wird ihrem Mann untreu
4Mo 5,13 und schläft mit einem anderen. So hat sie Schuld auf sich geladen. Ihr
Mann hat sie nicht dabei gesehen, weil es heimlich geschehen ist. Niemand hat
sie ertappt, es gibt keine Zeugen.
4Mo 5,14 Aber der Mann hat eine böse Ahnung. Die Eifersucht packt ihn, weil er
meint, dass seine Frau ihm untreu war. Doch weiß er es nicht sicher, sie könnte
auch unschuldig sein.
4Mo 5,15 In einem solchen Fall soll der Mann seine Frau zum Priester bringen. Er
soll für sie eine Opfergabe von eineinhalb Kilogramm Gerstenmehl mitnehmen. Das
Mehl darf nicht mit Öl übergossen oder mit Weihrauch bestreut werden, denn es
dient als Eifersuchtsopfer, das verborgene Schuld aufdeckt.
4Mo 5,16 Der Priester lässt die Frau näher kommen und vor den Altar treten.
4Mo 5,17 Er füllt geweihtes Wasser in ein Tongefäß und streut Erde vom Boden des
Heiligtums hinein.
4Mo 5,18 Dann löst er das Haar der Frau, die vor dem Altar steht, und legt das
Eifersuchtsopfer in ihre Hände. Er selbst hält das Wasser, das Fluch und Qual
bringt.
4Mo 5,19 Dann spricht der Priester eindringlich zu der Frau und sagt: ›Wenn du
deinem Mann nicht untreu warst und nicht mit einem anderen geschlafen hast, soll
dir dieses Wasser des Fluches und der Qual nichts anhaben.
4Mo 5,20 Aber wenn du Schuld auf dich geladen und als verheiratete Frau mit
einem anderen Mann geschlafen hast,
4Mo 5,21 [21/22] dann soll der Herr dich unfruchtbar machen und deinen Unterleib
anschwellen lassen! Dieses fluchbringende Wasser wird in deine Eingeweide
eindringen. Es wird dich unfruchtbar machen und deinen Bauch aufblähen. Mit
Schrecken und Abscheu werden die Leute auf dich zeigen!‹ So warnt der Priester
die Frau vor der drohenden Strafe. Und die Frau soll antworten: ›Ja, so soll es
sein!‹
4Mo 5,23 Dann schreibt der Priester den Fluch auf ein Blatt und taucht es in das
Wasser, bis die Schrift sich auflöst.
4Mo 5,24 Dieses Wasser muss die Frau später trinken, damit es in ihren Körper
gelangt und der Fluch sie treffen kann.
4Mo 5,25 Vorher nimmt der Priester das Eifersuchtsopfer aus ihren Händen. Er
schwingt es vor dem heiligen Zelt hin und her, um zu zeigen, dass es mir, dem
Herrn, gehören soll; dann geht er damit zum Altar.
4Mo 5,26 Hier lässt er eine Hand voll Mehl in Rauch aufgehen. Schließlich gibt
er der Frau das Wasser zu trinken.
4Mo 5,27 Wenn sie schuldig ist und ihrem Mann untreu war, wird sie schwer
erkranken. Das Wasser wird sie unfruchtbar machen und ihren Unterleib aufblähen.
Voller Schrecken und Abscheu werden die Leute sich von ihr fern halten.
4Mo 5,28 Hat die Frau aber keine Schuld auf sich geladen, dann wird das
Fluchwasser ihr nicht schaden, und sie wird weiter Kinder bekommen können.
4Mo 5,29 [29/30] Dieses Gesetz gilt für den Fall, dass ein Mann seine Frau des
Ehebruchs verdächtigt. Wenn ihn die Eifersucht packt und er glaubt, dass seine
Frau sich schuldig gemacht hat und ihm untreu geworden ist, soll er sie zum
Heiligtum bringen. Dann soll der Priester alles so ausführen, wie dieses Gesetz
es vorschreibt.
4Mo 5,31 Den Mann trifft in einem solchen Fall keine Schuld. Hat aber die Frau
tatsächlich die Ehe gebrochen, muss sie die Folgen tragen.«
4Mo 6,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 6,2 »Sag den Israeliten: Wenn ein Mensch, gleich ob Mann oder Frau, ein
Gelübde abgelegt hat, sich eine Zeit lang ganz mir, dem Herrn, zu weihen,
4Mo 6,3 dann soll er weder Wein noch sonst ein berauschendes Getränk, noch Essig
zu sich nehmen. Er darf auch keinen Traubensaft trinken und weder frische noch
getrocknete Trauben essen.
4Mo 6,4 Solange sein Versprechen gilt, soll er nichts verzehren, was aus Trauben
zubereitet wird, auch nicht die Kerne oder die Haut der Trauben.
4Mo 6,5 Während der ganzen Zeit, in der er sich mir geweiht hat, dient er allein
mir. Als Zeichen dafür soll er sein Haar in dieser Zeit nicht schneiden, sondern
frei wachsen lassen.
4Mo 6,6 Er darf auch nicht in die Nähe eines Toten kommen, solange er mir
geweiht ist.
4Mo 6,7 Selbst wenn sein Vater, seine Mutter, sein Bruder oder seine Schwester
stirbt, darf er sich nicht dadurch verunreinigen, dass er in ihre Nähe kommt.
Denn er dient mir, dem Herrn,
4Mo 6,8 und soll rein bleiben, solange sein Versprechen gilt.
4Mo 6,9 Wenn jemand unvorhergesehen stirbt, während er in der Nähe ist, wird er
unrein und entweiht sein Haar, das er als Zeichen seiner Weihe wachsen ließ.
Sieben Tage später soll er sich reinigen und die Haare abschneiden lassen.
4Mo 6,10 Am achten Tag muss er mit zwei Turteltauben oder zwei anderen jungen
Tauben zum Eingang des heiligen Zeltes gehen und sie dem Priester geben.
4Mo 6,11 Dieser bringt die eine Taube als Sündopfer und die andere als
Brandopfer dar. So erwirkt der Priester Sühne für den, der durch die Nähe eines
Toten unrein geworden ist; noch am selben Tag soll der Priester ihn erneut
weihen.
4Mo 6,12 Dann soll der Geweihte ein einjähriges Lamm zur Vergebung seiner Schuld
opfern. Die Zeit, die er mir versprochen hat, muss nun noch einmal von vorn
beginnen. Die Tage vorher zählen nicht, weil er sich durch die Verunreinigung
entweiht hat.«
4Mo 6,13 »Weiter gilt für den Menschen, der sich mir, dem Herrn, geweiht hat:
Wenn die Zeit um ist, in der er ganz für mich da war, soll man ihn zum Eingang
des heiligen Zeltes führen.
4Mo 6,14 Er soll mir drei gesunde, fehlerlose Tiere opfern: zwei einjährige
Lämmer - ein männliches für das Brandopfer und ein weibliches für das Sündopfer
- und einen Schafbock für das Dankopfer;
4Mo 6,15 außerdem die dazugehörigen Speise- und Trankopfer sowie einen Korb voll
Kuchen und Fladenbrote, die aus Feinmehl ohne Sauerteig gebacken sind. Die
Kuchen sollen aus mit Öl vermengtem Mehl zubereitet und die Fladen mit Öl
bestrichen sein.
4Mo 6,16 Der Priester nimmt alles mit zum Altar und bringt mir das Sündopfer und
das Brandopfer dar.
4Mo 6,17 Dann folgen der Schafbock als Dankopfer, der Korb mit den ungesäuerten
Kuchen und Fladen sowie die übrigen Speise- und Trankopfer.
4Mo 6,18 Während der Opferung soll der Gottgeweihte am Eingang des heiligen
Zeltes sein langes Haar abschneiden lassen und ins Feuer unter dem Dankopfer
werfen.
4Mo 6,19 Wenn dies geschehen ist, holt der Priester eine gekochte Schulter des
Schafbocks, einen Kuchen und einen Fladen aus dem Korb und legt alles in die
Hände des Geweihten.
4Mo 6,20 Dann nimmt er es wieder zurück, hält es in Richtung des Altars hoch und
schwingt es hin und her, um zu zeigen, dass es mir, dem Herrn, gehören soll.
Dieses Schwingopfer behält der Priester. Er bekommt außerdem als seinen Anteil
die Brust und einen Schenkel des Dankopfers, die er ebenfalls hin- und
herschwingt. Wenn die Opfer dargebracht sind, darf der Geweihte wieder Wein
trinken.
4Mo 6,21 Diese Bestimmungen gelten für jeden, der mir, dem Herrn, in besonderer
Weise dienen will. Er muss alle Opfer darbringen, die dieses Gesetz vorschreibt.
Er kann auch noch mehr geben. Auf jeden Fall aber soll er das einhalten, was er
versprochen hat und was dieses Gesetz verlangt.«
4Mo 6,22 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 6,23 »Sag Aaron und seinen Söhnen, sie sollen die Israeliten mit diesen
Worten segnen:
4Mo 6,24 ›Der Herr segne dich und bewahre dich!
4Mo 6,25 Der Herr wende sich dir in Liebe zu und zeige dir sein Erbarmen!
4Mo 6,26 Der Herr sei dir nah und gebe dir Frieden!‹
4Mo 6,27 So sollen sie in meinem Namen zu den Israeliten sprechen, und ich
selbst werde mein Volk dann segnen.«
4Mo 7,1 Als das Heiligtum fertig gestellt war, weihte Mose es ein. Er besprengte
das Zelt und alles, was darin war, mit Salböl, dann den Altar und alle
dazugehörigen Gefäße und Werkzeuge. So weihte er alles dem Herrn.
4Mo 7,2 [2/3] Danach kamen die zwölf führenden Männer Israels mit Geschenken für
das Heiligtum. Es waren die Stammesoberhäupter, die Mose bei der Zählung der
wehrfähigen Israeliten geholfen hatten. Sie brachten sechs Planwagen zum
heiligen Zelt, die von zwölf Rindern gezogen wurden. Jedes Stammesoberhaupt
schenkte ein Rind, und je zwei brachten zusammen einen Wagen.
4Mo 7,4 Der Herr forderte Mose auf:
4Mo 7,5 »Nimm diese Geschenke an! In den Wagen soll das heilige Zelt
transportiert werden. Gib sie jenen Leviten, die sie für ihre Aufgaben
brauchen.«
4Mo 7,6 Mose tat, was der Herr ihm befohlen hatte.
4Mo 7,7 Den Gerschonitern gab er zwei Wagen und vier Rinder für ihren Dienst.
4Mo 7,8 Die Merariter unter der Leitung von Itamar, dem Sohn des Priesters
Aaron, hatten mehr zu tragen und erhielten deshalb vier Planwagen und acht
Rinder.
4Mo 7,9 Den Kehatitern gab Mose keinen Wagen; sie waren für jene Gegenstände
verantwortlich, die nur auf den Schultern getragen werden durften.
4Mo 7,10 Zur Einweihung des Altars brachten die Stammesoberhäupter Geschenke und
Opfertiere vor den Altar.
4Mo 7,11 Der Herr wies Mose an: »Lass sie ihre Opfer nacheinander darbringen, an
jedem Tag soll ein Stammesoberhaupt kommen!«
4Mo 7,12 Am ersten Tag übergab Nachschon, der Sohn Amminadabs vom Stamm Juda,
seine Geschenke:
4Mo 7,13 eine silberne Schüssel, nach dem Gewicht, das im Heiligtum gilt, etwa
eineinhalb Kilogramm schwer, und eine silberne Opferschale von etwa 800 Gramm;
beide waren für das Speiseopfer mit feinem Mehl gefüllt, das mit Öl vermengt
war;
4Mo 7,14 weiter brachte Nachschon ein Schälchen aus 120 Gramm Gold voll
wohlriechender Weihrauchmischung,
4Mo 7,15 außerdem einen jungen Stier, einen Schafbock und ein einjähriges Lamm
für das Brandopfer,
4Mo 7,16 einen Ziegenbock für das Sündopfer,
4Mo 7,17 dazu zwei Rinder, fünf Schafböcke, fünf Ziegenböcke und fünf einjährige
Lämmer für das Dankopfer.
4Mo 7,18 [18-23] Die anderen Stammesoberhäupter brachten an den nächsten elf
Tagen die gleichen Geschenke zum Heiligtum. Auf Nachschon folgte Netanel, der
Sohn Zuars vom Stamm Issaschar.
4Mo 7,24 [24-29] Am dritten Tag war Eliab, der Sohn Helons vom Stamm Sebulon, an
der Reihe.
4Mo 7,30 [30-47] Dann kamen Elizur, der Sohn Schedëurs vom Stamm Ruben,
Schelumiël, der Sohn Zurischaddais vom Stamm Simeon, und Eljasaf, der Sohn
Deguëls vom Stamm Gad.
4Mo 7,48 [48-53] Am siebten Tag opferte Elischama, der Sohn Ammihuds vom Stamm
Ephraim.
4Mo 7,54 [54-71] Darauf folgten Gamliël, der Sohn Pedazurs vom Stamm Manasse,
Abidan, der Sohn Gidonis vom Stamm Benjamin, und Ahiëser, der Sohn Ammischaddais
vom Stamm Dan.
4Mo 7,72 [72-83] Am Schluss kamen Pagiël, der Sohn Ochrans vom Stamm Asser, und
Ahira, der Sohn Enans vom Stamm Naftali.
4Mo 7,84 Insgesamt stifteten die Stammesoberhäupter Israels zur Einweihung des
Altars zwölf silberne Schüsseln, zwölf silberne Opferschalen und zwölf goldene
Schälchen.
4Mo 7,85 Die Schüsseln wogen je eineinhalb Kilogramm und die Opferschalen je 800
Gramm. Zusammen waren es etwa 28 Kilogramm Silber.
4Mo 7,86 Die goldenen Schälchen für die Weihrauchmischung wogen je 120 Gramm,
zusammen also fast eineinhalb Kilogramm.
4Mo 7,87 Zum Brandopfer gaben die Stammesoberhäupter insgesamt zwölf Stiere,
zwölf Schafböcke und zwölf einjährige Lämmer mit den dazugehörigen Speiseopfern;
für das Sündopfer brachten sie zwölf Ziegenböcke
4Mo 7,88 und für das Dankopfer vierundzwanzig Stiere, sechzig Schafböcke,
sechzig Ziegenböcke und sechzig einjährige Lämmer. All diese Tiere wurden zur
Einweihung des Altars geopfert.
4Mo 7,89 Dann ging Mose in das heilige Zelt, um mit dem Herrn zu sprechen. Er
hörte die Stimme Gottes zwischen den beiden Cherub-Engeln, die auf der
Deckplatte der Bundeslade standen. Hier sprach der Herr von nun an zu Mose.
4Mo 8,1 [1/2] Der Herr ließ Aaron durch Mose sagen: »Wenn du die sieben Öllampen
des Leuchters anzündest, achte darauf, dass sie zur vorderen Seite hin
scheinen!«
4Mo 8,3 Aaron gehorchte dem Herrn und setzte die Lampen mit dem Docht nach vorn
auf den Leuchter.
4Mo 8,4 Der Leuchter war ganz aus Gold geschmiedet, vom Fuß bis hinauf zu den
Blütenornamenten. Mose hatte ihn so anfertigen lassen, wie der Herr es ihm
gezeigt hatte.
4Mo 8,5 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 8,6 »Versammle die Leviten an einem besonderen Ort, abseits vom übrigen
Volk. Du sollst sie für ihren Dienst im Heiligtum reinigen
4Mo 8,7 und dabei so vorgehen: Besprenge sie mit Wasser zur Reinigung von aller
Schuld; lass sie ihren ganzen Körper rasieren und ihre Kleider waschen, damit
sie rein werden.
4Mo 8,8 Dann sollen sie einen jungen Stier bringen und dazu als Speiseopfer
feines, mit Öl vermengtes Mehl, außerdem einen zweiten Jungstier zum Sündopfer.
4Mo 8,9 Ruf die Leviten zum heiligen Zelt, und versammle dort alle Israeliten!
4Mo 8,10 Nun sollen sich die Leviten vor dem heiligen Zelt aufstellen, und die
anderen Israeliten sollen die Hände auf sie legen.
4Mo 8,11 Dann muss Aaron mir die Leviten weihen als ein Opfer, das die
Israeliten mir bringen. Denn sie geben die Leviten aus ihrer Mitte her, damit
sie mir im Heiligtum dienen.
4Mo 8,12 Danach sollen die Leviten ihre Hände auf den Kopf der beiden Stiere
legen. Lass den einen als Sündopfer, den anderen als Brandopfer darbringen. So
wird den Leviten alle Schuld vergeben.
4Mo 8,13 Wenn du die Leviten zu Aaron bringst und er sie mir wie eine Opfergabe
darbietet,
4Mo 8,14 dann trennst du sie damit von den anderen Israeliten und übergibst sie
mir.
4Mo 8,15 Du reinigst sie und weihst sie mir wie ein Opfer, damit sie von jetzt
an den Dienst im heiligen Zelt verrichten.
4Mo 8,16 Von allen Israeliten sind sie nun ganz und gar mein Eigentum. Ich habe
sie anstelle eurer ältesten Söhne ausgewählt.
4Mo 8,17 Denn mir gehört jeder erstgeborene israelitische Sohn und jedes eurer
Tiere, das als Erstes von seiner Mutter zur Welt gebracht wurde. Als ich die
Erstgeborenen der Ägypter sterben ließ, habe ich die ältesten Söhne der
Israeliten zu meinem Eigentum erklärt.
4Mo 8,18 Doch nun nehme ich an ihrer Stelle die Leviten
4Mo 8,19 und gebe sie Aaron und seinen Söhnen. Sie sollen die Dienste im
Heiligtum verrichten, die ich den Israeliten aufgetragen habe, und sie sollen
für das ganze Volk die Vergebung seiner Schuld erwirken. Die anderen Israeliten
aber dürfen sich dem heiligen Zelt nicht nähern, sonst kommt Unheil über euer
Volk.«
4Mo 8,20 Mose, Aaron und das ganze Volk Israel führten alles so aus, wie der
Herr es befohlen hatte.
4Mo 8,21 Die Leviten reinigten sich und wuschen ihre Kleider. Aaron bot sie dem
Herrn als Gabe dar und opferte die Stiere zur Vergebung ihrer Sünde.
4Mo 8,22 Dann begannen die Leviten unter der Leitung von Aaron und seinen Söhnen
ihren Dienst am Heiligtum.
4Mo 8,23 Weiter sprach der Herr zu Mose:
4Mo 8,24 »Die Leviten sollen ihren Dienst im heiligen Zelt mit 25 Jahren
beginnen
4Mo 8,25 und mit 50 Jahren beenden. Wer älter ist, soll nicht mehr zu den
Arbeiten eingeteilt werden.
4Mo 8,26 Er kann den jüngeren Leuten jederzeit helfen, soll aber keine Pflichten
mehr haben. So sollst du den Dienst der Leviten ordnen!«
4Mo 9,1 Im 1. Monat des 2. Jahres, nachdem die Israeliten Ägypten verlassen
hatten, sprach der Herr in der Wüste Sinai zu Mose:
4Mo 9,2 »Ihr sollt das Passahfest zur vorgeschriebenen Zeit feiern:
4Mo 9,3 am Abend des 14. Tages in diesem Monat. Haltet euch an alle Bestimmungen
und Vorschriften für das Fest!«
4Mo 9,4 Mose teilte es den Israeliten mit.
4Mo 9,5 So feierten sie am Abend des 14. Tages im 1. Monat das Passahfest in der
Wüste Sinai. Sie befolgten dabei alle Anweisungen des Herrn.
4Mo 9,6 Einige Männer aber hatten zuvor eine Leiche berührt. Dadurch waren sie
am Tag des Passahfestes unrein und konnten nicht mitfeiern. Sie fragten daher
Mose und Aaron um Rat:
4Mo 9,7 »Wir haben einen Toten berührt und sind dadurch unrein geworden. Sollen
wir deshalb vom Fest ausgeschlossen werden? Wir würden auch gerne dabei sein,
wenn alle Israeliten dem Herrn ihre Opfer darbringen!«
4Mo 9,8 Mose antwortete: »Wartet hier! Ich will hören, was der Herr dazu sagt.«
4Mo 9,9 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 9,10 »Was ich dir jetzt sage, soll für immer gelten: Wer sich durch die
Berührung eines Toten verunreinigt hat oder auf einer Reise ist und deshalb
nicht am Fest teilnehmen kann,
4Mo 9,11 der soll es genau einen Monat später nachholen. Dann soll er das
Passahlamm mit bitteren Kräutern essen und mit Brot, das ohne Sauerteig gebacken
ist.
4Mo 9,12 Er darf nichts davon bis zum nächsten Morgen übrig lassen und dem Lamm
keinen Knochen brechen. Er muss alle Bestimmungen und Vorschriften für das
Passahfest genau befolgen.
4Mo 9,13 Aber wenn jemand das Fest im 1. Monat nicht feiert, obwohl er rein ist
und sich auch nicht auf Reisen befindet, soll er getötet werden. Er hat mir, dem
Herrn, sein Opfer nicht zur festgelegten Zeit dargebracht und muss die Folgen
dieser Sünde tragen.
4Mo 9,14 Wenn ein Ausländer, der bei euch wohnt, zu meiner Ehre das Passahfest
feiern will, muss auch er dabei alle Vorschriften beachten. Für Einheimische und
Ausländer soll dasselbe Recht gelten!«
4Mo 9,15 Als man das heilige Zelt aufgestellt hatte, in dem die Gesetzestafeln
aufbewahrt wurden, kam die Wolke des Herrn und bedeckte es. In der folgenden
Nacht leuchtete sie wie Feuer.
4Mo 9,16 Sie blieb von nun an über dem Heiligtum. Am Tag glich sie einer Wolke
und nachts einem Feuer.
4Mo 9,17 Wenn sie aufstieg, brachen die Israeliten auf und folgten ihr. Und wo
sie sich niederließ, schlugen sie ihr Lager wieder auf.
4Mo 9,18 Durch die Wolke gab ihnen der Herr das Zeichen zum Weiterziehen oder
Haltmachen. Solange die Wolke auf dem Heiligtum ruhte, ließen die Israeliten
ihre Zelte stehen.
4Mo 9,19 Das dauerte manchmal sehr lange. Auch dann hielten sie sich an die
Weisung des Herrn und brachen nicht auf.
4Mo 9,20 Es kam auch vor, dass sie nur wenige Tage an einem Ort blieben, ganz
wie der Herr es befahl.
4Mo 9,21 Manchmal ließ die Wolke sich am Abend nieder und stieg schon am
nächsten Morgen wieder auf. Dann zogen die Israeliten sofort los. Die Wolke
konnte einen Tag und eine Nacht bleiben,
4Mo 9,22 aber auch zwei Tage, einen Monat oder noch länger. Immer wenn die Wolke
auf dem heiligen Zelt ruhte, schlugen die Israeliten ihre Zelte auf und blieben
so lange, bis die Wolke sich wieder erhob.
4Mo 9,23 Sie folgten bei ihrem Zug durch die Wüste den Weisungen des Herrn und
taten, was er ihnen durch Mose sagte.
4Mo 10,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 10,2 »Schmiede dir zwei Trompeten aus Silber! Mit ihnen sollst du das Volk
zusammenrufen oder zum Aufbruch blasen.
4Mo 10,3 Wenn beide Trompeten mit langen, kräftigen Stößen geblasen werden, soll
sich die ganze Gemeinschaft der Israeliten bei dir am Eingang des heiligen
Zeltes versammeln.
4Mo 10,4 Wird eine allein geblasen, sollen nur die Stammesoberhäupter Israels zu
dir kommen.
4Mo 10,5 Erklingen aber beide Trompeten mit kurzen Tönen, ist dies das Zeichen
zum Aufbruch. Beim ersten Signal ziehen die Stämme los, die im Osten lagern,
4Mo 10,6 beim zweiten Signal brechen die Stämme im Süden auf.
4Mo 10,7 Wenn ihr aber das Volk zusammenrufen wollt, sollt ihr - anders als beim
Aufbruch - die Trompeten mit lang anhaltenden Tönen blasen.
4Mo 10,8 Für das Blasen der Trompeten sind die Nachkommen Aarons, die Priester,
zuständig. So soll es für immer bleiben.
4Mo 10,9 Das kurze Signal sollt ihr auch dann geben, wenn ihr gegen Feinde in
den Kampf zieht, die euer Land angreifen. Ich, der Herr, euer Gott, werde es
hören und euch vor ihnen retten.
4Mo 10,10 Blast die Trompeten außerdem bei euren Festen und Gottesdiensten, am
Anfang jedes Monats und immer, wenn ihr eure Brandopfer und Dankopfer darbringt.
Ich werde es hören und mich euch zuwenden, denn ich bin der Herr, euer Gott!«
4Mo 10,11 Am 20. Tag des 2. Monats - die Israeliten hatten Ägypten vor gut einem
Jahr verlassen - erhob sich die Wolke vom heiligen Zelt.
4Mo 10,12 Da brachen die Stämme Israels der Reihe nach auf, verließen die Wüste
Sinai und folgten der Wolke in die Wüste Paran. Dort machten sie Halt.
4Mo 10,13 Zum ersten Mal zogen sie in der Ordnung los, die der Herr durch Mose
befohlen hatte.
4Mo 10,14 An der Spitze gingen die Verbände des Stammes Juda unter der Leitung
von Nachschon, dem Sohn Amminadabs.
4Mo 10,15 Zu dieser Abteilung gehörten auch der Stamm Issaschar unter seinem
Fürsten Netanel, dem Sohn Zuars,
4Mo 10,16 und der Stamm Sebulon, geführt von Eliab, dem Sohn Helons.
4Mo 10,17 Dann folgten die levitischen Sippen Gerschon und Merari mit dem
heiligen Zelt, das sie vorher abgebaut hatten.
4Mo 10,18 Hinter den Leviten kamen die Verbände des Stammes Ruben, die von
Elizur, dem Sohn Schedëurs, geführt wurden.
4Mo 10,19 Ihm unterstanden auch der Stamm Simeon mit seinem Fürsten Schelumiël,
dem Sohn Zurischaddais,
4Mo 10,20 und der Stamm Gad unter der Leitung von Eljasaf, dem Sohn Deguëls.
4Mo 10,21 Dann brach die levitische Sippe Kehat auf. Sie trug die Gegenstände
aus dem Inneren des heiligen Zeltes. Die Leviten aus den Sippen Gerschon und
Merari waren bereits mit der Abteilung Juda vorangezogen, um das Heiligtum
aufzubauen, bevor die anderen eintrafen.
4Mo 10,22 Als Nächstes folgten die Verbände des Stammes Ephraim unter der
Führung von Elischama, dem Sohn Ammihuds.
4Mo 10,23 Dazu gehörten auch der Stamm Manasse mit seinem Fürsten Gamliël, dem
Sohn Pedazurs,
4Mo 10,24 und der Stamm Benjamin, dem Abidan, der Sohn Gidonis, vorstand.
4Mo 10,25 Den Schluss bildeten die Verbände des Stammes Dan. Sie wurden von
Ahiëser, dem Sohn Ammischaddais, angeführt
4Mo 10,26 und umfassten neben Dan den Stamm Asser mit seinem Fürsten Pagiël, dem
Sohn Ochrans,
4Mo 10,27 und den Stamm Naftali unter der Leitung von Ahira, dem Sohn Enans.
4Mo 10,28 In dieser Reihenfolge zogen die Verbände der Israeliten los.
4Mo 10,29 Mose sagte zu seinem Schwager Hobab, dem Sohn seines Schwiegervaters
Reguël aus Midian: »Wir machen uns jetzt auf den Weg in das Land, das der Herr
uns versprochen hat. Komm doch mit! Du wirst es gut bei uns haben, denn der Herr
hat gesagt, dass es uns gut gehen wird.«
4Mo 10,30 Aber Hobab lehnte ab: »Nein, ich möchte nicht mit euch gehen, sondern
wieder zurück in meine Heimat, zu meinen Verwandten.«
4Mo 10,31 Da bat ihn Mose: »Lass uns bitte nicht im Stich! Du weißt, wo man in
der Wüste lagern kann. Wir brauchen dich, um uns zurechtzufinden!
4Mo 10,32 Wenn du mit uns kommst, werden wir dich reich beschenken. Du sollst an
dem Guten teilhaben, das der Herr uns geben wird.«
4Mo 10,33 [33/34] Die Israeliten brachen vom Berg Sinai auf und zogen drei
Tagesreisen lang durch die Wüste. An der Spitze des Zuges wurde die Bundeslade
getragen, und die Wolke des Herrn war den ganzen Tag über ihnen. Sie führte das
Volk bis zum nächsten Lagerplatz.
4Mo 10,35 Immer wenn die Leviten mit der Bundeslade aufbrachen, rief Mose: »Steh
auf, Herr! Schlag deine Feinde in die Flucht! Verjag alle, die dich hassen!«
4Mo 10,36 Und wenn sie mit der Bundeslade Halt machten, rief er: »Komm zurück,
Herr, zu den vielen tausend Menschen deines Volkes Israel!«
4Mo 11,1 Die Israeliten waren wegen der Wanderung durch die Wüste unzufrieden
und begannen sich zu beklagen. Als der Herr das hörte, wurde er sehr zornig. Er
ließ am Rand des Lagers ein Feuer ausbrechen, das Zelt um Zelt zerstörte.
4Mo 11,2 Die Israeliten rannten zu Mose und schrien um Hilfe. Da betete er für
sie zum Herrn, und das Feuer erlosch.
4Mo 11,3 Den Ort nannte man Tabera (»Brand«).
4Mo 11,4 Doch das Jammern nahm kein Ende. Unter den Israeliten waren viele
Fremde, die sich dem Volk angeschlossen hatten, als es Ägypten verließ. Sie
forderten nun besseres Essen, und schon fingen auch die Israeliten wieder an zu
klagen: »Niemand gibt uns Fleisch zu essen!
4Mo 11,5 In Ägypten war das anders! Da bekamen wir umsonst so viel Fisch, wie
wir wollten, da gab es Gurken, Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch.
4Mo 11,6 Aber hier haben wir nichts. Wir hungern! Alles, was es hier gibt, ist
dieses Manna!«
4Mo 11,7 Das Manna bestand aus kleinen Körnern, ähnlich dem Koriandersamen, und
war durchsichtig wie Bedellion-Harz.
4Mo 11,8 [8/9] Jede Nacht fiel es mit dem Tau auf das Lager. Die Israeliten
sammelten es ein und zerkleinerten es mit Handmühlen oder Mörsern. Sie kochten
es oder backten Fladenbrot davon, das wie Ölkuchen schmeckte.
4Mo 11,10 Die israelitischen Familien saßen vor ihren Zelten und klagten. Als
Mose das hörte, geriet er außer sich, denn er wusste, dass sie erneut den Zorn
des Herrn herausforderten.
4Mo 11,11 »Warum tust du mir das an?«, fragte er den Herrn. »Ich bin zwar dein
Diener! Aber musst du mir wirklich die Verantwortung für dieses ganze Volk
aufhalsen? Hast du denn kein Erbarmen mit mir?
4Mo 11,12 Bin ich etwa die Mutter dieser Menschen? Habe ich sie zur Welt
gebracht? Oder bin ich ihr Pflegevater? Soll ich sie wie einen Säugling auf
meinen Armen in das Land tragen, das du ihren Vorfahren versprochen hast?
4Mo 11,13 Sie weinen und flehen mich an: ›Gib uns Fleisch zu essen!‹ Woher soll
ich denn Fleisch für Hunderttausende von Menschen nehmen?
4Mo 11,14 Ich kann die Verantwortung für dieses Volk nicht länger allein tragen.
Ich halte es nicht mehr aus!
4Mo 11,15 Wenn es so weitergehen soll, bring mich lieber gleich um! Wenn dir
aber etwas an mir liegt, dann erspar mir dieses Elend!«
4Mo 11,16 Der Herr antwortete Mose: »Such unter den Ältesten Israels siebzig
Männer aus! Nimm Leute, die als zuverlässige Anführer des Volkes bekannt sind.
Bring sie zum heiligen Zelt, und stell dich mit ihnen dort auf!
4Mo 11,17 Denn ich will herabkommen und mit dir sprechen. Ich werde etwas von
meinem Geist, der auf dir ruht, nehmen und auf sie legen. Sie sollen von nun an
die Last mit dir teilen. Du musst die Verantwortung für das Volk nicht mehr
allein tragen.
4Mo 11,18 Und dem Volk Israel sollst du sagen: ›Reinigt euch, und macht euch
bereit! Denn morgen wird euch der Herr Fleisch zu essen geben. Er hat euer
Gejammer gehört, mit dem ihr ihm in den Ohren liegt. Er weiß, dass ihr Fleisch
essen wollt und am liebsten wieder in Ägypten wärt! Nun, morgen werdet ihr
Fleisch bekommen!
4Mo 11,19 Und das nicht nur ein, zwei Tage lang, auch nicht fünf oder zehn oder
zwanzig Tage,
4Mo 11,20 nein, einen ganzen Monat lang, bis es euch zum Hals heraushängt und
ihr euch davor ekelt! Denn ihr habt den Herrn, der mitten unter euch wohnt,
verachtet und ihm bittere Vorwürfe gemacht, weil er euch aus Ägypten befreit
hat.‹«
4Mo 11,21 Mose erwiderte: »Dieses Volk hat allein 600000 wehrfähige Männer, und
du willst uns Fleisch für einen ganzen Monat geben?
4Mo 11,22 Wie viele Schafe, Ziegen und Rinder sollen denn geschlachtet werden,
damit es für alle reicht? Oder willst du alle Fische im Meer fangen, damit jeder
etwas bekommt?«
4Mo 11,23 Der Herr entgegnete: »Traust du mir das etwa nicht zu? Du wirst bald
sehen, ob ich mein Wort halte oder nicht!«
4Mo 11,24 Da berichtete Mose den Israeliten, was der Herr ihm aufgetragen hatte.
Er suchte unter den Ältesten des Volkes siebzig Männer aus und befahl ihnen,
sich im Halbkreis vor dem Heiligtum aufzustellen.
4Mo 11,25 Dann sahen sie, wie der Herr in der Wolke herabkam. Er sprach mit Mose
und legte etwas von dem Geist, der auf Mose ruhte, auf die siebzig Ältesten. Im
selben Augenblick begannen sie zu reden, was der Herr ihnen eingab. Das geschah
jedoch nur dieses eine Mal.
4Mo 11,26 Zwei der siebzig Männer, deren Namen Mose aufgeschrieben hatte, waren
nicht zum heiligen Zelt gekommen, sondern im Lager geblieben. Der eine hieß
Eldad, der andere Medad. Auch auf sie kam der Geist des Herrn, und auch sie
begannen zu reden, was der Herr ihnen eingab.
4Mo 11,27 Ein junger Mann lief zu Mose und meldete ihm: »Eldad und Medad führen
sich mitten im Lager wie Propheten auf!«
4Mo 11,28 Das hörte Josua, der Sohn Nuns, ein Mann, der von Jugend an Mose
gedient hatte. Er sagte zu Mose: »Verbiete es ihnen!«
4Mo 11,29 Doch Mose erwiderte: »Hast du Angst, dass mir jemand meinen Platz
streitig macht? Ich wünschte, der Herr würde seinen Geist auf das ganze Volk
legen und alle wären Propheten!«
4Mo 11,30 Dann ging er mit den Ältesten zurück ins Lager.
4Mo 11,31 Der Herr ließ einen starken Wind aufkommen und trieb gewaltige
Schwärme Wachteln vom Meer herbei. Sie fielen in der Nähe des Lagers zu Boden
und blieben im Umkreis von etwa dreißig Kilometern bis zu einem Meter hoch
liegen.
4Mo 11,32 Die Israeliten brauchten den ganzen Tag, die Nacht und auch noch den
nächsten Tag, um die Vögel aufzulesen. Jeder hatte hinterher mindestens zehn
große Körbe voll. Dann wurde das Fleisch der Vögel rings um das Lager
ausgebreitet, damit es in der Sonne trocknen konnte.
4Mo 11,33 Doch kaum hatten die Israeliten sich die ersten Fleischstücke in den
Mund geschoben, da entlud sich der Zorn des Herrn. Sehr viele starben
4Mo 11,34 zur Strafe für ihre Gier. Man begrub die Toten in der Nähe des Lagers
und nannte den Ort Kibrot-Hattaawa (»Gräber der Gier«).
4Mo 11,35 Dann zog das Volk Israel weiter nach Hazerot und schlug dort sein
Lager auf.
4Mo 12,1 Mirjam und Aaron machten Mose Vorwürfe, weil er eine Äthiopierin
geheiratet hatte.
4Mo 12,2 [2/3] Sie sagten auch: »Spricht der Herr etwa nur durch Mose? Hat er
nicht auch durch uns geredet?« Mose schwieg dazu. Er war ein zurückhaltender
Mann, demütiger als alle anderen Menschen auf der Welt. Aber der Herr hatte
gehört, was Aaron und Mirjam gesagt hatten.
4Mo 12,4 Darum befahl er den beiden und Mose: »Geht zum heiligen Zelt!« Die drei
gehorchten.
4Mo 12,5 Der Herr kam in der Wolkensäule herab und stellte sich an den Eingang
des Zeltes. Er rief Aaron und Mirjam, und sie traten vor.
4Mo 12,6 Dann wies er sie zurecht: »Hört, was ich euch sage! Wenn ich einem
Propheten unter euch etwas mitteilen will, erscheine ich ihm in einer Vision
oder spreche im Traum zu ihm.
4Mo 12,7 Mit Mose aber rede ich anders. Denn er ist mein treuer Diener, ihm habe
ich mein Volk anvertraut.
4Mo 12,8 Ich rede mit ihm von Angesicht zu Angesicht, nicht in geheimnisvollen
Bildern, sondern in klaren Worten. Er kann mich sogar sehen. Wie könnt ihr es da
wagen, ihn anzugreifen?«
4Mo 12,9 Nach diesen Worten entfernte sich der Herr voller Zorn,
4Mo 12,10 und die Wolke verschwand vom heiligen Zelt. Als Aaron sich zu Mirjam
umdrehte, war ihre Haut weiß wie Schnee, denn sie war aussätzig geworden!
4Mo 12,11 Aaron flehte Mose an: »Bitte, vergib uns! Wir haben unrecht gehandelt
und Schuld auf uns geladen.
4Mo 12,12 Aber lass Mirjam nicht wie eine Totgeburt aussehen, die halb verwest
aus dem Mutterleib kommt!«
4Mo 12,13 Da rief Mose zum Herrn: »O Gott, mach sie bitte wieder gesund!«
4Mo 12,14 Der Herr antwortete ihm: »Wenn ihr Vater ihr verächtlich ins Gesicht
gespuckt hätte, würde sie sich da nicht eine Woche lang schämen? Deshalb soll
sie sieben Tage außerhalb des Lagers festgehalten werden. Danach könnt ihr sie
wieder bei euch aufnehmen.«
4Mo 12,15 So musste Mirjam eine Woche außerhalb des Lagers bleiben. In dieser
Zeit zog das Volk nicht weiter. Erst als sie wieder zurückgekehrt war,
4Mo 12,16 brachen die Israeliten von Hazerot auf und lagerten dann in der Wüste
Paran.
4Mo 13,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 13,2 »Sende Kundschafter nach Kanaan! Sie sollen sich in dem Land umsehen,
das ich euch Israeliten geben will. Such dazu aus jedem Stamm einen angesehenen
Mann aus!«
4Mo 13,3 Mose tat, was der Herr ihm befohlen hatte. Alle, die er in der Wüste
Paran auswählte, gehörten zu den führenden Männern ihrer Stämme.
4Mo 13,4 Es waren Schammua, der Sohn Sakkurs vom Stamm Ruben,
4Mo 13,5 Schafat, der Sohn Horis vom Stamm Simeon,
4Mo 13,6 Kaleb, der Sohn Jefunnes aus Juda,
4Mo 13,7 Jigal, der Sohn Josefs vom Stamm Issaschar,
4Mo 13,8 Hoschea, der Sohn Nuns aus Ephraim,
4Mo 13,9 Palti, der Sohn Rafus aus Benjamin,
4Mo 13,10 Gaddiël, der Sohn Sodis vom Stamm Sebulon,
4Mo 13,11 Gaddi, der Sohn Susis vom Stamm Manasse,
4Mo 13,12 Ammiël, der Sohn Gemallis aus Dan,
4Mo 13,13 Setur, der Sohn Michaels aus Asser,
4Mo 13,14 Nachbi, der Sohn Wofsis vom Stamm Naftali,
4Mo 13,15 und Gëuël, der Sohn Machis vom Stamm Gad.
4Mo 13,16 Diese Männer beauftragte Mose, das Land zu erkunden. Hoschea, dem Sohn
Nuns, gab er einen neuen Namen: Josua (»Der Herr ist Rettung«).
4Mo 13,17 Bevor Mose die Kundschafter losschickte, sagte er zu ihnen: »Nehmt den
Weg durch die Wüste Negev, und geht ins Gebirge hinauf!
4Mo 13,18 Seht euch das Land an und die Menschen, die dort leben. Findet heraus,
ob sie stark oder schwach sind, zahlreich oder wenig,
4Mo 13,19 ob sie in ungeschützten Siedlungen oder in befestigten Städten wohnen.
Seht, ob das Land gut oder schlecht ist,
4Mo 13,20 fruchtbar oder karg, und ob es dort Bäume gibt. Habt keine Angst! Und
bringt uns etwas von den Früchten mit, die dort wachsen.« Zu der Jahreszeit
reiften nämlich gerade die ersten Trauben.
4Mo 13,21 Die Männer brachen auf und erkundeten das Land Kanaan von der Wüste
Zin im Süden bis zur Stadt Rehob im Norden, die an der Straße nach Hamat liegt.
4Mo 13,22 Zunächst durchquerten sie die Wüste Negev und erreichten Hebron. Dort
lebten die Sippen Ahiman, Scheschai und Talmai vom Volk der Anakiter. Ihre Stadt
war sieben Jahre früher als das ägyptische Zoan gegründet worden.
4Mo 13,23 Dann kamen die Kundschafter ins Eschkoltal. Dort pflückten sie
Granatäpfel und Feigen. Sie schnitten eine Weinrebe ab, die so schwer war, dass
zwei Männer sie an einer Stange tragen mussten.
4Mo 13,24 Darum nannte man dieses Tal später Eschkol (»Traube«).
4Mo 13,25 Vierzig Tage lang erkundeten die zwölf Männer das Land. Dann kehrten
sie zurück.
4Mo 13,26 Als die Kundschafter in Kadesch in der Wüste Paran eintrafen,
berichteten sie Mose, Aaron und dem ganzen Volk, was sie gesehen hatten, und
zeigten ihnen die Früchte aus Kanaan.
4Mo 13,27 Sie sagten zu Mose: »Wir sind in dem Land gewesen, in das du uns
geschickt hast. Du hattest Recht: Dort fließen Milch und Honig. Sieh dir nur
diese Früchte an!
4Mo 13,28 Allerdings leben mächtige Völker dort, und ihre Städte sind gewaltige
Festungen. Wir haben Anakiter gesehen.
4Mo 13,29 Und in der Wüste Negev siedeln die Amalekiter, im Gebirge die Hetiter,
Jebusiter und Amoriter. Außerdem wohnen am Mittelmeer und am Jordan die
Kanaaniter.«
4Mo 13,30 Da machten die Israeliten Mose wieder Vorwürfe. Kaleb versuchte, sie
zu beruhigen, und rief: »Wir sind stark genug, das Land zu erobern. Wir müssen
nur losziehen und es in Besitz nehmen!«
4Mo 13,31 Aber die anderen Kundschafter widersprachen: »Gegen diese Völker
können wir auf keinen Fall antreten. Sie sind viel stärker als wir.«
4Mo 13,32 Und sie erzählten den Israeliten die schlimmsten Geschichten über ihre
Reise: »Wir haben das Land durchzogen, wir wissen, wie es dort aussieht. Glaubt
uns, dort herrschen Mord und Totschlag! Alle Menschen, die wir gesehen haben,
sind groß und kräftig.
4Mo 13,33 Die Anakiter, die wir getroffen haben, sind Riesen. In deren Augen
waren wir klein wie Heuschrecken, und so haben wir uns auch gefühlt!«
4Mo 14,1 Die Israeliten schrien entsetzt auf und weinten die ganze Nacht.
4Mo 14,2 Alle schimpften auf Mose und Aaron. »Wären wir doch in Ägypten oder
hier in der Wüste gestorben!«, riefen sie.
4Mo 14,3 »Warum bringt uns der Herr in solch ein Land? Damit man uns tötet und
unsere Frauen und Kinder als Gefangene verschleppt? Lieber kehren wir nach
Ägypten zurück!«
4Mo 14,4 Dann legten sie sich einen Plan zurecht: »Lasst uns einen neuen
Anführer wählen und zurück nach Ägypten gehen!«
4Mo 14,5 Da warfen sich Mose und Aaron vor dem versammelten Volk zu Boden.
4Mo 14,6 Josua, der Sohn Nuns, und Kaleb, der Sohn Jefunnes, zerrissen entsetzt
ihre Gewänder
4Mo 14,7 und riefen den Israeliten zu: »Das Land, das wir erkundet haben, ist
sehr gut!
4Mo 14,8 Dort gibt es alles im Überfluss! Wenn der Herr Gefallen an uns hat,
wird er uns dorthin bringen und uns das Land schenken.
4Mo 14,9 Lehnt euch nicht gegen ihn auf! Ihr müsst keine Angst vor den Leuten
dort haben. Wir werden sie leicht überwältigen, denn sie haben keinen Schutz
mehr. Ihr braucht euch nicht vor ihnen zu fürchten, der Herr ist auf unserer
Seite!«
4Mo 14,10 Aber die Israeliten schrien: »Steinigt sie!« Da erschien der Herr in
seiner Macht und Herrlichkeit am heiligen Zelt, so dass alle es sehen konnten.
4Mo 14,11 Er sprach zu Mose: »Dieses Volk hört nicht auf, mich zu beleidigen.
Wie viele Wunder habe ich vor ihren Augen getan, und sie vertrauen mir noch
immer nicht! Doch damit ist jetzt Schluss,
4Mo 14,12 denn ich werde sie durch eine Seuche ausrotten. An ihrer Stelle will
ich deine Nachkommen zu einem Volk machen, das größer und mächtiger ist als
sie.«
4Mo 14,13 Doch Mose wandte ein: »Wenn das geschieht, werden es die Ägypter
erfahren. Sie haben erlebt, wie du unser Volk mit gewaltigen Taten aus ihrem
Land befreit hast.
4Mo 14,14 Auch die Bewohner von Kanaan haben gehört, dass du, Herr, mitten unter
uns bist und dich uns sogar zeigst. Sie wissen, dass deine Wolke über uns steht,
dass du uns bei Tag in der Wolkensäule vorangehst und bei Nacht in der
Feuersäule.
4Mo 14,15 Wenn du nun ganz Israel auf einen Schlag tötest, dann werden alle
diese Völker, die schon so viel von dir gehört haben, davon erfahren und sagen:
4Mo 14,16 ›Der Herr konnte dieses Volk nicht in das Land bringen, das er ihnen
mit einem Eid versprochen hat. Er hat sie in der Wüste abgeschlachtet.‹
4Mo 14,17 Darum bitte ich dich, Herr: Zeige deine Macht auf andere Weise. Du
hast gesagt:
4Mo 14,18 ›Meine Geduld ist groß, und meine Liebe kennt kein Ende. Ja, ich
vergebe die Schuld, doch ich strafe auch. Wer sündigt, muss die Folgen tragen,
aber nicht nur er, sondern auch seine Kinder, Enkel und Urenkel!‹
4Mo 14,19 Herr, weil deine Liebe so groß ist, bitte ich dich: Vergib diesem
Volk, wie du es auf dem ganzen Weg von Ägypten bis hierher immer wieder getan
hast.«
4Mo 14,20 Da antwortete der Herr: »Ich will dem Volk vergeben, weil du mich
darum bittest.
4Mo 14,21 Aber ich sage dir: So wahr ich lebe und so wahr die ganze Welt meine
Herrlichkeit erkennen wird:
4Mo 14,22 [22/23] Diese Leute hier werden das Land nicht sehen, das ich ihren
Vorfahren versprochen habe. Keiner, der mich beleidigt hat, wird hineinkommen.
Zehnmal haben sie mich nun schon herausgefordert. Obwohl sie meine Macht und die
Wunder in Ägypten und hier in der Wüste mit eigenen Augen gesehen haben, wollen
sie einfach nicht auf mich hören.
4Mo 14,24 Nur eine Ausnahme gibt es: Kaleb, meinen Diener, der mir immer treu
gefolgt ist. Ihn werde ich in das Land bringen, das er bereits gesehen hat.
Seine Nachkommen sollen es besitzen.
4Mo 14,25 Die Amalekiter und die Kanaaniter jedoch werden in der Ebene wohnen
bleiben. Aber zuvor werdet ihr alle in die Wüste zurückkehren. Morgen sollt ihr
wieder in Richtung Schilfmeer aufbrechen.«
4Mo 14,26 Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
4Mo 14,27 »Ich habe gehört, was die Israeliten mir vorwerfen. Soll ich ihre
Bosheit noch weiter dulden? Sie haben sich lange genug gegen mich aufgelehnt!
4Mo 14,28 Darum richtet ihnen aus: Ich habe genau gehört, was ihr gesagt habt.
Ich schwöre, so wahr ich lebe, dass ich euren Wunsch erfüllen werde!
4Mo 14,29 Hier in der Wüste werdet ihr sterben, und zwar jeder wehrfähige Mann,
der heute zwanzig Jahre oder älter ist. Weil ihr euch gegen mich aufgelehnt
habt,
4Mo 14,30 werdet ihr niemals in das Land kommen, das ich euch mit einem Eid
versprochen habe. Nur Kaleb, den Sohn Jefunnes, und Josua, den Sohn Nuns,
4Mo 14,31 werde ich dorthin bringen, und auch eure Kinder, die ihr schon in der
Gewalt eurer Feinde gesehen habt. Sie werden das Land kennen lernen, das ihr
nicht haben wolltet.
4Mo 14,32 Aber eure Leichen werden in der Wüste verwesen.
4Mo 14,33 Eure Kinder sollen vierzig Jahre mit euch umherziehen, bis ihr alle
tot seid. So lange müssen sie mit darunter leiden, dass ihr mir untreu wart.
4Mo 14,34 Vierzig Tage lang habt ihr das Land erkundet - vierzig Jahre lang
werdet ihr nicht hineinkommen. Für jeden Tag, den ihr dort unterwegs wart,
werdet ihr ein Jahr lang die Folgen eurer Sünde tragen. Ihr sollt erleben, was
es heißt, wenn ich mich abwende.
4Mo 14,35 Das verspreche ich, der Herr, und ich werde es auch tun. Ja, ich
schwöre euch: Alle, die sich gegen mich verbündet haben, werden in der Wüste
umkommen. Dieses ganze boshafte Volk wird hier sterben!«
4Mo 14,36 [36/37] Die Männer aber, die Mose als Kundschafter losgeschickt hatte,
tötete der Herr sofort. Denn sie hatten die schlimmen Gerüchte über das Land
verbreitet und das Volk in Aufruhr gebracht.
4Mo 14,38 Nur zwei von ihnen blieben am Leben: Josua, der Sohn Nuns, und Kaleb,
der Sohn Jefunnes.
4Mo 14,39 Als Mose den Israeliten die Worte des Herrn ausgerichtet hatte, fingen
sie an zu weinen und zu klagen.
4Mo 14,40 Am nächsten Morgen machten sie sich bereit, ins nördliche Bergland
vorzurücken. Sie sagten: »Wir wollen unseren Fehler wieder gutmachen! Wir
gehorchen jetzt und ziehen hinauf in das Land, von dem der Herr gesprochen hat!«
4Mo 14,41 Aber Mose rief: »Warum widersetzt ihr euch schon wieder dem Befehl des
Herrn? Das kann nicht gut gehen!
4Mo 14,42 Bleibt hier! Der Herr ist nicht mit euch, er schützt euch nicht vor
euren Feinden.
4Mo 14,43 Dort drüben erwarten euch die Amalekiter und Kanaaniter, und sie
werden euch umbringen. Der Herr wird euch nicht helfen, denn ihr habt euch von
ihm abgewandt!«
4Mo 14,44 Doch die Israeliten hörten in ihrem Stolz nicht zu, sondern zogen ins
Bergland hinauf. Mose ging nicht mit, und auch die Bundeslade des Herrn blieb
unten im Lager.
4Mo 14,45 Da kamen ihnen die Amalekiter und Kanaaniter aus dem Bergland
entgegen, besiegten die Israeliten und jagten sie bis nach Horma.
4Mo 15,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 15,2 »Eines Tages werde ich diesem Volk das versprochene Land geben, und ihr
werdet dort leben. Sag den Israeliten, dass sie dann diese Anweisungen beachten
sollen:
4Mo 15,3 [3/4] Immer wenn ihr mir ein Rind, eine Ziege oder ein Schaf als Brand-
oder Schlachtopfer darbringt, dann sollt ihr eineinhalb Kilogramm Mehl, mit
einem Liter Öl vermengt, als Speiseopfer dazugeben, ganz gleich, ob ihr damit
ein Gelübde erfüllt, ob ihr es freiwillig darbringt oder bei euren Festen mir
zur Freude opfert.
4Mo 15,5 Wer ein Schaf opfert, soll dazu ein Trankopfer von einem Liter Wein
darbringen.
4Mo 15,6 Wer einen Schafbock opfert, soll zweieinhalb Kilogramm Mehl dazutun,
vermengt mit anderthalb Litern Öl.
4Mo 15,7 Und als Trankopfer soll er eineinhalb Liter Wein geben. Dann wird sein
Opfer mir gefallen.
4Mo 15,8 [8-10] Wenn jemand von euch ein Rind darbringt, soll er ein Trankopfer
von zwei Litern Wein dazugeben und ein Speiseopfer von vier Kilogramm Mehl, das
mit zwei Litern Öl vermengt ist. So gefällt mir seine Gabe. Diese Vorschrift
gilt unabhängig davon, ob er das Rind als Brand- oder Schlachtopfer darbringt
und ob er damit ein Gelübde erfüllt oder ein Dankopferfest feiert.
4Mo 15,11 Dies alles sollt ihr jedes Mal tun, wenn ihr ein Rind, einen
Schafbock, ein Schaf oder eine Ziege opfert.
4Mo 15,12 Bringt ihr mehrere Tiere dar, dann gehören zu jedem Tier die
entsprechenden Speise- und Trankopfer.
4Mo 15,13 Diese Vorschriften soll jeder Israelit beachten, der mir zu Ehren ein
Feueropfer darbringt.
4Mo 15,14 Auch die Ausländer, die unter euch leben oder bei euch zu Gast sind,
sollen sich daran halten, wenn sie mir ein Tier opfern.
4Mo 15,15 Für alle, die im Land Kanaan leben - ob Einheimische oder Ausländer -,
sollen die gleichen Gesetze gelten. Denn vor mir sind alle Menschen gleich. Dies
gilt für alle Zeiten und für alle eure Nachkommen.
4Mo 15,16 Ausländer, die bei euch leben, haben dieselben Rechte und Pflichten
wie ihr selbst.«
4Mo 15,17 Der Herr befahl Mose:
4Mo 15,18 »Sag den Israeliten: Wenn ich euch in das versprochene Land gebracht
habe
4Mo 15,19 und ihr dort Getreide erntet, sollt ihr mir einen Teil davon als Opfer
darbringen.
4Mo 15,20 Backt mir vom ersten gemahlenen Korn ein Brot,
4Mo 15,21 und gebt mir auch etwas vom ersten gedroschenen Getreide! Diese
Vorschrift soll für immer gelten.«
4Mo 15,22 Weiter sprach der Herr: »Es kann geschehen, dass ihr aus Versehen
gegen meine Gebote verstoßt
4Mo 15,23 und nicht alles beachtet, was ich euch bis heute durch Mose befohlen
habe und was ich noch in Zukunft anordnen werde.
4Mo 15,24 Wenn dies ohne Absicht und unbewusst geschehen ist, soll das ganze
Volk Israel einen jungen Stier als Brandopfer darbringen, zusammen mit dem
vorgeschriebenen Speise- und Trankopfer. Außerdem muss ein Ziegenbock als
Sündopfer geschlachtet werden.
4Mo 15,25 Der Priester soll die Opfer darbringen, um das Volk wieder mit mir zu
versöhnen. Dann werde ich euch vergeben, weil ihr meine Gebote nicht absichtlich
verletzt habt und weil ihr mir ein Brandopfer und ein Sündopfer dargebracht
habt.
4Mo 15,26 Dem ganzen Volk will ich vergeben, auch den Ausländern unter euch.
Denn sie gehören zu eurer Gemeinschaft und sind für die Sünden mit
verantwortlich, die ihr aus Versehen begeht.
4Mo 15,27 Wenn aber ein einzelner Mensch unabsichtlich meine Gebote übertritt,
soll er eine einjährige Ziege als Sündopfer darbringen.
4Mo 15,28 Der Priester soll dies für ihn tun und so seine Schuld sühnen. Dann
werde ich ihm die Sünde vergeben.
4Mo 15,29 Das gilt auch für die Ausländer unter euch: Wenn einer von ihnen
unabsichtlich gesündigt hat, soll er das gleiche Opfer darbringen wie ein
Einheimischer.«
4Mo 15,30 »Wenn aber jemand aus eurem Volk oder ein Ausländer, der bei euch
lebt, mit Absicht eins meiner Gebote übertritt, dann beleidigt er mich und muss
sterben.
4Mo 15,31 Er hat mein Wort verachtet und mein Gesetz gebrochen. Darum muss er
die Folgen tragen und mit seinem Leben dafür bezahlen.«
4Mo 15,32 Während des Zuges durch die Wüste wurde einmal ein Israelit dabei
gesehen, wie er am Sabbat Holz sammelte.
4Mo 15,33 [33/34] Man brachte ihn zu Mose und Aaron, und vor dem ganzen Volk
wurde beraten, was mit ihm geschehen sollte. Da niemand genau wusste, welche
Strafe er verdiente, wurde er zunächst eingesperrt.
4Mo 15,35 Dann sprach der Herr zu Mose: »Dieser Mann muss sterben! Das ganze
Volk soll ihn draußen vor dem Lager steinigen.«
4Mo 15,36 Da führten die Israeliten ihn aus dem Lager und steinigten ihn, wie
der Herr es durch Mose angeordnet hatte.
4Mo 15,37 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 15,38 »Sag den Israeliten, dass sie und alle ihre Nachkommen an die Zipfel
ihrer Gewänder Quasten nähen sollen, die mit einem Stück Schnur aus violettem
Purpur zusammengebunden sind.
4Mo 15,39 Die Quasten sollen euch daran erinnern, meinen Geboten zu gehorchen.
Immer wenn ihr sie seht, sollt ihr an meine Weisungen denken. Das wird euch
helfen, nicht mit euren Gedanken oder Blicken umherzuschweifen und eure eigenen
Ziele zu verfolgen.
4Mo 15,40 Ich möchte, dass ihr meine Gebote im Herzen bewahrt und sie befolgt.
Ihr sollt ganz mir gehören.
4Mo 15,41 Denn ich bin euer Gott. Ich habe euch aus Ägypten befreit, um euch zu
zeigen: Ich, der Herr, bin euer Gott!«
4Mo 16,1 [1/2] Der Levit Korach, ein Sohn Jizhars aus der Sippe Kehat, wollte
das Volk gegen Mose aufhetzen. Drei Männer vom Stamm Ruben schlossen sich ihm
an: Datan und Abiram, die Söhne Eliabs, und On, ein Sohn Pelets. Sie brachten
250 Israeliten auf ihre Seite, führende und einflussreiche Männer.
4Mo 16,3 Gemeinsam gingen sie zu Mose und Aaron und sagten zu ihnen: »Wir haben
jetzt genug von euch! Wer gibt euch das Recht, euch über die Gemeinde des Herrn
zu stellen? Der Herr ist mitten unter uns! Wir alle sind heilig, nicht nur ihr!«
4Mo 16,4 Als Mose das hörte, warf er sich zu Boden und betete.
4Mo 16,5 [5-7] Dann sagte er zu Korach und den anderen: »Morgen wird der Herr
zeigen, wer zu ihm gehört und heilig ist. Darum kommt morgen zum Heiligtum, du,
Korach, und alle deine Leute. Bringt Räucherpfannen mit, und zündet Weihrauch
darin an. Dann werden wir sehen, wer heilig ist, denn der Herr wird nur den in
die Nähe des Heiligtums lassen, den er dazu bestimmt hat. Reicht euch das, ihr
Leviten?«
4Mo 16,8 Dann wandte er sich noch einmal an Korach und seine Leute und mahnte
sie: »Hört zu, ihr Leviten!
4Mo 16,9 Der Gott Israels hat aus diesem ganzen Volk allein euch dazu
ausgewählt, in seine Nähe zu kommen. Er hat euch beauftragt, die Arbeiten an
seinem Heiligtum zu verrichten und damit dem ganzen Volk zu dienen. Ist euch das
noch zu wenig?
4Mo 16,10 Du und deine Verwandten vom Stamm Levi, ihr dürft doch immer in der
Nähe des Herrn sein! Aber das reicht euch offenbar nicht! Ihr wollt auch noch
Priester werden.
4Mo 16,11 Doch denkt daran: Wenn ihr Aaron sein Amt als Priester streitig macht,
lehnt ihr euch gegen den Herrn auf! Ja, gegen ihn habt ihr euch
zusammengerottet!«
4Mo 16,12 Dann ließ Mose Datan und Abiram zu sich rufen. Die beiden aber lehnten
ab: »Wir kommen nicht!
4Mo 16,13 Du hast uns aus einem schönen, fruchtbaren Land herausgeholt, damit
wir in der Wüste verenden. Ist das noch nicht genug? Musst du dich auch noch als
Herrscher aufspielen?
4Mo 16,14 Wo ist denn das verheißene Land, in dem Milch und Honig fließen? Wo
sind die Felder und Weinberge, die wir bekommen sollten? Du willst die Leute
wohl für dumm verkaufen! Nein, wir kommen nicht!«
4Mo 16,15 Da wurde Mose sehr zornig und bat den Herrn: »Nimm ihr Opfer nicht an!
Ich habe keinem von ihnen je etwas getan. Nicht einmal einen Esel habe ich ihnen
weggenommen.«
4Mo 16,16 Dann forderte Mose Korach auf: »Morgen sollst du mit deinen 250 Leuten
vor dem Herrn erscheinen! Auch Aaron wird da sein.
4Mo 16,17 Jeder soll eine Pfanne mit Weihrauch für den Herrn mitbringen, auch du
selbst und Aaron.«
4Mo 16,18 So kamen die Männer Korachs am folgenden Tag mit ihren glühenden
Räucherpfannen zum Eingang des heiligen Zeltes. Auch Mose und Aaron waren dort,
4Mo 16,19 und die übrigen Israeliten versammelten sich ebenfalls. Es war Korach
gelungen, das ganze Volk gegen Mose und Aaron aufzuwiegeln. Da erschien der Herr
in seiner Macht und Herrlichkeit, und alle Israeliten sahen es.
4Mo 16,20 Er befahl Mose und Aaron:
4Mo 16,21 »Verlasst dieses Volk, denn ich werde es auf einen Schlag vernichten!«
4Mo 16,22 Doch die beiden warfen sich zu Boden und riefen: »O Gott, du hast doch
alles, was lebt, geschaffen! Willst du ein ganzes Volk ausrotten, nur weil ein
einziger Mann gesündigt hat?«
4Mo 16,23 Der Herr antwortete Mose:
4Mo 16,24 »Dann befiehl den Israeliten, sich von den Zelten Korachs, Datans und
Abirams zurückzuziehen!«
4Mo 16,25 Mose stand auf und ging zu Datan und Abiram. Die Ältesten Israels
folgten ihm.
4Mo 16,26 Dann rief Mose den Israeliten zu: »Geht weg von den Zelten dieser
gottlosen Menschen, und fasst nichts an, was ihnen gehört, sonst kommt ihr mit
ihnen um!«
4Mo 16,27 Da entfernten sich die Israeliten vom Lager der Aufrührer. Als Datan
und Abiram aus ihren Zelten kamen und mit ihren Frauen und Kindern davor
standen,
4Mo 16,28 rief Mose: »Nun sollt ihr sehen, dass der Herr mich gesandt hat und
ich nicht tue, was ich will, sondern was er will.
4Mo 16,29 Wenn diese Menschen in Frieden alt werden und sterben wie alle
anderen, dann hat der Herr mich nicht gesandt.
4Mo 16,30 Wenn er aber etwas tut, was es noch nie gab, dann werdet ihr merken,
dass sie den Herrn beleidigt haben. Ich sage euch: Der Erdboden wird sich öffnen
und sie mit allem, was sie haben, verschlingen. Der Herr wird sie mitten aus dem
Leben ins Totenreich hinabreißen.«
4Mo 16,31 Kaum hatte Mose das gesagt, da spaltete sich die Erde.
4Mo 16,32 Der Boden öffnete sich und verschlang Datan, Abiram und alle Anhänger
Korachs mit ihren Familien und ihrem ganzen Besitz.
4Mo 16,33 Mitten aus dem Leben wurden sie ins Totenreich hinabgerissen und von
der Erde begraben, die sich über ihnen wieder schloss. So verschwanden sie aus
der Mitte ihres Volkes.
4Mo 16,34 Als die anderen Israeliten ihre Todesschreie hörten, flohen sie nach
allen Seiten und riefen: »Weg von hier! Sonst verschlingt die Erde auch uns!«
4Mo 16,35 Im selben Moment schickte der Herr Feuer und verbrannte die 250
Männer, die ihm Weihrauch darbringen wollten.
4Mo 17,1 Dann sprach der Herr zu Mose:
4Mo 17,2 »Befiehl dem Priester Eleasar, dem Sohn Aarons, dass er die
Räucherpfannen aus der Asche sammeln und die Glut ausschütten soll. Diese
Pfannen gehören mir,
4Mo 17,3 weil man sie mir dargebracht hat. Ihr sollt Bleche daraus hämmern und
den Brandopferaltar damit überziehen. Das wird die Israeliten in Zukunft daran
erinnern, wie sich diese Menschen durch ihre Sünde selbst ins Verderben gestürzt
haben.«
4Mo 17,4 Der Priester Eleasar sammelte die bronzenen Räucherpfannen der
verbrannten Männer ein und ließ daraus eine Verkleidung für den Altar
anfertigen,
4Mo 17,5 wie der Herr es ihm durch Mose aufgetragen hatte. Diese
Altarverkleidung sollte die Israeliten daran erinnern, dass nur Aaron und seine
Nachkommen sich dem Heiligtum nähern und Räucheropfer darbringen durften. Jeder
andere, der es versuchte, würde enden wie Korach und seine Leute.
4Mo 17,6 Am nächsten Tag machten die Israeliten Mose und Aaron schwere Vorwürfe
und riefen: »Ihr habt Menschen umgebracht, die der Herr erwählt hat!«
4Mo 17,7 Das ganze Volk stellte sich gegen sie. Da drehten sich die beiden zum
heiligen Zelt um. Im selben Augenblick wurde es von der Wolke Gottes bedeckt,
und der Herr erschien in seiner Herrlichkeit.
4Mo 17,8 Mose und Aaron traten vor den Eingang,
4Mo 17,9 und der Herr sprach zu Mose:
4Mo 17,10 »Geht weg von diesen Leuten! Ich werde sie auf einen Schlag
vernichten!« Da warfen sich die beiden zu Boden,
4Mo 17,11 und Mose sagte zu Aaron: »Nimm eine Räucherpfanne, fülle sie mit Glut
vom Altar, und streu Weihrauch darüber! Bring es zu den Leuten, und versöhne sie
mit dem Herrn! Beeil dich, denn der Herr ist zornig; er hat schon begonnen, die
Menschen zu töten.«
4Mo 17,12 Aaron tat, was Mose gesagt hatte, und lief mit der Räucherpfanne
mitten in die versammelte Menge. Viele Menschen waren bereits gestorben. Aaron
verbrannte den Weihrauch und versöhnte durch dieses Opfer das Volk mit Gott.
4Mo 17,13 So konnte er das Verderben aufhalten. Der Ort, an dem Aaron stand, war
die Grenze zwischen den Toten und den Lebenden.
4Mo 17,14 14700 Menschen waren umgekommen, die Leute Korachs nicht mitgerechnet.
4Mo 17,15 Als das Sterben aufgehört hatte, kehrte Aaron zurück zu Mose an den
Eingang des heiligen Zeltes.
4Mo 17,16 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 17,17 »Sag den Israeliten, dass jedes Stammesoberhaupt dir einen Stab geben
soll, also insgesamt zwölf Stäbe, einen für jeden Stamm. Auf die Stäbe sollst du
die Namen dieser Männer schreiben,
4Mo 17,18 denn jeder Stab steht für das Oberhaupt eines Stammes. Aber auf den
Stab des Stammes Levi schreib den Namen Aaron!
4Mo 17,19 Leg die Stäbe im heiligen Zelt vor die Bundeslade, wo ich euch
begegne!
4Mo 17,20 Dann wird Folgendes geschehen: Der Stab des Mannes, den ich auswähle,
wird Blätter treiben. So werde ich alle eure Widersacher zum Schweigen bringen.«
4Mo 17,21 Mose berichtete den Israeliten, was der Herr gesagt hatte, und die
Oberhäupter der Stämme brachten jeder einen Stab, insgesamt zwölf. Darunter war
auch der von Aaron.
4Mo 17,22 Mose legte die Stäbe im heiligen Zelt vor der Bundeslade nieder.
4Mo 17,23 Am nächsten Tag ging er wieder hinein, und tatsächlich: Aarons Stab
hatte Blätter und Blüten getrieben und sogar Mandeln reifen lassen.
4Mo 17,24 Da brachte Mose die Stäbe aus dem Zelt und zeigte sie den Israeliten.
Jedes Stammesoberhaupt erhielt seinen Stab zurück.
4Mo 17,25 Dann sprach der Herr zu Mose: »Leg Aarons Stab wieder vor die
Bundeslade, und bewahre ihn dort auf. Wenn sich die Israeliten wieder einmal
gegen euch stellen, dann zeig ihnen den Stab, um sie von ihrer Auflehnung
abzubringen und so ihr Leben zu retten.«
4Mo 17,26 Mose tat, was der Herr ihm befohlen hatte.
4Mo 17,27 Die Israeliten aber riefen: »Es ist aus mit uns! Wir kommen um! Wir
werden alle vernichtet!
4Mo 17,28 Wer dem heiligen Zelt zu nahe kommt, der stirbt. Sollen wir denn
völlig ausgelöscht werden?«
4Mo 18,1 Der Herr sprach zu Aaron: »Du trägst zusammen mit deinen Söhnen und dem
ganzen Stamm Levi die Verantwortung für das heilige Zelt. Wenn dort gegen meine
Gebote verstoßen wird, trifft euch die Schuld. Und wenn ihr beim Priesterdienst
meine Anweisungen missachtet, ziehe ich euch dafür zur Rechenschaft.
4Mo 18,2 Denn diese Aufgaben sind allein euch anvertraut. Die anderen Leviten
dürfen sich zusammen mit euch dem Heiligtum nähern. Sie sollen euch begleiten
und euch helfen, wenn ihr dort euren Dienst verrichtet.
4Mo 18,3 Was ihr ihnen auftragt, sollen sie tun und alle Arbeiten erledigen, die
beim heiligen Zelt anfallen. Nur den heiligen Gefäßen und Werkzeugen und dem
Altar dürfen sie sich nicht nähern, sonst müssen sie sterben und ihr mit ihnen.
4Mo 18,4 Sie sollen immer dicht bei euch bleiben, wenn sie ihre Arbeiten im
Heiligtum ausführen. Außer ihnen darf niemand in den Vorhof kommen.
4Mo 18,5 [5/6] Eure levitischen Brüder sind mein Geschenk an euch. Ich habe sie
aus allen Stämmen Israels ausgewählt, damit sie mir im Heiligtum dienen. Aber
für den Altar und das heilige Zelt selbst seid allein ihr Priester zuständig.
Wenn sich andere Israeliten in euer Amt einmischen, wird mein Zorn sie treffen.
4Mo 18,7 Das Priestertum ist nur dir und deinen Söhnen anvertraut. Ihr allein
dürft die Opfer auf dem Altar darbringen und das Allerheiligste hinter dem
Vorhang betreten. Das sind ausschließlich eure Aufgaben. Das Priestertum ist
mein Geschenk an euch. Jeder andere, der sich in euer Amt drängt, muss sterben.«
4Mo 18,8 Weiter sprach der Herr zu Aaron: »Du weißt, dass ich euch Priestern von
jedem Opfer einen Anteil als Lohn geben werde. Dies soll für alle Zeiten so
bleiben.
4Mo 18,9 Außerdem habe ich die heiligsten Gaben, die mir die Israeliten
darbringen, für euch bestimmt: alle Speiseopfer, Sündopfer und Schuldopfer.
Alles, was nicht auf dem Altar verbrannt wird, gehört dir und deinen Söhnen.
Achtet es als etwas besonders Heiliges!
4Mo 18,10 Ihr Männer sollt es im Vorhof des Heiligtums essen!
4Mo 18,11 Der Anteil, den ihr als Lohn für euren Dienst erhaltet, ist für alle
eure Angehörigen bestimmt, Männer, Frauen und Kinder. Jeder aus eurer Sippe darf
davon essen, wenn er rein ist. Euer Anspruch auf den Anteil am Opfer soll für
immer bestehen bleiben.
4Mo 18,12 Außerdem gebe ich euch das Beste von Öl, Most und Getreide, die erste
Ernte, die man mir darbringt.
4Mo 18,13 Auch die ersten Früchte, die im Land wachsen und die man im Heiligtum
abgibt, gehören euch. Jeder aus eurer Sippe, der rein ist, darf davon essen.
4Mo 18,14 Ihr erhaltet alles, was die Israeliten mir unwiderruflich weihen.
4Mo 18,15 Darüber hinaus gehört euch jeder älteste Sohn in Israel und jedes
männliche Tier, das als Erstes geboren und mir dargebracht wird. Allerdings
sollt ihr die Kinder freikaufen lassen, ebenso die unreinen Tiere, die nicht als
Opfer in Frage kommen.
4Mo 18,16 Sobald der älteste Sohn einer Familie einen Monat alt ist, sollen für
ihn fünf Silberstücke zu je 12 Gramm bezahlt werden, nach dem im Heiligtum
gültigen Gewicht.
4Mo 18,17 Aber reine Tiere wie Rinder, Schafe und Ziegen sollt ihr nicht
freikaufen lassen, denn sie gehören allein mir. Besprengt den Altar mit ihrem
Blut, und lasst ihr Fett als Feueropfer in Rauch aufgehen, um mich damit zu
ehren.
4Mo 18,18 Das Fleisch dieser Tiere aber soll euch Priestern gehören, so wie bei
den Opfern, wo ihr den rechten Hinterschenkel und die Brust vor dem Eingang des
heiligen Zeltes hin- und herschwingt, um zu zeigen, dass sie mir geweiht sind.
4Mo 18,19 Alle diese Anteile an den Opfertieren gebe ich euch und euren
Angehörigen, Männern, Frauen und Kindern. So soll es für alle Zeiten bleiben.
Darauf gebe ich euch mein Wort, und ich werde es niemals brechen!«
4Mo 18,20 Dann sprach der Herr zu Aaron: »Dein Stamm wird in Kanaan kein Land
erhalten und kein eigenes Gebiet besitzen wie die anderen Israeliten. Denn ich
selbst bin euer Anteil und Erbe.
4Mo 18,21 Als Lohn für euren Dienst gebe ich euch den zehnten Teil der Ernte,
den die Israeliten zum Heiligtum bringen.
4Mo 18,22 Außer euch Priestern und Leviten darf sich keiner dem heiligen Zelt
nähern. Das wäre eine Sünde, für die er mit dem Leben bezahlen muss.
4Mo 18,23 Nur ihr Leviten dürft die Arbeiten am Heiligtum verrichten, ihr allein
seid dort für alles verantwortlich. So soll es immer bleiben, bei euch und bei
euren Nachkommen. Ihr erhaltet also kein eigenes Stammesgebiet in Israel,
4Mo 18,24 sondern bekommt stattdessen den zehnten Teil der Ernte, den die
Israeliten mir als Abgabe bringen.«
4Mo 18,25 [25/26] Weiter ließ der Herr den Leviten durch Mose ausrichten: »Ich
habe euch den zehnten Teil von allem zugesagt, was in Israel geerntet wird.
Davon sollt ihr mir wiederum den zehnten Teil geben.
4Mo 18,27 Dieses Opfer zählt für mich genauso, als hättet ihr das Getreide
selbst gedroschen und den Wein selbst gekeltert.
4Mo 18,28 Wie die anderen Israeliten sollt auch ihr Leviten mir einen Teil von
allem geben, was ihr bekommt. Bringt es dem Priester Aaron.
4Mo 18,29 Das Beste von eurem Anteil sollt ihr mir überlassen, denn es ist
heilig und gehört mir.
4Mo 18,30 Wenn ihr das tut, dann nehme ich eure Gabe an, als hättet ihr Getreide
und Wein aus eurer eigenen Ernte dargebracht.
4Mo 18,31 Euren Anteil könnt ihr dann mit euren Familien essen, wo immer ihr
wollt. Dies ist der Lohn für eure Arbeit am heiligen Zelt.
4Mo 18,32 Wenn ihr vorher das Beste abgegeben habt, ladet ihr keine Schuld auf
euch. So sorgt ihr dafür, dass die heiligen Gaben der Israeliten nicht entweiht
werden und ihr nicht sterben müsst.«
4Mo 19,1 Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
4Mo 19,2 »Ich gebe euch jetzt eine besondere Anweisung: Lasst euch von den
Israeliten eine junge, rotbraune Kuh bringen, die gesund und ohne Fehler ist und
noch kein Joch getragen hat.
4Mo 19,3 Gebt sie dem Priester Eleasar. Er soll sie vor das Lager führen und
dort schlachten lassen.
4Mo 19,4 Dann soll er seinen Finger in ihr Blut tauchen und es siebenmal in
Richtung der Vorderseite des heiligen Zeltes sprengen.
4Mo 19,5 Die Kuh soll in seiner Gegenwart ganz verbrannt werden, mit Fell,
Fleisch, Blut und Eingeweiden.
4Mo 19,6 In das Feuer wirft der Priester etwas Zedernholz, ein Büschel Ysop und
rote Wolle.
4Mo 19,7 Danach wäscht er seine Kleidung und seinen Körper mit Wasser. Nun kann
er ins Lager zurückkehren, ist aber bis zum Abend unrein.
4Mo 19,8 Auch der Mann, der die Kuh verbrannt hat, soll seine Kleider und sich
selbst mit Wasser waschen. Er ist ebenfalls bis zum Abend unrein.
4Mo 19,9 Ein anderer Mann, der nicht unrein ist, soll die Asche der Kuh nehmen
und an einen reinen Ort außerhalb des Lagers bringen. Dort soll sie aufbewahrt
werden. Mit der Asche wird das Reinigungswasser zubereitet, das die Israeliten
von Unreinheit befreit.
4Mo 19,10 Auch der Mann, der die Asche getragen hat, soll seine Kleidung und
seinen Körper waschen; er ist ebenfalls bis zum Abend unrein. Was ich euch jetzt
sage, gilt für alle Zeiten und für alle Menschen in Israel, für die
Einheimischen ebenso wie für die Ausländer:
4Mo 19,11 Wer einen Toten berührt, ist sieben Tage lang unrein, ganz gleich, wer
der Verstorbene war.
4Mo 19,12 Am dritten Tag soll er sich mit dem Reinigungswasser besprengen
lassen, so dass er nach sieben Tagen wieder rein ist. Wenn er dies nicht tut,
dann ist er nach einer Woche immer noch unrein.
4Mo 19,13 Da er eine Leiche berührt hat und sich nicht reinigen lässt,
beschmutzt er die Wohnung des Herrn. Er darf nicht weiter unter euch leben,
sondern muss getötet werden.
4Mo 19,14 Wenn jemand in einem Zelt stirbt, dann ist jeder, der sich gerade dort
aufhält oder hineingeht, sieben Tage lang unrein.
4Mo 19,15 Auch jedes Gefäß im Zelt, das nicht fest verschlossen ist, wird
unrein.
4Mo 19,16 Sieben Tage unrein ist auch jeder, der im Freien einen Toten berührt,
ganz gleich, ob dieser umgebracht wurde oder auf natürliche Weise gestorben ist.
Dasselbe gilt, wenn jemand mit den Gebeinen oder dem Grab eines Menschen in
Berührung kommt.
4Mo 19,17 In all diesen Fällen müsst ihr zur Reinigung die Asche der rotbraunen
Kuh verwenden. Streut etwas davon in ein Gefäß, und gießt frisches Wasser dazu.
4Mo 19,18 Dann soll ein Mann, der sich nicht verunreinigt hat, ein Büschel Ysop
in das Wasser tauchen und damit alle Menschen und Gegenstände besprengen, die
unrein geworden sind: das Zelt sowie die Leute und Gefäße, die darin gewesen
sind, oder denjenigen, der einen Toten, menschliche Gebeine oder ein Grab
berührt hat.
4Mo 19,19 Die Besprengung soll am dritten und am siebten Tag nach der
Verunreinigung geschehen. So wird der Mensch von seiner Unreinheit befreit. Er
soll dann seine Kleidung und seinen Körper waschen und ist am Abend des siebten
Tages wieder rein.
4Mo 19,20 Wer unrein geworden ist und sich nicht reinigen lässt, beschmutzt das
Heiligtum des Herrn. Er muss aus eurer Gemeinschaft ausgeschlossen werden und
sterben. Denn ohne die Besprengung mit dem Reinigungswasser bleibt er unrein.
4Mo 19,21 Dies soll in Israel für alle Zeiten gelten. Auch der Mann, der das
Reinigungswasser versprengt hat, muss seine Kleidung waschen. Denn wer mit dem
Wasser in Berührung kommt, wird bis zum Abend unrein.
4Mo 19,22 Ebenso ist alles, was ein unreiner Mensch berührt, und jeder, der in
Kontakt mit ihm kommt, bis zum Abend unrein.«
4Mo 20,1 Im 1. Monat des Jahres kam das Volk Israel in die Wüste Zin und schlug
das Lager in Kadesch auf. Dort starb Mirjam und wurde begraben.
4Mo 20,2 In Kadesch fanden die Israeliten kein Wasser. Darum gingen sie zu Mose
und Aaron
4Mo 20,3 und machten ihrem Unmut Luft: »Ach, wären wir doch auch ums Leben
gekommen, als der Herr unsere Brüder getötet hat!
4Mo 20,4 Wozu habt ihr das Volk des Herrn in diese Wüste geführt? Doch nur, um
uns und unser Vieh verdursten zu lassen!
4Mo 20,5 Warum habt ihr uns aus Ägypten geholt und an diesen schrecklichen Ort
gebracht? Hier wächst nichts: kein Getreide, keine Feigen, keine Trauben und
keine Granatäpfel. Nicht einmal Wasser gibt es!«
4Mo 20,6 Mose und Aaron verließen die versammelte Menge, gingen zum Eingang des
heiligen Zeltes und warfen sich dort zu Boden. Da erschien ihnen der Herr in
seiner Herrlichkeit.
4Mo 20,7 Er sprach zu Mose:
4Mo 20,8 »Nimm deinen Stab! Ruf mit deinem Bruder Aaron das Volk vor dem Felsen
dort zusammen! Sprecht laut zu dem Stein, so dass alle es hören! Dann wird
Wasser aus ihm herausfließen, und ihr könnt den Menschen und Tieren zu trinken
geben.«
4Mo 20,9 Mose gehorchte und nahm den Stab, der im Heiligtum lag.
4Mo 20,10 Gemeinsam mit Aaron versammelte er die Israeliten vor dem Felsen und
rief: »Passt gut auf, ihr widerspenstigen Menschen! Sollen wir euch Wasser aus
diesem Felsen holen?«
4Mo 20,11 Er hob den Stab und schlug zweimal damit gegen das Gestein. Da strömte
eine große Menge Wasser heraus. Das ganze Volk und alle Tiere konnten ihren
Durst stillen.
4Mo 20,12 Aber der Herr sprach zu Mose und Aaron: »Ihr habt mir nicht vertraut
und meinen heiligen Namen nicht geehrt, sondern euch selbst in den Mittelpunkt
gestellt. Deshalb dürft ihr mein Volk nicht in das Land bringen, das ich ihnen
geben werde.«
4Mo 20,13 Von nun an nannte man die Quelle Meriba (»Vorwurf«), denn die
Israeliten hatten hier dem Herrn Vorwürfe gemacht, und er hatte ihnen seine
Macht gezeigt.
4Mo 20,14 Von Kadesch aus schickte Mose Boten zum König von Edom und ließ ihm
sagen: »Wir Israeliten sind euer Brudervolk, darum hör uns an! Wie du weißt,
haben wir viel Leid erlebt:
4Mo 20,15 Unsere Vorfahren siedelten nach Ägypten über und lebten dort lange
Zeit. Aber die Ägypter unterdrückten uns.
4Mo 20,16 Da schrien wir zum Herrn um Hilfe, und er erhörte uns. Er sandte einen
Engel und befreite uns aus Ägypten. Nun sind wir hier, bei der Stadt Kadesch an
eurer Grenze.
4Mo 20,17 Lass uns bitte durch euer Land ziehen. Wir werden keinen Acker und
keinen Weinberg betreten, ja, nicht einmal Wasser aus euren Brunnen trinken. Wir
versprechen, dass wir auf der großen Straße bleiben und sie an keiner Stelle
verlassen, bis wir euer Gebiet durchquert haben.«
4Mo 20,18 Die Edomiter aber antworteten: »Ihr werdet nicht durch unser Land
ziehen, sonst kommen wir euch mit Schwertern bewaffnet entgegen!«
4Mo 20,19 Die Israeliten versicherten noch einmal: »Wir wollen wirklich nur die
Straße durch euer Land benutzen. Und wenn wir oder unser Vieh von eurem Wasser
trinken, dann werden wir es bezahlen. Wir möchten nur durch euer Land hindurch,
weiter nichts.«
4Mo 20,20 Doch die Edomiter ließen nicht mit sich reden. Im Gegenteil: Sie zogen
den Israeliten mit einer großen Streitmacht entgegen.
4Mo 20,21 Weil die Edomiter den Weg nicht freigeben wollten, schlugen die
Israeliten eine andere Richtung ein.
4Mo 20,22 [22/23] Sie brachen von Kadesch auf und zogen an der Grenze Edoms
entlang zum Berg Hor. Dort sprach der Herr zu Mose und Aaron:
4Mo 20,24 »An diesem Ort wird Aaron sterben. Er soll nicht in das Land kommen,
das ich den Israeliten geben werde, denn ihr habt an der Meribaquelle gegen
meine Anweisung gehandelt.«
4Mo 20,25 Dann sagte der Herr zu Mose: »Steig mit Aaron und seinem Sohn Eleasar
auf den Berg Hor!
4Mo 20,26 Nimm Aaron dort sein Priestergewand ab, und zieh es seinem Sohn an!
Danach wird Aaron sterben.«
4Mo 20,27 Mose gehorchte und stieg mit den beiden vor den Augen der Israeliten
auf den Berg Hor.
4Mo 20,28 Als sie auf dem Gipfel angekommen waren, nahm er Aaron das Gewand des
Hohenpriesters ab und zog es Eleasar an. Dann starb Aaron. Mose und Eleasar
kamen ohne ihn zurück.
4Mo 20,29 Als die Israeliten von Aarons Tod erfuhren, trauerten sie dreißig Tage
lang um ihn.
4Mo 21,1 Der König von Arad im Süden Kanaans hörte, dass die Israeliten auf dem
Weg nach Atarim herankamen. Er griff sie mit seinem Heer an und nahm etliche von
ihnen gefangen.
4Mo 21,2 Da schworen die Israeliten dem Herrn: »Wenn du dieses Volk in unsere
Gewalt gibst, werden wir an ihren Städten dein Urteil vollstrecken.«
4Mo 21,3 Der Herr erhörte sie und gab ihnen den Sieg über die Kanaaniter. Die
Israeliten töteten ihre Feinde und zerstörten deren Städte. Den Ort des Kampfes
nennt man daher Horma (»Vernichtung«).
4Mo 21,4 Danach brachen die Israeliten vom Berg Hor auf und zogen zunächst
wieder nach Süden in Richtung des Schilfmeers, um das Land Edom zu umgehen. Doch
unterwegs verloren sie die Geduld
4Mo 21,5 und klagten Gott und Mose an: »Warum habt ihr uns aus Ägypten geholt?
Damit wir in der Wüste sterben? Es gibt kein Brot, es gibt kein Wasser, nur
immer dieses armselige Manna. Das hängt uns zum Hals heraus!«
4Mo 21,6 Da schickte der Herr ihnen Schlangen, deren Gift wie Feuer brannte.
Viele Menschen wurden gebissen und starben.
4Mo 21,7 Die Israeliten liefen zu Mose und riefen: »Wir haben uns schuldig
gemacht! Es war falsch, dass wir uns gegen dich und den Herrn aufgelehnt haben.
Bitte den Herrn, uns von den Schlangen zu befreien!« Da betete Mose für das
Volk,
4Mo 21,8 und der Herr antwortete ihm: »Mach dir eine bronzene Giftschlange, und
befestige sie am Ende einer Stange. Dann sag den Israeliten: Jeder, der gebissen
wird und sie ansieht, bleibt am Leben.«
4Mo 21,9 Mose fertigte eine Schlange aus Bronze an und befestigte sie an einer
Stange. Nun musste niemand mehr durch das Gift der Schlangen sterben. Wer
gebissen wurde, brauchte nur auf die bronzene Schlange zu sehen und war
gerettet.
4Mo 21,10 Die Israeliten setzten ihren Weg fort. Als Nächstes schlugen sie ihr
Lager in Obot auf,
4Mo 21,11 dann in Ije-Abarim, das in der Wüste östlich von Moab liegt.
4Mo 21,12 Danach machten sie am Seredbach Halt.
4Mo 21,13 Von dort ging es weiter in die Wüste südlich des Arnon. Dieser Fluss
entspringt in dem Gebiet, wo die Amoriter lebten; er bildete die Grenze zwischen
ihnen und den Moabitern, die weiter südlich wohnten.
4Mo 21,14 Über den Vorstoß der Israeliten in diese Gegend heißt es im »Buch der
Kriege des Herrn«: » ...Waheb in Sufa und die Zuflüsse des Arnon,
4Mo 21,15 die Wasser, die an Moabs Grenze zur Stadt Ar hinunterfließen.«
4Mo 21,16 Von dort zogen die Israeliten weiter zum Beerbrunnen. Hier sprach der
Herr zu Mose: »Ruf das Volk zusammen! Ich will euch Wasser geben.«
4Mo 21,17 Damals entstand dieses Lied: »Brunnen, fülle dich mit Wasser! Dich
besingen wir.
4Mo 21,18 Fürsten haben dich gegraben, Herrscher haben hier mit dem Zepter in
der Hand dich gebohrt durch Stein und Sand.« Von Beer in der Wüste ging es
weiter nach Mattana.
4Mo 21,19 Danach lagerten die Israeliten in Nahaliël und Bamot-Baal.
4Mo 21,20 Schließlich erreichten sie die Ebene im Land der Moabiter, aus der
sich der Berg Pisga erhebt. Von dort aus konnte man weit ins untere Jordantal
hinabsehen.
4Mo 21,21 Die Israeliten sandten Boten zu Sihon, dem König der Amoriter, und
baten ihn:
4Mo 21,22 »Lass uns durch euer Land ziehen. Wir werden eure Felder und Weinberge
nicht betreten und kein Wasser aus euren Brunnen trinken. Wir bleiben auf der
großen Straße, bis wir euer Gebiet wieder verlassen haben.«
4Mo 21,23 Aber Sihon erlaubte es ihnen nicht, sondern rief sein Heer zusammen
und zog Israel in der Wüste entgegen. Bei Jahaz kam es zur Schlacht.
4Mo 21,24 Die Israeliten töteten die Amoriter mit dem Schwert und eroberten das
ganze Land zwischen den Flüssen Arnon im Süden und Jabbok im Norden. Am Jabbok
begann das Gebiet der Ammoniter, deren Grenze gut gesichert war.
4Mo 21,25 Die Israeliten nahmen nach und nach alle Städte der Amoriter ein und
ließen sich dort nieder, vor allem in Heschbon und den umliegenden Orten.
4Mo 21,26 Heschbon war die Stadt des amoritischen Königs Sihon gewesen. Er hatte
einst den moabitischen König, dem das Land vorher gehörte, angegriffen und das
ganze Gebiet bis hinunter zum Arnon besetzt.
4Mo 21,27 Daher heißt es in einem Gedicht: »Kommt nach Heschbon, zur Stadt
Sihons! Baut sie wieder auf, errichtet ihre Mauern neu!
4Mo 21,28 Einst brachen Sihons Truppen aus Heschbon hervor wie ein Feuer, sie
zerstörten die Stadt Ar-Moab hoch über dem Arnontal, die Stadt, in der die
Herrscher Moabs lebten.
4Mo 21,29 Ihr seid verloren, ihr Moabiter! Es ist euch schlecht ergangen! Euer
Gott Kemosch hat euch aus der Heimat vertrieben. Er hat eure Frauen und Mädchen
in die Gewalt des Amoriterkönigs Sihon gegeben.
4Mo 21,30 Doch dann sind wir gekommen und haben die Amoriter besiegt. Jetzt ist
Heschbon vernichtet, Dibon zerstört. Bis nach Nofach haben wir ihre Städte
verwüstet, bis nach Medeba haben wir sie verbrannt.«
4Mo 21,31 So wohnten die Israeliten nun in dem Gebiet, das vorher den Amoritern
gehört hatte.
4Mo 21,32 Von hier aus ließ Mose Jaser erkunden, wo ebenfalls Amoriter lebten.
Die Israeliten vertrieben auch sie und nahmen ihre Stadt und die umliegenden
Orte ein.
4Mo 21,33 Dann zogen die Israeliten nach Norden in Richtung Baschan. Auf dem Weg
kam ihnen Og, der König von Baschan, mit seinem ganzen Heer entgegen. Bei Edreï
trafen sie aufeinander.
4Mo 21,34 Da sprach der Herr zu Mose: »Hab keine Angst vor ihm! Ich werde Og,
sein ganzes Heer und sein Land in deine Gewalt geben. Vernichte ihn so wie
Sihon, den Amoriterkönig aus Heschbon.«
4Mo 21,35 Die Israeliten töteten den König, seine Söhne und das ganze Heer. Sie
ließen niemanden entkommen und nahmen das Land Baschan ein.
4Mo 22,1 Danach zogen sie ins Jordantal hinab und lagerten in der moabitischen
Steppe gegenüber von Jericho.
4Mo 22,2 [2-4] Die Moabiter und ihr König Balak, der Sohn Zippors, hörten, wie
die Israeliten die Amoriter vernichtet hatten. Da packte sie die Angst vor dem
gewaltigen Heer der Israeliten. Sie berieten sich mit den führenden Männern von
Midian und sagten zu ihnen: »Bald werden diese Horden auch unsere Ländereien
abfressen, wie das Vieh die Weiden abgrast.«
4Mo 22,5 Balak sandte Boten nach Petor, einer Stadt am Euphrat im Land des
Volkes Amaw. Von dort sollten sie Bileam, den Sohn Beors, zu Hilfe holen. Balak
ließ ihm ausrichten: »Ein Volk ist aus Ägypten gekommen und hat sich in unserer
Gegend breit gemacht. Sein Heer steht an unserer Grenze und bedroht uns.
4Mo 22,6 Wir sind ihm völlig unterlegen. Deshalb brauchen wir deine Hilfe. Komm
doch und verfluche dieses Volk! Denn wir wissen: Wenn du jemanden segnest, dann
gelingt ihm alles, und wenn du jemanden verfluchst, dann ist er verloren. Mit
deiner Hilfe können wir sie vielleicht besiegen und aus dem Land vertreiben.«
4Mo 22,7 Die führenden Männer der Moabiter und Midianiter zogen also zu Bileam,
und sie brachten seinen Lohn gleich mit. Als sie ihm Balaks Botschaft
ausgerichtet hatten,
4Mo 22,8 antwortete Bileam: »Bleibt heute Nacht hier. Morgen werde ich euch
mitteilen, was der Herr mir sagt.« Da blieben die Fürsten aus Moab bis zum
nächsten Tag in Petor.
4Mo 22,9 In der Nacht erschien Gott Bileam und fragte: »Was sind das für Männer
bei dir?«
4Mo 22,10 Bileam erwiderte: »Sie kommen vom moabitischen König Balak, dem Sohn
Zippors.
4Mo 22,11 Ein Volk aus Ägypten ist bei ihnen eingefallen und hat das ganze Land
besetzt. Nun soll ich hingehen und diese Leute verfluchen. Balak hofft, dass er
sie dann besiegen und vertreiben kann.«
4Mo 22,12 Gott befahl Bileam: »Geh nicht mit! Verfluche dieses Volk nicht, denn
ich habe es gesegnet!«
4Mo 22,13 Am Morgen stand Bileam auf und sagte zu den Abgesandten Balaks: »Ihr
müsst allein in euer Land zurückkehren. Der Herr erlaubt mir nicht, mit euch zu
gehen.«
4Mo 22,14 So brachen die führenden Männer der Moabiter ohne ihn auf und trafen
unverrichteter Dinge wieder bei Balak ein. Sie erklärten ihm: »Bileam wollte
nicht mitkommen.«
4Mo 22,15 Da sandte Balak wieder Boten nach Petor, diesmal noch mehr und noch
bedeutendere Männer.
4Mo 22,16 Sie reisten zu Bileam und sagten zu ihm: »Balak, der Sohn Zippors,
bittet dich: Lass dich nicht abhalten, zu mir zu kommen.
4Mo 22,17 Ich werde dich reich belohnen und alles tun, was du willst. Komm doch,
und verfluche dieses Volk für mich!«
4Mo 22,18 Bileam erwiderte: »Selbst wenn Balak mir seinen Palast voll Gold und
Silber gibt, kann ich nichts tun, was der Herr, mein Gott, mir verbietet, ganz
gleich, wie wichtig oder unwichtig es ist.
4Mo 22,19 Doch bleibt auch ihr über Nacht hier. Ich will sehen, was der Herr mir
sagt.«
4Mo 22,20 In der Nacht erschien Gott Bileam wieder und forderte ihn auf: »Geh
mit den Männern, die dich holen wollen! Aber tu nur das, was ich dir sage.«
4Mo 22,21 Am Morgen stand Bileam auf, sattelte seine Eselin und zog mit den
moabitischen Fürsten los.
4Mo 22,22 Zwei Diener begleiteten ihn. Gott aber war zornig, dass Bileam
mitging, und der Engel des Herrn stellte sich ihm in den Weg, um ihn
aufzuhalten.
4Mo 22,23 Die Eselin sah den Engel, der mit dem Schwert in der Hand mitten auf
der Straße stand. Sie brach zur Seite aus und lief ins Feld. Bileam schlug sie,
um sie wieder auf den Weg zurückzubringen.
4Mo 22,24 Nun stellte sich der Engel des Herrn auf einen engen Weg, der zwischen
Weinbergen hindurchführte. Die Straße war hier von Mauern eingefasst.
4Mo 22,25 Wieder sah die Eselin den Engel und drängte sich ganz an die Seite, so
dass Bileams Bein an die Mauer gedrückt wurde. Wieder schlug er sie.
4Mo 22,26 Der Engel des Herrn ging nochmals ein Stück weiter und versperrte
Bileam nun an einer anderen Stelle den Weg, die so eng war, dass man weder
rechts noch links vorbeikommen konnte.
4Mo 22,27 Als die Eselin den Engel sah, legte sie sich auf den Boden. Bileam
wurde wütend und schlug sie mit seinem Stock.
4Mo 22,28 Da ließ der Herr das Tier sprechen. Es sagte zu Bileam: »Was habe ich
dir getan? Warum hast du mich jetzt schon zum dritten Mal geschlagen?«
4Mo 22,29 Bileam schrie: »Weil du mich zum Narren hältst! Hätte ich nur ein
Schwert zur Hand, ich würde dich töten!«
4Mo 22,30 Das Tier erwiderte: »Bin ich nicht deine Eselin, auf der du schon
immer geritten bist? Habe ich jemals so etwas getan wie heute?« Bileam sagte:
»Nein.«
4Mo 22,31 Da öffnete der Herr ihm die Augen, und er sah den Engel mit dem
Schwert in der Hand auf dem Weg stehen. Bileam verneigte sich vor ihm bis zum
Boden.
4Mo 22,32 Der Engel des Herrn sprach: »Warum hast du deine Eselin dreimal
geschlagen? Ich war es, der dich aufgehalten hat, weil dein Weg sonst ins
Verderben führt.
4Mo 22,33 Deine Eselin hat mich gesehen und ist mir dreimal ausgewichen. Hätte
sie es nicht getan, dann hätte ich dich mit dem Schwert getötet und sie am Leben
gelassen.«
4Mo 22,34 Da sagte Bileam zum Engel des Herrn: »Ich habe Schuld auf mich
geladen. Ich wusste nicht, dass du mir den Weg versperrt hast. Wenn du gegen
diese Reise nach Moab bist, kehre ich sofort um.«
4Mo 22,35 Doch der Engel des Herrn erwiderte: »Geh mit den Männern! Aber sag nur
das, was ich dir auftrage!« So zog Bileam mit den Abgesandten Balaks weiter.
4Mo 22,36 Als Balak von Bileams Kommen erfuhr, ging er ihm bis zur Grenze Moabs
entgegen und traf ihn in der Stadt Ar am Arnonfluss.
4Mo 22,37 Balak machte Bileam Vorwürfe: »Warum bist du nicht sofort gekommen?
Habe ich dir nicht gesagt, dass ich dich dringend brauche? Du meinst wohl, ich
kann dich nicht angemessen belohnen?«
4Mo 22,38 Bileam entgegnete: »Nun bin ich ja hier. Aber ich kann nicht einfach
sagen, was ich will, sondern nur, was Gott mir eingibt.«
4Mo 22,39 Danach zogen Balak und Bileam nach Kirjat-Huzot.
4Mo 22,40 Dort opferte der König Rinder, Schafe und Ziegen, und mit einem Teil
des Fleisches ließ er Bileam und die führenden Männer der Moabiter bewirten.
4Mo 22,41 Am nächsten Morgen führte Balak Bileam auf die Baal-Höhe. Von hier aus
konnte man den Rand des israelitischen Lagers sehen.
4Mo 23,1 Bileam forderte Balak auf: »Bau mir sieben Altäre, und bring mir sieben
Stiere und sieben Schafböcke!«
4Mo 23,2 Balak tat, was Bileam verlangte. Gemeinsam brachten sie auf jedem Altar
einen Stier und einen Schafbock als Brandopfer dar.
4Mo 23,3 Dann sagte Bileam zu Balak: »Bleib du hier bei deinen Opfern! Ich will
gehen und sehen, ob der Herr zu mir kommt. Wenn er mir etwas zeigt, werde ich es
dir berichten.« Bileam stieg auf eine kahle Anhöhe,
4Mo 23,4 und dort begegnete ihm Gott. Bileam sagte: »Ich habe sieben Altäre für
dich aufgebaut und auf jedem einen Stier und einen Schafbock geopfert.«
4Mo 23,5 Da ließ Gott ihn wissen, was er reden sollte, und forderte ihn auf:
»Nun geh wieder zu Balak und richte ihm meine Botschaft aus.«
4Mo 23,6 Bileam kehrte zu Balak zurück, der neben dem Brandopfer wartete. Bei
ihm standen die führenden Männer der Moabiter.
4Mo 23,7 Bileam fing an zu reden: »Aus dem Land der Aramäer hat Balak mich
geholt, aus den Bergen im Osten hat mich der König Moabs gerufen: ›Komm, und
verfluche für mich das Volk Israel, bring Unheil über die Nachkommen Jakobs.‹
4Mo 23,8 Aber wie kann ich jemanden verfluchen, den Gott nicht verflucht? Wie
kann ich jemandem Unheil bringen, dem Gott nichts antun will?
4Mo 23,9 Von diesem Berg aus kann ich Israel sehen, ich habe es genau im Blick:
Dieses Volk ist wirklich etwas Besonderes, es unterscheidet sich von allen
anderen Völkern.
4Mo 23,10 Wer kann die unendliche Schar der Nachkommen Jakobs zählen? Nicht
einmal ein Viertel von Israel lässt sich erfassen! Wenn ich nur eines Tages so
in Frieden sterben könnte wie diese aufrichtigen Menschen, wenn mein Ende nur
dem ihren gleichen würde!«
4Mo 23,11 Da rief Balak: »Was tust du mir an? Ich habe dich geholt, damit du
meine Feinde verfluchst. Und nun segnest du sie!«
4Mo 23,12 Bileam erwiderte: »Muss ich nicht genau das sagen, was der Herr mir
aufträgt?«
4Mo 23,13 Balak forderte ihn auf: »Komm mit, wir gehen an einen anderen Ort. Von
dort kannst du das Volk Israel auch sehen, aber nur den äußersten Rand des
Lagers. Du sollst es von dort aus verfluchen.«
4Mo 23,14 Er brachte Bileam auf den Gipfel des Berges Pisga, wo die Wachposten
standen. Wieder baute er sieben Altäre und opferte auf jedem einen Stier und
einen Schafbock.
4Mo 23,15 Bileam sagte zu Balak: »Warte hier bei den Altären, ich will ein Stück
weggehen, um dem Herrn zu begegnen.«
4Mo 23,16 Wieder kam der Herr zu Bileam und ließ ihn wissen, was er sagen
sollte. Dann schickte er ihn zu Balak zurück,
4Mo 23,17 der mit den führenden Männern Moabs bei den Altären wartete. Balak
fragte Bileam: »Was hat der Herr dir gesagt?«
4Mo 23,18 Bileam antwortete: »Steh auf, Balak, Sohn Zippors, und hör zu; achte
auf meine Worte!
4Mo 23,19 Gott ist kein Mensch, der lügt. Er ist nicht wie einer von uns, der
seine Versprechen bald wieder bereut. Was er sagt, das tut er, und was er
ankündigt, das führt er aus.
4Mo 23,20 Darum habe ich den Auftrag zu segnen. Wenn Gott jemanden segnen will,
kann ich es nicht verhindern.
4Mo 23,21 Er entdeckt keine Schuld bei den Nachkommen Jakobs, er findet nichts
Schlechtes an den Israeliten. Der Herr, ihr Gott, ist bei ihnen, sie feiern ihn
als ihren König.
4Mo 23,22 Er hat sie aus Ägypten hierher geführt, er macht sie stark wie einen
wilden Stier.
4Mo 23,23 Gegen die Nachkommen Jakobs hilft keine Verwünschung, kein
Zauberspruch kann Israel etwas anhaben. Gott spricht mit diesem Volk, wann er es
will, und zeigt ihm, was er vorhat.
4Mo 23,24 Israel steht auf wie ein Löwe, es erhebt sich wie eine Löwin. Dieses
Volk ruht nicht, bevor es seine Beute verzehrt und das Blut seiner Opfer
getrunken hat.«
4Mo 23,25 Da rief Balak: »Jetzt ist es genug! Wenn du sie schon nicht
verfluchst, dann hör wenigstens auf, sie zu segnen!«
4Mo 23,26 Doch Bileam erwiderte: »Habe ich dir nicht erklärt, dass ich nur das
weitergeben werde, was der Herr mir sagt?«
4Mo 23,27 Balak antwortete: »Komm, ich bringe dich an einen anderen Ort.
Vielleicht gefällt er Gott besser, und er lässt dich den Fluch endlich
aussprechen.«
4Mo 23,28 Er nahm Bileam mit auf die Spitze des Berges Peor, von wo aus man die
Jordanebene überblicken konnte.
4Mo 23,29 Auch hier forderte Bileam den König auf, sieben Altäre zu bauen und
ebenso viele Stiere und Schafböcke bereitzustellen.
4Mo 23,30 Balak gehorchte und opferte die Tiere.
4Mo 24,1 Bileam wusste nun, dass der Herr Israel segnen wollte. Deshalb
versuchte er nicht, ihn durch Zauberei zu befragen, wie er es vorher getan
hatte. Er wandte sich der Steppe zu
4Mo 24,2 und richtete seinen Blick auf die Israeliten, die dort nach Stämmen
geordnet lagerten. Der Geist Gottes kam über ihn, und er begann seine Rede:
4Mo 24,3 »Dies sagt Bileam, der Sohn Beors, dies sagt der, dem Gott die Augen
öffnet,
4Mo 24,4 der Gottes Worte hört. Der Allmächtige gibt ihm Visionen, und er fällt
zu Boden und sieht verborgene Dinge.
4Mo 24,5 Wie schön sind eure Zelte, ihr Nachkommen Jakobs! Wie prächtig sind
eure Wohnungen, ihr Israeliten!
4Mo 24,6 Wie weite Täler liegen sie da, wie Gärten am Fluss, sie stehen wie
Aloebäume, die der Herr gepflanzt hat, und wie Zedern am Bach.
4Mo 24,7 Eure Brunnen werden stets voll Wasser sein, eure Saat wird auf
fruchtbaren Feldern gedeihen. Euer König wird mächtiger sein als Agag, er
herrscht über ein gewaltiges Reich.
4Mo 24,8 Gott hat euch aus Ägypten hierher geführt, er macht euch stark wie
einen wilden Stier. Ihr verschlingt die Völker, die sich euch entgegenstellen;
ihr zerbrecht ihnen die Knochen und tötet sie mit euren Pfeilen.
4Mo 24,9 Israel liegt da wie ein Löwe, es ruht wie eine Löwin. Wer wagt es, sie
zu reizen? Wer euch segnet, wird selbst gesegnet, und wer euch verflucht, wird
selbst verflucht.«
4Mo 24,10 Nun wurde Balak wütend auf Bileam. Er ballte die Fäuste und schrie:
»Ich habe dich hierher geholt, damit du meine Feinde verfluchst! Und was tust
du? Du segnest sie, und das gleich dreimal!
4Mo 24,11 Verschwinde, mach, dass du nach Hause kommst! Ich hatte versprochen,
dich reich zu belohnen. Doch daraus wird nichts. Der Herr hat es nicht gewollt.«
4Mo 24,12 Bileam erwiderte: »Du weißt, dass ich schon zu deinen Boten gesagt
habe:
4Mo 24,13 ›Selbst wenn Balak mir seinen eigenen Palast voller Gold und Silber
gibt, kann ich nichts tun, was der Herr mir verbietet. Ich kann nicht
eigenmächtig einen Segen oder einen Fluch aussprechen, sondern nur das sagen,
was der Herr mir aufträgt.‹
4Mo 24,14 So kehre ich jetzt wieder in meine Heimat zurück. Aber vorher will ich
dir noch zeigen, was Israel schließlich mit deinem Volk machen wird. Komm und
hör zu!«
4Mo 24,15 Dann begann Bileam noch einmal: »Dies sagt Bileam, der Sohn Beors,
dies sagt der, dem Gott die Augen öffnet,
4Mo 24,16 der Gottes Worte hört und den Höchsten kennt. Der Allmächtige gibt ihm
Visionen, und er fällt zu Boden und sieht verborgene Dinge:
4Mo 24,17 Ich sehe jemanden in weiter Ferne. Noch ist er nicht da, aber ich kann
ihn schon erkennen. Ein Stern steigt auf von den Nachkommen Jakobs, ein Zepter
erhebt sich in Israel. Es zerschmettert Moab den Schädel und zerschlägt sein
wildes Kriegsvolk.
4Mo 24,18 Es unterwirft seine edomitischen Feinde und nimmt ihr Land Seïr in
Besitz, ja, Israel vollbringt Gewaltiges!
4Mo 24,19 Ein Herrscher steht auf unter den Nachkommen Jakobs und vertreibt den
Rest der Edomiter aus ihren Städten.«
4Mo 24,20 Dann sah Bileam die Amalekiter vor sich und sagte: »Als erstes Volk
trat Amalek den Israeliten entgegen, am Ende jedoch wird es für immer
untergehen.«
4Mo 24,21 Nun sah Bileam die Keniter. Über sie sagte er: »Eure Städte sind
sicher wie ein Adlernest hoch oben in den Felsen.
4Mo 24,22 Und doch werdet ihr vernichtet werden, wenn die Assyrer euch gefangen
fortschleppen.
4Mo 24,23 Wer wird am Leben bleiben, wenn Gott das alles tut?
4Mo 24,24 Kriegsschiffe kommen vom Mittelmeer, sie unterwerfen die Assyrer und
die Nachkommen Ebers und werden dann selbst vernichtet.«
4Mo 24,25 Nach diesen Worten brach Bileam in seine Heimat auf, und auch Balak
ging davon.
4Mo 25,1 Als die Israeliten in Schittim lagerten, ließen sie sich mit
moabitischen Frauen ein.
4Mo 25,2 [2/3] Sie wurden von ihnen zu Opferfesten eingeladen, aßen dort das
Fleisch der Opfertiere und beteten Baal-Peor an, den Gott der Moabiter. Ganz
Israel verehrte ihn und warf sich vor ihm nieder. Da wurde der Herr zornig auf
sein Volk.
4Mo 25,4 Er sprach zu Mose: »Nimm die führenden Männer des Volkes gefangen, und
häng sie am helllichten Tag auf! Sonst wird mein glühender Zorn das ganze Volk
treffen.«
4Mo 25,5 Mose befahl den Richtern Israels: »Tötet jeden von euren Leuten, der
Baal-Peor als seinen Gott verehrt hat!«
4Mo 25,6 Das Volk hatte sich inzwischen bei Mose vor dem heiligen Zelt
versammelt. Alle weinten und klagten. Da kam ein Israelit mit einer
midianitischen Frau ins Lager. Vor aller Augen brachte er sie zu den Zelten
seiner Sippe.
4Mo 25,7 Als Pinhas, der Sohn Eleasars und Enkel des Priesters Aaron, das sah,
stand er auf, verließ die versammelte Menge und nahm sich eine Lanze.
4Mo 25,8 Er folgte den beiden in den hinteren Teil des Zeltes, in dem sie
verschwunden waren; dort stieß er ihnen die Lanze durch den Unterleib. Da griff
die Seuche nicht mehr weiter um sich, die unter den Israeliten ausgebrochen war.
4Mo 25,9 24000 Menschen waren bereits tot.
4Mo 25,10 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 25,11 »Pinhas, der Sohn Eleasars und Enkel des Priesters Aaron, hat die
Israeliten vor meiner Strafe gerettet. Er hat sich mit aller Kraft für mich
eingesetzt und so verhindert, dass ich die Israeliten in meinem Zorn vernichte.
4Mo 25,12 Darum richte ihm aus: Ich will einen besonderen Bund mit ihm
schließen:
4Mo 25,13 Er und seine Nachkommen sollen für immer meine Priester sein. Das
verspreche ich ihm, weil er sich für mich eingesetzt und das Volk Israel mit mir
versöhnt hat.«
4Mo 25,14 Der Israelit, der zusammen mit der Midianiterin getötet worden war,
hieß Simri. Er war ein Sohn Salus und das Oberhaupt einer Sippe vom Stamm
Simeon.
4Mo 25,15 Die Frau hieß Kosbi und war eine Tochter von Zur, dem Oberhaupt einer
midianitischen Sippe.
4Mo 25,16 Der Herr befahl Mose:
4Mo 25,17 »Greift die Midianiter an, und vernichtet sie!
4Mo 25,18 Sie haben euch heimtückisch in die Falle gelockt mit ihrem Götzen Peor
und ihrer Fürstentochter Kosbi, die getötet wurde, als ich euch wegen Peor
ausrotten wollte.«
4Mo 26,1 [25,19] Als die Seuche vorüber war, [26,1] sprach der Herr zu Mose und
zum Priester Eleasar, dem Sohn Aarons:
4Mo 26,2 »Zählt das ganze Volk Israel, alle wehrfähigen Männer ab zwanzig
Jahren, und schreibt sie nach Sippen geordnet auf.«
4Mo 26,3 [3/4] Mose und Eleasar berichteten den Israeliten, was der Herr ihnen
befohlen hatte. In der moabitischen Steppe östlich des Jordan, gegenüber von
Jericho, zählten sie alle wehrfähigen Männer ab zwanzig Jahren. Dies sind die
Nachkommen der Israeliten, die einst aus Ägypten fortgezogen waren:
4Mo 26,5 [5-7] Der Stamm Ruben umfasste 43730 Männer und bestand aus den Sippen
der Henochiter, Palluiter, Hezroniter und Karmiter. Sie waren die Nachkommen von
Rubens Söhnen Henoch, Pallu, Hezron und Karmi. Ruben war der älteste Sohn
Israels gewesen.
4Mo 26,8 Rubens Sohn Pallu war der Vater von Eliab gewesen,
4Mo 26,9 dessen Söhne Nemuël, Datan und Abiram hießen. Datan und Abiram waren
die Männer, die vom Volk zu Anführern ernannt worden waren und einen Aufruhr
gegen Mose und Aaron angezettelt hatten. Als sie sich gemeinsam mit Korachs
Leuten gegen den Herrn auflehnten,
4Mo 26,10 öffnete sich die Erde und verschlang sie zusammen mit Korach. Die 250
Männer, die den Aufstand unterstützt hatten, verbrannten. Sie alle wurden für
Israel zu einem abschreckenden Beispiel.
4Mo 26,11 Die Söhne Korachs jedoch überlebten.
4Mo 26,12 [12-14] Der Stamm Simeon zählte 22200 Männer und teilte sich in die
Sippen der Jemuëliter, Jaminiter, Jachiniter, Serachiter und Schauliter. Sie
waren die Nachkommen von Simeons Söhnen Jemuël, Jamin, Jachin, Serach und
Schaul.
4Mo 26,15 [15-18] Der Stamm Gad hatte 40500 Männer und bestand aus den Sippen
der Zifjoniter, Haggiter, Schuniter, Osniter, Eriter, Aroditer und Areliter. Sie
waren die Nachkommen von Gads Söhnen Zifjon, Haggi, Schuni, Osni, Eri, Arod und
Areli.
4Mo 26,19 [19-22] Zum Stamm Juda gehörten 76500 Männer. Er setzte sich aus den
Sippen der Schelaniter, Pereziter und Serachiter zusammen. Sie stammten von
Judas Söhnen Schela, Perez und Serach ab. Juda hatte noch zwei andere Söhne
gehabt, Er und Onan. Sie waren noch in Kanaan gestorben. Perez hatte zwei Söhne
gehabt, Hezron und Hamul, die Vorfahren der Hezroniter und Hamuliter.
4Mo 26,23 [23-25] Der Stamm Issaschar zählte 64300 Mann. Er bestand aus den
Sippen der Tolaiter, Puwaniter, Jaschubiter und Schimroniter, den Nachkommen von
Issaschars Söhnen Tola, Puwa, Jaschub und Schimron.
4Mo 26,26 [26/27] Der Stamm Sebulon umfasste 60500 Männer und setzte sich aus
den Sippen der Serediter, Eloniter und Jachleeliter zusammen. Sie waren die
Nachkommen von Sebulons Söhnen Sered, Elon und Jachleel.
4Mo 26,28 Josef hatte zwei Söhne gehabt: Manasse und Ephraim. Ihre Nachkommen
bildeten zwei Stämme:
4Mo 26,29 [29-34] Der Stamm Manasse zählte 52700 Mann und bestand aus den Sippen
der Machiriter, Gileaditer, Iëseriter, Helekiter, Asriëliter, Sichemiter,
Schemidaiter und Heferiter. Machir war der Sohn Manasses und Vater Gileads
gewesen. Gileads Söhne hießen Iëser, Helek, Asriël, Sichem, Schemida und Hefer.
Hefer war der Vater von Zelofhad. Dieser hatte keinen Sohn, sondern fünf
Töchter: Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza.
4Mo 26,35 [35-37] Zum Stamm Ephraim gehörten 32500 Männer. Er setzte sich aus
den Sippen der Schutelachiter, Becheriter, Tahaniter und Eraniter zusammen.
Schutelach, Becher und Tahan waren Söhne Ephraims gewesen, Eran war der Sohn von
Schutelach.
4Mo 26,38 [38-41] Der Stamm Benjamin zählte 45600 Mann. Er bestand aus den
Sippen der Belaiter, Aschbeliter, Ahiramiter, Schufamiter, Hufamiter, Arditer
und Naamaniter. Bela, Aschbel, Ahiram, Schufam und Hufam waren Söhne Benjamins
gewesen, Ard und Naaman Söhne Belas.
4Mo 26,42 [42/43] Der Stamm Dan hatte 64400 Mann. Sie stammten alle von Dans
Sohn Schuham ab und bildeten die Sippe der Schuhamiter.
4Mo 26,44 [44-47] Der Stamm Asser besaß 53400 Männer und setzte sich aus den
Sippen der Jimniter, Jischwiter, Beriiter, Heberiter und Malkiëliter zusammen.
Jimna, Jischwi und Beria waren Söhne Assers gewesen. Er hatte auch eine Tochter
namens Serach gehabt. Beria war der Vater von Heber und Malkiël.
4Mo 26,48 [48-50] Zum Stamm Naftali gehörten 45400 Mann. Er bestand aus den
Sippen der Jachzeeliter, Guniter, Jezeriter und Schillemiter. Sie waren die
Nachkommen von Naftalis Söhnen Jachzeel, Guni, Jezer und Schillem.
4Mo 26,51 Die Gesamtzahl der israelitischen Männer betrug 601730.
4Mo 26,52 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 26,53 »Diese Zahlen sollst du zugrunde legen, wenn du das Land unter den
Israeliten aufteilst.
4Mo 26,54 Gib den großen Stämmen mehr Grundbesitz als den kleinen! Jeder Stamm
soll so viel Land erhalten, wie es seiner Größe entspricht.
4Mo 26,55 [55/56] In welchem Gebiet ein Stamm Land erhält, soll das Los
entscheiden. Aber die Ausdehnung des Gebiets soll sich nach der Größe des
Stammes richten.«
4Mo 26,57 Der Stamm Levi bestand aus den Sippen der Gerschoniter, Kehatiter und
Merariter - sie waren die Nachkommen Gerschons, Kehats und Meraris -
4Mo 26,58 und aus den Sippen der Libniter, Hebroniter, Machliter, Muschiter und
Korachiter. Kehat war der Vater von Amram gewesen.
4Mo 26,59 Dieser heiratete Jochebed, eine Levitin, die in Ägypten geboren worden
war. Sie brachte drei Kinder zur Welt: Aaron, Mose und deren Schwester Mirjam.
4Mo 26,60 Aarons Söhne hießen Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar.
4Mo 26,61 Nadab und Abihu mussten sterben, weil sie dem Herrn ein unerlaubtes
Räucheropfer dargebracht hatten.
4Mo 26,62 Die Zahl aller männlichen Leviten, die mindestens einen Monat alt
waren, betrug 23000. Sie wurden unabhängig von den anderen Israeliten gezählt,
weil sie kein eigenes Stammesgebiet erhalten sollten.
4Mo 26,63 Mose und der Priester Eleasar zählten die Israeliten in der
moabitischen Ebene östlich des Jordan gegenüber von Jericho.
4Mo 26,64 Dabei stellte sich heraus, dass niemand mehr lebte, der bei der ersten
Volkszählung aufgeschrieben worden war. Alle Männer, die Mose und der Priester
Aaron damals in der Wüste Sinai gemustert hatten,
4Mo 26,65 waren inzwischen gestorben, wie der Herr es ihnen angekündigt hatte.
Nur Kaleb, der Sohn Jefunnes, und Josua, der Sohn Nuns, lebten noch.
4Mo 27,1 [1/2] Als sich das Volk beim heiligen Zelt versammelte, kamen auch die
Töchter Zelofhads. Sie gehörten zur Sippe Machir vom Stamm Manasse und hießen
Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza. Ihr Vater war ein Sohn Hefers und Enkel
Gileads gewesen. Die Frauen gingen zu Mose, zum Priester Eleasar und zu den
Stammesoberhäuptern und sagten:
4Mo 27,3 »Unser Vater ist in der Wüste gestorben. Er war nicht an dem Aufstand
beteiligt, den Korach mit seinen Leuten gegen den Herrn angezettelt hat, und er
war nicht schlechter als jeder andere. Nun hat unser Vater aber keine Söhne
gehabt.
4Mo 27,4 Soll unsere Familie deshalb kein Land erhalten und der Name unseres
Vaters in Vergessenheit geraten? Wir möchten auch Land bekommen, so wie die
Männer aus unserer Sippe.«
4Mo 27,5 Da sagte Mose dem Herrn, was die Frauen wollten,
4Mo 27,6 und der Herr antwortete ihm:
4Mo 27,7 »Die Töchter Zelofhads haben Recht. Sie sollen auf jeden Fall
Grundbesitz erhalten, genauso wie die Männer aus ihrer Sippe. Ein Stück Land
soll auf den Namen ihres Vaters eingetragen werden und ihnen als seinen Erben
gehören.
4Mo 27,8 Sag den Israeliten: Wenn jemand stirbt und keinen Sohn hinterlässt,
soll seine Tochter das Erbe bekommen.
4Mo 27,9 Hat er überhaupt keine Nachkommen, geht sein Eigentum auf seine Brüder
über.
4Mo 27,10 Sind auch keine Brüder da, so sollen die Brüder seines Vaters ihn
beerben.
4Mo 27,11 Hat der Vater keine Brüder, soll der nächste leibliche Verwandte aus
der Sippe das Erbe erhalten.« Diese Vorschrift, die der Herr den Israeliten
durch Mose mitgeteilt hatte, war von nun an geltendes Recht.
4Mo 27,12 Der Herr sprach zu Mose: »Steig auf den Berg Abarim, und sieh dir von
dort aus das Land an, das ich den Israeliten geben will!
4Mo 27,13 Du wirst nicht mit hineingehen, sondern vorher sterben wie dein Bruder
Aaron,
4Mo 27,14 weil ihr in der Wüste Zin eigenmächtig und gegen meine Anordnung
gehandelt habt. Als sich die Israeliten dort über ihre Lage beschwerten, habt
ihr so getan, als könntet ihr ihnen Wasser geben; mich, den heiligen Gott, habt
ihr nicht geehrt.« Das war an der Meribaquelle bei Kadesch in der Wüste Zin
geschehen.
4Mo 27,15 Mose antwortete dem Herrn:
4Mo 27,16 »Herr, alles Leben ist in deiner Hand. Beruf doch einen Mann,
4Mo 27,17 der die Israeliten anführt, einen, der ihnen vorangeht und das Zeichen
zum Aufbruch und zum Halt gibt. Lass nicht zu, dass sie wie Schafe ohne Hirten
sind!«
4Mo 27,18 [18/19] Der Herr erwiderte: »Hol Josua, den Sohn Nuns, denn mein Geist
ist in ihm. Lass ihn vor den Priester Eleasar und vor das ganze Volk treten! Leg
deine Hand auf ihn, und übertrag ihm seine Aufgabe vor aller Augen!
4Mo 27,20 Sag den Israeliten, sie sollen ihn genauso achten wie dich. Alle haben
ihm zu gehorchen.
4Mo 27,21 Er selbst muss sich nach dem heiligen Los richten. Er soll den
Priester Eleasar bitten, meinen Willen damit zu erfragen. Das Los bestimmt, wann
das Volk aufbricht und wann es Halt macht. Josua und alle Israeliten sollen ihm
gehorchen.«
4Mo 27,22 Mose tat, was der Herr ihm befohlen hatte. Er rief Josua und ließ ihn
vor den Priester Eleasar und das versammelte Volk treten.
4Mo 27,23 Dann legte er die Hände auf ihn und übertrug ihm seine Aufgabe, wie
der Herr es befohlen hatte.
4Mo 28,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 28,2 »Achtet darauf, dass ihr mir meine Opfer zur richtigen Zeit darbringt.
Sie sind meine Speise und erfreuen mich. Sag das den Israeliten!
4Mo 28,3 Für ein Opfer, das mir gefällt, gelten folgende Anweisungen: Jeden Tag
sollt ihr zwei fehlerlose, einjährige Lämmer für mich, den Herrn, verbrennen,
4Mo 28,4 eins am Morgen, das andere am Abend.
4Mo 28,5 Bringt mit jedem Lamm ein Speiseopfer dar von eineinhalb Kilogramm
Mehl, vermengt mit einem Liter bestem Olivenöl.
4Mo 28,6 [6-8] Dies ist das tägliche Brandopfer, wie ihr es mir zum ersten Mal
am Berg Sinai dargebracht habt. Diese Gaben gefallen mir, dem Herrn. Gießt
außerdem bei jedem Opfer morgens und abends ein Trankopfer von einem Liter Wein
am Altar aus.
4Mo 28,9 An jedem Sabbat sollt ihr zwei weitere Lämmer opfern. Auch sie sollen
ein Jahr alt und fehlerlos sein; sie werden mit den dazugehörigen Gaben von
eineinhalb Kilogramm Mehl und zwei Litern Wein dargebracht.
4Mo 28,10 Dieses Sabbatopfer kommt zum täglichen Opfer hinzu.
4Mo 28,11 Am Anfang jedes Monats sollt ihr mir, dem Herrn, zwei junge Stiere,
einen Schafbock und sieben fehlerlose, einjährige Lämmer darbringen.
4Mo 28,12 Zu jedem Stier gehören als Speiseopfer vier Kilogramm Mehl, das mit Öl
vermengt ist, zum Schafbock zweieinhalb
4Mo 28,13 und zu den Lämmern je eineinhalb Kilogramm. Mit diesen Gaben erfreut
ihr mich, den Herrn.
4Mo 28,14 [14/15] Als Trankopfer sollt ihr zu jedem Stier zwei Liter, zum
Schafbock anderthalb und zu jedem Schaf einen Liter Wein am Altar ausgießen.
Außerdem müsst ihr als Sündopfer einen Ziegenbock schlachten. Alle diese Gaben
sollt ihr am Anfang jedes Monats zusätzlich zu den täglichen Opfern darbringen.«
4Mo 28,16 »Am 14. Tag des 1. Monats sollt ihr für mich das Passahfest feiern.
4Mo 28,17 Anschließend beginnt die Festwoche, in der ihr nur Brot essen dürft,
das ohne Sauerteig zubereitet wurde.
4Mo 28,18 Am ersten Tag sollt ihr nicht arbeiten, sondern euch versammeln und
allein mir, dem Herrn, dienen.
4Mo 28,19 Bringt mir zwei junge Stiere, einen Schafbock und sieben einjährige
Lämmer als Brandopfer dar. Alle Tiere sollen fehlerlos sein.
4Mo 28,20 Auch hier sollt ihr Speiseopfer dazugeben: zu jedem Stier vier
Kilogramm Mehl, das mit Öl vermengt ist, zum Schafbock zweieinhalb Kilogramm
4Mo 28,21 und zu den Lämmern je eineinhalb Kilogramm.
4Mo 28,22 Opfert außerdem einen Ziegenbock als Sündopfer, damit ich euch
vergebe.
4Mo 28,23 [23/24] Ihr sollt alle diese Gaben an jedem Tag der Festwoche
zusätzlich zu den täglichen Morgen- und Abendopfern darbringen. Mit diesen Gaben
erfreut ihr mich, den Herrn; sie sind meine Speise.
4Mo 28,25 Auch am letzten Tag der Woche sollt ihr nicht arbeiten, sondern euch
versammeln und allein mir dienen.«
4Mo 28,26 »Auch am Erntefest, wenn ihr mir, dem Herrn, eure ersten Früchte
darbringt, sollt ihr nicht arbeiten, sondern mir gemeinsam dienen.
4Mo 28,27 [27-29] Opfert an diesem Tag zwei junge Stiere, einen Schafbock und
sieben einjährige Lämmer als Brandopfer. Bringt dazu die gleichen Speise- und
Trankopfer dar wie am Passahfest. Damit erfreut ihr mich, den Herrn.
4Mo 28,30 Außerdem müsst ihr einen Ziegenbock als Sündopfer schlachten.
4Mo 28,31 Alle diese Gaben sollt ihr mir zusätzlich zum täglichen Opfer
darbringen.«
4Mo 29,1 »Auch der 1. Tag des 7. Monats soll ein Feiertag sein, an dem ihr nicht
arbeitet, sondern euch versammelt, um mir zu dienen. An diesem Tag sollt ihr die
Hörner blasen
4Mo 29,2 und zu meiner Ehre einen jungen Stier, einen Schafbock und sieben
einjährige, fehlerlose Lämmer opfern.
4Mo 29,3 Bringt zusätzlich zum Stier vier Kilogramm Mehl dar, das mit Öl
vermengt ist, zum Schafbock zweieinhalb
4Mo 29,4 und zu jedem Lamm eineinhalb Kilogramm.
4Mo 29,5 Opfert einen Ziegenbock als Sündopfer, damit ich euch vergebe.
4Mo 29,6 Vergesst auch nicht das tägliche und das monatliche Brandopfer mit den
dazugehörigen Gaben an Mehl und Wein. Denn diese Opfer gefallen mir.
4Mo 29,7 Am 10. Tag des 7. Monats sollt ihr euch wieder versammeln, um mir zu
dienen. Arbeitet an diesem Tag nicht, sondern fastet!
4Mo 29,8 [8-11] Erfreut mich mit den gleichen Gaben wie am 1. Tag des Monats.
Ihr sollt jedoch nicht nur einen, sondern zwei Ziegenböcke als Sündopfer
darbringen, damit ich euch vergebe.«
4Mo 29,12 »Auch am 15. Tag des 7. Monats sollt ihr nicht arbeiten, sondern euch
versammeln und mir dienen. Feiert mir zu Ehren eine Woche lang ein Fest!
4Mo 29,13 Erfreut mich am ersten Tag mit einem Brandopfer von dreizehn jungen
Stieren, zwei Schafböcken und vierzehn einjährigen Lämmern. Alle Tiere sollen
fehlerlos sein
4Mo 29,14 [14/15] und mit den dazugehörigen Speise- und Trankopfern dargebracht
werden.
4Mo 29,16 Außerdem müsst ihr wieder einen Ziegenbock als Sündopfer schlachten;
und auch die täglichen Brandopfer mit den vorgeschriebenen Gaben an Mehl und
Wein dürft ihr nicht vergessen.
4Mo 29,17 [17-34] Bringt an den anderen sechs Festtagen die gleichen Opfer dar.
Verbrennt aber an jedem Tag einen Stier weniger, also am zweiten Tag zwölf, am
dritten elf, am vierten zehn, am fünften neun, am sechsten acht und am siebten
sieben Stiere. Vergesst nicht die Sündopfer und die täglichen Opfer!
4Mo 29,35 Am achten Tag sollt ihr euch wieder zum Feiern versammeln und nicht
arbeiten.
4Mo 29,36 Verbrennt mir zu Ehren auf dem Altar einen jungen Stier, einen
Schafbock und sieben einjährige, fehlerlose Lämmer
4Mo 29,37 mit den vorgeschriebenen Gaben an Mehl und Wein.
4Mo 29,38 Bringt außerdem einen Ziegenbock als Sündopfer dar, und vergesst
nicht, jeden Tag ein Lamm am Morgen und eines am Abend zu opfern und die Speise-
und Trankopfer dazuzugeben.
4Mo 29,39 Diese Gaben sollt ihr mir, dem Herrn, an euren Festen darbringen, und
zwar zusätzlich zu allen Brand-, Speise-, Trank- oder Dankopfern, die ihr mir
freiwillig oder wegen eines Gelübdes gebt.«
4Mo 30,1 Alle diese Bestimmungen teilte Mose den Israeliten mit.
4Mo 30,2 Danach gab Mose den Oberhäuptern der Stämme Israels erneut eine Weisung
vom Herrn weiter:
4Mo 30,3 »Wenn jemand dem Herrn etwas verspricht oder sich mit einem Eid
verpflichtet, auf irgendetwas zu verzichten, darf er sein Wort nicht brechen. Er
muss alles tun, was er gesagt hat.
4Mo 30,4 Gibt eine junge Frau, die noch bei ihren Eltern lebt, dem Herrn ein
Versprechen
4Mo 30,5 und ihr Vater lässt sie gewähren, so hat sie sich daran zu halten.
4Mo 30,6 Erhebt aber ihr Vater am selben Tag, an dem er davon hört, Einwände
gegen ihr Gelübde, wird es ungültig. Dann wird der Herr ihr verzeihen, dass sie
es nicht einhält.
4Mo 30,7 Wenn eine Frau sich vor ihrer Heirat durch ein Gelübde oder ein
leichtfertiges Versprechen zu irgendetwas verpflichtet hat
4Mo 30,8 und ihr Mann dazu schweigt, muss sie ihr Wort halten.
4Mo 30,9 Erhebt er jedoch am selben Tag Einspruch, an dem er davon erfährt, ist
sie nicht mehr an ihr Versprechen gebunden. Der Herr wird ihr vergeben, wenn sie
in diesem Fall ihr Wort nicht hält.
4Mo 30,10 Ist aber die Frau, die dem Herrn ein Versprechen gibt, verwitwet oder
geschieden, so muss sie es erfüllen.
4Mo 30,11 Legt eine verheiratete Frau ein Gelübde ab
4Mo 30,12 und ihr Mann sagt nichts dagegen, muss sie tun, was sie versprochen
hat.
4Mo 30,13 Der Mann kann das Gelübde jedoch am selben Tag aufheben, an dem er
davon hört. Der Herr wird der Frau verzeihen, dass sie es nicht einhält.
4Mo 30,14 Der Mann hat das Recht, alles für ungültig zu erklären oder zu
bestätigen, was seine Frau versprochen hat, ganz gleich, ob sie etwas tun oder
auf etwas verzichten wollte.
4Mo 30,15 Wenn er sich am Tag, an dem er davon erfährt, nicht dazu äußert,
bestätigt er ihr Gelübde. Durch sein Schweigen wird es verbindlich.
4Mo 30,16 Hebt er das Gelübde nach dem ersten Tag auf, trifft ihn allein die
Schuld, wenn es gebrochen wird.«
4Mo 30,17 Diese Weisungen erhielt Mose vom Herrn. Sie regeln den Umgang mit
Gelübden von verheirateten und unverheirateten Frauen und bestimmen, welchen
Einfluss Väter und Ehemänner auf die Gelübde haben.
4Mo 31,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 31,2 »Rächt euch an den Midianitern für das, was sie euch angetan haben!
Danach wirst du sterben.«
4Mo 31,3 Mose rief das Volk zusammen und sagte: »Rüstet eure Truppen zum Kampf!
Wir greifen die Midianiter an! Jetzt bekommen sie vom Herrn, was sie verdienen.
4Mo 31,4 Jeder Stamm soll tausend Soldaten bereitstellen.«
4Mo 31,5 Da wählten die israelitischen Stämme insgesamt 12000 Männer aus.
4Mo 31,6 Mose sandte sie unter der Führung von Pinhas los, dem Sohn des
Priesters Eleasar. Er hatte Gegenstände aus dem Heiligtum und die
Signaltrompeten bei sich.
4Mo 31,7 Wie der Herr es befohlen hatte, kämpften die Israeliten gegen die
Midianiter und töteten alle Männer,
4Mo 31,8 darunter auch die fünf midianitischen Könige Ewi, Rekem, Zur, Hur und
Reba. Außerdem brachten sie Bileam, den Sohn Beors, mit dem Schwert um.
4Mo 31,9 Die Frauen und Kinder nahmen sie gefangen, dazu erbeuteten sie die
Viehherden und den ganzen Besitz der Midianiter.
4Mo 31,10 Sie verbrannten die Städte und Zeltdörfer
4Mo 31,11 und brachten alle Menschen, Tiere und den erbeuteten Besitz
4Mo 31,12 [12/13] zum Lager Israels in der moabitischen Steppe am Jordan,
gegenüber von Jericho. Mose, der Priester Eleasar und die führenden Männer des
Volkes kamen ihnen aus dem Lager entgegen.
4Mo 31,14 Mose ärgerte sich über die Heerführer, die den Befehl über hundert
oder tausend Mann hatten.
4Mo 31,15 Er fragte sie: »Habt ihr etwa die Frauen am Leben gelassen?
4Mo 31,16 Dabei sind sie es doch gewesen, die unser Volk mit ihrem Götzen Peor
vom Herrn weggelockt haben! Sie waren es, die Bileams bösen Plan in die Tat
umgesetzt haben! Sie sind schuld daran, dass der Herr unser Volk so hart
gestraft hat!
4Mo 31,17 Tötet sie! Tötet auch alle männlichen Kinder!
4Mo 31,18 Lasst nur die Mädchen am Leben, die noch unberührt sind. Sie sollen
euch gehören.
4Mo 31,19 Jeder von euch, der einen Menschen getötet oder eine Leiche berührt
hat, muss sieben Tage lang draußen vor dem Lager bleiben. Er soll sich am
dritten und siebten Tag mit geweihtem Wasser von seiner Sünde reinigen. Das gilt
sowohl für euch als auch für die Gefangenen.
4Mo 31,20 Reinigt auch eure Kleidung und alles, was aus Fell, Ziegenhaut oder
Holz ist!«
4Mo 31,21 Dann erklärte der Priester Eleasar den heimgekehrten Männern noch
einmal die Reinigungsvorschriften, die Mose vom Herrn empfangen hatte. Er sagte:
4Mo 31,22 »Alles, was aus Gold, Silber, Bronze, Eisen, Zinn oder Blei ist
4Mo 31,23 und deshalb nicht verbrennen kann, müsst ihr ins Feuer halten, damit
es rein wird. Besprengt es danach mit Reinigungswasser. Alles andere, das im
Feuer verbrennen würde, sollt ihr in Wasser tauchen.
4Mo 31,24 Wascht am letzten Tag der Woche auch eure Kleidung. Dann seid ihr
wieder rein und dürft ins Lager zurückkommen.«
4Mo 31,25 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 31,26 »Zähl die Gefangenen und die Tiere, die ihr erbeutet habt. Der
Priester Eleasar und die Stammesoberhäupter sollen dir dabei helfen.
4Mo 31,27 Gib die Hälfte der Beute den Männern, die gekämpft haben, die andere
Hälfte dem übrigen Volk.
4Mo 31,28 Von beiden Hälften sollst du je einen Anteil für mich zurückbehalten.
Ich möchte von dem, was die Soldaten erhalten, je einen von 500 Menschen und je
ein Tier von 500 Rindern, Eseln, Schafen und Ziegen bekommen.
4Mo 31,29 Dieser Anteil an der Beute soll ein Opfer für mich sein und den
Priestern gehören; übergib ihn Eleasar!
4Mo 31,30 Von der anderen Hälfte, die das übrige Volk bekommt, soll je einer von
50 Menschen und je eins von 50 Tieren für mich zurückbehalten werden. Gib sie
den Leviten, die den Dienst im heiligen Zelt verrichten.«
4Mo 31,31 Mose und der Priester Eleasar taten, was der Herr gesagt hatte.
4Mo 31,32 [32-34] Sie zählten insgesamt 675000 Schafe und Ziegen, 72000 Rinder
und 61000 Esel.
4Mo 31,35 Außerdem waren 32000 Mädchen, die noch unberührt waren, gefangen
genommen worden.
4Mo 31,36 [36-40] Die Soldaten erhielten von allem die Hälfte, also 337500
Schafe oder Ziegen, 36000 Rinder und 30500 Esel; von den Mädchen bekamen sie
16000. Dem Herrn überließen sie 675 Schafe und Ziegen, 72 Rinder, 61 Esel, dazu
32 Mädchen.
4Mo 31,41 Diesen Anteil gab Mose dem Priester Eleasar, wie der Herr es befohlen
hatte.
4Mo 31,42 [42-47] Die andere Hälfte der Beute bekam das übrige Volk, das nicht
gekämpft hatte. Mose gab je eins von 50 Mädchen und Tieren den Leviten, die den
Dienst im Heiligtum verrichteten. So hatte es der Herr angeordnet.
4Mo 31,48 Die Heerführer, die den Befehl über hundert oder tausend Soldaten
hatten, kamen zu Mose
4Mo 31,49 und berichteten ihm: »Herr, wir haben unsere Leute durchgezählt und
festgestellt, dass nicht ein einziger Mann fehlt.
4Mo 31,50 Wir wollen dem Herrn dafür mit einem Opfer danken und ihm alles geben,
was uns an Goldschmuck in die Hände gefallen ist: Armbänder, Armreife,
Siegelringe, Ohrringe und Halsschmuck. Wir hoffen, dass der Herr uns dann unsere
Schuld vergibt.«
4Mo 31,51 Mose und Eleasar nahmen das Gold entgegen. Es waren kunstvoll
gearbeitete Schmuckstücke,
4Mo 31,52 die insgesamt rund 200 Kilogramm wogen. Die Heerführer hatten sie
selbst erbeutet.
4Mo 31,53 Auch die anderen Soldaten hatten Gold aus dem Krieg mitgebracht, sie
behielten es jedoch für sich.
4Mo 31,54 Mose und Eleasar brachten das Gold, das die Heerführer opfern wollten,
ins Heiligtum. Es sollte ein Zeichen dafür sein, dass der Herr sich an sein Volk
erinnerte.
4Mo 32,1 Die Stämme Ruben und Gad besaßen große Viehherden. Als sie das gute
Weideland der Gebiete Jaser und Gilead östlich des Jordan sahen,
4Mo 32,2 kamen sie zu Mose, zum Priester Eleasar und zu den führenden Männern
des Volkes und sagten:
4Mo 32,3 [3/4] »Das Land, das wir mit der Hilfe des Herrn schon erobert haben,
hat gute Weidegebiete: Atarot, Dibon, Jaser, Nimra, Heschbon, Elale, Sibma, Nebo
und Beon. Wir können es gut gebrauchen, denn wir haben viel Vieh.
4Mo 32,5 Wenn ihr es erlaubt, würden wir dieses Land gern in Besitz nehmen und
nicht mit über den Jordan ziehen.«
4Mo 32,6 Mose erwiderte: »Ihr wollt hier bleiben und eure Brüder allein kämpfen
lassen?
4Mo 32,7 Wenn ihr das tut, wird bald kein Israelit mehr in das Land wollen, das
der Herr ihnen versprochen hat!
4Mo 32,8 Ihr benehmt euch wie eure Väter: Als ich sie von Kadesch-Barnea
losschickte, um das Land auszukundschaften,
4Mo 32,9 drangen sie bis zum Eschkoltal vor und sahen sich alles an. Dann kamen
sie zurück und hielten die Israeliten davon ab, das Land zu betreten, das der
Herr ihnen geben wollte.
4Mo 32,10 Darüber wurde der Herr zornig, und er schwor ihnen:
4Mo 32,11 ›Keiner von euch, die ich aus Ägypten befreit habe, wird dieses Land
jemals betreten! Keiner, der jetzt zwanzig Jahre oder älter ist, wird das Land
sehen, das ich euren Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob versprochen habe. Ich
habe genug von eurer Untreue!
4Mo 32,12 Nur Kaleb, der Sohn Jefunnes aus der Sippe Kenas, und Josua, der Sohn
Nuns, werden das Land in Besitz nehmen, denn sie haben mir die Treue gehalten.‹
4Mo 32,13 Ja, der Herr war voller Zorn über die Israeliten. Er ließ sie vierzig
Jahre lang in der Wüste umherirren, bis alle tot waren, die sich ihm widersetzt
hatten.
4Mo 32,14 Und nun folgt ihr dem schlechten Vorbild eurer Väter! Ihr lehnt euch
wie sie gegen den Herrn auf, ja, ihr fordert seinen Zorn noch mehr heraus!
4Mo 32,15 Wenn ihr ihm den Rücken kehrt, wird er unser Volk so lange in der
Wüste festhalten, bis alle tot sind. Und ihr seid schuld daran!«
4Mo 32,16 Die Männer von Ruben und Gad wandten sich erneut an Mose und sagten:
»Wir wollen doch nur Zäune für unsere Herden aufstellen und einige der
zerstörten Orte wieder aufbauen, in denen wir unsere Familien zurücklassen
können.
4Mo 32,17 Das wird schnell gehen. Dann werden wir Männer uns zum Kampf rüsten.
Wir werden an der Spitze des Heeres in den Krieg ziehen und die Israeliten in
ihr Land bringen. Aber unsere Familien möchten wir in befestigten Städten
zurücklassen, die vor den Bewohnern des Landes Schutz bieten.
4Mo 32,18 Wir versprechen, dass wir nicht eher hierher zurückkehren, bis jeder
Israelit seinen Grundbesitz erhalten hat.
4Mo 32,19 Wir selbst aber wollen nicht wie die anderen Stämme westlich des
Jordan Land bekommen, sondern hier im Osten unseren Anteil erhalten.«
4Mo 32,20 Mose antwortete: »Ich bin damit einverstanden, wenn ihr das tut, was
ihr sagt. Rüstet euch zum Kampf, und stellt euch an die Spitze des Heeres!
4Mo 32,21 Eure Soldaten sollen unter der Führung des Herrn den Jordan überqueren
und nicht eher zurückkehren, bis der Herr seine Feinde vertrieben hat
4Mo 32,22 und das Land für ihn erobert ist. Danach könnt ihr hierher
zurückkommen, ohne dass ihr euch am Herrn oder am Volk Israel schuldig macht.
Der Herr wird euch dann dieses Land hier zum Eigentum geben.
4Mo 32,23 Wenn ihr aber euer Wort brecht, sündigt ihr gegen den Herrn, und er
wird euch bestrafen. Darauf könnt ihr euch verlassen!
4Mo 32,24 Baut nun einige Orte für eure Familien wieder auf, und errichtet Zäune
für euer Kleinvieh! Aber haltet euch an euer Versprechen!«
4Mo 32,25 Die Leute von Gad und Ruben antworteten Mose: »Wir gehorchen dir und
werden tun, was du befiehlst.
4Mo 32,26 Wir bringen unsere Kinder, unsere Frauen und all unser Vieh in den
Städten von Gilead in Sicherheit.
4Mo 32,27 Dann nehmen wir unsere Waffen und ziehen unter der Führung des Herrn
in den Kampf, wie du es angeordnet hast.«
4Mo 32,28 Daraufhin wies Mose den Priester Eleasar, Josua und die Oberhäupter
der Stämme Israels an:
4Mo 32,29 »Wenn die Soldaten von Gad und Ruben euch unter der Führung des Herrn
geholfen haben, das Land westlich des Jordan zu erobern, sollt ihr ihnen das
Gebiet von Gilead zum Eigentum geben.
4Mo 32,30 Wenn sie euch aber nicht im Kampf unterstützen, sollen sie zusammen
mit euch im Land Kanaan wohnen.«
4Mo 32,31 Die Leute von Gad und Ruben versicherten: »Wir werden tun, was der
Herr uns befohlen hat.
4Mo 32,32 Wir werden uns bereitmachen und das Volk unter der Führung des Herrn
ins Land Kanaan bringen. Nur möchten wir hier östlich des Jordan unsere
Stammesgebiete bekommen.«
4Mo 32,33 Da erklärte Mose das ganze Land, in dem vorher der amoritische König
Sihon und König Og von Baschan geherrscht hatten, zum Eigentum der Stämme Gad
und Ruben und des halben Stammes Manasse. Alle Städte und Ländereien der beiden
früheren Königreiche gehörten nun ihnen.
4Mo 32,34 Die Männer vom Stamm Gad bauten einige der zerstörten Städte wieder
auf: Dibon, Atarot, Aroër,
4Mo 32,35 Atrot-Schofan, Jaser, Jogboha,
4Mo 32,36 Bet-Nimra und BetHaram. Sie errichteten Häuser, zogen Mauern hoch und
stellten Zäune für ihre Herden auf.
4Mo 32,37 Die Männer vom Stamm Ruben taten das Gleiche in den Städten Heschbon,
Elale und Kirjatajim,
4Mo 32,38 in Nebo und Baal-Meon, denen sie neue Namen gaben, und in Sibma.
Manche Namen änderten sie, andere behielten sie bei.
4Mo 32,39 Die Männer der Sippe Machir vom Stamm Manasse zogen nach Gilead,
eroberten es und vertrieben die Amoriter, die dort lebten.
4Mo 32,40 Mose erklärte das Land, das sie eingenommen hatten, zu ihrem Eigentum,
und sie ließen sich dort nieder.
4Mo 32,41 Jaïr, ein Mann aus dem Stamm Manasse, eroberte in diesem Gebiet einige
Ortschaften und nannte sie »Dörfer Jaïrs«.
4Mo 32,42 Ein anderer Mann namens Nobach nahm Kenat und die umliegenden Orte
ein. Auch er benannte die Stadt nach seinem Namen.
4Mo 33,1 [1/2] Mose hatte auf Anweisung des Herrn alle Lagerplätze der
Israeliten aufgeschrieben, seit sie unter seiner und Aarons Führung von Ägypten
aufgebrochen waren. An folgenden Orten hatten sie, nach Heeresverbänden
geordnet, das Lager aufgeschlagen:
4Mo 33,3 Am 15. Tag des 1. Monats, am Morgen nach der Passahfeier, zogen die
Israeliten von Ramses los. Die Ägypter mussten zusehen, wie das Volk unter dem
Schutz des Herrn das Land verließ.
4Mo 33,4 Der Herr hatte die ägyptischen Götter als machtlose Götzen entlarvt und
die ältesten Söhne der Ägypter umgebracht. Während man die Toten begrub,
4Mo 33,5 zogen die Israeliten von Ramses nach Sukkot. Hier schlugen sie ihr
erstes Lager auf.
4Mo 33,6 Dann ging es weiter nach Etam am Rand der Wüste.
4Mo 33,7 Dort bogen sie nach Pi-Hahirot bei Baal-Zefon ab und lagerten vor
Migdol.
4Mo 33,8 Von hier aus zogen sie mitten durchs Meer. Auf der anderen Seite führte
ihr Weg drei Tagesreisen lang durch die Wüste Etam bis nach Mara, dem nächsten
Lagerplatz.
4Mo 33,9 Von dort ging es weiter nach Elim, einer Oase mit zwölf Quellen und
siebzig Palmen. Nachdem sie hier gelagert hatten,
4Mo 33,10 brachen sie zum Ufer des Roten Meers auf.
4Mo 33,11 Danach kamen sie in die Wüste Sin.
4Mo 33,12 Ihre nächsten Haltepunkte waren: Dofka,
4Mo 33,13 Alusch,
4Mo 33,14 Refidim, wo sie kein Trinkwasser hatten,
4Mo 33,15 dann die Wüste Sinai,
4Mo 33,16 Kibrot-Hattaawa,
4Mo 33,17 Hazerot,
4Mo 33,18 Ritma,
4Mo 33,19 Rimmon-Perez,
4Mo 33,20 Libna,
4Mo 33,21 Rissa,
4Mo 33,22 Kehelata,
4Mo 33,23 der Berg Schefer,
4Mo 33,24 Harada,
4Mo 33,25 Makhelot,
4Mo 33,26 Tahat,
4Mo 33,27 Tarach,
4Mo 33,28 Mitka,
4Mo 33,29 Haschmona,
4Mo 33,30 Moserot,
4Mo 33,31 Bene-Jaakan,
4Mo 33,32 Hor-Gidgad,
4Mo 33,33 Jotbata,
4Mo 33,34 Abrona,
4Mo 33,35 Ezjon-Geber,
4Mo 33,36 Kadesch in der Wüste Zin
4Mo 33,37 und der Berg Hor an der Grenze des Landes Edom.
4Mo 33,38 Der Herr befahl dem Priester Aaron, auf den Berg Hor zu steigen. Dort
starb Aaron am 1. Tag des 5. Monats, vierzig Jahre nachdem die Israeliten
Ägypten verlassen hatten.
4Mo 33,39 Er wurde 123 Jahre alt.
4Mo 33,40 Um diese Zeit erfuhr der Kanaaniterkönig, der in Arad im Süden von
Kanaan regierte, dass die Israeliten auf sein Land zukamen.
4Mo 33,41 Vom Berg Hor zogen sie nach Zalmona weiter.
4Mo 33,42 Ihre nächsten Lagerplätze waren Punon,
4Mo 33,43 Obot,
4Mo 33,44 Ije-Abarim im Gebiet von Moab,
4Mo 33,45 Dibon-Gad,
4Mo 33,46 Almon-Diblatajim
4Mo 33,47 und das Gebirge Abarim nahe der Stadt Nebo.
4Mo 33,48 Von hier aus stiegen sie ins Jordantal hinab und schlugen in der
moabitischen Steppe gegenüber von Jericho ihr Lager auf.
4Mo 33,49 Es erstreckte sich von Bet-Jeschimot bis nach Abel-Schittim.
4Mo 33,50 Dort sprach der Herr zu Mose:
4Mo 33,51 »Sag den Israeliten: Wenn ihr ins Land Kanaan eindringt,
4Mo 33,52 sollt ihr alle Bewohner vertreiben. Zerstört ihre Götterfiguren aus
Stein und Metall! Reißt die Altäre ab, die sie auf den Hügeln und Bergen gebaut
haben!
4Mo 33,53 Nehmt das ganze Land in Besitz, und lasst euch dort nieder! Ich
schenke es euch für immer.
4Mo 33,54 Teilt es durch das Los unter euch auf! Dabei sollt ihr den großen
Stämmen mehr Land geben als den kleinen.
4Mo 33,55 Wenn ihr aber nicht alle Bewohner des Landes vertreibt, werden euch
die Zurückgebliebenen hart unterdrücken. Sie werden euch quälen wie Splitter im
Auge und Dornen unter den Füßen.
4Mo 33,56 Dann werde ich mit euch tun, was ich mit ihnen vorhatte.«
4Mo 34,1 Der Herr sprach zu Mose:
4Mo 34,2 »Erkläre den Israeliten, wie die Grenzen des Landes Kanaan verlaufen
sollen, das ich ihnen geben will.
4Mo 34,3 [3/4] Die Südgrenze beginnt am Toten Meer und führt zunächst am Gebiet
Edoms entlang. Südlich des Passes von Akrabbim wendet sie sich nach Westen zur
Wüste Zin. Hier verläuft sie südlich von Kadesch-Barnea nach Hazar-Addar und
weiter nach Azmon.
4Mo 34,5 Sie erreicht den ägyptischen Grenzfluss und folgt ihm bis zum
Mittelmeer.
4Mo 34,6 Die Mittelmeerküste bildet die Westgrenze.
4Mo 34,7 Die Nordgrenze führt vom Meer zum Berg Hor,
4Mo 34,8 kreuzt die Straße von Hamat und geht durch Zedad
4Mo 34,9 und Sifron nach Hazar-Enan.
4Mo 34,10 Hier beginnt die Ostgrenze. Sie verläuft über Schefam
4Mo 34,11 nach Ribla, das im Osten von Ajin liegt. Dann führt sie an den
Berghängen östlich vom See Genezareth entlang,
4Mo 34,12 geht hinab zum Jordan und folgt ihm bis zum Toten Meer. Das ganze
Land, das in diesen Grenzen liegt, soll euch gehören.«
4Mo 34,13 Mose sagte dies den Israeliten und fuhr fort: »Der Herr will, dass ihr
dieses Land durch das Los unter den neuneinhalb Stämmen aufteilt, die noch keine
Gebiete haben.
4Mo 34,14 [14/15] Denn die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse haben
schon hier, östlich des Jordan gegenüber von Jericho, Land bekommen.«
4Mo 34,16 Dann sprach der Herr zu Mose:
4Mo 34,17 »Folgende Männer sollen das Land verteilen: der Priester Eleasar,
Josua, der Sohn Nuns,
4Mo 34,18 dazu je ein führender Mann aus jedem Stamm,
4Mo 34,19 nämlich Kaleb, der Sohn Jefunnes vom Stamm Juda,
4Mo 34,20 Schemuël, der Sohn Ammihuds vom Stamm Simeon,
4Mo 34,21 Elidad, der Sohn Kislons vom Stamm Benjamin,
4Mo 34,22 Bukki, der Sohn Joglis vom Stamm Dan,
4Mo 34,23 Hanniël, der Sohn Efods vom Stamm Manasse,
4Mo 34,24 Kemuël, der Sohn Schiftans vom Stamm Ephraim,
4Mo 34,25 Elizafan, der Sohn Parnachs vom Stamm Sebulon,
4Mo 34,26 Paltiël, der Sohn Asans vom Stamm Issaschar,
4Mo 34,27 Ahihud, der Sohn Schelomis vom Stamm Asser,
4Mo 34,28 und Pedahel, der Sohn Ammihuds vom Stamm Naftali.«
4Mo 34,29 Diesen Männern gab der Herr den Auftrag, das Land Kanaan unter den
Israeliten aufzuteilen.
4Mo 35,1 Die Israeliten lagerten in der moabitischen Steppe östlich des Jordan
gegenüber von Jericho. Dort ließ der Herr ihnen durch Mose sagen:
4Mo 35,2 [2/3] »Gebt den Leviten in euren Stammesgebieten Städte, in denen sie
wohnen können! Überlasst ihnen mit den Städten auch Weideland für ihre
Viehherden!
4Mo 35,4 Die Weidefläche soll sich auf jeder Seite der Stadt fünfhundert Meter
weit ins Land erstrecken,
4Mo 35,5 so dass jede ihrer vier Seiten mindestens einen Kilometer lang ist.
4Mo 35,6 [6/7] Gebt den Leviten 48 Städte! Sechs davon sollen als Zufluchtsorte
für Menschen dienen, die ohne Absicht jemanden getötet haben.
4Mo 35,8 Achtet darauf, dass es bei der Auswahl der Städte gerecht zugeht. Die
Stämme mit großen Gebieten sollen mehr Städte abtreten als die Stämme mit
weniger Land.«
4Mo 35,9 Weiter sprach der Herr zu Mose:
4Mo 35,10 »Sag den Israeliten: Wenn ihr den Jordan überquert und ins Land Kanaan
kommt,
4Mo 35,11 sollt ihr Zufluchtsstädte bestimmen, in die jeder von euch fliehen
kann, der ohne Absicht einen Menschen getötet hat.
4Mo 35,12 Dort ist er vor der Blutrache sicher, bis ihr den Fall vor Gericht
untersucht habt.
4Mo 35,13 Wählt dazu sechs Städte aus,
4Mo 35,14 drei hier im Osten und drei drüben im Land Kanaan.
4Mo 35,15 Sie bieten jedem von euch Schutz, auch den Ausländern, die bei euch zu
Gast sind oder ständig bei euch leben. Jeder, der unabsichtlich einen Menschen
getötet hat, soll dorthin fliehen.
4Mo 35,16 [16-18] Wer einen anderen aber vorsätzlich mit einem Gegenstand aus
Metall, Stein oder Holz erschlägt, ist ein Mörder und muss sterben.
4Mo 35,19 Der nächste Verwandte des Ermordeten soll ihn töten, sobald er ihn
findet.
4Mo 35,20 [20/21] Denn wer aus Hass und Feindschaft einen Menschen absichtlich
erschlägt oder mit einem Wurfgeschoss oder mit der Faust tödlich verletzt, muss
auf jeden Fall mit dem Tod bestraft werden.
4Mo 35,22 Anders ist es, wenn jemand nicht aus Feindschaft, sondern zufällig und
unabsichtlich einen Menschen tötet, indem er ihn zu Boden stößt, mit einem
Wurfgeschoss trifft
4Mo 35,23 oder einen Stein auf ihn fallen lässt.
4Mo 35,24 In diesem Fall sollt ihr vor Gericht darüber urteilen, ob der
Bluträcher ihn töten darf. Haltet euch dabei an dieses Gesetz!
4Mo 35,25 Ist der Angeklagte unschuldig, dann sollt ihr ihn vor der Rache
schützen und in die Zufluchtsstadt zurückbringen, in die er geflohen war. Dort
muss er bleiben, bis der Hohepriester stirbt, der gerade im Amt ist.
4Mo 35,26 Wenn der Totschläger aber die Stadt verlässt, in die er geflohen ist,
verliert er seinen Schutz.
4Mo 35,27 Trifft der Bluträcher ihn außerhalb der Stadt an, darf er ihn töten,
ohne sich schuldig zu machen.
4Mo 35,28 Denn der Totschläger soll bis zum Tod des Hohenpriesters an seinem
Zufluchtsort bleiben. Erst danach kann er nach Hause zurückkehren.
4Mo 35,29 Dieses Gesetz gilt für euch und eure Nachkommen überall, wo ihr lebt.
4Mo 35,30 Ein Mörder muss zum Tod verurteilt werden, wenn mindestens zwei Zeugen
gegen ihn aussagen. Eine einzelne Zeugenaussage reicht dazu nicht aus.
4Mo 35,31 Ein Mörder kann sich nicht freikaufen. Ihr dürft kein Geld von ihm
annehmen, sondern müsst ihn auf jeden Fall töten.
4Mo 35,32 Nehmt auch kein Geld von einem Totschläger an! Er darf sich nicht das
Recht erkaufen, seine Zufluchtsstadt zu verlassen und nach Hause zurückzukehren,
bevor der Hohepriester gestorben ist.
4Mo 35,33 Ihr sollt das Land, in dem ihr lebt, nicht entweihen. Entweiht wird
es, wenn jemand darin einen Menschen tötet. Es kann nur dadurch wieder rein
werden, dass der Mörder selbst sein Leben lässt.
4Mo 35,34 Euer Land soll rein sein, denn ich, der Herr, wohne mitten unter euch
Israeliten!«
4Mo 36,1 Die führenden Männer der Sippe Gilead kamen zu Mose und zu den
Oberhäuptern der Stämme Israels. Die Sippe Gilead stammte von Machir ab, einem
Nachkommen von Josefs Sohn Manasse.
4Mo 36,2 Sie sagten zu Mose: »Der Herr hat dir befohlen, das Land durch das Los
unter uns Israeliten zu verteilen. Er hat außerdem angeordnet, dass die Töchter
unseres Verwandten Zelofhad den Grundbesitz ihres Vaters erben sollen.
4Mo 36,3 Was ist nun, wenn sie Männer aus anderen Stämmen heiraten? Dann wird
ihr Land Eigentum der Stämme, in die sie einheiraten. Uns aber geht es verloren,
und unser Stammesgebiet wird kleiner.
4Mo 36,4 Und selbst wenn wir das Land zurückkaufen könnten, würde es beim
nächsten Erlassjahr wieder dem anderen Stamm gegeben, in den die Frauen
eingeheiratet haben. So würden wir es endgültig verlieren.«
4Mo 36,5 Mose fragte den Herrn und sprach dann mit den Israeliten: »Die Männer
von Gilead haben Recht.
4Mo 36,6 Deshalb lässt der Herr euch sagen: Die Töchter Zelofhads dürfen
heiraten, wen sie möchten; nur sollen es Männer aus ihrem eigenen Stamm sein,
4Mo 36,7 damit nicht Landbesitz von ihrem Stamm an einen anderen übergeht. Jeder
Stamm soll sein Gebiet vollständig behalten.
4Mo 36,8 Wenn eine Frau Land erbt, soll sie einen Mann aus ihrem eigenen Stamm
heiraten, damit ihr Grundstück im Stammesbesitz bleibt.
4Mo 36,9 Grundstücke dürfen nicht das Eigentum eines anderen Stammes werden.«
4Mo 36,10 [10/11] Die Töchter Zelofhads, Machla, Tirza, Hogla, Milka und Noa,
taten, was der Herr zu Mose gesagt hatte. Sie heirateten ihre Vettern,
4Mo 36,12 die ebenfalls zum Stamm Manasse gehörten. So blieb ihr Grundbesitz
beim Stamm ihres Vaters.
4Mo 36,13 Diese Gesetze und Vorschriften gab der Herr den Israeliten durch Mose,
als sie in der moabitischen Steppe, östlich des Jordan gegenüber von Jericho,
lagerten.
5Mo 1,1 In diesem Buch ist aufgeschrieben, was Mose den Israeliten sagte, als
sie östlich des Jordan ihr Lager aufgeschlagen hatten, in der Steppe gegenüber
von Suf, zwischen Paran, Tofel, Laban, Hazerot und Di-Sahab.
5Mo 1,2 Vom Berg Horeb aus konnte man auf der Straße, die zum Gebirge Seïr
führt, in elf Tagesmärschen Kadesch-Barnea erreichen.
5Mo 1,3 [3-5] Unter der Führung von Mose hatten die Israeliten den Amoriterkönig
Sihon aus Heschbon besiegt. Sie hatten auch König Og geschlagen, der das Land
Baschan von den Städten Aschtarot und Edreï aus regiert hatte. Nun lagerten sie
im Gebiet der Moabiter östlich des Jordan. Hier sagte Mose den Israeliten noch
einmal alles, was der Herr ihm aufgetragen hatte. Im 40. Jahr nachdem sie
Ägypten verlassen hatten, am 1. Tag des 11. Monats, begann er, ihnen das Gesetz
zu erklären. Dies waren seine Worte:
5Mo 1,6 Am Berg Horeb hat der Herr zu uns gesprochen. Er sagte: »Jetzt seid ihr
lange genug hier gewesen.
5Mo 1,7 Brecht eure Zelte ab, und macht euch auf den Weg ins Land Kanaan: zu den
Amoritern im Bergland und zu ihren Nachbarvölkern im Jordantal, in den Bergen,
im Südland, im westlichen Hügelland, an der Mittelmeerküste und im
Libanongebirge bis zum Euphrat!
5Mo 1,8 Dieses ganze Land gebe ich euch. Ihr werdet sehen: Es liegt offen vor
euch. Ihr braucht nur hineinzugehen und es einzunehmen. Euren Vorfahren Abraham,
Isaak und Jakob habe ich Kanaan versprochen, ihnen und ihren Nachkommen.«
5Mo 1,9 Bevor wir aufbrachen, sagte ich zu euren Eltern: »Ich kann nicht mehr
allein die Verantwortung für euch tragen.
5Mo 1,10 Der Herr, euer Gott, hat euch so zahlreich werden lassen wie die Sterne
am Himmel.
5Mo 1,11 Und ich wünsche euch, dass der Herr, der Gott eurer Vorfahren, euer
Volk noch tausendmal größer werden lässt und euch reich beschenkt, so wie er es
versprochen hat.
5Mo 1,12 Aber ich kann nicht mehr allein die ganze Last tragen und all eure
Probleme und Streitigkeiten lösen.
5Mo 1,13 Wählt deshalb erfahrene, kluge und angesehene Männer aus euren Stämmen
aus, die ich als Oberhäupter über euch einsetzen kann.«
5Mo 1,14 Euren Eltern gefiel dieser Vorschlag.
5Mo 1,15 So ernannte ich kluge und bewährte Männer zu Oberhäuptern eurer Stämme
und übertrug ihnen jeweils die Verantwortung für tausend, für hundert, für
fünfzig oder für zehn Menschen.
5Mo 1,16 [16/17] Sie sollten auch als Richter in Streitfällen entscheiden. Ich
befahl ihnen: »Seid unparteiisch und gerecht! Behandelt jeden Menschen gleich,
egal, ob er Israelit oder Ausländer ist, angesehen oder unbekannt. Lasst euch
von niemandem einschüchtern! Ihr handelt in Gottes Auftrag. Und wenn euch ein
Fall zu schwierig ist, dann kommt damit zu mir.«
5Mo 1,18 Ich habe euren Eltern damals noch viele andere Anweisungen gegeben und
ihnen genau gesagt, wie sich unser Volk verhalten soll.
5Mo 1,19 Auf Befehl des Herrn verließen wir dann den Horeb und machten uns auf
den Weg zum Bergland der Amoriter. Wir durchquerten die große, schreckliche
Wüste, die ihr ja auch kennt, und erreichten Kadesch-Barnea.
5Mo 1,20 Dort sagte ich zu euren Eltern: »Wir sind da! Hier beginnt das
amoritische Bergland, das der Herr, unser Gott, uns schenken will.
5Mo 1,21 Ja, er gibt das Land in eure Gewalt! Erobert es, und nehmt es in
Besitz! Denn so hat es euch der Herr, der Gott eurer Vorfahren, befohlen. Habt
keine Angst! Lasst euch nicht entmutigen!«
5Mo 1,22 Darauf entgegnete das ganze Volk: »Wir würden lieber einige Männer
vorausschicken, die das Land erkunden. Sie können herausfinden, auf welchem Weg
wir am besten hineinkommen und welche Städte es dort gibt.«
5Mo 1,23 Der Vorschlag gefiel mir, und ich wählte zwölf Männer aus, einen aus
jedem Stamm.
5Mo 1,24 Sie zogen ins Bergland hinauf und erkundeten es bis zum Eschkoltal.
5Mo 1,25 Als sie zurückkamen, brachten sie uns Früchte von dort mit und
erklärten: »Das Land ist gut, das der Herr, unser Gott, uns gibt.«
5Mo 1,26 Aber eure Eltern wollten es nicht erobern. Sie weigerten sich, dem
Herrn, ihrem Gott, zu gehorchen.
5Mo 1,27 Ängstlich hockten sie in ihren Zelten und klagten: »Der Herr hasst uns!
Er hat uns nur aus Ägypten geholt, damit die Amoriter uns angreifen und
vernichten!
5Mo 1,28 Warum sollten wir ihnen freiwillig in die Arme laufen? Die Kundschafter
haben uns allen Mut genommen. Sie haben gesagt, dass die Menschen dort stärker
und größer sind als wir. Ihre Städte sind Festungen, die bis zum Himmel reichen!
Auch die Anakiter leben dort; sie sind Riesen!«
5Mo 1,29 Ich erwiderte: »Lasst euch doch keine Angst einjagen! Fürchtet euch
nicht vor ihnen!
5Mo 1,30 Der Herr, euer Gott, geht vor euch her! Er selbst kämpft für euch,
genau wie er es in Ägypten getan hat. Ihr habt es doch mit eigenen Augen
gesehen!
5Mo 1,31 Und ihr habt auch erlebt, wie der Herr, euer Gott, euch auf dem Weg
durch die Wüste geholfen hat. Bis hierher hat er euch getragen wie ein Vater
sein Kind.«
5Mo 1,32 Trotzdem haben eure Eltern dem Herrn, ihrem Gott, nicht vertraut.
5Mo 1,33 Dabei ist er doch sichtbar vor unserem Volk hergegangen und hat uns von
einem Lagerplatz zum nächsten geführt! Nachts hat er mit seinem Feuer unseren
Weg erleuchtet, und am Tag war er in der Wolke bei uns.
5Mo 1,34 Dem Herrn war das Geschrei eurer Eltern nicht entgangen. Er wurde
zornig und schwor ihnen:
5Mo 1,35 »Keiner aus dieser widerspenstigen Generation wird das gute Land sehen,
das ich euren Vorfahren versprochen habe.
5Mo 1,36 Nur Kaleb, der Sohn Jefunnes, wird hineinkommen. Ihm und seinen
Nachkommen werde ich das Gebiet geben, das er erkundet hat. Denn er hat treu zu
mir gehalten.«
5Mo 1,37 Auch auf mich wurde der Herr euretwegen zornig und sagte zu mir: »Du
wirst das Land ebenfalls nicht betreten.
5Mo 1,38 An deiner Stelle wird Josua hineingehen, der Sohn Nuns, der dir bei
deinen Aufgaben geholfen hat. Ermutige ihn! Denn er soll Kanaan unter den
Israeliten aufteilen.«
5Mo 1,39 Zu euren Eltern sagte der Herr: »Eure Kinder, die heute noch nicht Gut
und Böse unterscheiden können, werden in das Land hineingehen. Ja, eure kleinen
Kinder, die ihr schon in den Händen eurer Feinde gesehen habt, werden es
einnehmen! Ihnen will ich das Land geben.
5Mo 1,40 Ihr aber sollt wieder umkehren und in die Wüste in Richtung Schilfmeer
ziehen.«
5Mo 1,41 Da antworteten eure Väter: »Wir haben gegen den Herrn, unseren Gott,
gesündigt. Jetzt wollen wir doch in das Land gehen und kämpfen, wie er es uns
befohlen hat.« Sie nahmen ihre Waffen und dachten, sie könnten das Bergland mit
Leichtigkeit erobern.
5Mo 1,42 Der Herr aber sprach zu mir: »Warne sie davor, ins Bergland zu gehen
und zu kämpfen! Ich stehe ihnen nicht bei! Sie werden den Kampf verlieren!«
5Mo 1,43 Ich sagte es ihnen, aber sie hörten nicht auf mich und widersetzten
sich dem Befehl des Herrn. Vermessen, wie sie waren, zogen sie ins Bergland
hinauf.
5Mo 1,44 Da kamen ihnen die Amoriter, die dort leben, entgegen. Wie ein
Bienenschwarm fielen sie über eure Väter her und trieben sie auseinander. Sie
jagten sie durch das Gebirge Seïr bis nach Horma.
5Mo 1,45 Schließlich kamen eure Väter zurück, weinten und riefen zum Herrn um
Hilfe. Aber er hörte nicht auf ihr Klagen und gab ihnen keine Antwort.
5Mo 1,46 Danach blieb unser Volk noch längere Zeit in Kadesch.
5Mo 2,1 Wir machten kehrt und zogen wieder in die Wüste in Richtung Schilfmeer,
wie der Herr es mir befohlen hatte. Lange Zeit wanderten wir in der Gegend des
Gebirges Seïr umher.
5Mo 2,2 Schließlich sprach der Herr zu mir:
5Mo 2,3 »Ihr seid nun lange genug hier umhergezogen. Geht jetzt nach Norden,
5Mo 2,4 und durchquert das Gebirge Seïr, das Gebiet der Edomiter! Sie sind euer
Brudervolk, weil sie von Esau abstammen. Sie haben zwar Angst vor euch,
5Mo 2,5 aber hütet euch davor, gegen sie Krieg zu führen! Ich werde euch keinen
Fußbreit von ihrem Land geben, denn das Gebirge Seïr gehört ihnen. Sie haben es
von mir bekommen.
5Mo 2,6 Wenn ihr von ihnen etwas zu essen und zu trinken wollt, dann nehmt es
nicht mit Gewalt, sondern kauft es ihnen ab.«
5Mo 2,7 Denn der Herr, euer Gott, hat immer dafür gesorgt, dass es euch an
nichts fehlt. Er hat euch gesegnet und all eure Arbeit gelingen lassen. Durch
diese weite Wüste hat er euch begleitet und ist die ganzen vierzig Jahre bei
euch gewesen.
5Mo 2,8 Wir verließen dann die Straße, die von Elat und Ezjon-Geber durch die
Araba-Ebene nach Norden führt, und zogen durch das Gebirge Seïr, wo unser
Brudervolk Edom wohnt, die Nachkommen Esaus. Dann zogen wir die Wüstenstraße in
Richtung Moab.
5Mo 2,9 Dort sprach der Herr zu mir: »Lasst auch die Moabiter in Frieden! Sie
sind die Nachkommen Lots. Fangt keinen Krieg mit ihnen an! Ich werde euch nichts
von ihrem Gebiet geben, denn ich habe ihnen das Land Ar geschenkt.«
5Mo 2,10 Früher hatten dort die Emiter gelebt, ein mächtiges und großes Volk von
hoch gewachsenen Menschen.
5Mo 2,11 Man hielt sie für Riesen - wie die Anakiter. Den Namen Emiter (»die
Schrecklichen«) gaben ihnen die Moabiter.
5Mo 2,12 Auch im Gebirge Seïr hatte früher ein anderes Volk gelebt, die Horiter.
Doch die Edomiter vertrieben und vernichteten die Horiter und ließen sich an
ihrer Stelle dort nieder, so wie die Israeliten die Gebiete in Besitz nahmen,
die der Herr ihnen gegeben hatte.
5Mo 2,13 Der Herr befahl: »Macht euch auf, und überquert den Seredbach!« Wir
gehorchten.
5Mo 2,14 Seit unserem Aufbruch von Kadesch-Barnea waren achtunddreißig Jahre
vergangen. Inzwischen lebte keiner mehr von der Generation, die damals im
wehrfähigen Alter gewesen war. Sie waren alle gestorben, wie der Herr es
geschworen hatte.
5Mo 2,15 Der Herr hatte sich gegen sie gewandt und sie vernichtet, bis keiner
von ihnen mehr übrig blieb.
5Mo 2,16 Als sie alle tot waren,
5Mo 2,17 sprach der Herr zu mir:
5Mo 2,18 »Ihr durchquert jetzt das Moabiterland bei Ar,
5Mo 2,19 bis ihr das Gebiet der Ammoniter erreicht. Auch sie sind Nachkommen
Lots. Greift sie nicht an, sondern lasst sie in Frieden! Ich werde euch nichts
von ihrem Land geben, denn es gehört ihnen. Sie haben es von mir bekommen.«
5Mo 2,20 Auch in diesem Land sollen einmal Riesen gelebt haben. Die Ammoniter
nannten sie Samsummiter.
5Mo 2,21 Sie waren ein mächtiges und großes Volk von hoch gewachsenen Menschen
wie die Anakiter. Doch der Herr half den Ammonitern, sie aus ihrem Land zu
vertreiben und sich an ihrer Stelle dort niederzulassen.
5Mo 2,22 Genauso haben die Edomiter mit der Hilfe des Herrn die Horiter
vernichtet und sich im Gebirge Seïr angesiedelt, wo sie bis heute leben.
5Mo 2,23 Das Gleiche machten die Kaftoriter mit den Awitern in den Dörfern um
Gaza. Als sie aus Kaftor kamen, töteten sie die Awiter und siedelten sich an
ihrer Stelle dort an.
5Mo 2,24 Der Herr befahl uns: »Brecht auf! Überquert den Arnonfluss! Ihr werdet
sehen: Ich gebe Sihon, den Amoriterkönig aus Heschbon, und sein Reich in eure
Gewalt. Greift ihn an! Erobert sein Land!
5Mo 2,25 Ab heute lasse ich weit und breit die Völker vor euch zittern. Alle,
die von euch hören, werden große Angst bekommen.«
5Mo 2,26 Da sandte ich von der Wüste Kedemot aus Boten zu König Sihon nach
Heschbon. Sie sollten ihn freundlich bitten,
5Mo 2,27 uns durch sein Land ziehen zu lassen. Wir versprachen ihm: »Wir werden
immer auf der Straße bleiben und sie nirgends verlassen.
5Mo 2,28 Was wir von euch zu essen und zu trinken bekommen, werden wir bezahlen.
Wir wollen nur euer Land durchqueren,
5Mo 2,29 so wie wir es bei den Edomitern im Gebirge Seïr und bei den Moabitern
im Land Ar durften. Wir möchten auf die andere Seite des Jordan. Dort liegt das
Land, das der Herr, unser Gott, uns schenken will.«
5Mo 2,30 Aber König Sihon aus Heschbon weigerte sich, uns durchzulassen. Der
Herr, euer Gott, ließ ihn hart und unnachgiebig bleiben, denn er wollte ihn in
unsere Gewalt geben. So geschah es dann auch.
5Mo 2,31 Der Herr sprach zu mir: »Heute beginne ich damit, euch Sihon und sein
Land auszuliefern. Zieht los, erobert sein Gebiet, und nehmt es in Besitz!«
5Mo 2,32 Sihon kam uns mit seinem ganzen Heer entgegen, um bei Jahaz mit uns zu
kämpfen.
5Mo 2,33 Aber der Herr ließ uns siegen. Wir töteten Sihon, seine Söhne und seine
Soldaten.
5Mo 2,34 Dann eroberten wir alle seine Städte und vollstreckten an ihnen Gottes
Urteil. Wir töteten die ganze Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, niemanden
ließen wir am Leben.
5Mo 2,35 Als Beute behielten wir nur das Vieh und alles Wertvolle aus den
Städten.
5Mo 2,36 Zwischen Aroër am Rand des Arnontals, der Stadt unten am Fluss und dem
Gebiet Gilead gab es keine Ortschaft, die uns standhalten konnte. Überall ließ
uns der Herr, unser Gott, siegen.
5Mo 2,37 Wir haben aber nicht versucht, das Land der Ammoniter in unsere Gewalt
zu bringen, weder das Ostufer des Jabbokflusses noch die Städte im Gebirge. Denn
der Herr hatte es uns verboten.
5Mo 3,1 Wir zogen dann auf der Straße nach Baschan weiter. Von dort kam uns
König Og mit seinem ganzen Heer entgegen, um bei Edreï mit uns zu kämpfen.
5Mo 3,2 Der Herr sprach zu mir: »Hab keine Angst vor ihm! Ich gebe ihn, sein
ganzes Heer und sein Land in eure Gewalt. Ihr sollt ihn vernichten wie den
Amoriterkönig Sihon aus Heschbon.«
5Mo 3,3 Mit der Hilfe des Herrn, unseres Gottes, besiegten wir auch König Og.
Wir töteten ihn und seine Soldaten, keiner von ihnen entkam.
5Mo 3,4 Das ganze Königreich Baschan nahmen wir ein: das Gebiet von Argob mit
den sechzig Städten König Ogs. Keine Stadt blieb verschont.
5Mo 3,5 Jede von ihnen war eine Festung mit hohen Mauern und verriegelbaren
Toren. Dazu kamen noch sehr viele Ortschaften ohne schützende Mauern.
5Mo 3,6 Wir vollstreckten an ihnen Gottes Urteil, wie wir es im Land König
Sihons von Heschbon getan hatten. Die ganze Bevölkerung, Männer, Frauen und
Kinder, töteten wir.
5Mo 3,7 Nur das Vieh und alles Wertvolle aus den Städten behielten wir für uns.
5Mo 3,8 So entrissen wir den beiden amoritischen Königen das Land östlich des
Jordan zwischen dem Arnonfluss im Süden und dem Berg Hermon im Norden.
5Mo 3,9 Diesen Berg nennen die Sidonier Sirjon und die Amoriter Senir.
5Mo 3,10 Wir eroberten alle Städte der Hochebene, ganz Gilead und ganz Baschan
bis zu den Städten Salcha und Edreï, die zu Ogs Reich gehört hatten.
5Mo 3,11 König Og war der letzte lebende Riese gewesen. In Rabba, der
ammonitischen Hauptstadt, steht noch sein eiserner Sarg. Er ist viereinhalb
Meter lang und zwei Meter breit.
5Mo 3,12 Als wir das Ostjordanland eingenommen hatten, gab ich den Stämmen Ruben
und Gad die südliche Hälfte mit allen Städten. Dieses Gebiet erstreckt sich von
Aroër am Arnonfluss im Süden über das halbe Bergland von Gilead nach Norden.
5Mo 3,13 Die nördliche Hälfte von Gilead und das Land Baschan habe ich dem
halben Stamm Manasse gegeben. Im Land Baschan liegt das Gebiet von Argob, wo
früher König Og geherrscht hat. Man nennt Baschan das Land der Riesen.
5Mo 3,14 Jaïr, ein Nachkomme Manasses, und seine Sippe hatten Argob bis dorthin
erobert, wo es im Osten an das Land der Geschuriter und Maachatiter grenzt. Die
Ortschaften in ihrem Gebiet nannten sie nach ihrer Sippe »Dörfer Jaïrs«. So
heißen sie noch heute.
5Mo 3,15 Das nördliche Gilead habe ich der Sippe Machir gegeben.
5Mo 3,16 Ihr Gebiet reicht im Süden bis zum Jabbokfluss. Dort beginnt der Teil
von Gilead, der den Stämmen Ruben und Gad gehört. Das Gebiet von Ruben und Gad
wird im Osten vom Oberlauf des Jabbok begrenzt. Auf der anderen Seite leben die
Ammoniter. Die Südgrenze bildet der Arnonfluss.
5Mo 3,17 Im Westen reicht das Land Gilead bis ins Jordantal hinab. Die Grenze
folgt dem Fluss vom See Genezareth bis zur Einmündung ins Tote Meer unterhalb
der Berghänge des Pisga.
5Mo 3,18 Damals sagte ich zu den Stämmen Ruben, Gad und Manasse: »Der Herr, euer
Gott, schenkt euch dieses Land für immer. Trotzdem sollt ihr mit euren
Bruderstämmen den Jordan überqueren und ihnen helfen, Kanaan zu erobern. Eure
wehrfähigen Männer sollen bewaffnet an der Spitze der Israeliten hinüberziehen.
5Mo 3,19 Nur eure Frauen und Kinder dürft ihr hier lassen. Sie sollen in den
Städten bleiben, die ich euch zugeteilt habe. Das gilt auch für das Vieh, denn
ich weiß, dass ihr große Herden besitzt.
5Mo 3,20 Erst wenn der Herr, euer Gott, euren Brüdern das Land westlich des
Jordan gegeben hat und sie dort in Frieden leben können, so wie ihr jetzt hier,
erst dann dürft ihr in eure Gebiete zurückkehren.«
5Mo 3,21 Zu Josua sagte ich damals: »Du hast mit eigenen Augen gesehen, wie der
Herr, euer Gott, die beiden Könige Sihon und Og vernichtet hat. Dasselbe wird
mit allen Königreichen geschehen, in die ihr kommt.
5Mo 3,22 Habt keine Angst! Der Herr, euer Gott, kämpft für euch!«
5Mo 3,23 In dieser Zeit flehte ich den Herrn an:
5Mo 3,24 »Herr, mein Gott, dem ich diene! Du hast gerade erst begonnen, mir
deine Größe und Macht zu zeigen! Wo ist ein Gott im Himmel oder auf der Erde,
der solche Werke vollbringen kann und der so mächtig ist wie du?
5Mo 3,25 Ich bitte dich: Lass mich mit hinübergehen und das gute Land jenseits
des Jordan sehen, das schöne Bergland und den Libanon.«
5Mo 3,26 Aber der Herr war euretwegen zornig auf mich und erfüllte meine Bitte
nicht. Er sagte zu mir: »Genug damit! Ich will von dieser Sache nichts mehr
hören!
5Mo 3,27 Steig auf den Gipfel des Berges Pisga, und schau nach Westen, Norden,
Süden und Osten! Sieh dir das Land von dort aus an! Aber den Jordan wirst du
nicht überschreiten.
5Mo 3,28 Josua wird die Israeliten hinüberbringen und das Land unter ihnen
aufteilen. Sag ihm, was er tun soll, stärke und ermutige ihn!«
5Mo 3,29 Wir blieben dann hier im Tal unterhalb der Stadt Bet-Peor.
5Mo 4,1 Hört mir zu, ihr Israeliten! Ich erkläre euch jetzt noch einmal die
Gebote und Weisungen, nach denen ihr handeln sollt. Dann werdet ihr am Leben
bleiben und das Land einnehmen, das der Herr, der Gott eurer Vorfahren, euch
gibt.
5Mo 4,2 Fügt meinen Worten nichts hinzu, und lasst nichts davon weg! Haltet euch
an alle Gebote des Herrn, eures Gottes, die ich euch weitergebe.
5Mo 4,3 Ihr habt mit eigenen Augen gesehen, wie der Herr, euer Gott, alle aus
eurem Volk getötet hat, die dem Götzen Baal-Peor nachgelaufen sind.
5Mo 4,4 Ihr aber habt dem Herrn die Treue gehalten, deshalb seid ihr noch alle
am Leben.
5Mo 4,5 Ich habe euch die Gebote und Weisungen gegeben, die ich vom Herrn,
meinem Gott, empfangen habe. Ihr sollt danach leben, wenn ihr in das Land kommt,
das der Herr euch schenken will.
5Mo 4,6 Haltet euch an diese Gebote, und befolgt sie; dann werden die anderen
Völker sehen, wie weise und klug ihr seid. Wenn sie von euren Gesetzen hören,
werden sie sagen: »Dieses große Volk besitzt Weisheit und Verstand!«
5Mo 4,7 Denn kein anderes Volk, ganz gleich wie groß, hat Götter, die ihm so
beistehen, wie der Herr, unser Gott, uns beisteht! Wann immer wir zu ihm rufen,
hört er uns.
5Mo 4,8 Wo ist ein Volk, groß wie wir, das so gerechte Gebote und Weisungen hat,
wie ich sie euch heute gebe?
5Mo 4,9 Hütet euch davor, etwas von dem, was ihr gesehen habt, zu vergessen!
Erinnert euch euer Leben lang daran, und erzählt es euren Kindern und Enkeln
weiter!
5Mo 4,10 Denkt daran, wie ihr euch am Berg Horeb in der Gegenwart des Herrn,
eures Gottes, versammelt habt. Damals forderte der Herr mich auf: »Lass die
Israeliten hier bei mir zusammenkommen, ich will zu ihnen sprechen. Sie sollen
lernen, mich zu achten und ihren Kindern meine Worte weiterzusagen.«
5Mo 4,11 Da seid ihr alle zum Fuß des Berges gekommen. Der Berg brannte, Feuer
loderte bis zum Himmel, und dunkle Wolken umhüllten ihn.
5Mo 4,12 Aus dem Feuer sprach der Herr, euer Gott, zu euch. Seine Gestalt habt
ihr nicht gesehen, nur seine Stimme konntet ihr hören.
5Mo 4,13 Er sagte, dass er einen Bund mit euch schließen wollte, an den ihr euch
halten solltet. Er gab euch die Zehn Gebote und schrieb sie auf zwei
Steintafeln.
5Mo 4,14 Mir befahl er, euch seine Gebote und Weisungen zu erklären. Sie sollen
euer Leben in dem Land bestimmen, in das ihr nun zieht und das ihr in Besitz
nehmen werdet.
5Mo 4,15 Als der Herr, euer Gott, am Berg Horeb aus dem Feuer zu euch sprach,
habt ihr seine Gestalt nicht gesehen. Hütet euch deshalb davor,
5Mo 4,16 euch eine Götzenstatue anzufertigen. Denn damit stürzt ihr euch ins
Verderben! Macht euch kein Abbild von einem männlichen oder weiblichen
Lebewesen:
5Mo 4,17 von einem Landtier, einem Vogel,
5Mo 4,18 einem Kriechtier oder einem Fisch.
5Mo 4,19 Lasst euch auch nicht dazu verleiten, die Sonne, den Mond und die
Sterne am Himmel anzubeten und zu verehren. Sollen die anderen Völker ihnen doch
dienen! Gott hat sie dazu bestimmt.
5Mo 4,20 Euch aber hat der Herr aus Ägypten gerettet wie aus einem glühenden
Ofen, damit ihr sein Volk werdet, wie ihr es ja heute seid.
5Mo 4,21 Euretwegen war der Herr zornig auf mich und schwor: »Du wirst den
Jordan nicht überqueren und nicht in das gute Land kommen, das ich, der Herr,
euer Gott, euch schenken will.«
5Mo 4,22 Ich werde also hier in diesem Land sterben und den Jordan nicht
überschreiten. Ihr aber geht hinüber und nehmt das gute Land dort ein.
5Mo 4,23 Vergesst auf keinen Fall den Bund, den der Herr, euer Gott, mit euch
geschlossen hat. Macht euch keine Götzenfiguren in Gestalt irgendeines
Lebewesens. Der Herr hat es verboten.
5Mo 4,24 Denn der Herr, euer Gott, ist ein Feuer, dem nichts standhalten kann.
Er duldet keine anderen Götter neben sich.
5Mo 4,25 Wenn ihr dann schon längere Zeit im Land Kanaan lebt und Kinder und
Enkel habt, geratet ihr womöglich auf Abwege: Ihr fertigt euch eine Götzenstatue
in Gestalt irgendeines Lebewesens an und tut damit, was der Herr, euer Gott,
verabscheut! Ihr fordert seinen Zorn heraus.
5Mo 4,26 So rufe ich heute Himmel und Erde als Zeugen an: In diesem Fall werdet
ihr mit Sicherheit schnell aus dem Land verschwinden, das ihr jetzt erobert. Ihr
werdet nicht lange dort bleiben, sondern völlig vernichtet werden.
5Mo 4,27 Der Herr wird euch vertreiben, und nur wenige von euch werden in den
fremden Ländern überleben, in die er euch bringen wird.
5Mo 4,28 Dort müsst ihr Göttern dienen, die von Menschen gemacht sind, Götzen
aus Holz und Stein, die nicht sehen, nicht hören, nicht essen und nicht riechen
können.
5Mo 4,29 Dann werdet ihr den Herrn, euren Gott, suchen. Und ihr werdet ihn
finden, wenn ihr ehrlich und von ganzem Herzen nach ihm fragt.
5Mo 4,30 Wenn euch all dies am Ende der Zeit zustößt, werdet ihr in eurer Not
zum Herrn, eurem Gott, zurückkehren und wieder auf ihn hören.
5Mo 4,31 Denn der Herr, euer Gott, ist barmherzig. Er gibt euch nicht auf und
lässt euch niemals untergehen. Für immer hält er an dem Bund fest, den er mit
euren Vorfahren geschlossen hat. Denn das hat er geschworen.
5Mo 4,32 Denkt doch an die vergangenen Zeiten! Ist jemals etwas so Wunderbares
geschehen wie das, was ihr erlebt habt? Wird irgendwo Ähnliches berichtet, seit
Gott den Menschen geschaffen hat? Auf der ganzen Erde werdet ihr nichts
Vergleichbares finden!
5Mo 4,33 Hat je ein Volk Gottes Stimme aus dem Feuer gehört wie ihr, ohne dabei
zu sterben?
5Mo 4,34 Oder hat ein Gott jemals versucht, ein ganzes Volk mitten aus einem
fremden Land herauszuholen und es zu seinem Eigentum zu machen - so wie der
Herr, euer Gott, es mit euch in Ägypten getan hat? Vor euren Augen bewies er
seine Macht durch große Wunder, er versetzte eure Feinde in Angst und Schrecken
und kämpfte selbst für euch. So habt ihr seine große Stärke erfahren.
5Mo 4,35 Dies alles habt ihr gesehen, damit ihr erkennt: Der Herr allein ist
Gott; es gibt keinen außer ihm.
5Mo 4,36 Vom Himmel her ließ er euch seine Stimme hören, um euch zu sagen, was
er von euch will. Auf der Erde hat er euch sein Feuer gezeigt und aus den
Flammen zu euch gesprochen.
5Mo 4,37 Schon eure Vorfahren hat er geliebt und euch, ihre Nachkommen, als sein
Volk auserwählt. Deshalb hat er selbst euch mit Macht aus Ägypten befreit.
5Mo 4,38 Und jetzt vertreibt er ganze Völker, die größer und stärker sind als
ihr, und gibt euch für immer ihr Land.
5Mo 4,39 So begreift doch endlich, und nehmt euch zu Herzen, was ich sage: Der
Herr ist Gott im Himmel und auf der Erde, er allein!
5Mo 4,40 Haltet euch an seine Gebote und Weisungen, die ich euch heute gebe.
Dann wird es euch und euren Nachkommen gut gehen, und ihr werdet lange in dem
Land leben, das der Herr, euer Gott, euch für immer gibt.
5Mo 4,41 Zu dieser Zeit bestimmte Mose drei Städte östlich des Jordan
5Mo 4,42 als Zufluchtsorte für Totschläger. Wenn jemand einen anderen
versehentlich und nicht aus Feindschaft getötet hatte, konnte er in eine dieser
Städte fliehen und so sein Leben retten.
5Mo 4,43 Mose wählte die Stadt Bezer in der Steppe der Hochebene für den Stamm
Ruben aus, die Stadt Ramot in Gilead für den Stamm Gad und die Stadt Golan im
Land Baschan für den Stamm Manasse.
5Mo 4,44 Nun folgt das Gesetz, das Mose den Israeliten gab.
5Mo 4,45 All diese Gebote, Ordnungen und Weisungen legte Mose dem Volk vor, als
sie auf dem Weg von Ägypten her
5Mo 4,46 im östlichen Jordantal angekommen waren. Sie lagerten gegenüber von
Bet-Peor im Land des Amoriterkönigs Sihon. Sihon hatte in Heschbon gewohnt und
war von den Israeliten besiegt worden, als sie unter Moses Führung aus Ägypten
kamen.
5Mo 4,47 Nachdem sie das Königreich Sihons unterworfen hatten, eroberten sie
auch das Land Baschan, das König Og regiert hatte. Damit gehörte ihnen das ganze
Gebiet östlich des Jordan, über das die beiden amoritischen Könige geherrscht
hatten.
5Mo 4,48 Es reichte von der Stadt Aroër am Ufer des Arnonflusses im Süden bis
zum Berg Sihon, dem Hermon, im Norden
5Mo 4,49 und umfasste das östliche Jordantal bis hinab zu den Berghängen des
Pisga am Toten Meer.
5Mo 5,1 Mose rief das ganze Volk zusammen und sagte: Hört mir zu, ihr
Israeliten! Ich gebe euch jetzt die Gebote und Weisungen des Herrn. Prägt sie
euch ein, und lebt nach ihnen!
5Mo 5,2 Der Herr, unser Gott, hat am Berg Horeb einen Bund mit uns geschlossen.
5Mo 5,3 Er galt nicht unseren Vorfahren, sondern uns, die wir heute leben.
5Mo 5,4 Der Herr ist euch am Horeb begegnet und hat aus dem Feuer zu euch
gesprochen.
5Mo 5,5 Ich stand zwischen ihm und euch, um euch seine Worte weiterzugeben. Denn
ihr seid aus Angst vor dem Feuer nicht selbst auf den Berg gestiegen. Der Herr
sprach:
5Mo 5,6 »Ich bin der Herr, dein Gott; ich habe dich aus der Sklaverei in Ägypten
befreit.
5Mo 5,7 Du sollst außer mir keine anderen Götter verehren!
5Mo 5,8 Fertige dir keine Götzenstatue an, auch kein Abbild von irgendetwas am
Himmel, auf der Erde oder im Meer.
5Mo 5,9 Wirf dich nicht vor solchen Götterfiguren nieder, bring ihnen keine
Opfer dar! Denn ich bin der Herr, dein Gott. Ich dulde keinen neben mir! Wer
mich verachtet, den werde ich bestrafen. Sogar seine Kinder, Enkel und Urenkel
werden die Folgen spüren!
5Mo 5,10 Doch denen, die mich lieben und sich an meine Gebote halten, bin ich
gnädig. Sie und ihre Nachkommen werden meine Liebe erfahren über Tausende von
Generationen.
5Mo 5,11 Du sollst meinen Namen nicht missbrauchen, denn ich bin der Herr, dein
Gott! Ich lasse keinen ungestraft, der das tut.
5Mo 5,12 Achte den Sabbat als einen Tag, der mir allein geweiht ist! So habe ich
es dir befohlen.
5Mo 5,13 Sechs Tage sollst du deine Arbeit verrichten,
5Mo 5,14 aber der siebte Tag ist ein Ruhetag, der mir, dem Herrn, deinem Gott,
gehört. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, weder du noch deine Kinder,
weder dein Knecht noch deine Magd, weder dein Rind noch dein Esel, noch ein
anderes deiner Tiere, auch nicht der Fremde, der bei dir lebt. Dein Knecht und
deine Magd sollen genauso ausruhen wie du.
5Mo 5,15 Vergiss nicht, dass auch du einmal Sklave in Ägypten warst und dass
ich, der Herr, dein Gott, dich von dort mit gewaltigen Taten und großer Macht
befreit habe. Deshalb habe ich dir befohlen, den Sabbat als einen Tag zu achten,
der mir gehört.
5Mo 5,16 Ehre deinen Vater und deine Mutter! Das befehle ich, der Herr, dein
Gott. Dann wird es dir gut gehen, und du wirst lange in dem Land leben, das ich
dir gebe.
5Mo 5,17 Du sollst nicht töten.
5Mo 5,18 Du sollst nicht die Ehe brechen.
5Mo 5,19 Du sollst nicht stehlen.
5Mo 5,20 Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen!
5Mo 5,21 Du sollst nicht die Frau eines anderen Mannes begehren! Begehre auch
nichts von dem, was deinem Mitmenschen gehört: weder sein Haus noch sein Feld,
seinen Knecht oder seine Magd, Rinder, Esel oder irgendetwas anderes, was ihm
gehört.«
5Mo 5,22 Diese Worte sprach der Herr am Berg Horeb zu euch allen. Ihr habt dort
seine gewaltige Stimme aus dem Feuer und aus der dunklen Wolke gehört.
Anschließend schrieb er die Gebote auf zwei Steintafeln und gab sie mir.
5Mo 5,23 Als ihr die Stimme des Herrn aus der dunklen Wolke hörtet und den Berg
in Flammen saht, kamen die Oberhäupter eurer Stämme und Sippen zu mir
5Mo 5,24 und sagten: »Der Herr, unser Gott, hat uns seine Macht und Herrlichkeit
gezeigt! Heute haben wir seine Stimme aus dem Feuer gehört und erlebt, dass
Menschen nicht sterben müssen, wenn Gott mit ihnen redet.
5Mo 5,25 Trotzdem haben wir Angst, dass uns dieses gewaltige Feuer umbringt!
Wenn wir weiter die Stimme des Herrn, unseres Gottes, hören, werden wir mit
Sicherheit umkommen!
5Mo 5,26 Hat schon jemals ein Mensch den lebendigen Gott aus einem Feuer reden
hören wie wir und ist am Leben geblieben?
5Mo 5,27 Darum geh du allein hin und höre, was der Herr, unser Gott, uns zu
sagen hat; teil uns dann alles mit! Wir werden uns genau daran halten.«
5Mo 5,28 Der Herr hörte eure Bitte und sprach zu mir: »Was die Israeliten
vorschlagen, ist gut.
5Mo 5,29 Mögen sie immer so große Achtung vor mir haben und stets bereit sein,
nach meinen Geboten zu leben! Dann wird es ihnen und ihren Nachkommen für alle
Zeiten gut gehen.
5Mo 5,30 Geh und sag ihnen, sie sollen zu ihren Zelten zurückkehren.
5Mo 5,31 Du aber bleib hier bei mir! Ich will dir alle Gebote, Weisungen und
Ordnungen mitteilen, und du sollst sie dann den Israeliten erklären. Sie sollen
sich danach richten, wenn sie in dem Land leben, das ich ihnen schenken will.«
5Mo 5,32 Darum haltet euch an die Gebote des Herrn, eures Gottes, und weicht
nicht davon ab!
5Mo 5,33 Folgt immer dem Weg, den der Herr, euer Gott, euch gewiesen hat! Dann
werdet ihr am Leben bleiben. Es wird euch gut gehen, und ihr werdet für immer in
eurem Land wohnen können.
5Mo 6,1 Dies sind die Gebote, Ordnungen und Weisungen, die ich euch im Auftrag
des Herrn, eures Gottes, weitergeben soll. Ihr sollt euch daran halten, wenn ihr
das Land besitzt, in das ihr nun hinüberzieht.
5Mo 6,2 Euer ganzes Leben lang sollt ihr und eure Nachkommen Ehrfurcht vor dem
Herrn, eurem Gott, haben. Befolgt seine Ordnungen und Gebote, die ihr von mir
bekommt! Dann werdet ihr lange leben.
5Mo 6,3 Hört also gut zu, ihr Israeliten, und tut, was der Herr euch sagt! Dann
wird es euch gut gehen: Ihr werdet in einem Land wohnen, in dem Milch und Honig
fließen, und ihr werdet dort viele Kinder haben. Das hat euch der Herr, der Gott
eurer Vorfahren, versprochen.
5Mo 6,4 Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein.
5Mo 6,5 Ihr sollt ihn von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit all
eurer Kraft.
5Mo 6,6 Bewahrt die Worte im Herzen, die ich euch heute sage!
5Mo 6,7 Prägt sie euren Kindern ein! Redet immer und überall davon, ob ihr zu
Hause oder unterwegs seid, ob ihr euch schlafen legt oder aufsteht.
5Mo 6,8 Schreibt euch diese Worte zur Erinnerung auf ein Band, und bindet es um
die Hand und die Stirn!
5Mo 6,9 Ritzt sie ein in die Pfosten eurer Haustüren und Stadttore!
5Mo 6,10 Der Herr, euer Gott, wird euch nun in das Land bringen, das er euren
Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid versprochen hat. Er wird euch
dort große und schöne Städte geben, die ihr nicht erbaut habt,
5Mo 6,11 Häuser voller Güter, für die ihr nicht arbeiten musstet, Zisternen, die
ihr nicht ausgehoben habt, und Weinberge und Olivenhaine, die ihr nicht angelegt
habt. Ihr werdet essen können, soviel ihr wollt.
5Mo 6,12 Aber achtet darauf, dass ihr den Herrn nicht vergesst, euren Gott, der
euch aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.
5Mo 6,13 Nur vor ihm sollt ihr Ehrfurcht haben, nur ihm dienen und nur bei
seinem Namen schwören!
5Mo 6,14 Verehrt nicht die Götter eurer Nachbarvölker!
5Mo 6,15 Sonst wird der Herr, euer Gott, zornig und vernichtet euch. Denn er
wohnt mitten unter euch, und er duldet keinen anderen Gott neben sich.
5Mo 6,16 Fordert den Herrn, euren Gott, nicht heraus, wie ihr es in Massa getan
habt!
5Mo 6,17 Beachtet genau seine Gebote, Weisungen und Ordnungen!
5Mo 6,18 Tut, was in seinen Augen gut und gerecht ist! Dann wird es euch gut
gehen, und ihr werdet das schöne Land in Besitz nehmen, das der Herr euren
Vorfahren versprochen hat.
5Mo 6,19 Alle eure Feinde wird er vertreiben. So hat er es euch zugesagt.
5Mo 6,20 Später werden euch eure Kinder fragen: »Warum hat der Herr, unser Gott,
euch all diese Gesetze, Weisungen und Ordnungen gegeben?«
5Mo 6,21 Dann sollt ihr ihnen antworten: »Früher mussten wir als Sklaven für den
Pharao in Ägypten arbeiten. Aber der Herr hat uns mit starker Hand befreit.
5Mo 6,22 Vor unseren Augen hat er große Wunder getan und schreckliches Unglück
über Ägypten, den Pharao und seine Familie gebracht.
5Mo 6,23 Der Herr hat uns dort herausgeholt, um uns in das Land zu bringen, das
er unseren Vorfahren versprochen hatte.
5Mo 6,24 Dann gab er uns alle diese Ordnungen, damit wir uns daran halten und
Ehrfurcht vor ihm haben. So wird er dafür sorgen, dass es uns gut geht und wir
lange leben.
5Mo 6,25 Wenn wir alle diese Gebote befolgen, die uns der Herr, unser Gott,
gegeben hat, können wir vor ihm bestehen.«
5Mo 7,1 Der Herr, euer Gott, wird euch in das Land bringen, das ihr in Besitz
nehmen sollt. Dort wird er mächtige Völker vertreiben und euch ihr Land geben:
die Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und
Jebusiter - sieben Völker, die größer und stärker sind als ihr.
5Mo 7,2 Der Herr, euer Gott, wird sie euch ausliefern. Ihr sollt sein Urteil an
ihnen vollstrecken und sie töten. Verbündet euch nicht mit ihnen, und schont sie
nicht!
5Mo 7,3 Geht keine Ehen mit ihnen ein! Verheiratet eure Töchter nicht mit ihren
Söhnen, und nehmt ihre Töchter nicht als Frauen für eure Söhne!
5Mo 7,4 Sonst werden sie eure Kinder dazu verführen, dem Herrn den Rücken zu
kehren und anderen Göttern zu dienen. Darüber würde der Herr in Zorn geraten und
euch bald vernichten.
5Mo 7,5 Darum reißt ihre Altäre nieder, zerschmettert ihre heiligen Steinsäulen,
haut die Statuen der Göttin Aschera um, und verbrennt alle anderen
Götzenfiguren!
5Mo 7,6 Denn ihr seid ein heiliges Volk - ihr gehört ganz dem Herrn, eurem Gott.
Unter allen Völkern der Welt hat er euch als sein Volk ausgewählt.
5Mo 7,7 Das hat er nicht etwa getan, weil ihr zahlreicher wärt als die anderen
Völker. Denn ihr seid ja das kleinste von allen Völkern.
5Mo 7,8 Nein, aus Liebe hat er sich euch zugewandt und weil er das Versprechen
halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hat. Darum hat er euch mit großer
Macht aus der Sklaverei in Ägypten herausgeholt, er hat euch aus der Gewalt des
Pharaos, des Königs von Ägypten, befreit.
5Mo 7,9 So erkennt doch: Der Herr, euer Gott, ist der wahre und treue Gott! Über
Tausende von Generationen steht er zu seinem Bund und erweist allen seine Güte,
die ihn lieben und sich an seine Gebote halten.
5Mo 7,10 Die ihn aber hassen, bestraft er sofort mit dem Tod. Er wartet nicht,
sondern gibt ihnen gleich, was sie verdienen.
5Mo 7,11 Darum lebt nach den Weisungen, Ordnungen und Geboten, die ich euch
heute gebe!
5Mo 7,12 Wenn ihr sie befolgt, wird der Herr sich an seinen Bund mit euch
halten. Ihr werdet weiter seine Güte erfahren, wie er es euren Vorfahren
zugesagt hat.
5Mo 7,13 Er wird euch lieben und segnen, euch viele Kinder schenken und euer
Volk wachsen lassen. In dem Land, das er euren Vorfahren für euch versprochen
hat, werdet ihr Getreide, Weintrauben und Oliven in Hülle und Fülle ernten. Eure
Rinder, Schafe und Ziegen werden sich stark vermehren.
5Mo 7,14 Ihr werdet reicher gesegnet sein als alle anderen Völker. Niemand von
euch wird unfruchtbar sein, kein Mann, keine Frau und auch keines eurer Tiere.
5Mo 7,15 Der Herr wird euch vor jeder Krankheit bewahren. Die schrecklichen
Seuchen, die ihr in Ägypten kennen gelernt habt, wird er von euch fern halten
und sie denen schicken, die euch hassen.
5Mo 7,16 Alle Völker, die der Herr in eure Gewalt gibt, sollt ihr auslöschen!
Habt kein Mitleid mit ihnen! Dient niemals ihren Göttern, sonst geratet ihr in
eine tödliche Falle!
5Mo 7,17 Vielleicht denkt ihr: »Diese Völker sind mächtiger als wir. Wie können
wir sie vertreiben?«
5Mo 7,18 Fürchtet euch nicht vor ihnen! Erinnert euch nur daran, was der Herr,
euer Gott, mit dem Pharao und den Ägyptern gemacht hat!
5Mo 7,19 Ihr habt doch mit eigenen Augen das Unglück gesehen, das über Ägypten
hereingebrochen ist. Durch große Wunder und gewaltige Taten hat der Herr, euer
Gott, seine Macht gezeigt und euch mit starker Hand in die Freiheit geführt.
Genauso wird er seine Macht den Völkern zeigen, vor denen ihr euch jetzt
fürchtet.
5Mo 7,20 Der Herr wird Angst und Schrecken vor euch verbreiten und auch
diejenigen umkommen lassen, die zunächst übrig bleiben und sich vor euch
verstecken.
5Mo 7,21 Lasst euch also nicht von ihnen einschüchtern! Der Herr, euer Gott, ist
mitten unter euch, ein großer Gott, den man fürchten muss.
5Mo 7,22 Nach und nach wird er diese Völker vertreiben. Ihr werdet sie nicht
sofort besiegen können, denn sonst würden sich die wilden Tiere zu stark
vermehren und euch schaden.
5Mo 7,23 Der Herr, euer Gott, liefert diese Völker an euch aus. Er versetzt sie
in Angst und Schrecken, bis ihr sie besiegt habt.
5Mo 7,24 Ihre Könige gibt er in eure Gewalt, und ihr löscht jede Spur von ihnen
aus. Keiner wird euch standhalten. Ihr werdet sie restlos vernichten.
5Mo 7,25 Ihre Götzenstatuen sollt ihr verbrennen! Behaltet nichts von dem Silber
und Gold, mit dem sie überzogen sind. Lasst euch davon nicht verführen! Sonst
werdet ihr in den Götzendienst mit hineingezogen, und das hasst der Herr, euer
Gott.
5Mo 7,26 Bringt die abscheulichen Götzen nicht in eure Häuser, sonst trifft euch
Gottes Zorn, und ihr werdet wie sie vernichtet. Wendet euch mit Ekel und Grauen
von ihnen ab, denn Gott hat sein Urteil über sie gesprochen!
5Mo 8,1 Haltet euch genau an alle Gebote, die ich euch heute weitergebe! Dann
werdet ihr am Leben bleiben, viele Kinder haben und das Land einnehmen, das der
Herr euren Vorfahren versprochen hat.
5Mo 8,2 Erinnert euch an den langen Weg, den der Herr, euer Gott, euch bis
hierher geführt hat, an die vierzig Jahre in der Wüste. Er ließ euch in
Schwierigkeiten geraten, um euch auf die Probe zu stellen. So wollte er sehen,
wie ihr euch entscheiden würdet: ob ihr nach seinen Geboten leben würdet oder
nicht.
5Mo 8,3 Er legte euch Entbehrungen auf und ließ euch hungern. Dann gab er euch
das Manna zu essen, das weder ihr noch eure Vorfahren kanntet. Er wollte euch
damit zeigen, dass der Mensch nicht allein von Brot lebt, sondern von allem, was
der Herr ihm zusagt.
5Mo 8,4 In diesen vierzig Jahren ist eure Kleidung nicht verschlissen, und eure
Füße sind nicht geschwollen.
5Mo 8,5 Daran könnt ihr erkennen, dass der Herr, euer Gott, es gut mit euch
meint. Er erzieht euch wie ein Vater seine Kinder.
5Mo 8,6 Beachtet deshalb seine Weisungen! Lebt so, wie es ihm gefällt, und habt
Ehrfurcht vor ihm!
5Mo 8,7 Der Herr, euer Gott, bringt euch in ein gutes Land. Es ist reich an
Grundwasser, an Quellen und Bächen, die in den Bergen und Tälern entspringen.
5Mo 8,8 Es gibt dort Weizen und Gerste, Weintrauben und Feigen, Granatäpfel,
Oliven und Honig.
5Mo 8,9 Ihr werdet nicht von karger Kost leben müssen, es wird euch an nichts
fehlen. Das Gestein des Landes enthält Eisen, und in den Bergen könnt ihr Kupfer
gewinnen.
5Mo 8,10 Wenn ihr dann reichlich zu essen habt, preist den Herrn, euren Gott,
für das gute Land, das er euch geschenkt hat!
5Mo 8,11 Hütet euch davor, ihn zu vergessen und seine Gebote, Weisungen und
Ordnungen zu missachten, die ich euch heute weitergebe.
5Mo 8,12 Denn das könnte geschehen, wenn ihr genug zu essen habt, schöne Häuser
baut und bewohnt,
5Mo 8,13 wenn eure Herden wachsen und ihr reich werdet an Gold, Silber und
anderen Gütern.
5Mo 8,14 Dann könntet ihr überheblich werden und den Herrn, euren Gott,
vergessen. Dabei hat er euch aus der Sklaverei in Ägypten befreit.
5Mo 8,15 Er war es, der euch durch die große, schreckliche Wüste geführt hat, wo
Giftschlangen und Skorpione lauerten. In diesem ausgedörrten Land ließ er für
euch Wasser aus dem harten Fels hervorquellen
5Mo 8,16 und gab euch Manna zu essen, das eure Vorfahren nicht kannten. Durch
diese schwere Zeit wollte er euch auf die Probe stellen, um euch danach umso
mehr mit Gutem zu beschenken.
5Mo 8,17 Wenn dieses Gute nun kommt, sagt nicht: »Das haben wir aus eigener
Kraft geschafft, es ist unsere Leistung!«
5Mo 8,18 Denkt vielmehr an den Herrn, euren Gott, der euch die Kraft gibt,
Reichtum zu erwerben! Denn er hält sich an den Bund, den er mit euren Vorfahren
geschlossen hat und der heute auch für euch gilt.
5Mo 8,19 Wenn ihr aber den Herrn, euren Gott, vergesst und anderen Göttern
nachlauft, ihnen dient und sie anbetet, werdet ihr zugrunde gehen, das
versichere ich euch!
5Mo 8,20 Wenn ihr nicht auf den Herrn, euren Gott, hört, werdet ihr genauso
umkommen wie die Völker, die der Herr für euch vernichtet.
5Mo 9,1 Hört, ihr Israeliten! Ihr werdet jetzt den Jordan überqueren und das
Land auf der anderen Seite in Besitz nehmen. Ihr werdet Völker von dort
vertreiben, die größer und mächtiger sind als ihr. Sie wohnen in gewaltigen
Festungen mit himmelhohen Mauern.
5Mo 9,2 Unter ihnen ist auch ein mächtiges Volk von hoch gewachsenen Menschen,
die Anakiter. Ihr wisst, dass man sagt: »Anakiter sind unbesiegbar!«
5Mo 9,3 Aber ihr werdet sehen, dass der Herr, euer Gott, vor euch herzieht und
wie ein Feuer alles zerstört. Er besiegt diese Völker und gibt sie in eure
Gewalt. Mit seiner Hilfe könnt ihr sie schnell vertreiben und vernichten. So hat
er es euch versprochen.
5Mo 9,4 Wenn der Herr, euer Gott, dies für euch tut, dann denkt nicht: »Wir
bekommen dieses Land, weil wir so leben, wie es dem Herrn gefällt.« Nein, er
vertreibt diese Völker, weil sie von ihm nichts wissen wollen.
5Mo 9,5 Nicht wegen eurer Vollkommenheit und Aufrichtigkeit kommt ihr hinein!
Die Bewohner Kanaans müssen euch weichen, weil sie gottlos sind und weil der
Herr ihr Land euren Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid versprochen
hat.
5Mo 9,6 Begreift doch: Ihr habt dieses gute Land nicht verdient! Im Gegenteil,
ihr seid ein widerspenstiges Volk.
5Mo 9,7 Denkt nur daran, und vergesst nie, wie ihr in der Wüste den Zorn des
Herrn, eures Gottes, herausgefordert habt. Auf dem ganzen Weg von Ägypten bis
hierher habt ihr euch gegen ihn aufgelehnt.
5Mo 9,8 Am Berg Horeb habt ihr den Herrn so zornig gemacht, dass er euch
vernichten wollte.
5Mo 9,9 Ich war gerade auf den Berg gestiegen, um dort vom Herrn die Steintafeln
mit den Geboten des Bundes zu empfangen, den er mit euch geschlossen hatte.
Vierzig Tage und Nächte blieb ich oben, ohne etwas zu essen und zu trinken.
5Mo 9,10 [10/11] Danach übergab der Herr mir die beiden Tafeln. Er selbst hatte
die Worte darauf geschrieben, die er aus dem Feuer zu euch gesprochen hatte, als
ihr am Fuß des Berges versammelt wart.
5Mo 9,12 Er sagte zu mir: »Steig schnell hinab, denn dein Volk, das du aus
Ägypten herausgeführt hast, hat große Schuld auf sich geladen. Wie schnell haben
sie sich von meinen Geboten abgewandt! Sie haben sich eine Götzenfigur aus
Metall gegossen!
5Mo 9,13 Ich weiß jetzt, dass dieses Volk sich immer wieder gegen mich auflehnt.
5Mo 9,14 Versuch nicht, mich aufzuhalten, denn ich will sie vernichten und jede
Spur von ihnen auslöschen. Deine Nachkommen aber werde ich zu einem Volk machen,
das noch größer und mächtiger ist als sie.«
5Mo 9,15 Da wandte ich mich um und stieg vom Berg herab, der immer noch in
Flammen stand. In meinen Händen hielt ich die beiden Steintafeln mit den Geboten
des Bundes.
5Mo 9,16 Ich erkannte sofort, dass ihr am Herrn, eurem Gott, schuldig geworden
wart: Ihr hattet euch ein goldenes Kalb gegossen. So schnell hattet ihr euch von
den Geboten des Herrn abgewandt!
5Mo 9,17 Da schleuderte ich die beiden Steintafeln zu Boden und zerschmetterte
sie vor euren Augen.
5Mo 9,18 [18/19] Ich warf mich vor dem Herrn nieder und betete noch einmal
vierzig Tage und Nächte lang, ohne zu essen und zu trinken. Ihr hattet große
Schuld auf euch geladen und getan, was der Herr hasst. Nun war er so zornig auf
euch, dass ich fürchtete, er würde euch vernichten. Aber auch diesmal erhörte er
mich.
5Mo 9,20 Ich betete auch für Aaron, denn der Herr war voller Zorn über ihn und
wollte ihn töten.
5Mo 9,21 Das Kalb, dieses abscheuliche Zeichen eurer Sünde, das ihr euch
angefertigt hattet, schmolz ich ein. Ich zerrieb und zermalmte es zu Staub und
streute ihn in den Bach, der vom Berg herabfließt.
5Mo 9,22 Auch in Tabera, in Massa und in Kibrot-Hattaawa habt ihr den Zorn des
Herrn herausgefordert,
5Mo 9,23 ebenso in Kadesch-Barnea. Dort hatte der Herr euch befohlen: »Zieht
los, und nehmt das Land ein, das ich euch geben will!« Ihr aber wolltet seinem
Befehl nicht folgen. Ihr habt ihm nicht vertraut und nicht auf ihn gehört.
5Mo 9,24 Seit ich euch kenne, lehnt ihr euch gegen den Herrn auf!
5Mo 9,25 Am Berg Horeb warf ich mich vor dem Herrn auf den Boden und betete
vierzig Tage und Nächte lang für euch. Denn er hatte angedroht, euch zu
vernichten.
5Mo 9,26 Ich flehte ihn an: »Herr, mein Gott, bitte bring dein Volk nicht um! Es
gehört doch dir! Du hast es durch deine Macht befreit, mit starker Hand hast du
es aus Ägypten herausgeführt.
5Mo 9,27 Denk an Abraham, Isaak und Jakob, die dir gedient haben! Rechne diesem
Volk seine Widerspenstigkeit, seine Bosheit und seine große Schuld nicht an!
5Mo 9,28 Sonst werden die Ägypter behaupten: ›Der Herr konnte sie nicht in das
Land bringen, das er ihnen versprochen hat. Vielleicht hat er sie auch nur aus
unserem Land herausgeholt, weil er sie hasste und in der Wüste töten wollte.‹
5Mo 9,29 Herr, sie sind doch das Volk, das dir gehört! Du hast sie mit großer
Macht und mit starker Hand befreit.«
5Mo 10,1 Der Herr antwortete mir: »Meißle dir zwei Steintafeln zurecht, wie die
ersten beiden, die du zerschmettert hast, und komm damit zu mir auf den Berg!
Fertige auch einen Kasten aus Holz an,
5Mo 10,2 in den du sie legen kannst. Ich werde noch einmal dasselbe auf die
Steintafeln schreiben wie beim ersten Mal.«
5Mo 10,3 Ich fertigte den Kasten aus Akazienholz an; dann meißelte ich aus Stein
zwei Tafeln zurecht, mit denen ich auf den Berg stieg.
5Mo 10,4 Der Herr schrieb noch einmal die Zehn Gebote darauf, die er euch
gegeben hatte, als ihr unten am Berg versammelt wart und er aus dem Feuer zu
euch sprach. Dann gab er mir die Tafeln,
5Mo 10,5 und ich kehrte damit zu euch zurück und legte sie in den Kasten, den
ich gebaut hatte. Dort sind sie noch immer, wie der Herr es befohlen hat.
5Mo 10,6 Die Israeliten brachen auf und zogen von Beerot-Bene-Jaakan nach Moser.
Dort starb Aaron und wurde begraben. Sein Sohn Eleasar wurde an seiner Stelle
Hoherpriester.
5Mo 10,7 Dann zog das Volk weiter nach Gudgoda und von dort nach Jotbata, wo es
viele Bäche gibt.
5Mo 10,8 Damals wählte der Herr den Stamm der Leviten für eine besondere Aufgabe
aus: Sie sollten den Kasten mit den Steintafeln - die Bundeslade - tragen, dem
Herrn im Heiligtum dienen und die Israeliten in seinem Namen segnen. So ist es
bis heute geblieben.
5Mo 10,9 Deshalb bekommen die Leviten kein eigenes Gebiet wie die anderen
Stämme. Der Herr selbst ist ihr Anteil und Erbe; er sorgt für sie, wie er es
ihnen versprochen hat.
5Mo 10,10 Als ich zum zweiten Mal vierzig Tage und Nächte auf dem Berg war,
erhörte mich der Herr und beschloss, euch nicht zu vernichten.
5Mo 10,11 Er forderte mich auf: »Gib den Israeliten den Befehl zum Aufbruch, und
geh ihnen voran! Sie sollen nun in das versprochene Land ziehen und es
einnehmen. Ich will es ihnen jetzt geben, wie ich es ihren Vorfahren zugesagt
habe.«
5Mo 10,12 Nun, ihr Israeliten! Was verlangt der Herr, euer Gott, von euch?
Nichts anderes, als dass ihr ihn achtet und immer seinen Wegen folgt, dass ihr
ihn liebt und ihm von ganzem Herzen mit aller Hingabe dient.
5Mo 10,13 Richtet euch nach seinen Geboten und Ordnungen, die ich euch heute
gebe! Dann wird es euch gut gehen.
5Mo 10,14 Dem Herrn, eurem Gott, gehört der weite Himmel, die Erde und alles,
was dort lebt.
5Mo 10,15 Doch euren Vorfahren wandte er seine besondere Liebe zu. Euch, ihre
Nachkommen, hat er aus allen Völkern auserwählt, sein Volk zu sein. Das seid ihr
heute noch!
5Mo 10,16 Deshalb wendet euch von ganzem Herzen dem Herrn zu, und gebt euren
hartnäckigen Widerstand auf!
5Mo 10,17 Denn der Herr, euer Gott, ist größer als alle Götter und mächtiger als
alle Herrscher! Er ist der große und starke Gott, den man fürchten muss. Er ist
gerecht und unbestechlich.
5Mo 10,18 Den Waisen und Witwen verhilft er zu ihrem Recht. Er liebt die
Ausländer und gibt ihnen Nahrung und Kleidung.
5Mo 10,19 Zeigt auch ihr den Ausländern eure Liebe! Denn ihr habt selbst einmal
als Ausländer in Ägypten gelebt.
5Mo 10,20 Habt Ehrfurcht vor dem Herrn, eurem Gott! Dient ihm, und haltet ihm
die Treue! Schwört nur bei seinem Namen!
5Mo 10,21 Ihr könnt stolz darauf sein, dass er euer Gott ist! Welch gewaltige
und furchterregende Taten hat er vor euren Augen vollbracht!
5Mo 10,22 Als eure Vorfahren nach Ägypten zogen, waren sie nur siebzig Leute.
Heute hat der Herr, euer Gott, ein großes Volk aus euch gemacht, so zahlreich
wie die Sterne am Himmel.
5Mo 11,1 Ihr sollt den Herrn, euren Gott, lieben und auf ihn hören! Lebt nach
seinen Ordnungen, Weisungen und Geboten!
5Mo 11,2 Denkt daran, was er getan hat, um euch zu erziehen! Die Älteren unter
euch waren noch dabei, als der Herr, euer Gott, in Ägypten seine Macht und
Stärke gezeigt hat. Eure Kinder haben es nicht miterlebt,
5Mo 11,3 aber ihr habt gesehen, welche gewaltigen und unfassbaren Taten der Herr
in Ägypten vollbracht hat, was er mit dem Pharao, dem König von Ägypten, und mit
seinem Volk getan hat.
5Mo 11,4 Als das ägyptische Heer euch mit Reitern und Kriegswagen nachjagte,
ließ er sie im Schilfmeer untergehen. Er hat sie vollständig vernichtet. Bis
heute hat sich Ägypten nicht von diesem Schlag erholt.
5Mo 11,5 Denkt auch an alles, was der Herr euch auf dem Weg durch die Wüste
erleben ließ.
5Mo 11,6 Ihr wart dabei, als er Datan und Abiram, die Söhne Eliabs vom Stamm
Ruben, bestraft hat: Mitten in eurem Lager öffnete sich der Erdboden und riss
die beiden in die Tiefe, mitsamt ihren Familien, ihren Zelten und allen, die
sich ihnen angeschlossen hatten.
5Mo 11,7 Mit eigenen Augen habt ihr diese gewaltigen Taten des Herrn gesehen.
5Mo 11,8 Lebt darum nach seinen Geboten, die ich euch heute gebe! Dann werdet
ihr stark sein und das Land einnehmen, in das ihr jetzt zieht;
5Mo 11,9 ihr werdet lange dort leben. Der Herr hat es euren Vorfahren und euch
versprochen, es ist das Land, in dem Milch und Honig fließen.
5Mo 11,10 In Ägypten musstet ihr jedes Feld nach der Aussaat mühsam mit dem
Schöpfrad bewässern wie einen Gemüsegarten.
5Mo 11,11 Das Land aber, in das ihr nun geht, wird vom Regen bewässert, der
reichlich auf die Berge und Täler fällt.
5Mo 11,12 Der Herr sorgt das ganze Jahr über für dieses Land, sein Blick ist
stets darauf gerichtet.
5Mo 11,13 Hört genau auf die Gebote, die ich euch heute gebe! Liebt den Herrn,
euren Gott! Dient ihm von ganzem Herzen und mit aller Hingabe!
5Mo 11,14 Dann lässt er es in eurem Land immer rechtzeitig im Herbst und im
Frühling regnen, und ihr könnt Getreide, Weintrauben und Oliven ernten.
5Mo 11,15 Immer habt ihr reichlich zu essen, und euer Vieh grast auf saftigen
Weiden.
5Mo 11,16 Gebt Acht! Lasst euch nicht dazu verführen, dem Herrn den Rücken zu
kehren! Dient keinen anderen Göttern, betet sie nicht an!
5Mo 11,17 Sonst wird der Herr zornig auf euch und lässt es nicht mehr regnen, so
dass auf den Feldern nichts mehr wächst. In kurzer Zeit werdet ihr umkommen und
nichts mehr von dem guten Land haben, das der Herr euch jetzt gibt.
5Mo 11,18 Bewahrt deshalb diese Worte im Herzen! Denkt immer daran! Schreibt sie
zur Erinnerung auf ein Band, und bindet es um die Hand und die Stirn!
5Mo 11,19 Bringt die Gebote euren Kindern bei! Redet immer und überall davon, ob
ihr zu Hause oder unterwegs seid, ob ihr euch schlafen legt oder aufsteht!
5Mo 11,20 Ritzt sie ein in die Pfosten eurer Haustüren und Stadttore!
5Mo 11,21 Solange Himmel und Erde bestehen, werdet ihr und eure Nachkommen dann
in dem Land bleiben können, das der Herr euren Vorfahren versprochen hat.
5Mo 11,22 Darum sollt ihr euch genau nach allen Geboten richten, die ich euch
heute gebe. Liebt den Herrn, euren Gott! Folgt immer seinen Wegen, und haltet
ihm die Treue! Wenn ihr das tut,
5Mo 11,23 wird der Herr alle Völker Kanaans vertreiben und euch ihr Land geben.
Ihr werdet es erobern, obwohl diese Völker größer und stärker sind als ihr.
5Mo 11,24 Das ganze Gebiet zwischen der Wüste im Süden und dem Libanongebirge im
Norden, zwischen dem Mittelmeer im Westen und dem Euphrat im Osten wird euch
gehören. Ihr werdet dort jeden Flecken Erde erobern, den ihr betretet.
5Mo 11,25 Niemand wird euch standhalten können. Überall wird der Herr die
Menschen vor euch in Angst und Schrecken versetzen. Das hat er versprochen.
5Mo 11,26 Nun müsst ihr euch entscheiden: Wählt zwischen Segen und Fluch!
5Mo 11,27 [27/28] Der Herr, euer Gott, wird euch segnen, wenn ihr auf seine
Gebote achtet. Doch sein Fluch trifft euch, wenn ihr nicht darauf hört, sondern
vom Weg abweicht, den ich euch heute zeige, wenn ihr anderen Göttern nachlauft,
die ihr bisher nicht einmal kanntet.
5Mo 11,29 Der Herr wird euch jetzt in euer neues Land bringen. Dann sollt ihr
die Segensworte auf dem Berg Garizim ausrufen und die Fluchandrohungen auf dem
Berg Ebal.
5Mo 11,30 Beide Berge liegen drüben am Rand der Jordanebene, in der die
Kanaaniter leben, westlich des Hauptwegs beim Orakelbaum, gegenüber von Gilgal.
5Mo 11,31 Ja, ihr überquert jetzt den Jordan und nehmt das Land drüben ein. Der
Herr gibt es euch, und ihr werdet von nun an dort leben.
5Mo 11,32 Haltet euch deshalb genau an alle Gebote und Ordnungen, die ich euch
heute sage!
5Mo 12,1 Bald werdet ihr in dem Land wohnen, das der Herr, der Gott eurer
Vorfahren, euch gibt. Ich teile euch nun die Ordnungen und Gebote mit, die ihr
dort euer Leben lang befolgen sollt.
5Mo 12,2 Zerstört alle Stätten, an denen die Völker, die ihr vertreibt, ihre
Götter verehrt haben: auf den Berggipfeln und Hügeln und unter allen dicht
belaubten Bäumen.
5Mo 12,3 Reißt die Altäre nieder, zerschlagt die heiligen Säulen! Verbrennt die
Pfähle der Göttin Aschera, und zerschmettert alle Götzenstatuen! Löscht jede
Spur davon aus!
5Mo 12,4 Ihr dürft den Herrn, euren Gott, nicht auf die gleiche Weise verehren
wie diese Völker ihre Götter.
5Mo 12,5 Der Herr wird mitten in Israel einen Ort auswählen, an dem er wohnen
will. Nur dort sollt ihr dann
5Mo 12,6 eure Brand- und Schlachtopfer darbringen. Auch den zehnten Teil eurer
Ernte, eure Abgaben für die Opfer und die erstgeborenen Tiere könnt ihr dort
abliefern sowie alles, was ihr dem Herrn versprochen habt oder ihm freiwillig
darbringen wollt.
5Mo 12,7 Denn dort wohnt der Herr. In seiner Gegenwart sollt ihr mit euren
Familien feiern, essen und euch an allem freuen, was ihr erarbeitet und von ihm
geschenkt bekommen habt.
5Mo 12,8 Es soll dann anders sein als heute. Denn bisher opfert jeder von euch,
wo er es für richtig hält.
5Mo 12,9 Ihr seid ja auch noch nicht am Ziel und habt das Land noch nicht
bekommen, das der Herr, euer Gott, euch für immer schenken will.
5Mo 12,10 Aber nun werdet ihr den Jordan überqueren und in dem Land wohnen, das
euch der Herr, euer Gott, anvertraut. Er wird dafür sorgen, dass die Feinde
ringsum euch in Ruhe lassen und ihr in Frieden leben könnt.
5Mo 12,11 Dann wird der Herr, euer Gott, sich einen Ort auswählen, an dem er
wohnen will. Dorthin sollt ihr alles bringen, was ich euch vorschreibe: eure
Brand- und Schlachtopfer, den zehnten Teil eurer Ernte, die Abgaben für die
Opfer sowie alle besonderen Gaben, die ihr dem Herrn versprochen habt.
5Mo 12,12 In der Gegenwart des Herrn sollt ihr fröhlich feiern, zusammen mit
euren Söhnen und Töchtern, euren Sklaven und Sklavinnen. Ladet auch die Leviten
aus euren Städten dazu ein, denn sie besitzen keine eigenen Ländereien.
5Mo 12,13 Hütet euch davor, eure Brandopfer an jeder beliebigen Stelle
darzubringen!
5Mo 12,14 Opfert allein an dem Ort, den der Herr in einem eurer Stammesgebiete
aussuchen wird, und haltet euch an meine Weisungen!
5Mo 12,15 Nur wenn ihr für euch selbst ein Tier zum Essen schlachten wollt,
könnt ihr das an eurem Wohnort tun. Ihr dürft dazu alle Tiere nehmen, die euch
der Herr, euer Gott, geschenkt hat. Ihr könnt sie essen, so wie Hirsche und
Gazellen, die nicht geopfert werden dürfen. Es ist auch gleichgültig, ob ihr
gerade rein oder unrein seid. Jeder darf an der Mahlzeit teilnehmen.
5Mo 12,16 Nur das Blut der Tiere sollt ihr nicht mitessen. Schüttet es auf die
Erde wie Wasser!
5Mo 12,17 Doch was dem Herrn geweiht ist, dürft ihr nicht in euren Städten
verzehren, weder den zehnten Teil von Getreide, Weintrauben und Oliven noch die
erstgeborenen Rinder, Schafe und Ziegen, auch nicht eure Abgaben für das
Heiligtum oder etwas, was ihr dem Herrn aufgrund eines Versprechens oder
freiwillig gebt.
5Mo 12,18 All dies sollt ihr in der Gegenwart des Herrn, eures Gottes, essen, an
dem Ort, den er auswählen wird. Dort sollt ihr zusammenkommen mit euren Söhnen
und Töchtern, euren Sklaven und Sklavinnen und den Leviten aus euren Städten. So
könnt ihr fröhlich die Früchte eurer Arbeit genießen.
5Mo 12,19 Achtet darauf, dass ihr die Leviten immer mit versorgt, solange ihr in
eurem Land lebt.
5Mo 12,20 [20/21] Viele von euch werden dann weit entfernt von dem Ort leben, an
dem der Herr wohnen will. Deshalb ordne ich an, dass ihr an euren Wohnorten
schlachten dürft. Wenn ihr Fleisch essen wollt, könnt ihr eure Rinder, Schafe
und Ziegen schlachten. Dies dürft ihr an jedem beliebigen Ort tun.
5Mo 12,22 Ihr könnt die Tiere essen, so wie Hirsche und Gazellen, die nicht
geopfert werden dürfen . Es ist auch gleichgültig, ob ihr gerade rein oder
unrein seid. Jeder darf an der Mahlzeit teilnehmen.
5Mo 12,23 Nur das Blut der Tiere sollt ihr nicht mitessen! Denn im Blut ist das
Leben. Ihr sollt es nicht zusammen mit dem Fleisch verzehren.
5Mo 12,24 Schüttet es auf die Erde wie Wasser!
5Mo 12,25 So verhaltet ihr euch in den Augen des Herrn richtig. Er wird dann
dafür sorgen, dass es euch und euren Nachkommen gut geht.
5Mo 12,26 Eure Opfergaben aber und alles, was ihr dem Herrn versprochen habt,
müsst ihr an den Ort bringen, den er auswählt!
5Mo 12,27 Auf seinem Altar sollt ihr eure Brandopfer mit Fleisch und Blut
verbrennen. Das Blut eurer Schlachtopfertiere gießt an den Altar, bevor ihr das
Fleisch esst!
5Mo 12,28 Beachtet alle Weisungen, die ich euch gebe! Dann wird es euch und
euren Nachkommen für immer gut gehen; denn ihr tut, was in den Augen des Herrn,
eures Gottes, gut und richtig ist.
5Mo 12,29 Der Herr, euer Gott, wird die Völker ausrotten, zu denen ihr nun
kommt. Ihr werdet sie aus ihrem Land vertreiben und euch selbst dort ansiedeln.
5Mo 12,30 Aber lasst euch nicht zum Götzendienst verführen, nachdem ihr diese
Völker besiegt habt. Versucht nicht herauszufinden, wie sie ihre Götter verehrt
haben. Sagt nicht: »Wir wollen es so machen wie sie!«
5Mo 12,31 Das dürft ihr dem Herrn, eurem Gott, nicht antun! Denn diese Völker
haben getan, was der Herr verabscheut. Sogar ihre Kinder haben sie für ihre
Götter verbrannt.
5Mo 13,1 Haltet euch genau an alle Weisungen, die ich euch gebe! Fügt nichts
hinzu, und lasst nichts weg!
5Mo 13,2 In eurem Volk werden sich Leute als Propheten ausgeben oder behaupten,
durch Träume Offenbarungen zu empfangen. Sie werden besondere Ereignisse oder
Wunder ankündigen,
5Mo 13,3 die tatsächlich eintreffen. Zugleich werden sie euch auffordern:
»Kommt, wir folgen anderen Göttern, die ihr noch nicht kennt! Wir wollen ihnen
dienen.«
5Mo 13,4 Hört nicht auf sie! Der Herr, euer Gott, stellt euch durch solche
Menschen auf die Probe. Er will sehen, ob ihr ihn von ganzem Herzen und mit
aller Hingabe liebt.
5Mo 13,5 Ihm sollt ihr nachfolgen, vor ihm sollt ihr Ehrfurcht haben. Nur nach
seinen Geboten sollt ihr leben und allein auf ihn hören. Ihr sollt ihm dienen
und die Treue halten!
5Mo 13,6 Denn er hat euch aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Solche Propheten
und Träumer aber versuchen, euch gegen ihn aufzuwiegeln. Sie wollen euch von dem
Weg abbringen, den er euch vorgegeben hat. Deshalb müssen sie sterben. Ihr dürft
das Böse in eurem Volk nicht dulden!
5Mo 13,7 Das gilt selbst dann, wenn der Verführer dein eigener Bruder oder dein
Sohn, deine Tochter, deine geliebte Frau oder dein bester Freund ist. Vielleicht
sagt einer von ihnen heimlich zu dir: »Komm, lass uns anderen Göttern dienen!«
Es werden Götter sein, die du nicht kennst und von denen auch deine Vorfahren
nichts wussten,
5Mo 13,8 Götter von nahen oder fernen Völkern, ja, selbst Götter, die man am
anderen Ende der Welt verehrt.
5Mo 13,9 Hör nicht auf ihn, und geh nicht darauf ein! Du darfst den Vorfall
nicht vertuschen und deinen Freund oder Verwandten nicht schonen. Hab kein
Erbarmen mit ihm!
5Mo 13,10 Wirf selbst den ersten Stein, um ihn zu töten, und nach dir sollen die
anderen aus deinem Volk ihn steinigen.
5Mo 13,11 Er muss unbedingt sterben! Denn er wollte, dass du dem Herrn die Treue
brichst, deinem Gott, der euch doch aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.
5Mo 13,12 Ganz Israel soll davon erfahren, damit alle gewarnt sind und so etwas
Abscheuliches nicht wieder vorkommt.
5Mo 13,13 [13/14] Es kann auch geschehen, dass gewissenlose Menschen aus eurem
Volk eine ganze Stadt, die der Herr euch gibt, zum Götzendienst verführen. Wenn
ihr davon hört,
5Mo 13,15 sollt ihr genau nachforschen, Zeugen befragen und der Sache auf den
Grund gehen. Beruht das Gerücht auf Tatsachen, und stellt sich heraus, dass
wirklich etwas so Abscheuliches in eurem Land geschehen ist,
5Mo 13,16 dann tötet alle Einwohner dieser Stadt mit dem Schwert. Ihr müsst
Gottes Strafe an ihnen und an allem, was es in der Stadt gibt, vollstrecken.
Tötet auch die Tiere!
5Mo 13,17 Tragt das Eigentum der Einwohner auf einem Platz mitten im Ort
zusammen, und brennt dann die ganze Stadt nieder! Alles in ihr soll als Opfer
für den Herrn verbrannt werden. Sie soll für immer ein Schutthaufen bleiben und
nie wieder aufgebaut werden.
5Mo 13,18 [18/19] Behaltet nichts vom Eigentum der Einwohner, das nach Gottes
Urteil vernichtet werden muss! Dann wird er nicht länger zornig auf euch sein,
sondern euch von neuem seine Liebe zeigen. Hört genau auf seine Worte! Gehorcht
all seinen Weisungen, die ich euch heute gebe! Verhaltet euch so, wie es dem
Herrn, eurem Gott, gefällt! Dann wird er euch gnädig sein und euer Volk weiter
wachsen lassen, wie er es euren Vorfahren versprochen hat.
5Mo 14,1 Ihr seid Kinder des Herrn, eures Gottes! Deshalb sollt ihr euch nicht
die Haut einritzen oder das Haar über der Stirn abrasieren, wenn ihr um einen
Verstorbenen trauert.
5Mo 14,2 Denn ihr seid ein heiliges Volk, ihr gehört ganz dem Herrn, eurem Gott.
Er hat euch aus allen Völkern der Welt zu seinem Eigentum erwählt.
5Mo 14,3 Esst keine Tiere, die der Herr verabscheut und euch verboten hat!
5Mo 14,4 Essen dürft ihr Rinder, Schafe, Ziegen,
5Mo 14,5 Hirsche, Gazellen, Damwild, Steinböcke, Antilopen, Wildschafe und
Gämsen.
5Mo 14,6 Alle Tiere, die wiederkäuen und vollständig gespaltene Hufe oder Pfoten
haben, sind für euch erlaubt.
5Mo 14,7 Nicht essen sollt ihr Tiere, die zwar wiederkäuen, aber keine ganz
gespaltenen Hufe oder Pfoten haben, wie Kamel, Hase und Klippdachs. Sie sind
unrein für euch.
5Mo 14,8 Dasselbe gilt für das Schwein, das zwar gespaltene Hufe hat, aber nicht
wiederkäut. Esst kein Fleisch von solchen unreinen Tieren, und berührt auch
nicht ihre Kadaver!
5Mo 14,9 Von den Tieren im Wasser dürft ihr jedes essen, das Flossen und
Schuppen hat.
5Mo 14,10 Alle anderen sind unrein für euch.
5Mo 14,11 Auch von den Vögeln sollt ihr nur die reinen essen.
5Mo 14,12 Nicht essen dürft ihr Gänsegeier, Lämmergeier, Mönchsgeier,
5Mo 14,13 Gabelweihe, Königsweihe und alle anderen Arten des Geiers,
5Mo 14,14 alle Arten des Raben,
5Mo 14,15 Strauß, Falke, Seemöwe, alle Habichtarten,
5Mo 14,16 Steinkauz, Ibis, Schleiereule,
5Mo 14,17 Wüstenkauz, Aasgeier, Fischeule,
5Mo 14,18 Storch, alle Reiherarten, Wiedehopf und Fledermaus.
5Mo 14,19 Ihr sollt auch keine geflügelten Insekten essen. All diese Tiere sind
unrein für euch.
5Mo 14,20 Esst nur Vögel, die rein sind!
5Mo 14,21 Esst auch kein verendetes Tier! Ihr könnt es den Ausländern geben, die
in euren Städten wohnen, oder an andere Fremde verkaufen. Sie dürfen es essen.
Aber ihr selbst sollt nichts davon nehmen, weil ihr ein heiliges Volk seid und
ganz dem Herrn, eurem Gott, gehört. Kocht ein Ziegenböckchen nicht in der Milch
seiner Mutter!
5Mo 14,22 [22/23] Bringt jedes Jahr den zehnten Teil eurer Getreide-,
Weintrauben- und Olivenernte sowie eure erstgeborenen Kälber, Lämmer und
Ziegenböckchen an den Ort, wo der Herr, euer Gott, wohnt. Dort sollt ihr die
Opfermahlzeit halten. Auf diese Weise werdet ihr lernen, euer Leben lang
Ehrfurcht vor dem Herrn zu haben.
5Mo 14,24 Wenn ihr aber weit vom Heiligtum entfernt wohnt und der Herr euch sehr
reich beschenkt hat, könnt ihr den zehnten Teil der Ernte vielleicht nicht
dorthin bringen.
5Mo 14,25 Dann verkauft ihn, und kommt mit dem Geld an den Ort, den der Herr,
euer Gott, auswählt.
5Mo 14,26 Hier kauft euch alles, was ihr gern hättet: Rinder, Schafe, Ziegen,
Wein oder ein anderes berauschendes Getränk und was ihr euch sonst noch wünscht.
Feiert mit euren Familien in der Gegenwart des Herrn ein fröhliches Fest, esst
und trinkt!
5Mo 14,27 Vergesst dabei nicht die Leviten, die in euren Städten wohnen, denn
sie besitzen keine eigenen Ländereien.
5Mo 14,28 In jedem dritten Jahr sollt ihr den zehnten Teil eurer Ernte in euren
Städten und Dörfern sammeln und lagern.
5Mo 14,29 Er ist für die Leviten bestimmt, die kein eigenes Land haben, und für
die Ausländer, die Waisen und die Witwen. Sie können sich davon nehmen, was sie
brauchen. Wenn ihr sie gut versorgt, wird der Herr, euer Gott, euch segnen und
all eure Arbeit gelingen lassen.
5Mo 15,1 Am Ende jedes siebten Jahres sollt ihr einander eure Schulden erlassen.
5Mo 15,2 Wenn ihr jemandem aus eurem Volk etwas geliehen habt, dann fordert es
nicht mehr zurück, und zwingt eure Schuldner nicht zur Rückzahlung! Denn zur
Ehre des Herrn wurde das Jahr des Schuldenerlasses bestimmt.
5Mo 15,3 Nur wenn Ausländer euch etwas schulden, dürft ihr es zurückverlangen.
Euren Landsleuten aber sollt ihr alles erlassen,
5Mo 15,4 damit keiner von euch verarmt. Der Herr, euer Gott, will euch in dem
Land, das er euch für immer gibt, reich beschenken.
5Mo 15,5 Aber dazu müsst ihr auf ihn hören und die Gebote genau beachten, die
ich euch heute gebe.
5Mo 15,6 Dann wird der Herr, euer Gott, euch segnen, wie er es versprochen hat.
Ihr werdet so reich sein, dass ihr Menschen aus vielen Völkern etwas leihen
könnt und selbst nichts borgen müsst. Ihr werdet Macht über sie gewinnen und
selbst unabhängig sein.
5Mo 15,7 Seid nicht hartherzig gegenüber den Armen, die mit euch in dem Land
leben, das der Herr, euer Gott, euch schenkt. Sie sind eure Nachbarn und
Landsleute! Verschließt euch nicht vor ihrer Not!
5Mo 15,8 Seid großzügig, und leiht ihnen, soviel sie brauchen,
5Mo 15,9 auch wenn das siebte Jahr nahe ist. Denkt dann nicht: »Was ich jetzt
verleihe, bekomme ich nicht mehr zurück!« Seid nicht geizig! Verweigert den
Armen aus eurem Volk nicht die nötige Hilfe! Sonst werden sie zum Herrn um Hilfe
rufen, und ihr macht euch schuldig.
5Mo 15,10 Gebt ihnen gern, was sie brauchen, ohne jeden Widerwillen. Dafür wird
euch der Herr, euer Gott, bei all eurer Arbeit segnen und alles gelingen lassen,
was ihr euch vornehmt.
5Mo 15,11 Es wird immer Arme in eurem Land geben. Deshalb befehle ich euch:
Helft den Menschen großzügig, die in Armut und Not geraten sind!
5Mo 15,12 Wenn israelitische Männer oder Frauen sich wegen ihrer Armut als
Sklaven an euch verkaufen, sollen sie sechs Jahre lang für euch arbeiten. Im
siebten Jahr müsst ihr sie wieder freilassen.
5Mo 15,13 Und lasst sie nicht mit leeren Händen gehen!
5Mo 15,14 Gebt ihnen reichlich von dem mit, was der Herr euch geschenkt hat:
Schafe und Ziegen, Getreide und Wein.
5Mo 15,15 Denkt daran, dass auch ihr einmal Sklaven in Ägypten wart und der Herr
euch von dort befreit hat. Deshalb gebe ich euch heute diese Anweisung.
5Mo 15,16 Vielleicht aber will dein Sklave bei dir bleiben, weil er an dir und
deiner Familie hängt und es ihm gut bei euch geht.
5Mo 15,17 Dann nimm einen Pfriem, und bohre ihn durch sein Ohrläppchen in einen
Türpfosten deines Hauses. Von nun an muss der Sklave auf Lebenszeit bei dir
bleiben. Das Gleiche gilt für Sklavinnen.
5Mo 15,18 Aber wenn ein Sklave nach sechs Jahren gehen will, dann nimm es nicht
zu schwer! Er hat dir die ganze Zeit doppelt so viel eingebracht wie ein
Tagelöhner. Lass ihn frei! Dann wird der Herr, dein Gott, dich segnen und alles
gelingen lassen, was du tust.
5Mo 15,19 Alle männlichen Rinder, Schafe und Ziegen, die als erste von ihrer
Mutter geboren werden, sollt ihr dem Herrn geben. Nehmt kein erstgeborenes Rind
als Zugtier, und schert kein erstgeborenes Schaf!
5Mo 15,20 Bringt sie jedes Jahr an den Ort, den der Herr auswählen wird! Dort,
in seiner Gegenwart, sollt ihr sie mit euren Familien essen.
5Mo 15,21 Ist ein Tier lahm oder blind oder hat es einen anderen schweren
Fehler, dann sollt ihr es nicht dem Herrn, eurem Gott, opfern.
5Mo 15,22 Schlachtet es bei euch zu Hause. Dort könnt ihr es essen, so wie
Hirsche und Gazellen, die nicht geopfert werden dürfen. Es ist auch
gleichgültig, ob ihr gerade rein oder unrein seid. Jeder darf an der Mahlzeit
teilnehmen.
5Mo 15,23 Nur das Blut der Tiere sollt ihr nicht mitessen. Schüttet es auf die
Erde wie Wasser!
5Mo 16,1 Im Monat Abib sollt ihr das Passahfest für den Herrn, euren Gott,
feiern! Denn in diesem Monat hat er euch nachts aus Ägypten befreit.
5Mo 16,2 Kommt an den Ort, den der Herr auswählen wird, um dort zu wohnen!
Bringt ihm Schafe, Ziegen oder Rinder als Passahopfer dar!
5Mo 16,3 Esst dazu Brot, das ohne Sauerteig gebacken wurde! Sieben Tage lang
sollt ihr nur ungesäuertes Brot essen, so wie damals, als ihr in großer Eile aus
Ägypten geflohen seid. Solange ihr lebt, soll euch dieses Brot daran erinnern,
wie ihr in Ägypten Not leiden musstet und wie der Herr euch an jenem Tag befreit
hat.
5Mo 16,4 In dieser Woche soll in eurem ganzen Land nirgendwo Sauerteig zu finden
sein. Schlachtet das Passahopfer an dem Abend, mit dem der erste Festtag
beginnt, und esst es vor dem nächsten Morgen auf. Ihr sollt nichts davon übrig
lassen!
5Mo 16,5 Auch dürft ihr das Passahopfer nicht in jeder beliebigen Stadt
darbringen,
5Mo 16,6 sondern nur an dem Ort, den der Herr erwählt, um dort zu wohnen.
Schlachtet das Tier bei Sonnenuntergang, wie damals, als ihr Ägypten verlassen
habt.
5Mo 16,7 Bereitet es zu, und esst es beim Heiligtum des Herrn, eures Gottes! Am
nächsten Tag könnt ihr wieder nach Hause gehen.
5Mo 16,8 An den sechs folgenden Tagen sollt ihr weiterhin nur ungesäuertes Brot
essen. Am siebten Tag nach dem Passahfest lasst alle Arbeit ruhen, und feiert
zusammen ein Fest zur Ehre des Herrn, eures Gottes!
5Mo 16,9 Sieben Wochen nach Beginn der Getreideernte
5Mo 16,10 sollt ihr zur Ehre des Herrn, eures Gottes, das Wochenfest feiern.
Opfert ihm, soviel ihr möchtet, je nachdem, wie reich er euch beschenkt hat!
5Mo 16,11 Kommt dazu wieder an den Ort, den er auswählt, um dort zu wohnen.
Feiert in der Gegenwart des Herrn ein fröhliches Fest, zusammen mit euren Söhnen
und Töchtern, euren Sklaven und Sklavinnen, mit euren levitischen Nachbarn, mit
den Ausländern und den Waisen und Witwen, die bei euch leben.
5Mo 16,12 Denkt daran, dass auch ihr einmal Sklaven in Ägypten wart! Deshalb
haltet euch genau an diese Ordnungen!
5Mo 16,13 Wenn ihr im Herbst das Korn von der Tenne einsammelt und die
Weintrauben erntet, dann feiert eine Woche lang das Laubhüttenfest!
5Mo 16,14 Es soll ein fröhliches Fest werden. Feiert zusammen mit euren Kindern
und euren Sklaven, mit den Leviten und den Ausländern, mit Witwen und Waisen!
5Mo 16,15 Kommt zum Heiligtum des Herrn, eures Gottes, und feiert sieben Tage
lang zu seiner Ehre! Freut euch von Herzen, dass er eure Arbeit gesegnet und
euch eine gute Ernte geschenkt hat.
5Mo 16,16 Dreimal im Jahr sollen alle Männer Israels am Heiligtum des Herrn
zusammenkommen: am Fest der ungesäuerten Brote, am Wochenfest und am
Laubhüttenfest. Keiner von euch darf mit leeren Händen kommen!
5Mo 16,17 Jeder soll so viel geben, wie er kann, je nachdem, wie reich der Herr
ihn beschenkt hat.
5Mo 16,18 Ernennt in euren Stammesgebieten Richter und Beamte, in allen Städten,
die der Herr, euer Gott, euch gibt! Sie sollen für euch Recht sprechen.
5Mo 16,19 Sie dürfen das Recht nicht beugen, niemanden bevorzugen und keine
Bestechungsgeschenke annehmen. Denn solche Geschenke machen die Weisen blind und
verleiten dazu, das Recht zu beugen.
5Mo 16,20 Setzt euch mit ganzer Kraft für die Gerechtigkeit ein! Dann werdet ihr
am Leben bleiben und das Land behalten, das der Herr, euer Gott, euch gibt.
5Mo 16,21 Stellt keine Pfähle für die Göttin Aschera oder andere Götzenstatuen
aus Holz neben den Altar, den ihr für den Herrn, euren Gott, baut!
5Mo 16,22 Richtet auch keine geweihten Steinsäulen für andere Götter auf! Denn
das hasst der Herr, euer Gott.
5Mo 17,1 Er verabscheut es auch, wenn ihr ihm kranke und minderwertige Rinder,
Schafe oder Ziegen opfert.
5Mo 17,2 [2/3] Es kann geschehen, dass in einer der Städte, die der Herr, euer
Gott, euch gibt, ein Mann oder eine Frau andere Götter verehren. Sie beten die
Sonne, den Mond oder die Sterne an und widersetzen sich damit meinen Weisungen.
Sie handeln gegen den Willen des Herrn und verletzen den Bund, den er mit uns
geschlossen hat.
5Mo 17,4 Wenn ihr davon hört, dann forscht genau nach, ob es wahr ist. Stellt
sich heraus, dass tatsächlich etwas so Abscheuliches in Israel geschehen ist,
5Mo 17,5 dann sollt ihr den Mann oder die Frau außerhalb der Stadt steinigen.
5Mo 17,6 Für ein Todesurteil sind jedoch mindestens zwei oder drei Zeugen nötig.
Eine einzelne Aussage genügt nicht.
5Mo 17,7 Die Zeugen sollen die ersten Steine werfen, um den Verurteilten zu
töten, danach sollen alle anderen ihn steinigen. Ihr müsst das Böse aus eurem
Volk beseitigen!
5Mo 17,8 Wenn den Richtern in eurer Stadt ein Fall zu schwierig ist, dann kommt
zum Heiligtum - ganz gleich, ob es dabei um Tötung, Körperverletzung oder etwas
anderes geht.
5Mo 17,9 Wendet euch dort an die Priester vom Stamm Levi und an den Richter, der
gerade im Amt ist, und legt ihnen den Fall vor. Sie werden ein Urteil sprechen.
5Mo 17,10 Daran müsst ihr euch halten. Was sie entscheiden, gilt. Denn sie üben
ihr Amt an dem Ort aus, wo der Herr wohnt.
5Mo 17,11 Befolgt ihre Anweisungen und Vorschriften genau! Weicht in keiner
Hinsicht davon ab!
5Mo 17,12 Wenn jemand so vermessen ist, dass er nicht auf den Richter oder den
Priester hört, der im Auftrag des Herrn, eures Gottes, sein Amt ausübt, dann
soll er getötet werden. Ihr müsst das Böse aus Israel beseitigen!
5Mo 17,13 Alle sollen davon hören, damit sie gewarnt sind und niemand mehr so
vermessen handelt.
5Mo 17,14 Bald werdet ihr das Land in Besitz nehmen, das der Herr, euer Gott,
euch geben will. Vielleicht werdet ihr dort eines Tages sagen: »Wir wollen einen
König haben, so wie alle anderen Völker ringsum!«
5Mo 17,15 Dann ernennt aber nur den zum König, den der Herr, euer Gott, erwählt!
Er soll aus eurem Volk stammen. Ihr dürft keinen Ausländer einsetzen, sondern
nur einen Israeliten!
5Mo 17,16 Wenn er König geworden ist, soll er kein großes Reiterheer aufbauen.
Er darf auch niemanden von euch nach Ägypten schicken, um von dort noch mehr
Pferde zu holen. Denn der Herr hat euch verboten, je wieder nach Ägypten zu
gehen.
5Mo 17,17 Euer König soll auch nicht viele Frauen haben, denn das würde ihn dazu
verleiten, dem Herrn untreu zu werden. Er darf auch kein Gold und Silber
anhäufen.
5Mo 17,18 Wenn er den Thron seines Reiches besteigt, soll man ihm eine Abschrift
von diesem Gesetz geben, das bei den Priestern aus dem Stamm Levi aufbewahrt
wird.
5Mo 17,19 Er muss sie immer bei sich haben und täglich darin lesen, solange er
lebt. So wird er lernen, Ehrfurcht vor dem Herrn, seinem Gott, zu haben und alle
Ordnungen dieses Gesetzes genau zu befolgen.
5Mo 17,20 Das wird ihn davor bewahren, sich für wichtiger zu halten als die
anderen Menschen aus seinem Volk. Wenn er in keiner Hinsicht von diesen Geboten
abweicht, werden er und seine Nachkommen lange Zeit in Israel Könige sein.
5Mo 18,1 Die Priester und der ganze Stamm Levi sollen kein eigenes Gebiet
bekommen wie die anderen Israeliten. Sie sollen sich von den Abgaben und Opfern
ernähren, die dem Herrn dargebracht werden.
5Mo 18,2 Anstelle des Landes haben die Leviten einen besonderen Reichtum: Der
Herr selbst ist ihr Anteil und Erbe! Er versorgt sie, wie er es ihnen
versprochen hat.
5Mo 18,3 Die Priester haben Anspruch auf bestimmte Teile der Opfertiere. Wenn
jemand aus eurem Volk ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege als Schlachtopfer
darbringt, dann soll der Priester davon die Schulter, die Kinnlade und den Magen
bekommen.
5Mo 18,4 Ihr müsst den Priestern auch jedes Jahr den ersten Teil eurer Ernte
geben, von eurem Getreide, Most und Öl. Auch die erste Schur eurer Schafe gehört
ihnen.
5Mo 18,5 Denn der Herr, euer Gott, hat aus eurem Volk die Männer vom Stamm Levi
zum Dienst in seinem Heiligtum erwählt. Sie und ihre Nachkommen haben für immer
diese Aufgabe.
5Mo 18,6 Viele Leviten werden jedoch nicht beim Heiligtum leben, sondern in
verschiedenen Städten in ganz Israel. Wenn einer von ihnen gern an den Ort
kommen möchte, den der Herr auswählen wird,
5Mo 18,7 kann er dort Aufgaben im Heiligtum seines Gottes übernehmen, genau wie
die anderen Leviten, die dort bereits dem Herrn dienen.
5Mo 18,8 Er soll die gleichen Anteile von den Opfern und Abgaben bekommen wie
sie, unabhängig davon, wie viel er durch den Verkauf seines elterlichen Besitzes
erworben hat.
5Mo 18,9 Wenn ihr jetzt in das Land kommt, das der Herr, euer Gott, euch gibt,
dann übernehmt von den Völkern dort keinen ihrer abscheulichen Bräuche!
5Mo 18,10 Niemand von euch darf seinen Sohn oder seine Tochter als Opfer
verbrennen, niemand soll wahrsagen, zaubern, Geister beschwören oder Magie
treiben.
5Mo 18,11 Keiner darf mit Beschwörungen Unheil abwenden, Totengeister befragen,
die Zukunft vorhersagen oder mit Verstorbenen Verbindung suchen.
5Mo 18,12 Wer so etwas tut, ist dem Herrn zuwider. Gerade wegen dieser
abscheulichen Bräuche vertreibt er die anderen Völker und gibt euch ihr Land.
5Mo 18,13 Ihr aber gehört zum Herrn, eurem Gott. Darum haltet ihm die Treue!
5Mo 18,14 Die Völker, die ihr vertreibt, hören auf Magier und Wahrsager. Doch
euch hat der Herr, euer Gott, dies verboten.
5Mo 18,15 Er wird euch einen Propheten wie mich senden, einen Mann aus eurem
Volk. Auf den sollt ihr hören!
5Mo 18,16 Ihr selbst habt euch dies am Berg Horeb vom Herrn gewünscht. Als ihr
dort versammelt wart, habt ihr gesagt: »Wenn wir weiter die Stimme des Herrn,
unseres Gottes, hören, gehen wir zugrunde. Wir können auch dieses gewaltige
Feuer nicht länger ertragen, sonst sterben wir!«
5Mo 18,17 Der Herr antwortete mir damals: »Die Israeliten haben Recht.
5Mo 18,18 Ich will ihnen auch in Zukunft einen Propheten senden wie dich, einen
Mann aus ihrem Volk. Ihm werde ich meine Worte eingeben, und er wird sie den
Israeliten mitteilen.
5Mo 18,19 Wer nicht auf das hört, was er in meinem Namen sagt, den werde ich
dafür zur Rechenschaft ziehen.
5Mo 18,20 Wenn aber der Prophet überheblich wird und etwas in meinem Namen sagt,
was ich ihm nicht befohlen habe, oder wenn er im Namen anderer Götter spricht,
dann muss er sterben.«
5Mo 18,21 Ihr fragt euch vielleicht: Woher wissen wir, ob jemand im Auftrag des
Herrn spricht?
5Mo 18,22 Nun, wenn ein Prophet im Namen des Herrn etwas ankündigt und es trifft
nicht ein, dann waren seine Worte nicht vom Herrn. Er hat eigenmächtig geredet,
und ihr braucht ihn nicht ernst zu nehmen.
5Mo 19,1 [1/2] Der Herr wird die Völker in dem Land, das er euch gibt,
vernichten. Ihr werdet sie mit seiner Hilfe vertreiben und in ihren Städten und
Häusern leben. Drei von diesen Städten sollt ihr zu Zufluchtsorten erklären.
5Mo 19,3 Sie sollen in drei verschiedenen Teilen des Landes liegen und gut
erreichbar sein. Dorthin kann jeder fliehen, der einen anderen Menschen
unabsichtlich getötet hat.
5Mo 19,4 Er ist in diesen Städten vor der Blutrache sicher, wenn er nicht
vorsätzlich und aus Hass gehandelt hat.
5Mo 19,5 So etwas kann geschehen, wenn zwei Männer im Wald Bäume fällen. Der
eine holt mit der Axt aus, das Eisen löst sich und trifft den anderen tödlich.
In diesem Fall kann der Totschläger sein eigenes Leben durch Flucht in eine der
Zufluchtsstädte retten.
5Mo 19,6 Der Weg dorthin darf nicht zu lang sein. Denn der nächste Verwandte des
Getöteten wird den Totschläger voller Zorn verfolgen, um den Tod zu rächen. Holt
er ihn ein, dann bringt er ihn um. Dabei war der Verfolgte unschuldig, denn er
hat nicht aus Hass getötet.
5Mo 19,7 Darum sollt ihr drei gut erreichbare Zufluchtsorte bestimmen.
5Mo 19,8 Später wird der Herr, euer Gott, euer Gebiet erweitern. Das hat er
euren Vorfahren geschworen. Ihr werdet dann das ganze Land besitzen, das er
ihnen versprochen hat.
5Mo 19,9 Er schenkt es euch, wenn ihr alle seine Gebote genau beachtet, die ich
euch heute weitergebe. Liebt den Herrn, euren Gott, und lebt so, wie es ihm
gefällt. In dem neu dazugewonnenen Gebiet sollt ihr drei weitere Zufluchtsstädte
bestimmen.
5Mo 19,10 Denn in dem Land, das der Herr, euer Gott, euch schenken will, soll
kein Unschuldiger getötet werden. Sonst trägt euer ganzes Volk dafür die
Verantwortung.
5Mo 19,11 Es kann aber auch sein, dass jemand aus Hass einem anderen auflauert,
ihn ermordet und anschließend in einer der Zufluchtsstädte Schutz sucht.
5Mo 19,12 Dann sollen die führenden Männer seiner Heimatstadt ihn holen lassen
und an den Bluträcher ausliefern, damit dieser ihn tötet.
5Mo 19,13 Habt kein Mitleid mit einem Mörder! Lasst niemanden ungestraft, der
vorsätzlich einen Unschuldigen getötet hat! Wenn ihr euch daran haltet, wird es
euch gut gehen.
5Mo 19,14 Wenn ihr das Land besitzt, das der Herr, euer Gott, euch geben will,
dann stehlt euren Nachbarn keinen Grund und Boden. Lasst die Grundstücksgrenzen
so, wie eure Vorfahren sie gezogen haben!
5Mo 19,15 Ihr dürft niemanden verurteilen, wenn nur ein einziger Zeuge gegen ihn
aussagt. Um welches Unrecht oder Verbrechen es auch geht, immer sind mindestens
zwei oder drei Zeugen für einen Schuldspruch nötig.
5Mo 19,16 Wenn der Angeklagte seine Schuld bestreitet und einen Zeugen der Lüge
bezichtigt,
5Mo 19,17 dann sollen beide ins Heiligtum vor den Herrn kommen und dort ihren
Fall den Priestern und Richtern vorlegen.
5Mo 19,18 Die sollen die Angelegenheit genau untersuchen. Stellt sich heraus,
dass der Zeuge tatsächlich gelogen und den anderen zu Unrecht beschuldigt hat,
5Mo 19,19 dann sollt ihr genau die Strafe über ihn verhängen, die er dem anderen
zugedacht hat. Duldet keine solche Hinterhältigkeit in eurem Volk!
5Mo 19,20 Ganz Israel soll von der Bestrafung erfahren, damit alle gewarnt sind
und so eine Verleumdung nicht wieder bei euch vorkommt.
5Mo 19,21 In einem solchen Fall dürft ihr kein Erbarmen zeigen! Zur Festlegung
der Strafe gilt der Grundsatz: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand
um Hand, Fuß um Fuß.
5Mo 20,1 Wenn ihr in den Krieg zieht und seht, dass eure Feinde zahlreicher sind
als ihr und sogar Reiter und Streitwagen besitzen, dann fürchtet euch nicht vor
ihnen! Der Herr, euer Gott, der euch aus Ägypten befreit hat, steht euch bei!
5Mo 20,2 Vor der Schlacht soll der Priester zu euren Truppen sprechen.
5Mo 20,3 Er soll ihnen sagen: »Hört, ihr Israeliten! Ihr werdet heute gegen eure
Feinde kämpfen. Habt keine Angst! Fürchtet euch nicht! Weicht nicht vor ihnen
zurück, und lasst euch nicht einschüchtern!
5Mo 20,4 Der Herr, euer Gott, zieht mit euch in die Schlacht! Er kämpft auf
eurer Seite und gibt euch den Sieg über eure Feinde!«
5Mo 20,5 Dann sollen die Männer, die für die Aufstellung des Heeres
verantwortlich sind, fragen: »Ist jemand hier, der sich gerade ein neues Haus
gebaut hat und es noch nicht einweihen konnte? Er soll gehen und in das Haus
einziehen. Sonst stirbt er vielleicht, und ein anderer wohnt darin.
5Mo 20,6 Hat einer von euch gerade einen Weinberg angelegt, konnte aber noch
nichts davon ernten? Er soll hier bleiben, damit er nicht im Kampf fällt und ein
anderer die Ernte bekommt.
5Mo 20,7 Ist jemand verlobt, aber noch nicht verheiratet? Er darf auch nach
Hause gehen, damit er nicht stirbt und ein anderer seine Verlobte heiratet.«
5Mo 20,8 Weiter sollen die Männer eure Soldaten auffordern: »Jeder, der sich
fürchtet und mutlos ist, soll umkehren. Sonst steckt er vielleicht die anderen
mit seiner Angst an.«
5Mo 20,9 Danach sollen die Soldaten bestimmt werden, die eure Truppen in die
Schlacht führen.
5Mo 20,10 Bevor ihr eine Stadt angreift, fordert ihre Einwohner auf, sich
kampflos zu ergeben!
5Mo 20,11 Gehen sie darauf ein und öffnen euch die Tore, dann müssen sie sich
unterwerfen und für euch arbeiten.
5Mo 20,12 Wollen sie aber keinen Frieden schließen, sondern Krieg mit euch
führen, so belagert sie.
5Mo 20,13 Wenn der Herr, euer Gott, euch dann die Stadt erobern lässt, müsst ihr
alle Männer dort mit dem Schwert töten.
5Mo 20,14 Nur die Frauen und Kinder lasst am Leben. Ihr dürft sie zusammen mit
dem Vieh und allem, was euch in der Stadt in die Hände fällt, als Beute
behalten. Ihr könnt auch die Vorräte essen, die der Herr, euer Gott, euch dort
finden lässt.
5Mo 20,15 So sollt ihr im Kampf gegen die Städte in euren Nachbarländern
vorgehen.
5Mo 20,16 Anders ist es bei Städten in dem Gebiet, das der Herr, euer Gott, euch
schenken will. Denn von den Völkern, die hier bisher gelebt haben, dürft ihr
niemanden am Leben lassen.
5Mo 20,17 An allen müsst ihr Gottes Urteil vollstrecken: an den Hetitern,
Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern. Der Herr hat euch
dies befohlen,
5Mo 20,18 damit sie euch nicht zu ihrem abscheulichen Götzendienst verführen und
ihr euch vom Herrn, eurem Gott, abwendet.
5Mo 20,19 Wenn ihr eine Stadt längere Zeit belagert, dann zerstört nicht die
Bäume in der Umgebung! Sonst habt ihr nichts mehr von ihren Früchten! Darum
fällt sie nicht! Oder wollt ihr gegen die Bäume kämpfen?
5Mo 20,20 Fällt nur die Bäume, die ganz sicher keine Frucht tragen. Aus ihrem
Holz könnt ihr Vorrichtungen für die Belagerung bauen, um die Stadt damit
einzunehmen.
5Mo 21,1 Wenn ihr in dem Land, das der Herr, euer Gott, euch gibt, draußen auf
dem Feld einen Toten findet und den Mörder nicht kennt,
5Mo 21,2 dann ist Folgendes zu tun: Zunächst sollen die führenden Männer und die
Richter der umliegenden Städte kommen und feststellen, welche Stadt dem Fundort
am nächsten liegt.
5Mo 21,3 Hat man die Stadt bestimmt, dann müssen ihre führenden Männer eine
junge Kuh holen, die noch kein Joch getragen und keinen Pflug gezogen hat.
5Mo 21,4 Sie bringen sie an einen Bach, der das ganze Jahr Wasser führt, an
dessen Ufer aber keine Felder angelegt wurden. Dort brechen sie der Kuh das
Genick.
5Mo 21,5 Dann kommen die Priester vom Stamm Levi dazu, die der Herr, euer Gott,
erwählt hat, ihm zu dienen und in seinem Namen zu segnen. Ihr Wort entscheidet
bei jedem Rechtsstreit und Verbrechen.
5Mo 21,6 Vor ihren Augen waschen sich die führenden Männer der Stadt über der
toten Kuh die Hände
5Mo 21,7 und sagen: »Wir haben diesen Menschen nicht getötet und wissen auch
nicht, wer es getan hat.
5Mo 21,8 Herr, vergib uns! Wir sind doch dein Volk Israel, das du befreit hast!
Bitte zieh uns nicht für den Tod dieses Unschuldigen zur Rechenschaft!« Wenn die
Männer dies befolgen, wird den Einwohnern der Stadt dieser Mord nicht
angerechnet.
5Mo 21,9 So sollt ihr die Schuld sühnen, wenn jemand aus eurem Volk ermordet
wurde. Dann handelt ihr so, wie es in den Augen des Herrn richtig ist.
5Mo 21,10 Wenn ihr Krieg führt und der Herr, euer Gott, euch siegen lässt, kann
es geschehen, dass ihr Gefangene macht.
5Mo 21,11 Vielleicht sieht jemand von euch unter ihnen eine schöne Frau, die ihm
so gut gefällt, dass er sie heiraten will.
5Mo 21,12 Er darf sie mit nach Hause nehmen. Dort soll sie sich den Kopf kahl
scheren, die Nägel schneiden
5Mo 21,13 und die Kleider wechseln, die sie als Gefangene getragen hat. Einen
Monat soll sie Zeit haben, um ihren Vater und ihre Mutter zu betrauern. Danach
kann der Mann sie zur Frau nehmen.
5Mo 21,14 Gefällt sie ihm irgendwann nicht mehr, dann muss er sie gehen lassen,
wohin sie will. Weil er sie zur Ehe gezwungen hatte, darf er sie auf keinen Fall
als Sklavin behandeln oder verkaufen.
5Mo 21,15 Wenn ein Mann zwei Frauen hat, kann es vorkommen, dass er die eine
liebt und die andere nicht. Beide haben einen Sohn geboren, die Ungeliebte
zuerst.
5Mo 21,16 Wenn der Mann später das Erbe aufteilt, darf er nicht den Sohn der
geliebten Frau zum Erstgeborenen erklären und den Älteren benachteiligen.
5Mo 21,17 Er muss den Sohn der ungeliebten Frau als Erstgeborenen anerkennen und
ihm doppelt so viel von seinem Eigentum vererben wie dem jüngeren Sohn. Sein
ältester Sohn besitzt für immer alle Rechte des Erstgeborenen.
5Mo 21,18 Gesetzt den Fall, ein Sohn ist widerspenstig und stur; er hört nicht
mehr auf seinen Vater und seine Mutter. Soviel sie ihn auch ermahnen und
bestrafen, es nützt nichts. Er macht, was er will.
5Mo 21,19 Dann sollen seine Eltern ihn zu den führenden Männern bringen, die am
Stadttor Gericht halten.
5Mo 21,20 Sie sollen zu ihnen sagen: »Unser Sohn hier gehorcht uns nicht. Er ist
unverbesserlich und hört nicht auf, zu schlemmen und zu saufen.«
5Mo 21,21 Darauf sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen. Denn ihr müsst
alles Böse aus eurem Volk beseitigen! Alle Israeliten sollen von der Bestrafung
hören, damit sie gewarnt sind.
5Mo 21,22 Wenn ihr jemanden für ein Verbrechen hinrichtet und seinen Leichnam an
einem Pfahl oder Baum aufhängt,
5Mo 21,23 sollt ihr ihn nicht über Nacht dort lassen. Begrabt ihn auf jeden Fall
noch am selben Tag! Denn wer so aufgehängt wurde, ist von Gott verflucht. Wenn
ihr seinen Leichnam nicht am selben Tag begrabt, verunreinigt ihr das Land, das
der Herr, euer Gott, euch schenkt.
5Mo 22,1 Seht nicht untätig zu, wenn sich ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege
eines Israeliten verirrt! Bringt das Tier auf jeden Fall zurück!
5Mo 22,2 Wohnt der Besitzer weit weg von euch oder kennt ihr ihn nicht, dann
nehmt das Tier mit nach Hause, und versorgt es, bis man nach ihm fragt. Dann
gebt es zurück.
5Mo 22,3 Das Gleiche gilt, wenn ihr einen entlaufenen Esel findet oder einen
Mantel, den jemand hat liegen lassen. Immer wenn ihr jemandem helfen könnt,
etwas Verlorenes zurückzubekommen, dann tut es! Verweigert niemandem eure Hilfe!
5Mo 22,4 Wenn ihr seht, dass der Esel oder das Rind eines anderen Israeliten auf
der Straße gestürzt ist, dann geht nicht vorbei, sondern helft, das Tier wieder
auf die Beine zu bringen!
5Mo 22,5 Eine Frau soll keine Männerkleidung tragen und ein Mann keine
Frauenkleidung. Wer so etwas tut, den verabscheut der Herr, euer Gott.
5Mo 22,6 Wenn ihr unterwegs in einem Baum oder am Boden ein Nest entdeckt, in
dem ein Vogel brütet oder seine Jungen füttert, dann fangt ihn nicht!
5Mo 22,7 Nur die Jungen dürft ihr euch nehmen. Die Mutter lasst frei! Haltet
euch daran, dann wird es euch gut gehen, und ihr werdet lange leben.
5Mo 22,8 Wenn ihr ein neues Haus baut, dann sichert das Flachdach mit einem
Geländer! Sonst seid ihr schuld, wenn jemand abstürzt und ums Leben kommt.
5Mo 22,9 Wenn ihr einen Weinberg anlegt, dann pflanzt dort außer den Weinstöcken
nichts anderes an! Sonst müsst ihr alles im Heiligtum abliefern, was ihr an
Trauben und anderen Früchten erntet.
5Mo 22,10 Spannt nicht Rind und Esel zusammen vor den Pflug!
5Mo 22,11 Tragt keine Kleidung, in der Wolle und Leinen zusammengewebt sind!
5Mo 22,12 Näht Quasten an die vier Enden eurer Obergewänder!
5Mo 22,13 Es kann geschehen, dass ein verheirateter Mann schon nach kurzer Zeit
nichts mehr von seiner Frau wissen will.
5Mo 22,14 Er bringt sie in Verruf und behauptet: »Als ich mit meiner Braut
geschlafen habe, stellte sich heraus, dass sie keine Jungfrau mehr war!«
5Mo 22,15 Dann sollen die Eltern der Frau zu den führenden Männern gehen, die am
Stadttor Gericht halten, und ihnen das Bettlaken aus der Hochzeitsnacht zeigen.
5Mo 22,16 Der Vater soll erklären: »Ich habe meine Tochter diesem Mann zur Frau
gegeben. Aber jetzt liebt er sie nicht mehr.
5Mo 22,17 Deshalb verleumdet er sie und behauptet, sie habe schon vorher mit
jemandem geschlafen. Aber die Flecken auf diesem Tuch beweisen, dass sie noch
Jungfrau war.« Die Eltern sollen das Laken vor den führenden Männern der Stadt
ausbreiten.
5Mo 22,18 Dann soll der Mann dafür ausgepeitscht werden,
5Mo 22,19 dass er eine junge israelitische Frau verleumdet hat. Außerdem hat er
100 Silberstücke an seinen Schwiegervater zu zahlen. Er muss seine Frau behalten
und darf sich sein Leben lang nicht von ihr trennen.
5Mo 22,20 Hat er aber die Wahrheit gesagt und hat die Frau tatsächlich schon mit
einem anderen geschlafen,
5Mo 22,21 dann soll man sie vor die Tür ihres Elternhauses bringen, und die
Männer der Stadt sollen sie dort steinigen. Sie muss sterben, weil sie sich im
Haus ihrer Eltern wie eine Hure verhalten hat. Das ist eine Schande für ganz
Israel. Ihr müsst alles Böse aus eurem Volk beseitigen!
5Mo 22,22 Wenn ein Mann mit der Frau eines anderen schläft und man ertappt sie,
dann müssen beide sterben. Duldet keinen Ehebruch in Israel!
5Mo 22,23 Trifft ein Mann in der Stadt eine junge Frau, die mit einem anderen
verlobt ist, und er schläft mit ihr,
5Mo 22,24 dann sollt ihr die zwei aus der Stadt bringen und steinigen. Beide
müssen sterben: die junge Frau, weil sie nicht um Hilfe gerufen hat, obwohl sie
in der Stadt war, und der Mann, weil er sich an der Braut eines anderen
vergriffen hat. Ihr müsst das Böse aus eurem Volk beseitigen!
5Mo 22,25 Wenn aber ein Mann draußen auf dem Feld ein verlobtes Mädchen
vergewaltigt, soll nur er getötet werden.
5Mo 22,26 Der jungen Frau soll nichts geschehen, denn sie hat nichts getan, was
den Tod verdient! Sie ist wie von einem Mörder überfallen worden.
5Mo 22,27 Wahrscheinlich hat sie geschrien, aber niemand hat es dort draußen
gehört und ihr geholfen.
5Mo 22,28 Wenn herauskommt, dass ein Mann eine junge Frau vergewaltigt hat, die
noch nicht verlobt ist,
5Mo 22,29 muss er ihrem Vater 50 Silberstücke zahlen und sie heiraten. Er darf
sich sein Leben lang nicht von ihr trennen, weil er sie gezwungen hat, mit ihm
zu schlafen.
5Mo 23,1 Niemand darf mit der Frau seines Vaters schlafen. Sonst entehrt er
seinen Vater.
5Mo 23,2 Wenn sich die Israeliten beim Heiligtum des Herrn versammeln, darf
niemand unter ihnen sein, der verletzte Hoden hat oder dessen Glied
abgeschnitten ist.
5Mo 23,3 Einer, dessen Eltern nicht verheiratet waren, muss der Versammlung
ebenfalls fernbleiben. Auch seine Nachkommen dürfen nicht dabei sein, selbst
zehn Generationen später nicht.
5Mo 23,4 Für immer ausgeschlossen sind auch alle, die ammonitische oder
moabitische Vorfahren haben, selbst wenn sie seit zehn Generationen in Israel
leben.
5Mo 23,5 Denn diese Völker haben euch nicht herzlich aufgenommen; sie haben euch
nicht mit Brot und Wasser versorgt, als ihr aus Ägypten kamt. Im Gegenteil: Sie
haben Bileam, den Sohn Beors, aus Petor in Mesopotamien geholt und ihm Geld
gegeben, damit er euch verflucht.
5Mo 23,6 Aber der Herr, euer Gott, hat nicht auf Bileam gehört, sondern aus
Liebe zu euch den Fluch in Segen verwandelt.
5Mo 23,7 Darum versucht nicht, diesen Völkern zu helfen! Setzt euch auch in
Zukunft nie für sie ein!
5Mo 23,8 Die Edomiter aber sollt ihr nicht ablehnen. Sie sind euer Brudervolk.
Stellt euch auch nicht gegen die Ägypter, denn ihr habt einmal in ihrem Land
gelebt.
5Mo 23,9 Wer von ihnen in der dritten Generation bei euch wohnt, darf
dazukommen, wenn ihr euch beim Heiligtum des Herrn versammelt.
5Mo 23,10 Wenn ihr Krieg gegen eure Feinde führt, dann achtet darauf, dass es
nichts in eurem Lager gibt, was euch in den Augen des Herrn unrein macht.
5Mo 23,11 Wenn ein Mann nachts im Schlaf einen Samenerguss hatte, ist er unrein
und muss das Lager verlassen. Er darf es am nächsten Tag nicht betreten.
5Mo 23,12 Erst bei Sonnenuntergang kann er zurückkommen, wenn er sich vorher
gewaschen hat.
5Mo 23,13 Außerhalb des Lagers sollt ihr einen Platz haben, wo ihr austreten
könnt.
5Mo 23,14 Wenn jemand dort sein Geschäft erledigt, soll er vorher ein Loch
graben und es danach wieder mit Erde füllen. Nehmt dazu in eurem Gepäck eine
kleine Schaufel mit.
5Mo 23,15 Der Herr, euer Gott, ist mitten unter euch in eurem Lager! Er
beschützt euch und gibt euch den Sieg über eure Feinde. Deshalb muss euer Lager
heilig sein. Wenn der Herr dort etwas sieht, was er verabscheut, wendet er sich
von euch ab.
5Mo 23,16 Wenn ein entflohener Sklave bei euch Schutz sucht, dann liefert ihn
nicht an seinen Herrn aus!
5Mo 23,17 Nehmt ihn bei euch auf! Er soll für sich entscheiden, in welcher Stadt
er bleiben will. Lasst ihn dort wohnen, wo es ihm gefällt, und beutet ihn nicht
aus!
5Mo 23,18 Keine Frau und kein Mann aus eurem Volk soll im Namen eines Gottes der
Prostitution nachgehen.
5Mo 23,19 Was Frauen oder Männer damit verdient haben, darf niemals als
Opfergabe in das Haus des Herrn, eures Gottes, gebracht werden, um ein Gelübde
zu erfüllen. Denn so etwas verabscheut der Herr.
5Mo 23,20 Wenn ihr jemandem aus eurem Volk Geld, Lebensmittel oder irgendetwas
anderes leiht, dann nehmt keine Zinsen!
5Mo 23,21 Nur von Ausländern dürft ihr Zinsen verlangen, nicht von Israeliten.
Wenn ihr euch daran haltet, wird der Herr, euer Gott, euch segnen und eure
Arbeit gelingen lassen in dem Land, das ihr in Besitz nehmt.
5Mo 23,22 Wenn ihr dem Herrn, eurem Gott, etwas versprochen habt, dann haltet es
auf jeden Fall ein! Er wird es mit Sicherheit von euch fordern! Verweigert ihr
es ihm, so ladet ihr Schuld auf euch.
5Mo 23,23 Ihm gar nichts zu versprechen, ist keine Sünde.
5Mo 23,24 Doch wenn ihr freiwillig ein Gelübde abgelegt habt, dann müsst ihr es
auf jeden Fall erfüllen. Was ihr versprochen habt, müsst ihr halten.
5Mo 23,25 Wenn ihr an einem Weinberg vorbeikommt, dürft ihr dort so viel Trauben
essen, wie ihr wollt, bis ihr satt seid. Ihr sollt aber nichts in ein Gefäß
sammeln!
5Mo 23,26 In einem Getreidefeld könnt ihr mit der Hand Ähren pflücken. Ihr dürft
aber keine Sichel benutzen!
5Mo 24,1 Es kann geschehen, dass ein verheirateter Mann an seiner Frau etwas
auszusetzen hat und er sie deswegen nicht mehr liebt. Er schreibt ihr eine
Scheidungsurkunde und schickt sie weg.
5Mo 24,2 Sie heiratet einen anderen.
5Mo 24,3 Aber auch dieser Mann liebt sie irgendwann nicht mehr und schickt sie
mit einer Scheidungsurkunde fort. Es kann aber auch geschehen, dass der zweite
Ehemann stirbt.
5Mo 24,4 In beiden Fällen kann der erste Mann die Frau nicht wieder heiraten.
Sie ist unrein für ihn, weil sie mit einem anderen geschlafen hat. So etwas
verabscheut der Herr. Lasst niemals zu, dass eine solche Sünde in dem Land
geschieht, das der Herr, euer Gott, euch schenkt.
5Mo 24,5 Wenn ein Mann frisch verheiratet ist, darf er nicht zum Kriegsdienst
oder zu anderen Aufgaben herangezogen werden. Er soll ein Jahr lang davon
befreit sein, damit er ein Zuhause schaffen und seine Frau glücklich machen
kann.
5Mo 24,6 Wenn euch jemand etwas schuldet, dann fordert nicht seine Handmühle
oder seinen Mühlstein als Pfand! Denn damit würdet ihr ihm nehmen, was er zum
Leben braucht.
5Mo 24,7 Findet ihr heraus, dass jemand einen anderen Israeliten entführt und
ihn zu seinem Sklaven macht oder verkauft, dann tötet ihn! Duldet keine
Verbrechen unter euch!
5Mo 24,8 Wenn ihr an Aussatz erkrankt, so befolgt genau die Anweisungen der
Priester vom Stamm Levi! Haltet euch an alles, was der Herr ihnen befohlen hat!
5Mo 24,9 Denkt daran, wie der Herr, euer Gott, Mirjam aussätzig gemacht und sie
wieder geheilt hat, als ihr aus Ägypten kamt!
5Mo 24,10 Wenn ihr jemandem etwas leiht, dann geht nicht in sein Haus, um euch
dort selbst ein Pfand auszusuchen.
5Mo 24,11 Wartet draußen vor der Tür, bis er euch etwas herausbringt.
5Mo 24,12 Ist er so arm, dass er nur seinen Mantel verpfänden kann, dann
behaltet das Kleidungsstück nicht über Nacht.
5Mo 24,13 Gebt es ihm auf jeden Fall noch am selben Abend zurück! Er braucht es
nachts als Decke. Dafür wird er euch segnen, denn ihr tut, was in den Augen des
Herrn, eures Gottes, gut und richtig ist.
5Mo 24,14 Beutet die armen Tagelöhner nicht aus, ganz gleich, ob es Israeliten
sind oder Ausländer, die bei euch leben!
5Mo 24,15 Sie sind dringend auf ihren Lohn angewiesen. Darum gebt ihnen jeden
Tag noch vor Sonnenuntergang ihr Geld. Sonst werden sie sich beim Herrn über
euch beklagen, und ihr habt Schuld auf euch geladen.
5Mo 24,16 Eltern sollen nicht für die Verbrechen ihrer Kinder hingerichtet
werden und Kinder nicht für die Schuld ihrer Eltern. Jeder soll nur für seine
eigene Sünde bestraft werden.
5Mo 24,17 Verweigert den Ausländern und Waisen vor Gericht nicht ihr Recht!
Einer Witwe dürft ihr nicht den Mantel als Pfand wegnehmen.
5Mo 24,18 Denkt daran, dass ihr früher Sklaven der Ägypter wart und der Herr,
euer Gott, euch aus ihrer Hand befreit hat. Deshalb gebe ich euch diese Gebote.
5Mo 24,19 Wenn ihr bei der Ernte eine Garbe auf dem Feld vergesst, geht nicht
zurück, um sie zu holen. Lasst sie den Ausländern, Waisen und Witwen! Dann wird
der Herr, euer Gott, euch bei all eurer Arbeit segnen.
5Mo 24,20 Wenn ihr Oliven von den Bäumen schlagt, dann sucht die Zweige danach
nicht mehr ab. Der Rest soll den Ausländern, Waisen und Witwen gehören!
5Mo 24,21 Auch bei eurer Traubenernte haltet keine Nachlese! Überlasst sie den
Ausländern, Waisen und Witwen.
5Mo 24,22 Vergesst nicht, dass ihr einmal Sklaven in Ägypten wart. Darum haltet
euch an diese Gebote!
5Mo 25,1 Können sich Männer bei einem Rechtsstreit nicht einigen, so soll ein
Gericht feststellen, wer im Unrecht ist.
5Mo 25,2 Wird der Schuldige zu Stockhieben verurteilt, so soll man ihn vor dem
Richter auf den Boden legen und ihm so viele Schläge geben, wie er verdient.
5Mo 25,3 Es dürfen aber auf keinen Fall mehr als vierzig sein, denn der
Verurteilte gehört ja zu eurem Volk. Ihr sollt nicht die Achtung vor ihm
verlieren!
5Mo 25,4 Wenn ihr mit einem Ochsen Getreide drescht, dann bindet ihm nicht das
Maul zu!
5Mo 25,5 Wenn ein verheirateter Mann kinderlos stirbt und in der Nähe ein Bruder
von ihm lebt, muss dieser die Witwe zur Frau nehmen. Sie soll keinen Mann
außerhalb der Familie heiraten, sondern ihren Schwager.
5Mo 25,6 Der erste Sohn, den sie dann zur Welt bringt, soll als Sohn des
Verstorbenen gelten, damit sein Name in Israel weiterlebt.
5Mo 25,7 Will aber der Bruder seine Schwägerin nicht heiraten, dann soll sie zu
den führenden Männern gehen, die am Stadttor Gericht halten. Sie soll sagen:
»Mein Schwager weigert sich, mich zu heiraten. Er will nicht dafür sorgen, dass
der Name seines Bruders weiterlebt.«
5Mo 25,8 Die führenden Männer der Stadt sollen ihn rufen und ihn zur Rede
stellen. Bleibt er bei seiner Ablehnung,
5Mo 25,9 dann soll seine Schwägerin ihm dort vor den führenden Männern einen
Schuh ausziehen, ihm ins Gesicht spucken und sagen: »So behandelt man jemanden,
der die Familie seines Bruders nicht am Leben erhalten will.«
5Mo 25,10 Ganz Israel soll es erfahren und ihn und seine Familie von da an
»Barfüßer« nennen.
5Mo 25,11 Wenn zwei Männer sich schlagen und die Frau des Unterlegenen kommt
ihrem Mann zu Hilfe und greift dem anderen an die Geschlechtsteile,
5Mo 25,12 soll man ihr ohne Mitleid die Hand abhauen.
5Mo 25,13 Steckt euch nicht zwei verschieden schwere Gewichtssteine in die
Tasche, um beim Wiegen zu betrügen!
5Mo 25,14 Haltet in eurem Haus nicht zwei verschieden große Getreidemaße bereit!
5Mo 25,15 Benutzt die richtigen Gewichtssteine und Getreidemaße! Dann werdet ihr
lange in dem Land leben, das der Herr, euer Gott, euch gibt.
5Mo 25,16 Denn er verabscheut jeden, der andere betrügt.
5Mo 25,17 Vergesst nicht, was euch die Amalekiter angetan haben, als ihr aus
Ägypten gekommen seid!
5Mo 25,18 Sie haben eure Erschöpfung ausgenutzt und euch von hinten überfallen.
Ohne jede Ehrfurcht vor Gott haben sie die Schwachen am Ende eures Zuges
getötet.
5Mo 25,19 Denkt daran, sie zu bestrafen, wenn ihr in dem Land wohnt, das der
Herr, euer Gott, euch für immer schenkt. Sobald der Herr dafür gesorgt hat, dass
ihr nicht mehr ringsum von Feinden bedroht seid, sollt ihr jede Spur von den
Amalekitern auslöschen!
5Mo 26,1 Ihr werdet nun in das Land gehen, das der Herr, euer Gott, euch
schenkt. Ihr werdet es einnehmen und euch darin niederlassen.
5Mo 26,2 Wenn ihr dort eure Ernte einbringt, dann legt die ersten Früchte in
einen Korb, und kommt damit an den Ort, den der Herr, euer Gott, auswählt, um
dort zu wohnen.
5Mo 26,3 Geht zum Priester, der gerade Dienst hat, und sagt zu ihm: »Der Herr,
dein Gott, hat Wort gehalten: Wir leben heute in dem verheißenen Land, wie er es
unseren Vorfahren geschworen hat.«
5Mo 26,4 Der Priester soll den Korb nehmen und ihn vor den Altar des Herrn,
eures Gottes, stellen.
5Mo 26,5 Dann sollt ihr beten: »Herr, unser Gott! Unsere Vorfahren waren
Aramäer, die umherzogen und keine Heimat hatten. Sie gingen nach Ägypten und
siedelten sich in diesem fremden Land an. Zu Anfang waren sie nur wenige, doch
dann wurden sie ein großes und mächtiges Volk.
5Mo 26,6 Die Ägypter behandelten uns schlecht. Sie unterdrückten uns und zwangen
uns zu harter Arbeit.
5Mo 26,7 Da schrien wir zu dir, dem Gott unserer Vorfahren. Und du hast uns
gehört. Du hast gesehen, wie sehr wir misshandelt wurden und litten.
5Mo 26,8 Mit starker Hand und großer Macht hast du uns befreit. Du hast unsere
Feinde in Angst und Schrecken versetzt, große Wunder und gewaltige Taten
vollbracht.
5Mo 26,9 Dann hast du uns hierher geführt und uns dieses Land gegeben, in dem
Milch und Honig fließen.
5Mo 26,10 Hier sind wir nun und bringen dir die ersten Früchte des Landes, das
du, Herr, uns geschenkt hast.« Legt die Früchte vor dem Herrn, eurem Gott,
nieder, und betet ihn an!
5Mo 26,11 Freut euch mit euren Familien an allen Gaben, die der Herr euch
geschenkt hat. Ladet zu eurem Fest auch die Leviten und Ausländer ein, die bei
euch leben.
5Mo 26,12 Jedes dritte Jahr sollt ihr den gesamten zehnten Teil eurer Ernte den
Leviten, den Ausländern, den Waisen und Witwen in euren Städten geben, damit sie
genug zu essen haben.
5Mo 26,13 Dann sollt ihr beten: »Herr, mein Gott! Alles, was dir gehört, habe
ich aus meinem Haus weggebracht und es den Leviten, Ausländern, Waisen und
Witwen gegeben, wie du es mir befohlen hast. Ich habe mich genau an deine
Anweisungen gehalten und nichts vergessen.
5Mo 26,14 Diese heiligen Gaben habe ich nie angerührt, wenn ich unrein war. Ich
habe nichts davon in das Grab eines Toten gelegt oder in der Zeit der Trauer
gegessen. Herr, mein Gott, ich habe alles getan, was du befohlen hast.
5Mo 26,15 Sieh doch herab vom Himmel, wo du wohnst! Segne dein Volk Israel, und
segne das Land, das wir von dir bekommen haben, wie du es unseren Vorfahren
versprochen hast, das Land, in dem Milch und Honig fließen!«
5Mo 26,16 Heute befiehlt euch der Herr, euer Gott, dass ihr seine Gebote und
Ordnungen beachtet. Haltet euch daran! Befolgt seine Weisungen von ganzem Herzen
und mit aller Hingabe!
5Mo 26,17 Ihr habt heute dem Herrn gesagt, dass er euer Gott sein soll und dass
ihr seinem Weg folgen wollt. Ihr habt versprochen, ihm zu gehorchen und seine
Gebote, Weisungen und Ordnungen zu beachten.
5Mo 26,18 Und der Herr hat heute erklärt, dass ihr sein eigenes Volk seid, wie
er es versprochen hat. Er verlangt, dass ihr nach seinen Geboten lebt.
5Mo 26,19 Er will euch zum bedeutendsten aller Völker machen, die er geschaffen
hat. Ja, berühmt und angesehen sollt ihr sein! Ihr werdet ein heiliges Volk
sein, das ganz dem Herrn gehört. So hat er es versprochen.
5Mo 27,1 Gemeinsam mit den Sippenoberhäuptern forderte Mose die Israeliten auf:
»Haltet euch genau an alle Gebote, die ich euch heute gebe!
5Mo 27,2 Wenn ihr den Jordan überquert und in das Land zieht, das der Herr, euer
Gott, euch gibt, dann richtet dort große Gedenksteine auf. Streicht sie weiß an,
5Mo 27,3 und schreibt das ganze Gesetz Wort für Wort darauf. Wenn ihr das tut,
werdet ihr das Land in Besitz nehmen, in dem Milch und Honig fließen. So hat es
der Herr, der Gott eurer Vorfahren, versprochen.
5Mo 27,4 Nachdem ihr den Jordan überquert habt, sollt ihr die Gedenksteine weiß
bestreichen und auf dem Berg Ebal aufrichten.
5Mo 27,5 Baut dort auch einen Altar für den Herrn, euren Gott! Verwendet dazu
nur unbehauene Steine,
5Mo 27,6 die nicht bearbeitet worden sind. Bringt auf dem Altar Brandopfer dar!
5Mo 27,7 Schlachtet Tiere für das Dankopfer, esst sie, und feiert in der
Gegenwart des Herrn ein fröhliches Fest!
5Mo 27,8 Der Altar soll bei den Steintafeln stehen, auf die ihr alle Gebote
sorgfältig mit deutlicher Schrift geschrieben habt.«
5Mo 27,9 Das ganze Volk war versammelt, als Mose und die Priester vom Stamm Levi
sagten: »Seid still, und hört zu, ihr Israeliten! Von heute an seid ihr das Volk
des Herrn. Ihr gehört nun allein eurem Gott.
5Mo 27,10 Darum gehorcht ihm! Lebt nach seinen Geboten und Ordnungen, die ihr
heute hört.«
5Mo 27,11 Am selben Tag befahl Mose den Israeliten:
5Mo 27,12 »Wenn ihr den Jordan überquert habt, sollen sich sechs eurer Stämme
auf dem Berg Garizim versammeln: Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Josef und
Benjamin. Sie sollen dort die Segensworte ausrufen.
5Mo 27,13 Die Stämme Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naftali versammeln sich
auf dem Berg Ebal und rufen von dort die Fluchworte.
5Mo 27,14 Dann sollen die Leviten mit lauter Stimme allen Israeliten zurufen:
5Mo 27,15 ›Verflucht ist, wer aus Holz oder Metall eine Götzenstatue anfertigt
und sie heimlich aufstellt. Denn sie ist ein Werk von Menschenhand, das der Herr
verabscheut.‹ Und das ganze Volk soll antworten: ›So soll es sein!‹
5Mo 27,16 Nun rufen die Leviten: ›Verflucht ist, wer seinen Vater oder seine
Mutter verachtet!‹ Und das Volk antwortet: ›So soll es sein!‹
5Mo 27,17 In dieser Weise sollen die Leviten und das Volk weiter im Wechsel
sprechen: ›Verflucht ist, wer seinem Nachbarn Land wegnimmt!‹ - ›So soll es
sein!‹ -
5Mo 27,18 ›Verflucht ist, wer einen Blinden in die Irre führt!‹ - ›So soll es
sein!‹ -
5Mo 27,19 ›Verflucht ist, wer Ausländern, Waisen oder Witwen vor Gericht ihr
Recht verweigert!‹ - ›So soll es sein!‹ -
5Mo 27,20 ›Verflucht ist, wer mit der Frau seines Vaters schläft und ihn damit
entehrt!‹ - ›So soll es sein!‹ -
5Mo 27,21 ›Verflucht ist, wer mit einem Tier verkehrt!‹ - ›So soll es sein!‹ -
5Mo 27,22 ›Verflucht ist, wer mit seiner Schwester oder Halbschwester schläft!‹
- ›So soll es sein!‹ -
5Mo 27,23 ›Verflucht ist, wer mit seiner Schwiegermutter schläft!‹ - ›So soll es
sein!‹ -
5Mo 27,24 ›Verflucht ist, wer heimlich jemanden ermordet!‹ - ›So soll es sein!‹
-
5Mo 27,25 ›Verflucht ist, wer für Geld einen Unschuldigen umbringt!‹ - ›So soll
es sein!‹ -
5Mo 27,26 ›Verflucht ist, wer sich nicht an dieses ganze Gesetz hält und danach
lebt!‹ - ›So soll es sein!‹«
5Mo 28,1 »Der Herr, euer Gott, wird euch zum bedeutendsten aller Völker machen,
wenn ihr auf ihn hört und nach allen seinen Geboten lebt, die ich euch heute
gebe.
5Mo 28,2 Wenn ihr ihm gehorcht, werdet ihr seinen ganzen Segen erfahren.
5Mo 28,3 Er beschenkt euch zu Hause und draußen auf dem Feld:
5Mo 28,4 Ihr werdet viele Kinder haben, reiche Ernten einbringen und eure
Rinder-, Schaf- und Ziegenherden wachsen sehen.
5Mo 28,5 Eure Körbe werden voller Früchte und eure Backtröge voll Mehl sein.
5Mo 28,6 Der Herr wird euch segnen, wenn ihr nach Hause kommt und wenn ihr
wieder aufbrecht.
5Mo 28,7 Wenn eure Feinde euch angreifen, hilft euch der Herr, sie in die Flucht
zu schlagen. In alle Himmelsrichtungen werdet ihr sie auseinander jagen.
5Mo 28,8 Der Herr, euer Gott, wird euch mit reichen Vorräten beschenken und
alles gelingen lassen, was ihr euch vornehmt. Er wird euch in dem Land segnen,
das er euch schenkt.
5Mo 28,9 Wenn ihr seine Gebote beachtet und so lebt, wie es ihm gefällt, macht
er euch zu einem Volk, das ihm allein gehört. So hat er es versprochen.
5Mo 28,10 Alle Völker der Welt werden sich vor euch fürchten, weil sie sehen,
dass ihr das Volk des Herrn seid und seinen Namen tragt.
5Mo 28,11 Der Herr wird euch mit vielen Kindern beschenken, eure Herden
vermehren und eure Felder fruchtbar machen. Überreich wird er euch in dem
verheißenen Land segnen, das er euch geben will.
5Mo 28,12 Der Herr wird euch seine Schatzkammer, den Himmel, aufschließen und
eurem Land zur richtigen Zeit Regen schicken. Alle eure Arbeit lässt er
gelingen, so dass ihr Menschen aus vielen Völkern etwas leihen könnt und selbst
nie etwas borgen müsst.
5Mo 28,13 Ihr werdet das bedeutendste aller Völker sein, und euer Aufstieg ist
unaufhaltsam. Dies alles wird sich erfüllen, wenn ihr den Geboten des Herrn,
eures Gottes, gehorcht, die ich euch heute gebe.
5Mo 28,14 Weicht niemals von dem ab, was ich euch befohlen habe. Ihr dürft nie
anderen Göttern nachlaufen und ihnen dienen.«
5Mo 28,15 »Wenn ihr aber nicht auf den Herrn, euren Gott, hört und nicht all
seine Gebote und Ordnungen befolgt, die ich euch heute gebe, dann wird sein
Fluch euch treffen:
5Mo 28,16 Verflucht werdet ihr sein, wenn ihr zu Hause seid und wenn ihr draußen
auf dem Feld arbeitet.
5Mo 28,17 In euren Körben werden keine Früchte und in den Backtrögen wird kein
Mehl sein.
5Mo 28,18 Ihr werdet keine Kinder bekommen. Eure Rinder, Schafe und Ziegen
werden sich nicht vermehren. Auf euren Feldern wird nichts mehr wachsen.
5Mo 28,19 Verflucht werdet ihr sein, wenn ihr nach Hause kommt und wenn ihr
wieder aufbrecht.
5Mo 28,20 Der Herr wird euch ins Unglück stürzen und alles misslingen lassen,
was ihr euch vornehmt. Er wird euch in die Verzweiflung treiben. Ihr werdet bald
zugrunde gehen und umkommen, wenn ihr euch in eurer Bosheit von ihm abwendet.
5Mo 28,21 Der Herr wird euch die Pest schicken, bis keiner von euch mehr in dem
Land lebt, das ihr jetzt einnehmen sollt.
5Mo 28,22 Er wird euch mit Schwindsucht, Fieber und Entzündungen plagen. Euer
Getreide vernichtet er durch Dürre und Pilze. Das Unheil wird euch bis in den
Tod verfolgen.
5Mo 28,23 Der Himmel über euch wird verschlossen sein, als wäre er aus Eisen,
und der Ackerboden hart wie Stein.
5Mo 28,24 Statt Regen wird der Herr Staub und Sand auf euer Land fallen lassen,
bis ihr umgekommen seid.
5Mo 28,25 Der Herr wird euch euren Feinden ausliefern. Sie werden euch in alle
Himmelsrichtungen auseinander jagen. Mit Grauen werden alle Völker der Welt euer
Schicksal verfolgen.
5Mo 28,26 Eure Leichen wird man nicht begraben, sondern den Vögeln und wilden
Tieren zum Fraß überlassen.
5Mo 28,27 Der Herr wird euch mit den gleichen Krankheiten plagen wie damals die
Ägypter. Eure Haut wird von unheilbaren Geschwüren, Ausschlägen, Beulen und
Wunden befallen sein.
5Mo 28,28 Der Herr wird euch in den Wahnsinn treiben, in geistige Umnachtung und
Verwirrung.
5Mo 28,29 Am helllichten Tage werdet ihr wie Blinde umhertappen. Alles, was ihr
in Angriff nehmt, wird scheitern. Man wird euch ständig unterdrücken und
berauben, und niemand wird euch helfen.
5Mo 28,30 Wenn einer von euch sich mit einer Frau verlobt, wird ein anderer mit
ihr schlafen. Wenn ihr ein Haus baut, werdet ihr nicht darin wohnen; und wenn
ihr einen Weinberg pflanzt, könnt ihr keine Trauben ernten.
5Mo 28,31 Man wird eure Rinder vor euren Augen schlachten und euch nichts davon
abgeben. Man wird eure Esel wegnehmen und nie wieder zurückbringen. Feinde
werden eure Schafe und Ziegen stehlen, und keiner wird euch beistehen.
5Mo 28,32 Eure Söhne und Töchter wird man als Sklaven ins Ausland verschleppen,
und ihr könnt nur hilflos zusehen. Tag und Nacht wird euch die Sehnsucht nach
ihnen quälen, aber ihr werdet nichts tun können, um sie wiederzubekommen.
5Mo 28,33 Ein fremdes Volk wird euch alle Ernteerträge nehmen, für die ihr
mühsam arbeiten musstet. Euer Leben lang werdet ihr unterdrückt und ausgebeutet.
5Mo 28,34 Das Leid, das ihr erlebt, wird euch in den Wahnsinn treiben.
5Mo 28,35 Der Herr wird euch mit bösartigen, unheilbaren Geschwüren plagen. Sie
werden an euren Knien und Schenkeln ausbrechen und euren ganzen Körper von Kopf
bis Fuß befallen.
5Mo 28,36 Der Herr bringt euch und den König, den ihr eingesetzt habt, zu einem
Volk, das weder ihr noch eure Vorfahren gekannt habt. Dort dient ihr anderen
Göttern aus Holz und Stein.
5Mo 28,37 Wohin ihr auch vertrieben werdet, bei allen Völkern wird man über euer
Unglück entsetzt sein und euch verspotten. Wer einen anderen verhöhnen will,
wird ihm das gleiche Schicksal wünschen, das euch getroffen hat.
5Mo 28,38 Auf euren Feldern werdet ihr viel aussäen und wenig ernten, weil die
Heuschrecken alles abfressen.
5Mo 28,39 Ihr werdet Weinberge anlegen und pflegen, aber keine Trauben lesen und
keinen Wein trinken, weil Schädlinge die Pflanzen vernichten.
5Mo 28,40 Im ganzen Land werdet ihr Ölbäume haben und doch kein Öl gewinnen, mit
dem ihr euch salben könnt, denn die Oliven fallen zu früh ab.
5Mo 28,41 Ihr werdet Söhne und Töchter zur Welt bringen, aber ihr könnt sie
nicht behalten. Ihr müsst zusehen, wie man sie in fremde Länder verschleppt.
5Mo 28,42 Heuschrecken werden über alle eure Bäume und Felder herfallen.
5Mo 28,43 Die Ausländer unter euch werden reich und angesehen sein, ihr selbst
aber hilflos und arm.
5Mo 28,44 Nicht sie werden von euch etwas leihen, sondern ihr von ihnen. Sie
werden über euch herrschen, und ihr müsst euch unterwerfen.
5Mo 28,45 Wenn ihr nicht auf den Herrn, euren Gott, hört und nicht seine Gebote
und Ordnungen beachtet, die ich euch heute gebe, werden alle diese Flüche euch
treffen. Sie werden euch verfolgen, bis ihr umgekommen seid.
5Mo 28,46 Das Unheil, das über euch und eure Nachkommen hereinbricht, wird den
anderen Menschen für immer ein abschreckendes Beispiel sein.
5Mo 28,47 Wenn ihr dem Herrn nicht fröhlich dienen wollt, weil er euch so reich
beschenkt hat,
5Mo 28,48 werdet ihr euren Feinden dienen müssen, die er euch schicken wird. Ihr
werdet Hunger und Durst leiden, es wird euch an Kleidung und allem anderen
fehlen. Der Herr sorgt dafür, dass ihr grausam unterdrückt werdet, bis ihr
umgekommen seid.
5Mo 28,49 Ein Volk vom Ende der Welt, dessen Sprache ihr nicht versteht, lässt
er über euch herfallen. Wie ein Adler stürzt es sich auf euch
5Mo 28,50 und kennt kein Erbarmen. Selbst die alten Leute und Kinder werden von
ihnen getötet.
5Mo 28,51 Sie nehmen sich euer Vieh und euer Brot, so dass euch nichts mehr zum
Leben bleibt. Nichts lassen sie euch übrig, kein Getreide, keinen Most, kein Öl,
kein Kalb und kein Lamm. Sie richten euch völlig zugrunde.
5Mo 28,52 Jede Stadt in dem Land, das der Herr, euer Gott, euch gibt, belagern
sie. Die hohen und starken Mauern, auf die ihr euch verlasst, bestürmen sie so
lange, bis sie einstürzen. Keine einzige Ortschaft lassen sie in Frieden.
5Mo 28,53 In den eingeschlossenen Städten ist die Not dann so groß, dass ihr vor
Hunger eure eigenen Söhne und Töchter esst, die der Herr euch geschenkt hat.
5Mo 28,54 [54/55] Der feinste und vornehmste Mann unter euch wird sein eigenes
Kind verzehren, weil er sonst keine Nahrung findet. Und er wird nicht bereit
sein, seinem Bruder, seiner Frau oder seinen übrigen Kindern etwas davon
abzugeben - so groß ist seine Verzweiflung in der Zeit der Belagerung.
5Mo 28,56 [56/57] Die feinste Frau unter euch, die sich ihr Leben lang in der
Sänfte herumtragen ließ, wird heimlich ihre Nachgeburt und ihr Neugeborenes
essen. Sie wird nicht bereit sein, mit ihrem Mann oder ihren anderen Kindern zu
teilen, weil sie sonst verhungern müsste. So groß wird die Not sein, wenn die
Feinde eure Städte belagern.
5Mo 28,58 [58/59] Deshalb haltet euch an alle Ordnungen dieses Gesetzes, und
lebt nach dem, was in diesem Buch steht. Habt Ehrfurcht vor dem Herrn, eurem
Gott! Denn er hat die Macht, unfassbare und schreckliche Dinge zu tun. Wenn ihr
nicht auf den Herrn hört, straft er euch und eure Nachkommen unbeschreiblich
hart. Er wird euch schlimme, unheilbare Krankheiten schicken.
5Mo 28,60 Bei euch werden sich die gleichen Seuchen ausbreiten wie bei den
Ägyptern. Alle Leiden, vor denen ihr euch fürchtet, werden euch ständig plagen.
5Mo 28,61 Und die in diesem Buch genannten Krankheiten und Seuchen sind bei
weitem nicht alles, was euch erwartet. Noch ganz andere Nöte wird der Herr euch
schicken, damit ihr zugrunde geht.
5Mo 28,62 Wenn ihr nicht auf den Herrn, euren Gott, hört, werden nur wenige von
euch überleben, selbst wenn ihr vorher so zahlreich wart wie die Sterne am
Himmel.
5Mo 28,63 Früher hat der Herr euch mit Freude Gutes getan und ein großes Volk
aus euch gemacht, dann aber wird er euch mit Freude vernichten und aus dem Land
vertreiben, das ihr bald einnehmen werdet.
5Mo 28,64 Er wird euch fortjagen zu fremden Völkern, bis in die fernsten Länder
der Erde. Dort werdet ihr fremden Göttern aus Holz und Stein dienen, die euch
und euren Vorfahren unbekannt waren.
5Mo 28,65 In diesen Ländern werdet ihr nicht zur Ruhe kommen und kein neues
Zuhause finden. Der Herr wird euch in Angst, Dunkelheit und Verzweiflung
stürzen.
5Mo 28,66 Ständig wird euer Leben am seidenen Faden hängen. Nie fühlt ihr euch
sicher, sondern Tag und Nacht habt ihr Todesangst.
5Mo 28,67 Morgens sagt ihr: ›Ach, wäre es doch schon Abend!‹ Und abends sagt
ihr: ›Ach, wäre es doch schon Morgen!‹ So sehr graut es euch vor allem, was ihr
erleben müsst.
5Mo 28,68 Auf Schiffen wird euch der Herr wieder nach Ägypten zurückbringen,
obwohl er versprochen hat, dass ihr dieses Land nie wiedersehen solltet. Dort
werdet ihr euch euren Feinden als Sklaven und Sklavinnen zum Verkauf anbieten,
aber niemand will euch haben.«
5Mo 28,69 Im Land Moab erneuerte der Herr seinen Bund mit den Israeliten, den er
am Berg Horeb mit ihnen geschlossen hatte. Dies sind die Worte, die er dem Volk
durch Mose weitergeben ließ.
5Mo 29,1 Mose rief alle Israeliten zusammen und sagte zu ihnen: »Ihr habt mit
eigenen Augen gesehen, was der Herr in Ägypten mit dem Pharao, seinen Hofbeamten
und seinem ganzen Land gemacht hat.
5Mo 29,2 Ihr seid Zeugen der großen und unfassbaren Wunder, mit denen der Herr
dort seine Macht gezeigt hat.
5Mo 29,3 Und doch hat er euch bis heute noch nicht wirklich erkennen lassen, wer
er ist und was er für euch getan hat. Ihr habt zwar Augen, aber ihr seht es
nicht. Ihr habt Ohren, aber ihr versteht es nicht.
5Mo 29,4 Vierzig Jahre habe ich euch durch die Wüste geführt, und eure Kleider
und Sandalen sind immer noch nicht verschlissen.
5Mo 29,5 Zwar gab es kein Brot und keinen Wein oder sonst ein berauschendes
Getränk, aber der Herr hat euch mit allem versorgt, was ihr brauchtet. Ihr
solltet erkennen, dass er euer Gott ist.
5Mo 29,6 Als wir hier ankamen, griffen uns die Könige Sihon von Heschbon und Og
von Baschan mit ihren Truppen an. Wir schlugen sie
5Mo 29,7 und nahmen ihr Land ein. Es gehört jetzt unseren Stämmen Ruben, Gad und
dem halben Stamm Manasse.
5Mo 29,8 Darum haltet euch an alle Gebote dieses Bundes, dann wird euch alles
gelingen, was ihr tut.
5Mo 29,9 Ihr steht heute alle vor dem Herrn, eurem Gott. Eure Stammesoberhäupter
sind da, eure Sippenoberhäupter und Richter, alle Männer aus Israel,
5Mo 29,10 eure Kinder, eure Frauen und die Ausländer, die bei euch leben, auch
die Holzfäller und Wasserträger.
5Mo 29,11 Ihr habt euch hier versammelt, um den Bund mit dem Herrn zu erneuern.
Er schließt ihn mit euch und besiegelt ihn mit einem Schwur.
5Mo 29,12 Heute erklärt er euch, dass ihr zu ihm gehört. Ihr seid sein Volk, und
er ist euer Gott, wie er es euch und euren Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob
versprochen hat.
5Mo 29,13 Er schließt diesen Bund nicht nur mit euch,
5Mo 29,14 sondern auch mit euren Nachkommen. Sie gehören genauso zu ihm wie wir,
die wir heute vor ihm stehen.«
5Mo 29,15 »Ihr wisst, wie wir in Ägypten gelebt haben, und erinnert euch auch an
die Völker, denen wir auf dem Weg hierher begegnet sind.
5Mo 29,16 Ihr habt die abscheulichen Götzen gesehen, die diese Menschen
verehren, ihre Statuen aus Holz, Stein, Silber und Gold.
5Mo 29,17 Aber aus eurem Volk soll sich von heute an niemand mehr vom Herrn,
unserem Gott, abwenden und den Göttern dieser Völker nachlaufen - kein Mann,
keine Frau, keine Sippe und kein Stamm. Wer Götzen verehrt, ist wie eine
giftige, schädliche Pflanze unter euch.
5Mo 29,18 Vielleicht hört mancher von euch heute von den Strafen, die der Herr
androht, und redet sich ein: ›Es wird mir weiterhin gut gehen, auch wenn ich
nicht bereit bin, die Gebote des Herrn zu befolgen.‹ Doch er irrt sich! Er wird
sterben und das ganze Volk mit sich ins Verderben reißen.
5Mo 29,19 Der Herr ist nicht bereit, diesem Menschen zu vergeben; seinen ganzen
Zorn wird er an ihm auslassen. Alle Fluchworte, die in diesem Buch stehen,
werden ihn treffen. Der Herr wird jede Spur von ihm auslöschen.
5Mo 29,20 Er wird ihn aus der Gemeinschaft der Israeliten verstoßen und ins
Unglück stürzen. Alle Flüche des Bundes, die in diesem Gesetzbuch stehen, werden
diesen Menschen treffen.
5Mo 29,21 Vielleicht werden eines Tages eure Nachkommen und Menschen aus fremden
Völkern sehen, wie euer Land völlig verwüstet und von Seuchen heimgesucht worden
ist.
5Mo 29,22 Der Boden wird dann ganz verbrannt sein, bedeckt mit Schwefel und
Salz. Man wird nichts mehr dort aussäen können, weil nichts mehr wächst, nicht
einmal Unkraut. Es sieht aus wie nach dem Untergang der Städte Sodom und
Gomorra, Adma und Zebojim, die der Herr voller Zorn in Schutt und Asche gelegt
hat.
5Mo 29,23 Die Völker werden sich fragen: ›Warum hat der Herr das getan? Was hat
ihn so zornig gemacht?‹
5Mo 29,24 Und man wird ihnen antworten: ›Die Menschen dieses Landes haben den
Bund gebrochen, den der Herr, der Gott ihrer Vorfahren, mit ihrem Volk schloss,
als er es aus Ägypten herausführte.
5Mo 29,25 Sie verehrten Götter, die sie vorher nicht kannten, und beteten sie
an, obwohl der Herr es ihnen nicht erlaubt hatte.
5Mo 29,26 Deshalb wurde er sehr zornig auf sie und setzte alle Fluchandrohungen
in die Tat um, die in diesem Buch aufgeschrieben sind.
5Mo 29,27 In seinem großen Zorn verstieß er sie aus ihrer Heimat und vertrieb
sie in ein anderes Land, wo sie heute noch leben.‹
5Mo 29,28 Vieles, was der Herr, unser Gott, tut, bleibt uns verborgen. Doch
seinen Willen hat er uns eindeutig mitgeteilt. Er hat uns seine Gebote gegeben,
die in diesem Gesetzbuch aufgeschrieben sind. Ihnen sollen wir und unsere
Nachkommen für alle Zeiten gehorchen.«
5Mo 30,1 »Was ich euch gesagt habe, lässt euch die Wahl zwischen Segen und
Fluch. Wenn der Herr, euer Gott, euch straft und euch in fremde Länder
vertreibt, kommt ihr dort vielleicht zur Besinnung
5Mo 30,2 und kehrt zu ihm zurück. Wenn ihr auf das hört, was er euch heute durch
mich sagt, wenn ihr und eure Kinder ihm von ganzem Herzen und mit aller Hingabe
gehorcht,
5Mo 30,3 dann wird der Herr euer Schicksal zum Guten wenden. Er wird sich über
euch erbarmen und euch aus allen Ländern zurückbringen, in die er euch
vertrieben hat.
5Mo 30,4 Selbst wenn ihr bis zum Ende der Welt verschleppt worden seid, wird der
Herr, euer Gott, euch von dort zurückholen.
5Mo 30,5 Dann bringt er euch wieder in das Land, das euren Vorfahren gehört hat,
und ihr könnt es neu in Besitz nehmen. Er tut euch Gutes und lässt euch
zahlreicher werden als je zuvor.
5Mo 30,6 Der Herr, euer Gott, wird euch und eure Kinder im Herzen verändern. Er
wird euch fähig machen, ihn aufrichtig und mit ganzer Hingabe zu lieben. Dann
bleibt ihr am Leben.
5Mo 30,7 Und alles, was der Herr euch angedroht hat, lässt er über eure Feinde
hereinbrechen, die euch hassen und euch verfolgt haben.
5Mo 30,8 Denn ihr werdet zu ihm zurückkehren und ihm gehorchen. Ihr werdet euch
an alle seine Gebote halten, die ich euch heute gebe.
5Mo 30,9 Dann segnet der Herr, euer Gott, euch bei eurer Arbeit und schenkt euch
alles im Überfluss. Ihr werdet viele Kinder haben und große Herden besitzen.
Eure Felder werden beste Erträge bringen, und es wird euch gut gehen. Der Herr
wird euch beschenken, weil er sich über euch genauso freut wie über eure
Vorfahren.
5Mo 30,10 Dies alles wird geschehen, wenn ihr wieder auf den Herrn, euren Gott,
hört und euch an seine Gebote und Ordnungen haltet, die in diesem Buch
aufgeschrieben sind, ja, wenn ihr aufrichtig und von ganzem Herzen zu ihm
zurückkehrt.
5Mo 30,11 Die Gebote, die ich euch heute gebe, sind ja nicht zu schwer für euch
oder unerreichbar fern.
5Mo 30,12 Sie sind nicht oben im Himmel, so dass ihr sagen müsstet: ›Wer steigt
hinauf und bringt uns die Gebote herunter, damit wir sie hören und befolgen
können?‹
5Mo 30,13 Sie sind auch nicht auf der anderen Seite des Meeres, so dass ihr
fragen müsstet: ›Wer fährt für uns hinüber und holt sie?‹
5Mo 30,14 Im Gegenteil: Die Gebote sind nahe bei euch! Ihr kennt sie auswendig,
ihr könnt sie aufsagen und befolgen.«
5Mo 30,15 »Und nun hört gut zu! Heute stelle ich euch vor die Entscheidung
zwischen Glück und Unglück, zwischen Leben und Tod.
5Mo 30,16 Ich fordere euch auf: Liebt den Herrn, euren Gott! Geht den Weg, den
er euch zeigt, und beachtet seine Gebote, Weisungen und Ordnungen! Dann werdet
ihr am Leben bleiben und zu einem großen Volk werden. Der Herr, euer Gott, wird
euch segnen in dem Land, das ihr jetzt einnehmen wollt.
5Mo 30,17 Ganz anders wird es euch ergehen, wenn ihr dem Herrn den Rücken kehrt
und eure Ohren vor ihm verschließt, wenn ihr euch dazu verführen lasst, anderen
Göttern zu dienen und sie anzubeten.
5Mo 30,18 Dann werdet ihr nicht lange in dem Land bleiben, in das ihr jetzt
kommt, wenn ihr den Jordan überquert. Das sage ich euch klar und deutlich. Ihr
werdet zugrunde gehen.
5Mo 30,19 Himmel und Erde sind meine Zeugen, dass ich euch heute vor die Wahl
gestellt habe zwischen Leben und Tod, zwischen Segen und Fluch. Wählt das Leben,
damit ihr und eure Kinder nicht umkommt!
5Mo 30,20 Liebt den Herrn, euren Gott, und hört auf ihn! Haltet ihm die Treue!
Dann werdet ihr am Leben bleiben und in dem Land wohnen, das der Herr euren
Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob versprochen hat.«
5Mo 31,1 Mose sagte zu den Israeliten:
5Mo 31,2 »Ich bin jetzt 120 Jahre alt und kann euch nicht länger führen. Der
Herr hat mir verboten, den Jordan zu überqueren.
5Mo 31,3 Er selbst, der Herr, euer Gott, wird vor euch hergehen. Er wird die
Völker, auf die ihr trefft, vernichten und euch helfen, ihr Land einzunehmen.
Josua wird dabei die Führung übernehmen, wie der Herr es bestimmt hat.
5Mo 31,4 Der Herr löscht die Völker dort genauso aus wie hier die Amoriter mit
ihren Königen Sihon und Og.
5Mo 31,5 Wenn er sie in eure Gewalt gibt, dann behandelt sie, wie er es euch
durch mich befohlen hat.
5Mo 31,6 Seid mutig und stark! Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen
einschüchtern! Der Herr, euer Gott, geht mit euch. Er hält immer zu euch und
lässt euch nicht im Stich!«
5Mo 31,7 Dann rief Mose Josua zu sich und sagte vor allen Israeliten zu ihm:
»Sei mutig und stark! Denn du wirst dieses Volk in das Land bringen, das der
Herr euch gibt, wie er es euren Vorfahren versprochen hat. Du wirst dieses Land
unter den Israeliten aufteilen.
5Mo 31,8 Der Herr selbst geht vor dir her. Er steht dir zur Seite und verlässt
dich nicht. Immer hält er zu dir. Hab keine Angst, und lass dich von niemandem
einschüchtern!«
5Mo 31,9 Mose hatte das ganze Gesetz aufgeschrieben und überreichte es nun den
führenden Männern Israels und den Priestern vom Stamm Levi, die für die
Bundeslade verantwortlich waren.
5Mo 31,10 [10/11] Er sagte zu ihnen: »Lest dieses Gesetz alle sieben Jahre, im
Ruhejahr, den Israeliten vor, wenn sie sich am Laubhüttenfest beim Heiligtum des
Herrn versammeln.
5Mo 31,12 Ruft dann das ganze Volk zusammen, Männer, Frauen und Kinder und auch
die Ausländer, die bei euch leben. Sie alle sollen das Gesetz hören. Sie sollen
lernen, was darin steht, damit sie Ehrfurcht vor dem Herrn, eurem Gott, haben
und alle Gebote genau befolgen.
5Mo 31,13 Auch die Kinder, die das Gesetz noch nicht kennen, sollen genau
zuhören, damit sie stets dem Herrn, eurem Gott, in Ehrfurcht begegnen. Die
Gebote sollen euer Leben in dem Land jenseits des Jordan bestimmen, das ihr nun
in Besitz nehmt.«
5Mo 31,14 Der Herr sprach zu Mose: »Du wirst nun bald sterben. Ruf Josua, und
komm mit ihm in mein heiliges Zelt! Ich will ihm jetzt Anweisungen für seine
neue Aufgabe geben.« Mose und Josua gingen zum Heiligtum,
5Mo 31,15 und der Herr erschien am Eingang in der Wolkensäule.
5Mo 31,16 Er sprach zu Mose: »Nach deinem Tod werden die Israeliten mich
verlassen und den Bund brechen, den ich mit ihnen geschlossen habe. Sie werden
sich mit fremden Göttern einlassen, die sie in ihrem neuen Land kennen lernen.
5Mo 31,17 Doch damit fordern sie meinen Zorn heraus. Ich werde mich von ihnen
abwenden und sie im Stich lassen. Ihre Schuld müssen sie teuer bezahlen, Not und
Elend wird über sie hereinbrechen. Sie werden sich fragen: ›Hat der Herr, unser
Gott, uns verlassen? Ist das der Grund für unsere Not?‹
5Mo 31,18 Ich aber werde ihnen nicht mehr helfen, weil sie gegen mich gesündigt
haben und anderen Göttern nachgelaufen sind.
5Mo 31,19 Und nun sollt ihr ein Lied für die Israeliten aufschreiben. Sie sollen
es lernen und singen. Dann können sie nicht sagen, sie hätten nicht gewusst, was
ich von ihnen wollte.
5Mo 31,20 Ich bringe die Israeliten jetzt in das Land, das ich ihren Vorfahren
versprochen habe, ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Sie werden dort
essen, bis sie satt sind, ja, bis sie fett werden! Sie werden mich verachten und
sich anderen Göttern zuwenden. Den Bund mit mir werden sie brechen und den
Götzen dienen.
5Mo 31,21 Wenn dann großes Unheil über sie hereinbricht, wird dieses Lied ihnen
zeigen, dass sie selbst schuld daran sind. Sie werden das Lied nie vergessen,
jede Generation wird es der nächsten beibringen. Ich gebe es den Israeliten mit
auf den Weg, denn ich weiß genau, was schon heute in ihnen vorgeht, bevor sie
das versprochene Land überhaupt betreten haben.«
5Mo 31,22 Mose schrieb das Lied noch am selben Tag auf und brachte es den
Israeliten bei.
5Mo 31,23 Dann redete der Herr auch mit Josua, dem Sohn Nuns: »Sei stark und
mutig! Denn du wirst die Israeliten in das Land bringen, das ich ihnen
versprochen habe. Ich selbst werde dir helfen.«
5Mo 31,24 Nachdem Mose das ganze Gesetz auf eine Buchrolle geschrieben hatte,
5Mo 31,25 sagte er zu den Leviten, die für die Bundeslade des Herrn
verantwortlich waren:
5Mo 31,26 »Legt die Buchrolle neben die Bundeslade des Herrn, eures Gottes. Sie
zeigt euch Israeliten, was Gott von euch erwartet.
5Mo 31,27 Ich weiß, wie widerspenstig und eigensinnig ihr seid. Solange ich bei
euch war, habt ihr euch immer wieder gegen den Herrn aufgelehnt. Wie wird es
erst sein, wenn ich gestorben bin!
5Mo 31,28 Alle führenden Männer eurer Sippen und Stämme sollen zu mir kommen.
Ich will mit ihnen sprechen. Himmel und Erde sind dabei meine Zeugen.
5Mo 31,29 Denn ich weiß, dass ihr nach meinem Tod ins Verderben lauft und den
Weg verlasst, den ich euch gewiesen habe. Am Ende werdet ihr ins Unglück
stürzen, weil ihr tut, was der Herr verabscheut, und damit seinen Zorn
herausfordert.«
5Mo 31,30 Dann trug Mose den versammelten Israeliten das ganze Lied vor, das der
Herr ihn aufschreiben ließ.
5Mo 32,1 Der Himmel höre, was ich sage, die Erde achte auf mein Lied!
5Mo 32,2 Wie Regen soll es Leben spenden, erfrischen soll es wie der Tau und
Wachstum bringen wie ein Schauer, der auf Gras und Kräuter fällt.
5Mo 32,3 Ich rufe laut den Namen des Herrn! Gebt unserem großen Gott die Ehre!
5Mo 32,4 Vollkommen und gerecht ist alles, was er tut. Er ist ein Fels - auf ihn
ist stets Verlass. Er hält, was er verspricht; er ist gerecht und treu.
5Mo 32,5 Und was seid ihr? Ein falsches Volk, das keine Treue kennt! Ist es
nicht eine Schande, wie ihr Gott beleidigt? Und ihr wollt seine Kinder sein?
Nein, nie und nimmer seid ihr das!
5Mo 32,6 Soll das der Dank sein für all das Gute, das er für euch tat? Wie dumm
und blind ihr seid! Ist er nicht euer Vater? Hat er euch nicht geschaffen? Ja,
er ist euer Schöpfer, euer Leben kommt aus seiner Hand.
5Mo 32,7 Denkt zurück an ferne Zeiten, an Jahre, die längst vergangen sind!
Fragt eure Eltern, was damals geschah! Die alten Leute werden es euch sagen.
5Mo 32,8 Der höchste Gott gab jedem Volk ein Land und teilte die Erde unter
ihnen auf. Er zog die Grenzen dabei so, dass Israel genügend Land bekam.
5Mo 32,9 Denn dieses Volk, die Nachkommen von Jakob, sind Eigentum des Herrn. Er
selbst hat sie dazu erwählt.
5Mo 32,10 Er fand sie in der öden Wüste, wo nachts die wilden Tiere heulten. Er
schloss sie fest in seine Arme, bewahrte sie wie seinen Augapfel.
5Mo 32,11 Er ging mit ihnen um wie ein Adler, der seine Jungen fliegen lehrt:
Der wirft sie aus dem Nest, begleitet ihren Flug, und wenn sie fallen, ist er
da, er breitet seine Schwingen unter ihnen aus und fängt sie auf.
5Mo 32,12 So hat der Herr sein Volk geführt, der Herr allein, kein anderer Gott.
5Mo 32,13 Er machte sie zu Herrschern eines weiten, guten Landes und schenkte
ihnen reiche Ernten. Wo sie zuerst nur Felsen sahen, entdeckten sie bald Honig,
und wo bisher nur Steine lagen, da wuchsen nun Olivenbäume.
5Mo 32,14 Die Israeliten hatten Sahne, Butter, sie tranken Milch von Ziegen,
aßen gutes Fleisch vom Lamm und Schafböcke aus dem Lande Baschan, sie hatten
Ziegenböcke, besten Weizen und edlen roten Wein.
5Mo 32,15 Da wurden diese ehrenwerten Leute fett. Sie wurden richtig rund und
dick und meinten, Gott nicht mehr zu brauchen. Sie wandten sich von ihrem
Schöpfer ab und lachten über ihren Retter, auf den sie sich zuvor noch fest
verlassen hatten.
5Mo 32,16 Sie reizten ihn zur Eifersucht mit fremden Göttern, abscheulich war
ihr Götzendienst, beleidigend für ihren Gott.
5Mo 32,17 Sie brachten den Dämonen Opfer dar, den Göttern, die doch keine sind,
die weder sie noch ihre Eltern kannten, weil man sie gerade erst erfand.
5Mo 32,18 Ihr habt den Fels verlassen, der euch stützt und trägt. Ihr habt den
Gott vergessen, der euch zur Welt gebracht hat.
5Mo 32,19 Obwohl ihr seine Kinder seid, habt ihr ihn so gekränkt. Als er das
sah, verstieß er euch
5Mo 32,20 und sprach: »Ich werde mich vor ihnen jetzt verbergen und sehen, was
aus ihnen wird. Denn sie sind durch und durch verdorben. Sie kennen keine Treue.
5Mo 32,21 Sie haben mich herausgefordert mit Göttern, die doch keine sind. Sie
haben mich zum Zorn gereizt mit diesen toten Götzen. So werde nun auch ich sie
reizen mit einem Volk, das keines ist. Ich werde sie herausfordern mit einer
Schar von Narren.
5Mo 32,22 Der helle Zorn hat mich gepackt. Er ist ein Feuer, das die Erde frisst
mit allem, was darauf gewachsen ist. Es lodert hinab bis in das Totenreich und
setzt das Fundament der Welt in Brand.
5Mo 32,23 Ich werde Israel ins Unglück stürzen und alle meine Pfeile auf sie
schießen.
5Mo 32,24 Ich lasse sie verhungern, ich töte sie durch Fieber und durch Pest.
Raubtiere hetze ich auf sie und schicke ihnen Schlangen mit mörderischem Gift.
5Mo 32,25 Wer auf die Straße geht, wird mit dem Schwert getötet. Und wer zu
Hause bleibt, stirbt dort vor Angst, ob Mann oder Frau, ob Säugling oder Greis.
5Mo 32,26 Ich bin nah daran, sie völlig zu vernichten und jede Spur von ihnen
auszulöschen.
5Mo 32,27 Ich tue es nur deshalb nicht, weil ihre Feinde es falsch deuten und
behaupten könnten: ›Wir haben sie allein besiegt, ganz ohne Gott!‹
5Mo 32,28 Israel ist ein Volk ohne Einsicht und Verstand.
5Mo 32,29 Wenn sie auch nur ein bisschen weise wären, dann würden sie bedenken,
dass dies ein schlimmes Ende nimmt. Auch müssten sie sich fragen:
5Mo 32,30 ›Wie kann ein einziger unserer Feinde eintausend Israeliten verjagen?
Wie können zwei von ihnen zehntausend Mann von uns vertreiben? Das ist nur
möglich, weil der Herr uns, sein Volk, in ihre Hände gibt, weil er uns nicht
mehr beschützt.‹
5Mo 32,31 Die Feinde wissen ganz genau, dass ihre Götter bei weitem nicht so
viel Macht besitzen wie euer Gott, der starke Fels.
5Mo 32,32 Sie sind ein Weinstock, der aus Sodom und Gomorra stammt - er trägt
nur bittere, giftige Früchte.
5Mo 32,33 Der Wein aus diesen Trauben ist das reinste Schlangengift.
5Mo 32,34 Ich vergesse nichts von dem, was sie euch antun; alles halte ich fest.
5Mo 32,35 Und schon bald werde ich euch rächen. Ich werde ihnen alles vergelten.
Es dauert nicht mehr lange, dann bringe ich sie ins Wanken und lasse sie ins
Unglück stürzen. Ihr Schicksal ist bereits besiegelt.«
5Mo 32,36 Mit allen aber, die ihm dienen, wird der Herr Erbarmen haben. Er wird
ihnen zum Recht verhelfen und es nicht länger dulden, dass sein Volk immer
schwächer wird, dass weder freier Mensch noch Sklave überlebt.
5Mo 32,37 Er wird sie fragen: »Wo sind nun eure Götter, auf die ihr euch so
felsenfest verlassen habt?
5Mo 32,38 Die besten Opfertiere habt ihr ihnen dargebracht und guten Wein vor
ihnen ausgegossen. Wo bleiben sie denn bloß? Ja, warum helfen und beschützen sie
euch nicht?
5Mo 32,39 Erkennt doch: Ich allein bin Gott, und es gibt keinen außer mir. Ich
ganz allein bestimme über Tod und Leben, über Krankheit und Gesundheit. Niemand
kann euch meiner Macht entreißen.
5Mo 32,40 Ich hebe meine Hand zum Schwur und sage euch, so wahr ich lebe:
5Mo 32,41 Ich werde mich an meinen Feinden rächen. Ich zahle es allen heim, die
mich hassen! Sobald mein blankes Schwert geschärft ist, bekommen sie, was sie
verdienen.
5Mo 32,42 Ich nehme meine Feinde gefangen und töte sie und ihre Führer. Mein
Schwert wird sie verschlingen, bis es satt geworden ist, meine Pfeile werden ihr
Blut trinken, bis ihr Durst gestillt ist.«
5Mo 32,43 Ihr Völker, jubelt Israel zu! Der Herr nimmt Rache für den Tod der
Menschen, die ihm dienten. Er zahlt es ihren Feinden heim. Und seinem eigenen
Volk vergibt er alle Sünden. Er nimmt die Schuld von ihrem Land.
5Mo 32,44 Dieses Lied trugen Mose und Josua, der Sohn Nuns, den Israeliten vor.
5Mo 32,45 [45/46] Danach sagte Mose: »Nehmt euch alles zu Herzen, was ich euch
heute weitergesagt habe! Lehrt auch eure Kinder alle Gebote aus diesem Gesetz,
damit sie sich genau daran halten.
5Mo 32,47 Es sind keine leeren Worte, sie sind euer Leben. Richtet euch danach,
und ihr werdet lange in dem neuen Land jenseits des Jordan bleiben, das ihr
jetzt in Besitz nehmt.«
5Mo 32,48 Am selben Tag sprach der Herr zu Mose:
5Mo 32,49 »Steig auf den Berg Nebo im Gebirge Abarim! Er liegt gegenüber von
Jericho auf dieser Seite des Jordan, im Land der Moabiter. Sieh dir von dort aus
das Land Kanaan an, das ich den Israeliten schenke.
5Mo 32,50 Danach wirst du dort oben sterben, wie Aaron, der auf dem Berg Hor
gestorben ist.
5Mo 32,51 Denn ihr beide habt mir die Treue gebrochen. An der Quelle Meriba bei
Kadesch in der Wüste Zin habt ihr meinen heiligen Namen nicht geehrt, sondern
euch selbst in den Mittelpunkt gestellt.
5Mo 32,52 Deshalb sollst du das Land, das ich den Israeliten schenke, nur von
weitem sehen und nicht selbst hineinkommen.«
5Mo 33,1 Vor seinem Tod segnete Mose, der Mann Gottes, die Israeliten mit diesen
Worten:
5Mo 33,2 »Der Herr kam vom Berg Sinai, wie die Sonne erhob er sich über dem
Gebirge Seïr. Über den Bergen von Paran zeigte er sich in seinem Glanz.
Unzählige Engel begleiteten ihn, und Feuer fuhr aus seiner rechten Hand.
5Mo 33,3 Der Herr liebt die Stämme Israels, er beschützt alle Menschen, die zu
ihm gehören. Sie werfen sich vor ihm nieder und achten auf seine Worte.
5Mo 33,4 Ich habe euch, den Nachkommen Jakobs, das Gesetz gegeben, es ist unser
reiches Erbe.
5Mo 33,5 Die führenden Männer und alle Stämme Israels versammelten sich, und der
Herr wurde König seines geliebten Volkes.«
5Mo 33,6 Zuerst segnete Mose den Stamm Ruben: »Ruben soll leben und nie
untergehen, aber auch nicht zu groß werden.«
5Mo 33,7 Dann segnete er den Stamm Juda: »Herr, erhöre die Leute von Juda, wenn
sie zu dir beten! Denn sie kämpfen für Israel. Hilf ihnen gegen ihre Feinde, und
bring sie aus jedem Kampf sicher nach Hause zurück.«
5Mo 33,8 Über den Stamm Levi sagte Mose: »Sie haben die heiligen Lose, weil sie
dir, Herr, treu geblieben sind. Du hast sie in Massa herausgefordert und in
Meriba auf die Probe gestellt.
5Mo 33,9 Sie haben dein Wort bewahrt und befolgt. Am Bund mit dir haben sie treu
festgehalten, um deinetwillen stellten sie sich gegen ihre Eltern, Geschwister
und Kinder.
5Mo 33,10 Sie sollen den Israeliten immer wieder deine Gebote nahe bringen, dein
Gesetz den Nachkommen Jakobs weitergeben. Sie bringen dir Opfer dar auf dem
Altar und verbrennen Weihrauch zu deiner Ehre.
5Mo 33,11 Herr, segne die Leviten, stärke sie! Freu dich über alles, was sie
tun! Wer sie hasst und angreift, den zerschmettere, dass er nie wieder aufstehen
kann.«
5Mo 33,12 Dann segnete Mose den Stamm Benjamin: »Der Herr liebt die Benjaminiter
besonders! Sie leben sicher in den Bergen. Der Herr wohnt bei ihnen und
beschützt sie Tag und Nacht.«
5Mo 33,13 Zum Stamm Josef sagte Mose: »Der Herr segne euer Land mit kostbarem
Regen vom Himmel und mit Quellwasser aus der Tiefe.
5Mo 33,14 Er segne euch mit den reichen Gaben, die das ganze Jahr über im
Sonnenlicht wachsen.
5Mo 33,15 Er segne euch mit den herrlichsten Wäldern oben auf den uralten Bergen
und Höhen.
5Mo 33,16 Er beschenke euch mit all den Schätzen und dem ganzen Reichtum, den
die Erde hervorbringt. Ich bitte den Gott, der mir im Dornbusch erschien, dass
er sich über euch freut und euch seine Liebe zeigt. Ihr vom Stamm Josef gehört
ihm in besonderer Weise.
5Mo 33,17 Stark seid ihr wie ein Stier, gefährlich wie ein wilder Büffel, der
mit den Hörnern um sich stößt. Ihr Tausende aus Manasse und Zehntausende aus
Ephraim, ihr besiegt alle Völker auf der ganzen Welt.«
5Mo 33,18 Zu den Stämmen Sebulon und Issaschar sagte Mose: »Ihr vom Stamm
Sebulon, freut euch an euren Fahrten auf dem Meer! Und ihr vom Stamm Issaschar,
freut euch über eure schönen Zelte!
5Mo 33,19 Ihr ladet Völker ein zum heiligen Berg und bringt dort mit
aufrichtigem Herzen Opfer dar. Auf See werdet ihr reichen Handel treiben und am
Strand verborgene Schätze heben.«
5Mo 33,20 Dann segnete Mose den Stamm Gad: »Ich lobe Gott dafür, dass er euer
Gebiet erweitert. Wie eine Löwin lauert euer Stamm auf Beute. Und hat er sie
gepackt, dann reißt er ihr den Kopf und den Arm ab.
5Mo 33,21 Ihr habt euch an die Spitze Israels gestellt und euer Volk so in den
Kampf geführt. Die Befehle des Herrn habt ihr befolgt und zusammen mit den
anderen Israeliten sein Gericht vollstreckt. Weil ihr die Anführer im Kampf
wart, habt ihr auch das Gebiet bekommen, das zuerst erobert wurde. So habt ihr
es euch selbst gewünscht.«
5Mo 33,22 Über den Stamm Dan sagte Mose: »Dan ist wie ein junger Löwe, der aus
dem Dickicht von Baschan hervorspringt.«
5Mo 33,23 Zum Stamm Naftali sagte er: »Ihr von Naftali habt die ganze Liebe des
Herrn erfahren und seid reich von ihm beschenkt worden. Euch gehört das Land,
das sich vom See nach Süden erstreckt!«
5Mo 33,24 Dann segnete Mose den Stamm Asser: »Asser soll der beliebteste Stamm
in Israel sein und noch reicher gesegnet werden als die anderen. Möge es in
seinem Land Olivenbäume im Überfluss geben!
5Mo 33,25 Seine Stadttore seien mit eisernen Riegeln gesichert, seine Kraft
bleibe ungebrochen, solange er besteht.«
5Mo 33,26 Zuletzt sagte Mose: »Kein Gott gleicht dem Gott, der Israel liebt.
Majestätisch fährt er am Himmel dahin und kommt mit den Wolken euch zu Hilfe.
5Mo 33,27 Er, der ewige Gott, breitet seine Arme aus, um euch zu tragen und zu
schützen. Er hat eure Feinde besiegt und euch befohlen, sie zu vernichten.
5Mo 33,28 Ihr Israeliten lebt in Ruhe und Sicherheit, niemand stört euren
Frieden, ihr Nachkommen Jakobs. Regen fällt vom Himmel auf euer Land, und
überall wachsen Getreide und Wein.
5Mo 33,29 Glücklich seid ihr Israeliten! Wer hat es so gut wie ihr? Ihr seid das
Volk, das der Herr gerettet hat. Er beschützt euch wie ein Schild, und im Kampf
ist er euer Schwert. Er bringt euch zu hohem Ansehen. Eure Feinde müssen sich
vor euch verbeugen, und ihr besitzt ihr ganzes Land.«
5Mo 34,1 Nachdem Mose die Israeliten gesegnet hatte, verließ er die moabitische
Steppe und stieg gegenüber von Jericho auf den Nebo, einen Gipfel des Berges
Pisga. Dort zeigte ihm der Herr das ganze Land, das die Israeliten bekommen
sollten: die Landschaft Gilead bis zum Gebiet von Dan,
5Mo 34,2 die Gebiete der Stämme Naftali, Ephraim und Manasse, das ganze Land
Judas bis zum Mittelmeer,
5Mo 34,3 die Wüste Negev im Süden und die Ebene von der Palmenstadt Jericho bis
hinab nach Zoar.
5Mo 34,4 Der Herr sprach zu ihm: »Dies ist das Land, das ich Abraham, Isaak und
Jakob für ihre Nachkommen versprochen habe. Du wirst nicht hineingehen, aber ich
wollte, dass du es mit eigenen Augen siehst.«
5Mo 34,5 Darauf starb Mose, der Diener des Herrn, dort im Land Moab, wie der
Herr es ihm gesagt hatte.
5Mo 34,6 Der Herr selbst begrub ihn in einem Tal bei Bet-Peor. Niemand hat je
das Grab gefunden.
5Mo 34,7 Bei seinem Tod war Mose 120 Jahre alt. Bis zuletzt waren seine Augen
klar und seine Kraft ungebrochen.
5Mo 34,8 Dreißig Tage lang hielten die Israeliten in der moabitischen Steppe für
ihn die Totenklage.
5Mo 34,9 Dann trat Josua, der Sohn Nuns, an seine Stelle. Er war vom Geist
Gottes erfüllt und besaß große Weisheit, seit Mose ihm die Hände aufgelegt und
für ihn gebetet hatte. Die Israeliten hörten auf ihn, wie der Herr es ihnen
durch Mose befohlen hatte.
5Mo 34,10 Nach Mose hat es keinen Propheten mehr gegeben, dem der Herr von
Angesicht zu Angesicht begegnet ist.
5Mo 34,11 Nie wieder sind so große Wunder durch einen Menschen geschehen; nie
wieder hat der Herr so deutlich seine Macht gezeigt wie in Ägypten am Pharao,
seinen Hofbeamten und seinem ganzen Land.
5Mo 34,12 Niemand hat jemals so schreckliche und gewaltige Dinge vor den Augen
aller Israeliten getan wie Mose.
Jos 1,1 Als Mose gestorben war, sprach der Herr zu Josua, dem Sohn Nuns, der
Mose bei seinen Aufgaben geholfen hatte:
Jos 1,2 »Mein Diener Mose ist tot. Nun wirst du Israel führen! Befiehl dem Volk,
sich für den Aufbruch fertig zu machen. Ihr werdet den Jordan überqueren und in
das Land ziehen, das ich euch gebe.
Jos 1,3 Jedes Gebiet, in das ihr vordringt, gehört euch. Das habe ich schon Mose
versprochen.
Jos 1,4 Euer Land wird von der Wüste im Süden bis zum Libanon im Norden reichen
und vom Euphrat im Osten bis zum Mittelmeer im Westen; das ganze Gebiet der
Hetiter wird euch gehören.
Jos 1,5 Dein Leben lang wird niemand dich besiegen können. Denn ich bin bei dir,
so wie ich bei Mose gewesen bin. Ich lasse dich nicht im Stich, nie wende ich
mich von dir ab.
Jos 1,6 Sei stark und mutig! Denn du wirst das Land einnehmen, das ich euren
Vorfahren versprochen habe, und wirst es den Israeliten geben.
Jos 1,7 Sei mutig und entschlossen! Bemühe dich darum, das ganze Gesetz zu
befolgen, das dir mein Diener Mose gegeben hat. Weiche nicht davon ab! Dann
wirst du bei allem, was du tust, Erfolg haben.
Jos 1,8 Sag dir die Gebote immer wieder auf! Denke Tag und Nacht über sie nach,
damit du dein Leben ganz nach ihnen ausrichtest. Dann wird dir alles gelingen,
was du dir vornimmst.
Jos 1,9 Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht
einschüchtern, und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir,
wohin du auch gehst.«
Jos 1,10 [10/11] Josua schickte die führenden Männer des Volkes durch das Lager
und ließ sie überall ausrufen: »Macht euch zum Aufbruch fertig! Nehmt genug
Vorräte mit! In drei Tagen werdet ihr den Jordan überqueren, um das Land
einzunehmen, das euch der Herr, euer Gott, geben wird.«
Jos 1,12 Die israelitischen Stämme Ruben und Gad und der halbe Stamm Manasse
hatten sich bereits östlich des Jordan angesiedelt. Ihnen ließ Josua ausrichten:
Jos 1,13 [13/14] »Denkt daran, was euch Mose, der Diener des Herrn, gesagt hat:
›Der Herr, euer Gott, will euch dieses Land östlich des Jordan geben, damit ihr
hier in Frieden leben könnt.‹ Als Mose euch dieses Land versprach, stellte er
euch eine Bedingung. Darum lasst nun eure Frauen und Kinder und euer Vieh hier
zurück, und zieht mit allen kampffähigen Männern bewaffnet vor euren
Bruderstämmen her! Helft ihnen, das Gebiet westlich des Jordan einzunehmen!
Jos 1,15 Bleibt so lange bei ihnen, bis der Herr auch ihnen ihr Land gegeben hat
und sie dort in Frieden leben, so wie ihr jetzt schon! Dann aber kehrt in euer
eigenes Land zurück, das euch Mose, der Diener Gottes, östlich des Jordan
zugeteilt hat, und lasst euch dort nieder!«
Jos 1,16 Sie antworteten Josua: »Wir werden alles tun, was du befiehlst, und
dich überall unterstützen, wo du uns einsetzen willst.
Jos 1,17 Wie wir Mose gehorcht haben, gehorchen wir dir. Der Herr möge dir
helfen, so wie er Mose geholfen hat.
Jos 1,18 Wer sich deinen Befehlen widersetzt und nicht jeder Weisung folgt, die
du uns gibst, wird getötet. Sei mutig und entschlossen!«
Jos 2,1 Die Israeliten lagerten zu dieser Zeit in der Gegend von Schittim. Von
dort schickte Josua, der Sohn Nuns, heimlich zwei Männer los. Sie sollten das
vor ihnen liegende Land auskundschaften, besonders die Stadt Jericho. Die beiden
machten sich auf den Weg und erreichten gegen Abend die Stadt. Auf der Suche
nach einer Bleibe für die Nacht kamen sie in das Haus einer Prostituierten
namens Rahab.
Jos 2,2 Kurz darauf erhielt der König von Jericho die Nachricht: »Heute Abend
sind israelitische Männer eingetroffen, die unser Land erkunden sollen. Sie
halten sich bei Rahab auf.«
Jos 2,3 Der König schickte sofort Soldaten zu Rahab. Sie befahlen ihr: »Bring
die Männer heraus! Sie wollen unser Land auskundschaften.«
Jos 2,4 Rahab aber hatte die beiden Israeliten versteckt und stellte sich
ahnungslos: »Ja, diese Männer sind bei mir gewesen. Ich wusste aber nicht, wo
sie herkamen.
Jos 2,5 Sie brachen wieder auf, als es dunkel wurde und das Stadttor geschlossen
werden sollte. Ich kann nicht sagen, wohin sie gegangen sind. Wenn ihr ihnen
schnell nachlauft, holt ihr sie bestimmt ein.«
Jos 2,6 Rahab hatte die Israeliten auf ihr Flachdach gebracht und unter
Flachsstängeln versteckt, die dort aufgeschichtet waren.
Jos 2,7 Die Soldaten des Königs nahmen die Verfolgung auf und eilten in Richtung
des Jordanübergangs davon. Unmittelbar hinter ihnen wurde das Stadttor
geschlossen.
Jos 2,8 Bevor die beiden Israeliten sich schlafen legten, stieg Rahab zu ihnen
auf das Dach
Jos 2,9 und sagte: »Ich weiß, dass der Herr eurem Volk dieses Land geben wird.
Wir haben große Angst. Jeder hier zittert vor euch.
Jos 2,10 Wir haben gehört, dass der Herr euch einen Weg durch das Schilfmeer
gebahnt hat, als ihr aus Ägypten gekommen seid. Wir wissen auch, was ihr mit den
Amoritern und ihren Königen Sihon und Og auf der anderen Jordanseite gemacht
habt: Ihr habt sie ausgelöscht.
Jos 2,11 Als wir das hörten, waren wir vor Angst wie gelähmt. Jeder von uns hat
den Mut verloren. Der Herr, euer Gott, ist der wahre Gott oben im Himmel und
hier unten auf der Erde.
Jos 2,12 Deshalb flehe ich euch an: Schwört mir jetzt beim Herrn, dass ihr meine
Familie und mich verschont, denn ich habe auch euch das Leben gerettet. Bitte
gebt mir einen Beweis dafür, dass ich euch vertrauen kann.
Jos 2,13 Lasst meine Eltern und Geschwister und alle ihre Angehörigen am Leben.
Rettet uns vor dem Tod!«
Jos 2,14 Die Männer antworteten ihr: »Wenn ihr uns nicht verratet, stehen wir
mit unserem Leben dafür ein, dass euch nichts getan wird. Wenn der Herr uns
dieses Land gibt, werden wir unser Versprechen einlösen und euch verschonen.«
Jos 2,15 Rahabs Haus lag an der Stadtmauer. So konnte sie die Männer durch eines
ihrer Fenster mit einem Seil hinunterlassen, um ihnen zur Flucht zu verhelfen.
Jos 2,16 Sie riet ihnen: »Lauft erst ins Bergland, damit euch die Verfolger
nicht finden! Versteckt euch dort drei Tage, bis sie zurückgekehrt sind. Danach
geht, wohin ihr wollt.«
Jos 2,17 Die beiden Männer sagten zu ihr: »Der Eid, den wir dir gegeben haben,
bindet uns nur unter diesen Bedingungen:
Jos 2,18 Wenn unsere Soldaten hier eintreffen, musst du das rote Seil, an dem du
uns jetzt hinablässt, an dein Fenster binden. Und deine Eltern, deine
Geschwister und alle Verwandten müssen hier bei dir im Haus sein.
Jos 2,19 Jeder, der nach draußen geht, ist selbst verantwortlich für seinen Tod.
Wer aber bei dir im Haus bleibt und trotzdem angegriffen wird, für den stehen
wir mit unserem Leben ein.
Jos 2,20 Solltest du uns aber verraten, ist unser Eid ungültig!«
Jos 2,21 »Einverstanden«, antwortete Rahab. Dann half sie ihnen, ins Freie zu
gelangen. Als sie fort waren, band Rahab das rote Seil ans Fenster.
Jos 2,22 Die beiden Männer liefen ins Bergland und versteckten sich dort drei
Tage. Ihre Verfolger suchten die ganze Strecke bis zum Jordan ab, fanden aber
niemanden und kehrten schließlich nach Jericho zurück.
Jos 2,23 Da verließen die beiden Israeliten ihr Versteck, stiegen von den Bergen
herab und durchquerten die Jordanebene. Als sie wieder bei Josua waren,
berichteten sie ihm, was sie erlebt hatten.
Jos 2,24 »Der Herr gibt das ganze Land in unsere Gewalt«, erklärten sie, »alle
Menschen, die dort leben, haben große Angst vor uns.«
Jos 3,1 Frühmorgens befahl Josua dem Volk, von Schittim aufzubrechen. Sie
erreichten den Jordan, überquerten ihn aber noch nicht, sondern schlugen
zunächst ihre Zelte am östlichen Ufer auf.
Jos 3,2 Nach drei Tagen ließ Josua die führenden Männer durch das Lager gehen.
Jos 3,3 Sie sollten ausrufen: »Sobald ihr seht, dass die Priester vom Stamm Levi
die Bundeslade des Herrn, eures Gottes, tragen, brecht euer Lager ab, und folgt
ihnen!
Jos 3,4 Haltet aber einen Abstand von tausend Metern zwischen euch und den
Priestern, damit ihr der Bundeslade nicht zu nahe kommt. Sie zeigt euch den Weg,
den ihr gehen sollt, denn ihr kennt ihn ja noch nicht.«
Jos 3,5 Dann sprach Josua selbst zum Volk: »Reinigt euch, und bereitet euch
darauf vor, Gott zu begegnen! Morgen wird er vor euren Augen Wunder tun.«
Jos 3,6 Am nächsten Tag forderte Josua die Priester auf: »Nehmt die Bundeslade,
und tragt sie vor dem Volk her!« Sie folgten seinem Befehl.
Jos 3,7 Darauf sprach der Herr zu Josua: »Ich will heute damit beginnen, dir bei
allen Israeliten Achtung zu verschaffen. Sie sollen wissen, dass ich dir helfe,
so wie ich Mose geholfen habe.
Jos 3,8 Befiehl den Priestern mit der Bundeslade anzuhalten, sobald ihre Füße
das Wasser des Jordan berühren.«
Jos 3,9 Josua ließ die Israeliten zusammenkommen und rief ihnen zu: »Hört, was
der Herr, euer Gott, euch sagt:
Jos 3,10 Ihr sollt wissen, dass der lebendige Gott bei euch ist und dass er ganz
sicher für euch alle Völker eures neuen Landes vertreiben wird: die Kanaaniter,
Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter.
Jos 3,11 Seht, hier ist die Bundeslade des Herrn, dem die ganze Welt gehört! Die
Priester werden sie vor euch her in den Jordan tragen.
Jos 3,12 [12/13] Sobald ihre Füße den Jordan berühren, wird das Wasser sich
flussaufwärts stauen und wie ein Wall stehen bleiben. Wenn das geschehen ist,
brauche ich zwölf Männer von euch. Wählt aus jedem Stamm einen aus!«
Jos 3,14 Das Volk brach seine Zelte ab und war bereit, den Fluss zu überqueren.
Vor ihnen gingen die Priester mit der Bundeslade.
Jos 3,15 Der Jordan war wie jedes Jahr zur Erntezeit über die Ufer getreten. Als
nun die Träger der Bundeslade das Wasser berührten,
Jos 3,16 staute es sich. Es stand wie ein Wall sehr weit flussaufwärts in der
Nähe des Ortes Adam, der bei Zaretan liegt. Das Wasser unterhalb des Walles lief
zum Toten Meer hin ab. So konnte das Volk durch das Flussbett gehen. Vor ihnen
lag die Stadt Jericho.
Jos 3,17 Die Priester mit der Bundeslade des Herrn standen auf festem Grund
mitten im Jordan, und die Israeliten zogen trockenen Fußes an ihnen vorüber ans
andere Ufer.
Jos 4,1 Als das ganze Volk durch den Jordan gezogen war, sprach der Herr zu
Josua:
Jos 4,2 »Ruf jetzt die zwölf Männer, die das Volk aus seinen Stämmen ausgewählt
hat.
Jos 4,3 Befiehl ihnen, zwölf große Steine aus dem Jordan zu holen, genau an der
Stelle, wo die Priester stehen. Sie sollen die Steine zu dem Ort bringen, an dem
ihr heute übernachten werdet.«
Jos 4,4 Josua rief die zwölf Männer
Jos 4,5 und wies sie an: »Geht zurück in den Jordan, bis an die Stelle, wo die
Priester mit der Bundeslade des Herrn, eures Gottes, stehen. Jeder von euch soll
sich dort einen großen Stein auf die Schulter laden, damit wir zwölf Steine
haben, für jeden Stamm Israels einen.
Jos 4,6 Aus ihnen soll ein Denkmal gebaut werden. Wenn euch eure Kinder später
einmal fragen, was diese Steine bedeuten,
Jos 4,7 dann erklärt ihnen: ›Als man hier die Bundeslade hindurchtrug, staute
sich das Wasser des Jordan, und wir konnten durch das Flussbett ziehen. Daran
soll dieses Denkmal die Israeliten zu allen Zeiten erinnern.‹«
Jos 4,8 Die zwölf Männer taten, was Josua ihnen befohlen hatte. Sie hoben zwölf
Steine aus dem Flussbett, für jeden Stamm Israels einen, und trugen sie bis an
den Ort, wo sie übernachten sollten.
Jos 4,9 Josua nahm weitere zwölf Steine und richtete mitten im Jordan ein
Denkmal auf, genau dort, wo die Priester mit der Bundeslade standen. Diese
Steine sind noch heute dort.
Jos 4,10 Die Priester mit der Bundeslade standen noch immer in der Mitte des
Flussbetts. Sie blieben dort, bis Josua und das Volk alle Weisungen des Herrn
ausgeführt hatten, so wie es dem Willen Moses entsprach. Die Israeliten hatten
den Fluss so schnell wie möglich durchquert.
Jos 4,11 Erst als alle auf der anderen Seite waren, brachen auch die Priester
mit der Bundeslade auf und nahmen ihren Platz an der Spitze des Zuges wieder
ein.
Jos 4,12 Die Stämme Ruben und Gad und der halbe Stamm Manasse zogen bewaffnet
vor den anderen Israeliten her, wie Mose es befohlen hatte.
Jos 4,13 Insgesamt waren es etwa 40000 kampfbereite Soldaten, die unter der
Führung des Herrn in die Ebene von Jericho einmarschierten.
Jos 4,14 An diesem Tag sorgte der Herr dafür, dass ganz Israel vor Josua Achtung
bekam. Das Volk hatte nun den gleichen Respekt vor ihm wie früher vor Mose; und
so blieb es sein Leben lang.
Jos 4,15 Der Herr hatte zu Josua gesagt:
Jos 4,16 »Befiehl den Priestern, die die Bundeslade mit dem Gesetz tragen, ans
Ufer zu kommen.«
Jos 4,17 Josua forderte die Priester dazu auf,
Jos 4,18 und sie stiegen mit der Bundeslade aus dem Jordan. Kaum berührten sie
mit ihren Füßen das Land, da strömte das Wasser mit gleicher Gewalt wie zuvor,
und der Jordan trat wieder über die Ufer.
Jos 4,19 Dies ereignete sich am 10. Tag des 1. Monats. Das Volk schlug sein
Lager bei Gilgal auf, an der östlichen Grenze des Gebietes von Jericho.
Jos 4,20 Dort errichtete Josua ein Denkmal aus den zwölf Steinen, die er vom
Jordan hatte mitbringen lassen.
Jos 4,21 Er sagte zu den Israeliten: »Wenn eure Nachkommen euch eines Tages
fragen werden, was diese Steine bedeuten,
Jos 4,22 dann sollt ihr ihnen erklären: ›Hier hat Israel trockenen Fußes den
Jordan durchquert.‹
Jos 4,23 Denn der Herr, euer Gott, hat diesen Fluss vor euren Augen aufgestaut,
damit ihr hindurchziehen konntet, so wie er euch damals einen Weg durch das
Schilfmeer gebahnt hat.
Jos 4,24 Er tat es, um allen Völkern der Welt seine Macht zu zeigen. Und auch
ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, zu allen Zeiten mit Ehrfurcht begegnen!«
Jos 5,1 Die Amoriter westlich des Jordan und die Kanaaniter am Mittelmeer
hörten, dass Gott den Jordan aufgestaut hatte, damit die Israeliten ans andere
Ufer gelangen konnten. Da fuhr ihnen der Schreck in die Glieder, und sie waren
vor Angst wie gelähmt.
Jos 5,2 Zu dieser Zeit gab Gott Josua den Auftrag: »Fertige Messer aus Stein an,
und beschneide alle männlichen Israeliten!«
Jos 5,3 Josua tat, was der Herr ihm befohlen hatte. Am Hügel Aralot
(»Beschneidungshügel«) wurden die Israeliten beschnitten.
Jos 5,4 [4-6] Denn als das Volk Ägypten verließ, waren noch alle männlichen
Israeliten beschnitten gewesen. Doch inzwischen lebte niemand mehr, der damals
im wehrfähigen Alter gewesen war. Gott hatte ihnen geschworen: »Weil ihr nicht
auf mich gehört habt, werdet ihr das reiche Land niemals sehen, das ich euren
Vorfahren versprochen habe, das Land, in dem Milch und Honig fließen.« Israel
musste deshalb vierzig Jahre in der Wüste verbringen, bis von dieser ersten
Generation keiner mehr lebte. Während die Israeliten die Wüste durchzogen,
hatten sie ihre neugeborenen Söhne nicht beschneiden lassen.
Jos 5,7 Nun aber wurden alle männlichen Nachkommen, die der Herr dem Volk in
dieser Zeit geschenkt hatte, beschnitten.
Jos 5,8 Das Volk blieb einige Zeit an seinem Lagerplatz, bis die Wunden der
Beschnittenen verheilt waren.
Jos 5,9 Da sprach der Herr zu Josua: »Heute habe ich dem Spott der Ägypter ein
Ende gemacht.« Deshalb nennt man diesen Ort bis heute Gilgal (»beenden«).
Jos 5,10 Bei Gilgal, in der Ebene von Jericho, feierten die Israeliten am 14.
Tag des 1. Monats abends das Passahfest.
Jos 5,11 Am nächsten Tag aßen sie zum ersten Mal etwas aus ihrem neuen Land:
Brot, das ohne Sauerteig gebacken war, und geröstetes Getreide.
Jos 5,12 Und genau an diesem ersten Tag nach dem Passah, an dem sie etwas vom
Ertrag des Landes gegessen hatten, blieb das Manna aus. Von nun an ernährten
sich die Israeliten nicht mehr vom Manna, sondern vom Ertrag des Landes Kanaan.
Jos 5,13 In der Nähe von Jericho sah Josua sich plötzlich einem Mann mit
gezücktem Schwert gegenüber. Josua ging auf ihn zu und rief: »Gehörst du zu uns
oder unseren Feinden?«
Jos 5,14 »Zu keinem von beiden«, erklärte der Fremde, »ich bin hier als
Befehlshaber über das Heer Gottes.« Da warf sich Josua vor ihm zu Boden und
betete ihn an. »Ich gehorche dir, Herr!«, sagte er. »Was befiehlst du?«
Jos 5,15 »Zieh deine Schuhe aus«, antwortete der Befehlshaber über das Heer
Gottes, »denn du stehst auf heiligem Boden.« Josua gehorchte.
Jos 6,1 In Jericho hatte man aus Angst vor den Israeliten sämtliche Tore fest
verriegelt. Niemand kam mehr heraus oder hinein.
Jos 6,2 Da sprach der Herr zu Josua: »Ich gebe die Stadt, ihren König und seine
Soldaten in eure Gewalt.
Jos 6,3 Sechs Tage lang sollt ihr jeden Tag einmal mit allen kampffähigen
Männern um die Stadt ziehen.
Jos 6,4 Nehmt die Bundeslade mit! Lasst sieben Priester mit Widderhörnern in der
Hand vor ihr hergehen! Am siebten Tag sollt ihr siebenmal um die Stadt ziehen,
und die Priester sollen die Hörner blasen.
Jos 6,5 Wenn der lang gezogene Signalton des Widderhorns ertönt, so stimmt ein
lautes Kampfgeschrei an! Dann wird die Stadtmauer einstürzen, und ihr könnt von
allen Seiten nach Jericho eindringen.«
Jos 6,6 Josua, der Sohn Nuns, rief die Priester zusammen und wies sie an: »Nehmt
die Bundeslade des Herrn! Sieben von euch sollen mit Widderhörnern vor ihr
herziehen.«
Jos 6,7 Dem ganzen Volk befahl er: »Macht euch bereit, und geht um Jericho
herum, die Soldaten vorn, dahinter die Priester mit der Bundeslade und am
Schluss alle anderen!«
Jos 6,8 [8/9] Nachdem Josua dem Volk seine Anweisungen gegeben hatte, stießen
die Priester in die Hörner, und alle brachen auf. An der Spitze des Zuges
marschierten die Soldaten. Hinter ihnen gingen die sieben Priester, die nun
unablässig ihre Hörner bliesen, und die anderen Priester mit der Bundeslade. Den
Schluss bildete das übrige Volk.
Jos 6,10 Zuvor hatte Josua angeordnet: »Macht keinen Lärm! Verhaltet euch ganz
still, bis ich euch befehle, ein lautes Kampfgeschrei anzustimmen. Dann aber
schreit, so laut ihr könnt!«
Jos 6,11 So zogen sie mit der Bundeslade einmal um Jericho herum und kehrten
anschließend wieder in ihr Lager zurück, wo sie übernachteten.
Jos 6,12 Früh am nächsten Morgen ließ Josua sie wieder aufbrechen: Die Priester
trugen die Bundeslade,
Jos 6,13 sieben von ihnen gingen vor der Bundeslade her und bliesen immerzu die
Hörner, die Soldaten marschierten voraus, und alle übrigen folgten.
Jos 6,14 Wie am Vortag zogen die Israeliten einmal um Jericho herum und kehrten
dann in ihr Lager zurück. Das taten sie insgesamt sechs Tage lang.
Jos 6,15 Am siebten Tag brachen sie bereits bei Sonnenaufgang auf und zogen wie
zuvor um die Stadt herum, an diesem Tag jedoch siebenmal.
Jos 6,16 Beim siebten Mal, als die Priester die Hörner bliesen, rief Josua dem
Volk zu: »Schreit, so laut ihr könnt! Der Herr gibt euch Jericho!
Jos 6,17 Gottes Zorn wird die ganze Stadt treffen. Alles in ihr muss vernichtet
werden. Nur die Prostituierte Rahab soll am Leben bleiben und jeder, der bei ihr
im Haus ist, denn sie hat unsere Kundschafter versteckt.
Jos 6,18 Hütet euch davor, irgendetwas für euch zu behalten, worüber Gott sein
Urteil verhängt hat! Ihr dürft nicht die Strafe Gottes vollstrecken und euch
zugleich selbst schuldig machen. Sonst wird Gottes Zorn auch uns treffen und
Unheil über unser Volk bringen.
Jos 6,19 Das Silber und Gold und die Gegenstände aus Bronze und Eisen gehören
dem Herrn. Sie sollen in der Schatzkammer des heiligen Zeltes aufbewahrt
werden.«
Jos 6,20 Die Priester bliesen ihre Hörner, und das Volk stimmte das
Kriegsgeschrei an. Da stürzte die Mauer von Jericho ein. Die Israeliten stürmten
die Stadt von allen Seiten und eroberten sie.
Jos 6,21 Mit ihren Schwertern vernichteten sie alles Leben darin: Männer und
Frauen, Kinder und Greise, Rinder, Schafe und Esel.
Jos 6,22 Den beiden Männern, die Jericho erkundet hatten, befahl Josua: »Geht
zum Haus der Prostituierten, und holt sie und ihre Angehörigen heraus, wie ihr
es geschworen habt!«
Jos 6,23 Die beiden liefen zu Rahabs Haus, brachten sie zusammen mit ihren
Eltern, Geschwistern und allen Verwandten aus der Stadt und führten sie an einen
Ort außerhalb des israelitischen Lagers.
Jos 6,24 Schließlich steckte man Jericho in Brand. Nur das Silber, das Gold und
die bronzenen und eisernen Gegenstände nahmen die Israeliten mit und brachten
sie in die Schatzkammer des heiligen Zeltes.
Jos 6,25 Von den Einwohnern der Stadt ließ Josua niemanden am Leben außer der
Prostituierten Rahab, der Familie ihres Vaters und ihren anderen Verwandten.
Denn sie hatte die israelitischen Kundschafter versteckt, die Josua nach Jericho
gesandt hatte. Noch heute leben in Israel Menschen, die von Rahabs Familie
abstammen.
Jos 6,26 Als Jericho niederbrannte, sprach Josua einen Fluch aus: »Die Strafe
des Herrn soll den treffen, der diese Stadt wieder aufbaut. Wenn er das
Fundament legt, stirbt sein erster Sohn, und wenn er die Tore einsetzt, verliert
er seinen jüngsten.«
Jos 6,27 Der Herr stand Josua zur Seite. Im ganzen Land sprach man von ihm.
Jos 7,1 Ein Israelit verstieß gegen das Verbot, sich etwas von den Reichtümern
Jerichos anzueignen: Achan, der Sohn Karmis. Er war ein Nachkomme Sabdis und
Serachs aus dem Stamm Juda. Achan nahm etwas von dem mit, was vernichtet werden
sollte. Darum wurde der Herr sehr zornig über die Israeliten.
Jos 7,2 Josua sandte von Jericho aus einige Männer zur Stadt Ai, die bei
Bet-Awen östlich von Bethel liegt. »Geht hin«, sagte er, »und erkundet die
Gegend.« Die Männer führten den Auftrag aus.
Jos 7,3 Als sie wieder zurückgekehrt waren, erstatteten sie Josua Bericht und
rieten: »Lass nicht das ganze Heer gegen die Stadt ziehen. Zwei- oder
dreitausend Mann reichen völlig aus, um Ai zu erobern. Es hat nur wenige
Einwohner. Du brauchst nicht alle Soldaten einzusetzen.«
Jos 7,4 Josua folgte ihrem Rat und sandte 3000 Mann los, um Ai einzunehmen. Doch
sie wurden in die Flucht geschlagen.
Jos 7,5 Die Männer von Ai verfolgten die Israeliten von der Stadt bis zum Abhang
von Schebarim und töteten dort 36 Soldaten. Da packte die Israeliten die Angst.
Jos 7,6 Josua zerriss entsetzt sein Gewand und warf sich mit den Ältesten des
Volkes vor der Bundeslade zu Boden. Voller Verzweiflung streuten sie sich Erde
auf den Kopf und blieben bis zum Abend liegen.
Jos 7,7 Dann betete Josua: »Ach, Herr, warum hast du uns über den Jordan
geführt? Etwa damit uns die Amoriter besiegen und umbringen? Wären wir doch
geblieben, wo wir waren!
Jos 7,8 Ich frage dich, Herr: Was kann ich jetzt noch sagen, nachdem Israel vor
seinen Feinden fliehen musste?
Jos 7,9 Die Kanaaniter und alle anderen Völker dieses Landes werden davon hören.
Sie werden uns umbringen und jede Spur von uns für immer auslöschen. Wie willst
du deine Ehre dann noch retten?«
Jos 7,10 Der Herr antwortete: »Steh auf! Warum liegst du hier am Boden?
Jos 7,11 Die Israeliten haben Schuld auf sich geladen und den Bund verletzt, den
ich mit ihnen schloss. Sie haben etwas von dem an sich genommen, worüber ich
mein Urteil gesprochen habe. Sie haben es gestohlen und heimlich bei sich
versteckt.
Jos 7,12 Deshalb seid ihr euren Feinden unterlegen und müsst vor ihnen fliehen.
Ihr selbst seid jetzt dem Untergang geweiht! Ich werde euch nicht mehr helfen,
wenn ihr nicht das aus eurem Volk beseitigt, worüber ich mein Urteil verhängt
habe.
Jos 7,13 Steh jetzt auf, und sprich zum Volk! Sag ihnen: ›Unter euch befindet
sich etwas, worüber Gott sein Urteil gesprochen hat und was allein ihm gehört.
Ihr werdet euren Feinden so lange unterlegen sein, bis ihr es entfernt habt. Der
Herr, der Gott Israels, befiehlt, dass ihr euch reinigt und darauf vorbereitet,
ihm morgen früh zu begegnen!
Jos 7,14 Dann sollt ihr euch nach euren Stammesverbänden geordnet versammeln.
Der Herr wird uns den Schuldigen zeigen: Wir werden das Los werfen, und der
Stamm, den es trifft, soll vortreten. Dann entscheidet das Los zwischen den
Sippen dieses Stammes. Ist die Sippe gefunden, wird in ihr die Familie durch das
Los ermittelt. Diese Familie, die der Herr uns zeigen wird, soll dann vortreten,
Mann für Mann.
Jos 7,15 Derjenige, bei dem man etwas findet, das Gott gehört, muss verbrannt
werden, zusammen mit seiner Familie und seinem Besitz. Denn er hat den Bund mit
dem Herrn gebrochen und durch seine abscheuliche Tat Schande über Israel
gebracht.‹«
Jos 7,16 Früh am nächsten Morgen ließ Josua das Volk nach Stammesverbänden
geordnet zu sich kommen. Das Los wurde geworfen und traf den Stamm Juda.
Jos 7,17 Er musste vortreten. Aus diesem Stamm wurde die Sippe Serach ermittelt,
und in ihr fiel das Los auf die Familie Sabdis.
Jos 7,18 Unter dessen Angehörigen traf es schließlich Achan, den Sohn Karmis und
Nachkommen Sabdis und Serachs.
Jos 7,19 Josua sagte zu ihm: »Mein Sohn, beug dich vor dem Herrn, dem Gott
Israels. Zeig, dass du ihn achtest, und gestehe, was du getan hast; verschweig
mir nichts!«
Jos 7,20 Achan antwortete: »Es ist wahr, ich bin es gewesen, ich habe das Gebot
des Herrn, des Gottes Israels, verletzt.
Jos 7,21 Unter der Beute sah ich einen wertvollen Mantel aus Babylonien, zwei
Kilo Silber und einen Goldbarren, ein Pfund schwer. Ich konnte einfach nicht
widerstehen und nahm es mit. Ich habe alles im Boden meines Zeltes vergraben,
das Silber zuunterst.«
Jos 7,22 Josua schickte einige Männer zu Achans Zelt. Sie fanden das Gestohlene
dort vergraben, das Silber zuunterst, genau wie Achan es beschrieben hatte.
Jos 7,23 Sie holten alles heraus und brachten es dahin, wo Josua und das Volk
warteten. Dort legten sie es vor der Bundeslade auf die Erde.
Jos 7,24 Josua nahm Achan von der Sippe Serach samt seinen Söhnen und Töchtern
gefangen und ließ seine Rinder und Esel, seine Schafe und Ziegen, sein Zelt und
seine gesamte Habe herbeiholen. Begleitet vom ganzen Volk, brachte er Achan,
seine Kinder, seinen ganzen Besitz und das gestohlene Gut ins Tal Achor.
Jos 7,25 Dort sagte Josua zu ihm: »Du hast Israel ins Unglück gestürzt! Darum
stürzt der Herr heute dich ins Unglück!« Das ganze Volk steinigte Achan und
seine Familie, und anschließend wurden sie mit ihrem ganzen Besitz verbrannt.
Jos 7,26 Man begrub sie unter einem großen Steinhaufen, der sich noch immer dort
befindet. Da legte sich der Zorn des Herrn. Dem Tal gaben die Israeliten den
Namen Achor (»Unglück«), und so wird es noch heute genannt.
Jos 8,1 [1/2] Der Herr sprach zu Josua: »Hab keine Angst, und lass dich nicht
einschüchtern! Zieh mit dem ganzen Heer nach Ai, und leg einen Hinterhalt auf
der anderen Seite der Stadt! Ich gebe den König von Ai in deine Gewalt und mit
ihm sein Volk, seine Stadt und sein Land. Du sollst mit Ai und seinem König das
Gleiche tun wie mit Jericho und seinem König. Dieses Mal dürft ihr jedoch die
Beute und das Vieh für euch behalten.«
Jos 8,3 Josua brach mit dem ganzen Heer auf und rückte in die Nähe von Ai vor.
Er wählte 30000 erfahrene Soldaten aus, und in der Nacht befahl er ihnen:
Jos 8,4 »Legt euch auf der Rückseite der Stadt in den Hinterhalt, nicht weit von
ihr entfernt. Haltet euch zum Angriff bereit!
Jos 8,5 Mit dem Hauptheer werden wir uns von vorn der Stadt nähern. Die Soldaten
von Ai werden dann wie beim letzten Mal die Stadt verlassen, um uns anzugreifen,
und wir werden scheinbar vor ihnen fliehen.
Jos 8,6 Sie werden meinen, dass wir erneut vor ihnen davonlaufen, und werden uns
verfolgen. Wenn wir sie auf diese Weise herausgelockt haben,
Jos 8,7 brecht ihr aus eurem Hinterhalt hervor, und nehmt die Stadt ein. Der
Herr, euer Gott, wird euch zum Sieg verhelfen.
Jos 8,8 Nach der Eroberung legt ihr dort Feuer. So hat es der Herr befohlen.
Haltet euch an meine Anweisungen!«
Jos 8,9 Dann schickte Josua die Männer los. Sie umgingen die Stadt und legten
sich im Westen zwischen Ai und Bethel in den Hinterhalt. Josua verbrachte die
Nacht beim Hauptheer.
Jos 8,10 Früh am Morgen ließ Josua seine Truppen antreten. Dann brachen sie in
Richtung Ai auf. Josua und die Ältesten Israels führten das Heer an.
Jos 8,11 Sie näherten sich der Stadt von Norden her und hielten auf einer
Anhöhe, nur noch durch ein Tal von ihrem Ziel getrennt.
Jos 8,12 Josua hatte weitere 5000 Mann in den Hinterhalt westlich der Stadt
gelegt, zwischen Ai und Bethel.
Jos 8,13 So stand das Hauptheer nördlich von Ai und der Hinterhalt im Westen. Es
war immer noch dunkel, als Josua sein Heer schließlich in das Tal hinabführte.
Jos 8,14 In aller Frühe entdeckte der König von Ai die Israeliten. Sofort gab er
den Befehl zum Angriff und verließ mit seinen Soldaten die Stadt, um auf dem
Schlachtfeld in der Ebene gegen Israel zu kämpfen. Er wusste nichts von dem
Hinterhalt.
Jos 8,15 Wie Josua angeordnet hatte, ließ sich Israel von den Männern aus Ai
zunächst in die Flucht schlagen und floh vor ihnen in Richtung Wüste.
Jos 8,16 Da rief man die in der Stadt verbliebenen Männer zusammen, um gemeinsam
den Feind zu verfolgen. Sie jagten Josuas Heer nach und entfernten sich immer
weiter von ihrer Stadt.
Jos 8,17 In Ai und in Bethel blieb kein einziger Mann mehr zurück. Alle
verfolgten die fliehenden Israeliten. Die Stadt Ai war ohne jeden Schutz.
Jos 8,18 Da sprach der Herr zu Josua: »Heb dein Schwert hoch, und richte es
gegen Ai! Die Stadt gehört euch.« Josua streckte sein Schwert aus.
Jos 8,19 Das war das verabredete Zeichen für die Truppen im Hinterhalt. Sie
brachen aus ihrem Versteck hervor, fielen in die Stadt ein, eroberten sie und
steckten alles schnell in Brand.
Jos 8,20 Die Männer von Ai wandten sich um und sahen Rauch aus ihrer Stadt
aufsteigen. Sie erkannten, dass sie in eine Falle geraten waren. Denn die eben
noch fliehenden Israeliten machten nun kehrt und griffen an.
Jos 8,21 Sie hatten den Rauch ebenfalls gesehen und wussten, dass die Stadt
erobert war. Nun stürmten Josua und seine Soldaten den Männern von Ai entgegen.
Jos 8,22 Diese waren plötzlich von zwei Seiten eingeschlossen. Denn jetzt kamen
auch die israelitischen Soldaten aus der Stadt heran. Es gab kein Entrinnen.
Alle Männer von Ai wurden getötet.
Jos 8,23 Nur den König fasste man lebendig und brachte ihn zu Josua.
Jos 8,24 Als die Israeliten ihre Gegner auf dem Schlachtfeld in der Ebene
besiegt hatten, drangen sie erneut in die Stadt ein und brachten alle Einwohner
mit dem Schwert um.
Jos 8,25 Insgesamt starben an jenem Tag etwa 12000 Männer und Frauen.
Jos 8,26 Josua ließ seine Hand mit dem Schwert erst sinken, als alle Einwohner
Ais tot waren und so das Urteil des Herrn vollstreckt war.
Jos 8,27 Das Vieh und die übrige Beute nahmen die Israeliten diesmal mit, wie
der Herr es Josua befohlen hatte.
Jos 8,28 Dann ließ Josua die Stadt niederbrennen, so dass nur noch ein
Trümmerhaufen von ihr übrig blieb. Bis heute ist sie nicht wieder aufgebaut
worden.
Jos 8,29 Den König von Ai erhängte Josua an einem Baum. Am Abend ließ er die
Leiche abnehmen, vor das Stadttor werfen und unter einem großen Steinhaufen
begraben, den man noch heute dort findet.
Jos 8,30 Josua errichtete auf dem Berg Ebal einen Altar für den Herrn, den Gott
Israels.
Jos 8,31 So hatte es Mose, der Diener des Herrn, den Israeliten in seinem
Gesetzbuch befohlen. Es sollten Steine verwendet werden, die man nicht mit dem
Meißel bearbeitet hatte. Die Israeliten brachten dem Herrn auf diesem Altar
Brand- und Dankopfer dar.
Jos 8,32 Dann schrieb Josua in Gegenwart des Volkes die Gesetze des Mose auf die
Steine des Altars.
Jos 8,33 Die levitischen Priester standen bei der Bundeslade des Herrn. Auf
beiden Seiten der Bundeslade hatte sich das ganze Volk versammelt, Israeliten
und Ausländer, auch die Ältesten, die führenden Männer und Richter. Sie alle
waren der Bundeslade zugewandt, die eine Hälfte des Volkes stand mit dem Rücken
zum Berg Garizim, die andere zum Berg Ebal. Mose hatte befohlen, dies zu tun und
das Volk zu segnen, sobald es im Land Kanaan angelangt war.
Jos 8,34 Josua las das ganze Gesetzbuch des Mose vor, auch die
Segensverheißungen und Fluchandrohungen.
Jos 8,35 Nicht ein Wort ließ er aus. Alle Israeliten, Männer, Frauen und Kinder,
und alle Ausländer in ihrer Mitte hörten es Wort für Wort.
Jos 9,1 Die Nachricht von der Zerstörung Jerichos und Ais erreichte alle Könige
westlich des Jordan - ob im Bergland, in der Ebene oder an der Mittelmeerküste
bis hin zum Libanon -, die Könige der Hetiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter,
Hiwiter und Jebusiter.
Jos 9,2 Sie verbündeten sich, um gemeinsam gegen Josua und die Israeliten Krieg
zu führen.
Jos 9,3 Auch die Einwohner der Stadt Gibeon vom Volk der Hiwiter hörten, was mit
Jericho und Ai geschehen war.
Jos 9,4 [4/5] Da dachten sie sich eine List aus: Sie wollten verkleidete Boten
zu den Israeliten schicken, um mit ihnen zu verhandeln. Einige ihrer Männer
zogen sich abgenutzte Kleider und geflickte Schuhe an, packten ein paar
Habseligkeiten in schäbigen Säcken auf ihre Esel, hängten alte, rissige
Weinschläuche daran und versorgten sich mit trockenem, zerbröckeltem Brot.
Jos 9,6 So gingen sie zum israelitischen Lager in Gilgal. »Wir kommen von weit
her«, erklärten sie Josua und den führenden Männern Israels, »unser Volk möchte
sich mit euch verbünden.«
Jos 9,7 Die Israeliten antworteten den Hiwitern: »Woher sollen wir wissen, dass
ihr nicht aus diesem Land stammt? Wir können doch nicht einfach ein Bündnis mit
euch schließen!«
Jos 9,8 Die Boten wandten sich an Josua: »Wir bitten dich unterwürfig um Hilfe!«
Josua fragte: »Wer seid ihr, und wo kommt ihr her?«
Jos 9,9 »Wir kommen aus einem fernen Land«, antworteten sie. »Wir möchten den
Herrn, deinen Gott, kennen lernen. Wir haben gehört, was er in Ägypten
vollbracht hat.
Jos 9,10 Wir wissen auch, was er mit den amoritischen Königen östlich des Jordan
getan hat, mit Sihon von Heschbon und Og von Baschan, der in Aschtarot regierte.
Jos 9,11 Unsere Ältesten und unser Volk gaben uns den Auftrag: ›Versorgt euch
mit Proviant, und geht zu ihnen! Bittet sie unterwürfig, einen Bund mit uns zu
schließen!‹
Jos 9,12 Hier, seht euch das Brot an! Es war noch warm, als wir zu Hause
aufbrachen; jetzt ist es vertrocknet und zerbröckelt.
Jos 9,13 Diese Weinschläuche hier waren neu und voll; jetzt sind sie rissig.
Auch unsere Kleidung und die Schuhe sind durch die lange Reise verschlissen.«
Jos 9,14 Die führenden Männer Israels untersuchten das vertrocknete Brot. Aber
sie fragten nicht den Herrn um Rat.
Jos 9,15 So schloss Josua Frieden mit den Fremden und sicherte zu, sie am Leben
zu lassen. Die Führer des Volkes bekräftigten das Bündnis mit einem Eid.
Jos 9,16 Drei Tage später erfuhren die Israeliten, dass die Männer, mit denen
sie gerade ein Bündnis geschlossen hatten, aus Kanaan stammten und ganz in der
Nähe wohnten.
Jos 9,17 Mittlerweile hatten die Israeliten nämlich mit ihrem Heer die
hiwitischen Städte Gibeon, Kefira, Beerot und Kirjat-Jearim erreicht, die zum
Gebiet der Gibeoniter gehörten.
Jos 9,18 Weil aber die führenden Männer des Volkes im Namen des Herrn, ihres
Gottes, den Gibeonitern einen Eid geschworen hatten, vernichteten sie keine der
vier Städte. Darüber ärgerte sich ganz Israel und beschwerte sich über seine
Führer.
Jos 9,19 Die riefen das Volk zusammen und erklärten: »Wir sind durch einen Eid
gebunden, den wir im Namen des Herrn, unseres Gottes, gegeben haben. Deshalb
dürfen wir diese Menschen nicht töten.
Jos 9,20 Wir werden unser Versprechen halten und sie leben lassen; wenn wir
unseren Eid brechen, fordern wir Gottes Zorn heraus.
Jos 9,21 Sie sollen am Leben bleiben und dem ganzen Volk als Holzfäller und
Wasserträger dienen.« So geschah es später auch.
Jos 9,22 Dann stellte Josua die Boten aus Gibeon zur Rede: »Warum habt ihr uns
betrogen? Wie konntet ihr behaupten, dass ihr aus einem fernen Land stammt,
obwohl ihr von hier seid?
Jos 9,23 Weil ihr das getan habt, wird euch ein Fluch treffen: Ihr und euer Volk
werdet zu allen Zeiten als Sklaven für das Heiligtum meines Gottes Holz hauen
und Wasser schleppen!«
Jos 9,24 Sie antworteten Josua: »Uns wurde berichtet, dass der Herr, dein Gott,
seinem Diener Mose versprochen hat, euch dieses ganze Land zu geben und alle
seine Bewohner zu vernichten. Wir fürchteten um unser Leben. Deshalb haben wir
so gehandelt.
Jos 9,25 Jetzt sind wir in deiner Hand. Mach mit uns, was du für richtig
hältst.«
Jos 9,26 Josua stand zu seinem Wort und bewahrte die Gibeoniter davor, von den
Israeliten getötet zu werden.
Jos 9,27 Er bestimmte sie zu Holzfällern und Wasserträgern für das Volk und für
den Opferdienst am Altar des Herrn. Sie sollten diesen Dienst auch später
versehen, wenn der Herr sich einen Ort für seinen Tempel erwählen würde. Noch
heute dienen die Gibeoniter den Israeliten.
Jos 10,1 Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von der Eroberung und
Zerstörung Ais. Auch Adoni-Zedek, der König von Jerusalem, erfuhr, dass die
Stadt Ai und ihr König dasselbe Schicksal erlitten hatten wie Jericho. Man
berichtete ihm, die Einwohner Gibeons hätten mit den Israeliten Frieden
geschlossen und lebten nun in ihrem Gebiet.
Jos 10,2 Diese Neuigkeiten lösten große Angst aus. Denn Gibeon war eine
bedeutende Stadt, so wie die anderen Königsstädte. Sie war noch größer als Ai
und besaß ein starkes Heer.
Jos 10,3 Da sandte Adoni-Zedek Boten von Jerusalem zu den benachbarten
Amoriterkönigen Hoham von Hebron, Piram von Jarmut, Jafia von Lachisch und Debir
von Eglon. Er ließ ihnen sagen:
Jos 10,4 »Die Leute von Gibeon haben mit Israel Frieden geschlossen. Kommt und
helft mir, sie anzugreifen!«
Jos 10,5 Die vier Könige folgten der Aufforderung und schlossen sich mit ihren
Truppen dem Heer Adoni-Zedeks an. Sie zogen nach Gibeon, belagerten die Stadt
und erklärten ihr den Krieg.
Jos 10,6 Die Einwohner Gibeons schickten sofort Boten zu Josua in das Lager bei
Gilgal. »Wir flehen dich an«, sagten sie zu ihm, »lass uns nicht im Stich! Komm
schnell und hilf uns! Alle Amoriterkönige aus dem Bergland haben sich gegen uns
verschworen. Ihre Heere belagern unsere Stadt!«
Jos 10,7 Da brach Josua mit seinem ganzen Heer auf.
Jos 10,8 Der Herr sprach zu Josua: »Hab keine Angst vor ihnen; ich gebe sie in
deine Gewalt. Keiner von ihnen kann dir standhalten.«
Jos 10,9 Josua führte seine Truppen noch in der Nacht von Gilgal nach Gibeon.
Die Gegner waren von ihrem Angriff völlig überrascht.
Jos 10,10 Der Herr ließ unter den Amoritern heillose Verwirrung ausbrechen, und
so konnten die Israeliten ihnen bei Gibeon eine schwere Niederlage zufügen. Sie
verfolgten die zurückweichenden Truppen entlang dem Weg, der nach Bet-Horon
hinabführt, und weiter bis Aseka und Makkeda.
Jos 10,11 Als die Fliehenden bei Bet-Horon ins Tal liefen, ließ der Herr sie
durch ein schweres Hagelunwetter erschlagen. Durch den Hagel starben mehr
Amoriter als durch die Schwerter der Israeliten.
Jos 10,12 An jenem Tag, als der Herr die Amoriter in die Gewalt der Israeliten
gab, hatte Josua vor dem ganzen Volk laut zum Herrn gebetet: »Sonne, bleib
stehen über Gibeon, und Mond über dem Tal Ajalon!«
Jos 10,13 Da waren die Sonne und der Mond stehen geblieben, bis die Israeliten
sich an ihren Feinden gerächt hatten. Dieses Ereignis wird auch im »Buch des
Rechtschaffenen« beschrieben. Die Sonne stand fast einen Tag lang hoch am Himmel
und lief nicht nach Westen.
Jos 10,14 Weder vorher noch nachher hat es je einen Tag gegeben, an dem der Herr
auf eine so außergewöhnliche Bitte gehört hätte. Damals aber tat er es, denn er
kämpfte auf der Seite Israels.
Jos 10,15 Schließlich kehrte Josua mit dem ganzen Heer ins Lager bei Gilgal
zurück.
Jos 10,16 Den fünf Amoriterkönigen aber war die Flucht gelungen. Sie versteckten
sich in einer Höhle in der Nähe der Stadt Makkeda.
Jos 10,17 Die Israeliten entdeckten sie jedoch und meldeten es Josua.
Jos 10,18 Er befahl: »Wälzt große Felsbrocken vor den Eingang der Höhle, und
sichert ihn mit einigen Wachposten.
Jos 10,19 Ihr übrigen aber sollt nicht dort bleiben. Jagt wieder euren Feinden
nach, und versucht, ihre Nachhut zu schlagen! Lasst sie nicht in ihre Städte
entkommen! Der Herr, euer Gott, gibt sie in eure Hand.«
Jos 10,20 Die Israeliten brachten den Amoritern an jenem Tag eine vernichtende
Niederlage bei. Ihre Heere waren vollständig besiegt. Nur wenige Überlebende
konnten sich in die befestigten Städte retten.
Jos 10,21 Nach der Schlacht kehrten die israelitischen Soldaten ungehindert zu
Josua ins Lager von Makkeda zurück. Kein Feind wagte sich mehr an sie heran.
Jos 10,22 Josua befahl: »Öffnet den Eingang der Höhle! Holt die fünf Könige
heraus, und bringt sie zu mir!«
Jos 10,23 Man wälzte die Steine beiseite und holte die fünf aus ihrem Versteck:
die Könige von Jerusalem, Hebron, Jarmut, Lachisch und Eglon.
Jos 10,24 Sie wurden zu Josua gebracht. Der rief alle Israeliten zusammen und
forderte seine Heerführer auf: »Kommt her! Setzt diesen Königen den Fuß auf den
Nacken!« Sie gehorchten.
Jos 10,25 Dann rief Josua ihnen zu: »Ihr braucht euch vor niemandem zu fürchten;
lasst euch nicht einschüchtern! Seid mutig und entschlossen! Jetzt seht ihr, was
der Herr mit allen Feinden machen wird, gegen die ihr kämpft!«
Jos 10,26 Darauf tötete Josua die Könige und ließ ihre Leichen an fünf Bäumen
aufhängen. Dort blieben sie bis zum Abend.
Jos 10,27 Als die Sonne unterging, befahl er, sie herabzunehmen und in die Höhle
zu werfen, in der sie sich versteckt hatten. Der Eingang wurde mit großen
Steinen verschlossen, die noch heute dort liegen.
Jos 10,28 Am selben Tag eroberte Josua die Stadt Makkeda. Er vollstreckte Gottes
Strafe an ihrem König und an allen Einwohnern, indem er sie mit dem Schwert
umbringen ließ. Niemand entkam. Der König von Makkeda fand das gleiche Ende wie
der König von Jericho.
Jos 10,29 Dann führte Josua das israelitische Heer nach Libna und griff auch
diese Stadt an.
Jos 10,30 Wieder verhalf der Herr den Israeliten zum Sieg. Alle Einwohner wurden
getötet, niemand konnte fliehen. Der König von Libna fand das gleiche Ende wie
der König von Jericho.
Jos 10,31 Von Libna zog Josua mit dem Heer nach Lachisch. Er belagerte die Stadt
und griff an.
Jos 10,32 Nach zwei Tagen schenkte der Herr ihm den Sieg. Josua eroberte die
Stadt und ließ, wie schon in Libna, alle Einwohner umbringen.
Jos 10,33 Horam, der König von Geser, war Lachisch mit seinem Heer zu Hilfe
geeilt. Doch Josua vernichtete auch ihn und seine Truppen, kein Soldat
überlebte.
Jos 10,34 Von Lachisch führte Josua das israelitische Heer weiter nach Eglon. Er
ließ die Stadt umzingeln und angreifen.
Jos 10,35 Noch am selben Tag eroberte er sie und vollstreckte Gottes Strafe an
allen Einwohnern. Wie zuvor in Lachisch ließ er niemanden am Leben.
Jos 10,36 Dann zogen die Israeliten weiter nach Hebron. Sie eröffneten den Kampf
gegen die Stadt
Jos 10,37 und nahmen sie ein. Wie in Eglon töteten sie den König und alle
Einwohner mit dem Schwert, ohne einen einzigen entkommen zu lassen. Auch die
Städte, die zu Hebron gehörten, wurden vernichtet.
Jos 10,38 Darauf wandten sich die Israeliten nach Debir, griffen es an
Jos 10,39 und bemächtigten sich der Stadt, ihres Königs und der umliegenden
Orte. Alle Menschen dort wurden mit dem Schwert getötet. Wieder gab es kein
Entrinnen. Debir traf das gleiche Schicksal wie Hebron und Libna.
Jos 10,40 Josua besiegte alle Könige des südlichen Kanaan und eroberte ihr
ganzes Land: die Berge im Landesinnern, die Wüste Negev im Süden, das Hügelland
im Westen und die Gebirgsausläufer im Osten. Niemand, der dort lebte, entging
dem Gericht Gottes; Josua ließ sämtliche Bewohner töten, so wie es der Herr, der
Gott Israels, angeordnet hatte.
Jos 10,41 Das eingenommene Gebiet erstreckte sich von Kadesch-Barnea bis Gaza
und von Goschen bis Gibeon.
Jos 10,42 Alle Königreiche dort eroberte Josua in einem einzigen Feldzug, denn
Gott kämpfte auf Israels Seite.
Jos 10,43 Schließlich kehrte Josua mit dem ganzen Heer ins Lager bei Gilgal
zurück.
Jos 11,1 Als Jabin, der König von Hazor, hörte, was geschehen war, sandte er
Boten zu allen Herrschern des nördlichen Kanaan, um sich mit ihnen gegen Israel
zu verbünden: zu König Jobab von Madon, zu den Königen von Schimron und
Achschaf,
Jos 11,2 zu den Königen im nördlichen Bergland, in den Niederungen südlich von
Genezareth, im westlichen Hügelland und im Küstengebiet von Dor.
Jos 11,3 Weitere Boten schickte er zu den Kanaanitern im Osten und Westen, den
Amoritern, Hetitern und Perisitern, den Jebusitern im Bergland und den Hiwitern
am Berg Hermon im Gebiet von Mizpa.
Jos 11,4 Alle diese Könige brachen mit ihren Truppen auf; es war ein riesiges
Heer mit unzähligen Soldaten, Pferden und Kriegswagen.
Jos 11,5 Sie versammelten sich an der Quelle bei Merom und schlugen ihr Lager
auf, um von dort gegen Israel in den Kampf zu ziehen.
Jos 11,6 Der Herr aber sprach zu Josua: »Hab keine Angst vor ihnen! Ich helfe
euch, morgen um diese Zeit werdet ihr sie bereits besiegt haben. Dann sollt ihr
den Pferden die Sehnen durchschneiden und die Kriegswagen verbrennen.«
Jos 11,7 Josua führte sein Heer unbemerkt zur Quelle Meron, dicht an das
feindliche Lager heran, und überraschte die Kanaaniter mit einem Angriff.
Jos 11,8 Der Herr verhalf den Israeliten zum Sieg: Sie schlugen ihre Feinde und
verfolgten sie nach Norden bis zur großen Stadt Sidon, bis Misrefot-Majim und
östlich bis in das Tal von Mizpa. Keiner der Fliehenden entkam.
Jos 11,9 Den erbeuteten Pferden ließ Josua die Sehnen durchschneiden, und die
Streitwagen ließ er verbrennen, wie es der Herr befohlen hatte.
Jos 11,10 Nach der Schlacht führte Josua sein Heer nach Hazor, der Hauptstadt
aller Königreiche, deren Truppen sie gerade besiegt hatten. Die Israeliten
eroberten die Stadt und töteten ihren König.
Jos 11,11 Dann vollzogen sie Gottes Strafe und brachten alle Einwohner mit dem
Schwert um. Niemanden ließen sie am Leben. Zuletzt brannten sie Hazor nieder.
Jos 11,12 Alle Städte der Könige, die sich gegen Israel verbündet hatten, nahm
Josua ein und vollstreckte an ihnen Gottes Gericht: Er vernichtete sie, wie es
Mose, der Diener des Herrn, angeordnet hatte.
Jos 11,13 Niederbrennen ließ er jedoch nur Hazor. Die anderen Städte auf den
Hügeln ließ er stehen.
Jos 11,14 Alles Gut und Vieh, das dort zu finden war, behielten die Israeliten
als Beute. Die Menschen aber töteten sie mit dem Schwert, bis alle vernichtet
waren; keinen einzigen ließen sie am Leben.
Jos 11,15 So hatte der Herr es Mose befohlen, und Mose hatte es an Josua
weitergegeben, der sich genau daran hielt. Er befolgte alle Weisungen, die Mose
von Gott bekommen hatte.
Jos 11,16 Josua nahm ganz Kanaan ein: das Gebirge, die gesamte Wüste Negev, das
ganze Gebiet von Goschen, das Hügelland zwischen dem Mittelmeer und dem
judäischen Bergland, die Jordanebene und die Berge Israels,
Jos 11,17 alles Land zwischen dem kahlen Gebirge bei Seïr im Süden und Baal-Gad
in der Ebene vor dem Libanon am Fuß des Hermon. Sämtliche Könige, die dort
regierten, besiegte und tötete er.
Jos 11,18 Der Krieg mit ihnen dauerte jedoch lange Zeit.
Jos 11,19 Denn keine Stadt ergab sich den Israeliten freiwillig, außer den
Hiwitern von Gibeon. Alle anderen Städte mussten mit Gewalt erobert werden.
Jos 11,20 Denn der Herr hatte es so gefügt, dass die Bewohner des Landes sich
Israel unnachgiebig widersetzten. Er wollte sie dem Untergang weihen, es sollte
keine Gnade für sie geben. Israel musste sie vernichten, wie der Herr es Mose
befohlen hatte.
Jos 11,21 Josua brach mit seinen Truppen auf und rottete auch die Anakiter in
Hebron, Debir, Anab und allen anderen Städten aus, die sie im Bergland von Juda
und Israel bewohnten.
Jos 11,22 Im gesamten eroberten Gebiet wurden die Anakiter vernichtet. Nur in
Gaza, Gat und Aschdod blieben sie am Leben.
Jos 11,23 Als das ganze Land in der Hand der Israeliten war, wie der Herr es
Mose versprochen hatte, teilte Josua die Gebiete den Stämmen und Sippen zu. Der
Krieg war vorbei, und das Land kam zur Ruhe.
Jos 12,1 Östlich des Jordan hatten die Israeliten das ganze Gebiet erobert, das
zwischen dem Fluss Arnon im Süden und dem Hermongebirge im Norden liegt,
einschließlich des gesamten Ostjordantals. Zwei Könige hatten sie dort besiegt:
Jos 12,2 Einer von ihnen war Sihon, der König der Amoriter, der in Heschbon
regierte. Sein Reich erstreckte sich von der Mitte des Arnontals, an dessen Rand
die Stadt Aroër liegt, über das halbe Land Gilead bis an den Fluss Jabbok, der
die Grenze zu den Ammonitern bildete.
Jos 12,3 Es umfasste das östliche Jordantal vom See Genezareth bis hinab nach
Bet-Jeschimot am Toten Meer. Von dort zog es sich noch weiter bis zu den
Abhängen des Berges Pisga.
Jos 12,4 Der andere Herrscher, dessen Gebiet die Israeliten erobert hatten, war
Og, der König von Baschan. Er gehörte zu den Refaïtern, den letzten Riesen, die
es noch im Land gab, und regierte in Aschtarot und Edreï.
Jos 12,5 Sein Reich umschloss das Hermongebirge im Norden, die Stadt Salcha im
Osten und das ganze Gebiet von Baschan bis an die Grenzen der Geschuriter und
Maachatiter. Ihm gehörte auch die nördliche Hälfte Gileads bis an die Grenzen
von König Sihons Herrschaftsgebiet.
Jos 12,6 Unter Moses Führung hatte Israel beide Könige besiegt. Das eroberte
Land gab Mose, der Diener des Herrn, den Stämmen Ruben, Gad und dem halben Stamm
Manasse.
Jos 12,7 Unter Josuas Führung besiegten die Israeliten die Könige westlich des
Jordan zwischen Baal-Gad im Libanontal und dem kahlen Gebirge im Süden, das sich
in Richtung Seïr erhebt. Dieses Gebiet teilte Josua später unter die übrigen
Stämme und ihre Sippen auf:
Jos 12,8 das Hügelland zwischen dem Mittelmeer und dem judäischen Bergland, das
judäische Bergland und seine östlichen Ausläufer, das Jordantal, die Steppe und
die Wüste Negev im Süden, das gesamte Gebiet der Hetiter, Amoriter, Kanaaniter,
Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
Jos 12,9 Deren Könige hatten in folgenden Städten regiert: Jericho und Ai, das
bei Bethel liegt,
Jos 12,10 Jerusalem, Hebron,
Jos 12,11 Jarmut, Lachisch,
Jos 12,12 Eglon, Geser,
Jos 12,13 Debir, Geder,
Jos 12,14 Horma, Arad,
Jos 12,15 Libna, Adullam,
Jos 12,16 Makkeda, Bethel,
Jos 12,17 Tappuach, Hefer,
Jos 12,18 Afek, Saron,
Jos 12,19 Madon, Hazor,
Jos 12,20 Schimron-Meron, Achschaf,
Jos 12,21 Taanach, Megiddo,
Jos 12,22 Kedesch, Jokneam am Karmel,
Jos 12,23 Dor an der Küste, Gojim in Galiläa
Jos 12,24 und Tirza. Insgesamt waren es einunddreißig Könige.
Jos 13,1 Josua war inzwischen alt geworden. Da sprach der Herr zu ihm: »Du bist
nun schon sehr alt, aber es ist noch viel Land zu erobern.
Jos 13,2 [2/3] Dazu gehören sämtliche Bezirke der Philister mit ihren fünf
Königsstädten Gaza, Aschdod, Aschkelon, Gat und Ekron sowie die Gegend von
Geschur. Dieser Landstrich beginnt beim Wadi Schihor östlich von Ägypten und
zieht sich von dort in nördlicher Richtung bis nach Ekron. Er gehört zum Gebiet
der Kanaaniter. Auch die Gegend der Awiter im Süden ist noch nicht eingenommen,
Jos 13,4 ebenso der hohe Norden Kanaans von der Sidonierstadt Meara bis zur
Stadt Afek und zum Gebiet der Amoriter.
Jos 13,5 Zudem wird euch das Land der Gebaliter gehören und im Osten der ganze
Libanon von Baal-Gad am Fuße des Berges Hermon bis hinab zur Straße nach Hamat,
Jos 13,6 auch die Region des Libanon bis hinab nach Misrefot-Majim. Alle
Sidonier dort werde ich selbst vertreiben, um euch ihr Gebiet zu geben. Verlose
das ganze Land unter den Israeliten, wie ich es dir befohlen habe;
Jos 13,7 gib es den neun Stämmen und dem halben Stamm Manasse zum Besitz!«
Jos 13,8 Der anderen Hälfte des Stammes Manasse und den Stämmen Ruben und Gad
hatte Mose, der Diener des Herrn, bereits das Land östlich des Jordan
zugewiesen. Er überließ ihnen
Jos 13,9 [9/10] alle Städte des amoritischen Königs Sihon von Heschbon, von
Aroër am Rand des Arnontals im Süden und der Stadt am Fluss Arnon bis zur
ammonitischen Grenze im Norden, einschließlich der Hochebene zwischen Dibon und
Medeba.
Jos 13,11 Diesen Stämmen gehörte auch das Land Gilead und das Gebiet der
Geschuriter und Maachatiter, das ganze Gebirge Hermon und das gesamte Land
Baschan bis zur Stadt Salcha.
Jos 13,12 Dieses Gebiet hatte vorher König Og von Baschan gehört, der in
Aschtarot und Edreï regierte und einer der letzten Riesen war. Die Israeliten
hatten diese Gegenden unter Moses Führung erobert und sämtliche Bewohner
vertrieben,
Jos 13,13 außer den Geschuritern und Maachatitern. Sie leben bis heute unter den
Israeliten.
Jos 13,14 Der Stamm Levi erhielt als einziger keinen Grundbesitz. Er sollte von
den Opfergaben leben, die das Volk Israel seinem Gott darbringt. So hatte der
Herr es Mose befohlen.
Jos 13,15 Dem Stamm Ruben mit seinen Sippen hatte Mose folgendes Gebiet gegeben:
Jos 13,16 von Aroër am Rand des Arnontals und der Stadt am Fluss Arnon über die
ganze Hochebene bis Medeba
Jos 13,17 und Heschbon. Dazu gehörten die Städte des Hochlandes: Dibon,
Bamot-Baal, Bet-Baal-Meon,
Jos 13,18 Jahaz, Kedemot, Mefaat,
Jos 13,19 Kirjatajim, Sibma, Zeret-Schahar im Hügelland östlich des Toten
Meeres,
Jos 13,20 Bet-Peor, die Siedlungen an den Abhängen des Berges Pisga und
Bet-Jeschimot.
Jos 13,21 Alle Ortschaften der Hochebene wurden den Rubenitern zugeteilt, das
ganze frühere Reich des Amoriterkönigs Sihon, das er von Heschbon aus regiert
hatte. Er war von den Israeliten auf Befehl des Mose getötet worden. Mit Sihon
hatten sie auch die midianitischen Fürsten Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba
hingerichtet, die er in seinem Gebiet als Herrscher eingesetzt hatte.
Jos 13,22 Unter denen, die damals mit dem Schwert getötet wurden, war auch der
Wahrsager Bileam, Beors Sohn.
Jos 13,23 Der untere Jordan und seine Uferlandschaft bildeten die nordwestliche
Grenze des Gebietes, dessen Städte und Dörfer der Stamm Ruben mit seinen Sippen
in Besitz nahm.
Jos 13,24 Dem Stamm Gad und seinen Sippen hatte Mose folgendes Gebiet gegeben:
Jos 13,25 Jaser und alle Städte Gileads, das halbe Land der Ammoniter bis zur
Stadt Aroër bei Rabba,
Jos 13,26 [26/27] den nördlichen Rest des Reiches Sihons von Heschbon, also die
Gegenden zwischen Heschbon, Ramat-Mizpe und Betonim sowie zwischen Mahanajim und
dem Gebiet von Debir, außerdem das östliche Jordantal mit Bet-Haram, Bet-Nimra,
Sukkot und Zafon, bis hinauf zum Südufer des Sees Genezareth.
Jos 13,28 Dieses Land mit seinen Städten und Dörfern erhielt der Stamm Gad für
seine Sippen.
Jos 13,29 Das Gebiet, das Mose dem halben Stamm Manasse und seinen Sippen
zugeteilt hatte,
Jos 13,30 erstreckte sich von Mahanajim nach Norden über das gesamte Reich König
Ogs. Es umschloss das Land Baschan und die sechzig Ortschaften, die Jaïr dort
erobert hatte.
Jos 13,31 Das halbe Gebiet Gilead mit den beiden Städten Aschtarot und Edreï, in
denen Og regiert hatte, wurde der Hälfte der Nachkommen Machirs zugesprochen,
einem Sohn Manasses.
Jos 13,32 Die Verteilung des Landes hatte Mose in den Ebenen von Moab
vorgenommen, östlich des Jordan, gegenüber von Jericho.
Jos 13,33 Den Leviten hatte Mose jedoch kein eigenes Stammesgebiet gegeben. Der
Herr, der Gott Israels, war ihr Anteil und Erbe und sorgte für sie, wie er es
ihnen versprochen hatte.
Jos 14,1 [1/2] Das Land Kanaan westlich des Jordan wurde unter die übrigen
neuneinhalb Stämme aufgeteilt. Der Priester Eleasar, Josua und die
Stammesoberhäupter losten aus, welcher Stamm welches Gebiet erhalten sollte. So
hatte es der Herr durch Mose befohlen.
Jos 14,3 Zweieinhalb Stämme hatten bereits östlich des Jordan Grundbesitz
erhalten. Nur den Leviten wurde kein Land zugeteilt.
Jos 14,4 Sie bekamen jedoch eigene Städte, in denen sie wohnen konnten. Auch gab
man ihnen Weideplätze für ihr Vieh. Die Nachkommen Josefs hatten zwei Stämme
gebildet: Ephraim und Manasse.
Jos 14,5 Bei der Verteilung Kanaans hielten sich die Israeliten an die
Weisungen, die Mose von Gott bekommen hatte.
Jos 14,6 In Gilgal kamen die Männer des Stammes Juda zu Josua. Unter ihnen war
auch Kaleb, der Sohn Jefunnes, aus der Sippe Kenas. Er sagte zu Josua: »Du
weißt, was der Herr bei Kadesch-Barnea zu Mose, dem Mann Gottes, über mich und
dich gesagt hat.
Jos 14,7 Ich war damals 40 Jahre alt. Mose, der Diener des Herrn, hatte mich von
Kadesch-Barnea als Kundschafter in dieses Land hier gesandt. Als ich ihm dann
Bericht erstatten musste, war ich zuversichtlich, dass wir das Land einnehmen
könnten.
Jos 14,8 Aber die Männer, die mit mir zusammen dieses Gebiet erkundet hatten,
jagten dem Volk Angst ein. Ich dagegen vertraute ganz dem Herrn, meinem Gott.
Jos 14,9 Mose hat mir damals geschworen: ›Das Land, in das du vorgedrungen bist,
wird dir und deinen Nachkommen für immer gehören, weil du dich fest auf den
Herrn, meinen Gott, verlassen hast.‹
Jos 14,10 Nun hat mich der Herr tatsächlich am Leben erhalten, wie er es
versprochen hat. Fünfundvierzig Jahre sind vergangen, seit der Herr dies zu Mose
gesagt hat. In dieser langen Zeit sind wir Israeliten in der Wüste umhergezogen.
Heute bin ich 85 Jahre alt
Jos 14,11 und noch genauso stark wie damals als Kundschafter. Ich habe die
gleiche Kraft und kann immer noch kämpfen und Kriegszüge unternehmen.
Jos 14,12 Teile mir das Bergland zu, das der Herr mir damals versprochen hat! Du
weißt, dass dort Anakiter in großen Städten leben, die sie zu Festungen
ausgebaut haben. Vielleicht wird der Herr mir helfen, sie zu vertreiben, wie er
es zugesagt hat.«
Jos 14,13 Da segnete Josua Kaleb, den Sohn Jefunnes, und erklärte Hebron zu
seinem Besitz.
Jos 14,14 [14/15] Früher nannte man Hebron Kirjat-Arba (»Stadt des Arba«). Arba
war der größte Mann im Volk der Anakiter gewesen. Heute gehört die Stadt den
Nachkommen Kalebs, weil er dem Herrn, dem Gott Israels, völlig vertraut und
gehorcht hatte. Der Krieg war beendet, und das Land kam zur Ruhe.
Jos 15,1 Als das Land durch das Los verteilt wurde, erhielten die Sippen des
Stammes Juda das südliche Kanaan. Ihr Gebiet reichte bis an das Land Edom und an
die Wüste Zin im äußersten Süden.
Jos 15,2 Die Südgrenze Judas verlief vom unteren Ende des Toten Meeres
Jos 15,3 in südlicher Richtung zum Pass von Akrabbim. Von dort führte sie
hinüber nach Zin, südlich um Kadesch-Barnea herum und durch Hezron hinauf nach
Addar, wo sie einen Bogen nach Karka machte.
Jos 15,4 Sie ging weiter durch Azmon bis an den Bach an der Grenze zu Ägypten,
dem sie bis zur Mündung ins Mittelmeer folgte. Dies war die südliche
Landesgrenze.
Jos 15,5 Im Osten verlief die Grenze Judas am Toten Meer entlang bis zur
Jordanmündung. Die Nordgrenze führte von der Jordanmündung
Jos 15,6 hinauf nach Bet-Hogla, dann nördlich von Bet-Araba weiter bergauf zum
Stein Bohans, des Rubeniters,
Jos 15,7 abwärts in das Tal Achor und wieder aufwärts nach Debir. Hier wandte
sie sich in nördlicher Richtung nach Gilgal, gegenüber dem Pass von Adummim, der
südlich des Baches verläuft. Dann erreichte die Grenze die Quelle En-Schemesch
und die Quelle En-Rogel.
Jos 15,8 Sie führte durch das Hinnomtal, südlich um den Abhang, auf dem die
Jebusiterstadt - das heutige Jerusalem - liegt, zur Spitze des Berges, der sich
westlich des Hinnomtals am Nordrand der Refaïmebene erhebt.
Jos 15,9 Dort machte die Grenze einen Bogen in Richtung der Quelle Neftoach,
führte dann zu den Städten des Berglandes Efron und weiter nach Baala, dem
heutigen Kirjat-Jearim.
Jos 15,10 Von Baala wandte sie sich westlich zum Gebirge Seïr, zog dann am
Nordhang des Berges Jearim (Kesalon) hinab nach Bet-Schemesch und hinüber nach
Timna.
Jos 15,11 Sie verlief an der nördlichen Seite von Ekron in einem Bogen nach
Schikkaron, hinüber zum Berg Baala, und endete bei Jabneel an der Küste des
Mittelmeeres.
Jos 15,12 Das Meer bildete die Westgrenze des Landes Juda. Dies war das Gebiet,
das der Stamm Juda für seine Sippen erhielt.
Jos 15,13 Kaleb, dem Sohn Jefunnes, überließ Josua einen Teil des Stammesgebiets
von Juda. Der Herr hatte Josua befohlen, Kaleb die Stadt Hebron zu geben. Sie
hieß damals noch »Stadt des Arba«, nach dem Stammvater der Anakiter.
Jos 15,14 Dort lebten drei Anakiter namens Scheschai, Ahiman und Talmai mit
ihren Sippen. Kaleb vertrieb sie aus der Stadt.
Jos 15,15 Dann zog er in Richtung Debir, das damals noch Kirjat-Sefer hieß.
Jos 15,16 »Wer Kirjat-Sefer erobert«, versprach er seinen Männern, »der erhält
meine Tochter Achsa zur Frau!«
Jos 15,17 Kalebs Bruder Otniël, dem Sohn des Kenas, gelang es, die Stadt
einzunehmen. Dafür sollte er Achsa zur Frau bekommen.
Jos 15,18 Achsa drängte Otniël, Kaleb um einen Acker zu bitten. Als sie am Tag
der Hochzeit mit ihrem Vater auf dem Weg zu Otniël war, sprang sie plötzlich vom
Esel ab. »Was willst du?«, fragte Kaleb.
Jos 15,19 »Gib mir zum Abschied deinen Segen und ein Geschenk!«, bat sie. »Du
lässt mich in trockenes Südland ziehen, darum gib mir bitte ein Grundstück mit
Wasserstellen!« Da schenkte er ihr von seinem Besitz die oberen und unteren
Quellen.
Jos 15,20 Zum Land, das dem Stamm Juda und seinen Sippen zugeteilt wurde,
Jos 15,21 gehörten die folgenden Städte: Im Süden in Richtung der Grenze von
Edom: Kabzeel, Eder, Jagur,
Jos 15,22 Kina, Dimona, Adada,
Jos 15,23 Kedesch, Hazor, Jitnan,
Jos 15,24 Sif, Telem, Bealot,
Jos 15,25 Hazor-Hadatta, Kerijot-Hezron - das heutige Hazor -,
Jos 15,26 Amam, Schema, Molada,
Jos 15,27 Hazar-Gadda, Heschmon, Bet-Pelet,
Jos 15,28 Hazar-Schual, Beerscheba und Bisjotja,
Jos 15,29 Baala, Ijim, Ezem,
Jos 15,30 Eltolad, Kesil, Horma,
Jos 15,31 Ziklag, Madmanna, Sansanna,
Jos 15,32 Bet-Lebaot, Schilhim, Ajin und Rimmon. Es waren insgesamt
neunundzwanzig Städte mit den dazugehörigen Dörfern.
Jos 15,33 In der Gegend zwischen dem Mittelmeer und dem judäischen Bergland:
Eschtaol, Zora, Aschna,
Jos 15,34 Sanoach, En-Gannim, Tappuach, Enam,
Jos 15,35 Jarmut, Adullam, Socho, Aseka,
Jos 15,36 Schaarajim, Aditajim, Gedera und Gederotajim. Es waren vierzehn Städte
mit ihren Dörfern.
Jos 15,37 Zu ihrem Besitz gehörten auch Zenan, Hadascha, Migdal-Gad,
Jos 15,38 Dilan, Mizpe, Jokteel,
Jos 15,39 Lachisch, Bozkat, Eglon,
Jos 15,40 Kabbon, Lachmas, Kitlisch,
Jos 15,41 Gederot, Bet-Dagon, Naama und Makkeda. Es waren sechzehn Städte mit
den umliegenden Dörfern.
Jos 15,42 Außerdem Libna, Eter, Aschan,
Jos 15,43 Jiftach, Aschna, Nezib,
Jos 15,44 Keïla, Achsib und Marescha; neun Städte mit ihren Dörfern.
Jos 15,45 Dazu kamen Ekron mit seinen Tochterstädten und Dörfern
Jos 15,46 und von dort an alle Städte und Dörfer westwärts in Richtung Aschdod:
Jos 15,47 Aschdod selbst und Gaza mit ihren Tochterstädten und Dörfern, bis
hinab an den Bach an der Grenze zu Ägypten und an die Mittelmeerküste.
Jos 15,48 Im Bergland: Schamir, Jattir, Socho,
Jos 15,49 Danna, Kirjat-Sanna - das heutige Debir -,
Jos 15,50 Anab, Eschtemo, Anim,
Jos 15,51 Goschen, Holon und Gilo; insgesamt elf Städte mit ihren Dörfern.
Jos 15,52 Dazu noch Arab, Duma, Eschan,
Jos 15,53 Janum, Bet-Tappuach, Afeka,
Jos 15,54 Humta, Kirjat-Arba - das jetzige Hebron - und Zior: neun Städte mit
den dazugehörigen Dörfern.
Jos 15,55 Dann Maon, Karmel, Sif, Jutta,
Jos 15,56 Jesreel, Jokdeam, Sanoach,
Jos 15,57 Kajin, Gibea und Timna. Es waren zehn Städte mit ihren Dörfern.
Jos 15,58 Dann Halhul, Bet-Zur, Gedor,
Jos 15,59 Maarat, Bet-Anot und Eltekon; sechs Städte und ihre Dörfer.
Jos 15,60 Außerdem Kirjat-Baal - das heutige Kirjat-Jearim - sowie Rabba: zwei
Städte mit ihren Dörfern.
Jos 15,61 In der Steppe: Bet-Araba, Middin, Sechacha,
Jos 15,62 Nibschan, Ir-Hammelach - die Salzstadt - und En-Gedi; sechs Städte
samt ihren Dörfern.
Jos 15,63 Die Judäer konnten jedoch die Jebusiter nicht aus Jerusalem
vertreiben. Ihre Nachkommen wohnen noch heute dort inmitten des Stammes Juda.
Jos 16,1 Für die Nachkommen Josefs bestimmte das Los folgendes Gebiet: Die
Grenze begann am Jordan auf der Höhe von Jericho und führte über die Quellen
östlich der Stadt durch die Wüste hinauf ins Bergland von Bethel.
Jos 16,2 Sie verlief weiter durch Lus zum Gebiet der Arkiter nach Atarot.
Jos 16,3 Dann führte sie in westlicher Richtung hinab in die Gegend der
Jafletiter und durch das untere Bet-Horon, bis sie hinter Geser das Mittelmeer
erreichte.
Jos 16,4 Dies war die Südgrenze des Gebiets, das den Stämmen Ephraim und
Manasse, den Nachkommen Josefs, zugeteilt wurde.
Jos 16,5 Der Stamm Ephraim mit seinen Sippen erhielt folgendes Gebiet: Seine
Südgrenze führte über Atrot-Addar und das obere Bet-Horon
Jos 16,6 [6-8] bis zum Mittelmeer. Die nördliche Grenze verlief vom Mittelmeer
entlang dem Bach Kana hinauf nach Tappuach. Von dort führte sie ein Stück
nordwärts nach Michmetat, wo sie sich wieder in Richtung Osten nach Taanat-Silo
und Janoach wandte. Die Ostgrenze ging von Janoach über Atarot ins westliche
Jordantal hinab, folgte dem Talverlauf über Naara bis Jericho und endete dort am
Jordan. Diese Grenzen umschlossen das Gebiet Ephraims und seiner Sippen.
Jos 16,9 Dazu kamen noch die Städte und Dörfer, die dem Stamm zugesprochen
wurden, obwohl sie im Gebiet Manasses lagen.
Jos 16,10 Die Männer von Ephraim vertrieben die Kanaaniter nicht, die in Geser
wohnten. Ihre Nachkommen leben noch heute dort, müssen jedoch für die Israeliten
Fronarbeit leisten.
Jos 17,1 Die Nachkommen von Manasse, dem ältesten Sohn Josefs, erhielten zwei
Gebiete. Östlich des Jordan hatte man der Sippe von Machir, dem ältesten Sohn
Manasses und Vater Gileads, die Gegenden Gilead und Baschan zugeteilt. Die
Nachkommen Machirs waren gute Soldaten.
Jos 17,2 Nun bestimmte das Los die Bezirke westlich des Jordan, die von den
Nachkommen der übrigen Söhne Manasses besiedelt werden sollten. Es waren die
Sippen Abiëser, Helek, Asriël, Sichem, Hefer und Schemida.
Jos 17,3 Zelofhad, der Sohn Hefers und Enkel Gileads, aus der Sippe Machir vom
Stamm Manasse, hatte keine Söhne, sondern nur Töchter: Sie hießen Machla, Noa,
Hogla, Milka und Tirza.
Jos 17,4 Diese Frauen kamen zum Priester Eleasar, zu Josua, dem Sohn Nuns, und
zu den führenden Männern des Volkes und sagten: »Der Herr hat Mose befohlen,
auch uns einen Anteil am Stammesgebiet zu geben.« Josua gehorchte dem Gebot des
Herrn und gab ihnen Land neben den Sippen der männlichen Nachkommen Manasses.
Jos 17,5 So kam es, dass der Stamm Manasse zehn Anteile westlich des Jordan
besaß, dazu im Osten die Länder Gilead und Baschan.
Jos 17,6 Im Westen erhielten sowohl die Sippen der männlichen als auch der
weiblichen Nachkommen Manasses ein Gebiet, das Land Gilead im Osten dagegen
wurde nur unter die männlichen Nachkommen aufgeteilt.
Jos 17,7 Die Grenze des Gebiets von Manasse verlief von Asser nach Michmetat
östlich von Sichem und dann zum Siedlungsgebiet von En-Tappuach.
Jos 17,8 Die Gegend um Tappuach lag im Land Manasses, die grenznahe Stadt selbst
gehörte jedoch zu Ephraim.
Jos 17,9 Von dort führte die Grenze hinab zum Bach Kana. Nördlich des Baches
begann das Gebiet Manasses, im Westen reichte es bis ans Mittelmeer. Die Städte
südlich dieses Baches lagen zwar auch noch im Stammesgebiet von Manasse, sie
gehörten aber zum Stamm Ephraim.
Jos 17,10 Der Bach Kana bildete also die Grenze zwischen Ephraim und Manasse.
Das Mittelmeer war für beide die Westgrenze. Im Norden stieß das Land Manasses
an das Stammesgebiet von Asser und im Osten an das von Issaschar.
Jos 17,11 In beiden Gebieten besaß Manasse einige Städte: Bet-Schean, Jibleam
und Dor mit ihren Dörfern, dazu das Dreihügelland mit En-Dor, Taanach und
Megiddo, ebenfalls mit ihren Dörfern.
Jos 17,12 Der Stamm Manasse konnte jedoch die Kanaaniter dort nicht vertreiben,
und so blieben sie dort wohnen.
Jos 17,13 Selbst als die Israeliten mächtiger geworden waren, vertrieben sie die
Kanaaniter nicht, sondern machten sie zu Fronarbeitern.
Jos 17,14 Die Nachkommen Josefs, die westlich des Jordan Land erhalten hatten,
kamen zu Josua und fragten ihn: »Warum hast du nur ein Stammesgebiet für uns
ausgelost? Wir sind so viele Leute! Der Herr hat uns gesegnet und zu einem
großen Volk gemacht!«
Jos 17,15 Josua antwortete: »Wenn ihr so viele seid und euch das Bergland von
Ephraim nicht reicht, dann zieht hinauf in die Wälder! Rodet dort Land im Gebiet
der Perisiter und Refaïter.«
Jos 17,16 Die Nachkommen Josefs sagten: »Das Bergland ist zu klein für uns; und
unten in der Ebene wohnen die Kanaaniter. Im ganzen Tal Jesreel bis hinab nach
Bet-Schean mit seinen Dörfern besitzen sie eiserne Kriegswagen.«
Jos 17,17 Da machte Josua den Männern von Ephraim und Manasse Mut: »Ihr seid ein
so großes und starkes Volk, dass es nicht bei dem Gebiet bleiben wird, das euch
jetzt zugeteilt ist.
Jos 17,18 Das Gebirge soll euch gehören, den Wald dort werdet ihr roden. Auch
das Hügelland werdet ihr erobern und die Kanaaniter vertreiben, selbst wenn sie
stark sind und eiserne Kriegswagen besitzen.«
Jos 18,1 Als das Land erobert war, versammelten sich alle Israeliten in Silo und
errichteten dort das heilige Zelt, in dem Gott ihnen begegnen wollte.
Jos 18,2 Sieben Stämme hatten noch keine Gebiete erhalten.
Jos 18,3 Josua ermahnte sie: »Wie lange wollt ihr noch so träge sein? Wann
endlich werdet ihr das Land in Besitz nehmen, das euch der Herr, der Gott eurer
Väter, gegeben hat?
Jos 18,4 Wählt drei Männer aus jedem Stamm! In meinem Auftrag sollen sie im Land
umherziehen, die Städte und Gebiete, in denen sie wohnen möchten, in Listen
eintragen und dann wieder zu mir kommen.
Jos 18,5 Sie sollen das Land in sieben Abschnitte aufteilen, dabei aber die
Grenzen von Juda im Süden und von Josef im Norden unverletzt lassen.
Jos 18,6 Sie schreiben auf, wo die Grenzen der sieben neuen Stammesgebiete
verlaufen, und bringen mir die Verzeichnisse. Dann werde ich hier vor den Augen
des Herrn, eures Gottes, das heilige Los werfen und euch das Land zuteilen.
Jos 18,7 Nur die Leviten bleiben ohne Gebiet. Dafür dürfen sie Priester des
Herrn sein. Auch die Stämme Gad und Ruben und der halbe Stamm Manasse bekommen
nichts mehr zugeteilt, denn sie haben bereits östlich des Jordan Land erhalten.
Mose, der Diener des Herrn, hat es ihnen gegeben.«
Jos 18,8 Die Männer, die man ausgesucht hatte, machten sich zum Aufbruch fertig.
Josua befahl ihnen: »Geht durch das ganze Land, und schreibt alle Städte auf!
Wenn ihr fertig seid, bringt eure Verzeichnisse zu mir. Ich werde dann hier in
Silo vor dem Herrn das Los für euch werfen.«
Jos 18,9 Die Männer brachen auf, durchzogen das Land und fertigten eine Liste
aller Städte an. Sie teilten das Land in sieben Gebiete auf und verzeichneten
alles auf einer Buchrolle, die sie Josua im Lager bei Silo übergaben.
Jos 18,10 Dort warf Josua vor den Augen des Herrn das Los und teilte den
restlichen sieben Stämmen und ihren Sippen die Gebiete zu.
Jos 18,11 Das erste Los fiel auf den Stamm Benjamin. Er erhielt für seine Sippen
ein Gebiet zwischen den Stämmen Juda und Josef.
Jos 18,12 Seine Nordgrenze begann am Jordan, führte zum Höhenzug nördlich von
Jericho hinauf und in westlicher Richtung durch die Berge bis zur Steppe von
Bet-Awen.
Jos 18,13 Von dort ging sie nach Lus, dem heutigen Bethel, auf den Höhenzug
südlich an der Stadt vorbei, nach Atrot-Addar hinab und bis zu dem Hügel, der
südlich des unteren Bet-Horon liegt.
Jos 18,14 Dort wandte sie sich nach Süden und führte als Westgrenze bis nach
Kirjat-Baal, dem heutigen Kirjat-Jearim, das zu Juda gehörte.
Jos 18,15 Die Südgrenze verlief vom westlichen Stadtrand Kirjat-Jearims bis zur
Quelle Neftoach.
Jos 18,16 Dann führte sie zum Fuß des Berges hinab, der westlich vom Hinnomtal
und nördlich der Refaïmebene liegt. Sie durchquerte das Hinnomtal südlich der
Jebusiterstadt und erreichte die Rogelquelle.
Jos 18,17 Dort wandte sie sich nördlich zur Schemeschquelle, weiter nach Gelilot
gegenüber dem Adummimpass und hinab zum Stein Bohans, des Rubeniters.
Jos 18,18 Sie verlief nördlich über den Bergrücken am Rande der Jordanebene,
führte dann hinab
Jos 18,19 durch die Ebene bis zum Hügel bei Bet-Hogla, ging nördlich daran
vorbei und endete am Nordufer des Toten Meeres, wo der Jordan einmündet.
Jos 18,20 Die Ostgrenze bildete der Jordan. Dies war das Gebiet, das dem Stamm
Benjamin und seinen Sippen gegeben wurde.
Jos 18,21 Folgende Städte gehörten dazu: Jericho, Bet-Hogla, Emek-Keziz,
Jos 18,22 Bet-Araba, Zemarajim, Bethel,
Jos 18,23 Awim, Para, Ofra,
Jos 18,24 Kefar-Ammoni, Ofni und Geba. Es waren zwölf Städte mit ihren Dörfern.
Jos 18,25 Dazu kamen Gibeon, Rama, Beerot,
Jos 18,26 Mizpe, Kefira, Moza,
Jos 18,27 Rekem, Jirpeel, Tarala,
Jos 18,28 Zela, Elef, die Jebusiterstadt (das heutige Jerusalem), Gibea und
Kirjat-Jearim: zusammen vierzehn Städte mit ihren Dörfern. Diese Städte gehörten
dem Stamm Benjamin und seinen Sippen.
Jos 19,1 Das zweite Los fiel auf den Stamm Simeon mit seinen Sippen. Er erhielt
seinen Anteil mitten im Stammesgebiet von Juda.
Jos 19,2 Ihm gehörten: Beerscheba, Scheba, Molada,
Jos 19,3 Hazar-Schual, Baala, Ezem,
Jos 19,4 Eltolad, Betul, Horma,
Jos 19,5 Ziklag, Bet-Markabot, Hazar-Susa,
Jos 19,6 Bet-Lebaot und Scharuhen. Es waren dreizehn Städte mit den
dazugehörigen Dörfern.
Jos 19,7 Dazu kamen Ajin, Rimmon, Eter und Aschan; zusammen vier Städte mit
ihren Dörfern.
Jos 19,8 Zu diesen Städten gehörten alle Ortschaften in ihrem Umkreis bis nach
Baalat-Beer, dem Rama des Südens. Dies war das Gebiet des Stammes Simeon und
seiner Sippen.
Jos 19,9 Es wurde vom Land des Stammes Juda genommen, das für ihn allein zu groß
war. Daher liegt das Gebiet Simeons mitten in Juda.
Jos 19,10 [10-12] Das dritte Los fiel auf den Stamm Sebulon mit seinen Sippen.
Seine Südgrenze verlief vom Bach bei Jokneam ostwärts über Dabbeschet, Marala
und Sarid bis zum Gebiet von Kislot-Tabor. Dann wandte sie sich als Ostgrenze
nach Daberat und hinauf nach Jafia.
Jos 19,13 Von dort führte sie weiter östlich über Gat-Hefer, Et-Kazin und Rimmon
bis nach Nea.
Jos 19,14 Die Nord- und Westgrenze verlief durch Hannaton und endete im Tal
Jiftach-El.
Jos 19,15 Zwölf Städte mit ihren Dörfern gehörten zu Sebulon, darunter Kattat,
Nahalal, Schimron, Jidala und Bethlehem.
Jos 19,16 Dieses Gebiet erhielt der Stamm Sebulon für seine Sippen.
Jos 19,17 Das vierte Los fiel auf den Stamm Issaschar und seine Sippen.
Jos 19,18 Sein Gebiet erstreckte sich von Jesreel nach Norden und umfasste
folgende Städte: Kesullot, Schunem,
Jos 19,19 Hafarajim, Schion, Anaharat,
Jos 19,20 Rabbit, Kischjon, Ebez,
Jos 19,21 Remet, En-Gannim, En-Hadda und Bet-Pazzez.
Jos 19,22 Die Nordgrenze führte vom Berg Tabor über Schahazajim und
Bet-Schemesch zum Jordan hinab. Insgesamt sechzehn Städte mit ihren Dörfern
gehörten zum Stamm Issaschar.
Jos 19,23 Dieses ganze Gebiet bekam er für seine Sippen.
Jos 19,24 Das fünfte Los fiel auf den Stamm Asser und seine Sippen.
Jos 19,25 Sein Gebiet umfasste die Städte Helkat, Hali, Beten, Achschaf,
Jos 19,26 Alammelech, Amad und Mischal. Die Grenze verlief entlang dem
Mittelmeer um das Karmelgebirge bis hinab zum Fluss Libnat.
Jos 19,27 Dort wandte sie sich ostwärts nach Bet-Dagon, erreichte das Gebiet
Sebulons und folgte dessen Westgrenze bis zum Tal Jiftach-El im Norden. Sie zog
sich weiter durch Bet-Emek und Negiël, machte einen Bogen links nach Kabul
Jos 19,28 und führte über Abdon, Rehob, Hammon und Kana bis zur großen Stadt
Sidon.
Jos 19,29 Dann wandte sich die Grenze nach Rama und erreichte die befestigte
Stadt Tyrus. Hier machte sie einen Bogen in Richtung Hosa und endete in der
Umgebung von Achsib am Mittelmeer.
Jos 19,30 Zu Asser gehörten zweiundzwanzig Städte mit ihren Dörfern, darunter
Umma, Afek und Rehob.
Jos 19,31 Diesen Teil des Landes erhielt Asser für seine Sippen.
Jos 19,32 Das sechste Los entschied darüber, welches Gebiet der Stamm Naftali
und seine Sippen bekommen sollten.
Jos 19,33 [33/34] Die Südgrenze begann bei Lakkum am Jordan und verlief
westwärts über Jabneel, Adami-Nekeb, Elon-Zaanannim und Helef bis nach
Asnot-Tabor. Von dort aus führte sie als Westgrenze nach Hukkok. Im Süden stieß
das Gebiet Naftalis an das Land Sebulons, im Westen an das Land Assers. Im Osten
bildete der Jordan die Grenze zum Gebiet Judas.
Jos 19,35 Folgende befestigten Städte gehörten zu Naftali: Ziddim, Zer, Hammat,
Rakkat, Kinneret,
Jos 19,36 Adama, Rama, Hazor,
Jos 19,37 Kedesch, Edreï, En-Hazor,
Jos 19,38 Jiron, Migdal-El, Horem, Bet-Anat und Bet-Schemesch: neunzehn Städte
mit ihren Dörfern.
Jos 19,39 Dieses Gebiet bekam der Stamm Naftali für seine Sippen.
Jos 19,40 Das siebte Los fiel auf den Stamm Dan mit seinen Sippen.
Jos 19,41 Zu seinem Gebiet gehörten die Städte Zora, Eschtaol, Ir-Schemesch,
Jos 19,42 Schaalbim, Ajalon, Jitla,
Jos 19,43 Elon, Timna, Ekron,
Jos 19,44 Elteke, Gibbeton, Baalat,
Jos 19,45 Jehud, Bene-Berak, Gat-Rimmon,
Jos 19,46 Me-Jarkon und Rakkon mit dem Gebiet gegenüber Jafo.
Jos 19,47 Später erweiterte der Stamm Dan sein Gebiet. Seine Männer griffen die
Stadt Leschem an, eroberten sie und töteten die Einwohner mit dem Schwert. Dann
ließen sie sich dort nieder und gaben Leschem den Namen ihres Stammvaters: Dan.
Jos 19,48 Diese Städte und ihre Dörfer gehörten zu dem Gebiet, das der Stamm Dan
mit seinen Sippen bekam.
Jos 19,49 Als das ganze Land verteilt war, gaben die Israeliten auch Josua, dem
Sohn Nuns, ein Stück Land in ihrer Mitte.
Jos 19,50 Wie der Herr es befohlen hatte, wiesen sie ihm die Stadt Timnat-Serach
im Gebirge Ephraims zu, um die Josua gebeten hatte. Er baute sie aus und
siedelte sich mit seiner Sippe dort an.
Jos 19,51 Der Priester Eleasar, Josua und die Stammesoberhäupter hatten die
Stammesgebiete in Silo vor dem Eingang zum Zelt des Herrn verteilt. Dabei hatten
sie das Los entscheiden lassen. So war nun die Verteilung des Landes Kanaan
abgeschlossen.
Jos 20,1 Der Herr sprach zu Josua:
Jos 20,2 »Befiehl dem Volk, Städte auszuwählen, die als Zufluchtsorte dienen
sollen, wie ich es euch schon durch Mose gesagt habe.
Jos 20,3 Sie sollen jedem Schutz bieten, der ohne Absicht einen Menschen getötet
hat. An diesen Orten ist man vor der Blutrache sicher.
Jos 20,4 Wer dorthin flieht, muss sich gleich am Stadttor dem Ältestenrat
stellen und seinen Fall schildern. Dann soll er in die Stadt aufgenommen werden
und eine Unterkunft erhalten.
Jos 20,5 Wenn jemand ihn verfolgt, um den Getöteten zu rächen, dürfen die
Einwohner der Stadt ihn nicht ausliefern. Denn er hat die Tat nicht vorsätzlich,
sondern aus Versehen begangen.
Jos 20,6 Er soll an dem Zufluchtsort in Sicherheit sein, bis ein Gericht über
ihn entschieden hat. Wird er freigesprochen, soll er bis zum Tod des
Hohenpriesters in der Stadt bleiben. Erst dann darf der Totschläger in seine
Heimatstadt zurückkehren, aus der er fliehen musste.«
Jos 20,7 Die Israeliten wählten folgende Zufluchtsstädte aus: Kedesch im
Bergland von Naftali in Galiläa, Sichem im Bergland von Ephraim und Kirjat-Arba,
das heutige Hebron, im Bergland von Juda.
Jos 20,8 Östlich des Jordan bestimmten sie Bezer, das in der Steppe der
Hochebene weit im Osten von Jericho liegt und zum Stamm Ruben gehört, dann Ramot
im Land Gilead im Stammesgebiet von Gad und schließlich Golan im Land Baschan im
Gebiet Manasses.
Jos 20,9 Diese Städte wurden für alle Israeliten und für alle Ausländer, die
unter ihnen lebten, als Zufluchtsorte festgelegt. Dorthin konnte jeder fliehen,
der unabsichtlich einen Menschen getötet hatte. Hier war er vor der Blutrache
sicher, bis ein Gericht über ihn entschieden hatte.
Jos 21,1 [1/2] Noch während das Volk Israel in Silo im Land Kanaan lagerte,
kamen die führenden Männer aus den Sippen der Leviten zum Priester Eleasar, zu
Josua, dem Sohn Nuns, und zu den Oberhäuptern der Stämme Israels. Sie sagten:
»Der Herr hat durch Mose befohlen, dass wir Städte bekommen sollen, in denen wir
wohnen können, und Weideland für unser Vieh.«
Jos 21,3 Die Israeliten gehorchten dem Gebot des Herrn und gaben den Leviten
Städte und Weideplätze aus ihren Gebieten.
Jos 21,4 Das heilige Los wurde geworfen und traf zunächst die levitische Sippe
Kehat. Zu ihr gehörten die Nachkommen des Priesters Aaron. Sie erhielten als
Erste ihren Anteil: dreizehn Städte in den Gebieten der Stämme Juda, Simeon und
Benjamin.
Jos 21,5 Den übrigen Nachkommen Kehats fielen zehn Städte in den Gebieten von
Ephraim und Dan und im westlichen Gebiet von Manasse zu.
Jos 21,6 Die Sippe Gerschon bekam dreizehn Städte in den Gebieten von Issaschar,
Asser, Naftali und im Land Baschan, das dem halben Stamm Manasse östlich des
Jordan gehörte.
Jos 21,7 Die Sippe Merari erhielt zwölf Städte bei den Stämmen Ruben, Gad und
Sebulon.
Jos 21,8 Die Israeliten teilten den Leviten diese Städte mit den umliegenden
Weideplätzen zu, wie es das Los bestimmte. So hatte es der Herr durch Mose
befohlen.
Jos 21,9 [9/10] Das erste Los traf die Nachkommen Aarons von der levitischen
Sippe Kehat. Sie erhielten von den Stämmen Juda und Simeon folgende Städte:
Jos 21,11 zunächst Kirjat-Arba, die Stadt des Stammvaters der Anakiter, die im
judäischen Bergland liegt und jetzt Hebron heißt, mit ihren Weideflächen.
Jos 21,12 Die Äcker und Dörfer rings um Hebron blieben jedoch im Besitz Kalebs,
der ein Sohn Jefunnes war.
Jos 21,13 Die Nachkommen Aarons bekamen die unmittelbar an Hebron grenzenden
Weiden und die Stadt selbst, die auch als Zufluchtsort für Totschläger diente.
Weiter gab man ihnen die Städte Libna,
Jos 21,14 Jattir, Eschtemoa,
Jos 21,15 Holon, Debir,
Jos 21,16 Ajin, Jutta und Bet-Schemesch. Insgesamt erhielten sie neun Städte mit
den dazugehörigen Weideplätzen von den Stämmen Juda und Simeon.
Jos 21,17 [17/18] Dazu kamen vom Stamm Benjamin die vier Städte Gibeon, Geba,
Anatot und Almon mit ihren Weiden.
Jos 21,19 Damit besaß das Priestergeschlecht Aarons dreizehn Städte.
Jos 21,20 Die übrigen Familien der Sippe Kehat vom Stamm Levi erhielten durch
das Los einige Städte im Stammesgebiet Ephraims.
Jos 21,21 Ihnen gehörte nun Sichem im Bergland, ein Zufluchtsort für
Totschläger, außerdem Geser,
Jos 21,22 Kibzajim und Bet-Horon: vier Städte mit den dazugehörigen
Weideplätzen.
Jos 21,23 [23/24] Der Stamm Dan gab ihnen ebenfalls vier Städte mit Weiden:
Elteke, Gibbeton, Ajalon und Gat-Rimmon.
Jos 21,25 Im westlichen Gebiet des Stammes Manasse bekamen sie die beiden Städte
Taanach und Gat-Rimmon mit ihren Weiden.
Jos 21,26 Insgesamt gehörten den übrigen Familien der Sippe Kehat zehn Städte.
Jos 21,27 Der Sippe Gerschon vom Stamm Levi wurden im östlichen Gebiet des
Stammes Manasse zwei Städte mit Weiden zugeteilt: im Land Baschan die Stadt
Golan, einer der Zufluchtsorte für Totschläger, und Beëschtera.
Jos 21,28 [28/29] Im Gebiet von Issaschar erhielten sie vier Städte mit Weiden:
Kirschjon, Daberat, Jarmut und En-Gannim,
Jos 21,30 [30/31] und im Gebiet von Asser die vier Städte: Mischal, Abdon,
Helkat und Rehob.
Jos 21,32 Der Stamm Naftali gab drei Städte mit Weiden: den Zufluchtsort Kedesch
in Galiläa sowie Hammot-Dor und Kartan.
Jos 21,33 Insgesamt besaß die Sippe Gerschon dreizehn Städte mit Weideflächen.
Jos 21,34 [34/35] Die Sippe Merari, zu der alle übrigen Leviten gehörten, bekam
vier Städte mit Weiden im Gebiet Sebulons: Jokneam, Karta, Dimna und Nahalal.
Jos 21,36 [36/37] Weitere vier Städte mit Weideplätzen teilte man ihnen im
Gebiet des Stammes Ruben zu: Bezer, Jahaz, Kedemot und Mefaat.
Jos 21,38 [38/39] Vom Stamm Gad erhielten sie Ramot im Land Gilead, den
Zufluchtsort für Totschläger, Mahanajim, Heschbon und Jaser, ebenfalls vier
Städte mit Weiden.
Jos 21,40 Insgesamt besaßen die restlichen Sippen des Stammes Levi, die
Nachkommen Meraris, zwölf Städte.
Jos 21,41 Alle Leviten erhielten zusammen achtundvierzig Städte in den
verschiedenen Stammesgebieten Israels.
Jos 21,42 Jede dieser Städte war von Weideland umgeben.
Jos 21,43 So gab der Herr den Israeliten das ganze Land, wie er es ihren
Vorfahren versprochen hatte. Sie nahmen es in Besitz und wohnten darin.
Jos 21,44 Der Herr hielt sein Wort und sorgte dafür, dass sie in Frieden leben
konnten. Mit seiner Hilfe hatten die Israeliten alle Feinde besiegt.
Jos 21,45 Kein Versprechen des Herrn blieb unerfüllt - alles war eingetroffen!
Jos 22,1 Josua rief die Männer von Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse zu
sich
Jos 22,2 und sagte zu ihnen: »Ihr habt alles getan, was euch Mose, der Diener
des Herrn, befohlen hat, und auch mir seid ihr immer gehorsam gewesen.
Jos 22,3 Bis heute habt ihr eure Bruderstämme nicht im Stich gelassen. Während
dieser langen Zeit habt ihr genau das getan, was der Herr von euch wollte.
Jos 22,4 Der Herr, euer Gott, hat euren Bruderstämmen das versprochene Land
gegeben, in dem sie jetzt in Frieden leben. Kehrt nun zurück in euer eigenes
Land auf der anderen Seite des Jordan, das euch Mose, der Diener des Herrn, dort
gegeben hat.
Jos 22,5 Aber achtet darauf, dass ihr tut, was euch Mose im Auftrag des Herrn
befohlen hat: Liebt den Herrn, euren Gott! Lebt so, wie es ihm gefällt, und
haltet euch an seine Gebote! Seid ihm treu! Dient ihm aufrichtig und von ganzem
Herzen!«
Jos 22,6 Dann segnete Josua die Männer, und sie machten sich auf den Heimweg.
Jos 22,7 Die eine Hälfte des Stammes Manasse hatte von Mose östlich des Jordan
im Land Baschan ihr Gebiet bekommen. Die andere Hälfte Manasses erhielt von
Josua westlich des Jordan ihr Land, wo sich auch die übrigen Stämme
niedergelassen hatten. Als Josua die Männer nun entließ, segnete er sie
Jos 22,8 und sagte: »Ihr kommt mit reichen Schätzen nach Hause: mit großen
Viehherden, mit Gold und Silber, Bronze und Eisen und mit vielen Kleidern. Teilt
diese Kriegsbeute mit denen, die zu Hause geblieben sind!«
Jos 22,9 Die Männer von Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse verließen die
übrigen Israeliten bei Silo im Land Kanaan und zogen in Richtung des Landes
Gilead, das östlich des Jordan liegt. Dort besaßen sie ihre eigenen Gebiete, in
denen sich ihre Stämme angesiedelt hatten, wie es der Herr durch Mose befohlen
hatte.
Jos 22,10 Als die Männer das Westufer des Jordan, das noch im Land Kanaan lag,
erreichten, bauten sie dort einen großen Altar.
Jos 22,11 Bald schon verbreitete sich unter den übrigen Israeliten die
Nachricht: »Die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse haben unten im
Jordantal einen Altar errichtet; er steht noch auf der Seite, die zu unserem
Land gehört!«
Jos 22,12 Da versammelten sie sich in Silo, um gemeinsam gegen die Oststämme
Krieg zu führen.
Jos 22,13 Sie schickten Pinhas, den Sohn des Priesters Eleasar, ins Land Gilead
zu den Stämmen Ruben, Gad und Manasse.
Jos 22,14 Ihn begleiteten zehn Männer, aus jedem der zehn Stämme einer. Jeder
von ihnen war das Oberhaupt einer ganzen Sippe.
Jos 22,15 In Gilead angekommen, stellten sie die Oststämme zur Rede:
Jos 22,16 »Die ganze Gemeinde des Herrn fragt euch, warum ihr dem Gott Israels
die Treue gebrochen habt. Warum wendet ihr euch vom Herrn ab? Was für einen
Altar habt ihr euch da gebaut? Wollt ihr euch damit gegen den Herrn auflehnen?
Jos 22,17 Reicht es denn nicht, dass wir uns damals mit dem Götzen Peor schuldig
gemacht haben? Der Herr hat unser Volk deswegen schon schwer bestraft, wir
leiden bis heute noch unter den Folgen!
Jos 22,18 Und was tut ihr? Ihr wendet euch schon wieder vom Herrn ab! Wenn ihr
euch gegen ihn auflehnt, wird sich sein Zorn bald gegen die ganze Gemeinschaft
der Israeliten richten!
Jos 22,19 Wenn man den Herrn in eurem Land nicht anbeten kann, dann kommt doch
zu uns herüber in das Land, das dem Herrn gehört und wo sein heiliges Zelt
steht, und siedelt euch bei uns an! Nur lehnt euch nicht gegen den Herrn auf!
Und auch nicht gegen uns! Ihr dürft keinen anderen Altar haben als den des
Herrn, unseres Gottes.
Jos 22,20 Denkt daran, was mit Achan, dem Sohn Serachs, geschah! Als er etwas
von der Beute stahl, die dem Herrn allein gehörte, da bestrafte Gott die ganze
Gemeinschaft der Israeliten. Achans Sünde hat nicht nur ihn selbst, sondern auch
viele andere das Leben gekostet!«
Jos 22,21 Die Männer von Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse antworteten den
Abgesandten der Israeliten:
Jos 22,22 »Gott, der Herr, ist der einzige und wahre Gott! Er weiß es, und
Israel soll es auch wissen: Wir sind dem Herrn nicht untreu geworden und lehnen
uns nicht gegen ihn auf! Das schwören wir! Wenn wir lügen, dann tötet uns!
Jos 22,23 Wir haben den Altar nicht gebaut, um uns vom Herrn abzuwenden. Wir
wollten auf ihm keine Opfer darbringen, weder Brandopfer noch Speiseopfer, noch
Dankopfer. Sagen wir nicht die Wahrheit, dann soll der Herr uns zur Rechenschaft
ziehen.
Jos 22,24 Aber es ist wahr: Wir haben es aus Sorge um unsere Nachkommen getan.
Wir fürchteten, eure Kinder würden eines Tages unsere Kinder fragen: ›Was habt
ihr Rubeniter und Gaditer denn schon mit dem Herrn, dem Gott Israels, zu
schaffen?
Jos 22,25 Schließlich hat er den Jordan als Grenze zwischen uns und euch
gesetzt! Ihr habt keinen Anspruch darauf, dem Herrn zu dienen!‹ So würden eure
Nachkommen unsere davon abbringen, den Herrn zu verehren.
Jos 22,26 Darum haben wir diesen Altar gebaut. Nicht für Brandopfer oder
Schlachtopfer,
Jos 22,27 sondern als Denkmal für uns und für euch und die Generationen nach
uns. Er soll uns daran erinnern, dem Herrn zu dienen und vor seinem Heiligtum
unsere Opfer darzubringen: Brandopfer, Schlachtopfer und Dankopfer. Dann können
eure Nachkommen nicht zu unseren sagen: ›Ihr dürft dem Herrn nicht dienen.‹
Jos 22,28 Und wenn sie es eines Tages doch einmal behaupten, dann können unsere
Kinder sagen: ›Seht euch diese Nachbildung vom Altar des Herrn an! Unsere Väter
haben sie gemacht, nicht für Brand- oder Schlachtopfer, sondern um uns und euch
daran zu erinnern, dass wir gemeinsam dem Herrn dienen sollen.‹
Jos 22,29 Niemals soll es so weit kommen, dass wir uns gegen den Herrn auflehnen
und ihm den Rücken kehren. Wir haben den Altar nicht für Brandopfer, Speiseopfer
oder Schlachtopfer gebaut. Nur auf dem Altar vor dem heiligen Zelt des Herrn,
unseres Gottes, wollen wir unsere Opfer darbringen.«
Jos 22,30 Als der Priester Pinhas und die Sippenoberhäupter, die als Leiter der
israelitischen Gemeinde nach Gilead gekommen waren, hörten, was die Männer von
Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse vorbrachten, waren sie beruhigt.
Jos 22,31 Pinhas, der Sohn des Priesters Eleasar, sagte zu den Oststämmen: »Nun
wissen wir, dass der Herr weiter in unserer Mitte bleibt, denn ihr habt ihm
nicht die Treue gebrochen. Ihr habt die Israeliten vor der Strafe des Herrn
bewahrt.«
Jos 22,32 Dann ließen Pinhas und die israelitischen Führer die Stämme Ruben, Gad
und den halben Stamm Manasse im Land Gilead zurück und machten sich auf den Weg
ins Land Kanaan. Dort erzählten sie, was geschehen war.
Jos 22,33 Die Israeliten freuten sich und lobten Gott. Sie wollten nun nicht
mehr in den Krieg ziehen, um das Land der Oststämme zu verwüsten.
Jos 22,34 Die Rubeniter und Gaditer nannten den Altar »Zeuge«, weil er allen
Stämmen im Westen und im Osten bezeugen sollte, dass der Herr Gott ist.
Jos 23,1 Seit langer Zeit lebten die Israeliten nun in Frieden und Sicherheit.
Der Herr sorgte dafür, dass die Völker ringsum sie nicht bedrohten. Josua war
inzwischen sehr alt geworden.
Jos 23,2 Eines Tages rief er die Ältesten, die Sippenoberhäupter, die Richter
und die führenden Männer Israels zusammen. Er sagte zu ihnen: »Ich bin schon
sehr alt und werde bald sterben.
Jos 23,3 Ihr habt mit eigenen Augen gesehen, was der Herr mit allen Völkern in
dieser Gegend getan hat. Er selbst, der Herr, euer Gott, hat für euch gekämpft.
Jos 23,4 Ich habe das Land zwischen dem Jordan im Osten und dem Mittelmeer im
Westen euren Stämmen durch das Los zugeteilt. Viele Völker habe ich hier
besiegt, einige sind noch übrig geblieben.
Jos 23,5 Doch der Herr, euer Gott, wird auch sie verstoßen und vertreiben. Ihr
werdet ihr Land in Besitz nehmen, wie er es versprochen hat.
Jos 23,6 Bemüht euch darum, alles zu befolgen, was im Gesetzbuch des Mose
aufgeschrieben ist! Weicht nicht davon ab!
Jos 23,7 Vermischt euch nicht mit den Völkern, die noch in eurem Land wohnen!
Nehmt die Namen ihrer Götter nicht in den Mund, und schwört nicht bei ihnen!
Dient ihnen nicht, und betet sie nicht an!
Jos 23,8 Dem Herrn, eurem Gott, sollt ihr treu bleiben, wie ihr es bis heute
wart.
Jos 23,9 Der Herr hat große und mächtige Völker euretwegen vertrieben. Niemand
konnte euch standhalten.
Jos 23,10 Ein einziger von euch verjagt tausend Feinde! Denn der Herr, euer
Gott, kämpft selbst für euch, wie er es versprochen hat.
Jos 23,11 Liebt den Herrn, euren Gott, bemüht euch immer wieder darum, denn es
geht um euer Leben!
Jos 23,12 Wenn ihr euch von ihm abwendet und euch mit den Völkern einlasst, die
noch in eurem Land sind, wenn ihr euch mit ihnen verheiratet und vermischt,
Jos 23,13 dann wird der Herr, euer Gott, diese Völker ganz gewiss nicht mehr aus
eurem Land vertreiben. Dann werden sie für euch zum Fallstrick. Sie werden euch
quälen wie Peitschenhiebe und wie Dornenzweige, die man euch ins Gesicht
schlägt. Am Ende wird keiner von euch in diesem guten Land bleiben, das der
Herr, euer Gott, euch gegeben hat.
Jos 23,14 Bald werde ich sterben. Ihr aber könnt zuversichtlich sein, denn ihr
wisst: Kein Versprechen des Herrn, eures Gottes, blieb unerfüllt - alles ist
eingetroffen!
Jos 23,15 [15/16] Aber genau so, wie der Herr, euer Gott, jedes Versprechen
gehalten hat, so wird er auch jede Drohung wahr machen, wenn ihr den Bund
brecht, den er mit euch geschlossen hat. Wenn ihr anderen Göttern dient und sie
anbetet, dann wird sich der Herr voller Zorn gegen euch wenden und euch bald aus
dem guten Land vertreiben, das er euch gegeben hat.«
Jos 24,1 Josua versammelte alle Stämme Israels bei Sichem. Er rief die führenden
Männer zu sich, die Sippenoberhäupter, die Richter und die Ältesten. Gemeinsam
traten sie vor Gott.
Jos 24,2 Dann redete Josua zum Volk: »So spricht der Herr, der Gott Israels:
›Vor langer Zeit lebten eure Vorfahren auf der anderen Seite des Euphrat: Terach
mit seinen Söhnen Abraham und Nahor. Sie verehrten dort andere Götter.
Jos 24,3 Ich brachte euren Stammvater Abraham aus dem Land jenseits des Euphrat
hierher und ließ ihn durch ganz Kanaan ziehen. Ich schenkte ihm viele
Nachkommen; ich gab ihm Isaak,
Jos 24,4 und Isaak gab ich Jakob und Esau. Esau erhielt das Gebirge Seïr, und
Jakob siedelte sich mit seinen Söhnen in Ägypten an.
Jos 24,5 Später sandte ich Mose und Aaron nach Ägypten und strafte das Land mit
schweren Plagen. Ich führte euer Volk in die Freiheit
Jos 24,6 und brachte es von Ägypten bis zum Schilfmeer. Die Ägypter aber
verfolgten es mit Kriegswagen und Reitern.
Jos 24,7 Eure Väter schrien zu mir um Hilfe. Da ließ ich zwischen ihnen und
ihren Verfolgern Dunkelheit hereinbrechen. Die Ägypter jagten ihnen nach bis ins
Schilfmeer, und dort ließ ich sie in den Wellen untergehen. Mit eigenen Augen
haben eure Vorfahren gesehen, wie ich die Ägypter bestrafte! Danach habt ihr
lange Zeit in der Wüste gelebt,
Jos 24,8 bis ich euch in das Land der Amoriter östlich des Jordan brachte. Sie
kämpften gegen euch, und ich gab sie in eure Gewalt. Überall, wo ihr hinzogt,
vernichtete ich sie und überließ euch ihr Land.
Jos 24,9 Auch der Moabiterkönig Balak, Zippors Sohn, stellte sich euch als Feind
in den Weg. Er ließ Bileam, den Sohn Beors, rufen, um euch zu verfluchen.
Jos 24,10 Aber ich wollte nicht auf Bileam hören, darum musste er euch segnen,
und ich bewahrte euch vor den Moabitern.
Jos 24,11 Dann habt ihr den Jordan durchquert und seid nach Jericho gekommen.
Die Einwohner dieser Stadt führten Krieg gegen euch, ebenso die anderen Völker
des Landes: die Amoriter, Perisiter, Kanaaniter, Hetiter, Girgaschiter, Hiwiter
und Jebusiter. Sie alle gab ich in eure Gewalt.
Jos 24,12 Die beiden Amoriterkönige flohen voller Entsetzen vor euch. Das
verdankt ihr nicht euren Schwertern und Bogen, sondern allein mir.
Jos 24,13 Ich gab euch ein Land, das ihr nicht mehr urbar machen musstet, und
Städte, die ihr nicht erbaut habt. Ihr esst die Früchte von Weinbergen und
Ölbäumen, die ihr nicht gepflanzt habt.‹«
Jos 24,14 Josua fuhr fort: »Deshalb habt Ehrfurcht vor dem Herrn! Dient ihm
aufrichtig und mit ganzer Hingabe! Trennt euch von den Göttern, die eure
Vorfahren jenseits des Euphrat und in Ägypten verehrt haben. Dient allein dem
Herrn!
Jos 24,15 Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet
euch heute, wem ihr gehören wollt: den Göttern, die eure Vorfahren jenseits des
Euphrat verehrt haben, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr lebt.
Ich aber und meine Familie, wir wollen dem Herrn dienen.«
Jos 24,16 Da antwortete das Volk: »Niemals wollen wir den Herrn verlassen und
anderen Göttern dienen!
Jos 24,17 Denn der Herr, unser Gott, war es, der unsere Väter aus der Sklaverei
in Ägypten befreit hat. Er hat große Wunder vor den Augen unseres Volkes
vollbracht. Er hat uns auf dem ganzen Weg beschützt, als wir die Gebiete vieler
Völker durchqueren mussten.
Jos 24,18 Der Herr war es, der die Amoriter und alle anderen Völker vertrieben
hat, die hier früher gelebt haben. Auch wir wollen ihm dienen: Der Herr ist
unser Gott!«
Jos 24,19 Josua erwiderte: »Meint ihr, es sei leicht, dem Herrn zu dienen?
Täuscht euch nicht: Er ist ein heiliger Gott und will, dass ihr ihm allein
gehört. Er wird euch nicht vergeben, wenn ihr ihm untreu werdet und gegen ihn
sündigt!
Jos 24,20 Wenn ihr den Herrn verlasst und fremden Göttern dient, wird er sich
gegen euch wenden. Er wird euch Böses antun und euch vernichten, obwohl er euch
vorher Gutes erwiesen hat.«
Jos 24,21 Da sagte das Volk: »Wir wollen trotzdem dem Herrn dienen!«
Jos 24,22 Josua antwortete: »Ihr selbst seid Zeugen dafür, dass ihr euch für den
Herrn entschieden habt und ihm gehören wollt.« Sie riefen: »Ja, wir sind
Zeugen!«
Jos 24,23 Da forderte Josua sie auf: »Werft alle Götzenfiguren weg, die ihr noch
besitzt. Wendet euch ganz dem Herrn, dem Gott Israels, zu!«
Jos 24,24 Das Volk antwortete: »Wir wollen dem Herrn, unserem Gott, dienen und
auf ihn hören!«
Jos 24,25 Da schloss Josua noch am selben Tag in Sichem einen Bund zwischen Gott
und den Israeliten. Er gab ihnen Gebote und Rechtsbestimmungen
Jos 24,26 und schrieb alles im Buch des Gesetzes Gottes auf. Dann nahm er einen
großen Stein und richtete ihn unter der Terebinthe beim Heiligtum des Herrn auf.
Jos 24,27 Josua rief dem Volk zu: »Seht diesen Stein! Er ist Zeuge! Denn er hat
alles gehört, was der Herr zu uns gesagt hat. Er soll euch mahnen, euren Gott
nicht zu verleugnen.«
Jos 24,28 Dann schickte Josua das Volk nach Hause, jeden in sein Gebiet.
Jos 24,29 Einige Zeit später starb Josua, der Sohn Nuns, der Diener des Herrn.
Er wurde 110 Jahre alt.
Jos 24,30 Man begrub ihn auf dem Grundstück, das ihm und seinen Nachkommen
gehören sollte; es lag in Timnat-Serach nördlich des Berges Gaasch im Gebirge
Ephraim.
Jos 24,31 Israel blieb dem Herrn treu, solange Josua und nach ihm die Ältesten
lebten, die noch alles mit eigenen Augen gesehen hatten, was der Herr für Israel
getan hatte.
Jos 24,32 Die Israeliten begruben auch die Gebeine Josefs, die sie aus Ägypten
mitgeführt hatten. Man bestattete sie im Gebiet des Stammes Josef bei Sichem,
auf dem Feld, das Jakob von den Nachkommen Hamors, des Vaters von Sichem, für
hundert Silberstücke gekauft hatte.
Jos 24,33 Auch Eleasar, der Sohn Aarons, starb. Er wurde in der Stadt Gibea
beigesetzt, die seinem Sohn Pinhas im Gebirge Ephraim gehörte.
Ri 1,1 Als Josua gestorben war, fragten die Israeliten den Herrn: »Welcher Stamm
soll als erster losziehen und die Kanaaniter angreifen?«
Ri 1,2 Der Herr antwortete: »Der Stamm Juda soll beginnen! Ich gebe das Land in
seine Gewalt.«
Ri 1,3 Da forderten die Männer von Juda den Stamm Simeon auf: »Kommt mit! Helft
uns, die Kanaaniter aus dem Gebiet zu vertreiben, das uns zugeteilt wurde! Dann
werden auch wir euch helfen, euer Gebiet einzunehmen.« Die Männer von Simeon
schlossen sich denen von Juda an.
Ri 1,4 Sie zogen in den Kampf, und der Herr schenkte ihnen den Sieg über die
Kanaaniter und Perisiter. Bei Besek schlugen sie das feindliche Heer, das 10000
Mann stark war.
Ri 1,5 Dort stießen sie auch auf Adoni-Besek, den Herrscher über dieses Gebiet,
und kämpften mit ihm. Als er merkte, dass die Kanaaniter und Perisiter die
Schlacht verloren,
Ri 1,6 ergriff er die Flucht. Doch die Israeliten jagten ihm nach und fassten
ihn. Sie hieben ihm die Daumen und die großen Zehen ab.
Ri 1,7 Da sagte Adoni-Besek: »Siebzig Königen habe ich die Daumen und die großen
Zehen abhacken lassen. Sie mussten die Abfälle unter meinem Tisch aufsammeln.
Nun zahlt Gott mir heim, was ich getan habe.« Man brachte ihn nach Jerusalem,
und dort starb er.
Ri 1,8 Die Männer des Stammes Juda griffen Jerusalem an und eroberten es. Sie
töteten die Bewohner mit dem Schwert und steckten die Stadt in Brand.
Ri 1,9 Danach zogen sie weiter und kämpften gegen die Kanaaniter im judäischen
Bergland, in der südlichen Steppe und in der Gegend zwischen dem Mittelmeer und
dem judäischen Bergland.
Ri 1,10 Sie griffen Hebron an, das früher Kirjat-Arba hieß, und besiegten dort
die Kanaaniter Scheschai, Ahiman und Talmai mit ihren Sippen.
Ri 1,11 Dann zogen sie zur Stadt Debir, die man damals noch Kirjat-Sefer nannte.
Ri 1,12 Kaleb, der judäische Heerführer, versprach seinen Männern: »Wer
Kirjat-Sefer erobert, der erhält meine Tochter Achsa zur Frau!«
Ri 1,13 Kalebs jüngerem Bruder Otniël, dem Sohn des Kenas, gelang es, die Stadt
einzunehmen. Dafür sollte er Achsa zur Frau bekommen.
Ri 1,14 Achsa drängte Otniël, Kaleb um einen Acker zu bitten, aber ohne Erfolg.
Als sie dann am Tag der Hochzeit mit ihrem Vater auf dem Weg zu Otniël war,
sprang sie plötzlich vom Esel ab. »Was willst du?«, fragte Kaleb.
Ri 1,15 »Gib mir zum Abschied deinen Segen und ein Geschenk!«, bat sie. »Du
lässt mich in trockenes Südland ziehen, darum gib mir bitte ein Grundstück mit
Wasserstellen!« Da schenkte er ihr von seinem Besitz die oberen und unteren
Quellen.
Ri 1,16 Die Keniter, die Nachkommen von Moses Schwiegervater, waren einst mit
dem Stamm Juda aus der Palmenstadt in die Wüste Juda südlich von Arad gekommen
und hatten sich dort angesiedelt.
Ri 1,17 Die Männer der Stämme Juda und Simeon zogen nun weiter und nahmen die
kanaanitische Stadt Zefat ein. Sie vernichteten alle Bewohner nach Gottes Befehl
und gaben dem Ort den Namen Horma (»Vernichtung«).
Ri 1,18 Dann eroberten die judäischen Soldaten die Städte Gaza, Aschkelon und
Ekron mit den umliegenden Gebieten.
Ri 1,19 Der Herr half ihnen, das Bergland einzunehmen. Es gelang ihnen jedoch
nicht, die Bewohner der Küstenebene zu vertreiben, denn diese besaßen eiserne
Streitwagen.
Ri 1,20 Kaleb erhielt die Stadt Hebron, wie Mose es befohlen hatte. Er vertrieb
von dort die drei Nachkommen Anaks mit ihren Sippen.
Ri 1,21 Der Stamm Benjamin ließ die Jebusiter in Jerusalem wohnen. Bis heute
leben sie dort neben den Benjaminitern.
Ri 1,22 [22/23] Die Stämme Ephraim und Manasse brachen auf und zogen nach
Bethel, das früher Lus hieß. Als sie die Gegend auskundschaften wollten, um die
Stadt zu erobern, half der Herr ihnen:
Ri 1,24 Ihre Späher entdeckten einen Mann, der gerade die Stadt verließ. Sie
hielten ihn an und sagten: »Zeig uns, wie wir nach Bethel hineinkommen! Dafür
werden wir dich verschonen.«
Ri 1,25 Da zeigte er ihnen einen unbewachten Zugang zur Stadt. Sie drangen ein
und töteten alle Einwohner mit dem Schwert. Nur den Mann und seine Verwandten
ließen sie am Leben.
Ri 1,26 Er ging ins Land der Hetiter und gründete dort eine Stadt namens Lus,
die es heute noch gibt.
Ri 1,27 Die Einwohner der Städte Bet-Schean, Taanach, Dor, Jibleam, Megiddo und
der umliegenden Orte vertrieb der Stamm Manasse nicht, und so konnten die
Kanaaniter dort weiterhin wohnen.
Ri 1,28 Als das Volk Israel mächtig wurde, machte es sie zu Fronarbeitern, doch
es gelang ihm immer noch nicht, sie zu vertreiben.
Ri 1,29 Die Ephraimiter gestatteten den Kanaanitern aus Geser, in ihrem Gebiet
zu bleiben.
Ri 1,30 Der Stamm Sebulon vertrieb die Kanaaniter nicht aus Kitron und Nahalol.
Sie blieben als Fronarbeiter dort.
Ri 1,31 Der Stamm Asser schickte weder die Einwohner von Akko fort noch die von
Sidon, Mahaleb, Achsib, Helba, Afek und Rehob.
Ri 1,32 So lebte Asser mitten unter den Kanaanitern, die das Land schon vorher
bewohnt hatten.
Ri 1,33 Der Stamm Naftali vertrieb die Einwohner von Bet-Schemesch und Bet-Anat
nicht, sondern siedelte sich unter den Einheimischen an. Er verpflichtete die
beiden Städte aber zum Frondienst.
Ri 1,34 Die Daniter versuchten, die Ebene in Besitz zu nehmen, wurden aber von
den Amoritern in die Berge zurückgedrängt.
Ri 1,35 Die Amoriter weigerten sich, aus Har-Heres, Ajalon und Schaalbim zu
weichen. Doch die Stämme Ephraim und Manasse gewannen die Oberhand und zwangen
sie zur Fronarbeit.
Ri 1,36 Die Grenze der Amoriter begann am Pass von Akrabbim und führte von dort
über den Felsen und weiter hinauf.
Ri 2,1 Der Engel des Herrn kam von Gilgal nach Bochim und sagte zu den
Israeliten: »Ich habe euch aus Ägypten befreit und in das Land gebracht, das ich
euren Vorfahren versprochen habe. Damals schwor ich, meinen Bund mit euch
niemals zu brechen.
Ri 2,2 Ich befahl: ›Lasst euch nicht mit den Bewohnern dieses Landes ein!
Zerstört ihre Götzenaltäre!‹ Doch was habt ihr getan? Ihr habt nicht auf mich
gehört!
Ri 2,3 Darum werde ich diese Völker nicht mehr aus eurem Gebiet vertreiben. Mein
Entschluss steht fest! Sie werden euch großes Leid zufügen und euch mit ihren
Götzen ins Verderben stürzen.«
Ri 2,4 Als der Engel des Herrn dies gesagt hatte, begannen die Israeliten laut
zu weinen.
Ri 2,5 Sie brachten dem Herrn Opfer dar und nannten den Ort Bochim (»Weinende«).
Ri 2,6 Vor seinem Tod hatte Josua das Volk verabschiedet, und jeder Stamm war in
sein Gebiet gezogen, um es in Besitz zu nehmen.
Ri 2,7 Die Israeliten blieben dem Herrn treu, solange Josua lebte und nach ihm
die Ältesten, die noch selbst gesehen hatten, wie der Herr ihrem Volk mit
machtvollen Taten geholfen hatte.
Ri 2,8 Josua, der Sohn Nuns, der Diener des Herrn, starb im Alter von 110
Jahren.
Ri 2,9 Man begrub ihn auf dem Grundstück, das ihm und seinen Nachkommen gehören
sollte; es lag in Timnat-Heres nördlich des Berges Gaasch im Gebirge Ephraim.
Ri 2,10 Als von seiner Generation keiner mehr lebte, gab es eine neue
Generation, die den Herrn weder kannte noch wusste, was er für Israel getan
hatte.
Ri 2,11 Sie taten, was der Herr verabscheute: Sie dienten anderen Göttern
Ri 2,12 und wandten sich ab vom Herrn, dem Gott ihrer Vorfahren, der ihr Volk
aus Ägypten befreit hatte. Den Götzen der Völker ringsum liefen sie nach und
beteten sie an. Damit forderten sie den Zorn des Herrn heraus.
Ri 2,13 Sie kehrten ihm den Rücken und dienten dem Gott Baal und der Göttin
Aschera.
Ri 2,14 Der Herr war zornig auf die Israeliten. Er sorgte dafür, dass
Räuberbanden sie ausplünderten und ihre Nachbarvölker mächtiger wurden als sie.
Nun konnten die Israeliten sich nicht mehr behaupten.
Ri 2,15 Was sie auch unternahmen, um sich zu verteidigen - der Herr ließ es
ihnen misslingen. Sie gerieten in große Bedrängnis, so wie er es ihnen
angekündigt hatte.
Ri 2,16 Da berief der Herr Männer zu Führern seines Volkes, die es aus der
Gewalt der Feinde befreiten. Sie wurden Richter genannt.
Ri 2,17 Aber auch auf die Richter hörten die Israeliten nicht, sondern warfen
sich fremden Göttern an den Hals und beteten sie an. So kamen sie bald wieder
von dem Weg ab, den ihre Vorfahren gegangen waren. Damals hatten die Israeliten
sich noch an die Gebote des Herrn gehalten, doch nun taten sie, was sie wollten.
Ri 2,18 Wenn sie dann aber verzweifelt klagten, weil ihre Feinde sie hart
bedrängten und unterdrückten, hatte der Herr Erbarmen mit ihnen. Er berief einen
Richter und half ihm, das Volk zu retten. Solange der Richter lebte, waren die
Israeliten in Sicherheit.
Ri 2,19 Nach seinem Tod aber schlugen sie wieder ihre alten Wege ein. Sie
verehrten andere Götter, dienten ihnen und warfen sich vor ihnen nieder. Dabei
trieben sie es noch schlimmer als ihre Vorfahren. Stur hielten sie an ihren
Machenschaften fest und ließen sich durch nichts davon abbringen.
Ri 2,20 Da wurde der Herr wieder zornig auf sie und sprach: »Dieses Volk hat den
Bund gebrochen, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe. Sie wollen nicht
auf mich hören.
Ri 2,21 Darum werde ich die Völker, die seit Josuas Tod noch im Land sind, nicht
vertreiben; sie sollen dort bleiben.
Ri 2,22 Durch sie will ich die Israeliten auf die Probe stellen und sehen, ob
sie sich an meine Gebote halten wie ihre Vorfahren oder nicht.«
Ri 2,23 So vertrieb der Herr die Völker, die Josua nicht besiegen konnte, nicht
sofort aus dem Land, sondern ließ sie dort wohnen.
Ri 3,1 Der Herr ließ einige Völker im Land Kanaan bleiben, um Israel auf die
Probe zu stellen.
Ri 3,2 Auch wollte er die neue Generation lehren, wie man Krieg führt. Denn sie
hatte die Eroberung Kanaans nicht miterlebt. Folgende Völker wohnten weiter im
Land:
Ri 3,3 die Philister mit ihren fünf Fürsten, die Kanaaniter und Sidonier und
alle Hiwiter im Libanongebirge zwischen dem Berg Baal-Hermon und der Gegend von
Hamat.
Ri 3,4 Durch sie wollte der Herr die Israeliten prüfen und sehen, ob sie seine
Gebote befolgten, die er ihren Vorfahren durch Mose gegeben hatte.
Ri 3,5 Die Israeliten lebten mitten unter den Kanaanitern, Hetitern, Amoritern,
Perisitern, Hiwitern und Jebusitern.
Ri 3,6 Sie vermischten sich mit diesen Völkern und dienten ihren Göttern.
Ri 3,7 Sie taten, was der Herr verabscheute, vergaßen ihn und verehrten die
Götzen Baal und Aschera.
Ri 3,8 Da wurde der Herr zornig auf sein Volk und gab es in die Gewalt
Kuschan-Rischatajims, des Königs von Nord-Mesopotamien. Acht Jahre lang wurde es
von ihm unterdrückt.
Ri 3,9 Als die Israeliten zum Herrn um Hilfe schrien, schenkte er ihnen einen
Befreier: Otniël, den Sohn des Kenas, den jüngeren Bruder Kalebs.
Ri 3,10 Otniël wurde vom Geist des Herrn erfasst, er stellte sich an die Spitze
des israelitischen Heers und führte es in die Schlacht. Der Herr half ihm,
Kuschan-Rischatajim, den König von Nord-Mesopotamien, zu besiegen.
Ri 3,11 Vierzig Jahre lang herrschte Frieden. Dann starb Otniël, der Sohn des
Kenas,
Ri 3,12 und die Israeliten taten wieder, was der Herr verabscheute. Darum ließ
er Eglon, den König von Moab, zu einem mächtigen Feind Israels werden.
Ri 3,13 Eglon verbündete sich mit den Ammonitern und Amalekitern, führte Krieg
gegen die Israeliten und besiegte sie. Er nahm die Palmenstadt Jericho ein
Ri 3,14 und unterwarf Israel achtzehn Jahre lang.
Ri 3,15 Die Israeliten schrien zum Herrn um Hilfe, und wieder gab er ihnen einen
Befreier: Ehud, den Sohn Geras, vom Stamm Benjamin, einen Linkshänder. Ihn
sandten die Israeliten zum Moabiterkönig Eglon, um den Tribut zu entrichten.
Ri 3,16 Ehud fertigte ein zweischneidiges Schwert an, das etwa dreißig
Zentimeter lang war, und versteckte es unter seinem Gewand an der rechten Seite.
Ri 3,17 Er brachte den Tribut zu König Eglon, der ein sehr dicker Mann war.
Ri 3,18 Dann schickte er die Männer fort, die ihn als Lastträger begleitet
hatten.
Ri 3,19 [19/20] Auch er verließ den Palast und ging in Richtung Gilgal. Als er
dort die Stelle erreichte, wo die Götterstatuen standen, kehrte er noch einmal
zu Eglon zurück. Der König saß gerade im kühlen Obergemach, das nur für ihn
bestimmt war. Ehud trat ein und sagte zu ihm: »Ich habe eine geheime Botschaft
für dich!« »Lasst uns allein!«, befahl der König seinen Dienern. Als sie
hinausgegangen waren, sagte Ehud: »Die Botschaft, die ich für dich habe, ist von
Gott!« Eglon stand auf.
Ri 3,21 Da packte Ehud mit der linken Hand das Schwert, das er an der rechten
Seite trug, zog es hervor und stieß es Eglon in den Bauch.
Ri 3,22 Die Klinge drang so tief ein, dass das Fett den Griff umschloss und die
Spitze zwischen den Beinen wieder herauskam. Ehud ließ das Schwert stecken
Ri 3,23 und trat in die Halle hinaus. Er schloss die Tür, sperrte sie zu und
floh.
Ri 3,24 Bald darauf kamen Eglons Diener und merkten, dass der Raum verschlossen
war. »Der König muss sicher gerade austreten«, sagten sie zueinander
Ri 3,25 und warteten eine Weile, doch die Tür ging nicht auf. Schließlich kam es
ihnen merkwürdig vor. Sie holten den Schlüssel und öffneten das Obergemach. Dort
fanden sie den König tot am Boden liegen.
Ri 3,26 Ehud aber war entkommen, während die Diener gewartet hatten. Er hatte
bereits die Götterstatuen bei Gilgal hinter sich gelassen und floh weiter nach
Seïra.
Ri 3,27 Dort im Gebirge Ephraim ließ er das Horn blasen, um die Israeliten zur
Schlacht zu versammeln. Sie folgten ihm ins Jordantal.
Ri 3,28 »Mir nach!«, rief er. »Der Herr gibt euch den Sieg über die Moabiter!«
Sie zogen mit Ehud hinab und besetzten die Jordanübergänge, um den Feinden den
Fluchtweg abzuschneiden.
Ri 3,29 Dann kämpften sie gegen die Moabiter und töteten an die 10000 gute,
erfahrene Soldaten, keiner entkam.
Ri 3,30 So mussten sich die Moabiter der Macht der Israeliten beugen, und
achtzig Jahre lang herrschte Frieden.
Ri 3,31 Nach Ehud gab es einen weiteren Befreier Israels: Schamgar, den Sohn
Anats. Er tötete 600 Philister mit einem Ochsenstecken.
Ri 4,1 Als Ehud gestorben war, taten die Israeliten erneut, was der Herr
verabscheute.
Ri 4,2 [2/3] Da ließ der Herr ihr Gebiet vom Kanaaniterkönig Jabin erobern, der
regierte in Hazor und besaß 900 eiserne Streitwagen. Sein Heerführer hieß
Sisera, er hatte sein Truppenlager in Haroschet-Gojim aufgeschlagen. Zwanzig
Jahre lang quälte und unterdrückte Jabin die Israeliten. Da schrien sie zum
Herrn um Hilfe.
Ri 4,4 Zu jener Zeit war die Prophetin Debora Israels Richterin. Sie war mit
einem Mann namens Lappidot verheiratet
Ri 4,5 und wohnte bei der nach ihr benannten Debora-Palme zwischen Rama und
Bethel im Gebirge Ephraim. Dorthin kamen die Israeliten, um sich von ihr Recht
sprechen zu lassen.
Ri 4,6 Eines Tages ließ Debora Barak, den Sohn Abinoams, aus Kedesch im
Stammesgebiet von Naftali zu sich kommen. Sie sagte zu ihm: »Der Herr, der Gott
Israels, befiehlt dir: ›Rufe 10000 Soldaten aus den Stämmen Naftali und Sebulon
zusammen, und zieh mit ihnen auf den Berg Tabor!
Ri 4,7 Ich werde dafür sorgen, dass Sisera, der Heerführer Jabins, mit seinen
Wagen und seinem Heer zum Fluss Kischon kommt. Dort gebe ich ihn in deine
Gewalt.‹«
Ri 4,8 Barak antwortete: »Ich werde nur gehen, wenn du mitkommst. Ohne dich
unternehme ich nichts.«
Ri 4,9 »Ich komme mit«, willigte Debora ein, »aber der Ruhm dieses Feldzugs wird
nicht dir gehören, denn der Herr wird einer Frau den Sieg über Sisera schenken!«
Zusammen mit Barak machte sich Debora auf den Weg nach Kedesch.
Ri 4,10 Dort rief Barak die Stämme Sebulon und Naftali zusammen. 10000 Mann
folgten ihm auf den Berg Tabor, und Debora begleitete sie.
Ri 4,11 Zu jener Zeit schlug ein Keniter namens Heber seine Zelte bei dem großen
Baum von Zaanannim in der Nähe von Kedesch auf. Die Keniter waren Nachkommen von
Hobab, dem Schwager des Mose. Heber hatte sich von seiner Sippe getrennt und war
allein weitergezogen.
Ri 4,12 Man meldete Sisera, dass Barak, der Sohn Abinoams, ein Heer auf den Berg
Tabor geführt hatte.
Ri 4,13 Da brach er von Haroschet-Gojim auf und zog mit den 900 eisernen
Streitwagen und seinem ganzen Heer zum Fluss Kischon.
Ri 4,14 »Greif an«, forderte Debora Barak auf. »Der Herr wird euch vorangehen
und euch noch heute den Sieg über Sisera geben!« Da stieg Barak mit seinen 10000
Soldaten vom Berg Tabor herab.
Ri 4,15 Als sie mit dem Schwert in der Hand angriffen, ließ der Herr das ganze
Heer der Kanaaniter in Panik geraten. Sisera sprang vom Wagen und floh zu Fuß.
Ri 4,16 Baraks Männer verfolgten die fliehenden Truppen und ihre Wagen bis nach
Haroschet-Gojim. Sie töteten alle Soldaten, nicht einer kam mit dem Leben davon.
Ri 4,17 Sisera floh zu Fuß zum Zelt Jaëls, der Frau des Keniters Heber. Denn
zwischen Heber und Jabin, dem König von Hazor, herrschte Frieden.
Ri 4,18 Jaël trat aus dem Zelt, lief Sisera entgegen und rief: »Komm herein,
mein Herr! Hier bist du sicher!« Da ging er in ihr Zelt und legte sich hin. Jaël
deckte ihn zu.
Ri 4,19 »Gib mir bitte etwas Wasser«, sagte er, »ich habe Durst.« Jaël öffnete
den Milchschlauch und ließ Sisera trinken. Dann deckte sie ihn wieder zu.
Ri 4,20 »Stell dich an den Eingang!«, bat er sie. »Wenn einer kommt und fragt,
ob jemand im Zelt ist, sag nein!«
Ri 4,21 Erschöpft fiel er in einen tiefen Schlaf. Jaël nahm einen Zeltpflock und
einen Hammer, schlich sich an Sisera heran und schlug den Pflock durch seine
Schläfen in den Boden. So starb er.
Ri 4,22 Kurz darauf traf Barak ein, der Sisera verfolgte. Jaël ging ihm entgegen
und sagte: »Komm, ich will dir den Mann zeigen, den du suchst.« Barak trat in
das Zelt und sah Sisera mit dem Zeltpflock in der Schläfe tot am Boden liegen.
Ri 4,23 An diesem Tag fügte Gott dem Kanaaniterkönig Jabin durch die Israeliten
eine schwere Niederlage zu.
Ri 4,24 Danach gewannen sie immer mehr Macht über Jabin, und schließlich
vernichteten sie ihn ganz.
Ri 5,1 Am Tag des Sieges sangen Debora und Barak, der Sohn Abinoams, dieses
Lied:
Ri 5,2 Preist den Herrn für Israels Helden, die ihre Stärke bewiesen, und für
das Volk, das freiwillig kämpfte!
Ri 5,3 Hört her, ihr Könige, gebt Acht, ihr Herrscher: Für den Herrn will ich
singen, ja, singen und musizieren will ich für den Herrn, den Gott Israels!
Ri 5,4 Herr, du stiegst herab vom Gebirge Seïr, aus den Steppen Edoms kamst du
herbei. Da bebte die Erde, und Regen fiel vom Himmel, das Wasser strömte aus den
Wolken nieder.
Ri 5,5 Die Berge gerieten ins Wanken, als der Herr kam, als der Gott Israels
sich am Sinai zeigte.
Ri 5,6 Zur Zeit Schamgars, des Sohnes Anats, und in den Tagen Jaëls waren die
Straßen leer: Wer auf Reisen war, ging auf gut versteckten Pfaden.
Ri 5,7 Felder und Dörfer lagen verwaist, bis ich mich erhob, ja, bis ich,
Debora, aufstand, die Mutter Israels.
Ri 5,8 Mein Volk hatte sich neue Götter erwählt, und dann brach der Feind durch
die Tore herein. Bei vierzigtausend Männern in Israel fand sich kein Schild und
kein Speer!
Ri 5,9 Doch nun bin ich stolz auf die Heerführer Israels und auf alle Soldaten,
die freiwillig kämpften. Ja, preist den Herrn,
Ri 5,10 singt, die ihr auf weißen Eseln reitet und dabei auf kostbaren Decken
sitzt, singt auch ihr, die ihr zu Fuß gehen müsst!
Ri 5,11 Hört, dort am Brunnen, wo man das Vieh tränkt, rühmen sie die mächtigen
Taten des Herrn! Sie erzählen, wie er seinem Volk geholfen hat. Israel konnte
die Berge wieder verlassen und ist in seine Städte zurückgekehrt.
Ri 5,12 Auf, Debora, auf, sing ein Lied! Steh auf, Barak, du Sohn Abinoams, und
führe die Gefangenen fort!
Ri 5,13 Die letzten mutigen Soldaten kamen herab vom Gebirge und schlossen sich
den Führern Israels an. Das Volk des Herrn kam zu mir, bereit zum Kampf:
Ri 5,14 Die Ephraimiter rückten an aus Amaleks Land, gefolgt von den Männern aus
Benjamin. Machirs Sippe kam mit ihren Oberhäuptern und Sebulon mit seinen
Truppenführern.
Ri 5,15 Auch Issaschars Fürsten halfen Debora, und seine Soldaten folgten Barak
ins Tal. Der Stamm Ruben aber blieb in seinem Gebiet und beriet ohne Ende, ob er
mitkommen sollte.
Ri 5,16 Warum bist du bei deinen Herden geblieben? Um den Flöten der Hirten zu
lauschen? Der Stamm Ruben blieb in seinem Gebiet und beriet ohne Ende, ob er
mitkommen sollte.
Ri 5,17 Die Sippen aus Gilead ruhten sich jenseits des Jordan aus. Warum ist der
Stamm Dan bei seinen Schiffen geblieben? Die Soldaten von Asser saßen am Ufer
des Meeres, untätig blieben sie an seinen Buchten.
Ri 5,18 Doch Sebulon wagte sein Leben, zusammen mit Naftali zog er aufs
Schlachtfeld, ohne Furcht vor dem Tod.
Ri 5,19 Könige kamen und kämpften, Kanaans Könige führten Krieg gegen Israel bei
Taanach am Fluss von Megiddo. Doch sie brachten kein Silber als Beute zurück.
Ri 5,20 Vom Himmel her griffen die Sterne Sisera an, von ihren Bahnen aus
kämpften sie gegen ihn und sein Volk!
Ri 5,21 Der Fluss Kischon, der schon seit Urzeiten fließt, riss die Feinde mit
sich fort. Sei stark, Debora, verlier nicht den Mut!
Ri 5,22 Die Pferde der Feinde galoppierten davon, unter ihren Hufen dröhnte die
Erde.
Ri 5,23 »Verflucht sei die Stadt Meros!«, rief der Engel des Herrn. Ja, Unheil
soll ihre Bewohner treffen! Denn sie kamen dem Herrn nicht zu Hilfe, sie standen
den Soldaten Israels nicht bei.
Ri 5,24 Preist Jaël, die Frau des Keniters Heber, rühmt sie mehr als jede andere
Frau! Möge Gott sie reicher beschenken als alle Frauen, die in Zelten zu Hause
sind.
Ri 5,25 Als Sisera um Wasser bat, reichte sie Milch, gab ihm Sahne im kostbaren
Gefäß.
Ri 5,26 Doch dann fasste sie mit der Linken den Pflock und mit der Rechten den
wuchtigen Hammer. Sie erschlug Sisera, zertrümmerte seinen Schädel und
durchbohrte ihm die Schläfe.
Ri 5,27 Er krümmte sich zu ihren Füßen, geschlagen lag er da. Er krümmte sich zu
ihren Füßen und starb.
Ri 5,28 Zu Hause hielt seine Mutter Ausschau nach ihm. Sie blickte aus dem
Fenster und rief voller Sorge: »Warum sehe ich seinen Streitwagen noch nicht?
Was hält seine Pferde bloß auf?«
Ri 5,29 Ihre weisen Beraterinnen beruhigten sie, und sie klammerte sich an ihre
Worte:
Ri 5,30 »Unser Volk macht gewiss Beute und teilt sie auf: ein oder zwei Mädchen
für jeden Mann und bunte Gewänder für Sisera. Ja, bunte Kleider bringen sie mit
und zwei kostbare Tücher als Schmuck um deinen Hals!«
Ri 5,31 Herr, mögen all deine Feinde sterben wie Sisera! Doch wer dich liebt,
gleicht der Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht! Nach dem Sieg Baraks über die
Kanaaniter herrschte vierzig Jahre lang Frieden im Land.
Ri 6,1 Die Israeliten taten, was der Herr verabscheute. Da ließ er die
Midianiter sieben Jahre lang über sie herrschen.
Ri 6,2 Die Israeliten wurden von ihnen so schwer unterdrückt, dass sie sich in
Felsklüften, in Höhlen und auf den Bergen verstecken mussten.
Ri 6,3 Immer wenn sie ihre Felder in der Ebene bestellt hatten, kamen die
Midianiter, die Amalekiter und die Beduinenstämme aus dem Osten,
Ri 6,4 machten sich im Land breit und vernichteten die ganze Ernte bis nach Gaza
am Mittelmeer. Sie ließen nichts übrig, wovon das Volk Israel sich ernähren
konnte, und raubten auch alle Schafe, Ziegen, Rinder und Esel.
Ri 6,5 Mit ihren Herden und Zelten fielen sie wie ein Heuschreckenschwarm über
Israel her. Niemand konnte sie und ihre Kamele zählen. So drangen sie immer
wieder ins Land ein und verwüsteten es.
Ri 6,6 [6/7] Die Israeliten gerieten dadurch tief ins Elend. Als sie zum Herrn
um Hilfe schrien,
Ri 6,8 sandte er einen Propheten zu ihnen, der verkündete: »So spricht der Herr,
der Gott Israels: Ich habe euch aus der Sklaverei in Ägypten befreit und hierher
gebracht.
Ri 6,9 Aus der Gewalt der Ägypter und aller anderen Unterdrücker habe ich euch
gerettet. Ich vertrieb sie und gab euch ihr Land.
Ri 6,10 Damals sagte ich zu euch: ›Ich bin der Herr, euer Gott. Verehrt nicht
die Götter der Amoriter, in deren Land ihr wohnt.‹ Aber ihr habt nicht auf mich
gehört!«
Ri 6,11 Der Engel des Herrn kam nach Ofra und setzte sich unter eine Terebinthe
auf dem Grundstück, das Joasch gehörte, einem Mann aus der Sippe Abiëser.
Joaschs Sohn Gideon drosch gerade Weizen in einer Kelter, um das Getreide vor
den Midianitern in Sicherheit zu bringen.
Ri 6,12 Da erschien ihm der Engel des Herrn und sagte: »Der Herr steht dir bei,
du starker Kämpfer!«
Ri 6,13 Gideon erwiderte: »Ach, mein Herr, wenn Gott uns wirklich beisteht,
warum geht es uns dann so schlecht? Wo sind all die Wunder, von denen unsere
Eltern uns erzählt haben? Sie sagen, der Herr habe uns aus Ägypten befreit. Aber
was ist jetzt? Er hat uns verlassen und den Midianitern ausgeliefert!«
Ri 6,14 Der Herr sah Gideon an und sagte: »Ich gebe dir einen Auftrag: Geh, und
rette Israel aus der Gewalt der Midianiter! Du hast die Kraft dazu!«
Ri 6,15 »Aber wie soll ich Israel denn retten?«, rief Gideon. »Meine Sippe ist
die kleinste in Manasse, und ich bin der Jüngste in unserer Familie.«
Ri 6,16 Der Herr versprach: »Ich helfe dir! Du wirst die Midianiter schlagen,
als hättest du es nur mit einem einzigen Mann zu tun.«
Ri 6,17 Gideon entgegnete: »Ich habe es nicht verdient, dass du mich anhörst.
Aber wenn du willst, dann gib mir bitte ein Zeichen, dass du Gott bist, der
jetzt mit mir spricht.
Ri 6,18 Ich möchte dir eine Gabe holen. Bitte geh nicht weg, bis ich
wiederkomme.« Der Herr antwortete: »Ich bleibe, bis du zurück bist.«
Ri 6,19 Gideon ging ins Haus, nahm gut zehn Kilogramm Mehl und backte
ungesäuerte Brote. Danach schlachtete er einen jungen Ziegenbock und bereitete
ihn zu; das Fleisch legte er in einen Korb, und die Brühe goss er in einen Topf.
Nun brachte er das Essen hinaus zur Terebinthe und bot es dem Engel an.
Ri 6,20 Doch der Engel sagte zu ihm: »Nimm das Fleisch und das Brot, und leg es
auf den Felsen hier! Die Brühe gieß aus!« Gideon gehorchte.
Ri 6,21 Der Engel des Herrn streckte seinen Stab aus und berührte damit das
Fleisch und das Brot. Da kam Feuer aus dem Felsen und verzehrte das Essen.
Zugleich verschwand der Engel.
Ri 6,22 Nun hatte Gideon keinen Zweifel mehr, er rief: »Herr, ich muss sterben,
denn ich habe deinen Engel mit eigenen Augen gesehen!«
Ri 6,23 Da sprach der Herr zu ihm: »Hab keine Angst! Du wirst nicht sterben. Ich
schenke dir Glück und Frieden.«
Ri 6,24 Gideon baute einen Altar und gab ihm den Namen: »Der Herr ist Friede.«
Er steht bis heute bei Ofra, der Stadt der Abiësriter.
Ri 6,25 In der folgenden Nacht sprach der Herr zu Gideon: »Nimm den
siebenjährigen Stier deines Vaters, das zweitbeste Tier aus seiner Herde! Reiß
den Altar Baals nieder, der deinem Vater gehört, und hau die Götterstatue der
Aschera um, die dort steht!
Ri 6,26 Dann bau für mich, den Herrn, deinen Gott, einen Altar an der höchsten
Stelle eurer Bergfestung. Schichte das Holz der Statue darauf, und bring den
Stier als Brandopfer dar!«
Ri 6,27 Gideon nahm zehn seiner Knechte mit und führte aus, was der Herr ihm
befohlen hatte. Er tat es jedoch nicht am Tag, sondern in der Nacht, weil er
Angst vor der Familie seines Vaters und vor den Männern der Stadt hatte.
Ri 6,28 Am frühen Morgen entdeckten die Bewohner der Stadt, dass der Altar Baals
niedergerissen und die Statue der Aschera umgehauen war. Sie sahen auch den
neuen Altar, auf dem Gideon den Stier geopfert hatte.
Ri 6,29 »Wer hat das getan?«, fragten sie einander. Man forschte nach und fand
schließlich heraus: »Gideon, der Sohn Joaschs, war es!«
Ri 6,30 Da forderten die Männer der Stadt von Joasch: »Liefere uns deinen Sohn
aus! Er muss sterben, denn er hat den Altar Baals niedergerissen und die
Götterstatue umgehauen.«
Ri 6,31 Joasch antwortete den Versammelten: »Wollt ihr etwa Baal verteidigen?
Wollt ihr ihn retten? Wer für Baal kämpft, wird noch in dieser Nacht getötet!
Wenn Baal wirklich ein Gott ist, dann soll er sich doch selbst dafür rächen,
dass sein Altar zerstört worden ist.«
Ri 6,32 Weil Gideon den Altar Baals niedergerissen hatte, nannte man ihn von da
an Jerubbaal (»Baal soll sich an ihm rächen«).
Ri 6,33 Alle Midianiter, Amalekiter und die Beduinen aus dem Osten versammelten
sich, überquerten den Jordan und schlugen ihr Lager in der Ebene Jesreel auf.
Ri 6,34 Da wurde Gideon vom Geist des Herrn ergriffen. Er blies das Horn und
rief die Männer der Sippe Abiëser auf, ihm zu folgen.
Ri 6,35 Er sandte auch Boten zum ganzen Stamm Manasse und zu den Stämmen Asser,
Sebulon und Naftali. Sie folgten dem Aufruf und schlossen sich Gideons Truppe
an.
Ri 6,36 Gideon betete: »Bitte gib mir ein Zeichen, dass du Israel wirklich durch
mich befreien willst, wie du es angekündigt hast.
Ri 6,37 Ich lege frisch geschorene Wolle auf den Dreschplatz. Lass doch morgen
früh die Wolle vom Tau nass sein, den Boden ringsum aber trocken! Dann weiß ich,
dass du Israel durch mich retten möchtest, wie du es gesagt hast.«
Ri 6,38 Was Gideon erbeten hatte, geschah. Als er am nächsten Morgen früh
aufgestanden war, presste er den Tau aus der Wolle. Das Wasser füllte eine ganze
Schale.
Ri 6,39 Da sagte Gideon zu Gott: »Sei nicht zornig, wenn ich dich noch einmal um
etwas bitte! Ich möchte es nur noch dies eine Mal mit der Wolle versuchen. Lass
sie trocken bleiben und den ganzen Boden nass vom Tau sein.«
Ri 6,40 In der folgenden Nacht erhörte Gott wieder sein Gebet: Die Wolle allein
blieb trocken, und auf dem Boden ringsum lag Tau.
Ri 7,1 In aller Frühe führte Gideon, den man auch Jerubbaal nannte, sein Heer
zur Quelle Harod. Dort schlugen sie ihr Lager auf. Nördlich von ihnen im Tal
lagerten die Midianiter am Fuß des Hügels More.
Ri 7,2 Der Herr sprach zu Gideon: »Du hast zu viele Soldaten! Diesem großen Heer
will ich nicht den Sieg über die Midianiter schenken! Sonst werden die
Israeliten mir gegenüber prahlen: ›Wir haben uns aus eigener Kraft befreit!‹
Ri 7,3 Ruf deshalb im Lager aus, dass alle, die Angst haben, umkehren sollen!«
So verkleinerte Gideon sein Heer. 22000 Mann machten kehrt, und 10000 blieben
zurück.
Ri 7,4 Doch der Herr sagte zu Gideon: »Es sind immer noch zu viele! Führ sie zur
Quelle hinab. Ich will dort selbst noch einmal auswählen. Ich werde dir sagen,
wer mit dir ziehen soll und wer nicht.«
Ri 7,5 Gideon ging mit den Männern an die Quelle. Der Herr befahl ihm: »Alle,
die das Wasser mit der Hand schöpfen und es dann auflecken wie ein Hund, stell
auf die eine Seite! Auf die andere Seite lass alle gehen, die sich zum Trinken
hingekniet haben.«
Ri 7,6 300 Mann führten das Wasser mit der Hand zum Mund, alle anderen knieten
zum Trinken nieder.
Ri 7,7 Da sprach der Herr zu Gideon: »Durch die 300 Männer, die das Wasser aus
der Hand getrunken haben, werde ich Israel befreien und die Midianiter in deine
Gewalt geben! Alle anderen sollen nach Hause gehen.«
Ri 7,8 Gideon entließ die Männer und behielt nur die 300 bei sich. Sie
übernahmen die Vorräte und die Signalhörner der anderen. All dies geschah
oberhalb der Talebene, in der die Midianiter lagerten.
Ri 7,9 In der Nacht sprach der Herr zu Gideon: »Greif die Midianiter an! Ich
gebe ihr Lager in deine Gewalt!
Ri 7,10 Wenn du aber Angst hast, dann geh vorher mit deinem Diener Pura hinunter
Ri 7,11 und hör dir an, was sie dort reden. Das wird dir Mut geben, sie
anzugreifen!« Da ging Gideon mit Pura zum Lager hinab und schlich sich an die
bewaffneten Vorposten heran.
Ri 7,12 Die Midianiter, Amalekiter und die vielen Beduinen aus dem Osten hatten
sich im Tal ausgebreitet wie ein Heuschreckenschwarm. Ihre Kamele waren so
zahlreich wie der Sand am Meer.
Ri 7,13 Gideon kam ganz nahe an die feindlichen Soldaten heran und hörte, wie
ein Mann zu seinem Kameraden sagte: »Ich muss dir etwas erzählen! Ich habe
geträumt, dass ein riesiges Gerstenbrot in unser Lager gerollt ist. Es hat ein
Zelt getroffen und umgerissen. Alles flog durcheinander und stürzte zu Boden.«
Ri 7,14 Der andere erwiderte: »Das kann nur eins bedeuten: das Schwert des
Israeliten Gideon, des Sohnes Joaschs! Gott wird ihm den Sieg über uns
Midianiter und unser ganzes Lager schenken!«
Ri 7,15 Als Gideon den Traum und die Deutung gehört hatte, warf er sich nieder
und betete Gott an. Dann kehrte er ins israelitische Lager zurück und rief:
»Los! Der Herr gibt die Midianiter in eure Gewalt!«
Ri 7,16 Er teilte seine 300 Soldaten in drei Gruppen und gab jedem Mann ein
Signalhorn und einen Krug mit einer Fackel darin.
Ri 7,17 [17/18] »Stellt euch rings um das ganze Heerlager auf«, befahl er, »und
achtet genau auf das, was ich tue! Wenn ich mit meinen Leuten zu den Wachposten
komme, blasen wir die Hörner. Sobald ihr das hört, tut ihr das Gleiche und
schreit laut: ›Wir kämpfen für den Herrn und für Gideon!‹«
Ri 7,19 Gideon erreichte mit seinen 100 Mann den Rand des Lagers, als die
mittlere Nachtwache begann und die Posten gerade abgelöst worden waren. Da
bliesen sie die Hörner und zerschlugen ihre Krüge.
Ri 7,20 Sofort taten die Männer der beiden anderen Abteilungen das Gleiche. In
der rechten Hand hielten sie die Hörner, in der linken die Fackeln und riefen:
»Wir kämpfen für den Herrn und für Gideon!«
Ri 7,21 Dabei blieben sie rings um das Heerlager stehen. Die feindlichen
Soldaten liefen durcheinander, schrien und versuchten zu entkommen.
Ri 7,22 Während die 300 Israeliten die Hörner bliesen, ließ der Herr überall im
Lager Kämpfe unter den Verbündeten ausbrechen. Schließlich floh das ganze Heer
in Richtung Bet-Schitta, Zereda, Abel-Mehola und Tabbat.
Ri 7,23 Gideon rief die Männer der Stämme Naftali, Asser und Manasse zusammen,
um die Midianiter zu verfolgen.
Ri 7,24 Er sandte auch Boten zum Stamm Ephraim im Gebirge und ließ den Männern
dort ausrichten: »Kommt herab, und stellt euch den Midianitern in den Weg!
Besetzt die Wasserstellen bis nach Bet-Bara und die Übergänge des Jordan!« Die
Ephraimiter folgten der Anordnung,
Ri 7,25 sie nahmen zwei midianitische Fürsten, Oreb und Seeb, gefangen und
töteten sie. Die Orte, wo dies geschah, nannten sie Oreb-Fels und Seeb-Kelter.
Danach nahmen sie die Verfolgung der Midianiter wieder auf. Als sie den Jordan
überquert hatten, trafen sie auf Gideon und übergaben ihm die abgeschlagenen
Köpfe der beiden Fürsten.
Ri 8,1 Die Männer vom Stamm Ephraim machten Gideon heftige Vorwürfe: »Warum hast
du uns nicht zu Hilfe gerufen, als du zum Kampf gegen die Midianiter losgezogen
bist? Wie konntest du uns das antun?«
Ri 8,2 »Wart ihr nicht viel erfolgreicher als ich?«, erwiderte Gideon. »Ist eure
Nachlese nicht besser als die ganze Ernte meiner Sippe?
Ri 8,3 Zwei Fürsten der Midianiter hat Gott in eure Hand gegeben, Oreb und Seeb!
Ihr habt weit mehr erreicht als ich!« Mit diesen Worten gelang es ihm, die
Ephraimiter zu besänftigen.
Ri 8,4 Gideon hatte mit seinen 300 Mann den Jordan überquert. Immer noch
verfolgten sie die Feinde und waren sehr erschöpft.
Ri 8,5 Deshalb bat Gideon die Bewohner der nahen Stadt Sukkot: »Gebt doch meinen
Soldaten etwas Brot! Sie sind übermüdet, denn wir verfolgen die midianitischen
Könige Sebach und Zalmunna!«
Ri 8,6 Doch die führenden Männer von Sukkot antworteten: »Warum sollten wir
deiner Truppe Brot geben? Habt ihr Sebach und Zalmunna etwa schon gefasst?«
Ri 8,7 Gideon erwiderte: »Sobald der Herr die beiden Könige in meine Gewalt
gegeben hat, werde ich euch mit Dornen und Disteln auspeitschen lassen!«
Ri 8,8 Dann zog er mit seinen Soldaten nach Pnuël weiter und bat auch dort um
Brot. Er erhielt die gleiche Antwort wie in Sukkot.
Ri 8,9 »Wenn ich heil zurückkomme, reiße ich den Turm eurer Stadt nieder!«,
drohte Gideon.
Ri 8,10 Sebach und Zalmunna hatten mit ihren Truppen in Karkor Halt gemacht. Nur
noch 15000 Soldaten waren vom großen Heer aus dem Osten übrig geblieben, 120000
waren gefallen.
Ri 8,11 Gideon folgte den Midianitern auf dem Beduinenweg östlich von Nobach und
Jogboha. Dann griff er ihr Heerlager an, während sie sich noch in Sicherheit
wähnten.
Ri 8,12 Die Feinde gerieten in Angst und Schrecken. Sebach und Zalmunna flohen,
doch Gideon jagte ihnen nach und nahm sie gefangen.
Ri 8,13 Nach der Schlacht machte er sich auf den Rückweg. Als er den Pass von
Heres hinabstieg,
Ri 8,14 traf er einen jungen Mann aus Sukkot. Gideon packte ihn und befahl ihm,
die Namen der führenden Männer und Ältesten der Stadt aufzuschreiben. Es waren
77.
Ri 8,15 Gideon ging zu ihnen und erklärte: »Hier sind Sebach und Zalmunna! Ihr
habt mich ihretwegen verspottet und gesagt, ihr würdet meiner erschöpften Truppe
kein Brot geben, solange wir die Könige nicht gefasst hätten.«
Ri 8,16 Er nahm die führenden Männer fest und ließ sie mit Dornen und Disteln
auspeitschen.
Ri 8,17 Dann ging er nach Pnuël, tötete die Männer der Stadt und riss ihren Turm
nieder.
Ri 8,18 Schließlich wandte sich Gideon an Sebach und Zalmunna; er fragte: »Wie
sahen die Männer aus, die ihr am Berg Tabor umgebracht habt?« »Es waren Männer
wie du«, antworteten sie, »jeder sah aus wie ein Königssohn.«
Ri 8,19 Da rief Gideon: »Sie waren meine Brüder, die Söhne meiner Mutter! Ich
schwöre euch beim Herrn: Wenn ihr sie am Leben gelassen hättet, würde ich euch
nicht töten!«
Ri 8,20 Dann befahl er seinem ältesten Sohn Jeter: »Steh auf und stich sie
nieder!« Doch Jeter zögerte, sein Schwert zu ziehen, denn er war noch jung und
hatte Angst.
Ri 8,21 Da sagten Sebach und Zalmunna zu Gideon: »Töte du uns! Dazu braucht es
einen Mann!« Gideon stand auf und erstach die beiden. Die Halbmonde, die als
Amulette an den Hälsen ihrer Kamele hingen, nahm er mit.
Ri 8,22 Die Israeliten kamen zu Gideon und sagten: »Du hast uns von den
Midianitern befreit! Du sollst über uns herrschen und nach dir dein Sohn und
dein Enkel!«
Ri 8,23 Er entgegnete: »Ich will nicht über euch herrschen, und mein Sohn darf
es auch nicht tun. Der Herr allein soll euch regieren.
Ri 8,24 Nur eine Bitte habe ich an euch«, fügte er hinzu, »gebt mir die Ringe,
die ihr erbeutet habt!« Ihre Feinde hatten nämlich goldene Ringe getragen, weil
sie Ismaeliter waren.
Ri 8,25 »Das tun wir gern!«, antworteten die Israeliten. Sie breiteten einen
Mantel aus und warfen alle erbeuteten Ringe darauf.
Ri 8,26 Das Gold wog insgesamt etwa zwanzig Kilogramm. Außerdem hatten die
Israeliten Halbmonde, Ohrgehänge und königliche Purpurgewänder erbeutet, dazu
den kostbaren Halsschmuck der Kamele.
Ri 8,27 Gideon fertigte aus dem Gold eine Götzenstatue an und stellte sie in
seiner Heimatstadt Ofra auf. Sie wurde ihm und seiner Familie zum Verhängnis.
Ganz Israel betete die Statue an und brach damit dem Herrn die Treue.
Ri 8,28 Die Midianiter hatten eine schwere Niederlage erlitten, nun forderten
sie die Israeliten nicht mehr heraus. Vierzig Jahre, solange Gideon noch lebte,
herrschte Frieden im Land.
Ri 8,29 Gideon, der Sohn Joaschs, wohnte weiterhin in Ofra.
Ri 8,30 Er hatte viele Frauen und siebzig Söhne.
Ri 8,31 Eine seiner Nebenfrauen wohnte in Sichem. Sie brachte einen Sohn zur
Welt, den er Abimelech nannte.
Ri 8,32 Gideon starb in hohem Alter und wurde neben seinem Vater Joasch in Ofra
begraben, der Stadt der Abiësriter.
Ri 8,33 Sobald Gideon nicht mehr lebte, wandten sich die Israeliten wieder den
Götzen zu. Sie verehrten Baal-Berit
Ri 8,34 und vergaßen den Herrn, ihren Gott, der sie aus der Gewalt ihrer Feinde
ringsum befreit hatte.
Ri 8,35 Auch der Familie Gideons erwiesen die Israeliten keinen Dank für all das
Gute, das er für sie getan hatte.
Ri 9,1 Eines Tages ging Gideons Sohn Abimelech nach Sichem zu den Brüdern seiner
Mutter und ihren anderen Verwandten. Er bat sie:
Ri 9,2 »Fragt die Leute von Sichem, ob sie lieber von den siebzig Söhnen Gideons
regiert werden möchten oder von einem einzigen Mann. Erinnert sie daran, dass
ich mit euch verwandt bin.«
Ri 9,3 Die Brüder seiner Mutter erzählten allen Einwohnern Sichems, was
Abimelech ihnen aufgetragen hatte. Die Sichemiter dachten: »Er ist einer von
uns« und entschieden sich für ihn.
Ri 9,4 Sie gaben ihm siebzig Silberstücke aus dem Tempelschatz des Götzen
Baal-Berit. Mit dem Geld heuerte Abimelech eine Bande gewissenloser Männer an
Ri 9,5 und zog mit ihnen nach Ofra, wo die Familie seines Vaters lebte. Dort
ermordete er seine eigenen Brüder, die siebzig Söhne Gideons. Er tötete sie alle
auf ein und demselben Felsblock. Nur Jotam, der jüngste Sohn Gideons, blieb am
Leben, weil er sich versteckt hatte.
Ri 9,6 Danach versammelten sich alle Einwohner Sichems und die Bewohner der
Festung bei dem Baum, der als Denkmal diente. Dort ernannten sie Abimelech zum
König.
Ri 9,7 Als Jotam davon erfuhr, stieg er auf den Gipfel des Berges Garizim und
rief mit lauter Stimme: »Hört mich an, Einwohner von Sichem, dann wird Gott auch
auf euch hören!
Ri 9,8 Einst beschlossen die Bäume, sich einen König zu wählen. Sie baten den
Ölbaum: ›Sei unser König!‹
Ri 9,9 Aber der Ölbaum lehnte ab: ›Soll ich etwa mein Öl aufgeben, das die
Götter und die Menschen so sehr an mir schätzen, nur um über die Bäume zu
regieren?‹
Ri 9,10 Da wandten die Bäume sich an den Feigenbaum: ›Komm du, und werde unser
König!‹
Ri 9,11 Der Feigenbaum entgegnete: ›Soll ich aufhören, süße und herrliche
Früchte zu tragen, nur um von nun an über euch zu herrschen?‹
Ri 9,12 Als Nächstes forderten die Bäume den Weinstock auf, ihr König zu werden.
Ri 9,13 Doch der Weinstock sagte nur: ›Dann könnte ich ja keinen Most mehr
geben, der die Götter und die Menschen erfreut! Das kommt nicht in Frage!‹
Ri 9,14 Schließlich baten die Bäume das Dorngestrüpp: ›Sei du unser König!‹
Ri 9,15 Das Dorngestrüpp fragte sie: ›Wollt ihr wirklich, dass ich über euch
regiere? Dann kommt, und vertraut euch mir an, stellt euch in meinen Schatten!
Sonst lasse ich aus meinen Dornen ein Feuer hervorbrechen, das sogar die Zedern
auf dem Libanon verbrennt!‹
Ri 9,16 Sagt mir«, fuhr Jotam fort, »war es gut und richtig, dass ihr Abimelech
zum König gemacht habt? Habt ihr Gideon und seiner Familie damit einen Dienst
getan? Habt ihr ihm den Dank erwiesen, den er verdient hat?
Ri 9,17 Mein Vater hat für euch gekämpft und sein Leben aufs Spiel gesetzt, um
euch von den Midianitern zu befreien!
Ri 9,18 Aber ihr seid heute über seine Familie hergefallen. Ihr habt seine Söhne
auf einem Felsblock abgeschlachtet, siebzig Mann! Abimelech, den Sohn seiner
Sklavin, habt ihr zum König von Sichem gemacht, weil er mit euch verwandt ist.
Ri 9,19 Wenn es gut und richtig war, was ihr Gideon und seiner Familie angetan
habt, dann wünsche ich euch viel Freude mit Abimelech, und ihm mit euch!
Ri 9,20 Wenn es aber ein Unrecht war, dann soll Feuer von Abimelech ausgehen und
euch verzehren, ihr Einwohner von Sichem und ihr Bewohner der Festung. Und
danach soll das Feuer von euch auf Abimelech übergreifen und auch ihn
vernichten!«
Ri 9,21 Nachdem Jotam das gerufen hatte, floh er aus Angst vor seinem Bruder
Abimelech nach Beer und wohnte dort.
Ri 9,22 Abimelech herrschte drei Jahre über Israel.
Ri 9,23 Dann schickte Gott einen bösen Geist, der dafür sorgte, dass es zwischen
Abimelech und den Sichemitern zum Bruch kam und sie sich von nun an gegen ihn
auflehnten.
Ri 9,24 Denn er sollte bestraft werden für das Verbrechen an seinen eigenen
Brüdern, den siebzig Söhnen Gideons. Auch die Einwohner Sichems, die ihn zu
diesen Morden ermutigt hatten, mussten jetzt dafür büßen.
Ri 9,25 Bei den Gebirgspässen legten die Sichemiter einen Hinterhalt und
lauerten Abimelech auf; sie raubten jeden aus, der vorüberkam. Das wurde
Abimelech berichtet.
Ri 9,26 Zu dieser Zeit kam Gaal, der Sohn Ebeds, mit seinen Brüdern nach Sichem
und gewann das Vertrauen der Menschen dort.
Ri 9,27 Gemeinsam zogen sie auf die Felder hinaus, hielten Lese in den
Weinbergen und kelterten die Trauben. Sie feierten ein rauschendes Fest im
Tempel ihres Gottes, aßen, tranken und verfluchten Abimelech.
Ri 9,28 Gaal rief: »Wer ist denn dieser Abimelech schon? Warum sollen wir
Sichemiter ihm dienen, diesem Sohn Jerubbaals? Meint er etwa, wir würden uns
Sebul unterwerfen, den er uns als Aufseher vorgesetzt hat? Was glaubt er
eigentlich, wer wir sind? Gehorcht lieber den Männern aus der Sippe Hamors, der
diese Stadt gegründet hat!
Ri 9,29 Wenn ich hier das Sagen hätte, würde ich Abimelech beseitigen. Ja,
Abimelech, sammle deine Truppen, und stell dich zum Kampf!«
Ri 9,30 Als Sebul, der führende Mann Sichems, hörte, was Gaal gesagt hatte,
packte ihn der Zorn.
Ri 9,31 Er sandte heimlich Boten zu Abimelech und ließ ihm ausrichten: »Gaal,
der Sohn Ebeds, ist mit seinen Brüdern nach Sichem gekommen und wiegelt die
ganze Stadt gegen dich auf!
Ri 9,32 Bring deine Truppen im Schutz der Dunkelheit hierher. Haltet euch bis
zum Morgen in der Umgebung versteckt!
Ri 9,33 Bei Sonnenaufgang greift an! Wenn Gaal dir dann mit seinen Männern
entgegenzieht, kannst du mit ihm tun, was du willst.«
Ri 9,34 Abimelech brach mit seinem Heer in der Nacht auf. Er teilte es in vier
Gruppen ein, die sich an verschiedenen Stellen um Sichem in den Hinterhalt
legten.
Ri 9,35 Als Gaal am Morgen ins Stadttor trat, kamen Abimelech und seine Soldaten
aus ihren Verstecken.
Ri 9,36 Gaal entdeckte sie und sagte zu Sebul: »Siehst du das? Da steigen doch
Truppen von den Bergen herab!« Sebul entgegnete: »Was du für Männer hältst, sind
nur Schatten auf den Bergen.«
Ri 9,37 Doch Gaal blieb dabei: »Nein, es sind Truppen, die vom Garizim
herunterkommen! Und dort nähert sich eine Abteilung auf der Straße zum
Orakelbaum!«
Ri 9,38 Da sagte Sebul zu ihm: »Du hast den Mund zu voll genommen mit deinen
Sprüchen. ›Wer ist schon Abimelech? Warum sollen wir ihm dienen?‹, hast du
gesagt. Dort kommen die Leute, die du verspottet hast. Nun geh, und kämpf mit
ihnen!«
Ri 9,39 Da rückte Gaal mit den Männern von Sichem aus und kämpfte gegen
Abimelech.
Ri 9,40 Der aber trieb sie zurück in die Stadt. Viele kamen bei der Schlacht ums
Leben, bis ans Tor war alles mit Leichen übersät.
Ri 9,41 Dann machte Abimelech kehrt und zog mit seinen Soldaten nach Aruma.
Sebul jagte Gaal und seine Brüder noch am selben Tag aus der Stadt.
Ri 9,42 Am nächsten Morgen wollten die Einwohner von Sichem aufs Feld gehen. Als
Abimelech davon erfuhr,
Ri 9,43 [43/44] teilte er sein Heer in drei Verbände auf, die sich wieder rings
um Sichem in den Hinterhalt legten. Er wartete, bis die Menschen aus der Stadt
kamen. Dann brach er mit seiner Abteilung aus dem Versteck hervor und versperrte
das Stadttor. Die beiden anderen Gruppen fielen über die Leute auf dem Feld her
und töteten alle.
Ri 9,45 Danach griff Abimelech die Stadt an. Den ganzen Tag dauerten die Kämpfe,
schließlich nahm er Sichem ein und brachte alle Einwohner um. Er zerstörte die
Stadt und streute als Zeichen ihrer endgültigen Vernichtung Salz auf die
Trümmer.
Ri 9,46 Als die Bewohner der Festung das sahen, verschanzten sie sich im
Kellergewölbe unter dem Tempel des Götzen Baal-Berit.
Ri 9,47 Das wurde Abimelech gemeldet.
Ri 9,48 Da stieg er mit seinen Männern auf den Berg Zalmon, hieb mit einer Axt
von einem Baum einen großen Ast ab und legte ihn sich auf die Schulter.
»Schnell!«, befahl er. »Macht es wie ich!«
Ri 9,49 Die Männer schlugen Äste ab und kehrten damit zur Festung zurück. Sie
warfen das Holz auf die Decke des Gewölbes, in das sich die Bewohner der Festung
geflüchtet hatten, und zündeten es an. Alle Menschen im Gewölbe kamen ums Leben,
etwa tausend Männer und Frauen.
Ri 9,50 Von dort zog Abimelech nach Tebez. Er belagerte die Stadt und eroberte
sie.
Ri 9,51 Mitten in Tebez aber stand eine starke Festung. Dorthin flohen alle
Bewohner, Männer und Frauen. Sie verriegelten die Tore und stiegen aufs Dach.
Ri 9,52 Abimelech kämpfte sich an die Festung heran und versuchte, das Tor in
Brand zu stecken.
Ri 9,53 Da warf ihm eine Frau von oben einen Mühlstein auf den Kopf und
zerschmetterte ihm den Schädel.
Ri 9,54 Abimelech rief seinen jungen Waffenträger zu sich und befahl ihm: »Zieh
dein Schwert, und töte mich! Sonst heißt es: ›Eine Frau hat ihn umgebracht.‹« Da
erstach ihn der junge Mann.
Ri 9,55 Als die Soldaten sahen, dass Abimelech tot war, gingen sie nach Hause.
Ri 9,56 So strafte Gott Abimelech dafür, dass er seine siebzig Brüder ermordet
und damit seinem Vater Böses zugefügt hatte.
Ri 9,57 Auch die Sichemiter mussten für ihr Verbrechen büßen: Gott ließ den
Fluch wahr werden, den Gideons Sohn Jotam über sie ausgesprochen hatte.
Ri 10,1 Nach dem Tod Abimelechs befreite Tola, der Sohn Puwas, Israel von seinen
Feinden. Er war ein Nachkomme Dodos aus dem Stamm Issaschar und wohnte in der
Stadt Schamir im Gebirge Ephraim.
Ri 10,2 Dreiundzwanzig Jahre war er Richter in Israel. Dann starb er und wurde
in Schamir begraben.
Ri 10,3 Nach ihm führte Jaïr, ein Mann aus Gilead, Israel zweiundzwanzig Jahre
lang.
Ri 10,4 Er hatte dreißig Söhne, die dreißig Esel besaßen und denen dreißig
Ortschaften im Gebiet von Gilead gehörten. Noch heute nennt man diese
Ortschaften die »Dörfer Jaïrs«.
Ri 10,5 Als Jaïr gestorben war, begrub man ihn in Kamon.
Ri 10,6 Nach Jaïrs Tod taten die Israeliten wieder, was der Herr verabscheute.
Sie verehrten Baal und Astarte, ebenso die Götter der Syrer und Sidonier, der
Moabiter, Ammoniter und Philister. Vom Herrn wollten sie nichts wissen und
dienten ihm nicht mehr.
Ri 10,7 Da wurde er zornig und lieferte sie den Philistern und Ammonitern aus.
Ri 10,8 Noch im selben Jahr eroberten diese Völker das Gebiet der Israeliten in
Gilead östlich des Jordan, wo früher die Amoriter gelebt hatten. Achtzehn Jahre
lang unterdrückten und verfolgten sie die Israeliten.
Ri 10,9 Sie überquerten den Jordan und griffen auch die Stämme Juda, Benjamin
und Ephraim an. So gerieten die Israeliten in große Not.
Ri 10,10 Sie schrien zum Herrn und bekannten: »Wir haben gegen dich gesündigt!
Wir haben dich verlassen und anderen Göttern gedient!«
Ri 10,11 Der Herr antwortete ihnen: »Von so vielen Feinden habe ich euch schon
befreit: von den Ägyptern, den Amoritern, den Ammonitern und den Philistern.
Ri 10,12 Ich habe euch auch geholfen, als die Sidonier, die Amalekiter und die
Maoniter euch aus eurem Land verdrängen wollten und ihr zu mir um Hilfe schriet.
Ri 10,13 Trotzdem habt ihr mir immer wieder den Rücken gekehrt und andere Götter
verehrt! Darum werde ich euch jetzt nicht mehr helfen!
Ri 10,14 Warum fleht ihr nicht die Götter an, die ihr euch selbst ausgesucht
habt? Sollen sie euch doch retten aus eurer Not!«
Ri 10,15 Aber die Israeliten gaben nicht auf; sie beteten zum Herrn: »Wir sind
schuldig! Du kannst mit uns tun, was du für richtig hältst. Nur rette uns noch
dies eine Mal!«
Ri 10,16 Sie beseitigten die fremden Götter und dienten wieder dem Herrn. Da
konnte er ihr Elend nicht länger ertragen.
Ri 10,17 Die Ammoniter zogen ihre Truppen zusammen und schlugen ihr Lager im
Gebiet Gilead auf. Darauf versammelten sich auch die Israeliten, die dort
lebten, und lagerten in Mizpa.
Ri 10,18 Ihre führenden Männer überlegten: »Wir brauchen jemanden, der unserem
Heer voran in den Kampf zieht. Wer es tut, den ernennen wir zum Oberhaupt aller
Bewohner Gileads.«
Ri 11,1 Es gab damals unter den Einwohnern von Gilead einen Mann namens Jeftah,
der sich als ausgezeichneter Soldat bewährt hatte. Sein Vater hieß Gilead, seine
Mutter war eine Prostituierte.
Ri 11,2 Gilead hatte von seiner Ehefrau noch andere Söhne. Als sie erwachsen
waren, sagten sie zu Jeftah: »Wir wollen unser Erbe nicht mit dir teilen! Du
bist der Sohn einer fremden Frau.« Sie jagten ihn fort,
Ri 11,3 und er floh vor ihnen ins Gebiet von Tob. Dort scharte er zwielichtige
Männer um sich und durchstreifte mit ihnen das Land.
Ri 11,4 Einige Zeit später rückten die Ammoniter mit ihrem Heer gegen Israel an.
Ri 11,5 Da gingen die Ältesten Gileads ins Gebiet von Tob, um Jeftah
zurückzuholen.
Ri 11,6 Sie baten ihn: »Komm! Führ uns im Kampf gegen die Ammoniter!«
Ri 11,7 Doch Jeftah erwiderte: »Ihr habt mich so sehr gehasst, dass ihr mich von
zu Hause vertrieben habt. Und jetzt, wo ihr in Not seid, kommt ihr ausgerechnet
zu mir?«
Ri 11,8 »Wir haben dich aufgesucht, damit du uns im Kampf gegen die Ammoniter
hilfst. Du sollst Herrscher über ganz Gilead werden!«, versprachen die Ältesten.
Ri 11,9 Jeftah fragte: »Werdet ihr mich wirklich zu eurem Oberhaupt machen, wenn
ich mit euch gegen die Ammoniter kämpfe und der Herr mich siegen lässt?«
Ri 11,10 Sie antworteten: »Der Herr ist Zeuge! Er soll uns strafen, wenn wir
unser Wort brechen.«
Ri 11,11 Da ging Jeftah mit den Ältesten Gileads nach Mizpa. Dort machte ihn das
Volk zu seinem Oberhaupt und Heerführer, und er wiederholte vor Gott und den
Menschen, was er mit den Ältesten vereinbart hatte.
Ri 11,12 Danach sandte Jeftah Boten zum König der Ammoniter und ließ ihn fragen:
»Was liegt zwischen uns vor, dass du mit deinem Heer gegen mein Land anrückst?«
Ri 11,13 Der König antwortete: »Ihr Israeliten habt mir mein Land weggenommen,
als ihr aus Ägypten hierher gekommen seid: das ganze Gebiet zwischen den Flüssen
Arnon, Jabbok und dem Jordan. Gebt es mir freiwillig zurück!«
Ri 11,14 Da sandte Jeftah nochmals Boten zum ammonitischen König;
Ri 11,15 sie sagten: »Jeftah lässt dir ausrichten, dass Israel weder den
Moabitern noch den Ammonitern ihr Land weggenommen hat.
Ri 11,16 Es war vielmehr so: Als unser Volk Ägypten verlassen hatte, durchquerte
es die Wüste bis zum Schilfmeer und erreichte Kadesch.
Ri 11,17 Von dort schickten sie Boten zum König der Edomiter und baten ihn:
›Lass uns durch dein Land ziehen!‹ Aber er verweigerte es ihnen. Sie fragten den
König von Moab, doch er erlaubte es ihnen auch nicht. Da blieb unser Volk
zunächst in Kadesch
Ri 11,18 und kehrte dann in die Wüste zurück. Es zog südlich der Länder Edom und
Moab vorbei und kam dann von Osten her wieder an Moabs Gebiet heran, wo der
Fluss Arnon die Grenze bildet. Sie drangen jedoch nicht in Moab ein, sondern
lagerten östlich des Flusses.
Ri 11,19 Von dort schickten sie Boten zum amoritischen König Sihon nach Heschbon
und baten ihn: ›Lass uns durch dein Land nach Kanaan ziehen.‹
Ri 11,20 Doch Sihon glaubte nicht, dass sie sein Land tatsächlich nur
durchqueren wollten. Er versammelte seine Truppen bei Jahaz und kämpfte gegen
die Israeliten.
Ri 11,21 Der Herr, unser Gott, aber schenkte unserem Volk den Sieg. Sie schlugen
Sihons Truppen und nahmen sein ganzes Land in Besitz. Es gehörte damals also
nicht euch, sondern den Amoritern!
Ri 11,22 Vom Fluss Arnon im Süden bis zum Jabbok im Norden und von der Wüste im
Osten bis zum Jordan im Westen haben wir es erobert.
Ri 11,23 Der Herr, der Gott Israels, hat die Amoriter vertrieben, um uns ihr
Gebiet zu geben, und da willst du uns, sein Volk, wieder fortjagen?
Ri 11,24 Du betrachtest doch auch jedes Land als deinen Besitz, das dir dein
Gott Kemosch gibt. Genauso beanspruchen wir die Gebiete, deren Bewohner der
Herr, unser Gott, vertrieben hat, damit wir darin wohnen können.
Ri 11,25 Hältst du dich etwa für mächtiger als den Moabiterkönig Balak, den Sohn
Zippors? Er hat es nicht gewagt, mit Israel einen Streit anzufangen, geschweige
denn einen Krieg!
Ri 11,26 Seit dreihundert Jahren wohnen die Israeliten nun schon in den Städten
Heschbon und Aroër mit ihren umliegenden Dörfern und in den Städten entlang dem
Fluss Arnon. Warum habt ihr diese Orte in all den Jahren nicht zurückerobert?
Ri 11,27 Ich sage dir: Nicht wir haben euch Unrecht getan, sondern du tust uns
Unrecht, wenn du ohne Grund einen Krieg anzettelst. Der Herr ist Richter. Er
soll zwischen Israel und Ammon entscheiden!«
Ri 11,28 Doch der ammonitische König hörte nicht auf die Botschaft, die Jeftah
ihm überbringen ließ.
Ri 11,29 Da wurde Jeftah vom Geist des Herrn erfasst. Er durchzog das ganze
Ostjordanland von Gilead im Süden bis zum Stammesgebiet Manasses im Norden, um
seine Truppen zu sammeln. Dann kehrte er nach Mizpa in Gilead zurück und führte
das Heer in die Schlacht gegen die Ammoniter.
Ri 11,30 Zuvor legte er vor dem Herrn ein Gelübde ab: »Wenn ich die Ammoniter
mit deiner Hilfe besiege
Ri 11,31 und heil zurückkehre, dann soll dir gehören, was mir bei meiner Ankunft
als Erstes von daheim entgegenkommt. Ich will es dir opfern.«
Ri 11,32 Dann zog Jeftah in den Kampf gegen die Ammoniter, und der Herr schenkte
ihm den Sieg.
Ri 11,33 Jeftah schlug die feindlichen Truppen in Aroër und in zwanzig weiteren
Städten bis nach Minnit und Abel-Keramim. So fügten die Israeliten den
Ammonitern eine vernichtende Niederlage zu und unterwarfen sie.
Ri 11,34 Dann kehrte Jeftah nach Mizpa zurück. Als er sich seinem Haus näherte,
kam seine Tochter heraus. Sie schlug das Tamburin und lief ihm tanzend entgegen.
Sie war sein einziges Kind, er hatte sonst keine Tochter und keinen Sohn.
Ri 11,35 Als er sie sah, zerriss er entsetzt sein Gewand und rief: »Meine
Tochter, du brichst mir das Herz! Ausgerechnet du stürzt mich ins Unglück! Ich
habe vor dem Herrn ein Gelübde abgelegt - es gibt kein Zurück!«
Ri 11,36 Da sagte sie zu ihm: »Mein Vater, wenn du dem Herrn etwas versprochen
hast, musst du es halten. Schließlich hat er dir geholfen, die Ammoniter zu
besiegen. Mach mit mir, was du dem Herrn geschworen hast.
Ri 11,37 Nur eine Bitte habe ich noch: Gib mir zwei Monate Zeit. Ich möchte mit
meinen Freundinnen in die Berge gehen und darüber trauern, dass ich nie heiraten
werde.«
Ri 11,38 Jeftah erlaubte es ihr. Sie ging mit ihren Freundinnen in die Berge und
beweinte ihr Schicksal.
Ri 11,39 Als die zwei Monate um waren, kehrte sie zu ihrem Vater zurück, und er
erfüllte sein Gelübde. Sie hatte nie mit einem Mann geschlafen. Seitdem herrscht
in Israel der Brauch,
Ri 11,40 dass die jungen Frauen jedes Jahr zusammen weggehen und vier Tage lang
die Tochter Jeftahs besingen.
Ri 12,1 Die Männer des Stammes Ephraim versammelten sich und gingen gemeinsam
nach Zafon, wo Jeftah sich aufhielt. Sie fuhren ihn an: »Warum bist du ohne uns
gegen die Ammoniter in den Krieg gezogen? Warum hast du uns nicht um Hilfe
gebeten? Aus Rache werden wir dir jetzt das Dach über dem Kopf anzünden!«
Ri 12,2 Jeftah erwiderte: »Mein Volk und ich gerieten in einen schweren Streit
mit den Ammonitern. Ich rief euch, aber ihr habt mir nicht geholfen.
Ri 12,3 Als mir klar wurde, dass ich nicht auf euch zählen konnte, bin ich auf
eigene Faust gegen die Ammoniter in den Kampf gezogen und habe sie mit der Hilfe
des Herrn besiegt. Warum kommt ihr jetzt und wollt mich angreifen?«
Ri 12,4 Jeftah rief alle Männer von Gilead zusammen. Denn die Ephraimiter hatten
sie beschimpft: »Ihr aus Gilead seid doch nur entlaufenes Gesindel aus den
Stämmen Ephraim und Manasse!« Die Gileaditer kämpften gegen die Männer Ephraims
und besiegten sie.
Ri 12,5 Dann besetzten sie die Jordanübergänge und schnitten ihren Gegnern den
Fluchtweg ab. Immer wenn ein Ephraimiter hinüberwollte, fragten sie ihn: »Bist
du aus Ephraim?« Verneinte er,
Ri 12,6 so forderten sie ihn auf: »Sag einmal ›Schibbolet‹!« Wenn er das Wort
nicht richtig aussprechen konnte und stattdessen »Sibbolet« sagte, dann packten
sie ihn und brachten ihn an Ort und Stelle um. Damals wurden 42000 Ephraimiter
getötet.
Ri 12,7 Jeftah führte Israel sechs Jahre. Als er starb, wurde er in einer Stadt
im Gebiet von Gilead begraben.
Ri 12,8 Nach Jeftah wurde Ibzan aus Bethlehem Richter von Israel.
Ri 12,9 Er hatte dreißig Söhne und ebenso viele Töchter. Seine Töchter waren
alle verheiratet und wohnten nicht mehr zu Hause. Dafür hatte er dreißig Frauen
für seine Söhne gefunden, die nun in seiner Familie lebten. Sieben Jahre lang
führte er Israel,
Ri 12,10 dann starb er und wurde in Bethlehem begraben.
Ri 12,11 Nach ihm übernahm Elon aus dem Stamm Sebulon die Führung. Er war zehn
Jahre lang Richter von Israel.
Ri 12,12 Als er starb, begrub man ihn in Ajalon im Gebiet Sebulons.
Ri 12,13 Sein Nachfolger wurde Abdon, der Sohn Hillels aus Piraton.
Ri 12,14 Er hatte vierzig Söhne und dreißig Enkel, die siebzig Esel besaßen.
Abdon führte Israel acht Jahre.
Ri 12,15 Dann starb auch er, und man begrub ihn in Piraton im Amalekitergebirge,
das zum Gebiet Ephraims gehört.
Ri 13,1 Wieder taten die Israeliten, was der Herr verabscheute. Deshalb ließ er
zu, dass die Philister sie vierzig Jahre lang unterdrückten.
Ri 13,2 Zu dieser Zeit lebte ein Mann namens Manoach. Er kam aus Zora und
gehörte zum Stamm Dan. Manoach war verheiratet, aber er hatte keine Kinder, weil
seine Frau unfruchtbar war.
Ri 13,3 Eines Tages erschien der Engel des Herrn seiner Frau und sagte: »Du
konntest bisher keine Kinder bekommen. Aber nun wirst du schwanger werden und
einen Sohn zur Welt bringen.
Ri 13,4 Trinke keinen Wein oder andere berauschende Getränke. Iss nichts, was
der Herr für unrein erklärt hat!
Ri 13,5 Denn der Sohn, den du bekommst, wird schon im Mutterleib Gott geweiht
sein. Niemals dürfen seine Haare geschnitten werden! Er wird beginnen, Israel
von den Philistern zu befreien.«
Ri 13,6 Da lief die Frau zu Manoach und erzählte ihm: »Ein Bote Gottes ist bei
mir gewesen. Er sah aus wie ein Engel! Ich hatte solche Angst! Ich habe ihn
nicht einmal gefragt, woher er kommt. Er hat sich auch nicht vorgestellt.
Ri 13,7 Er sagte zu mir, ich würde schwanger werden und einen Sohn bekommen.
Deshalb soll ich keinen Wein oder andere berauschende Getränke mehr trinken und
nichts essen, was der Herr für unrein erklärt hat. Denn das Kind soll von
Mutterleib an bis zu seinem Tod Gott geweiht sein.«
Ri 13,8 Da betete Manoach: »Bitte, Herr, schick doch deinen Boten noch einmal zu
uns, damit er uns genau sagt, was wir mit dem Jungen tun sollen, den wir
bekommen.«
Ri 13,9 Gott erhörte ihn und sandte seinen Engel zum zweiten Mal zu der Frau.
Sie war gerade ohne ihren Mann auf dem Feld.
Ri 13,10 Schnell lief sie zu Manoach und rief: »Komm! Der Mann, der neulich bei
mir war, ist wieder da.«
Ri 13,11 Manoach ging mit ihr zu dem Engel und sagte zu ihm: »Bist du der Mann,
der mit meiner Frau gesprochen hat?« »Ja, ich bin es«, antwortete er.
Ri 13,12 Da fragte Manoach: »Wenn deine Ankündigung eintrifft, wie sollen wir
dann mit dem Jungen umgehen? Wie müssen wir uns verhalten?«
Ri 13,13 Der Engel des Herrn erwiderte: »Deine Frau soll alles meiden, was ich
ihr genannt habe.
Ri 13,14 Sie darf nichts essen, was aus Trauben zubereitet ist, und keinen Wein
oder andere berauschende Getränke trinken. Außerdem soll sie nichts essen, was
Gott für unrein erklärt hat. Sie muss alle meine Anweisungen befolgen.«
Ri 13,15 »Bitte, bleib noch da«, bat Manoach den Engel. »Wir möchten dir einen
jungen Ziegenbock zum Essen zubereiten!«
Ri 13,16 Denn er wusste nicht, wen er vor sich hatte. Der Engel des Herrn
antwortete: »So sehr du mich auch drängst, ich werde nichts essen. Aber wenn du
willst, dann bring es dem Herrn als Brandopfer dar!«
Ri 13,17 »Wie heißt du?«, fragte Manoach. »Wir würden uns gern bei dir bedanken,
wenn deine Ankündigung eintrifft.«
Ri 13,18 Der Engel erwiderte: »Du fragst nach meinem Namen? Er ist ein
Geheimnis!«
Ri 13,19 Manoach nahm den jungen Ziegenbock und andere Speisen und brachte sie
dem Herrn auf einem Felsblock als Opfer dar. Da ließ der Herr vor ihren Augen
ein Wunder geschehen:
Ri 13,20 Als das Feuer zum Himmel aufloderte, stieg der Engel des Herrn in der
Flamme empor und verschwand. Manoach und seine Frau warfen sich erschrocken zu
Boden.
Ri 13,21 Es war ihre letzte Begegnung mit dem Engel. Nun begriff Manoach, mit
wem sie gesprochen hatten.
Ri 13,22 »Wir müssen sterben!«, rief er. »Wir haben Gott gesehen!«
Ri 13,23 Doch seine Frau entgegnete: »Wenn der Herr uns töten wollte, hätte er
bestimmt nicht unser Opfer angenommen. Dann hätte er uns auch nicht dies alles
sehen lassen und uns so etwas nicht angekündigt.«
Ri 13,24 Einige Zeit später brachte Manoachs Frau einen Sohn zur Welt und nannte
ihn Simson. Der Junge wuchs heran, und der Herr segnete ihn.
Ri 13,25 In Mahane-Dan zwischen Zora und Eschtaol wurde er zum ersten Mal vom
Geist Gottes erfasst.
Ri 14,1 Als Simson sich einmal bei den Philistern in Timna aufhielt, sah er dort
eine junge Frau, die ihm besonders gefiel.
Ri 14,2 Er kehrte nach Hause zurück und erzählte seinen Eltern von ihr: »Ich
habe in Timna eine junge Philisterin gesehen. Sorgt dafür, dass ich sie heiraten
kann!«
Ri 14,3 Seine Eltern erwiderten: »Gibt es denn keine Mädchen hier in unserem
Stamm oder unserem Volk? Musst du wirklich zu den Philistern gehen und dir bei
diesen unbeschnittenen Heiden eine Frau suchen?« Doch Simson blieb hartnäckig:
»Ich will sie und keine andere! Sie gefällt mir!«
Ri 14,4 Seine Eltern wussten nicht, dass der Herr dabei seine Hand im Spiel
hatte, weil er den Philistern schaden wollte. Denn zu dieser Zeit herrschten die
Philister über die Israeliten.
Ri 14,5 Simson brach mit seinen Eltern nach Timna auf. Als er bei den Weinbergen
der Stadt ein Stück allein abseits des Weges lief, stand ihm plötzlich ein
junger, brüllender Löwe gegenüber.
Ri 14,6 Simson wurde vom Geist des Herrn ergriffen. Er zerriss den Löwen mit
bloßen Händen, als wäre es eine kleine Ziege. Seinen Eltern erzählte er nichts
davon.
Ri 14,7 Er besuchte die Philisterin und sprach mit ihr. Sie gefiel ihm gut.
Ri 14,8 Einige Zeit später gingen sie wieder nach Timna, um die Hochzeit zu
feiern. Vor der Stadt bog Simson vom Weg ab und sah nach dem toten Löwen. In dem
Kadaver entdeckte er einen Schwarm Bienen und Honigwaben.
Ri 14,9 Er nahm den Honig heraus und begann ihn im Weitergehen zu essen. Als er
wieder bei seinen Eltern war, gab er auch ihnen davon, sagte ihnen aber nicht,
dass er den Honig aus dem Körper des toten Löwen geholt hatte.
Ri 14,10 In Timna ging sein Vater zur Familie der jungen Frau, während Simson
als Bräutigam das Fest vorbereitete. So war es damals Sitte.
Ri 14,11 Als die Angehörigen der Braut sahen, dass Simson in Timna eingetroffen
war, schickten sie ihm dreißig junge Männer, die mit ihm zusammen feiern
sollten.
Ri 14,12 Simson sagte zu ihnen: »Ich möchte euch ein Rätsel stellen. Wenn ihr es
in der Festwoche löst, gebe ich euch dreißig wertvolle Leinenhemden und dreißig
kostbare Gewänder.
Ri 14,13 Aber wenn ihr es nicht herausbekommt, müsst ihr mir dreißig Hemden und
Gewänder geben.« »Lass dein Rätsel hören!«, antworteten sie.
Ri 14,14 Da fragte Simson: »Was bedeutet das: Von dem, der frisst, bekam ich zu
essen, und der Starke gab mir Süßes?« Drei Tage vergingen, ohne dass die Männer
das Rätsel lösen konnten.
Ri 14,15 Am vierten Tag drohten sie Simsons Braut: »Verleite deinen Mann dazu,
dir die Lösung zu verraten, und sag sie uns! Sonst werden wir dich und die
Familie deiner Eltern verbrennen! Oder habt ihr uns bloß eingeladen, um uns zu
berauben?«
Ri 14,16 Die Frau ging zu Simson und brach in Tränen aus: »Du liebst mich nicht!
In Wirklichkeit hasst du mich nur! Du stellst den Männern meines Volkes ein
Rätsel und verschweigst mir die Lösung.« Er antwortete: »Nicht einmal meinen
Eltern habe ich sie verraten, und da sollte ich sie bei dir ausplaudern?«
Ri 14,17 Während der ganzen Festwoche weinte sie, wenn sie bei ihm war. Am
siebten Tag schließlich flehte sie ihn so lange an, bis er ihr die Lösung
anvertraute, und sie erzählte es den Philistern.
Ri 14,18 Bevor die Sonne unterging, sagten die Männer zu Simson: »Was ist süßer
als Honig und stärker als ein Löwe?« Er erwiderte: »Hättet ihr nicht mit meinem
Kalb gepflügt, dann hättet ihr das Rätsel nicht gelöst.«
Ri 14,19 Da wurde er vom Geist des Herrn ergriffen. Er ging nach Aschkelon,
tötete dreißig Philister, nahm ihre Gewänder und brachte sie den Männern, die
sein Rätsel gelöst hatten. Dann kehrte er voller Zorn ins Haus seiner Eltern
zurück.
Ri 14,20 Seine Frau aber wurde mit dem Brautführer, einem der dreißig Männer,
verheiratet.
Ri 15,1 Zur Zeit der Weizenernte wollte Simson seine Frau besuchen. Als Geschenk
hatte er ihr einen jungen Ziegenbock mitgebracht. Er bat ihren Vater: »Lass mich
zu meiner Frau ins Zimmer!« Doch der Vater verweigerte es ihm:
Ri 15,2 »Das geht nicht! Ich habe sie dem Brautführer zur Frau gegeben. Glaub
mir, ich habe wirklich gedacht, dass du sie nicht mehr liebst. Heirate doch ihre
jüngere Schwester! Sie ist noch viel schöner!«
Ri 15,3 »Das werde ich euch Philistern heimzahlen!«, rief Simson. »Und diesmal
bin ich wirklich im Recht!«
Ri 15,4 Er zog los, fing dreihundert Füchse, band sie paarweise an den Schwänzen
zusammen und befestigte Fackeln daran.
Ri 15,5 Dann zündete er die Fackeln an und jagte die Tiere in die Felder der
Philister. Sie setzten das Getreide auf den Äckern, die Garbenhaufen, die
Weinberge und die Olivengärten in Brand.
Ri 15,6 Die Philister fragten: »Wer hat das getan?« Und bald fand man heraus:
»Es war Simson! Sein Schwiegervater in Timna hat ihm die Frau weggenommen und
sie dem Brautführer gegeben.« Die Philister zogen nach Timna und verbrannten die
Frau und ihren Vater.
Ri 15,7 Da ging Simson zu ihnen und rief: »Was habt ihr getan! Das schreit nach
Rache! Jetzt werde ich euch nicht mehr verschonen!«
Ri 15,8 Er schlug auf die Philister ein, bis sie alle am Boden lagen. Dann floh
er zum Berg Etam und versteckte sich dort in einer Felsspalte.
Ri 15,9 Die Philister marschierten mit ihrem Heer ins Stammesgebiet von Juda ein
und schlugen ihr Lager bei Lehi auf.
Ri 15,10 Die Bewohner von Juda fragten: »Warum zieht ihr gegen uns in den
Krieg?« »Wir wollen Simson gefangen nehmen«, erwiderten die Philister. »Wir
haben mit ihm eine Rechnung zu begleichen.«
Ri 15,11 Da gingen dreitausend Judäer zur Felsspalte am Berg Etam und stellten
Simson zur Rede: »Warum hast du uns das angetan? Du weißt doch, dass die
Philister uns beherrschen!« »Ich habe ihnen nur mit gleicher Münze heimgezahlt,
was sie mir angetan haben«, antwortete er.
Ri 15,12 Die Männer von Juda erwiderten: »Wir sind hergekommen, um dich zu
fesseln und den Philistern auszuliefern.« »Schwört mir, dass ihr mich nicht
umbringt!«, bat Simson.
Ri 15,13 Sie versprachen: »Wir wollen dich wirklich nur fesseln und ausliefern.
Auf keinen Fall werden wir dich töten!« Nun ließ er sich von ihnen mit zwei
neuen Stricken binden, aus der Felsspalte herausführen und nach Lehi bringen.
Ri 15,14 Als die Philister Simson sahen, stimmten sie ein Triumphgeschrei an. Da
wurde er vom Geist des Herrn ergriffen. Er zerriss die Stricke an seinen Armen,
als wären sie angesengte Bindfäden.
Ri 15,15 Dann entdeckte er den Unterkieferknochen eines Esels, packte ihn und
erschlug damit tausend Philister.
Ri 15,16 »Mit dem Kiefer des Esels mähte ich sie nieder!«, sang er. »Mit dem
Kiefer des Esels schlug ich tausend Mann!«
Ri 15,17 Danach warf er den Knochen weg. Seither heißt der Ort, an dem dies
geschehen ist, Ramat-Lehi (»Kinnbacken-Höhe«).
Ri 15,18 Simson hatte großen Durst. Er betete zum Herrn: »Ich habe für dich
gekämpft, und du hast mir diesen großen Sieg geschenkt! Aber jetzt muss ich
verdursten und werde doch noch diesen unbeschnittenen Heiden in die Hände
fallen!«
Ri 15,19 Da ließ Gott aus einer Bodensenke in der Nähe von Lehi Wasser
hervorbrechen. Simson trank davon und kam wieder zu Kräften. Man nennt die
Quelle daher En-Hakore (»Quelle des Rufenden«); sie ist noch heute dort.
Ri 15,20 Zwanzig Jahre lang führte Simson das Volk Israel, während die Philister
das Land beherrschten.
Ri 16,1 Einmal kam Simson nach Gaza. Dort sah er eine Prostituierte und ging zu
ihr ins Haus.
Ri 16,2 Schnell sprach es sich unter den Bewohnern der Stadt herum: »Simson ist
hier!« Die Philister umstellten das Haus und legten sich die Nacht über am
Stadttor auf die Lauer. Sie beschlossen: »Solange es dunkel ist, unternehmen wir
nichts. Erst im Morgengrauen bringen wir ihn um!«
Ri 16,3 Simson lag bis Mitternacht im Bett. Dann stand er auf und ging zum
Stadttor. Er packte die Torflügel, riss sie mit Pfosten und Querbalken heraus,
nahm sie auf die Schultern und trug sie auf den Gipfel des Berges, der in
Richtung Hebron liegt.
Ri 16,4 Einige Zeit später verliebte sich Simson in eine Frau namens Delila, die
im Tal Sorek wohnte.
Ri 16,5 Einige Fürsten der Philister kamen zu ihr und forderten sie auf: »Du
weißt, dass Simson dich liebt. Nutz das doch aus, und frag ihn, woher seine
große Kraft stammt, damit wir ihn überwältigen können. Finde heraus, womit man
ihn fesseln kann! Jeder von uns gibt dir dafür 1100 Silberstücke.«
Ri 16,6 Delila fragte Simson: »Willst du mir nicht anvertrauen, warum du so
stark bist? Gibt es Fesseln, die du nicht zerreißen kannst?«
Ri 16,7 Er antwortete: »Wenn man mich mit sieben frischen Sehnen bindet, die
noch nicht trocken sind, dann bin ich schwach wie jeder andere.«
Ri 16,8 Die Fürsten besorgten sieben solcher Sehnen, und Delila fesselte Simson
damit,
Ri 16,9 während einige Philister im Nebenzimmer lauerten. Dann rief sie:
»Simson! Die Philister kommen!« Da zerriss er die Sehnen, als wären sie
angesengte Bindfäden. Das Geheimnis seiner Kraft hatte er nicht verraten.
Ri 16,10 Delila warf ihm vor: »Du hast mich getäuscht und belogen! Sag mir, wie
man dich wirklich fesseln kann!«
Ri 16,11 Er antwortete: »Wenn man mich mit neuen Seilen bindet, die noch nie
gebraucht worden sind, habe ich so wenig Kraft wie jeder andere.«
Ri 16,12 Delila nahm solche Seile und fesselte Simson damit. Wieder lauerte man
ihm nebenan auf. Aber als sie rief: »Simson! Die Philister kommen!«, riss er die
Seile von seinen Armen wie Fäden.
Ri 16,13 »Immer täuschst du mich«, klagte Delila, »ständig belügst du mich!
Verrate mir endlich, womit man dich binden kann!« Simson erwiderte: »Du musst
meine sieben Haarflechten im Webstuhl einweben!«
Ri 16,14 Als er schlief, wob Delila sein Haar hinein und befestigte es mit dem
Pflock. Dann rief sie: »Simson! Die Philister!« Er sprang auf und riss das
Gewebe samt dem Pflock heraus.
Ri 16,15 Erneut machte Delila ihm Vorwürfe: »Wie kannst du noch behaupten, dass
du mich liebst? In Wahrheit gehört dein Herz mir gar nicht! Dreimal hast du mich
belogen und mir immer noch nicht verraten, warum du so stark bist.«
Ri 16,16 Tag für Tag redete sie auf ihn ein. Sie drängte ihn so sehr, dass er es
zuletzt nicht mehr ertragen konnte
Ri 16,17 und sein Geheimnis preisgab: »Ich bin von Mutterleib an Gott geweiht,
niemals hat man mir die Haare geschnitten. Ohne sie würde ich meine Kraft
verlieren und schwach werden wie jeder andere.«
Ri 16,18 Delila wusste, dass er ihr jetzt die Wahrheit gesagt hatte. Sie
benachrichtigte die Fürsten der Philister: »Kommt! Er hat mir alles anvertraut!«
Da kamen sie und brachten die versprochenen Silberstücke mit.
Ri 16,19 Delila ließ Simson in ihrem Schoß einschlafen. Dann winkte sie einen
Mann herbei und schnitt Simsons sieben Haarflechten ab. Während sie es tat,
verlor er seine Kraft.
Ri 16,20 »Simson«, rief sie dann, »die Philister sind da!« Er wachte auf und
meinte, er könne sich wieder befreien und losreißen. Er wusste nicht, dass der
Herr sich von ihm abgewandt hatte.
Ri 16,21 Die Philister packten Simson und stachen ihm die Augen aus. Dann
brachten sie ihn nach Gaza, legten bronzene Ketten um seine Arme und Beine und
warfen ihn ins Gefängnis. Dort musste er die Kornmühle drehen.
Ri 16,22 Allmählich begann sein Haar wieder zu wachsen.
Ri 16,23 Die Fürsten der Philister versammelten sich zu einem großen Fest. Sie
brachten ihrem Gott Dagon viele Schlachtopfer dar und feierten ihren Sieg. Dabei
sangen sie: »Unserm Dagon sei's gedankt: Simson ist in unsrer Hand!«
Ri 16,24 [24/25] Als sie richtig in Stimmung waren, riefen sie: »Holt Simson! Er
soll uns etwas vorführen!« So wurde Simson aus dem Gefängnis herbeigebracht, und
sie trieben ihren Spott mit ihm. Sie priesen ihren Gott und stimmten von neuem
ihr Lied an: »Unserm Dagon sei's gedankt: Simson ist in unsrer Hand! Wie viel
Mann hat er vernichtet! Was alles hat er angerichtet!« Dann stellten sie Simson
zwischen die Säulen des Gebäudes.
Ri 16,26 Er bat den Jungen, der ihn an der Hand führte: »Lass mich einmal kurz
los! Ich möchte nach den Säulen tasten, die das Dach tragen, und mich etwas an
sie lehnen.«
Ri 16,27 Das Gebäude war voller Menschen. Auch die Fürsten der Philister waren
alle gekommen. Allein vom Dach aus hatten etwa dreitausend Leute zugesehen, wie
Simson verspottet wurde.
Ri 16,28 Simson betete: »Herr, mein Gott, erinnere dich an mich! Bitte gib mir
noch dies eine Mal so viel Kraft wie früher! Ich will mich dafür rächen, dass
sie mir meine Augen ausgestochen haben.«
Ri 16,29 Dann fasste Simson die beiden mittleren Säulen, auf denen das Dach
ruhte, eine mit der rechten Hand, eine mit der linken, und stemmte sich dagegen.
Ri 16,30 »Sollen die Philister mit mir sterben!«, schrie er und riss die Säulen
mit aller Kraft um. Das Gebäude brach über den Philistern und ihren Fürsten
zusammen. Dabei starben mehr Menschen, als Simson in seinem ganzen Leben getötet
hatte.
Ri 16,31 Simsons Brüder und seine übrigen Angehörigen kamen, hoben seinen
Leichnam auf und brachten ihn zum Grab seines Vaters Manoach. Dort, zwischen
Zora und Eschtaol, begruben sie ihn. Zwanzig Jahre lang hatte Simson das Volk
Israel geführt.
Ri 17,1 Im Gebirge Ephraim lebte ein Mann namens Micha.
Ri 17,2 Eines Tages sagte er zu seiner Mutter: »Dir sind doch 1100 Silberstücke
gestohlen worden. Ich habe gehört, wie du damals den Dieb verflucht hast. Nun,
das Geld ist bei mir. Ich selbst habe es genommen!« Da rief seine Mutter: »Der
Herr möge den Fluch in Segen verwandeln!«
Ri 17,3 Micha gab ihr das Gestohlene zurück, und sie erklärte: »Das Silber soll
dem Herrn gehören! Ich werde dir davon ein Gottesbild herstellen lassen, aus
Holz geschnitzt und mit Silber überzogen. So wirst du doch noch etwas von dem
Silber haben.«
Ri 17,4 Sie brachte 200 der Silberstücke zum Goldschmied und ließ eine
Götzenfigur aus Holz mit einem silbernen Guss anfertigen. Micha stellte die
Figur bei sich auf,
Ri 17,5 denn er besaß ein eigenes Heiligtum. Er ließ noch andere Götzenstatuen
und ein Priestergewand anfertigen und ernannte einen seiner Söhne zum Priester.
Ri 17,6 Damals gab es keinen König in Israel, und jeder tat, was er für richtig
hielt.
Ri 17,7 Zu jener Zeit lebte ein junger Mann aus dem Stamm Levi in Bethlehem, das
im Stammesgebiet von Juda liegt.
Ri 17,8 Er verließ die Stadt, um sich an einem anderen Ort niederzulassen. Auf
seiner Reise durchs Gebirge Ephraim kam er an Michas Haus vorbei.
Ri 17,9 »Woher kommst du?«, fragte Micha ihn. Der junge Mann antwortete: »Ich
bin ein Levit aus Bethlehem in Juda. Ich möchte mich woanders niederlassen.«
Ri 17,10 »Bleib hier bei mir!«, forderte Micha ihn auf. »Du kannst mein Ratgeber
und Priester werden. Ich gebe dir dafür zehn Silberstücke im Jahr und so viel
Kleidung und Nahrung, wie du brauchst.«
Ri 17,11 Der Levit willigte ein und blieb. Micha nahm ihn auf wie einen seiner
Söhne,
Ri 17,12 er ernannte ihn zum Priester und dachte:
Ri 17,13 »Jetzt wird der Herr mir sicher Gutes tun, denn ich habe einen Leviten
als Priester!«
Ri 18,1 Zu dieser Zeit hatte Israel keinen König. Der Stamm Dan besaß noch kein
eigenes Land und suchte deshalb nach einem Gebiet, in dem er sich ansiedeln
konnte.
Ri 18,2 In Zora und Eschtaol wählten die Daniter aus ihren Sippen fünf bewährte
Soldaten aus und schickten sie los, um das Land auszukundschaften. Die Männer
zogen durch das Gebirge Ephraim und kamen zu Michas Haus. Als sie dort
übernachteten,
Ri 18,3 fiel ihnen der Levit durch seinen Dialekt auf. Sie gingen zu ihm und
fragten: »Wie bist du hierher gekommen? Was machst du hier?«
Ri 18,4 Der junge Mann erzählte ihnen seine Geschichte. »Micha hat mich
angestellt«, sagte er, »ich bin sein Priester.«
Ri 18,5 Da baten sie ihn: »Frag doch Gott, ob wir bei unserer Erkundungsreise
Erfolg haben werden!«
Ri 18,6 Der Levit ermutigte sie: »Macht euch keine Sorgen! Der Herr weiß, was
ihr vorhabt, und er wird euch beistehen.«
Ri 18,7 Da zogen die fünf Männer weiter und kamen nach Lajisch. Sie sahen, dass
die Menschen dort von niemandem unterdrückt und ausgebeutet wurden. Sie lebten
ruhig und sicher wie die Sidonier. Die Stadt Sidon aber war zu weit entfernt, um
ihnen helfen zu können, und in der Nähe hatten sie keine Verbündeten.
Ri 18,8 Die fünf Kundschafter kehrten zu ihrem Stamm nach Zora und Eschtaol
zurück, wo man sie schon gespannt erwartete.
Ri 18,9 »Lasst uns in den Kampf ziehen!«, riefen sie. »Wir haben ein
ausgezeichnetes Gebiet gefunden! Was steht ihr noch herum? Schnell, wir wollen
aufbrechen und zuschlagen!
Ri 18,10 Die Bewohner dort sind auf keinen Angriff vorbereitet. Es ist ein
großes und fruchtbares Gebiet. Dort wächst einfach alles, was ihr euch
vorstellen könnt! Gott schenkt euch dieses Land!«
Ri 18,11 Mit 600 bewaffneten Männern brachen die Daniter von Zora und Eschtaol
auf.
Ri 18,12 Sie zogen nach Kirjat-Jearim in Juda und schlugen im Westen der Stadt
ihr Lager auf. Daher nennt man diesen Ort bei Kirjat-Jearim bis heute Mahane-Dan
(»Dans Lager«).
Ri 18,13 Von dort gingen sie ins Gebirge Ephraim und kamen zu Michas Haus.
Ri 18,14 Die fünf Männer, die das Gebiet von Lajisch erkundet hatten, erzählten
den anderen: »Stellt euch vor, in einem dieser Häuser gibt es eine Götzenstatue
aus Holz, die mit Silber überzogen ist, außerdem noch andere Figuren und ein
Priestergewand. Lassen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen!«
Ri 18,15 Die fünf betraten das Haus Michas und begrüßten den jungen Leviten,
Ri 18,16 während die 600 Bewaffneten draußen am Tor warteten.
Ri 18,17 Als dann der Levit zu ihnen hinausging, schlichen sich die fünf in das
Heiligtum und stahlen die Götzenstatue, die anderen Figuren und das
Priestergewand.
Ri 18,18 Der Levit aber sah sie damit herauskommen und rief: »Was soll das?«
Ri 18,19 »Sei still!«, gaben sie zurück. »Komm mit, und werde unser Ratgeber und
Priester! Bei uns bist du Priester für einen ganzen israelitischen Stamm, das
ist doch viel besser als nur für eine Familie!«
Ri 18,20 Da freute sich der Levit. Er nahm die Götzenstatue, die anderen Figuren
und das Gewand und schloss sich den Danitern an.
Ri 18,21 Dann brachen sie auf; ihre Frauen und Kinder, ihr Vieh und alles
Wertvolle, was sie besaßen, stellten sie an die Spitze des Zuges.
Ri 18,22 Sie hatten sich schon ein ganzes Stück vom Haus entfernt, bis Micha
endlich seine Nachbarn zusammengerufen und die Verfolgung aufgenommen hatte.
Ri 18,23 Als sie nahe genug an die Fliehenden herangekommen waren, schrien sie
ihnen nach. Die Daniter drehten sich um und riefen Micha zu: »Was ist los? Was
willst du mit all den Leuten?«
Ri 18,24 »Ihr habt meine Götter gestohlen, die ich selbst angefertigt habe!«,
gab Micha zurück. »Und auch meinen Priester habt ihr mir genommen! Ich bin von
euch ausgeraubt worden, und da fragt ihr noch: ›Was ist los?‹!«
Ri 18,25 Sie riefen: »Mach, dass du wegkommst! Sonst verlieren wir die
Beherrschung und bringen dich und deine Familie um!«
Ri 18,26 Dann setzten sie ihren Weg fort. Micha sah ein, dass er unterlegen war,
und kehrte nach Hause zurück.
Ri 18,27 Seine Götzenstatuen behielten die Daniter, und auch der Priester blieb
bei ihnen. Die Daniter zogen nach Lajisch und überfielen seine Einwohner, die
sorglos und friedlich dort gelebt hatten. Sie töteten alle mit dem Schwert und
brannten die Stadt nieder.
Ri 18,28 Keiner half den Bewohnern. Denn Sidon war zu weit entfernt, und sonst
hatten sie keine Verbündeten. Lajisch lag einsam in der Ebene bei Bet-Rehob. Die
Daniter bauten die Stadt wieder auf und ließen sich dort nieder.
Ri 18,29 Sie nannten sie aber nicht mehr Lajisch, sondern Dan nach ihrem
Stammvater, einem der Söhne Israels.
Ri 18,30 Sie stellten dort die geschnitzte Götzenstatue auf und ernannten den
Leviten Jonatan zum Priester, einen Nachkommen von Moses Sohn Gerschom. Als
Jonatan starb, wurde sein Sohn Priester und nach ihm seine Nachkommen, bis das
Volk in die Gefangenschaft verschleppt wurde.
Ri 18,31 Michas Götzenbild stand ebenso lange in Dan wie das Heiligtum Gottes in
Silo.
Ri 19,1 Zu der Zeit, als es noch keinen König in Israel gab, nahm sich ein
Levit, der am äußersten Ende des Gebirges Ephraim wohnte, eine Nebenfrau aus
Bethlehem in Juda.
Ri 19,2 Doch eines Tages war die Frau wütend über ihren Mann und lief ihm weg,
sie kehrte zurück zu ihrem Vater nach Bethlehem. Vier Monate später
Ri 19,3 nahm der Levit zwei Esel und ritt mit seinem Knecht nach Bethlehem. Er
wollte mit der jungen Frau sprechen und sie zurückgewinnen. Als er sie gefunden
hatte, lud sie ihn in ihr Elternhaus ein. Ihr Vater freute sich sehr, seinen
Schwiegersohn zu sehen,
Ri 19,4 und wollte ihn gar nicht wieder gehen lassen. Drei Tage lang blieben sie
zusammen, sie aßen und tranken.
Ri 19,5 Am vierten Tag stand der Levit früh auf, um sich mit seiner Nebenfrau
auf den Heimweg zu machen. Aber sein Schwiegervater hielt ihn zurück: »Iss erst
einmal einen Bissen Brot, und stärk dich, dann könnt ihr losziehen.«
Ri 19,6 Die beiden Männer setzten sich hin und aßen und tranken miteinander. »Tu
mir doch den Gefallen«, bat der Schwiegervater, »und bleib noch eine Nacht hier.
Lass es dir bei mir gut gehen!«
Ri 19,7 Aber der Levit wollte aufbrechen. Da drängte ihn der Vater der Frau,
noch einmal bei ihm zu übernachten, bis der Levit schließlich nachgab.
Ri 19,8 Am Morgen des fünften Tages stand er wieder früh auf, um abzureisen.
»Stärke dich noch etwas«, ermunterte ihn sein Schwiegervater, »bis heute
Nachmittag könnt ihr euch wirklich noch Zeit lassen.« Wieder setzten sich die
beiden hin und aßen.
Ri 19,9 Am Nachmittag erhob sich der Levit, um sich mit seiner Nebenfrau und
seinem Knecht auf den Weg zu machen. »Sieh doch«, wandte sein Schwiegervater
ein, »der Tag geht zu Ende, bald wird es dunkel. Bleib über Nacht, und mach es
dir hier bequem! Morgen früh könnt ihr dann aufbrechen und nach Hause
zurückkehren.«
Ri 19,10 [10/11] Aber der Levit wollte nun abreisen. Er ließ die Esel satteln
und machte sich mit seiner Nebenfrau und seinem Knecht auf den Heimweg. Gegen
Abend erreichten sie Jebus, das heutige Jerusalem. Da schlug der Knecht seinem
Herrn vor: »Komm, lass uns in die Stadt gehen und dort eine Unterkunft suchen.«
Ri 19,12 Doch der Levit erwiderte: »Ich will nicht bei diesen Fremden
übernachten, die keine Israeliten sind. Wir gehen besser hinüber nach Gibea.
Ri 19,13 Wenn wir uns beeilen, können wir Gibea oder sogar noch Rama erreichen!
In einem dieser Orte werden wir übernachten.«
Ri 19,14 So zogen sie weiter, und bei Sonnenuntergang waren sie kurz vor Gibea
im Gebiet des Stammes Benjamin.
Ri 19,15 Sie bogen vom Weg ab und gingen in die Stadt. Doch dort wollte sie
niemand über Nacht aufnehmen, und so blieben sie an einem großen Platz in der
Stadt sitzen.
Ri 19,16 Spät am Abend kam ein alter Mann von der Feldarbeit zurück. Er stammte
aus dem Gebirge Ephraim und lebte als Fremder unter den Benjaminitern in Gibea.
Ri 19,17 Als er den Leviten auf dem Platz sitzen sah, fragte er ihn: »Wo kommst
du her, und wo willst du hin?«
Ri 19,18 Der Levit erklärte: »Wir kommen gerade aus Bethlehem in Juda und wollen
zum äußersten Ende des Gebirges Ephraim, wo mein Zuhause ist. Von dort aus habe
ich diese Reise nach Bethlehem unternommen. Aber hier in Gibea will uns niemand
aufnehmen,
Ri 19,19 obwohl wir Stroh und Futter für die Esel und Brot und Wein für uns
selbst mitgenommen haben. Wir sind wirklich mit allem versorgt.«
Ri 19,20 »Ihr seid mir herzlich willkommen!«, lud der alte Mann sie ein. »Bitte
lasst mich für euch sorgen. Hier draußen sollt ihr auf keinen Fall übernachten!«
Ri 19,21 Er nahm sie mit in sein Haus und gab ihren Eseln Futter. Dann wuschen
die Gäste sich die Füße, aßen und tranken.
Ri 19,22 Während sie fröhlich zusammensaßen, umstellten skrupellose Männer aus
Gibea das Haus. Sie schlugen gegen die Tür und riefen dem Hausherrn zu: »Gib den
Mann, der bei dir ist, heraus. Wir wollen ihn vergewaltigen!«
Ri 19,23 Der alte Mann ging zu ihnen hinaus und beschwor sie: »Das könnt ihr
doch nicht tun, denn dieser Fremde ist mein Gast! Eine solche Schandtat dürft
ihr auf keinen Fall begehen!
Ri 19,24 Eher gebe ich euch meine Tochter, die noch Jungfrau ist, und die
Nebenfrau des Fremden. Vergewaltigt sie, und macht mit ihnen, was ihr wollt.
Aber meinem Gast dürft ihr so etwas Fürchterliches nicht antun!«
Ri 19,25 Doch die Männer von Gibea ließen nicht mit sich reden. Da führte der
Levit seine Nebenfrau nach draußen. Die Männer fielen über sie her und vergingen
sich die ganze Nacht an ihr. Erst im Morgengrauen ließen sie von ihr ab.
Ri 19,26 Die Frau schleppte sich noch bis zum Eingang des Hauses, in dem ihr
Mann war. Dort brach sie zusammen und blieb liegen. Als es hell wurde,
Ri 19,27 stand der Levit auf, um sich wieder auf den Weg zu machen. Er öffnete
die Haustür und fand seine Nebenfrau davor liegen, die Hände auf der Schwelle.
Ri 19,28 »Steh auf«, sagte er zu ihr, »wir wollen weiter!« Aber sie antwortete
nicht. Da legte er sie auf den Esel und zog in seine Heimatstadt.
Ri 19,29 Dort angekommen, nahm er ein Messer und zerteilte die Leiche der Frau
in zwölf Stücke. Dann ließ er die Teile überall in Israel den Menschen zeigen.
Ri 19,30 Alle, die es sahen, waren entsetzt und sagten: »So ein Verbrechen hat
es noch nie bei uns gegeben. Seit wir aus Ägypten hierher gekommen sind, ist so
etwas nicht geschehen. Wir müssen genau überlegen, was wir jetzt tun sollen.«
Ri 20,1 Alle Männer Israels aus dem Gebiet von Dan im Norden bis Beerscheba im
Süden und aus Gilead im Osten gingen nach Mizpa und versammelten sich dort in
der Gegenwart des Herrn.
Ri 20,2 Auch die Oberhäupter der israelitischen Stämme waren gekommen. Sie
stellten ein Heer von 400000 Soldaten auf, die alle mit Schwertern bewaffnet
waren.
Ri 20,3 Im Stammesgebiet von Benjamin wusste man von diesem Treffen. Die
Israeliten fragten: »Wie konnte dieses schreckliche Verbrechen nur geschehen?«
Ri 20,4 Der Levit, dessen Frau ermordet worden war, berichtete: »Ich kam mit
meiner Nebenfrau nach Gibea im Gebiet von Benjamin. Wir wollten dort
übernachten.
Ri 20,5 Die Männer der Stadt versuchten, mich in ihre Gewalt zu bekommen. Sie
umstellten in der Nacht das Haus meines Gastgebers und wollten mich töten. Meine
Nebenfrau haben sie so brutal vergewaltigt, dass sie gestorben ist.
Ri 20,6 Ich habe ihre Leiche zerteilt und die Stücke überall in Israel
herumzeigen lassen. Jeder sollte sehen, was für ein abscheuliches Verbrechen in
unserem Land geschehen ist.
Ri 20,7 Darum seid ihr alle hier versammelt. Männer von Israel, bildet euch ein
Urteil, und entscheidet, was zu tun ist!«
Ri 20,8 Da standen alle Israeliten auf und erklärten einstimmig: »Keiner von uns
wird nach Hause zurückkehren,
Ri 20,9 bevor Gibea seine gerechte Strafe bekommen hat. Wir müssen sofort gegen
die Stadt vorgehen. Lasst uns auslosen,
Ri 20,10 wer Verpflegung für unser Heer besorgt. Dafür reicht jeder Zehnte von
uns, alle anderen sollen gleich mit nach Gibea kommen. Wir werden die Bewohner
dort zur Rechenschaft ziehen für das Verbrechen, das sie in unserem Land
begangen haben.«
Ri 20,11 So zogen die Israeliten geschlossen nach Gibea, um die Stadt
anzugreifen.
Ri 20,12 Unterwegs sandten sie Boten zu allen Sippen des Stammes Benjamin und
ließen ihnen ausrichten: »Bei euch ist eine abscheuliche Tat verübt worden.
Ri 20,13 Liefert uns die Männer von Gibea aus. Wir werden diese skrupellosen
Kerle töten. Eine solche Schandtat darf in Israel nicht geduldet werden!« Doch
dazu waren die Benjaminiter nicht bereit.
Ri 20,14 Aus dem ganzen Stammesgebiet zogen sie nach Gibea, um der Stadt im
Kampf gegen die Israeliten zu helfen.
Ri 20,15 Noch am selben Tag stellten sie ein Heer von 26000 Mann auf, alle mit
Schwertern bewaffnet. Dazu kamen weitere 700 erfahrene Soldaten aus Gibea
selbst.
Ri 20,16 Im ganzen Stamm Benjamin gab es 700 Männer, die sogar mit der linken
Hand Steine schleudern konnten und nie ihr Ziel verfehlten.
Ri 20,17 Die Israeliten hatten ohne den Stamm Benjamin 400000 kampferprobte
Soldaten aufgeboten, die mit Schwertern bewaffnet waren.
Ri 20,18 Sie zogen nach Bethel und fragten Gott: »Welcher Stamm soll uns in der
Schlacht gegen Benjamin anführen?« Der Herr antwortete: »Juda soll vorangehen!«
Ri 20,19 Am nächsten Morgen zogen die Israeliten nach Gibea und schlugen in der
Nähe ihr Heerlager auf.
Ri 20,20 Sie machten sich zum Angriff bereit und stellten sich in
Schlachtordnung vor die Stadt.
Ri 20,21 Da stürmten die Benjaminiter heraus und töteten an jenem Tag 22000 von
ihnen.
Ri 20,22 [22/23] Die Israeliten flohen nach Bethel zum Heiligtum des Herrn und
weinten dort bis zum Abend. Sie fragten den Herrn: »Sollen wir noch einmal gegen
unsere Brüder vom Stamm Benjamin kämpfen?« Der Herr antwortete: »Ja, greift sie
an!« Nun fassten die Israeliten wieder Mut. Sie stellten sich am nächsten Tag an
derselben Stelle auf,
Ri 20,24 um Gibea anzugreifen.
Ri 20,25 Doch die Benjaminiter kamen ihnen erneut zuvor und brachten 18000
israelitische Soldaten um.
Ri 20,26 Da zog das ganze Heer der Israeliten wieder zum Heiligtum des Herrn
nach Bethel; dort weinten und fasteten sie bis zum Abend. Sie brachten dem Herrn
Brand- und Dankopfer dar
Ri 20,27 und fragten ihn, was sie tun sollten. Zu dieser Zeit stand in Bethel
die Bundeslade Gottes,
Ri 20,28 und Pinhas, ein Nachkomme Eleasars und Aarons, übte das Priesteramt
aus. »Sollen wir noch einmal gegen unsere Stammesbrüder von Benjamin kämpfen,
oder sollen wir aufgeben?«, fragten die Israeliten. »Greift sie an«, antwortete
der Herr, »morgen schenke ich euch den Sieg über sie.«
Ri 20,29 Diesmal legten sich einige israelitische Soldaten rings um Gibea in den
Hinterhalt.
Ri 20,30 Die anderen stellten sich wie an den zwei ersten Tagen vor der Stadt
zum Kampf auf.
Ri 20,31 Wieder stürmten die Benjaminiter heraus und griffen an. Auf den Wegen,
die nach Bethel und nach Gibea führten, und auf dem offenen Land töteten sie
etwa dreißig Israeliten. Dabei entfernten sie sich immer weiter von der Stadt.
Ri 20,32 »Jetzt schlagen wir sie wie die letzten Male!«, riefen sie. Doch die
Männer Israels hatten sich einen Plan zurechtgelegt: »Wir fliehen vor ihnen und
locken sie von der Stadt weg auf die Wege!«
Ri 20,33 Sie rannten vor den Benjaminitern davon, bei Baal-Tamar aber kehrten
sie um und stellten sich ihren Verfolgern entgegen. Die anderen Israeliten, die
sich rings um Gibea auf freiem Feld versteckt gehalten hatten, kamen nun hervor.
Ri 20,34 Plötzlich sahen sich die Benjaminiter von Gibea 10000 der besten
Soldaten aus ganz Israel gegenüber, und es entbrannte eine heftige Schlacht.
Unerwartet brach das Unglück über die Stadt herein.
Ri 20,35 Die Israeliten siegten mit der Hilfe des Herrn und töteten an jenem Tag
25100 benjaminitische Soldaten.
Ri 20,36 Erst ganz zuletzt begriffen die Benjaminiter, dass sie verloren waren.
Das israelitische Heer hatte sie durch seine Flucht von Gibea fortgelockt. Die
Männer, die rings um Gibea im Hinterhalt lagen,
Ri 20,37 brachen aus ihren Verstecken hervor, überfielen die Stadt und töteten
alle Menschen dort mit dem Schwert.
Ri 20,38 Dann legten sie Feuer und ließen eine große Rauchwolke aufsteigen. Dies
war das Zeichen für die anderen Soldaten,
Ri 20,39 die zum Schein vor den Benjaminitern geflohen waren. Die Benjaminiter
hatten etwa dreißig Israeliten getötet und gerufen: »Wir werden sie besiegen wie
gestern und vorgestern!«
Ri 20,40 Plötzlich stieg hinter ihnen der Rauch aus der Stadt auf. Die
Benjaminiter drehten sich um und sahen, dass ganz Gibea in Flammen stand.
Ri 20,41 In diesem Augenblick machten die fliehenden Israeliten kehrt und
griffen ihre Feinde an. Da packte die Benjaminiter die Angst. Sie merkten, dass
sie verloren waren,
Ri 20,42 [42/43] und versuchten nach Osten in Richtung Wüste zu entkommen. Nun
verfolgten auch diejenigen Soldaten sie, die vorher Gibea aus dem Hinterhalt
angegriffen hatten. Die Israeliten holten die Fliehenden ein, umzingelten sie
und brachten sie um.
Ri 20,44 18000 Benjaminiter, alles erfahrene Soldaten, fielen in der Schlacht.
Ri 20,45 Die Überlebenden versuchten, weiter in Richtung Wüste zum Rimmonfelsen
zu fliehen. Doch die Israeliten überwältigten unterwegs 5000 von ihnen und
stachen sie nieder. Weitere 2000 töteten sie bei Gidom.
Ri 20,46 Insgesamt verloren die Benjaminiter in dieser Schlacht 25000 gute und
kampferprobte Soldaten.
Ri 20,47 Nur 600 erreichten den Rimmonfelsen und versteckten sich dort vier
Monate.
Ri 20,48 Die Israeliten brachen die Verfolgung ab und kehrten in das
Stammesgebiet Benjamins zurück. Hier töteten sie alle Menschen und Tiere, die
sie fanden, und brannten die Städte nieder.
Ri 21,1 Als die Israeliten in Mizpa versammelt gewesen waren, hatten sie
geschworen: »Keiner von uns wird jemals seine Tochter einem Benjaminiter zur
Frau geben!«
Ri 21,2 Nun gingen sie zum Heiligtum des Herrn nach Bethel und blieben bis zum
Abend dort. Sie weinten laut und beteten:
Ri 21,3 »Herr, du Gott Israels, unser Volk hat einen ganzen Stamm verloren!
Warum musste das geschehen?«
Ri 21,4 Am nächsten Morgen standen sie früh auf, errichteten einen Altar und
brachten darauf Brand- und Dankopfer dar.
Ri 21,5 Sie fragten einander: »Gibt es Leute aus unserem Volk, die nicht zu
unserer Versammlung nach Mizpa gekommen sind?« Damals hatten sie nämlich
geschworen: »Wer nicht erschienen ist, muss sterben!«
Ri 21,6 Es tat den Israeliten leid um die Benjaminiter. »Ein ganzer Stamm ist
ausgelöscht«, klagten sie,
Ri 21,7 »wie können wir nur den wenigen Überlebenden zu Frauen verhelfen? Wir
haben ja vor dem Herrn geschworen, ihnen keine von unseren Töchtern zu geben.
Ri 21,8 Vielleicht ist ja wirklich irgendeine Sippe nicht zu unserer Versammlung
in Mizpa gekommen. Wir wollen es nachprüfen!« Sie stellten fest, dass die
Einwohner der Stadt Jabesch im Gebiet von Gilead nicht dabei gewesen waren,
Ri 21,9 denn als sie ihre Truppen musterten, fehlten die Männer aus Jabesch.
Ri 21,10 Da wählten sie 12000 Soldaten aus und befahlen ihnen: »Geht nach
Jabesch in Gilead, und tötet alle Einwohner, auch die Frauen und Kinder.
Ri 21,11 Vollstreckt an ihnen Gottes Strafe! Nur die unverheirateten Mädchen
lasst leben.«
Ri 21,12 Die Soldaten fanden unter den Einwohnern von Jabesch 400 Mädchen, die
noch nicht verheiratet waren, und brachten sie in das israelitische Lager bei
Silo im Land Kanaan.
Ri 21,13 Von dort schickten die Israeliten Boten zu den Benjaminitern am
Rimmonfelsen und schlossen Frieden mit ihnen.
Ri 21,14 Da kehrten die 600 Männer aus der Wüste zurück und bekamen die Mädchen
aus Jabesch, die man am Leben gelassen hatte. Aber es waren nicht genug für sie
alle.
Ri 21,15 Die Israeliten waren traurig, dass der Herr einen ihrer Stämme fast
ausgelöscht hatte. Sie hatten großes Mitleid mit den Benjaminitern.
Ri 21,16 Wieder fragten die Ältesten: »Woher bekommen wir Frauen für die übrigen
Männer von Benjamin? Sie haben ja alle Frauen ihres Stammes verloren!
Ri 21,17 Ihr Gebiet wollen wir ihnen gern lassen. Sie sollen nicht aussterben,
nur weil sie kein Land mehr haben.
Ri 21,18 Aber wir dürfen ihnen keine von unseren Töchtern zur Frau geben, denn
wir haben geschworen: ›Wer seine Tochter mit einem Mann aus Benjamin
verheiratet, den soll Gottes Strafe treffen.‹«
Ri 21,19 Schließlich schlugen sie vor: »Bald findet doch das jährliche Fest für
den Herrn hier in Silo statt. Dieser Ort liegt sehr günstig: nördlich von
Bethel, südlich von Lebona und östlich der Straße, die von Bethel nach Sichem
führt.
Ri 21,20 Ihr Benjaminiter, legt euch in den Weinbergen auf die Lauer!
Ri 21,21 Wenn die Mädchen aus Silo herauskommen, um zu tanzen, springt ihr
hervor, und jeder von euch packt eine von ihnen. Dann nehmt sie mit in euer
Stammesgebiet.
Ri 21,22 Wenn ihre Väter und Brüder zu uns kommen und uns Vorwürfe machen,
werden wir antworten: ›Lasst ihnen die Mädchen. Sie haben beim Krieg gegen
Jabesch nicht genug Frauen bekommen. Ihr macht euch nicht schuldig, denn ihr
habt sie ihnen ja nicht freiwillig gegeben.‹«
Ri 21,23 Die Benjaminiter befolgten den Rat und raubten so viele Frauen, wie
ihnen fehlten. Sie nahmen sie mit in ihr Stammesgebiet, bauten dort die
zerstörten Städte wieder auf und wohnten darin.
Ri 21,24 Auch die anderen Israeliten machten sich auf den Heimweg und kehrten in
die Gebiete zurück, aus denen sie stammten.
Ri 21,25 In jener Zeit gab es keinen König in Israel, und jeder tat, was er für
richtig hielt.
Ruth 1,1 [1/2] Zu der Zeit, als das Volk Israel von Männern geführt wurde, die
man »Richter« nannte, brach im Land eine Hungersnot aus. Darum verließ ein Mann
namens Elimelech von der Sippe Efrat die Stadt Bethlehem in Juda, wo er gewohnt
hatte. Er ging mit seiner Frau Noomi und seinen beiden Söhnen Machlon und Kiljon
ins Land Moab und ließ sich dort nieder.
Ruth 1,3 Doch dann starb Elimelech, und Noomi blieb mit ihren Söhnen allein
zurück.
Ruth 1,4 Die beiden heirateten zwei Frauen aus Moab, sie hießen Orpa und Ruth.
Nach etwa zehn Jahren
Ruth 1,5 starben auch Machlon und Kiljon. Nun hatte Noomi keinen Mann und keine
Söhne mehr.
Ruth 1,6 [6/7] Bald darauf erfuhr sie, dass der Herr sich über sein Volk erbarmt
und ihm wieder eine gute Ernte geschenkt hatte. Sofort brach sie auf, um in ihre
Heimat Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter begleiteten sie. Unterwegs
Ruth 1,8 sagte Noomi zu ihnen: »Geht doch wieder zurück in euer Elternhaus,
kehrt um! Möge der Herr euch so viel Liebe erweisen, wie ihr sie den
Verstorbenen und mir entgegengebracht habt!
Ruth 1,9 Er gebe euch ein neues Zuhause an der Seite eines zweiten Mannes!« Sie
küsste ihre Schwiegertöchter. Die beiden fingen an zu weinen
Ruth 1,10 und widersprachen ihr: »Nein, wir wollen mit dir zu deinem Volk
gehen!«
Ruth 1,11 Doch Noomi entgegnete: »Kehrt doch um, meine Töchter! Warum wollt ihr
mich unbedingt begleiten? Ich werde keine Söhne mehr zur Welt bringen, die eure
Männer werden könnten.
Ruth 1,12 Kehrt um, meine Töchter, geht! Ich bin zu alt, um wieder zu heiraten.
Und selbst wenn ich die Hoffnung nicht aufgäbe, ja, wenn ich noch heute Nacht
einen Mann bekäme und dann Söhne zur Welt brächte:
Ruth 1,13 Wollt ihr etwa so lange warten, bis sie erwachsen sind? Wollt ihr euch
bis dahin von allen Männern fern halten und jede Gelegenheit ausschlagen, noch
einmal zu heiraten? Nein, meine Töchter! Der Herr hat sich gegen mich gewandt,
euch jedoch möchte ich das harte Schicksal ersparen, das mich getroffen hat.«
Ruth 1,14 Da weinten die beiden noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter zum
Abschied, Ruth aber wollte sie auf keinen Fall verlassen.
Ruth 1,15 Da forderte Noomi sie auf: »Deine Schwägerin kehrt zu ihrem Volk und
zu ihrem Gott zurück. Geh doch mit ihr!«
Ruth 1,16 Aber Ruth erwiderte: »Besteh nicht darauf, dass ich dich verlasse! Ich
will mich nicht von dir trennen. Wo du hingehst, da will auch ich hingehen. Wo
du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein
Gott.
Ruth 1,17 Wo du stirbst, will ich auch sterben und begraben werden. Nur der Tod
kann mich von dir trennen; wenn ich dieses Versprechen nicht halte, soll Gott
mich hart bestrafen!«
Ruth 1,18 Noomi merkte, dass Ruth darauf bestand, mit ihr zu gehen, und so
versuchte sie nicht mehr, sie zur Umkehr zu überreden.
Ruth 1,19 Die beiden machten sich auf den Weg nach Bethlehem. Als sie dort
ankamen, ging es wie ein Lauffeuer durch die Stadt. »Ist das nicht Noomi?«,
riefen die Frauen.
Ruth 1,20 »Nennt mich nicht länger Noomi«, erwiderte sie, »nennt mich Mara, denn
Gott, der Allmächtige, hat mir ein schweres Schicksal auferlegt:
Ruth 1,21 Als ich von hier fortzog, hatte ich alles, was man sich nur wünschen
kann. Jetzt lässt mich der Herr mit leeren Händen zurückkehren. Warum nennt ihr
mich also noch Noomi? Der Herr hat sein Urteil gegen mich gesprochen; er, der
Allmächtige, hat mir bitteres Leid zugefügt.«
Ruth 1,22 Als Noomi mit ihrer moabitischen Schwiegertochter Ruth nach Bethlehem
kam, begann gerade die Gerstenernte.
Ruth 2,1 In Bethlehem wohnte ein Mann namens Boas, der aus derselben Sippe
stammte wie Noomis verstorbener Mann Elimelech. Boas war wohlhabend und
einflussreich.
Ruth 2,2 Eines Tages sagte Ruth zu ihrer Schwiegermutter: »Ich möchte auf die
Felder gehen und dort die Ähren auflesen, die von den Erntearbeitern nicht
mitgenommen wurden. Irgendjemand wird es mir sicher erlauben.« »Ja«, antwortete
Noomi, »geh nur!«
Ruth 2,3 Auf einem der Felder ging Ruth hinter den Erntearbeitern her und
sammelte die Ähren auf, die sie liegen ließen. Sie wusste nicht, dass gerade
dieses Feld Boas aus der Sippe Elimelechs gehörte.
Ruth 2,4 Als Boas nun von Bethlehem zu seinen Arbeitern aufs Feld kam, begrüßte
er sie: »Der Herr sei mit euch!« Sie antworteten: »Der Herr segne dich!«
Ruth 2,5 Boas erkundigte sich bei dem Mann, der die Arbeiter beaufsichtigte: »Zu
wem gehört diese junge Frau da?«
Ruth 2,6 »Sie ist eine Moabiterin, die mit Noomi aus Moab zurückgekehrt ist«,
erwiderte der Mann.
Ruth 2,7 »Sie hat mich gefragt, ob sie dort, wo deine Männer schon waren, die
liegen gebliebenen Ähren auflesen darf. Seit dem frühen Morgen ist sie bereits
da und hat sich noch kaum in den Schatten gesetzt.«
Ruth 2,8 Da sagte Boas zu Ruth: »Ich mache dir einen Vorschlag: Du brauchst
nicht auf ein anderes Feld zum Ährenlesen zu gehen; bleib hier bei meinen
Mägden,
Ruth 2,9 die die Garben binden! Sammle immer dort, wo die Arbeiter gerade das
Korn abmähen. Ich habe ihnen verboten, dich zu belästigen. Wenn du Durst hast,
dann geh ruhig zu den Krügen dort, und trink von dem Wasser, das meine Männer
geschöpft haben!«
Ruth 2,10 Da warf Ruth sich vor ihm nieder und fragte: »Womit habe ich das
verdient? Warum beachtest du mich, obwohl ich eine Ausländerin bin?«
Ruth 2,11 Boas antwortete: »Man hat mir berichtet, wie du seit dem Tod deines
Mannes deiner Schwiegermutter beigestanden hast. Deine Eltern und dein Land hast
du verlassen und dich einem Volk angeschlossen, das du vorher nicht gekannt
hast.
Ruth 2,12 Du bist zum Herrn, dem Gott Israels, gekommen, um bei ihm Schutz und
Zuflucht zu finden. Möge er alle deine Taten reich belohnen!«
Ruth 2,13 Da sagte sie: »Mein Herr, ich danke dir für deine große
Freundlichkeit! Deine Worte geben mir Mut und Hoffnung. Du schenkst mir deine
Gunst, obwohl ich doch viel geringer als deine Mägde bin.«
Ruth 2,14 Als es Zeit zum Essen war, rief Boas Ruth zu sich. »Komm hierher, und
iss etwas Brot!«, forderte er sie auf. »Du kannst es auch in den Weinessig
tunken.« Ruth setzte sich zu seinen Leuten, und Boas reichte ihr geröstete
Getreidekörner. So konnte sie sich satt essen und behielt sogar noch etwas
übrig.
Ruth 2,15 Als sie aufstand, um weiterzuarbeiten, befahl Boas seinen Männern:
»Lasst sie auch dort sammeln, wo die Garben noch nicht weggeräumt sind, und
macht ihr deshalb keine Vorwürfe!
Ruth 2,16 Zieht immer wieder Ähren aus den Bündeln heraus, und lasst sie dort
für sie liegen. Kein böses Wort soll sie von euch hören!«
Ruth 2,17 Bis zum Abend arbeitete Ruth auf dem Feld. Als sie die Ähren
ausklopfte, hatte sie etwa 15 Kilogramm Gerste beisammen.
Ruth 2,18 Sie brachte das Getreide nach Hause und zeigte es ihrer
Schwiegermutter. Dann gab sie ihr die gerösteten Körner, die sie vom Mittagessen
übrig behalten hatte.
Ruth 2,19 »Wo hast du nur so viel sammeln können?«, fragte Noomi. »Erzähl mir,
wo du gewesen bist. Gott segne den, der so freundlich zu dir war!« Ruth
berichtete: »Der Mann, der mich auf sein Feld gelassen hat, hieß Boas.«
Ruth 2,20 »Der Herr segne ihn!«, rief Noomi erfreut. »Er ist ein naher
Verwandter von uns und darum nach dem Gesetz verpflichtet, uns zu helfen. Jetzt
sehe ich: Gott hat uns nicht unserem Schicksal überlassen, der Name unserer
Männer wird nicht vergessen werden!«
Ruth 2,21 Ruth erzählte weiter: »Boas hat mir angeboten, immer in der Nähe
seiner Arbeiter die Ähren aufzulesen, bis die ganze Ernte eingebracht ist!«
Ruth 2,22 »Es ist gut, wenn du mit seinen Mägden hinausgehst«, meinte Noomi,
»auf einem anderen Feld würde man dich vielleicht belästigen.«
Ruth 2,23 So arbeitete Ruth während der ganzen Gersten- und Weizenernte zusammen
mit den Mägden des Boas. Sie wohnte weiter bei ihrer Schwiegermutter.
Ruth 3,1 Eines Tages sagte Noomi zu Ruth: »Ich möchte dir helfen, einen Mann und
ein neues Zuhause zu finden.
Ruth 3,2 Du hast doch mit Boas' Mägden zusammengearbeitet, er ist ja unser
Verwandter. Nun hör gut zu: Heute Abend ist er auf seiner Tenne und trennt die
Spreu von der Gerste.
Ruth 3,3 Nimm ein Bad, verwende duftende Salben, zieh dein schönstes Kleid an,
und geh dorthin! Pass auf, dass er dich nicht entdeckt, bevor er gegessen und
getrunken hat.
Ruth 3,4 Merk dir genau die Stelle, wo er sich hinlegt. Wenn er dann
eingeschlafen ist, schlüpf am Fußende unter seine Decke! Alles Weitere wird er
dir schon sagen.«
Ruth 3,5 »Gut«, erwiderte Ruth, »ich will deinen Rat befolgen.«
Ruth 3,6 Sie bereitete alles so vor, wie ihre Schwiegermutter es ihr
vorgeschlagen hatte, und ging zur Tenne.
Ruth 3,7 Als Boas gegessen und getrunken hatte, legte er sich zufrieden am Rand
eines Getreidehaufens schlafen. Ruth schlich leise zu ihm und schlüpfte am
Fußende seines Lagers unter die Decke.
Ruth 3,8 Um Mitternacht fuhr Boas aus dem Schlaf hoch. Er beugte sich vor und
entdeckte eine Frau, die zu seinen Füßen lag.
Ruth 3,9 »Wer bist du?«, fragte er. »Ich bin Ruth«, antwortete sie. »Ich habe
eine Bitte: Als naher Verwandter von mir bist du dafür verantwortlich, dass ich
keine Not leide. Breite dein Gewand über mich aus als Zeichen dafür, dass du
mich heiraten wirst.«
Ruth 3,10 »Der Herr segne dich!«, rief Boas. »Jetzt zeigst du noch viel mehr als
bisher, wie sehr dir die Familie deiner Schwiegermutter am Herzen liegt! Du bist
nicht den jungen Männern nachgelaufen, obwohl du sicher auch einen wohlhabenden
hättest finden können.
Ruth 3,11 Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, ich werde deine Bitte
erfüllen. Jeder hier in Bethlehem weiß, dass du eine ehrbare junge Frau bist.
Ruth 3,12 Du hast Recht, ich bin ein naher Verwandter von euch und habe die
Pflicht, für dich zu sorgen. Aber es gibt einen Mann, der noch näher mit dir
verwandt ist.
Ruth 3,13 Bleib heute Nacht hier! Morgen soll sich der Mann entscheiden, ob er
sich deiner annehmen will. Wenn nicht, werde ich es tun. Das schwöre ich dir, so
wahr der Herr lebt! Du kannst bis zum Morgen hier bleiben.«
Ruth 3,14 Ruth schlief die Nacht über am Fußende seines Lagers; doch bevor es so
hell wurde, dass andere sie hätten erkennen können, stand sie auf. Denn Boas
hatte gesagt: »Niemand darf erfahren, dass eine Frau bei mir war.«
Ruth 3,15 Bevor Ruth die Tenne verließ, forderte Boas sie auf: »Nimm dein
Umschlagtuch ab, und halte es auf!« Er schüttete gut 25 Kilogramm Gerste hinein,
lud ihr das Bündel auf die Schulter und ging dann zurück in die Stadt.
Ruth 3,16 Als Ruth zu Hause ankam, fragte Noomi sie: »Wie ist es dir ergangen,
meine Tochter?« Ruth berichtete, was Boas ihr geantwortet hatte.
Ruth 3,17 »Und diesen halben Zentner Gerste hat er mir geschenkt«, erzählte sie
weiter, »er sagte: ›Du sollst nicht mit leeren Händen zu deiner Schwiegermutter
zurückkehren!‹«
Ruth 3,18 Noomi machte ihr Mut: »Warte jetzt einfach ab, wie es sich entwickelt.
Dieser Mann wird nicht eher ruhen, bis er alles zu Ende gebracht hat - ganz
sicher wird es noch heute geschehen!«
Ruth 4,1 Boas ging zum Versammlungsplatz am Stadttor und setzte sich dorthin. Da
kam jener Verwandte vorbei, von dem er Ruth erzählt hatte. Boas sprach ihn an:
»Komm doch herüber, und setz dich!« Als der Mann Platz genommen hatte,
Ruth 4,2 rief Boas zehn Männer aus dem Ältestenrat von Bethlehem und bat sie:
»Setzt euch zu uns!«
Ruth 4,3 Dann sagte er zu seinem Verwandten: »Noomi, die aus dem Land der
Moabiter zurückgekehrt ist, will das Grundstück Elimelechs verkaufen, der ja zu
unserer Sippe gehört hat.
Ruth 4,4 Nun schlage ich dir vor: Kauf du das Grundstück. Die Ältesten von
Bethlehem und die anderen Versammelten hier sollen Zeugen sein. Sag uns, ob du
es erwerben willst, damit es im Besitz unserer Sippe bleibt. Du hast das
Vorkaufsrecht, weil du der nächste Verwandte bist. Ich komme erst nach dir.« Der
Mann antwortete: »Gut, ich will es tun.«
Ruth 4,5 Boas aber erwiderte: »Wenn du von Noomi das Grundstück erwirbst, musst
du auch die Moabiterin Ruth heiraten und einen Sohn zeugen, der als Nachkomme
ihres verstorbenen Mannes gilt. Er wird eines Tages das Feld erben, und so
bleibt es im Besitz dieser Familie.«
Ruth 4,6 »Wenn das so ist«, meinte der andere, »trete ich meine Rechte auf das
Grundstück an dich ab. Ich würde ja sonst etwas kaufen, was später nicht mehr
meiner Familie gehört. Nimm du es!«
Ruth 4,7 Wer zu dieser Zeit in Israel sein Besitzrecht einem anderen übertrug
oder einen Tauschhandel abschloss, zog als Zeichen dafür seinen Schuh aus und
gab ihn dem anderen. Damit war der Handel rechtsgültig.
Ruth 4,8 Als nun Ruths nächster Verwandter Boas das Grundstück überlassen
wollte, zog er seinen Schuh aus und gab ihn Boas.
Ruth 4,9 Der wandte sich an die Ältesten von Bethlehem und an die übrigen
Versammelten: »Ihr seid heute meine Zeugen, dass ich von Noomi alles erworben
habe, was ihrem Mann Elimelech und seinen Söhnen Kiljon und Machlon gehörte.
Ruth 4,10 Damit habe ich auch die Verpflichtung übernommen, Machlons Witwe, die
Moabiterin Ruth, zu heiraten und einen Sohn zu zeugen, der als Nachkomme
Machlons gilt. So wird der alte Erbbesitz in der Familie des Verstorbenen
bleiben. Sein Name soll in unserer Sippe und bei den Einwohnern von Bethlehem
niemals vergessen werden. Dafür seid ihr Zeugen!«
Ruth 4,11 Die Ältesten und alle Männer auf dem Versammlungsplatz bestätigten:
»Ja, wir bezeugen es! Möge der Herr deine Frau so reich beschenken wie Rahel und
Lea, von denen alle Israeliten abstammen. Wir wünschen dir, dass du immer mehr
Ansehen gewinnst und dein Name hier in Bethlehem berühmt wird!
Ruth 4,12 Der Herr möge dir und deiner Frau so viele Nachkommen schenken wie der
Familie von Perez, dem Sohn Tamars und Judas.«
Ruth 4,13 So wurde Ruth Boas' Frau, er schlief mit ihr, und der Herr ließ sie
schwanger werden. Als sie einen Sohn zur Welt brachte,
Ruth 4,14 sagten die Frauen von Bethlehem zu Noomi: »Gelobt sei der Herr! Er hat
dir mit diesem Kind jemanden gegeben, der für dich sorgen wird. Möge dein Enkel
berühmt werden bei den Israeliten!
Ruth 4,15 Er wird dir viel Freude schenken und sich um dich kümmern, wenn du alt
geworden bist. Deine Schwiegertochter, die dich liebt, hat ihn geboren; sie ist
mehr wert für dich als sieben Söhne!«
Ruth 4,16 Noomi nahm das Kind auf ihren Schoß als Zeichen dafür, dass sie es als
ihr eigenes annahm.
Ruth 4,17 Ihre Nachbarinnen gaben ihm den Namen Obed (»Diener des Herrn«) und
erzählten überall: »Noomi hat einen Sohn bekommen!« Obed wurde der Vater Isais,
und dessen Sohn war König David.
Ruth 4,18 Dies ist der Stammbaum des Perez: Perez war der Vater Hezrons,
Ruth 4,19 und auf ihn folgten in direkter Linie Ram, Amminadab,
Ruth 4,20 Nachschon, Salmon,
Ruth 4,21 Boas, Obed,
Ruth 4,22 Isai und David.
1Sam 1,1 In Ramatajim-Zofim (kurz: Rama), einem Ort im Bergland von Ephraim,
wohnte ein Mann namens Elkana. Sein Vater hieß Jeroham, sein Großvater Elihu;
Elihu wiederum stammte von Tohu ab, der ein Sohn Zufs war. Elihu hatte
seinerzeit schon im Gebiet von Ephraim gelebt.
1Sam 1,2 Elkana hatte zwei Frauen: die eine hieß Hanna, die andere Peninna.
Peninna hatte schon einige Kinder, Hanna aber keine.
1Sam 1,3 Jedes Jahr reiste Elkana mit seiner ganzen Familie zum Heiligtum nach
Silo, um dem allmächtigen Gott ein Opfer darzubringen und ihn anzubeten. Zu
jener Zeit versahen Hofni und Pinhas in Silo den Priesterdienst. Sie waren Söhne
Elis, des alten Priesters.
1Sam 1,4 Jedes Mal wenn Elkana sein Opfer dargebracht hatte, kam die ganze
Familie zu einem Festessen zusammen. Elkana schnitt das Fleisch der geopferten
Tiere in gleiche Stücke und teilte sie aus. Peninna erhielt Fleisch für sich und
jedes ihrer Kinder,
1Sam 1,5 Hanna aber bekam die doppelte Portion. Denn Elkana liebte sie sehr,
obwohl der Herr ihr bisher Kinder versagt hatte.
1Sam 1,6 Stets begann Peninna dann, Hanna mit Sticheleien zu kränken, weil sie
kinderlos war.
1Sam 1,7 Das wiederholte sich jedes Jahr, wenn sie zum Heiligtum des Herrn
zogen: Peninna verletzte Hanna mit ihrem Spott so sehr, dass sie vor Ärger und
Traurigkeit nur noch weinte und nichts mehr essen wollte.
1Sam 1,8 »Hanna, warum weinst du?«, fragte Elkana dann. »Du isst ja gar nichts.
Bist du so traurig, weil du keine Kinder hast? Bin ich dir denn nicht viel mehr
wert als zehn Söhne?«, versuchte er sie zu trösten.
1Sam 1,9 Eines Tages, als Hanna wieder einmal nur mit Mühe einige Bissen
heruntergebracht hatte, zog sie sich von den anderen zurück und ging zum
Heiligtum; dort saß der alte Priester Eli auf einem Stuhl neben der Tür.
1Sam 1,10 Vor lauter Verzweiflung weinte Hanna hemmungslos.
1Sam 1,11 Unter Tränen betete sie und versprach dem Herrn: »Allmächtiger Gott,
du siehst doch mein Elend. Wenn du Erbarmen mit mir hast und mich nicht
vergisst, sondern mir einen Sohn schenkst, will ich ihn dir zurückgeben. Sein
ganzes Leben soll dann dir, Herr, gehören. Als Zeichen dafür werde ich ihm nie
die Haare schneiden.«
1Sam 1,12 Hanna betete sehr lange. Das fiel Eli auf, und er beobachtete sie.
1Sam 1,13 Ihre Lippen bewegten sich, die Worte aber waren nicht zu hören, weil
Hanna leise betete. Eli hielt sie für betrunken
1Sam 1,14 und fuhr sie an: »Wie lange willst du eigentlich noch betrunken hier
herumlungern? Geh, und schlaf erst einmal deinen Rausch aus!«
1Sam 1,15 »Aber nein, mein Herr, ich bin nicht betrunken«, widersprach Hanna.
»Ich bin nur sehr, sehr traurig und habe dem Herrn mein Herz ausgeschüttet.
1Sam 1,16 Halte mich bitte nicht für eine heruntergekommene Frau. Wirklich, ich
habe nur aus lauter Verzweiflung so lange gebetet.«
1Sam 1,17 Da antwortete Eli: »Geh getröstet und in Frieden nach Hause! Der Gott
Israels wird dir geben, worum du gebeten hast.«
1Sam 1,18 Hanna verabschiedete sich und sagte: »Behalte mich in guter
Erinnerung!« Erleichtert ging sie zu den anderen zurück. Sie konnte wieder
essen, und man sah ihr an, wie glücklich sie war.
1Sam 1,19 Am nächsten Morgen standen Elkana und seine Familie früh auf. Sie
beteten noch einmal im Heiligtum und kehrten dann nach Rama zurück. Als Elkana
mit Hanna schlief, erhörte der Herr ihr Gebet.
1Sam 1,20 Sie wurde schwanger und brachte noch im selben Jahr einen Sohn zur
Welt. »Ich habe Gott um einen Sohn gebeten«, sagte sie und nannte ihn daher
Samuel (»von Gott erbeten«).
1Sam 1,21 Im nächsten Jahr zog Elkana wieder mit der ganzen Familie nach Silo.
Er wollte ein besonderes Opfer darbringen, das er dem Herrn versprochen hatte.
1Sam 1,22 Nur Hanna blieb zu Hause. Sie sagte zu ihrem Mann: »Sobald ich den
Jungen nicht mehr stillen muss und er etwas selbständiger geworden ist, werde
ich ihn mitnehmen zum Heiligtum des Herrn und ihn für immer dort lassen.«
1Sam 1,23 »Tu, was du für richtig hältst«, erwiderte Elkana. »Bleib ruhig zu
Hause, bis der Junge etwas größer ist. Hoffen wir, dass der Herr dann auch
einlöst, was er dir für unseren Sohn versprochen hat.« So blieb Hanna zu Hause
und stillte ihren Sohn, bis er entwöhnt war.
1Sam 1,24 Als Samuel einige Jahre alt war, nahm seine Mutter ihn mit nach Silo.
Obwohl er noch sehr jung war, wollte sie ihn nun im Heiligtum Gottes lassen. Als
Opfergaben brachte sie drei Stiere mit, dazu einen Sack Mehl und einen Schlauch
Wein.
1Sam 1,25 Nachdem Elkana und Hanna einen der Stiere geopfert hatten, brachten
sie den Jungen zu Eli.
1Sam 1,26 »Herr, erinnerst du dich noch an mich?«, fragte Hanna. »Ich bin die
Frau, die vor einigen Jahren hier stand und gebetet hat.
1Sam 1,27 Um diesen Jungen habe ich damals gefleht, und der Herr hat mein Gebet
erhört. Er gab mir, worum ich bat.
1Sam 1,28 So will auch ich nun mein Versprechen halten: Ich gebe Samuel dem
Herrn zurück. Sein ganzes Leben lang soll er Gott gehören.« Danach warfen sie
sich nieder und beteten den Herrn an.
1Sam 2,1 Hanna sang ein Loblied: »Der Herr erfüllt mein Herz mit großer Freude,
er richtet mich auf und gibt mir neue Kraft! Laut lache ich über meine Feinde
und freue mich über deine Hilfe!
1Sam 2,2 Niemand ist so heilig wie du, denn du bist der einzige und wahre Gott.
Du bist ein Fels, keiner ist so stark und unerschütterlich wie du.
1Sam 2,3 Lasst eure stolzen Reden und frechen Worte! Wisst ihr denn nicht, dass
der Herr alles hört, was ihr sagt, und ihm nichts entgeht, was ihr tut?
1Sam 2,4 Die Waffen starker Soldaten sind zerbrochen, doch die Schwachen
bekommen neue Kraft.
1Sam 2,5 Wer immer satt geworden ist, muss nun für ein Stück Brot hart arbeiten.
Doch wer damals Hunger litt, hat heute genug zu essen. Die unfruchtbare Frau
bringt sieben Kinder zur Welt, die kinderreiche jedoch welkt dahin!
1Sam 2,6 Der Herr tötet und macht wieder lebendig. Er schickt Menschen hinab ins
Totenreich und ruft sie wieder herauf.
1Sam 2,7 Manche macht er arm, andere dagegen reich. Er erniedrigt und erhöht
Menschen, wie er es für richtig hält.
1Sam 2,8 Dem Verachteten hilft er aus seiner Not. Er zieht den Armen aus dem
Schmutz und stellt ihn dem Fürsten gleich, ja, er gibt ihm einen Ehrenplatz. Dem
Herrn gehört die ganze Welt. Er hat sie auf ein festes Fundament gegründet,
damit sie niemals wankt.
1Sam 2,9 Er beschützt jeden, der ihm vertraut, doch wer von ihm nichts wissen
will, der wird in Finsternis enden. Denn aus eigener Kraft erringt keiner den
Sieg.
1Sam 2,10 Wer es wagt, mit dem Herrn zu streiten, der verliert. Er geht
zugrunde, wenn Gott seinen schrecklichen Donner gegen ihn grollen lässt. Der
Herr wird über die ganze Welt Gericht halten. Macht und Ehre gibt er seinem
König, den er selbst auserwählt und eingesetzt hat.«
1Sam 2,11 Danach reisten Elkana und Hanna wieder zurück nach Rama. Der Junge
aber blieb beim Priester Eli und wurde unter seiner Aufsicht ein Diener Gottes.
1Sam 2,12 Hofni und Pinhas, die Söhne Elis, waren gewissenlose Männer. Sie
wollten nichts vom Herrn wissen
1Sam 2,13 und gaben sich nicht zufrieden mit dem Anteil, der ihnen vom Fleisch
der geopferten Tiere zustand. Immer wenn jemand ein Opfer darbrachte und dann
das Fleisch für das Festmahl kochte, schickten sie ihren Diener mit einer großen
dreizinkigen Gabel zur Kochstelle.
1Sam 2,14 Er stach damit in den Fleischtopf und brachte alles, was er
aufgespießt hatte, Elis Söhnen, den Priestern. So machten sie es bei allen
Israeliten, die zum Opfern nach Silo kamen.
1Sam 2,15 Oft stand der Diener sogar schon da, bevor das Fett des Opfertiers auf
dem Altar verbrannt war. Dann forderte er: »Gib mir das Fleisch für den
Priester! Er will es nicht gekocht von dir, sondern roh, damit er es braten
kann.«
1Sam 2,16 Wenn der Mann, der das Opfer darbrachte, einzuwenden wagte: »Zuerst
muss doch das Fett für den Herrn verbrannt werden! Nachher kannst du meinetwegen
nehmen, so viel du willst«, dann fuhr der Diener ihn an: »Ich will es sofort
haben! Gibst du es nicht freiwillig, dann nehme ich es mit Gewalt.«
1Sam 2,17 So luden die jungen Männer schwere Schuld auf sich, denn sie
behandelten die für den Herrn bestimmten Opfergaben mit Verachtung.
1Sam 2,18 Der junge Samuel diente am Heiligtum des Herrn und trug bereits das
leinene Priestergewand.
1Sam 2,19 Jedes Jahr nähte ihm seine Mutter ein neues Obergewand und brachte es
mit, wenn sie mit ihrem Mann zum jährlichen Opfer nach Silo kam.
1Sam 2,20 Bevor sie wieder heimkehrten, segnete Eli die Eltern Samuels. Er sagte
zu Elkana: »Möge der Herr dir und deiner Frau noch weitere Kinder schenken als
Ersatz für diesen Jungen, den ihr ihm zurückgegeben habt.«
1Sam 2,21 Und wirklich: Der Herr schenkte Hanna noch drei Söhne und zwei
Töchter. Samuel aber wuchs auf als Diener des Herrn.
1Sam 2,22 Eli war inzwischen sehr alt geworden. Er hörte, wie unverschämt Hofni
und Pinhas die Israeliten behandelten, und wusste auch, dass sie oft mit den
Frauen schliefen, die beim Eingang zum Heiligtum ihre Arbeit verrichteten.
1Sam 2,23 [23/24] Da sagte er zu ihnen: »Ganz Israel beschwert sich bei mir über
euch. Warum treibt ihr es auch so schlimm? Man erzählt sich die schrecklichsten
Geschichten! Ihr verführt durch eure Machenschaften das Volk Gottes zur Sünde.
1Sam 2,25 Wenn jemand an einem Menschen schuldig wird, nimmt Gott ihn vielleicht
noch in Schutz. Wenn jemand sich aber direkt gegen den Herrn versündigt, wie ihr
es ständig tut, dann kann niemand mehr als Vermittler für ihn einspringen.« Doch
die Söhne wollten nicht auf ihren Vater hören, denn der Herr hatte ihren Tod
schon fest beschlossen.
1Sam 2,26 Je älter Samuel wurde, desto mehr Ansehen fand er beim Herrn und bei
den Menschen.
1Sam 2,27 Eines Tages kam ein Prophet zu Eli und sagte: »So spricht der Herr:
›Hast du vergessen, wie deutlich ich damals zu deinem Stammvater Aaron
gesprochen habe, als die Israeliten noch in Ägypten unter der Herrschaft des
Pharaos litten?
1Sam 2,28 Aus allen Stämmen Israels habe ich ihn und seine Nachkommen als meine
Priester erwählt. Sie sollten auf meinem Altar Opfer darbringen, Weihrauch
verbrennen und in meinem Heiligtum das Priestergewand tragen. Schon deine
Vorfahren durften von allen Opfern der Israeliten einen bestimmten Anteil für
sich zum Essen behalten.
1Sam 2,29 Warum setzt ihr euch jetzt über meine Gebote hinweg und greift gierig
nach den Opfergaben, die für mich allein bestimmt sind? Und du, Eli, warum ehrst
du deine Söhne mehr als mich? Warum duldest du, dass sie die fettesten und
schönsten Fleischstücke der Opfertiere für sich nehmen, damit ihr alle euch
damit mästen könnt?
1Sam 2,30 Darum sage ich, der Herr, der Gott Israels: Ich habe dir versprochen,
dass die Priester für alle Zeiten aus deiner Sippe kommen. Doch heute muss ich
dieses Versprechen zurücknehmen. Denn ich ehre nur die, die auch mich verehren.
Wer mir aber verächtlich den Rücken kehrt, der wird selbst auch verachtet.
1Sam 2,31 In Zukunft soll die Lebenskraft deiner Nachkommen gebrochen sein: Nie
mehr wird ein Mann deiner Sippe über seine besten Jahre hinauskommen.
1Sam 2,32 Verbittert und voller Neid werdet ihr auf das Glück und den Wohlstand
blicken, den ich ganz Israel gebe, während in eurer Familie Not und Elend
herrschen. Keiner von euch wird je ein hohes Alter erreichen.
1Sam 2,33 Trotzdem soll deine Familie nicht ganz aussterben: Manche werden noch
vor meinem Altar dienen, dir selbst aber bleibt nur Trauer und Leid. Denn alle
deine Nachkommen werden im besten Mannesalter sterben.
1Sam 2,34 Ich will dir mit einem Zeichen bestätigen, dass jedes dieser Worte
eintreffen wird: Deine Söhne Hofni und Pinhas werden beide am selben Tag
sterben!
1Sam 2,35 Dann setze ich einen Priester ein, der treu zu mir steht. Er wird mir
dienen und tun, was mir gefällt. Ich schenke ihm viele Nachkommen, und sie
werden für alle Zeiten im Dienst des Königs stehen, den ich einsetzen will. Auch
den Priesterdienst werden sie ausüben.
1Sam 2,36 Wer dann von deinen Nachkommen noch lebt, wird zu diesem Priester
kommen und auf den Knien um etwas Geld und Brot betteln. Er wird flehen: Bitte
lass mich ein Gehilfe der Priester werden, damit ich wenigstens etwas zu essen
habe.‹«
1Sam 3,1 Der junge Samuel wohnte bei Eli und diente dem Herrn. Zu jener Zeit
geschah es sehr selten, dass der Herr den Menschen durch Worte oder Visionen
etwas mitteilte.
1Sam 3,2 Der alte Eli war inzwischen fast erblindet. Eines Nachts war er wie
gewohnt zu Bett gegangen.
1Sam 3,3 Auch Samuel hatte sich hingelegt. Er schlief im Heiligtum in der Nähe
der Bundeslade. Die Lampe im Heiligtum brannte noch.
1Sam 3,4 [4/5] Da rief der Herr: »Samuel, Samuel!« »Ja«, antwortete der Junge,
»ich komme!«, und lief schnell zu Eli. »Hier bin ich. Du hast mich doch
gerufen.« Aber Eli sagte: »Nein, ich habe dich nicht gerufen. Geh nur wieder
schlafen.« So legte Samuel sich wieder ins Bett.
1Sam 3,6 Aber der Herr rief noch einmal: »Samuel, Samuel!« Und wieder sprang
Samuel auf und lief zu Eli. »Ich bin schon da, du hast mich doch gerufen!«,
sagte er. Eli verneinte wieder: »Ich habe dich nicht gerufen, mein Junge. Geh
jetzt und leg dich ins Bett!«
1Sam 3,7 Samuel wusste nicht, dass der Herr ihn gerufen hatte, denn er hatte ihn
noch nie reden hören.
1Sam 3,8 So rief der Herr zum dritten Mal: »Samuel, Samuel!« Und noch einmal
lief der Junge zu Eli und sagte: »Hier bin ich! Jetzt hast du mich aber
gerufen!« Da erkannte Eli, dass der Herr mit Samuel reden wollte.
1Sam 3,9 Darum wies er ihn an: »Geh, und leg dich wieder hin! Und wenn dich noch
einmal jemand ruft, dann antworte: ›Sprich, Herr, ich höre.‹« Also ging Samuel
wieder zu Bett.
1Sam 3,10 Da kam der Herr zu ihm und rief wie vorher: »Samuel, Samuel!« Der
Junge antwortete: »Sprich, Herr, ich höre.«
1Sam 3,11 Darauf sagte der Herr: »Ich will in Israel etwas so Schreckliches tun,
dass keiner es ertragen kann, davon zu hören.
1Sam 3,12 Bald werde ich Eli und seine Familie schwer bestrafen. Genauso wie ich
es mir vorgenommen habe, lasse ich das Unglück über sie kommen.
1Sam 3,13 Ich habe es Eli schon gesagt. Denn er wusste genau, dass seine Söhne
durch ihre Machenschaften meinen Zorn auf sich ziehen. Trotzdem ließ er sie tun,
was sie wollten. Darum sollen sie und ihre Nachkommen für alle Zeiten unter
meinem Fluch stehen.
1Sam 3,14 Ich habe geschworen: Weder durch Tieropfer noch durch andere
Opfergaben sollen die Nachkommen Elis diese Schuld je wieder gutmachen können!«
1Sam 3,15 Samuel blieb bis zum Morgen im Bett und öffnete dann wie gewohnt die
Türen des Heiligtums. Er scheute sich, Eli von Gottes Botschaft zu erzählen.
1Sam 3,16 [16/17] Doch Eli rief ihn zu sich. »Mein Junge, was hat Gott dir
gesagt?«, wollte er wissen. »Du musst mir alles genau berichten! Gott soll dich
schwer bestrafen, wenn du mir auch nur ein Wort verheimlichst.«
1Sam 3,18 Da erzählte Samuel ihm alles, ohne etwas zu verschweigen. »Es ist der
Wille des Herrn«, sagte Eli darauf, »er soll tun, was er für richtig hält.«
1Sam 3,19 Samuel wuchs heran. Der Herr stand ihm bei und ließ keine Ankündigung
Samuels unerfüllt bleiben.
1Sam 3,20 Ganz Israel, von Dan im Norden bis Beerscheba im Süden, erkannte, dass
der Herr ihn zum Propheten erwählt hatte.
1Sam 3,21 In den folgenden Jahren redete Gott immer wieder in Silo zu Samuel und
gab ihm Weisungen,
1Sam 4,1 die Samuel dem ganzen Volk Israel bekannt machte. Die Israeliten
führten Krieg gegen die Philister. Sie hatten ihr Lager bei Eben-Eser
aufgeschlagen, die Philister das ihre bei Afek.
1Sam 4,2 Dann griffen die Philister an. Nach einem langen und erbitterten Kampf
gewannen sie die Oberhand und besiegten Israel. Etwa 4000 Israeliten fielen auf
dem Schlachtfeld.
1Sam 4,3 Als nach der Schlacht alle Überlebenden wieder ins Lager zurückgekehrt
waren, berieten sich die Ältesten Israels: »Warum haben die Philister uns
geschlagen? Warum hat der Herr es nicht verhindert? Lasst uns die Bundeslade des
Herrn zu uns ins Lager holen! Dann ist der Herr selbst bei uns und verhilft uns
sicher zum Sieg über unsere Feinde.«
1Sam 4,4 So wurde die Bundeslade, auf der Gott, der Allmächtige, unsichtbar
zwischen den beiden Cherub-Engeln thront, von Silo nach Eben-Eser gebracht. Elis
Söhne, die Priester Hofni und Pinhas, begleiteten sie.
1Sam 4,5 Als die Bundeslade im Heerlager ankam, fingen die Israeliten zu jubeln
an. Sie lärmten so laut, dass die Erde dröhnte.
1Sam 4,6 Die Philister hörten natürlich das Geschrei. »Was ist da drüben los?«,
fragten sie einander. »Was ist in die Israeliten gefahren?« Als sie erfuhren,
dass die Bundeslade des Herrn ins Lager gebracht worden war,
1Sam 4,7 packte sie die Angst. »Ihr Gott ist zu ihnen ins Lager gekommen!«,
schrien sie.
1Sam 4,8 »So etwas hat es bisher noch nie gegeben. Jetzt sind wir verloren, denn
wer kann uns noch retten vor diesem mächtigen Gott der Israeliten? Es ist
derselbe, der damals in der Wüste die Ägypter mit schrecklichen Plagen
vernichtete.«
1Sam 4,9 Doch dann spornten die Heerführer ihre Soldaten an: »Auf, ihr
Philister, seid Männer! Zeigt ihnen, wer ihr seid! Kämpft wie die Löwen! Wenn
wir verlieren, ist es um unsere Freiheit geschehen! Dann müssen wir den Hebräern
dienen, so wie sie bisher uns dienen mussten.«
1Sam 4,10 In der Schlacht kämpften die Philister verbissen. Und wieder schlugen
sie ihre Feinde vernichtend. 30000 Israeliten fielen, die übrigen flohen und
verkrochen sich in ihren Zelten.
1Sam 4,11 Unter den Gefallenen waren auch Hofni und Pinhas, die beiden Söhne
Elis. Die Bundeslade Gottes nahmen die Philister als Beute mit.
1Sam 4,12 Ein Mann aus dem Stamm Benjamin eilte vom Schlachtfeld nach Silo und
kam dort noch am selben Tag an. Als Zeichen der Trauer hatte er seine Kleider
zerrissen und sich Erde auf den Kopf gestreut.
1Sam 4,13 [13-15] Eli war inzwischen 98 Jahre alt und völlig erblindet. Er saß
wie gewohnt draußen auf seinem Stuhl und wartete gespannt auf eine Meldung über
den Ausgang der Schlacht, denn er machte sich große Sorgen um die Bundeslade.
Als der Mann in der Stadt ankam und seine Schreckensnachricht meldete, schrien
alle, die es hörten, laut auf. Eli hörte den Lärm und fragte: »Was bedeutet
dieses Geschrei?« Da war der Bote auch schon bei ihm angelangt und erzählte ihm:
1Sam 4,16 »Ich bin einer der Soldaten und konnte den Feinden entrinnen. Ich
komme gerade vom Schlachtfeld.« »Und, wie steht es, mein Sohn?«, wollte Eli
wissen.
1Sam 4,17 Der Bote antwortete: »Die Israeliten sind vor den Philistern geflohen.
Tausende unserer Männer sind gefallen. Auch deine Söhne, Hofni und Pinhas, sind
tot. Und die Bundeslade Gottes ist als Beute weggeschleppt worden.«
1Sam 4,18 Als Eli hörte, dass die Bundeslade in die Hände der Philister gefallen
war, stürzte er rückwärts von seinem Stuhl am Eingang des Heiligtums. Weil er
schon so alt war und ein recht schwerer Mann, brach er sich bei dem Sturz das
Genick und starb. Vierzig Jahre lang war er Israels Führer und Richter gewesen.
1Sam 4,19 Elis Schwiegertochter, die Frau des Pinhas, war gerade hochschwanger.
Als sie vom Raub der Bundeslade und vom Tod ihres Mannes und ihres
Schwiegervaters hörte, brach sie zusammen, und der Schock löste die Wehen aus.
1Sam 4,20 Es wurde eine sehr schwere Geburt. Als sie schon im Sterben lag,
versuchten die Frauen, die bei ihr waren, sie aufzumuntern: »Es wird alles gut
werden! Freu dich, du hast einen Sohn geboren.« Doch sie antwortete nicht mehr
und lag völlig teilnahmslos da.
1Sam 4,21 [21/22] Voller Trauer dachte sie nur an den Tod ihres Mannes und ihres
Schwiegervaters und an den Verlust der Bundeslade. Sie sagte: »Nennt den Jungen
Ikabod, denn mit der Bundeslade Gottes sind auch Glanz und Herrlichkeit aus
Israel verschwunden!«
1Sam 5,1 Die Philister brachten die erbeutete Bundeslade von Eben-Eser nach
Aschdod
1Sam 5,2 in den Tempel ihres Gottes Dagon und stellten sie neben seinem
Standbild auf.
1Sam 5,3 Als die Einwohner von Aschdod am nächsten Morgen in den Tempel kamen,
lag das Standbild Dagons mit dem Gesicht nach unten vor der Bundeslade des Herrn
am Boden. Sie stellten es wieder zurück auf seinen Platz.
1Sam 5,4 Doch am nächsten Morgen lag es wieder vor der Bundeslade. Kopf und
Hände der Statue lagen abgeschlagen auf der Türschwelle. Nur der Rumpf war
unbeschädigt.
1Sam 5,5 Deshalb tritt noch heute kein Priester des Gottes Dagon und kein
Besucher seines Tempels in Aschdod auf diese Türschwelle.
1Sam 5,6 Der Herr ließ die Einwohner von Aschdod und den umliegenden Dörfern
seine Macht spüren, indem er sie mit einer Krankheit plagte: Viele litten
plötzlich an sehr schmerzhaften Geschwülsten.
1Sam 5,7 Als sie erkannten, warum es ihnen so schlecht ging, sagten sie: »Wir
wollen die Bundeslade des Gottes Israels keinen Tag länger bei uns haben, denn
wir ertragen es nicht mehr, wie er uns und unseren Gott Dagon quält.«
1Sam 5,8 Sie riefen alle Fürsten der Philister zusammen und fragten: »Was soll
mit der Bundeslade geschehen?« »Bringt sie in die Stadt Gat«, schlugen die
Fürsten vor. Sofort führten die Einwohner von Aschdod diesen Beschluss aus.
1Sam 5,9 Doch nachdem sie die Bundeslade in Gat zurückgelassen hatten, zeigte
der Herr auch dort den Menschen seine Macht: Junge und Alte litten an
schmerzhaften Geschwüren, die ganze Stadt geriet in Aufruhr.
1Sam 5,10 Darum schickten sie die Bundeslade weiter nach Ekron. Als die
Ekroniter sie kommen sahen, bekamen sie schreckliche Angst. »Sie haben die
Bundeslade des Gottes Israels zu uns gebracht, um uns alle umzubringen!«,
schrien sie durcheinander.
1Sam 5,11 Noch einmal wurden alle Fürsten der Philister zusammengerufen. Die
Ekroniter forderten: »Die Bundeslade des Gottes Israels muss unbedingt fort von
hier! Schickt sie doch dorthin zurück, wo sie herkommt. Sonst bringt sie noch
unser ganzes Volk um.« Die harte Strafe des Herrn hatte die ganze Stadt in
Todesangst versetzt.
1Sam 5,12 Wer nicht starb, litt schwer an den Geschwüren. Überall war lautes
Klagen und Schreien zu hören.
1Sam 6,1 Die Bundeslade war nun schon sieben Monate bei den Philistern.
1Sam 6,2 Schließlich riefen die Philister alle ihre Priester und Wahrsager
zusammen und fragten sie: »Was sollen wir nun mit der Bundeslade des Gottes
Israels machen? Lasst uns überlegen, wie wir sie wieder in ihr Land
zurückschaffen können!«
1Sam 6,3 »Wenn ihr sie wirklich loswerden wollt«, antworteten die Priester und
Wahrsager, »dann dürft ihr sie auf keinen Fall allein zurückschicken. Ihr müsst
unbedingt eine Opfergabe dazulegen, die eure Schuld wieder gutmachen soll. Wenn
ihr dann wieder gesund werdet, wisst ihr, dass der Gott der Israeliten euch
durch diese Plagen bestraft hat.«
1Sam 6,4 »Was für ein Sühnegeschenk sollen wir ihm denn geben?«, fragten sie. Da
schlugen die Priester und Wahrsager vor: »Fünf Fürsten stehen an der Spitze der
Philister. Stellt also fünf goldene Abbilder der Geschwülste, die euch quälen,
und fünf goldene Feldmäuse her. Denn ihr alle, Fürsten und Volk, habt unter der
gleichen Plage gelitten.
1Sam 6,5 Sendet dann die Nachbildungen eurer Geschwüre und der Mäuse, die euer
ganzes Land kahl fressen, dem Gott der Israeliten. Damit erweist ihr ihm die
Ehre. Vielleicht wird er euch und euren Gott dann nicht mehr quälen.
1Sam 6,6 Seid nicht so verbohrt wie damals die Ägypter und der Pharao. Es nützt
ja doch nichts! Sie mussten die Israeliten schließlich ziehen lassen, weil der
Herr ihnen durch schreckliche Plagen keine andere Möglichkeit ließ.
1Sam 6,7 Baut nun einen Wagen, und spannt zwei säugende Kühe davor, die vorher
noch nie einen Wagen gezogen haben. Ihre Kälber nehmt ihnen weg, und bringt sie
in den Stall zurück.
1Sam 6,8 Stellt dann die Bundeslade des Herrn auf den Wagen. Legt die goldenen
Geschenke, mit denen ihr eure Sünde wieder gutmachen wollt, in ein Kästchen
daneben. Dann lasst die Kühe laufen, wohin sie wollen.
1Sam 6,9 Laufen sie in Richtung Bet-Schemesch in Israel, dann hat wirklich der
Herr so viel Unglück und Leid über uns gebracht. Laufen sie aber in eine andere
Richtung, dann hat nicht der Gott der Israeliten uns bestraft, sondern alles war
nur ein Zufall.«
1Sam 6,10 Die Philister befolgten den Rat ihrer weisen Männer. Sie spannten zwei
Kühe, deren Kälber sie eingesperrt hatten, vor einen neuen Wagen
1Sam 6,11 und luden die Bundeslade und das Kästchen mit den goldenen Geschwüren
und Mäusen darauf.
1Sam 6,12 Die Kühe zogen geradewegs in Richtung Bet-Schemesch los. Sie wichen
nie vom Weg ab, brüllten aber die ganze Zeit. Die Fürsten der Philister folgten
ihnen von weitem bis zur Grenze in der Nähe von Bet-Schemesch.
1Sam 6,13 Die Einwohner von Bet-Schemesch waren gerade unten im Tal bei der
Weizenernte. Als sie die Bundeslade kommen sahen, freuten sie sich sehr.
1Sam 6,14 Der Wagen fuhr bis zu einem Feld, das einem Mann namens Joschua aus
Bet-Schemesch gehörte. Neben einem großen Felsblock hielt er an. Dort zerhackten
die Leute den Wagen und schichteten das Holz auf. Dann schlachteten sie die Kühe
und verbrannten sie als Opfer für den Herrn.
1Sam 6,15 Einige Männer aus dem Stamm Levi hatten die Bundeslade und das
Kästchen mit den goldenen Gegenständen vom Wagen genommen und stellten sie nun
auf den Felsblock. An diesem Tag schlachteten die Leute von Bet-Schemesch noch
viele Tiere, um sie dem Herrn als Opfer darzubringen.
1Sam 6,16 Nachdem die Fürsten der Philister den Israeliten eine Weile zugesehen
hatten, kehrten sie noch am selben Tag nach Ekron zurück.
1Sam 6,17 Nach der Zahl ihrer Hauptstädte hatten die Philister dem Herrn zur
Wiedergutmachung fünf goldene Abbilder ihrer Geschwüre geschenkt: je eines für
Aschdod, Gaza, Aschkelon, Gat und Ekron.
1Sam 6,18 Außerdem hatten sie ihm für jede Stadt und jedes Dorf in ihrem Land je
eine goldene Maus als Sühnegeschenk mitgegeben. Der große Felsblock, auf den
damals die Bundeslade gestellt wurde, ist noch heute auf dem Feld Joschuas von
Bet-Schemesch zu sehen.
1Sam 6,19 Aber der Herr bestrafte die Einwohner von Bet-Schemesch, weil sie die
Bundeslade ohne die nötige Ehrfurcht angeschaut hatten. Siebzig von ihnen
mussten sterben. Dies löste im ganzen Volk große Trauer aus.
1Sam 6,20 »Kann überhaupt jemand in der Nähe des Herrn, dieses heiligen Gottes,
leben?«, fragten sie. »Wir können die Bundeslade nicht länger hier bei uns
behalten. Doch zu wem sollen wir sie schicken?«
1Sam 6,21 Schließlich sandten sie Boten nach Kirjat-Jearim und ließen den
Einwohnern dieser Stadt ausrichten: »Stellt euch vor, die Philister haben die
Bundeslade des Herrn zurückgebracht! Kommt doch, und holt sie zu euch!«
1Sam 7,1 Da kamen die Männer von Kirjat-Jearim nach Bet-Schemesch und holten die
Bundeslade. Sie stellten sie im Haus Abinadabs auf, das auf einem Hügel stand.
Seinen Sohn Eleasar beauftragten sie, die Bundeslade zu bewachen. Sie weihten
ihn feierlich für diesen besonderen Dienst.
1Sam 7,2 Zwanzig Jahre waren vergangen, seit die Bundeslade des Herrn nach
Kirjat-Jearim gebracht worden war. In dieser Zeit litten die Israeliten große
Not, weil der Herr sich von ihnen abwandte. Laut schrien sie zu ihm um Hilfe.
1Sam 7,3 Da sagte Samuel zum Volk: »Wenn ihr euch wirklich wieder dem Herrn
zuwenden wollt, dann werft erst einmal die anderen Götter und Göttinnen weg.
Setzt euer ganzes Vertrauen auf den Herrn, und gehorcht ihm allein, so wird er
euch von den Philistern befreien.«
1Sam 7,4 Da warfen die Israeliten ihre Götterfiguren von Baal und Astarte weg
und verehrten nur noch den Herrn.
1Sam 7,5 Danach rief Samuel alle Israeliten nach Mizpa zu einer Volksversammlung
zusammen und kündigte an: »Dort will ich für euch zum Herrn um Hilfe beten.«
1Sam 7,6 Da kamen sie alle in Mizpa zusammen und wollten wieder ganz dem Herrn
dienen. Als Zeichen dafür schöpften sie Wasser aus einem Brunnen und schütteten
es vor dem Herrn aus. Auch fasteten sie den ganzen Tag und bekannten: »Wir haben
mit unserem Götzendienst gegen den Herrn gesündigt.« Dort in Mizpa schlichtete
Samuel die Streitfälle der Israeliten.
1Sam 7,7 Die Philister erfuhren, dass sich die meisten Israeliten in Mizpa
versammelt hatten. Ihre fünf Fürsten riefen schnell das ganze Heer zusammen und
rückten gegen Israel aus. Als die Israeliten in Mizpa davon hörten, packte sie
die Angst.
1Sam 7,8 »Bete doch, Samuel!«, baten sie eindringlich. »Hör nicht auf, den
Herrn, unseren Gott, anzuflehen und ihn zu bitten, dass er uns den Sieg über die
Philister gibt!«
1Sam 7,9 Da nahm Samuel ein Lamm und verbrannte es als Opfer für den Herrn.
Dabei rief er zu ihm um Hilfe für Israel, und der Herr erhörte sein Gebet.
1Sam 7,10 Während Samuel das Opfer darbrachte, waren die Philister schon nahe an
Israel herangerückt und wollten den Kampf beginnen. Doch plötzlich versetzte der
Herr die Philister mit einem lauten Donner in Angst und Schrecken. Und so
schlugen die Israeliten sie in die Flucht
1Sam 7,11 und verfolgten sie von Mizpa bis hinter Bet-Kar. Die Philister
erlitten eine große Niederlage.
1Sam 7,12 Nach diesem Sieg stellte Samuel zwischen Mizpa und Schen einen großen
Stein als Denkmal auf. »Bis hierher hat der Herr geholfen!«, sagte er und nannte
den Stein Eben-Eser (»Stein der Hilfe«).
1Sam 7,13 Nachdem der Herr die Philister so gedemütigt hatte, fielen sie nicht
mehr ins Gebiet der Israeliten ein. Der Herr hielt sie davon ab, solange Samuel
lebte.
1Sam 7,14 Die Israeliten eroberten alle Städte zurück, die die Philister ihnen
abgenommen hatten, von Ekron bis Gat samt den umliegenden Gebieten. Auch mit den
Amoritern lebte Israel zu dieser Zeit in Frieden.
1Sam 7,15 Samuel war sein ganzes Leben lang Israels Führer und Richter.
1Sam 7,16 Jedes Jahr besuchte er der Reihe nach die Orte Bethel, Gilgal und
Mizpa. Dort schlichtete er die Streitfälle der Israeliten.
1Sam 7,17 Dann kehrte er wieder nach Rama zurück, wo er wohnte und als Richter
tätig war. Dort hatte er auch einen Altar gebaut, um dem Herrn Opfer
darzubringen.
1Sam 8,1 Als Samuel alt wurde, übergab er seinen beiden Söhnen das Richteramt.
1Sam 8,2 Joel, der ältere, und Abija, sein jüngerer Bruder, waren Richter in
Beerscheba.
1Sam 8,3 Doch sie folgten nicht dem Vorbild ihres Vaters, sondern waren nur
darauf aus, sich zu bereichern. Sie ließen sich bestechen und beugten das Recht.
1Sam 8,4 Da versammelten sich die Ältesten Israels und gingen gemeinsam zu
Samuel nach Rama.
1Sam 8,5 »Samuel«, sagten sie, »du bist zu alt geworden, um das Volk noch
richtig führen zu können, und deine Söhne folgen nicht deinem Vorbild. So setz
doch einen König als Herrscher über uns ein, wie auch alle unsere Nachbarvölker
einen haben.«
1Sam 8,6 Samuel war nicht damit einverstanden, dass sie plötzlich einen König
haben wollten. Er zog sich zurück, um den Herrn um Rat zu fragen.
1Sam 8,7 Der Herr antwortete: »Gib ihnen, was sie wollen! Mit ihrer Forderung
lehnen sie ja nicht dich ab, sondern mich. Sie wollen mich nicht mehr als ihren
König anerkennen.
1Sam 8,8 Das passt zu ihnen! Seit ich sie damals aus Ägypten herausführte, war
es immer dasselbe: Immer wieder haben sie mich vergessen und sind anderen
Göttern nachgelaufen. Genauso machen sie es nun auch mit dir.
1Sam 8,9 Erfüll ihre Forderung! Doch warne sie vorher, und sag ihnen
ausdrücklich, welche Rechte ein König besitzt und was es bedeutet, einen König
zu haben.«
1Sam 8,10 Samuel berichtete dem Volk alles, was der Herr ihm gesagt hatte.
1Sam 8,11 Er erklärte ihnen: »Ihr müsst bedenken, welche Rechte dieser König
haben wird: Er wird eure Söhne in seinen Dienst nehmen, damit sie sich um seine
Wagen kümmern, seine Pferde pflegen und als Leibwächter vor dem königlichen
Wagen herlaufen.
1Sam 8,12 Einige von euch wird er als Hauptleute oder als Truppenführer
einsetzen. Andere müssen seine Felder bearbeiten und für ihn die Ernte
einbringen. Handwerker werden für ihn Waffen und Wagen anfertigen.
1Sam 8,13 Eure Töchter holt er zu sich an den Königshof. Sie werden für ihn
Salben mischen, für ihn kochen und backen.
1Sam 8,14 Eure besten Felder, Weinberge und Olivengärten wird er für sich
beanspruchen und von seinen Knechten bearbeiten lassen.
1Sam 8,15 Vom Ertrag eurer Äcker und Weinberge zieht er ein Zehntel als Steuern
ein, um damit seine Hofleute und Beamten zu bezahlen.
1Sam 8,16 Eure Knechte und Mägde wird er übernehmen, die kräftigsten und besten
jungen Männer müssen ihm dienen. Auch eure Lasttiere wird er benutzen.
1Sam 8,17 Er verlangt von euch ein Zehntel eurer Schafe und Ziegen, und ihr
selbst seid alle seine Untertanen.
1Sam 8,18 Dann werdet ihr bereuen, dass ihr euch je einen König gewünscht habt.
Doch wenn ihr dann zum Herrn um Hilfe schreit, wird er euch keine Antwort
geben.«
1Sam 8,19 Aber das Volk ließ sich von Samuel nicht umstimmen und weigerte sich,
auf ihn zu hören. »Wir wollen einen König haben!«, riefen sie.
1Sam 8,20 »Wir wollen nicht anders sein als unsere Nachbarvölker! Unser König
soll uns Recht und Gesetz geben und als Anführer in den Krieg vorausziehen!«
1Sam 8,21 Samuel hörte sich ihre Wünsche an und berichtete sie dem Herrn.
1Sam 8,22 »Erfüll ihre Forderung«, antwortete der Herr, »und setz einen König
über sie ein!« Danach verabschiedete Samuel sich von den Männern und schickte
sie nach Hause.
1Sam 9,1 Im Gebiet des Stammes Benjamin lebte ein wohlhabender und angesehener
Mann namens Kisch. Sein Vater hieß Abiël, sein Großvater Zeror. Zeror wiederum
stammte von Bechorat ab, einem Sohn Afiachs, der ebenfalls aus dem Stamm
Benjamin kam.
1Sam 9,2 Kisch hatte einen Sohn mit Namen Saul. Der sah gut aus, war stattlich
und kräftig gebaut und einen Kopf größer als alle Israeliten.
1Sam 9,3 Eines Tages liefen die Eselinnen seines Vaters davon. Da befahl Kisch
seinem Sohn: »Mach dich mit einem der Knechte auf die Suche nach den Eselinnen!«
1Sam 9,4 Die beiden durchstreiften das Bergland von Ephraim und die Gegend von
Schalischa, doch ohne Erfolg. Dann suchten sie die Gegend von Schaalim ab,
fanden die Tiere aber nicht. Auch im Gebiet Benjamin waren die Eselinnen nicht
zu sehen.
1Sam 9,5 Als sie schließlich in die Nähe von Zuf kamen, sagte Saul zu seinem
Knecht: »Komm, lass uns nach Hause umkehren! Sicher macht sich mein Vater
inzwischen mehr Sorgen um uns als um die Eselinnen.«
1Sam 9,6 Doch der Knecht wandte ein: »Warte noch! In der Stadt da oben wohnt ein
Prophet. Er genießt hohes Ansehen beim Volk, denn alles, was er sagt, trifft
ein. Komm, lass uns doch zu ihm gehen! Vielleicht kann er uns sagen, wo wir die
Tiere finden.«
1Sam 9,7 »Aber was sollen wir ihm denn mitbringen?«, entgegnete Saul. »Unsere
ganzen Vorräte sind aufgegessen, und auch sonst haben wir nichts dabei, was wir
ihm schenken könnten.«
1Sam 9,8 »Doch, ich habe noch ein kleines Silberstück in der Tasche«, sagte der
Knecht. »Das will ich dem Propheten geben, damit er uns zeigt, welchen Weg wir
nehmen sollen.«
1Sam 9,9 [9-11] »Einverstanden«, meinte Saul, »gehen wir.« So schlugen sie den
Weg zur Stadt ein, um den Propheten aufzusuchen. Als sie die Straße zur Stadt
hinaufgingen, kamen ihnen ein paar Mädchen entgegen, die gerade Wasser holen
wollten. Die zwei Männer fragten sie: »Wisst ihr, ob der Seher in der Stadt
ist?« Früher wurden die Propheten nämlich »Seher« genannt. Wer damals etwas von
Gott wissen wollte, sagte: »Komm, wir gehen zum Seher und fragen ihn.«
1Sam 9,12 Die Mädchen antworteten: »Ja, er ist da. Gerade ist er zum Opferfest
gekommen, das heute gefeiert wird.
1Sam 9,13 Wenn ihr euch beeilt, trefft ihr ihn noch in der Stadt, bevor er zum
Hügel hinaufsteigt, auf dem das Opfer dargebracht und das Festessen gehalten
wird. Alle warten mit dem Essen auf ihn, denn erst wenn er das Mahl gesegnet
hat, dürfen die Gäste essen. Geht nur in die Stadt. Ihr habt wirklich Glück,
dass ihr ihn gerade heute dort antrefft.«
1Sam 9,14 Da gingen die beiden weiter zur Stadt hinauf. Am Stadttor begegnete
ihnen Samuel, der gerade unterwegs zum Festplatz war.
1Sam 9,15 Der Herr hatte Samuel schon einen Tag zuvor gesagt:
1Sam 9,16 »Morgen um diese Zeit werde ich einen Mann aus dem Gebiet Benjamin zu
dir schicken. Ihn sollst du zum König über mein Volk salben. Er wird Israel von
den Philistern befreien, denn ich habe die Not meines Volkes gesehen und seine
Hilfeschreie gehört.«
1Sam 9,17 Als nun Saul durch das Stadttor kam, sagte der Herr zu Samuel: »Sieh,
das ist der Mann, von dem ich dir gestern gesagt habe: Er soll über mein Volk
herrschen.«
1Sam 9,18 Noch beim Tor ging Saul auf Samuel zu und fragte ihn: »Kannst du mir
sagen, wo hier der Seher wohnt?«
1Sam 9,19 »Ich selbst bin der Seher«, antwortete Samuel. »Kommt doch mit mir zum
Festplatz hinauf. Es ist mir eine Ehre, euch heute als meine Gäste zum Festessen
einzuladen. Morgen früh werde ich dir alle deine Fragen beantworten, und dann
könnt ihr weiterziehen.
1Sam 9,20 Wegen der Esel, die vor drei Tagen verschwunden sind, brauchst du dir
keine Sorgen mehr zu machen. Sie sind gefunden. Außerdem gehört alles Wertvolle
in Israel ohnehin dir und deinen Verwandten.«
1Sam 9,21 Erstaunt erwiderte Saul: »Wie kommst du darauf? Ich bin doch nur ein
Benjaminiter, ich gehöre zum kleinsten und unbedeutendsten Stamm Israels, und
meine Sippe ist eine der kleinsten von ganz Benjamin.«
1Sam 9,22 Samuel nahm Saul und seinen Knecht mit in die Halle, in der das
Festmahl nach dem Opfer aufgetragen wurde. Er ließ sie als Ehrengäste oben am
Tisch Platz nehmen. Insgesamt waren etwa dreißig Gäste zu dem Essen eingeladen.
1Sam 9,23 Samuel befahl dem Koch: »Bring nun das Fleisch herbei, das du
zurückbehalten musstest.«
1Sam 9,24 Da holte der Koch das saftigste Stück Fleisch und gab es Saul. »Das
ist noch übrig geblieben«, sagte Samuel, »lass es dir schmecken. Ich habe es
schon für dich beiseite gelegt, als noch kein Gast hier war.« So war Saul an
diesem Tag Samuels Gast.
1Sam 9,25 Nach dem Fest gingen sie zusammen in die Stadt zurück. Sie setzten
sich auf das flache Dach von Samuels Haus und redeten miteinander.
1Sam 9,26 Früh am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, rief Samuel zu Saul
hinauf: »Es ist Zeit aufzubrechen! Ich begleite dich noch ein Stück.« Saul stand
auf, und sie machten sich zusammen auf den Weg.
1Sam 9,27 Am Stadtrand sagte Samuel zu Saul: »Schick deinen Knecht voraus! Ich
will dir noch etwas unter vier Augen sagen.« Als der Knecht gegangen war, fuhr
Samuel fort: »Bleib stehen, ich habe dir eine Botschaft von Gott mitzuteilen!«
1Sam 10,1 Da nahm Samuel ein Horn mit Olivenöl, goss das Öl über Sauls Kopf aus,
küsste ihn und sagte: »Im Auftrag des Herrn habe ich dich nun mit diesem Öl
gesalbt als Zeichen dafür, dass du der König seines Volkes Israel werden sollst.
1Sam 10,2 Wenn du nun wieder nach Hause gehst, wirst du beim Grab Rahels in der
Nähe von Zelzach im Gebiet Benjamin zwei Männern begegnen, die dir sagen: ›Die
Eselinnen, die du gesucht hast, sind gefunden! Dein Vater ist jetzt um euch
besorgt und fragt sich: Wie soll ich nur meinen Sohn wiederfinden?‹
1Sam 10,3 Wenn du dann zur großen Terebinthe von Tabor kommst, werden dir drei
Männer begegnen, die unterwegs sind nach Bethel, um Gott dort anzubeten. Einer
von ihnen trägt drei junge Ziegenböcke, ein anderer drei runde Brotlaibe, und
der dritte hat einen Schlauch Wein dabei.
1Sam 10,4 Sie werden dich freundlich grüßen und dir zwei Brote anbieten, die du
ruhig annehmen kannst.
1Sam 10,5 Dann wirst du nach Gibea kommen, wo Wachposten der Philister stehen.
Gleich am Stadtrand begegnest du einer Gruppe von Propheten, sie kommen gerade
vom Hügel herunter. Ihnen voran gehen Leute, die auf Harfen, Tamburinen, Flöten
und Gitarren spielen. Die Propheten selbst werden in Ekstase sein und
Prophezeiungen aussprechen.
1Sam 10,6 Der Geist des Herrn wird über dich kommen. Du gerätst wie sie in
Ekstase und redest prophetisch. Von da an wirst du ein ganz anderer Mensch sein.
1Sam 10,7 Wenn alle diese Zeichen eintreffen, dann tu einfach, was dir in den
Sinn kommt, denn Gott ist mit dir.
1Sam 10,8 Geh hinunter nach Gilgal, und warte dort eine Woche auf mich. Ich
werde dir nachkommen, um ein Opfer darzubringen. Dort sage ich dir, wie es
weitergehen soll und welche Aufgaben dich erwarten.«
1Sam 10,9 Saul verabschiedete sich von Samuel und ging fort. Da veränderte Gott
ihn vollkommen, und alles, was Samuel vorausgesagt hatte, traf noch am selben
Tag ein.
1Sam 10,10 Als Saul und sein Knecht schließlich nach Gibea kamen, begegnete
ihnen die Gruppe von Propheten. Da kam der Geist Gottes über Saul, so dass er
wie sie in Ekstase geriet und mit ihnen Prophezeiungen aussprach.
1Sam 10,11 Als ihn einige Leute, die ihn von klein auf kannten, in diesem
Zustand sahen, fragten sie einander ganz erstaunt: »Was ist denn mit Saul los?
Gehört er auch zu den Propheten?«
1Sam 10,12 Einer der Herumstehenden antwortete: »Ach, von denen weiß man ja
nicht einmal, wer ihr Vater ist!« So entstand die Redensart: »Gehört Saul auch
zu den Propheten?«
1Sam 10,13 Als Sauls Ekstase vorüber war, stieg er zum Altar auf den Hügel
hinauf.
1Sam 10,14 »Wo seid ihr gewesen?«, fragte Sauls Onkel, als er ihn und seinen
Knecht kommen sah. »Wir waren auf der Suche nach den weggelaufenen Eselinnen«,
antwortete Saul, »und als wir sie nirgends finden konnten, gingen wir zu Samuel,
um ihn zu fragen.«
1Sam 10,15 »Was hat er euch denn gesagt?«, wollte der Onkel wissen.
1Sam 10,16 »Nun, er teilte uns mit, dass die Esel inzwischen gefunden sind«,
antwortete Saul nur. Er erwähnte nicht, dass Samuel mit ihm über das Königtum
gesprochen hatte.
1Sam 10,17 [17/18] Samuel rief das Volk noch einmal zu einer Versammlung
zusammen. Wieder kamen alle Israeliten nach Mizpa, und dort, in der Gegenwart
des Herrn, teilte Samuel ihnen folgende Botschaft mit: »So spricht der Herr, der
Gott Israels: ›Ich habe euch damals aus Ägypten herausgeführt und euch von den
Ägyptern und von allen anderen Feinden befreit, die euch in die Enge trieben.
1Sam 10,19 Ich, euer Gott, habe euch seither immer wieder aus euren Nöten und
Bedrängnissen herausgeholfen, und doch lehnt ihr nun meine Führung ab und
verlangt, dass ich einen König über euch einsetzen soll. Gut, ihr sollt
bekommen, was ihr wollt!‹ Stellt euch nun geordnet nach Stämmen und Sippen vor
dem Herrn auf.«
1Sam 10,20 Zuerst ließ Samuel die Vertreter der zwölf Stämme vortreten, um durch
das Los zu bestimmen, aus welchem Stamm der König kommen sollte. Es traf den
Stamm Benjamin.
1Sam 10,21 Dann traten alle Sippenoberhäupter Benjamins vor. Das Los fiel auf
die Sippe Matri und unter deren Männern schließlich auf Saul, den Sohn Kischs.
Doch als man ihn nach vorne rufen wollte, war er nicht zu finden.
1Sam 10,22 Da fragten sie den Herrn: »Ist der Mann überhaupt hierher gekommen?«
Der Herr antwortete: »Ja, er ist da. Aber er hat sich im Lager versteckt.«
1Sam 10,23 Schnell liefen einige ins Lager und holten ihn. Als er dann in der
versammelten Menge stand, überragte er sie alle, denn er war ein gutes Stück
größer als sie.
1Sam 10,24 Samuel sagte: »Seht ihr jetzt, wen der Herr als König ausgesucht hat?
Im ganzen Volk gibt es keinen wie ihn.« Da brachen alle in lauten Jubel aus und
riefen: »Lang lebe unser König!«
1Sam 10,25 Samuel erklärte dem Volk noch einmal die Rechte und Pflichten eines
Königs. Dieses »Königsgesetz« schrieb er in ein Buch und bewahrte es im
Heiligtum des Herrn auf. Dann entließ er die Leute nach Hause.
1Sam 10,26 Auch Saul ging zurück nach Gibea. Ihn begleitete eine Gruppe von
Soldaten, die Gott dazu bereit gemacht hatte.
1Sam 10,27 Einige niederträchtige Männer aber spotteten: »Was, der soll uns
helfen können?« Sie verachteten Saul und brachten ihm keine Geschenke. Doch Saul
tat, als hörte er sie nicht.
1Sam 11,1 Kurze Zeit später zog Nahasch, der König der Ammoniter, mit seinem
Heer zur israelitischen Stadt Jabesch in der Gegend von Gilead und belagerte
sie. Da machten die Einwohner von Jabesch Nahasch folgendes Angebot: »Schließ
einen Vertrag mit uns ab: Du lässt uns am Leben, und wir unterwerfen uns dir.«
1Sam 11,2 »Einverstanden«, antwortete König Nahasch. »Ich will den Vertrag mit
euch schließen, doch nur unter einer Bedingung: Jedem Einwohner eurer Stadt
werde ich das rechte Auge ausstechen, damit ihr zu einem Schandfleck für ganz
Israel werdet.«
1Sam 11,3 »Gib uns eine Woche Bedenkzeit«, baten die führenden Männer von
Jabesch König Nahasch. »Wir wollen Boten in alle Gegenden Israels schicken und
unser Volk um Unterstützung bitten. Sollte uns niemand helfen, ergeben wir uns.«
1Sam 11,4 Die Boten kamen auch nach Gibea, der Heimatstadt Sauls, und
überbrachten den Einwohnern ihre Botschaft. Da brach die ganze Stadt in Tränen
aus.
1Sam 11,5 Saul kam gerade mit seinen Rindern vom Feld zurück, wo er gearbeitet
hatte. Er fragte erstaunt: »Was ist denn los? Warum weinen die Leute?« Man
erzählte ihm, was die Boten aus Jabesch berichtet hatten.
1Sam 11,6 Da kam der Geist Gottes über Saul, und er wurde vom Zorn gepackt.
1Sam 11,7 Er schlachtete zwei seiner Rinder und zerstückelte sie. Dann schickte
er Boten mit den Fleischstücken in alle Gebiete Israels und ließ überall
ausrichten: »Wer nicht mit Saul und Samuel gegen die Ammoniter in den Krieg
zieht, dessen Rinder sollen genauso zerstückelt werden!« Als das Volk merkte,
dass der Herr durch Saul sprach, erschrak es und meldete sich geschlossen zum
Kampf.
1Sam 11,8 In der Nähe von Besek musterte Saul das Heer: Es waren insgesamt
300000 Mann aus den israelitischen Stämmen und 30000 Männer aus dem Stamm Juda.
1Sam 11,9 Die Boten aus Jabesch schickte man mit der Nachricht zurück: »Noch vor
morgen Mittag seid ihr befreit!« Diese Botschaft löste in der ganzen Stadt große
Freude aus.
1Sam 11,10 Sofort schickten die führenden Männer von Jabesch Abgesandte zu ihren
Feinden und ließen ihnen sagen: »Morgen ergeben wir uns! Wir werden zu euch
herauskommen, und dann könnt ihr mit uns machen, was ihr wollt.«
1Sam 11,11 Sehr früh am nächsten Morgen teilte Saul das Heer in drei Abteilungen
auf. Noch vor Sonnenaufgang griffen sie an und drangen von drei Seiten mitten in
das feindliche Lager ein. Schon gegen Mittag war die Schlacht entschieden: Die
Ammoniter hatten schwere Verluste erlitten. Die wenigen Überlebenden wurden in
alle Himmelsrichtungen auseinander gejagt, so dass nicht einmal zwei beieinander
blieben.
1Sam 11,12 Nach diesem Sieg kamen einige Israeliten zu Samuel und wollten
wissen: »Wer sind die Herumtreiber, die Saul damals als König ablehnten? Los,
gebt sie heraus, wir wollen sie umbringen!«
1Sam 11,13 Doch Saul wehrte ab: »Heute soll niemand von uns sterben, denn der
Herr selbst hat Israel befreit.«
1Sam 11,14 Dann forderte Samuel das Volk auf: »Versammelt euch in Gilgal. Dort
wollen wir Saul noch einmal als König bestätigen.«
1Sam 11,15 Alle Israeliten zogen nach Gilgal. Feierlich krönten sie Saul in der
Gegenwart des Herrn zum König. Anschließend feierten sie ein großes Fest. Als
Zeichen ihrer Freude brachten sie dem Herrn viele Dankopfer dar.
1Sam 12,1 Noch einmal hielt Samuel eine Rede vor den versammelten Israeliten:
»Ihr wisst genau, dass ich immer ein offenes Ohr für euch hatte. Auch habe ich
euren Wunsch nach einem König erfüllt.
1Sam 12,2 Er wird euch von jetzt an vorangehen und euch führen. Ich aber stehe
hier als ein alter Mann mit grauen Haaren. Meine Söhne sind erwachsene Männer
und leben mitten unter euch. Seit meiner Jugend bin ich euch vorangegangen.
1Sam 12,3 Nun will ich, dass ihr mir vor Gott selbst und vor dem König, den er
eingesetzt hat, folgende Fragen beantwortet: Habe ich je von jemandem ein Rind
oder einen Esel genommen? Habe ich mir auch nur ein einziges Mal durch
Bestechungsgelder den Blick trüben lassen und dann ein ungerechtes Urteil
gesprochen? Wenn ja, dann will ich alles zurückerstatten.«
1Sam 12,4 Die Volksmenge antwortete: »Nein, niemals hast du uns betrogen oder
unterdrückt. Du hast dich auch nie bestechen lassen.«
1Sam 12,5 Darauf sagte Samuel: »Der Herr und sein gesalbter König sind heute
Zeugen dafür, dass ihr keinen Grund zur Anklage gegen mich gefunden habt.« »Ja,
so ist es«, stimmte die Menge ihm zu.
1Sam 12,6 Samuel fuhr fort: »Es war der Herr, der einst Mose und Aaron dazu
berufen hat, eure Vorfahren aus dem Land Ägypten hierher nach Kanaan zu führen.
1Sam 12,7 Und nun hört mir zu: In der Gegenwart des Herrn erinnere ich euch an
alle Wohltaten, die der Herr in seiner Treue euch und euren Vorfahren immer
wieder erwiesen hat:
1Sam 12,8 Nachdem euer Stammvater Jakob nach Ägypten gekommen war, riefen eure
Vorfahren in äußerster Not zum Herrn um Hilfe. Da schickte er ihnen Mose und
Aaron, um das ganze Volk aus Ägypten heraus in dieses Land zu führen.
1Sam 12,9 Doch schon bald vergaßen sie den Herrn, ihren Gott, und alles, was er
für sie getan hatte. Darum gab der Herr sie in die Gewalt ihrer Feinde. Sisera,
der Heerführer des Königs von Hazor in Kanaan, die Philister und der König der
Moabiter kämpften gegen sie.
1Sam 12,10 Dann schrien eure Vorfahren jedes Mal zum Herrn um Hilfe und
bekannten: ›Wir haben gesündigt, denn wir haben dich, Herr, verlassen und die
kanaanitischen Götter Baal und Astarte verehrt! Bitte befrei uns doch von
unseren Feinden! Dann wollen wir dir allein dienen.‹
1Sam 12,11 Da schickte der Herr ihnen erst Gideon, ein anderes Mal Barak, dann
Jeftah und schließlich mich, Samuel. Durch diese Männer half Gott euren
Vorfahren und jetzt auch euch: Vorher wart ihr von Feinden umgeben, jetzt könnt
ihr ruhig und sicher in eurem Land wohnen.
1Sam 12,12 Doch als der Ammoniterkönig Nahasch gegen euch in den Krieg zog, da
kamt ihr zu mir mit der Forderung: ›Wir wollen einen König haben!‹ Dabei wusstet
ihr genau, dass Gott, der Herr, euer König ist.
1Sam 12,13 Nun gut, hier ist der König, den ihr wolltet! Der Herr hat euren
Wunsch erfüllt und ihn über euch eingesetzt.
1Sam 12,14 Jetzt ehrt den Herrn, und dient ihm, gehorcht ihm, und widersetzt
euch nicht seinen Geboten. Wenn ihr und euer König dem Herrn treu seid, dann
wird er euch beistehen.
1Sam 12,15 Gehorcht ihr ihm aber nicht, sondern widersetzt euch seinen Geboten,
so wird der Herr sich auch gegen euch stellen wie damals gegen eure Vorfahren.
1Sam 12,16 Und nun passt auf! Vor euren Augen wird der Herr ein großes Wunder
vollbringen:
1Sam 12,17 Jetzt ist die Zeit der Weizenernte. Ihr wisst, dass es normalerweise
in dieser Jahreszeit nicht regnet. Ich will nun den Herrn bitten, ein Gewitter
mit starkem Regen zu schicken. Das soll euch zeigen, wie falsch in den Augen des
Herrn euer Wunsch nach einem König war.«
1Sam 12,18 Samuel betete laut zum Herrn, und noch am selben Tag schickte der
Herr ein Gewitter; es donnerte laut und regnete heftig. Da bekam das ganze Volk
große Angst vor dem Herrn und vor Samuel.
1Sam 12,19 Sie flehten Samuel an: »Bete doch für uns zum Herrn, deinem Gott,
dass wir nicht sterben! Wir haben schon so viele Sünden begangen, und jetzt
haben wir es auch noch gewagt, einen König zu verlangen!«
1Sam 12,20 »Ihr müsst keine Angst haben«, beruhigte Samuel das Volk. »Ihr habt
zwar ein Unrecht begangen. Doch seid von jetzt an dem Herrn treu, und dient ihm
von ganzem Herzen!
1Sam 12,21 Kehrt ihm nie mehr den Rücken! Lauft nicht toten Götzen nach, die es
überhaupt nicht gibt! Sie nützen euch nichts und können euch nicht helfen.
1Sam 12,22 Der Herr aber hält sein Versprechen: Er lässt euch nicht im Stich,
denn er hat gerade euch zu seinem Volk erwählt.
1Sam 12,23 Auch ich werde weiterhin für euch beten. Denn wenn ich damit
aufhörte, würde ich Schuld auf mich laden. Auch in Zukunft will ich euch lehren,
was gut und richtig ist.
1Sam 12,24 Ehrt den Herrn, und dient ihm treu von ganzem Herzen! Vergesst nie,
wie viel er schon für euch getan hat!
1Sam 12,25 Wenn ihr euch aber wieder von ihm abwendet, werdet ihr und euer König
umkommen!«
1Sam 13,1 Saul war ... Jahre alt, als er König wurde. Nachdem er zwei Jahre lang
über Israel regiert hatte,
1Sam 13,2 stellte er ein Heer von 3000 Mann zusammen. Die übrigen wehrfähigen
Israeliten entließ er nach Hause. 2000 Soldaten behielt Saul bei sich in Michmas
und auf dem Gebirge Bethel, die übrigen 1000 standen unter dem Befehl Jonatans,
eines Sohnes Sauls, in Gibea im Gebiet des Stammes Benjamin.
1Sam 13,3 Eines Tages überfiel Jonatan die Wachposten der Philister in Geba und
tötete sie. Rasch verbreitete sich diese Nachricht bei den Philistern. Auch Saul
schickte Boten durch ganz Israel. Sie sollten die Hörner blasen und überall die
Heldentat Jonatans verkünden.
1Sam 13,4 Wie ein Lauffeuer ging es durch das ganze Land: »Habt ihr schon
gehört? Saul hat die Wachposten der Philister geschlagen! Nun sind die Philister
sicher zornig und wollen sich rächen.« Saul rief die Männer Israels nach Gilgal
zusammen, und alle kamen.
1Sam 13,5 Auch die Philister rüsteten sich zum Krieg. Ihr Heer umfasste 3000
Streitwagen, 6000 Mann Besatzung und eine ungeheure Menge Fußsoldaten, unzählbar
wie der Sand am Meer. Sie lagerten in der Nähe von Michmas, östlich von
Bet-Awen.
1Sam 13,6 Als die Israeliten die Übermacht der Philister sahen, der ihr eigenes
Heer niemals gewachsen sein konnte, verkrochen sie sich in Höhlen, Dickichte und
Felsspalten, in Grabhöhlen und Zisternen.
1Sam 13,7 Einige flohen sogar über den Jordan in die Gebiete von Gad und Gilead.
Saul war immer noch in Gilgal. Die Männer, die bei ihm waren, zitterten vor
Angst.
1Sam 13,8 Samuel hatte Saul befohlen, eine Woche auf ihn zu warten. Doch als
Samuel nach einer Woche immer noch nicht in Gilgal erschienen war, verlor Saul
die Geduld, denn seine Leute begannen schon davonzulaufen.
1Sam 13,9 Er ließ die Tiere für das Brand- und das Dankopfer holen und brachte
selbst das Opfer dar.
1Sam 13,10 Kaum war er fertig, da kam Samuel. Saul ging ihm entgegen, um ihn zu
begrüßen.
1Sam 13,11 Doch Samuel stellte ihn sofort zur Rede: »Was hast du getan?« Saul
versuchte sich zu rechtfertigen: »Die Soldaten begannen schon davonzulaufen,
weil du nicht pünktlich zur abgemachten Zeit hier warst. Die Philister haben
sich in Michmas zum Kampf aufgestellt,
1Sam 13,12 und ich musste befürchten, dass sie uns jeden Moment in Gilgal
angreifen. Ich wollte aber auf jeden Fall den Herrn um seine Hilfe bitten.
Deshalb habe ich es gewagt, selbst das Brandopfer darzubringen.«
1Sam 13,13 »Das war sehr dumm von dir!«, erwiderte Samuel. »Du hast dem Befehl
des Herrn, deines Gottes, nicht gehorcht. Er wollte dir und deinen Nachkommen
für alle Zeiten die Königsherrschaft über Israel geben.
1Sam 13,14 Du aber hast sie durch dein voreiliges Handeln verspielt. Der Herr
hat schon einen Nachfolger ausgesucht und ihn dazu bestimmt, das Volk zu
regieren. Es ist ein Mann, der ihm Freude machen wird. Du aber hast dem Befehl
des Herrn nicht gehorcht.«
1Sam 13,15 Dann verließ Samuel Gilgal. Die zurückgebliebenen Israeliten zogen
hinter Saul her dem Feind entgegen. Sie kamen von Gilgal nach Gibea. Dort
musterte Saul das restliche Heer: Es waren nur etwa 600 Mann!
1Sam 13,16 Saul, Jonatan und die Soldaten lagerten bei Geba in Benjamin, die
Philister bei Michmas.
1Sam 13,17 Schon bald schickten die Philister drei Abteilungen von Soldaten in
verschiedene Gebiete Israels. Sie sollten israelitische Dörfer ausplündern und
verwüsten. Eine Truppe zog nach Norden in Richtung Ofra, in das Gebiet von
Schual,
1Sam 13,18 die zweite nach Westen auf Bet-Horon zu und die dritte nach Osten zu
dem Hügelzug, von dem aus man das Zeboïmtal und die Wüste überblicken kann.
1Sam 13,19 Damals gab es im ganzen Land Israel keinen einzigen Schmied. Das kam
den Philistern gerade recht, denn so konnten die Israeliten keine Schwerter und
Spieße herstellen.
1Sam 13,20 Wenn nun ein israelitischer Bauer seine Pflugschar, einen Spaten,
eine Axt oder eine Hacke schärfen lassen wollte, musste er die Werkzeuge zu
einem Schmied der Philister bringen.
1Sam 13,21 Das Schärfen von Pflugscharen, Spaten, Gabeln und Äxten kostete zwei
Drittel eines Silberstücks, ebenso das Einsetzen eines Ochsenstachels.
1Sam 13,22 Daher gab es in jenen Tagen im ganzen Heer Sauls keine Schwerter und
Speere außer den Waffen Sauls und seines Sohnes Jonatan.
1Sam 13,23 Die Philister hatten auch den Pass bei Michmas mit einem Posten
besetzt.
1Sam 14,1 Eines Tages sagte Jonatan zu seinem jungen Waffenträger: »Komm, wir
wollen zum Posten der Philister dort drüben gehen!« Seinem Vater erzählte er
nichts davon.
1Sam 14,2 [2/3] Saul saß gerade unter dem großen Granatapfelbaum bei Migron nahe
Gibea; 600 Mann waren bei ihm, darunter der Priester Ahija. Er war der Sohn von
Ikabods Bruder Ahitub. Sein Großvater war Pinhas, sein Urgroßvater Eli, der
früher in Silo als Priester des Herrn gedient hatte. Ahija war in jener Zeit der
Priester und trug das Priestergewand. Von Sauls Leuten hatte niemand bemerkt,
dass Jonatan sich aus dem Lager geschlichen hatte.
1Sam 14,4 [4/5] Um zu dem Posten der Philister hinüberzugelangen, wählte Jonatan
einen schmalen Weg zwischen zwei hohen Felszacken hindurch. Wie riesige Säulen
ragten sie in die Höhe, die eine im Norden auf der Seite von Michmas - man
nannte sie Bozez -, die andere im Süden gegenüber von Geba - sie hieß Senne.
1Sam 14,6 Jonatan sagte nun zu seinem jungen Waffenträger: »Komm, wir wollen
hinübergehen zum Wachposten dieser unbeschnittenen Heiden! Vielleicht hilft uns
der Herr, denn für ihn spielt es keine Rolle, ob wir viele oder wenige sind.«
1Sam 14,7 »Tu, was du für richtig hältst«, antwortete sein Waffenträger. »Ich
bin dabei! Du kannst auf mich zählen.«
1Sam 14,8 »Pass auf«, fuhr Jonatan fort, »wir nähern uns unseren Feinden, bis
sie uns sehen.
1Sam 14,9 Wenn sie uns dann zurufen: ›Halt, keinen Schritt weiter!‹ oder: ›Wir
kommen und töten euch!‹, dann lassen wir unseren Plan fallen und gehen nicht zu
ihnen hinauf.
1Sam 14,10 Wenn sie aber rufen: ›Kommt doch herauf zu uns!‹, dann wollen wir
hinaufsteigen. Denn das soll für uns ein Zeichen sein, dass der Herr uns den
Sieg über unsere Feinde schenken wird.«
1Sam 14,11 So näherten sich die beiden ohne Deckung dem feindlichen Posten, bis
sie gesehen wurden. »Sieh mal einer an«, begannen die Philister zu spotten, »die
Hebräer kommen aus den Löchern hervorgekrochen, in denen sie sich versteckt
haben!«
1Sam 14,12 Die Wachen forderten die beiden auf: »Kommt nur herauf, wir werden es
euch zeigen!« »Los, mir nach!«, rief Jonatan seinem Waffenträger zu. »Der Herr
hat sie in unsere Hand gegeben!«
1Sam 14,13 Rasch kletterten sie auf allen vieren den steilen Hang hinauf,
Jonatan voraus, sein Diener hinterher. Kaum war Jonatan oben, da fielen die
Philister vor Schreck zu Boden, und der Waffenträger tötete einen nach dem
anderen.
1Sam 14,14 Die beiden brachten bei diesem ersten Überfall etwa zwanzig Männer
um. Die Leichen lagen in einem Umkreis von wenigen Metern.
1Sam 14,15 Nun brach im ganzen Heer der Philister Panik aus: im Hauptlager, bei
den Vorposten und sogar bei den Truppen, die die israelitischen Dörfer
ausplündern und zerstören sollten. Und dann bebte die Erde. So versetzte der
Herr alle Philister im Lager in Angst und Schrecken.
1Sam 14,16 Die Späher Sauls in Gibea bemerkten, dass im Lager der Philister
großer Lärm und ein wildes Durcheinander herrschten.
1Sam 14,17 Sofort befahl Saul: »Lasst alle Leute antreten, um herauszufinden,
wer von uns das Lager verlassen hat!« Da stellte sich heraus, dass nur Jonatan
und sein Waffenträger fehlten.
1Sam 14,18 Saul befahl dem Priester Ahija, die Bundeslade zu holen. Sie war in
jenen Tagen bei den Israeliten im Feldlager.
1Sam 14,19 Doch während er noch mit Ahija redete, nahmen der Lärm und das
Getümmel im feindlichen Lager immer mehr zu. Da sagte Saul zum Priester: »Wir
haben keine Zeit mehr, den Herrn zu befragen.«
1Sam 14,20 Sofort stürmten Saul und seine 600 Männer los und begannen den Kampf
gegen die Philister. Die aber waren so verwirrt, dass sie wild um sich schlugen
und sich gegenseitig umbrachten.
1Sam 14,21 Schon lange hatten die Philister Israeliten als Söldner in ihr Heer
aufgenommen. Viele waren auch jetzt mit den Philistern in die Schlacht gezogen.
Nun liefen sie zu ihren Landsleuten unter Sauls und Jonatans Führung über.
1Sam 14,22 Sogar die Israeliten, die sich bisher im Bergland von Ephraim
versteckt gehalten hatten, nahmen die Verfolgung der Philister auf, als sie von
deren Flucht hörten.
1Sam 14,23 Der Kampf tobte bis über Bet-Awen hinaus. So befreite der Herr an
diesem Tag die Israeliten aus ihrer ausweglosen Lage.
1Sam 14,24 An diesem Tag mussten die israelitischen Truppen hart kämpfen und
gerieten zeitweise in große Bedrängnis. Saul drohte ihnen: »Verflucht sei, wer
vor dem Abend irgendetwas isst, bevor ich mich an meinen Feinden gerächt habe!«
So aß den ganzen Tag hindurch niemand auch nur den kleinsten Bissen.
1Sam 14,25 Dabei gab es in dieser bewaldeten Gegend viele wilde Bienenvölker, so
dass überall Honig zu finden war.
1Sam 14,26 Gerade zu dieser Zeit flossen die Waben über. Doch kein Israelit
wagte, von dem Honig zu essen, zu sehr fürchteten sie Sauls Drohung.
1Sam 14,27 Jonatan aber wusste nichts von diesem Fluch, denn er war nicht dabei
gewesen, als sein Vater ihn ausgesprochen hatte. So tauchte er die Spitze seines
Stockes einmal kurz in eine Honigwabe und aß von dem Honig. Sofort fühlte er
sich viel besser.
1Sam 14,28 Ein Soldat bemerkte es und sagte zu Jonatan: »Dein Vater, der König,
hat gesagt, dass jeder verflucht sein soll, der an diesem Tag etwas isst. Darum
sind wir alle so erschöpft.«
1Sam 14,29 Da antwortete Jonatan: »Mein Vater stürzt unser ganzes Land ins
Unglück! Seht doch, wie viel besser ich mich fühle, nur weil ich ein bisschen
von dem Honig gegessen habe.
1Sam 14,30 Stellt euch vor, wie wir kämpfen würden, wenn unser Heer sich
gestärkt hätte an dem, was die Feinde zurückgelassen haben! Doch so konnten wir
den Philistern unmöglich eine große Niederlage beibringen.«
1Sam 14,31 An diesem Tag schlugen die Israeliten die Philister von Michmas bis
nach Ajalon zurück. Doch am Abend waren die Soldaten erschöpft.
1Sam 14,32 Sie fielen gierig über die Tiere her, die sie von den Philistern
erbeutet hatten. Hastig schlachteten sie Schafe, Rinder und Kälber. Sie nahmen
sich nicht einmal die Zeit, das Blut ganz abfließen zu lassen. Die
geschlachteten Tiere ließen sie einfach am Boden in ihrem Blut liegen und aßen
sie dann gleich an Ort und Stelle.
1Sam 14,33 Jemand lief zu Saul und berichtete ihm: »Das Volk sündigt gegen den
Herrn, denn sie essen das Fleisch noch am Schlachtort, ohne es ganz ausbluten zu
lassen.« Da rief Saul laut: »Ihr habt ein großes Unrecht begangen!« Er befahl
den Männern in seiner Nähe: »Wälzt sofort einen großen Stein zu mir her!
1Sam 14,34 Verteilt euch im ganzen Lager und weist alle an, sie sollen ihre
Tiere zu mir bringen, hier auf diesem Stein töten und ganz ausbluten lassen.
Dann können sie das Fleisch essen. Damit will ich verhindern, dass ihr gegen den
Herrn sündigt, wenn ihr die Tiere in ihrem Blut liegen lasst und das Fleisch
dann an Ort und Stelle mit dem Blut verzehrt.« Alle gehorchten dem Befehl Sauls.
Noch in derselben Nacht kam jeder mit seinen Tieren zu dem Stein und schlachtete
sie dort so, wie es vorgeschrieben war.
1Sam 14,35 Saul baute einen Altar für den Herrn. Es war der erste, den er selbst
aufrichtete.
1Sam 14,36 Dann sagte er zu den Männern: »Kommt, wir wollen noch heute Nacht den
Philistern nachjagen und sie ausplündern! Bis zum Morgengrauen soll keiner von
ihnen mehr am Leben sein.« Die Soldaten antworteten: »Tu nur, was du für richtig
hältst!« Doch der Priester wandte ein: »Lasst uns zuerst Gott fragen.«
1Sam 14,37 So stellte Saul die Frage: »Soll ich den Philistern nachjagen? Wirst
du uns helfen, sie vollständig zu besiegen?« Doch dieses Mal gab Gott ihm keine
Antwort.
1Sam 14,38 Da rief Saul alle Truppenführer zu sich und sagte: »Irgendjemand muss
heute Schuld auf sich geladen haben. Versucht herauszufinden, wer es war.
1Sam 14,39 Bei dem Herrn, der Israel geholfen hat, schwöre ich: Der Schuldige
muss sofort sterben, selbst wenn es mein Sohn Jonatan wäre.« Aber keiner aus dem
Volk gab ihm eine Antwort.
1Sam 14,40 Da ergriff Saul wieder das Wort: »Das ganze Heer soll sich auf der
einen Seite aufstellen, Jonatan und ich auf der anderen.« »Tu, was du für
richtig hältst«, antworteten alle.
1Sam 14,41 Dann betete Saul zum Herrn, dem Gott Israels: »O Herr, warum hast du
heute nicht auf meine Frage geantwortet? Zeig uns, ob die Schuld bei mir und bei
meinem Sohn Jonatan liegt. Wenn ja, dann lass uns das Los ›Urim‹ ziehen. Hat
aber jemand von meinen Leuten gesündigt, so zeig uns das durch das Los
›Tummim‹.« Das Los fiel auf Saul und Jonatan, und das übrige Volk war
freigesprochen.
1Sam 14,42 Da sagte Saul: »Werft das Los jetzt auch noch zwischen mir und meinem
Sohn.« Da traf es Jonatan.
1Sam 14,43 »Was hast du getan?«, wollte Saul von ihm wissen. Jonatan gestand:
»Ich steckte die Spitze meines Stockes in eine Honigwabe und kostete von dem
Honig. Das ist alles. Doch wenn es sein muss: Ich bin bereit zu sterben.«
1Sam 14,44 »Ja, es muss sein!«, erwiderte Saul. »Gott soll mich schwer
bestrafen, wenn ich dich für diese Tat nicht töten lasse.«
1Sam 14,45 Doch da schritten die Soldaten ein: »Jonatan, der Israel heute durch
seinen mutigen Vorstoß gerettet hat, soll sterben? Niemals lassen wir das zu! So
wahr der Herr lebt: Nicht ein einziges Haar soll ihm gekrümmt werden, denn er
hat diesen Sieg heute mit Gottes Hilfe errungen.« So retteten die Israeliten
Jonatan vor dem Tod.
1Sam 14,46 Saul verfolgte die Philister nicht mehr weiter, sondern zog nach
Hause. Auch die Philister kehrten in ihr Land zurück.
1Sam 14,47 Während Saul König von Israel war, führte er Krieg gegen alle Feinde
rings um Israel: gegen die Moabiter, die Ammoniter und die Edomiter, gegen die
Könige von Zoba und gegen die Philister. In allen Feldzügen trug er den Sieg
davon.
1Sam 14,48 Er war ein sehr mutiger Soldat. Auch die Amalekiter schlug er und
befreite Israel von allen Feinden, die das Land immer wieder überfallen hatten.
1Sam 14,49 Saul hatte drei Söhne: Jonatan, Jischwi und Malkischua. Seine Töchter
hießen Merab und Michal, Michal war die jüngere.
1Sam 14,50 Sauls Ehefrau hieß Ahinoam. Sie war eine Tochter des Ahimaaz. Sauls
oberster Heerführer war Abner, ein Sohn von Sauls Onkel Ner.
1Sam 14,51 Sauls Vater Kisch und Abners Vater Ner waren Brüder. Ihr Vater hieß
Abiël.
1Sam 14,52 Solange Saul lebte, nahm der Krieg gegen die Philister kein Ende.
Immer wieder brachen erbitterte Kämpfe aus. Darum stellte Saul jeden mutigen und
kampferprobten Mann, dem er begegnete, in seinen Dienst.
1Sam 15,1 Eines Tages kam Samuel zu Saul und sagte: »Der Herr hat mich damals
beauftragt, dich als König über sein Volk Israel einzusetzen. Nun ist es an dir,
dem Befehl zu gehorchen, den der Herr dir heute gibt.
1Sam 15,2 Der Herr, der allmächtige Gott, hat gesagt: ›Ich habe noch nicht
vergessen, was die Amalekiter meinem Volk angetan haben. Als die Israeliten
damals unterwegs waren von Ägypten nach Kanaan, versperrten die Amalekiter ihnen
den Weg.
1Sam 15,3 Darum sollst du nun gegen dieses Volk in den Kampf ziehen. Du sollst
es restlos auslöschen! Verschone nichts und niemanden, sondern töte Männer und
Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel.‹«
1Sam 15,4 Saul rief seine Truppen zusammen und musterte sie in Telem. Es waren
200000 Mann Fußvolk, dazu kamen 10000 Mann aus Juda.
1Sam 15,5 Saul rückte mit ihnen bis zur Hauptstadt der Amalekiter vor. Einen
Teil des Heeres schickte er als Hinterhalt in das Tal nahe der Stadt.
1Sam 15,6 Vor dem Angriff ließ Saul den Kenitern eine Botschaft zukommen:
»Trennt euch von den Amalekitern! Verlasst sofort dieses Gebiet, sonst kommt ihr
mit ihnen um, wenn wir sie vernichten! Denn ihr Keniter seid damals den
Israeliten freundlich begegnet und habt ihnen geholfen, als sie von Ägypten
wegzogen und in der Wüste unterwegs waren.« Da verließen die Keniter schleunigst
das Gebiet der Amalekiter.
1Sam 15,7 Saul griff die Amalekiter an und schlug sie vernichtend, von Hawila
bis nach Schur an der Ostgrenze Ägyptens.
1Sam 15,8 Das ganze Volk wurde mit dem Schwert niedergemetzelt. Nur Agag, ihren
König, nahm Saul lebend gefangen.
1Sam 15,9 Ihn verschonten Saul und seine Soldaten. Auch die besten Schafe und
Ziegen, Lämmer, Rinder und das Mastvieh ließen sie am Leben. Alle gesunden und
kräftigen Tiere waren ihnen zu schade zum Schlachten. Sie töteten nur das
schwächliche Vieh, von dem sie sich keinen Nutzen versprachen.
1Sam 15,10 Da sagte der Herr zu Samuel:
1Sam 15,11 »Ich bereue es, dass ich Saul zum König gemacht habe, denn er hat mir
den Rücken gekehrt und meinen Befehl nicht ausgeführt.« Samuel wurde sehr zornig
und betete die ganze Nacht laut und eindringlich zum Herrn.
1Sam 15,12 Früh am nächsten Morgen machte er sich auf den Weg zu Saul. Ihm wurde
berichtet: »Der König ist in die Stadt Karmel gegangen und hat dort ein
Siegesdenkmal aufgestellt. Dann ist er weiter nach Gilgal gezogen.«
1Sam 15,13 Als Samuel in Gilgal ankam, begrüßte Saul ihn fröhlich und sagte:
»Ich habe den Befehl des Herrn ausgeführt.«
1Sam 15,14 »Woher kommt dann das Gebrüll und Geblöke, das ich höre?«, fragte
Samuel. »Das hört sich an, als ob viele Rinder, Schafe und Ziegen hier in der
Nähe seien.«
1Sam 15,15 »Die haben wir von den Amalekitern mitgebracht«, antwortete Saul.
»Die Soldaten wollten die besten Rinder, Schafe und Ziegen nicht einfach
niedermetzeln. Sie haben die Tiere verschont, um sie dem Herrn, deinem Gott, als
Opfer darzubringen. Doch sonst haben wir alles und jeden umgebracht.«
1Sam 15,16 Da unterbrach ihn Samuel: »Hör auf damit! Der Herr hat in der letzten
Nacht mit mir geredet. Ich habe dir etwas auszurichten.« »Sprich nur, ich
höre!«, sagte Saul,
1Sam 15,17 und Samuel fuhr fort: »Als du zum Oberhaupt über das ganze Volk
wurdest, kamst du dir selbst klein und unwürdig vor. Und doch hat der Herr
gerade dich als König über Israel eingesetzt.
1Sam 15,18 Er hat dich zu den Amalekitern geschickt und dir befohlen:
›Vollstrecke an ihnen mein Urteil. Kämpfe gegen sie, bis du sie völlig
vernichtet hast, denn sie sind ein gottloses Volk.‹
1Sam 15,19 Warum hast du dem Herrn nicht gehorcht? Warum hast du dich gierig auf
die Beute gestürzt und gerade das getan, was der Herr dir verboten hatte?«
1Sam 15,20 »Aber ich habe dem Herrn doch gehorcht!«, versuchte Saul sich zu
rechtfertigen. »Ich bin dorthin gegangen, wohin er mich geschickt hat. Agag, den
König von Amalek, habe ich gefangen hierher gebracht, und die anderen Amalekiter
ließ ich alle umbringen.
1Sam 15,21 Meine Leute haben bloß einige Schafe und Rinder als Beute
mitgenommen, und ich kann dir sagen: Es sind nur die besten von all den Tieren,
die vernichtet werden sollten. Das Volk ließ sie leben, um sie hier in Gilgal
dem Herrn, deinem Gott, zu opfern.«
1Sam 15,22 Doch Samuel erwiderte: »Was denkst du, worüber freut sich der Herr
mehr: über viele Brand- und Schlachtopfer oder über Gehorsam gegenüber seinen
Weisungen? Ich sage dir eines: Gehorsam ist wichtiger als das Schlachten von
Opfertieren. Es ist besser, auf den Herrn zu hören, als ihm das beste Opfer zu
bringen.
1Sam 15,23 Auflehnung ist ebenso schlimm wie Zauberei, und Eigensinn ist nichts
anderes als Götzendienst. Weil du es abgelehnt hast, den Befehl des Herrn
auszuführen, hat er dich als König abgesetzt: Du wirst nicht mehr lange
regieren!«
1Sam 15,24 Da bekannte Saul: »Ich habe gesündigt! Ich habe den Befehl des Herrn
und deine Anweisungen nicht befolgt; denn ich hatte Angst, mich meinen Soldaten
zu widersetzen, und ließ ihnen daher ihren Willen.
1Sam 15,25 Vergib mir bitte diese Sünde, und komm mit mir zu den anderen zurück,
damit ich in deiner Gegenwart den Herrn anbete!«
1Sam 15,26 Doch Samuel antwortete: »Ich kehre nicht mit dir zurück, denn du hast
es abgelehnt, den Befehl des Herrn auszuführen; darum hat er dich als König
abgesetzt.«
1Sam 15,27 Als Samuel sich umdrehte und weggehen wollte, packte Saul ihn am
Mantel, um ihn zurückzuhalten. Dabei riss er ein Stück Stoff ab.
1Sam 15,28 Da sagte Samuel: »Genauso hat der Herr dir heute die Herrschaft über
Israel entrissen, um sie einem zu geben, der würdiger ist als du.
1Sam 15,29 Israels mächtiger Gott wird diesen Entschluss nicht zurücknehmen, er
lügt niemals. Er ist nicht wie ein Mensch, der bereut, was er gesagt hat.«
1Sam 15,30 »Ich habe gesündigt«, wiederholte Saul. »Aber bitte stell mich jetzt
nicht bloß vor den Ältesten meines Volkes und vor ganz Israel! Komm mit mir
zurück, damit ich in deiner Anwesenheit den Herrn, deinen Gott, anbete.«
1Sam 15,31 Da gab Samuel nach und kehrte mit Saul zu den anderen zurück. Nachdem
Saul zum Herrn gebetet hatte,
1Sam 15,32 befahl Samuel: »Bringt König Agag von Amalek zu mir!« Furchtlos
schritt Agag auf Samuel zu, denn er sagte sich: »Die größte Gefahr ist jetzt
wohl vorüber!«
1Sam 15,33 Aber Samuel empfing ihn mit den Worten: »Durch dein Schwert haben
viele Mütter ihre Söhne verloren. Genauso soll nun auch deine Mutter kinderlos
werden.« Dann stach er Agag vor dem Altar in Gilgal nieder und hieb ihn in
Stücke.
1Sam 15,34 Anschließend kehrte er nach Rama zurück, und Saul ging in sein Haus
nach Gibea.
1Sam 15,35 Samuel traf Saul den Rest seines Lebens nicht mehr. Doch er war
traurig, dass der Herr es bereute, Saul zum König über Israel gemacht zu haben.
1Sam 16,1 Schließlich sprach der Herr zu Samuel: »Wie lange willst du noch um
Saul trauern? Ich habe ihn verstoßen! In meinen Augen ist er nicht mehr König
von Israel. Nimm dein Horn, füll es mit Öl, und mach dich auf den Weg nach
Bethlehem. Dort such Isai auf, denn ich habe einen seiner Söhne zum neuen König
auserwählt.«
1Sam 16,2 Doch Samuel wandte ein: »Wie kann ich dorthin gehen und so etwas tun?
Saul bringt mich um, wenn er davon erfährt!« Da antwortete der Herr: »Nimm eine
junge Kuh mit und sag, du seist zum Opfern gekommen.
1Sam 16,3 Lade Isai zu dem Opferfest ein. Was du weiter tun sollst, lasse ich
dich rechtzeitig wissen. Ich werde dir genau zeigen, welchen Sohn du zum König
salben sollst.«
1Sam 16,4 Samuel gehorchte dem Befehl des Herrn. Seine Ankunft in Bethlehem
erregte Aufsehen. Erschrocken kamen die führenden Männer ihm entgegen und
fragten: »Dein Besuch bedeutet doch hoffentlich nichts Schlimmes?«
1Sam 16,5 »Nein, nein«, beruhigte er sie, »es ist alles in Ordnung. Ich bin
gekommen, um dem Herrn ein Opfer darzubringen. Macht euch bereit, und kommt dann
mit mir zum Opferfest.« Auch Isai und seine Söhne lud Samuel ein und forderte
sie auf, sich für das Opfer zu reinigen.
1Sam 16,6 Als Isai und seine Söhne eintrafen, fiel Samuels Blick sofort auf
Eliab, und er dachte: »Das ist bestimmt der, den der Herr als König ausgesucht
hat.«
1Sam 16,7 Doch der Herr sagte zu ihm: »Lass dich von seinem Aussehen und von
seiner Größe nicht beeindrucken. Er ist es nicht. Denn ich urteile nach anderen
Maßstäben als die Menschen. Für die Menschen ist wichtig, was sie mit den Augen
wahrnehmen können; ich dagegen schaue jedem Menschen ins Herz.«
1Sam 16,8 Danach rief Isai seinen Sohn Abinadab und stellte ihn Samuel vor. Doch
der Prophet musste sagen: »Auch diesen hat der Herr nicht ausgewählt.«
1Sam 16,9 Als Nächstes ließ Isai Schamma vortreten, und wieder sagte Samuel:
»Auch ihn hat der Herr nicht erwählt.«
1Sam 16,10 Und so ließ Isai seine sieben Söhne an Samuel vorbeigehen. Zuletzt
sagte Samuel zu Isai: »Der Herr hat keinen von ihnen auserwählt.
1Sam 16,11 Aber sind das wirklich alle deine Söhne?« »Nein, der jüngste fehlt
noch«, antwortete Isai. »Er ist auf den Feldern und hütet unsere Schafe und
Ziegen.« Da forderte Samuel ihn auf: »Lass ihn sofort herholen! Wir werden uns
nicht ohne ihn an die Festtafel setzen.«
1Sam 16,12 So ließ Isai David holen. Er war ein gut aussehender junger Mann,
braun gebrannt und mit schönen Augen. »Das ist er«, sagte der Herr zu Samuel,
»salbe ihn!«
1Sam 16,13 Da nahm Samuel das Horn mit dem Öl und goss es vor den Augen seiner
Brüder über Davids Kopf aus. Sogleich kam der Geist des Herrn über David und
verließ ihn von da an nicht mehr. Samuel kehrte wieder nach Rama zurück.
1Sam 16,14 Der Geist des Herrn hatte Saul verlassen. Stattdessen schickte Gott
einen bösen Geist, der den König immer wieder überfiel und ihm Furcht und
Schrecken einjagte.
1Sam 16,15 Eines Tages kamen einige Diener Sauls mit einem Vorschlag zu ihm: »Du
weißt selbst, dass ein böser Geist, den Gott geschickt hat, dich quält«, sagten
sie.
1Sam 16,16 »Lass uns einen guten Harfenspieler suchen! Jedes Mal wenn dieser
böse Geist dich überfällt, wird der Mann seine Harfe zur Hand nehmen und darauf
spielen. Das wird dich beruhigen und aufmuntern. Du brauchst nur zu befehlen,
dann handeln wir.«
1Sam 16,17 »Ja«, antwortete Saul. »Sucht mir einen guten Harfenspieler und holt
ihn an den Hof.«
1Sam 16,18 Einer der Männer sagte: »Ich denke da an einen jungen Mann, den ich
einmal gesehen habe, einen Sohn Isais aus Bethlehem. Er ist nicht nur ein
ausgezeichneter Harfenspieler, sondern auch mutig und kampferprobt. Er findet in
jeder Situation das treffende Wort und sieht gut aus. Der Herr steht ihm bei.«
1Sam 16,19 Sofort sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm ausrichten: »Schick
deinen Sohn David, den Schafhirten, zu mir an den Königshof!«
1Sam 16,20 Da schickte Isai seinen Sohn zu Saul und gab ihm Geschenke für den
König mit: einen Esel, beladen mit Broten, einen Schlauch Wein und einen jungen
Ziegenbock.
1Sam 16,21 So kam David an Sauls Hof. Der König mochte ihn bald sehr gern und
machte ihn zu seinem Waffenträger.
1Sam 16,22 Darum bat er Isai: »Lass doch David endgültig in meinen Dienst
treten, denn ich hätte ihn sehr gerne bei mir am Königshof!«
1Sam 16,23 Immer wenn der böse Geist über Saul herfiel, griff David zur Harfe
und begann zu spielen. Und immer wieder brachte die Musik Saul Erleichterung. Er
fühlte sich besser, und der böse Geist ließ ihn in Ruhe.
1Sam 17,1 Die Philister sammelten ihre Truppen bei Socho im Gebiet des Stammes
Juda zum Krieg. Sie schlugen ihr Lager bei Efes-Dammim auf, zwischen Socho und
Aseka.
1Sam 17,2 Auch Saul rief seine Soldaten zusammen. Sie lagerten im Tal der
Terebinthen und stellten sich in Schlachtordnung auf.
1Sam 17,3 An einem Bergkamm standen die Philister, am Hang gegenüber die
Israeliten. Zwischen ihnen lag das Tal.
1Sam 17,4 [4-7] Da trat aus dem Heer der Philister ein einzelner Soldat heraus:
Goliat aus der Stadt Gat. Er war über drei Meter groß. Gerüstet war er mit einem
Helm, einem schweren Schuppenpanzer und mit Beinschienen, alles aus Bronze. Auf
der Schulter trug er eine bronzene Lanze. Sein Brustpanzer wog 60 Kilogramm,
sein Speer war so dick wie ein kleiner Baum, und allein die Eisenspitze des
Speeres war über 7 Kilogramm schwer. Vor ihm her marschierte sein Schildträger
mit einem riesigen Schild.
1Sam 17,8 Goliat stellte sich den israelitischen Schlachtreihen gegenüber auf
und brüllte: »Was wollt ihr hier eigentlich mit eurem ganzen Heer? Ich bin ein
Philister, und ihr seid nur Knechte Sauls. Los, wählt euren besten Mann aus, und
schickt ihn herunter zu mir!
1Sam 17,9 Wenn er mich töten kann, dann werden wir eure Sklaven sein. Aber wenn
ich ihn erschlage, dann sollt ihr uns als Sklaven dienen.
1Sam 17,10 Ja, ich fordere heute alle Israeliten heraus. Wo ist der Mann, der es
mit mir aufnehmen kann?«
1Sam 17,11 Als Saul und seine Soldaten das hörten, erschraken sie und bekamen
große Angst.
1Sam 17,12 David, der Sohn Isais, aus Bethlehem in der Gegend von Efrata in Juda
hatte sieben Brüder. Isai war zu jener Zeit, als Saul König wurde, schon zu alt
für den Kriegsdienst.
1Sam 17,13 [13/14] Seine drei ältesten Söhne jedoch waren Sauls Aufruf gefolgt
und mit in den Kampf gezogen. Der älteste hieß Eliab, der zweite Abinadab und
der dritte Schamma; David war der jüngste.
1Sam 17,15 Hin und wieder kehrte er von Sauls Königshof nach Hause zurück, um in
Bethlehem wieder die Schafe und Ziegen seines Vaters zu hüten.
1Sam 17,16 Der Riese Goliat stellte sich schon seit fast sechs Wochen jeden
Morgen und jeden Abend zwischen den beiden Heeren auf und forderte die
Israeliten heraus.
1Sam 17,17 Eines Tages sagte Isai zu David: »Schau doch einmal nach deinen
Brüdern, die in den Krieg gezogen sind. Bring ihnen diesen Sack gerösteten
Weizen und zehn Brote mit.
1Sam 17,18 Ihrem Hauptmann kannst du diese zehn Stücke Käse geben. Erkundige
dich, wie es ihnen geht, und bring mir ein Lebenszeichen von ihnen.
1Sam 17,19 Sie sind mit Saul und den Israeliten immer noch im Tal der
Terebinthen und kämpfen gegen die Philister.«
1Sam 17,20 David überließ die Herde einem Hirtenjungen und machte sich mit
allem, was Isai ihm mitgegeben hatte, frühmorgens auf den Weg. Als er das Heer
erreichte, zogen die Soldaten gerade unter lautem Kriegsgeschrei zum Kampfplatz
1Sam 17,21 und gingen in Stellung. Ihnen gegenüber standen die Philister, auch
sie bereit zum Kampf.
1Sam 17,22 David ließ sein Gepäck bei der Wache des Lagers zurück und eilte den
Soldaten nach, um seine Brüder zu sehen. Als er sie gefunden hatte, fragte er
sie, wie es ihnen gehe.
1Sam 17,23 Noch während sie sich unterhielten, kam Goliat von Gat wieder aus den
Schlachtreihen der Philister hervor, und David hörte, wie er die Israeliten zum
Zweikampf herausforderte.
1Sam 17,24 Kaum hatten die Israeliten Goliat erblickt, packte sie die Angst, und
sie ergriffen die Flucht.
1Sam 17,25 »Hast du gesehen? Dort kommt er wieder!«, riefen sie einander zu.
»Hör nur, wie er uns wieder verspottet. Der König hat eine hohe Belohnung
ausgesetzt für den, der diesen Kerl umbringt, ja, er will ihm sogar seine
Tochter zur Frau geben. Dazu soll seine ganze Familie sofort von den Steuern
befreit werden.«
1Sam 17,26 David fragte einige Soldaten in seiner Nähe: »Welche Belohnung soll
der Mann erhalten, der diesen Philister da erschlägt und die Schande von unserem
Volk abwendet? Wir können doch nicht dulden, dass dieser unbeschnittene
Philister sich über das Heer des lebendigen Gottes lustig macht!«
1Sam 17,27 Sie erzählten David noch einmal, welche Belohnung der König
ausgesetzt hatte.
1Sam 17,28 Als Eliab, Davids ältester Bruder, ihn so mit den Soldaten reden
hörte, wurde er zornig. »Was hast du überhaupt hier zu suchen?«, fuhr er ihn an.
»Und wer hütet jetzt die paar Schafe und Ziegen in der Steppe? Ich weiß doch
genau, wie hochnäsig und eingebildet du bist! Du bist nur zu uns gekommen, um
dir eine Schlacht anzusehen.«
1Sam 17,29 »Was habe ich denn getan?«, entgegnete David. »Ich habe doch nur eine
Frage gestellt!«
1Sam 17,30 Er drehte sich zu einem anderen um und fragte noch einmal nach der
Belohnung. Und wieder erhielt er dieselbe Antwort.
1Sam 17,31 Als die Soldaten merkten, worauf David hinauswollte, meldete es
jemand dem König. Der ließ ihn sofort zu sich rufen.
1Sam 17,32 »Mein König«, sagte David zu Saul, »von diesem Kerl müssen wir uns
doch nicht einschüchtern lassen! Ich will den Kampf mit ihm aufnehmen.«
1Sam 17,33 »Das ist unmöglich!«, antwortete Saul. »Wie soll ein junger Mann wie
du den Zweikampf mit diesem Philister gewinnen? Du bist ja fast noch ein Kind,
er aber ist ein erfahrener Soldat, der von Jugend auf gelernt hat, mit Waffen
umzugehen.«
1Sam 17,34 Doch David ließ nicht locker: »Als ich die Schafe und Ziegen meines
Vaters hütete, kam es immer wieder vor, dass ein Löwe oder ein Bär die Herde
überfiel, ein Schaf packte und es wegschleppen wollte.
1Sam 17,35 Dann lief ich ihm nach, schlug auf ihn ein und riss ihm seine Beute
aus dem Maul. Stürzte er sich dann wütend auf mich, packte ich ihn an der Mähne
oder am Fell und schlug ihn tot.
1Sam 17,36 So habe ich mehrere Löwen und Bären erschlagen. Und diesem Philister
soll es nicht anders ergehen, denn er hat sich über das Heer des lebendigen
Gottes lustig gemacht.
1Sam 17,37 Der Herr, der mich aus den Klauen von Löwen und Bären gerettet hat,
der wird mich auch vor diesem Philister beschützen.« Schließlich gab Saul nach:
»Gut, du sollst mit ihm kämpfen. Möge der Herr dir beistehen.«
1Sam 17,38 Dann gab er David seine eigene Rüstung. Eigenhändig setzte er ihm den
Helm aus Bronze auf und zog ihm den Brustpanzer an.
1Sam 17,39 Zuletzt schnallte David sich den Gürtel mit dem Schwert um. Mühsam
versuchte er einige Schritte zu gehen, denn er hatte noch nie zuvor eine Rüstung
getragen. »Das geht nicht! Ich kann mich ja kaum darin bewegen«, sagte er und
zog die Rüstung wieder aus.
1Sam 17,40 Stattdessen nahm er seinen Hirtenstock und seine Steinschleuder,
holte fünf flache Kieselsteine aus einem Bach und steckte sie in seine
Hirtentasche. Mit Stock und Schleuder in der Hand schritt er dann auf den Riesen
zu.
1Sam 17,41 Auch Goliat rückte immer weiter vor, zusammen mit seinem
Schildträger, der vorausging.
1Sam 17,42 Plötzlich bemerkte er David. »Ach, jetzt schicken sie schon Kinder in
den Krieg!«, spottete er, weil David noch sehr jung war, braun gebrannt und gut
aussehend.
1Sam 17,43 »Bin ich denn ein Hund, dass du mir nur mit einem Stock
entgegenkommst?«, brüllte Goliat ihn an und verfluchte David im Namen sämtlicher
Götter, die er kannte.
1Sam 17,44 Dann schrie er: »Komm nur her! Ich werde dein Fleisch den Geiern und
den wilden Tieren zu fressen geben.«
1Sam 17,45 Doch David rief zurück: »Du, Goliat, trittst gegen mich an mit
Schwert, Lanze und Wurfspieß. Ich aber komme mit der Hilfe des Herrn. Er ist der
Herr, der allmächtige Gott, und der Gott des israelitischen Heeres. Ihn hast du
eben verspottet.
1Sam 17,46 Heute noch wird der Herr dich in meine Gewalt geben, ich werde dich
besiegen und dir den Kopf abschlagen. Dann werfe ich die Leichen deiner Leute,
der Philister, den Geiern und Raubtieren zum Fraß vor. Die ganze Welt soll
erfahren, dass wir Israeliten einen mächtigen Gott haben.
1Sam 17,47 Und alle Soldaten hier sollen sehen, dass der Herr weder Schwert noch
Speer nötig hat, um uns zu retten. Er selbst führt diesen Krieg und wird euch in
unsere Gewalt geben.«
1Sam 17,48 Als Goliat sich in Bewegung setzte und auf David losstürzen wollte,
lief auch David ihm entgegen.
1Sam 17,49 Im Laufen nahm er einen Stein aus seiner Tasche, legte ihn in die
Steinschleuder und schleuderte ihn mit aller Wucht gegen den Feind. Der Stein
traf Goliat am Kopf und bohrte sich tief in seine Stirn. Sofort fiel der Riese
zu Boden auf sein Gesicht.
1Sam 17,50 [50/51] So überwältigte David den mächtigen Philister mit einer
einfachen Steinschleuder und einem Kieselstein. Da er kein eigenes Schwert
hatte, lief er schnell zu dem Riesen, zog dessen Schwert aus der Scheide und
schlug ihm den Kopf ab. Als die Philister sahen, dass ihr stärkster Mann tot
war, ergriffen sie die Flucht.
1Sam 17,52 Die Männer von Israel und Juda stimmten ein lautes Siegesgeschrei an
und jagten hinter den fliehenden Feinden her. Sie verfolgten die Philister bis
in die Ebene hinunter, bis vor die Tore der Stadt Ekron. Auf dem ganzen Weg von
Schaarajim bis nach Gat und Ekron sah man die Leichen der Philister liegen.
1Sam 17,53 Schließlich kehrten die Israeliten von ihrer Verfolgungsjagd zurück
und plünderten das verlassene Lager der Philister.
1Sam 17,54 Den Kopf Goliats brachte David später nach Jerusalem, die Waffen des
Riesen legte er in das heilige Zelt.
1Sam 17,55 Während Saul zuschaute, wie David dem Riesen entgegenging, fragte er
seinen Heerführer Abner: »Weißt du, aus welcher Familie dieser junge Mann
kommt?« »Ich weiß es nicht, o König«, antwortete Abner.
1Sam 17,56 »Dann versuch es herauszufinden!«, forderte Saul ihn auf.
1Sam 17,57 Als David von seinem Zweikampf mit Goliat zurückkam, führte Abner ihn
sofort zum König. Immer noch trug David den Kopf Goliats in der Hand.
1Sam 17,58 Saul fragte ihn: »Aus welcher Familie kommst du?« »Ich bin ein Sohn
Isais aus Bethlehem«, antwortete David.
1Sam 18,1 Nach diesem Gespräch traf David Jonatan, den Sohn des Königs. Vom
ersten Augenblick an liebte Jonatan David sehr, ja, er liebte ihn mehr als sein
eigenes Leben.
1Sam 18,2 Saul behielt David nun am Königshof und ließ ihn nicht mehr nach Hause
zurückkehren.
1Sam 18,3 David und Jonatan schlossen einen Bund und schworen sich ewige
Freundschaft.
1Sam 18,4 Jonatan sagte: »David, du bist mir so lieb wie mein eigenes Leben!«
Dann zog er den Mantel und die Waffenrüstung aus und schenkte sie David, dazu
noch sein Schwert, den Bogen und den Gürtel.
1Sam 18,5 David unternahm unter Sauls Befehl verschiedene Feldzüge. Wohin Saul
ihn auch schickte, überall war er erfolgreich und kam als Sieger zurück. So
machte Saul ihn schließlich zum Oberbefehlshaber seiner Truppen. Im ganzen Volk
war David beliebt, und auch alle Untergebenen des Königs schätzten ihn.
1Sam 18,6 Als David und die Israeliten nach dem Sieg über die Philister
zurückkehrten, zogen Frauen aus allen Städten König Saul entgegen. Sie sangen
und tanzten, schlugen die Tamburine und empfingen die Sieger mit Jubel und
Freudenliedern.
1Sam 18,7 Immer wieder sangen die Frauen den Vers: »Saul hat tausend Mann
erschlagen, David aber zehntausend!«
1Sam 18,8 Saul hörte dieses Lied nicht gern, er wurde sehr zornig. »David trauen
sie zu, dass er zehntausend erschlägt; und sie glauben, dass ich nur mit tausend
fertig werde!«, dachte er voller Missmut. »Jetzt fehlt nur noch, dass sie ihn
zum König machen!«
1Sam 18,9 Seitdem war Saul eifersüchtig auf David.
1Sam 18,10 [10/11] Schon am nächsten Tag ließ Gott wieder einen bösen Geist über
Saul kommen, so dass er wie ein Wahnsinniger in seinem Haus tobte. David begann
wie gewohnt, auf seiner Harfe zu spielen, um ihn zu beruhigen. Plötzlich
schleuderte Saul den Speer, den er in der Hand hielt, nach David. »Jetzt spieße
ich diesen Kerl an die Wand!«, dachte er in seiner Wut. Doch David sprang zur
Seite und konnte dem Speer ausweichen, auch als der König es ein zweites Mal
versuchte.
1Sam 18,12 Da begann Saul, sich vor David zu fürchten, denn er merkte, dass der
Herr sich von ihm abgewandt hatte und auf Davids Seite war.
1Sam 18,13 Schließlich entfernte Saul David aus seiner Umgebung, indem er ihn
als Hauptmann über tausend Soldaten einsetzte. An der Spitze dieser Truppe
unternahm David seine Feldzüge.
1Sam 18,14 Und wieder war er erfolgreich bei allem, was er tat, denn der Herr
stand ihm bei.
1Sam 18,15 Als Saul merkte, dass David einfach alles gelang, fürchtete er sich
noch mehr vor ihm.
1Sam 18,16 David war in ganz Israel und Juda sehr beliebt; durch seine
siegreichen Feldzüge wurde er im ganzen Land bekannt.
1Sam 18,17 Eines Tages sagte Saul zu David: »Ich bin bereit, dir meine älteste
Tochter Merab zur Frau zu geben. Doch vorher musst du dich noch als Soldat
bewähren. Du sollst im Auftrag des Herrn in den Krieg ziehen.« Im Stillen aber
dachte Saul: »Ich selbst kann und will ihn nicht umbringen. Das sollen die
Philister besorgen!«
1Sam 18,18 Aber David wandte ein: »Wer bin ich schon? Warum sollte gerade ich
der Schwiegersohn des Königs werden? Ich komme aus einfachen Verhältnissen, und
meine Familie ist in Israel kaum bekannt.«
1Sam 18,19 Doch als die Hochzeit von David und Merab gefeiert werden sollte, gab
Saul seine Tochter einem Mann namens Adriël aus Mehola zur Frau.
1Sam 18,20 Inzwischen aber hatte Sauls jüngere Tochter Michal sich in David
verliebt. Als Saul davon hörte, war es ihm gerade recht.
1Sam 18,21 »Das ist meine letzte Gelegenheit, David noch einmal eine Falle zu
stellen«, dachte er. »Diesmal werden die Philister ihn bestimmt umbringen!« Zu
David sagte er: »Ich biete dir nun noch einmal an, mein Schwiegersohn zu
werden.«
1Sam 18,22 Er befahl seinen Dienern, David heimlich zuzuflüstern: »Du weißt
doch, dass der König dich sehr schätzt. Auch alle seine Untergebenen haben dich
gern. Willst du nicht sein Schwiegersohn werden?«
1Sam 18,23 Doch David erwiderte: »Glaubt ihr eigentlich, dass man so ohne
weiteres der Schwiegersohn des Königs wird? Ich bin doch nur ein armer und
einfacher Mann!«
1Sam 18,24 Die Diener richteten dem König Davids Antwort aus,
1Sam 18,25 und Saul schickte sie mit folgendem Angebot zurück: »Der König
verlangt von dir kein Geld als Brautpreis, sondern Rache an seinen Feinden.
Darum sollst du ihm die Vorhäute von hundert Philistern bringen.« Saul hoffte,
David im Kampf gegen die Philister loszuwerden.
1Sam 18,26 Die Diener überbrachten David das Angebot, und er nahm es an, denn er
wollte der Schwiegersohn des Königs werden. Noch bevor die festgesetzte Frist
abgelaufen war,
1Sam 18,27 zog er mit seinen Männern in den Kampf gegen die Philister. Sie
erschlugen zweihundert von ihnen. David kehrte mit den Vorhäuten zurück und ließ
sie dem König vollzählig abliefern. Damit wollte er zeigen, dass er die
Bedingung für die Hochzeit erfüllt hatte. Da gab Saul ihm Michal zur Frau.
1Sam 18,28 Wieder musste Saul einsehen, dass der Herr auf Davids Seite war und
ihn beschützte. Der König merkte auch, dass seine Tochter David liebte.
1Sam 18,29 Darum fürchtete er sich immer mehr vor David und sah in ihm von da an
seinen erbittertsten Feind.
1Sam 18,30 Immer wieder griffen die Philisterkönige Israel an. In jedem dieser
Kriege war David erfolgreicher als alle anderen Heerführer Sauls. Darum wurde
sein Name weit über das Land hinaus bekannt.
1Sam 19,1 [1/2] Saul machte vor seinem Sohn Jonatan und vor allen Bediensteten
kein Geheimnis daraus, dass er David ermorden wollte. Jonatan aber liebte David
sehr. Darum warnte er ihn: »Sei vorsichtig, mein Vater will dich umbringen! Es
ist besser, wenn du dich morgen früh hier nicht zeigst. Such dir draußen ein
gutes Versteck, und verhalte dich ruhig!
1Sam 19,3 Ich selbst will morgen meinen Vater aufs freie Feld hinaus begleiten.
Sobald wir in der Nähe deines Verstecks sind, will ich mit ihm über dich
sprechen und versuchen herauszufinden, wie die Dinge stehen. Was er mir sagt,
will ich dir berichten.«
1Sam 19,4 Als Jonatan am nächsten Morgen mit seinem Vater sprach, legte er ein
gutes Wort für David ein und warnte den König, sich an seinem Diener zu
vergreifen. »David hat dir doch noch nie irgendeinen Schaden zugefügt«,
versuchte er seinem Vater klarzumachen. »Im Gegenteil: Er hat dir nur genutzt.
1Sam 19,5 Hast du vergessen, wie er sein Leben aufs Spiel setzte, als er den
Philister tötete? Und wie der Herr durch ihn den Israeliten zu einem großen Sieg
über die Philister verhalf? Du warst doch damals dabei und hast dich mit allen
anderen gefreut. Warum willst du diesen unschuldigen Mann nun ermorden? Du lädst
schwere Schuld auf dich, wenn du David ohne jeden Grund umbringst.«
1Sam 19,6 Da ließ Saul sich von Jonatan umstimmen. Er schwor: »So wahr der Herr
lebt: David soll nicht getötet werden.«
1Sam 19,7 Jonatan rief David aus seinem Versteck heraus und berichtete ihm
alles. Zusammen gingen sie zu Saul, und David diente dem König wie vorher.
1Sam 19,8 Beim nächsten Krieg gegen die Philister zog David mit seiner Truppe
aus. Auch diesmal schlug er die Feinde vernichtend, so dass ihnen nur noch die
Flucht übrig blieb.
1Sam 19,9 Eines Tages, als Saul zu Hause mit seinem Speer in der Hand saß und
dem Harfenspiel Davids zuhörte, ließ der Herr wieder einen bösen Geist über ihn
kommen.
1Sam 19,10 Wütend schleuderte Saul den Speer nach David, um ihn an die Wand zu
spießen. Doch David sprang zur Seite, die Waffe flog an ihm vorbei und blieb in
der Wand stecken. Er floh in sein Haus und beschloss, noch in derselben Nacht
die Stadt zu verlassen.
1Sam 19,11 Saul ließ Davids Haus sofort von Wachposten umstellen. Sie sollten
David töten, sobald er am Morgen das Haus verließ. Davids Frau Michal warnte
ihren Mann: »Wenn du dich heute Nacht nicht in Sicherheit bringst, bist du
morgen früh tot.«
1Sam 19,12 Sie ließ ihn aus einem Fenster an der Hausmauer hinunter. David floh,
so schnell er konnte, und entkam seinen Mördern.
1Sam 19,13 Michal legte eine Götterfigur in Davids Bett, deckte sie sorgsam zu
und legte ihr ein Geflecht aus Ziegenhaaren auf den Kopf.
1Sam 19,14 Als Sauls Männer David holen wollten, sagte Michal ihnen: »Er liegt
krank im Bett.«
1Sam 19,15 Darauf befahl der König: »Dann bringt ihn eben samt Bett zu mir! Ich
werde ihn umbringen!«
1Sam 19,16 Die Diener gingen noch einmal zu Davids Haus und fanden in Davids
Bett die Götterfigur mit dem Geflecht aus Ziegenhaaren.
1Sam 19,17 »Warum hast du mich betrogen und meinem Feind zur Flucht verholfen?«,
stellte Saul seine Tochter zur Rede. Sie antwortete: »Er drohte: ›Ich bringe
dich um, wenn du mich nicht gehen lässt.‹«
1Sam 19,18 Durch seine Flucht war David den Händen Sauls entronnen. Er floh zu
Samuel nach Rama und erzählte ihm alles, was Saul ihm angetan hatte. Danach
gingen die beiden zur Siedlung der Propheten und blieben dort.
1Sam 19,19 Sobald Saul hörte, dass David sich in der Prophetensiedlung in Rama
aufhielt,
1Sam 19,20 schickte er Männer hin, die David gefangen nehmen sollten. Als sie
dort ankamen, waren alle Propheten in Ekstase und weissagten unter der Leitung
Samuels. Kaum sahen die Boten Sauls die Propheten, kam der Geist Gottes über
sie, so dass auch sie in Ekstase gerieten und prophetisch zu reden begannen.
1Sam 19,21 Als Saul davon erfuhr, schickte er sogleich andere Boten nach Rama.
Doch es ging ihnen nicht anders als den ersten. Und auch die dritte Gruppe, die
der König nach Rama sandte, geriet schon bei der Ankunft in Ekstase.
1Sam 19,22 Schließlich machte Saul sich selbst auf den Weg. Als er zu der großen
Zisterne in Sechu kam, fragte er jemanden: »Wo sind Samuel und David?« »In der
Prophetensiedlung in Rama«, bekam er zur Antwort.
1Sam 19,23 Schon auf dem Weg dorthin kam Gottes Geist auch auf Saul. Er geriet
in Ekstase wie die Propheten und erreichte so ihre Siedlung in Rama.
1Sam 19,24 Dort zog er sein Obergewand aus, tanzte vor Samuel umher und
weissagte, bis er schließlich hinfiel. Den ganzen Tag und auch die ganze
folgende Nacht blieb er halb nackt am Boden liegen. Durch dieses Ereignis
entstand die Redensart: »Gehört Saul auch zu den Propheten?«
1Sam 20,1 Nun floh David aus der Siedlung der Propheten in Rama. Heimlich suchte
er Jonatan auf und fragte ihn: »Was habe ich nur falsch gemacht? Was habe ich
verbrochen gegen deinen Vater? Warum will er mich umbringen?«
1Sam 20,2 »Wie kommst du darauf?«, versuchte Jonatan seinen Freund zu beruhigen.
»Niemand will dich töten! Du weißt genau, dass mein Vater nichts unternimmt,
ohne es vorher mit mir zu besprechen, sei es wichtig oder unwichtig. Warum
sollte er mir ausgerechnet seine Mordabsichten verheimlichen? Nein, David, das
siehst du falsch.«
1Sam 20,3 Doch David widersprach: »Natürlich weißt du nichts davon, denn dein
Vater hat längst gemerkt, dass du mein Freund bist. Darum will er dich nicht
damit belasten. Doch ich sage dir: So gewiss der Herr lebt und so gewiss du
selbst lebst: Mein Leben hängt an einem seidenen Faden!«
1Sam 20,4 Jonatan erklärte: »Ich will alles für dich tun.«
1Sam 20,5 Darauf sagte David: »Morgen beginnt doch das Neumondfest. Da sollte
ich eigentlich als Gast beim königlichen Festmahl erscheinen. Doch ich komme
wohl besser nicht, sondern verstecke mich bis übermorgen Abend irgendwo in der
Nähe.
1Sam 20,6 Wenn dein Vater nach mir fragt, dann sag ihm: ›David hat mich dringend
gebeten, ihn für kurze Zeit in seine Heimatstadt Bethlehem gehen zu lassen, weil
seine Familie das jährliche Opferfest feiern will.‹
1Sam 20,7 Ist dein Vater einverstanden, dann weiß ich, dass mir keine Gefahr
droht. Wird er aber zornig, so bedeutet es, dass er Böses im Schilde führt.
1Sam 20,8 Bitte tu mir diesen Gefallen! Denk an den Freundschaftsbund, den du
mit mir vor dem Herrn geschlossen hast. Doch wenn ich wirklich etwas verbrochen
habe, so töte du mich, nur liefere mich nicht deinem Vater aus.«
1Sam 20,9 Jonatan wehrte ab: »So etwas werde ich nie tun! Sobald ich merke, dass
mein Vater deine Ermordung beschlossen hat, werde ich es dir sagen.«
1Sam 20,10 David fragte: »Aber wie erfahre ich, ob dein Vater zornig geworden
ist oder nicht?«
1Sam 20,11 Jonatan schlug vor: »Komm, wir gehen zusammen hinaus auf das Feld!«
Als sie draußen waren,
1Sam 20,12 fuhr er fort: »Ich verspreche dir vor dem Herrn, dem Gott Israels,
bis übermorgen um diese Zeit herauszufinden, wie mein Vater über dich denkt.
Wenn er dir freundlich gesinnt ist und ich vergesse, es dir zu melden,
1Sam 20,13 dann soll der Herr mich schwer und lange dafür bestrafen. Wenn ich
aber merke, dass mein Vater dich töten will, so will ich dir auch das mitteilen
und dich nicht zurückhalten, damit du dich in Sicherheit bringen kannst. Möge
der Herr dir helfen, wie er früher meinem Vater geholfen hat!
1Sam 20,14 Doch ich habe auch eine Bitte an dich: Sei mein Leben lang so gütig
zu mir, wie der Herr es dir gegenüber ist! Bring mich nicht um, wenn du einmal
König bist!
1Sam 20,15 Mehr noch: Verschone auch meine Nachkommen, und entziehe ihnen
niemals deine Gunst, selbst dann nicht, wenn der Herr alle deine Feinde restlos
beseitigt hat.«
1Sam 20,16 So schloss Jonatan mit David einen Bund für die Zeit, wenn der Herr
sich an Davids Feinden rächen würde.
1Sam 20,17 Er bat David: »Schwör mir, dass du dich so sicher daran halten wirst,
wie du mich heute als deinen Freund liebst.« Jonatan liebte David nämlich wie
sein eigenes Leben.
1Sam 20,18 Dann erklärte Jonatan seinen Plan: »Morgen ist das Neumondfest.
Natürlich wird man dich vermissen, wenn dein Platz leer bleibt.
1Sam 20,19 Geh deshalb am Tag nach dem Fest hinunter auf das Feld, wo du dich
schon einmal versteckt hast. Setz dich dort hinter den großen Stein, den man
Asel nennt.
1Sam 20,20 Ich werde dann wie zufällig herauskommen und drei Pfeile in deine
Richtung schießen, als wollte ich ein bestimmtes Ziel treffen.
1Sam 20,21 Wie gewohnt werde ich dann meinen Diener losschicken, um die Pfeile
wieder zusammenzusuchen. Und nun pass auf! Sage ich zu dem Jungen: ›Die Pfeile
liegen nicht weit weg von mir, bring sie her!‹, dann kannst du ruhig aus deinem
Versteck hervorkommen. Du weißt dann, dass du nichts zu befürchten hast, so wahr
der Herr lebt.
1Sam 20,22 Sage ich meinem Diener aber: ›Die Pfeile liegen weiter weg‹, dann
heißt das, dass du sofort fliehen musst, ja, dass der Herr selbst dich von hier
wegschickt.
1Sam 20,23 Was wir jedoch heute ausgemacht haben, das soll für immer gelten. Der
Herr selbst ist Zeuge unseres gegenseitigen Versprechens.«
1Sam 20,24 Wie verabredet versteckte David sich auf dem Feld. Am Tag des
Neumondfestes setzte sich der König zum Festmahl an den Tisch.
1Sam 20,25 Er saß wie gewohnt an seinem Platz an der Wand neben Abner und
gegenüber von Jonatan. Davids Platz aber blieb leer.
1Sam 20,26 Saul sagte an diesem Tag nichts dazu, denn er dachte: »David kann
sicher aus irgendeinem Grund den Reinheitsvorschriften nicht genügen.«
1Sam 20,27 Doch als Davids Platz auch am zweiten Feiertag leer blieb, fragte
Saul seinen Sohn: »Weißt du, warum dieser Sohn Isais weder gestern noch heute
zum Essen gekommen ist?«
1Sam 20,28 [28/29] Jonatan erwiderte: »Er hat mich dringend gebeten, ihn zu
entschuldigen, damit er nach Bethlehem gehen kann. Er sagte mir: ›Wir feiern zu
Hause das jährliche Opferfest unserer Familie. Mein ältester Bruder wollte mich
unbedingt dabeihaben. Willst du mir einen Gefallen tun, dann befreie mich von
meinen Verpflichtungen, damit ich meine Verwandten besuchen kann.‹ Ich habe es
ihm erlaubt, und darum war er gestern und heute nicht hier.«
1Sam 20,30 Als Saul das hörte, packte ihn der Zorn, und er brüllte Jonatan an:
»Du Hurensohn! Meinst du eigentlich, ich habe noch nicht gemerkt, dass du mit
diesem Sohn Isais unter einer Decke steckst? Schämen solltest du dich! Und auch
deine Mutter, die einen solchen Nichtsnutz zur Welt gebracht hat!
1Sam 20,31 Solange dieser Kerl noch lebt, bist du deines Lebens nicht sicher.
Und Hoffnungen auf den Königsthron brauchst du dir auch keine zu machen. Los,
lass ihn sofort hierher bringen, denn er muss sterben!«
1Sam 20,32 »Was hat er eigentlich getan?«, fragte Jonatan. »Warum soll er
hingerichtet werden?«
1Sam 20,33 Als Antwort schleuderte Saul wütend seinen Speer nach seinem Sohn, um
ihn damit zu durchbohren. Da merkte Jonatan, dass Saul fest entschlossen war,
David zu töten.
1Sam 20,34 Voller Zorn stand er vom Tisch auf und aß an diesem Tag keinen Bissen
mehr. Er war tief getroffen, weil sein Vater seinen Freund David so beschimpft
hatte.
1Sam 20,35 Am nächsten Morgen ging Jonatan wie verabredet auf das Feld hinaus.
Ein junger Sklave begleitete ihn.
1Sam 20,36 »Lauf schon mal los!«, befahl Jonatan. »Du sollst die Pfeile suchen,
die ich gleich abschieße.« Der Junge rannte los, und Jonatan schoss seinen
ersten Pfeil weit über ihn hinaus.
1Sam 20,37 [37/38] Als der Junge dort ankam, wo er den Pfeil zu finden meinte,
rief Jonatan: »Lauf nur, der Pfeil muss noch weiter geflogen sein. Los, beeil
dich!« Schließlich fand der Sklave den Pfeil und brachte ihn seinem Herrn
zurück.
1Sam 20,39 Natürlich verstand er nicht, was sein Herr mit diesen Worten
beabsichtigt hatte, denn nur David und Jonatan wussten Bescheid.
1Sam 20,40 Jonatan übergab seinem Diener Bogen und Pfeile und schickte ihn damit
in die Stadt zurück.
1Sam 20,41 Sobald der Junge verschwunden war, kam David aus seinem Versteck am
südlichen Ende des Feldes hervor. Er warf sich vor Jonatan zu Boden und
verbeugte sich dreimal. Sie küssten sich zum Abschied, und beiden kamen die
Tränen. Noch während David heftig weinte,
1Sam 20,42 sagte Jonatan: »Geh in Frieden, David! Vergiss nie, was wir einander
im Namen des Herrn geschworen haben. Es soll für immer gelten, auch für deine
und meine Nachkommen. Der Herr selbst ist unser Zeuge.«
1Sam 21,1 Danach trennten sie sich. David machte sich auf den Weg, und Jonatan
kehrte in die Stadt zurück.
1Sam 21,2 David floh zum Priester Ahimelech nach Nob. Der kam ihm erschrocken
entgegen und fragte: »Warum kommst du allein, ohne Begleiter?«
1Sam 21,3 David erklärte: »Der König hat mir einen streng geheimen Auftrag
gegeben. Er hat mir eingeschärft, dass kein Mensch auch nur das Geringste davon
erfahren darf. Darum habe ich meine Leute an einen bestimmten Ort geschickt und
bin allein hierher gekommen.
1Sam 21,4 Könntest du mir etwas zu essen geben, vielleicht fünf Brote oder was
du sonst gerade vorrätig hast?«
1Sam 21,5 Der Priester antwortete: »Gewöhnliches Brot ist keines da. Ich könnte
dir höchstens heilige Brote geben, die Gott geweiht sind. Doch das darf ich nur,
wenn sich deine Männer in den letzten Tagen von Frauen fern gehalten haben.«
1Sam 21,6 »Da kannst du unbesorgt sein!«, beruhigte David ihn. »Schon seit
vorgestern hatten wir keine Gelegenheit mehr, mit Frauen zusammen zu sein. Meine
Leute haben außerdem schon den Reinheitsvorschriften genügt, als wir loszogen,
obwohl wir nicht zu einem Opferfest gehen wollten. Also sind sie heute ganz
bestimmt rein.«
1Sam 21,7 Da gab der Priester ihm einige der heiligen Brote, weil er keine
anderen hatte. Diese Brote werden nur dann aus dem Heiligtum genommen, wenn sie
durch frische ersetzt werden. Das hatte man gerade getan.
1Sam 21,8 An diesem Tag hielt sich auch der Edomiter Doëg, der Aufseher über
alle Hirten des Königs, im Heiligtum auf, weil er ein bestimmtes Gesetz erfüllen
musste.
1Sam 21,9 David fragte Ahimelech: »Hast du einen Speer oder ein Schwert für
mich? Der Auftrag des Königs war so dringend, dass ich in der Eile nicht einmal
mein Schwert und die Waffen mitnehmen konnte.«
1Sam 21,10 »Ja«, antwortete Ahimelech, »das Schwert des Philisters Goliat, den
du im Tal der Terebinthen getötet hast, ist noch hier. Es liegt dort hinter
meinen Priestergewändern, in einen Mantel gewickelt. Wenn du es willst, dann
nimm es. Andere Waffen sind keine da.« »Und ob ich es will!«, rief David. »Ein
solches Schwert gibt es kein zweites Mal.«
1Sam 21,11 Noch am selben Tag eilte David weiter, um Saul zu entfliehen. Er
verließ Israel und kam in die Philisterstadt Gat zu König Achisch.
1Sam 21,12 Doch die Hofbeamten warnten den König: »Ist das nicht David, der
Anführer der Israeliten, für den sie tanzten und sangen: ›Saul hat tausend Mann
erschlagen, David aber zehntausend!‹?«
1Sam 21,13 Diese Worte jagten David Angst ein; er fürchtete sich vor Achisch,
dem König von Gat.
1Sam 21,14 In seiner Verzweiflung stellte er sich wahnsinnig. Er schlug wild um
sich, als man ihn festhalten wollte, er trommelte an die Torflügel und ließ
seinen Speichel in den Bart laufen.
1Sam 21,15 Da fuhr Achisch seine Diener an: »Warum habt ihr diesen Kerl zu mir
gebracht? Ihr seht doch selbst, dass er wahnsinnig ist.
1Sam 21,16 Glaubt ihr, in meiner Stadt sind Verrückte so selten, dass ihr mir
diesen vorführt und hier herumtoben lasst? Denkt ihr, ich will so einen Gast
haben?«
1Sam 22,1 So floh David aus Gat und versteckte sich in der Adullamhöhle. Als
seine Brüder und die ganze Verwandtschaft erfuhren, wo er sich aufhielt, kamen
sie alle und schlossen sich ihm an.
1Sam 22,2 Bald scharten sich noch andere um ihn: Menschen, die sich in einer
ausweglosen Lage befanden, die Schulden hatten oder verbittert waren.
Schließlich war es eine Gruppe von etwa 400 Mann, und David wurde ihr Anführer.
1Sam 22,3 Von Adullam aus zog David weiter nach Mizpe im Land Moab. Er bat den
moabitischen König: »Gewähre meinen Eltern Unterschlupf, bis ich weiß, was Gott
mit mir vorhat.«
1Sam 22,4 Er brachte seine Eltern an den Königshof, und sie wohnten dort,
solange David sich im Bergland versteckt hielt.
1Sam 22,5 Eines Tages sagte der Prophet Gad zu David: »Bleib nicht hier in den
Bergen! Geh wieder zurück in das Gebiet des Stammes Juda!« David gehorchte und
kam in den Wald von Heret.
1Sam 22,6 Bald wurde es Saul gemeldet, dass David und seine Anhänger wieder im
Land gesehen wurden. Saul saß gerade unter der Tamariske auf dem Hügel bei der
Stadt Gibea und hielt seinen Speer in der Hand. Er war umringt von seinen
Hofleuten.
1Sam 22,7 »Hört mir zu, ihr Leute vom Stamm Benjamin!«, rief er. »Glaubt ihr
etwa, dieser Sohn Isais wird ausgerechnet euch Felder und Weinberge geben und
euch zu Hauptleuten und Oberbefehlshabern machen?
1Sam 22,8 Oder warum sonst habt ihr euch alle gegen mich verschworen? Keiner von
euch hat mir gesagt, dass Jonatan sich mit diesem Kerl zusammengetan hat! Euch
allen ist egal, was mit mir passiert. Ihr habt es nicht nötig, mir zu melden,
dass mein eigener Sohn einen meiner Untergebenen gegen mich aufhetzt!
Offensichtlich hatte er Erfolg: Dieser Verräter lauert mir nun heimlich auf!«
1Sam 22,9 Da meldete sich Doëg aus Edom zu Wort, der jetzt auch bei Sauls Leuten
stand: »Ich habe ihn gesehen, als ich in Nob war. Er kam zu Ahimelech, dem Sohn
Ahitubs.
1Sam 22,10 Der Priester fragte den Herrn, was David als Nächstes tun sollte.
Dann versorgte er ihn mit Essen und gab ihm sogar das Schwert Goliats.«
1Sam 22,11 Sofort ließ Saul den Priester Ahimelech vorführen. Er und seine ganze
Sippe - alle Priester aus Nob - mussten vor dem König erscheinen.
1Sam 22,12 »Ich habe etwas mit dir zu besprechen, Sohn des Ahitub!«, begann
Saul, als sich alle vor ihm versammelt hatten. »Ja, Herr, ich höre«, erwiderte
dieser.
1Sam 22,13 »Warum habt ihr euch gegen mich verschworen, du und dieser Sohn
Isais? Warum hast du ihm Brot gegeben und ein Schwert? Warum hast du Gott um
Weisung für seinen weiteren Weg gebeten? Dadurch hast du ihn geradezu ermutigt,
mir aufzulauern und mich umzubringen. Dass er das im Schilde führt, ist ja
längst ein offenes Geheimnis!«
1Sam 22,14 Ahimelech versuchte sich zu verteidigen: »Hast du einen treueren
Gefolgsmann als David? Er steht treu zu dir, er ist dein Schwiegersohn, er ist
der Aufseher deiner Leibwache und genießt am ganzen Hof hohes Ansehen.
1Sam 22,15 Es war doch nicht das erste Mal, dass ich für ihn die göttliche
Weisung eingeholt habe. Ich soll ein Verschwörer sein? Nein, niemals! Mein König
möge mich, seinen ergebenen Diener, und meine ganze Sippe nicht verdächtigen,
ein solches Verbrechen begangen zu haben. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung
von einer Verschwörung.«
1Sam 22,16 Doch der König ging nicht darauf ein; er sagte nur: »Ahimelech, das
wirst du mit dem Tod büßen, du und deine Sippe!«
1Sam 22,17 Er wandte sich seinen Wächtern zu und befahl: »Los, umstellt diese
Priester des Herrn, und tötet sie! Denn sie haben Hand in Hand mit David
gearbeitet. Natürlich wussten sie, dass er auf der Flucht war. Trotzdem haben
sie es mir nicht gemeldet.« Doch die Wachen weigerten sich, die Priester des
Herrn umzubringen.
1Sam 22,18 Da drehte der König sich zu Doëg um und sagte: »Komm her, schlag du
sie tot!« Ohne Zögern führte Doëg, der Edomiter, den königlichen Befehl aus. Er
tötete an jenem Tag 85 Männer, die alle das Priestergewand getragen hatten.
1Sam 22,19 Dann ließ Saul alle Einwohner der Priesterstadt Nob mit dem Schwert
ermorden, Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge. Auch ihr Vieh - Rinder, Esel,
Schafe und Ziegen - wurde getötet.
1Sam 22,20 [20/21] Nur ein Sohn Ahimelechs mit Namen Abjatar konnte entkommen.
Er floh zu David und berichtete ihm, dass Saul alle Priester des Herrn
umgebracht hatte.
1Sam 22,22 »Ich wusste es gleich, dass dieser Doëg ein Verräter ist, als ich ihn
damals in Nob sah«, rief David. »Ich allein bin schuld am Tod deiner Verwandten.
1Sam 22,23 Bleib jetzt bei mir! Dann brauchst du keine Angst zu haben. Derselbe,
der mich umbringen will, hat es auch auf dich abgesehen. Bei mir bist du
sicher!«
1Sam 23,1 Eines Tages erreichte David folgende Nachricht: »Die Philister greifen
die Stadt Keïla an und stehlen das Getreide von den Dreschplätzen.«
1Sam 23,2 Da fragte David den Herrn: »Soll ich der Stadt zu Hilfe eilen? Kann
ich die Philister schlagen?« Der Herr antwortete: »Ja, geh! Verjag die
Philister, und befrei die Stadt!«
1Sam 23,3 Doch Davids Leute zögerten: »Schon hier in Juda müssen wir um unser
Leben fürchten. Und nun sollen wir auch noch nach Keïla ziehen und die Truppen
der Philister angreifen?«
1Sam 23,4 Darum fragte David den Herrn noch einmal, und wieder erhielt er die
Antwort: »Geh nach Keïla! Ich helfe dir, die Philister zu besiegen.«
1Sam 23,5 Da zog David mit seiner Truppe nach Keïla, griff die Philister an und
brachte ihnen eine schwere Niederlage bei. Ihr Vieh trieb er als Beute weg. So
befreite er die Einwohner der Stadt.
1Sam 23,6 Dort in Keïla schloss sich Abjatar, der Sohn Ahimelechs, David an. Er
brachte seine Priesterkleidung mit.
1Sam 23,7 Als Saul hörte, dass David sich in der Stadt aufhielt, dachte er:
»Jetzt hat Gott ihn im Stich gelassen und mir ausgeliefert! Jetzt ist die Falle
zugeschnappt. David hat sich selbst gefangen in einer Stadt mit Mauern und
Toren.«
1Sam 23,8 Saul setzte sogleich sein ganzes Heer in Bewegung, um David und seine
Männer in Keïla einzukesseln.
1Sam 23,9 Als David Sauls bösen Plan bemerkte, rief er den Priester Abjatar zu
sich und befahl ihm, die Tasche mit den Losen zu holen.
1Sam 23,10 Dann betete er: »Herr, du Gott Israels, ich habe erfahren, dass Saul
Keïla angreifen und vernichten will, nur weil ich hier bin.
1Sam 23,11 Werden die Einwohner der Stadt mich an Saul ausliefern? Ist es
überhaupt sicher, dass Saul kommt? Herr, du Gott Israels, sag mir, ob es stimmt,
was ich gehört habe!« »Ja, er wird kommen«, lautete die Antwort.
1Sam 23,12 David wollte noch mehr wissen: »Werden die führenden Männer der Stadt
mich und meine Leute an Saul ausliefern?« Der Herr sagte: »Ja, sie werden dich
ausliefern.«
1Sam 23,13 Da verließen David und seine Männer die Stadt Keïla, es waren etwa
600 Mann. Sie streiften durch das Land, von Versteck zu Versteck. Als Saul
erfuhr, dass David aus Keïla entkommen war, brach er seinen Feldzug ab.
1Sam 23,14 [14/15] In der darauf folgenden Zeit hielt David sich in den
unzugänglichen Bergen der Wüste Sif versteckt. Er wusste genau, dass Saul ihn
verfolgte, um ihn umzubringen. Saul suchte ihn, ohne sich eine Pause zu gönnen,
doch Gott ließ nicht zu, dass er David fand. Eines Tages, als David sich gerade
in Horescha in der Wüste Sif aufhielt,
1Sam 23,16 kam Jonatan zu ihm. Er ermutigte David, nicht aufzugeben, sondern auf
die Hilfe Gottes zu vertrauen.
1Sam 23,17 »Hab keine Angst«, redete er ihm zu, »mein Vater wird dich nicht
finden! Eines Tages wirst du König über Israel sein, und ich bin dann dein
Stellvertreter. Das weiß auch Saul, mein Vater.«
1Sam 23,18 Danach schworen sie einander erneut ewige Treue und riefen den Herrn
als Zeugen an. David blieb in Horescha, Jonatan aber kehrte wieder nach Hause
zurück.
1Sam 23,19 Einige Bewohner der Wüste Sif gingen zu Saul nach Gibea. »Wir wissen,
wo David sich verborgen hält«, verrieten sie dem König. »Sein Versteck liegt
ganz in unserer Nähe, in den Bergen bei Horescha. Dort gibt es einen Hügel mit
Namen Hachila, südlich von Jeschimon.
1Sam 23,20 Wenn du einverstanden bist, mit uns dorthin zu ziehen, o König, dann
liefern wir dir David aus.«
1Sam 23,21 Saul antwortete: »Der Herr belohne euch für euer Mitleid mit mir.
1Sam 23,22 Geht nun zurück, und forscht gründlich nach, bis ihr genau wisst, wo
er sich aufhält und wer ihn dort gesehen hat. Ich habe nämlich gehört, dass er
sehr listig ist.
1Sam 23,23 Spürt jeden Schlupfwinkel auf, in dem er sich verstecken könnte.
Sobald ihr Genaues wisst, kommt wieder zu mir. Dann will ich mit euch gehen.
Wenn er dann noch im Land ist, werde ich ihn finden, und wenn ich ganz Juda
durchkämmen müsste!«
1Sam 23,24 [24/25] Mit diesem Auftrag kehrten die Männer zurück nach Sif. Saul
folgte bald darauf mit seiner Truppe, um David zu suchen. David und seine Leute
waren inzwischen in der Wüste Maon, südlich von Jeschimon. Als er hörte, dass
Saul ihn wieder verfolgte, zog er sich noch weiter in den Süden der Wüste Maon
zurück, bis zu dem großen Felsblock, der dort aus dem Tal herausragt. Doch Saul
erfuhr davon und jagte David sogleich nach.
1Sam 23,26 Schon lag nur noch ein Höhenzug zwischen den beiden: Saul auf der
einen, David und seine Leute auf der anderen Seite. David versuchte verzweifelt,
Saul zu entkommen, während der König und seine Soldaten immer näher rückten.
Gerade wollten sie ihn umzingeln und ergreifen,
1Sam 23,27 da kam ein Bote zu Saul und meldete: »Die Philister sind wieder bei
uns eingefallen! Du musst uns sofort zu Hilfe kommen!«
1Sam 23,28 Saul blieb nichts anderes übrig, als die Verfolgung Davids
abzubrechen und den Philistern entgegenzuziehen. Seitdem heißt dieser Höhenzug
»Fels der Trennung«.
1Sam 24,1 Auch David zog weiter und blieb in den unzugänglichen Bergen bei
En-Gedi.
1Sam 24,2 Kaum hatte Saul die Philister wieder aus dem Land vertrieben, da wurde
ihm gemeldet: »David ist jetzt in der Wüste von En-Gedi!«
1Sam 24,3 [3/4] Saul wählte 3000 Elitesoldaten aus ganz Israel aus und machte
sich auf die Suche nach David und seinen Leuten. Als sie bei den eingezäunten
Schafweiden in der Nähe des Steinbockbergs vorbeikamen und eine Höhle fanden,
ging der König hinein, um seine Notdurft zu verrichten. Ausgerechnet im
hintersten Winkel dieser Höhle hatten David und seine Männer sich versteckt.
1Sam 24,5 »Das ist die Gelegenheit, David!«, flüsterten einige von ihnen ihrem
Anführer zu. »Der Herr hat doch versprochen, dir eines Tages deinen Feind
auszuliefern, damit du dich an ihm rächen kannst. Jetzt ist es so weit!« Da
schlich sich David nach vorne und schnitt unbemerkt einen Zipfel von Sauls
Mantel ab.
1Sam 24,6 Doch er hatte ein schlechtes Gewissen dabei, und sein Herz klopfte
wild.
1Sam 24,7 Als er wieder zu seinen Männern kam, sagte er: »Der Herr bewahre mich
davor, meinem König etwas anzutun, denn er ist vom Herrn ernannt worden! Nein,
niemals werde ich Saul töten, denn der Herr hat ihn zum König eingesetzt.«
1Sam 24,8 David verbot seinen Männern, sich an Saul zu vergreifen. Nach einer
Weile verließ Saul die Höhle wieder, um seine Suche fortzusetzen.
1Sam 24,9 David ließ ihm einen kleinen Vorsprung, trat dann zum Ausgang und
rief: »Mein Herr und König!« Saul drehte sich um; David verneigte sich tief vor
ihm und warf sich zu Boden.
1Sam 24,10 Dann begann David zu reden: »Warum glaubst du dem Geschwätz einiger
Leute, die behaupten, ich wolle dich ins Verderben stürzen?
1Sam 24,11 Heute kannst du mit eigenen Augen sehen, dass es nicht wahr ist!
Vorhin in der Höhle hat der Herr dich mir ausgeliefert. Meine Leute wollten mich
dazu verleiten, dich umzubringen. Doch ich habe dich verschont. Ich dachte:
›Niemals kann ich meinem König etwas antun, denn er ist vom Herrn selbst
eingesetzt worden.‹
1Sam 24,12 Schau, mein Vater, was ich hier in der Hand halte: einen Zipfel
deines Mantels! Den habe ich abgeschnitten, anstatt dich zu töten. Glaubst du
jetzt, dass ich kein Verräter bin und nichts Böses gegen dich im Schilde führe?
Ich habe dir nichts getan, und trotzdem verfolgst du mich und willst mich
beseitigen.
1Sam 24,13 Der Herr soll Richter sein und entscheiden, wer von uns beiden im
Recht ist. Er soll dich für das Unrecht bestrafen, das du mir antust. Ich aber
werde dir kein Haar krümmen.
1Sam 24,14 Schon ein altes Sprichwort sagt: ›Nur ein Gottloser begeht
Verbrechen.‹ Nein, ich werde dir kein Haar krümmen.
1Sam 24,15 Wer bin ich schon, König von Israel, dass du mich verfolgst? Du jagst
einen völlig unbedeutenden Mann!
1Sam 24,16 Der Herr soll unser Richter sein. Er soll entscheiden, wer von uns im
Unrecht ist. Möge er mein Fürsprecher sein und mir zu meinem Recht verhelfen.«
1Sam 24,17 Da begann Saul laut zu weinen und rief: »Bist du es wirklich, mein
Sohn David?
1Sam 24,18 Du bist ein besserer Mensch als ich. Du bist gut zu mir, obwohl ich
dich schlecht behandelt habe.
1Sam 24,19 Gerade heute hast du wieder bewiesen, wie großmütig du bist: Obwohl
der Herr mich dir ausgeliefert hat, hast du mich nicht umgebracht.
1Sam 24,20 Wer lässt schon seinen Feind unbehelligt laufen, wenn er ihn einmal
in seiner Gewalt hat? Der Herr möge dich für deine Großzügigkeit belohnen!
1Sam 24,21 Ich weiß genau, dass du König sein wirst und deine Familie in Israel
für alle Zeiten regieren wird.
1Sam 24,22 Darum bitte ich dich: Schwöre mir vor dem Herrn, dass du meine
Familie nicht auslöschen wirst. Bitte lass nicht zu, dass mein Geschlecht
ausstirbt.«
1Sam 24,23 David schwor es. Danach kehrte Saul nach Hause zurück, während David
und seine Leute wieder in die Berge hinaufstiegen.
1Sam 25,1 In dieser Zeit starb Samuel. Ganz Israel kam nach Rama, wo er gewohnt
hatte, und hielt für ihn die Totenklage. Danach beerdigten sie ihn in seinem
Familiengrab. David zog in die Wüste Paran hinab.
1Sam 25,2 [2-4] In Maon lebte ein Mann namens Nabal, ein Nachkomme Kalebs. Er
war sehr reich: Ihm gehörten 3000 Schafe und 1000 Ziegen. Seine Viehweiden lagen
beim Nachbardorf Karmel. Er hatte eine Frau namens Abigajil, die sehr schön und
klug war. Nabal aber war grob und niederträchtig. Eines Tages kam Nabal nach
Karmel, um seine Schafe zu scheren. Als David in der Wüste davon erfuhr,
1Sam 25,5 schickte er zehn junge Männer nach Karmel hinauf. Sie sollten Nabal
freundlich von ihm grüßen und ihm ausrichten:
1Sam 25,6 »Ich wünsche dir und deiner Familie Glück und ein langes Leben! Mögen
deine Herden immer größer werden!
1Sam 25,7 Ich habe gehört, dass du deine Schafe scheren lässt. In Karmel waren
deine Hirten und die Herden immer mit uns zusammen. Nie haben wir ihnen etwas
zuleide getan, kein einziges Tier haben wir gestohlen.
1Sam 25,8 Frag deine Leute, sie werden es dir bestätigen! Heute ist für dich ein
Festtag. Darum bitte ich dich: Empfange meine Leute freundlich! Sie und auch ich
sind deine ergebenen Diener. Bitte gib ihnen an Lebensmitteln mit, was du
entbehren kannst.«
1Sam 25,9 Davids Leute kamen nach Karmel, richteten Nabal alles aus und warteten
gespannt auf seine Antwort.
1Sam 25,10 Doch Nabal schimpfte: »Was ist das für einer, dieser David, der Sohn
Isais? Heutzutage gibt es haufenweise solche davongelaufenen Sklaven!
1Sam 25,11 Und da sollte ich Essen und Trinken und sogar das Fleisch meiner
Schafe, die ich für die Scherer geschlachtet habe, solchen dahergelaufenen
Landstreichern geben? Ich weiß ja nicht einmal, woher sie kommen!«
1Sam 25,12 Die Männer kehrten zu David zurück und erzählten ihm, was geschehen
war.
1Sam 25,13 Da befahl David: »Holt eure Schwerter!« Alle schnallten ihre
Schwerter um, auch David. Dann zog er mit 400 Mann in Richtung Karmel. Die
restlichen 200 blieben als Wachen im Lager zurück.
1Sam 25,14 Inzwischen hatte einer von Nabals Knechten dessen Frau Abigajil
berichtet: »David hat aus der Wüste Boten zu Nabal gesandt, um ihm alles Gute zu
wünschen; der aber hat sie nur angebrüllt!
1Sam 25,15 Dabei waren diese Männer sehr gut zu uns. Als wir mit unseren Herden
umherzogen, haben sie uns nie etwas zuleide getan; kein einziges Tier haben sie
uns gestohlen.
1Sam 25,16 Im Gegenteil: Tag und Nacht umgaben sie uns wie eine schützende
Mauer, solange wir unsere Herden in ihrer Nähe hüteten.
1Sam 25,17 Nun überleg doch, was zu tun ist! Unternimm etwas, sonst gibt es ein
Unglück! Dann ist Nabal verloren und wir alle mit ihm. Du weißt ja, wie
niederträchtig er ist. Man kann mit ihm nicht reden!«
1Sam 25,18 So schnell wie möglich holte Abigajil 200 Brote, 2 Schläuche Wein, 5
fertig zubereitete Schafe, einen Sack geröstetes Getreide, 100 Rosinenkuchen und
200 Feigenkuchen. Sie ließ alles auf Esel laden
1Sam 25,19 und befahl den Knechten: »Geht voraus, ich komme hinterher!« Ihrem
Mann sagte sie nichts von ihrem Plan.
1Sam 25,20 Im Schutz des Berges ritt sie auf einem Esel den Bergpfad hinunter.
David und seine Leute waren schon in der Nähe; bald musste sie ihnen begegnen.
1Sam 25,21 David war immer noch wütend. »Für nichts und wieder nichts habe ich
die Herden beschützt, die dieser Schuft in der Wüste weiden ließ! Sorgfältig
habe ich darauf geachtet, dass ihm nichts gestohlen wurde. Und was ist der Dank?
Eine unverschämte Abfuhr!
1Sam 25,22 Gott soll mich hart bestrafen, wenn ich bis morgen früh auch nur
einen seiner Männer am Leben lasse!«
1Sam 25,23 [23/24] Als Abigajil David auf sich zukommen sah, stieg sie schnell
von ihrem Esel und warf sich David zu Füßen. Sie verneigte sich, bis ihr Gesicht
den Boden berührte. Dann begann sie: »Ich allein bin schuld, mein Herr. Bitte
lass deine Dienerin reden, und hör, was ich dir sagen will!
1Sam 25,25 Ärgere dich nicht über diesen boshaften Menschen! Er ist genau das,
was sein Name bedeutet: Nabal, ein unverbesserlicher Dummkopf. Leider habe ich
die Boten nicht gesehen, die du, mein Herr, zu uns geschickt hast.
1Sam 25,26 Doch so gewiss der Herr lebt und so gewiss du lebendig vor mir
stehst: Der Herr selbst hat dich aufgehalten. Er will nicht zulassen, dass du
dich rächst und so zum Mörder wirst. Nabal wird seine gerechte Strafe schon
bekommen. Und wie ihm soll es auch deinen Feinden ergehen und allen, die Böses
gegen dich im Schilde führen.
1Sam 25,27 Sieh doch, ich habe dir Geschenke mitgebracht, mein Herr. Deine Leute
sollen sie mitnehmen und unter sich aufteilen.
1Sam 25,28 Vergib uns, dass wir dich so schlecht behandelt haben. Gewiss wird
der Herr deine königliche Familie nie aussterben lassen, denn du kämpfst gegen
die Feinde Gottes. Er bewahre dich dein Leben lang vor großen Fehlern.
1Sam 25,29 Der Herr wird dich beschützen, wenn dich jemand verfolgt und
umbringen will. Er wird dich behüten wie einen kostbaren Schatz. Das Leben
deiner Feinde aber wird er wegschleudern wie einen Stein.
1Sam 25,30 Wenn der Herr alle seine Versprechen erfüllt und dich zum König über
Israel macht,
1Sam 25,31 dann sollst du nichts bereuen müssen. Du wirst ein reines Gewissen
haben, weil du dich nicht gerächt hast und nicht zum Mörder geworden bist. Und
wenn der Herr es dir einmal gut gehen lässt, dann denke bitte auch an mich,
deine ergebene Dienerin.«
1Sam 25,32 David rief: »Ich danke dem Herrn, dem Gott Israels, dass er dich
gerade in diesem Augenblick zu mir geschickt hat!
1Sam 25,33 Wie froh bin ich über deine Klugheit! Ich danke dir, dass du mich
heute davon abgehalten hast, mich auf eigene Faust zu rächen und einen Mord zu
begehen.
1Sam 25,34 Vor dem lebendigen Herrn und Gott Israels, der meinen bösen Plan
durchkreuzt hat, muss ich gestehen: Keiner von Nabals Männern hätte den nächsten
Morgen erlebt, wenn du nicht so schnell gehandelt hättest.«
1Sam 25,35 David nahm die Lebensmittel von Abigajil entgegen und verabschiedete
sich von ihr. »Du kannst beruhigt nach Hause zurückkehren«, sagte er, »ich habe
mich von dir überzeugen lassen und werde deine Bitte erfüllen.«
1Sam 25,36 Als Abigajil nach Hause kam, hatte Nabal ein großes Festessen
aufgetischt, wie es sonst nur Könige haben. Er war in bester Laune und schon
völlig betrunken. Darum sagte Abigajil ihm vorerst kein Wort von ihrer Begegnung
mit David.
1Sam 25,37 Erst am nächsten Morgen, als er seinen Rausch ausgeschlafen hatte,
erzählte sie ihm alles. Da erlitt Nabal einen Schlaganfall und wurde völlig
gelähmt.
1Sam 25,38 Nach etwa zehn Tagen ließ der Herr ihn sterben.
1Sam 25,39 Als David von Nabals Tod erfuhr, rief er: »Gelobt sei der Herr! Er
hat mir zu meinem Recht verholfen und Nabal für seine Beleidigungen bestraft.
Mich hat er vor einem schweren Vergehen bewahrt, ihm dagegen hat er seine
Bosheit heimgezahlt!«Bald darauf schickte David Boten zu Abigajil und ließ sie
bitten, seine Frau zu werden.
1Sam 25,40 Die Diener Davids kamen zu Abigajil nach Karmel und sagten: »David
schickt uns. Er möchte dich heiraten.«
1Sam 25,41 Ohne zu zögern, stand sie auf, verbeugte sich tief und antwortete:
»Ich stehe ihm ganz zu Diensten. Ich bin bereit, den Boten meines Herrn die Füße
zu waschen.«
1Sam 25,42 Dann packte sie schnell ihre Sachen zusammen, setzte sich auf einen
Esel und ritt mit den Boten zu David. Fünf Dienerinnen begleiteten sie. So wurde
sie Davids Frau.
1Sam 25,43 David hatte nun zwei Frauen, denn schon früher hatte er Ahinoam aus
Jesreel geheiratet.
1Sam 25,44 Saul hatte ihm Michal weggenommen und sie Palti aus Gallim, einem
Sohn Lajischs, zur Frau gegeben.
1Sam 26,1 Eines Tages kamen wieder einige Bewohner der Wüste Sif zu Saul nach
Gibea. »Wir wissen, wo David sich versteckt hält!«, meldeten sie dem König. »Er
lagert auf dem Hachilahügel, gegenüber dem Wüstenstreifen von Jeschimon.«
1Sam 26,2 Sofort rief Saul die 3000 besten Soldaten Israels zusammen und
marschierte mit ihnen in die Wüste Sif, um David aufzuspüren.
1Sam 26,3 Auf dem Hachilahügel gegenüber von Jeschimon schlug er entlang der
Straße sein Lager auf. David versteckte sich immer noch in der Wüste. Als er
hörte, dass Saul ihn wieder verfolgte,
1Sam 26,4 schickte er sofort einige Kundschafter los. Sie kehrten mit der
Nachricht zurück, der König sei tatsächlich mit einem Heer in der Wüste.
1Sam 26,5 Da schlich sich David selbst heimlich an das Lager Sauls heran. Er sah
gleich, wo der König und sein Heerführer Abner, ein Sohn Ners, übernachteten:
Das Lager war kreisförmig aufgebaut, außen herum hatten die Soldaten sich
niedergelassen, im innersten Ring aber war die Schlafstelle Sauls.
1Sam 26,6 David hatte zwei Begleiter bei sich: den Hetiter Ahimelech und
Abischai, den Sohn seiner Schwester Zeruja und Bruder Joabs. »Heute Nacht
schleiche ich mich an das Lager heran«, sagte David. »Wer von euch kommt mit?«
»Ich gehe mit!«, antwortete Abischai.
1Sam 26,7 Mitten in der Nacht machten sie sich auf den Weg. Sie schlichen an den
schlafenden Soldaten und an Abner vorbei und drangen bis in den innersten Ring
vor. Dort lag Saul und schlief fest. Sein Speer steckte neben seinem Kopfkissen
im Boden.
1Sam 26,8 »Heute hat Gott dir deinen Feind ausgeliefert!«, flüsterte Abischai
David zu. »Lass mich ihn mit seinem Speer an den Boden spießen! Ich brauche nur
einen einzigen Stoß; ein zweiter wird nicht nötig sein! Darauf kannst du dich
verlassen.«
1Sam 26,9 David wehrte ab: »Das wirst du nicht tun! Keiner kommt ungestraft
davon, der sich an dem König vergreift, den der Herr eingesetzt hat.
1Sam 26,10 So gewiss der Herr lebt: Er selbst wird festlegen, wann Saul sterben
muss - ganz gleich, ob eines natürlichen Todes oder in einer Schlacht.
1Sam 26,11 Der Herr bewahre mich davor, seinem König etwas anzutun. Doch komm,
nimm seinen Speer und seinen Wasserkrug; und dann lass uns hier verschwinden!«
1Sam 26,12 Sie nahmen beides mit und schlichen wieder fort. Niemand im Lager
hatte etwas gesehen oder gehört. Keiner war aufgewacht. Alle schliefen fest,
denn der Herr hatte sie in einen tiefen Schlaf fallen lassen.
1Sam 26,13 David und Abischai eilten ins Tal hinunter und stiegen auf der
anderen Talseite wieder hinauf. In sicherer Entfernung zu Sauls Lager stellten
sie sich oben auf den Berg.
1Sam 26,14 Dann schrie David zu den Soldaten und zu Abner hinüber: »Abner, hörst
du schlecht?« Abner rief zurück: »Was ist das für ein Lärm? Wer weckt hier mit
seinem Geschrei den König?«
1Sam 26,15 David spottete: »Du bist mir ein schöner Held, Abner! In ganz Israel
gibt es wohl keinen pflichtbewussteren Mann als dich! Doch warum bewachst du
deinen Herrn, den König, nicht besser? Vorhin hat sich jemand ins Lager
eingeschlichen. Ohne weiteres hätte er den König umbringen können.
1Sam 26,16 Das war wirklich kein Glanzstück von dir! Ich schwöre bei dem
lebendigen Gott: Für dich und alle deine Soldaten hat die letzte Stunde
geschlagen! Denn ihr habt euren König, den der Herr eingesetzt hat, nicht
beschützt! Schau doch einmal nach, ob der Speer des Königs und sein Wasserkrug
noch da sind! Sie lagen beide neben seinem Kopfkissen.«
1Sam 26,17 Da erkannte Saul Davids Stimme und rief: »Bist du das nicht, mein
Sohn David?« »Ja, mein König!«, antwortete David und fragte dann:
1Sam 26,18 »Warum verfolgst du mich eigentlich, mein Herr? Was habe ich
verbrochen? Wo liegt meine Schuld?
1Sam 26,19 Ich bitte dich, mein König, hör mich an! Irgendjemand muss dich gegen
mich aufgehetzt haben. War es der Herr, so will ich ihm ein wohlriechendes Opfer
darbringen, damit sein Zorn sich legt. Sind es aber Menschen gewesen, so möge
der Fluch des Herrn sie treffen. Denn sie vertreiben mich aus dem Volk Gottes
und wollen mich damit zwingen, anderen Göttern zu dienen.
1Sam 26,20 Du, o König, kannst verhindern, dass ich in der Fremde umkomme - weit
weg vom Heiligtum des Herrn. Überleg doch, was du tust: Wie man zur Rebhuhnjagd
in die Berge geht, so jagt der König von Israel einem Mann nach, der so
unbedeutend ist wie ein Floh!«
1Sam 26,21 Da gestand Saul: »Ich bin im Unrecht. Komm wieder zurück, David, mein
Sohn! Nie mehr werde ich dir etwas antun, denn du hast heute mein Leben hoch
geachtet und mich nicht umgebracht. Ich habe eine große Dummheit begangen und
dir schweres Unrecht getan.«
1Sam 26,22 David rief hinüber: »Ich halte hier den Speer des Königs in meiner
Hand. Einer seiner Soldaten soll herüberkommen und ihn holen.
1Sam 26,23 Der Herr belohnt jeden, der ihm gehorcht und treu zu ihm steht. Heute
hat der Herr dich in meine Gewalt gegeben. Doch ich wollte mich nicht an dem
König vergreifen, den der Herr eingesetzt hat.
1Sam 26,24 Aber eines ist sicher: So kostbar wie dein Leben in meinen Augen ist,
so kostbar ist dem Herrn auch mein Leben. Eines Tages wird er mir aus allen
Schwierigkeiten heraushelfen.«
1Sam 26,25 Saul antwortete: »Der Herr steht dir bei und hilft dir, mein Sohn
David. Deshalb wird dir alles gelingen, was du dir vornimmst.« Daraufhin
verschwand David, und Saul kehrte wieder nach Hause zurück.
1Sam 27,1 Doch auch nach dieser Begegnung blieb David misstrauisch und dachte:
»Irgendwann wird Saul mich doch noch umbringen. Es wird das Beste sein, wenn ich
schnell von hier verschwinde und zu den Philistern gehe. Dann habe ich endlich
Ruhe vor Saul. Denn solange ich in Israel bin, wird er nicht aufhören, nach mir
zu suchen.«
1Sam 27,2 So zog David mit seinen 600 Männern über die Grenze zu König Achisch,
dem Sohn Maochs; er herrschte über die Philisterstadt Gat.
1Sam 27,3 Ihre Familien nahmen sie mit. Auch die beiden Frauen Davids waren
dabei: Ahinoam aus Jesreel und Abigajil aus Karmel, die Witwe Nabals. Ihnen
allen erlaubte König Achisch, in Gat zu wohnen.
1Sam 27,4 Als Saul davon erfuhr, hörte er auf, nach David zu suchen.
1Sam 27,5 Nach einiger Zeit bat David König Achisch: »Wenn du es gut mit mir
meinst, dann lass mich in eine Stadt auf dem Land ziehen! Warum soll ich bei
dir, mein König, in der Hauptstadt bleiben?«
1Sam 27,6 Achisch war einverstanden und überließ David noch am selben Tag die
Stadt Ziklag. Daher gehört Ziklag noch heute den Königen von Juda.
1Sam 27,7 David wohnte ein Jahr und vier Monate bei den Philistern.
1Sam 27,8 Von Ziklag aus unternahmen David und seine Männer Raubzüge. Mal fielen
sie bei dem Nomadenstamm der Geschuriter ein, dann wieder bei den Girsitern oder
bei den Amalekitern. Alle diese Stämme wohnten südlich von Juda bis hinunter
nach Schur und an die Grenze zu Ägypten.
1Sam 27,9 Bei diesen Überfällen ließen sie weder Männer noch Frauen am Leben.
Doch die Schafe, Rinder, Esel, Kamele und auch die Kleider nahmen sie als Beute
mit. Wenn David zurückkam,
1Sam 27,10 fragte Achisch ihn jedes Mal: »Wo bist du heute eingefallen?« »In das
südliche Gebiet Judas«, log David dann oder: »Bei der jüdischen Sippe der
Jerachmeeliter« oder: »Ins südliche Gebiet der Keniter.«
1Sam 27,11 Um nicht als Lügner entlarvt zu werden, brachte David bei seinen
Raubzügen alle Menschen um, anstatt sie nach Gat auf den Sklavenmarkt zu
bringen. Denn er wollte verhindern, dass sie ihn verrieten und dem König sein
Doppelspiel aufdeckten. So handelte David während seiner ganzen Zeit bei den
Philistern.
1Sam 27,12 Achisch glaubte ihm alles. Er dachte: »Jetzt muss David in meinem
Dienst bleiben, denn er hat sich bei seinen Landsleuten verhasst gemacht!«
1Sam 28,1 In dieser Zeit zogen die Philister wieder ihre Truppen zusammen, um
Israel anzugreifen. Achisch sagte zu David: »Ich erwarte von dir, dass du und
deine Männer mit uns in den Kampf ziehen!«
1Sam 28,2 »Einverstanden«, antwortete David, »du wirst selbst sehen, was ich
fertig bringe.« »Gut«, fuhr Achisch fort, »ich will, dass du für die ganze Zeit
dieses Feldzugs mein Leibwächter bist.«
1Sam 28,3 Samuel war gestorben und in seiner Heimatstadt Rama beerdigt worden.
Ganz Israel hatte für ihn die Totenklage gehalten. Als Saul König geworden war,
hatte er alle Totenbeschwörer und Wahrsager aus Israel vertrieben.
1Sam 28,4 Nun hatten die Philister ihre Truppen zusammengezogen und ihr Lager
bei Schunem aufgeschlagen. Auch Saul ließ die israelitischen Soldaten antreten.
Ihr Lager befand sich auf dem Gilboagebirge.
1Sam 28,5 Als Saul das riesige Heer der Philister sah, packte ihn die Angst.
1Sam 28,6 Er fragte den Herrn um Rat, erhielt aber keine Antwort, weder durch
Träume noch durch das Los, noch durch einen Propheten.
1Sam 28,7 In seiner Verzweiflung befahl Saul seinen Dienern: »Geht los, und
sucht eine Totenbeschwörerin! Ich will zu ihr gehen und sie um Rat fragen.« Die
Diener antworteten: »In En-Dor ist eine Frau, die Tote beschwören kann.«
1Sam 28,8 Saul verhüllte sein Gesicht, zog andere Kleider an und machte sich mit
zwei Männern auf den Weg nach En-Dor. Es war Nacht, als er bei der Frau ankam.
»Ich möchte, dass du mir durch den Geist eines Verstorbenen die Zukunft
voraussagst«, begann Saul. »Ich will mit einem ganz bestimmten Menschen reden.
Bitte beschwör seinen Geist, damit er aus dem Totenreich heraufkommt!«
1Sam 28,9 Doch die Frau entgegnete: »Du weißt doch, dass König Saul das verboten
hat. Hast du vergessen, mit welcher Härte er alle Totenbeschwörer und Wahrsager
aus Israel vertrieben hat? Warum stellst du mir diese Falle? Willst du mich
töten?«
1Sam 28,10 Da legte Saul einen Eid ab: »Ich schwöre dir beim Herrn, dass du
dafür nicht bestraft wirst!«
1Sam 28,11 »Wen soll ich dir heraufholen?«, wollte die Frau wissen. »Ruf Samuel
herauf!«, antwortete Saul.
1Sam 28,12 Als die Totenbeschwörerin Samuel kommen sah, schrie sie laut auf und
fuhr Saul an: »Warum hast du mich hereingelegt? Du selbst bist Saul!«
1Sam 28,13 Saul beruhigte sie: »Du brauchst deswegen keine Angst zu haben. Sag,
was siehst du?« »Ich sehe einen Geist aus der Erde heraufsteigen«, antwortete
sie.
1Sam 28,14 »Wie sieht er aus?«, fragte Saul. »Es ist ein alter Mann. Er ist in
einen Prophetenmantel gehüllt.« Da wusste Saul, dass es Samuel war. Voller
Ehrfurcht verbeugte er sich, bis sein Gesicht die Erde berührte, und warf sich
dann zu Boden.
1Sam 28,15 »Warum störst du meine Ruhe und lässt mich wieder heraufkommen?«,
fragte Samuel ihn. Saul antwortete: »Weil ich keinen Ausweg mehr sehe. Die
Philister führen Krieg gegen mich, und Gott hat mich verlassen. Er gibt mir
keine Antwort mehr, weder durch Propheten noch durch Träume. Darum habe ich dich
rufen lassen, damit du mir weiterhilfst und mir sagst, was ich tun soll.«
1Sam 28,16 Samuel entgegnete: »Warum fragst du mich, wenn du doch genau weißt,
dass der Herr sich von dir abgewandt hat und dein Feind geworden ist?
1Sam 28,17 Er führt ja nur aus, was er dir längst durch mich ausrichten ließ: Er
nimmt dir die Herrschaft und gibt sie David.
1Sam 28,18 Der Herr bestraft dich, weil du ihm damals nicht gehorcht hast, als
er dir befahl, sein Urteil an den Amalekitern zu vollstrecken.
1Sam 28,19 Aber das ist noch nicht alles: Der Herr wird dich und mit dir ganz
Israel in die Gewalt der Philister geben. Morgen schon werden du und deine Söhne
bei mir im Totenreich sein. Außerdem wird der Herr dein ganzes Heer den
Philistern ausliefern.«
1Sam 28,20 Als Saul das hörte, fuhr ihm der Schreck in die Glieder, und er brach
zusammen. Er war ohnehin schon geschwächt, weil er den ganzen Tag und die ganze
Nacht nichts gegessen hatte.
1Sam 28,21 Als die Totenbeschwörerin sah, wie bestürzt Saul war, trat sie zu ihm
und sagte: »Mein König, ich habe vorhin auf dich gehört. Ich habe mein Leben
aufs Spiel gesetzt und getan, was du von mir verlangt hast.
1Sam 28,22 Nun lass dir auch von mir etwas sagen: Ich will dir schnell etwas zu
essen machen. Du musst dich jetzt stärken für den Rückweg.«
1Sam 28,23 Doch Saul wehrte ab: »Ich kann jetzt nichts essen!« Aber seine Diener
und die Frau bedrängten ihn so sehr, dass er schließlich nachgab und sich aufs
Bett setzte.
1Sam 28,24 Die Frau hatte im Stall ein gemästetes Kalb. Das schlachtete sie in
aller Eile. Dann nahm sie etwas Mehl, knetete einen Teig und backte schnell
einige Brotfladen.
1Sam 28,25 Das alles reichte sie dem König und seinen Begleitern. Sie aßen und
machten sich noch in derselben Nacht auf den Rückweg.
1Sam 29,1 Während das Heer der Israeliten bei der Quelle in der Nähe von Jesreel
lagerte, sammelten die Philister ihre Truppen bei Afek.
1Sam 29,2 Bei der Musterung marschierten alle Könige der Philister mit ihren
Heeresabteilungen auf, als letzter Achisch mit David und seinen Leuten.
1Sam 29,3 »Was haben denn diese Hebräer hier verloren?«, wollten die Heerführer
der Philister wissen. Achisch antwortete: »Das ist David, der früher im Dienste
König Sauls von Israel stand. Er ist nun schon lange bei mir. Seit er zu mir
übergelaufen ist, hatte ich noch nie etwas an ihm auszusetzen.«
1Sam 29,4 Doch die Heerführer wurden zornig und befahlen Achisch: »Schick ihn
gefälligst nach Hause! Er kann ja in der Stadt bleiben, die du ihm überlassen
hast. Aber auf keinen Fall darf er mit uns gegen Israel in den Krieg ziehen.
Stell dir vor, er würde mitten in der Schlacht nicht mehr mit, sondern gegen uns
kämpfen! Könnte er sich wohl die Gunst seines Königs Saul besser zurückerobern
als mit den Köpfen unserer Soldaten?
1Sam 29,5 Das ist doch der David, für den sie tanzten und sangen: ›Saul hat
tausend Mann erschlagen, David aber zehntausend.‹«
1Sam 29,6 Da rief Achisch David zu sich und sagte zu ihm: »Ich schwöre dir beim
Herrn, dass ich dich für ehrlich halte. Ich hätte es sehr gern gesehen, wenn du
mit mir in diese Schlacht gezogen wärst. Denn seit du in meinen Dienst getreten
bist, habe ich nichts Schlechtes von dir gehört. Aber leider trauen die anderen
Heerführer der Philister dir nicht.
1Sam 29,7 Darum musst du wohl oder übel umkehren, damit du nicht etwas tust, was
sie verärgert.«
1Sam 29,8 »Womit habe ich das verdient?«, wollte David wissen. »Hast du je etwas
an mir auszusetzen gehabt, seit ich in deinen Diensten stehe? Warum darf ich
nicht mit in die Schlacht ziehen und gegen deine Feinde kämpfen, mein König?«
1Sam 29,9 »Ich verstehe es ja auch nicht!«, antwortete Achisch. »Soweit ich dich
kenne, bist du treu wie ein Engel Gottes. Aber die Heerführer der Philister
bestehen darauf, dass du diesen Feldzug nicht mitmachst.
1Sam 29,10 Packt also morgen bei Tagesanbruch eure Sachen - du und alle früheren
Untertanen Sauls -, und kehrt in die Stadt zurück, die ich euch als Wohnort
überlassen habe. Macht euch in aller Frühe fertig, und brecht auf, sobald es
hell wird!«
1Sam 29,11 So packten David und seine Männer früh am nächsten Morgen ihre Sachen
und kehrten ins Land der Philister zurück. Die Philister aber zogen nach
Jesreel.
1Sam 30,1 Zwei Tage später kamen David und seine Männer nach Ziklag zurück.
Inzwischen waren die Amalekiter im Südland eingefallen und hatten Ziklag in
Schutt und Asche gelegt.
1Sam 30,2 Sie hatten niemanden getötet, sondern alle Frauen und Kinder gefangen
genommen und verschleppt.
1Sam 30,3 David und seine Leute kamen zurück zu dem rauchenden Trümmerhaufen,
der einmal Ziklag gewesen war, und sahen, dass ihre Frauen, Söhne und Töchter
alle verschleppt worden waren.
1Sam 30,4 Da schrien sie vor Schmerz laut auf und weinten, bis sie völlig
erschöpft waren.
1Sam 30,5 Auch Davids Frauen - Ahinoam aus Jesreel und Abigajil aus Karmel, die
Witwe Nabals - waren entführt worden.
1Sam 30,6 David befand sich in einer schwierigen Lage. Seine Leute sprachen
schon davon, ihn zu steinigen, denn alle waren erbittert über den Verlust ihrer
Söhne und Töchter. Da suchte David Zuflucht bei seinem Gott, und das Vertrauen
auf den Herrn gab ihm wieder Mut und Kraft.
1Sam 30,7 Er befahl dem Priester Abjatar, dem Sohn Ahimelechs, die Tasche mit
den Losen zu holen. Als Abjatar mit den Losen kam,
1Sam 30,8 fragte David den Herrn: »Soll ich dieser Räuberbande nachjagen? Werde
ich sie einholen?« Die Antwort lautete: »Ja, verfolg sie! Du wirst sie einholen
und alle Gefangenen befreien.«
1Sam 30,9 [9/10] Da brachen David und seine 600 Männer wieder auf. Beim
Besorbach blieben etwa 200 von ihnen zurück, denn sie waren so erschöpft, dass
sie nicht mehr weiter konnten. Die restlichen 400 Soldaten überquerten den Bach
und setzten die Verfolgung fort.
1Sam 30,11 Unterwegs fanden sie einen jungen Mann aus Ägypten, der auf freiem
Feld am Boden lag. Sie trugen ihn zu David und gaben ihm erst einmal Brot und
Wasser,
1Sam 30,12 ein Stück Feigenkuchen und zwei Hand voll gepresster Rosinen. Nachdem
er sich gestärkt hatte, kam er langsam wieder zu Kräften. Er hatte drei Tage
lang nichts gegessen und getrunken.
1Sam 30,13 »Zu wem gehörst du, und woher kommst du?«, wollte David von ihm
wissen. Der Mann antwortete: »Ich bin ein Ägypter, der Sklave eines Amalekiters.
Mein Herr hat mich hier liegen gelassen, als ich vor drei Tagen krank wurde.
1Sam 30,14 Wir hatten vorher das südliche Stammesgebiet der Philister
überfallen, dann auch Gebiete von Juda, besonders den Süden, wo die Nachkommen
Kalebs wohnen. Die Stadt Ziklag haben wir in Schutt und Asche gelegt.«
1Sam 30,15 David fragte: »Kannst du mir sagen, wohin diese Räuberbande gezogen
ist?« Der Ägypter antwortete: »Wenn du mir bei Gott schwörst, dass du mich nicht
umbringst oder an meinen Herrn auslieferst, dann führe ich dich zu ihnen.«
1Sam 30,16 Und so zeigte er David den Weg zum Lager der Amalekiter. Die hatten
sich über die ganze Gegend zerstreut. Sie aßen und tranken und feierten ein
Freudenfest, denn sie hatten bei ihren Raubzügen durch das Land der Philister
und durch Juda reiche Beute gemacht.
1Sam 30,17 Früh am nächsten Morgen, als es gerade hell wurde, griff David mit
seinen Männern an. In einer langen Schlacht, die bis zum Abend dauerte, schlugen
sie ihre Feinde. Bis auf 400 junge Männer, die auf Kamelen flohen, konnte
niemand entrinnen.
1Sam 30,18 [18/19] David befreite die Gefangenen, auch seine beiden Frauen, und
eroberte alles zurück, was die Amalekiter erbeutet hatten. Seine Soldaten sahen
ihre Familien gesund wieder, niemand wurde vermisst. Auch ihren Besitz gab David
ihnen zurück.
1Sam 30,20 Die Rinder, Schafe und Ziegen der Amalekiter nahm David mit. Seine
Leute trieben sie vor ihrem eigenen Vieh her und sagten: »Das ist Davids Beute!«
1Sam 30,21 Die 200 Männer, die David vor Erschöpfung nicht mehr folgen konnten
und am Besorbach zurückgeblieben waren, liefen ihm und seinen Männern entgegen,
als diese zurückkehrten. David ging auf sie zu und begrüßte sie freundlich.
1Sam 30,22 Von denen, die mit David in den Kampf gezogen waren, dachten einige
Männer jedoch nur an ihren eigenen Vorteil. Sie forderten: »Die hier haben uns
in der Schlacht im Stich gelassen. Also sollen sie auch nichts von der Beute
bekommen, die wir unter Lebensgefahr den Feinden entrissen haben! Ihre Frauen
und Kinder dürfen sie wieder mitnehmen. Weiter haben sie hier nichts mehr
verloren.«
1Sam 30,23 Doch da schritt David ein: »Nein, meine Freunde, so machen wir es
nicht! Denn alles hat uns der Herr geschenkt! Er hat uns bewahrt und uns über
diese Räuberhorde siegen lassen!
1Sam 30,24 Und da sollte jemand eurem Vorschlag zustimmen? Wer zurückbleibt und
das Lager bewacht, soll genauso viel erhalten wie jene, die in den Kampf ziehen.
Alle sollen die Beute miteinander teilen.«
1Sam 30,25 Von da an wurde es immer so gehandhabt. David machte es zu einem
Gesetz im israelitischen Recht, das noch heute in Kraft ist.
1Sam 30,26 Als David wieder in Ziklag war, schickte er einen Teil der Beute an
die führenden Männer von Juda, die seine Freunde waren; er ließ ihnen
ausrichten: »Diese Gabe ist für euch. Sie ist ein Teil der Beute, die David den
Feinden des Herrn abgenommen hat.«
1Sam 30,27 Er sandte Geschenke an die Städte Betul, Rama im Süden, Jattir,
1Sam 30,28 Aroër, Sifmot, Eschtemoa,
1Sam 30,29 [29-31] Karmel, Horma, Bor-Aschan, Atach und Hebron, außerdem an die
Städte der Jerachmeeliter und der Keniter und an alle anderen Orte, wo er sich
mit seinen Leuten aufgehalten hatte.
1Sam 31,1 Mittlerweile hatte zwischen den Philistern und den Israeliten auf dem
Gilboagebirge die Schlacht begonnen. Die Israeliten versuchten zu fliehen, aber
die meisten von ihnen fielen.
1Sam 31,2 Die Philister hatten Saul und seine Söhne eingekesselt. Jonatan,
Abinadab und Malkischua waren bereits getötet worden,
1Sam 31,3 um Saul tobte noch ein erbitterter Kampf. Er wurde von den Pfeilen der
Bogenschützen getroffen und verwundet.
1Sam 31,4 Da flehte er seinen Waffenträger an: »Zieh dein Schwert, und töte
mich! Sonst bringen mich diese unbeschnittenen Heiden um und treiben ihren Spott
mit mir.« Doch der Waffenträger weigerte sich. Er wagte es nicht, den König
umzubringen. Da nahm Saul selbst sein Schwert und stürzte sich hinein.
1Sam 31,5 Als der Diener sah, dass sein Herr tot war, ließ auch er sich in sein
Schwert fallen und starb zusammen mit dem König.
1Sam 31,6 So fielen an diesem Tag Saul, seine drei Söhne, sein Waffenträger und
alle seine Männer.
1Sam 31,7 Als die Bewohner der Jesreelebene und der umliegenden Gegend hörten,
dass die Israeliten geflohen und Saul und seine Söhne gefallen waren, ergriffen
auch sie die Flucht. Die Philister nahmen die verlassenen Städte in Besitz und
wohnten darin.
1Sam 31,8 Am Tag nach der Schlacht kehrten die Philister noch einmal zum
Schlachtfeld auf dem Gilboagebirge zurück, um die Gefallenen auszuplündern.
Dabei fanden sie die Leichen Sauls und seiner drei Söhne, die immer noch dort
lagen.
1Sam 31,9 Sie schlugen Saul den Kopf ab und zogen ihm die Rüstung aus. Beides
zeigten sie durch Boten im ganzen Land herum und verkündeten allen Bewohnern und
den Götzen die Nachricht vom Sieg.
1Sam 31,10 Schließlich legten sie Sauls Waffen im Tempel der Göttin Astarte
nieder. Seine Leiche und die Leichen seiner Söhne hängten sie an der Stadtmauer
von Bet-Schean auf.
1Sam 31,11 Als die Einwohner von Jabesch-Gilead hörten, was die Philister mit
Sauls Leiche getan hatten,
1Sam 31,12 machten sich sofort alle wehrfähigen Männer der Stadt auf den Weg.
Sie marschierten die ganze Nacht hindurch nach Bet-Schean. Dort holten sie die
Leichen Sauls und seiner Söhne von der Stadtmauer herunter, brachten sie nach
Jabesch und verbrannten sie dort.
1Sam 31,13 Die Gebeine begruben sie unter der großen Tamariske in Jabesch.
Danach trauerten und fasteten sie eine Woche lang.
2Sam 1,1 König Saul war in der Schlacht gegen die Philister umgekommen. Nachdem
David von seinem Vergeltungsschlag gegen die Amalekiter nach Ziklag
zurückgekehrt war,
2Sam 1,2 erschien zwei Tage später bei ihm ein Mann aus Sauls Heer. Als Zeichen
der Trauer waren seine Kleider zerrissen und sein Haar voller Erde. Er warf sich
ehrerbietig vor David zu Boden.
2Sam 1,3 »Woher kommst du?«, fragte David. Der Mann antwortete: »Ich habe im
israelitischen Heer gekämpft und konnte den Feinden entkommen.«
2Sam 1,4 »Wie ist die Lage?«, wollte David wissen. »Erzähl es mir!« Da
berichtete der Mann: »Viele unserer Soldaten liegen gefallen oder schwer
verwundet auf dem Schlachtfeld, und der Rest ist geflohen. Auch Saul und sein
Sohn Jonatan sind tot.«
2Sam 1,5 »Woher weißt du, dass Saul und Jonatan tot sind?«, unterbrach David
ihn.
2Sam 1,6 Der junge Mann fuhr fort: »Ich kam zufällig ins Bergland von Gilboa.
Dort entdeckte ich Saul, der sich auf seinen Speer stützte. Die feindlichen
Wagen und Reiter schlossen den Kreis um ihn immer enger.
2Sam 1,7 Er drehte sich um, sah mich und rief mir zu, ich solle herkommen.
2Sam 1,8 Als ich bei ihm war, fragte er: ›Wer bist du?‹ ›Ich bin ein
Amalekiter‹, antwortete ich.
2Sam 1,9 Da bat er mich: ›Komm und töte mich, denn ich bin schwer verwundet und
schon ganz schwach, aber immer noch bei vollem Bewusstsein.‹
2Sam 1,10 Ich erfüllte ihm seine letzte Bitte: Ich erstach ihn, denn ich wusste
ja, dass der Kampf verloren war und Saul sowieso sterben würde. Dann nahm ich
ihm die Krone und den Armreif ab, um sie dir, meinem Herrn und Gebieter, zu
überbringen.«
2Sam 1,11 Da zerrissen David und die Männer, die bei ihm standen, ihre Gewänder.
2Sam 1,12 Sie weinten und trauerten um Saul, seinen Sohn Jonatan und um das
ganze Volk des Herrn, weil so viele Israeliten in der Schlacht umgekommen waren.
Bis zum Abend fasteten sie.
2Sam 1,13 David fragte den jungen Mann, der ihm die Nachricht überbracht hatte:
»Woher kommst du?« »Ich bin der Sohn eines Einwanderers aus Amalek«, antwortete
er.
2Sam 1,14 Da fuhr David ihn an: »Wie konntest du es wagen, den König
umzubringen, den der Herr auserwählt hat?«
2Sam 1,15 Er befahl einem der jungen Männer, die bei ihm standen: »Komm her und
töte ihn!« Der Mann gehorchte und stach den Amalekiter nieder. Bevor er starb,
2Sam 1,16 sagte David noch zu ihm: »Das ist die gerechte Strafe für dein
Verbrechen! Du selbst hast dich zum Tod verurteilt, als du sagtest: ›Ich habe
den König umgebracht, den der Herr erwählt hat.‹«
2Sam 1,17 David dichtete ein Klagelied über Sauls und Jonatans Tod.
2Sam 1,18 Er ordnete an, dass alle Bewohner von Juda es auswendig lernen
sollten. Es wird das »Bogenlied« genannt und steht im »Buch des
Rechtschaffenen«:
2Sam 1,19 Ach, Israel, erschlagen liegen sie auf deinen Hügeln, die Soldaten,
die dein ganzer Stolz und deine Freude waren! Deine Helden sind tot, im Kampf
gefallen.
2Sam 1,20 Verheimlicht es den Städten Gat und Aschkelon, verkündet diese
Nachricht nicht in ihren Gassen! Die Mädchen der Philister sollen keine
Freudenlieder singen, die Frauen dieser Heiden keine Reigen tanzen.
2Sam 1,21 Ihr Berge von Gilboa, kein Tau soll euch bedecken und kein Regen
fallen, nie mehr soll Korn auf euren Äckern wachsen, weil dort die
blutverschmierten Schilde liegen, die einst unseren besten Soldaten gehörten.
Sauls Schild hat seinen Glanz verloren, sein Leder wird nicht mehr mit Öl
gepflegt.
2Sam 1,22 Die Pfeile Jonatans verfehlten nie das Ziel, nie schlug das Schwert
von König Saul daneben. Stets trieften ihre Waffen vom Blut der Durchbohrten,
sie glänzten vom Fett der erstochenen Helden.
2Sam 1,23 Saul und Jonatan - jeder liebte und verehrte sie! Unzertrennlich waren
sie im Leben, und nun sind sie auch im Tod vereint. Sie waren schneller noch als
Adler, stärker als der stärkste Löwe.
2Sam 1,24 Ihr Frauen von Israel, trauert und weint um König Saul, der euch
Kleider aus Purpur gab und euch mit goldenem Schmuck beschenkte!
2Sam 1,25 Die Helden sind tot, im Kampf gefallen. Durchbohrt liegt Jonatan auf
deinen Bergen, Israel.
2Sam 1,26 Mein Bruder Jonatan, wie schmerzt mich dein Verlust! Du warst mir
lieber als der größte Schatz der Welt. Niemals kann die Liebe einer Frau
ersetzen, was deine Freundschaft mir bedeutet hat.
2Sam 1,27 Die Helden sind tot, im Kampf gefallen, unsere besten Männer haben wir
verloren.
2Sam 2,1 Danach fragte David den Herrn: »Soll ich nach Juda zurückkehren?« »Ja«,
antwortete der Herr, »geh wieder dorthin.« »In welcher Stadt soll ich mich
niederlassen?« fragte David weiter. »In Hebron«, sagte der Herr.
2Sam 2,2 So zog David nach Hebron im judäischen Bergland. Seine beiden Frauen,
Ahinoam aus Jesreel und Abigajil aus Karmel, die Witwe Nabals, gingen mit ihm.
2Sam 2,3 David wollte seine Soldaten in der Nähe behalten, deshalb siedelte er
sie mit ihren Familien in den umliegenden Ortschaften an.
2Sam 2,4 Eines Tages kamen die Männer von Juda zu David nach Hebron und salbten
ihn zu ihrem König. Als David hörte, dass die Einwohner der Stadt Jabesch im
Gebiet von Gilead Saul beerdigt hatten,
2Sam 2,5 ließ er ihnen durch Boten sagen: »Der Herr möge euch dafür belohnen,
dass ihr eurem Herrn, König Saul, diese letzte Ehre erwiesen und ihn begraben
habt!
2Sam 2,6 Ohne Ende möge der Herr euch Gutes tun und euch seine Liebe erweisen.
Aber auch ich will euch für diese gute Tat belohnen.
2Sam 2,7 Seid stark, und lasst euch nicht entmutigen! Euer König Saul ist zwar
gestorben, aber der Stamm Juda hat mich zu seinem Nachfolger ernannt.«
2Sam 2,8 Sauls Heerführer Abner, ein Sohn Ners, hatte Isch-Boschet, einen Sohn
Sauls, nach Mahanajim in Sicherheit gebracht
2Sam 2,9 und ihn dort zum König ausgerufen. Sein Herrschaftsgebiet umfasste die
Landstriche von Gilead und Jesreel, die Gebiete der Stämme Asser, Ephraim und
Benjamin und das restliche Israel.
2Sam 2,10 Nur der Stamm Juda stand hinter David. Isch-Boschet wurde mit 40
Jahren König und regierte zwei Jahre.
2Sam 2,11 David herrschte siebeneinhalb Jahre in Hebron als König über Juda.
2Sam 2,12 Abner marschierte mit den Soldaten Isch-Boschets, des Sohnes Sauls,
von Mahanajim nach Gibeon.
2Sam 2,13 Davids Heer zog ihm unter der Führung Joabs, des Sohnes von Davids
Schwester Zeruja, entgegen. Beim Teich von Gibeon trafen sie aufeinander. Abner
und seine Truppen lagerten auf der einen Seite des Teiches, Joabs Männer auf der
anderen.
2Sam 2,14 Abner schlug Joab vor: »Lass uns Kampfspiele veranstalten, die jungen
Soldaten sollen gegeneinander antreten!« Joab war einverstanden,
2Sam 2,15 und so stellte jede Seite ihre Kämpfer: zwölf für Isch-Boschet und den
Stamm Benjamin und zwölf für David.
2Sam 2,16 Als der Kampf begann, packten die Gegner einander an den Haaren, und
jeder stieß dem anderen das Schwert in die Seite. Alle vierundzwanzig waren auf
einen Schlag tot. Später nannte man diesen Platz bei Gibeon Helkat-Hazzurim
(»Felsenfeld«).
2Sam 2,17 Nun kam es zwischen den Truppen zum erbitterten Kampf. Abner und seine
israelitischen Soldaten unterlagen dem Heer Davids und ergriffen die Flucht.
2Sam 2,18 Auch Joabs Brüder Abischai und Asaël, die Söhne von Davids Schwester
Zeruja, nahmen an der Schlacht teil. Asaël war schnell und flink wie eine
Gazelle.
2Sam 2,19 Er jagte dem fliehenden Abner nach und ließ sich durch niemanden
aufhalten.
2Sam 2,20 Plötzlich drehte Abner sich um und rief: »Bist du es, Asaël?« »Ja, ich
bin es«, antwortete er.
2Sam 2,21 Abner schrie: »Hör auf, mich zu verfolgen! Kämpf doch lieber mit einem
der jungen Soldaten, an denen du vorbeigerannt bist. Ihm kannst du Rüstung und
Waffen abnehmen.« Aber Asaël ließ sich nicht umstimmen und lief weiter.
2Sam 2,22 »Ich warne dich!«, drohte Abner. »Verfolge mich nicht länger, sonst
zwingst du mich, dich zu töten. Wie könnte ich dann deinem Bruder Joab noch in
die Augen sehen?«
2Sam 2,23 Doch Asaël hörte nicht auf ihn. Da stieß Abner ihm das hintere Ende
seines Speeres mit solcher Wucht in den Bauch, dass es am Rücken wieder
herauskam. Asaël brach zusammen und starb. Jeder, der vorbeikam und ihn dort
liegen sah, blieb entsetzt stehen.
2Sam 2,24 Auch Joab und Abischai jagten Abner nach. Als die Sonne unterging,
kamen sie zum Hügel Amma; er liegt gegenüber von Giach an der Straße, die von
Gibeon in die Wüste führt.
2Sam 2,25 Die Männer vom Stamm Benjamin sammelten sich um Abner und folgten ihm
auf einen Hügel.
2Sam 2,26 Abner rief zu Joab hinüber: »Wie lange soll das Schwert noch morden?
Denkst du nicht daran, dass dieser Krieg nur Leid und Hass mit sich bringt?
Befiehl deinen Leuten endlich, uns, ihre Brüder, nicht weiter zu verfolgen!«
2Sam 2,27 Joab erwiderte: »Ich schwöre dir, so wahr der Herr lebt: Hättest du
das nicht gesagt, dann hätten meine Leute euch noch die ganze Nacht gejagt.«
2Sam 2,28 Er blies das Horn, und seine Soldaten machten halt; sie gaben die
Verfolgung der Israeliten auf und stellten den Kampf ein.
2Sam 2,29 In der Nacht traten Abner und seine Truppen den Rückzug an. Sie
marschierten durch die Jordanebene, überquerten den Jordan und gelangten
schließlich durch die Schlucht wieder nach Mahanajim.
2Sam 2,30 Nachdem Joab die Verfolgung Abners abgebrochen hatte, sammelte er
seine Männer um sich. Außer Asaël waren weitere 19 Soldaten gefallen.
2Sam 2,31 Doch ihre Gegner hatten viel größere Verluste zu beklagen: 360 Mann
aus Abners Heer waren umgekommen, die meisten gehörten zum Stamm Benjamin.
2Sam 2,32 Joab und seine Männer nahmen die Leiche Asaëls mit und begruben sie
auf dem Rückweg im Grab seines Vaters in Bethlehem. Noch in derselben Nacht
zogen sie weiter und erreichten im Morgengrauen Hebron.
2Sam 3,1 Nun begann ein langer Krieg zwischen den Anhängern von Sauls Sohn
Isch-Boschet und Davids Anhängern. Mit der Zeit wurde David immer stärker und
mächtiger, während die andere Seite an Macht und Ansehen verlor.
2Sam 3,2 Als David in Hebron wohnte, wurden ihm einige Söhne geboren: Der
älteste hieß Amnon, seine Mutter war Ahinoam aus Jesreel.
2Sam 3,3 Danach kam Kilab, seine Mutter war Abigajil aus Karmel, die Witwe
Nabals. Der dritte Sohn war Absalom, seine Mutter hieß Maacha und war eine
Tochter Talmais, des Königs von Geschur.
2Sam 3,4 Der vierte Sohn hieß Adonija, seine Mutter war Haggit. Der fünfte war
Schefatja, seine Mutter hieß Abital.
2Sam 3,5 Jitream, der sechste, war der Sohn von Davids Frau Egla. Diese sechs
Söhne wurden in Hebron geboren.
2Sam 3,6 Während des Krieges zwischen Isch-Boschet und David hielt Abner treu
zum Königshaus Sauls.
2Sam 3,7 Eines Tages aber stellte Isch-Boschet Abner zur Rede, weil er mit einer
Nebenfrau des verstorbenen Königs Saul geschlafen hatte. Die Frau hieß Rizpa und
war eine Tochter Ajjas.
2Sam 3,8 Abner wurde wütend und beschimpfte Isch-Boschet: »Was denkst du
eigentlich, wer ich bin? Ein Verräter, der zum Stamm Juda hält? Die ganze Zeit
schon kämpfe ich mit aller Kraft für das Königshaus deines Vaters, ich helfe
seinen Verwandten und Freunden. Dich habe ich beschützt, damit du David nicht in
die Hände fällst. Und was ist der Dank? Wegen einer Frauengeschichte führst du
dich nun so auf!
2Sam 3,9 [9/10] Ich habe genug von dir! Von jetzt an unterstütze ich David. Der
Herr hat schließlich geschworen, dass er Sauls Familie vom Thron stoßen und
David die Herrschaft geben wird. Gott soll mich hart bestrafen, wenn ich nicht
dafür sorge, dass David bald König ist über ganz Israel und Juda, von Dan im
Norden bis Beerscheba im Süden!«
2Sam 3,11 Isch-Boschet brachte kein Wort mehr heraus, denn er hatte große Angst
vor Abner.
2Sam 3,12 Abner schickte Boten zu David und ließ ihm sagen: »Ich weiß so gut wie
du, wem die Herrschaft über unser Land zusteht. Darum mache ich dir einen
Vorschlag: Verbünde dich mit mir! Ich stelle mich auf deine Seite und sorge
dafür, dass ganz Israel dich als König anerkennt.«
2Sam 3,13 »Gut«, antwortete David, »ich werde mich mit dir verbünden, doch nur
unter einer Bedingung: Du musst mir meine Frau Michal, die Tochter Sauls,
mitbringen. Sonst verhandle ich nicht mit dir.«
2Sam 3,14 Zugleich sandte David Boten zu Sauls Sohn Isch-Boschet mit der
Forderung: »Gib mir meine Frau Michal zurück! Ich habe für sie einen Brautpreis
bezahlt: die Vorhäute von hundert Philistern.«
2Sam 3,15 Isch-Boschet ließ Michal von ihrem zweiten Mann Paltiël, einem Sohn
Lajischs, wegholen.
2Sam 3,16 Der Mann konnte sich aber nicht von ihr trennen. Weinend lief er ihr
nach bis Bahurim. Schließlich fuhr Abner ihn an: »Geh endlich zurück!« Da erst
kehrte er um.
2Sam 3,17 Abner hatte vorher mit den Ältesten Israels eine Unterredung gehabt
und ihnen gesagt: »Ihr wolltet doch schon lange, dass David euer König wird.
2Sam 3,18 Jetzt ist der Augenblick zum Handeln gekommen! Der Herr selbst hat ja
versprochen: ›Durch meinen Diener David will ich mein Volk aus der Gewalt der
Philister und aller anderen Feinde befreien.‹«
2Sam 3,19 Das Gleiche sagte Abner auch den führenden Männern des Stammes
Benjamin. Danach reiste er nach Hebron, um David zu melden, was die Ältesten von
Israel und vom Stamm Benjamin beschlossen hatten.
2Sam 3,20 Eine Abordnung von zwanzig Männern begleitete Abner nach Hebron. Dort
gab David ein Festessen für sie.
2Sam 3,21 Bevor Abner sich wieder verabschiedete, sagte er zu David: »Ich gehe
nun zurück und lasse die Vertreter des ganzen Volkes zu einer Versammlung
kommen, an der auch du, mein Herr, teilnehmen sollst. Ich werde dafür sorgen,
dass sie dich als ihren neuen König anerkennen und einen Bund mit dir schließen.
Dann bist du König über das ganze Land, wie du es dir schon lange gewünscht
hast!« David verabschiedete Abner und ließ ihn unbehelligt gehen.
2Sam 3,22 Kurz darauf kam Joab mit Davids Soldaten von einem Streifzug zurück.
Sie hatten reiche Beute gemacht.
2Sam 3,23 Kaum waren sie in der Stadt, wurde Joab berichtet: »Abner, der Sohn
Ners, ist beim König gewesen, und der ließ ihn unbehelligt wieder ziehen.«
2Sam 3,24 Sofort lief Joab zum König und rief: »Was habe ich da gehört? Abner
war hier, und du hast ihn einfach wieder gehen lassen?
2Sam 3,25 Du kennst ihn doch, er heuchelt dir nur etwas vor! In Wirklichkeit
wollte er ausspionieren, was du tust und vorhast.«
2Sam 3,26 Joab schickte einige Boten hinter Abner her, die ihn zurückbringen
sollten. Bei der Zisterne von Sira holten sie ihn ein, und er kehrte mit ihnen
um; der König aber wusste nichts davon.
2Sam 3,27 Als Abner in Hebron angekommen war, nahm Joab ihn beiseite und führte
ihn in einen Raum im Stadttor, als wollte er heimlich etwas mit ihm besprechen.
Doch plötzlich zog er sein Schwert und stieß es Abner in den Bauch. So brachte
Joab ihn um und rächte sich dafür, dass er seinen Bruder Asaël getötet hatte.
2Sam 3,28 Als David davon erfuhr, rief er: »Ich schwöre vor dem Herrn, dass ich
unschuldig bin an Abners Tod, und auch meine Nachfolger sollen niemals dafür
büßen müssen!
2Sam 3,29 Joab allein trägt die Verantwortung. Ihn und seine Familie wird die
gerechte Strafe treffen: Von jetzt an sollen immer einige seiner Nachkommen eine
Geschlechtskrankheit haben, aussätzig oder lahm sein, ermordet werden oder
Hunger leiden.«
2Sam 3,30 So rächten sich Joab und sein Bruder Abischai an Abner. Sie ermordeten
ihn, weil er in der Schlacht bei Gibeon ihren Bruder Asaël getötet hatte.
2Sam 3,31 [31/32] David befahl Joab und den anderen, die bei ihm waren:
»Zerreißt eure Gewänder, hüllt euch in Trauerkleider aus Sacktuch, und haltet
die Totenklage um Abner!« Die Beerdigung fand in Hebron statt. Im Trauerzug ging
David direkt hinter der Bahre her. Am Grab begann er laut zu weinen, und alle
Versammelten weinten mit.
2Sam 3,33 Dann stimmte David dieses Klagelied für Abner an:
2Sam 3,34 »Abner, warum musstest du wie ein Verbrecher sterben? Deine Hände
waren nicht gebunden, deine Füße lagen nicht in Ketten. Nein, Mördern fielst du
in die Hände, du warst ihnen schutzlos ausgeliefert.« Da weinten alle noch
lauter um den Toten.
2Sam 3,35 Den ganzen Tag über wollten die Leute David dazu überreden, etwas zu
essen. Doch er schwor: »Gott soll mich hart bestrafen, wenn ich vor
Sonnenuntergang auch nur einen Bissen Brot esse!«
2Sam 3,36 Die Leute beobachteten, wie David sich verhielt, und es gefiel ihnen.
Ja, an allem, was der König tat, fand das Volk Gefallen.
2Sam 3,37 Wer bei der Beerdigung gewesen war, war überzeugt, dass David nichts
mit dem Mord an Abner zu tun hatte, und alle Israeliten dachten ebenso.
2Sam 3,38 David sagte zu seinen Hofleuten: »Heute ist ein großer und bedeutender
Mann aus Israel umgebracht worden.
2Sam 3,39 Ich bin erst vor kurzem zum König gesalbt worden und besitze noch
nicht genug Macht, um gegen meine beiden Neffen Joab und Abischai vorzugehen.
Möge der Herr sie für ihre Bosheit bestrafen!«
2Sam 4,1 Als Isch-Boschet, der Sohn Sauls, hörte, dass Abner in Hebron ermordet
worden war, verlor er jeden Mut. Auch das ganze Volk war entsetzt.
2Sam 4,2 Isch-Boschet ernannte zwei Brüder zu seinen Heerführern: Baana und
Rechab, die Söhne Rimmons. Sie kamen aus Beerot im Gebiet des Stammes Benjamin.
2Sam 4,3 Die Einwohner von Beerot mussten später aus ihrer Heimat fliehen und
siedelten sich in Gittajim an, wo sie bis heute als Ausländer wohnen.
2Sam 4,4 Zu dieser Zeit lebte noch ein Enkel von König Saul: Mefi-Boschet, ein
Sohn Jonatans. Er war 5 Jahre alt gewesen, als die schreckliche Nachricht von
Sauls und Jonatans Tod aus Jesreel eintraf. Seine Amme hatte den Jungen genommen
und war geflohen. Doch in der Hetze hatte sie ihn fallen lassen, und seither
konnte er nicht mehr richtig laufen.
2Sam 4,5 Eines Tages nun kamen Rechab und Baana, die Söhne Rimmons aus Beerot,
am Mittag zu Isch-Boschets Haus. Es war sehr heiß, und Isch-Boschet hatte sich
zum Schlafen hingelegt.
2Sam 4,6 [6/7] Die beiden gingen ins Haus, unter dem Vorwand, sie wollten einen
Sack Weizen aus der Vorratskammer holen. Sie schlichen sich in Isch-Boschets
Zimmer und erstachen den Schlafenden auf seinem Bett. Dann schlugen sie ihm den
Kopf ab und machten sich damit auf und davon. Die ganze Nacht durchquerten sie
die Jordanebene,
2Sam 4,8 bis sie schließlich in Hebron ankamen. Dort zeigten sie König David den
Kopf und sagten: »Hier bringen wir dir den Kopf Isch-Boschets, dessen Vater Saul
dein Feind war und dir nach dem Leben trachtete. Heute nun hat sich der Herr für
dich an Saul und an seiner Familie gerächt.«
2Sam 4,9 Aber David antwortete den Söhnen Rimmons, Rechab und Baana, aus Beerot:
»So wahr der Herr lebt, der mir in allen Schwierigkeiten geholfen hat:
2Sam 4,10 Der Mann, der mir damals in Ziklag Sauls Tod meldete, glaubte auch, er
würde mir eine gute Nachricht bringen. Aber ich richtete ihn hin - so bekam er
den verdienten Lohn.
2Sam 4,11 Wie viel schlimmer noch ist euer Verbrechen: Ihr gottlosen Mörder habt
einen rechtschaffenen Mann zu Hause in seinem Bett ermordet. Ist es da nicht
erst recht meine Pflicht, euch für diese Bluttat zu bestrafen? Mit dem Tod sollt
ihr dafür büßen!«
2Sam 4,12 David befahl, die beiden hinzurichten. Seine Diener töteten sie,
schlugen ihnen Hände und Füße ab und hängten ihre Leichen beim Teich von Hebron
auf. Den Kopf Isch-Boschets begruben sie in Abners Grab in Hebron.
2Sam 5,1 Aus allen Stämmen Israels kamen Gesandte zu David nach Hebron und
sagten zu ihm: »Wir sind dein Volk und gehören zu dir.
2Sam 5,2 Schon damals, als Saul noch König war, bist du es gewesen, der Israels
Heer in den Kampf geführt und siegreich wieder zurückgebracht hat. Zu dir hat
der Herr gesagt: ›Du bist der Mann, der mein Volk Israel weiden soll wie ein
Hirte seine Schafe. Dich habe ich zum neuen König über Israel bestimmt.‹«
2Sam 5,3 Dann versammelten sich alle Ältesten Israels in Hebron. König David
schloss mit ihnen einen Bund, und sie riefen den Herrn als Zeugen an. Sie
salbten David und setzten ihn zum König über Israel ein.
2Sam 5,4 David war 30 Jahre alt, als er König wurde; er regierte insgesamt
vierzig Jahre lang:
2Sam 5,5 zunächst siebeneinhalb Jahre in Hebron als König über Juda und dann
dreiunddreißig Jahre in Jerusalem als König über Israel und Juda.
2Sam 5,6 Nachdem David König geworden war, unternahm er mit seinen Soldaten
einen Feldzug gegen die Stadt Jerusalem. In dieser Gegend wohnte immer noch der
kanaanitische Stamm der Jebusiter. Die Einwohner verhöhnten David: »In unsere
Stadt wirst du nie hereinkommen! Selbst unsere Lahmen und Blinden könnten dich
in die Flucht schlagen.« Sie waren sicher, dass es David nicht gelingen würde,
die Stadt einzunehmen.
2Sam 5,7 Doch David und seine Truppen eroberten die Festung Zion, die später
»Stadt Davids« genannt wurde.
2Sam 5,8 An dem Tag, als sie Jerusalem angriffen, sagte er zu seinen Soldaten:
»Wer durch den Wasserschacht in die Stadt gelangt und die Jebusiter überwältigt,
soll sie umbringen, diese Blinden und Lahmen, denn ich hasse sie!« So entstand
die Redensart: »Blinde und Lahme dürfen nicht ins Haus des Herrn kommen.«
2Sam 5,9 Nach der Eroberung machte David die Festung zu seiner Residenz und
nannte sie »Stadt Davids«. Ringsum baute er die Stadt weiter aus. Er begann
damit bei den Verteidigungsanlagen und ging dann nach innen vor bis zur Festung.
2Sam 5,10 So wurde Davids Macht immer größer, denn der Herr, der allmächtige
Gott, stand ihm bei.
2Sam 5,11 Eines Tages schickte König Hiram von Tyrus eine Gesandtschaft zu
David. Es waren Maurer und Zimmerleute dabei, sie brachten Zedernholz mit und
bauten David einen Palast.
2Sam 5,12 So erlebte er, wie der Herr ihn als König bestätigte und ihn aus Liebe
zu seinem Volk zu großem Ruhm gelangen ließ.
2Sam 5,13 Nachdem David von Hebron nach Jerusalem gezogen war, heiratete er noch
weitere Frauen und Nebenfrauen und bekam noch mehr Söhne und Töchter.
2Sam 5,14 Die Söhne, die in Jerusalem zur Welt kamen, hießen: Schammua, Schobab,
Nathan, Salomo,
2Sam 5,15 Jibhar, Elischua, Nefeg, Jafia,
2Sam 5,16 Elischama, Eljada und Elifelet.
2Sam 5,17 Als die Philister hörten, dass David zum König von Israel gekrönt
worden war, zogen sie mit ihrem Heer nach Israel, um ihn gefangen zu nehmen.
Doch David wurde rechtzeitig gewarnt und verschanzte sich in einer Bergfestung.
2Sam 5,18 Die Philister schlugen ihr Lager in der Refaïmebene auf.
2Sam 5,19 David fragte den Herrn: »Soll ich die Philister angreifen? Wirst du
mir den Sieg geben?« Der Herr antwortete: »Greif an! Ich verspreche dir, dass du
sie schlagen wirst.«
2Sam 5,20 David zog mit seinen Soldaten nach Baal-Perazim und besiegte die
Philister. Nach der Schlacht bezeugte er: »Wie Wassermassen einen Damm
durchbrechen, so hat der Herr heute die Schlachtreihen der Feinde vor meinen
Augen durchbrochen.« Deshalb nannte David den Ort der Schlacht Baal-Perazim
(»Herr des Durchbruchs«).
2Sam 5,21 Auf der Flucht ließen die Philister ihre Götzenfiguren zurück. David
und seine Soldaten nahmen sie als Beute mit.
2Sam 5,22 Doch die Philister gaben nicht auf. Sie zogen noch einmal nach Israel
und lagerten auch diesmal in der Refaïmebene.
2Sam 5,23 Wieder bat David den Herrn um Weisung, und er antwortete ihm: »Greift
sie diesmal nicht von vorne an, sondern umgeht sie, und fallt ihnen bei den
Balsamstauden in den Rücken!
2Sam 5,24 Sobald du in den Wipfeln der Balsamsträucher ein Geräusch wie von
Schritten hörst, greif sofort an! Denn dann weißt du, dass ich selbst dir
vorausgegangen bin, um das Heer der Philister zu schlagen.«
2Sam 5,25 David tat, was der Herr ihm befohlen hatte. Unter seiner Führung
schlugen die Israeliten die Philister und verfolgten sie von Gibeon bis weit in
die Ebene hinunter nach Geser.
2Sam 6,1 Noch einmal ließ David alle führenden Männer Israels zusammenkommen, es
waren 30000 Mann.
2Sam 6,2 Gemeinsam mit ihnen zog er nach Baala im Stammesgebiet von Juda, um die
Bundeslade von dort nach Jerusalem zu bringen. Sie war dem Herrn geweiht, dem
allmächtigen Gott, der über den beiden Cherub-Engeln thronte.
2Sam 6,3 [3/4] Man holte sie aus dem Haus Abinadabs auf dem Hügel und lud sie
auf einen neuen Wagen, der von Rindern gezogen wurde. Die beiden Söhne
Abinadabs, Usa und Achjo, lenkten ihn. Achjo ging vor dem Gespann,
2Sam 6,5 David und alle Israeliten liefen hinterher. Sie tanzten und lobten den
Herrn mit Lauten und Harfen, mit Tamburinen, Rasseln und Zimbeln.
2Sam 6,6 Bei dem Dreschplatz, der einem Mann namens Nachon gehörte, brachen die
Rinder plötzlich aus, und der Wagen drohte umzustürzen. Schnell streckte Usa
seine Hand aus und hielt die Bundeslade fest.
2Sam 6,7 Da wurde der Herr sehr zornig über ihn, weil er es gewagt hatte, die
Bundeslade zu berühren, und er ließ Usa auf der Stelle tot zu Boden fallen.
2Sam 6,8 David war entsetzt, dass der Herr ihn so aus dem Leben gerissen hatte.
Seitdem heißt der Dreschplatz Perez-Usa (»Entreißen Usas«).
2Sam 6,9 David bekam Angst vor dem Herrn. »Wie kann ich es jetzt noch wagen, die
Bundeslade des Herrn zu mir zu nehmen?«, fragte er sich.
2Sam 6,10 Er beschloss, sie nicht nach Jerusalem zu bringen, sondern sie im Haus
Obed-Edoms, eines Leviten aus Gat, abzustellen.
2Sam 6,11 Dort blieb sie drei Monate lang. In dieser Zeit ging es Obed-Edom und
seiner ganzen Familie sehr gut, denn der Herr segnete sie.
2Sam 6,12 Eines Tages berichtete jemand David: »Seit die Bundeslade bei
Obed-Edom ist, hat der Herr ihn, seine Familie und allen seinen Besitz reich
gesegnet.« Da ging David voller Freude zum Haus Obed-Edoms, um die Bundeslade
nach Jerusalem zu holen.
2Sam 6,13 Als die Männer, die sie trugen, die ersten sechs Schritte auf dem Weg
nach Jerusalem zurückgelegt hatten, ließ David sie anhalten und opferte dem
Herrn einen Stier und ein Mastkalb.
2Sam 6,14 Als der Zug sich wieder in Bewegung setzte, tanzte David voller
Hingabe neben der Bundeslade her, um den Herrn zu loben. Er war nur mit einem
leichten Leinenschurz bekleidet, wie ihn sonst die Priester trugen.
2Sam 6,15 Jubelnd brachten David und alle Israeliten, die ihn begleiteten, die
Bundeslade nach Jerusalem, und die Musiker bliesen ihre Hörner.
2Sam 6,16 Als die Menge in der »Stadt Davids« ankam, schaute Davids Frau Michal,
die Tochter Sauls, aus dem Fenster. Sie sah, wie der König hüpfte und tanzte,
und verachtete ihn dafür.
2Sam 6,17 Man trug die Bundeslade in das Zelt, das David für sie errichtet
hatte, und stellte sie auf den vorgesehenen Platz in der Mitte. Dann ließ David
dem Herrn Brand- und Dankopfer darbringen.
2Sam 6,18 Er segnete das Volk im Namen des allmächtigen Gottes.
2Sam 6,19 Alle Israeliten, Männer und Frauen, erhielten einen Laib Brot, einen
Rosinen- und einen Dattelkuchen. Dann machten sie sich auf den Heimweg.
2Sam 6,20 Auch David ging nach Hause, um seine Familie zu sehen. Er war noch
nicht im Palast, als ihm Michal schon entgegenkam. »Ach, wie würdevoll ist heute
der Herr König vor seinem Volk aufgetreten!«, spottete sie. »Bei deiner halb
nackten Tanzerei hast du dich vor den Sklavinnen deiner Hofbeamten schamlos
entblößt. So etwas tut sonst nur das Gesindel!«
2Sam 6,21 David erwiderte: »Ich habe dem Herrn zu Ehren getanzt. Er hat deinem
Vater und seinen Nachkommen die Herrschaft genommen und sie mir anvertraut. Mich
hat er zum König über sein Volk Israel eingesetzt, und ihm zu Ehren will ich
auch künftig tanzen.
2Sam 6,22 Ja, ich wäre sogar bereit, mich noch tiefer zu erniedrigen als heute.
Du magst mich verachten, aber die Sklavinnen, über die du eben so herablassend
gesprochen hast, sie werden mich schätzen und ehren.«
2Sam 6,23 Michal aber bekam ihr Leben lang keine Kinder.
2Sam 7,1 König David konnte in Frieden in seinem Palast wohnen, denn der Herr
sorgte dafür, dass ihn die feindlichen Völker ringsum nicht angriffen.
2Sam 7,2 Eines Tages sagte David zu dem Propheten Nathan: »Während ich hier in
meinem Palast aus kostbarem Zedernholz wohne, steht die Bundeslade Gottes immer
noch in einem dürftigen Zelt. So kann es nicht weitergehen!«
2Sam 7,3 Nathan ermutigte den König: »Was immer du vorhast - tu es! Der Herr
wird dir dabei helfen.«
2Sam 7,4 Doch in der folgenden Nacht sprach der Herr zu Nathan:
2Sam 7,5 »Geh zu David, meinem Diener, und sag ihm: So spricht der Herr: Du
willst ein Haus für mich bauen?
2Sam 7,6 Bis heute habe ich noch nie in einem Tempel gewohnt. Seit ich mein Volk
Israel aus Ägypten befreit habe, wohnte ich immer nur in einem Zelt und zog von
einem Ort zum anderen.
2Sam 7,7 Während dieser ganzen Zeit habe ich von den führenden Männern Israels
nur eines verlangt: Sie sollten mein Volk weiden wie ein Hirte seine Herde. Nie
habe ich einem von ihnen vorgeworfen: Warum habt ihr mir noch keinen Tempel aus
Zedernholz gebaut?
2Sam 7,8 Darum sollst du meinem Diener David diese Botschaft weitergeben: Gott,
der Herr über die ganze Welt, lässt dir sagen: Ich war es, der dich von deiner
Schafherde weggeholt hat, um dich zum König über mein Volk Israel zu machen.
2Sam 7,9 Was du auch unternommen hast - ich habe dir immer geholfen. Ich habe
alle deine Feinde ausgerottet und dich berühmt gemacht. Du bist in aller Welt
bekannt.
2Sam 7,10 Auch habe ich meinem Volk Israel eine Heimat gegeben, ein Land, in dem
es bleiben und sich niederlassen kann. Keine fremden und gottlosen Völker dürfen
euch mehr so unterdrücken wie zu der Zeit,
2Sam 7,11 als ich Richter über euch eingesetzt hatte. Alle deine Feinde habe ich
zum Schweigen gebracht und dafür gesorgt, dass sie dich in Frieden lassen. Ich,
der Herr, sage dir: Nicht du sollst mir ein Haus bauen, sondern ich werde dir
ein Haus bauen.
2Sam 7,12 Wenn du alt geworden und gestorben bist, will ich einen deiner Söhne
als deinen Nachfolger einsetzen und seine Herrschaft festigen.
2Sam 7,13 Er wird mir einen Tempel bauen, und ich werde seinem Königtum Bestand
geben für alle Zeiten.
2Sam 7,14 Ich will sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein. Wenn er sich
gegen mich auflehnt, werde ich ihn strafen wie ein Vater seinen Sohn.
2Sam 7,15 Doch nie werde ich meine Güte von ihm abwenden, wie ich es bei Saul
getan habe. Ihn habe ich damals abgesetzt und dir an seiner Stelle die
Herrschaft anvertraut.
2Sam 7,16 Deine Nachkommen aber werden für alle Zeiten Könige sein. Niemand wird
sie je vom Thron stoßen.«
2Sam 7,17 Nathan berichtete David alles, was der Herr ihm in der Nacht gesagt
hatte.
2Sam 7,18 Da ging David in das heilige Zelt, kniete vor dem Herrn nieder und
begann zu beten: »Gott, mein Herr, wer bin ich, dass du gerade mich und meine
Familie so weit gebracht hast? Ich bin es nicht wert.
2Sam 7,19 Und nun willst du mir sogar noch mehr schenken, mein Herr und mein
Gott! Du hast mir ein Versprechen gegeben, das bis in die ferne Zukunft reicht.
Deine große Güte habe ich doch gar nicht verdient!
2Sam 7,20 Doch was soll ich weiter davon reden? Ich weiß, dass du mich, deinen
Diener, auch ohne Worte verstehst.
2Sam 7,21 Weil du es versprochen hast und weil du es so wolltest, hast du all
dies Große getan und hast es mich erkennen lassen.
2Sam 7,22 Herr, mein Gott, wie mächtig bist du! Keiner ist dir gleich. Nach
allem, was wir gehört haben, sind wir überzeugt: Es gibt keinen Gott außer dir.
2Sam 7,23 Welches Volk auf der Erde hat solche Wunder erlebt wie wir? Ist je ein
anderes Volk von seinem Gott aus der Sklaverei befreit worden, weil er es zu
seinem Volk machen wollte? Große und furchterregende Dinge hast du für Israel
getan, und so wurde dein Name überall berühmt. Du hast uns von der Unterdrückung
der Ägypter befreit. Andere Völker und ihre Götter hast du unseretwegen
vertrieben.
2Sam 7,24 Für alle Zeiten hast du Israel zu deinem Volk gemacht; und du selbst,
Herr, bist sein Gott geworden.
2Sam 7,25 So bitte ich dich nun, Herr, mein Gott: Lass deine Zusage für mich und
meine Familie ewig gelten, und löse dein Versprechen ein!
2Sam 7,26 So wird dein Name für alle Zeiten berühmt sein, und man wird bekennen:
›Der Herr, der allmächtige Gott, ist Israels Gott.‹ Dann wird auch mein
Königshaus für ewig bestehen.
2Sam 7,27 Du, der allmächtige Herr und Gott Israels, hast zu mir gesprochen. Du
hast mir zugesagt: ›Ich werde deinem Königshaus Bestand geben.‹ Nur darum habe
ich es gewagt, so zu dir zu beten.
2Sam 7,28 Herr, du bist der wahre Gott, auf dein Wort kann man sich verlassen.
Du hast mir, deinem Diener, so viel Gutes verheißen.
2Sam 7,29 Bitte segne mich und mein Königshaus. Lass für alle Zeiten einen
meiner Nachkommen König sein. Herr, mein Gott, weil du meine Familie gesegnet
hast, wird sie in Ewigkeit gesegnet sein, denn du selbst hast es mir
versprochen.«
2Sam 8,1 David griff mit seinem Heer die Philister an. Er besiegte sie und
machte ihrer Vorherrschaft im Gebiet Israels ein Ende.
2Sam 8,2 Auch die Moabiter schlug David. Die Gefangenen mussten sich alle
nebeneinander auf den Boden legen. Dann ging David mit einer Messschnur an der
Reihe entlang. Er maß jeweils zwei Schnurlängen ab, und alle, die innerhalb
dieses Bereiches lagen, wurden hingerichtet. Dann maß er jeweils eine
Schnurlänge ab, und diese Gefangenen durften am Leben bleiben. Sie mussten sich
aber David unterwerfen und ihm regelmäßig Tribut zahlen.
2Sam 8,3 Als König Hadad-Eser, der Sohn Rehobs aus Zoba in Nordsyrien, mit
seinen Truppen auszog, um am Euphrat seine Macht wiederherzustellen, griff David
ihn an und besiegte ihn.
2Sam 8,4 Davids Heer nahm 1700 Reiter und 20000 Fußsoldaten gefangen. Von den
Zugpferden der Streitwagen behielt David 100 für sich, allen anderen ließ er die
Fußsehnen durchschneiden.
2Sam 8,5 Die Syrer aus Damaskus wollten König Hadad-Eser von Zoba zu Hilfe
kommen. Da griff David auch sie an. In dieser Schlacht fielen 22000 von ihnen.
2Sam 8,6 David ließ das Gebiet um Damaskus besetzen und machte die Syrer zu
seinen Untertanen. Sie mussten ihm Tribut zahlen. Der Herr half David bei allen
seinen Kriegszügen und schenkte ihm den Sieg.
2Sam 8,7 David erbeutete auch die goldenen Schilde von Hadad-Esers Soldaten und
brachte sie nach Jerusalem.
2Sam 8,8 Aus den Städten Tebach und Berotai, die beide Hadad-Eser gehört hatten,
nahm er eine große Menge Bronze mit.
2Sam 8,9 Als König Toï von Hamat hörte, dass David das Heer Hadad-Esers besiegt
hatte,
2Sam 8,10 sandte er seinen Sohn Joram zu David. Er sollte ihm Grüße ausrichten
und ihm zu seinem Sieg gratulieren. Denn Hadad-Eser und Toï waren verfeindet und
hatten schon gegeneinander Krieg geführt. Joram brachte David Geschenke mit:
Gefäße aus Gold, Silber und Bronze.
2Sam 8,11 [11/12] David brachte sie in das Heiligtum und weihte sie dem Herrn,
ebenso die Schätze aus Gold und Silber, die er bei seinen Eroberungszügen gegen
die Edomiter, Moabiter, Ammoniter, Philister, Amalekiter und gegen König
Hadad-Eser aus Zoba, den Sohn Rehobs, erbeutet hatte.
2Sam 8,13 David wurde noch berühmter, als er die Edomiter in einer Schlacht im
Salztal besiegte. 18000 von ihnen kamen dabei um.
2Sam 8,14 David setzte im ganzen Land Edom Statthalter ein und machte die
Bewohner zu seinen Untertanen. Der Herr half ihm bei allen Kriegszügen und
schenkte ihm stets den Sieg.
2Sam 8,15 Solange David König über ganz Israel war, verhalf er jedem im Volk zu
seinem Recht.
2Sam 8,16 Joab, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, war der oberste
Befehlshaber über das Heer. Joschafat, ein Sohn Ahiluds, war Berater des Königs.
2Sam 8,17 Zadok, ein Sohn Ahitubs, und Ahimelech, ein Sohn Abjatars, waren die
obersten Priester. Seraja war Hofsekretär.
2Sam 8,18 Benaja, ein Sohn Jojadas, hatte den Befehl über die Leibwache des
Königs. Alle Söhne Davids hatten den Rang von Priestern.
2Sam 9,1 David begann nachzuforschen, ob noch jemand von Sauls Familie lebte.
»Ich möchte ihm Gutes tun und so mein Versprechen einlösen, das ich Jonatan
gegeben habe«, sagte er.
2Sam 9,2 Am Königshof Sauls hatte ein Diener namens Ziba gearbeitet. Er wurde zu
David gerufen, und der König fragte ihn: »Bist du Ziba?« »Ja, mein Herr«,
antwortete der Mann.
2Sam 9,3 David erkundigte sich: »Weißt du, ob noch jemand von Sauls Familie
lebt? Ich möchte ihm Gutes tun, damit er Gottes Güte durch mich erfährt.« Ziba
erwiderte: »Ein Sohn Jonatans lebt noch. Er kann nicht mehr richtig laufen.«
2Sam 9,4 »Wo ist er?«, wollte David wissen. Ziba antwortete: »Er wohnt bei
Machir, einem Sohn Ammiëls, in Lo-Dabar.«
2Sam 9,5 [5/6] Sofort ließ David ihn an den Königshof holen. Als Mefi-Boschet,
der Sohn Jonatans und Enkel Sauls, vor den König trat, verbeugte er sich tief
und warf sich vor ihm zu Boden. »Du also bist Mefi-Boschet«, sagte David. »Ja,
ich bin dein ergebenster Diener«, antwortete er.
2Sam 9,7 David ermutigte ihn: »Du brauchst keine Angst zu haben. Dein Vater
Jonatan war mein bester Freund, und ich will dir, seinem Sohn, etwas Gutes tun.
Ich gebe dir nun alle Felder zurück, die deinem Großvater Saul gehörten.
Außerdem möchte ich, dass du täglich als mein Gast bei mir am Tisch isst.«
2Sam 9,8 Erneut warf sich Mefi-Boschet vor dem König zu Boden und rief: »Womit
habe ich deine Freundlichkeit verdient? Ich bin es doch überhaupt nicht wert!«
2Sam 9,9 David rief Ziba, den Diener Sauls, wieder zu sich und erklärte ihm:
»Ich habe den ganzen Besitz Sauls und seiner Familie seinem Enkel Mefi-Boschet
vermacht!
2Sam 9,10 [10/11] Du sollst nun zusammen mit deinen Söhnen und Knechten für ihn
die Felder bestellen. Bring ihm die Ernte ein, damit seine Familie von dem
Ertrag leben kann. Mefi-Boschet selbst aber, der Enkel deines früheren Herrn,
soll täglich mein Gast sein und bei mir am Tisch essen, als wäre er mein Sohn.«
Ziba, der fünfzehn Söhne und zwanzig Knechte hatte, antwortete dem König: »Ich
bin dein ergebener Diener. Ich werde alles ausführen, was du, mein Herr, mir
befohlen hast.«
2Sam 9,12 [12/13] So wurden alle, die zu Zibas Familie gehörten, Mefi-Boschets
Diener. Mefi-Boschet, der nicht mehr richtig laufen konnte, wohnte in Jerusalem
und aß jeden Tag mit König David zusammen. Er hatte einen kleinen Sohn namens
Micha.
2Sam 10,1 Einige Zeit später starb Nahasch, der König der Ammoniter, und sein
Sohn Hanun trat die Nachfolge an.
2Sam 10,2 David dachte: »König Nahasch war mir immer wohlgesinnt. Darum will ich
mich nun seinem Sohn Hanun gegenüber freundlich verhalten.« Er schickte eine
Gesandtschaft zu Hanun, um ihm sein Beileid auszusprechen. Als aber die Boten
Davids zum ammonitischen Königshof kamen,
2Sam 10,3 sagten die Fürsten des Landes zu König Hanun: »Glaubst du wirklich,
David hat diese Männer nur zu dir gesandt, um deinem Vater die letzte Ehre zu
erweisen und dir sein Beileid auszusprechen? Das ist doch nur ein Vorwand!
Spione sind sie, die unsere Hauptstadt auskundschaften sollen, weil David sie
bald angreifen und erobern will!«
2Sam 10,4 Da nahm Hanun die Gesandten Davids gefangen, ließ ihnen den Bart auf
einer Seite abrasieren und die Kleider bis über das Gesäß abschneiden. Dann
jagte er sie davon.
2Sam 10,5 Als David das erfuhr, schickte er seinen Gesandten Boten entgegen und
ließ ihnen ausrichten: »Bleibt in Jericho, bis euer Bart wieder nachgewachsen
ist, und kommt erst dann heim.« David wollte ihnen die Schande ersparen, ohne
Bart zurückkehren zu müssen.
2Sam 10,6 Die Ammoniter wussten genau, dass sie David durch diese Tat schwer
beleidigt hatten. Darum warben sie 20000 syrische Söldner aus Bet-Rehob und Zoba
an, außerdem den König von Maacha mit einem Heer von 1000 Mann und schließlich
noch 12000 Soldaten aus Tob.
2Sam 10,7 David hörte davon und befahl Joab, sofort mit dem ganzen Heer gegen
die Feinde auszurücken.
2Sam 10,8 Die Ammoniter stellten sich vor den Toren ihrer Hauptstadt Rabba zur
Schlacht auf, während die verbündeten Syrer aus Zoba, Rehob, Tob und Maacha in
einiger Entfernung auf offenem Feld Stellung bezogen.
2Sam 10,9 Als Joab merkte, dass ihm von vorne und von hinten ein Angriff drohte,
teilte er sein Heer. Er selbst wollte mit den besten Soldaten den Kampf gegen
die Syrer aufnehmen.
2Sam 10,10 Den Rest des Heeres übergab er dem Kommando seines Bruders Abischai,
der gegen die Ammoniter kämpfen sollte.
2Sam 10,11 Bevor die beiden Heere sich trennten, sagte Joab zu seinem Bruder:
»Wenn die Syrer uns überlegen sind, dann komm uns mit deiner Truppe zu Hilfe.
Sind die Ammoniter stärker als ihr, dann helfe ich dir mit meinen Soldaten.
2Sam 10,12 Sei mutig und entschlossen! Wir wollen für unser Volk kämpfen und für
die Städte, die Gott uns gegeben hat. Der Herr aber möge tun, was er für richtig
hält.«
2Sam 10,13 Dann griff Joab mit seinem Heer die Syrer an und schlug sie in die
Flucht.
2Sam 10,14 Als das die Ammoniter sahen, flohen auch sie vor Abischai und zogen
sich in die Stadt zurück. Da stellte Joab den Kampf gegen die Ammoniter ein und
kehrte nach Jerusalem um.
2Sam 10,15 Die Syrer wollten sich mit der Niederlage gegen die Israeliten nicht
abfinden, darum riefen sie noch einmal alle ihre Truppen zusammen.
2Sam 10,16 Hadad-Eser ließ auch die syrischen Stämme, die jenseits des Euphrat
in Mesopotamien wohnten, zum Kampf ausrücken. Schobach, der oberste Heerführer
Hadad-Esers, führte die syrischen Truppen nach Helam.
2Sam 10,17 Als David es erfuhr, zog er alle wehrfähigen Israeliten ein,
überquerte mit seinem Heer den Jordan und marschierte bis nach Helam. Die Syrer
stellten sich zum Kampf auf, und eine heftige Schlacht begann.
2Sam 10,18 Wieder wurden die Syrer in die Flucht geschlagen. Doch diesmal
erlitten sie schwere Verluste: 700 Wagenlenker und 40000 Reiter fielen. David
hatte den Heerführer Schobach so schwer verwundet, dass er noch auf dem
Schlachtfeld starb.
2Sam 10,19 Die besiegten syrischen Könige, die bis dahin Hadad-Esers Untertanen
gewesen waren, schlossen Frieden mit den Israeliten und stellten sich in ihren
Dienst. Von da an wagten die Syrer nicht mehr, die Ammoniter zu unterstützen.
2Sam 11,1 Als der Frühling kam, begann wieder die Zeit, in der die Könige ihre
Feldzüge unternahmen. Auch König David ließ seine Soldaten ausrücken: Unter der
Führung Joabs zogen seine Offiziere mit dem ganzen Heer Israels in den Krieg
gegen die Ammoniter. Sie verwüsteten das Land der Feinde und belagerten die
Hauptstadt Rabba. David selbst blieb in Jerusalem.
2Sam 11,2 Eines Nachmittags, als David seine Mittagsruhe beendet hatte, ging er
auf dem flachen Dach seines Palasts spazieren. Da fiel sein Blick auf eine Frau,
die im Hof eines Nachbarhauses ein Bad nahm. Sie war sehr schön.
2Sam 11,3 David wollte unbedingt wissen, wer sie war, und schickte einen Diener
los, der es herausfinden sollte. Man berichtete ihm: »Die Frau heißt Batseba.
Sie ist eine Tochter Eliams und verheiratet mit Uria, einem Hetiter.«
2Sam 11,4 David sandte Boten zu ihr und ließ sie holen. Batseba kam, und er
schlief mit ihr. Danach kehrte sie in ihr Haus zurück. Gerade vorher hatte sie
die Reinigung vorgenommen, die das Gesetz nach der monatlichen Blutung
vorschreibt.
2Sam 11,5 Nach einiger Zeit merkte Batseba, dass sie schwanger war. Sie schickte
einen Boten zu David, der es ihm sagen sollte.
2Sam 11,6 Kaum hatte der König das gehört, ließ er Joab melden: »Schickt sofort
den Hetiter Uria zu mir!« Joab gehorchte und schickte den Mann zu David.
2Sam 11,7 Als Uria ankam, erkundigte sich David zunächst, ob es Joab und den
Soldaten gut gehe und wie weit die Belagerung der Stadt schon vorangeschritten
sei.
2Sam 11,8 Schließlich forderte er Uria auf: »Geh nun nach Hause zu deiner Frau,
bade dich und ruh dich aus!« Uria war noch nicht weit gekommen, als ihn ein
Diener einholte und ihm ein Geschenk des Königs überreichte.
2Sam 11,9 Doch Uria ging nicht nach Hause, sondern zur königlichen Leibwache am
Tor des Palasts. Dort übernachtete er.
2Sam 11,10 David hörte davon und ließ Uria gleich am nächsten Morgen zu sich
rufen. »Warum hast du nicht zu Hause bei deiner Frau übernachtet?«, fragte er
ihn. »Du warst doch jetzt so lange von ihr getrennt!«
2Sam 11,11 Uria antwortete: »Die Bundeslade steht nur in einem Zelt, und auch
die Soldaten Israels und Judas müssen mit Zelten auskommen. Selbst der
Heerführer Joab und seine Offiziere übernachten auf offenem Feld am Boden. Und
da sollte ich nach Hause gehen, essen, trinken und mit meiner Frau schlafen? So
wahr du, mein Herr, lebst: Niemals könnte ich so etwas tun!«
2Sam 11,12 David bat ihn: »Bleib heute noch hier, Uria. Morgen lasse ich dich
dann wieder ziehen.« So blieb Uria noch in Jerusalem.
2Sam 11,13 Am Abend lud David ihn zum Essen ein und machte ihn völlig betrunken.
Doch auch diesmal ging Uria nicht nach Hause, sondern schlief wieder bei der
Leibwache am Palast.
2Sam 11,14 Am nächsten Morgen schrieb David einen Brief an Joab und gab ihn Uria
mit.
2Sam 11,15 Darin befahl er seinem Heerführer: »Stell Uria an die vorderste
Front, wo der Kampf am härtesten tobt! Keiner von euch soll ihm Deckung geben.
Zieht euch mitten in der Schlacht von ihm zurück, damit er getroffen wird und
stirbt.«
2Sam 11,16 Joab hatte die Feinde in der belagerten Stadt schon länger
beobachtet, und so wusste er, wo ihre gefährlichsten Leute standen. Genau dort
setzte er nun Uria ein.
2Sam 11,17 Als nun die Ammoniter aus der Stadt herausstürmten und angriffen,
wurden einige Israeliten getötet, und auch der Hetiter Uria war unter den
Gefallenen.
2Sam 11,18 Joab ließ David über den Ablauf des Kampfes genau unterrichten.
2Sam 11,19 Er sagte dem Boten, der die Nachricht überbringen sollte: »Wenn du
dem König über das Geschehene berichtest,
2Sam 11,20 wird er vielleicht zornig und hält dir vor: ›Warum seid ihr so nah an
die Stadtmauer herangerückt? Habt ihr denn nicht daran gedacht, dass die Feinde
von der Mauer aus auf euch schießen würden?
2Sam 11,21 Wisst ihr nicht mehr, wie es damals in Tebez Gideons Sohn Abimelech
erging? Von einer Frau wurde er umgebracht! Sie warf von der Mauer der Festung
einen Mühlstein und erschlug ihn damit. Warum also habt ihr so nahe an der
Stadtmauer gekämpft?‹ Wenn David dir solche Vorwürfe macht, dann erwidere ihm,
dass auch der Hetiter Uria gefallen ist.«
2Sam 11,22 Der Bote machte sich auf den Weg und ging in Jerusalem als Erstes zum
König. Er richtete David alles aus, was Joab ihm aufgetragen hatte.
2Sam 11,23 »Die Feinde waren stärker als wir«, erzählte er, »sie stürmten aus
der Stadt und griffen uns auf freiem Feld an. Wir konnten sie bis unmittelbar
vor die Tore der Stadt zurückdrängen.
2Sam 11,24 Doch da schossen die Bogenschützen von der Mauer auf uns herunter.
Einige deiner Soldaten wurden tödlich getroffen. Auch der Hetiter Uria ist
gefallen.«
2Sam 11,25 Da antwortete David: »Geh zurück und melde Joab: Lass dich durch
diese Niederlage nicht entmutigen! Der Krieg ist eben so grausam: Mal trifft es
diesen, mal jenen. Kämpfe entschlossen weiter gegen die Stadt, bis du sie
zerstört hast. Nur Mut, Joab!«
2Sam 11,26 Als Batseba hörte, dass Uria gefallen war, hielt sie die Totenklage
für ihren Mann.
2Sam 11,27 Gleich nach der Trauerzeit ließ David sie zu sich in den Palast holen
und heiratete sie. Bald darauf brachte sie einen Sohn zur Welt. Der Herr aber
verabscheute, was David getan hatte.
2Sam 12,1 Der Herr sandte den Propheten Nathan zu David. Als Nathan vor dem
König stand, sagte er zu ihm: »Ich muss dir etwas erzählen: Ein reicher und ein
armer Mann lebten in derselben Stadt.
2Sam 12,2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder,
2Sam 12,3 der Arme aber besaß nichts außer einem kleinen Lamm, das er erworben
hatte. Er versorgte es liebevoll und zog es zusammen mit seinen Kindern groß. Es
durfte sogar aus seinem Teller essen und aus seinem Becher trinken, und nachts
schlief es in seinen Armen. Es war für ihn wie eine Tochter.
2Sam 12,4 Eines Tages bekam der reiche Mann Besuch. Er wollte seinem Gast, der
einen weiten Weg hinter sich hatte, etwas zu essen anbieten. Aber er brachte es
nicht über sich, eines seiner eigenen Schafe oder Rinder zu schlachten. Darum
nahm er dem Armen sein einziges Lamm weg und bereitete es für seinen Besucher
zu.«
2Sam 12,5 David wurde vom Zorn gepackt und brauste auf: »So wahr der Herr lebt:
Dieser Mann hat den Tod verdient!
2Sam 12,6 Dem Armen soll er vier Lämmer geben für das eine, das er ihm
rücksichtslos weggenommen hat.«
2Sam 12,7 Da sagte Nathan zu David: »Du bist dieser Mann! Der Herr, der Gott
Israels, lässt dir sagen: ›Ich habe dich zum König von Israel erwählt und dich
beschützt, als Saul dich umbringen wollte.
2Sam 12,8 Den gesamten Reichtum Sauls und auch seine Frauen habe ich dir
gegeben. Ganz Israel und Juda gehören dir. Und sollte dir das noch zu wenig
sein, würde ich dir sogar noch mehr schenken.
2Sam 12,9 Warum also missachtest du meinen Willen? Warum hast du getan, was ich
verabscheue? Den Hetiter Uria hast du ermordet und dann seine Frau geheiratet.
Ja, du, David, bist der Mörder Urias, denn du hast angeordnet, dass Uria im
Kampf gegen die Ammoniter fallen sollte!
2Sam 12,10 Von mir hast du dich abgewandt und Uria die Frau weggenommen. Darum
sollen von nun an in jeder Generation einige deiner Nachkommen einen grausamen
Tod erleiden.
2Sam 12,11 Ich, der Herr, sage dir: Jemand aus deiner eigenen Familie wird dich
ins Unglück stürzen. Ich selbst werde dafür sorgen. Du musst erleben, wie ein
Mann, der dir sehr nahe steht, dir deine Frauen wegnimmt und in aller
Öffentlichkeit mit ihnen schläft.
2Sam 12,12 Was du, David, heimlich getan hast, das lasse ich am helllichten Tag
geschehen. Ganz Israel soll Zeuge sein.‹«
2Sam 12,13 Da bekannte David: »Ich habe gegen den Herrn gesündigt.« Nathan
erwiderte: »Der Herr hat dir vergeben, du wirst nicht sterben.
2Sam 12,14 Doch wegen deiner Tat spotten die Feinde Gottes noch mehr über ihn.
Darum muss der Sohn, den Batseba dir geboren hat, sterben.«
2Sam 12,15 Nach diesen Worten ging Nathan wieder nach Hause. Der Herr ließ das
Kind, das Urias Frau geboren hatte, todkrank werden.
2Sam 12,16 David zog sich zurück, um für seinen Sohn zu beten. Er fastete
tagelang und schlief nachts auf dem Fußboden.
2Sam 12,17 Seine Hofbeamten kamen und versuchten, ihn zum Aufstehen zu bewegen,
doch ohne Erfolg. Auch zum Essen ließ er sich nicht überreden.
2Sam 12,18 Am siebten Tag starb das Kind. Keiner der Diener wagte es David
mitzuteilen, denn sie befürchteten das Schlimmste. »Schon als das Kind noch
lebte, ließ er sich durch nichts aufmuntern«, sagten sie zueinander. »Wie wird
er sich erst verhalten, wenn er erfährt, dass es tot ist? Er könnte sich etwas
antun!«
2Sam 12,19 Doch als David merkte, wie die Hofleute miteinander flüsterten, ahnte
er, was geschehen war. »Ist der Junge tot?«, fragte er, und sie antworteten:
»Ja, er ist gestorben.«
2Sam 12,20 Da stand David auf, wusch sich, pflegte sich mit wohlriechenden
Salben und zog frische Kleider an. Dann ging er ins Heiligtum und warf sich
nieder, um den Herrn anzubeten. Danach kehrte er in den Palast zurück und ließ
sich etwas zu essen bringen.
2Sam 12,21 »Wir verstehen dich nicht«, sagten seine Diener, »als das Kind noch
lebte, hast du seinetwegen gefastet und geweint. Doch jetzt, wo es gestorben
ist, stehst du auf und isst wieder.«
2Sam 12,22 David erwiderte: »Solange mein Sohn lebte, habe ich gefastet und
geweint, weil ich dachte: Vielleicht hat der Herr Erbarmen mit mir und lässt ihn
am Leben.
2Sam 12,23 Doch nun ist er gestorben - warum soll ich jetzt noch fasten? Kann
ich ihn damit etwa zurückholen? Nein, er kehrt nicht mehr zu mir zurück, ich
aber werde eines Tages zu ihm gehen!«
2Sam 12,24 Dann ging David zu seiner Frau Batseba und tröstete sie. Er schlief
mit ihr, und sie brachte wieder einen Sohn zur Welt. David nannte ihn Salomo
(»der Friedliche«). Der Herr liebte das Kind,
2Sam 12,25 darum gab er dem Propheten Nathan den Auftrag, hinzugehen und dem
Jungen einen zweiten Namen zu geben: Jedidja (»Liebling des Herrn«).
2Sam 12,26 Noch immer belagerte Joab mit dem israelitischen Heer Rabba, die
Hauptstadt der Ammoniter. Es gelang ihm, einen Bezirk zu erobern, der
»Königsstadt« genannt wurde.
2Sam 12,27 Er schickte Boten zu David und ließ ihm ausrichten: »Ich habe Rabba
angegriffen und nun schon den Stadtteil unten am Fluss eingenommen.
2Sam 12,28 Darum sammle jetzt den Rest deines Heeres und stürme die Stadt. Du
sollst sie einnehmen, nicht ich. Sonst werde ich als Eroberer gefeiert!«
2Sam 12,29 Da zog David mit den übrigen Soldaten nach Rabba. Er griff die Stadt
an und eroberte sie.
2Sam 12,30 Die Israeliten machten reiche Beute und schafften sie aus Rabba fort.
David nahm König Hanun die Krone ab und setzte sie selbst auf. Sie wog 36
Kilogramm, war aus reinem Gold und mit einem kostbaren Edelstein besetzt.
2Sam 12,31 Die Einwohner von Rabba verschleppte David und verurteilte sie zur
Zwangsarbeit mit Steinsägen, eisernen Pickeln und Äxten; außerdem mussten sie
Ziegel brennen. Ebenso erging es den Einwohnern der anderen ammonitischen
Städte. Als der Krieg vorüber war, kehrten David und sein Heer nach Jerusalem
zurück.
2Sam 13,1 Absalom, einer der Söhne Davids, hatte eine schöne Schwester namens
Tamar. Eines Tages verliebte sich ihr Halbbruder Amnon in sie. Er war Davids
ältester Sohn.
2Sam 13,2 Amnon begehrte Tamar so sehr, dass er krank wurde. Er sah keine
Möglichkeit, an sie heranzukommen, denn die unverheirateten Töchter des Königs
wurden gut behütet.
2Sam 13,3 Amnon war mit Jonadab befreundet, einem Sohn von Davids Bruder
Schamma. Jonadab war ein sehr schlauer Mann.
2Sam 13,4 Er fragte Amnon: »Was ist los mit dir, Königssohn? Jeden Morgen siehst
du trauriger aus! Willst du es mir nicht sagen?« Da gestand Amnon: »Ich habe
mich in Absaloms Schwester Tamar verliebt.«
2Sam 13,5 Jonadab riet seinem Freund: »Leg dich doch ins Bett, und stell dich
krank! Wenn dein Vater dich besucht, dann frag ihn, ob nicht deine Schwester
Tamar dir etwas zu essen bringen könnte. Sag ihm: ›Wenn ich zuschauen kann, wie
sie mir etwas Gutes kocht, dann bekomme ich bestimmt wieder Appetit und esse
etwas. Sie selbst soll es mir reichen.‹«
2Sam 13,6 So legte Amnon sich ins Bett und stellte sich krank. Als der König
kam, um nach ihm zu sehen, bat Amnon: »Könnte nicht meine Schwester Tamar zu mir
kommen? Sie soll vor meinen Augen zwei Kuchen in der Pfanne backen und sie mir
bringen.«
2Sam 13,7 Sofort schickte David einen Diener zu dem Haus, wo Tamar wohnte, und
ließ ihr sagen: »Dein Bruder Amnon ist krank. Geh doch zu ihm, und mach ihm
etwas zu essen!«
2Sam 13,8 Tamar kam zu Amnon. Während sie einen Teig knetete, die Kuchen formte
und sie in der Pfanne backte, lag er da und schaute ihr zu.
2Sam 13,9 Als sie ihm die fertigen Kuchen bringen wollte, weigerte Amnon sich zu
essen. Stattdessen befahl er: »Alle Diener sollen das Zimmer verlassen!« Danach
2Sam 13,10 sagte er zu Tamar: »Ich will nur von dir bedient werden! Bring mir
das Essen ins Schlafzimmer!« Tamar nahm die Kuchen und brachte sie ihrem Bruder
ans Bett.
2Sam 13,11 Als sie ihm das Essen reichen wollte, packte er sie und sagte: »Komm,
meine Schwester, leg dich doch zu mir!«
2Sam 13,12 Sie rief: »Nein, Amnon, zwing mich nicht zu so etwas. Das ist in
Israel doch verboten. Ein solches Verbrechen darfst du nicht begehen!
2Sam 13,13 Was soll dann aus mir werden? Denk doch, welche Schande das für mich
wäre! Und du würdest in ganz Israel als gewissenloser Kerl dastehen. Warum
redest du nicht mit dem König? Bestimmt erlaubt er dir, mich zu heiraten.«
2Sam 13,14 Doch Amnon wollte nicht auf sie hören. Er stürzte sich auf sie und
vergewaltigte sie.
2Sam 13,15 Aber dann schlug seine große Liebe in glühenden Hass um. Ja, er
hasste Tamar nun mehr, als er sie vorher geliebt hatte. »Mach, dass du
fortkommst!«, schrie er sie an.
2Sam 13,16 »Nein«, flehte sie, »tu das nicht! Wenn du mich jetzt wegjagst, ist
das noch viel schlimmer als das, was du mir vorhin angetan hast.« Aber auch
jetzt ließ er sich nichts von ihr sagen.
2Sam 13,17 Er rief seinen Kammerdiener und befahl: »Jag die da hinaus, und
verriegle die Tür hinter ihr!«
2Sam 13,18 Der Diener warf sie hinaus und verschloss die Tür. Tamar trug ein
weites Gewand mit langen Ärmeln. So kleideten sich die Töchter des Königs, die
noch Jungfrauen waren.
2Sam 13,19 In ihrer Verzweiflung zerriss sie ihr Gewand, streute sich Asche auf
den Kopf und legte die Hand darauf. Laut weinend lief sie davon.
2Sam 13,20 Zu Hause fragte Absalom sie: »Hat dieser Amnon dich belästigt? Sag
niemandem etwas davon, denn er ist dein Bruder. Nimm die Sache nicht zu schwer!«
Von da an wohnte Tamar einsam im Haus ihres Bruders Absalom.
2Sam 13,21 Als König David davon erfuhr, wurde er sehr zornig. Doch er brachte
es nicht übers Herz, Amnon zu bestrafen, denn er war sein ältester Sohn, und
David liebte ihn besonders.
2Sam 13,22 Absalom sprach kein Wort mehr mit Amnon, er machte ihm keine
Vorwürfe, aber er grüßte ihn auch nicht. Er hasste seinen Bruder, weil er seine
Schwester Tamar vergewaltigt hatte.
2Sam 13,23 Zwei Jahre vergingen. Absalom ließ in Baal-Hazor in der Nähe der
Stadt Ephraim seine Schafe scheren. Bei dieser Gelegenheit wollte er einmal alle
Söhne des Königs zu einem Fest einladen.
2Sam 13,24 Er ging zu König David und sagte zu ihm: »Mein Vater, ich lasse
gerade meine Schafe scheren. Und da wäre es mir eine Ehre, wenn der König und
sein Hofstaat meine Einladung zu einem Fest annehmen würden.«
2Sam 13,25 Doch David wehrte ab: »Nein, mein Sohn, wir können nicht alle kommen.
Wir würden dir nur zur Last fallen!« Absalom versuchte seinen Vater zu
überreden, aber David nahm die Einladung nicht an. Er segnete seinen Sohn und
verabschiedete sich von ihm.
2Sam 13,26 Schließlich bat Absalom: »Wenn du selbst schon nicht willst, dann
lass doch wenigstens meinen Bruder Amnon mitkommen.« »Warum gerade Amnon?«,
fragte David.
2Sam 13,27 Doch Absalom ließ nicht locker, und so gestattete David Amnon und
seinen anderen Söhnen, mit nach Baal-Hazor zu gehen.
2Sam 13,28 Ehe das Fest begann, befahl Absalom seinen Dienern: »Sobald Amnon vom
Wein etwas angeheitert ist, gebe ich euch ein Zeichen. Dann bringt ihn um! Ihr
habt nichts zu befürchten, denn ich habe es euch befohlen und trage die volle
Verantwortung dafür. Nur Mut, erweist euch als tapfere Männer!«
2Sam 13,29 Die Diener führten den Befehl aus und ermordeten Amnon. Entsetzt
sprangen die anderen Königssöhne auf und flohen auf ihren Maultieren.
2Sam 13,30 Noch bevor sie in Jerusalem ankamen, war ihnen das Gerücht
vorausgeeilt. Man berichtete dem König: »Absalom hat alle deine Söhne
umgebracht, kein einziger hat überlebt!«
2Sam 13,31 Der König fuhr auf, zerriss seine Kleider und warf sich auf den
Boden. Sprachlos standen seine Diener um ihn herum, auch sie hatten ihre
Gewänder zerrissen.
2Sam 13,32 Schließlich ergriff Davids Neffe Jonadab das Wort: »Mein Herr«,
versuchte er den König zu beruhigen, »noch weißt du nicht sicher, ob wirklich
alle deine Söhne ermordet worden sind. Ich nehme an, dass nur Amnon tot ist.
Denn seit er Tamar vergewaltigte, war Absalom fest entschlossen, sich zu rächen.
2Sam 13,33 Darum, mein Herr und König, nimm das Gerücht nicht allzu ernst, dass
alle deine Söhne umgekommen seien. Bestimmt wurde nur Amnon getötet.«
2Sam 13,34 Absalom war nach seiner Tat geflohen. Einer der Wächter auf der
Stadtmauer von Jerusalem erblickte plötzlich in der Ferne eine große Gruppe von
Menschen. Sie kamen auf der Straße von Horonajim den Hügel herunter.
2Sam 13,35 Da sagte Jonadab zu David: »Siehst du, schon kommen deine Söhne
zurück. Ich habe es doch gleich gewusst!«
2Sam 13,36 Kaum hatte er ausgeredet, da liefen die Söhne Davids herein. Sie
fingen alle an zu weinen, auch der König und seine Diener brachen in Tränen aus.
2Sam 13,37 David trauerte noch lange um seinen ältesten Sohn. Absalom aber floh
zum König von Geschur, zu Talmai, dem Sohn Ammihuds.
2Sam 13,38 Dort blieb er drei Jahre lang.
2Sam 13,39 Allmählich fand David sich mit dem Tod Amnons ab, und so legte sich
mit der Zeit auch sein Zorn gegen Absalom.
2Sam 14,1 Joab, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, merkte, dass der König
seinen Sohn Absalom vermisste.
2Sam 14,2 Da ließ er eine Frau aus Tekoa holen, die für ihre Klugheit bekannt
war. Joab trug ihr auf: »Tu so, als würdest du schon lange um jemanden trauern.
Zieh Trauerkleider an, und benutze keine wohlriechenden Salben.
2Sam 14,3 Du sollst für mich zum König gehen und mit ihm reden.« Dann sagte Joab
ihr Wort für Wort, was sie dem König erzählen sollte.
2Sam 14,4 Als die Frau vor David trat, verbeugte sie sich und warf sich vor ihm
zu Boden. »Mein König, bitte steh mir bei!«, flehte sie ihn an.
2Sam 14,5 »Was bedrückt dich?«, wollte David wissen, und sie antwortete: »Ach,
ich bin Witwe, mein Mann ist gestorben.
2Sam 14,6 Ich hatte zwei Söhne. Eines Tages stritten sie draußen auf dem Feld
heftig miteinander. Leider war weit und breit kein Mensch, der hätte eingreifen
können, und so schlug der eine den anderen tot.
2Sam 14,7 Seitdem, o König, ist die ganze Verwandtschaft meines Mannes hinter
mir her. Sie verlangen, dass ich ihnen meinen Sohn ausliefere, weil er seinen
Bruder umgebracht hat. Sie wollen ihn töten und so den Mord rächen. Ja,
umbringen wollen sie ihn, damit er nicht das Erbe seines Vaters antreten kann!
So rauben sie mir noch den letzten Funken Hoffnung. Wenn nämlich mein zweiter
Sohn auch umkommt, dann gibt es im ganzen Land niemanden mehr, der den Namen
meines Mannes weiterträgt; und so stirbt seine Familie aus.«
2Sam 14,8 Da sagte der König zu der Frau: »Ich werde die Sache in die Hand
nehmen. Geh ruhig nach Hause.«
2Sam 14,9 Doch die Frau wandte ein: »Mein König, ich befürchte, dass die
Verwandten meines verstorbenen Mannes mich trotzdem nicht in Ruhe lassen. Sie
werden mich und meine Familie dafür verantwortlich machen, wenn der Tod meines
Sohnes nicht gerächt wird. Dir werden sie es sicher nicht vorwerfen.«
2Sam 14,10 David erwiderte: »Wer dir Schwierigkeiten macht, den zeige bei mir
an! Ich werde dafür sorgen, dass er dich in Ruhe lässt.«
2Sam 14,11 Die Frau aber gab sich immer noch nicht zufrieden; sie bat: »Mein
König, schwöre mir doch bei dem Herrn, deinem Gott, die Blutrache zu verhindern
und nicht zuzulassen, dass man meinen Sohn umbringt. Das erste Verbrechen soll
nicht ein schlimmeres nach sich ziehen.« Da sagte David: »Ich schwöre dir, so
wahr der Herr lebt: Deinem Sohn wird kein Haar gekrümmt werden.«
2Sam 14,12 Die Frau fragte: »Nun habe ich noch etwas auf dem Herzen. Darf ich es
vorbringen?« »Sprich!«, forderte David sie auf.
2Sam 14,13 Da sagte sie: »Warum begehst du gegen jemanden aus dem Volk Gottes
genau das Unrecht, das du eben verurteilt hast? Indem du dieses Urteil fällst,
sprichst du dich selbst schuldig, denn du hast deinen Sohn verstoßen und lässt
ihn nicht wieder zurückkehren.
2Sam 14,14 Zwar müssen wir alle einmal sterben. Wir sind wie Wasser, das auf den
Boden geschüttet wird: Es verrinnt und versickert unwiederbringlich. Aber Gott
löscht das Leben nicht einfach so aus. Er will den Verbannten zurückholen, damit
er nicht für immer von ihm verstoßen bleibt.
2Sam 14,15 Ja, mein König, ich bin mit meinem Anliegen hierher gekommen, weil
ich keinen anderen Ausweg mehr sah: Meine Verwandten haben mir große Angst
eingejagt. Da dachte ich: Ich wage es, dem König meinen Fall vorzulegen;
vielleicht nimmt er sich meiner an.
2Sam 14,16 Gewiss wirst du, mein König, mich vor dem Mann beschützen, der mich
und meinen Sohn um das Erbe bringen will, das Gott uns in Israel gegeben hat.
2Sam 14,17 Wenn der König die Sache für mich in die Hand nimmt, so dachte ich,
dann kann ich endlich wieder in Frieden leben. Denn du bist wie der Engel
Gottes: Du kannst Recht und Unrecht unterscheiden. Der Herr, dein Gott, möge dir
helfen.«
2Sam 14,18 Darauf sagte David: »Eine Frage möchte ich dir noch stellen.
Beantworte sie ehrlich, verheimliche mir nichts!« »Ja, ich höre«, antwortete
sie. David fragte: »Hat Joab hier die Hand im Spiel?«
2Sam 14,19 Da rief die Frau: »Es ist tatsächlich wahr: Der König lässt sich
einfach nichts vormachen! Ja, es war dein Heerführer Joab, der mich hergeschickt
hat. Er hat mir Wort für Wort aufgetragen, was ich erzählen soll,
2Sam 14,20 denn er wollte es dir nicht direkt ins Gesicht sagen. Aber mein Herr,
der König, ist so klug wie ein Engel Gottes. Er hat alles sofort durchschaut,
nichts entgeht ihm!«
2Sam 14,21 David ließ Joab zu sich rufen und sagte zu ihm: »Ich will dir deinen
Wunsch erfüllen. Lass meinen Sohn Absalom zurückholen!«
2Sam 14,22 Joab verneigte sich, warf sich vor David zu Boden und rief: »Nun weiß
ich, dass du, mein König, mir deine Gunst geschenkt hast, denn du erfüllst meine
Bitte! Der Herr segne dich dafür!«
2Sam 14,23 Joab reiste nach Geschur und holte Absalom zurück.
2Sam 14,24 Doch als sie in Jerusalem ankamen, befahl der König: »Er darf wieder
in seinem Haus wohnen, aber mir soll er nicht unter die Augen kommen!« So lebte
Absalom wieder in seinem Haus, den König durfte er jedoch nicht sehen.
2Sam 14,25 In ganz Israel gab es keinen Mann, der so schön war wie Absalom. Er
war von Kopf bis Fuß vollkommen, und alle Leute bewunderten ihn.
2Sam 14,26 Einmal im Jahr ließ er sich die Haare schneiden, weil sie ihm zu
schwer wurden. Sie wogen mehr als zwei Kilogramm.
2Sam 14,27 Absalom hatte drei Söhne und eine Tochter, die Tamar hieß. Sie war
ein sehr hübsches Mädchen.
2Sam 14,28 Inzwischen wohnte Absalom schon zwei Jahre wieder in Jerusalem, den
König aber durfte er noch immer nicht besuchen.
2Sam 14,29 Da ließ er eines Tages Joab zu sich rufen. Der sollte beim König ein
gutes Wort für ihn einlegen. Doch Joab weigerte sich zu kommen. Absalom bat ihn
ein zweites Mal zu sich, aber wieder erschien er nicht.
2Sam 14,30 Da befahl Absalom seinen Knechten: »Los, geht zu Joabs Gerstenfeld,
das an mein Land angrenzt, und steckt es in Brand!«
2Sam 14,31 Als das Feld in Flammen stand, eilte Joab zu Absalom und stellte ihn
zur Rede: »Warum haben deine Knechte mein Gerstenfeld angezündet?«
2Sam 14,32 »Weil du nicht gekommen bist, als ich dich rufen ließ«, erwiderte
Absalom. »Du solltest für mich zum König gehen und ihn fragen, warum man mich
überhaupt aus Geschur geholt hat. Ich hätte lieber dort bleiben sollen. Entweder
der König empfängt mich jetzt endlich, oder er lässt mich hinrichten, falls er
mich immer noch für schuldig hält!«
2Sam 14,33 Joab berichtete dem König, was Absalom gesagt hatte. Da ließ David
seinen Sohn zu sich rufen. Absalom kam herein, verneigte sich und warf sich vor
dem König zu Boden. David aber umarmte seinen Sohn und küsste ihn.
2Sam 15,1 Absalom beschaffte sich einen Wagen mit Pferden und eine fünfzig Mann
starke Leibwache.
2Sam 15,2 Er stellte sich jeden Morgen in aller Frühe an das Tor zum Palast.
Alle, die mit einer Streitsache kamen, um sie dem König als oberstem Richter
vorzulegen, fragte er nach ihrer Heimatstadt. Wenn jemand zu einem der
Nordstämme Israels gehörte,
2Sam 15,3 sagte Absalom zu ihm: »Zweifellos würdest du den Prozess gewinnen,
denn du bist im Recht. Aber man wird dich gar nicht erst bis zum König
vorlassen.«
2Sam 15,4 Und er fügte noch hinzu: »Ach, wäre doch ich der oberste Richter in
unserem Land! Ich würde mir Zeit nehmen für jeden, der mit seinem Fall zu mir
kommt. Allen würde ich zu ihrem Recht verhelfen.«
2Sam 15,5 Wenn der andere sich dann voller Ehrfurcht vor Absalom zu Boden werfen
wollte, kam der ihm zuvor, umarmte und küsste ihn.
2Sam 15,6 So verhielt Absalom sich gegenüber allen Leuten aus Israel, die mit
ihren Streitigkeiten zum König nach Jerusalem kamen. Dadurch machte er sich bei
ihnen beliebt.
2Sam 15,7 Das ging vier Jahre lang so. Eines Tages sagte Absalom zu David: »Ich
möchte gern nach Hebron gehen, um ein Gelübde zu erfüllen, das ich vor dem Herrn
abgelegt habe.
2Sam 15,8 Denn als ich in Geschur in Syrien war, schwor ich ihm: ›Wenn du mich
wieder nach Jerusalem heimkehren lässt, bringe ich dir ein Opfer dar.‹«
2Sam 15,9 »Geh nur und erfülle dein Gelübde«, antwortete der König. Absalom ging
nach Hebron
2Sam 15,10 und sandte heimlich Boten in alle Stammesgebiete Israels. Sie sollten
überall verkünden: »Sobald ihr die Hörner hört, ruft, so laut ihr könnt:
›Absalom ist unser König! In Hebron wurde er gekrönt.‹«
2Sam 15,11 Absalom hatte 200 Männer aus Jerusalem zu seinem Opferfest nach
Hebron eingeladen. Sie wussten nichts von seinen Plänen und gingen ahnungslos
mit.
2Sam 15,12 Als die Opfertiere geschlachtet waren, schickte Absalom noch eine
Einladung an Ahitofel, einen Berater des Königs, der in Gilo wohnte. Ahitofel
kam und schloss sich ihm an. So sammelte Absalom immer mehr Leute um sich, die
seine Verschwörung unterstützten.
2Sam 15,13 Ein Bote kam zu David nach Jerusalem und meldete: »Absalom hat eine
Verschwörung angezettelt! Die meisten Israeliten sind auf seiner Seite.«
2Sam 15,14 »Dann gibt es für uns nur eines: fliehen, damit wir ihm nicht in die
Hände fallen«, sagte David zu seinen Anhängern. »Wir müssen sofort aufbrechen,
beeilt euch! Sonst überwältigt er uns hier in der Stadt, und dann sind wir und
alle Einwohner verloren. Denn bestimmt würde er ein großes Blutbad anrichten.«
2Sam 15,15 Davids Leute antworteten: »Wir stehen zu unserem König. Tu, was du
für richtig hältst!«
2Sam 15,16 David floh mit seiner Familie und allen Anhängern aus der Stadt. Nur
zehn seiner Nebenfrauen ließ er zurück, damit der Palast nicht unbeaufsichtigt
blieb.
2Sam 15,17 Er ging mit seinem Gefolge bis zum letzten Haus am Stadtrand und
machte dort Halt.
2Sam 15,18 Dann ließ er alle, die mitgekommen waren, an sich vorüberziehen:
zuerst die königliche Leibwache, dann die 600 Mann, die ihm aus Gat gefolgt
waren, und schließlich alle anderen, die zu ihm hielten.
2Sam 15,19 Als Ittai, ein Philister aus Gat, an David vorüberging, sprach der
König ihn an: »Warum möchtest du mit uns ziehen? Es ist besser für dich, wenn du
umkehrst und dich dem neuen König anschließt. Du bist als Einwanderer nach
Israel gekommen, weil du deine Heimat verlassen musstest.
2Sam 15,20 Erst vor kurzem hast du dich hier angesiedelt, und jetzt solltest du
schon wieder vertrieben werden? Nein, ich kann nicht verlangen, dass du bei mir
bleibst. Wer weiß, wohin ich noch fliehen muss. Darum kehr um, und geh mit
deinen Landsleuten zurück in die Stadt. Der Herr möge dir Gutes tun und dir
seine Liebe erweisen.«
2Sam 15,21 Doch Ittai entgegnete: »So wahr der Herr lebt und so wahr du lebst:
Ich werde dich, meinen König, niemals im Stich lassen, und wenn es mich das
Leben kostet! Das schwöre ich dir!«
2Sam 15,22 Da gab David nach und sagte: »Gut, dann komm mit uns!« Und so zog
Ittai mit seinen Begleitern und ihren Familien an David vorbei.
2Sam 15,23 Schließlich überquerte David den Bach Kidron und schlug den Weg in
Richtung Wüste ein. Die Leute von Jerusalem weinten laut, als sie den König und
sein Gefolge fliehen sahen.
2Sam 15,24 Auch der Priester Zadok und die Leviten hatten mit David die Stadt
verlassen. Die Leviten trugen die Bundeslade und stellten sie außerhalb der
Stadt ab. Der Priester Abjatar brachte Opfer dar, bis alle Leute vorbeigezogen
waren.
2Sam 15,25 David sagte zu Zadok: »Tragt die Bundeslade zurück in die Stadt! Wenn
der Herr Erbarmen mit mir hat, bringt er auch mich eines Tages wieder dorthin
und lässt mich die Bundeslade und das Zelt, in dem sie steht, wiedersehen.
2Sam 15,26 Wenn er aber sagt: ›Du sollst nicht länger König sein‹, so will ich
auch das annehmen. Er soll mit mir tun, was er für richtig hält.
2Sam 15,27 Du aber, Zadok, gehst besser nach Jerusalem zurück. Nimm deinen Sohn
Ahimaaz mit, und auch Abjatar und sein Sohn Jonatan sollen sich euch
anschließen.
2Sam 15,28 Ich selbst werde am Rand der Wüste am Jordanübergang warten, bis ich
von euch Nachricht über die Lage in Jerusalem erhalte.«
2Sam 15,29 Da brachten die Priester Zadok und Abjatar die Bundeslade Gottes
zurück nach Jerusalem und blieben dort.
2Sam 15,30 David und die Menschen, die mit ihm gegangen waren, stiegen weinend
den Ölberg hinauf. Als Zeichen der Trauer hatten sie ihre Gesichter verhüllt und
liefen barfuß.
2Sam 15,31 Unterwegs wurde David gemeldet: »Dein Berater Ahitofel unterstützt
Absalom bei der Verschwörung.« Da betete er: »Herr, sorge dafür, dass man die
klugen Ratschläge Ahitofels für Unsinn hält.«
2Sam 15,32 Als David den Gipfel erreicht hatte, wo man zu Gott betete, kam ihm
sein alter Freund, der Arkiter Huschai, entgegen. Auch er hatte sein Gewand
zerrissen und sich Erde auf den Kopf gestreut.
2Sam 15,33 David sagte zu ihm: »Wenn du in deinem Alter mit uns ziehst, fällst
du uns nur zur Last.
2Sam 15,34 Gehst du aber zurück in die Stadt, dann kannst du mir einen großen
Dienst erweisen. Sag zu Absalom: ›Mein Herr und König, ich stehe dir zur Seite!
Früher diente ich deinem Vater, jetzt aber bist du mein Herr.‹ So kannst du mir
helfen, die Pläne zu vereiteln, die Ahitofel sich ausdenkt.
2Sam 15,35 [35/36] Du bist nicht allein: Auch die Priester Zadok und Abjatar
bleiben in Jerusalem. Berichte ihnen alles Wichtige aus dem königlichen Palast.
Zadoks Sohn Ahimaaz und Abjatars Sohn Jonatan werden es mir dann weitersagen.
Auch sie bleiben vorerst noch in der Stadt.«
2Sam 15,37 Da kehrte Davids Freund und Berater Huschai um. Er kam gerade nach
Jerusalem, als Absalom wie ein König einzog.
2Sam 16,1 Als David den Gipfel des Ölbergs verlassen hatte und seinen Weg
fortsetzen wollte, kam ihm Ziba, der Diener von Sauls Enkel Mefi-Boschet,
entgegen. Er führte zwei gesattelte Esel mit sich, denen er 200 Brote, 100
Rosinenkuchen, 100 frische Früchte und einen Weinschlauch aufgeladen hatte.
2Sam 16,2 »Was hast du damit vor?«, wollte der König wissen. Ziba antwortete:
»Die Esel sind als Reittiere für deine Familie gedacht, das Brot und das Obst
für deine Leute und der Wein zur Stärkung für alle, die auf dem Weg durch die
Wüste müde werden.«
2Sam 16,3 »Und wo ist Mefi-Boschet, der Enkel deines früheren Herrn?«, fragte
der König. Ziba antwortete: »Der wollte in Jerusalem bleiben. Er hat behauptet:
›Heute werden mich die Israeliten zum König von Israel krönen, denn ich bin der
Nachkomme Sauls.‹«
2Sam 16,4 Da erwiderte David: »Ab sofort gehört dir, Ziba, der ganze Besitz
Mefi-Boschets!« Ziba sagte: »Ich bin dir ergeben, mein Herr und König! Für mich
zählt nur eines: dass du mir deine Gunst schenkst.«
2Sam 16,5 Als König David nach Bahurim kam, lief ihm ein Mann aus dem Ort
entgegen und beschimpfte ihn. Es war Schimi, ein Sohn Geras, der mit Saul
verwandt war.
2Sam 16,6 Schimi ließ sich von der Leibwache und den Elitesoldaten, die den
König umgaben, nicht abschrecken und warf mit Steinen nach David und seinem
Gefolge.
2Sam 16,7 Dabei fluchte er und schrie: »Verschwinde, du Verbrecher, du Mörder!
2Sam 16,8 Ja, du bist schuld daran, dass Saul und seine Familie umgekommen sind,
du hast die Herrschaft einfach an dich gerissen! Jetzt aber straft dich der Herr
für das unschuldig vergossene Blut: Er hat deinen Sohn Absalom an deiner Stelle
zum König gemacht und dich ins Unglück gestürzt. Etwas Besseres hast du auch
nicht verdient, du Mörder!«
2Sam 16,9 Da sagte Abischai, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, zum König:
»Wie kommt dieser Nichtsnutz dazu, dich so zu beschimpfen? Lass mich hingehen
und ihm den Kopf abschlagen!«
2Sam 16,10 Doch David bremste ihn: »Wie oft muss ich es dir und deinem Bruder
Joab noch sagen: Ich halte nichts von euren Racheakten! Soll dieser Schimi mich
doch beschimpfen! Wenn der Herr es ihm befohlen hat - können wir es ihm dann
verbieten?«
2Sam 16,11 Nun wandte David sich an seine Soldaten, die um ihn standen: »Wenn
schon mein eigener Sohn mir nach dem Leben trachtet, dann ist es doch von diesem
Verwandten Sauls erst recht zu erwarten! Lasst ihn nur schimpfen und fluchen!
Bestimmt hat der Herr es ihm befohlen.
2Sam 16,12 Doch ich hoffe, dass der Herr mich nicht allein lässt in meinem
Elend. Vielleicht verwandelt er die Flüche Schimis in Segen.«
2Sam 16,13 David und seine Leute setzten ihren Weg fort. Schimi lief ihnen am
Berghang entlang nach, fluchte und warf mit Steinen und Erdklumpen nach dem
König.
2Sam 16,14 Erschöpft erreichten sie schließlich den Jordan und ruhten sich dort
aus.
2Sam 16,15 Inzwischen waren Absalom und seine Anhänger in Jerusalem eingezogen.
Auch Ahitofel hatte sich ihnen angeschlossen.
2Sam 16,16 Bald darauf kam Davids Freund und Berater Huschai zu Absalom und rief
ihm zu: »Hoch lebe der König! Hoch lebe der König!«
2Sam 16,17 Da spottete Absalom: »Und so einer nennt sich Freund des Königs! Ist
deine Liebe zu ihm schon erloschen? Warum bist du nicht mit deinem Freund
gegangen?«
2Sam 16,18 Huschai antwortete: »Ich stehe zu dem König, den der Herr und sein
Volk auserwählt haben! Der und kein anderer ist mein Herr!
2Sam 16,19 Und wem sollte ich dienen, wenn nicht dem Sohn des früheren Königs?
Ich werde dir ergeben sein, so wie ich deinem Vater treu ergeben war.«
2Sam 16,20 Danach wandte Absalom sich an Ahitofel und fragte: »Was sollen wir
nun weiter unternehmen? Gib mir einen Rat!«
2Sam 16,21 Ahitofel erwiderte: »Dein Vater hat doch einige Nebenfrauen hier
gelassen, damit der Palast nicht unbeaufsichtigt bleibt. Hol sie dir, und schlaf
mit ihnen! Dann sieht ganz Israel, dass du dich bei deinem Vater verhasst
gemacht hast, und deine Anhänger werden noch entschlossener zu dir halten.«
2Sam 16,22 Da schlug man auf dem Dach des Palasts für Absalom ein Zelt auf. Ganz
Israel wurde Zeuge, als er mit den Nebenfrauen seines Vaters dort hineinging, um
mit ihnen zu schlafen.
2Sam 16,23 Damals wurden Ahitofels Ratschläge bereitwillig befolgt, als kämen
sie von Gott. So war es schon bei David gewesen, und daran änderte sich auch bei
Absalom nichts.
2Sam 17,1 Ahitofel machte Absalom noch einen Vorschlag: »Erlaube mir, dass ich
sofort ein Heer von 12000 Mann aufstelle und noch heute Nacht die Verfolgung
Davids aufnehme.
2Sam 17,2 Ich will ihn überraschen, solange er erschöpft und entmutigt ist. Wir
werden seine Leute in Angst und Schrecken versetzen, sie werden fliehen, und
dann bringe ich den König um.
2Sam 17,3 So wird nur er allein getötet, und ich kann dir ganz Israel als dein
Volk zuführen. Dann herrscht wieder Frieden im Land!«
2Sam 17,4 Dieser Vorschlag gefiel Absalom, und auch die Ältesten Israels
stimmten zu.
2Sam 17,5 Trotzdem sagte Absalom: »Wir wollen erst noch hören, was der Arkiter
Huschai dazu meint. Jemand soll ihn holen!«
2Sam 17,6 Als Huschai da war, erklärte Absalom ihm den Plan Ahitofels und
fragte: »Was denkst du, sollen wir so vorgehen, oder hast du eine bessere Idee?«
2Sam 17,7 Huschai antwortete: »Mir scheint, diesmal hat Ahitofel dir keinen
guten Rat gegeben.
2Sam 17,8 Du kennst doch deinen Vater und seine Männer: Sie alle sind
kampferprobte Soldaten. Sie werden erbittert kämpfen wie eine Bärin, der man die
Jungen weggenommen hat. Dein Vater ist ein erfahrener Heerführer, er wird kaum
bei seinen Leuten übernachten.
2Sam 17,9 Wahrscheinlich hat er sich längst in einer Höhle oder sonst irgendwo
versteckt. Wenn gleich am Anfang einige deiner Soldaten fallen und es überall
heißt: ›Absaloms Heer hat eine Niederlage erlitten!‹,
2Sam 17,10 dann bekommen alle deine Männer es mit der Angst zu tun, selbst wenn
sie tapfer sind wie Löwen. Da kannst du sicher sein! Denn in Israel weiß jeder,
dass dein Vater ein erfahrener Heerführer ist und die besten Soldaten um sich
hat.
2Sam 17,11 Darum rate ich dir: Berufe alle wehrfähigen Israeliten ein, von Dan
im Norden bis Beerscheba im Süden; dann kannst du ein riesiges Heer aufstellen,
mit Soldaten so zahlreich wie der Sand am Meer. Du musst sie aber selbst
anführen.
2Sam 17,12 Dann spüren wir David auf, egal wo er sich versteckt. Du wirst sehen:
Wir fallen über seine Soldaten her und verschonen niemand, so wie Tau am frühen
Morgen auf die Erde fällt und alles bedeckt. Keiner wird mit dem Leben
davonkommen, auch er selbst nicht.
2Sam 17,13 Hat David sich aber in einer Stadt verschanzt, dann sollen deine
Männer Seile an der Mauer befestigen und die ganze Stadt ins Tal schleifen. Kein
Stein wird auf dem anderen bleiben!«
2Sam 17,14 Da waren sich Absalom und die führenden Israeliten einig: »Huschais
Vorschlag ist besser als Ahitofels.« Sie wussten nicht, dass der Herr hier seine
Hand im Spiel hatte: Er vereitelte den Plan Ahitofels, obwohl er eigentlich der
bessere war. Denn der Herr wollte Absalom ins Unglück stürzen.
2Sam 17,15 Huschai berichtete den Priestern Zadok und Abjatar, was Ahitofel
Absalom und den Ältesten Israels geraten hatte. Auch von seinem eigenen
Vorschlag erzählte er ihnen.
2Sam 17,16 Dann sagte er: »Schickt nun sofort einen Boten zu David. Er soll ihm
alles mitteilen und ihn warnen: ›Übernachte auf keinen Fall am Rand der Wüste!
Du musst unbedingt heute noch den Jordan überqueren, sonst bist du verloren und
mit dir alle deine Begleiter.‹«
2Sam 17,17 Jonatan und Ahimaaz warteten inzwischen außerhalb von Jerusalem bei
der Rogelquelle, denn sie durften sich in der Stadt nicht sehen lassen. Eine
Magd überbrachte ihnen die Nachricht für David.
2Sam 17,18 Doch sie wurden von einem jungen Mann gesehen, der gleich zu Absalom
ging und es ihm meldete. Schnell brachen die beiden auf; unterwegs fanden sie
bei einem Mann in Bahurim Unterschlupf. Sie versteckten sich in der Zisterne in
seinem Hof.
2Sam 17,19 Die Frau des Mannes breitete eine Decke über die Öffnung und streute
Getreidekörner zum Trocknen darauf aus, damit niemand etwas merkte.
2Sam 17,20 Bald kamen Soldaten Absaloms zu dem Haus und fragten die Frau: »Wo
sind Ahimaaz und Jonatan?« Sie antwortete: »Die beiden sind fortgegangen, sie
wollten den Bach dort überqueren.« Die Männer suchten weiter. Als sie nichts
fanden, kehrten sie unverrichteter Dinge nach Jerusalem zurück.
2Sam 17,21 Kaum waren Absaloms Leute verschwunden, kletterten Ahimaaz und
Jonatan aus der Zisterne und eilten zu David, um ihm Bericht zu erstatten. »Ihr
müsst sofort den Jordan überqueren!«, sagten sie zu ihm und erzählten, was
Ahitofel Absalom geraten hatte.
2Sam 17,22 Schnell brachen David und alle seine Begleiter auf und überquerten
noch in derselben Nacht den Jordan. Beim Morgengrauen war auch der letzte von
ihnen am anderen Ufer angelangt.
2Sam 17,23 Als Ahitofel merkte, dass Absalom nicht auf seinen Rat hörte,
sattelte er seinen Esel und ritt in seine Heimatstadt zurück. Zu Hause regelte
er noch die letzten Dinge, dann erhängte er sich. Man begrub ihn in seinem
Familiengrab.
2Sam 17,24 David war schon in Mahanajim angekommen, während Absalom mit dem
israelitischen Heer den Jordan überquerte.
2Sam 17,25 Absalom hatte Amasa zu seinem Heerführer ernannt, denn Joab war bei
David. Amasa war der Sohn eines Ismaeliters namens Jeter; seine Mutter hieß
Abigal, sie war eine Tochter Isais und die Schwester von Joabs Mutter Zeruja.
2Sam 17,26 Absalom und die Israeliten schlugen ihr Heerlager bei Gilead auf.
2Sam 17,27 David war noch nicht lange in Mahanajim, als drei Männer zu ihm
kamen: Schobi, ein Sohn Nahaschs, aus Rabba, der Hauptstadt der Ammoniter,
Machir, ein Sohn Ammiëls, aus Lo-Dabar, und Barsillai aus Roglim in Gilead.
2Sam 17,28 [28/29] Die drei brachten David und seinen Männern Schlafmatten mit,
Töpfe und Schüsseln, Weizen, Gerste, Mehl, geröstete Getreidekörner, Bohnen und
Linsen, Honig, Butter und Käse sowie einige Schafe und Ziegen. Denn sie dachten:
»Bestimmt sind sie hungrig, durstig und erschöpft von ihrem Marsch durch die
Wüste.«
2Sam 18,1 David musterte seine Truppen, er ließ sie Abteilungen zu je 1000 und
Unterabteilungen zu je 100 Mann bilden und setzte Hauptleute über sie ein.
2Sam 18,2 Das Heer sollte in drei Verbänden losziehen, die von Joab, dessen
Bruder Abischai und von Ittai aus Gat angeführt wurden. »Ich selbst werde mit
euch ziehen«, sagte David zu seinen Soldaten.
2Sam 18,3 Doch sie wandten ein: »Tu das nicht! Wenn wir vor den Feinden fliehen
müssen oder sogar die Hälfte von uns im Kampf fällt, bedeutet ihnen das nicht so
viel wie dein Tod. Denn du bist für sie wichtiger als zehntausend von uns! Bleib
lieber in der Stadt, und komm uns im Notfall mit Verstärkung zu Hilfe.«
2Sam 18,4 »Ich will euren Rat befolgen«, antwortete David. Dann stellte er sich
ans Stadttor, und das Heer zog in Abteilungen geordnet an ihm vorbei.
2Sam 18,5 Den drei Heerführern Joab, Abischai und Ittai schärfte er ein: »Sorgt
dafür, dass meinem Sohn Absalom nichts zustößt!« Auch alle Soldaten hörten den
Befehl.
2Sam 18,6 Davids Truppen zogen den Israeliten entgegen, und im Wald von Ephraim
kam es zur Schlacht.
2Sam 18,7 Die Soldaten Davids schlugen das feindliche Heer vernichtend: 20000
Israeliten fielen an diesem Tag.
2Sam 18,8 Die Kämpfe breiteten sich über das ganze umliegende Gebiet aus. Der
Wald dort aber war so unwegsam und gefährlich, dass er noch mehr Opfer forderte
als die Schlacht selbst.
2Sam 18,9 Einige Soldaten Davids verfolgten Absalom, der auf seinem Maultier
floh. Doch als er unter einer großen Terebinthe durchritt, verfingen sich seine
Haare in den dichten Ästen. Sein Maultier lief weiter, er aber blieb am Baum
hängen.
2Sam 18,10 Einer der Männer, die es beobachtet hatten, meldete Joab: »Ich habe
Absalom gesehen! Er hängt an den Ästen einer Terebinthe.«
2Sam 18,11 Joab rief: »Was, du hast ihn gesehen und ihn nicht auf der Stelle
umgebracht? Ich hätte dir zehn Silberstücke und einen wertvollen Gürtel dafür
gegeben!«
2Sam 18,12 Doch der Mann entgegnete: »Auch wenn du mir tausend Silberstücke
bieten würdest - dem Sohn des Königs könnte ich nichts antun. Ich habe doch
genau gehört, wie der König dir, Abischai und Ittai befohlen hat: ›Sorgt dafür,
dass meinem Sohn Absalom nichts zustößt!‹
2Sam 18,13 Und wenn ich ihn unbemerkt getötet hätte - dem König wäre sowieso zu
Ohren gekommen, wer es war, denn früher oder später erfährt er doch alles. Dann
würdest du mir bestimmt keine Rückendeckung geben!«
2Sam 18,14 »Ich will meine Zeit nicht länger mit dir vergeuden!«, unterbrach
Joab ihn. Er nahm drei Speere und stieß sie Absalom, der immer noch am Baum
hing, ins Herz.
2Sam 18,15 Dann umringten die zehn Waffenträger Joabs den Sohn Davids und
töteten ihn vollends.
2Sam 18,16 Nun blies Joab das Horn als Zeichen dafür, dass der Kampf beendet
war. Da kehrten seine Soldaten um,
2Sam 18,17 und die Israeliten flohen nach Hause. Joabs Männer warfen die Leiche
Absaloms in eine Grube im Wald und errichteten darüber einen großen Steinhaufen.
2Sam 18,18 Schon zu seinen Lebzeiten hatte Absalom im Königstal einen
Gedenkstein für sich errichten lassen. Er hatte ihn nach sich selbst benannt,
denn er dachte: »Ich habe keinen Sohn, der meinen Namen weiterträgt.« Noch heute
nennt man diesen Stein das »Denkmal Absaloms«.
2Sam 18,19 Ahimaaz, der Sohn Zadoks, bat Joab: »Gestatte mir, zum König nach
Mahanajim zu laufen und ihm die gute Nachricht zu bringen, dass der Herr ihm den
Sieg über seine Feinde geschenkt hat.«
2Sam 18,20 Doch Joab wehrte ab: »Was du dem König melden musst, ist keine
Freudenbotschaft für ihn, denn sein Sohn ist tot. Ein anderes Mal schicke ich
dich gern als Boten zu ihm, aber heute nicht.«
2Sam 18,21 Dann wandte er sich an seinen äthiopischen Sklaven und befahl ihm:
»Geh du zum König, und berichte, was du gesehen hast!« Der Sklave verneigte sich
vor Joab und machte sich auf den Weg.
2Sam 18,22 Doch Ahimaaz gab nicht nach. »Egal, was geschieht - ich laufe ihm
hinterher!« Noch einmal versuchte Joab ihn zurückzuhalten: »Mein Sohn, warum
brennst du darauf, dem König die schlechte Nachricht zu bringen? Er wird dich
dafür sicher nicht belohnen!«
2Sam 18,23 »Egal, was passiert - ich will auf jeden Fall zu ihm!«, gab Ahimaaz
zurück. Da ließ Joab ihn gehen. Ahimaaz schlug den Weg durch die Jordanebene ein
und kam schneller voran als der Äthiopier.
2Sam 18,24 David saß zwischen dem inneren und dem äußeren Stadttor und wartete.
Als der Wächter wieder einmal auf den Turm stieg, um Ausschau zu halten, sah er
einen Mann, der allein auf Mahanajim zulief.
2Sam 18,25 Er meldete es sofort dem König. David sagte: »Wenn er allein kommt,
bringt er uns bestimmt eine gute Nachricht!« Während der Bote immer näher kam,
2Sam 18,26 entdeckte der Wächter einen zweiten Mann, der in Richtung Stadt
unterwegs war. Er rief zum Torwächter hinunter: »Ich sehe noch jemanden kommen;
auch er ist allein.« David meinte dazu: »Sicher wird er uns ebenfalls eine frohe
Botschaft bringen.«
2Sam 18,27 Dann meldete der Wächter: »Ich glaube, der erste ist Ahimaaz, der
Sohn Zadoks. Ich erkenne ihn an seinem Gang.« Erleichtert sagte David: »Er ist
ein zuverlässiger Mann. Bestimmt meldet er uns Erfreuliches!«
2Sam 18,28 Schon von weitem rief Ahimaaz: »Die Schlacht ist gewonnen!« Als er
vor dem König stand, warf er sich zu Boden und sagte: »Gepriesen sei der Herr,
dein Gott! Er hat dir den Sieg geschenkt über die Feinde, die sich gegen dich,
mein Herr und König, aufgelehnt haben.«
2Sam 18,29 »Und wie geht es meinem Sohn Absalom?«, erkundigte David sich. »Es
ist ihm doch hoffentlich nichts zugestoßen?« Ahimaaz antwortete: »Als Joab
deinen äthiopischen Sklaven und mich, deinen ergebenen Diener, zu dir schickte,
herrschte noch ein großes Durcheinander. Ich konnte leider nicht erkennen, was
im Einzelnen geschehen war.«
2Sam 18,30 »Stell dich neben mich!«, befahl David. Ahimaaz gehorchte und blieb
neben dem König stehen.
2Sam 18,31 In diesem Augenblick kam der Äthiopier an und berichtete: »Mein
König, höre, was für eine gute Nachricht ich dir zu überbringen habe: Der Herr
hat den Aufstand niedergeschlagen, den deine Feinde gegen dich geplant haben! Er
hat dir heute zu deinem Recht verholfen.«
2Sam 18,32 »Und wie geht es meinem Sohn?«, fragte David auch ihn. »Ihm ist doch
hoffentlich nichts zugestoßen?« Der Sklave antwortete: »So wie ihm möge es allen
deinen Feinden ergehen, allen, die sich gegen dich auflehnen und dir schaden
wollen!«
2Sam 19,1 Diese Worte gaben David einen Stich ins Herz. Er stieg hinauf ins
Turmzimmer des Stadttors und weinte. Dabei klagte er ununterbrochen: »Mein Sohn
Absalom! Mein Sohn, mein Sohn, ach Absalom! Wäre ich doch an deiner Stelle
gestorben! Ach Absalom, mein Sohn, mein Sohn!«
2Sam 19,2 Jemand meldete Joab: »Der König weint und trauert um Absalom.«
2Sam 19,3 Auch bei den Soldaten hatte sich schnell herumgesprochen, dass David
über den Tod seines Sohnes verzweifelt war. Ihre Freude über den Sieg war auf
einmal wie weggeblasen, Trauer und Niedergeschlagenheit machten sich breit.
2Sam 19,4 Bedrückt schlichen die Männer in die Stadt zurück - wie Verlierer, die
sich schämen, weil sie vom Schlachtfeld geflohen sind.
2Sam 19,5 David aber saß noch immer im Turmzimmer, er hatte sein Gesicht
verhüllt und klagte laut: »Mein Sohn Absalom! Ach Absalom, mein Sohn, mein
Sohn!«
2Sam 19,6 Da ging Joab zu ihm und wies ihn zurecht: »Deine Soldaten haben dir
heute das Leben gerettet, und nicht nur dir, sondern auch deinen Söhnen und
Töchtern, deinen Frauen und Nebenfrauen. Und was ist der Dank? Du benimmst dich
so, dass sie sich für ihre große Tat nur schämen können!
2Sam 19,7 Du liebst alle, die dich hassen, und hasst alle, die dich lieben.
Deine Heerführer und Soldaten bedeuten dir offenbar überhaupt nichts. Es hätte
dir nichts ausgemacht, wenn wir heute alle in der Schlacht gefallen wären -
Hauptsache Absalom wäre noch am Leben!
2Sam 19,8 Du musst dich jetzt zusammennehmen und zu deinen Männern hinausgehen,
um sie wieder zu ermutigen. Sonst laufen sie dir alle noch heute Nacht davon.
Das schwöre ich dir, so wahr der Herr lebt! Etwas Schlimmeres könnte dir gar
nicht passieren. Es wäre schrecklicher als alles, was du bisher erleiden
musstest.«
2Sam 19,9 Da stand David auf und ging hinunter zum Stadttor. Seinen Soldaten
wurde gemeldet, dass der König wieder dort saß. Sofort kamen sie und
versammelten sich vor ihm. Inzwischen waren die Israeliten in ihre Heimatorte
geflohen.
2Sam 19,10 In allen Stämmen des Landes warfen sie sich gegenseitig vor: »Wir
sind schuld daran, dass König David vor Absalom fliehen und das Gebiet Juda
verlassen musste. Dabei hat er uns doch immer von unseren Feinden befreit, und
auch die Macht der Philister hat er gebrochen.
2Sam 19,11 Absalom, den wir zum neuen König gekrönt haben, ist in der Schlacht
gefallen. Warum unternimmt niemand etwas, um David zurückzuholen?«
2Sam 19,12 David sandte die beiden Priester Zadok und Abjatar zu den Ältesten
des Stammes Juda. Sie sollten ihnen im Namen des Königs ausrichten: »Wollt ihr
die Letzten sein, die mich, euren König, wieder in seinen Palast zurückholen?
Die Israeliten haben dies schon lange geplant, wie ich gehört habe.
2Sam 19,13 Ihr seid doch meine Stammesbrüder und viel näher mit mir verwandt.
Warum kommt ihr ihnen nicht zuvor?«
2Sam 19,14 Amasa, dem Heerführer Absaloms, sollten die beiden Priester von David
ausrichten: »Ich schwöre dir, dass ich dich heute an Joabs Stelle zu meinem
obersten Heerführer ernenne, denn du bist mein Neffe. Gott soll mich hart
bestrafen, wenn ich mein Versprechen nicht halte.«
2Sam 19,15 So gelang es David, alle Judäer zurückzugewinnen. Sie ließen ihm
sagen: »Komm mit deinem Gefolge wieder nach Jerusalem!«
2Sam 19,16 Da trat David den Rückweg an und erreichte den Jordan. Die Männer aus
dem Stamm Juda kamen ihm auf der anderen Seite bis nach Gilgal entgegen, um ihn
über den Fluss zu geleiten.
2Sam 19,17 Zur gleichen Zeit lief auch der Benjaminiter Schimi, ein Sohn Geras,
aus Bahurim, zum Jordan, um David dort zu treffen.
2Sam 19,18 Tausend Mann vom Stamm Benjamin waren bei ihm. Auch Ziba, der frühere
Diener Sauls, hatte sich mit seinen fünfzehn Söhnen und zwanzig Knechten dem Zug
angeschlossen. Sie erreichten den Jordan vor dem König.
2Sam 19,19 Dann brachten sie ein Boot an das gegenüberliegende Ufer, um David
mit seinem Gefolge über den Fluss zu setzen und ihm ihren Dienst anzubieten. Als
David den Jordan überqueren wollte, ging Schimi zu ihm, warf sich vor ihm zu
Boden
2Sam 19,20 und flehte: »Mein König, vergib mir, was ich dir angetan habe, als du
Jerusalem verlassen musstest. Bitte rechne mir diese große Schuld nicht an.
2Sam 19,21 Ich weiß, dass es ein schwerer Fehler war. Aber bedenke, mein König:
Ich bin heute als Erster aus den Nordstämmen hierher gelaufen, um dich zu
empfangen.«
2Sam 19,22 Da mischte sich Davids Neffe Abischai ein: »Schimi verdient den Tod!
Er hat den König, den der Herr eingesetzt hat, aufs übelste beschimpft.«
2Sam 19,23 Doch David wies ihn zurecht: »Von dir und deinem Bruder lasse ich mir
nichts vorschreiben! Ihr könnt mich nicht zu so einer Tat verleiten. Von jetzt
an bin ich wieder König, darum soll heute kein Israelit hingerichtet werden!«
2Sam 19,24 Dann wandte der König sich an Schimi und versprach ihm: »Du musst
nicht sterben, ich gebe dir mein Wort!«
2Sam 19,25 Auch Sauls Enkel Mefi-Boschet kam dem König entgegen. Seit David aus
Jerusalem fliehen musste, hatte er als Zeichen der Trauer seine Füße nicht mehr
gewaschen, den Bart nicht mehr gepflegt und keine frischen Kleider mehr
angezogen. So wollte er warten, bis David wohlbehalten zurückkehren würde.
2Sam 19,26 Als er nun dem König entgegenkam, fragte dieser ihn: »Warum bist du
nicht mit mir gekommen, Mefi-Boschet?«
2Sam 19,27 Er antwortete: »Mein König, dafür ist mein Knecht Ziba
verantwortlich, denn er hat mich betrogen! Ich wollte dich begleiten und dafür
meinen Esel satteln lassen, weil ich ja nicht mehr richtig laufen kann.
2Sam 19,28 Doch Ziba ist zu dir gegangen und hat mich bei dir verleumdet. Du
aber bist klug und weise wie ein Engel Gottes. Tu mit mir, was du für richtig
hältst!
2Sam 19,29 Die Familie meines Großvaters hatte den Tod verdient nach allem, was
sie dir angetan hat. Trotzdem hast du mich, deinen ergebenen Diener, als Gast an
deinem Tisch essen lassen. Da kann ich es nicht wagen, noch mehr von dir zu
erwarten!«
2Sam 19,30 »Reden wir nicht mehr davon«, sagte David. »Ziba und du, ihr sollt
euch Sauls Besitz teilen.«
2Sam 19,31 »Ziba kann auch alles haben«, erwiderte Mefi-Boschet, »das Wichtigste
für mich ist, dass der König heute unversehrt in seinen Palast zurückkehrt.«
2Sam 19,32 Barsillai, ein Mann aus Gilead, war von Roglim gekommen, um den König
über den Jordan zu begleiten und sich dann von ihm zu verabschieden.
2Sam 19,33 Barsillai war 80 Jahre alt. Er hatte David in Mahanajim mit allem
versorgt, was dieser zum Leben brauchte, denn er war sehr reich.
2Sam 19,34 Jetzt lud der König ihn ein: »Komm mit mir nach Jerusalem an meinen
Hof! Es wird dir dort an nichts fehlen.«
2Sam 19,35 Doch Barsillai lehnte ab: »Ich habe nicht mehr lange zu leben, warum
sollte ich da noch nach Jerusalem ziehen!
2Sam 19,36 80 Jahre bin ich nun schon alt, und es fällt mir schwer, klare
Gedanken zu fassen. Ich schmecke kaum noch, was ich esse oder trinke, und den
Gesang deiner Sänger und Sängerinnen höre ich nicht mehr gut. Ich würde dir,
mein König, doch nur zur Last fallen.
2Sam 19,37 Nein, deine Einladung kann ich nicht annehmen. Ich will dich nur noch
über den Jordan begleiten,
2Sam 19,38 und dann lass mich zurückkehren! Ich möchte in meiner Heimatstadt
sterben, dort, wo schon mein Vater und meine Mutter begraben sind. Doch mein
Sohn Kimham kann ja mit dir ziehen und dir dienen. Setz ihn dort ein, wo du ihn
gebrauchen kannst.«
2Sam 19,39 Da antwortete David: »Ja, Kimham soll mit mir kommen. Ich werde alles
für ihn tun, was du wünschst. Und wenn ich dir sonst noch Gutes erweisen kann,
dann sag es ruhig! Ich erfülle dir jede Bitte.«
2Sam 19,40 Dann überquerte David mit allen Begleitern den Jordan. Er küsste
Barsillai zum Abschied und segnete ihn. Der alte Mann kehrte in seine
Heimatstadt zurück,
2Sam 19,41 während David weiter nach Gilgal zog. Kimham ging mit ihm. Der König
wurde begleitet von den Männern des Stammes Juda und von der Hälfte der übrigen
Israeliten.
2Sam 19,42 Unterwegs kamen die Israeliten zum König und beklagten sich: »Warum
haben ausgerechnet die Judäer dich, deine Familie und deine Truppen aus
Mahanajim abgeholt und über den Jordan geleitet? Dazu hatten sie doch gar kein
Recht!«
2Sam 19,43 »Die Antwort ist ganz einfach«, sagten die Judäer zu den Israeliten,
»schließlich steht der König dem Stamm Juda näher. Was regt ihr euch darüber
auf? Denkt ihr, wir hätten auf Kosten des Königs gelebt oder uns von ihm
beschenken lassen?«
2Sam 19,44 Die Israeliten hielten dagegen: »Unser Anrecht auf den König ist
zehnmal größer als eures! Warum habt ihr uns einfach übergangen? Haben nicht wir
zuerst daran gedacht, unseren König zurückzuholen?« Die Judäer aber gaben nicht
nach und behielten das letzte Wort.
2Sam 20,1 Unter den Streitenden war ein niederträchtiger Mann namens Scheba aus
dem Stamm Benjamin, ein Sohn Bichris. Laut blies er das Horn und rief: »Ihr
Männer von Israel, was geht uns dieser David noch an? Wir wollen nichts mehr mit
ihm zu tun haben! Los, geht nach Hause!«
2Sam 20,2 Da sagten sich alle Israeliten von David los und schlossen sich Scheba
an. Nur die Männer vom Stamm Juda blieben bei ihrem König und begleiteten ihn
vom Jordan bis nach Jerusalem.
2Sam 20,3 Als David in seinem Palast angekommen war, ordnete er an, was mit den
zehn Nebenfrauen geschehen sollte, die er in Jerusalem zurückgelassen hatte: Sie
mussten von jetzt an in einem bewachten Haus wohnen und durften es nicht
verlassen. Der König versorgte sie mit allem Nötigen, aber er schlief nie mehr
mit ihnen. Sie waren für immer eingeschlossen und lebten einsam wie Witwen.
2Sam 20,4 Dann befahl David seinem Heerführer Amasa: »Ruf alle Soldaten aus Juda
zusammen! In spätestens drei Tagen will ich dich und die Truppen hier in
Jerusalem sehen!«
2Sam 20,5 Amasa machte sich sofort auf den Weg. Als er aber nach der
festgesetzten Zeit nicht erschienen war,
2Sam 20,6 sagte David zu Abischai: »Jetzt wird Scheba für uns noch gefährlicher
als Absalom. Nimm mit meinen Männern die Verfolgung Schebas auf. Er darf nicht
die befestigten Städte in seine Gewalt bringen, denn damit würde er großen
Schaden anrichten.«
2Sam 20,7 Da verließen die Soldaten Joabs sowie die königliche Leibwache und die
Elitetruppe des Königs Jerusalem, um Scheba, dem Sohn Bichris, nachzujagen.
2Sam 20,8 Als sie den großen Stein bei Gibeon erreichten, trafen sie Amasa, der
kurz vor ihnen dort angekommen war. Joab hatte sein langes Gewand zum Kampf
hochgebunden. Um die Hüfte trug er einen Gürtel mit einem Dolch. Während er auf
Amasa zuging, nahm er unbemerkt den Dolch in die linke Hand.
2Sam 20,9 »Wie geht es dir, mein Freund?«, begrüßte er Amasa und fasste mit der
rechten Hand dessen Bart, als wolle er ihm einen Kuss geben.
2Sam 20,10 Amasa aber hatte den Dolch nicht gesehen, den Joab in der anderen
Hand hielt. Da stieß Joab ihm die Waffe mit solcher Wucht in den Bauch, dass die
Därme heraushingen. Er brauchte kein zweites Mal zuzustechen, denn Amasa war
sofort tot. Joab und sein Bruder Abischai nahmen die Verfolgung Schebas wieder
auf.
2Sam 20,11 Einer von Joabs Männern blieb bei der Leiche und rief allen Soldaten,
die vorbeikamen, zu: »Hältst du zu Joab? Bist du auf Davids Seite? Dann folge
Joab!«
2Sam 20,12 Doch einer nach dem anderen blieb erschüttert stehen, als er Amasas
blutüberströmte Leiche mitten auf dem Weg liegen sah. Da schleifte der Soldat
den Toten weg auf ein Feld und warf einen Mantel über ihn, damit die Männer sich
nicht durch seinen Anblick aufhalten ließen.
2Sam 20,13 Nachdem die Leiche weg war, eilten alle Joab nach, um unter seiner
Führung Scheba, den Sohn Bichris, zu verfolgen.
2Sam 20,14 Scheba war inzwischen durch ganz Israel bis zur Stadt Abel-Bet-Maacha
im Norden des Landes gezogen. Die Männer der Sippe Bichri hatten sich ihm
angeschlossen und folgten ihm dorthin.
2Sam 20,15 Als nun Joab und seine Soldaten die Stadt erreicht hatten und hörten,
dass Scheba sich dort aufhielt, begannen sie mit der Belagerung. Sie schütteten
einen Wall auf und gelangten so über die Vormauer. Dann fingen sie an, die
Hauptmauer zu untergraben, um sie zum Einsturz zu bringen.
2Sam 20,16 In der Stadt wohnte eine sehr kluge Frau. Von der Mauer aus rief sie
den Belagerern zu: »Hört her! Ruft bitte Joab zu mir, ich möchte mit ihm reden!«
2Sam 20,17 Als er an die Mauer gekommen war, fragte sie: »Bist du Joab?« »Ja,
der bin ich«, antwortete er. Sie bat: »Ich muss mit dir sprechen, bitte hör mich
an!« »Gut«, erwiderte er,
2Sam 20,18 und sie brachte ihr Anliegen vor: »Früher sagte man bei uns: ›Hol dir
Rat in Abel, und du bist gut beraten!‹
2Sam 20,19 Unsere Stadt ist eine der friedlichsten Städte Israels, immer konnte
man auf sie zählen. Sie wird sogar ›Mutter in Israel‹ genannt. Und nun willst du
sie zerstören? Wie kannst du es wagen, das Eigentum des Herrn zu vernichten!«
2Sam 20,20 Joab entgegnete: »Nie wollte ich eure Stadt zerstören!
2Sam 20,21 Ich bin aus einem anderen Grund hier: Ein Mann vom Gebirge Ephraim
hat einen Aufstand gegen unseren König angezettelt. Er heißt Scheba und ist ein
Sohn Bichris. Ihn allein suchen wir. Liefert ihn uns aus - und wir lassen die
Stadt in Ruhe!« »Einverstanden, man wird dir seinen Kopf über die Mauer
zuwerfen!«, erwiderte die Frau.
2Sam 20,22 Sie redete mit den Einwohnern Abel-Bet-Maachas und setzte mit ihrer
Klugheit ihren Plan durch: Man enthauptete Scheba und warf seinen Kopf zu Joab
hinaus. Dieser blies das Horn als Zeichen zum Aufbruch, und die Soldaten kehrten
in ihre Heimatorte zurück. Joab aber ging nach Jerusalem zu König David.
2Sam 20,23 Joab war der oberste Befehlshaber über das ganze israelitische Heer.
Benaja, ein Sohn Jojadas, hatte den Befehl über die Leibwache des Königs.
2Sam 20,24 Adoniram war Aufseher über die Zwangsarbeiter. Joschafat, ein Sohn
Ahiluds, war Berater des Königs,
2Sam 20,25 Schewa war Hofsekretär. Zadok und Abjatar waren die obersten
Priester,
2Sam 20,26 und auch Ira aus Jaïr hatte den Rang eines Priesters.
2Sam 21,1 Während der Regierungszeit Davids brach im Land eine Hungersnot aus,
die drei Jahre dauerte. David fragte den Herrn nach dem Grund, und der Herr
antwortete: »Die Hungersnot hört nicht auf, weil Saul damals so viele Gibeoniter
umgebracht hat.«
2Sam 21,2 Da ließ der König die Gibeoniter zu sich kommen, um mit ihnen zu
reden. Sie waren keine Israeliten, sondern gehörten zu den Amoritern, die früher
das Land bewohnt hatten. Als die Israeliten Kanaan in Besitz nahmen, hatten sie
den Gibeonitern geschworen, sie am Leben zu lassen. Saul aber, der sich voller
Eifer für Juda und Israel einsetzte, hatte versucht, sie auszurotten.
2Sam 21,3 David fragte die Gibeoniter: »Wie kann ich das Unrecht sühnen, das ihr
erleiden musstet? Was soll ich für euch tun, damit ihr das Land wieder segnet,
das der Herr uns für immer geschenkt hat?«
2Sam 21,4 Sie erwiderten: »Mit Silber und Gold lässt sich nicht wieder
gutmachen, was Saul und seine Familie uns angetan haben; und wir haben auch
nicht das Recht, irgendjemanden aus Israel dafür umzubringen.« »Was kann ich
dann für euch tun?«, wollte David wissen.
2Sam 21,5 Da sagten die Gibeoniter: »Saul plante unseren Untergang, er wollte
uns vernichten, damit es in ganz Israel niemanden mehr von uns gibt.
2Sam 21,6 Darum liefere nun sieben männliche Nachkommen Sauls an uns aus. Wir
wollen sie aufhängen, um den Zorn des Herrn abzuwenden, und zwar in Gibea, der
Heimatstadt Sauls, den der Herr damals als König erwählt hat.« »Ich werde sie
euch ausliefern«, versprach David ihnen.
2Sam 21,7 Er hatte aber Sauls Sohn Jonatan im Namen des Herrn geschworen, seine
Nachkommen nie auszurotten. Darum wollte er Mefi-Boschet, den Sohn Jonatans, auf
jeden Fall verschonen.
2Sam 21,8 David suchte Armoni und Mefi-Boschet aus, die beiden Söhne von Sauls
Nebenfrau Rizpa, einer Tochter Ajjas, und die fünf Söhne von Sauls Tochter
Merab, die mit Adriël aus Mehola, einem Sohn Barsillais, verheiratet war.
2Sam 21,9 Er übergab sie den Gibeonitern. Alle sieben wurden am selben Tag auf
dem Berg bei Gibea aufgehängt, um den Zorn des Herrn abzuwenden. Man richtete
sie hin, als die Gerstenernte gerade begonnen hatte.
2Sam 21,10 Rizpa, die Tochter Ajjas, ging zu dem Felsen, auf dem die sieben
gestorben waren, breitete dort einen Sack auf dem Boden für sich aus und
bewachte die Toten. Tagsüber verscheuchte sie die Raubvögel, und nachts hielt
sie die wilden Tiere von den Leichen fern. Vom Anfang der Ernte im Frühjahr bis
zum ersten Regen im Herbst harrte sie dort aus.
2Sam 21,11 Als David erfuhr, was Sauls Nebenfrau Rizpa tat,
2Sam 21,12 [12-14] ließ er die Gebeine Sauls und seines Sohnes Jonatan aus
Jabesch in Gilead holen, um sie im Familiengrab von Sauls Vater Kisch
beizusetzen. Bei der Schlacht auf dem Gilboagebirge hatten die Philister die
Israeliten besiegt und die Leichen Sauls und Jonatans auf dem Marktplatz von
Bet-Schean aufgehängt. Die Bürger von Jabesch in Gilead waren dann heimlich
gekommen und hatten die Toten mitgenommen. Auch die sieben Erhängten ließ David
vom Berg holen und im Familiengrab bestatten. Das Grab lag in Zela, einem Dorf
im Stammesgebiet von Benjamin. Als alle Befehle Davids ausgeführt waren, erhörte
Gott die Gebete für das Land und machte der Hungersnot ein Ende.
2Sam 21,15 Wieder einmal herrschte Krieg zwischen den Philistern und Israel.
David zog mit seinem Heer aus, und es kam zur Schlacht. Als David vom Kampf
erschöpft war,
2Sam 21,16 griff ein Philister namens Jischbi-Benob ihn an und wollte ihn
umbringen. Jischbi-Benob war ein Nachkomme Rafas, ein Riese. Er war bewaffnet
mit einem neuen Schwert und mit einem Speer, dessen bronzene Spitze allein fast
vier Kilogramm wog.
2Sam 21,17 Doch Abischai, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, kam David zu
Hilfe und tötete den Philister. Nach dieser Schlacht musste David seinen Männern
versprechen, in Zukunft nicht mehr selbst in den Krieg zu ziehen. Sie sagten zu
ihm: »Wir wollen dich nicht verlieren, denn du bist die Hoffnung unseres
Volkes.«
2Sam 21,18 Kurze Zeit später kämpften die Israeliten in der Nähe von Gob gegen
die Philister. Dabei tötete Sibbechai, der Huschatiter, den Riesen Saf.
2Sam 21,19 In einer weiteren Schlacht bei Gob gegen die Philister erschlug
Elhanan aus Bethlehem, der Sohn Jaïrs, Goliat aus Gat; Goliats Speer war so dick
wie ein kleiner Baum.
2Sam 21,20 Einmal kam es bei Gat zum Kampf. Einer der Philister, ein Nachkomme
Rafas, war sehr groß. An jeder Hand hatte er sechs Finger und an jedem Fuß sechs
Zehen.
2Sam 21,21 Er machte sich über die Israeliten lustig, doch Jonatan, ein Sohn von
Davids Bruder Schamma, tötete ihn.
2Sam 21,22 Diese vier Riesen waren Nachkommen Rafas und kamen aus Gat. Sie
wurden von David und seinen Soldaten umgebracht.
2Sam 22,1 Nachdem der Herr ihn aus der Gewalt aller Feinde und auch aus der Hand
Sauls befreit hatte, sang König David folgendes Danklied:
2Sam 22,2 Der Herr ist mein Fels, meine Festung und mein Erretter,
2Sam 22,3 mein Gott, meine Zuflucht, mein sicherer Ort. Er ist mein Schild, mein
starker Helfer, meine Burg auf unbezwingbarer Höhe. Du, Gott, bewahrst mich vor
den Angriffen meiner Feinde.
2Sam 22,4 Ich lobe dich, Herr! Wenn ich zu dir um Hilfe rufe, dann werde ich vor
meinen Feinden gerettet.
2Sam 22,5 Ich war in Lebensgefahr, der Tod drohte mich zu verschlingen wie eine
mächtige Woge.
2Sam 22,6 Hilflos musste ich zusehen, wie die tödliche Falle schon zuschnappte.
2Sam 22,7 In äußerster Verzweiflung schrie ich zum Herrn. Ja, zu meinem Gott
rief ich um Hilfe. Da hörte er mich in seinem Tempel, mein Notschrei drang durch
bis an sein Ohr.
2Sam 22,8 Plötzlich erbebte die Erde, selbst der Himmel geriet ins Wanken, denn
glühender Zorn hatte Gott gepackt.
2Sam 22,9 Schwarzer Rauch quoll aus seiner Nase, aus seinem Mund loderten
Flammen, und glühende Kohlen wurden herausgeschleudert.
2Sam 22,10 In dunklen Wolken kam Gott zur Erde.
2Sam 22,11 Auf einem Cherub-Engel flog er daher und schwebte herab, vom Sturm
getragen.
2Sam 22,12 Er verhüllte sich in Finsternis, verbarg sich in dichten und dunklen
Regenwolken.
2Sam 22,13 Dann ging ein Lichtglanz von ihm aus, und glühende Kohlen prasselten
nieder.
2Sam 22,14 Ein Donnerschlag folgte dem anderen, und darin dröhnte die Stimme des
höchsten Gottes.
2Sam 22,15 Er schoss seine Pfeile ab, und die Feinde stoben auseinander. Grelle
Blitze zuckten und verwirrten das feindliche Heer.
2Sam 22,16 Sogar den Meeresboden konnte man sehen; offen lagen die Fundamente
der Erde da, als der Herr meine Feinde bedrohte und vor Entrüstung schnaubte.
2Sam 22,17 Der Herr streckte mir seine Hand von oben entgegen und riss mich aus
den tosenden Fluten.
2Sam 22,18 Er befreite mich von der Übermacht meiner Feinde, von allen, die mich
hassten, denn sie waren viel stärker als ich.
2Sam 22,19 Sie hatten mich überfallen - was war das für ein schrecklicher Tag!
Aber der Herr hielt mich fest
2Sam 22,20 und half mir aus Angst und Gefahr. Er befreite mich. So viel bin ich
ihm wert!
2Sam 22,21 Weil ich im Recht war, half mir der Herr; er wusste, dass ich
unschuldig war, und darum rettete er mich.
2Sam 22,22 Denn ich war ihm gehorsam, nie habe ich meinem Gott die Treue
gebrochen.
2Sam 22,23 Seine Gebote hielt ich mir immer vor Augen, und seine Befehle schlug
ich nicht in den Wind.
2Sam 22,24 Ich lebte so, dass er mir nichts vorwerfen konnte, und mied das
Unrecht wie die Pest.
2Sam 22,25 So half mir der Herr, weil ich ihm die Treue hielt, er sah, dass ich
unschuldig war.
2Sam 22,26 Wer dich liebt, Herr, den liebst auch du; wer ehrlich ist, den
enttäuschst du nicht.
2Sam 22,27 Den Aufrichtigen gegenüber bist auch du aufrichtig, doch falsche
Menschen führst du hinters Licht.
2Sam 22,28 Du hilfst denen, die sich helfen lassen und sich selbst nicht
überschätzen. Die Überheblichen aber stößt du von ihrem Thron.
2Sam 22,29 Herr, du machst die Finsternis um mich hell, du bist mein Licht.
2Sam 22,30 Mit dir kann ich die Feinde angreifen; mit dir, mein Gott, kann ich
über Mauern springen.
2Sam 22,31 Was für ein Gott! Sein Handeln ist vollkommen, und was er sagt, ist
wahr. Er beschützt alle, die zu ihm flüchten.
2Sam 22,32 Gott allein ist der Herr über alles! Gibt es außer ihm noch einen,
der so stark und unerschütterlich ist wie ein Fels?
2Sam 22,33 Nein! Gott allein ist meine Burg, in der ich Zuflucht finde. Er ebnet
mir den Weg, den ich gehen muss.
2Sam 22,34 Er macht mich gewandt und schnell, lässt mich laufen und springen wie
ein Hirsch. Selbst auf steilen Felsen gibt er mir festen Halt.
2Sam 22,35 Er lehrt mich, die Waffen zu gebrauchen, und zeigt mir, wie ich auch
den stärksten Bogen noch spannen kann.
2Sam 22,36 Herr, du hast mich beschützt und mir geholfen. Du hast dich zu mir
herabgebeugt und mich groß gemacht.
2Sam 22,37 Du hast mir alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, nie bin ich beim
Laufen gestürzt.
2Sam 22,38 Ich jagte meinen Feinden nach und überwältigte sie, ich kehrte erst
um, als auch der Letzte von ihnen gefallen war.
2Sam 22,39 Mit Wucht schlug ich sie nieder, bis sie nicht mehr aufstehen konnten
und tot zu meinen Füßen lagen.
2Sam 22,40 Du, Herr, hast mir die Kraft für diesen Kampf gegeben, du hast mir
zum Sieg über meine Gegner verholfen.
2Sam 22,41 Dass sie fliehen mussten, verdanke ich dir; alle, die mich hassten,
konnte ich umbringen.
2Sam 22,42 Sie suchten nach Hilfe, doch weit und breit war kein Retter. Sie
schrien zum Herrn, aber er hörte nicht mehr auf sie.
2Sam 22,43 Ich rieb sie auf, zermalmte sie zu Staub, ich zertrat sie wie Dreck
auf der Straße.
2Sam 22,44 Als ein Aufstand meines Volkes mich bedrohte, hast du mir geholfen,
und heute bin ich der Herrscher vieler Völker. Sogar Völker, die ich nicht
kannte, haben sich mir unterworfen.
2Sam 22,45 Fremde sind mir ergeben und gehorchen mir aufs Wort.
2Sam 22,46 Zitternd kamen sie aus ihren Festungen heraus und gaben ihren
Widerstand auf.
2Sam 22,47 Der Herr lebt! Er ist mein schützender Fels - ich preise ihn! Ihn
allein will ich rühmen, denn er ist mein Gott, mein Fels, bei dem ich Rettung
fand.
2Sam 22,48 Er hat sich an meinen Feinden gerächt, ganze Völker hat er mir
unterworfen
2Sam 22,49 und mich der Gewalt meiner grausamen Gegner entrissen. So ist mein
Gott! Du gabst mir den Sieg über meine Feinde, von diesen brutalen Menschen hast
du mich befreit.
2Sam 22,50 Darum will ich dich loben, Herr. Alle Völker sollen es hören! Zu
deiner Ehre will ich singen.
2Sam 22,51 Der Herr hat David, den König, aus großen Gefahren errettet. Ihm
erweist er seine Liebe, und auch seine Nachkommen wird er nicht im Stich lassen.
2Sam 23,1 Die letzten Worte Davids lauteten: »Dies sagt David, der Sohn Isais,
der Mann, den der Gott Jakobs mit großer Ehre bedacht und zum König erwählt hat,
der Mann, der für das Volk Israel die schönsten Lieder schrieb.
2Sam 23,2 Der Geist des Herrn hat durch mich geredet und mir seine Worte in den
Mund gelegt.
2Sam 23,3 Der Gott Israels, der schützende Fels meines Volkes, hat zu mir
gesprochen: Ein König, der gerecht regiert und Gott mit Ehrfurcht begegnet,
2Sam 23,4 gleicht der Morgensonne, die nach einem Regenschauer am wolkenlosen
Himmel steht: Unter ihren warmen Strahlen sprießen die Pflanzen aus der Erde
hervor.
2Sam 23,5 So sieht Gott mich und mein Königshaus an: Er hat einen Bund mit mir
geschlossen, den er niemals brechen wird, seine Zusage gilt für alle Zeiten. Ihm
allein verdanke ich Wohlergehen und Erfolg.
2Sam 23,6 Aber alle, die von Gott nichts wissen wollen, sind wie entwurzeltes
Dornengestrüpp, das der Wind wegweht: Niemand rührt es mit bloßen Händen an.
2Sam 23,7 Mit Schaufel und Speer sammelt man es ein und wirft die Dornen an Ort
und Stelle ins Feuer.«
2Sam 23,8 Dies ist das Verzeichnis der berühmtesten Offiziere des Königs:
Jischbaal, ein Nachkomme Hachmonis, war der Befehlshaber der Elitetruppe. Er
tötete in einer Schlacht 800 Mann mit seinem Speer.
2Sam 23,9 An zweiter Stelle kam Eleasar, der Sohn Dodos, ein Nachkomme Ahoachs.
Er gehörte zu den »drei Helden«, den berühmtesten Soldaten Davids. Sie kämpften
an Davids Seite gegen die Philister. In einer Schlacht, als die Israeliten schon
die Flucht ergriffen,
2Sam 23,10 stürzte Eleasar sich mit dem Schwert auf die Feinde. Er schlug so
lange auf sie ein, bis er keine Kraft mehr im Arm hatte und seine Hand sich so
verkrampfte, dass er sie kaum noch vom Schwertgriff lösen konnte. Der Herr
schenkte den Israeliten einen großen Sieg. Sie kehrten wieder um und plünderten
die Gefallenen aus.
2Sam 23,11 Der dritte war der Harariter Schamma, der Sohn Ages. Einmal kämpften
die Philister auf einem Linsenfeld in der Nähe von Lehi gegen Israel. Die
Israeliten flohen vor den Feinden,
2Sam 23,12 doch Schamma drang auf das Feld vor, trieb die Philister zurück und
schlug sie in die Flucht. So errangen die Israeliten mit der Hilfe des Herrn
einen großen Sieg.
2Sam 23,13 [13/14] Ein anderes Mal hielten die Philister in der Erntezeit die
Refaïmebene besetzt. In Bethlehem hatten sie einen Posten aufgestellt. David
aber hatte sich in einer Bergfestung verschanzt, in der Adullamhöhle. Dort
suchten ihn drei seiner dreißig Offiziere auf.
2Sam 23,15 David hatte großen Durst und sagte zu ihnen: »Wer holt mir einen
Schluck Wasser aus dem Brunnen am Tor von Bethlehem?«
2Sam 23,16 Da drangen die drei Offiziere ins Heerlager der Philister ein,
schöpften Wasser aus dem Brunnen bei Bethlehem und brachten es David. Doch er
wollte es nicht trinken, sondern schüttete es aus als Trankopfer für den Herrn
2Sam 23,17 und sagte: »Der Herr bewahre mich vor einer solchen Tat! Da könnte
ich ja gleich das Blut dieser Männer trinken, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt
haben, um mir das Wasser zu holen!« Darum wollte er nichts davon trinken. So
setzten sich diese drei Männer für den König ein.
2Sam 23,18 [18/19] Joabs Bruder Abischai, der Sohn von Davids Schwester Zeruja,
führte die drei an. Einmal erstach er mit seinem Speer im Kampf 300 Mann. Er war
der berühmteste dieser drei Offiziere, aber er gehörte nicht zu den »drei
Helden«.
2Sam 23,20 Benaja aus Kabzeel, ein Sohn Jojadas, war ein starker Mann, der große
Taten vollbrachte. Er tötete die beiden gefürchteten Soldaten der Moabiter, die
»Löwen aus Moab« genannt wurden. Als es einmal geschneit hatte, stieg er in eine
Zisterne hinunter und tötete einen Löwen, der dort hineingefallen war.
2Sam 23,21 Ein anderes Mal brachte er einen riesigen Ägypter um, der mit einem
Speer bewaffnet war, während er selbst nur einen Stock in der Hand hatte. Benaja
ging auf den Ägypter zu, riss ihm den Speer aus der Hand und erstach ihn damit.
2Sam 23,22 Weil Benaja, der Sohn Jojadas, solche Taten vollbrachte, war er als
einer jener drei Offiziere bekannt.
2Sam 23,23 Er war der berühmteste unter den dreißig Offizieren, aber er gehörte
nicht zu den »drei Helden«. David machte ihn zum Befehlshaber seiner Leibwache.
2Sam 23,24 Folgende Männer gehörten zu den dreißig Offizieren des Königs: Asaël,
der Bruder Joabs; Elhanan, der Sohn Dodos, aus Bethlehem;
2Sam 23,25 Schamma aus Harod; Elika aus Harod;
2Sam 23,26 Helez aus Pelet; Ira, der Sohn Ikkeschs, aus Tekoa;
2Sam 23,27 Abiëser aus Anatot; Sibbechai aus Huscha;
2Sam 23,28 Zalmon aus Ahoach; Mahrai aus Netofa;
2Sam 23,29 Heled, der Sohn Baanas, aus Netofa; Ittai, der Sohn Ribais, aus Gibea
im Stammesgebiet von Benjamin;
2Sam 23,30 Benaja aus Piraton; Hiddai aus dem Gaaschtal;
2Sam 23,31 Abialbon aus Arba; Asmawet aus Bahurim;
2Sam 23,32 [32/33] Eljachba aus Schaalbon; die Söhne Jaschens; Jonatan, der Sohn
Schammas, aus Harar; Ahiam, der Sohn Scharars, aus Harar;
2Sam 23,34 Elifelet, der Sohn Ahasbais, aus Maacha; Eliam, der Sohn Ahitofels,
aus Gilo;
2Sam 23,35 Hezro aus Karmel; Paarai aus Arab;
2Sam 23,36 Jigal, der Sohn Nathans, aus Zoba; Bani aus Gad;
2Sam 23,37 der Ammoniter Zelek; Nachrai, der Waffenträger Joabs, des Sohnes der
Zeruja, aus Beerot;
2Sam 23,38 Ira und Gareb aus Jattir
2Sam 23,39 und der Hetiter Uria. Insgesamt waren es siebenunddreißig berühmte
Soldaten.
2Sam 24,1 Der Herr wurde zornig über die Israeliten. Darum verleitete er David
dazu, sie ins Unglück zu stürzen. Er brachte den König auf den Gedanken, eine
Volkszählung durchzuführen.
2Sam 24,2 David befahl Joab, seinem obersten Heerführer: »Reise durch alle
Stammesgebiete Israels, von Dan im Norden bis Beerscheba im Süden, und zähl alle
wehrfähigen Männer! Ich möchte wissen, wie viele es sind.«
2Sam 24,3 Doch Joab wandte ein: »Mein König, ich wünsche dir ja, dass der Herr,
dein Gott, das Volk noch zu deinen Lebzeiten hundertmal größer werden lässt!
Aber ich verstehe nicht, warum du nun so etwas verlangst.«
2Sam 24,4 Doch der König blieb bei seinem Entschluss, trotz aller Einwände Joabs
und der Offiziere. Und so machten sie sich auf den Weg, um die Volkszählung
durchzuführen.
2Sam 24,5 Sie überquerten den Jordan und begannen ihre Arbeit in Aroër, südlich
der Stadt, die mitten im Arnontal liegt. Von dort zogen sie weiter in das
Stammesgebiet von Gad und nach Jaser,
2Sam 24,6 dann nach Gilead und bis nach Kadesch, das schon zum Land der Hetiter
gehört. Weiter kamen sie nach Dan-Jaan, in die Gegend von Sidon,
2Sam 24,7 in die befestigte Stadt Tyrus und in alle Städte der Hiwiter und
Kanaaniter. Schließlich zogen sie durch den Süden Judas bis nach Beerscheba.
2Sam 24,8 So reisten sie durch das ganze Land und kehrten nach neun Monaten und
zwanzig Tagen wieder nach Jerusalem zurück.
2Sam 24,9 Dort legte Joab dem König das Ergebnis vor: In Israel gab es 800000
wehrfähige Männer, davon kamen 500000 aus dem Stamm Juda.
2Sam 24,10 Doch nun bereute David, was er getan hatte. Er betete zum Herrn:
»Meine Schuld ist groß. Bitte, Herr, vergib mir! Ich habe einen schweren Fehler
begangen.«
2Sam 24,11 Am nächsten Morgen, als David gerade aufgestanden war, befahl der
Herr dem Propheten Gad, der im Dienst des Königs stand:
2Sam 24,12 »Geh zu David, und sag ihm: Drei Strafen legt der Herr dir vor. Wähl
dir eine davon aus.«
2Sam 24,13 Gad ging zu David und gab ihm die Botschaft des Herrn weiter. Er
fragte ihn: »Was wählst du? Sieben Jahre Hungersnot in ganz Israel? Oder drei
Monate, in denen du vor deinen Feinden fliehen musst? Oder soll drei Tage lang
die Pest in deinem Land wüten? Überleg dir, was ich dem antworten soll, der mich
zu dir geschickt hat!«
2Sam 24,14 David entgegnete: »Ich habe große Angst. Aber ich will lieber dem
Herrn als den Menschen in die Hände fallen, denn er ist sehr barmherzig.«
2Sam 24,15 Da ließ der Herr in Israel die Pest ausbrechen, sie begann noch am
selben Morgen und wütete drei Tage lang. In ganz Israel, von Dan im Norden bis
Beerscheba im Süden, kamen 70000 Menschen dabei um.
2Sam 24,16 Doch als der Todesengel vor Jerusalem stand und auch diese Stadt
auslöschen wollte, da hatte der Herr Mitleid mit den Menschen in ihrem Elend,
und er befahl: »Genug damit! Hör auf, das Volk zu vernichten!« Der Engel des
Herrn stand gerade auf dem Dreschplatz des Jebusiters Arauna.
2Sam 24,17 Als David den Engel sah, rief er zum Herrn: »Ich allein habe
gesündigt und einen schweren Fehler begangen, aber das Volk trifft keine Schuld!
Darum, Herr, bestrafe nur mich und meine Verwandten!«
2Sam 24,18 Am selben Tag kam der Prophet Gad zu David und forderte ihn auf: »Geh
zum Dreschplatz des Jebusiters Arauna, und bau dort einen Altar für den Herrn!«
2Sam 24,19 David machte sich auf den Weg, um den Befehl auszuführen, den der
Herr ihm durch Gad gegeben hatte.
2Sam 24,20 Als Arauna den König und sein Gefolge kommen sah, lief er ihm
entgegen, warf sich ihm zu Füßen und berührte mit seinem Gesicht den Boden.
2Sam 24,21 Dann fragte er: »Warum kommt mein Herr und König zu einem so geringen
Mann wie mir?« David antwortete: »Ich möchte deinen Dreschplatz kaufen, um hier
einen Altar für den Herrn zu bauen, damit die Pest nicht länger wütet.«
2Sam 24,22 »Mein König, nimm dir doch, was du zum Opfern brauchst!«, erwiderte
Arauna. »Ich gebe dir die Rinder für das Brandopfer. Als Brennholz kannst du
meinen Dreschschlitten und das Joch der Rinder verwenden.
2Sam 24,23 Ich schenke dir alles. Möge der Herr, dein Gott, dein Opfer gnädig
annehmen!«
2Sam 24,24 Doch der König wandte ein: »Nein, ich will alles zum vollen Preis
kaufen. Ich möchte dem Herrn, meinem Gott, nicht ein Opfer darbringen, das mich
nichts gekostet hat.« Und so bezahlte David für den Dreschplatz und die Rinder
50 Silberstücke.
2Sam 24,25 Er baute dort einen Altar für den Herrn und brachte auf ihm Brand-
und Dankopfer dar. Der Herr erhörte Davids Gebet und machte der Pest in Israel
ein Ende.
1Kön 1,1 König David war sehr alt geworden. Obwohl seine Diener ihn in viele
Decken hüllten, fror er ständig.
1Kön 1,2 Da schlugen sie ihm vor: »Gestatte uns, dass wir für unseren Herrn, den
König, eine junge, unberührte Frau suchen. Sie soll immer bei ihm sein und ihn
liebevoll pflegen. Bestimmt wird dem König wieder warm, wenn sie in seinen Armen
liegt.«
1Kön 1,3 So suchte man in ganz Israel nach einem schönen Mädchen. Schließlich
wurde Abischag, eine sehr schöne junge Frau aus Schunem, ausgewählt und zum
König gebracht.
1Kön 1,4 Abischag blieb von nun an immer bei ihm und pflegte ihn. Doch David
schlief nicht mit ihr.
1Kön 1,5 [5/6] Von seiner Frau Haggit hatte David einen Sohn namens Adonija. Er
war ein Halbbruder Absaloms und nach dessen Tod der älteste Sohn Davids. Er war
ein schöner junger Mann. Von Kind auf hatte sein Vater ihn nie getadelt oder
zurechtgewiesen. So war Adonija stolz und überheblich geworden, und er
beschloss: »Ich werde der nächste König sein - ich und kein anderer!« Er
beschaffte sich einen Wagen mit Pferden und eine fünfzig Mann starke Leibwache.
1Kön 1,7 Es gelang ihm, Joab, den Sohn von Davids Schwester Zeruja, und den
Priester Abjatar für seine Pläne zu gewinnen, und die beiden unterstützten ihn.
1Kön 1,8 Aber der Priester Zadok, Benaja, ein Sohn Jojadas, und der Prophet
Nathan schlossen sich ihm nicht an, und auch Schimi, Reï und die Elitetruppe
Davids standen nicht auf seiner Seite.
1Kön 1,9 Eines Tages feierte Adonija ein Opferfest bei der Rogelquelle am
Soheletstein. Er ließ Schafe, Rinder und gemästete Kälber schlachten. Alle
Königssöhne und die Hofbeamten des Königs aus dem Stamm Juda hatte er
eingeladen,
1Kön 1,10 aber nicht seinen Bruder Salomo, den Propheten Nathan, Benaja und die
Elitesoldaten Davids.
1Kön 1,11 Da eilte Nathan zu Salomos Mutter Batseba und fragte sie: »Hast du
schon gehört? Adonija, der Sohn der Haggit, ist König geworden! Und David, unser
Herr, weiß es nicht einmal!
1Kön 1,12 Dein Leben ist in Gefahr und auch das deines Sohnes Salomo. Darum
folge jetzt meinem Rat:
1Kön 1,13 Geh zu König David und sag ihm: ›Mein Herr und König, du hast mir doch
geschworen, dass mein Sohn Salomo dein Nachfolger wird. Du hast gesagt: Ich
will, dass er einmal auf meinem Königsthron sitzt! Aber warum ist Adonija nun
König geworden?‹
1Kön 1,14 Und dann, während du noch mit dem König sprichst, komme ich dazu und
sage dasselbe noch mal.«
1Kön 1,15 Sofort ging Batseba zum König, der sich jetzt meistens im innersten
Zimmer des Palasts aufhielt. Er war ja inzwischen sehr alt geworden, und
Abischag aus Schunem pflegte ihn.
1Kön 1,16 Batseba betrat den Raum, verneigte sich und warf sich vor dem König zu
Boden. Er fragte sie: »Was willst du?«
1Kön 1,17 Da brachte sie ihr Anliegen vor: »Mein Herr, du selbst hast mir doch
bei Gott, deinem Herrn, geschworen, dass mein Sohn Salomo dein Nachfolger wird.
Du hast gesagt: ›Ich will, dass er einmal auf meinem Königsthron sitzt!‹
1Kön 1,18 Aber was ist nun geschehen? Adonija ist König geworden, und du, mein
Herr und König, weißt es nicht einmal!
1Kön 1,19 Er ließ sehr viele Stiere, gemästete Kälber und Schafe schlachten und
hat alle Königssöhne zu einem Fest eingeladen. Auch der Priester Abjatar und
dein Heerführer Joab sind dabei, nicht aber dein Sohn Salomo, der treu zu dir
steht.
1Kön 1,20 Und nun, mein Herr und König, wartet ganz Israel gespannt darauf, dass
du öffentlich deinen Nachfolger bestimmst.
1Kön 1,21 Wenn du jetzt nicht handelst, dann werden mein Sohn Salomo und ich
umgebracht, sobald du gestorben bist. Denn der neue König wird seine Herrschaft
durch uns bedroht sehen.«
1Kön 1,22 [22/23] Während Batseba noch mit David sprach, meldete man dem König
den Besuch des Propheten Nathan. Der Prophet betrat den Raum und verneigte sich
vor dem König, bis sein Gesicht den Boden berührte.
1Kön 1,24 Dann sagte er: »Mein Herr und König, du hast nun wohl entschieden, wer
dein Nachfolger wird. Sicher hast du angeordnet, dass Adonija auf deinem
Königsthron sitzen soll!
1Kön 1,25 Auf jeden Fall ist er heute zur Rogelquelle hinuntergegangen und ließ
dort sehr viele Stiere, gemästete Kälber und Schafe schlachten. Er hat alle
Prinzen, alle Heerführer und den Priester Abjatar zu einem Opferfest eingeladen.
Und nun feiern sie dort ein rauschendes Fest. Sie essen und trinken und rufen:
›Hoch lebe König Adonija!‹
1Kön 1,26 Mich aber, deinen ergebenen Knecht, Priester Zadok, Benaja, den Sohn
Jojadas, und deinen Sohn Salomo, der treu zu dir hält, hat er nicht eingeladen.
1Kön 1,27 Hast du, mein Herr und König, das wirklich so befohlen? Hast du über
die Köpfe deiner engsten Vertrauten hinweg deinen Nachfolger bestimmt?«
1Kön 1,28 Bevor der König antwortete, ließ er Batseba wieder hereinrufen. Sie
kam und trat vor den König.
1Kön 1,29 [29/30] Er sagte zu ihr: »Ja, ich habe dir versprochen, dass dein Sohn
Salomo mein Nachfolger wird. Ich habe gesagt: Ich will, dass er einmal auf
meinem Königsthron sitzt. Dies habe ich dir sogar mit einem Eid vor dem Herrn,
dem Gott Israels, bekräftigt. Heute noch will ich dieses Versprechen einlösen,
so gewiss der Herr lebt, der mich aus jeder Not gerettet hat!«
1Kön 1,31 Da verneigte Batseba sich vor dem König, bis ihr Gesicht den Boden
berührte, warf sich vor ihm nieder und rief: »Lang lebe mein Herr, der König
David!«
1Kön 1,32 Dann befahl David: »Ruft den Priester Zadok, den Propheten Nathan und
Benaja, den Sohn Jojadas, her!« Bald standen die drei vor dem König.
1Kön 1,33 Er sagte zu ihnen: »Nehmt meine Leibwache mit, und begleitet meinen
Sohn Salomo hinunter zur Gihonquelle! Salomo soll auf meinem eigenen Maultier
reiten.
1Kön 1,34 Zadok und Nathan, ihr beide werdet ihn dort unten zum König über
Israel salben. Und dann blast Trompeten und ruft: ›Hoch lebe König Salomo!‹
1Kön 1,35 Danach geleitet ihn wieder zurück zum Palast! Er soll sich auf meinen
Thron setzen, denn er ist mein Nachfolger. Ihn habe ich zum neuen Herrscher über
Israel und Juda bestimmt.«
1Kön 1,36 »Ja, so soll es geschehen«, antwortete Benaja, der Sohn Jojadas, »möge
der Herr, der Gott unseres Königs, seinen Segen dazu geben.
1Kön 1,37 So wie der Herr unserem König David geholfen hat, so möge er nun
Salomo helfen; ja, er möge ihn noch mächtiger machen als meinen Herrn, den König
David!«
1Kön 1,38 So geleiteten der Priester Zadok, der Prophet Nathan, Benaja, der Sohn
Jojadas, und die königliche Leibgarde Salomo hinunter zur Gihonquelle. Salomo
ritt auf dem Maultier des Königs.
1Kön 1,39 Vorher hatte Zadok das Horn mit Öl aus dem Heiligtum geholt. Er salbte
Salomo zum neuen König. Sie bliesen die Trompeten, und das Volk jubelte: »Hoch
lebe König Salomo!«
1Kön 1,40 Danach zogen sie wieder hinauf zum Palast, und viele Menschen folgten
ihnen; sie spielten auf Flöten und jubelten vor Freude so laut, dass die Erde
bebte.
1Kön 1,41 Adonija und seine Gäste hatten gerade ihr Festmahl beendet, da drangen
auch schon die Jubelrufe aus der Stadt an ihre Ohren. Als auch noch die
Trompeten zu hören waren, fragte Joab erstaunt: »Was soll dieser Lärm in der
Stadt?«
1Kön 1,42 Joab hatte noch nicht ausgeredet, da erschien Jonatan, der Sohn des
Priesters Abjatar. »Komm, setz dich zu uns!«, lud Adonija ihn ein. »Du bist ein
zuverlässiger Mann; bestimmt bringst du uns gute Nachrichten!«
1Kön 1,43 »Nein, leider nicht!«, entgegnete Jonatan. »Unser Herr, König David,
hat Salomo als seinen Nachfolger eingesetzt!
1Kön 1,44 Er hat ihn auf seinem Maultier reiten lassen, und der Priester Zadok,
der Prophet Nathan, Benaja, der Sohn Jojadas, und die ganze königliche Leibwache
mussten ihn begleiten.
1Kön 1,45 Unten bei der Gihonquelle haben Zadok und Nathan ihn zum König
gesalbt. Dann sind sie alle mit lautem Jubel wieder zum Palast hinaufgezogen.
Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Das ist der Lärm, den ihr hört.
1Kön 1,46 Und stellt euch vor, Salomo hat sich bereits auf den Königsthron
gesetzt!
1Kön 1,47 Alle Getreuen des Königs sind zu unserem Herrn, dem König David,
hineingegangen, um ihn zu dieser Entscheidung zu beglückwünschen: ›Dein Gott
mache Salomo noch berühmter als dich‹, sagen sie. ›Möge er noch mächtiger werden
als du!‹ Der König aber betet auf seinem Bett den Herrn an. Er hat den Kopf
geneigt
1Kön 1,48 und ruft: ›Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Heute hat er
einen meiner Söhne als meinen Nachfolger auf den Thron gesetzt. Ich preise den
Herrn, dass ich diesen Augenblick noch erleben darf!‹«
1Kön 1,49 Da packte die Gäste Adonijas der Schreck. Sie sprangen auf und liefen
in alle Richtungen davon.
1Kön 1,50 Auch Adonija bekam es mit der Angst zu tun. Er fürchtete die Rache
Salomos. Darum flüchtete er zum Brandopferaltar und hielt sich an dessen Hörnern
fest.
1Kön 1,51 Jemand ging zu Salomo und berichtete ihm: »Adonija hat große Angst vor
dem König Salomo. Darum hält er sich an den Hörnern des Altars fest und ruft:
›Hier bleibe ich, bis König Salomo mir schwört, dass er mich nicht hinrichten
lässt.‹«
1Kön 1,52 Salomo versprach: »Solange Adonija mir treu ergeben bleibt, soll ihm
kein Haar gekrümmt werden. Doch sobald er sich etwas zuschulden kommen lässt,
wird er hingerichtet!«
1Kön 1,53 Darauf ließ der König Adonija vom Altar wegholen. Adonija ging
sogleich zu Salomo und warf sich ihm zu Füßen. Salomo aber sagte zu ihm: »Geh
jetzt nach Hause!«
1Kön 2,1 Als David merkte, dass er bald sterben würde, gab er seinem Sohn Salomo
noch einige Anweisungen mit auf den Weg:
1Kön 2,2 »Ich weiß, dass ich bald sterben werde. Jetzt musst du deinen Mann
stehen. Sei stark, mein Sohn!
1Kön 2,3 Richte dein ganzes Leben nach dem Herrn, deinem Gott, aus, und lebe,
wie es ihm gefällt! Befolge das Gesetz Gottes, achte auf jedes Gebot, jeden
Befehl und jede Weisung, die im Gesetzbuch des Mose aufgeschrieben sind. Dann
wird dir alles, was du unternimmst, gelingen; wohin du auch gehst - der Erfolg
ist dir sicher!
1Kön 2,4 Dann wird der Herr auch sein Versprechen einlösen, das er mir gegeben
hat. Er hat nämlich zu mir gesagt: ›Wenn deine Nachkommen ein Leben führen, das
mir gefällt, wenn sie mir von ganzem Herzen die Treue halten, dann wird immer
einer von ihnen König über Israel sein.‹
1Kön 2,5 Nun habe ich noch einige Bitten an dich: Du kennst Joab, den Sohn
meiner Schwester Zeruja, und du weißt auch, was er mir angetan hat. Die beiden
israelitischen Heerführer Abner, den Sohn Ners, und Amasa, den Sohn Jeters, hat
er mitten im Frieden kaltblütig ermordet. Dadurch hat er seine Kleider mit
unschuldigem Blut besudelt.
1Kön 2,6 Du bist doch ein weiser Mann, Salomo. Joab ist inzwischen recht alt
geworden. Sorge du nun dafür, dass er für seine Verbrechen hingerichtet wird,
bevor er eines natürlichen Todes stirbt!
1Kön 2,7 Die Nachkommen Barsillais aus Gilead dagegen sollst du freundlich
behandeln! Lass sie immer als Gäste an deinem Tisch essen. Denn sie haben mich
damals versorgt, als ich vor deinem Bruder Absalom fliehen musste.
1Kön 2,8 Dann ist da noch Schimi, der Sohn Geras, aus Bahurim im Stammesgebiet
von Benjamin. Als ich damals nach Mahanajim floh, hat er mich mit schrecklichen
Flüchen beschimpft. Doch bei meiner Rückkehr kam er mir bis an den Jordan
entgegen und flehte um Gnade. Da schwor ich ihm bei dem Herrn, dass ich ihn
nicht mit dem Schwert umbringen würde.
1Kön 2,9 Deshalb bestrafe du ihn nun für seine Untat! Du bist ein weiser Mann
und wirst schon Mittel und Wege finden. Auch er ist schon alt und könnte bald
sterben. Sieh zu, dass du ihn so schnell wie möglich hinrichtest.«
1Kön 2,10 Kurze Zeit später starb David. Er wurde in seiner Stadt, in Jerusalem,
begraben.
1Kön 2,11 Insgesamt hatte er vierzig Jahre lang als König über Israel regiert,
sieben Jahre in Hebron und dreiunddreißig Jahre in Jerusalem.
1Kön 2,12 Salomo wurde der Nachfolger seines Vaters David. Er hatte die Zügel
fest in der Hand und wurde ein mächtiger König.
1Kön 2,13 Eines Tages kam Adonija, der Sohn von Davids Frau Haggit, zu Salomos
Mutter Batseba. »Kommst du in friedlicher Absicht?«, wollte Batseba von ihm
wissen. »Ja«, sagte er, »ich habe nichts Böses im Sinn.
1Kön 2,14 Ich möchte nur etwas mit dir besprechen.« »Gut, dann rede!«, forderte
sie ihn auf,
1Kön 2,15 und er begann: »Du weißt ja, dass eigentlich ich das Recht auf den
Königsthron hätte. So hat es auch ganz Israel erwartet. Doch nun ist alles
anders gekommen: Die Krone ist meinem Bruder zugefallen, denn der Herr wollte es
so.
1Kön 2,16 Jetzt habe ich nur eine einzige Bitte an dich; darf ich sie
vorbringen?« »Sprich nur!«, ermutigte sie ihn.
1Kön 2,17 »Ich möchte gern Abischag aus Schunem heiraten«, sagte er. »Könntest
du nicht König Salomo für mich um ihre Hand bitten, denn dich wird er bestimmt
nicht abweisen.«
1Kön 2,18 »Einverstanden«, versprach Batseba, »ich will beim König ein gutes
Wort für dich einlegen.«
1Kön 2,19 So ging Batseba zu König Salomo, um mit ihm wegen Adonija zu reden.
Als sie den Thronsaal betrat, stand der König auf, kam ihr entgegen und
verbeugte sich. Dann setzte er sich wieder auf seinen Thron und ließ auch für
seine Mutter einen Thronsessel aufstellen. Sie nahm zu seiner Rechten Platz
1Kön 2,20 und brachte gleich ihr Anliegen vor: »Ich habe nur eine einzige kleine
Bitte. Willst du mir zuhören?« »Sprich nur, liebe Mutter, dir werde ich nichts
abschlagen!«, antwortete ihr der König.
1Kön 2,21 Sie fragte ihn: »Könnte man nicht Abischag aus Schunem deinem Bruder
Adonija zur Frau geben?«
1Kön 2,22 Da brauste Salomo zornig auf: »So, du möchtest, dass Adonija und
Abischag aus Schunem heiraten! Wie kommst du dazu? Warum bittest du mich nicht
gleich, mein Amt als König an Adonija abzutreten? Schließlich ist er ja mein
älterer Bruder. Bestimmt hätten auch der Priester Abjatar und der Heerführer
Joab, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, nichts dagegen, wenn sie durch ihn
wieder an die Macht kämen!«
1Kön 2,23 Dann schwor Salomo: »Das wird er mit dem Leben bezahlen! Der Herr soll
mich schwer bestrafen, wenn ich Adonija dafür nicht hinrichten lasse.
1Kön 2,24 Gott, der Herr, hat mich zum Nachfolger meines Vaters David gemacht,
er hat mich als König bestätigt und mir und meinen Nachkommen die
Königsherrschaft anvertraut, wie er es versprochen hat. Ich schwöre bei dem
Herrn, dem lebendigen Gott: Noch heute muss Adonija sterben!«
1Kön 2,25 Dann befahl König Salomo Benaja, dem Sohn Jojadas, Adonija
hinzurichten. Benaja ging hinaus und stach ihn nieder.
1Kön 2,26 Zum Priester Abjatar sagte Salomo: »Geh zurück in deine Heimatstadt
Anatot, und bewirtschafte dein Land. Eigentlich hast auch du den Tod verdient,
doch ich will dich nicht hinrichten, denn du hast zu Lebzeiten meines Vaters
David die Bundeslade getragen. Alle Demütigungen, denen mein Vater ausgesetzt
war, hast du mit ihm zusammen erlitten.«
1Kön 2,27 So entzog Salomo Abjatar das ehrenvolle Amt des Priesters. Damit
erfüllte sich, was der Herr in Silo über die Nachkommen Elis vorausgesagt hatte.
1Kön 2,28 Bald erfuhr Joab, was geschehen war. Damals bei Absaloms Verschwörung
hatte er sich den Aufständischen nicht angeschlossen, doch diesmal hatte er sich
auf die Seite Adonijas geschlagen. Darum ergriff er nun schnell die Flucht. Er
floh in das heilige Zelt des Herrn und hielt sich an den Hörnern des Altars
fest.
1Kön 2,29 Salomo erhielt die Nachricht: »Joab ist ins Heiligtum geflohen und
steht jetzt dort beim Altar.« Als Salomo das hörte, befahl er Benaja, dem Sohn
Jojadas: »Geh, stich Joab nieder!«
1Kön 2,30 Benaja ging ins Heiligtum und sagte zu Joab: »Der König befiehlt: Du
sollst sofort herauskommen!« Doch Joab erwiderte: »Nein, ich komme nicht! Wenn
schon, dann will ich hier sterben.« Benaja kehrte um und teilte dem König Joabs
Antwort mit.
1Kön 2,31 Da ordnete Salomo an: »Gut, wie er will! Stich ihn nieder, und begrab
ihn! Dann sind weder ich noch meine Nachkommen weiter verantwortlich für das
Blut, das Joab ohne Grund vergossen hat.
1Kön 2,32 So wird der Herr ihn für den Mord an zwei Männern bestrafen, die weit
ehrenhafter und besser waren als er: Abner, der Sohn Ners und oberste Heerführer
der Truppen Israels, und Amasa, der Sohn Jeters und oberste Heerführer der
Truppen Judas. Joab hat sie ohne Wissen meines Vaters mit dem Schwert erstochen.
1Kön 2,33 Diese Blutschuld soll für immer auf Joab und seinen Nachkommen lasten.
Davids Thronfolgern aber und allen seinen Nachkommen wird der Herr ewig Frieden
schenken.«
1Kön 2,34 Da ging Benaja wieder hinauf zum Heiligtum und erstach Joab. Man
begrub ihn auf seinem Grundstück in der judäischen Steppe.
1Kön 2,35 Der König ernannte Benaja, den Sohn Jojadas, an Joabs Stelle zum
obersten Heerführer, und dem Priester Zadok übergab er das Amt des abgesetzten
Priesters Abjatar.
1Kön 2,36 Danach ließ König Salomo Schimi zu sich rufen und befahl ihm: »Bau dir
hier in Jerusalem ein Haus! Darin sollst du wohnen. Nie wieder darfst du die
Stadt verlassen, ganz gleich wohin.
1Kön 2,37 Du kannst sicher sein: Sobald du durch das Stadttor gehst und den Bach
Kidron überquerst, wirst du hingerichtet! Ich habe dich gewarnt - sollte es so
weit kommen, dann bist du selbst schuld an deinem Tod.«
1Kön 2,38 Schimi antwortete: »Ich habe verstanden und werde den Befehl meines
Herrn und Königs genau befolgen.« Schimi hielt sich lange an das Verbot des
Königs.
1Kön 2,39 Doch eines Tages - etwa drei Jahre später - liefen ihm zwei Sklaven
davon und suchten Zuflucht bei König Achisch von Gat, dem Sohn Maachas. Als
Schimi erfuhr, dass seine Sklaven sich dort aufhielten,
1Kön 2,40 sattelte er seinen Esel und machte sich auf den Weg zu König Achisch,
um die beiden zurückzuholen. Er fand sie und brachte sie zurück nach Jerusalem.
1Kön 2,41 Als Salomo hörte, dass Schimi in Gat gewesen war,
1Kön 2,42 ließ er ihn zu sich rufen und stellte ihn zur Rede: »Habe ich dir
nicht verboten, dich aus Jerusalem zu entfernen, und dich gewarnt: ›Verlass dich
drauf: Sobald du aus der Stadt weggehst, wirst du hingerichtet, ganz gleich,
wohin du gehst?‹ Und wie war deine Antwort? Du sagtest: ›Ich habe verstanden!‹
Dann hast du sogar bei dem Herrn geschworen, dem Befehl zu gehorchen.
1Kön 2,43 Warum hast du nun den Eid gebrochen und gegen meine Anordnung
verstoßen?
1Kön 2,44 Schon meinem Vater hast du schwer zu schaffen gemacht. Du weißt ganz
genau, mit welcher Frechheit du ihm damals begegnet bist. Nun ist der Tag
gekommen, an dem der Herr dich für deine Bosheit bestraft!
1Kön 2,45 Mich aber, den König Salomo, wird er segnen. Ja, der Herr wird dafür
sorgen, dass Davids Nachkommen für alle Zeiten die Königsherrschaft gehört.«
1Kön 2,46 Danach gab König Salomo Benaja den Befehl, Schimi hinzurichten. Benaja
führte Schimi hinaus und erstach ihn auf der Stelle. Nun hatte Salomo die Zügel
der Herrschaft fest in der Hand.
1Kön 3,1 Salomo heiratete die Tochter des Pharaos und wurde der Schwiegersohn
des ägyptischen Königs. Seine junge Frau wohnte in Jerusalem zunächst in dem
Stadtteil, den David erobert und aufgebaut hatte. Der neue Palast, den Salomo
errichten ließ, war noch im Bau, ebenso der Tempel und die Stadtmauer.
1Kön 3,2 Damals gab es noch keinen Tempel für den Herrn, und so brachten die
Israeliten ihre Opfer an verschiedenen Opferstätten auf den Bergen und Hügeln
dar.
1Kön 3,3 Salomo liebte den Herrn und lebte genau nach den Anweisungen seines
Vaters David. Doch auch er opferte an solchen Orten. Er schlachtete Tiere und
verbrannte Weihrauch.
1Kön 3,4 Einmal ging er nach Gibeon und brachte tausend Brandopfer dar, denn
dort befand sich damals die wichtigste Opferstätte.
1Kön 3,5 Über Nacht blieb er in Gibeon. Da erschien ihm der Herr im Traum.
»Erbitte von mir, was du willst!«, sagte Gott zu ihm.
1Kön 3,6 Salomo antwortete: »Schon meinem Vater David hast du sehr viel Gutes
getan, weil er dir nie etwas vorheuchelte, sondern dir treu diente und dir immer
gehorchte. Sogar über seinen Tod hinaus hast du ihm deine Güte erwiesen, denn du
hast einem seiner Söhne den Thron gegeben.
1Kön 3,7 Herr, mein Gott, du selbst hast mich zum Nachfolger meines Vaters David
gemacht. Ich aber bin noch jung und unerfahren. Ich weiß nicht, wie ich diese
große Aufgabe bewältigen soll.
1Kön 3,8 Hier stehe ich mitten in einem Volk, das du, Herr, als dein Volk
angenommen hast. Es ist so groß, dass man es weder zählen noch schätzen kann.
1Kön 3,9 Darum bitte ich dich: Gib mir ein Herz, das auf dich hört, damit ich
gerechte Urteile fällen und zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Denn
wie könnte ich sonst ein so riesiges Volk richtig führen?«
1Kön 3,10 Es gefiel dem Herrn, dass Salomo gerade eine solche Bitte
ausgesprochen hatte.
1Kön 3,11 Darum antwortete Gott: »Ich freue mich, dass du dir nicht ein langes
Leben gewünscht hast, auch nicht Reichtum oder den Tod deiner Feinde. Du hast
mich um Weisheit gebeten, weil du ein guter Richter sein willst.
1Kön 3,12 Du sollst bekommen, was du dir wünschst! Ich will dich so weise und
einsichtsvoll machen, wie es vor dir noch niemand war und auch nach dir niemand
mehr sein wird.
1Kön 3,13 Aber ich will dir auch das geben, worum du nicht gebeten hast:
Reichtum und Macht. Solange du lebst, soll kein König so groß sein wie du.
1Kön 3,14 Wenn du so lebst, wie es mir gefällt, wenn du mir gehorchst und meine
Gebote befolgst wie dein Vater David, dann werde ich dir auch ein langes Leben
schenken.«
1Kön 3,15 Da erwachte Salomo und merkte, dass er geträumt hatte. Am nächsten
Morgen ging er nach Jerusalem zurück. Dort trat er vor die Bundeslade des Herrn
und brachte Brand- und Dankopfer dar. Danach lud er seinen ganzen Hofstaat zu
einem Festessen ein.
1Kön 3,16 Eines Tages kamen zwei Prostituierte zum König.
1Kön 3,17 »Mein Herr«, begann die eine, »wir beide wohnen zusammen im selben
Haus. Vor einiger Zeit habe ich in diesem Haus ein Kind bekommen.
1Kön 3,18 Nur zwei Tage nach mir bekam auch diese Frau ein Kind. In dieser Zeit
waren wir ganz allein im Haus, niemand war bei uns.
1Kön 3,19 Eines Nachts legte sie sich versehentlich im Schlaf auf ihren Jungen
und erdrückte ihn.
1Kön 3,20 Als sie es merkte, stand sie mitten in der Nacht auf und nahm mir
meinen Sohn aus den Armen, während ich fest schlief. Mir legte sie den toten
Jungen in die Arme und nahm mein Kind zu sich.
1Kön 3,21 Als ich morgens aufwachte und meinen Sohn stillen wollte, merkte ich,
dass er tot war. Sobald es hell wurde, sah ich ihn mir genauer an. Und was
entdeckte ich? Es war gar nicht der Junge, den ich geboren hatte!«
1Kön 3,22 »Nein«, unterbrach die andere Frau, »das stimmt nicht! Mein Sohn lebt,
und deiner ist tot.« »Falsch«, schrie die erste sie an, »ich sage die Wahrheit:
Dein Sohn ist tot, und meiner lebt!« So zankten sie vor dem König.
1Kön 3,23 Da sagte Salomo: »Ihr streitet euch also darum, wem das lebende Kind
gehört. Beide sagt ihr: ›Der Junge, der lebt, gehört mir, der tote ist deiner.‹«
1Kön 3,24 Dann befahl er: »Bringt mir ein Schwert!« Als man die Waffe gebracht
hatte,
1Kön 3,25 gab Salomo den Befehl: »Teilt das lebendige Kind in zwei gleiche
Teile, und gebt dann jeder der beiden Frauen eine Hälfte!«
1Kön 3,26 Als die wirkliche Mutter des Jungen das hörte, brach es ihr schier das
Herz, und sie bat den König: »Bitte, Herr, tötet das Kind nicht, ich flehe Euch
an! Lieber soll sie es bekommen!« Die andere aber sagte: »Doch, zerschneidet es
nur, es soll weder mir noch dir gehören!«
1Kön 3,27 Da befahl der König: »Tötet den Säugling nicht, sondern gebt ihn der
Frau, die ihn um jeden Preis am Leben erhalten will, denn sie ist die Mutter!«
1Kön 3,28 Bald wusste man in ganz Israel, wie weise König Salomo geurteilt
hatte, und alle hatten große Ehrfurcht vor ihm. Denn sie merkten, dass Gott ihm
Weisheit schenkte und ihm half, gerechte Urteile zu fällen.
1Kön 4,1 Salomo herrschte nun über ganz Israel als König.
1Kön 4,2 [2-6] Und dies waren seine obersten Beamten: Oberster Priester: Asarja,
ein Sohn Zadoks; Hofsekretäre: Elihoref und Ahija, beides Söhne Schischas;
Berater des Königs: Joschafat, ein Sohn Ahiluds; Oberbefehlshaber über das Heer:
Benaja, ein Sohn Jojadas; Priester: Zadok und Abjatar; Vorgesetzter der
Bezirksverwalter: Asarja, ein Sohn Nathans; Persönlicher Ratgeber des Königs:
der Priester Sabud, ein Sohn Nathans; Palastverwalter: Ahischar; Aufseher über
die Zwangsarbeiter: Adoniram, ein Sohn Abdas.
1Kön 4,7 Salomo hatte das Land Israel in zwölf Bezirke aufgeteilt und über jeden
Bezirk einen Verwalter gesetzt. Diese Bezirksverwalter waren verantwortlich für
die Versorgung des königlichen Hofes. Jeder musste einen Monat im Jahr für die
Ausgaben am Hof aufkommen.
1Kön 4,8 [8-19] Es folgt die Liste der Bezirksverwalter und ihrer Gebiete: der
Sohn Hurs: das Gebirge Ephraim; der Sohn Dekers: die Gegend der Städte Makaz,
Schaalbim, Bet-Schemesch und Elon Bet-Hanan; der Sohn Heseds: die Stadt Arubbot,
Socho und die Gegend von Hefer; der Sohn Abinadabs, verheiratet mit Salomos
Tochter Tafat: das hügelige Gebiet, das zur Küstenstadt Dor gehört; Baana, ein
Sohn Ahiluds: das Gebiet der Städte Taanach, Megiddo und Bet-Schean (die
Nachbarstadt von Zaretan unterhalb von Jesreel), das ganze Gebiet von Bet-Schean
bis Abel-Mehola einschließlich der Stadt Jokneam; der Sohn Gebers: die Gegend
von Ramot in Gilead einschließlich der so genannten »Dörfer Jaïrs, des Sohnes
von Manasse« sowie das Gebiet von Argob in Baschan mit sechzig befestigten
Städten, die Mauern und Tore mit bronzenen Riegeln hatten; Ahinadab, ein Sohn
Iddos: Mahanajim; Ahimaaz, verheiratet mit Salomos Tochter Basemat: das Gebiet
des Stammes Naftali; Baana, ein Sohn Huschais: das Gebiet des Stammes Asser und
die Gegend von Bealot; Joschafat, ein Sohn Paruachs: das Gebiet des Stammes
Issaschar; Schimi, ein Sohn Elas: das Gebiet des Stammes Benjamin; Geber, ein
Sohn Uris: die Gegend von Gilead, wo früher der Amoriterkönig Sihon und König Og
von Baschan geherrscht hatten. Trotz der Größe dieses Gebiets war Geber allein
dafür verantwortlich.
1Kön 4,20 In Juda und Israel gab es damals so viele Menschen wie Sand am Meer.
Das ganze Volk hatte genug zu essen und zu trinken und war zufrieden.
1Kön 5,1 Salomo herrschte über alle Königreiche vom Euphrat über das Gebiet der
Philister bis zur ägyptischen Grenze. Solange er lebte, waren diese Völker ihm
unterworfen und mussten ihm Steuern zahlen.
1Kön 5,2 Für den Unterhalt seines Hofstaates brauchte Salomo täglich etwa 4
Tonnen feines Weizenmehl und 8 Tonnen anderes Mehl,
1Kön 5,3 10 gemästete Rinder, 20 Rinder von der Weide und 100 Schafe. Dazu kamen
noch Hirsche, Gazellen, Rehe und gemästetes Geflügel.
1Kön 5,4 Salomo hatte die Macht über das ganze Gebiet westlich des Euphrat. Von
der Stadt Tifsach bis nach Gaza herrschte er über alle Königreiche. Er lebte mit
den Völkern ringsum in Frieden.
1Kön 5,5 Zu Lebzeiten Salomos ging es ganz Israel und Juda gut. Von Dan im
Norden bis Beerscheba im Süden lebte das Volk in Frieden. Jeder konnte ungestört
in seinem Weinberg arbeiten und unter seinem Feigenbaum sitzen.
1Kön 5,6 Salomo besaß 4000 Stallplätze für die Pferde seiner Streitwagen, dazu
12000 Pferde.
1Kön 5,7 Die zwölf Bezirksverwalter versorgten Salomo regelmäßig mit allen
Lebensmitteln, die er für sich und die Gäste an seinem Tisch brauchte. Jeder
musste einen Monat lang dafür aufkommen. Sie ließen es an nichts fehlen.
1Kön 5,8 Gerste und Stroh für die Reit- und Wagenpferde gaben sie direkt in den
Stallungen ab, wo es gerade gebraucht wurde. So entsprach es den Vorschriften.
1Kön 5,9 Gott schenkte Salomo große Weisheit, einen scharfen Verstand und ein
unvorstellbar breites Wissen.
1Kön 5,10 Ja, Salomo übertraf mit seiner Weisheit sowohl die Gelehrten aus dem
Osten als auch die Ägypter.
1Kön 5,11 Er war weiser als alle anderen Menschen, weiser sogar als Etan, der
Esrachiter, als Heman, Kalkol und Darda, die Söhne Mahols. Man kannte seinen
Namen bei allen Nachbarvölkern, so berühmt war er.
1Kön 5,12 Er verfasste 3000 Sprichwörter und dichtete 1005 Lieder.
1Kön 5,13 Er konnte alle Arten von Pflanzen genau beschreiben: von den hohen
Zedern im Libanon bis zu den unscheinbaren Ysop-Pflanzen, die in Mauerrissen
wachsen. Auch die Tierwelt war ihm nicht fremd: Er konnte über Säugetiere,
Vögel, Kriechtiere und Fische sprechen.
1Kön 5,14 Aus allen Völkern kamen Menschen, um Salomo zuzuhören, und alle Könige
der Erde schickten ihre Gesandten zu ihm.
1Kön 5,15 König Hiram von Tyrus war schon immer ein guter Freund von David
gewesen. Als er hörte, dass man Salomo zum Nachfolger Davids gesalbt hatte,
schickte er eine Gesandtschaft zu dem jungen König, um ihm zu gratulieren.
1Kön 5,16 Darauf sandte Salomo Boten zu Hiram und ließ ihm sagen:
1Kön 5,17 »Du weißt ja, dass mein Vater David gern einen Tempel für den Herrn,
seinen Gott, gebaut hätte. Er konnte es aber nicht, weil er immer wieder gegen
befeindete Nachbarvölker in den Krieg ziehen musste, bis der Herr ihm endlich
den Sieg über sie gab.
1Kön 5,18 Mir aber hat der Herr, mein Gott, Frieden geschenkt: Weit und breit
habe ich keine Feinde, mir droht von nirgends Gefahr.
1Kön 5,19 Darum möchte ich nun für den Herrn, meinen Gott, einen Tempel bauen.
Schon damals hat der Herr meinem Vater versprochen: ›Dein Sohn, den ich zu
deinem Nachfolger machen werde, der soll einmal für mich den Tempel bauen.‹
1Kön 5,20 So bitte ich dich nun: Lass deine Arbeiter auf dem Libanon Zedern für
mich fällen. Meine Leute könnten mit ihnen zusammenarbeiten. Natürlich werde ich
den Lohn deiner Arbeiter zahlen; du musst nur sagen, wie viel ich ihnen geben
soll. Du weißt ja selbst, dass wir keine so guten Holzfäller haben, wie die
Sidonier es sind.«
1Kön 5,21 Hiram freute sich sehr über diese Bitte Salomos. »Ich danke dem
Herrn«, rief er, »dass er David einen so weisen Sohn geschenkt hat! Er wird
dieses große Volk bestimmt gut regieren.«
1Kön 5,22 An Salomo schickte Hiram folgende Antwort: »Ich habe deine Anfrage
erhalten und erfülle gerne deine Wünsche nach Zedern- und Zypressenholz.
1Kön 5,23 Meine Arbeiter werden die gefällten Bäume zum Meer hinunterbringen.
Ich lasse die Stämme zu Flößen zusammenbinden und an der Küste entlang nach
Israel bringen. An dem Ort, den du mir angibst, lasse ich die Flöße dann wieder
auseinander nehmen. Dort kann das Holz von deinen Leuten abgeholt werden. Ich
schlage vor, dass du mir als Gegenleistung dafür Lebensmittel für meinen Hof
gibst.«
1Kön 5,24 So lieferte Hiram Salomo Zedern- und Zypressenholz, wie er es bestellt
hatte.
1Kön 5,25 Salomo sandte Hiram als Bezahlung jährlich 2640 Tonnen Weizen und 4500
Liter bestes Olivenöl.
1Kön 5,26 Außerdem schlossen Salomo und Hiram einen Friedensvertrag ab. Der Herr
schenkte Salomo Weisheit, wie er es ihm versprochen hatte.
1Kön 5,27 [27/28] König Salomo zog in ganz Israel 30000 Mann zur Fronarbeit
heran und ernannte Adoniram zu ihrem Vorgesetzten. Er schickte jeden Monat
abwechselnd 10000 von ihnen in den Libanon hinauf. Jeder Arbeiter war also
jeweils einen Monat lang dort im Einsatz und danach für zwei Monate zu Hause.
1Kön 5,29 Salomo hatte 80000 Männer verpflichtet, die im Steinbruch in den
Bergen arbeiteten, sowie 70000, die für den Transport der gewonnenen Steinblöcke
verantwortlich waren.
1Kön 5,30 Über diese Arbeiter waren 3300 Aufseher eingesetzt, die ihrerseits den
Bezirksverwaltern unterstanden.
1Kön 5,31 Salomo gab den Auftrag, aus dem Fels mächtige Blöcke von bester
Qualität herauszubrechen, um mit ihnen das Fundament des Tempels zu legen.
1Kön 5,32 Die Bauleute Salomos und Hirams arbeiteten mit den Handwerkern aus der
Stadt Byblos zusammen. Sie hieben die Steinblöcke und Holzstämme zurecht und
bereiteten so das Baumaterial für den Tempel vor.
1Kön 6,1 480 Jahre waren vergangen, seit die Israeliten Ägypten verlassen
hatten. Es war das 4. Regierungsjahr König Salomos. Im Monat Siw, dem 2. Monat
des Jahres, begann König Salomo mit dem Bau des Tempels für den Herrn.
1Kön 6,2 Das Gebäude war 30 Meter lang, 10 Meter breit und 15 Meter hoch.
1Kön 6,3 An der Vorderseite baute Salomo eine Vorhalle an; sie war genauso breit
wie der Tempel und 5 Meter lang.
1Kön 6,4 In die Tempelmauer ließ Salomo Fenster mit Rahmen und Gitterstäben
einsetzen.
1Kön 6,5 Um die beiden Seitenwände und die Hinterwand baute er einen
dreistöckigen Rundgang, der in einzelne Kammern unterteilt war.
1Kön 6,6 Das untere Stockwerk war 2,5 Meter breit, das mittlere 3 Meter und das
oberste 3,5 Meter. Mit jedem höher gelegenen Stockwerk trat die Tempelmauer
etwas mehr zurück. Dadurch entstanden Mauervorsprünge, auf denen man die
tragenden Querbalken der Stockwerke abstützen konnte. So mussten die Balken
nicht in der eigentlichen Tempelmauer verankert werden.
1Kön 6,7 Die Steine für den Bau des Tempels wurden vorher im Steinbruch schon
fertig behauen. Daher brauchte man sie am Bauplatz nur noch zusammenzufügen und
hörte dort keinen Lärm von Hämmern, Meißeln und anderen Eisenwerkzeugen.
1Kön 6,8 In das untere Stockwerk des Rundgangs kam man durch eine Tür an der
rechten Tempelseite. Von dort führte eine Wendeltreppe zum mittleren und oberen
Stockwerk hinauf.
1Kön 6,9 Nachdem das Mauerwerk errichtet war, ließ Salomo das Gebäude mit einem
Flachdach versehen, das mit Balken und Brettern aus Zedernholz gedeckt wurde.
1Kön 6,10 Den Rundgang verband er durch Zedernbalken mit der Tempelmauer. Die
drei Stockwerke waren jeweils 2,5 Meter hoch.
1Kön 6,11 Eines Tages sprach der Herr zu Salomo:
1Kön 6,12 »Du baust mir diesen Tempel. Wenn du nun so lebst, wie es mir gefällt,
wenn du mein Gesetz befolgst und auf jedes Gebot achtest, dann will ich mein
Versprechen halten, das ich schon deinem Vater David gegeben habe.
1Kön 6,13 Dann will ich mitten unter den Israeliten in diesem Tempel wohnen und
mein Volk nie verlassen.«
1Kön 6,14 Als der Rohbau des Tempels fertig gestellt war,
1Kön 6,15 ließ Salomo das ganze Gebäude innen mit Holz auskleiden. Die Wände
täfelte er von oben bis unten mit Zedernholz, und den Fußboden belegte er mit
Zypressenholz.
1Kön 6,16 Zehn Meter vor der Rückwand zog er vom Boden bis zur Decke eine Wand
aus Zedernbrettern hoch. Auf diese Weise entstand ein Hinterraum. Aus ihm sollte
die Wohnung des Herrn, das »Allerheiligste«, werden.
1Kön 6,17 Der davor liegende Hauptraum, das »Heiligtum«, war also noch 20 Meter
lang.
1Kön 6,18 Der Tempel war innen ganz mit Zedernholz ausgekleidet, nicht ein
Mauerstein war mehr zu sehen. In die Wände wurden Blätter- und Blütenornamente
geschnitzt.
1Kön 6,19 Im hinteren Raum sollte später die Bundeslade des Herrn stehen.
1Kön 6,20 Dieser Teil des Tempels war 10 Meter lang, 10 Meter breit und 10 Meter
hoch. Salomo ließ den ganzen Raum mit reinem Gold auskleiden. Vor dem
Allerheiligsten stand ein Altar aus Zedernholz. Auch er wurde mit Gold
überzogen,
1Kön 6,21 ebenso der gesamte Innenraum des Heiligtums. Vor dem Eingang zum
Allerheiligsten ließ Salomo goldene Ketten aufhängen.
1Kön 6,22 So wurde also der ganze Innenraum des Tempels mit Gold überzogen,
ebenso der Altar, der vor dem Allerheiligsten stand.
1Kön 6,23 Dann ließ Salomo zwei Cherub-Engel aus Olivenholz schnitzen, die im
Allerheiligsten stehen sollten. Sie waren 5 Meter hoch.
1Kön 6,24 Jeder ihrer ausgespannten Flügel maß 2,5 Meter, so dass ein
Cherub-Engel von der einen Flügelspitze zur anderen 5 Meter breit war.
1Kön 6,25 [25/26] Beide Cherub-Engel waren gleich groß, nämlich 5 Meter, und
sahen genau gleich aus.
1Kön 6,27 Salomo ließ sie mitten im Allerheiligsten aufstellen, und zwar so,
dass sich ihre ausgebreiteten Flügel in der Mitte berührten. Mit ihrer äußeren
Flügelspitze berührten sie die Seitenwände.
1Kön 6,28 Auch die Engel wurden ganz mit Gold überzogen.
1Kön 6,29 In die Innenwände des Heiligtums und des Allerheiligsten ließ Salomo
Cherub-Engel, Palmwedel und Blütenkelche schnitzen.
1Kön 6,30 Den Fußboden der beiden Räume überzog er mit Gold.
1Kön 6,31 Für den Eingang zum Allerheiligsten wurde eine Tür mit zwei Flügeln
aus Olivenholz hergestellt. Der Türrahmen war fünffach abgestuft.
1Kön 6,32 Die Türflügel wurden mit Schnitzereien von Cherub-Engeln, Palmwedeln
und Blüten verziert. Die Cherub-Engel und Palmwedel ließ Salomo mit Gold
überziehen.
1Kön 6,33 Auch für den Eingang zum Heiligtum ließ Salomo einen Türrahmen aus
Olivenholz anfertigen. Er war vierfach abgestuft.
1Kön 6,34 Die Tür hatte zwei Flügel aus Zypressenholz. Jeder der beiden Flügel
war aus zwei drehbaren Teilen zusammengesetzt.
1Kön 6,35 Auch in diese Tür wurden Ornamente von Cherub-Engeln, Palmenzweigen
und Blütenkelchen geschnitzt. Danach wurde sie sorgfältig mit Gold überzogen;
man achtete darauf, dass der Überzug genau auf die Schnitzereien passte.
1Kön 6,36 Um das Gebäude herum wurde der innere Vorhof angelegt und mit einer
Mauer eingegrenzt. Sie bestand aus drei Lagen behauener Steine und einer Lage
Zedernbalken.
1Kön 6,37 Im 4. Regierungsjahr Salomos, im Monat Siw, dem 2. Monat des Jahres,
war das Fundament für den Tempel gelegt worden.
1Kön 6,38 Im 11. Regierungsjahr Salomos, im Monat Bul, dem 8. Monat des Jahres,
war der Tempel fertig. Insgesamt hatte man also sieben Jahre daran gebaut. Jede
Einzelheit stimmte genau mit den Bauplänen überein.
1Kön 7,1 An seinem Palast baute Salomo dreizehn Jahre.
1Kön 7,2 [2/3] Eines seiner neuen Gebäude war das so genannte »Libanonwaldhaus«.
Es war 50 Meter lang, 25 Meter breit und 15 Meter hoch. Das unterste Stockwerk
war eine Halle mit drei Säulenreihen aus Zedernholz, 15 Säulen in jeder Reihe,
also 45 insgesamt. Darüber lagen Balken aus Zedernholz, die als Boden für ein
oberes Stockwerk dienten. Dies war in mehrere Kammern unterteilt, die ebenfalls
mit Zedernbalken überdacht waren.
1Kön 7,4 In die beiden Längswände des Palasts wurden drei übereinander liegende
Reihen von je drei Fenstern eingelassen, und zwar so, dass die Fenster einander
genau gegenüberlagen.
1Kön 7,5 Auch die Türen lagen einander jeweils gegenüber. Es waren insgesamt
sechs Türen mit vierfach abgestuften Rahmen.
1Kön 7,6 Außerdem baute Salomo eine Säulenhalle, die 25 Meter lang und 15 Meter
breit war. Davor ließ er eine weitere Säulenhalle mit einem Vordach errichten.
1Kön 7,7 Er baute sich auch eine Halle, in der sein Thron stand und wo er
Gericht hielt. Vom Fußboden bis zur Decke war dieser Raum mit Zedernholz
getäfelt.
1Kön 7,8 Der Wohnpalast Salomos befand sich in einem Hof, der weiter innen lag
als die Thronhalle, und war von der gleichen Bauart. Auch das Haus für seine
Frau, die Tochter des Pharaos, war im gleichen Stil wie die Thronhalle gehalten.
1Kön 7,9 Für alle Gebäude wurden Quadersteine bester Qualität verwendet. Sie
waren vorher mit Steinsägen genau zurechtgeschnitten worden. Alle Mauern dieser
Gebäude - angefangen bei den äußeren Palästen bis hinein zum großen Innenhof -
bestanden aus solchen Steinen.
1Kön 7,10 Für die Fundamente benutzte man besonders große Quadersteine; sie
waren vier bis fünf Meter lang.
1Kön 7,11 Darüber wurden Mauern von Quadersteinen bester Qualität errichtet.
Zwischen den einzelnen Mauerreihen waren immer wieder Zedernbalken eingefügt.
1Kön 7,12 Den großen Hof rings um den Palast und den Tempel umgab eine Mauer,
die abwechselnd aus drei Lagen Quadersteinen und einer Lage Zedernbalken
bestand. Die Mauer um den inneren Vorhof, der den Tempel umgab, war genauso
gebaut, ebenso die Mauer um die Tempelvorhalle.
1Kön 7,13 König Salomo ließ einen Bronzegießer aus Tyrus an den Hof holen. Er
hieß Hiram,
1Kön 7,14 seine Mutter war eine verwitwete Israelitin aus dem Stamm Naftali und
sein Vater ein Bronzegießer aus Tyrus. Hiram war sehr begabt, ein Meister seines
Fachs, der alles nur Erdenkliche aus Bronze herstellen konnte. Er kam zu König
Salomo an den Hof und arbeitete für ihn.
1Kön 7,15 Als Erstes goss er zwei Säulen aus Bronze. Beide waren 9 Meter hoch
und hatten einen Umfang von 6 Metern.
1Kön 7,16 Auf jede Säule setzte er ein 2,5 Meter hohes Kapitell, aus Bronze
gegossen.
1Kön 7,17 Jedes Kapitell war mit sieben Reihen geflochtener Ketten geschmückt
1Kön 7,18 [18-20] sowie mit 200 Granatäpfeln, die in zwei Reihen oberhalb der
Flechtornamente angebracht wurden. Die Kapitelle ruhten auf den Säulen. Sie
waren wie Lilienblüten geformt, und ihre Blütenkelche waren 2 Meter hoch.
1Kön 7,21 Hiram ließ die beiden Säulen vor der Eingangshalle des Tempels
aufstellen. Die rechte nannte er Jachin (»Er wird aufrichten«) und die linke
Boas (»In ihm ist Stärke«).
1Kön 7,22 Die beiden Kapitelle in Form von Lilienblüten wurden auf die Säulen
gesetzt. Damit war diese Arbeit abgeschlossen.
1Kön 7,23 Danach fertigte Hiram ein rundes Bronzebecken an, »das Meer« genannt.
Seine Höhe betrug 2,5 Meter, sein Durchmesser 5 Meter und sein Umfang 15 Meter.
1Kön 7,24 Unterhalb des Randes war es ringsum mit zwei Reihen von Früchten
verziert, jeweils 10 auf einen halben Meter. Sie und das Becken waren aus einem
Guss.
1Kön 7,25 Das Becken stand auf zwölf Rinderfiguren, von denen drei nach Norden
gewandt waren, drei nach Westen, drei nach Süden und drei nach Osten. Ihre
Hinterbeine zeigten nach innen, und das Becken ruhte auf ihren Rücken.
1Kön 7,26 Sein Rand war nach außen gewölbt wie der Kelch einer Lilienblüte. Das
Becken hatte eine Wandstärke von knapp 8 Zentimetern und fasste etwa 44000
Liter.
1Kön 7,27 Als Nächstes stellte Hiram zehn Kesselwagen aus Bronze her. Der
Wagenkasten eines jeden war 2 Meter lang, 2 Meter breit und 1,5 Meter hoch.
1Kön 7,28 Seine Wände wurden oben und unten durch waagerechte Leisten eingerahmt
und durch senkrechte und waagerechte Stäbe verstärkt.
1Kön 7,29 Alle Leisten und Stäbe verzierte Hiram mit aufgehämmerten
Löwenfiguren, mit Rindern und Cherub-Engeln. Über und unter den Löwen und
Rindern wurden Kranzornamente angebracht.
1Kön 7,30 Jeder Kesselwagen hatte unter dem Wagenkasten ein Fahrgestell mit vier
Rädern und zwei Achsen aus Bronze. Jede Achse war an beiden Enden durch zwei
schräg aufwärts laufende Streben mit der untersten Leiste des Wagenkastens
verbunden. Diese Streben stützten den Wagenkasten, der den Wasserkessel tragen
musste.
1Kön 7,31 Für den Wasserkessel wurde ein runder Aufsatz auf den Kasten gesetzt.
Er stand auf einem viereckigen Rahmen, und sein Rand war mit eingravierten
Bildern verziert. Aufsatz und Rahmen waren zusammen 75 Zentimeter hoch.
1Kön 7,32 Die Räder der Fahrgestelle besaßen einen Durchmesser von 75
Zentimetern. Sie standen genau unter den Seitenwänden des Wagenkastens und waren
an den Füßen der vier Seitenpfosten befestigt. Eine Achse verlief durch jeweils
zwei Pfosten.
1Kön 7,33 Die Räder waren gebaut wie die Räder von Streitwagen. Ihre Achsen,
Felgen, Naben und Speichen waren ganz aus Bronze.
1Kön 7,34 Die vier Eckpfosten und der Wagenkasten waren aus einem Guss.
1Kön 7,35 Der stützende Rahmen, auf dem der Aufsatz für den Kessel ruhte, war 25
Zentimeter hoch. Er war am Wagenkasten durch Halter und Platten befestigt.
1Kön 7,36 Wo auf Seitenwänden, Haltern oder Platten noch Platz frei war, ließ
Hiram Cherub-Engel, Löwen und Palmen eingravieren und alles mit Kränzen
umrahmen.
1Kön 7,37 Hiram benutzte für alle zehn Kesselwagen dieselbe Gussform. So sahen
alle zehn gleich aus.
1Kön 7,38 Für jeden Wagen goss Hiram einen Kessel aus Bronze. Die Gefäße hatten
einen Durchmesser von 2 Metern und fassten 900 Liter.
1Kön 7,39 Man brachte die Kesselwagen an ihren vorgesehenen Platz: Fünf standen
auf der rechten Tempelseite, fünf auf der linken. Das große Wasserbecken stellte
man in der Südostecke des Vorhofs auf.
1Kön 7,40 Zuletzt stellte Hiram noch Kübel und Schaufeln zum Beseitigen der
Asche her sowie Schalen, in denen das Blut der Opfertiere aufgefangen wurde.
Damit beendete er die Arbeiten für den Tempel des Herrn, die König Salomo ihm
aufgetragen hatte.
1Kön 7,41 [41-45] Insgesamt hatte er folgende Gegenstände hergestellt: 2 Säulen;
2 Kapitelle, die oben auf den Säulen ruhten; 2 geflochtene Ketten zur Verzierung
der beiden Kapitelle; für jedes Kapitell 200 Granatäpfel, die in zwei Reihen
über den Ketten angebracht waren; 10 Kesselwagen; 10 Wasserkessel, die auf die
Wagen gesetzt wurden; das große Wasserbecken, genannt »das Meer«; 12
Rinderfiguren, auf denen das Becken stand; Kübel, Schaufeln und Schalen. Alle
Gegenstände, die Hiram im Auftrag Salomos für den Tempel des Herrn herstellte,
wurden aus Bronze gegossen und anschließend blank poliert.
1Kön 7,46 König Salomo ließ sie in der Jordanebene zwischen Sukkot und Zaretan
gießen. Dort gab es Gießereien mit großen Gussformen aus Tonerde.
1Kön 7,47 Für diese Gegenstände wurde so viel Bronze gebraucht, dass König
Salomo ihr Gewicht gar nicht mehr feststellen ließ. Dies wäre auch kaum möglich
gewesen.
1Kön 7,48 [48-50] Für das Innere des Tempels ließ Salomo folgende Gegenstände
aus Gold herstellen: einen Altar; einen Tisch, auf dem die Gott geweihten Brote
liegen sollten; 10 Leuchter, die vor dem Allerheiligsten stehen sollten, fünf
auf der rechten und fünf auf der linken Seite der Tür; Blumenornamente für die
Leuchter; Lampen, Dochtscheren und Messer zum Reinigen der Lampen; Becken und
Schüsseln; Schalen und Eimer zum Tragen der glühenden Kohlen; Türangeln für den
Eingang zum Allerheiligsten und zum Heiligtum. Alle diese Gegenstände wurden aus
Gold angefertigt.
1Kön 7,51 Als König Salomo den Bau des Tempels vollendet hatte, brachte er alle
Silber- und Goldschätze, die sein Vater David Gott geweiht hatte, in die
Schatzkammern des Tempels.
1Kön 8,1 Salomo rief alle Ältesten von Israel und alle Stammes- und
Sippenoberhäupter zu sich nach Jerusalem. Sie sollten dabei sein, wenn die
Bundeslade des Herrn aus der »Stadt Davids«, dem Stadtteil Jerusalems auf dem
Berg Zion, zum Tempel gebracht wurde.
1Kön 8,2 Und so kamen im Monat Etanim, dem 7. Monat des Jahres, alle führenden
Männer aus Israel in Jerusalem zusammen. In diesem Monat wurde auch das
Laubhüttenfest gefeiert.
1Kön 8,3 Als alle versammelt waren, hoben die Priester die Bundeslade des Herrn
hoch
1Kön 8,4 und trugen sie hinauf zum Tempel. Zusammen mit den Leviten brachten sie
auch das heilige Zelt hinauf, mit all seinen dem Herrn geweihten Gegenständen.
1Kön 8,5 König Salomo und die Israeliten, die zu diesem Fest gekommen waren,
hatten sich bei der Bundeslade versammelt. Sie opferten so viele Schafe und
Rinder, dass man sie nicht mehr zählen konnte.
1Kön 8,6 Die Priester brachten die Bundeslade an den vorgesehenen Platz in den
hinteren Raum des Tempels. Dort im Allerheiligsten stellten sie die Bundeslade
unter die beiden Cherub-Engel.
1Kön 8,7 Ihre ausgebreiteten Flügel beschirmten nun die Bundeslade samt ihren
Tragstangen.
1Kön 8,8 Die beiden Stangen waren so lang, dass man sie vom Heiligtum aus sehen
konnte, wenn man direkt vor dem Allerheiligsten stand. Doch vom Vorhof aus sah
man sie nicht. Noch heute befindet sich die Bundeslade an diesem Ort.
1Kön 8,9 Damals lagen nur die beiden Steintafeln darin, die Mose am Berg Horeb
hineingelegt hatte, als der Herr mit den Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten
einen Bund schloss.
1Kön 8,10 [10/11] Als die Priester den Tempel wieder verließen, da erfüllte die
Wolke der Herrlichkeit Gottes das ganze Haus, so dass sie ihren Dienst im Tempel
nicht mehr verrichten konnten.
1Kön 8,12 Salomo betete: »Du, Herr, hast gesagt, dass du im Dunkel einer Wolke
wohnen willst.
1Kön 8,13 Nun aber habe ich dieses prachtvolle Haus für dich gebaut. Möge es ein
Ort sein, an dem du, Herr, für alle Zeiten wohnen wirst.«
1Kön 8,14 Nach diesem Gebet wandte sich der König zu den Israeliten um, die sich
vor dem Tempel zusammengefunden hatten. Er segnete sie und sagte:
1Kön 8,15 »Ich preise den Herrn, den Gott Israels! Nun hat er das Versprechen
eingelöst, das er meinem Vater David gab.
1Kön 8,16 Eines Tages sagte Gott zu ihm: ›Seit ich mein Volk aus Ägypten in
dieses Land geführt habe, habe ich nie angeordnet, dass man irgendwo in Israel
für mich einen Tempel bauen sollte. Aber ich habe dich, David, zum König über
mein Volk Israel bestimmt.‹
1Kön 8,17 Mein Vater David hatte schon lange einen großen Wunsch: Er wollte dem
Herrn, dem Gott Israels, einen Tempel bauen.
1Kön 8,18 Doch der Herr sagte zu ihm: ›Ich freue mich zwar, dass du mir einen
Tempel bauen möchtest.
1Kön 8,19 Aber nicht du, David, sollst ihn bauen, sondern erst dein Sohn.‹
1Kön 8,20 Der Herr hat Wort gehalten: Ich bin als Nachfolger meines Vaters David
König von Israel geworden, genau wie der Herr es vorausgesagt hat. Und nun habe
ich auch den Tempel für den Herrn, den Gott Israels, gebaut
1Kön 8,21 und darin einen Raum für die Bundeslade eingerichtet. In dieser Lade
liegen die beiden Gesetzestafeln. Sie sind die Wahrzeichen des Bundes, den der
Herr mit unseren Vorfahren schloss, als er sie aus Ägypten führte.«
1Kön 8,22 Dann trat Salomo vor den Augen der versammelten Israeliten an den
Altar des Herrn, erhob seine Hände zum Himmel
1Kön 8,23 und betete: »Herr, du Gott Israels! Es gibt keinen Gott wie dich -
weder im Himmel noch auf der Erde. Du hältst den Bund, den du mit deinem Volk
geschlossen hast, und erweist allen deine Güte und Liebe, die dir von ganzem
Herzen dienen.
1Kön 8,24 Und so hast du auch deine Zusage eingehalten, die du meinem Vater
David gegeben hast. Was du ihm damals versprachst, hast du nun in die Tat
umgesetzt, wie wir alle heute sehen.
1Kön 8,25 Herr, du Gott Israels, ich bitte dich: Halte auch das andere
Versprechen, das du meinem Vater David gegeben hast. Du sagtest zu ihm: ›Immer
wird einer deiner Nachkommen König über Israel sein, solange sie mir dienen, wie
du mir gedient hast.‹
1Kön 8,26 Ja, du Gott Israels, bitte erfüll alles, was du meinem Vater David,
deinem Diener, versprochen hast!
1Kön 8,27 Jedoch - kann Gott überhaupt auf der Erde wohnen? Ist nicht sogar der
Himmel zu klein, dich zu fassen, geschweige denn dieses Haus, das ich gebaut
habe?
1Kön 8,28 Trotzdem bitte ich dich, Herr, mein Gott: Höre mein Rufen, und weise
meine Bitten nicht zurück! Erhöre das Gebet, das ich heute in aller Demut an
dich richte!
1Kön 8,29 Bitte, wache Tag und Nacht über dieses Haus! Es ist ja der Ort, von
dem du selbst gesagt hast: ›Hier will ich wohnen.‹ Darum erhöre das Gebet, das
ich, dein ergebener Diener, an diesem Ort an dich richte.
1Kön 8,30 Nimm meine Gebete an und auch die meines Volkes, wenn wir zum Tempel
gewandt mit dir reden! Hör unser Rufen im Himmel, dort wo du thronst, und vergib
uns!
1Kön 8,31 Wenn jemand beschuldigt wird, einem anderen etwas angetan zu haben,
und er hier vor deinem Altar schwören muss, dass er unschuldig ist,
1Kön 8,32 dann höre du im Himmel, was er sagt, und sorge für Recht: Entlarve und
bestrafe ihn, wenn er schuldig ist; wenn er aber unschuldig ist, verschaffe ihm
Gerechtigkeit!
1Kön 8,33 [33/34] Wenn die Israeliten von Feinden besiegt werden, weil sie gegen
dich gesündigt haben, wenn sie dann ihre Schuld einsehen und dich wieder als
ihren Gott loben, so höre sie im Himmel! Vergib deinem Volk Israel die Schuld,
wenn sie hier im Tempel zu dir beten und dich um Hilfe anflehen! Bring sie
wieder zurück in das Land, das du einst ihren Vorfahren geschenkt hast!
1Kön 8,35 [35/36] Wenn es einmal lange Zeit nicht regnet, weil sie gegen dich
gesündigt haben, wenn sie dann zu diesem Tempel gewandt beten und dich wieder
als ihren Gott loben, so höre sie im Himmel! Wenn sie von ihren falschen Wegen
umkehren, weil du sie bestraft hast, dann vergib deinem Volk und seinen Königen
ihre Schuld! Denn du zeigst ihnen, wie sie ein Leben führen können, das dir
gefällt. Lass es wieder regnen auf das Land, das du deinem Volk als bleibenden
Besitz gegeben hast!
1Kön 8,37 Wenn im Land Hungersnot herrscht oder die Pest wütet, wenn das
Getreide durch Glutwind, Pilzbefall oder Ungeziefer vernichtet wird, wenn Feinde
kommen und israelitische Städte belagern - wenn also das Land von irgendeinem
Unglück oder einer Seuche heimgesucht wird -,
1Kön 8,38 [38/39] dann höre auf jedes Gebet, das an dich gerichtet wird, sei es
von einzelnen Menschen oder vom ganzen Volk! Erhöre im Himmel, wo du thronst,
die Bitten aller, die in ihrer Not dich suchen und die Hände flehend zu diesem
Tempel hin ausstrecken. Gib jedem, was er verdient, denn du kennst sein Herz!
Vergib ihm oder bestrafe ihn, je nach seinen Taten! Denn du allein kennst alle
Menschen durch und durch.
1Kön 8,40 So werden sie dich als ihren Gott achten und ehren, solange sie in dem
Land leben, das du unseren Vorfahren gegeben hast.
1Kön 8,41 Wenn Ausländer, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, deinetwegen
aus fernen Ländern hierher kommen,
1Kön 8,42 weil sie von deiner Herrlichkeit und deinen mächtigen Taten für dein
Volk gehört haben,
1Kön 8,43 dann erhöre auf deinem Thron im Himmel auch ihre Gebete, die sie vor
diesem Tempel sprechen! Erfülle die Bitten dieser Menschen, damit alle Völker
auf der Erde dich als den wahren Gott erkennen! Dann werden sie dich achten und
verehren, wie dein Volk Israel dich verehrt, und sie werden erkennen, dass du in
diesem Tempel wohnst, den ich gebaut habe.
1Kön 8,44 Wenn die Israeliten Krieg führen und auf deinen Befehl gegen ihre
Feinde ausziehen, wenn sie dann zur Stadt blicken, die du erwählt hast, und zum
Tempel, den ich für dich gebaut habe,
1Kön 8,45 dann höre im Himmel ihr Flehen, und verhilf ihnen zum Recht!
1Kön 8,46 Wenn sie sich aber von dir abwenden - es gibt ja keinen Menschen, der
nicht sündigt - und du zornig wirst und sie an ihre Feinde auslieferst, die sie
als Gefangene in ihr Land verschleppen, sei es fern oder nah,
1Kön 8,47 [47-49] dann höre sie doch im Himmel, wo du wohnst, wenn sie dort in
der Fremde ihre Schuld bereuen und zu dir umkehren! Wenn sie dann zu dir um
Hilfe flehen und dir bekennen: ›Wir haben Schuld auf uns geladen und gegen dich
gesündigt, als wir dir den Rücken kehrten‹, dann erhöre ihr Flehen, wenn sie
sich wieder von ganzem Herzen dir zuwenden! Hilf ihnen, wenn sie im Gebiet ihrer
Feinde zu dir beten und zum Land blicken, das du ihren Vorfahren gegeben hast,
zur Stadt, die du für dich erwählt hast, und zum Tempel, den ich für dich gebaut
habe.
1Kön 8,50 Vergib deinem Volk alles, was sie dir angetan haben, auch ihre
Auflehnung gegen dich! Lass ihre Unterdrücker Erbarmen mit ihnen haben!
1Kön 8,51 Denn trotz allem sind sie noch dein Volk, dein Eigentum, das du aus
Ägypten herausgeholt hast wie aus dem Feuer eines Schmelzofens.
1Kön 8,52 Bitte, verschließ deine Ohren nicht vor meinem Flehen und vor den
Gebeten deines Volkes Israel! Erhöre uns, wann immer wir zu dir um Hilfe rufen!
1Kön 8,53 Denn du, Herr, hast Israel aus allen anderen Völkern der Erde zu
deinem Volk erwählt. Dies hast du durch deinen Diener Mose schon unseren
Vorfahren versprochen, als du sie aus Ägypten herausführtest, Herr, du großer
Gott.«
1Kön 8,54 Als Salomo sein Gebet beendet hatte, stand er wieder auf. Er war zum
Beten vor dem Altar des Herrn auf die Knie gefallen und hatte die Hände flehend
zum Himmel erhoben.
1Kön 8,55 Nun trat er vor die versammelten Israeliten und segnete sie. Mit
lauter Stimme rief er der Versammlung zu:
1Kön 8,56 »Lasst uns den Herrn preisen! Denn er hat sein Versprechen gehalten
und seinem Volk Israel eine Heimat gegeben, in der es in Frieden leben kann. Was
er damals unseren Vorfahren durch seinen Diener Mose sagen ließ, ist
eingetroffen. Jede einzelne seiner Zusagen ist in Erfüllung gegangen.
1Kön 8,57 Der Herr, unser Gott, stehe uns bei, wie er schon unseren Vorfahren
beigestanden hat! Möge er uns nie verlassen oder gar verstoßen!
1Kön 8,58 Er gebe uns den Wunsch, so zu leben, wie es ihm gefällt, damit wir
seine Gebote befolgen und auf alle Weisungen und Gesetze achten, die er unseren
Vorfahren gegeben hat!
1Kön 8,59 Möge der Herr, unser Gott, dieses Gebet nie mehr vergessen; ja, Tag
und Nacht soll er an meine Bitten denken. Er möge mir, seinem Diener, und auch
seinem Volk Israel zum Recht verhelfen und uns jeden Tag geben, was wir
brauchen.
1Kön 8,60 Daran werden alle Völker erkennen, dass der Herr Gott ist und dass es
außer ihm keinen Gott gibt.
1Kön 8,61 Ihr aber, haltet dem Herrn, unserem Gott, von ganzem Herzen die Treue;
lebt immer nach seinen Weisungen und befolgt seine Gebote, so wie ihr es heute
tut!«
1Kön 8,62 [62/63] Mit einem großen Opferfest weihte der König und mit ihm ganz
Israel den Tempel des Herrn ein. Salomo ließ 22000 Rinder und 120000 Schafe als
Dankopfer schlachten.
1Kön 8,64 Am ersten Tag des Festes wurde die Mitte des Tempelvorhofs zur
Opferstätte geweiht, weil der bronzene Altar viel zu klein war für die vielen
Opfer. Denn unzählige Brand- und Speiseopfer wurden dargebracht, und auch das
Fett der Tiere, die man für das Opfermahl schlachtete, wurde verbrannt.
1Kön 8,65 Vierzehn Tage lang feierten König Salomo und die Israeliten: in der
ersten Woche die Einweihung des Tempels und in der zweiten Woche das
Laubhüttenfest. Sehr viele Israeliten nahmen daran teil. Von weit her waren sie
nach Jerusalem gekommen: vom äußersten Norden des Landes aus Lebo-Hamat bis zu
dem Bach, der im Süden die Grenze nach Ägypten bildet.
1Kön 8,66 Nach diesen zwei Wochen beendete Salomo das Fest. Die Israeliten
jubelten ihrem König zu und zogen wieder nach Hause. Voller Freude und
Dankbarkeit dachten sie an das Gute, das der Herr seinem Diener David und seinem
Volk Israel erwiesen hatte.
1Kön 9,1 Als Salomo den Tempel des Herrn und den Königspalast vollendet und alle
seine Ziele erreicht hatte,
1Kön 9,2 da erschien ihm der Herr erneut, wie schon in Gibeon.
1Kön 9,3 Er sagte zu Salomo: »Ich habe dein Flehen erhört. Diesen Tempel, den du
gebaut hast, habe ich als einen heiligen Ort erwählt, an dem ich für immer
wohnen will. Mein Blick wird stets auf ihm ruhen, denn mein Herz hängt an ihm.
1Kön 9,4 Und du, Salomo, lebe wie dein Vater David, aufrichtig und ohne
Falschheit! Befolge alles, was ich dir befohlen habe! Lebe nach meinen Geboten,
und achte auf meine Weisungen!
1Kön 9,5 Dann wird immer ein Nachkomme Davids auf dem Thron Israels sitzen, so
wie ich es deinem Vater versprochen habe. Dein Königtum wird für alle Zeiten
fortbestehen.
1Kön 9,6 Doch wenn ihr oder eure Nachkommen mir den Rücken kehrt und meine
Gebote und Weisungen nicht mehr befolgt, wenn ihr anderen Göttern nachlauft und
sie anbetet,
1Kön 9,7 dann werde ich euch aus diesem Land vertreiben, das ich euch gegeben
habe. Israels Unglück wird sprichwörtlich sein. Alle Völker werden euch
verspotten. Auch von dem Tempel, den ich jetzt zu einer heiligen Stätte erklärt
habe, werde ich mich wieder abwenden.
1Kön 9,8 Nur ein Trümmerhaufen wird von ihm übrig bleiben. Wer an ihm
vorübergeht, wird verächtlich lachen und zugleich entsetzt sein über das, was er
sieht. Erstaunt wird er fragen: ›Warum hat der Herr dieses Land und diesen
Tempel so furchtbar zerstört?‹
1Kön 9,9 Und man wird ihm antworten: ›Weil die Israeliten den Herrn, ihren Gott,
verlassen haben. Er hat ihre Vorfahren aus Ägypten herausgeführt, und doch sind
sie fremden Göttern nachgelaufen, haben sie angebetet und ihnen gedient. Darum
hat der Herr sie nun in dieses Unglück gestoßen.‹«
1Kön 9,10 [10/11] Salomo hatte zwanzig Jahre lang am Tempel des Herrn und am
Königspalast gebaut. König Hiram von Tyrus lieferte ihm das nötige Baumaterial:
Zedern- und Zypressenholz und Gold, so viel er brauchte. Als die Bauarbeiten
beendet waren, gab Salomo Hiram als Gegenleistung zwanzig Städte in Galiläa.
1Kön 9,12 König Hiram kam von Tyrus nach Galiläa, um sich die Städte anzusehen.
Aber sie gefielen ihm nicht.
1Kön 9,13 Deshalb stellte er Salomo zur Rede: »Mein lieber Freund, was für
Städte hast du mir da gegeben! Sie sind überhaupt nichts wert!« Darum heißt das
Gebiet dieser zwanzig Städte heute noch »die Gegend Kabul«, das bedeutet »nichts
wert«.
1Kön 9,14 Hiram hatte dem König von Israel immerhin über vier Tonnen Gold
geliefert.
1Kön 9,15 Salomo setzte bei allen Bauarbeiten Fronarbeiter ein: beim Tempel, bei
seinem Palast, beim Ausbau der Stadtmauer und der Verteidigungsanlagen
Jerusalems. Sie mussten ihm die Städte Hazor, Megiddo und Geser ausbauen.
1Kön 9,16 Die Stadt Geser hatte der Pharao, König von Ägypten, auf einem seiner
Feldzüge eingenommen, ihre Einwohner, die Kanaaniter, umgebracht und schließlich
alles niedergebrannt. Das Gebiet hatte er seiner Tochter als Mitgift in die Ehe
gegeben, als Salomo sie heiratete.
1Kön 9,17 Salomo baute die Stadt Geser nun wieder auf. Außerdem erweiterte er
das untere Bet-Horon,
1Kön 9,18 Baalat und die Wüstenstadt Tamar.
1Kön 9,19 Die Fronarbeiter Salomos mussten Städte bauen, in denen Vorratshallen,
Hallen für die Streitwagen und Pferdeställe untergebracht wurden. Alles, was
Salomo bauen wollte, sei es in Jerusalem, im Libanon oder sonst irgendwo in
seinem Reich, ließ er durch Fronarbeit errichten.
1Kön 9,20 [20/21] Die Fronarbeiter, die Salomo heranzog, waren keine Israeliten,
sondern die Nachkommen der Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter,
die früher das Land Israel bewohnt hatten. Bei der Eroberung des Landes hatten
die Israeliten diese Völker nicht ganz auslöschen können. Bis heute müssen ihre
Nachkommen für Israel Fronarbeit leisten.
1Kön 9,22 Die Israeliten selbst aber blieben davon verschont. Sie dienten Salomo
als Beamte und Soldaten, als seine Befehlshaber, Streitwagenkämpfer und
Offiziere.
1Kön 9,23 Salomo setzte 550 Aufseher ein. Sie unterstanden den Bezirksverwaltern
und sollten darauf achten, dass die Fronarbeiter auf Salomos Bauten gute Arbeit
leisteten.
1Kön 9,24 Als die Tochter des Pharaos aus dem alten Stadtkern Jerusalems in den
Palast gezogen war, den Salomo für sie gebaut hatte, begann der König mit dem
Ausbau der Verteidigungsanlagen Jerusalems.
1Kön 9,25 Nachdem Salomo den Bau des Tempels vollendet hatte, brachte er auf dem
Altar, den er für den Herrn gebaut hatte, dreimal im Jahr Brand- und Dankopfer
dar und verbrannte wohlriechenden Weihrauch.
1Kön 9,26 In Ezjon-Geber, einem Ort in der Nähe von Elat am Roten Meer, im
Gebiet der Edomiter, baute Salomo eine Flotte auf.
1Kön 9,27 König Hiram von Tyrus stellte ihm erfahrene Seeleute zur Verfügung,
die zusammen mit Salomos Männern
1Kön 9,28 nach Ofir segelten, um von dort Gold zu holen. Sie brachten Salomo
über fünfzehn Tonnen Gold mit.
1Kön 10,1 Die Königin von Saba hatte schon viel von Salomos Ruhm und seiner
Liebe zum Herrn gehört. Deshalb beschloss sie, diesen König zu besuchen und sich
mit schwierigen Rätseln selbst von seiner Weisheit zu überzeugen.
1Kön 10,2 Mit großem Gefolge reiste sie nach Jerusalem. Die Kamele ihrer
Karawane waren schwer beladen mit wohlriechenden Ölen, mit Gold und mit
kostbaren Edelsteinen. Als die Königin vor Salomo stand, stellte sie ihm die
Rätsel, die sie sich ausgedacht hatte.
1Kön 10,3 Salomo konnte ihr alle Fragen beantworten und blieb ihr selbst bei den
schwierigsten Rätseln die Antwort nicht schuldig.
1Kön 10,4 Die Königin von Saba war tief beeindruckt von Salomos umfassendem
Wissen und von seinem Palast.
1Kön 10,5 Sie sah, welche ausgefallenen Speisen und Getränke auf der königlichen
Tafel standen und wie weise die Plätze der königlichen Beamten angeordnet waren.
Sie staunte über die gute Bedienung bei Tisch und die kostbaren Gewänder der
Diener. Und als sie miterlebte, wie Salomo im Tempel ein Brandopfer darbringen
ließ, da verschlug es ihr vollends den Atem.
1Kön 10,6 »Es ist tatsächlich alles wahr, was man in meinem Reich von deinen
Taten und deiner Weisheit berichtet!«, sagte sie zu Salomo.
1Kön 10,7 »Ich konnte es einfach nicht glauben. Darum bin ich hierher gekommen,
ich wollte mich mit eigenen Augen davon überzeugen. Und nun sehe ich: Man hat
mir nicht einmal die Hälfte gesagt! Dein Wissen und dein Reichtum übertreffen
alles, was ich je über dich gehört habe.
1Kön 10,8 Wie gut haben es deine Beamten, und wie glücklich sind deine
Bediensteten zu schätzen, die ständig in deiner Nähe sind und deinen weisen
Worten zuhören können.
1Kön 10,9 Ich preise den Herrn, deinen Gott, der dich erwählt und dir die
Herrschaft über Israel gegeben hat. Weil er sein Volk unendlich liebt, hat er
dich zum König gemacht. Du sollst dem Recht zum Sieg verhelfen und als ein
gerechter König regieren.«
1Kön 10,10 Dann schenkte sie Salomo über vier Tonnen Gold, eine Menge
wohlriechender Öle und kostbarer Edelsteine. Nie wieder wurde je so viel
duftendes Öl nach Israel gebracht wie durch die Königin von Saba.
1Kön 10,11 Die Handelsschiffe Hirams beförderten nicht nur Gold von Ofir nach
Israel, sondern auch Edelholz und kostbare Edelsteine in Hülle und Fülle.
1Kön 10,12 So viel Edelholz wie damals wurde bis heute nicht mehr nach Israel
geliefert. Der König ließ aus diesem Holz Geländer für den Tempel des Herrn und
für seinen eigenen Palast anfertigen. Man baute daraus auch Zithern und Harfen
für die Sänger.
1Kön 10,13 König Salomo erfüllte der Königin von Saba jede Bitte und beschenkte
sie noch reich darüber hinaus. Danach reiste sie mit ihrem Gefolge in ihre
Heimat zurück.
1Kön 10,14 In einem einzigen Jahr gingen bei Salomo fast 24 Tonnen Gold ein.
1Kön 10,15 Dazu kamen die Steuern der Händler und Kaufleute und die Abgaben der
arabischen Könige und der Bezirksverwalter.
1Kön 10,16 [16/17] Salomo ließ 200 Langschilde und 300 kleine Rundschilde
herstellen und sie mit gehämmertem Gold überziehen. Für einen Langschild
brauchte man rund 7 Kilo Gold, für einen Rundschild etwa 2 Kilo. Salomo bewahrte
sie im Libanonwaldhaus auf.
1Kön 10,18 Außerdem ließ er sich einen großen Königsthron anfertigen, der mit
Elfenbeinornamenten verziert und mit reinem Gold überzogen war.
1Kön 10,19 [19/20] Der Thronsessel hatte eine Rückenlehne, die oben rund war,
und neben jeder Armlehne stand eine Löwenfigur. Auch auf allen sechs Stufen, die
zum Sessel hinaufführten, stand rechts und links jeweils ein Löwe. In keinem
anderen Land hat sich jemals ein König einen so prunkvollen Thron anfertigen
lassen.
1Kön 10,21 Alle Trinkgefäße Salomos waren aus Gold, und die Gegenstände im
Libanonwaldhaus waren sogar alle aus reinem Gold. Silber war zu Salomos Zeiten
geradezu wertlos.
1Kön 10,22 Der König besaß eine eigene Handelsflotte, die zusammen mit den
Schiffen Hirams auslief. Alle drei Jahre kehrten sie zurück, schwer beladen mit
Gold, Silber und Elfenbein, mit Affen und Pfauen.
1Kön 10,23 Salomo übertraf alle Könige der Erde an Reichtum und Weisheit.
1Kön 10,24 Menschen aus aller Welt kamen zu ihm, um etwas von der Weisheit zu
hören, die Gott ihm gegeben hatte.
1Kön 10,25 Alle brachten ihm Geschenke mit: silberne und goldene Gefäße,
kostbare Gewänder, Waffen, duftende Öle, Pferde und Maultiere. So ging es Jahr
für Jahr.
1Kön 10,26 Salomo besaß 1400 Streitwagen und 12000 Pferde. Teils brachte er sie
in den eigens dafür erbauten Städten unter, teils am königlichen Hof in
Jerusalem.
1Kön 10,27 Silber war zu Salomos Zeiten in Jerusalem so gewöhnlich wie Steine,
und das kostbare Zedernholz gab es in so großen Mengen wie das Holz der
Maulbeerfeigenbäume im jüdischen Hügelland.
1Kön 10,28 Salomo kaufte seine Pferde in Ägypten und in Zilizien, wo seine
Händler sie abholten und gleich bezahlten.
1Kön 10,29 Auch Streitwagen kaufte Salomo in Ägypten. Für einen Wagen bezahlte
er 600 Silberstücke, für ein Pferd 150 Silberstücke. Seine Händler belieferten
auch die Könige der Hetiter und der Syrer.
1Kön 11,1 Neben der Tochter des Pharaos heiratete König Salomo noch viele andere
ausländische Frauen, darunter Moabiterinnen, Ammoniterinnen und Edomiterinnen,
Frauen aus Sidon und aus dem Volk der Hetiter.
1Kön 11,2 Er tat es, obwohl der Herr den Israeliten ausdrücklich verboten hatte,
sich mit diesen Völkern zu vermischen. Sie sollten nicht untereinander heiraten,
weil die Israeliten von ihren ausländischen Ehepartnern zum Götzendienst
verführt werden könnten. Salomo aber hing mit großer Liebe an seinen Frauen.
1Kön 11,3 Er hatte 700 Frauen, die aus fürstlichen Häusern kamen, und 300
Nebenfrauen. Er ließ sich von ihnen immer mehr beeinflussen.
1Kön 11,4 Und so verführten sie Salomo im Alter dazu, auch ihre Götter
anzubeten. Der Herr, sein Gott, war ihm nicht mehr wichtiger als alles andere in
seinem Leben, wie es noch bei seinem Vater David gewesen war.
1Kön 11,5 Salomo verehrte nun auch Astarte, die Göttin der Sidonier, und Milkom,
den schrecklichen Götzen der Ammoniter.
1Kön 11,6 So tat er, was Gott verabscheute. Er diente nicht mehr dem Herrn
allein wie sein Vater David.
1Kön 11,7 Auf einem Hügel östlich von Jerusalem baute er ein Heiligtum für
Kemosch, den widerlichen Götzen der Moabiter, und ein anderes für Moloch, den
schrecklichen Götzen der Ammoniter.
1Kön 11,8 Für alle seine ausländischen Frauen baute Salomo solche Tempel, damit
sie dort ihren Göttern Opfer darbringen und Weihrauch verbrennen konnten.
1Kön 11,9 Da wurde der Herr sehr zornig über Salomo, weil er ihm, dem Gott
Israels, den Rücken gekehrt hatte. Dabei war der Herr ihm zweimal erschienen
1Kön 11,10 und hatte ihm ausdrücklich verboten, andere Götter zu verehren. Doch
nun schlug Salomo dies einfach in den Wind.
1Kön 11,11 Darum sagte der Herr zu ihm: »Du wusstest genau, was ich von dir
wollte, und trotzdem hast du meinen Bund gebrochen und meine Gebote missachtet.
Darum werde ich dir die Macht entreißen und sie einem deiner Beamten übergeben.
Mein Entschluss steht fest.
1Kön 11,12 Nur weil dein Vater David mir so treu gedient hat, tue ich es noch
nicht zu deinen Lebzeiten. Aber sobald dein Sohn die Nachfolge antritt, mache
ich meine Drohung wahr.
1Kön 11,13 Ich werde ihn jedoch nicht ganz entmachten: Einen der zwölf Stämme
darf dein Sohn noch regieren, weil ich es meinem Knecht David versprochen habe
und weil Jerusalem die Stadt ist, die ich erwählt habe.«
1Kön 11,14 Der Herr ließ Hadad aus der königlichen Familie von Edom zu einem
erbitterten Feind Salomos werden.
1Kön 11,15 Und so war es dazu gekommen: Unter König David herrschte Krieg
zwischen Edom und Israel. Eines Tages zog Davids Heerführer Joab nach Edom
hinauf, um die gefallenen Israeliten zu begraben. Dabei rächte er sich an den
Edomitern, indem er alle Männer umbrachte.
1Kön 11,16 Ein halbes Jahr blieb er mit seiner Truppe dort, bis sie auch den
letzten Edomiter getötet hatten.
1Kön 11,17 Hadad war damals fast noch ein Kind. Zusammen mit einigen anderen
Edomitern, Knechten seines Vaters, gelang ihm die Flucht in Richtung Ägypten.
1Kön 11,18 Ihr Weg führte sie über das Land Midian in die Wüste Paran. Dort
schlossen sich ihnen einige ortskundige Männer an, und gemeinsam gelangten sie
nach Ägypten. Hadad ging zum Pharao, dem König des Landes, der ihm ein Haus, ein
Stück Land und Nahrungsmittel zuteilte.
1Kön 11,19 Der Pharao lernte Hadad so schätzen, dass er ihm die Schwester seiner
Frau, der Königin Tachpenes, zur Frau gab.
1Kön 11,20 Sie und Hadad bekamen einen Sohn namens Genubat. Tachpenes nahm ihn
zu sich in den königlichen Palast, wo er zusammen mit den Söhnen des Pharaos
aufwuchs.
1Kön 11,21 Als Hadad erfuhr, dass David und sein Heerführer Joab tot waren, bat
er den Pharao: »Ich möchte in meine Heimat zurückkehren. Bitte, lass mich
gehen!«
1Kön 11,22 Der Pharao aber entgegnete ihm: »Du hast doch hier alles, was du
brauchst! Warum willst du nun plötzlich in dein Land zurück?« Hadad gab zu: »Es
ist wahr, mir fehlt nichts. Trotzdem möchte ich gerne heimkehren!«
1Kön 11,23 Auch Reson, den Sohn Eljadas, ließ Gott zu einem erbitterten Feind
Salomos werden. Reson stand früher im Dienst Hadad-Esers, des Königs von Zoba,
war aber eines Tages seinem Herrn davongelaufen.
1Kön 11,24 Als David seinerzeit die syrischen Verbündeten Hadad-Esers umbrachte,
sammelte Reson eine Schar von Männern um sich und wurde der Anführer einer
gewalttätigen Bande. Sie zogen nach Damaskus, ließen sich in der syrischen
Hauptstadt nieder und beherrschten sie wie Könige.
1Kön 11,25 Später wurde Reson König über ganz Syrien. Er hasste die Israeliten
und war während Salomos Regierungszeit ein erklärter Feind Israels. Wie Hadad
brachte auch er viel Unheil über das Land.
1Kön 11,26 Auch ein Beamter Salomos zettelte einen Aufstand gegen den König an:
Jerobeam, ein Sohn Nebats, aus Zereda in Ephraim. Seine Mutter war eine Witwe
namens Zerua.
1Kön 11,27 Zu der Zeit, als Salomo die Befestigungsanlage Jerusalems ausbaute
und das letzte Stück der Stadtmauer schloss,
1Kön 11,28 fiel ihm Jerobeam als ein fleißiger und geschickter Arbeiter auf.
Darum machte Salomo ihn zum Vorgesetzten aller Bauarbeiter aus den Stämmen
Ephraim und Manasse.
1Kön 11,29 Eines Tages, als Jerobeam aus der Stadt hinausging, begegnete er
unterwegs dem Propheten Ahija aus Silo. Ahija trug einen neuen Mantel. Außerhalb
der Stadt, wo weit und breit kein Mensch mehr war,
1Kön 11,30 nahm er seinen Mantel, riss ihn in zwölf Stücke
1Kön 11,31 und sagte zu Jerobeam: »Nimm dir zehn davon! Denn der Herr, der Gott
Israels, lässt dir sagen: ›Ich werde Salomo die Herrschaft über das Königreich
Israel entreißen und dir zehn Stämme geben.
1Kön 11,32 Nur der Stamm Juda soll ihm bleiben, weil ich es meinem Diener David
versprochen habe und weil Jerusalem die Stadt ist, die ich aus allen Stämmen
Israels erwählt habe.
1Kön 11,33 So strafe ich Salomo dafür, dass er sich von mir abgewandt hat und
nun andere Götter anbetet. Er verehrt Astarte, die Göttin der Sidonier, Kemosch,
den Gott der Moabiter, und Milkom, den Gott der Ammoniter. Er lebt nicht mehr
so, wie es mir gefällt. Meine Weisungen und Gebote befolgt er nicht, wie sein
Vater David es noch getan hat.
1Kön 11,34 Doch weil mein Diener David, den ich erwählt habe, meine Gebote und
Weisungen befolgt hat, will ich Salomo die Herrschaft nicht entreißen. Er darf
regieren, solange er lebt.
1Kön 11,35 Seinem Sohn aber werde ich das Königreich nehmen und dir die
Herrschaft über zehn Stämme anvertrauen.
1Kön 11,36 Nur ein Stamm soll Salomos Sohn bleiben, damit weiterhin ein
Nachkomme meines Dieners David in Jerusalem regiert. Denn in dieser Stadt soll
man mich anbeten.
1Kön 11,37 Dir aber will ich deinen lange gehegten Wunsch erfüllen: Du sollst
König über Israel werden.
1Kön 11,38 Wenn du dich nach dem richtest, was ich dir sage, wenn du mir
gehorchst und tust, was mir gefällt, wenn du meine Gebote und Weisungen
befolgst, wie mein Diener David es getan hat, dann werde ich dir helfen. Was ich
David versprochen habe, gilt dann auch für dich: Immer wird einer deiner
Nachkommen als König über Israel herrschen. Dir und deinen Söhnen gebe ich heute
das Reich Israel.
1Kön 11,39 So will ich Davids Nachkommen dafür bestrafen, dass sie mir den
Rücken gekehrt haben. Doch das wird nicht für immer so bleiben.‹«
1Kön 11,40 Salomo wollte Jerobeam umbringen lassen, doch Jerobeam floh zu König
Schischak nach Ägypten und blieb dort, bis Salomo gestorben war.
1Kön 11,41 Weitere Begebenheiten aus Salomos Leben, seine weisen Gedanken und
seine Taten sind in der Chronik Salomos festgehalten.
1Kön 11,42 Salomo regierte vierzig Jahre in Jerusalem als König über ganz
Israel.
1Kön 11,43 Als er starb, wurde er dort in der »Stadt Davids« begraben. Sein Sohn
Rehabeam wurde sein Nachfolger.
1Kön 12,1 Rehabeam reiste nach Sichem, denn dort wollte ganz Israel ihn zum
König krönen.
1Kön 12,2 Jerobeam, der Sohn Nebats, erfuhr noch in Ägypten davon, wohin er vor
König Salomo geflohen war. Er kam sofort zurück,
1Kön 12,3 und die Israeliten schickten Abgesandte zu ihm, um ihn nach Sichem zu
holen. Dort angekommen, traten sie vor Rehabeam und sagten zu ihm:
1Kön 12,4 »Dein Vater war ein strenger Herrscher. Schonungslos hat er uns das
Äußerste an Steuern und Frondiensten abverlangt. Wir erkennen dich nur als König
an, wenn du uns nicht so schwer unterdrückst wie dein Vater!«
1Kön 12,5 Rehabeam antwortete: »Gebt mir drei Tage Bedenkzeit, und dann kommt
wieder!« Da wurde die Versammlung für drei Tage unterbrochen.
1Kön 12,6 In der Zwischenzeit rief Rehabeam die alten königlichen Berater zu
sich, die schon im Dienst seines Vaters gestanden hatten, und fragte sie: »Was
ratet ihr mir? Welche Antwort soll ich dem Volk geben?«
1Kön 12,7 Sie antworteten: »Sei freundlich zu ihnen, und gib ihnen, was sie
fordern! Wenn du heute bereit bist, auf dein Volk zu hören und ihm zu dienen,
dann wird dein Volk morgen auf dich hören und dir dienen.«
1Kön 12,8 Aber der Ratschlag der alten Männer gefiel Rehabeam nicht. Darum
fragte er seine jungen, gleichaltrigen Berater:
1Kön 12,9 »Was soll ich dem Volk antworten? Sie verlangen von mir, dass ich sie
nicht so hart unterdrücke wie mein Vater.«
1Kön 12,10 Die jungen Männer rieten ihm: »Diese Leute beschweren sich über
deinen Vater und wollen, dass du sie sanfter anfasst? Sag ihnen: ›Im Vergleich
zu mir war mein Vater ein Weichling!
1Kön 12,11 Er hat euch zwar nicht gerade geschont, aber ich werde noch ganz
anders durchgreifen! Er ließ euch mit Peitschen antreiben, ich aber werde
Peitschen mit Stacheln nehmen!‹«
1Kön 12,12 Drei Tage später sprachen Jerobeam und die Abgesandten des Volkes
wieder bei Rehabeam vor.
1Kön 12,13 Der König gab ihnen eine harte Antwort. Er hörte nicht auf den Rat
der Alten,
1Kön 12,14 sondern schleuderte dem Volk die Worte an den Kopf, die ihm seine
jungen Altersgenossen vorgesagt hatten: »Es stimmt, mein Vater war nicht gerade
zimperlich mit euch, aber ich werde noch ganz anders mit euch umspringen! Er
ließ euch mit Peitschen antreiben, ich aber werde Peitschen mit Stacheln
nehmen!«
1Kön 12,15 Der Herr hatte Rehabeam für die Bitten des Volkes taub gemacht. Denn
nun sollte sich erfüllen, was Ahija aus Silo Jerobeam, dem Sohn Nebats, im
Auftrag des Herrn vorausgesagt hatte.
1Kön 12,16 Als die Israeliten merkten, dass der König nicht auf sie hören
wollte, riefen sie ihm zu: »Was geht uns Davids Sippe noch an? Warum geben wir
uns noch mit euch ab? Wir wollen nichts mehr mit euch zu tun haben! Los, gehen
wir heim!« Und sie zogen fort.
1Kön 12,17 Nur die Israeliten aus dem Stammesgebiet von Juda erkannten Rehabeam
als König an.
1Kön 12,18 Da schickte Rehabeam Adoniram, den Aufseher über die Fronarbeiter, zu
den Nordstämmen, um noch einmal mit ihnen zu verhandeln. Doch die aufgebrachte
Menge steinigte Adoniram zu Tode. König Rehabeam konnte sich gerade noch in
einen Wagen retten und nach Jerusalem fliehen.
1Kön 12,19 So sagten sich die Stämme Nordisraels vom Königshaus David los und
sind noch heute von ihm getrennt.
1Kön 12,20 Als es sich im Nordreich Israel herumgesprochen hatte, dass Jerobeam
aus Ägypten zurückgekehrt war, ließ man ihn zur Volksversammlung rufen und
krönte ihn dort zum König über das ganze Nordreich Israel. Nur der Stamm Juda
hielt zu Rehabeam, dem Nachkommen Davids.
1Kön 12,21 Als Rehabeam nach Jerusalem zurückkam, rief er sofort die besten
Soldaten der Stämme Juda und Benjamin zum Kampf gegen Israel auf. Es waren
180000 Mann. So wollte Rehabeam, der Sohn Salomos, die Herrschaft über ganz
Israel zurückgewinnen.
1Kön 12,22 Doch da sprach Gott zum Propheten Schemaja:
1Kön 12,23 »Bring König Rehabeam von Juda, dem Sohn Salomos, und allen Bewohnern
der Stammesgebiete Juda und Benjamin diese Botschaft:
1Kön 12,24 So spricht der Herr: Ihr sollt nicht gegen eure Brüder, die
Israeliten, Krieg führen! Geht wieder nach Hause! Alles, was geschehen ist, habe
ich selbst so kommen lassen.« Sie gehorchten dem Befehl des Herrn und kehrten
nach Hause zurück.
1Kön 12,25 Jerobeam ließ die Stadt Sichem im Gebirge Ephraim ausbauen, er machte
sie zur Hauptstadt und wohnte dort. Später baute er die Stadt Pnuël aus und
verlegte seine Residenz dorthin.
1Kön 12,26 Immer mehr aber fürchtete er, Israel könne sich am Ende doch wieder
König Rehabeam zuwenden, weil er ein Nachkomme Davids war.
1Kön 12,27 »Wenn das Volk regelmäßig nach Jerusalem geht«, so dachte er, »und
dort im Tempel des Herrn seine Opfer darbringt, dann werden sie auch bald wieder
König Rehabeam von Juda als ihren König anerkennen. Ist es aber erst einmal so
weit, dann bringen sie mich um.«
1Kön 12,28 Darum ließ er zwei goldene Kälber herstellen. Dem Volk erklärte er:
»Es ist viel zu umständlich für euch, für jedes Opfer immer nach Jerusalem zu
gehen! Seht, ihr Israeliten, hier sind eure Götter, die euch aus Ägypten geführt
haben!«
1Kön 12,29 Er ließ eine Götzenfigur in Bethel aufstellen, die andere in Dan.
1Kön 12,30 Als das eine Kalb nach Dan gebracht wurde, begleiteten die Israeliten
es in einer feierlichen Prozession. So brachte Jerobeam das ganze Volk dazu,
gegen den Herrn zu sündigen.
1Kön 12,31 Aber er ging noch weiter: Er ließ auf vielen Hügeln Heiligtümer
errichten und ernannte auch Israeliten zu Priestern, die nicht zum Stamm Levi
gehörten.
1Kön 12,32 Er bestimmte einen Tag im Herbst, den 15. Tag des 8. Monats, an dem
ein ähnliches Fest gefeiert werden sollte wie das Laubhüttenfest in Juda. Er
selbst wollte an diesem Tag in Bethel die Stufen zum Altar hinaufsteigen, um den
Kälbern, die er hatte anfertigen lassen, Opfer zu bringen. In Bethel weihte er
auch die Priester, die er für den Dienst bei den Heiligtümern einsetzen wollte.
1Kön 12,33 Am 15. Tag des 8. Monats, dem Tag, den Jerobeam eigenmächtig
festgesetzt hatte, feierten die Israeliten das angekündigte Fest in Bethel. Vor
allen Festbesuchern stieg Jerobeam die Stufen zum Altar hinauf, um Opfer zu
bringen und Weihrauch zu verbrennen.
1Kön 13,1 Als er gerade oben am Altar stand und opfern wollte, erschien
plötzlich ein Prophet aus Juda. Der Herr hatte ihn nach Bethel gesandt.
1Kön 13,2 Mit lauter Stimme rief er zum Altar hin, was der Herr ihm aufgetragen
hatte: »Altar! Altar! So spricht der Herr: ›Der Königsfamilie Davids wird ein
Sohn geboren werden mit Namen Josia. Er wird auf dir die Priester schlachten,
die in den Heiligtümern dienen und die auf dir ihre Opfer bringen. Ja,
Menschenknochen wird man auf dir verbrennen.‹«
1Kön 13,3 Dann wandte der Prophet sich an das Volk und sagte: »Ein Zeichen soll
euch beweisen, dass der Herr durch mich geredet hat: Dieser Altar hier wird
zerbersten, und seine Asche, die mit dem Fett der Opfertiere getränkt ist, wird
auf dem Boden verstreut werden.«
1Kön 13,4 König Jerobeam stand immer noch oben am Altar. Als er hörte, was der
Prophet gegen den Altar von Bethel sagte, streckte er zornig seine Hand gegen
den Boten Gottes aus und befahl seinen Männern: »Packt diesen Kerl!« Da wurde
sein Arm steif, so dass er ihn nicht mehr zurückziehen konnte.
1Kön 13,5 Im selben Augenblick brach der Altar auseinander, und die Opferasche
wurde auf dem Boden verstreut. Alles traf so ein, wie der Prophet es im Auftrag
des Herrn angekündigt hatte.
1Kön 13,6 Da flehte der König: »Bitte, bete für mich zum Herrn, deinem Gott!
Versuch ihn zu besänftigen, und bitte darum, dass ich meinen Arm wieder bewegen
kann!« Der Prophet betete für den König, und sofort war sein Arm wieder gesund.
1Kön 13,7 Da lud König Jerobeam den Boten Gottes ein: »Komm mit mir in mein
Haus, und iss etwas! Ich möchte dir ein Geschenk geben.«
1Kön 13,8 Doch der Prophet wehrte ab: »Selbst wenn du mir dein halbes Haus
schenken würdest, käme ich nicht mit! Ich werde hier weder essen noch trinken,
1Kön 13,9 denn der Herr hat mir befohlen: ›Du sollst dort nichts essen und
nichts trinken! Kehre auch nicht auf demselben Weg zurück, auf dem du nach
Bethel gehst!‹«
1Kön 13,10 So ging er auf einem anderen Weg nach Hause.
1Kön 13,11 In der Stadt Bethel lebte ein alter Prophet. Als seine Söhne von dem
Fest bei dem Altar zurückkamen, erzählten sie ihm, was der Bote Gottes getan und
zu König Jerobeam gesagt hatte.
1Kön 13,12 »Und wohin ist er dann gegangen?«, wollte der Vater wissen. Die Söhne
beschrieben ihm, welchen Weg der Prophet aus Juda eingeschlagen hatte.
1Kön 13,13 »Sattelt mir schnell den Esel!«, befahl der alte Prophet. Als das
Tier gesattelt war, stieg er auf
1Kön 13,14 und ritt dem Boten Gottes nach. Er holte ihn ein, als er unter einem
Baum Rast machte, und fragte ihn: »Bist du der Prophet, der aus Juda hierher
gekommen ist?« »Ja, der bin ich«, gab der Angeredete zur Antwort.
1Kön 13,15 Da lud der alte Mann ihn ein: »Komm doch zu mir nach Hause, und iss
etwas!«
1Kön 13,16 Aber der Bote Gottes lehnte ab: »Ich kann nicht umkehren und zu dir
nach Hause kommen. Ich darf hier nichts essen und nichts trinken, auch nicht bei
dir.
1Kön 13,17 Denn der Herr hat mir befohlen: ›Du sollst dort nichts essen und
nichts trinken! Kehre auch nicht auf demselben Weg zurück, auf dem du nach
Bethel gehst!‹«
1Kön 13,18 Da entgegnete der alte Mann: »Ich bin auch ein Prophet wie du! Ein
Engel hat mir eine Botschaft des Herrn ausgerichtet. Er sagte zu mir: ›Nimm ihn
mit nach Hause, damit er bei dir essen und trinken kann!‹« Dies war eine Lüge.
1Kön 13,19 Aber der Bote Gottes nahm daraufhin die Einladung des alten Propheten
an und aß und trank bei ihm zu Hause.
1Kön 13,20 Noch während des Essens gab der Herr dem alten Propheten eine
Botschaft für den Gast, den er in sein Haus geholt hatte.
1Kön 13,21 Der Prophet sagte zu dem Boten Gottes aus Juda: »So spricht der Herr:
›Du hast dich meinem Befehl widersetzt und hast das Verbot missachtet, das ich,
der Herr, dein Gott, dir gegeben habe.
1Kön 13,22 Du bist umgekehrt und hast hier am Ort gegessen und getrunken, obwohl
ich es dir ausdrücklich verboten hatte. Darum wirst du nie in eurem Familiengrab
beerdigt werden!‹«
1Kön 13,23 Nach dem Essen ließ der alte Prophet einen seiner Esel satteln und
gab ihn seinem Gast.
1Kön 13,24 Der verabschiedete sich und ritt davon. Unterwegs fiel ein Löwe über
ihn her und tötete ihn. Der Löwe und der Esel blieben neben dem Toten stehen.
1Kön 13,25 Die Leute, die vorbeikamen, sahen die Leiche am Boden liegen und den
Löwen neben ihr stehen. Schnell gingen sie weiter und erzählten es in Bethel, wo
auch der alte Prophet wohnte.
1Kön 13,26 Als er davon hörte, sagte er: »Das ist der Bote Gottes, der sich dem
Befehl Gottes widersetzt hat. Darum ließ der Herr ihn in die Klauen des Löwen
geraten, und der hat ihn getötet. Es ist alles so eingetroffen, wie der Herr es
ihm angekündigt hat.«
1Kön 13,27 Dann befahl er seinen Söhnen, ihm seinen Esel zu satteln,
1Kön 13,28 und ritt los. Er fand alles so vor, wie man es ihm beschrieben hatte:
Der Esel und der Löwe standen immer noch bei der Leiche. Der Löwe hatte sie
nicht gefressen und auch den Esel nicht zerrissen.
1Kön 13,29 Der Prophet hob den Toten auf seinen Esel und brachte ihn nach
Bethel. Dort wollte er die Totenklage um ihn halten und ihn dann begraben.
1Kön 13,30 Er bestattete die Leiche in seinem eigenen Familiengrab. Dabei wurde
die Klage »Ach mein Bruder« angestimmt.
1Kön 13,31 Nach der Beisetzung sagte der alte Prophet zu seinen Söhnen: »Wenn
ich einmal sterbe, sollt ihr mich im selben Grab bestatten, in dem nun der Bote
Gottes liegt. An seiner Seite möchte ich begraben sein.
1Kön 13,32 Denn ich weiß, dass er ein echter Prophet war. Was er im Auftrag des
Herrn gegen den Altar von Bethel und gegen die Höhenheiligtümer in den Städten
Samariens vorausgesagt hat, wird alles eintreffen.«
1Kön 13,33 Trotz allem, was geschehen war, ließ Jerobeam sich nicht von seinen
falschen Wegen abbringen. Er setzte weiterhin Priester aus dem ganzen Volk zum
Dienst bei den Heiligtümern ein. Wer immer sich darum bewarb, den weihte er
selbst zum Priester.
1Kön 13,34 So lud er schwere Schuld auf sich, und darum wurde später sein
Königshaus vernichtet und sein Geschlecht vollkommen ausgerottet.
1Kön 14,1 Eines Tages wurde Jerobeams Sohn Abija schwer krank.
1Kön 14,2 Da sagte Jerobeam zu seiner Frau: »Verkleide dich, damit niemand dich
als Königin erkennt, und dann geh nach Silo! Dort wohnt der Prophet Ahija, der
mir damals vorausgesagt hat, dass ich König über unser Volk werde.
1Kön 14,3 Bring ihm zehn Brote, etwas Gebäck und einen Krug Honig mit! Dieser
Mann kann dir bestimmt sagen, ob unser Sohn wieder gesund wird.«
1Kön 14,4 Jerobeams Frau folgte dem Rat ihres Mannes. Sie ging nach Silo und
fand Ahijas Haus. Der war inzwischen sehr alt geworden und hatte sein Augenlicht
verloren.
1Kön 14,5 Aber der Herr hatte ihn auf den Besuch von Jerobeams Frau vorbereitet.
»Sie will wissen, ob ihr kranker Sohn wieder gesund wird. Doch sie will
unerkannt bleiben und hat sich deshalb verkleidet«, hatte er zu dem Propheten
gesagt und ihm anschließend aufgetragen, was er der Königin antworten sollte.
1Kön 14,6 Als Ahija ihre Schritte hörte und sie an der Tür stand, rief er ihr
zu: »Komm nur herein, Frau Jerobeams! Du brauchst dich gar nicht erst zu
verstellen! Ich muss dir eine schlechte Nachricht überbringen.
1Kön 14,7 Geh heim, und berichte Jerobeam, was der Herr, der Gott Israels, ihm
sagen lässt: ›Ich habe dich aus dem Volk heraus erwählt und als König über
Israel eingesetzt.
1Kön 14,8 Dem Haus David habe ich die Krone genommen und sie dir gegeben. Aber
leider lebst du nicht so wie mein Diener David. Er befolgte meine Gebote und
wollte vor allem mir gehorchen und tun, was mir gefällt.
1Kön 14,9 Du aber hast es schlimmer getrieben als jeder andere vor dir. Du hast
dir Figuren gegossen, die nun deine Götter sein sollen. Von mir aber wolltest du
nichts mehr wissen. Und so hast du meinen Zorn herausgefordert.
1Kön 14,10 Darum werde ich deine Familie ins Unglück stürzen. In ganz Israel
werde ich alle männlichen Nachkommen Jerobeams ausrotten, ob jung oder alt. Auch
die letzte Erinnerung an diese Familie werde ich auslöschen, so wie man einen
Haufen Mist aus dem Stall hinausfegt, bis keine Spur mehr übrig bleibt.
1Kön 14,11 Wer von euch in der Stadt stirbt, wird von Hunden zerrissen, und wer
auf freiem Feld stirbt, über den werden die Raubvögel herfallen.‹ Dies alles
wird so eintreffen, denn der Herr hat es angekündigt!«
1Kön 14,12 Dann sagte Ahija zu Jerobeams Frau: »Geh nun wieder nach Hause! Doch
sobald du deine Heimatstadt betrittst, wird dein Sohn sterben.
1Kön 14,13 Überall in Israel wird man um ihn trauern, und viele werden zu seiner
Beerdigung kommen. Er wird als Einziger aus Jerobeams Familie in ein Grab
gelegt, denn er war auch der Einzige in der Familie, an dem der Herr, der Gott
Israels, noch etwas Gutes fand.
1Kön 14,14 Der Herr wird einen neuen König für Israel erwählen. Dieser wird das
Geschlecht Jerobeams ausrotten. Es beginnt sich schon heute zu erfüllen!
1Kön 14,15 Später wird der Herr ganz Israel bestrafen, denn sie verehren
Holzpfähle, die sie für heilig halten. Sie fordern den Zorn des Herrn heraus,
darum wird er sie schlagen, dass sie schwanken wie ein Schilfrohr im Wasser. Er
wird sie aus diesem fruchtbaren Land, das er ihren Vorfahren gegeben hat,
herausreißen und sie weit wegschleudern in ein Land jenseits des Euphrat.
1Kön 14,16 Ihren Feinden wird er sie ausliefern, weil Jerobeam gesündigt und
ganz Israel zum Götzendienst verführt hat.«
1Kön 14,17 Jerobeams Frau kehrte in ihr Haus nach Tirza zurück. Gerade als sie
zur Tür hereinkam, starb ihr Sohn.
1Kön 14,18 Er wurde beerdigt, und in ganz Israel trauerte man um ihn. Es traf
alles so ein, wie der Herr es durch seinen Diener, den Propheten Ahija,
vorausgesagt hatte.
1Kön 14,19 Alles Weitere über Jerobeams Leben steht in der Chronik der Könige
von Israel. Dort kann man nachlesen, wie er regiert und welche Kriege er geführt
hat.
1Kön 14,20 Jerobeam war zweiundzwanzig Jahre lang König. Als er starb, wurde
sein Sohn Nadab sein Nachfolger.
1Kön 14,21 In Juda regierte Salomos Sohn Rehabeam; seine Mutter war die
Ammoniterin Naama. Mit 41 Jahren wurde er König und herrschte siebzehn Jahre in
Jerusalem, der Stadt, die der Herr aus allen Stämmen Israels erwählt hat, um
dort angebetet zu werden.
1Kön 14,22 Doch auch die Menschen in Juda taten, was der Herr verabscheute. Mit
ihrem Götzendienst forderten sie seinen Zorn heraus. Sie trieben es schlimmer
als jede Generation vor ihnen.
1Kön 14,23 Denn wie die Bewohner Israels bauten auch sie sich Höhenheiligtümer,
sie stellten auf allen höheren Hügeln und unter allen dicht belaubten Bäumen
heilige Steine oder Holzpfähle auf, die ihren Göttern geweiht waren.
1Kön 14,24 In den Tempeln gab es sogar geweihte Männer, die dort der
Prostitution nachgingen. Sie übernahmen alle abscheulichen Bräuche der Völker,
die der Herr für sein Volk Israel aus dem Land vertrieben hatte.
1Kön 14,25 Im 5. Regierungsjahr Rehabeams marschierte König Schischak von
Ägypten mit seinem Heer in Jerusalem ein.
1Kön 14,26 Er raubte alle Schätze aus dem Tempel und dem Königspalast, auch die
goldenen Schilde, die König Salomo seinerzeit hatte anfertigen lassen.
1Kön 14,27 Rehabeam ließ an ihrer Stelle Schilde aus Bronze herstellen und
übergab sie dem Befehlshaber der Wache, die am Eingang zum königlichen Palast
stand.
1Kön 14,28 Immer wenn der König in den Tempel des Herrn ging, mussten die
Wächter diese Schilde tragen. Danach brachte man sie wieder zurück in das
Waffenlager der Leibwache.
1Kön 14,29 Mehr darüber, wie Rehabeam lebte und regierte, steht in der Chronik
der Könige von Juda.
1Kön 14,30 Zwischen den Königen Rehabeam und Jerobeam herrschte Krieg, solange
sie lebten.
1Kön 14,31 Als Rehabeam starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, im Grab der Königsfamilie beigesetzt. Seine Mutter, eine
Ammoniterin, hatte Naama geheißen. Sein Sohn Abija wurde zum Nachfolger ernannt.
1Kön 15,1 Abija wurde König von Juda im 18. Regierungsjahr König Jerobeams von
Israel, des Sohnes Nebats.
1Kön 15,2 Er regierte drei Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Maacha und war
eine Tochter Abischaloms.
1Kön 15,3 Abija beging die gleichen Sünden wie sein Vater. Er war dem Herrn,
seinem Gott, nicht von ganzem Herzen treu wie sein Vorfahre David.
1Kön 15,4 Allein wegen Davids Treue ließ Gott Abija nicht fallen, sondern
schenkte ihm einen Sohn, der sein Thronfolger werden sollte, und beschützte die
Stadt Jerusalem vor feindlichen Angriffen.
1Kön 15,5 Denn der Herr hatte noch nicht vergessen, dass David sich immer an
seine Gebote gehalten hatte. Außer seinem Verbrechen an dem Hetiter Uria hatte
er sein Leben lang getan, was dem Herrn gefiel.
1Kön 15,6 Der Krieg mit Jerobeam von Israel, der schon die ganze Regierungszeit
Rehabeams überschattet hatte, ging auch unter der Herrschaft Abijas weiter.
1Kön 15,7 Mehr darüber, wie Abija lebte und regierte, steht in der Chronik der
Könige von Juda.
1Kön 15,8 Als Abija starb, begrub man ihn in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems. Sein Sohn Asa wurde sein Nachfolger.
1Kön 15,9 Asa wurde König von Juda im 20. Regierungsjahr König Jerobeams von
Israel.
1Kön 15,10 Er regierte einundvierzig Jahre in Jerusalem. Als er König wurde,
behielt seine Großmutter Maacha, die Tochter Abischaloms, die einflussreiche
Stellung der Königinmutter.
1Kön 15,11 Wie sein Vorfahre David tat auch Asa, was dem Herrn gefiel.
1Kön 15,12 Er jagte alle aus dem Land, die bei den Heiligtümern der Prostitution
nachgingen, und vernichtete die widerlichen Götterfiguren, die sein Vater und
sein Großvater angefertigt hatten.
1Kön 15,13 Seine Großmutter Maacha entließ er aus ihrer wichtigen Stellung als
Königinmutter, weil sie der Göttin Aschera eine Statue aufgestellt hatte. Die
Statue ließ er in Stücke hauen und im Kidrontal verbrennen.
1Kön 15,14 Leider verbot Asa nicht auch noch das Opfern in den
Höhenheiligtümern. Doch sonst diente er dem Herrn von ganzem Herzen, solange er
lebte.
1Kön 15,15 Alle goldenen und silbernen Gegenstände, die sein Vater dem Herrn
geweiht hatte, brachte er in den Tempel, zusammen mit den Geschenken, die er
selbst dem Herrn weihte.
1Kön 15,16 Zwischen König Asa von Juda und König Bascha von Israel herrschte
Krieg, solange Bascha lebte.
1Kön 15,17 König Bascha fiel in Juda ein und baute die Stadt Rama zu einer
Festung aus. Mit der Kontrolle über diesen wichtigen Knotenpunkt konnte er Juda
von der Außenwelt abschneiden.
1Kön 15,18 Da schickte König Asa eine Gesandtschaft nach Damaskus zu König
Ben-Hadad von Syrien, dem Sohn Tabrimmons und Enkel Hesjons. Asa gab den
Gesandten alles Gold und Silber mit, was vom Tempelschatz noch übrig war, dazu
Geschenke aus der königlichen Schatzkammer. Sie sollten Ben-Hadad Folgendes
ausrichten:
1Kön 15,19 »Lass uns ein Bündnis miteinander schließen! Es soll so fest und
unverbrüchlich sein, als wären schon unsere Väter verbündet gewesen. Dieses Gold
und Silber ist mein Geschenk an dich. Ich bitte dich: Brich dein Bündnis mit
König Bascha von Israel, und greif ihn an, damit er aus unserem Gebiet wieder
abzieht.«
1Kön 15,20 Ben-Hadad willigte ein und schickte seine Truppen gegen Israel. Sie
nahmen die Städte Ijon, Dan und Abel-Bet-Maacha ein, die Gegend um Kinneret und
das ganze Stammesgebiet von Naftali.
1Kön 15,21 Als Bascha davon erfuhr, ließ er Rama nicht weiter ausbauen und
kehrte nach Tirza zurück.
1Kön 15,22 König Asa zog alle Männer von Juda zur Fronarbeit heran; kein
einziger wurde vom Dienst befreit. Sie mussten die Steine und Balken, mit denen
König Bascha die Stadt Rama befestigen wollte, wieder wegtragen. Asa ließ mit
dem Baumaterial die Städte Geba in Benjamin und Mizpa ausbauen.
1Kön 15,23 Alles Weitere über Asas Leben steht in der Chronik der Könige von
Juda. Man kann dort nachlesen, wie er seine Herrschaft festigte, wie er seine
Regierungsgeschäfte führte und welche Städte er aufbaute. Im Alter litt er an
einer Fußkrankheit.
1Kön 15,24 Als Asa starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, im Grab der Königsfamilie beigesetzt. Sein Sohn Joschafat wurde zum
Nachfolger bestimmt.
1Kön 15,25 Nadab, der Sohn Jerobeams, wurde König von Israel im 2.
Regierungsjahr König Asas von Juda und regierte zwei Jahre.
1Kön 15,26 Er tat, was der Herr verabscheute, und folgte dem schlechten Beispiel
seines Vaters, der die Israeliten zum Götzendienst verführt hatte.
1Kön 15,27 [27/28] Als Nadab mit dem israelitischen Heer die Philisterstadt
Gibbeton belagerte, zettelte Bascha, ein Sohn Ahijas aus dem Stamm Issaschar,
eine Verschwörung gegen ihn an und ermordete ihn dort. Dann wurde er selbst
König über Israel. Dies geschah im 3. Regierungsjahr König Asas von Juda.
1Kön 15,29 Kaum war Bascha an der Macht, ließ er die ganze Familie Jerobeams
umbringen. Er gab keine Ruhe, bis er auch das letzte Familienmitglied getötet
hatte. Keiner von ihnen kam mit dem Leben davon. Damit traf ein, was der Herr
durch seinen Diener Ahija aus Silo vorausgesagt hatte.
1Kön 15,30 Denn Jerobeam hatte durch sein schlechtes Vorbild die Israeliten zum
Götzendienst verführt und dadurch den Zorn des Herrn, des Gottes Israels,
herausgefordert.
1Kön 15,31 Alles Weitere über Nadabs Leben steht in der Chronik der Könige von
Israel.
1Kön 15,32 [32/33] Bascha, der Sohn Ahijas, wurde König von Israel im 3.
Regierungsjahr König Asas von Juda. Er regierte vierundzwanzig Jahre in Tirza.
Zwischen ihm und König Asa von Juda herrschte Krieg, solange er lebte.
1Kön 15,34 Auch er tat, was der Herr verabscheute, und beging die gleiche Sünde
wie Jerobeam, der die Israeliten zum Götzendienst verführt hatte.
1Kön 16,1 Eines Tages schickte der Herr den Propheten Jehu, einen Sohn Hananis,
mit folgender Botschaft zu Bascha:
1Kön 16,2 »Aus dem einfachen Volk habe ich dich erwählt und als König über mein
Volk Israel eingesetzt. Aber du bist wie Jerobeam: Auch du verführst die
Israeliten zum Götzendienst. Wenn ich sehe, wie sie sich von mir abwenden, werde
ich zornig.
1Kön 16,3 Darum soll es deiner Familie gehen wie der Familie Jerobeams, des
Sohnes Nebats: Ich werde dafür sorgen, dass das Geschlecht Bascha ausgerottet
wird. Kein einziger deiner Nachkommen wird überleben.
1Kön 16,4 Wer von ihnen in der Stadt stirbt, wird von Hunden zerrissen, und wer
auf freiem Feld stirbt, über den werden die Raubvögel herfallen.«
1Kön 16,5 Alles Weitere über Baschas Leben steht in der Chronik der Könige von
Israel. Man kann dort von seinen militärischen Erfolgen erfahren.
1Kön 16,6 Als er starb, wurde er in Tirza begraben. Sein Sohn Ela wurde sein
Nachfolger.
1Kön 16,7 Aus zwei Gründen musste der Prophet Jehu, der Sohn Hananis, Bascha und
seiner Familie die Strafe des Herrn ankündigen: Zum einen hatte er den Götzen
geopfert und durch alles, was er tat, den Zorn des Herrn herausgefordert, so wie
die Familie Jerobeams; und dann hatte er noch Jerobeams Familie kaltblütig
ermorden lassen.
1Kön 16,8 Ela, der Sohn Baschas, wurde König von Israel im 26. Regierungsjahr
König Asas von Juda. Er regierte zwei Jahre in Tirza.
1Kön 16,9 Dann zettelte Simri, einer seiner Untergebenen, dem die Hälfte aller
Streitwagen unterstand, eine Verschwörung gegen ihn an. König Ela war gerade in
Tirza bei seinem Palastverwalter Arza eingeladen und hatte sich dort betrunken.
1Kön 16,10 Da drang Simri in das Haus ein, erschlug Ela und ließ sich zum neuen
König ausrufen. Dies geschah im 27. Regierungsjahr König Asas von Juda.
1Kön 16,11 Kaum hatte Simri seine Herrschaft gefestigt, brachte er alle
männlichen Nachkommen Baschas um. Keiner kam mit dem Leben davon. Sogar noch
entferntere Verwandte und Freunde des früheren Königs ließ Simri ermorden.
1Kön 16,12 So traf ein, was der Herr durch den Propheten Jehu schon Bascha
vorausgesagt hatte.
1Kön 16,13 Denn Bascha und sein Sohn Ela hatten die Israeliten zum Götzendienst
verführt. Sie verehrten tote Götzen und forderten dadurch den Zorn des Herrn
heraus.
1Kön 16,14 Alles Weitere über Elas Leben steht in der Chronik der Könige von
Israel.
1Kön 16,15 Simri wurde König von Israel im 27. Regierungsjahr König Asas von
Juda. Er war aber nur eine Woche lang König. Das israelitische Heer belagerte
immer noch die Philisterstadt Gibbeton.
1Kön 16,16 Als im Feldlager bekannt wurde, dass Simri eine Verschwörung
angezettelt und den König umgebracht hatte, da riefen die Soldaten noch am
selben Tag ihren Heerführer Omri zum neuen König aus.
1Kön 16,17 Danach zog das ganze Heer unter der Führung Omris von Gibbeton gegen
die Stadt Tirza, belagerte sie und nahm sie ein.
1Kön 16,18 Als Simri merkte, dass alles verloren war, zog er sich in die
Zitadelle des Palasts zurück, zündete den Palast an und starb im Feuer.
1Kön 16,19 So wurde er bestraft für seine schweren Sünden. Denn wie Jerobeam
hatte er getan, was der Herr verabscheute, und ganz Israel zum Götzendienst
verführt.
1Kön 16,20 Alles Weitere über Simri und seine Verschwörung steht in der Chronik
der Könige von Israel.
1Kön 16,21 Nach dem Tod Simris gab es eine Spaltung im Volk: Der eine Teil
wollte Tibni, den Sohn Ginats, zum König machen. Der andere Teil stand hinter
Omri.
1Kön 16,22 Die Anhänger Omris waren den Anhängern Tibnis aber überlegen, und als
Tibni starb, wurde Omri König über das ganze Volk.
1Kön 16,23 Omri wurde König von Israel im 31. Regierungsjahr König Asas von
Juda. Er regierte insgesamt zwölf Jahre. Die ersten sechs Jahre residierte er in
Tirza.
1Kön 16,24 Danach kaufte er von Schemer für siebzig Kilogramm Silber den Berg
Samaria. Er baute dort eine Stadt und machte sie zu seinem neuen Regierungssitz.
In Erinnerung an Schemer, den früheren Besitzer des Berges, nannte er die Stadt
Samaria.
1Kön 16,25 Auch Omri tat, was der Herr verabscheute; er trieb es schlimmer als
alle seine Vorgänger.
1Kön 16,26 Er beging genau dieselben Sünden wie Jerobeam, der Sohn Nebats, und
verehrte wie dieser alle nur erdenklichen Götzen. Dadurch wurde das ganze Volk
zum Götzendienst verführt und erregte den Zorn des Herrn.
1Kön 16,27 Alles Weitere über Omris Leben und seine militärischen Erfolge steht
in der Chronik der Könige von Israel.
1Kön 16,28 Als Omri starb, wurde er in Samaria begraben. Sein Sohn Ahab wurde
sein Nachfolger.
1Kön 16,29 Ahab, der Sohn Omris, wurde König von Israel im 38. Regierungsjahr
König Asas von Juda. Er regierte zweiundzwanzig Jahre in Samaria.
1Kön 16,30 Auch Ahab tat, was der Herr verabscheute, noch schlimmer als alle
seine Vorgänger.
1Kön 16,31 Nicht genug, dass er wie Jerobeam, der Sohn Nebats, am Götzendienst
festhielt; er ging noch weiter und heiratete Isebel, die Tochter König Etbaals
von Sidon. Er verehrte ihren Götzen Baal und betete ihn an.
1Kön 16,32 Ja, er baute ihm in Samaria sogar einen Tempel mit einem Altar.
1Kön 16,33 Auch für die Göttin Aschera errichtete Ahab eine Statue. Mit allem,
was er tat, schürte er den Zorn des Herrn, des Gottes Israels, so sehr wie kein
anderer israelitischer König vor ihm.
1Kön 16,34 Während der Regierungszeit Ahabs baute Hiël aus Bethel die Stadt
Jericho wieder auf. Als das Fundament gelegt wurde, starb sein ältester Sohn
Abiram, und als er die Stadttore einsetzte, verlor er Segub, seinen jüngsten
Sohn. So traf ein, was der Herr damals durch Josua, den Sohn Nuns, angedroht
hatte.
1Kön 17,1 Der Prophet Elia aus Tischbe in Gilead sagte eines Tages zu König
Ahab: »Ich schwöre bei dem Herrn, dem Gott Israels, dem ich diene: Es wird in
den nächsten Jahren weder Regen noch Tau geben, bis ich es sage!«
1Kön 17,2 Danach befahl der Herr Elia:
1Kön 17,3 »Du musst fort von hier! Geh nach Osten, überquere den Jordan, und
versteck dich am Bach Krit!
1Kön 17,4 Ich habe den Raben befohlen, dich dort mit Nahrung zu versorgen, und
trinken kannst du aus dem Bach.«
1Kön 17,5 Elia gehorchte dem Herrn und versteckte sich am Bach Krit, der von
Osten her in den Jordan fließt.
1Kön 17,6 Morgens und abends brachten die Raben ihm Brot und Fleisch, und seinen
Durst stillte er am Bach.
1Kön 17,7 Nach einiger Zeit vertrocknete der Bach, denn es hatte schon lange
nicht mehr geregnet.
1Kön 17,8 Da sagte der Herr zu Elia:
1Kön 17,9 »Geh nach Phönizien in die Stadt Zarpat, und bleib dort! Ich habe
einer Witwe den Auftrag gegeben, dich zu versorgen.«
1Kön 17,10 Sogleich machte Elia sich auf den Weg. Am Stadtrand von Zarpat traf
er eine Witwe, die gerade Holz sammelte. Er bat sie um einen Becher Wasser.
1Kön 17,11 Als sie davoneilte und das Wasser holen wollte, rief er ihr nach:
»Bring mir bitte auch ein Stück Brot mit!«
1Kön 17,12 Da blieb die Frau stehen und sagte: »Ich habe keinen Krümel Brot
mehr, sondern nur noch eine Hand voll Mehl im Topf und ein paar Tropfen Öl im
Krug. Das schwöre ich bei dem Herrn, deinem Gott. Gerade habe ich einige
Holzscheite gesammelt. Ich will nun nach Hause gehen und die letzte Mahlzeit für
mich und meinen Sohn zubereiten. Danach werden wir wohl verhungern.«
1Kön 17,13 Elia tröstete sie: »Hab keine Angst, so weit wird es nicht kommen!
Geh nur und tu, was du dir vorgenommen hast! Aber back zuerst für mich einen
kleinen Brotfladen, und bring ihn mir heraus! Nachher kannst du für dich und
deinen Sohn etwas zubereiten.
1Kön 17,14 Denn der Herr, der Gott Israels, verspricht dir: ›Das Mehl in deinem
Topf soll nicht ausgehen und das Öl in deinem Krug nicht weniger werden, bis
ich, der Herr, es wieder regnen lasse.‹«
1Kön 17,15 Die Frau ging nach Hause und tat, was Elia ihr gesagt hatte, und
tatsächlich hatten Elia, die Frau und ihr Sohn Tag für Tag genug zu essen.
1Kön 17,16 Mehl und Öl gingen nicht aus, genau wie der Herr es durch Elia
angekündigt hatte.
1Kön 17,17 Eines Tages wurde der Sohn der Witwe krank. Es ging ihm zusehends
schlechter, und schließlich starb er.
1Kön 17,18 Da schrie die Mutter Elia an: »Was hast du eigentlich bei mir zu
suchen, du Bote Gottes? Ich weiß genau, du bist nur hierher gekommen, um Gott an
alles Böse zu erinnern, was ich getan habe! Und zur Strafe ist mein Sohn jetzt
tot!«
1Kön 17,19 »Gib mir den Jungen!«, erwiderte Elia nur, nahm das tote Kind vom
Schoß der Mutter und trug es hinauf in die Dachkammer, wo er wohnte. Er legte
den Jungen auf sein Bett
1Kön 17,20 und begann zu beten: »Ach, Herr, mein Gott, warum tust du der Witwe,
bei der ich zu Gast bin, so etwas an? Warum lässt du ihren Sohn sterben?«
1Kön 17,21 Dann legte er sich dreimal auf das tote Kind und flehte dabei zum
Herrn: »Herr, mein Gott, ich bitte dich, erwecke diesen Jungen wieder zum
Leben!«
1Kön 17,22 Der Herr erhörte Elias Gebet, und das Kind wurde lebendig.
1Kön 17,23 Elia brachte ihn wieder hinunter, gab ihn seiner Mutter zurück und
sagte: »Dein Sohn lebt!«
1Kön 17,24 Da antwortete die Frau Elia: »Jetzt bin ich ganz sicher, dass du ein
Bote Gottes bist. Alles, was du im Auftrag des Herrn sagst, ist wahr.«
1Kön 18,1 Wochen und Monate vergingen. Nach mehr als zwei Jahren sagte der Herr
zu Elia: »Geh jetzt, und zeig dich Ahab! Ich will es wieder regnen lassen.«
1Kön 18,2 Elia machte sich auf den Weg nach Samaria, wo die Menschen schwer
unter der Hungersnot litten.
1Kön 18,3 König Ahab ließ unterdessen seinen Palastverwalter Obadja zu sich
rufen, einen Mann, der große Ehrfurcht vor dem Herrn hatte.
1Kön 18,4 Als damals Königin Isebel alle Propheten des Herrn beseitigen wollte,
hatte er hundert von ihnen in zwei Höhlen versteckt, je fünfzig in einer, und
sie mit Wasser und Brot versorgt.
1Kön 18,5 Ahab befahl nun Obadja: »Geh durch das Land zu allen Quellen und
Bächen! Vielleicht gibt es dort noch etwas Gras, mit dem wir unsere Pferde und
Maultiere durchbringen können. Sonst müssen wir die Tiere töten.«
1Kön 18,6 Ahab und Obadja sprachen sich ab, wer welche Teile des Landes
durchstreifen sollte, und brachen dann auf.
1Kön 18,7 Obadja war noch nicht lange unterwegs, als ihm Elia entgegenkam.
Obadja erkannte den Propheten sofort, warf sich vor ihm zu Boden und fragte:
»Bist du es wirklich, Elia, mein Herr?«
1Kön 18,8 »Ja, ich bin es«, antwortete Elia. »Geh sofort zurück, und melde
deinem Herrn, dass ich wieder da bin!«
1Kön 18,9 Obadja stöhnte: »Was habe ich verbrochen, dass du mir einen solchen
Auftrag gibst? Ahab bringt mich um, wenn ich ihm das sage!
1Kön 18,10 Bei dem Herrn, deinem Gott, schwöre ich: Er hat dich überall suchen
lassen. In alle Länder und Königreiche schickte er seine Leute. Erhielten sie
zur Antwort: ›Elia ist nicht bei uns!‹, dann musste das Volk jeweils schwören,
dich nicht gefunden zu haben.
1Kön 18,11 Und nun soll ich einfach zum König gehen und ihm sagen: ›Elia ist
da!‹?
1Kön 18,12 Was ist, wenn der Geist des Herrn dich in der Zwischenzeit entrückt,
und ich weiß nicht wohin? Ahab wird mich umbringen, wenn ich ihm sage, dass ich
dich gesehen habe, er dich dann aber nicht findet. Dabei habe ich doch von
Jugend an nur den Herrn als meinen Gott verehrt!
1Kön 18,13 Hat dir niemand berichtet, was ich riskiert habe, als Isebel alle
Propheten des Herrn umbringen ließ? In zwei Höhlen habe ich je fünfzig Propheten
versteckt und sie mit Brot und Wasser versorgt.
1Kön 18,14 Und nun soll ich zu Ahab gehen und ihm melden: ›Elia ist wieder da!‹?
Bestimmt bringt er mich um!«
1Kön 18,15 Da entgegnete Elia: »Ich schwöre dir bei dem Herrn, dem allmächtigen
Gott, dem ich diene, dass ich mich noch heute dem König zeige.«
1Kön 18,16 Da kehrte Obadja um und brachte Ahab die Nachricht. Der brach seine
Suche sofort ab und ging Elia entgegen.
1Kön 18,17 Ahab begrüßte den Propheten mit den Worten: »So, da ist er ja, der
Mann, der Israel ins Verderben gestürzt hat!«
1Kön 18,18 Elia widersprach: »Nicht ich bin an dem Unheil schuld, sondern du und
deine Familie! Ihr macht euch nichts mehr aus den Geboten des Herrn. Du, Ahab,
verehrst lieber den Götzen Baal und seine Statuen als den Herrn.
1Kön 18,19 Aber jetzt fordere ich dich auf: Schick die 450 Propheten Baals alle
zu mir auf den Berg Karmel! Auch die 400 Propheten der Aschera, die von Königin
Isebel versorgt werden, sollen kommen. Sende Boten ins Land, und lass alle
Israeliten zu einer Volksversammlung auf den Karmel rufen!«
1Kön 18,20 Da befahl Ahab den Israeliten und allen Propheten, auf den Karmel zu
kommen.
1Kön 18,21 Als alle versammelt waren, trat Elia vor die Menge und rief: »Wie
lange noch wollt ihr auf zwei Hochzeiten tanzen? Wenn der Herr der wahre Gott
ist, dann gehorcht ihm allein! Ist es aber Baal, dann dient nur ihm!« Das Volk
sagte kein Wort,
1Kön 18,22 und so fuhr Elia fort: »Ich stehe hier vor euch als einziger Prophet
des Herrn, der noch übrig geblieben ist; und dort stehen 450 Propheten Baals.
1Kön 18,23 Und nun bringt uns zwei junge Opferstiere. Die Propheten Baals sollen
sich einen aussuchen, ihn in Stücke schneiden und auf das Brennholz legen, ohne
es anzuzünden. Den anderen Stier will ich als Opfer zubereiten, und auch ich
werde kein Feuer daran legen.
1Kön 18,24 Dann ruft ihr, die Propheten Baals, euren Gott an, ich aber werde zum
Herrn beten. Der Gott nun, der mit Feuer antwortet, der ist der wahre Gott.« Die
ganze Volksmenge rief: »Ja, das ist gut!«
1Kön 18,25 Da sagte Elia zu den Propheten Baals: »Ihr könnt anfangen, weil ihr
so viele seid. Sucht euch einen Stier aus, und bereitet ihn zu; aber keiner darf
das Opfer anzünden! Und dann bittet euren Gott, Feuer vom Himmel zu schicken!«
1Kön 18,26 Sie schlachteten ihren Stier und bereiteten ihn für das Opfer zu.
Dann begannen sie zu beten. Vom Morgen bis zum Mittag riefen sie ununterbrochen:
»Baal, Baal, antworte uns doch!« Sie tanzten um den Altar, den man für das Opfer
errichtet hatte. Aber nichts geschah, es blieb still.
1Kön 18,27 Als es Mittag wurde, begann Elia zu spotten: »Ihr müsst lauter rufen,
wenn euer großer Gott es hören soll! Bestimmt ist er gerade in Gedanken
versunken, oder er musste mal austreten. Oder ist er etwa verreist? Vielleicht
schläft er sogar noch, dann müsst ihr ihn eben aufwecken!«
1Kön 18,28 Da schrien sie, so laut sie konnten, und ritzten sich nach ihrem
Brauch mit Messern und Speeren die Haut auf, bis das Blut an ihnen herunterlief.
1Kön 18,29 Am Nachmittag schließlich gerieten sie vollends in Ekstase. Dieser
Zustand dauerte bis gegen Abend an. Aber nichts geschah, keine Antwort, kein
Laut, nichts.
1Kön 18,30 Endlich forderte Elia das Volk auf: »Kommt jetzt zu mir herüber!« Sie
versammelten sich um ihn, und er baute vor aller Augen den Altar des Herrn
wieder auf, den man niedergerissen hatte.
1Kön 18,31 Er nahm dazu zwölf Steine nach der Zahl der Söhne Jakobs, von denen
die zwölf Stämme Israels abstammen. Der Herr hatte Jakob später den Namen Israel
gegeben.
1Kön 18,32 Mit den zwölf Steinen baute Elia einen Altar für den Herrn. Rundherum
zog er einen Graben.
1Kön 18,33 Dann schichtete er das Brennholz auf den Altar, zerteilte den
Opferstier und legte ihn auf das Holz.
1Kön 18,34 Zuletzt befahl er: »Holt vier Eimer Wasser, und gießt sie über das
Opfer und das Holz!« Dies genügte ihm aber noch nicht, und so gab er denselben
Befehl ein zweites und ein drittes Mal,
1Kön 18,35 bis das Wasser schließlich auf allen Seiten am Altar herunterlief und
den Graben füllte.
1Kön 18,36 Zur Zeit des Abendopfers trat Elia vor den Altar und betete laut:
»Herr, du Gott Abrahams, Isaaks und Israels! Heute sollen alle erkennen, dass du
allein der Gott unseres Volkes bist. Jeder soll sehen, dass ich dir diene und
dies alles nur auf deinen Befehl hin getan habe.
1Kön 18,37 Erhöre mein Gebet, Herr! Antworte mir, damit dieses Volk endlich
einsieht, dass du, Herr, der wahre Gott bist und sie wieder dazu bringen willst,
dir allein zu dienen.«
1Kön 18,38 Da ließ der Herr Feuer vom Himmel fallen. Es verzehrte nicht nur das
Opferfleisch und das Holz, sondern auch die Steine des Altars und den Erdboden
darunter. Sogar das Wasser im Graben leckten die Flammen auf.
1Kön 18,39 Als die Israeliten das sahen, warfen sie sich zu Boden und riefen:
»Der Herr allein ist Gott! Der Herr allein ist Gott!«
1Kön 18,40 Elia aber befahl: »Packt die Propheten Baals! Keiner soll entkommen!«
Sie wurden festgenommen, und Elia ließ sie hinunter an den Fluss Kischon führen
und dort hinrichten.
1Kön 18,41 Dann sagte Elia zu Ahab: »Geh und lass dir etwas zu essen und zu
trinken bringen, denn gleich fängt es an zu regnen, ich höre es schon rauschen!«
1Kön 18,42 Während Ahab aß und trank, stieg Elia zum Gipfel des Karmel hinauf.
Dort oben kniete er nieder, verbarg das Gesicht zwischen den Knien und betete.
1Kön 18,43 Nach einer Weile befahl er seinem Diener: »Steig auf den höchsten
Punkt des Berges, und blick über das Meer! Dann sag mir, ob du etwas Besonderes
siehst.« Der Diener ging, hielt Ausschau und meldete: »Kein Regen in Sicht!«
Doch Elia schickte ihn immer wieder: »Geh, sieh noch einmal nach!«
1Kön 18,44 Endlich, beim siebten Mal, rief der Diener: »Jetzt sehe ich eine
kleine Wolke am Horizont, aber sie ist nicht größer als eine Hand.« Da befahl
Elia: »Lauf schnell zu Ahab, und sag ihm: ›Lass sofort anspannen, und fahr nach
Hause, sonst wirst du vom Regen überrascht!‹«
1Kön 18,45 Da kam auch schon ein starker Wind auf, und schwarze Wolken
verfinsterten den Himmel. Es dauerte nicht mehr lange, und ein heftiger Regen
prasselte nieder. Ahab bestieg hastig seinen Wagen und fuhr in Richtung Jesreel.
1Kön 18,46 Da kam die Kraft des Herrn über Elia. Der Prophet band sein Gewand
mit dem Gürtel hoch und lief vor Ahabs Wagen her bis nach Jesreel.
1Kön 19,1 Ahab berichtete Isebel alles, was Elia getan hatte, vor allem, wie er
die Propheten Baals mit dem Schwert getötet hatte.
1Kön 19,2 Da schickte Isebel einen Boten zu Elia, der ihm ausrichten sollte:
»Die Götter sollen mich schwer bestrafen, wenn ich dir nicht heimzahle, was du
diesen Propheten angetan hast! Morgen um diese Zeit bist auch du ein toter Mann,
das schwöre ich!«
1Kön 19,3 Da packte Elia die Angst. Er rannte um sein Leben und floh bis nach
Beerscheba ganz im Süden Judas. Dort ließ er seinen Diener, der ihn bis dahin
begleitet hatte, zurück.
1Kön 19,4 Allein wanderte er einen Tag lang weiter bis tief in die Wüste hinein.
Zuletzt ließ er sich unter einen Ginsterstrauch fallen und wünschte, tot zu
sein. »Herr, ich kann nicht mehr!«, stöhnte er. »Lass mich sterben! Irgendwann
wird es mich sowieso treffen, wie meine Vorfahren. Warum nicht jetzt?«
1Kön 19,5 Er streckte sich unter dem Ginsterstrauch aus und schlief ein.
Plötzlich wurde er wachgerüttelt. Ein Engel stand bei ihm und forderte ihn auf:
»Elia, steh auf und iss!«
1Kön 19,6 Als Elia sich umblickte, entdeckte er neben seinem Kopf einen
Brotfladen, der auf heißen Steinen gebacken war, und einen Krug Wasser. Er aß
und trank und legte sich wieder schlafen.
1Kön 19,7 Doch der Engel des Herrn kam wieder und rüttelte ihn zum zweiten Mal
wach. »Steh auf, Elia, und iss!«, befahl er ihm noch einmal. »Sonst schaffst du
den langen Weg nicht, der vor dir liegt.«
1Kön 19,8 Da stand Elia auf, aß und trank. Die Speise gab ihm so viel Kraft,
dass er vierzig Tage und Nächte hindurch wandern konnte, bis er zum Berg Gottes,
dem Horeb, kam.
1Kön 19,9 Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Plötzlich sprach
der Herr zu ihm: »Elia, was tust du hier?«
1Kön 19,10 Elia antwortete: »Ach Herr, du großer und allmächtiger Gott, mit
welchem Eifer habe ich versucht, die Israeliten zu dir zurückzubringen! Denn sie
haben den Bund mit dir gebrochen, deine Altäre niedergerissen und deine
Propheten ermordet. Nur ich bin übrig geblieben, ich allein. Und nun trachten
sie auch mir nach dem Leben!«
1Kön 19,11 Da antwortete ihm der Herr: »Komm aus deiner Höhle heraus, und tritt
vor mich hin! Denn ich will an dir vorübergehen.« Auf einmal zog ein heftiger
Sturm herauf, riss ganze Felsbrocken aus den Bergen heraus und zerschmetterte
sie. Doch der Herr war nicht in dem Sturm. Als Nächstes bebte die Erde, aber
auch im Erdbeben war der Herr nicht.
1Kön 19,12 Dann kam ein Feuer, doch der Herr war nicht darin. Danach hörte Elia
ein leises Säuseln.
1Kön 19,13 Er verhüllte sein Gesicht mit dem Mantel, ging zum Eingang der Höhle
zurück und blieb dort stehen. Und noch einmal wurde er gefragt: »Elia, was tust
du hier?«
1Kön 19,14 Wieder antwortete Elia: »Ach Herr, du großer und allmächtiger Gott,
mit welchem Eifer habe ich versucht, die Israeliten zu dir zurückzubringen! Denn
sie haben den Bund mit dir gebrochen, deine Altäre niedergerissen und deine
Propheten umgebracht. Nur ich bin übrig geblieben, ich allein. Und nun trachten
sie auch mir nach dem Leben!«
1Kön 19,15 Da gab der Herr ihm einen neuen Auftrag: »Elia, geh den Weg durch die
Wüste wieder zurück und weiter nach Damaskus! Salbe dort Hasaël zum König von
Syrien!
1Kön 19,16 Danach salbe Jehu, den Sohn Nimschis, zum König von Israel und
schließlich Elisa, den Sohn Schafats, aus Abel-Mehola, zu deinem Nachfolger als
Prophet.
1Kön 19,17 Wer dem Todesurteil Hasaëls entrinnt, den wird Jehu umbringen; und
wer ihm entkommt, den wird Elisa töten.
1Kön 19,18 Aber 7000 Menschen in Israel lasse ich am Leben, alle, die nicht vor
Baal auf die Knie gefallen sind und seine Statue nicht geküsst haben.«
1Kön 19,19 Als Elia wieder in Israel war, suchte er Elisa, den Sohn Schafats,
auf. Elisa pflügte gerade ein Feld. Vor ihm her gingen elf Knechte mit je einem
Ochsengespann, und er selbst führte das zwölfte und letzte Gespann. Elia kam ihm
über das Feld entgegen, warf ihm seinen Mantel über die Schultern und ging
weiter.
1Kön 19,20 Elisa ließ seine Rinder stehen, lief hinter Elia her und bat ihn:
»Darf ich mich noch von meinen Eltern verabschieden? Danach will ich mit dir
kommen.« Elia antwortete: »Geh nur, du musst nichts überstürzen!«
1Kön 19,21 Da eilte Elisa nach Hause und bereitete für seine Familie ein
Abschiedsessen zu. Er schlachtete die beiden Rinder, mit denen er gepflügt
hatte, machte mit dem Holz ihres Jochs ein Feuer und briet das Fleisch daran.
Danach schloss er sich Elia an und wurde sein Diener.
1Kön 20,1 Eines Tages ließ König Ben-Hadad von Syrien sein ganzes Heer mit
Pferden und Streitwagen gegen Israel aufmarschieren. Die 32 Könige, die von ihm
abhängig waren, mussten ihm ihre Truppen zur Verfügung stellen. Mit diesem Heer
belagerte er die Hauptstadt Samaria und erklärte Israel den Krieg.
1Kön 20,2 Er schickte Boten in die Stadt mit folgender Nachricht für König Ahab
von Israel:
1Kön 20,3 »Ben-Hadad lässt dir sagen: ›Ab heute bist du mein Untertan! Dein
Silber und Gold, deine Frauen und Söhne gehören nun mir.‹«
1Kön 20,4 Der König von Israel ließ Ben-Hadad melden: »Ich unterwerfe mich dir,
mein Herr und König, mit allem, was ich habe.«
1Kön 20,5 Nach kurzer Zeit kamen die Boten wieder und richteten ihm aus: »Höre,
was Ben-Hadad dir sagen lässt: ›Du hast dich bereit erklärt, dich mir zu
unterwerfen mit allem, was du hast, mit Silber und Gold, mit Frauen und Kindern.
1Kön 20,6 Schon morgen um diese Zeit werde ich meine Soldaten zu dir schicken,
damit sie deinen Palast und die Häuser deiner Beamten gründlich von innen
anschauen! Eins kann ich dir versprechen: Alles, was euch lieb und teuer ist,
werden sie mitnehmen.‹«
1Kön 20,7 Da ließ König Ahab alle Sippenoberhäupter Israels zu sich kommen und
sagte: »Der König von Syrien will uns zugrunde richten. Erst erhebt er Anspruch
auf meine Frauen und Kinder, auf mein Silber und Gold, und ich gestehe ihm alles
zu. Und nun das!«
1Kön 20,8 Die Ältesten rieten ihm: »Das musst du dir nicht bieten lassen! Gib
nicht nach!«
1Kön 20,9 Da antwortete der König den Boten: »Richtet meinem Herrn, dem König,
aus: ›Ich gestehe dir alles zu, was du in deiner ersten Botschaft von mir
verlangt hast. Aber auf deine letzte Forderung kann ich nicht eingehen.‹« Die
Boten überbrachten Ben-Hadad diese Nachricht,
1Kön 20,10 und er schickte sogleich seine Antwort an Ahab zurück: »Die Götter
sollen mich schwer bestrafen, wenn ich Samaria nicht in Schutt und Asche lege!
Von der Stadt wird nicht einmal so viel übrig bleiben, dass meine Soldaten eine
Hand voll Staub als Andenken mitnehmen können!«
1Kön 20,11 König Ahab antwortete den Boten: »Sagt ihm: ›Nimm den Mund nicht zu
voll! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.‹«
1Kön 20,12 Ben-Hadad und seine Verbündeten feierten im Zeltlager gerade ein
Trinkgelage, als man ihm die Antwort Ahabs überbrachte. Erbost befahl er:
»Greift sie an!« Sofort wurde zum Angriff geblasen, und die Truppen stellten
sich auf.
1Kön 20,13 Unterdessen war ein Prophet zu König Ahab von Israel gekommen und
richtete ihm eine Botschaft vom Herrn aus: »Du weißt, wie mächtig das Heer der
Feinde ist. Und doch gebe ich sie heute in deine Gewalt. Daran wirst du
erkennen, dass ich der Herr bin.«
1Kön 20,14 »Wer soll denn kämpfen?«, fragte Ahab. »Die Truppe deiner
Bezirksverwalter«, bekam er zur Antwort. »Und wer soll den Kampf eröffnen?«
»Du!«, antwortete der Prophet.
1Kön 20,15 Da ließ der König die Truppe der Bezirksverwalter antreten; es waren
232 Soldaten. Danach rief er alle wehrfähigen Israeliten zusammen, ein Heer von
7000 Mann.
1Kön 20,16 [16/17] Am Mittag rückten die Truppen aus, allen voran die Truppe der
Bezirksverwalter. Ben-Hadad und seine 32 Verbündeten zechten immer noch in ihren
Zelten, als man ihnen meldete: »Aus Samaria kommen Männer!«
1Kön 20,18 Ben-Hadad befahl: »Nehmt sie auf jeden Fall gefangen, ob sie in
friedlicher Absicht kommen oder nicht!«
1Kön 20,19 Doch schon griff die Truppe der Bezirksverwalter an, und das übrige
israelitische Heer folgte ihr auf dem Fuß.
1Kön 20,20 [20/21] Sie überwältigten ihre Gegner und schlugen sie in die Flucht.
Die Israeliten nahmen die Verfolgung auf und griffen nun unter dem Oberbefehl
König Ahabs auch die Reiter und die Streitwagen an. Sie brachten den Syrern eine
schwere Niederlage bei. König Ben-Hadad konnte auf seinem Pferd entkommen,
ebenso einige Wagenkämpfer.
1Kön 20,22 Wieder kam der Prophet zu König Ahab von Israel und riet ihm: »Sei
wachsam, und überleg dir genau, wie du dich auf einen neuen Angriff vorbereiten
willst. Denn im nächsten Frühling wird der König von Syrien wieder gegen dich in
den Krieg ziehen.«
1Kön 20,23 Auch der König von Syrien wurde beraten. Seine hohen Beamten
erklärten ihm: »Die Götter der Israeliten sind Berggötter. Nur deswegen war ihr
Heer uns überlegen. Das nächste Mal wollen wir in der Ebene mit ihnen kämpfen;
dann werden wir sie auf jeden Fall besiegen!
1Kön 20,24 Aber wir geben dir einen guten Rat: Entzieh den 32 Königen ihre
Befehlsgewalt, und ersetze sie durch fähige Heerführer!
1Kön 20,25 Stell ein neues Heer auf; es soll genauso stark sein wie das vorige!
Besorg dir neue Pferde und Streitwagen, bis du wieder so viele hast wie vorher.
Dann nehmen wir in der Ebene den Kampf mit ihnen auf. Verlass dich drauf, wir
werden sie besiegen!« König Ben-Hadad befolgte ihren Rat.
1Kön 20,26 Sobald es Frühling wurde, berief er die wehrfähigen Syrer ein, zog
mit diesem Heer nach Afek und erklärte Israel wieder den Krieg.
1Kön 20,27 Auch die Israeliten stellten ihre Truppen auf. Nachdem sie sich
ausreichend mit Verpflegung eingedeckt hatten, marschierten sie den Syrern
entgegen und schlugen ihr Lager in zwei Gruppen den Feinden gegenüber auf. Das
große Heer der Syrer füllte die ganze Ebene aus; dagegen wirkten die Israeliten
wie zwei kleine Herden.
1Kön 20,28 Da kam der Prophet zu König Ahab und teilte ihm mit: »So spricht der
Herr: ›Weil die Syrer behauptet haben, ich, der Herr, sei ein Berggott, der im
Flachland nichts ausrichten kann, darum gebe ich ihr riesiges Heer in deine
Hand. Daran werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.‹«
1Kön 20,29 Eine Woche lang lagerten die Heere einander gegenüber. Erst am
siebten Tag kam es zur Schlacht. Die Israeliten waren den Syrern weit überlegen.
Sie töteten an diesem einen Tag 100000 Fußsoldaten.
1Kön 20,30 Wer von den Syrern entfliehen konnte, suchte in der Stadt Afek
Zuflucht. Es waren 27000 Mann. Doch plötzlich fiel die Stadtmauer ein und begrub
sie alle unter sich. Auch König Ben-Hadad war geflohen. Er suchte in einem Haus
in Afek Zuflucht und verkroch sich im hintersten Zimmer.
1Kön 20,31 Da ermutigten ihn seine Ratgeber: »Majestät, die Könige von Israel
sind doch für ihre Güte bekannt. Könnten wir es da nicht wagen, uns dem
israelitischen König zu stellen? Wir binden uns ein grobes Tuch um die Hüften
und legen uns einen Strick um den Hals, damit er sieht, dass wir uns ihm, dem
Sieger, unterwerfen. Vielleicht lässt er dich dann am Leben!«
1Kön 20,32 Die Ratgeber Ben-Hadads banden sich ein grobes Tuch um die Hüften,
legten einen Strick um den Hals und stellten sich König Ahab. Sie sagten zu ihm:
»Dein ergebener Diener Ben-Hadad bittet dich inständig, ihn am Leben zu lassen.«
»Er lebt also noch?«, antwortete Ahab. »Gut, er soll mein Bruder sein!«
1Kön 20,33 Die Syrer waren angenehm überrascht von dieser Antwort. Schnell
legten sie Ahab darauf fest: »Wir nehmen dich beim Wort: Ben-Hadad ist dein
Bruder!« »Ja«, bestätigte Ahab und befahl ihnen: »Geht jetzt, und holt ihn
hierher!« Da kam auch Ben-Hadad heraus, und Ahab ließ ihn zu sich auf den Wagen
steigen.
1Kön 20,34 Ben-Hadad bot dem König von Israel an: »Ich gebe dir alle Städte
zurück, die mein Vater deinem Vater weggenommen hat. Du kannst auch in unserer
Hauptstadt Damaskus Handelsniederlassungen gründen, so wie mein Vater dies schon
in Samaria getan hat.« »Gut«, antwortete der König von Israel, »ich gebe dir
dafür die Freiheit.« Sie schlossen den Vertrag, und Ahab ließ den syrischen
König frei.
1Kön 20,35 Ein Prophetenjünger forderte im Auftrag des Herrn seinen Gefährten
auf, ihn zu schlagen. Als der sich weigerte,
1Kön 20,36 sagte der Prophet zu ihm: »Sobald du von hier weggehst, wird der Herr
dich dafür bestrafen, dass du seinem Befehl nicht gehorcht hast. Ein Löwe wird
dich zerreißen.« Der Mann war noch nicht weit gekommen, da fiel ihn ein Löwe an
und zerriss ihn.
1Kön 20,37 Der Prophet begegnete einem anderen Mann und forderte ihn auf: »Los,
schlag mich!« Der Mann gehorchte und schlug ihn blutig.
1Kön 20,38 Nun stellte der Prophet sich an den Straßenrand und wartete auf König
Ahab, der hier vorbeikommen sollte. Damit ihn niemand erkannte, hatte er sich
die Augen verbunden.
1Kön 20,39 Als Ahab vorbeikam, sprach der Prophet ihn an und erzählte: »Mein
König, ich war in der Schlacht dabei. Mitten im Kampf brachte einer unserer
Soldaten einen Gefangenen zu mir. Er schärfte mir ein: ›Bewache ihn gut. Pass
auf, dass er nicht entkommt! Sonst kostet dich das deinen Kopf, oder du musst
einen Zentner Silber bezahlen.‹
1Kön 20,40 Ich hatte noch dies und das zu tun, und so kam es, dass der Gefangene
auf einmal weg war.« König Ahab erwiderte: »Du hast dein Urteil selbst
gesprochen! Was dich erwartet, weißt du ja.«
1Kön 20,41 Da nahm der Mann schnell seine Augenbinde ab, und der König erkannte
sofort, dass er einer der Propheten war.
1Kön 20,42 Der Prophet sagte: »So spricht der Herr: ›Ich hatte beschlossen, dass
Ben-Hadad sterben muss. Du aber hast ihn einfach laufen lassen! Er lebt - dafür
musst du sterben! Seinem Volk wird es gut gehen, über dein Volk wird Leid
kommen.‹«
1Kön 20,43 Zornig ging der König weiter und kam schlecht gelaunt zu Hause in
Samaria an.
1Kön 21,1 König Ahab von Samaria besaß in der Stadt Jesreel einen Palast. Direkt
an sein Grundstück grenzte ein Weinberg, der einem Mann aus Jesreel gehörte. Er
hieß Nabot.
1Kön 21,2 Eines Tages sagte der König zu Nabot: »Verkaufst du mir deinen
Weinberg? Ich möchte einen Gemüsegarten anlegen, und dein Grundstück wäre am
besten dafür geeignet, weil es gerade neben meinem Palast liegt. Ich gebe dir
dafür einen besseren Weinberg, oder ich zahle dich aus. Was ist dir lieber?«
1Kön 21,3 Doch Nabot antwortete: »Niemals verkaufe ich dir dieses Grundstück,
das Erbe meiner Vorfahren! Der Herr bewahre mich davor!«
1Kön 21,4 Missmutig ging Ahab in den Palast zurück. Er war wütend, dass Nabot
ihm den Weinberg nicht verkaufen wollte, nur weil es ein Erbstück seiner
Vorfahren war. Vor Ärger rührte er sein Essen nicht an, sondern legte sich ins
Bett und drehte sich zur Wand.
1Kön 21,5 Seine Frau Isebel sah nach ihm und fragte: »Warum bist du so schlecht
gelaunt und willst nichts essen?«
1Kön 21,6 »Weil dieser Nabot aus Jesreel mir seinen Weinberg nicht geben will!«,
antwortete Ahab. »Ich wollte ihm einen ansehnlichen Betrag dafür bezahlen. Ich
bot ihm auch an, den Weinberg gegen einen anderen zu tauschen, falls er das
lieber möchte. Aber er lehnte stur ab.«
1Kön 21,7 Da antwortete Isebel: »Bist du der König von Israel oder nicht? Gut,
dann steh jetzt auf, iss etwas, und vergiss deinen Ärger! Du sollst deinen
Weinberg haben! Ich nehme die Sache in die Hand!«
1Kön 21,8 Sie schrieb im Namen des Königs einige Briefe, verschloss sie mit dem
königlichen Siegel und verschickte sie an die Ältesten und die einflussreichen
Männer der Stadt Jesreel.
1Kön 21,9 In den Briefen stand: »Ruft einen Tag der Buße aus, und versammelt das
ganze Volk! Weist Nabot einen Platz ganz vorne zu.
1Kön 21,10 Sorgt aber dafür, dass zwei bestochene Zeugen in seiner Nähe sitzen.
Sie sollen ihn vor aller Augen anschuldigen und rufen: ›Dieser Mann hat über
Gott und den König gelästert!‹ Dann führt ihn aus der Stadt hinaus, und steinigt
ihn.«
1Kön 21,11 Die Ältesten und die einflussreichen Männer von Jesreel führten alles
aus, was die Königin in ihrem Brief angeordnet hatte.
1Kön 21,12 Sie riefen einen Tag der Buße aus und wiesen Nabot in der Versammlung
den vordersten Platz zu.
1Kön 21,13 Die beiden falschen Zeugen setzten sich in seine Nähe und belasteten
ihn schwer mit ihren Aussagen. »Nabot hat über Gott und den König gelästert!«,
riefen sie der Menge zu. Da führte man ihn aus der Stadt hinaus und steinigte
ihn.
1Kön 21,14 Die Stadtobersten ließen Isebel ausrichten: »Nabot wurde gesteinigt.
Er ist tot.«
1Kön 21,15 Kaum hatte Isebel diese Nachricht erhalten, sagte sie zu Ahab: »Der
Weinberg gehört dir! Nabot aus Jesreel, der ihn um nichts in der Welt an dich
verkaufen wollte, ist tot.«
1Kön 21,16 Als Ahab das hörte, ging er sogleich hinaus, um den Weinberg in
Besitz zu nehmen.
1Kön 21,17 Da sagte der Herr zu Elia aus Tischbe:
1Kön 21,18 »Elia, geh zu König Ahab aus Samaria. Du findest ihn in Jesreel, in
Nabots Weinberg; er ist gerade dorthin gegangen, um das Grundstück in Besitz zu
nehmen.
1Kön 21,19 Sag ihm: ›Ist es nicht schon genug, dass du gemordet hast? Musst du
nun auch noch fremdes Gut rauben? Höre, was ich, der Herr, dir sage: An der
Stelle, wo die Hunde das Blut Nabots aufgeleckt haben, werden sie auch dein Blut
auflecken!‹«
1Kön 21,20 Elia machte sich auf den Weg nach Jesreel. Als Ahab ihn sah, rief er
ihm entgegen: »So, hast du mich aufgespürt, mein Feind?« »Ja«, antwortete Elia,
»ich komme zu dir, weil du dich dem Bösen verschrieben hast. Höre, was der Herr
dazu sagt:
1Kön 21,21 ›Ich will Unheil über dich bringen und jede Erinnerung an dich
auslöschen! In ganz Israel werde ich alle männlichen Nachkommen Ahabs ausrotten,
ob jung oder alt.
1Kön 21,22 Du hast meinen Zorn geschürt und die Israeliten zum Götzendienst
verführt. Darum soll es deinen Nachkommen so schlecht ergehen wie den Nachkommen
Jerobeams, des Sohnes Nebats, und Baschas, des Sohnes Ahijas.‹
1Kön 21,23 Auch über Isebel hat der Herr sein Urteil gesprochen: An der äußeren
Stadtmauer von Jesreel werden die Hunde sie fressen!
1Kön 21,24 Wer von Ahabs Familie in der Stadt stirbt, wird von Hunden zerrissen,
und wer auf freiem Feld stirbt, über den werden die Raubvögel herfallen.«
1Kön 21,25 Es gab tatsächlich keinen König, der sich in solchem Maße dem Bösen
verschrieben hatte wie Ahab. Seine Frau Isebel hatte ihn dazu verführt.
1Kön 21,26 Am abscheulichsten war sein Götzendienst. Er verehrte andere Götter,
ebenso wie es die Amoriter getan hatten, die der Herr für die Israeliten aus dem
Land vertrieben hatte.
1Kön 21,27 Als Ahab dieses harte Urteil hörte, zerriss er entsetzt seinen
Mantel. Er hüllte sich in Sacktuch, fastete und ging bedrückt umher. Sein
Sackgewand legte er nicht einmal zum Schlafen ab.
1Kön 21,28 Da sagte der Herr zu Elia aus Tischbe:
1Kön 21,29 »Hast du bemerkt, wie bedrückt Ahab ist? Weil er nun endlich Reue
zeigt, lasse ich das Unheil noch nicht zu seinen Lebzeiten über seine Familie
hereinbrechen, sondern erst, wenn sein Sohn König ist.«
1Kön 22,1 Der Krieg zwischen Syrien und Israel war vorbei. Schon seit mehr als
zwei Jahren herrschte Frieden.
1Kön 22,2 Im dritten Jahr erhielt Ahab Besuch von Joschafat, dem König von Juda.
1Kön 22,3 Kurz vorher hatte Ahab mit seinen Beratern gesprochen: »Seid ihr nicht
auch der Meinung, dass die Stadt Ramot im Gebiet von Gilead uns gehört? Warum
unternehmen wir eigentlich nichts? Warum erobern wir sie nicht von den Syrern
zurück?«
1Kön 22,4 Er legte Joschafat diesen Plan vor und fragte ihn, ob er mit ihm in
den Kampf ziehen wolle. Joschafat antwortete: »Ja, du kannst auf mich zählen!
Ich stelle dir meine Truppen und meine Pferde zur Verfügung.
1Kön 22,5 Doch bitte frag zuerst den Herrn, was er zu diesem Feldzug sagt.«
1Kön 22,6 Da ließ König Ahab von Israel seine Propheten zu sich rufen - es waren
etwa 400 - und fragte sie: »Soll ich Ramot in Gilead angreifen oder nicht?« »Geh
nur!«, ermutigten sie ihn. »Gott wird dir zum Sieg über diese Stadt verhelfen.«
1Kön 22,7 Aber Joschafat gab sich noch nicht zufrieden. »Gibt es hier in Israel
keinen echten Propheten, der für uns den Herrn befragen könnte?«, wollte er
wissen.
1Kön 22,8 Ahab antwortete: »Doch, es gibt noch einen, durch den man den Herrn
befragen kann. Aber ich hasse ihn, denn er kündigt mir immer nur Unglück an, nie
etwas Gutes! Es ist Micha, der Sohn Jimlas.« Joschafat entgegnete: »So solltest
du als König nicht sprechen!«
1Kön 22,9 Da rief König Ahab einen Hofbeamten und befahl ihm: »Hol sofort Micha,
den Sohn Jimlas, zu uns!«
1Kön 22,10 In ihren königlichen Gewändern setzten sich Ahab und Joschafat auf
zwei Thronsessel, die man für sie auf einem großen Platz beim Stadttor von
Samaria aufgestellt hatte. Dorthin kamen die 400 Propheten Ahabs. Sie gerieten
alle in Ekstase und prophezeiten den Königen nur Gutes.
1Kön 22,11 Einer von ihnen, Zedekia, der Sohn Kenaanas, hatte sich eiserne
Hörner gemacht und rief: »Höre, was der Herr dir sagen lässt: ›Wie ein Stier mit
eisernen Hörnern wirst du die Syrer niederstoßen und nicht eher ruhen, bis du
sie in Grund und Boden gestampft hast!‹«
1Kön 22,12 Die anderen Propheten redeten ähnlich: »Geh nur nach Ramot in Gilead!
Der Herr wird die Stadt in deine Gewalt geben, und dann kommst du als Sieger
zurück!«
1Kön 22,13 Der Hofbeamte, der Micha holen musste, forderte ihn unterwegs auf:
»Alle Propheten haben dem König nur Gutes angekündigt. Du weißt also, was du zu
tun hast: Sag auch du dem König den Sieg voraus!«
1Kön 22,14 Doch Micha widersprach: »So gewiss der Herr lebt: Ich werde nur das
sagen, was der Herr mir aufträgt!«
1Kön 22,15 Als Micha vor Ahab stand, fragte ihn der König: »Micha, sollen wir
gegen Ramot in Gilead in den Kampf ziehen oder nicht?« »Natürlich, greif nur
an!«, antwortete der Prophet. »Bestimmt wird der Herr die Stadt in deine Gewalt
geben, und du kommst als der große Sieger zurück!«
1Kön 22,16 Doch der König hakte nach: »Wie muss ich dich beschwören, damit du
mir nur die reine Wahrheit sagst? Was hat der Herr dir gezeigt?«
1Kön 22,17 Da antwortete Micha: »Ich sah das Heer der Israeliten über alle Berge
verstreut wie Schafe, die keinen Hirten mehr haben. Der Herr sprach zu mir:
›Diese Soldaten haben keinen Herrn mehr, der sie führt. Sie können getrost nach
Hause zurückkehren.‹«
1Kön 22,18 »Siehst du?«, wandte der König von Israel sich nun an Joschafat. »Ich
hab es doch gleich gesagt, dass er mir immer nur Unglück prophezeit und nie
etwas Gutes!«
1Kön 22,19 Micha aber fuhr fort: »Hör zu! Ich will dir erzählen, was der Herr
mir gezeigt hat: Ich sah ihn auf seinem Thron sitzen, umgeben von seinem
himmlischen Hofstaat.
1Kön 22,20 Er fragte: ›Wer will Ahab dazu verleiten, gegen Ramot in Gilead zu
kämpfen? Der König soll dort ums Leben kommen.‹ Die Versammelten machten diesen
und jenen Vorschlag,
1Kön 22,21 bis schließlich ein Geist vor den Herrn trat und sagte: ›Ich werde
ihn überlisten!‹ ›Wie willst du das tun?‹, fragte der Herr.
1Kön 22,22 ›Ich lasse alle Propheten Ahabs Lügen erzählen‹, antwortete er. ›Ich
rede durch sie als ein Lügengeist.‹ Da sagte der Herr zu dem Geist: ›Du bist der
Rechte, um Ahab in die Irre zu führen! Es wird dir auch gelingen. Geh und mach
es so, wie du vorgeschlagen hast!‹
1Kön 22,23 Ahab, der Herr hat beschlossen, Unheil über dich zu bringen, darum
hat er diesen Lügengeist zu deinen Propheten geschickt. Dieser Geist spricht nun
aus ihrem Mund.«
1Kön 22,24 Jetzt kam Zedekia, der Sohn Kenaanas, nach vorne, gab Micha eine
Ohrfeige und rief: »So, du behauptest, der Geist Gottes habe mich und die
anderen Propheten verlassen, damit er mit dir reden kann? Beweis es, wenn du
kannst!«
1Kön 22,25 »Warte nur«, sagte Micha, »bald kommt der Tag, an dem du dich vor den
Feinden in die hinterste Kammer deines Hauses verkriechst. Dann wirst du an
meine Worte denken!«
1Kön 22,26 Da befahl König Ahab dem Hofbeamten: »Bring Micha zu Amon, dem
Stadtobersten, und zu meinem Sohn Joasch!
1Kön 22,27 Melde ihnen: ›Befehl des Königs: Steckt diesen Mann ins Gefängnis,
und gebt ihm eine gekürzte Ration Brot und Wasser! Dort soll er bleiben, bis
ich, König Ahab, unversehrt als Sieger aus dem Feldzug zurückkomme.‹«
1Kön 22,28 Da sagte Micha zum König: »Alle sollen es hören: Wenn du je
wohlbehalten zurückkehrst, so hat heute nicht der Herr durch mich gesprochen.«
1Kön 22,29 König Ahab von Israel und König Joschafat von Juda zogen gemeinsam in
den Kampf gegen die Stadt Ramot in Gilead.
1Kön 22,30 Vor der Schlacht sagte Ahab zu Joschafat: »Ich werde mich als
einfacher Soldat verkleiden. Du aber kämpfe ruhig in deiner königlichen
Rüstung!« Er zog sich einfache Soldatenkleider an und ging in die Schlacht.
1Kön 22,31 Der syrische König aber hatte seinen 32 Wagenkämpfern befohlen:
»Greift in der Schlacht einzig und allein den König von Israel an. Lasst euch
von keinem ablenken - weder vom Fußvolk noch von den hohen Offizieren!«
1Kön 22,32 Bald hatten die syrischen Wagenkämpfer König Joschafat entdeckt. Sie
hielten ihn für den König von Israel und griffen ihn von allen Seiten an.
Joschafat schrie laut um Hilfe.
1Kön 22,33 Da merkten die Syrer, dass es gar nicht König Ahab war, und ließen
von ihm ab.
1Kön 22,34 Einer ihrer Soldaten schoss auf gut Glück einen Pfeil ab und traf den
König von Israel genau an einer ungeschützten Stelle zwischen den Trägern seines
Panzers. Ahab befahl dem Lenker seines Streitwagens: »Dreh um, und bring mich
vom Schlachtfeld; ich bin schwer verwundet!«
1Kön 22,35 Doch der Kampf tobte an diesem Tag immer heftiger. Um den Syrern die
Stirn zu bieten, blieb Ahab auf dem Schlachtfeld und hielt sich aufrecht in
seinem Wagen, während sein Blut auf den Boden des Wagens floss. Gegen Abend
starb er.
1Kön 22,36 Bei Sonnenuntergang ertönte der Ruf durch das Lager der Israeliten:
»Geht alle nach Hause!«
1Kön 22,37 Der tote König wurde nach Samaria gebracht und dort begraben.
1Kön 22,38 Als man Ahabs Streitwagen am Teich von Samaria reinigte, wo die
Prostituierten badeten, kamen Hunde und leckten sein Blut auf. So traf genau
ein, was der Herr vorausgesagt hatte.
1Kön 22,39 Alles Weitere über Ahabs Leben steht in der Chronik der Könige von
Israel. Man kann dort nachlesen, wie er seinen Elfenbeinpalast gebaut und welche
Städte er gegründet hat.
1Kön 22,40 Nach seinem Tod wurde sein Sohn Ahasja zum Nachfolger bestimmt.
1Kön 22,41 Joschafat, der Sohn Asas, wurde König von Juda im 4. Regierungsjahr
König Ahabs von Israel.
1Kön 22,42 Er war zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt und regierte fünfundzwanzig
Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Asuba und war eine Tochter Schilhis.
1Kön 22,43 Er folgte in allem dem Beispiel seines Vaters Asa und tat wie er, was
dem Herrn gefiel,
1Kön 22,44 nur die Höhenheiligtümer ließ auch er nicht abschaffen. Das Volk
brachte dort weiterhin seine Opfer dar.
1Kön 22,45 Zwischen Joschafat und dem König von Israel herrschte Frieden.
1Kön 22,46 Alles Weitere über Joschafats Leben ist in der Chronik der Könige von
Juda festgehalten. Man kann dort nachlesen, welche Kriege er geführt und welche
Erfolge er erzielt hat.
1Kön 22,47 Von den Männern und Frauen, die bei den Heiligtümern der Prostitution
nachgingen, jagte Joschafat auch die Letzten noch aus dem Land, die sein Vater
nicht mehr hatte vertreiben können.
1Kön 22,48 Das Land Edom hatte immer noch keinen eigenen König. Ein Statthalter
aus Juda führte die Regierungsgeschäfte.
1Kön 22,49 Joschafat ließ einige große Handelsschiffe bauen, die Gold aus Ofir
holen sollten. Doch die ganze Flotte erlitt schon kurz nach ihrem Auslaufen aus
dem Heimathafen Ezjon-Geber Schiffbruch.
1Kön 22,50 König Ahasja von Israel, der Sohn Ahabs, hatte Joschafat gefragt, ob
nicht einige seiner Kaufleute mit nach Ofir reisen könnten. Doch Joschafat hatte
abgelehnt.
1Kön 22,51 Als Joschafat starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
von Jerusalem, im Grab der königlichen Familie beigesetzt. Sein Sohn Joram wurde
sein Nachfolger.
1Kön 22,52 Ahasja, der Sohn Ahabs, wurde König von Israel im 17. Regierungsjahr
König Joschafats von Juda. Zwei Jahre regierte er in Samaria über Israel.
1Kön 22,53 Er tat, was der Herr verabscheute, und folgte dem schlechten Vorbild
seines Vaters und seiner Mutter. Wie Jerobeam, der Sohn Nebats, verführte er die
Israeliten zum Götzendienst.
1Kön 22,54 Er verehrte den Götzen Baal und betete ihn an. Dadurch forderte er
den Zorn des Herrn, des Gottes Israels, heraus, so wie sein Vater es schon getan
hatte.
2Kön 1,1 Nach König Ahabs Tod lehnten sich die Moabiter gegen die Herrschaft der
Israeliten auf.
2Kön 1,2 Eines Tages stürzte Ahasja, der neue König, vom oberen Stockwerk seines
Palasts in Samaria und verletzte sich schwer. Er schickte einige Diener in die
Philisterstadt Ekron und trug ihnen auf: »Geht und fragt Baal-Sebub, den Gott
von Ekron, ob ich wieder gesund werde!«
2Kön 1,3 Da befahl der Engel des Herrn dem Propheten Elia aus Tischbe: »Elia,
geh den Boten entgegen, die der König von Samaria in das Philisterland geschickt
hat, und frag sie: ›Warum reist ihr ins Ausland und wollt Baal-Sebub, den Gott
der Stadt Ekron, um Rat fragen? Gibt es denn in Israel keinen Gott?
2Kön 1,4 Hört, was ich, der Herr, dem König sage: Du wirst nicht mehr gesund
werden, sondern bald sterben!‹« Elia führte seinen Auftrag sofort aus,
2Kön 1,5 und die Boten kehrten daraufhin nach Samaria zurück. »Warum seid ihr
schon wieder da?«, fragte der König sie erstaunt.
2Kön 1,6 Sie erwiderten: »Ein Mann kam uns entgegen und schickte uns zu dir
zurück. Wir sollen dir Folgendes ausrichten: ›Der Herr lässt dich fragen: Warum
schickst du Boten ins Ausland, die Baal-Sebub, den Gott der Stadt Ekron, um Rat
fragen sollen? Gibt es denn in Israel keinen Gott? Weil du das getan hast, wirst
du nicht mehr gesund werden, sondern bald sterben!‹«
2Kön 1,7 Ahasja fragte: »Wie sah der Mann aus, der euch in den Weg trat und das
sagte?«
2Kön 1,8 »Er trug einen Mantel aus zottigem Fell mit einem Ledergürtel«,
antworteten sie. Da rief der König: »Das kann nur Elia aus Tischbe gewesen
sein!«
2Kön 1,9 Sofort schickte er einen Truppenführer mit fünfzig Mann los, um den
Propheten gefangen zu nehmen. Sie fanden ihn auf dem Gipfel eines Berges. Der
Truppenführer ging zu ihm hinauf und befahl: »Bote Gottes, du sollst sofort mit
uns kommen - auf Anordnung des Königs!«
2Kön 1,10 Doch Elia entgegnete: »Wenn ich tatsächlich ein Bote Gottes bin, dann
soll Feuer vom Himmel fallen und dich samt deinen fünfzig Männern verzehren!« Da
fiel Feuer vom Himmel und verbrannte sie alle.
2Kön 1,11 Der König schickte einen anderen Truppenführer mit fünfzig Mann, um
Elia zu holen. Er rief dem Propheten zu: »Bote Gottes, du sollst sofort
herunterkommen! Der König befiehlt es!«
2Kön 1,12 Und wieder rief Elia: »Wenn ich wirklich ein Bote Gottes bin, dann
soll Feuer vom Himmel fallen und dich samt deinen fünfzig Männern verzehren!« Da
ließ Gott Feuer vom Himmel fallen, und alle verbrannten.
2Kön 1,13 Zum dritten Mal schickte der König einen Truppenführer mit seinen
fünfzig Mann zu Elia. Aber dieser stieg zu Elia hinauf, warf sich vor ihm zu
Boden und flehte ihn an: »Bote Gottes, bitte lass mich und meine fünfzig Männer
am Leben!
2Kön 1,14 Ich weiß, dass Feuer vom Himmel fiel und die beiden anderen samt ihren
Soldaten verbrannt hat. Aber bitte, verschone wenigstens uns!«
2Kön 1,15 Da sagte der Engel des Herrn zu Elia: »Geh mit ihm hinunter! Du
brauchst keine Angst vor ihm zu haben.« Elia stand auf, ging mit dem
Truppenführer zu König Ahasja und hielt ihm vor:
2Kön 1,16 »Hör, was der Herr dir sagen lässt: ›Du hast Boten nach Ekron gesandt,
die Baal-Sebub, den Gott dieser Stadt, um Rat fragen sollten - als ob es in
Israel keinen Gott gäbe, den man fragen kann! Weil du das getan hast, wirst du
nicht mehr gesund werden, sondern bald sterben.‹«
2Kön 1,17 Was Elia im Auftrag des Herrn vorausgesagt hatte, traf ein: Ahasja
starb. Weil er selbst keinen Sohn hatte, wurde sein Bruder Joram sein
Nachfolger. Dies geschah im 2. Regierungsjahr König Jorams von Juda, des Sohnes
Joschafats.
2Kön 1,18 Alles Weitere über Ahasjas Leben steht in der Chronik der Könige von
Israel.
2Kön 2,1 Der Tag kam, an dem der Herr den Propheten Elia in einem Wirbelsturm zu
sich in den Himmel holen wollte. An diesem Tag verließen Elia und Elisa die
Stadt Gilgal.
2Kön 2,2 Unterwegs sagte Elia zu Elisa: »Willst du nicht hier bleiben? Ich muss
nach Bethel, denn der Herr hat mich dorthin geschickt.« Doch Elisa wehrte ab:
»So gewiss der Herr lebt und so gewiss du lebst - ich verlasse dich nicht!« So
wanderten sie zusammen hinunter nach Bethel.
2Kön 2,3 Dort kamen ihnen einige Prophetenjünger entgegen, die in Bethel
zusammen lebten. Sie nahmen Elisa beiseite und fragten ihn: »Weißt du es schon?
Der Herr wird heute deinen Lehrer zu sich holen!« »Ja, ich weiß es«, antwortete
Elisa, »redet bitte nicht darüber!«
2Kön 2,4 Wieder sagte Elia zu seinem Begleiter: »Elisa, willst du nicht hier
bleiben? Ich muss weiter nach Jericho, denn der Herr hat mich dorthin
geschickt.« Elisa antwortete: »So gewiss der Herr lebt und so gewiss du lebst -
ich verlasse dich nicht!« Sie wanderten gemeinsam weiter und kamen nach Jericho.
2Kön 2,5 Auch hier sprachen einige Prophetenjünger, die in der Stadt wohnten,
Elisa an und fragten ihn: »Weißt du, dass der Herr deinen Lehrer heute zu sich
holen wird?« Und wieder antwortete Elisa: »Ja, ich weiß es. Sprecht bitte nicht
darüber!«
2Kön 2,6 Elia fragte Elisa zum dritten Mal: »Willst du nicht hier bleiben? Ich
muss weiter an den Jordan, denn der Herr hat mich dorthin geschickt.« Doch auch
jetzt antwortete Elisa: »So gewiss der Herr lebt und so gewiss du lebst - ich
verlasse dich nicht!« Dann gingen sie gemeinsam weiter.
2Kön 2,7 Fünfzig Prophetenjünger aus Jericho folgten ihnen. Als Elia und Elisa
den Jordan erreichten, blieben ihre Begleiter in einiger Entfernung stehen.
2Kön 2,8 Elia zog seinen Mantel aus, rollte ihn zusammen und schlug damit auf
das Wasser. Da teilte es sich, und die beiden konnten trockenen Fußes das
Flussbett durchqueren.
2Kön 2,9 Am anderen Ufer sagte Elia zu Elisa: »Ich möchte noch etwas für dich
tun, bevor ich von dir genommen werde. Hast du einen Wunsch?« Da antwortete
Elisa: »Ich möchte als dein Schüler und Nachfolger doppelt so viel von deinem
Geist bekommen wie die anderen Propheten!«
2Kön 2,10 Elia wandte ein: »Das liegt nicht in meiner Macht. Aber wenn der Herr
dich sehen lässt, wie ich von hier weggeholt werde, dann wirst du erhalten,
worum du gebeten hast. Wenn nicht, dann geht auch dein Wunsch nicht in
Erfüllung.«
2Kön 2,11 Während die beiden so in ihr Gespräch vertieft weitergingen, erschien
plötzlich ein Wagen aus Feuer, gezogen von Pferden aus Feuer, und trennte die
Männer voneinander. Und dann wurde Elia in einem Wirbelsturm zum Himmel
hinaufgetragen.
2Kön 2,12 Elisa sah es und schrie: »Mein Vater, mein Vater! Du Beschützer und
Führer Israels!« Doch schon war alles vorbei. Aufgewühlt packte Elisa sein
Gewand und riss es entzwei.
2Kön 2,13 Dann hob er Elias Mantel auf, der zu Boden gefallen war, und ging zum
Jordan zurück.
2Kön 2,14 Wie vorher sein Lehrer Elia schlug jetzt er mit dem Mantel auf das
Wasser und rief: »Wo ist der Herr, der Gott Elias?« Da teilte sich das Wasser,
und Elisa konnte den Fluss wieder durchqueren.
2Kön 2,15 Als die Prophetenjünger, die den beiden Männern aus Jericho gefolgt
waren, Elisa zurückkommen sahen, sagten sie zueinander: »Der Geist Elias ist nun
auf Elisa übergegangen!« Sie liefen zu ihm und warfen sich ehrfürchtig vor ihm
zu Boden.
2Kön 2,16 »Meister«, sagten sie, »ein Wort von dir genügt, und wir schicken
unsere fünfzig kräftigsten Männer los, um deinen Lehrer zu suchen! Vielleicht
hat der Geist des Herrn ihn nur von hier weggetragen und irgendwo auf einen Berg
oder in ein Tal geworfen.« Elisa wehrte ab.
2Kön 2,17 Doch sie ließen nicht locker, bis er schließlich nachgab und sagte:
»Meinetwegen schickt sie los.« Drei Tage lang suchten die fünfzig Männer nach
Elia, doch ohne Erfolg.
2Kön 2,18 Endlich kehrten sie zu Elisa zurück, der in Jericho geblieben war. Er
bemerkte nur: »Ich habe euch ja gleich gesagt, dass ihr euch die Mühe sparen
könnt!«
2Kön 2,19 Die Bürger der Stadt Jericho kamen zu Elisa und klagten: »Herr, wie du
siehst, liegt unsere Stadt in einer guten, fruchtbaren Gegend. Aber das Wasser
hier ist schlecht, und darum gibt es bei uns immer wieder Fehlgeburten.«
2Kön 2,20 Elisa befahl: »Bringt mir eine neue Schüssel, und füllt sie mit Salz!«
Sie brachten ihm die Schüssel mit Salz,
2Kön 2,21 und er ging damit vor die Stadt hinaus zur Quelle, schüttete das Salz
ins Wasser und rief: »So spricht der Herr: ›Ich mache dieses Wasser gesund; nie
mehr soll es seinetwegen Tod und Fehlgeburten geben!‹«
2Kön 2,22 Von diesem Augenblick an war das Wasser gut und ist es bis heute
geblieben, genau wie Elisa es gesagt hatte.
2Kön 2,23 Von Jericho ging Elisa wieder nach Bethel. Als er zur Stadt
hinaufwanderte, lief ihm eine Horde kleiner Jungen entgegen. Sie machten sich
über ihn lustig und riefen im Chor: »Glatzkopf, fang uns doch! Glatzkopf, fang
uns doch!«
2Kön 2,24 Elisa blieb stehen, sah sie an und verfluchte sie im Namen des Herrn.
Da kamen zwei Bärinnen aus dem Wald heraus, fielen über die Kinder her und
zerrissen zweiundvierzig von ihnen.
2Kön 2,25 Elisa wanderte weiter zum Berg Karmel, und von dort kehrte er
schließlich nach Samaria zurück.
2Kön 3,1 Joram, der Sohn Ahabs, wurde König von Israel im 18. Regierungsjahr
König Joschafats von Juda. Er regierte zwölf Jahre in Samaria.
2Kön 3,2 Auch er tat, was der Herr verabscheute, wenn auch nicht in dem Maße wie
sein Vater und seine Mutter. Immerhin entfernte er die Säule, die sein Vater zu
Ehren des Gottes Baal hatte aufstellen lassen.
2Kön 3,3 Aber wie Jerobeam, der Sohn Nebats, der die Israeliten zum Götzendienst
verführt hatte, hielt auch Joram an der Verehrung fremder Götter fest.
2Kön 3,4 Mescha, der König von Moab, besaß große Schafherden, und darum hatte er
an den König von Israel immer Schafe als Tribut entrichtet: insgesamt 100000
Lämmer und 100000 ungeschorene Schafböcke.
2Kön 3,5 Doch nach Ahabs Tod lehnte er sich gegen die Herrschaft der Israeliten
auf und weigerte sich, weiter zu zahlen.
2Kön 3,6 Da brach König Joram von Samaria auf und zog alle wehrfähigen
Israeliten ein.
2Kön 3,7 Zugleich sandte er Boten nach Juda zu König Joschafat und ließ ihm
mitteilen: »Der König von Moab hat sich gegen uns aufgelehnt und weigert sich,
weiterhin Tribut zu zahlen. Willst du zusammen mit mir gegen ihn kämpfen?«
Joschafat antwortete: »Du kannst mit mir rechnen! Ich stelle dir meine Truppen
und meine Pferde zur Verfügung.«
2Kön 3,8 Dann wollte er wissen, welchen Weg sie nehmen würden. »Wir ziehen durch
die edomitische Wüste!«, meldete Joram zurück.
2Kön 3,9 So zogen der König von Israel und der König von Juda mit ihren Truppen
los, und auch der König von Edom schloss sich ihnen an. Wie geplant schlugen sie
den Weg durch die Wüste ein. Doch weil sie einen Umweg machten, konnten sie nach
sieben Tagen kein Wasser mehr finden, weder für die Soldaten noch für die Tiere.
2Kön 3,10 »Hätten wir nur diesen Feldzug nie unternommen!«, klagte der König von
Israel. »Bestimmt hat der Herr uns in eine Falle gelockt und will uns nun dem
König von Moab ausliefern.«
2Kön 3,11 Aber Joschafat fragte: »Ist denn kein Prophet des Herrn in der Nähe,
durch den wir den Herrn befragen könnten?« »Doch«, antwortete ein Diener des
Königs von Israel, »Elisa, der Sohn Schafats, ist hier. Er war seinerzeit der
Diener Elias.«
2Kön 3,12 »Dann ist er ein echter Prophet!«, sagte Joschafat, und sogleich
gingen er, der König von Israel und der König von Edom zu Elisa.
2Kön 3,13 Doch Elisa war abweisend: »Warum kommst du denn zu mir, König von
Israel? Ich habe nichts mit dir zu schaffen! Geh doch zu den Propheten, die dein
Vater und deine Mutter angeheuert haben!« Joram erwiderte: »Meine Propheten
können nichts dafür. In diese Falle hat uns der Herr gelockt, um uns dem König
von Moab auszuliefern.«
2Kön 3,14 Da lenkte Elisa ein: »Nur weil auch König Joschafat von Juda hier ist,
gebe ich dir eine Antwort. Wäre er nicht da, würde ich dich nicht einmal
ansehen, geschweige denn irgendetwas für dich tun! Das schwöre ich bei dem
Herrn, dem allmächtigen Gott, dem ich diene.
2Kön 3,15 Und nun holt einen Mann, der Harfe spielen kann!« Während der Musiker
spielte, sprach der Herr zu Elisa und gab ihm eine Botschaft für die Könige.
Elisa rief:
2Kön 3,16 »Hört, was der Herr euch befiehlt: ›Hebt in diesem trockenen Tal
überall Gruben aus.
2Kön 3,17 Es wird zwar kein Wind aufkommen, und es wird auch nicht regnen, aber
trotzdem wird dieses Tal sich mit Wasser füllen. Dann könnt ihr alle genug
trinken, auch eure Pferde und das Vieh.‹
2Kön 3,18 Aber das ist noch nicht alles!«, fuhr Elisa fort. »Der Herr will euch
noch mehr geben. Mit seiner Hilfe werdet ihr die Moabiter besiegen.
2Kön 3,19 Ihre schönen und gut befestigten Städte werdet ihr erobern, alle
wertvollen Bäume fällen, alle Quellen im Land zuschütten und die besten Felder
mit Steinen verwüsten.«
2Kön 3,20 Am nächsten Morgen, etwa zur Zeit des Morgenopfers, waren die Gruben
im Tal mit Wasser gefüllt. Es kam von den Bergen Edoms und überschwemmte die
ganze Gegend.
2Kön 3,21 Inzwischen hatten die Moabiter erfahren, dass die drei Könige mit
ihren Truppen ausgerückt waren. Alle wehrfähigen Männer - vom ältesten bis zum
jüngsten - wurden einberufen und an die Grenze geschickt.
2Kön 3,22 Früh am Morgen zogen sie los zum Angriff. Im Licht der aufgehenden
Sonne schimmerte das Wasser im Tal blutrot.
2Kön 3,23 »Das ist Blut!«, riefen die Moabiter. »Die drei Könige und ihre
Soldaten haben sich gegenseitig umgebracht! Das gibt eine fette Beute!«
2Kön 3,24 Doch als sie sich dem feindlichen Lager näherten, stürmten die
Israeliten ihnen entgegen und schlugen sie in die Flucht. Dann verfolgten sie
die Moabiter bis in ihr Land und brachten ihnen eine schwere Niederlage bei.
2Kön 3,25 Sie machten die moabitischen Städte dem Erdboden gleich. Immer wenn
sie an einem fruchtbaren Feld vorbeikamen, warf jeder Soldat Steine darauf, bis
schließlich alle Felder vom Schutt bedeckt waren. Die Quellen schütteten sie zu
und fällten alle wertvollen Bäume. Am längsten konnte die Stadt Kir-Heres
Widerstand leisten. Doch die Israeliten umzingelten sie und beschossen sie mit
Steinschleudern.
2Kön 3,26 Der König von Moab sah ein, dass er ohne fremde Hilfe verloren war.
Darum versuchte er, mit 700 Soldaten den Belagerungsring zu durchbrechen, um zum
König von Edom vorzudringen, doch ohne Erfolg.
2Kön 3,27 In seiner Verzweiflung ließ er seinen ältesten Sohn holen, den
Thronfolger, und verbrannte ihn als Opfer auf der Stadtmauer. Darüber waren die
Israeliten so empört, dass sie die Belagerung aufhoben und nach Israel
zurückkehrten.
2Kön 4,1 Eines Tages klagte die Witwe eines Prophetenjüngers Elisa ihre Not:
»Herr, du hast doch meinen verstorbenen Mann gekannt. Du weißt, dass er dem
Herrn in allem gehorcht hat. Aber nun ist einer gekommen, dem wir noch Geld
schulden, und hat gedroht, meine beiden Söhne als Sklaven zu nehmen, wenn ich
nicht sofort bezahle.«
2Kön 4,2 »Wie kann ich dir nur helfen?«, überlegte Elisa. »Hast du noch
irgendwelche Vorräte im Haus?« Sie antwortete: »Mein Herr, außer einem kleinen
Krug mit Öl habe ich gar nichts mehr.«
2Kön 4,3 »Gut«, sagte er, »geh und leih dir von deinen Nachbarinnen leere Krüge
aus, aber nicht zu wenige!
2Kön 4,4 Dann geh mit deinen Söhnen ins Haus, und verriegle die Tür! Als
Nächstes gießt du dein Öl in die Gefäße. Sobald eins voll ist, stell es zur
Seite!«
2Kön 4,5 Die Witwe tat, was Elisa ihr aufgetragen hatte. Sie verriegelte die
Haustür hinter sich und ihren Söhnen. Die beiden Jungen reichten ihr die Krüge,
und sie goss das Öl hinein.
2Kön 4,6 Bald waren alle Gefäße voll, und als die Mutter rief: »Gebt mir noch
einen Krug!«, antwortete einer ihrer Söhne: »Wir haben keine leeren mehr!« Von
da an vermehrte sich das Öl nicht mehr.
2Kön 4,7 Die Frau eilte zu Elisa, dem Boten Gottes, und erzählte ihm, was
geschehen war. Da forderte er sie auf: »Geh nun und verkauf das Öl! Von dem
Erlös kannst du deine Schulden bezahlen, und es wird noch genug übrig bleiben,
damit du und deine Söhne davon leben können.«
2Kön 4,8 Als Elisa einmal nach Schunem kam, lud ihn eine wohlhabende Frau des
Dorfes zum Essen ein. Von da an war er jedes Mal in ihrem Haus zu Gast, wenn er
in Schunem vorbeikam.
2Kön 4,9 Eines Tages sagte die Gastgeberin zu ihrem Mann: »Ich bin sicher, dass
der Mann, der oft zu uns kommt, ein heiliger Bote Gottes ist!
2Kön 4,10 Wollen wir ihm nicht im oberen Stockwerk ein kleines Zimmer
einrichten? Wir stellen ihm ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und eine Lampe
hinein. So kann er sich zurückziehen und etwas ausruhen, wenn er uns besucht.«
2Kön 4,11 Als Elisa wieder einmal nach Schunem kam, ging er in sein neues Zimmer
hinauf und ruhte sich aus.
2Kön 4,12 [12/13] Dann befahl er seinem Diener Gehasi: »Geh zu unserer
Gastgeberin, und sag ihr: ›Du hast dir für uns so viel Mühe gemacht. Können wir
auch etwas für dich tun? Sollen wir vielleicht beim König oder beim Heerführer
ein gutes Wort für dich einlegen?‹« Gehasi ging hinunter und rief nach der Frau.
Als er sein Angebot vorgetragen hatte, wehrte sie ab: »Ach, es geht mir doch so
gut. Ich habe so viele Verwandte hier in der Stadt.«
2Kön 4,14 Als der Diener mit dieser Antwort zurückkam, fragte Elisa ihn: »Was
könnte man sonst für diese Frau tun?« Gehasi erwiderte: »Nun, die Frau hat keine
Kinder, und ihr Mann ist schon ziemlich alt.«
2Kön 4,15 Da sagte der Prophet: »Gut, ruf sie her!« Gehasi holte die Frau. Sie
kam und blieb in der Tür stehen.
2Kön 4,16 Elisa erklärte ihr: »Nächstes Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn
haben!« »Ach, mein Herr«, rief sie, »belüge mich nicht. Du bist doch ein Bote
Gottes!«
2Kön 4,17 Doch einige Zeit später wurde die Frau schwanger und brachte ein Jahr
nach diesem Gespräch einen Sohn zur Welt, genau wie Elisa es vorausgesagt hatte.
2Kön 4,18 Inzwischen war der Junge größer geworden. Eines Tages lief er aufs
Feld hinaus zu seinem Vater, der dort mit den Arbeitern Getreide erntete.
2Kön 4,19 Auf einmal begann der Junge zu jammern: »Mein Kopf tut so weh!« Sofort
befahl der Vater einem der Knechte: »Trag ihn schnell nach Hause!«
2Kön 4,20 Der Knecht brachte den Jungen nach Hause zu seiner Mutter. Sie setzte
sich hin und nahm ihn auf den Schoß. Gegen Mittag aber starb er.
2Kön 4,21 Da trug sie das tote Kind ins obere Schlafzimmer hinauf, legte es auf
das Bett des Propheten und schloss den Raum ab. Dann eilte sie auf das Feld
hinaus
2Kön 4,22 und rief ihrem Mann zu: »Ich brauche einen Knecht und eine Eselin! Ich
muss sofort zu dem Propheten. Ich bin bald wieder zurück.«
2Kön 4,23 Erstaunt fragte ihr Mann: »Warum willst du ihn ausgerechnet heute
besuchen? Es ist doch kein Feiertag, weder Neumond noch Sabbat!« Sie ging gar
nicht auf die Frage ein, sondern verabschiedete sich kurz
2Kön 4,24 und lief zurück, um die Eselin zu satteln. Dann befahl sie ihrem
Diener: »Treib das Tier tüchtig an, damit wir schnell vorankommen. Halt erst an,
wenn ich es sage!«
2Kön 4,25 So kam sie zum Propheten Elisa an den Berg Karmel. Als er sie von
weitem kommen sah, sagte er überrascht zu seinem Diener Gehasi: »Da kommt ja
unsere Gastgeberin aus Schunem!
2Kön 4,26 Lauf ihr entgegen, und frag sie, ob es ihr, ihrem Mann und dem Kind
gut geht!« »Ja, ja, es geht uns gut«, antwortete sie auf Gehasis Frage.
2Kön 4,27 Doch kaum war sie bei Elisa auf dem Berg, da fiel sie vor ihm nieder
und umklammerte seine Füße. Gehasi wollte sie wegstoßen, aber Elisa wehrte ab:
»Lass sie! Irgendetwas bedrückt sie sehr, aber ich weiß nicht was, denn der Herr
hat mir nichts gesagt.«
2Kön 4,28 Da brach es aus ihr heraus: »Habe ich dich, mein Herr, etwa um einen
Sohn gebeten? Habe ich damals nicht sogar abgewehrt und gesagt, du sollst mir
keine falschen Hoffnungen machen?«
2Kön 4,29 »Gehasi, mach dich sofort fertig zum Aufbrechen!«, befahl Elisa seinem
Diener. »Nimm meinen Stab, und eile so schnell wie möglich nach Schunem. Wenn du
unterwegs jemandem begegnest, beginn keine Unterhaltung, und wenn dich einer
anredet, gib keine Antwort! Geh und leg meinen Stab auf das Gesicht des Jungen!«
2Kön 4,30 Doch die Mutter bestand darauf, dass Elisa selbst mitkam. Sie sagte:
»So gewiss der Herr lebt und so gewiss du lebst: Ohne dich gehe ich nicht nach
Hause!« Da gab er nach und ging mit ihr.
2Kön 4,31 Gehasi war vorausgeeilt und hatte den Stab auf das Gesicht des toten
Jungen gelegt. Doch ohne Erfolg - der Junge bewegte sich nicht und gab auch
keinen Laut von sich. Da kehrte Gehasi wieder zurück, um es Elisa zu melden.
Unterwegs traf er ihn und berichtete: »Er ist nicht aufgewacht!«
2Kön 4,32 [32/33] Als Elisa in Schunem angekommen war, ging er allein hinauf in
sein Zimmer und verriegelte die Tür hinter sich. Noch immer lag das Kind
regungslos auf dem Bett. Elisa betete zum Herrn.
2Kön 4,34 Dann legte er sich so auf den toten Jungen, dass sein Mund auf dem
Mund des Kindes lag, seine Augen auf dessen Augen und seine Hände auf dessen
Händen. Während er so dalag, wurde der Leib des Toten langsam warm.
2Kön 4,35 Der Prophet stand auf, verließ das Zimmer und ging im Haus umher.
Schließlich kehrte er zurück und legte sich noch einmal auf den Jungen. Da
nieste das Kind siebenmal und schlug die Augen auf.
2Kön 4,36 Elisa rief nach Gehasi und befahl ihm: »Hol schnell unsere
Gastgeberin!« Als sie das Zimmer betrat, sagte Elisa zu ihr: »Hier ist dein
Sohn.«
2Kön 4,37 Die Frau warf sich vor dem Propheten zu Boden. Dann ging sie zusammen
mit ihrem Sohn hinunter.
2Kön 4,38 Elisa kehrte nach Gilgal zurück. Zu der Zeit herrschte im Land eine
Hungersnot. Als Elisa einmal vor den Prophetenjüngern in Gilgal sprach, befahl
er seinem Diener: »Setz den großen Topf auf, und koch den Prophetenjüngern etwas
zu essen!«
2Kön 4,39 Da ging einer der jungen Männer hinaus, um auf dem Feld nach etwas
Essbarem zu suchen. Er fand ein wildes Rankengewächs mit Früchten. Davon
pflückte er so viele, wie er in seinem Mantel tragen konnte, und eilte damit
zurück. Er schnitt die Früchte in Stücke und warf sie in den Topf, obwohl keiner
von ihnen das Gewächs kannte.
2Kön 4,40 Das Gemüse wurde an die Männer verteilt. Doch schon nach ein, zwei
Bissen konnten sie nichts mehr essen und schrien entsetzt: »Elisa, du Bote
Gottes, das Essen ist giftig, wir werden alle sterben!«
2Kön 4,41 Elisa befahl: »Bringt mir etwas Mehl!« Er schüttete das Mehl in den
Topf, rührte um und sagte: »So, nun könnt ihr es an alle austeilen und essen.«
Jetzt war das Gericht genießbar und richtete keinen Schaden an.
2Kön 4,42 Ein anderes Mal kam ein Mann aus Baal-Schalischa und brachte dem
Propheten einen Beutel frische Getreidekörner und die ersten zwanzig
Gerstenbrote vom Korn der neuen Ernte. Elisa sagte zu seinem Diener: »Verteile
es an die Prophetenjünger, damit sie sich satt essen können!«
2Kön 4,43 »Was!«, rief Gehasi erstaunt. »Diese paar Brote soll ich hundert
hungrigen Männern vorsetzen?« Doch Elisa blieb dabei: »Verteile es an alle! Denn
der Herr sagt: ›Man wird sich satt essen und sogar noch übrig lassen.‹«
2Kön 4,44 Da gab der Diener den Männern das Brot. Sie aßen, so viel sie konnten,
und doch blieb noch davon übrig, genau wie der Herr es vorausgesagt hatte.
2Kön 5,1 Naaman, der oberste Heerführer von Syrien, war ein ausgezeichneter
Soldat und Stratege. Er genoss hohes Ansehen, und der König schätzte ihn sehr,
hatte doch der Herr durch Naaman den Syrern zum Sieg über die Feinde verholfen.
Doch Naaman war aussätzig!
2Kön 5,2 In seinem Haus lebte ein israelitisches Mädchen. Syrische Soldaten
hatten es auf einem ihrer Raubzüge in das Land Israel gefangen genommen und nach
Syrien verschleppt. Sie war die Sklavin von Naamans Frau geworden.
2Kön 5,3 Eines Tages sagte das Mädchen zu seiner Herrin: »Wenn mein Herr doch
einmal zu dem Propheten gehen würde, der in Samaria lebt! Der könnte ihn von
seiner Krankheit heilen.«
2Kön 5,4 Naaman ging daraufhin zum König und berichtete ihm, was das Mädchen aus
Israel gesagt hatte.
2Kön 5,5 Der syrische König bestärkte ihn, den Propheten aufzusuchen, und gab
ihm ein Empfehlungsschreiben an den König von Israel mit. Naaman machte sich auf
den Weg. Er nahm 7 Zentner Silber, 70 Kilogramm Gold und 10 Festkleider als
Geschenke mit.
2Kön 5,6 Das Schreiben an König Joram von Israel lautete: »Der Mann, der dir
diesen Brief überreicht, ist mein Diener Naaman. Ich habe ihn zu dir gesandt,
damit du ihn von seinem Aussatz heilst.«
2Kön 5,7 Als Joram den Brief gelesen hatte, zerriss er entrüstet seine Kleider
und rief: »Bin ich etwa ein Gott, der Macht über Leben und Tod besitzt? Wie
kommt der Syrer nur darauf, einen Aussätzigen zu mir zu schicken, damit ich ihn
heile? Es liegt ja auf der Hand, was er will: Krieg will er mit uns! Und das
hier ist nur ein Vorwand.«
2Kön 5,8 Schon bald hörte auch der Prophet Elisa, dass der König voller
Entrüstung seine Kleider zerrissen hatte. Er schickte einen Boten zum Palast und
ließ Joram ausrichten: »Warum bist du so aufgebracht? Schick diesen Mann zu mir!
Er soll erkennen, dass es hier in Israel einen Propheten des wahren Gottes
gibt.«
2Kön 5,9 Kurze Zeit später fuhr Naaman mit seinem Gespann bei Elisa vor.
2Kön 5,10 Der Prophet schickte einen Diener vor das Haus, der dem syrischen
Heerführer sagen sollte: »Geh an den Jordan, und tauch siebenmal im Wasser
unter! Dann wird dein Aussatz verschwinden, und du wirst gesund sein.«
2Kön 5,11 Da wurde Naaman zornig, kehrte wieder um und schimpfte: »Ich hatte
erwartet, der Prophet würde zu mir herauskommen, sich vor mich hinstellen und
zum Herrn, seinem Gott, beten. Ich hatte mir vorgestellt, wie er seine Hand über
meine kranken Stellen hält und mich von meinem Aussatz befreit.
2Kön 5,12 Als ob unsere Flüsse Abana und Parpar, die durch Damaskus fließen,
nichts wären! Dabei sind sie viel sauberer als alle Bäche Israels! Kann ich
nicht auch darin baden und gesund werden?« Voller Wut machte er sich auf den
Heimweg.
2Kön 5,13 Doch seine Diener versuchten ihn zu beschwichtigen: »Herr, wenn der
Prophet etwas Schwieriges von dir verlangt hätte, dann hättest du es sicher auf
dich genommen. Und nun hat er dir nur befohlen, dich zu baden, damit du gesund
wirst. Dann kannst du es doch erst recht tun!«
2Kön 5,14 Naaman ließ sich umstimmen und fuhr an den Jordan hinunter. Wie der
Bote Gottes es befohlen hatte, stieg er ins Wasser und tauchte siebenmal unter.
Und tatsächlich: Seine Haut wurde wieder glatt und rein. Er war gesund.
2Kön 5,15 Da ritt er mit seinem ganzen Gefolge zum Propheten zurück und bekannte
ihm: »Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Welt einen wahren Gott gibt,
außer in Israel! Nimm darum ein Dankesgeschenk von mir an.«
2Kön 5,16 Doch Elisa wehrte ab: »So gewiss der Herr lebt, dem ich diene, ich
nehme keine Geschenke!« Naaman versuchte mit allen Mitteln, ihn zu überreden,
aber ohne Erfolg.
2Kön 5,17 Schließlich bat er: »Wenn du schon nichts willst, mein Herr, dann habe
ich einen Wunsch: Ich möchte so viel Erde von hier mitnehmen, wie zwei Maultiere
tragen können. In Zukunft will ich nämlich keinen anderen Göttern mehr Brand-
und Schlachtopfer darbringen, nur noch dem Herrn, dem Gott Israels. Ich möchte
ihn auf der Erde aus seinem Land anbeten.
2Kön 5,18 Doch eines möge der Herr mir vergeben: Wenn mein König zum Beten in
den Tempel unseres Gottes Rimmon geht, dann stützt er sich auf meinen Arm. Und
so muss ich mich auch niederwerfen, wenn er sich vor seinem Gott zu Boden wirft.
Dies möge der Herr mir vergeben!«
2Kön 5,19 Elisa antwortete nur: »Geh in Frieden!«Naaman war schon ein Stück weit
entfernt,
2Kön 5,20 da dachte Elisas Diener Gehasi: »Mein Herr war wieder einmal zu
bescheiden! Er lässt diesen Syrer Naaman einfach laufen, ohne die Geschenke
anzunehmen, die er ihm angeboten hat! So gewiss der Herr lebt: Ich werde ihn
einholen, und dann soll er wenigstens mir etwas geben.«
2Kön 5,21 Er rannte dem Syrer hinterher. Als Naaman merkte, dass ihm jemand
nachlief, sprang er vom Wagen, ging Gehasi entgegen und fragte beunruhigt: »Es
ist doch alles in Ordnung?«
2Kön 5,22 »Ja, ja«, antwortete Gehasi, »mein Herr schickt mich. Ich soll dir
ausrichten, dass soeben zwei Prophetenjünger aus dem Gebirge Ephraim zu ihm
gekommen sind. Er lässt dich fragen, ob du mir nicht einen Zentner Silber und
zwei Festkleider für sie mitgeben könntest.«
2Kön 5,23 Erfreut sagte Naaman: »Ach bitte, nimm doch zwei Zentner!« Er füllte
die Silberstücke in zwei Säcke, legte zwei Festgewänder dazu und drängte Gehasi,
die Geschenke anzunehmen. Zwei seiner Diener mussten mit Gehasi zurückkehren und
die Sachen tragen.
2Kön 5,24 Als sie am Fuße des Hügels ankamen, wo Elisa wohnte, schickte Gehasi
die beiden syrischen Diener weg, schlich sich ins Haus und versteckte das Silber
und die Kleider.
2Kön 5,25 Dann ging er zu seinem Herrn. »Wo bist du gewesen, Gehasi?«, wollte
Elisa von ihm wissen. »Ich war die ganze Zeit hier, mein Herr!«, antwortete
Gehasi.
2Kön 5,26 Doch Elisa ließ sich nichts vormachen: »Glaub nur nicht, ich hätte
nichts gemerkt! Ich war im Geiste dabei, als ein Mann vom Wagen stieg und dir
entgegen kam. Gehasi, jetzt ist nicht die Zeit, sich Geld und schöne Kleider zu
besorgen, Olivenbäume und Weinberge zu kaufen, Rinder, Schafe und Ziegen
anzuschaffen, Knechte und Mägde anzustellen.
2Kön 5,27 Der Aussatz, unter dem Naaman gelitten hat, wird nun dich befallen.
Auch deine Nachkommen werden für immer unter dieser Krankheit zu leiden haben.«
Als Gehasi das Zimmer verließ, hatte der Aussatz ihn schon befallen. Seine Haut
war schneeweiß geworden.
2Kön 6,1 Einige Prophetenjünger kamen zu Elisa und klagten: »Der
Versammlungsraum, in dem wir dir zuhören, ist zu eng geworden!
2Kön 6,2 Könnten wir nicht alle zum Jordan gehen und Holz schlagen? Wenn jeder
von uns einen Balken mitnimmt, können wir unsere Räume so vergrößern, dass wir
alle genügend Platz haben.« »Geht nur!«, antwortete Elisa.
2Kön 6,3 Da bat einer von ihnen: »Bitte, Herr, tu uns doch den Gefallen, und
begleite uns!« Der Prophet willigte ein
2Kön 6,4 und ging mit ihnen. Am Jordan fingen sie sogleich an, Bäume zu fällen.
2Kön 6,5 Dabei rutschte einem von ihnen das Eisen seiner Axt vom Stiel und fiel
ins Wasser. »O nein!«, schrie er entsetzt und wandte sich an Elisa: »Herr, was
soll ich machen? Diese Axt war nur geliehen!«
2Kön 6,6 Elisa fragte: »Wohin genau ist das Eisen gefallen?« Der Mann zeigte ihm
die Stelle. Der Prophet schnitt einen Zweig von einem Baum ab und warf ihn dort
ins Wasser. Da tauchte das Eisen plötzlich auf und schwamm an der
Wasseroberfläche.
2Kön 6,7 »Willst du es nicht herausfischen?«, forderte Elisa ihn auf. Da bückte
der Mann sich und holte das Eisen heraus.
2Kön 6,8 Der König von Syrien führte Krieg gegen Israel. Nach ausführlicher
Beratung mit seinen Heerführern entschied er, wo die syrischen Truppen ihr Lager
aufschlagen sollten.
2Kön 6,9 Zum gleichen Zeitpunkt schickte der Prophet Elisa einen Boten nach
Samaria. Er warnte König Joram von Israel davor, sein Heer an diesem Ort
vorbeiziehen zu lassen, weil die Syrer dort im Hinterhalt lagen.
2Kön 6,10 Daraufhin schickte Joram einen Spähtrupp in die Gegend und ließ sie
sorgfältig beobachten. Dasselbe wiederholte sich mehrmals.
2Kön 6,11 Als der König von Syrien davon erfuhr, war er äußerst beunruhigt. Er
ließ seine Heerführer zu sich kommen und stellte sie zur Rede: »Einer von euch
muss heimlich zu den Israeliten halten. Wer ist es?«
2Kön 6,12 »Mein König, keiner von uns ist ein Verräter!«, entgegnete einer der
Heerführer. »Dieser Prophet Elisa in Israel ist an allem schuld! Er kann dem
König von Israel sogar sagen, was du in deinem Schlafzimmer flüsterst.«
2Kön 6,13 Der König befahl: »Versucht auf der Stelle, diesen Mann zu finden!
Dann lasse ich ihn verhaften und hierher bringen.« Der König erfuhr, dass Elisa
sich in Dotan aufhielt.
2Kön 6,14 Sogleich schickte er ein großes Heer mit vielen Pferden und
Streitwagen dorthin. Es war schon dunkel, als die Truppen Dotan erreichten, und
noch in derselben Nacht umzingelten sie die Stadt.
2Kön 6,15 Als Elisas Diener früh am Morgen aufstand und vor das Haus trat, da
traute er seinen Augen kaum: Die Stadt war von einem Heer mit Pferden und
Streitwagen eingeschlossen! »Ach, mein Herr, was sollen wir jetzt bloß tun?«,
rief er.
2Kön 6,16 Doch Elisa beruhigte ihn: »Du brauchst keine Angst zu haben! Denn auf
unserer Seite steht ein noch größeres Heer.«
2Kön 6,17 Dann betete er: »Bitte, Herr, öffne ihm die Augen!« Da öffnete der
Herr Elisas Diener die Augen, und er konnte sehen, dass der ganze Berg, auf dem
die Stadt stand, von Pferden und Streitwagen aus Feuer beschützt wurde.
2Kön 6,18 Als dann die Syrer vorrückten, betete Elisa: »Herr, lass sie alle
blind werden!« Der Herr erhörte Elisas Gebet, und das ganze syrische Heer konnte
nichts mehr sehen.
2Kön 6,19 Da ging der Prophet zu den Heerführern hinaus und sagte: »Ihr habt
wohl den Weg verfehlt und seid in der falschen Stadt gelandet! Aber kommt mit,
ich will euch zu dem Mann bringen, den ihr sucht.« Er führte die Syrer in die
israelitische Hauptstadt Samaria.
2Kön 6,20 Als sie dort angekommen waren, betete Elisa: »Herr, öffne ihnen die
Augen, damit sie wieder sehen können!« Da öffnete der Herr ihnen die Augen, und
sie stellten voller Schrecken fest, dass sie sich mitten in Samaria befanden.
2Kön 6,21 Als der König von Israel seine Feinde sah, fragte er Elisa: »Soll ich
sie alle umbringen lassen? Soll ich sie erschlagen?«
2Kön 6,22 »Nein, das sollst du nicht!«, entgegnete der Prophet. »Du würdest doch
nicht einmal Soldaten erschlagen, die du im Kampf gefangen genommen hast! Gib
ihnen zu essen und zu trinken, und dann lass sie zurück zu ihrem Herrn ziehen.«
2Kön 6,23 Da ließ der König den Syrern ein herrliches Festmahl auftischen.
Nachdem sie gegessen und getrunken hatten, durften sie in ihr Land zurückkehren.
Von da an unternahmen die syrischen Truppen keine Raubzüge mehr auf
israelitisches Gebiet.
2Kön 6,24 Einige Zeit später zog König Ben-Hadad von Syrien alle seine Truppen
zusammen, marschierte in Israel ein und belagerte Samaria.
2Kön 6,25 In der eingeschlossenen Stadt brach eine große Hungersnot aus.
Schließlich kostete ein Eselskopf 80 Silberstücke, und für eine Hand voll
Taubenmist musste man 5 Silberstücke bezahlen.
2Kön 6,26 Als König Joram einmal auf der Stadtmauer umherging, flehte eine Frau
ihn an: »Hilf mir doch, mein Herr und König!«
2Kön 6,27 Er entgegnete: »Wenn schon der Herr dir nicht hilft, wie sollte dann
ich dir helfen können? Kann ich dir etwa Brot oder Wein geben?
2Kön 6,28 Was also willst du?« Da brach es aus ihr heraus: »Diese Frau da drüben
hat zu mir gesagt: ›Gib du heute deinen Sohn her, damit wir ihn essen können.
Morgen essen wir dann meinen.‹
2Kön 6,29 Also haben wir meinen Sohn gekocht und ihn gegessen. Doch als ich am
nächsten Tag zu ihr kam und sie aufforderte, nun ihren Sohn herzugeben, da hatte
sie ihn versteckt.«
2Kön 6,30 Als der König das hörte, zerriss er erschüttert sein Obergewand. Weil
er immer noch oben auf der Stadtmauer stand, konnten alle sehen, dass er auf dem
bloßen Leib nur ein Bußgewand aus grobem Sacktuch trug.
2Kön 6,31 Zornig rief er: »Gott soll mich schwer bestrafen, wenn ich nicht heute
noch Elisa, den Sohn Schafats, um einen Kopf kürzer mache!«
2Kön 6,32 Er schickte einen Boten voraus und machte sich dann selbst auf den Weg
zu Elisa. Elisa war zu Hause, und der Ältestenrat der Stadt saß gerade bei ihm.
Noch bevor der königliche Bote angekommen war, sagte Elisa zu den Männern:
»Gerade hat der König, dieser Mörder, einen Boten losgeschickt, der mir den Kopf
abschlagen soll! Lasst ihn nicht herein, sondern verriegelt die Tür! Der König
wird auch gleich hier sein.«
2Kön 6,33 Elisa hatte noch nicht ausgeredet, da waren der Bote und gleich nach
ihm der König auch schon herangeeilt. Der König fuhr Elisa an: »Der Herr hat uns
in dieses Unglück gestürzt! Warum sollte ich von ihm noch Hilfe erwarten?«
2Kön 7,1 Da ergriff Elisa das Wort. »Hört, was der Herr dazu sagt: ›Morgen um
diese Zeit könnt ihr beim Stadttor von Samaria für ein Silberstück fünf Kilo
feines Weizenmehl oder sogar zehn Kilo Gerste kaufen!‹«
2Kön 7,2 Spöttisch antwortete der hohe Offizier, der den König begleitet hatte:
»Das ist unmöglich! Sollte der Herr etwa am Himmel ein Fenster öffnen und
Getreide herunterschütten?« »Mit eigenen Augen wirst du es sehen«, gab Elisa ihm
zurück, »aber essen wirst du nichts davon!«
2Kön 7,3 Draußen vor dem Stadttor saßen vier aussätzige Männer. Sie sagten
zueinander: »Was sollen wir hier sitzen und auf den Tod warten?
2Kön 7,4 In der Stadt herrscht Hungersnot. Gehen wir in die Stadt, dann
verhungern wir, bleiben wir hier, verhungern wir auch. Warum also nicht ins
Lager der Syrer gehen? Wenn sie uns am Leben lassen, dann haben wir noch einmal
Glück gehabt. Und wenn sie uns umbringen, ist es auch egal. Hier wären wir ja
sowieso gestorben.«
2Kön 7,5 Sobald es dunkel wurde, machten die vier sich auf den Weg zum Heerlager
der Syrer. Doch als sie zu den ersten Zelten kamen, konnten sie weit und breit
keinen Menschen entdecken.
2Kön 7,6 Denn der Herr hatte die Syrer das Donnern von Pferdehufen und den Lärm
heranbrausender Streitwagen hören lassen, als ob ein riesiges Heer im Anmarsch
wäre. »Das sind die Könige der Hetiter und der Ägypter mit ihren Truppen!«,
hatten die Syrer gedacht. »Bestimmt hat der König von Israel sie zu Hilfe
gerufen! Gleich greifen sie an!«
2Kön 7,7 Hals über Kopf hatten die Syrer in der Abenddämmerung die Flucht
ergriffen. Ihre Zelte, die Pferde und Esel, ihr ganzes Hab und Gut - alles
hatten sie zurückgelassen und waren um ihr Leben gerannt.
2Kön 7,8 Als nun die vier aussätzigen Männer ins Lager kamen, gingen sie in
eines der Zelte, aßen sich erst einmal satt und stillten ihren Durst. Dann
rafften sie alles an Silber, Gold und Kleidern zusammen, was sie dort im Zelt
finden konnten, und versteckten die Schätze außerhalb des Lagers. Schnell eilten
sie zurück, gingen in das nächste Zelt und nahmen auch von dort alles mit, was
sie an Kostbarem finden konnten, um es in ihr Versteck zu bringen.
2Kön 7,9 Doch dann sagten sie zueinander: »Eigentlich ist es nicht recht, was
wir hier tun. Heute ist ein Freudentag! Wir haben eine so gute Nachricht für die
Leute in der Stadt und behalten sie für uns. Wenn wir unsere Entdeckung erst
morgen früh melden, werden wir bestraft. Kommt, lasst uns zurückgehen und im
Königspalast alles berichten!«
2Kön 7,10 Die vier eilten zur Stadt zurück, machten die Torwächter durch lautes
Rufen auf sich aufmerksam und erzählten ihnen, wie sie ins syrische Heerlager
gekommen waren, aber dort keinen Menschen angetroffen hatten: »Wir sahen und
hörten niemanden; Pferde und Esel waren an ihren Pfosten angebunden, und in den
Zelten lagen noch alle Habseligkeiten der Syrer herum.«
2Kön 7,11 Die Torwächter verbreiteten die Nachricht sofort in der ganzen Stadt,
und auch im Königspalast wurde sie gemeldet.
2Kön 7,12 Obwohl es mitten in der Nacht war, stand König Joram auf und ließ
seine Berater zu sich kommen. »Ich kann euch sagen, was die Syrer vorhaben«,
begann der König. »Sie haben längst gemerkt, dass wir am Verhungern sind. Nun
haben sie sich aus dem Lager zurückgezogen und sich in einem Hinterhalt
versteckt. Sobald wir aus der Stadt herauskommen, wollen sie uns alle gefangen
nehmen, um dann mühelos die Stadt zu erobern.«
2Kön 7,13 Da schlug einer der Berater vor: »Wir könnten doch fünf unserer
letzten Pferde anspannen und in das Lager der Syrer fahren! Wir haben ja ohnehin
nichts zu verlieren. Irgendwann werden die Tiere sterben, und auch wir halten
nicht mehr lange durch. Lasst uns hinausfahren! Dann wollen wir einmal sehen,
was geschieht!«
2Kön 7,14 Die Pferde wurden vor zwei Streitwagen gespannt. Der König gab den
Wagenlenkern den Auftrag, das Versteck der Syrer aufzuspüren.
2Kön 7,15 Die Kundschafter machten sich auf und folgten dem Weg, den das Heer
genommen haben musste. Sie sahen überall Kleider und Waffen herumliegen, die die
Syrer weggeworfen hatten, um schneller fliehen zu können. Beim Jordan kehrten
sie um, eilten nach Samaria zurück und berichteten dem König, was sie gesehen
hatten.
2Kön 7,16 Da strömten die Einwohner der Stadt in das verlassene Lager hinaus und
plünderten es. Und was der Herr angekündigt hatte, das traf nun ein: Für ein
Silberstück bekam man fünf Kilo feines Weizenmehl oder sogar zehn Kilo Gerste!
2Kön 7,17 Der König hatte den hohen Offizier, mit dem er am Tag zuvor zu Elisa
gegangen war, zum Stadttor geschickt, um dort für Ordnung zu sorgen. Doch die
aufgeregte Volksmenge trampelte ihn zu Tode. So traf ein, was der Prophet
vorausgesagt hatte, als der König und sein Begleiter bei ihm waren.
2Kön 7,18 Elisa hatte ja zum König gesagt, dass man am folgenden Tag beim
Stadttor für ein einziges Silberstück fünf Kilo feines Weizenmehl oder sogar
zehn Kilo Gerste kaufen könnte.
2Kön 7,19 Darauf hatte der Offizier spöttisch geantwortet: »Das ist unmöglich!
Sollte der Herr etwa am Himmel ein Fenster öffnen und Getreide
herunterschütten?« Da hatte der Prophet ihm erwidert: »Mit eigenen Augen wirst
du es sehen, aber essen wirst du nichts davon!«
2Kön 7,20 Und so geschah es nun: Die aufgeregte Volksmenge trampelte ihn beim
Stadttor zu Tode.
2Kön 8,1 Elisa hatte der Frau, deren Sohn er wieder zum Leben erweckt hatte,
geraten: »Zieh mit deiner Familie und mit deiner ganzen Verwandtschaft weg von
hier, und lass dich vorübergehend irgendwo im Ausland nieder! Denn der Herr
lässt eine Hungersnot über das Land kommen, die sieben Jahre dauern wird.«
2Kön 8,2 Da hatte die Frau ihre Sachen gepackt und war mit ihren Angehörigen ins
Ausland gezogen, wie der Prophet ihr geraten hatte. Sie hatte sich im Land der
Philister niedergelassen.
2Kön 8,3 Als die sieben Jahre vorüber waren, kehrte sie nach Israel zurück. Doch
inzwischen hatten andere von ihrem Haus und ihrem Land Besitz ergriffen. Da
wandte sie sich hilfesuchend an den König.
2Kön 8,4 Als sie an den Hof kam, unterhielt der König sich gerade mit Elisas
Diener Gehasi. Der König hatte ihn gebeten, ihm von allen großen Taten des
Propheten zu berichten.
2Kön 8,5 Gerade als Gehasi erzählte, wie Elisa den toten Jungen wieder zum Leben
erweckt hatte, kam die Frau herein und bat den König, ihr im Rechtsstreit um ihr
Haus und ihre Felder zu helfen. Da sagte Gehasi: »Mein Herr und König, das ist
die Frau, von der ich dir eben erzählt habe, und der Junge bei ihr - das ist ihr
Sohn, den Elisa wieder lebendig gemacht hat!«
2Kön 8,6 »Stimmt das?«, fragte der König die Frau, und sie erzählte ihm noch
einmal alles. Da gab er ihr einen Hofbeamten mit und befahl ihm: »Sorge dafür,
dass sie ihren gesamten Besitz wieder zurückbekommt! Man soll ihr auch den
ganzen Ertrag vergüten, den die Felder abgeworfen haben, seit dem Tag ihrer
Abreise bis heute.«
2Kön 8,7 Eines Tages kam Elisa nach Damaskus. Zu dieser Zeit lag der syrische
König Ben-Hadad krank im Bett. Als man ihm berichtete, der Prophet aus Israel
sei in der Stadt,
2Kön 8,8 befahl er seinem Diener Hasaël: »Geh zu dem Boten Gottes, nimm
Geschenke mit, und frag durch ihn den Herrn, ob ich wieder gesund werde.«
2Kön 8,9 Hasaël ließ vierzig Kamele mit kostbaren Geschenken aus Damaskus
beladen, ging zu Elisa und sagte: »Dein ergebener Diener, König Ben-Hadad von
Syrien, hat mich zu dir gesandt. Er lässt dich fragen, ob er wieder gesund
wird.«
2Kön 8,10 Elisa antwortete: »Geh und richte ihm aus, dass er wieder gesund wird.
Allerdings hat der Herr mir gezeigt, dass er trotzdem sterben muss!«
2Kön 8,11 Bei diesen Worten wurde Elisas Gesicht sehr ernst, und er sah Hasaël
so durchdringend an, dass dieser verlegen den Blick senkte. Plötzlich begann der
Prophet zu weinen.
2Kön 8,12 »Mein Herr, warum weinst du?«, fragte Hasaël, und er antwortete: »Weil
ich weiß, welches Leid du den Israeliten zufügen wirst: Ihre Städte wirst du in
Brand setzen und ihre jungen Männer mit dem Schwert umbringen. Du wirst ihre
Säuglinge zerschmettern und den schwangeren Frauen den Bauch aufschlitzen.«
2Kön 8,13 Hasaël erwiderte: »Ach mein Herr, wer bin ich schon! Wann sollte ich
je so mächtig sein, dass ich so etwas tun könnte?« Da sagte Elisa zu ihm: »Der
Herr hat mir gezeigt, dass du König über Syrien wirst.«
2Kön 8,14 Danach ging Hasaël zu seinem Herrn zurück. Ben-Hadad fragte ihn
sofort: »Was hat Elisa dir gesagt?« »Er hat mir versichert, dass du wieder
gesund wirst«, antwortete Hasaël.
2Kön 8,15 Doch schon am nächsten Tag nahm der Diener eine Decke, tauchte sie ins
Wasser und presste sie dem König so lange aufs Gesicht, bis er erstickt war.
Dann wurde Hasaël an Ben-Hadads Stelle König.
2Kön 8,16 Joram, der Sohn Joschafats, wurde König von Juda im 5. Regierungsjahr
König Jorams von Israel, des Sohnes Ahabs. Die erste Zeit regierte er noch
zusammen mit seinem Vater Joschafat.
2Kön 8,17 Joram wurde mit 32 Jahren König und regierte acht Jahre in Jerusalem.
2Kön 8,18 Er war mit einer Tochter Ahabs verheiratet und folgte in allem dem
schlechten Vorbild seines Schwiegervaters. Er verehrte Götzen wie die Könige von
Israel und tat, was der Herr verabscheute.
2Kön 8,19 Doch der Herr wollte Juda nicht vernichten, weil er seinem Diener
David versprochen hatte: »Immer wird einer deiner Nachkommen König über Juda
sein.«
2Kön 8,20 Während Jorams Regierungszeit sagten sich die Edomiter von der
Herrschaft Judas los und ernannten einen eigenen König.
2Kön 8,21 Da zog König Joram mit allen seinen Streitwagen in die Gegend von
Zaïr. Dort umzingelten die edomitischen Truppen ihn und seine
Streitwagenoffiziere. In der folgenden Nacht gelang es den Eingeschlossenen
zwar, die Reihen der Edomiter zu durchbrechen; doch inzwischen hatten die
anderen Israeliten schon die Flucht ergriffen und waren nach Israel
zurückgekehrt.
2Kön 8,22 So konnte sich Edom endgültig von der Herrschaft Judas befreien und
ist bis heute unabhängig geblieben. Zur gleichen Zeit lehnte sich auch Libna
gegen Juda auf und machte sich unabhängig.
2Kön 8,23 Alles Weitere über Jorams Leben steht in der Chronik der Könige von
Juda.
2Kön 8,24 Als Joram starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, im Grab der Königsfamilie beigesetzt. Sein Sohn Ahasja wurde sein
Nachfolger.
2Kön 8,25 Ahasja, der Sohn Jorams von Juda, wurde König von Juda im 12.
Regierungsjahr König Jorams von Israel, des Sohnes Ahabs.
2Kön 8,26 Seine Mutter hieß Atalja. Sie war eine Enkelin Omris, des früheren
Königs von Israel. Ahasja wurde mit 22 Jahren König und regierte ein Jahr in
Jerusalem.
2Kön 8,27 Wie Ahab und seine Familie tat auch er, was der Herr verabscheute.
Denn er war mit dem israelitischen Königshaus verschwägert und diente den Götzen
genau wie seine Verwandten.
2Kön 8,28 Ahasja zog mit Joram, dem Sohn Ahabs, in den Krieg gegen König Hasaël
von Syrien. Bei Ramot in Gilead kam es zur Schlacht. Joram wurde dabei
verwundet.
2Kön 8,29 Deshalb zog er sich nach Jesreel zurück, um sich von seinen
Verletzungen zu erholen. Dort besuchte ihn König Ahasja von Juda, der Sohn
Jorams.
2Kön 9,1 Eines Tages rief Elisa einen Prophetenjünger zu sich und befahl ihm:
»Mach dich sofort auf nach Ramot in Gilead! Nimm diesen Ölkrug mit!
2Kön 9,2 In Ramot sollst du einen gewissen Jehu suchen. Er ist ein Sohn
Joschafats und Enkel Nimschis. Ruf ihn von den anderen Heerführern weg, und geh
mit ihm in einen Raum, wo ihr ungestört miteinander reden könnt!
2Kön 9,3 Dort hol deinen Ölkrug hervor, und gieß Jehu das Öl über den Kopf. Sag
ihm: ›So spricht der Herr: Ich habe dich zum König über Israel gesalbt.‹ Danach
darfst du keinen Augenblick länger dort bleiben! Du musst sofort fliehen!«
2Kön 9,4 Der Prophetenjünger, der ein Diener Elisas war, machte sich auf den Weg
nach Ramot in Gilead.
2Kön 9,5 Als er dort ankam, saßen gerade alle Heerführer zusammen. Er ging zu
ihnen und sagte: »Ich muss mit dem Heerführer reden!« »Mit welchem von uns?«,
fragte Jehu den Mann, und er antwortete: »Mit dir!«
2Kön 9,6 Da stand Jehu auf und ging mit ihm ins Haus. Der Prophet goss das Öl
über Jehus Kopf und sagte: »So spricht der Herr, der Gott Israels: ›Ich habe
dich zum König über mein Volk Israel gesalbt.
2Kön 9,7 Du sollst alle Nachkommen König Ahabs, deines Herrn, umbringen, denn
sie haben meine Diener, die Propheten, ermordet! So räche ich mich an ihnen und
an Isebel. Sie hat das Leben von so vielen Menschen auf dem Gewissen, die mir
gedient haben.
2Kön 9,8 Keiner aus Ahabs Familie soll überleben. In ganz Israel werde ich alle
männlichen Nachkommen von ihm ausrotten, ob jung oder alt.
2Kön 9,9 Es wird dem Geschlecht Ahabs ergehen wie den Geschlechtern Jerobeams,
des Sohnes Nebats, und Baschas, des Sohnes Ahijas.
2Kön 9,10 Isebel wird nicht begraben, sondern die Hunde werden sie fressen auf
einem Grundstück in Jesreel.‹« Nach diesen Worten verließ der Prophetenjünger
das Haus und floh.
2Kön 9,11 Als Jehu wieder herauskam und sich zu den anderen Heerführern setzte,
fragten sie ihn: »Ist alles in Ordnung? Was wollte dieser Verrückte von dir?«
Jehu antwortete ausweichend: »Ach, ihr kennt doch diese Sorte Menschen und ihr
Geschwätz!«
2Kön 9,12 Doch sie gaben sich nicht zufrieden: »Mach uns doch nichts vor! Was
wollte er? Los, heraus mit der Sprache!« Schließlich berichtete Jehu, was der
Mann ihm gesagt hatte und dass er ihn auf Befehl des Herrn zum König über Israel
gesalbt hatte.
2Kön 9,13 Da zogen die Heerführer schnell ihre Mäntel aus und legten sie vor
Jehu als Teppich auf die Treppe. Dann bliesen sie in das Signalhorn und riefen:
»Es lebe Jehu, unser König!«
2Kön 9,14 Sofort plante Jehu, König Joram zu stürzen. Joram hatte mit seinem
ganzen Heer Ramot in Gilead gegen König Hasaël von Syrien verteidigt.
2Kön 9,15 Die Syrer hatten Joram im Kampf verwundet, deshalb war er wieder nach
Jesreel zurückgekehrt, um sich dort von seinen Verletzungen zu erholen. Nun
sagte Jehu zu den anderen Heerführern: »Wenn ihr wirklich hinter mir steht, dann
passt auf, dass keiner die Stadt verlassen kann! Sonst läuft jemand nach Jesreel
und verrät uns.«
2Kön 9,16 Dann stieg er auf seinen Wagen und jagte mit ein paar Streitwagen zu
König Joram nach Jesreel. In diesen Tagen war König Ahasja von Juda gerade zu
Besuch bei Joram.
2Kön 9,17 Der Wächter auf dem Turm von Jesreel sah die Truppe Jehus auf die
Stadt zukommen und meldete es dem König. Joram befahl: »Schick ihnen einen
Reiter entgegen! Er soll sie fragen, ob sie in friedlicher Absicht kommen.«
2Kön 9,18 Der Soldat ritt der Truppe entgegen und rief: »Der König lässt fragen,
ob ihr in friedlicher Absicht kommt.« »Was geht dich das an?«, entgegnete Jehu.
»Los, schließ dich meinen Leuten an!« Der Wächter in Jesreel meldete dem König:
»Der Bote ist zu der Schar gestoßen, aber er kehrt nicht mehr zurück!«
2Kön 9,19 Da wurde ein zweiter Reiter zu Jehu geschickt. Als er die Truppe
erreicht hatte, sagte auch er zu Jehu: »Der König lässt fragen, ob ihr in
friedlicher Absicht kommt.« »Was geht dich das an?«, fragte Jehu wieder. »Los,
schließ dich meinen Leuten an!«
2Kön 9,20 Und wieder meldete der Wächter: »Er ist zu ihnen gestoßen, aber er
kehrt nicht mehr zurück! Der Anführer der Truppe kann nur Jehu sein, der Sohn
Nimschis, denn er fährt wie ein Verrückter!«
2Kön 9,21 Da ließ König Joram sofort seinen Wagen anspannen und fuhr Jehu selbst
entgegen. König Ahasja von Juda begleitete ihn auf seinem Wagen. Genau auf dem
Grundstück, das Nabot aus Jesreel gehört hatte, trafen die beiden Könige mit
Jehu zusammen.
2Kön 9,22 Sobald Joram seinen Heerführer sah, rief er ihm zu: »Kommst du in
friedlicher Absicht, Jehu?« Jehu schrie zurück: »Wie kann Friede sein, solange
deine Mutter Isebel fremden Götzen nachläuft und sich ständig mit Zauberei
abgibt!«
2Kön 9,23 Da rief Joram Ahasja zu: »Das ist ein Aufstand, Ahasja!« Er kehrte um
und floh.
2Kön 9,24 Doch Jehu nahm seinen Bogen, zielte und traf Joram zwischen die
Schulterblätter. Der Pfeil drang dem König ins Herz, so dass er auf der Stelle
tot zusammenbrach.
2Kön 9,25 Jehu sagte zu Bidkar, dem Offizier bei ihm im Wagen: »Nimm ihn vom
Wagen, und wirf ihn auf das Grundstück Nabots! Erinnerst du dich, wie wir beide
einmal in einem zweispännigen Wagen hinter Jorams Vater Ahab herfuhren und wie
der Herr ihm durch einen Propheten sagen ließ:
2Kön 9,26 ›Ich habe genau gesehen, wie du Nabot und seine Söhne hast umbringen
lassen. Auf dem Grundstück, das Nabot gehörte, werde ich, der Herr, dich für die
Morde bestrafen.‹ Wirf ihn also auf dieses Grundstück, damit eintrifft, was der
Herr vorausgesagt hat!«
2Kön 9,27 Als König Ahasja von Juda sah, was geschehen war, floh er in Richtung
Bet-Gan. Jehu jagte ihm nach und befahl seinen Soldaten: »Schießt auch auf ihn!«
Bei der Steigung von Gur in der Nähe von Jibleam wurde Ahasja getroffen, floh
aber weiter. Er kam noch bis nach Megiddo, wo er schließlich starb.
2Kön 9,28 Seine Diener brachten den Leichnam auf einem Wagen nach Jerusalem und
begruben ihn dort in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil Jerusalems, im Grab der
Königsfamilie.
2Kön 9,29 Ahasja war im 11. Regierungsjahr Jorams, des Sohnes Ahabs, König über
Juda geworden.
2Kön 9,30 Danach fuhr Jehu nach Jesreel hinein. Isebel, die von seinem Kommen
wusste, schminkte sich die Augen, frisierte ihr Haar und lehnte sich aus dem
Fenster.
2Kön 9,31 Als Jehu zum Palasttor hereinkam, rief sie hinunter: »Wie fühlt man
sich denn so als Königsmörder? Du bist wie Simri, der seinen Herrn umgebracht
hat!«
2Kön 9,32 Jehu sah hinauf und rief: »Wer im Palast hält zu mir?« Zwei oder drei
Hofbeamte schauten heraus.
2Kön 9,33 »Werft sie herunter!«, befahl Jehu ihnen. Da stürzten sie die Königin
aus dem Fenster. Bei ihrem Aufprall spritzte das Blut an die Mauer und an die
Pferde. Jehu fuhr über ihre Leiche hinweg,
2Kön 9,34 ging in den Palast und stillte erst einmal seinen Hunger und Durst.
Dann befahl er: »Seht nach dieser von Gott verfluchten Frau, und beerdigt sie!
Trotz allem war Isebel die Tochter eines Königs.«
2Kön 9,35 Doch die Diener, die sie begraben wollten, fanden von ihr nur noch den
Schädel, die Füße und die Hände.
2Kön 9,36 Sie kamen zu Jehu zurück und meldeten es ihm. Da sagte er: »Nun ist
alles so eingetroffen, wie der Herr es durch seinen Diener Elia aus Tischbe
angekündigt hat: ›Auf einem Grundstück in Jesreel sollen die Hunde Isebels
Fleisch fressen.
2Kön 9,37 Ja, auf einem Feld soll ihre Leiche zerfetzt werden und wie Mist auf
dem Acker verstreut liegen. Niemand wird sie mehr als Isebel wiedererkennen.‹«
2Kön 10,1 In Samaria wohnten noch siebzig Söhne und Enkel Ahabs. Jehu schickte
Briefe nach Samaria an die einflussreichen Männer der Stadt: an die königlichen
Beamten aus Jesreel, an den Ältestenrat der Stadt und an die Erzieher der Söhne
und Enkel Ahabs. Die Briefe lauteten:
2Kön 10,2 »Ihr wohnt in einer befestigten Stadt und besitzt Waffen, Streitwagen
und Pferde. Bei euch leben die Nachkommen eures Königs. Darum fordere ich euch
mit diesem Brief auf:
2Kön 10,3 Sucht den tüchtigsten und fähigsten der Königssöhne aus, und krönt ihn
zum Nachfolger seines Vaters. Dann kämpft für euren König!«
2Kön 10,4 Doch die führenden Männer in Samaria hatten große Angst. Sie
überlegten sich: »Nicht einmal die beiden Könige Joram und Ahasja konnten Jehu
Widerstand leisten. Wie sollten wir es dann können?«
2Kön 10,5 Darum schickten der Palastverwalter und der Stadtoberste zusammen mit
den Ältesten und den Erziehern folgende Antwort an Jehu: »Wir sind deine Diener
und wollen alles tun, was du von uns verlangst. Wir wollen keinen anderen König
als dich. Tu, was du für richtig hältst.«
2Kön 10,6 Da schickte Jehu einen zweiten Brief nach Samaria. Darin hieß es:
»Wenn ihr wirklich zu mir halten und meinen Befehlen gehorchen wollt, dann kommt
morgen um diese Zeit zu mir nach Jesreel, und bringt mir die Köpfe aller
Nachkommen König Ahabs!« Die siebzig Söhne und Enkel Ahabs wohnten nämlich bei
den vornehmsten Bürgern Samarias und wurden von ihnen erzogen.
2Kön 10,7 Als die einflussreichen Männer der Stadt den Brief gelesen hatten,
ließen sie sofort alle siebzig Nachkommen Ahabs enthaupten, legten die Köpfe in
Körbe und schickten sie zu Jehu nach Jesreel.
2Kön 10,8 Ein Diener meldete Jehu, man habe die Köpfe der Söhne und Enkel Ahabs
gebracht. Da befahl Jehu: »Werft sie bis morgen früh beim Stadttor auf zwei
Haufen!«
2Kön 10,9 Am nächsten Morgen ging Jehu hinaus, stellte sich beim Tor auf und
rief der Volksmenge zu: »Euch trifft keine Schuld an Jorams Tod. Ich allein habe
die Verschwörung gegen unseren König angezettelt, und ich habe ihn auch
umgebracht. Doch seine Söhne und Enkel hier habe nicht ich enthauptet!
2Kön 10,10 Heute kann jeder von euch sehen: Was der Herr König Ahab und seiner
Familie vorausgesagt hat, ist nun eingetroffen! Jede einzelne Drohung hat sich
erfüllt. Es ist alles so gekommen, wie der Herr es durch seinen Diener Elia
angekündigt hat.«
2Kön 10,11 Danach ließ Jehu auch die Angehörigen Ahabs in Jesreel umbringen,
außerdem alle hohen Beamten und engen Vertrauten des Königs und seine Priester.
Nicht einer von ihnen konnte entkommen.
2Kön 10,12 Schließlich machte er sich auf den Weg nach Samaria. Unterwegs bei
Bet-Eked-Roïm
2Kön 10,13 traf er einige Männer, die mit König Ahasja von Juda verwandt waren.
»Wer seid ihr?«, fragte Jehu, und sie antworteten: »Wir sind Verwandte König
Ahasjas von Juda und sind unterwegs nach Samaria. Dort wollen wir die Söhne von
König Ahab und Königin Isebel besuchen.«
2Kön 10,14 Da befahl Jehu seinen Leuten: »Packt sie!« Sie nahmen die Männer fest
und brachten sie zur Zisterne von Bet-Eked. Dort wurden alle hingerichtet. Es
waren zweiundvierzig Männer. Keiner von ihnen konnte entkommen.
2Kön 10,15 Als Jehu seinen Weg nach Samaria fortsetzte, begegnete ihm Jonadab,
ein Sohn Rechabs. Jehu grüßte ihn und fragte: »Du denkst doch so wie ich. Kann
ich dir trauen?« »Ja«, antwortete Jonadab. »Dann gib mir die Hand darauf!«,
sagte Jehu. Jonadab reichte ihm die Hand, und Jehu ließ ihn auf seinen Wagen
steigen.
2Kön 10,16 »Komm mit«, forderte er ihn auf, »und sieh, wie sehr ich für den
Herrn kämpfe!« So fuhr Jonadab mit Jehu nach Samaria.
2Kön 10,17 Jehu brachte alle Angehörigen Ahabs um, die dort noch zurückgeblieben
waren. Die ganze Familie Ahabs wurde ausgelöscht. Dadurch erfüllte sich, was der
Herr damals durch seinen Diener Elia vorausgesagt hatte.
2Kön 10,18 Danach rief Jehu das ganze Volk zusammen und kündigte an: »Schon Ahab
hat unseren Gott Baal verehrt, aber ich, Jehu, diene ihm noch viel eifriger!
2Kön 10,19 [19/20] Ich habe bereits das erste große Opferfest für ihn
vorbereitet. Ruft deshalb alle Propheten Baals, alle Priester und alle, die ihm
dienen, hierher! Keiner von ihnen darf fehlen! Wer nicht kommt, wird mit dem
Tode bestraft. Ruft ein großes Opferfest aus!« So stellte Jehu den Anhängern
Baals eine Falle, um sie alle umzubringen. Das Fest wurde überall angekündigt.
2Kön 10,21 Jehu schickte seine Boten durch das ganze Land Israel. Aus allen
Gegenden strömten die Leute, die Baal verehrten, zu seinem Tempel, bis er zum
Bersten voll war.
2Kön 10,22 Vor Beginn des Festes befahl Jehu dem Verwalter der königlichen
Kleiderkammer, allen Anhängern Baals Festkleider zu geben.
2Kön 10,23 Danach gingen Jehu und Jonadab, der Sohn Rechabs, zusammen in den
Baalstempel. Jehu sagte zu den Anhängern Baals: »Schaut noch einmal nach, ob
sich wirklich keiner im Tempel aufhält, der den Herrn verehrt. Bei dem Opfer
dürfen nur Leute dabei sein, die Baal dienen!«
2Kön 10,24 Während die beiden nach vorne zum Altar gingen, um Schlacht- und
Brandopfer darzubringen, stellten sich rund um den Tempel achtzig Mann auf. Jehu
hatte sie bestellt und ihnen angedroht: »Wehe dem, der einen einzigen dieser
Baalsverehrer entkommen lässt! Mit seinem eigenen Leben muss er es bezahlen. Ich
will, dass ihr sie alle umbringt!«
2Kön 10,25 Sobald Jehu das Brandopfer dargebracht hatte, befahl er seinen
Leibwächtern und Offizieren: »Geht hinein, und tötet sie! Keiner darf
entkommen!« Da stachen die Leibwächter und Offiziere Jehus alle im Tempel mit
ihren Schwertern nieder und warfen die Leichen hinaus. Dann drangen sie in den
innersten Raum des Tempels ein,
2Kön 10,26 holten die geweihten Steinsäulen Baals heraus und warfen sie ins
Feuer.
2Kön 10,27 Die Gedenksäule Baals stürzten sie um und rissen den ganzen Tempel
nieder. Bis heute wird dieser Ort als öffentlicher Abort benutzt.
2Kön 10,28 So bereitete Jehu der Verehrung Baals in Israel ein Ende.
2Kön 10,29 Doch er betete weiterhin die goldenen Stierfiguren in Bethel und Dan
an und beging damit die gleiche Sünde wie Jerobeam, der Sohn Nebats, der die
Israeliten zum Götzendienst verführt hatte.
2Kön 10,30 Eines Tages sprach der Herr zu Jehu: »Du hast Ahabs Familie
ausgelöscht, so wie ich es für sie vorgesehen hatte. Weil du damit das getan
hast, was ich wollte, werden deine Nachkommen noch bis zur vierten Generation
über Israel herrschen.«
2Kön 10,31 Doch Jehu lebte nicht völlig nach dem Gesetz des Herrn, des Gottes
Israels. Er hielt an dem Götzendienst fest, mit dem schon Jerobeam, der Sohn
Nebats, die Israeliten zur Sünde verführt hatte.
2Kön 10,32 Während der Regierungszeit Jehus begann der Herr, das Gebiet Israels
zu verkleinern: König Hasaël von Syrien eroberte das ganze Gebiet
2Kön 10,33 östlich des Jordans, angefangen bei Baschan über die Gebiete der
Stämme Gad, Ruben und Manasse - also ganz Gilead - bis nach Aroër am Fluss
Arnon.
2Kön 10,34 Alles Weitere über Jehus Leben und seine militärischen Erfolge ist in
der Chronik der Könige von Israel festgehalten.
2Kön 10,35 [35/36] Er regierte achtundzwanzig Jahre in Samaria. Dort wurde er
auch begraben. Sein Sohn Joahas wurde sein Nachfolger.
2Kön 11,1 Als Ahasjas Mutter Atalja erfuhr, dass ihr Sohn tot war, ließ sie alle
königlichen Nachkommen umbringen.
2Kön 11,2 Nur Ahasjas Sohn Joasch überlebte, weil seine Tante Joscheba, eine
Tochter König Jorams und Schwester Ahasjas, ihn rechtzeitig vor Atalja gerettet
hatte. Heimlich hatte sie ihn aus seinem Zimmer geholt und ihn zusammen mit
seiner Amme in einer Kammer versteckt, in der Bettzeug aufbewahrt wurde.
2Kön 11,3 Später nahm sie ihn zu sich und hielt ihn sechs Jahre im Tempelbereich
verborgen. In dieser Zeit herrschte Atalja als Königin über Juda.
2Kön 11,4 Im 7. Regierungsjahr Ataljas ließ der Priester Jojada alle Offiziere
der Palastwache und der königlichen Leibwache zu sich in den Tempel des Herrn
kommen und schloss mit ihnen einen Pakt. Mit einem Eid ließ er sie bekräftigen,
dass sie seinen Plänen zustimmten. Dann führte er ihnen Joasch, den rechtmäßigen
König, vor
2Kön 11,5 und gab ihnen einige Anweisungen: »Die Abteilung, die am nächsten
Sabbat ihren Dienst antritt, soll sich in drei Gruppen aufteilen. Die erste soll
wie gewohnt beim Palast Wache halten,
2Kön 11,6 die zweite beim Tor Sur und die dritte beim Tor, hinter dem die
königliche Leibgarde steht. Auf diese Weise könnt ihr den Tempel immer im Auge
behalten.
2Kön 11,7 Die zwei Abteilungen aber, die am Sabbat abtreten, sollen in den
Tempel des Herrn kommen, um König Joasch zu bewachen.
2Kön 11,8 Sie sollen einen Kreis um ihn bilden und ihn mit der Hand an der Waffe
auf Schritt und Tritt begleiten. Wer in diesen Kreis eindringen will, wird auf
der Stelle getötet.«
2Kön 11,9 Die Offiziere befolgten die Anweisungen des Priesters Jojada. Am
nächsten Sabbat kamen alle mit ihren Männern zu ihm - sowohl die Abteilungen,
die vom Dienst abtraten, als auch die Abteilung, die antrat.
2Kön 11,10 Der Priester gab den Offizieren die Speere und Schilde, die seit
König Davids Regierungszeit im Tempel aufbewahrt wurden, und die Offiziere
verteilten sie an ihre Soldaten.
2Kön 11,11 Dann stellten die Soldaten der Leibgarde sich in einem Halbkreis auf,
der von der Südseite des Tempels um den Brandopferaltar herum bis zur Nordseite
reichte. Jeder hielt seine Waffe griffbereit. So war Joasch ringsum geschützt.
2Kön 11,12 Nun führte Jojada ihn heraus, um ihn zum König zu krönen. Er setzte
ihm die Krone auf, gab ihm das Königsgesetz in die Hand und salbte ihn zum
König. Da klatschten alle und riefen: »Hoch lebe der König!«
2Kön 11,13 Als Atalja das Freudengeschrei der Leibwächter und der Volksmenge
hörte, kam auch sie zum Tempel.
2Kön 11,14 Bei der Säule, wo nach altem Brauch der Platz des Königs war, sah sie
einen neuen König stehen, umgeben von Offizieren und Trompetern. Aus ganz Juda
war das Volk zusammengeströmt. Alle jubelten vor Freude, und die Trompeten
erklangen. Entsetzt zerriss Atalja ihr Obergewand und schrie: »Verrat, Verrat!«
2Kön 11,15 Der Priester Jojada sagte zu den Offizieren, die den Befehl über die
Abteilungen hatten: »Führt sie aus dem Tempelbereich hinaus! Sie soll nicht hier
im Heiligtum getötet werden. Wer ihr aber folgt, den stecht an Ort und Stelle
mit dem Schwert nieder!«
2Kön 11,16 Da ergriffen sie Atalja und brachten sie auf dem Weg, den die Reiter
immer nahmen, zum Palast. Dort wurde sie getötet.
2Kön 11,17 Inzwischen ließ Jojada den König und das Volk einen Bund mit dem
Herrn schließen. Sie bekräftigten darin, dass sie als Volk dem Herrn gehören
wollten. Jojada veranlasste auch einen Bund zwischen dem Volk und dem neuen
König.
2Kön 11,18 Dann stürmten alle in den Tempel Baals und rissen ihn nieder. Sie
zertrümmerten die Altäre und Götzenfiguren und töteten Mattan, den Priester
Baals, bei den Altären. Am Tempel des Herrn stellte Jojada Wachen auf.
2Kön 11,19 Zugleich befahl er den Offizieren, den Soldaten der Palastwache und
der Leibgarde sowie dem ganzen Volk, einen Zug zu bilden. Sie geleiteten den
König aus dem Tempel durch das Tor der Leibwächter zum Palast hinab. Dort setzte
er sich auf den Königsthron.
2Kön 11,20 Die ganze Bevölkerung Judas freute sich mit. In Jerusalem selbst
dagegen verhielt man sich ruhig, nachdem Atalja getötet worden war.
2Kön 12,1 Joasch war 7 Jahre alt, als er König von Juda wurde.
2Kön 12,2 Er trat die Herrschaft im 7. Regierungsjahr König Jehus von Israel an
und regierte vierzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Zibja und stammte aus
Beerscheba.
2Kön 12,3 Sein Leben lang tat Joasch, was dem Herrn gefiel, denn der Priester
Jojada unterwies ihn.
2Kön 12,4 Nur die Höhenheiligtümer ließ er nicht entfernen. Das Volk brachte
dort weiterhin seine Opfer dar.
2Kön 12,5 Eines Tages erklärte Joasch den Priestern: »Das Geld, das als heilige
Gabe in den Tempel gebracht wird, soll euch Priestern gehören. Das betrifft die
Tempelsteuer, das Geld zur Einlösung von Gelübden und die freiwilligen Spenden
für den Tempel des Herrn.
2Kön 12,6 All diese Gelder sollen die Geldeinnehmer an euch Priester
weitergeben. Davon müsst ihr aber auch die Reparaturen bezahlen, die am Tempel
anfallen.«
2Kön 12,7 Doch als im 23. Regierungsjahr König Joaschs am Tempel immer noch
nichts ausgebessert worden war,
2Kön 12,8 rief der König Jojada und die anderen Priester zu sich und stellte sie
zur Rede: »Warum habt ihr die Schäden am Tempel immer noch nicht reparieren
lassen? Ab sofort dürft ihr das Geld, das die Geldeinnehmer euch geben, nicht
mehr für euch selbst behalten, sondern ihr müsst alles für die
Ausbesserungsarbeiten am Tempel abgeben.«
2Kön 12,9 Die Priester waren einverstanden, auf die Abgaben des Volkes zu
verzichten, dafür aber auch nicht mehr für die Ausbesserungen am Tempel
verantwortlich zu sein.
2Kön 12,10 Der Priester Jojada nahm einen Kasten, bohrte ein Loch in seinen
Deckel und stellte ihn neben den Altar rechts vom Tempeleingang. In diesen
Kasten legten die Priester, die den Eingang bewachten, von jetzt an alles Geld,
das zum Tempel des Herrn gebracht wurde.
2Kön 12,11 Wenn der Kasten voll war, ließen sie den Hofsekretär und den
Hohenpriester kommen. Unter deren Aufsicht wurde das Geld in Beutel abgefüllt
und gewogen.
2Kön 12,12 Dann wurde das abgezählte Geld den Bauführern ausgehändigt, die für
die Bauarbeiten am Tempel des Herrn verantwortlich waren. Diese wiederum
bezahlten damit die Handwerker, die im Tempel arbeiteten: die Zimmerleute,
2Kön 12,13 die Maurer und die Steinhauer. Außerdem kauften sie Holz und
Bausteine und was sonst noch gebraucht wurde, um Risse und andere Schäden
auszubessern.
2Kön 12,14 Von dem Geld aus dieser Kasse wurden keine goldenen oder silbernen
Gegenstände hergestellt, keine silbernen Becken, Messer, Schalen oder Trompeten.
2Kön 12,15 Alles erhielten die Bauführer für die Ausbesserungen am Tempel.
2Kön 12,16 Dabei vertraute man auf die Ehrlichkeit der Bauführer. Sie mussten
keine Rechenschaft über die Ausgaben ablegen.
2Kön 12,17 Nur das Geld, das bei Schuldopfern und Sündopfern eingenommen wurde,
verwendete man nicht für die Tempelarbeiten. Es gehörte den Priestern.
2Kön 12,18 König Hasaël von Syrien griff mit seinen Truppen die Stadt Gat an und
nahm sie ein. Danach wollte er auch Jerusalem erobern.
2Kön 12,19 Doch König Joasch von Juda nahm alle Gaben, die seine Vorgänger
Joschafat, Joram und Ahasja für das Heiligtum gestiftet hatten, und seine
eigenen Weihgeschenke, dazu alles Gold aus den Schatzkammern des Tempels und des
Königspalasts und ließ es dem syrischen König als Geschenk überbringen. Da zog
Hasaël seine Truppen von Jerusalem ab.
2Kön 12,20 Alles Weitere über Joaschs Leben ist in der Chronik der Könige von
Juda festgehalten.
2Kön 12,21 [21/22] Eines Tages verschworen seine Hofleute sich gegen ihn. Er
hielt sich gerade in einem Gebäude der Verteidigungsanlage Jerusalems auf, von
wo der Weg nach Silla hinabführt. Dort brachten Josachar, der Sohn Schimats, und
Josabad, der Sohn Schomers, ihn um. Man begrub ihn in der »Stadt Davids«, einem
Stadtteil Jerusalems, im Grab der Königsfamilie. Sein Sohn Amazja wurde sein
Nachfolger.
2Kön 13,1 Joahas, der Sohn Jehus, wurde König von Israel im 23. Regierungsjahr
König Joaschs von Juda, des Sohnes Ahasjas. Er regierte siebzehn Jahre in
Samaria.
2Kön 13,2 Joahas tat, was der Herr verabscheute, und ließ nicht davon ab. Er
folgte dem schlechten Beispiel Jerobeams, der die Israeliten zum Götzendienst
verführt hatte.
2Kön 13,3 Das erregte den Zorn des Herrn, und so ließ er zu, dass die Syrer
immer wieder in Israel einfielen. Lange Zeit litten die Israeliten unter der
Herrschaft Hasaëls, des Königs von Syrien, und unter seinem Sohn Ben-Hadad.
2Kön 13,4 Doch als Joahas zum Herrn um Hilfe schrie, erhörte der Herr sein
Gebet, denn er sah, wie grausam der syrische König Israel unterdrückte.
2Kön 13,5 Der Herr schickte den Israeliten einen Retter, der sie von der
Herrschaft der Syrer befreite. Nun konnten sie wieder wie früher in Ruhe und
Frieden leben.
2Kön 13,6 Dennoch ließen sie nicht vom Götzendienst ab, zu dem Jerobeam und
seine Nachkommen das Volk immer wieder verführt hatten. Sie opferten weiterhin
fremden Götzen, und auch die Statue der Aschera blieb in Samaria stehen.
2Kön 13,7 Vom gesamten Heer des Königs Joahas waren zuletzt nur noch 50 Pferde,
10 Streitwagen und 10000 Fußsoldaten übrig. Den Rest hatte der König von Syrien
vernichtet; wie Staub hatte er sie unter seinen Füßen zertreten.
2Kön 13,8 Alles Weitere über das Leben des Joahas und seine Feldzüge ist in der
Chronik der Könige von Israel beschrieben.
2Kön 13,9 Als er starb, wurde er in Samaria begraben. Sein Sohn Joasch wurde
sein Nachfolger.
2Kön 13,10 Joasch, der Sohn des Joahas, wurde König von Israel im 37.
Regierungsjahr König Joaschs von Juda. Er regierte sechzehn Jahre in Samaria.
2Kön 13,11 Joasch tat, was der Herr verabscheute, und beging die gleiche Sünde
wie Jerobeam, der die Israeliten zum Götzendienst verführt hatte.
2Kön 13,12 Alles Weitere über Joaschs Leben steht in der Chronik der Könige von
Israel. Man kann dort nachlesen, welche Feldzüge er unternommen hat. Auch sein
Krieg gegen König Amazja von Juda wird dort erwähnt.
2Kön 13,13 Als Joasch starb, übernahm Jerobeam die Herrschaft. Joasch wurde in
Samaria im Grab der Könige von Israel beigesetzt.
2Kön 13,14 Elisa wurde schwer krank und lag im Sterben. Da besuchte ihn eines
Tages Joasch, der König von Israel. Weinend beugte er sich über den Propheten
und rief: »Mein Vater, mein Vater! Du Beschützer und Führer Israels!«
2Kön 13,15 Elisa befahl ihm: »Hol einen Bogen und Pfeile!« Joasch holte sie,
2Kön 13,16 [16/17] und Elisa forderte ihn auf: »Öffne das Fenster an der
Ostseite, und spann den Bogen!« Der König öffnete das Fenster. Als er den Bogen
gespannt hatte, legte Elisa seine Hände auf Joaschs Hände und sagte: »Schieß!«
Kaum hatte Joasch den Pfeil abgeschossen, rief der Prophet: »Dieser Pfeil ist
ein Siegespfeil, ein Zeichen des Herrn, dass er euch gegen die Syrer helfen
wird! Bei Afek wirst du sie vernichtend schlagen.«
2Kön 13,18 Dann befahl er dem König: »Nimm nun die anderen Pfeile in die Hand!«
Joasch nahm sie, und Elisa sagte: »Schlag damit auf den Boden!« Dreimal schlug
Joasch auf den Boden, und dann hielt er inne.
2Kön 13,19 Da wurde der Bote Gottes zornig. »Fünf- oder sechsmal hättest du
schlagen sollen«, tadelte er ihn, »dann hättest du die Syrer endgültig
vernichtet! Jetzt aber wirst du sie nur dreimal besiegen.«
2Kön 13,20 Bald darauf starb Elisa und wurde begraben. Als es Frühling wurde,
fielen immer wieder Räuberbanden aus Moab in Israel ein.
2Kön 13,21 Eines Tages wollte man in dem Dorf, wo Elisa begraben lag, einen Mann
beerdigen. Plötzlich tauchte eine dieser Banden auf. Weil sie schnell fliehen
wollten, warfen die Trauernden den Toten in Elisas Grab. Kaum aber kam der Tote
mit den Gebeinen des Propheten in Berührung, wurde er wieder lebendig und stand
auf.
2Kön 13,22 Solange König Joahas regierte, wurde Israel schwer bedrängt von dem
syrischen König Hasaël.
2Kön 13,23 Doch der Herr hatte Erbarmen mit seinem Volk und half ihm, denn er
dachte an den Bund, den er mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hatte.
Deshalb hatte er sich noch nicht von den Israeliten abgewandt, er wollte sie
nicht vernichten.
2Kön 13,24 Als König Hasaël von Syrien starb, trat sein Sohn Ben-Hadad die
Nachfolge an.
2Kön 13,25 Da eroberte König Joasch, der Sohn des Joahas, die Städte zurück, die
Hasaël seinem Vater im Krieg abgenommen hatte. In drei Schlachten besiegte
Joasch den syrischen König Ben-Hadad und konnte so die israelitischen Städte
zurückgewinnen.
2Kön 14,1 Amazja, der Sohn Joaschs, wurde König von Juda im 2. Regierungsjahr
König Joaschs von Israel, der ein Sohn von Joahas war.
2Kön 14,2 Er wurde mit 25 Jahren König und regierte neunundzwanzig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Joaddan und stammte aus Jerusalem.
2Kön 14,3 Amazja tat, was dem Herrn gefiel, obwohl er ihm nicht so treu diente
wie sein Vorfahre David. Er folgte zwar dem guten Vorbild seines Vaters Joasch,
2Kön 14,4 doch ließ auch er die Höhenheiligtümer nicht entfernen. Das Volk
brachte dort weiterhin seine Opfer dar.
2Kön 14,5 Sobald Amazja die Herrschaft fest in Händen hatte, ließ er die Diener
hinrichten, die seinen Vater, König Joasch, ermordet hatten.
2Kön 14,6 Doch ihre Söhne ließ er am Leben und folgte so dem Gebot des Herrn,
wie es im Gesetzbuch des Mose steht: »Eltern sollen nicht für die Verbrechen
ihrer Kinder hingerichtet werden und Kinder nicht für die Schuld ihrer Eltern.
Jeder soll nur für seine eigene Sünde bestraft werden.«
2Kön 14,7 Amazja schlug die Edomiter bei einer Schlacht im Salztal. Sie waren
mit einem Heer von 10000 Mann gegen ihn angerückt. In diesem Krieg eroberte er
die Stadt Sela und nannte sie Jokteel. So heißt sie noch heute.
2Kön 14,8 Nach diesem Sieg schickte Amazja Boten zu Joasch von Israel, dem Sohn
von Joahas und Enkel von Jehu, und ließ ihm sagen: »Lass uns gegeneinander Krieg
führen! Dann sehen wir, wessen Heer stärker ist!«
2Kön 14,9 Joasch, der König von Israel, ließ ihm antworten: »Ein Dornstrauch auf
dem Libanongebirge sagte einmal zu einer mächtigen Zeder: ›Gib meinem Sohn deine
Tochter zur Frau!‹ Doch die Tiere auf dem Libanon liefen über den Dornstrauch
und zertrampelten ihn.
2Kön 14,10 Ist dir der Sieg über die Edomiter zu Kopf gestiegen? Bleib lieber zu
Hause, und genieße deinen Sieg! Warum willst du ins Unglück rennen und ganz Juda
mit hineinreißen?«
2Kön 14,11 Doch Amazja ließ sich nicht warnen. Da zog König Joasch von Israel
mit seinem Heer nach Juda, und bei Bet-Schemesch kam es zur Schlacht zwischen
ihm und König Amazja.
2Kön 14,12 Die Judäer wurden von den Israeliten besiegt und flohen nach Hause.
2Kön 14,13 König Amazja von Juda, der Sohn Joaschs und Enkel Ahasjas, wurde vom
israelitischen König noch in Bet-Schemesch gefangen genommen. Anschließend
rückte Joasch bis nach Jerusalem vor und riss die Stadtmauer auf einer Länge von
200 Metern ein, vom Ephraimtor bis zum Ecktor.
2Kön 14,14 Er plünderte alles Gold und Silber und alle kostbaren Gegenstände aus
den Schatzkammern des Tempels und des Königspalasts. Mit dieser Beute und einer
Anzahl von Geiseln kehrte er nach Samaria zurück.
2Kön 14,15 Alles Weitere über Joaschs Leben ist in der Chronik der Könige von
Israel festgehalten. Dort kann man nachlesen, wie er regierte und welche
Feldzüge er unternahm. Auch sein Krieg gegen König Amazja von Juda ist dort
beschrieben.
2Kön 14,16 Als Joasch starb, wurde er in Samaria im Grab der Könige von Israel
beigesetzt. Sein Sohn Jerobeam wurde an seiner Stelle König.
2Kön 14,17 Nach dem Tod Joaschs, des Königs von Israel, lebte Amazja, der König
von Juda, noch fünfzehn Jahre.
2Kön 14,18 Alles Weitere über Amazjas Leben steht in der Chronik der Könige von
Juda.
2Kön 14,19 Als in Jerusalem eine Verschwörung gegen ihn angezettelt wurde,
konnte er zwar nach Lachisch entkommen. Aber die Verschwörer ließen ihn
verfolgen, und so wurde er schließlich in Lachisch umgebracht.
2Kön 14,20 Man lud den Toten auf ein Pferd und brachte ihn zur »Stadt Davids«,
einem Stadtteil Jerusalems. Dort wurde er im Grab der Königsfamilie beigesetzt.
2Kön 14,21 Die Judäer ernannten Amazjas Sohn Asarja zum neuen König. Er war
damals 16 Jahre alt.
2Kön 14,22 Gleich nach dem Tod seines Vaters eroberte er die Stadt Elat zurück
und baute sie wieder auf.
2Kön 14,23 Jerobeam, der Sohn König Joaschs von Israel, wurde König von Israel
im 15. Regierungsjahr König Amazjas von Juda, des Sohnes Joaschs. Jerobeam
regierte einundvierzig Jahre in Samaria.
2Kön 14,24 Er tat, was der Herr verabscheute, und behielt den Götzendienst bei,
zu dem Jerobeam, der Sohn Nebats, die Israeliten verführt hatte.
2Kön 14,25 Jerobeam konnte alle Gebiete zurückerobern, die früher zu Israel
gehört hatten, von Lebo-Hamat bis ans Tote Meer. Damit erfüllte sich, was der
Herr, der Gott Israels, angekündigt hatte. Durch seinen Diener, den Propheten
Jona aus Gat-Hefer, einen Sohn Amittais, hatte er es den Israeliten
vorausgesagt.
2Kön 14,26 Denn der Herr hatte gesehen, wie elend es den Israeliten erging:
Freie und Sklaven - alle mussten leiden, und weit und breit war niemand, der
Israel helfen konnte.
2Kön 14,27 Weil der Herr das Volk Israel nicht auslöschen wollte, half er ihnen
nun durch Jerobeam, den Sohn Joaschs.
2Kön 14,28 Jerobeams weiteres Leben, seine Feldzüge und militärischen Erfolge
sind in der Chronik der Könige von Israel beschrieben. Dort kann man nachlesen,
wie er die Städte Damaskus und Hamat mit den dazugehörigen Gebieten
zurückeroberte. Diese beiden Städte hatten zur Zeit Davids noch zu Israel
gehört.
2Kön 14,29 Als Jerobeam starb, wurde er bei den Königen von Israel begraben.
Sein Sohn Secharja wurde zum Nachfolger bestimmt.
2Kön 15,1 Asarja, der Sohn Amazjas, wurde König von Juda im 27. Regierungsjahr
König Jerobeams von Israel.
2Kön 15,2 Er regierte zweiundfünfzig Jahre in Jerusalem. Asarja war 16 Jahre
alt, als er König wurde. Seine Mutter hieß Jecholja und stammte aus Jerusalem.
2Kön 15,3 Wie sein Vater Amazja tat auch er, was dem Herrn gefiel.
2Kön 15,4 Nur die Höhenheiligtümer ließ auch er nicht entfernen, und das Volk
brachte dort weiterhin seine Opfer dar.
2Kön 15,5 Der Herr bestrafte den König und ließ ihn an Aussatz erkranken. Bis zu
seinem Tod wurde er nicht mehr gesund. Wegen seiner Krankheit musste Asarja für
den Rest seines Lebens in einem abgesonderten Haus wohnen. Die
Regierungsgeschäfte und die Aufsicht über den Palast übergab er seinem Sohn
Jotam.
2Kön 15,6 Alles Weitere über Asarjas Leben steht in der Chronik der Könige von
Juda.
2Kön 15,7 Als Asarja starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, im Grab der Königsfamilie beigesetzt. Sein Sohn Jotam trat die
Nachfolge an.
2Kön 15,8 Secharja, der Sohn Jerobeams, wurde König von Israel im 38.
Regierungsjahr König Asarjas von Juda. Er regierte sechs Monate in Samaria.
2Kön 15,9 Wie seine Vorgänger tat auch er, was der Herr verabscheute, und
behielt den Götzendienst bei, zu dem Jerobeam, der Sohn Nebats, die Israeliten
verführt hatte.
2Kön 15,10 Schallum, der Sohn Jabeschs, zettelte eine Verschwörung gegen ihn an
und erschlug ihn in aller Öffentlichkeit. Dann wurde er an seiner Stelle König.
2Kön 15,11 Alles Weitere über Secharja ist in der Chronik der Könige von Israel
festgehalten.
2Kön 15,12 Der Herr hatte Jehu zugesagt, dass seine Nachkommen bis in die vierte
Generation hinein als Könige über Israel herrschen würden. Dieses Versprechen
hatte sich nun erfüllt.
2Kön 15,13 Schallum, der Sohn Jabeschs, wurde König von Israel im 39.
Regierungsjahr König Asarjas von Juda und regierte genau einen Monat in Samaria.
2Kön 15,14 Dann kam Menahem, der Sohn Gadis, von Tirza nach Samaria, erschlug
Schallum in der Stadt und wurde an seiner Stelle König.
2Kön 15,15 Alles Weitere über Schallum und seine Verschwörung steht in der
Chronik der Könige von Israel.
2Kön 15,16 Menahem eroberte von Tirza aus die Stadt Tifsach und das dazugehörige
Gebiet. Denn ihre Bürger wollten sich ihm nicht freiwillig unterwerfen. Allen
schwangeren Frauen ließ er den Bauch aufschlitzen.
2Kön 15,17 Menahem, der Sohn Gadis, wurde König von Israel im 39. Regierungsjahr
König Asarjas von Juda. Er regierte zehn Jahre in Samaria.
2Kön 15,18 Sein Leben lang tat er, was der Herr verabscheute. Er behielt den
Götzendienst bei, zu dem Jerobeam, der Sohn Nebats, die Israeliten verführt
hatte.
2Kön 15,19 Während seiner Regierungszeit rückte der assyrische König
Tiglat-Pileser mit seinem Heer gegen Israel an. Menahem gab ihm 35 Tonnen
Silber. Er wollte sich damit die Unterstützung Tiglat-Pilesers erkaufen, um die
eigene Macht zu festigen. Tatsächlich zog Tiglat-Pileser seine Truppen ab und
ließ die Israeliten unbehelligt.
2Kön 15,20 Das Silber für den König von Assyrien trieb Menahem durch eine
Sondersteuer ein. Jeder reiche Israelit musste 50 Silberstücke zahlen.
2Kön 15,21 Menahems weiteres Leben ist in der Chronik der Könige von Israel
beschrieben.
2Kön 15,22 Als er starb, bestieg sein Sohn Pekachja den Thron.
2Kön 15,23 Pekachja, der Sohn Menahems, wurde König von Israel im 50.
Regierungsjahr König Asarjas von Juda. Er regierte zwei Jahre in Samaria.
2Kön 15,24 Pekachja tat, was der Herr verabscheute, und behielt den Götzendienst
bei, zu dem Jerobeam, der Sohn Nebats, die Israeliten verführt hatte.
2Kön 15,25 Pekach, der Sohn Remaljas, einer der höchsten Offiziere Pekachjas,
verschwor sich mit fünfzig Männern aus Gilead gegen ihn und erschlug ihn im
Königspalast. Bei dem Umsturz kamen auch Argob und Arje ums Leben. Pekach wurde
der Nachfolger des ermordeten Königs.
2Kön 15,26 Alles Weitere über Pekachjas Leben steht in der Chronik der Könige
von Israel.
2Kön 15,27 Pekach, der Sohn Remaljas, wurde König von Israel im 52.
Regierungsjahr König Asarjas von Juda. Er regierte zwanzig Jahre in Samaria.
2Kön 15,28 Pekach tat, was der Herr verabscheute, und hielt am Götzendienst
fest, zu dem Jerobeam, der Sohn Nebats, die Israeliten verführt hatte.
2Kön 15,29 Während Pekachs Regierungszeit griff der assyrische König
Tiglat-Pileser Israel an. Er eroberte die Städte Ijon, Abel-Bet-Maacha, Janoach,
Kedesch und Hazor und nahm die Gebiete von Gilead und Galiläa ein sowie das
ganze Stammesgebiet von Naftali. Die Bewohner der eroberten Gebiete verschleppte
er nach Assyrien.
2Kön 15,30 Im 20. Regierungsjahr Pekachs zettelte Hoschea, der Sohn Elas, eine
Verschwörung gegen Pekach an und brachte ihn um. Dann wurde er an seiner Stelle
König. Dies geschah im 20. Regierungsjahr König Jotams von Juda, des Sohnes
Asarjas.
2Kön 15,31 Alles Weitere über Pekachs Leben ist in der Chronik der Könige von
Israel festgehalten.
2Kön 15,32 Jotam, der Sohn Asarjas, wurde König von Juda im 2. Regierungsjahr
König Pekachs von Israel.
2Kön 15,33 Er regierte sechzehn Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Jeruscha;
sie war eine Tochter Zadoks. Jotam war 25 Jahre alt, als er König wurde.
2Kön 15,34 Wie sein Vater Asarja tat er, was dem Herrn gefiel.
2Kön 15,35 Nur die Höhenheiligtümer ließ auch er nicht entfernen. Das Volk
brachte dort weiterhin seine Opfer dar. Jotam baute das obere Tor des Tempels.
2Kön 15,36 Alles Weitere über sein Leben steht in der Chronik der Könige von
Juda.
2Kön 15,37 Während Jotams Regierungszeit erklärten Rezin, der König von Syrien,
und Pekach, der Sohn Remaljas, Juda den Krieg. Der Herr hatte sie dazu gebracht.
2Kön 15,38 Als Jotam starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, im Grab der Königsfamilie beigesetzt. Sein Sohn Ahas wurde sein
Nachfolger.
2Kön 16,1 Ahas, der Sohn Jotams, wurde König von Juda im 17. Regierungsjahr
Pekachs, des Sohnes Remaljas.
2Kön 16,2 Ahas war 20 Jahre alt, als er König wurde. Er regierte sechzehn Jahre
in Jerusalem. Er folgte nicht dem Vorbild seines Vorfahren David und tat nicht,
was dem Herrn, seinem Gott, gefiel,
2Kön 16,3 sondern er lebte wie die Könige von Israel. Er ging sogar so weit,
dass er seinen Sohn als Opfer verbrannte. Diesen schrecklichen Brauch übernahm
er von den Völkern, die der Herr aus dem Land vertrieben hatte, um es seinem
Volk Israel zu geben.
2Kön 16,4 Ahas brachte in den Höhenheiligtümern, auf den Hügeln und unter den
dicht belaubten Bäumen seine Opfer dar.
2Kön 16,5 Als Ahas regierte, erklärten König Rezin von Syrien und König Pekach
von Israel, der Sohn Remaljas, Juda den Krieg. Sie kamen mit ihren Heeren bis
vor Jerusalem und belagerten die Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen.
2Kön 16,6 Gleichzeitig gelang es dem syrischen König Rezin, die Stadt Elat
wieder zurückzugewinnen. Er vertrieb alle Judäer aus der Stadt. An ihrer Stelle
ließen sich edomitische Siedler in Elat nieder. Bis heute wohnen die Edomiter
dort.
2Kön 16,7 Ahas schickte Boten zu Tiglat-Pileser, dem König von Assyrien, und
ließ ihm sagen: »Ich unterwerfe mich dir und stelle mich unter deinen Schutz!
Die Könige von Syrien und Israel haben mich angegriffen. Komm doch, und befrei
mich von ihnen!«
2Kön 16,8 Zugleich ließ er dem assyrischen König alles Silber und Gold aus dem
Tempel und den Schatzkammern des Palasts als Geschenk überreichen.
2Kön 16,9 Tiglat-Pileser willigte ein. Er griff Damaskus an, eroberte die Stadt
und führte die Einwohner in die Gefangenschaft nach Kir. König Rezin ließ er
töten.
2Kön 16,10 König Ahas ging nach Damaskus, weil er dort mit dem assyrischen König
Tiglat-Pileser zusammentreffen wollte. In Damaskus sah Ahas einen Altar, der ihm
sehr gefiel. Er schickte ein Modell davon an den Priester Uria, gab die genauen
Maße an und beschrieb alle Einzelheiten.
2Kön 16,11 Uria baute den Altar nach dieser Vorlage und stellte ihn fertig,
bevor der König aus Damaskus zurückkehrte.
2Kön 16,12 Wieder in Jerusalem angekommen, sah Ahas sich den neuen Altar an. Er
stieg die Stufen hinauf
2Kön 16,13 und brachte selbst die ersten Opfer dar: Er verbrannte Brand- und
Speiseopfer, goss ein Trankopfer aus und sprengte das Blut eines Dankopfers an
den Altar.
2Kön 16,14 Zwischen dem Tempel und dem neuen Altar stand immer noch der bronzene
Altar, auf dem die Opfer für den Herrn dargebracht wurden. Ihn ließ der König
von der Vorderseite des Tempels wegtragen und hinter den neuen Altar stellen.
2Kön 16,15 Dem Priester Uria befahl Ahas: »Von jetzt an wirst du alle Opfer auf
dem großen Altar darbringen: sowohl die täglichen Morgen- und Abendopfer als
auch die verschiedenen Opfer für den König und für das Volk - die Brandopfer,
Speiseopfer und Trankopfer. Auch das Blut der Opfertiere sollst du nur noch an
den neuen Altar sprengen. Den alten bronzenen Altar aber werde nur noch ich
benutzen, wenn ich von Gott Weisungen einholen will.«
2Kön 16,16 Der Priester Uria tat, was der König ihm befohlen hatte.
2Kön 16,17 Doch König Ahas nahm noch weitere Veränderungen im Tempel vor: Er
ließ die Leisten an den Kesselwagen entfernen und die Kessel abnehmen. Das große
Wasserbecken aus Bronze wurde von den Rinderfiguren, die es trugen,
heruntergenommen und auf einen Unterbau aus Steinen gesetzt.
2Kön 16,18 Auf Wunsch des Königs von Assyrien ließ Ahas aus dem Tempel die
Plattform für den Königsthron entfernen und den königlichen Privateingang
verschließen.
2Kön 16,19 Alles Weitere über das Leben des Ahas steht in der Chronik der Könige
von Juda.
2Kön 16,20 Als er starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, im Grab der Königsfamilie beigesetzt. Sein Sohn Hiskia wurde sein
Nachfolger.
2Kön 17,1 Hoschea, der Sohn Elas, wurde König von Israel im 12. Regierungsjahr
von König Ahas von Juda. Er regierte neun Jahre in Samaria.
2Kön 17,2 Hoschea tat, was der Herr verabscheute, doch nicht in dem Maße wie
seine Vorgänger.
2Kön 17,3 Salmanassar, der König von Assyrien, unternahm einen Feldzug gegen
Israel. Hoschea unterwarf sich und musste den Assyrern von da an Tribut
entrichten.
2Kön 17,4 Doch nach mehreren Jahren lehnte Hoschea sich gegen die assyrische
Herrschaft auf. Er zahlte keinen Tribut mehr und schickte Boten zu König So nach
Ägypten, um sich mit ihm zu verbünden. Doch der assyrische König deckte die
Verschwörung auf, ließ Hoschea verhaften und ins Gefängnis werfen.
2Kön 17,5 Salmanassar ließ seine Truppen in Israel einmarschieren. Sie rückten
bis nach Samaria vor und belagerten die Stadt drei Jahre lang.
2Kön 17,6 Im 9. Regierungsjahr Hoscheas eroberte König Salmanassar Samaria und
verschleppte die Israeliten nach Assyrien. Einen Teil der Gefangenen siedelte er
in der Gegend von Halach an, andere in der Provinz Gosan am Fluss Habor und in
den Städten Mediens.
2Kön 17,7 Dies alles war geschehen, weil die Israeliten gegen den Herrn, ihren
Gott, gesündigt hatten. Er hatte sie aus der Gewalt des Pharaos befreit und aus
Ägypten nach Israel geführt. Doch sie verehrten immer wieder andere Götter
2Kön 17,8 und übernahmen die heidnischen Bräuche der Völker, die der Herr aus
dem Land vertrieben hatte, um es seinem Volk zu geben. Die Könige von Israel
hatten das ganze Volk zum Götzendienst verführt.
2Kön 17,9 Die Israeliten taten vieles, was den Herrn beleidigte. Überall
errichteten sie Heiligtümer für ihre Götzen, sowohl in den Städten als auch
draußen auf dem Land.
2Kön 17,10 Auf den Hügeln und unter den dicht belaubten Bäumen stellten sie
Steine und Holzpfähle auf und weihten sie ihren Göttern.
2Kön 17,11 Sie verbrannten Weihrauch auf den Hügeln wie die Völker, die der Herr
aus dem Land vertrieben hatte. Mit all diesen Vergehen forderten sie den Zorn
des Herrn heraus.
2Kön 17,12 Sie taten genau das, was er ihnen verboten hatte: Sie verehrten tote
Götzen.
2Kön 17,13 Immer und immer wieder hatte der Herr Propheten und Seher nach Israel
und Juda gesandt, um sein Volk zu warnen: »Kehrt um von euren falschen Wegen!
Befolgt meine Gebote und Weisungen! Lebt nach dem Gesetz, das ich euren
Vorfahren gegeben habe! Meine Knechte, die Propheten, haben es euch immer wieder
gesagt.«
2Kön 17,14 Aber sie wollten nicht hören. Wie ihre Vorfahren, die sich vom Herrn
abgewandt hatten, hielten auch sie stur an ihren Götzen fest.
2Kön 17,15 Sie schlugen Gottes Gebote und Warnungen in den Wind und verachteten
den Bund, den er mit ihren Vorfahren geschlossen hatte. Sie betrogen sich selbst
und liefen toten Götzen nach; sie wollten sein wie ihre Nachbarvölker, obwohl
der Herr es ihnen verboten hatte.
2Kön 17,16 Die Gebote des Herrn, ihres Gottes, beachteten sie nicht mehr. Sie
gossen sich zwei Stierfiguren und stellten eine Statue der Göttin Aschera auf,
sie beteten die Sterne an und verehrten den Gott Baal.
2Kön 17,17 Ihre Söhne und Töchter verbrannten sie als Opfer für ihre Götzen, sie
trieben Wahrsagerei und Zauberei. Mit Leib und Leben verschrieben sie sich
allem, was der Herr verabscheute, und reizten ihn dadurch bis aufs äußerste.
2Kön 17,18 Da wurde der Herr sehr zornig über Israel. Er wandte sich von ihnen
ab und trieb sie fort. Nur der Stamm Juda blieb im Land zurück.
2Kön 17,19 Doch auch die Judäer wollten von den Geboten des Herrn, ihres Gottes,
nichts wissen. Sie folgten dem schlechten Vorbild der Bewohner Nordisraels.
2Kön 17,20 Da verstieß der Herr das ganze Volk. Er ließ zu, dass feindliche
Heere in das Land einfielen und es ausplünderten. So bestrafte er sein Volk und
wandte sich von ihm ab.
2Kön 17,21 Der Herr selbst hatte vorher dafür gesorgt, dass das Nordreich Israel
vom Königshaus David abfiel. Die Stämme des Nordreichs hatten Jerobeam, den Sohn
Nebats, zu ihrem König gemacht. Doch Jerobeam hatte Israel davon abgebracht, dem
Herrn zu dienen. Er hatte sie zu einer schweren Sünde verführt: zum
Götzendienst.
2Kön 17,22 Sie folgten dem schlechten Beispiel Jerobeams und ließen nie mehr vom
Götzendienst ab.
2Kön 17,23 Darum traf ein, was der Herr ihnen durch seine Diener, die Propheten,
immer wieder angedroht hatte: Er verstieß die Israeliten. Sie wurden als
Gefangene nach Assyrien verschleppt. Dort leben sie heute noch.
2Kön 17,24 Der assyrische König ließ Einwohner der Städte Babylon, Kuta, Awa,
Hamat und Sefarwajim nach Samarien bringen und sie dort in den verlassenen
israelitischen Städten ansiedeln. Sie nahmen das Land und die Städte in Besitz.
2Kön 17,25 Doch die neuen Bewohner verehrten nicht den Herrn. Deshalb ließ der
Herr Löwen in die Gegend kommen, die viele Menschen töteten.
2Kön 17,26 Bald wurde dem assyrischen König gemeldet: »Die Völker, die du in den
Städten Samariens angesiedelt hast, wissen nicht, wie der Gott dieses Landes
verehrt werden muss. Darum hat er Löwen in das Land geschickt; schon haben sie
viele Menschen getötet! Und das nur, weil niemand weiß, was der Gott dieses
Landes von ihnen verlangt.«
2Kön 17,27 Da befahl der König von Assyrien: »Einer der Priester, die aus
Samarien hierher gebracht wurden, soll in seine Heimat zurückkehren und wieder
dort wohnen. Er soll den Menschen sagen, wie der Gott des Landes verehrt werden
möchte!«
2Kön 17,28 Daraufhin kehrte ein Priester aus der Verbannung zurück. Er wohnte in
Bethel und erklärte den neuen Bewohnern des Landes, wie sie dem Herrn dienen
sollten.
2Kön 17,29 Aber die Siedler hielten weiterhin auch an ihren Götzen fest. Jede
Volksgruppe machte sich ihre Götzenstatue und stellte sie in eines der
Höhenheiligtümer, die von den Israeliten überall gebaut worden waren.
2Kön 17,30 Die Siedler aus Babylon errichteten eine Statue des Gottes
Sukkot-Benot, die aus Kuta stellten ein Standbild Nergals auf, die aus Hamat
eine Statue Aschimas;
2Kön 17,31 die Awiter verehrten die Götter Nibhas und Tartak, und die Siedler
aus Sefarwajim verbrannten ihre Söhne als Opfer für ihre Götter Adrammelech und
Anammelech.
2Kön 17,32 Sie alle verehrten den Herrn, aber zugleich weihten sie Männer aus
ihren eigenen Reihen zu Priestern, die in den Höhenheiligtümern für sie Opfer
darbrachten.
2Kön 17,33 Sie dienten dem Herrn und gleichzeitig ihren Göttern, wie es in den
Ländern Brauch war, aus denen sie gekommen waren.
2Kön 17,34 Und so ist es bis heute geblieben: Die Bewohner Samariens leben nach
ihren alten Bräuchen, anstatt dem Herrn allein zu dienen. Sie halten sich nicht
an seine Weisungen und Gebote, sie beachten das Gesetz nicht, das der Herr den
Nachkommen Jakobs, den Israeliten, gegeben hat. Jakob hatte vom Herrn den Namen
Israel bekommen. Mit seinen Nachkommen,
2Kön 17,35 dem Volk Israel, hatte der Herr einen Bund geschlossen und ihnen
befohlen: »Verehrt keine anderen Götter! Werft euch nicht vor ihnen nieder, um
sie anzubeten! Dient ihnen nicht, und bringt ihnen keine Opfer dar!
2Kön 17,36 Allein mir, dem Herrn, sollt ihr in Ehrfurcht dienen, denn meiner
Macht und meinem Eingreifen verdankt ihr eure Befreiung. Ich habe euch aus
Ägypten nach Israel geführt! Werft euch nur vor mir nieder, und bringt allein
mir Opfer dar!
2Kön 17,37 Befolgt alle Gebote, die ich, der Herr, euch gegeben habe! Haltet
euch an jedes Gesetz, jede Weisung und jeden Befehl! Verehrt keine anderen
Götter!
2Kön 17,38 Vergesst den Bund nicht, den ich mit euch geschlossen habe, und betet
keine anderen Götter an!
2Kön 17,39 Allein vor mir, dem Herrn, eurem Gott, sollt ihr Ehrfurcht haben. Nur
ich kann euch aus der Hand eurer Feinde erretten.«
2Kön 17,40 Doch die Bewohner Samariens hörten nicht darauf, sondern lebten
weiterhin nach ihren früheren Bräuchen.
2Kön 17,41 Sie verehrten zwar den Herrn, aber gleichzeitig dienten sie ihren
Göttern, deren Statuen sie aufgestellt hatten. Ihre Nachkommen taten es ihnen
gleich, und noch heute leben sie wie ihre Vorfahren.
2Kön 18,1 Im 3. Regierungsjahr König Hoscheas von Israel, des Sohnes Elas, trat
Hiskia, der Sohn des Königs Ahas von Juda, die Herrschaft an.
2Kön 18,2 Er wurde mit 25 Jahren König und regierte neunundzwanzig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Abi, sie war eine Tochter Secharjas.
2Kön 18,3 Hiskia tat, was dem Herrn gefiel. In allem folgte er dem Beispiel
seines Vorfahren David.
2Kön 18,4 Er ließ die Heiligtümer auf den Hügeln zerstören, zerschmetterte die
Steine, die fremden Göttern geweiht waren, und das Standbild der Göttin Aschera.
Er zerschlug auch die bronzene Schlange, die Mose einst gemacht hatte, denn die
Israeliten verbrannten vor ihr immer wieder Weihrauch als Opfer. Man nannte sie
Nehuschtan.
2Kön 18,5 Hiskia vertraute dem Herrn wie kein König von Juda vor ihm und nach
ihm.
2Kön 18,6 Er liebte den Herrn und diente ihm. Er hielt sich an alle Gebote, die
der Herr einst Mose für Israel gegeben hatte.
2Kön 18,7 Darum stand der Herr ihm bei und ließ ihm alles gelingen, was er
unternahm. Hiskia konnte sich von der Herrschaft des assyrischen Königs
befreien.
2Kön 18,8 Er schlug die Philister bis nach Gaza zurück und verwüstete die ganze
Gegend - Stadt und Land.
2Kön 18,9 Im 4. Regierungsjahr Hiskias, dem 7. Regierungsjahr Hoscheas von
Israel, griff Salmanassar, der König von Assyrien, mit seinen Truppen Israel an,
umstellte die Stadt Samaria
2Kön 18,10 und nahm sie nach dreijähriger Belagerung ein. Im 6. Regierungsjahr
Hiskias, dem 9. Regierungsjahr Hoscheas, des Königs von Israel, wurde Samaria
erobert.
2Kön 18,11 Der assyrische König verschleppte die Israeliten nach Assyrien in die
Verbannung. Er siedelte einen Teil der Gefangenen in der Gegend von Halach an,
andere am Fluss Habor in der Provinz Gosan und in den Städten Mediens.
2Kön 18,12 Dies geschah, weil sie dem Herrn, ihrem Gott, nicht mehr gehorchten.
Sie befolgten die Gebote nicht, die Mose ihnen im Auftrag des Herrn gegeben
hatte, und brachen so den Bund, den der Herr mit ihnen geschlossen hatte. Sie
hörten nicht mehr auf den Herrn und taten nicht, was er von ihnen verlangte.
2Kön 18,13 Im 14. Regierungsjahr König Hiskias marschierte der assyrische König
Sanherib mit seinen Truppen in Juda ein und eroberte alle befestigten Städte des
Landes.
2Kön 18,14 Da schickte König Hiskia einen Boten zu dem assyrischen König, der
mit seinem Heer vor Lachisch stand, und ließ ihm sagen: »Ich gestehe, dass ich
nicht recht gehandelt habe. Ich bin bereit, dir an Abgaben zu zahlen, was du von
mir verlangst, wenn du nur wieder von Juda abziehst!« Sanherib forderte von
Hiskia zehn Tonnen Silber und eine Tonne Gold als Tribut.
2Kön 18,15 Hiskia gab ihm alles Silber aus dem Tempel des Herrn und den
Schatzkammern des Palasts.
2Kön 18,16 Um die geforderte Menge an Gold aufzubringen, ließ er die
Goldverkleidung der Türen und Pfosten im Tempel abreißen und übergab sie dem
König von Assyrien. Hiskia hatte die Türen und Pfosten zuvor selbst vergolden
lassen.
2Kön 18,17 Aber der assyrische König schickte drei seiner höchsten Würdenträger
- sie trugen die Titel Rabschake, Tartan und Rabsaris - mit einem starken Heer
von Lachisch nach Jerusalem. Dort stellte sich das Heer bei der Wasserleitung
des oberen Teiches auf. Sie liegt an der Straße zu dem Feld, auf dem die
Tuchmacher ihre Stoffe bleichen.
2Kön 18,18 Die drei Würdenträger verlangten sofort den König zu sprechen. Hiskia
schickte drei seiner Hofbeamten zu ihnen hinaus: den Palastverwalter Eljakim,
einen Sohn Hilkijas, den Hofsekretär Schebna und den Berater Joach, einen Sohn
Asafs.
2Kön 18,19 Der Rabschake gab ihnen eine Botschaft an König Hiskia mit: »Der
mächtige König von Assyrien lässt dir sagen: Worauf vertraust du eigentlich,
dass du dich so sicher fühlst?
2Kön 18,20 Schöne Worte allein erringen keinen Sieg. Was du brauchst, sind gute
Berater und lange Kriegserfahrung. Von wem erhoffst du dir Rückendeckung, dass
du es wagst, dich gegen mich aufzulehnen?
2Kön 18,21 Ausgerechnet von Ägypten erwartest du Hilfe? Auf diesen zerbrochenen
Stab willst du dich stützen? Er hat noch jedem die Hand durchbohrt, der sich auf
ihn stützte. So ist nämlich der Pharao: Er lässt alle im Stich, die sich auf ihn
verlassen!
2Kön 18,22 Vielleicht sagt ihr jetzt: ›Wir vertrauen auf den Herrn, unseren
Gott!‹ Aber hast du, Hiskia, nicht alle Altäre und Opferstätten dieses Gottes
niedergerissen? Hast du nicht dem Volk in ganz Juda und Jerusalem befohlen, sich
nur noch vor dem einen Altar in Jerusalem niederzuwerfen? Und da sollte dieser
Gott euch nun noch helfen wollen?
2Kön 18,23 Der König von Assyrien bietet dir folgende Wette an: Er schenkt dir
zweitausend Pferde, wenn du die Reiter dafür aufbringen kannst. Wetten, dass es
dir nicht gelingt?
2Kön 18,24 Ihr könnt doch nicht einmal irgendeinem unbedeutenden Truppenführer
meines Herrn die Stirn bieten. Ihr setzt ja eure ganze Hoffnung auf die Ägypter,
weil sie viele Streitwagen besitzen.
2Kön 18,25 Und noch etwas lässt dir der König sagen: Du denkst wohl, wir seien
gegen den Willen des Herrn hier einmarschiert, um alles zu verwüsten? Dann irrst
du dich aber! Der Herr selbst hat mir befohlen, dieses Land zu erobern und zu
zerstören.«
2Kön 18,26 Hier unterbrachen Schebna, Joach und Eljakim, der Sohn Hilkijas, den
Rabschake. »Bitte, rede aramäisch mit uns, Herr«, baten sie. »Sprich nicht
hebräisch! Die Leute aus dem Volk oben auf der Mauer verstehen sonst jedes
Wort.«
2Kön 18,27 Doch der Rabschake erwiderte: »Meint ihr, mein Herr habe mich mit
dieser Botschaft nur zu euch und eurem Herrn geschickt? Nein, gerade die Männer
dort oben auf der Stadtmauer sollen es hören! Bald schon werden sie so wie ihr
den eigenen Kot fressen und Harn saufen.«
2Kön 18,28 Dann wandte er sich zur Stadtmauer hin und rief laut auf Hebräisch:
»Hört, was der mächtige König von Assyrien euch zu sagen hat:
2Kön 18,29 Lasst euch von Hiskia nicht täuschen! Der kann euch ja doch nicht
helfen!
2Kön 18,30 Er vertröstet euch auf den Herrn und behauptet: ›Ganz sicher wird der
Herr uns retten und verhindern, dass der König von Assyrien die Stadt erobert.‹
Fallt nicht darauf herein!
2Kön 18,31 Hört nicht auf Hiskia, sondern hört auf den König von Assyrien! Er
will Frieden mit euch schließen und lässt euch sagen: Ihr könnt euch mir getrost
ergeben. Dann werdet ihr wieder die Früchte eurer Weinstöcke und Feigenbäume
essen und das Wasser eurer Brunnen trinken,
2Kön 18,32 bis ich euch in ein Land hole, das so fruchtbar ist wie eures. Dort
gibt es Getreidefelder und Weinberge, Brot und Most, Olivenöl und Honig in Hülle
und Fülle. Wenn ihr euch ergebt, werdet ihr überleben und kommt nicht um.
Deshalb: Hört nicht auf Hiskia! Lasst euch von ihm nicht an der Nase
herumführen, wenn er behauptet: ›Der Herr wird uns helfen!‹
2Kön 18,33 Haben etwa die Götter anderer Völker sie vor mir retten können?
2Kön 18,34 Was ist mit den Göttern von Hamat und Arpad und mit den Göttern von
Sefarwajim, Hena und Awa? Konnten sie ihre Städte vor meinen Angriffen schützen?
Und wie war es mit Samaria? Haben sie uns etwa dort zum Abzug gezwungen?
2Kön 18,35 Nein, nicht ein einziger Gott konnte sein Land vor meinen Eroberungen
schützen. Und da sollte ausgerechnet euer Gott, den ihr ›Herr‹ nennt, Jerusalem
vor mir bewahren?«
2Kön 18,36 Die Leute auf der Mauer blieben ruhig und antworteten ihm nichts.
Denn Hiskia hatte ihnen befohlen, kein Wort zu sagen.
2Kön 18,37 Entsetzt zerrissen Eljakim, Schebna und Joach ihre Gewänder. Sie
eilten zu Hiskia und wiederholten ihm die ganze Rede des Rabschake.
2Kön 19,1 Als König Hiskia das hörte, zerriss auch er sein Gewand und hüllte
sich in ein Trauergewand aus Sacktuch. Dann ging er in den Tempel.
2Kön 19,2 Den Palastverwalter Eljakim, den Hofsekretär Schebna und einige
führende Priester schickte er in Trauergewändern zum Propheten Jesaja, dem Sohn
des Amoz.
2Kön 19,3 »Wir haben dir etwas von Hiskia auszurichten«, begannen sie. »Er lässt
dir sagen: Heute ist ein schrecklicher Tag, die Assyrer haben uns schwer
beleidigt. Das ist die Strafe für unsere Sünden. Die Lage ist so ernst wie bei
einer Geburt, wenn die Mutter keine Kraft mehr hat, ihr Kind zu gebären.
2Kön 19,4 Doch vielleicht hat der Herr, dein Gott, alle Lästerungen des
Rabschake gehört. Der Gesandte des assyrischen Königs hat den lebendigen Gott
verhöhnt! Sicher hat der Herr seine Worte gehört und bestraft ihn dafür. O
Jesaja, bete für uns, bete für die Überlebenden!«
2Kön 19,5 Als sie die Botschaft Hiskias ausgerichtet hatten,
2Kön 19,6 gab Jesaja ihnen gleich eine Antwort für den König mit: »So spricht
der Herr: ›Hab keine Angst vor den Drohungen, die du gehört hast. Lass dich
nicht einschüchtern, wenn die Boten des assyrischen Königs über mich lästern!
2Kön 19,7 Ich will ihn dazu bringen, dass er seine Truppen von hier abzieht. Er
wird ein Gerücht hören und darüber so beunruhigt sein, dass er umgehend in sein
Land zurückkehrt. Dort lasse ich ihn durch das Schwert umkommen.‹«
2Kön 19,8 Der Rabschake kehrte zu König Sanherib zurück, der inzwischen wieder
von Lachisch aufgebrochen war und nun die Stadt Libna belagerte.
2Kön 19,9 Sanherib hörte, der äthiopische König Tirhaka sei mit einem Heer
unterwegs, um die Assyrer anzugreifen. Da schickte er noch einmal eine
Gesandtschaft zu König Hiskia und ließ ihm einen Brief überbringen.
2Kön 19,10 »Überschätze deinen Gott nicht«, hieß es darin, »lass dich nicht von
ihm täuschen, wenn er dir sagt: ›Jerusalem wird nicht fallen, der assyrische
König kann die Stadt nicht einnehmen!‹
2Kön 19,11 Du weißt doch, wie die assyrischen Könige gegen ihre Feinde vorgehen:
Ihre Länder verwüsten sie, und die Bewohner metzeln sie nieder. Und da solltest
gerade du verschont bleiben?
2Kön 19,12 Wurden denn Städte wie Gosan, Haran oder Rezef von ihren Göttern
beschützt? Wie war es mit den Einwohnern von Telassar im Land Eden? Kein Gott
half ihnen, als meine Vorgänger sie vernichteten!
2Kön 19,13 Und wo sind heute die Könige von Hamat und Arpad, Sefarwajim, Hena
und Awa?«
2Kön 19,14 Die Boten überbrachten Hiskia das Schreiben. Er las es und ging damit
in den Tempel. Dort breitete er den Brief vor dem Herrn aus
2Kön 19,15 und begann zu beten: »O Herr, du Gott Israels, der du über den
Cherub-Engeln thronst, du allein bist Gott über alle Königreiche der Welt.
Himmel und Erde hast du geschaffen.
2Kön 19,16 Herr, erhöre mich! Sieh doch, wie schlimm es um uns steht! Höre, wie
Sanherib dich, den lebendigen Gott, verhöhnt.
2Kön 19,17 Es ist wahr, Herr: Die assyrischen Könige haben die Länder aller
ihrer Feinde verwüstet.
2Kön 19,18 Sie haben deren Götter ins Feuer geworfen, denn es waren ja keine
lebendigen Götter, sondern nur Figuren aus Holz oder Stein, von Menschen
gemacht. Darum konnten die Assyrer sie verbrennen.
2Kön 19,19 Nun bitte ich dich, Herr, unser Gott: Errette uns aus der Gewalt des
assyrischen Königs! Alle Länder der Erde sollen erkennen, dass du allein Gott
bist!«
2Kön 19,20 Da schickte Jesaja, der Sohn des Amoz, einen Boten zu König Hiskia,
der ihm sagen sollte: »So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe gehört,
was du wegen Sanherib gebetet hast.
2Kön 19,21 Hör nun, was ich zum König von Assyrien sage: Die Stadt Zion
verachtet und verspottet dich. Ganz Jerusalem lacht über dich!
2Kön 19,22 Weißt du überhaupt, wen du verhöhnt und gelästert hast? Weißt du, mit
wem du dich angelegt hast? Mit dem heiligen Gott Israels!
2Kön 19,23 Durch deine Boten hast du mich, den Herrn, verspottet. Du prahlst:
›Mit meinen vielen Streitwagen habe ich die Berge bezwungen, bis zum höchsten
Gipfel des Libanon bin ich vorgestoßen. Seine hohen Zedern habe ich gefällt und
die schönsten Zypressen abgeholzt. Ich erreichte das entlegenste Versteck und
drang in jedes Dickicht seiner Wälder vor.
2Kön 19,24 In fremden Ländern habe ich mir Brunnen gegraben. Die Nilarme in
Ägypten waren kein Hindernis für mich: Unter meinen Schritten trockneten sie
aus.‹
2Kön 19,25 Höre, König von Assyrien: Womit du jetzt prahlst, das habe ich schon
in grauer Vorzeit geplant, seit langem ist es vorbereitet! Nur darum habe ich
zugelassen, dass du befestigte Städte einreißt und sie in Trümmerhaufen
verwandelst.
2Kön 19,26 Ihre Einwohner waren machtlos gegen dich, du hast Schrecken und
Schande über sie gebracht. Sie waren wie junges Grün auf dem Feld, wie zartes
Gras auf Lehmdächern, das im heißen Ostwind verdorrt.
2Kön 19,27 Ich kenne dich ganz genau. Ich weiß, ob du sitzt oder stehst. Ich
sehe, wann du kommst und wann du gehst. Ich weiß auch, wie du gegen mich wütest.
2Kön 19,28 Dein Prahlen habe ich gehört. Weil du so gegen mich tobst, will ich
dir einen Ring durch die Nase ziehen und meinen Zaum ins Maul legen. Dann treibe
ich dich den Weg wieder zurück, den du gekommen bist.
2Kön 19,29 Dir, Hiskia, gebe ich ein Zeichen, an dem du erkennen kannst, dass
ich mein Versprechen halte: In diesem und im nächsten Jahr müsst ihr von dem
leben, was auf euren Feldern von allein nachwächst. Doch im übernächsten Jahr
könnt ihr wieder säen und ernten, Weinberge anlegen und ihre Früchte essen wie
früher.
2Kön 19,30 Die Bewohner von Juda, die diese schwere Zeit überstehen, werden in
Frieden in ihrer Heimat leben können wie Pflanzen, die Wurzeln schlagen und
Frucht bringen.
2Kön 19,31 Denn in Jerusalem werden Menschen überleben und das Land wieder
bevölkern. Ich, der Herr, sorge dafür und verfolge mein Ziel beharrlich.
2Kön 19,32 Ich sage dir auch, was mit dem assyrischen König geschehen wird:
Seine Truppen werden Jerusalem mit keinem Fuß betreten. Sie werden keinen
einzigen Pfeil abschießen und nicht im Schutz ihrer Schilde gegen die Stadtmauer
anstürmen. Nicht einmal einen Belagerungswall werden sie aufschütten.
2Kön 19,33 Die Assyrer werden Jerusalem nicht stürmen, sondern auf demselben Weg
abziehen, den sie gekommen sind. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
2Kön 19,34 Um meiner Ehre willen beschütze ich diese Stadt. Ich rette sie, weil
ich es meinem Diener David versprochen habe.«
2Kön 19,35 Noch in dieser Nacht schickte der Herr seinen Engel in das Lager der
Assyrer. Er tötete 185000 Soldaten. Am nächsten Morgen war alles mit Leichen
übersät.
2Kön 19,36 Da ließ Sanherib zum Aufbruch blasen, zog seine Truppen ab und kehrte
nach Assyrien zurück. Er blieb in der Hauptstadt Ninive.
2Kön 19,37 Eines Tages, als er im Tempel seines Gottes Nisroch betete, stachen
ihn seine Söhne Adrammelech und Sarezer mit dem Schwert nieder. Die beiden
flohen in das Land Ararat, und Asarhaddon, ein anderer Sohn Sanheribs, wurde
sein Nachfolger.
2Kön 20,1 In dieser Zeit wurde Hiskia todkrank. Der Prophet Jesaja, der Sohn des
Amoz, besuchte ihn und sagte: »So spricht der Herr: ›Regle noch die letzten
Dinge, denn du bist unheilbar krank und wirst bald sterben.‹«
2Kön 20,2 Als Hiskia das hörte, drehte er sich zur Wand und betete:
2Kön 20,3 »Ach Herr, denk doch daran, dass ich mein Leben lang treu bei dir
geblieben bin und mit ganzer Hingabe getan habe, was dir gefällt.« Er fing laut
an zu weinen.
2Kön 20,4 [4/5] Jesaja war inzwischen wieder gegangen. Doch er war noch nicht
einmal bis zum Tor des inneren Vorhofs gekommen, als der Herr ihn noch einmal
mit einer Botschaft zu Hiskia zurücksandte. Jesaja ging erneut zum König und
sagte: »Du König meines Volkes, höre, was der Herr, der Gott deines Vorfahren
David, dir sagen lässt: ›Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen.
Ich will dich gesund machen. Übermorgen kannst du wieder in den Tempel des Herrn
gehen.
2Kön 20,6 Ich verlängere dein Leben um fünfzehn Jahre. Auch will ich dich und
diese Stadt vor dem assyrischen König bewahren. Um meiner eigenen Ehre willen
und weil ich es meinem Diener David versprochen habe, beschütze ich Jerusalem.‹«
2Kön 20,7 Dann befahl Jesaja: »Man soll einen Umschlag aus gepressten Feigen
machen und ihn auf das Geschwür des Königs legen!« Da wurde Hiskia gesund.
2Kön 20,8 Vorher hatte Hiskia Jesaja gefragt: »Woran kann ich erkennen, dass der
Herr mich wieder gesund macht und dass ich übermorgen zum Tempel gehen kann?«
2Kön 20,9 Jesaja hatte geantwortet: »Der Herr gibt dir ein Zeichen, an dem du
erkennen wirst, dass er sein Versprechen hält: Soll der Schatten an der Treppe
zehn Stufen vorwärts gehen, oder soll er zehn zurückwandern?«
2Kön 20,10 Hiskia antwortete: »Es ist nichts Besonderes, wenn der Schatten zehn
Stufen vorangeht. Nein, er soll zehn Stufen zurückwandern!«
2Kön 20,11 Da betete der Prophet Jesaja zum Herrn. Und der Herr ließ den
Schatten an der Treppe, die seinerzeit König Ahas gebaut hatte, zehn Stufen
zurückgehen.
2Kön 20,12 Kurze Zeit später kam eine Gesandtschaft des babylonischen Königs
Merodach-Baladan zu Hiskia. Merodach-Baladan war ein Sohn Baladans. Er hatte
gehört, dass Hiskia schwer krank gewesen war, und ließ ihm deshalb einen Brief
und Geschenke überbringen.
2Kön 20,13 Hiskia empfing die Gesandten freundlich und zeigte ihnen sein ganzes
Schatzhaus. In alle Kammern ließ er sie schauen. Sie sahen das Silber und das
Gold, die kostbaren Öle und Gewürze. Sogar das Waffenlager und die Vorratshäuser
zeigte er ihnen. Im ganzen Palast und im ganzen Reich gab es nichts Bedeutendes,
was diese Männer nicht zu sehen bekamen.
2Kön 20,14 Da ging der Prophet Jesaja zu König Hiskia. »Woher kamen diese
Männer, und was wollten sie von dir?«, fragte er, und Hiskia antwortete: »Aus
einem fernen Land sind sie gekommen, aus Babylonien.«
2Kön 20,15 »Was haben sie im Palast gesehen?«, wollte Jesaja wissen. Hiskia
erwiderte: »Sie haben alles gesehen, was ich besitze. In jede einzelne
Schatzkammer ließ ich sie schauen.«
2Kön 20,16 Da sagte Jesaja: »Hör, was der Herr dazu sagt:
2Kön 20,17 ›Eines Tages wird der ganze Reichtum in deinem Palast - alle Schätze,
die du und deine Vorfahren angehäuft haben - nach Babylon fortgebracht werden.
Nichts wird übrig bleiben.
2Kön 20,18 Auch einige deiner Söhne, die dir noch geboren werden, wird man
verschleppen. Sie müssen als Eunuchen im Palast des babylonischen Königs
dienen.‹«
2Kön 20,19 Hiskia sagte nur: »Der Herr weiß, was er tut; ich beuge mich seinem
Urteil. Wenn nur zu meinen Lebzeiten noch Friede und Ruhe herrschen!«
2Kön 20,20 Hiskias weiteres Leben und seine militärischen Erfolge sind in der
Chronik der Könige von Juda beschrieben. Man kann dort nachlesen, wie er den
Teich anlegen und die Wasserleitung bauen ließ, um die Stadt mit Wasser zu
versorgen.
2Kön 20,21 Als Hiskia starb, wurde sein Sohn Manasse zum Nachfolger erklärt.
2Kön 21,1 Manasse wurde mit 12 Jahren König und regierte fünfundfünfzig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Hefzi-Bah.
2Kön 21,2 Manasse tat, was der Herr verabscheute, und übernahm die schrecklichen
Bräuche der Völker, die der Herr aus dem Land vertrieben hatte, um es seinem
Volk Israel zu geben.
2Kön 21,3 Er baute die Höhenheiligtümer wieder auf, die sein Vater Hiskia
zerstört hatte. Er errichtete Altäre für den Gott Baal und stellte eine Statue
der Göttin Aschera auf, genau wie König Ahab von Israel. Er betete die Sterne an
und verehrte sie.
2Kön 21,4 Sogar im Tempel des Herrn stellte er seine Altäre auf, obwohl der Herr
über diesen Ort gesagt hatte: »Hier in Jerusalem will ich für immer wohnen.«
2Kön 21,5 Manasse aber errichtete in beiden Vorhöfen des Tempels Altäre, um
darauf den Sternen zu opfern.
2Kön 21,6 Er verbrannte seinen Sohn als Opfer, trieb Zauberei und Wahrsagerei
und ließ sich von Totenbeschwörern und Hellsehern die Zukunft voraussagen. So
tat er vieles, was der Herr verabscheute, und forderte seinen Zorn heraus.
2Kön 21,7 Die Statue der Aschera, die er hatte anfertigen lassen, stellte er im
Tempel auf. Dabei hatte der Herr zu David und seinem Sohn Salomo gesagt: »In
diesem Tempel und in Jerusalem, der Stadt, die ich aus allen Stämmen Israels
erwählt habe, will ich für immer wohnen.
2Kön 21,8 Ich will die Israeliten nicht mehr aus dem Land vertreiben, das ich
ihren Vorfahren gegeben habe, wenn sie nur auf mich hören und die Gebote
befolgen, die mein Diener Mose ihnen gegeben hat.«
2Kön 21,9 Doch sie gehorchten dem Herrn nicht, und so konnte Manasse sie leicht
zum Bösen verführen. Schließlich trieben sie es schlimmer als die Völker, die
der Herr ausgerottet hatte, bevor er das Land den Israeliten gab.
2Kön 21,10 Da ließ der Herr ihnen durch seine Diener, die Propheten, verkünden:
2Kön 21,11 »König Manasse von Juda hat schrecklichere Dinge getan als die
Amoriter, die früher im Land wohnten: Alle Bewohner Judas verführte er zum
Götzendienst, weil er überall seine Götzenstatuen aufstellen ließ.
2Kön 21,12 Darum werde ich, der Herr, der Gott Israels, so großes Unheil über
Jerusalem und Juda kommen lassen, dass niemand es ertragen kann, auch nur davon
zu hören.
2Kön 21,13 Ich messe Jerusalem mit dem gleichen Maß wie Samaria und lege es auf
die gleiche Waage wie Ahab und seine Nachkommen. Die Einwohner Jerusalems werde
ich so gründlich ausrotten, wie man eine Schüssel auswäscht und umdreht, bis
auch der letzte Tropfen Wasser verschwunden ist.
2Kön 21,14 Alle, die dann noch übrig geblieben sind, werde ich verstoßen. Ich
werde sie in die Gewalt ihrer Feinde geben, die sie ausrauben und das Land
plündern sollen.
2Kön 21,15 Denn sie haben getan, was ich verabscheue, und immer wieder meinen
Zorn herausgefordert. So war es schon, als ihre Vorfahren aus Ägypten auszogen,
und so ist es bis heute geblieben.«
2Kön 21,16 Manasse beging aber nicht nur die Sünde, dass er die Bewohner von
Juda zum Götzendienst verführte und sie zu Taten verleitete, die der Herr
verabscheute. An seinen Händen klebte das Blut vieler unschuldiger Menschen aus
Jerusalem.
2Kön 21,17 Alles Weitere über Manasses Leben und seinen Götzendienst steht in
der Chronik der Könige von Juda.
2Kön 21,18 Als er starb, wurde er im Garten seines Palasts, dem »Garten Usas«,
begraben. Sein Sohn Amon wurde sein Nachfolger.
2Kön 21,19 Amon wurde mit 22 Jahren König und regierte zwei Jahre in Jerusalem.
Seine Mutter hieß Meschullemet, sie war eine Tochter des Haruz aus Jotba.
2Kön 21,20 Wie sein Vater Manasse tat auch Amon, was der Herr verabscheute.
2Kön 21,21 In allem folgte er dem schlechten Beispiel seines Vaters: Er diente
denselben Götzen, die schon sein Vater verehrt hatte, und betete sie an.
2Kön 21,22 Vom Herrn, dem Gott seiner Vorfahren, aber wollte er nichts wissen,
und seine Gebote befolgte er nicht.
2Kön 21,23 Einige seiner Hofbeamten verschworen sich gegen ihn und ermordeten
ihn in seinem Palast.
2Kön 21,24 Doch das Volk brachte alle Verschwörer um und setzte Amons Sohn Josia
als Nachfolger ein.
2Kön 21,25 Alles Weitere über Amons Leben findet sich in der Chronik der Könige
von Juda.
2Kön 21,26 Man begrub ihn in seinem Familiengrab im »Garten Usas«. Sein Sohn
Josia wurde sein Nachfolger.
2Kön 22,1 Josia wurde mit 8 Jahren König und regierte einunddreißig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Jedida; sie war eine Tochter Adajas aus Bozkat.
2Kön 22,2 Josia tat, was dem Herrn gefiel. Er folgte dem guten Beispiel seines
Vorfahren David und ließ sich durch nichts davon abbringen.
2Kön 22,3 In seinem 18. Regierungsjahr sandte König Josia den Hofsekretär
Schafan, einen Sohn Azaljas und Enkel Meschullams, mit folgendem Auftrag in den
Tempel des Herrn:
2Kön 22,4 »Geh zum Hohenpriester Hilkija, und bitte ihn nachzuzählen, wie viel
Geld das Volk bisher den Priestern abgeliefert hat, die den Tempeleingang
bewachen.
2Kön 22,5 [5/6] Dann soll er das abgezählte Geld den Bauführern geben, die für
die Ausbesserungen am Tempel des Herrn verantwortlich sind. Diese sollen damit
die Handwerker, Bauleute und Maurer bezahlen. Außerdem sollen sie von dem Geld
das Holz und die Steine für die Ausbesserungen kaufen.
2Kön 22,7 Die Bauführer brauchen über die Ausgaben keine Rechenschaft abzulegen.
Man soll auf ihre Ehrlichkeit vertrauen!«
2Kön 22,8 Als der Hofsekretär Schafan zu Hilkija kam, zeigte der Hohepriester
ihm eine Buchrolle und sagte: »Dieses Gesetzbuch habe ich im Tempel des Herrn
gefunden.« Er gab es Schafan, und der las darin.
2Kön 22,9 Danach ging Schafan zum König zurück und meldete ihm: »Wir haben den
Opferkasten beim Altar geleert und das Geld den Bauführern ausgehändigt, die für
die Arbeiten am Tempel verantwortlich sind.«
2Kön 22,10 Dann berichtete er von dem Buch, das der Hohepriester Hilkija ihm
gegeben hatte, und las es dem König vor.
2Kön 22,11 Als der König hörte, was in dem Gesetzbuch stand, zerriss er
betroffen sein Gewand.
2Kön 22,12 Er beauftragte den Priester Hilkija, den Hofsekretär Schafan und
dessen Sohn Ahikam sowie Achbor, den Sohn Michajas, und Asaja, seinen
zuverlässigsten Hofbeamten:
2Kön 22,13 »Geht und fragt den Herrn, was wir tun sollen. Denn niemand in ganz
Juda - weder ich noch das Volk - hat getan, was in dem Buch steht, das gefunden
wurde. Der Herr muss deswegen sehr zornig auf uns sein, denn schon unsere Väter
haben nicht darauf gehört und die Weisungen nicht befolgt, die uns gegeben
wurden.«
2Kön 22,14 Da gingen der Priester Hilkija, Ahikam, Achbor, Schafan und Asaja zu
der Prophetin Hulda, um mit ihr zu sprechen. Ihr Mann Schallum, ein Sohn Tikwas
und Enkel Harhas, verwaltete die Kleiderkammer. Sie wohnte im neuen Stadtteil
von Jerusalem.
2Kön 22,15 [15/16] Hulda gab der Gesandtschaft eine Botschaft des Herrn für
König Josia. Sie sagte: »So spricht der Herr, der Gott Israels: ›Alles, was in
dem Buch steht, das der König von Juda gelesen hat, wird eintreffen! Das dort
angedrohte Unheil will ich über die Stadt und ihre Einwohner hereinbrechen
lassen.
2Kön 22,17 Denn sie haben mich verlassen und anderen Göttern ihre Räucheropfer
dargebracht. Mit ihrem Götzendienst haben sie mich herausgefordert. Mein Zorn
über diese Stadt ist wie ein Feuer, das nicht mehr erlöscht.
2Kön 22,18 Über den König von Juda sage ich, der Herr und Gott Israels: Du hast
nun meine Antwort gehört.
2Kön 22,19 Doch du hast dir meine Worte zu Herzen genommen und dich meiner Macht
gebeugt. Als du gehört hast, was ich über diese Stadt und ihre Einwohner gesagt
habe - dass ein Fluch sie treffen soll und jeden, der es sieht, das Entsetzen
packt -, da hast du betroffen dein Gewand zerrissen und bist in Tränen
ausgebrochen. Darum will ich dein Gebet erhören. Das verspreche ich, der Herr.
2Kön 22,20 Du sollst in Frieden sterben und im Grab der Königsfamilie beigesetzt
werden. Das Unheil, das ich über die Stadt kommen lasse, wirst du nicht mehr
erleben.‹« Die Gesandten überbrachten diese Antwort dem König.
2Kön 23,1 Danach ließ der König alle Ältesten von Jerusalem und aus dem ganzen
Land Juda zusammenrufen.
2Kön 23,2 Er ging zum Tempel des Herrn, wo sich eine große Volksmenge versammelt
hatte. Alle Männer von Juda waren gekommen, die ganze Bevölkerung Jerusalems,
die Priester und Propheten, alle, vom Einfachsten bis zum Vornehmsten. Vor
dieser Versammlung wurde nun das ganze Bundesbuch vorgelesen, das im Tempel des
Herrn gefunden worden war.
2Kön 23,3 Der König stand an seinem Platz bei der Säule. Nach der Lesung des
Buches schloss er mit dem Herrn einen Bund und schwor: »Wir wollen wieder dem
Herrn gehorchen! Von ganzem Herzen wollen wir nach seinem Gesetz leben und seine
Gebote und Weisungen befolgen. Wir wollen alle Bundesbestimmungen einhalten, die
in diesem Buch aufgeschrieben sind.« Das ganze Volk schloss sich diesem
Versprechen an.
2Kön 23,4 Nun befahl König Josia dem Hohenpriester Hilkija, dessen
Stellvertretern und den Priestern, die den Eingang zum Tempel bewachten: »Holt
alle Gegenstände aus dem Tempel, die für die Verehrung des Gottes Baal, der
Göttin Aschera und der Gestirne gebraucht wurden. Verbrennt alles außerhalb der
Stadt auf den Feldern im Kidrontal.« Die Asche ließ Josia später nach Bethel
bringen.
2Kön 23,5 Er setzte auch die Götzenpriester ab, die von seinen Vorgängern
ernannt worden waren. In den Höhenheiligtümern um Jerusalem und in allen Städten
Judas hatten sie Opfer dargebracht, nicht nur dem Gott Baal, sondern auch der
Sonne, dem Mond, den Sternen und den Tierkreiszeichen.
2Kön 23,6 Die Statue der Göttin Aschera ließ Josia aus dem Tempel holen und aus
der Stadt schaffen. Er verbrannte sie im Kidrontal, zerrieb die Asche zu feinem
Staub und streute diesen auf die Gräber des Armenfriedhofs.
2Kön 23,7 Auch die Häuser direkt beim Tempel, wo die Männer wohnten, die der
Tempelprostitution nachgingen, ließ er niederreißen. Dort hatten die Frauen
Kleider für die Göttin Aschera gewebt.
2Kön 23,8 Josia holte alle levitischen Priester aus ganz Juda nach Jerusalem
zurück und entweihte alle Höhenheiligtümer, in denen sie bisher geopfert hatten
- von Geba im Norden Judas bis Beerscheba im Süden. Auch die beiden Altäre bei
dem Stadttor, das nach dem Stadtobersten Joschua benannt war, riss er nieder.
Sie standen auf der linken Seite, wenn man zum Tor hereinkam.
2Kön 23,9 Die Priester, die in den Höhenheiligtümern geopfert hatten, durften
auf dem Altar des Herrn in Jerusalem keine Opfer darbringen. Doch sie durften
wie die anderen Priester von dem ungesäuerten Brot essen, das dem Herrn geweiht
war.
2Kön 23,10 Auch die Opferstätte Tofet im Hinnomtal verwüstete Josia, damit
niemand mehr dort seinen Sohn oder seine Tochter für den Götzen Moloch als Opfer
verbrennen konnte.
2Kön 23,11 Die Pferdestatuen, die seine Vorgänger zu Ehren der Sonnengottheit
aufgestellt hatten, riss er nieder, und ihre Wagen verbrannte er. Sie hatten im
Vorhof beim Tempeleingang gestanden, auf der Seite, wo die Diensträume des
Hofbeamten Netan-Melech lagen.
2Kön 23,12 Auch auf dem Dach des Obergeschosses, das Ahas im Königspalast gebaut
hatte, standen Altäre, die verschiedene Könige von Juda errichtet hatten. Josia
zertrümmerte sie, wie auch die zwei Altäre, die Manasse in den beiden
Tempelvorhöfen aufgestellt hatte. Die Trümmer ließ er ins Kidrontal bringen.
2Kön 23,13 Schließlich entweihte er die Höhenheiligtümer im Osten Jerusalems,
rechts vom Berg des Verderbens. König Salomo hatte sie seinerzeit errichtet. Er
hatte sie Astarte, der widerlichen Göttin der Sidonier, geweiht sowie dem
moabitischen Götzen Kemosch und Milkom, dem schrecklichen Götzen der Ammoniter.
2Kön 23,14 Josia zertrümmerte die heiligen Steine und schlug die Gedenksäulen
um. Den Ort, wo sie gestanden hatten, bedeckte er mit Menschengebeinen.
2Kön 23,15 [15/16] In Bethel standen immer noch das Höhenheiligtum und der
Altar, den Jerobeam, der Sohn Nebats, gebaut hatte. Jerobeam war es, der die
Israeliten zum Götzendienst verführt hatte. Als Josia sah, dass an den Hängen
des Hügels, auf dem der Altar stand, viele Gräber lagen, ließ er alle Gebeine
aus den Gräbern holen und auf dem Altar verbrennen. So wurde der Altar auf genau
die Weise entweiht, wie der Herr es damals durch den Propheten aus Juda
vorausgesagt hatte. Dann zerstörte Josia das Heiligtum; den Altar ließ er
niederreißen und die Götzenstatue der Aschera zermalmen, bevor er alles in
Flammen aufgehen ließ.
2Kön 23,17 Als Josia sich umsah, entdeckte er noch ein Grabmal. »Wer ist hier
bestattet?«, fragte er die Bürger der Stadt. Sie antworteten: »Das ist das Grab
des Propheten aus Juda, der über den Altar von Bethel genau das vorhergesagt
hat, was du heute getan hast.«
2Kön 23,18 Da befahl der König: »Lasst ihn in Frieden! Keiner soll seine Gebeine
anrühren!« Und so wurden die Gebeine des Propheten verschont, ebenso wie die
Gebeine des Propheten aus Samaria, der im selben Grab bestattet war.
2Kön 23,19 Auf die gleiche Weise wie in Bethel zerstörte Josia alle
Höhenheiligtümer in den Städten Samarias. Die Könige von Israel hatten sie
errichtet und damit den Zorn des Herrn herausgefordert.
2Kön 23,20 Die Götzenpriester dieser Heiligtümer schlachtete Josia auf den
Altären und verbrannte ihre Knochen darauf. Danach kehrte er nach Jerusalem
zurück.
2Kön 23,21 In Jerusalem befahl der König: »Das ganze Volk soll zu Ehren des
Herrn das Passahfest feiern, so wie es in unserem Bundesbuch beschrieben ist!«
2Kön 23,22 Seit der Zeit, als die Richter das Volk führten, war das Passahfest
in Israel nicht mehr so gefeiert worden, auch nicht in den Jahren, in denen
Könige über Israel und Juda herrschten.
2Kön 23,23 Erst jetzt wieder, im 18. Regierungsjahr König Josias, wurde in
Jerusalem dieses Fest zu Ehren des Herrn gefeiert.
2Kön 23,24 Josia hielt sich an alles, was in dem Gesetzbuch stand, das der
Priester Hilkija im Tempel des Herrn gefunden hatte. Er vertrieb die
Totenbeschwörer und Wahrsager und ließ alle Hausgötter und Götzenstatuen in
Jerusalem und in ganz Juda vernichten.
2Kön 23,25 Weder vor noch nach Josia hatte sich ein König dem Herrn so zugewandt
wie er. Keiner war so wie er darauf bedacht, von ganzem Herzen, mit ganzer
Hingabe und mit all seiner Kraft nach dem Gesetz des Mose zu leben.
2Kön 23,26 Trotzdem war der Herr weiterhin voller Zorn über Juda, denn Manasse
hatte ihn über die Maßen herausgefordert.
2Kön 23,27 Darum sollte die Drohung des Herrn wahr werden: »Was ich mit Israel
getan habe, will ich auch mit Juda tun: Seine Bewohner werde ich verstoßen. Von
meiner erwählten Stadt Jerusalem wende ich mich ab. Auch vom Tempel will ich
nichts mehr wissen, von dem ich früher gesagt habe: ›Dort will ich für immer
wohnen.‹«
2Kön 23,28 Alles Weitere über Josias Leben und seine Taten ist in der Chronik
der Könige von Juda beschrieben.
2Kön 23,29 Während seiner Regierungszeit unternahm der Pharao Necho, der König
von Ägypten, einen Feldzug gegen die Assyrer und drang bis zum Euphrat vor.
Josia versuchte, die Ägypter mit seinem Heer aufzuhalten. Doch als es bei
Megiddo zur Schlacht kam, tötete Necho ihn.
2Kön 23,30 Josias Diener brachten den Toten auf einem Wagen von Megiddo nach
Jerusalem und begruben ihn dort in seinem Familiengrab. Das Volk salbte Joahas,
den Sohn Josias, zum König und setzte ihn als Nachfolger ein.
2Kön 23,31 Joahas wurde mit 23 Jahren König und regierte drei Monate in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Hamutal; sie war eine Tochter Jirmejas aus Libna.
2Kön 23,32 Joahas tat, was der Herr verabscheute, genau wie seine Vorfahren.
2Kön 23,33 Der Pharao Necho nahm ihn in Ribla in der Provinz Hamat gefangen und
machte so seiner Regierung ein Ende. Das Land Juda musste dem Pharao 70 Zentner
Silber und 36 Kilogramm Gold als Tribut zahlen.
2Kön 23,34 Für Joahas setzte der Pharao Eljakim, einen anderen Sohn Josias, auf
den Thron und änderte seinen Namen in Jojakim. Joahas aber nahm er mit nach
Ägypten, wo dieser später auch starb.
2Kön 23,35 Um die geforderte Menge an Gold und Silber aufbringen zu können,
musste Jojakim dem Volk eine Sondersteuer auferlegen. Jeder in Juda hatte seinem
Besitz entsprechend eine bestimmte Summe für den Pharao abzuliefern. So konnte
Jojakim den Tribut an Necho bezahlen.
2Kön 23,36 Jojakim wurde mit 25 Jahren König und regierte elf Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Sebuda und war eine Tochter Pedajas aus Ruma.
2Kön 23,37 Auch er tat, was der Herr verabscheute, genau wie seine Vorgänger.
2Kön 24,1 Während der Regierungszeit Jojakims schickte König Nebukadnezar von
Babylonien seine Truppen gegen Juda und zwang Jojakim, sich ihm zu unterwerfen.
Doch nach drei Jahren lehnte Jojakim sich auf und sagte sich von Nebukadnezar
los.
2Kön 24,2 Da ließ der Herr Räuberbanden aus Babylonien, Syrien, Moab und Ammon
in Juda einfallen, um Juda zugrunde zu richten. Es sollte sich erfüllen, was der
Herr durch seine Diener, die Propheten, angekündigt hatte.
2Kön 24,3 Der Herr selbst ließ dieses Unheil über die Bewohner von Juda kommen,
weil er sie verstoßen wollte. Denn Manasses Sünden hatten das Maß voll gemacht:
seinen Götzendienst
2Kön 24,4 und seinen Mord an vielen unschuldigen Menschen - dies alles wollte
der Herr nicht mehr vergeben.
2Kön 24,5 Alles Weitere über Jojakims Leben steht in der Chronik der Könige von
Juda.
2Kön 24,6 Als er starb, trat sein Sohn Jojachin die Nachfolge an.
2Kön 24,7 Zu dieser Zeit konnte der König von Ägypten sein Land nicht mehr
verlassen, denn der König von Babylonien hatte ihm alle zuvor eroberten Gebiete
abgenommen: von dem Bach, der die Grenze zu Ägypten bildet, bis zum Euphrat.
2Kön 24,8 Jojachin wurde mit 18 Jahren König und regierte drei Monate in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Nehuschta. Sie war eine Tochter Elnatans aus
Jerusalem.
2Kön 24,9 Jojachin tat, was der Herr verabscheute, genau wie sein Vater.
2Kön 24,10 Während seiner Regierungszeit marschierten die Truppen des
babylonischen Königs Nebukadnezar nach Jerusalem und bauten einen Wall um die
Stadt.
2Kön 24,11 Nebukadnezar kam selbst nach Jerusalem, während seine Soldaten die
Stadt noch belagerten.
2Kön 24,12 Da ergab sich Jojachin. Zusammen mit seiner Mutter, seinen Dienern,
Offizieren und Hofbeamten stellte er sich dem König von Babylonien, der ihn
sofort gefangen nahm. Dies geschah im 8. Regierungsjahr Nebukadnezars.
2Kön 24,13 Was der Herr angekündigt hatte, erfüllte sich nun: Nebukadnezar ließ
alle Schätze aus dem Tempel des Herrn und aus dem Palast holen, auch die
goldenen Gefäße, die Salomo, der König von Israel, hatte anfertigen lassen.
2Kön 24,14 Die Oberschicht von Jerusalem führte er in die Verbannung: alle
Offiziere und erfahrenen Soldaten, alle Schmiede und Schlosser, insgesamt 10000
Gefangene. Zurück blieb nur das einfache Volk.
2Kön 24,15 Auch Jojachin kam als Gefangener nach Babylonien und mit ihm die
Königinmutter, die Frauen des Königs, seine Hofbeamten und alle wohlhabenden
Bürger des Landes.
2Kön 24,16 Nebukadnezar ließ 7000 Soldaten und 1000 Schmiede und Schlosser,
alles erfahrene und tüchtige Leute, nach Babylonien verschleppen.
2Kön 24,17 In Jerusalem setzte er an Jojachins Stelle Mattanja als König ein.
Mattanja war der Onkel Jojachins, der Bruder seines Vaters. Nebukadnezar änderte
seinen Namen in Zedekia.
2Kön 24,18 Zedekia wurde mit 21 Jahren König und regierte elf Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Hamutal, sie war eine Tochter Jirmejas aus Libna.
2Kön 24,19 Wie Jojakim tat auch Zedekia, was der Herr verabscheute.
2Kön 24,20 Der Herr war voller Zorn über die Bewohner von Jerusalem und Juda,
und so wandte er sich von ihnen ab. Auch Zedekia lehnte sich gegen die
Herrschaft des babylonischen Königs auf.
2Kön 25,1 Darum zog Nebukadnezar erneut mit seinem ganzen Heer nach Jerusalem,
um die Stadt anzugreifen. Im 9. Regierungsjahr Zedekias, am 10. Tag des 10.
Monats, begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Rings um die
Stadt schütteten sie einen Wall auf.
2Kön 25,2 Bis ins 11. Regierungsjahr Zedekias hielt Jerusalem der Belagerung
stand.
2Kön 25,3 Doch schließlich waren alle Vorräte aufgebraucht, und die Einwohner
litten unter einer schweren Hungersnot. Am 9. Tag des 4. Monats
2Kön 25,4 schlugen die Babylonier eine Bresche in die Stadtmauer. In der Nacht
darauf gelang Zedekia mit allen seinen Soldaten die Flucht, obwohl die Feinde
einen geschlossenen Belagerungsring um die Stadt gebildet hatten. Sie nahmen den
Weg durch das Tor zwischen den beiden Mauern beim Garten des Königs und flohen
in Richtung Jordanebene.
2Kön 25,5 Doch die Babylonier verfolgten Zedekia und holten ihn bei Jericho ein.
Seine Soldaten liefen in alle Richtungen davon, und so wurde er allein gefangen
genommen.
2Kön 25,6 Die Babylonier führten ihn zu ihrem König nach Ribla, dort fällte
Nebukadnezar das Urteil über ihn:
2Kön 25,7 Zedekia musste zusehen, wie alle seine Söhne hingerichtet wurden.
Danach stach man ihm die Augen aus und brachte ihn in Ketten nach Babylon.
2Kön 25,8 Im 19. Regierungsjahr König Nebukadnezars von Babylonien, am 7. Tag
des 5. Monats, traf Nebusaradan in Jerusalem ein. Er war der Oberbefehlshaber
der königlichen Leibwache und kam im Auftrag Nebukadnezars.
2Kön 25,9 Er ließ den Tempel des Herrn, den Königspalast und alle großen Häuser
in Flammen aufgehen.
2Kön 25,10 Seine Soldaten rissen die Stadtmauer nieder.
2Kön 25,11 Nebusaradan ließ alle gefangen nehmen, die in Jerusalem und in ganz
Juda zurückgeblieben waren. Auch alle, die zu den Babyloniern übergelaufen
waren, führte er in die Verbannung.
2Kön 25,12 Nur einige der ärmsten Landarbeiter ließ er zurück, um die Äcker und
Weinberge zu bestellen.
2Kön 25,13 Im Tempel zerschlugen die Babylonier die beiden Säulen aus Bronze,
die Kesselwagen und das runde Wasserbecken und brachten die Bronze nach Babylon.
2Kön 25,14 Auch die Eimer, Schaufeln, Messer, Schalen und alle anderen bronzenen
Gegenstände für den Tempeldienst nahmen sie mit,
2Kön 25,15 ebenso die Aschenkübel und Schüsseln aus reinem Gold oder Silber.
Dies alles ließ der Oberbefehlshaber der Leibwache nach Babylon bringen.
2Kön 25,16 Auch die Bronze der beiden Säulen, des runden Wasserbeckens und der
Kesselwagen, die Salomo für den Tempel des Herrn hatte anfertigen lassen, wurde
mitgenommen. Es kam so viel Bronze zusammen, dass man sie gar nicht mehr wiegen
konnte.
2Kön 25,17 Allein die beiden Säulen waren schon neun Meter hoch, und auf jeder
ruhte noch ein bronzenes Kapitell von anderthalb Metern Höhe. Die Kapitelle
waren ringsum verziert mit Ketten und Granatäpfeln, ebenfalls aus Bronze.
2Kön 25,18 Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache, ließ
einige Männer von den Gefangenen aussondern: den Hohenpriester Seraja, seinen
Stellvertreter Zefanja und die drei Priester, die den Tempeleingang bewachten,
2Kön 25,19 einen Hofbeamten, der die Aufsicht über die Truppen in der Stadt
hatte, fünf Männer aus Jerusalem, die zu den engsten Vertrauten des Königs
gehörten, den Offizier, der für die Musterung der Truppen verantwortlich war,
und schließlich sechzig Männer aus Juda, die sich gerade in Jerusalem
aufhielten.
2Kön 25,20 Sie alle sonderte Nebusaradan aus und brachte sie nach Ribla in der
Provinz Hamat zum König von Babylonien.
2Kön 25,21 Dort ließ Nebukadnezar sie alle hinrichten. Die Bevölkerung von Juda
wurde aus ihrer Heimat vertrieben.
2Kön 25,22 Über die zurückgebliebene Bevölkerung von Juda, die Nebukadnezar
nicht gefangen genommen hatte, setzte er einen Statthalter ein: Gedalja, einen
Sohn Ahikams und Enkel Schafans.
2Kön 25,23 Als die Offiziere und Soldaten, die verschont geblieben waren,
hörten, wen der babylonische König als Statthalter eingesetzt hatte, kamen sie
zu Gedalja nach Mizpa. Es waren die Offiziere Jismael, ein Sohn Netanjas,
Johanan, ein Sohn Kareachs, Seraja aus Netofa, ein Sohn Tanhumets, und Jaasanja
aus Maacha. Einige ihrer Soldaten begleiteten sie.
2Kön 25,24 Gedalja versprach ihnen: »Ihr braucht vor den Babyloniern keine Angst
zu haben! Bleibt in Juda, und unterwerft euch dem babylonischen König! Dann geht
es euch gut. Das schwöre ich euch!«
2Kön 25,25 Aber im 7. Monat des Jahres kam Jismael, der Sohn Netanjas und Enkel
Elischamas, ein direkter Nachkomme der Königsfamilie, wieder nach Mizpa. Zehn
Männer begleiteten ihn. Sie töteten Gedalja und alle Judäer und Babylonier, die
bei ihm in Mizpa wohnten.
2Kön 25,26 Darauf floh die ganze Bevölkerung Judas, Arm und Reich, mit den
Offizieren nach Ägypten. Sie fürchteten die Rache der Babylonier.
2Kön 25,27 37 Jahre nach der Gefangennahme Jojachins, des früheren Königs von
Juda, wurde Ewil-Merodach König von Babylonien. Im 1. Jahr seiner Regierung, am
27. Tag des 12. Monats, begnadigte er Jojachin von Juda und holte ihn aus dem
Gefängnis.
2Kön 25,28 Er behandelte ihn freundlich und gab ihm eine bevorzugte Stellung
unter den Königen, die in Babylon gefangen gehalten wurden.
2Kön 25,29 Jojachin durfte seine Gefängniskleidung ablegen und bis an sein
Lebensende an der königlichen Tafel essen.
2Kön 25,30 Der König sorgte auch sonst für seinen Unterhalt. Jojachin bekam
täglich, was er zum Leben brauchte.
1Chr 1,1 Dies ist das Verzeichnis der Nachkommen Adams bis Noah: Adam, Set,
Enosch,
1Chr 1,2 Kenan, Mahalalel, Jered,
1Chr 1,3 Henoch, Metuschelach, Lamech,
1Chr 1,4 Noah. Noah hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet.
1Chr 1,5 Jafets Söhne waren Gomer, Magog, Madai, Jawan, Tubal, Meschech und
Tiras.
1Chr 1,6 Gomers Söhne hießen Aschkenas, Rifat und Togarma,
1Chr 1,7 Jawans Söhne Elischa und Tarsis; von ihm stammten auch die Kittäer und
die Rodaniter ab.
1Chr 1,8 Hams Söhne waren Kusch, Mizrajim, Put und Kanaan.
1Chr 1,9 [9/10] Kuschs Söhne hießen Seba, Hawila, Sabta, Ragma und Sabtecha.
Kusch hatte noch einen Sohn mit Namen Nimrod. Er war der erste Herrscher, der
sich andere Völker mit Gewalt unterwarf. Ragmas Söhne hießen Saba und Dedan.
1Chr 1,11 Von Mizrajim stammten ab: die Luditer, Anamiter, Lehabiter,
Naftuhiter,
1Chr 1,12 Patrositer, Kaftoriter und Kasluhiter, von denen wiederum die
Philister abstammten.
1Chr 1,13 Kanaans Söhne waren Sidon, sein Ältester, und Het.
1Chr 1,14 Außerdem stammten von Kanaan ab: die Jebusiter, Amoriter,
Girgaschiter,
1Chr 1,15 Hiwiter, Arkiter, Siniter,
1Chr 1,16 Arwaditer, Zemariter und Hamatiter.
1Chr 1,17 Sems Söhne hießen Elam, Assur, Arpachschad, Lud und Aram. Arams Söhne
waren: Uz, Hul, Geter und Masch.
1Chr 1,18 Arpachschads Sohn hieß Schelach, und Schelach war der Vater Ebers.
1Chr 1,19 Eber hatte zwei Söhne: Der eine hieß Peleg (»Teilung«), weil sich
damals die Menschen auf der Erde verteilten, der andere hieß Joktan.
1Chr 1,20 Joktan war der Vater von Almodad, Schelef, Hazarmawet, Jerach,
1Chr 1,21 Hadoram, Usal, Dikla,
1Chr 1,22 Obal, Abimaël, Saba,
1Chr 1,23 Ofir, Hawila und Jobab.
1Chr 1,24 Dies ist die Linie von Sem bis Abraham: Sem, Arpachschad, Schelach,
1Chr 1,25 Eber, Peleg, Regu,
1Chr 1,26 Serug, Nahor, Terach,
1Chr 1,27 Abram, der später Abraham genannt wurde.
1Chr 1,28 Abrahams Söhne hießen Isaak und Ismael.
1Chr 1,29 Und dies sind ihre Nachkommen: Ismaels ältester Sohn hieß Nebajot; die
übrigen Söhne waren: Kedar, Adbeel, Mibsam,
1Chr 1,30 Mischma, Duma, Massa, Hadad, Tema,
1Chr 1,31 Jetur, Nafisch und Kedma.
1Chr 1,32 Auch mit seiner Nebenfrau Ketura hatte Abraham Söhne: Sie hießen
Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach. Jokschan war der Vater
von Saba und Dedan,
1Chr 1,33 Midian der Vater von Efa, Efer, Henoch, Abida und Eldaa.
1Chr 1,34 Abrahams Sohn Isaak hatte zwei Söhne: Esau und Israel.
1Chr 1,35 Esaus Söhne hießen Elifas, Reguël, Jëusch, Jalam und Korach.
1Chr 1,36 Elifas war der Vater von Teman, Omar, Zefo, Gatam, Kenas, Timna und
Amalek.
1Chr 1,37 Reguëls Söhne hießen Nahat, Serach, Schamma und Misa.
1Chr 1,38 Seïrs Söhne waren Lotan, Schobal, Zibon, Ana, Dischon, Ezer und
Dischan.
1Chr 1,39 Lotans Söhne hießen Hori und Hemam, seine Schwester war Timna.
1Chr 1,40 Schobal war der Vater von Alwan, Manahat, Ebal, Schefi und Onam, Zibon
der Vater von Aja und Ana.
1Chr 1,41 Ana hatte einen Sohn mit Namen Dischon. Dischons Söhne hießen Hemdan,
Eschban, Jitran und Keran.
1Chr 1,42 Ezers Söhne waren Bilhan, Saawan und Akan. Dischans Söhne schließlich
hießen Uz und Aran.
1Chr 1,43 Noch bevor die Israeliten einen König hatten, regierten im Land Edom
nacheinander folgende Könige: König Bela, der Sohn Beors, in der Stadt Dinhaba;
1Chr 1,44 König Jobab, der Sohn Serachs, in der Stadt Bozra;
1Chr 1,45 König Huscham aus dem Gebiet der Temaniter;
1Chr 1,46 König Hadad, der Sohn Bedads, in der Stadt Awit; sein Heer schlug die
Midianiter im Gebiet von Moab;
1Chr 1,47 König Samla in der Stadt Masreka;
1Chr 1,48 König Schaul in der Stadt Rehobot am Fluss;
1Chr 1,49 König Baal-Hanan, der Sohn Achbors;
1Chr 1,50 König Hadad in der Stadt Pagu; seine Frau hieß Mehetabel, eine Tochter
Matreds und Enkelin Me-Sahabs.
1Chr 1,51 Die Oberhäupter der edomitischen Stämme hießen Timna, Alwa, Jetet,
1Chr 1,52 Oholibama, Ela, Pinon,
1Chr 1,53 Kenas, Teman, Mibzar,
1Chr 1,54 Magdiël und Iram.
1Chr 2,1 Israels Söhne hießen Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Sebulon,
1Chr 2,2 Dan, Josef, Benjamin, Naftali, Gad und Asser.
1Chr 2,3 Juda war mit einer Kanaaniterin, einer Tochter Schuas, verheiratet. Sie
hatten drei Söhne: Er, Onan und Schela. Er, der Älteste, tat, was der Herr
verabscheute, darum ließ der Herr ihn früh sterben.
1Chr 2,4 Juda hatte noch zwei Söhne mit seiner Schwiegertochter Tamar. Sie
hießen Perez und Serach. Insgesamt hatte Juda also fünf Söhne.
1Chr 2,5 Die Söhne des Perez hießen Hezron und Hamul;
1Chr 2,6 Serach hatte fünf Söhne: Simri, Etan, Heman, Kalkol und Darda.
1Chr 2,7 Karmi, ein Enkel Serachs, hatte einen Sohn namens Achar. Achar brachte
Unheil über Israel, weil er etwas von der Beute versteckte, die Gott geweiht
war.
1Chr 2,8 Etans Sohn hieß Asarja.
1Chr 2,9 Hezrons Söhne waren Jerachmeel, Ram und Kaleb.
1Chr 2,10 Ram war der Vater Amminadabs, und dessen Sohn hieß Nachschon.
Nachschon war das Oberhaupt des Stammes Juda.
1Chr 2,11 Sein Sohn hieß Salmon und dessen Sohn Boas;
1Chr 2,12 Boas' Sohn war Obed, und Obeds Sohn hieß Isai.
1Chr 2,13 Isais ältester Sohn hieß Eliab, der zweite Abinadab, der dritte
Schamma,
1Chr 2,14 der vierte Netanel, der fünfte Raddai,
1Chr 2,15 der sechste Ozem und der siebte David.
1Chr 2,16 Außerdem hatte Isai zwei Töchter: Zeruja und Abigal. Zeruja hatte drei
Söhne: Abischai, Joab und Asaël.
1Chr 2,17 Abigals Sohn hieß Amasa. Sein Vater war ein Ismaeliter mit Namen
Jeter.
1Chr 2,18 Kaleb, der Sohn Hezrons, und seine Frau Asuba hatten eine Tochter
namens Jeriot. Jeriots Söhne hießen Jescher, Schobab und Ardon.
1Chr 2,19 Nach Asubas Tod heiratete Kaleb Efrata. Sie hatten einen Sohn names
Hur.
1Chr 2,20 Hurs Sohn hieß Uri und dessen Sohn Bezalel.
1Chr 2,21 Mit 60 Jahren heiratete Kalebs Vater Hezron noch einmal. Seine Frau
war eine Tochter Machirs, des Vaters von Gilead. Hezron und seine Frau bekamen
einen Sohn mit Namen Segub.
1Chr 2,22 [22/23] Segubs Sohn hieß Jaïr. Er besaß in der Gegend von Gilead
dreiundzwanzig Dörfer, die »Dörfer Jaïrs« genannt wurden. Doch die Geschuriter
und die Syrer eroberten sie, ebenso die Stadt Kenat und die umliegenden Orte.
Insgesamt nahmen sie bei diesem Feldzug sechzig Städte ein. Alle ihre Einwohner
waren Nachkommen Machirs, des Vaters Gileads.
1Chr 2,24 Als Hezron in Kaleb-Efrata schon gestorben war, brachte seine Witwe
Abija noch einen Sohn zur Welt: Er hieß Aschhur und gründete später die Stadt
Tekoa.
1Chr 2,25 Dies sind die Nachkommen Jerachmeels, des ältesten Sohnes Hezrons: Der
erste Sohn hieß Ram, dann folgten Buna, Oren, Ozem und Ahija.
1Chr 2,26 Jerachmeels zweite Frau hieß Atara. Sie war die Mutter Onams.
1Chr 2,27 Die Söhne Rams, des ältesten Sohnes Jerachmeels, hießen Maaz, Jamin
und Eker.
1Chr 2,28 Onams Söhne waren Schammai und Jada. Schammais Söhne hießen Nadab und
Abischur.
1Chr 2,29 Abischur und seine Frau Abihajil hatten zwei Söhne: Achban und Molid.
1Chr 2,30 Nadabs Söhne hießen Seled und Appajim. Seled starb ohne Kinder;
1Chr 2,31 Appajim hatte einen Sohn namens Jischi. Jischi war der Vater von
Scheschan, und dessen Sohn hieß Achlai.
1Chr 2,32 Die Söhne Jadas, des Bruders Schammais, waren Jeter und Jonatan. Jeter
hatte keine Kinder.
1Chr 2,33 Jonatans Söhne hießen Pelet und Sasa. Das waren die Nachkommen
Jerachmeels.
1Chr 2,34 Scheschan hatte keine Söhne, sondern nur Töchter.
1Chr 2,35 Eine dieser Töchter verheiratete er mit seinem ägyptischen Sklaven
Jarha. Ihr gemeinsamer Sohn hieß Attai.
1Chr 2,36 Von ihm stammten in direkter Linie ab: Nathan, Sabad,
1Chr 2,37 Eflal, Obed,
1Chr 2,38 Jehu, Asarja,
1Chr 2,39 Helez, Elasa,
1Chr 2,40 Sismai, Schallum,
1Chr 2,41 Jekamja und Elischama.
1Chr 2,42 Dies sind die Nachkommen Kalebs, des Bruders Jerachmeels: Mescha, sein
erster Sohn, gründete die Stadt Sif. Sein zweiter Sohn Marescha war der Vater
Hebrons und Gründer der gleichnamigen Stadt.
1Chr 2,43 Die Söhne Hebrons hießen Korach, Tappuach, Rekem und Schema.
1Chr 2,44 Schemas Sohn Raham war der Vater Jorkoams und gründete eine Stadt mit
diesem Namen. Rekems Sohn hieß Schammai.
1Chr 2,45 Schammais Sohn Maon war der Gründer von Bet-Zur.
1Chr 2,46 Kaleb und seine Nebenfrau Efa hatten drei Söhne: Haran, Moza und
Gases. Harans Sohn hieß Gases.
1Chr 2,47 Jahdais Söhne waren Regem, Jotam, Geschan, Pelet, Efa und Schaaf.
1Chr 2,48 Kaleb und seine zweite Nebenfrau Maacha hatten folgende Söhne: Scheber
und Tirhana,
1Chr 2,49 Schaaf, den Vater Madmannas, Schewa, den Vater Machbenas, und den
Vater Gibeas. Die letzten drei gründeten je eine Stadt und benannten sie nach
ihren Söhnen. Kalebs Tochter hieß Achsa.
1Chr 2,50 Es folgt ein Verzeichnis der Nachkommen Hurs, des ältesten Sohnes von
Efrata: Schobal, der die Stadt Kirjat-Jearim gründete,
1Chr 2,51 Salmon, der Gründer von Bethlehem, und Haref, der Gründer von
Bet-Gader.
1Chr 2,52 Von Schobal, dem Gründer von Kirjat-Jearim, stammten Reaja und die
Hälfte der Manahatiter ab.
1Chr 2,53 In Kirjat-Jearim wohnten die Sippen der Jeteriter, Putiter,
Schumatiter und Mischraiter. Von den Mischraitern stammten die Zoratiter und die
Eschtaoliter ab.
1Chr 2,54 Von Salmon stammten ab: die Einwohner von Bethlehem, die Sippe der
Netofatiter, die Einwohner von Atrot-Bet-Joab, die andere Hälfte der
Manahatiter, die Sippe der Zoriter,
1Chr 2,55 außerdem die Sippen, aus denen die Schreiber stammten; sie wohnten in
Jabez: die Tiratiter, die Schimatiter und die Suchatiter. Sie alle gehörten zu
den Kinitern und stammten von Hammat ab, dem Stammvater der Rechabiter.
1Chr 3,1 In Hebron wurden König David folgende Söhne geboren: Der älteste hieß
Amnon, seine Mutter war Ahinoam aus Jesreel. Danach kam Daniel, seine Mutter war
Abigajil aus Karmel.
1Chr 3,2 Absalom war der dritte Sohn; seine Mutter hieß Maacha und war eine
Tochter Talmais, des Königs von Geschur. Der vierte Sohn hieß Adonija, und seine
Mutter war Haggit.
1Chr 3,3 Der fünfte war Schefatja, seine Mutter hieß Abital. Jitream, der
sechste, war der Sohn von Davids Frau Egla.
1Chr 3,4 Diese sechs Söhne wurden in Hebron geboren. David regierte dort
siebeneinhalb Jahre. Danach regierte er in Jerusalem noch weitere dreiunddreißig
Jahre.
1Chr 3,5 Dort brachte seine Frau Batseba, die Tochter Eliams, vier Söhne zur
Welt: Schammua, Schobab, Nathan und Salomo.
1Chr 3,6 Dann wurden noch neun Söhne geboren: Jibhar, Elischua, Elpelet,
1Chr 3,7 Nogah, Nefeg, Jafia,
1Chr 3,8 Elischama, Eljada und Elifelet.
1Chr 3,9 David hatte eine Tochter namens Tamar. Die Söhne von Davids Nebenfrauen
sind hier nicht aufgezählt.
1Chr 3,10 Auf Salomo folgten in direkter Linie: Rehabeam, Abija, Asa, Joschafat,
1Chr 3,11 Joram, Ahasja, Joasch,
1Chr 3,12 Amazja, Asarja, Jotam,
1Chr 3,13 Ahas, Hiskia, Manasse,
1Chr 3,14 Amon und Josia.
1Chr 3,15 Josias vier Söhne waren: Johanan, der älteste, Jojakim, Zedekia und
Schallum.
1Chr 3,16 Jojakim hatte einen Sohn namens Jojachin und Jojachin wiederum einen
Sohn namens Zedekia.
1Chr 3,17 Die Söhne Jojachins, der nach Babylonien verschleppt wurde, hießen:
Schealtiël,
1Chr 3,18 Malkiram, Pedaja, Schenazzar, Jekamja, Hoschama und Nedabja.
1Chr 3,19 Pedajas Söhne hießen Serubbabel und Schimi. Serubbabels Söhne waren
Meschullam und Hananja; danach kam eine Tochter namens Schelomit,
1Chr 3,20 dann weitere fünf Söhne: Haschuba, Ohel, Berechja, Hasadja und
Juschab-Hesed.
1Chr 3,21 Die Söhne Hananjas waren Pelatja und Jesaja. Auf Jesaja folgten in
direkter Linie Refaja, Arnan, Obadja und Schechanja.
1Chr 3,22 Schechanjas Sohn hieß Schemaja. Schemaja hatte sechs Söhne: Hattusch,
Jigal, Bariach, Nearja und Schafat.
1Chr 3,23 Nearja hatte drei Söhne: Eljoënai, Hiskia und Asrikam.
1Chr 3,24 Eljoënai hatte sieben Söhne: Hodawja, Eljaschib, Pelaja, Akkub,
Johanan, Delaja und Anani.
1Chr 4,1 Von Juda stammten Perez, Hezron, Karmi, Hur und Schobal ab.
1Chr 4,2 Schobals Sohn Reaja hatte einen Sohn namens Jahat; Jahats Söhne waren
Ahumai und Lahad. Sie waren die Vorfahren der Zoratiter.
1Chr 4,3 Etam hatte drei Söhne: Jesreel, Jischma und Jidbasch, und eine Tochter
mit Namen Hazlelponi.
1Chr 4,4 Hur, der älteste Sohn von Efrata, war der Gründer Bethlehems. Seine
beiden Söhne waren: Pnuël, der Gründer Gedors, und Eser, der Gründer Huschas.
1Chr 4,5 Aschhur, der Gründer von Tekoa, hatte zwei Frauen: Hela und Naara.
1Chr 4,6 Die Söhne Naaras hießen Ahusam, Hefer, Temni und Ahaschtari.
1Chr 4,7 Die Söhne Helas waren Zeret, Sohar und Etnan.
1Chr 4,8 Die Söhne von Koz waren Anub und Zobeba; von ihm stammten auch die
Sippen Aharhels, des Sohnes Harums, ab.
1Chr 4,9 Jabez war angesehener als seine Brüder. Seine Mutter hatte ihm den
Namen Jabez (»Er bereitet Schmerzen«) gegeben, weil seine Geburt sehr schwer
gewesen war.
1Chr 4,10 Aber Jabez betete zum Gott Israels: »Bitte segne mich, und lass mein
Gebiet größer werden! Beschütze mich, und bewahre mich vor Unglück! Möge kein
Leid mich treffen!« Gott erhörte sein Gebet.
1Chr 4,11 Kelub, der Bruder Schuhas, hatte einen Sohn namens Mehir. Mehir war
der Vater von Eschton;
1Chr 4,12 Eschtons Söhne hießen Bet-Rafa, Paseach und Tehinna. Tehinna gründete
die Stadt Nahasch. Die Nachkommen dieser Männer lebten in Recha.
1Chr 4,13 Kenas hatte zwei Söhne, Otniël und Seraja. Otniëls Söhne hießen Hatat
und Meonotai;
1Chr 4,14 Meonotais Sohn hieß Ofra. Seraja war der Vater Joabs. Joab gründete
die Siedlung im »Tal der Handwerker«. Das Tal wurde so genannt, weil alle seine
Bewohner Handwerker waren.
1Chr 4,15 Kaleb, der Sohn Jefunnes, hatte folgende Söhne: Iru, Ela und Naam.
Elas Sohn hieß Kenas.
1Chr 4,16 Die Söhne Jehallelels waren Sif, Sifa, Tirja und Asarel.
1Chr 4,17 [17/18] Die Söhne Esras hießen Jeter, Mered, Efer und Jalon. Mered
heiratete eine Tochter des Pharaos aus Ägypten. Sie hieß Bitja. Sie brachte
Mirjam, Schammai und Jischbach zur Welt, den Vater Echtemoas und Gründer der
gleichnamigen Stadt. Mereds andere Frau kam aus Juda. Ihre Söhne waren Jered,
der Vater Gedors, Heber, der Vater Sochos, und Jekutiël, der Vater Sanoachs.
Diese drei gründeten je eine Stadt und benannten sie nach ihren Söhnen.
1Chr 4,19 Hodijas Frau war eine Schwester Nahams. Von ihr stammten die Garmiter
ab, die später Keïla gründeten, und Eschtemoa, der in Maacha wohnte.
1Chr 4,20 Die Söhne Schimons waren Amnon und Rinna, Ben-Hanan und Tilon. Die
Söhne Jischis hießen: Sohet und Ben-Sohet.
1Chr 4,21 Die Nachkommen Schelas, des Sohnes Judas, waren: Er, der Gründer
Lechas, und Lada, der Gründer Mareschas, die Sippen der Leinenweber, die in
Bet-Aschbea wohnten,
1Chr 4,22 Jokim und die Männer aus Koseba; Joasch und Saraf, die eine hohe
Stellung in Moab hatten. Später kehrten sie nach Bethlehem zurück. So sagt es
eine alte Überlieferung.
1Chr 4,23 Ihre Nachkommen wohnten in Netaim und Gedera. Sie waren Töpfer und
arbeiteten für den König.
1Chr 4,24 Die Söhne Simeons waren Jemuël, Jamin, Jarib, Serach und Schaul.
1Chr 4,25 Schauls Sohn hieß Schallum, Schallums Sohn Mibsam und Mibsams Sohn
Mischma.
1Chr 4,26 Mischmas Sohn hieß Hammuël, Hammuëls Sohn war Sakkur, und Sakkurs Sohn
hieß Schimi.
1Chr 4,27 Schimi hatte sechzehn Söhne und sechs Töchter, doch seine Brüder
hatten nicht viele Kinder. Die Sippen des Stammes Simeon wurden nicht so groß
wie die von Juda.
1Chr 4,28 Folgende Städte mit den umliegenden Dörfern gehörten zum Gebiet des
Stammes Simeon: Beerscheba, Molada, Hazar-Schual,
1Chr 4,29 Baala, Ezem, Eltolad,
1Chr 4,30 Betuël, Horma, Ziklag,
1Chr 4,31 Bet-Markabot, Hazar-Susa, Bet-Biri und Schaarajim. In diesen Städten
wohnten Simeons Nachkommen, bis David König wurde.
1Chr 4,32 Außerdem gehörten ihnen noch die fünf Städte Etam, Ajin, Rimmon,
Tochen und Aschan
1Chr 4,33 mit ihren umliegenden Dörfern. Das Gebiet erstreckte sich bis nach
Baal. Jeder Ort hatte ein eigenes Familienregister.
1Chr 4,34 Es folgt ein Verzeichnis der Sippenoberhäupter: Meschobab, Jamlech,
Joscha, ein Sohn Amazjas,
1Chr 4,35 Joel, Jehu, der Sohn Joschibjas, Enkel Serajas und Urenkel Asiëls,
1Chr 4,36 Eljoënai, Jaakoba, Jeschohaja, Asaja, Adiël, Jesimiël, Benaja
1Chr 4,37 und Sisa, der in gerader Linie von Schifi, Allon, Jedaja, Schimri und
Schemaja abstammte.
1Chr 4,38 Sie alle waren Oberhäupter ihrer Sippen. Ihre Familien breiteten sich
sehr stark aus.
1Chr 4,39 Darum mussten sie wegziehen, um Weideland für ihre Schafe und Ziegen
zu suchen. Sie durchquerten das Tal in Richtung Osten, bis sie nach Gedor kamen.
1Chr 4,40 Dort fanden sie schöne, saftige Weiden. Das Land dehnte sich nach
allen Seiten aus. Es war ruhig und sicher. Früher hatten hier Nachkommen Hams
gewohnt.
1Chr 4,41 Doch während Hiskia König von Juda war, überfielen jene Sippen die
Hamiten und auch die Mëuniter, die ebenfalls dort wohnten. Sie rissen ihre Zelte
nieder und töteten alle Menschen. Kein Einziger überlebte. Dann siedelten sie
sich dort an, denn nun hatten sie genügend Weideland für ihr Vieh. Noch heute
wohnen sie in dieser Gegend.
1Chr 4,42 500 Männer vom Stamm Simeon zogen in das Gebirge Seïr. Pelatja,
Nearja, Refaja und Usiël, die vier Söhne Jischis, führten sie an.
1Chr 4,43 Sie brachten die letzten Amalekiter um, die früher in das Gebirge Seïr
geflohen waren, und ließen sich dort nieder. Noch heute wohnen sie in dieser
Gegend.
1Chr 5,1 Dies ist ein Verzeichnis der Nachkommen Rubens, des ältesten Sohnes
Israels. Ruben war der erste Sohn. Aber weil er mit einer Frau seines Vaters
geschlafen hatte, musste er sein Erstgeburtsrecht an die Söhne seines Bruders
Josef abtreten. Ruben ist deshalb in den Geschlechtsregistern nicht als der
Älteste eingetragen.
1Chr 5,2 Juda war der wichtigste Sohn Israels, denn von ihm stammten die Könige
ab. Doch das Erstgeburtsrecht kam Josef zu.
1Chr 5,3 Die Söhne Rubens, des ältesten Sohnes Israels, hießen Henoch, Pallu,
Hezron und Karmi.
1Chr 5,4 Die Nachkommen Joels: Sein Sohn hieß Schemaja, und auf ihn folgten in
gerader Linie Gog, Schimi,
1Chr 5,5 Micha, Reaja, Baal
1Chr 5,6 und Beera, der von Tiglat-Pileser, dem assyrischen König, in die
Gefangenschaft geführt wurde. Er war das Oberhaupt des Stammes Ruben.
1Chr 5,7 In den Geschlechtsregistern dieses Stammes waren folgende Männer mit
ihren Sippen eingetragen: als erster Jeïël, dann Secharja
1Chr 5,8 und Bela, der Sohn Asas, Enkel Schemas und Urenkel Joels. Die Rubeniter
wohnten im Gebiet von Aroër bis nach Nebo und Baal-Meon.
1Chr 5,9 Gegen Osten breiteten sie sich bis zur Wüste aus, die beim Euphrat
beginnt, denn in Gilead hatten sich ihre Herden sehr stark vermehrt.
1Chr 5,10 Während der Regierungszeit König Sauls führten sie Krieg gegen die
Hagariter. Sie töteten sie und ließen sich dort nieder, wo die Hagariter gewohnt
hatten. So gehörte nun das ganze Gebiet Ost-Gilead den Nachkommen Rubens.
1Chr 5,11 Die Nachkommen Gads wohnten in der Gegend von Baschan und Salcha,
gegenüber dem Gebiet des Stammes Ruben:
1Chr 5,12 Joel war das Oberhaupt, Schafam sein Stellvertreter; auch Janai und
Schafat waren führende Männer. Sie alle wohnten mit ihren Sippen in Baschan.
1Chr 5,13 Dazu kamen weitere sieben Männer mit ihren Sippen: Michael,
Meschullam, Scheba, Jorai, Jakan, Sia und Eber.
1Chr 5,14 Diese sieben waren die Söhne Abihajils, der in gerader Linie von Huri,
Jaroach, Gilead, Michael, Jeschischai, Jachdo und Bus abstammte.
1Chr 5,15 Ahi, der Sohn Abdiëls und Enkel Gunis, war das Oberhaupt dieser
Sippen.
1Chr 5,16 Die Gaditer wohnten in den Städten der Gebiete Gilead und Baschan.
Auch das ganze Weideland von Scharon bis hin zur Grenze gehörte ihnen.
1Chr 5,17 Alle diese Sippen wurden zur Zeit König Jotams von Juda und König
Jerobeams von Israel in das Stammesregister aufgenommen.
1Chr 5,18 Die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse hatten ein Heer von
44760 Mann. Dazu gehörten alle wehrfähigen Männer, die mit Pfeil und Bogen, mit
Schwert und Schild umgehen konnten und im Kampf geübt waren.
1Chr 5,19 Sie führten Krieg gegen die hagaritischen Stämme Jetur, Nafisch und
Nodab.
1Chr 5,20 In der Schlacht schrien sie zu Gott um Hilfe. Weil sie ihm vertrauten,
erhörte er ihr Gebet und gab ihnen den Sieg über die Hagariter und ihre
Verbündeten.
1Chr 5,21 Sie erbeuteten 50000 Kamele, 250000 Schafe und Ziegen sowie 2000 Esel
und nahmen 100000 Menschen gefangen.
1Chr 5,22 In der Schlacht waren sehr viele Feinde gefallen, denn der Herr selbst
hatte es so gewollt. Die Israeliten wohnten in dem eroberten Gebiet, bis sie
nach Assyrien verschleppt wurden.
1Chr 5,23 Die eine Hälfte des Stammes Manasse wohnte in einem Gebiet, das sich
von Baschan bis zum Berg Hermon erstreckte. Dieser halbe Stamm war sehr groß.
1Chr 5,24 Die Oberhäupter seiner Sippen hießen: Efer, Jischi, Eliël, Asriël,
Jirmeja, Hodawja und Jachdiël. Sie alle waren erfahrene Soldaten, Männer von
Rang und Namen.
1Chr 5,25 Doch die Oststämme wurden dem Gott ihrer Vorfahren untreu. Sie liefen
den Göttern der Völker nach, die er ihretwegen vertrieben hatte.
1Chr 5,26 Darum ließ Gott den assyrischen König Tiglat-Pileser gegen sie in den
Krieg ziehen. Er führte die Rubeniter, die Gaditer und den halben Stamm Manasse
in die Gefangenschaft. Er verschleppte sie nach Halach, an den Fluss Habor, nach
Hara und an den Fluss von Gosan. Dort leben sie heute noch.
1Chr 5,27 Die Söhne Levis hießen Gerschon, Kehat und Merari.
1Chr 5,28 Kehats Söhne waren Amram, Jizhar, Hebron und Usiël.
1Chr 5,29 Amram hatte zwei Söhne, Aaron und Mose, und eine Tochter namens
Mirjam. Die Söhne Aarons hießen Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar.
1Chr 5,30 Eleasars Sohn hieß Pinhas, dann folgten in direkter Linie Abischua,
1Chr 5,31 Bukki, Usi,
1Chr 5,32 Serachja, Merajot,
1Chr 5,33 Amarja, Ahitub,
1Chr 5,34 Zadok, Ahimaaz,
1Chr 5,35 Asarja, Johanan
1Chr 5,36 und Asarja. Asarja war der erste Hohepriester in dem Tempel, den
Salomo in Jerusalem gebaut hatte.
1Chr 5,37 Asarjas Sohn hieß Amarja, dann folgten in direkter Linie Ahitub,
1Chr 5,38 Zadok, Schallum,
1Chr 5,39 Hilkija, Asarja,
1Chr 5,40 Seraja und Jozadak.
1Chr 5,41 Als der Herr die Bewohner von Jerusalem und ganz Juda durch
Nebukadnezar nach Babylonien verschleppen ließ, war auch Jozadak darunter.
1Chr 6,1 Die Söhne Levis hießen Gerschon, Kehat und Merari.
1Chr 6,2 Gerschon hatte zwei Söhne namens Libni und Schimi.
1Chr 6,3 Die Söhne Kehats waren Amram, Jizhar, Hebron und Usiël,
1Chr 6,4 und die Söhne Meraris Machli und Muschi. Es folgt ein Verzeichnis der
levitischen Sippen, geordnet nach ihren Stammvätern:
1Chr 6,5 Von Gerschon stammten in direkter Linie ab: Libni, Jahat, Simma,
1Chr 6,6 Joach, Iddo, Serach und Jeotrai.
1Chr 6,7 Auf Kehat folgten in gerader Linie: Amminadab, Korach, Assir,
1Chr 6,8 Elkana, Abiasaf, Assir,
1Chr 6,9 Tahat, Uriël, Usija und Schaul.
1Chr 6,10 Die Söhne Elkanas hießen Amasai, Ahimot
1Chr 6,11 und Elkana. Auf Elkana folgten Zuf, Nahat,
1Chr 6,12 Eliab, Jeroham, Elkana und Samuel.
1Chr 6,13 Samuels erster Sohn hieß Joel und der zweite Abija.
1Chr 6,14 Von Merari stammten in gerader Linie ab: Machli, Libni, Schimi, Usa,
1Chr 6,15 Schima, Haggija und Asaja.
1Chr 6,16 Nachdem König David die Bundeslade nach Jerusalem gebracht hatte,
suchte er einige Leviten aus, die den Gesang am Heiligtum des Herrn leiten
sollten.
1Chr 6,17 Bevor Salomo den Tempel in Jerusalem baute, versahen sie ihren Dienst
vor dem heiligen Zelt. Ihre Arbeit war genau festgelegt.
1Chr 6,18 Folgende Männer sollten zusammen mit den anderen Männern ihrer Sippe
diese Aufgabe übernehmen: Der Sänger Heman aus der Sippe der Kehatiter leitete
die erste Sängergruppe. Er war ein Sohn Joels und Enkel Samuels.
1Chr 6,19 Seine weiteren Vorfahren hießen Elkana, Jeroham, Eliël, Tohu,
1Chr 6,20 Zuf, Elkana, Mahat, Amasai,
1Chr 6,21 Elkana, Joel, Asarja, Zefanja,
1Chr 6,22 Tahat, Assir, Abiasaf, Korach,
1Chr 6,23 Jizhar, Kehat, Levi und Israel.
1Chr 6,24 Rechts neben Heman stand Asaf, der Leiter der zweiten Sängergruppe. Er
war ein Sohn Berechjas und Enkel Schimas.
1Chr 6,25 Seine weiteren Vorfahren waren Michael, Maaseja, Malkija,
1Chr 6,26 Etni, Serach, Adaja,
1Chr 6,27 Etan, Simma, Schimi,
1Chr 6,28 Jahat, Gerschon und Levi.
1Chr 6,29 Links neben Heman stand Etan mit seiner Sängergruppe; er stammte aus
der Sippe Merari. Etans Vorfahren waren Kuschaja, Abdi, Malluch,
1Chr 6,30 Haschabja, Amazja, Hilkija,
1Chr 6,31 Amzi, Bani, Schemer,
1Chr 6,32 Machli, Muschi, Merari und Levi.
1Chr 6,33 Alle anderen Leviten versahen den übrigen Dienst am Heiligtum Gottes.
1Chr 6,34 Aber nur Aaron und seine Nachkommen brachten die Brandopfer dar und
verbrannten Weihrauch auf dem Räucheropferaltar. Sie waren für alle Dienste im
Allerheiligsten verantwortlich. Ihre Aufgabe war es, für die Sünden des Volkes
Israel zu opfern und bei Gott um Vergebung zu bitten. Sie mussten sich genau an
die Vorschriften halten, die Mose, der Diener Gottes, ihnen für ihren Dienst
gegeben hatte.
1Chr 6,35 Die Nachkommen Aarons waren in direkter Linie: Eleasar, Pinhas,
Abischua,
1Chr 6,36 Bukki, Usi, Serachja,
1Chr 6,37 Merajot, Amarja, Ahitub,
1Chr 6,38 Zadok und Ahimaaz.
1Chr 6,39 Es folgt ein Verzeichnis der Wohnorte und Weideplätze, die den Leviten
in den verschiedenen Stammesgebieten durch das Los zugeteilt wurden: Das erste
Los fiel auf die Nachkommen Aarons, die zur Sippe der Kehatiter gehörten.
1Chr 6,40 Sie bekamen im Gebiet des Stammes Juda die Stadt Hebron und das
Weideland ringsum.
1Chr 6,41 Doch das dazugehörige Ackerland und die umliegenden Dörfer erhielt
Kaleb, der Sohn Jefunnes.
1Chr 6,42 Hebron gehörte zu den Städten, in denen Totschläger Zuflucht suchen
konnten. Außerdem bekamen die Nachkommen Aarons in Juda Libna, Jattir,
Eschtemoa,
1Chr 6,43 Holon, Debir,
1Chr 6,44 Aschan, Jutta und Bet-Schemesch. Zu allen Städten gehörte das
Weideland ringsum.
1Chr 6,45 Im Stammesgebiet von Benjamin erhielten sie die Städte Gibeon, Geba,
Alemet und Anatot mit den dazugehörigen Weiden. Insgesamt gehörten den
Nachkommen Aarons dreizehn Städte.
1Chr 6,46 Die übrigen Sippen der Kehatiter bekamen durch das Los zehn Städte aus
dem Gebiet des halben Stammes Manasse zugeteilt.
1Chr 6,47 Die Sippen der Nachkommen Gerschons erhielten dreizehn Städte aus den
Gebieten von Issaschar, Asser, Naftali und aus der Gegend von Baschan in
Manasse.
1Chr 6,48 Die Sippen der Nachkommen Meraris bekamen durch das Los zwölf Städte
zugeteilt. Sie lagen in den Gebieten der Stämme Ruben, Gad und Sebulon.
1Chr 6,49 Diese Städte mit dem dazugehörigen Weideland teilten die Israeliten
den Leviten zu.
1Chr 6,50 Sie waren ausgelost worden und lagen in den Gebieten der Stämme Juda,
Simeon und Benjamin.
1Chr 6,51 Einige Sippen der Kehatiter erhielten ihre Städte und die
dazugehörigen Weiden im Stammesgebiet von Ephraim.
1Chr 6,52 Dazu gehörte Sichem auf dem Gebirge Ephraim, eine Zufluchtsstadt für
Totschläger, dann Geser,
1Chr 6,53 Jokmeam, Bet-Horon,
1Chr 6,54 Ajalon und Gat-Rimmon.
1Chr 6,55 Außerdem erhielten die Kehatiter noch die Städte Aner und Bileam mit
ihren Weideflächen aus dem Gebiet des halben Stammes Manasse.
1Chr 6,56 Die Nachkommen Gerschons bekamen folgende Städte mit den dazugehörigen
Weiden: im Stammesgebiet Manasses Golan in der Gegend von Baschan und Aschtarot;
1Chr 6,57 im Stammesgebiet Issaschars Kedesch, Daberat,
1Chr 6,58 Ramot und En-Gannim;
1Chr 6,59 im Stammesgebiet Assers Mischal, Abdon,
1Chr 6,60 Helkat und Rehob;
1Chr 6,61 und im Stammesgebiet Naftalis Kedesch in Galiläa, Hammon und
Kirjatajim.
1Chr 6,62 Die übrigen Nachkommen Meraris erhielten folgende Städte mit dem
dazugehörigen Weideland: im Gebiet Sebulons Jokneam, Karta, Rimmon und Tabor;
1Chr 6,63 [63/64] im Gebiet Rubens: Bezer, das in der Steppe liegt, Jahaz,
Kedemot und Mefaat; diese Städte liegen gegenüber von Jericho, östlich des
Jordan;
1Chr 6,65 im Gebiet Gads: Ramot in Gilead, Mahanajim,
1Chr 6,66 Heschbon und Jaser.
1Chr 7,1 Issaschar hatte vier Söhne mit Namen Tola, Puwa, Jaschub und Schimron.
1Chr 7,2 Die Söhne Tolas hießen Usi, Refaja, Jeriël, Jachmai, Jibsam und
Schemuël. Sie alle waren Sippenoberhäupter. Von den Nachkommen Tolas waren zur
Zeit Davids nach den Geschlechtsregistern 22600 Männer wehrfähig.
1Chr 7,3 Usi hatte einen Sohn namens Jisrachja. Dieser und seine vier Söhne
Michael, Obadja, Joel und Jischija waren fünf Sippenoberhäupter.
1Chr 7,4 In den Geschlechtsregistern ihrer Nachkommen waren 36000 wehrfähige
Männer eingetragen. Es war eine so hohe Zahl, weil die Nachkommen Usis viele
Frauen und Kinder hatten.
1Chr 7,5 Insgesamt hatten die Sippen des Stammes Issaschar 87000 wehrfähige
Männer. Sie alle waren in den Geschlechtsregistern aufgeführt.
1Chr 7,6 Benjamin hatte drei Söhne namens Bela, Becher und Jediaël.
1Chr 7,7 Die fünf Söhne Belas hießen Ezbon, Usi, Usiël, Jerimot und Ir; sie alle
waren Sippenoberhäupter. In den Geschlechtsregistern dieser fünf Sippen waren
22034 wehrfähige Männer eingetragen.
1Chr 7,8 Die Söhne Bechers hießen Semira, Joasch, Eliëser, Eljoënai, Omri,
Jerimot, Abia, Anatot und Alemet.
1Chr 7,9 In den Geschlechtsregistern ihrer Sippenoberhäupter waren 20200
wehrfähige Männer aufgeführt.
1Chr 7,10 Jediaëls Sohn hieß Bilhan, Bilhan hatte sieben Söhne namens Jëusch,
Benjamin, Ehud, Kenaana, Setan, Tarsis und Ahischahar.
1Chr 7,11 Sie waren die Oberhäupter ihrer Sippen. Diese stellten ein Heer von
17200 Mann.
1Chr 7,12 Die Schuppiter und Huppiter stammten von Ir ab, und die Huschiter
gingen auf Aher zurück.
1Chr 7,13 Die Söhne Naftalis hießen Jachzeel, Guni, Jezer und Schillem; sie
waren Enkel Bilhas.
1Chr 7,14 Manasse und seine aramäische Nebenfrau hatten zwei Söhne: Asriël und
Machir, den Vater Gileads.
1Chr 7,15 Machir heiratete eine Frau von den Huppitern und Schuppitern. Er hatte
eine Schwester mit Namen Maacha. Hefers zweiter Sohn hieß Zelofhad, er hatte nur
Töchter.
1Chr 7,16 Machirs Frau Maacha brachte zwei weitere Söhne zur Welt. Sie hießen
Peresch und Scheresch. Die Söhne Schereschs waren Ulam und Rekem.
1Chr 7,17 Ulams Sohn hieß Bedan. Dies waren die Nachkommen von Gilead, dem Sohn
Machirs und Enkel Manasses.
1Chr 7,18 Gileads Schwester Molechet hatte drei Söhne namens Ischhod, Abiëser
und Machla.
1Chr 7,19 Die Söhne Schemidas hießen Achjan, Sichem, Likhi und Aniam.
1Chr 7,20 Ephraim hatte einen Sohn mit Namen Schutelach, auf ihn folgten in
gerader Linie: Bered, Tahat, Elada, Tahat,
1Chr 7,21 Sabad und Schutelach. Zwei andere Söhne Ephraims hießen Eser und Elad.
Die beiden gingen eines Tages nach Gat, um dort Vieh zu stehlen. Doch die
Einwohner der Stadt überraschten sie dabei und brachten sie um.
1Chr 7,22 Ihr Vater Ephraim trauerte lange Zeit um sie. Seine Brüder kamen zu
ihm und versuchten, ihn zu trösten.
1Chr 7,23 Als er wieder mit seiner Frau schlief, wurde sie schwanger und bekam
einen Sohn. Ephraim nannte ihn Beria (»Unglück«), weil er geboren wurde, nachdem
Unglück über die Familie hereingebrochen war.
1Chr 7,24 Ephraim hatte auch eine Tochter, die Scheera hieß. Sie ließ das untere
und das obere Bet-Horon und Usen-Scheera erbauen.
1Chr 7,25 Zwei weitere Söhne Ephraims hießen Refach und Reschef, dann folgten in
direkter Linie Telach, Tahan,
1Chr 7,26 Ladan, Ammihud, Elischama,
1Chr 7,27 Nun und Josua.
1Chr 7,28 Den Nachkommen Ephraims gehörten Bethel und die umliegenden Orte; im
Osten reichte ihr Gebiet bis nach Naara und im Westen bis nach Geser mit den
umliegenden Orten; im Norden bildeten Sichem und Aja mit ihren umliegenden Orten
die Grenze.
1Chr 7,29 Den Nachkommen Manasses gehörten die Städte Bet-Schean, Taanach,
Megiddo und Dor mit ihren umliegenden Orten. In allen diesen Städten wohnten die
Nachkommen Josefs, des Sohnes Israels.
1Chr 7,30 Asser hatte vier Söhne namens Jimna, Jischwa, Jischwi und Beria und
eine Tochter, die Serach hieß.
1Chr 7,31 Die Söhne Berias waren Heber und Malkiël, der Gründer von Birsajit.
1Chr 7,32 Hebers Söhne hießen Jaflet, Schemer und Hotam; außerdem hatte er eine
Tochter mit Namen Schua.
1Chr 7,33 Die Söhne Jaflets hießen Pasach, Bimhal und Aschwat,
1Chr 7,34 die Söhne Schemers waren Ahi, Rohga, Hubba und Aram.
1Chr 7,35 Die Söhne ihres Bruders Hotam hießen Zofach, Jimna, Schelesch und
Amal.
1Chr 7,36 Die Söhne Zofachs waren Suach, Harnefer, Schual, Beri, Jimra,
1Chr 7,37 Bezer, Hod, Schamma, Schilscha, Jitran und Beera.
1Chr 7,38 Die Söhne Jeters waren Jefunne, Pispa und Ara;
1Chr 7,39 die Söhne Ullas hießen Arach, Hanniël und Rizja.
1Chr 7,40 Diese Nachkommen Assers waren die Oberhäupter ihrer Sippen, sie waren
erfahrene Soldaten und angesehene Männer. Von ihnen stammten die späteren
Stammesfürsten ab. Vom Stamm Asser waren 26000 Mann in den Listen als wehrfähig
eingetragen.
1Chr 8,1 Benjamin hatte fünf Söhne: der erste hieß Bela, der zweite Aschbel,
dann folgten Achrach,
1Chr 8,2 Noha und Rafa.
1Chr 8,3 Belas Söhne waren Ard, Gera - der Vater Ehuds -,
1Chr 8,4 Abischua, Naaman, Ahoach,
1Chr 8,5 Gera, Schefufan und Huram.
1Chr 8,6 [6/7] Die Söhne Ehuds hießen Naaman, Ahija und Gera. Sie waren die
Oberhäupter der Sippen, die in Geba wohnten und später nach Manahat verbannt
wurden. Gera, der Vater von Usa und Ahihud, brachte sie dorthin.
1Chr 8,8 [8/9] Schaharajim trennte sich von seinen beiden Frauen Huschim und
Baara und zog nach Moab. Dort bekamen er und seine Frau Hodesch sieben Söhne:
Jobab, Zibja, Mescha, Malkam,
1Chr 8,10 Jëuz, Sacheja und Mirma. Sie wurden später Sippenoberhäupter.
1Chr 8,11 Mit seiner früheren Frau Huschim hatte er ebenfalls zwei Söhne. Sie
hießen Abitub und Elpaal.
1Chr 8,12 [12-14] Die Söhne Elpaals waren Eber, Mischam, Schemed, Beria, Schema,
Achjo, Schaschak und Jeremot. Schemed baute die Städte Ono und Lod mit den
umliegenden Dörfern; Beria und Schema waren die Oberhäupter der Einwohner von
Ajalon. Sie vertrieben die Einwohner von Gat.
1Chr 8,15 [15/16] Berias Söhne hießen Sebadja, Arad, Eder, Michael, Jischpa und
Joha.
1Chr 8,17 [17/18] Elpaal bekam noch weitere Söhne. Sie hießen Sebadja,
Meschullam, Hiski, Heber, Jischmerai, Jislia und Jobab.
1Chr 8,19 [19-21] Schimis Söhne waren Jakim, Sichri, Sabdi, Eliënai, Zilletai,
Eliël, Adaja, Beraja und Schimrat.
1Chr 8,22 [22-25] Schaschaks Söhne waren Jischpan, Eber, Eliël, Abdon, Sichri,
Hanan, Hananja, Elam, Antotija, Jifdeja und Pnuël.
1Chr 8,26 [26/27] Jerohams Söhne hießen Schamscherai, Scheharja, Atalja,
Jaareschja, Elia und Sichri.
1Chr 8,28 Sie alle waren als Sippenoberhäupter in den Geschlechtsregistern des
Stammes Benjamin aufgeführt. Sie lebten in Jerusalem.
1Chr 8,29 Jeïël gründete die Stadt Gibeon und ließ sich mit seiner Frau Maacha
dort nieder.
1Chr 8,30 Ihr ältester Sohn hieß Abdon, dann folgten Zur, Kisch, Baal, Ner,
Nadab,
1Chr 8,31 Gedor, Achjo, Secher
1Chr 8,32 und Miklot, der einen Sohn mit Namen Schima hatte. Sie ließen sich in
Jerusalem nieder und wohnten dort bei anderen Familien ihres Stammes.
1Chr 8,33 Ners Sohn hieß Abner, und Kischs Sohn hieß Saul. Sauls Söhne waren
Jonatan, Malkischua, Abinadab und Eschbaal.
1Chr 8,34 Jonatans Sohn hieß Merib-Baal, Merib-Baals Sohn Micha.
1Chr 8,35 Michas Söhne waren Piton, Melech, Tachrea und Ahas.
1Chr 8,36 Ahas' Sohn hieß Joadda, Joaddas Söhne waren Alemet, Asmawet und Simri.
Simris Sohn hieß Moza,
1Chr 8,37 auf ihn folgten in direkter Linie Bina, Refaja, Elasa und Azel.
1Chr 8,38 Azel hatte sechs Söhne. Sie hießen Asrikam, Bochru, Ismael, Schearja,
Obadja und Hanan.
1Chr 8,39 Eschek, ein Bruder Azels, hatte drei Söhne. Der älteste hieß Ulam,
dann folgten Jëusch und Elifelet.
1Chr 8,40 Die Söhne Ulams waren erfahrene Soldaten, die gut mit Pfeil und Bogen
umgehen konnten. Sie hatten viele Söhne und Enkel, insgesamt 150. Alle genannten
Männer und ihre Sippen waren Nachkommen Benjamins.
1Chr 9,1 So wurden die Namen aller Bewohner Israels festgehalten und in die
Chronik der Könige von Israel geschrieben. Weil die Bewohner von Juda sich vom
Herrn abwandten und andere Götter verehrten, wurden sie nach Babylonien
verbannt.
1Chr 9,2 Die Ersten, die zurückkehrten und wieder ihren Grund und Boden in den
Städten erhielten, waren Leute aus dem Volk sowie Priester, Leviten und
Tempeldiener.
1Chr 9,3 In Jerusalem ließen sich Angehörige der Stämme Juda, Benjamin, Ephraim
und Manasse nieder.
1Chr 9,4 Von den Nachkommen Judas lebten dort folgende Sippenoberhäupter: Utai,
ein Sohn Ammihuds, seine Vorfahren reichten über Omri, Imri, Bani und Perez bis
auf Juda zurück;
1Chr 9,5 Asaja, der älteste Sohn Schelas, und seine Söhne;
1Chr 9,6 Jëuël und seine Brüder, die Nachkommen Serachs. Zu all diesen Sippen
gehörten 690 Familien.
1Chr 9,7 [7-9] Von den Nachkommen Benjamins lebten folgende Sippenoberhäupter in
Jerusalem: Sallu, der Sohn Meschullams, er stammte über Hodawja von Senua ab;
Jibneja, der Sohn Jerohams; Ela, der Sohn Usis, der von Michri abstammte;
Meschullam, der Sohn Schefatjas, zu seinen Vorfahren gehörten Reguël und
Jibnija. Die Sippen der Benjaminiter bestanden aus 956 Familien, die in
Geschlechtsregistern aufgeführt waren.
1Chr 9,10 Die Priester, die nach der Verbannung in Jerusalem lebten, hießen
Jedaja, Jojarib, Jachin
1Chr 9,11 und der oberste Priester Asarja, ein Sohn Hilkijas; unter seinen
Vorfahren waren Meschullam, Zadok, Merajot und Ahitub.
1Chr 9,12 Außerdem Adaja, der Sohn Jerohams, er stammte über Paschhur von
Malkija ab; sowie Masai, der Sohn Adiëls, seine Vorfahren reichten über
Jachsera, Meschullam und Meschillemot bis auf Immer zurück.
1Chr 9,13 Zu den Sippen dieser Priester gehörten 1760 Familien, die Männer
verrichteten den Tempeldienst.
1Chr 9,14 Von den Leviten lebten folgende Sippenoberhäupter in Jerusalem:
Schemaja, der Sohn Haschubs, zu seinen Vorfahren gehörten Asrikam, Haschabja und
Merari.
1Chr 9,15 Weiter Bakbukja, Heresch, Galal und Mattanja, ein Sohn Michas, der
über Sichri von Asaf abstammte.
1Chr 9,16 Außerdem Abda, der Sohn Schammuas, unter seinen Vorfahren waren Galal
und Jedutun; sowie Berechja, der Sohn Asas, der von Elkana abstammte und mit
seiner Familie in den Dörfern der Netofatiter wohnte.
1Chr 9,17 Dazu kamen folgende Torwächter: Schallum, Akkub, Talmon und Ahiman.
Schallum war ihr Befehlshaber.
1Chr 9,18 Bis heute hat seine Familie die Aufsicht über die Wachen am Königstor
auf der Ostseite des Tempels. Ihre Vorfahren zur Zeit der Wüstenwanderung hatten
die Zelte der Leviten rings um das heilige Zelt bewacht.
1Chr 9,19 [19/20] Damals war Pinhas, der Sohn Eleasars, ihr Vorsteher. Der Herr
stand ihm bei. Schallum war ein Sohn Kores, er stammte über Abiasaf von Korach
ab und gehörte mit seinen Brüdern zur Sippe der Korachiter. Sie hatten die
Aufgabe, den Eingang zum heiligen Zelt zu bewachen, so wie schon ihre Vorfahren
den Eingang zum Lager des Volkes Gottes bewacht hatten.
1Chr 9,21 Auch Secharja, ein Sohn Meschelemjas, stand am Eingang zum heiligen
Zelt.
1Chr 9,22 Insgesamt hatte man 212 Männer für den Wachdienst am Eingang zum
Heiligtum ausgewählt. Ihre Namen wurden in ihren Wohnorten in Listen
eingetragen. David und der Prophet Samuel hatten ihre Vorfahren in das Amt
eingesetzt.
1Chr 9,23 Sie und ihre Nachkommen bewachten die Eingänge zum heiligen Zelt und
später zum Tempel des Herrn.
1Chr 9,24 Die Wachen standen an den Toren auf jeder Seite des Tempels.
1Chr 9,25 Die meisten Korachiter wohnten nicht in Jerusalem. Doch von Zeit zu
Zeit musste jeder für eine Woche aus seinem Dorf nach Jerusalem kommen, um beim
Tempel Wache zu halten.
1Chr 9,26 Nur die vier Aufseher über die Wache waren ständig in Jerusalem. Auch
sie waren Leviten. Sie verwalteten außerdem die Vorratsräume und Schatzkammern
des Tempels.
1Chr 9,27 Auch nachts blieben sie im Tempelbereich, denn sie mussten jeden
Morgen die Tempeltüren aufschließen.
1Chr 9,28 Einige Leviten hatten die Aufsicht über die Gegenstände für den
Opferdienst. Sie trugen sie abgezählt zum Altar und hinterher wieder zurück.
1Chr 9,29 Andere verwalteten die Gegenstände, die im Heiligtum gebraucht wurden,
sowie die Vorräte an feinem Weizenmehl, Wein, Öl, Weihrauch und wohlriechenden
Balsamölen.
1Chr 9,30 Aber das Mischen der Balsamöle zu einer Salbe war Aufgabe der
Priester.
1Chr 9,31 Der Levit Mattitja, der älteste Sohn Schallums, aus der Sippe der
Korachiter, war für das Backwerk verantwortlich, das für die Speiseopfer
gebraucht wurde.
1Chr 9,32 Einige Leviten aus der Sippe der Kehatiter mussten dafür sorgen, dass
an jedem Sabbat frische Schaubrote in das Heiligtum gebracht wurden.
1Chr 9,33 Auch die Sänger stammten aus den levitischen Sippen. Ihre Leiter waren
von allen anderen Diensten befreit, denn sie mussten Tag und Nacht einsatzbereit
sein. Deshalb wohnten sie in Kammern direkt am Tempel.
1Chr 9,34 Alle genannten Sippenoberhäupter der Leviten waren in den
Geschlechtsregistern aufgeführt. Sie wohnten in Jerusalem.
1Chr 9,35 Jeïël gründete die Stadt Gibeon und ließ sich mit seiner Frau Maacha
dort nieder.
1Chr 9,36 Ihr ältester Sohn hieß Abdon, dann folgten Zur, Kisch, Baal, Ner,
Nadab,
1Chr 9,37 Gedor, Achjo, Secher und Miklot,
1Chr 9,38 der einen Sohn mit Namen Schima hatte. Sie ließen sich in Jerusalem
nieder und wohnten dort bei anderen Familien ihres Stammes.
1Chr 9,39 Ners Sohn hieß Abner, Kischs Sohn hieß Saul. Sauls Söhne waren
Jonatan, Malkischua, Abinadab und Eschbaal.
1Chr 9,40 Jonatans Sohn hieß Merib-Baal, Merib-Baals Sohn Micha.
1Chr 9,41 Michas Söhne waren Piton, Melech, Tachrea und Ahas.
1Chr 9,42 Ahas' Sohn hieß Joadda, Joaddas Söhne waren Alemet, Asmawet und Simri.
Simris Sohn hieß Moza,
1Chr 9,43 auf ihn folgten in direkter Linie Bina, Refaja, Elasa und Azel.
1Chr 9,44 Azel hatte sechs Söhne. Sie hießen Asrikam, Bochru, Ismael, Schearja,
Obadja und Hanan.
1Chr 10,1 Auf dem Gilboagebirge kam es zur Schlacht zwischen den Philistern und
den Israeliten. Die Israeliten versuchten zu fliehen, aber die meisten von ihnen
fielen.
1Chr 10,2 Die Philister hatten Saul und seine Söhne eingekesselt. Jonatan,
Abinadab und Malkischua waren bereits getötet worden.
1Chr 10,3 Um Saul tobte immer noch ein erbitterter Kampf. Er wurde von den
Pfeilen der Bogenschützen getroffen und verwundet.
1Chr 10,4 Da flehte er seinen Waffenträger an: »Zieh dein Schwert, und töte
mich! Sonst kommen diese unbeschnittenen Heiden und treiben ihren Spott mit
mir.« Doch der Waffenträger weigerte sich. Er wagte es nicht, den König
umzubringen. Da nahm Saul selbst sein Schwert und stürzte sich hinein.
1Chr 10,5 Als der Diener sah, dass sein Herr tot war, ließ auch er sich in sein
Schwert fallen und starb.
1Chr 10,6 So fielen an diesem Tag Saul und seine drei Söhne, und keiner seiner
Nachkommen wurde je wieder König.
1Chr 10,7 Als die Bewohner der Jesreelebene hörten, dass die Israeliten geflohen
und Saul und seine Söhne gefallen waren, ergriffen auch sie die Flucht. Die
Philister nahmen die verlassenen Städte in Besitz und wohnten darin.
1Chr 10,8 Am Tag nach der Schlacht kehrten die Philister noch einmal zum
Schlachtfeld auf dem Gilboagebirge zurück, um die Gefallenen auszuplündern.
Dabei fanden sie die Leichen Sauls und seiner Söhne, die immer noch dort lagen.
1Chr 10,9 Sie plünderten Saul aus; dann zeigten sie seinen Kopf und seine
Rüstung durch Boten im ganzen Land herum und verkündeten allen Bewohnern und den
Götzen die Nachricht vom Sieg.
1Chr 10,10 Schließlich legten sie Sauls Waffen im Tempel ihres Gottes nieder.
Seinen Kopf nagelten sie an die Wand des Tempels, der dem Götzen Dagon geweiht
war.
1Chr 10,11 Als die Einwohner von Jabesch-Gilead hörten, was die Philister mit
Sauls Leiche getan hatten,
1Chr 10,12 machten sich sofort alle wehrfähigen Männer der Stadt auf den Weg und
holten die Leichen Sauls und seiner Söhne nach Jabesch. Sie begruben sie dort
unter der großen Tamariske. Danach trauerten und fasteten sie eine Woche lang.
1Chr 10,13 So kam Saul ums Leben, weil er dem Herrn untreu geworden war und
seine Weisungen missachtet hatte. Auch hatte er den Geist eines Verstorbenen
befragt,
1Chr 10,14 anstatt bei dem Herrn Rat zu suchen. Darum ließ der Herr ihn sterben
und übertrug David, dem Sohn Isais, die Herrschaft.
1Chr 11,1 Aus ganz Israel kamen Gesandte zu David nach Hebron und sagten zu ihm:
»Wir sind dein Volk und gehören zu dir.
1Chr 11,2 Schon damals, als Saul noch König war, bist du es gewesen, der Israels
Heer in den Kampf geführt und siegreich wieder zurückgebracht hat. Der Herr,
dein Gott, hat zu dir gesagt: Du bist der Mann, der mein Volk Israel weiden soll
wie ein Hirte seine Schafe. Dich habe ich zum neuen König über Israel bestimmt.«
1Chr 11,3 Dann versammelten sich alle Ältesten Israels in Hebron. David schloss
mit ihnen einen Bund, und sie riefen den Herrn als Zeugen an. Sie salbten David
und setzten ihn zum König über Israel ein. So erfüllte sich, was Samuel im
Auftrag des Herrn vorausgesagt hatte.
1Chr 11,4 Später unternahm David mit seinem Heer einen Feldzug gegen die Stadt
Jerusalem, die damals noch Jebus hieß. Denn in dieser Gegend wohnte immer noch
der kanaanitische Stamm der Jebusiter.
1Chr 11,5 Die Einwohner verhöhnten David: »In unsere Stadt wirst du nie
hereinkommen!« Doch David und seine Truppen nahmen die Festung Zion ein, die
später »Stadt Davids« genannt wurde.
1Chr 11,6 Bevor sie Jebus stürmten, sagte David zu seinen Soldaten: »Wer als
Erster die Jebusiter angreift, soll mein Heerführer werden!« Joab, der Sohn von
Davids Schwester Zeruja, war der Erste, der die Stadt angriff. Darum wurde er
zum Heerführer ernannt.
1Chr 11,7 Nach der Eroberung machte David die Festung zu seiner Residenz, und
von da an nannte man sie »Stadt Davids«.
1Chr 11,8 Rings um die Festung baute er die Stadt weiter aus. Er begann damit
bei den Verteidigungsanlagen. Joab stellte die übrige Stadt wieder her.
1Chr 11,9 So wurde Davids Macht immer größer, denn der allmächtige Gott stand
ihm bei.
1Chr 11,10 Dies ist das Verzeichnis der berühmtesten Offiziere Davids. Zusammen
mit dem ganzen Volk hatten sie ihn zum König gekrönt, wie der Herr es befohlen
hatte. Während seiner ganzen Regierungszeit hielten sie fest zu ihm.
1Chr 11,11 Jischbaal, ein Sohn Hachmonis, war der Befehlshaber der Elitetruppe.
Er tötete in einer Schlacht 300 Mann mit seinem Speer.
1Chr 11,12 An zweiter Stelle kam Eleasar, der Sohn Dodos, ein Nachkomme Ahoachs.
Er gehörte zu den »drei Helden«, den drei berühmtesten Soldaten Davids.
1Chr 11,13 Er kämpfte an Davids Seite in Pas-Dammim gegen die Philister, die
dort ihr Heerlager aufgeschlagen hatten. Bei diesem Ort lag ein großes
Gerstenfeld. Während die Israeliten vor den Feinden flohen,
1Chr 11,14 drangen Eleasar und David auf das Feld vor, trieben die Philister
zurück und schlugen sie in die Flucht. So schenkte der Herr den Israeliten einen
großen Sieg.
1Chr 11,15 [15/16] Ein anderes Mal hielten die Philister die Refaïmebene
besetzt. In Bethlehem hatten sie einen Posten aufgestellt. David aber hatte sich
in einer Bergfestung verschanzt, in der Adullamhöhle. Dort suchten ihn drei
seiner dreißig Offiziere auf.
1Chr 11,17 David hatte großen Durst und sagte zu ihnen: »Wer holt mir einen
Schluck Wasser aus dem Brunnen am Tor von Bethlehem?«
1Chr 11,18 Da drangen die drei Offiziere ins Heerlager der Philister ein,
schöpften Wasser aus dem Brunnen bei Bethlehem und brachten es David. Doch er
wollte es nicht trinken, sondern schüttete es aus als Trankopfer für den Herrn
1Chr 11,19 und sagte: »Mein Gott bewahre mich vor einer solchen Tat! Da könnte
ich ja gleich das Blut dieser Männer trinken, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt
haben, um mir das Wasser zu holen.« Darum wollte er nichts davon trinken. So
setzten sich diese drei Männer für den König ein.
1Chr 11,20 [20/21] Joabs Bruder Abischai führte die drei an. Einmal erstach er
mit seinem Speer im Kampf 300 Mann. Er war der berühmteste dieser drei
Offiziere, aber er gehörte nicht zu den »drei Helden«.
1Chr 11,22 Benaja aus Kabzeel, ein Sohn Jojadas, war ein starker Mann, der große
Taten vollbrachte. Er tötete die beiden gefürchteten Soldaten der Moabiter, die
»Löwen aus Moab« genannt wurden. Als es einmal geschneit hatte, stieg er in eine
Zisterne hinunter und tötete einen Löwen, der dort hineingefallen war.
1Chr 11,23 Ein anderes Mal brachte er einen Ägypter um, einen riesigen, über
zweieinhalb Meter großen Mann. Sein Speer war so dick wie ein kleiner Baum,
während Benaja nur einen Stock in der Hand hatte. Benaja ging auf den Ägypter
zu, riss ihm den Speer aus der Hand und erstach ihn damit.
1Chr 11,24 Weil Benaja, der Sohn Jojadas, solche Taten vollbrachte, war er als
einer jener drei Offiziere bekannt.
1Chr 11,25 Er war der berühmteste unter den dreißig Offizieren, aber er gehörte
nicht zu den »drei Helden«. David machte ihn zum Befehlshaber seiner Leibwache.
1Chr 11,26 Folgende Männer gehörten zu den besten Soldaten Davids: Asaël, der
Bruder Joabs; Elhanan, der Sohn Dodos, aus Bethlehem;
1Chr 11,27 Schammot aus Harod; Helez aus Pelet;
1Chr 11,28 Ira, der Sohn Ikkeschs, aus Tekoa; Abiëser aus Anatot;
1Chr 11,29 Sibbechai aus Huscha; Ilai aus Ahoach;
1Chr 11,30 Mahrai aus Netofa; Heled, der Sohn Baanas, aus Netofa;
1Chr 11,31 Ittai, der Sohn Ribais, aus Gibea im Stammesgebiet von Benjamin;
Benaja aus Piraton;
1Chr 11,32 Hiddai aus dem Gaaschtal; Abiël aus Araba;
1Chr 11,33 Asmawet aus Bahurim; Eljachba aus Schaalbon;
1Chr 11,34 die Söhne Haschems aus Gison; Jonatan, der Sohn Schages, aus Harar;
1Chr 11,35 Ahiam, der Sohn Sachars, aus Harar; Elifal, der Sohn Urs;
1Chr 11,36 Hefer aus Mechera; Ahija aus Palon;
1Chr 11,37 Hezro aus Karmel; Naarai, der Sohn Esbais;
1Chr 11,38 Joel, ein Bruder Nathans; Mibhar, der Sohn Hagris;
1Chr 11,39 der Ammoniter Zelek; Nachrai, der Waffenträger Joabs, des Sohnes der
Zeruja, aus Beerot;
1Chr 11,40 Ira und Gareb aus Jattir;
1Chr 11,41 der Hetiter Uria; Sabad, der Sohn Achlais;
1Chr 11,42 Adina, der Sohn Schisas, er war einer der führenden Männer vom Stamm
Ruben und hatte eine Gruppe von dreißig Soldaten unter sich;
1Chr 11,43 Hanan, der Sohn Maachas; Joschafat aus Mitni;
1Chr 11,44 Usija aus Aschtarot; Schama und Jehiël, die Söhne Hotams, aus Aroër;
1Chr 11,45 Jediaël und Joha, die Söhne Schimris, aus Tiz;
1Chr 11,46 Eliël aus Mahawim; Jeribai und Joschawja, die Söhne Elnaams; der
Moabiter Jitma;
1Chr 11,47 Eliël, Obed und Jaasiël aus Zoba.
1Chr 12,1 Als David noch in Ziklag lebte, um sich vor Saul, dem Sohn Kischs, zu
verstecken, schlossen sich ihm erfahrene Soldaten an, die im Krieg für ihn
kämpften.
1Chr 12,2 Sie waren ausgezeichnete Bogenschützen und konnten mit der rechten und
mit der linken Hand Pfeile abschießen und Steine schleudern. Zu dieser Truppe
gehörten vom Stamm Benjamin aus der Sippe Sauls:
1Chr 12,3 Ahiëser, ihr Anführer, und Joasch, sie beide waren Söhne Schemaas aus
Gibea; außerdem Jesiël und Pelet, die Söhne Asmawets; Beracha und Jehu aus
Anatot;
1Chr 12,4 Jischmaja aus Gibeon; er war damals der Anführer der dreißig Offiziere
Davids, weil er besonders mutig war;
1Chr 12,5 weiter Jirmeja, Jahasiël, Johanan und Josabad aus Gedera;
1Chr 12,6 Elusai, Jerimot, Bealja, Schemarja und Schefatja aus Haruf.
1Chr 12,7 Aus der Sippe der Korachiter schlossen sich David folgende Männer an:
Elkana, Jischija, Asarel, Joëser, Joschobam,
1Chr 12,8 Joëla und Sebadja, die Söhne Jerohams, aus Gedor.
1Chr 12,9 Auch vom Stamm Gad liefen erfahrene Soldaten zu David über. Sie kamen
zu ihm, als er sich noch in der Wüste in einer Bergfestung verborgen hielt. Sie
waren kampferprobt, mutig wie Löwen und in den Bergen flink wie Gazellen. Sie
waren mit Schild und Speer bewaffnet.
1Chr 12,10 Ihr Befehlshaber hieß Eser, ihm unterstanden zehn Männer: Obadja,
Eliab,
1Chr 12,11 Mischmanna, Jirmeja,
1Chr 12,12 Attai, Eliël,
1Chr 12,13 Johanan, Elsabad,
1Chr 12,14 Jirmeja und Machbannai.
1Chr 12,15 Alle elf vom Stamm Gad wurden später Heerführer. Schon der Schwächste
von ihnen konnte es im Kampf mit hundert Gegnern aufnehmen, der Stärkste sogar
mit tausend.
1Chr 12,16 Sie überquerten den Jordan im Frühling bei Hochwasser und schlugen
alle Bewohner der Seitentäler im Osten und im Westen in die Flucht.
1Chr 12,17 Auch von den Stämmen Benjamin und Juda kamen einige Männer zu David
in die Bergfestung.
1Chr 12,18 David ging ihnen entgegen und fragte: »Kommt ihr in friedlicher
Absicht zu mir? Wollt ihr mir helfen? Dann könnt ihr euch meinen Soldaten
anschließen! Oder wollt ihr mich an meine Feinde verraten, obwohl ich nichts
verbrochen habe? Dann wird der Gott unserer Vorfahren euch strafen, denn er
sieht es.«
1Chr 12,19 Da kam der Geist Gottes über Amasai, der später Befehlshaber von
Davids Elitetruppe wurde. Er rief: »Zu dir, David, wollen wir gehören, und für
dich, Sohn Isais, kämpfen wir! Wir wünschen dir und deinen Anhängern Erfolg und
Sieg! Denn dein Gott ist da und hilft dir!« Da nahm David die Männer bei sich
auf und ernannte sie zu Führern seiner Kriegstruppe.
1Chr 12,20 Auch vom Stamm Manasse liefen einige Soldaten zu David über, als
dieser mit den Philistern gegen Saul in den Krieg ziehen wollte. Zuletzt aber
durfte David nicht an der Schlacht teilnehmen. Die Fürsten der Philister
befürchteten, er könne wieder zu Saul, seinem früheren Herrn, überlaufen und sie
ins Verderben stürzen. Darum schickten sie ihn zurück.
1Chr 12,21 Als David nun auf dem Weg nach Ziklag war, schlossen sich ihm
folgende Offiziere vom Stamm Manasse an: Adnach, Josabad, Jediaël, Michael,
Josabad, Elihu und Zilletai. Jeder von ihnen war Befehlshaber über 1000 Soldaten
gewesen.
1Chr 12,22 Sie halfen David im Kampf gegen die Banden der Amalekiter. David
machte sie zu Truppenführern in seinem Heer, denn sie waren erfahrene Soldaten.
1Chr 12,23 Tag für Tag kamen Männer zu David, um ihm zu helfen. Schließlich
verfügte er über ein riesiges Heer.
1Chr 12,24 Es folgt ein Verzeichnis aller Soldaten, die zu David nach Hebron
kamen. Sie wollten ihn an Sauls Stelle zum König machen, wie der Herr es
befohlen hatte.
1Chr 12,25 Vom Stamm Juda waren es 6800 Mann, bewaffnet mit Schild und Lanze;
1Chr 12,26 vom Stamm Simeon: 7100 erfahrene Soldaten;
1Chr 12,27 vom Stamm Levi: 4600 Mann;
1Chr 12,28 unter ihnen waren Jojada, das Oberhaupt der Nachkommen Aarons, mit
3700 Mann,
1Chr 12,29 und Zadok, ein junger, aber erfahrener Soldat, mit 22 Offizieren aus
seiner Sippe;
1Chr 12,30 vom Stamm Benjamin, aus dem Saul kam: 3000 Mann; doch die meisten
Soldaten aus diesem Stamm hielten bis dahin noch zu Sauls Familie;
1Chr 12,31 vom Stamm Ephraim: 20800 Soldaten, Männer von Rang und Namen in ihren
Sippen;
1Chr 12,32 vom halben Stamm Manasse: 18000 Mann; sie waren ausgewählt worden, um
David zum König zu krönen;
1Chr 12,33 vom Stamm Issaschar: 200 Offiziere mit ihren Truppen, die wussten,
was in Israel zu tun war, und auch den richtigen Zeitpunkt dafür einschätzen
konnten;
1Chr 12,34 vom Stamm Sebulon: ein geordnetes Heer von 50000 bewaffneten
Soldaten, alle fest entschlossen, sich David anzuschließen;
1Chr 12,35 vom Stamm Naftali: 1000 Offiziere mit einem Heer von 37000 Mann,
bewaffnet mit Schild und Lanze;
1Chr 12,36 vom Stamm Dan: ein geordnetes Heer von 28600 Mann;
1Chr 12,37 vom Stamm Asser: ein geordnetes Heer von 40000 Mann;
1Chr 12,38 von den Stämmen Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse, die östlich
des Jordan lebten: 120000 Mann in voller Kriegsrüstung.
1Chr 12,39 Sie alle kamen geordnet in Truppen nach Hebron und hatten alle
dasselbe Ziel: Sie wollten David zum König über ganz Israel machen. Das war auch
der Wunsch der übrigen Israeliten.
1Chr 12,40 Die Truppenverbände blieben drei Tage bei David. Die Einwohner von
Hebron versorgten sie mit Nahrung.
1Chr 12,41 Alle, die in der Nähe wohnten, sogar die Bewohner der Gebiete
Issaschar, Sebulon und Naftali, halfen mit. Auf Eseln und Kamelen, auf
Maultieren und Rindern brachten sie Lebensmittel nach Hebron: Mehlspeisen,
Feigen- und Rosinenkuchen, Wein und Öl; dazu ganze Herden von Schafen und
Rindern. Alle Israeliten freuten sich sehr.
1Chr 13,1 David beriet sich mit allen Truppenführern und Offizieren, die 100
oder 1000 Soldaten unter sich hatten.
1Chr 13,2 Dann sagte er zu den versammelten Israeliten: »Wenn ihr wollt und wenn
es dem Herrn, unserem Gott, gefällt, dann schicken wir Boten in alle Gegenden
Israels und in die Städte und Dörfer der Priester und Leviten. Sie sollen alle,
die zu Hause geblieben sind, hierher zu einer Volksversammlung einladen.
1Chr 13,3 Dann wollen wir die Bundeslade unseres Gottes zu uns nach Jerusalem
holen. Zu Sauls Zeiten haben wir uns nicht um sie gekümmert!«
1Chr 13,4 Alle waren einverstanden und ermutigten David, seinen Vorschlag in die
Tat umzusetzen.
1Chr 13,5 Da ließ David Abgesandte aus ganz Israel, von der ägyptischen Grenze
im Süden bis nach Hamat im Norden, zusammenkommen, um die Bundeslade Gottes aus
Kirjat-Jearim zu holen.
1Chr 13,6 Gemeinsam mit der Volksmenge zog David nach Baala, dem heutigen
Kirjat-Jearim, im Stammesgebiet von Juda, um die Bundeslade von dort nach
Jerusalem zu bringen. Sie war dem Herrn geweiht, der über den beiden
Cherub-Engeln thronte.
1Chr 13,7 Man holte sie aus dem Haus Abinadabs und lud sie auf einen neuen
Wagen, der von Rindern gezogen wurde. Usa und Achjo lenkten ihn.
1Chr 13,8 David und alle Israeliten liefen dem Wagen hinterher. Sie sangen und
tanzten, sie spielten auf Lauten und Harfen, auf Tamburinen, Zimbeln und
Trompeten, um den Herrn zu loben.
1Chr 13,9 Bei dem Dreschplatz, der einem Mann namens Kidon gehörte, brachen die
Rinder plötzlich aus, und der Wagen drohte umzustürzen. Schnell streckte Usa
seine Hand aus, um die Bundeslade festzuhalten.
1Chr 13,10 Da wurde der Herr sehr zornig über ihn, weil er die Bundeslade
berührt hatte, und er ließ Usa auf der Stelle tot zu Boden fallen.
1Chr 13,11 David war entsetzt, dass der Herr ihn so aus dem Leben gerissen
hatte. Seitdem heißt der Dreschplatz Perez-Usa (»Entreißen Usas«).
1Chr 13,12 David bekam Angst vor Gott. »Wie kann ich es jetzt noch wagen, die
Bundeslade Gottes zu mir zu nehmen?«, fragte er sich.
1Chr 13,13 Er beschloss, sie nicht nach Jerusalem zu bringen, sondern sie im
Haus Obed-Edoms, eines Leviten aus Gat, abzustellen.
1Chr 13,14 Dort blieb sie drei Monate lang. In dieser Zeit ging es Obed-Edom und
seiner ganzen Familie sehr gut, denn der Herr segnete sie.
1Chr 14,1 Eines Tages schickte König Hiram von Tyrus eine Gesandtschaft zu
David. Es waren Maurer und Zimmerleute dabei, sie brachten Zedernholz mit und
bauten David einen Palast.
1Chr 14,2 So erlebte er, wie der Herr ihn als König bestätigte und ihn aus Liebe
zu seinem Volk zu großem Ruhm gelangen ließ.
1Chr 14,3 In Jerusalem heiratete David noch weitere Frauen und bekam noch mehr
Söhne und Töchter.
1Chr 14,4 Die Söhne, die in Jerusalem zur Welt kamen, hießen: Schammua, Schobab,
Nathan, Salomo,
1Chr 14,5 Jibhar, Elischua, Elpelet,
1Chr 14,6 Nogah, Nefeg, Jafia,
1Chr 14,7 Elischama, Beeljada und Elifelet.
1Chr 14,8 Als die Philister hörten, dass David zum König über ganz Israel
gekrönt worden war, zogen sie mit ihrem Heer nach Israel, um ihn gefangen zu
nehmen. Doch David wurde rechtzeitig gewarnt und zog ihnen mit seinem Heer
entgegen.
1Chr 14,9 Die Philister schlugen ihr Lager in der Refaïmebene auf.
1Chr 14,10 David fragte Gott: »Soll ich die Philister angreifen? Wirst du mir
den Sieg geben?« Der Herr antwortete: »Greif an! Du wirst sie schlagen.«
1Chr 14,11 David zog mit seinen Soldaten nach Baal-Perazim und besiegte die
Philister. Nach der Schlacht bezeugte er: »Wie Wassermassen einen Damm
durchbrechen, so hat Gott heute durch mich die Schlachtreihen der Feinde
durchbrochen!« Deshalb nannte man den Ort der Schlacht Baal-Perazim (»Herr des
Durchbruchs«).
1Chr 14,12 Auf der Flucht ließen die Philister ihre Götzenfiguren zurück. David
befahl, sie zu verbrennen.
1Chr 14,13 Doch die Philister gaben nicht auf. Sie zogen noch einmal nach Israel
und lagerten auch diesmal in der Refaïmebene.
1Chr 14,14 Wieder bat David Gott um Weisung, und der Herr antwortete ihm: »Zieht
ihnen nicht auf direktem Weg entgegen, sondern umgeht sie, und fallt ihnen bei
den Balsamstauden in den Rücken!
1Chr 14,15 Sobald du in den Wipfeln der Balsamsträucher ein Geräusch wie von
Schritten hörst, greif an! Denn dann weißt du, dass ich selbst dir
vorausgegangen bin, um das Heer der Philister zu schlagen.«
1Chr 14,16 David tat, was Gott ihm befohlen hatte. Die Israeliten schlugen die
Philister und verfolgten sie von Gibeon bis weit in die Ebene hinunter nach
Geser.
1Chr 14,17 In allen Ländern wurde David berühmt. Der Herr sorgte dafür, dass
alle Völker ihn fürchteten.
1Chr 15,1 In dem Stadtteil Jerusalems, der »Stadt Davids« genannt wurde, ließ
David mehrere Paläste bauen. Er bestimmte auch einen Ort, wo die Bundeslade
Gottes stehen sollte, und ließ dort ein Zelt für sie errichten.
1Chr 15,2 Dann ordnete er an: »Nur die Leviten dürfen die Bundeslade tragen!
Denn sie hat der Herr dazu erwählt. Sie sollen die Dienste am Heiligtum für alle
Zeiten verrichten.«
1Chr 15,3 Danach ließ David Abgesandte aus ganz Israel nach Jerusalem kommen, um
die Bundeslade an den Ort zu bringen, den er für sie vorbereitet hatte.
1Chr 15,4 Der König rief auch die Nachkommen Aarons und die anderen Leviten nach
Jerusalem.
1Chr 15,5 Folgende Sippenoberhäupter des Stammes Levi kamen zusammen mit ihren
Sippen: von den Nachkommen Kehats: Uriël mit 120 Mann;
1Chr 15,6 von den Nachkommen Meraris: Asaja mit 220 Mann;
1Chr 15,7 von den Nachkommen Gerschons: Joel mit 130 Mann;
1Chr 15,8 von den Nachkommen Elizafans: Schemaja mit 200 Mann;
1Chr 15,9 von den Nachkommen Hebrons: Eliël mit 80 Mann;
1Chr 15,10 von den Nachkommen Usiëls: Amminadab mit 112 Mann.
1Chr 15,11 David ließ die Priester Zadok und Abjatar sowie die sechs
Sippenoberhäupter zu sich kommen
1Chr 15,12 und sagte zu ihnen: »Ihr seid die Oberhäupter der Leviten. Zusammen
mit euren Stammesbrüdern sollt ihr die Bundeslade des Herrn, des Gottes Israels,
nach Jerusalem bringen an den Ort, den ich für sie bestimmt habe. Macht euch
bereit für diese heilige Aufgabe, reinigt euch!
1Chr 15,13 Beim ersten Mal ließ der Herr, unser Gott, einen Mann aus unserer
Mitte sterben, weil nicht ihr Leviten die Bundeslade getragen habt und weil wir
seine Weisungen nicht beachtet haben.«
1Chr 15,14 Da reinigten sich die Priester und die Leviten für die heilige
Aufgabe, die Bundeslade des Herrn, des Gottes Israels, nach Jerusalem zu
bringen.
1Chr 15,15 Die Leviten sollten sie mit Stangen auf ihren Schultern tragen, wie
Mose es im Auftrag des Herrn angeordnet hatte.
1Chr 15,16 David gab den Oberhäuptern der Leviten den Auftrag, aus ihrem Stamm
Männer auszusuchen, die bei dem fröhlichen Fest singen und auf Harfen, Lauten
und Zimbeln spielen sollten.
1Chr 15,17 Folgende Männer wurden für diese Aufgabe bestimmt: Heman, der Sohn
Joels, und aus derselben Sippe Asaf, der Sohn Berechjas, weiter Etan, der Sohn
Kuschajas, ein Nachkomme Meraris.
1Chr 15,18 Ihnen zur Seite standen die Torwächter Secharja, Jaasiël,
Schemiramot, Jehiël, Unni, Eliab, Benaja, Maaseja, Mattitja, Elifelehu, Mikneja,
Obed-Edom und Jeïël.
1Chr 15,19 Heman, Asaf und Etan sangen und schlugen die bronzenen Zimbeln.
1Chr 15,20 Secharja, Jaasiël, Schemiramot, Jehiël, Unni, Eliab, Maaseja und
Benaja spielten die hochgestimmten Harfen.
1Chr 15,21 Mattitja, Elifelehu, Mikneja, Obed-Edom, Jeïël und Asasja spielten
die tiefgestimmten Lauten. Alle Musiker begleiteten den Gesang.
1Chr 15,22 Kenanja leitete den Chor der Leviten, denn er war musikalisch sehr
begabt.
1Chr 15,23 [23/24] Berechja, Elkana, Obed-Edom und Jehija bewachten die
Bundeslade. Die Priester Schebanja, Joschafat, Netanel, Amasai, Secharja, Benaja
und Eliëser gingen vor der Bundeslade Gottes her und bliesen die Trompeten.
1Chr 15,25 David, die Ältesten von Israel und die Offiziere seiner Truppen zogen
mit den Leviten und Priestern zum Haus Obed-Edoms, um die Bundeslade des Herrn
nach Jerusalem zu holen. Alle freuten sich sehr.
1Chr 15,26 Weil Gott die Leviten nicht sterben ließ, die die Bundeslade trugen,
opferte man zum Dank sieben junge Stiere und sieben Schafböcke.
1Chr 15,27 David trug ein Obergewand aus feinem Leinen, ebenso die Träger der
Bundeslade, die Sänger und der Gesangsleiter Kenanja. David war darunter mit
einem leichten Leinenschurz bekleidet, wie ihn sonst die Priester trugen.
1Chr 15,28 Jubelnd brachten alle Israeliten die Bundeslade des Herrn nach
Jerusalem. Die Musiker spielten auf Hörnern, Trompeten, Zimbeln, Harfen und
Lauten.
1Chr 15,29 Als die Menge in der »Stadt Davids« ankam, schaute Davids Frau
Michal, die Tochter Sauls, aus dem Fenster. Sie sah, wie der König hüpfte und
tanzte, und verachtete ihn dafür.
1Chr 16,1 Die Leviten trugen die Bundeslade in das Zelt, das David errichtet
hatte, und stellten sie auf den vorgesehenen Platz in der Mitte. Dann brachten
sie Gott Brand- und Dankopfer dar.
1Chr 16,2 David segnete das Volk im Namen des Herrn.
1Chr 16,3 Alle Israeliten, Männer und Frauen, erhielten einen Laib Brot, einen
Rosinen- und einen Dattelkuchen.
1Chr 16,4 David bestimmte einige Leviten dazu, von nun an ihren Dienst bei der
Bundeslade zu versehen. Sie sollten auch weiterhin den Herrn, den Gott Israels,
rühmen, preisen und loben.
1Chr 16,5 Ihr Leiter war Asaf, sein Stellvertreter Secharja; auf den Harfen und
Lauten spielten Jeïël, Schemiramot, Jehiël, Mattitja, Eliab, Benaja, Obed-Edom
und Jeïël; Asaf schlug die Zimbeln;
1Chr 16,6 die Priester Benaja und Jahasiël spielten Trompete und hielten sich
immer in der Nähe der Bundeslade Gottes auf.
1Chr 16,7 An diesem Festtag ließ David zum ersten Mal Asaf und die anderen
Männer seiner Sippe folgendes Lied vortragen, um den Herrn zu loben:
1Chr 16,8 »Preist den Herrn, und ruft seinen Namen aus, verkündet seine großen
Taten allen Völkern!
1Chr 16,9 Singt und musiziert zu seiner Ehre, macht alle seine Wunder bekannt!
1Chr 16,10 Seid glücklich, dass ihr zu ihm, dem heiligen Gott, gehört! Ja, alle,
die den Herrn suchen, sollen sich freuen!
1Chr 16,11 Fragt nach dem Herrn, und rechnet mit seiner Macht, wendet euch immer
wieder an ihn!
1Chr 16,12 [12/13] Ihr Nachkommen seines Dieners Israel, ihr Kinder und Enkel
Jakobs, die er auserwählt hat, erinnert euch an seine Wunder! Denkt immer wieder
an seine mächtigen Taten und an die Urteile, die er gesprochen hat!
1Chr 16,14 Er ist der Herr, unser Gott! Auf der ganzen Welt hat er das letzte
Wort.
1Chr 16,15 Vergesst niemals seinen Bund mit uns, sein Versprechen, das er gab.
Es gilt für alle Generationen nach uns, selbst wenn es tausend sind.
1Chr 16,16 Schon mit Abraham schloss er diesen Bund; er schwor auch Isaak, sich
daran zu halten.
1Chr 16,17 An Jakob bestätigte er ihn als gültige Ordnung, ja, als ewiges
Bündnis für ganz Israel.
1Chr 16,18 [18/19] Als ihr noch eine kleine Schar wart, nur wenige, dazu noch
fremd im Land, sprach er: ›Euch gebe ich das Land Kanaan, ihr sollt es für immer
besitzen.‹
1Chr 16,20 Als Israel von Volk zu Volk wanderte, von einem Land zum anderen zog,
1Chr 16,21 da erlaubte der Herr keinem, sie zu unterdrücken. Um sie zu schützen,
warnte er die Könige der fremden Völker:
1Chr 16,22 ›Rührt mein Volk nicht an, denn ich habe es erwählt! Ich habe durch
sie etwas Besonderes zu sagen - tut ihnen nichts Böses!‹
1Chr 16,23 Singt dem Herrn, alle Bewohner der Erde! Verkündet jeden Tag: Gott
ist ein Gott, der rettet!
1Chr 16,24 Erzählt den Völkern von seiner Hoheit! Macht den Menschen alle seine
Wunder bekannt!
1Chr 16,25 Denn groß ist der Herr! Jeder soll ihn rühmen! Von allen Göttern soll
man ihn allein fürchten.
1Chr 16,26 Die Götter der Völker sind machtlose Figuren, der Herr aber hat den
Himmel geschaffen!
1Chr 16,27 Majestät und Pracht gehen von ihm aus, seine Stärke und Freude
erfüllen den Ort, wo er wohnt.
1Chr 16,28 Hört, ihr Völker: Begegnet dem Herrn mit Ehrfurcht! Unterwerft euch
seiner Herrschaft!
1Chr 16,29 Ehrt seinen großen Namen, kommt zu ihm, und bringt ihm Opfer dar!
Werft euch vor ihm nieder, wenn er in seiner Größe und Macht erscheint!
1Chr 16,30 Die ganze Welt soll vor ihm erzittern! Er hat die Fundamente der Erde
gelegt, sie wankt und weicht nicht.
1Chr 16,31 Der Himmel soll sich freuen und die Erde in Jubel ausbrechen! Sagt
den Völkern: Der Herr allein ist König!
1Chr 16,32 Das Meer mit allem, was in ihm lebt, soll brausen und tosen! Der
Acker freue sich mit allem, was auf ihm wächst!
1Chr 16,33 Auch die Bäume im Wald sollen jubeln, wenn der Herr kommt. Ja, er
kommt, um die Welt zu richten.
1Chr 16,34 Preist den Herrn, denn er ist gut, und seine Gnade hört niemals auf.
1Chr 16,35 Betet zu ihm: Rette uns, Gott, du allein kannst uns helfen! Befreie
uns, führe uns heraus aus den Völkern, die dich nicht kennen, und bring uns
wieder zusammen! Dann werden wir deinen heiligen Namen preisen und stolz darauf
sein, dass wir dich loben können.
1Chr 16,36 Ja, gelobt sei der Herr, der Gott Israels, jetzt und für alle Zeit!«
Da rief das ganze Volk: »Amen!«, und alle lobten den Herrn.
1Chr 16,37 David ordnete an, dass Asaf und einige andere Leviten von nun an
ständig bei der Bundeslade die täglichen Arbeiten ausführen sollten.
1Chr 16,38 Zu dieser Gruppe gehörten Obed-Edom und 67 andere Leviten. Hosa und
Obed-Edom, der Sohn Jedutuns, bewachten den Zelteingang.
1Chr 16,39 Der Hohepriester Zadok und die übrigen Priester sollten ihren Dienst
weiterhin im heiligen Zelt versehen, das immer noch auf dem Hügel bei Gibeon
stand.
1Chr 16,40 Jeden Morgen und Abend sollten sie dort auf dem Altar die Brandopfer
darbringen und alles befolgen, was im Gesetz des Herrn steht, das er den
Israeliten gegeben hat.
1Chr 16,41 Heman, Jedutun und noch weitere Sänger schickte David mit den
Priestern nach Gibeon. Sie sollten dort mit ihren Liedern den Herrn dafür loben,
dass seine Gnade nie aufhört.
1Chr 16,42 Sie nahmen Trompeten, Zimbeln und andere Instrumente mit, die zur
Ehre Gottes den Gesang begleiten sollten. Die Söhne Jedutuns hatten den
Zelteingang zu bewachen.
1Chr 16,43 Als die Feier vorüber war, machten sich alle auf den Heimweg. Auch
David ging nach Hause. Er wollte gern seine Familie sehen.
1Chr 17,1 Nachdem David in seinen Palast gezogen war, sagte er zu dem Propheten
Nathan: »Während ich hier in meinem Palast aus kostbarem Zedernholz wohne, steht
die Bundeslade des Herrn immer noch in einem dürftigen Zelt. So kann es nicht
weitergehen!«
1Chr 17,2 Nathan ermutigte den König: »Was immer du vorhast - tu es! Gott wird
dir dabei helfen.«
1Chr 17,3 Doch in der folgenden Nacht sprach Gott zu Nathan:
1Chr 17,4 »Geh zu David, meinem Diener, und sag ihm: So spricht der Herr: Du
sollst noch kein Haus für mich bauen!
1Chr 17,5 Bis heute habe ich noch nie in einem Tempel gewohnt. Seit ich Israel
in dieses Land geführt habe, wohnte ich immer nur in einem Zelt und zog von
einem Ort zum anderen.
1Chr 17,6 Während dieser ganzen Zeit habe ich von den führenden Männern Israels
nur eines verlangt: Sie sollten mein Volk weiden wie ein Hirte seine Herde. Nie
habe ich einem von ihnen vorgeworfen: Warum habt ihr mir noch keinen Tempel aus
Zedernholz gebaut?
1Chr 17,7 Darum sollst du meinem Diener David diese Botschaft weitergeben: Der
Herr, der allmächtige Gott, lässt dir sagen: Ich war es, der dich von deiner
Schafherde weggeholt hat, um dich zum König über mein Volk Israel zu machen.
1Chr 17,8 Was du auch unternommen hast - ich habe dir immer geholfen. Ich habe
alle deine Feinde ausgerottet und dich berühmt gemacht. Du bist in aller Welt
bekannt.
1Chr 17,9 Auch habe ich meinem Volk Israel eine Heimat gegeben, ein Land, in dem
es bleiben und sich niederlassen kann. Keine fremden und gottlosen Völker dürfen
euch mehr so unterdrücken wie zu der Zeit,
1Chr 17,10 als ich Richter über euch eingesetzt hatte. Alle deine Feinde habe
ich zum Schweigen gebracht. Ich, der Herr, sage dir: Nicht du, David, sollst mir
ein Haus bauen, sondern ich werde dir ein Haus bauen!
1Chr 17,11 Wenn du alt geworden und gestorben bist, will ich einen deiner Söhne
als deinen Nachfolger einsetzen und seine Herrschaft festigen.
1Chr 17,12 Er wird mir einen Tempel bauen, und ich werde seinem Königtum Bestand
geben für alle Zeiten.
1Chr 17,13 Ich will sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein. Nie werde ich
meine Güte von ihm abwenden, wie ich es bei Saul getan habe.
1Chr 17,14 Dein Sohn und seine Nachkommen werden für alle Zeiten Könige über
mein Volk sein. Niemand wird sie je vom Thron stoßen.«
1Chr 17,15 Nathan berichtete David alles, was der Herr ihm in der Nacht gesagt
hatte.
1Chr 17,16 Da ging David in das heilige Zelt, kniete vor dem Herrn nieder und
begann zu beten: »Gott, mein Herr, wer bin ich schon, dass du gerade mich und
meine Familie so weit gebracht hast? Ich bin es nicht wert.
1Chr 17,17 Und nun willst du mir sogar noch mehr schenken, mein Gott! Du hast
mir ein Versprechen gegeben, das bis in die ferne Zukunft reicht. Du erweist mir
solche Ehre, Herr, mein Gott, als wäre ich ein großer und bedeutender Mensch!
1Chr 17,18 Doch was soll ich weiter davon reden? Ich weiß, dass du mich, deinen
Diener, auch ohne Worte verstehst.
1Chr 17,19 Weil du es so wolltest, hast du all dies Große für mich getan und
hast es mich erkennen lassen.
1Chr 17,20 Herr, keiner ist dir gleich! Nach allem, was wir gehört haben, sind
wir überzeugt: Es gibt keinen Gott außer dir.
1Chr 17,21 Welches Volk auf der Erde hat solche Wunder erlebt wie wir? Ist je
ein anderes Volk von seinem Gott aus der Sklaverei befreit worden, weil er es zu
seinem Volk machen wollte? Große und furchterregende Dinge hast du getan, und so
wurde dein Name überall berühmt. Du hast uns von der Unterdrückung der Ägypter
befreit. Andere Völker hast du unseretwegen vertrieben.
1Chr 17,22 Für alle Zeiten hast du Israel zu deinem Volk gemacht; und du selbst,
Herr, bist sein Gott geworden.
1Chr 17,23 So bitte ich dich nun, Herr: Lass deine Zusage für mich und meine
Familie ewig gelten, und löse dein Versprechen ein!
1Chr 17,24 Ja, möge alles eintreffen, was du gesagt hast! So wird dein Name für
alle Zeiten berühmt sein, und man wird bekennen: ›Der Herr, der allmächtige
Gott, ist Israels Gott.‹ Dann wird auch mein Königshaus für ewig bestehen.
1Chr 17,25 Du, mein Gott, hast zu mir gesprochen. Du hast mir zugesagt, dass du
meinem Königshaus Bestand geben willst. Nur darum habe ich es gewagt, so zu dir
zu beten.
1Chr 17,26 Herr, du bist der wahre Gott! Du hast mir, deinem Diener, so viel
Gutes verheißen.
1Chr 17,27 Du hast mich und mein Haus reich beschenkt und willst für alle Zeiten
einen meiner Nachkommen zum König machen. Ja, weil du, Herr, meine Familie
gesegnet hast, wird sie in Ewigkeit gesegnet sein!«
1Chr 18,1 David griff mit seinem Heer die Philister an. Er besiegte sie und nahm
ihnen die Stadt Gat und die umliegenden Dörfer ab.
1Chr 18,2 Auch die Moabiter schlug David. Sie mussten sich ihm unterwerfen und
ihm regelmäßig Tribut zahlen.
1Chr 18,3 Als König Hadad-Eser aus Zoba in Nordsyrien mit seinem Heer auszog, um
am Euphrat seine Macht wiederherzustellen, griff David ihn an. In einer Schlacht
bei Hamat besiegten die Israeliten Hadad-Eser.
1Chr 18,4 Davids Heer erbeutete 1000 Streitwagen und nahm 7000 Reiter und 20000
Fußsoldaten gefangen. Von den Zugpferden der Streitwagen behielt David 100 für
sich, allen anderen ließ er die Fußsehnen durchschneiden.
1Chr 18,5 Die Syrer aus Damaskus wollten König Hadad-Eser von Zoba zu Hilfe
kommen. Da griff David auch sie an. In dieser Schlacht fielen 22000 von ihnen.
1Chr 18,6 David ließ das Gebiet um Damaskus besetzen und machte die Syrer zu
seinen Untertanen. Sie mussten ihm Tribut zahlen. Der Herr half David bei allen
seinen Kriegszügen und schenkte ihm den Sieg.
1Chr 18,7 David erbeutete auch die goldenen Schilde von Hadad-Esers Soldaten und
brachte sie nach Jerusalem.
1Chr 18,8 Aus den Städten Tibhat und Kun, die beide Hadad-Eser gehört hatten,
nahm er eine große Menge Bronze mit. Daraus ließ Salomo später das Wasserbecken,
genannt »das Meer«, die Säulen und die bronzenen Gegenstände für den Tempel
gießen.
1Chr 18,9 Als König Toï von Hamat hörte, dass David das Heer Hadad-Esers besiegt
hatte,
1Chr 18,10 sandte er seinen Sohn Hadoram zu David. Er sollte ihm Grüße
ausrichten und ihm zu seinem Sieg gratulieren. Denn Hadad-Eser und Toï waren
verfeindet und hatten schon gegeneinander Krieg geführt. Hadoram brachte David
Geschenke mit: Gefäße aus Gold, Silber und Bronze.
1Chr 18,11 David brachte sie in das Heiligtum und weihte sie dem Herrn, ebenso
die Schätze aus Gold und Silber, die er bei seinen Eroberungszügen gegen die
Edomiter, Moabiter, Ammoniter, Philister und Amalekiter erbeutet hatte.
1Chr 18,12 Die Edomiter hatte Abischai, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, in
einer Schlacht im Salztal besiegt. 18000 Edomiter kamen dabei um.
1Chr 18,13 David setzte im ganzen Land Edom Statthalter ein und machte die
Bewohner zu seinen Untertanen. Der Herr half ihm bei allen Kriegszügen und
schenkte ihm stets den Sieg.
1Chr 18,14 Solange David König über ganz Israel war, verhalf er jedem im Volk zu
seinem Recht.
1Chr 18,15 Joab, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, war der oberste
Befehlshaber über das Heer. Joschafat, ein Sohn Ahiluds, war Berater des Königs.
1Chr 18,16 Zadok, ein Sohn Ahitubs, und Ahimelech, ein Sohn Abjatars, waren die
obersten Priester. Schawscha war Hofsekretär.
1Chr 18,17 Benaja, ein Sohn Jojadas, hatte den Befehl über die Leibwache des
Königs. Auch die Söhne Davids waren hohe Beamte.
1Chr 19,1 Einige Zeit später starb Nahasch, der König der Ammoniter, und sein
Sohn trat die Nachfolge an.
1Chr 19,2 David dachte: »König Nahasch war mir immer wohlgesinnt. Darum will ich
mich nun seinem Sohn Hanun gegenüber freundlich verhalten.« Er schickte eine
Gesandtschaft zu Hanun, um ihm sein Beileid auszusprechen. Als die Boten an
Hanuns Hof kamen, richteten sie dem König aus, was David ihnen aufgetragen
hatte.
1Chr 19,3 Aber die Fürsten des Landes sagten zu König Hanun: »Glaubst du
wirklich, David hat diese Männer nur zu dir gesandt, um deinem Vater die letzte
Ehre zu erweisen und dir sein Beileid auszusprechen? Das ist doch nur ein
Vorwand! Spione sind sie, die unser Land auskundschaften sollen, weil David uns
bald angreifen und erobern will!«
1Chr 19,4 Da nahm Hanun die Gesandten Davids gefangen, ließ ihnen den Bart
abrasieren und die Kleider bis über das Gesäß abschneiden. Dann jagte er sie
davon.
1Chr 19,5 Als David das erfuhr, schickte er seinen Gesandten Boten entgegen und
ließ ihnen ausrichten: »Bleibt in Jericho, bis euer Bart wieder nachgewachsen
ist, und kommt erst dann heim.« David wollte ihnen die Schande ersparen, ohne
Bart zurückkehren zu müssen.
1Chr 19,6 Die Ammoniter wussten genau, dass sie David durch diese Tat schwer
beleidigt hatten. Darum schickte Hanun Unterhändler nach Mesopotamien, nach
Maacha in Syrien und nach Zoba. Er gab ihnen 350 Tonnen Silber mit, um dort
Streitwagen und Wagenkämpfer anzuwerben.
1Chr 19,7 Es gelang ihnen, den König von Maacha mit seinem ganzen Heer für sich
zu gewinnen; außerdem konnten sie 32000 Streitwagen und Wagenkämpfer aufbringen.
Die verbündeten Truppen lagerten vor der Stadt Medeba. Auch die Ammoniter kamen
aus ihren Städten und rüsteten sich zum Kampf.
1Chr 19,8 David hörte davon und befahl Joab, sofort mit dem ganzen Heer gegen
die Feinde auszurücken.
1Chr 19,9 Die Ammoniter stellten sich vor ihrer Hauptstadt Rabba zur Schlacht
auf, während die verbündeten Könige mit ihren Truppen in einiger Entfernung auf
offenem Feld Stellung bezogen.
1Chr 19,10 Als Joab merkte, dass ihm von vorne und von hinten ein Angriff
drohte, teilte er sein Heer. Er selbst wollte mit den besten Soldaten den Kampf
gegen die Syrer aufnehmen.
1Chr 19,11 Den Rest des Heeres übergab er dem Kommando seines Bruders Abischai,
der gegen die Ammoniter kämpfen sollte.
1Chr 19,12 Bevor die beiden Heere sich trennten, sagte Joab zu seinem Bruder:
»Wenn die Syrer uns überlegen sind, dann komm uns mit deiner Truppe zu Hilfe.
Sind die Ammoniter stärker als ihr, dann helfe ich dir mit meinen Soldaten.
1Chr 19,13 Sei mutig und entschlossen! Wir wollen für unser Volk kämpfen und für
die Städte, die Gott uns gegeben hat. Der Herr aber möge tun, was er für richtig
hält.«
1Chr 19,14 Dann griff Joab mit seinem Heer die Syrer an und schlug sie in die
Flucht.
1Chr 19,15 Als das die Ammoniter sahen, flohen auch sie vor Abischai und zogen
sich in die Stadt zurück. Da kehrte Joab nach Jerusalem um.
1Chr 19,16 Die Syrer wollten sich mit der Niederlage gegen die Israeliten nicht
abfinden. Darum ließen sie auch die syrischen Stämme, die jenseits des Euphrat
in Mesopotamien wohnten, zum Kampf ausrücken. Schobach, der oberste Heerführer
Hadad-Esers, führte sie an.
1Chr 19,17 Als David das erfuhr, zog er alle wehrfähigen Israeliten ein,
überquerte mit seinem Heer den Jordan und stellte sich den Feinden gegenüber zum
Kampf auf. Die Israeliten griffen an, und eine heftige Schlacht begann.
1Chr 19,18 Wieder wurden die Syrer in die Flucht geschlagen. Doch diesmal
erlitten sie schwere Verluste: 7000 Wagenlenker und 40000 Fußsoldaten fielen.
Auch der Heerführer Schobach wurde von David getötet.
1Chr 19,19 Die besiegten syrischen Könige, die bis dahin Hadad-Esers Untertanen
gewesen waren, schlossen Frieden mit David und stellten sich in seinen Dienst.
Von da an wollten die Syrer die Ammoniter nicht mehr unterstützen.
1Chr 20,1 Als der Frühling kam, begann auch wieder die Zeit, in der die Könige
ihre Feldzüge unternahmen. Joab griff mit dem israelitischen Heer die Ammoniter
an, verwüstete ihr Land und belagerte die Hauptstadt Rabba. David selbst war in
Jerusalem geblieben. Joab stürmte die Stadt und zerstörte sie.
1Chr 20,2 Die Israeliten machten reiche Beute und schafften sie aus Rabba fort.
David nahm König Hanun die Krone ab und setzte sie selbst auf. Sie wog 36
Kilogramm, war aus reinem Gold und mit einem kostbaren Edelstein besetzt.
1Chr 20,3 Die Einwohner von Rabba verschleppte David und verurteilte sie zur
Zwangsarbeit mit Steinsägen, eisernen Pickeln und Äxten. Ebenso erging es den
Einwohnern der anderen ammonitischen Städte. Als der Krieg vorüber war, kehrten
David und sein Heer nach Jerusalem zurück.
1Chr 20,4 Danach kam es bei Geser zum Kampf mit den Philistern. In dieser
Schlacht tötete Sibbechai, der Huschatiter, den Riesen Saf. Die Philister
erlitten eine schwere Niederlage.
1Chr 20,5 In einer anderen Schlacht gegen die Philister erschlug Elhanan, der
Sohn Jaïrs, den Riesen Lachmi, einen Bruder Goliats aus Gat; Lachmis Speer war
so dick wie ein kleiner Baum.
1Chr 20,6 Einmal kam es bei Gat zum Kampf. Einer der Philister war ein Riese. Er
hatte an jeder Hand sechs Finger und an jedem Fuß sechs Zehen.
1Chr 20,7 Er machte sich über die Israeliten lustig, doch Jonatan, ein Sohn von
Davids Bruder Schamma, tötete ihn.
1Chr 20,8 Diese drei Riesen waren Nachkommen Rafas und kamen aus Gat. Sie wurden
von David und seinen Soldaten umgebracht.
1Chr 21,1 Satan wollte Unheil über Israel bringen; deshalb brachte er David auf
den Gedanken, eine Volkszählung durchzuführen.
1Chr 21,2 David befahl Joab und den führenden Männern des Volkes: »Geht und
zählt die Israeliten von Beerscheba im Süden bis Dan im Norden, und dann
erstattet mir Bericht! Ich möchte wissen, wie viele es sind.«
1Chr 21,3 Doch Joab wandte ein: »Der Herr möge sein Volk noch hundertmal größer
werden lassen! Sie alle sind doch sowieso deine Untertanen, mein König! Warum
verlangst du so etwas? Warum willst du Israel diese Schuld aufbürden?«
1Chr 21,4 Doch der König blieb bei seinem Entschluss, trotz aller Einwände
Joabs. Und so führte Joab die Volkszählung in ganz Israel durch und kam dann
nach Jerusalem zurück.
1Chr 21,5 Dort legte er David das Ergebnis vor: In ganz Israel gab es 1100000
wehrfähige Männer, davon kamen 470000 aus dem Stamm Juda.
1Chr 21,6 Die Stämme Levi und Benjamin hatte Joab nicht mitgezählt. Denn er
hatte den Befehl des Königs ohnehin nur mit Widerwillen befolgt.
1Chr 21,7 Gott aber missfiel es, dass David das Volk hatte zählen lassen. Darum
wollte er Israel bestrafen.
1Chr 21,8 Da betete David zu Gott: »Meine Schuld ist groß. Bitte, vergib mir!
Ich habe einen schweren Fehler begangen.«
1Chr 21,9 Da befahl der Herr dem Propheten Gad, der in Davids Dienst stand:
1Chr 21,10 »Geh zu David, und sag ihm: Drei Strafen legt der Herr dir vor. Wähl
dir eine davon aus!«
1Chr 21,11 Gad ging zu David und gab ihm die Botschaft des Herrn weiter. Er
fragte ihn: »Was wählst du?
1Chr 21,12 Drei Jahre Hungersnot? Oder drei Monate, in denen du von deinen
Feinden verfolgt und schließlich besiegt wirst? Oder wählst du drei Tage, in
denen der Herr das Land bestraft? Dann wütet die Pest in Israel, und der Engel
des Herrn bringt Elend über das ganze Land. Überleg dir, was ich dem antworten
soll, der mich zu dir geschickt hat!«
1Chr 21,13 David entgegnete: »Ich habe große Angst. Aber ich will lieber dem
Herrn als den Menschen in die Hände fallen, denn er ist sehr barmherzig!«
1Chr 21,14 Da ließ der Herr in Israel die Pest ausbrechen. 70000 Menschen kamen
dabei um.
1Chr 21,15 Gott schickte seinen Engel auch nach Jerusalem, um die Stadt zu
vernichten. Doch kaum hatte der Todesengel sein Werk begonnen, da hatte der Herr
Mitleid mit den Menschen in ihrem Elend, und er befahl: »Genug damit! Hör auf,
das Volk zu vernichten!« Der Engel stand gerade auf dem Dreschplatz des
Jebusiters Arauna.
1Chr 21,16 David sah, wie der Engel des Herrn dort zwischen Himmel und Erde
stand und das Schwert über Jerusalem erhoben hatte. Da warfen David und die
Ältesten der Stadt sich nieder, mit dem Gesicht zum Boden. Sie alle trugen
Bußgewänder aus Sacktuch.
1Chr 21,17 David betete: »Ich allein trage die Schuld! Habe nicht ich befohlen,
die Volkszählung durchzuführen? Ich habe gesündigt, aber das Volk trifft keine
Schuld! Darum, Herr, mein Gott, bestrafe mich und meine Verwandten; doch
verschone das Volk vor dieser Plage!«
1Chr 21,18 Da sagte der Engel des Herrn zum Propheten Gad: »Fordere David auf,
zum Dreschplatz des Jebusiters Arauna zu gehen und dort einen Altar für den
Herrn zu bauen.«
1Chr 21,19 David machte sich auf den Weg, um den Befehl auszuführen, den der
Herr ihm durch Gad gegeben hatte.
1Chr 21,20 Arauna drosch gerade Weizen zusammen mit seinen vier Söhnen. Als sie
aufschauten, sahen sie den Todesengel. Die Söhne rannten fort und versteckten
sich.
1Chr 21,21 Da kam der König. Kaum hatte Arauna ihn erblickt, lief er ihm
entgegen, warf sich ihm zu Füßen und berührte mit seinem Gesicht den Boden.
1Chr 21,22 David sagte zu ihm: »Ich möchte deinen Dreschplatz kaufen, um hier
einen Altar für den Herrn zu bauen, damit die Pest in Israel nicht länger wütet!
Verlang den vollen Preis dafür.«
1Chr 21,23 Arauna entgegnete: »Nimm ihn umsonst, mein Herr und König, und tu,
was du dir vorgenommen hast! Ich gebe dir die Rinder für das Brandopfer und den
Weizen für das Speiseopfer. Als Brennholz kannst du meinen Dreschschlitten
nehmen. Ich schenke dir alles!«
1Chr 21,24 Doch der König wandte ein: »Nein, ich will den Dreschplatz kaufen,
und zwar zum vollen Preis. Ich möchte dem Herrn nicht ein Opfer darbringen, das
eigentlich dir gehört und mich nichts gekostet hat.«
1Chr 21,25 Und so bezahlte David für den Dreschplatz 600 Goldstücke, insgesamt
etwa 7 Kilogramm Gold.
1Chr 21,26 Er baute dort einen Altar für den Herrn und brachte auf ihm Brand-
und Dankopfer dar. Dabei betete er, und der Herr ließ Feuer vom Himmel auf das
Brandopfer fallen.
1Chr 21,27 Dann befahl der Herr dem Todesengel, sein Schwert wieder in die
Scheide zu stecken.
1Chr 21,28 David erkannte, dass der Herr ihm auf sein Opfer antwortete, das er
auf dem Dreschplatz des Jebusiters Arauna dargebracht hatte.
1Chr 21,29 Zu dieser Zeit stand das heilige Zelt, das einst Mose in der Wüste
als Wohnung des Herrn errichtet hatte, noch auf dem Hügel bei Gibeon. Auch der
Brandopferaltar war dort.
1Chr 21,30 Doch David wagte es nicht mehr, nach Gibeon zu gehen, um dort den
Herrn um Rat zu fragen, denn er war vor Schreck wie gelähmt über das tödliche
Schwert des Engels.
1Chr 22,1 Darum fasste er einen Entschluss: Auf dem Dreschplatz, wo der Herr ihm
geantwortet hatte, sollten einmal der Tempel Gottes, des Herrn, und der
Brandopferaltar für Israel stehen.
1Chr 22,2 David verpflichtete alle Ausländer in Israel als Steinhauer. Sie
sollten die Quadersteine behauen, die für den Bau des Tempels gebraucht wurden.
1Chr 22,3 Auch eine große Menge Eisen ließ er schon bereitstellen, um daraus die
Nägel für die Torflügel und die eisernen Klammern anzufertigen. Es wurde so viel
Bronze gesammelt, dass man sie gar nicht mehr wiegen konnte.
1Chr 22,4 David bestellte auch sehr viel Zedernholz. Die Sidonier und die Tyrer
lieferten ihm große Mengen davon.
1Chr 22,5 David dachte: »Mein Sohn Salomo ist noch jung und unerfahren. Der
Tempel des Herrn aber soll ein großes Bauwerk werden, das man in allen Ländern
kennt und rühmt. Darum will ich noch so viel wie möglich dafür vorbereiten.« Und
so besorgte David vor seinem Tod noch sehr viel Baumaterial.
1Chr 22,6 David rief seinen Sohn Salomo zu sich und sagte zu ihm: »Mein Sohn, du
sollst dem Herrn, dem Gott Israels, einen Tempel bauen.
1Chr 22,7 Eigentlich wollte ich selbst dieses Haus für den Herrn, meinen Gott,
errichten.
1Chr 22,8 Doch der Herr hat zu mir gesagt: ›Du hast große Kriege geführt und
dabei viele Menschen getötet. Weil du so viel Blut vergossen hast, sollst du mir
keinen Tempel bauen.
1Chr 22,9 Aber du wirst einen Sohn bekommen, der ein Leben in Frieden führen
wird, denn ich werde dafür sorgen, dass ihn keiner seiner Feinde angreift.
Salomo (›der Friedliche‹) wird er heißen. Unter seiner Herrschaft wird Israel in
Ruhe und Frieden leben.
1Chr 22,10 Salomo wird mir einen Tempel bauen. Er wird mein Sohn sein, und ich
werde sein Vater sein. Für alle Zeiten werden seine Nachkommen als Könige über
Israel regieren.‹
1Chr 22,11 Mein Sohn«, fuhr David fort, »der Herr möge dir beistehen und dir
helfen, den Tempel des Herrn, deines Gottes, zu bauen, wie er es vorausgesagt
hat.
1Chr 22,12 Er gebe dir Weisheit und Einsicht, wenn er dich als König über Israel
einsetzt, damit du das Gesetz des Herrn, deines Gottes, befolgst.
1Chr 22,13 Wenn du so lebst, wie es dem Herrn gefällt, und dich nach den Geboten
richtest, die er Israel durch Mose gegeben hat, dann wird dir alles gelingen.
Darum sei stark und entschlossen! Lass dich durch nichts entmutigen, und fürchte
dich nicht!
1Chr 22,14 Ich habe für den Bau des Tempels schon 3500 Tonnen Gold und 35000
Tonnen Silber bereitgestellt, außerdem so viel Bronze und Eisen, dass man es
nicht mehr wiegen kann. Auch für Holz und Steine habe ich schon gesorgt, doch
wirst du davon noch mehr brauchen.
1Chr 22,15 Handwerker sind genügend im Land: Steinhauer, Maurer, Zimmerleute und
andere Facharbeiter,
1Chr 22,16 die mit Gold, Silber, Bronze und Eisen umgehen können. Es sind
unzählbar viele. Mach dich also an die Arbeit! Der Herr sei mit dir!«
1Chr 22,17 Allen führenden Männern Israels befahl David, seinen Sohn Salomo zu
unterstützen.
1Chr 22,18 Er sagte zu ihnen: »Ihr habt erlebt, wie der Herr, euer Gott, euch
geholfen hat: Die Völker ringsum sind keine Gefahr mehr für uns, denn der Herr
hat mir den Sieg über sie gegeben. Nun gehört das Land wirklich dem Herrn und
seinem Volk.
1Chr 22,19 Dient dem Herrn, eurem Gott, von ganzem Herzen! Macht euch an die
Arbeit, und baut das Heiligtum Gottes, des Herrn, damit ihr die Bundeslade und
die Gegenstände, die zum heiligen Zelt gehören, bald in den Tempel bringen
könnt.«
1Chr 23,1 Als David alt geworden war und wusste, dass er bald sterben würde,
setzte er seinen Sohn Salomo als König über Israel ein.
1Chr 23,2 David ließ alle führenden Männer Israels, die Priester und die Leviten
zu sich kommen.
1Chr 23,3 Alle männlichen Leviten, die dreißig Jahre und älter waren, wurden
gezählt; es waren 38000.
1Chr 23,4 Danach teilte David ihnen verschiedene Aufgaben zu: 24000 waren für
die Arbeiten am Tempel des Herrn verantwortlich; 6000 wurden als Aufseher und
Richter eingesetzt,
1Chr 23,5 4000 als Torwächter, und 4000 sollten den Herrn loben und ihren Gesang
mit den Instrumenten begleiten, die David dafür herstellen ließ.
1Chr 23,6 David teilte die Leviten in drei große Gruppen ein, geordnet nach
ihrer Abstammung von Gerschon, Kehat und Merari, den Söhnen Levis.
1Chr 23,7 Gerschon hatte zwei Söhne; sie hießen Ladan und Schimi.
1Chr 23,8 Ladans drei Söhne waren Jehiël, Setam und Joel.
1Chr 23,9 Schimi hatte drei Söhne namens Schelomit, Hasiël und Haran. Alle sechs
waren Oberhäupter der Sippen, die auf Ladan zurückgehen.
1Chr 23,10 [10/11] Schimi hatte vier Söhne. Jahat war der älteste, dann kamen
Sisa, Jëusch und Beria. Weil Jëusch und Beria nicht viele Söhne hatten, galten
ihre Nachkommen zusammen als eine Sippe und bildeten eine Dienstgruppe.
1Chr 23,12 Kehat hatte vier Söhne namens Amram, Jizhar, Hebron und Usiël.
1Chr 23,13 Amrams Söhne waren Mose und Aaron. Aaron und seine Nachkommen wurden
für den Dienst im Allerheiligsten ausgesondert. Sie sollten dem Herrn die Opfer
darbringen, ihm im Heiligtum dienen und das Volk in seinem Namen segnen. Diese
Aufgabe wurde ihnen für alle Zeiten zugeteilt.
1Chr 23,14 Die Nachkommen Moses, des Mannes Gottes, wurden den übrigen Leviten
zugerechnet.
1Chr 23,15 Moses Söhne hießen Gerschom und Eliëser.
1Chr 23,16 Der älteste Sohn Gerschoms war Schubaël.
1Chr 23,17 Eliëser hatte nur einen Sohn namens Rehabja, dieser hatte sehr viele
Nachkommen.
1Chr 23,18 Der erste Sohn Jizhars hieß Schelomit.
1Chr 23,19 Hebrons ältester Sohn war Jerija, dann folgten Amarja, Jahasiël und
Jekamam.
1Chr 23,20 Der erste Sohn Usiëls hieß Micha, der zweite Jischija.
1Chr 23,21 Merari hatte zwei Söhne namens Machli und Muschi. Die Söhne Machlis
waren Eleasar und Kisch.
1Chr 23,22 Eleasar starb ohne männliche Nachkommen, er hatte nur Töchter. Sie
heirateten ihre Vettern, die Söhne Kischs.
1Chr 23,23 Muschi hatte drei Söhne namens Machli, Eder und Jeremot.
1Chr 23,24 Dies waren die Nachkommen Levis, geordnet nach ihren Familien und
Sippen. Sie versahen am Tempel des Herrn ihren Dienst. Jeder Levit, der zwanzig
Jahre und älter war, wurde in eine Namensliste eingetragen.
1Chr 23,25 [25-27] David hatte kurz vor seinem Tod noch angeordnet, dass die
jungen Leviten schon ab zwanzig Jahren für den Dienst verpflichtet werden
sollten. Er sagte: »Der Herr, der Gott Israels, hat seinem Volk Frieden und Ruhe
gegeben, und er will nun für immer in Jerusalem wohnen. Darum müssen die Leviten
nicht mehr das heilige Zelt und die Gegenstände für den Opferdienst von einem
Ort zum anderen tragen.
1Chr 23,28 Von jetzt an sollen sie den Priestern beim Dienst im Tempel des Herrn
helfen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Vorhöfe und Kammern in Ordnung
gehalten werden und die geweihten Gefäße und Werkzeuge für den Tempeldienst
sauber sind. Auch für andere Dienste im Haus Gottes sind sie verantwortlich:
1Chr 23,29 für das Gott geweihte Brot, für das feine Mehl, aus dem die
Speiseopfer gemacht werden, für die ungesäuerten Brotfladen, für die Speiseopfer
und das Backwerk. Alles, was man dafür braucht, müssen sie genau abwiegen und
messen.
1Chr 23,30 Morgens und abends sollen die Sänger den Herrn mit ihren Liedern
loben und preisen.
1Chr 23,31 Bei allen Brandopfern, die dem Herrn am Sabbat, an den Neumondfesten
und an den anderen Feiertagen dargebracht werden, sollen die Leviten helfen. Die
Gruppe muss vollständig erscheinen, um dem Herrn zu dienen, so wie es
vorgeschrieben ist.«
1Chr 23,32 So versahen die Leviten ihren Dienst im heiligen Zelt und später im
Tempel. Sie unterstützten die Priester, ihre Stammesbrüder, bei der Arbeit im
Tempel des Herrn.
1Chr 24,1 Auch die Nachkommen Aarons wurden in verschiedene Gruppen aufgeteilt.
Aarons Söhne hießen Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar.
1Chr 24,2 Nadab und Abihu starben noch vor ihrem Vater und hinterließen keine
männlichen Nachkommen. Eleasar und Itamar wurden Priester.
1Chr 24,3 David teilte die Priester in Dienstgruppen ein. Zadok, ein Nachkomme
Eleasars, und Ahimelech, ein Nachkomme Itamars, halfen ihm dabei:
1Chr 24,4 Eleasar hatte mehr männliche Nachkommen als Itamar. Darum wurde die
Sippe Eleasar in sechzehn Dienstgruppen eingeteilt, die Sippe Itamar in acht.
Jede Gruppe wurde von einem Sippenoberhaupt geleitet.
1Chr 24,5 Die Diensteinteilung wurde durch das Los bestimmt, denn die Priester,
die im Heiligtum vor Gott den höchsten Dienst versahen, sollten aus beiden
Sippen stammen.
1Chr 24,6 Bei der Auslosung waren die Nachkommen Eleasars und die Itamars
abwechselnd an der Reihe. Dabei waren anwesend: der König, die führenden Männer
Israels, der Priester Zadok, Ahimelech, der Sohn Abjatars, und die
Sippenoberhäupter der Priester und Leviten. Der Schreiber Schemaja, ein Sohn
Netanels, aus dem Stamm Levi, schrieb die Dienstgruppen in der Reihenfolge auf,
in der sie ausgelost wurden:
1Chr 24,7 [7-18] 1. Jojarib; 2. Jedaja; 3. Harim; 4. Seorim; 5. Malkija; 6.
Mijamin; 7. Hakkoz; 8. Abija; 9. Jeschua; 10. Schechanja; 11. Eljaschib; 12.
Jakim; 13. Huppa; 14. Jeschebab; 15. Bilga; 16. Immer; 17. Hesir; 18. Pizez; 19.
Petachja; 20. Jeheskel; 21. Jachin; 22. Gamul; 23. Delaja; 24. Maasja.
1Chr 24,19 Dieser Einteilung entsprechend mussten die Priester in den Tempel des
Herrn kommen und ihren Dienst versehen, so wie es der Herr, der Gott Israels,
durch ihren Stammvater Aaron befohlen hatte.
1Chr 24,20 Weitere Sippenoberhäupter der Leviten waren: Jechdeja, der über
Schubaël von Amram abstammte;
1Chr 24,21 Jischija, ein Nachkomme Rehabjas;
1Chr 24,22 Jahat, der über Jizhar von Schelomit abstammte;
1Chr 24,23 die Söhne Hebrons in der Reihenfolge ihres Alters: Jerija, Amarja,
Jahasiël und Jekamam;
1Chr 24,24 Schamir, der über Micha von Usiël abstammte;
1Chr 24,25 Secharja, ein Nachkomme von Michas Bruder Jischija.
1Chr 24,26 Die Söhne Meraris hießen Machli, Muschi und Jaasija.
1Chr 24,27 Die Söhne Jaasijas, des Sohnes Meraris, waren Schoham, Sakkur und
Ibri.
1Chr 24,28 [28/29] Machlis Söhne hießen Eleasar und Kisch. Eleasar hatte keine
Söhne, Kischs Sohn war Jerachmeel.
1Chr 24,30 Die Söhne Muschis hießen Machli, Eder und Jeremot. Dies waren weitere
Sippen der Leviten.
1Chr 24,31 Wie für die Priester, so wurde auch für sie die Diensteinteilung
durch das Los bestimmt. Dabei wurde die Familie eines Sippenoberhaupts genauso
behandelt wie die seines jüngsten Bruders. Wieder waren König David, Zadok,
Ahimelech und die Sippenoberhäupter der Priester und Leviten anwesend.
1Chr 25,1 David wählte zusammen mit den Heerführern die Familien Asafs, Hemans
und Jedutuns für einen besonderen Dienst aus: Sie sollten mit ihren Liedern die
Botschaften Gottes verkünden, den Herrn loben und den Gesang mit Lauten, Harfen
und Zimbeln begleiten. Folgende Männer wurden dazu berufen:
1Chr 25,2 Von der Familie Asafs: Sakkur, Josef, Netanja und Asarela, die Söhne
Asafs. Ihr Vater war der Leiter dieser Gruppe, er dichtete im Auftrag des Königs
prophetische Lieder.
1Chr 25,3 Von der Familie Jedutuns: Gedalja, Zeri, Jesaja, Schimi, Haschabja und
Mattitja, die Söhne Jedutuns. Ihr Vater leitete diese Gruppe. Er begleitete den
prophetischen Gesang mit der Laute, um den Herrn zu loben und zu preisen.
1Chr 25,4 Von der Familie Hemans: Bukkija, Mattanja, Usiël, Schubaël, Jerimot,
Hananja, Hanani, Eliata, Giddalti, Romamti-Eser, Joschbekascha, Malloti, Hotir
und Mahasiot.
1Chr 25,5 Sie alle waren Söhne Hemans, eines Propheten, der im Dienst Davids
stand. Gott hatte Heman verheißen, ihn zu einem mächtigen und angesehenen Mann
zu machen, darum hatte er ihm vierzehn Söhne und drei Töchter geschenkt.
1Chr 25,6 Diese drei Familien begleiteten den Gesang im Tempel des Herrn mit
Zimbeln, Harfen und Lauten. Ihre Väter Asaf, Jedutun und Heman waren
verantwortlich für den Gesang und die Musikbegleitung. Sie versahen ihren Dienst
so, wie der König es angeordnet hatte.
1Chr 25,7 Insgesamt wurden 288 Leviten für den Gesang im Tempel ausgebildet. Sie
alle waren ausgezeichnete Sänger.
1Chr 25,8 Auch ihre Diensteinteilung wurde durch das Los bestimmt. Alle wurden
gleich behandelt, die Jungen wie die Alten, der Lehrer wie der Schüler.
1Chr 25,9 [9-31] Es wurden 24 Dienstgruppen ausgelost, und jede bestand aus 12
Männern. Folgende Männer bildeten mit ihren Söhnen und Verwandten je eine
Gruppe: 1. Josef aus der Sippe Asaf; 2. Gedalja; 3. Sakkur; 4. Zeri; 5. Netanja;
6. Bukkija; 7. Asarela; 8. Jesaja; 9. Mattanja; 10. Schimi; 11. Asarel; 12.
Haschabja; 13. Schubaël; 14. Mattitja; 15. Jeremot; 16. Hananja; 17.
Joschbekascha; 18. Hanani; 19. Malloti; 20. Eliata; 21. Hotir; 22. Giddalti; 23.
Mahasiot; 24. Romamti-Eser.
1Chr 26,1 Zu den Dienstgruppen der Torwächter gehörten: Meschelemja von der
Sippe Korach; er war ein Sohn Kores und Enkel Abiasafs.
1Chr 26,2 Meschelemja hatte sieben Söhne; der erste hieß Secharja, dann folgten
Jediaël, Sebadja, Jatniël,
1Chr 26,3 Elam, Johanan und Eljoënai.
1Chr 26,4 [4/5] Weiter Obed-Edom; er hatte acht Söhne, denn Gott hatte ihn
besonders gesegnet. Der älteste war Schemaja, dann folgten Josabad, Joach,
Sachar, Netanel, Ammiël, Issaschar und Pëulletai.
1Chr 26,6 Die Söhne von Obed-Edoms Sohn Schemaja waren angesehene Männer. Sie
hatten in ihrer Sippe führende Stellungen inne.
1Chr 26,7 Sie hießen Otni, Refaël, Obed, Elsabad, Elihu und Semachja; die beiden
letzten waren besonders begabt.
1Chr 26,8 Alle Nachkommen Obed-Edoms waren fähige Männer. Sie, ihre Söhne und
ihre Verwandten, insgesamt 62 Mann, waren gut geeignet für ihre Aufgaben.
1Chr 26,9 Meschelemjas Söhne und Verwandte waren insgesamt achtzehn Männer und
ebenfalls alle begabt für ihren Dienst.
1Chr 26,10 [10/11] Hosa gehörte zur Sippe Merari. Seine Söhne hießen Schimri,
Hilkija, Tebalja und Secharja. Hosa hatte Schimri zum Oberhaupt der Dienstgruppe
ernannt, obwohl er nicht der älteste Sohn war. Zu Hosas Familie gehörten
dreizehn Männer.
1Chr 26,12 Die Dienstgruppen der Torwächter wurden von den Familienoberhäuptern
und allen Männern gebildet. Wie die anderen Leviten versahen auch sie ihren
Dienst im Tempel des Herrn.
1Chr 26,13 Durch das Los wurde bestimmt, welche Gruppe bei welchem Tor wachen
sollte; dabei machte man keinen Unterschied zwischen großen und kleinen
Familien.
1Chr 26,14 Für das Tor im Osten wurde die Familie Meschelemjas ausgelost. Der
Familie von Meschelemjas Sohn Secharja wurde das Nordtor zugeteilt. Er war ein
guter Berater.
1Chr 26,15 Für das Tor im Süden fiel das Los auf Obed-Edom; seine Söhne bekamen
die Aufsicht über das Vorratshaus.
1Chr 26,16 Die Familien von Schuppim und Hosa sollten das Westtor und das
Schallechettor bewachen. Das Schallechettor liegt an der Straße, die bergauf
führt. Die Dienste wurden so eingeteilt:
1Chr 26,17 Beim Osttor standen täglich sechs Leviten Wache, beim Nord- und
Südtor je vier, und beim Vorratshaus zwei.
1Chr 26,18 Auf der Westseite des Tempels standen vier Wachen an der Straße und
zwei am Tempelanbau.
1Chr 26,19 Dies waren die Dienstgruppen der Torwächter. Sie alle stammten aus
den Sippen Korach und Merari.
1Chr 26,20 Andere Leviten hatten die Aufsicht über den Tempelschatz und die
Gaben, die für den Tempel gestiftet wurden.
1Chr 26,21 [21/22] Den Tempelschatz bewachten die Brüder Setam und Joel. Sie
waren die Oberhäupter der Familie Jehiëls, die zu den Nachkommen Ladans aus der
Sippe Gerschon gehörte.
1Chr 26,23 Die Sippen Amram, Jizhar, Hebron und Usiël hatten folgende Aufgaben:
1Chr 26,24 Schubaël, ein Nachkomme Gerschoms, des Sohnes Moses, bekam die
Oberaufsicht über die heiligen Gaben.
1Chr 26,25 Gerschoms Bruder Eliëser hatte einen Sohn namens Rehabja, auf ihn
folgten in direkter Linie Jesaja, Joram, Sichri und Schelomit.
1Chr 26,26 Schelomit und seine Brüder verwalteten die Gaben, die von König
David, von den Sippenoberhäuptern, den Offizieren, Hauptleuten und Heerführern
gestiftet worden waren.
1Chr 26,27 Es war ein Teil der Beute, die sie von ihren Feldzügen mitgebracht
hatten.
1Chr 26,28 Früher hatten schon der Prophet Samuel, Saul, der Sohn Kischs, Abner,
der Sohn Ners, und Joab, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, etwas für das
Heiligtum gestiftet. Alle Gaben wurden von Schelomit und seinen Brüdern
verwaltet.
1Chr 26,29 Kenanja und seine Söhne von der Sippe Jizhar waren verantwortlich für
Aufgaben außerhalb des Heiligtums: Sie waren als Aufseher und Richter über
Israel eingesetzt.
1Chr 26,30 Haschabja und seine Verwandten aus der Sippe Hebron, 1700 erfahrene
Männer, waren für das Gebiet westlich des Jordan zuständig. Sie mussten sich
dort für die Belange des Tempels einsetzen und standen zugleich im Dienst des
Königs.
1Chr 26,31 Im 40. Regierungsjahr König Davids hatte man die Sippe Hebron anhand
der Familienregister erforscht. Dabei fand man heraus, dass viele angesehene
Männer von ihnen in Jaser im Gebiet Gilead wohnten. Jerija war das Oberhaupt.
1Chr 26,32 König David übergab ihm und 2700 erfahrenen Männern seiner Sippe die
Verantwortung für das Gebiet der Stämme Ruben, Gad und Ost-Manasse. Jeder dieser
Männer war ein Familienoberhaupt. Auch sie mussten sich für die Belange des
Tempels einsetzen und standen im Dienst des Königs.
1Chr 27,1 Es folgt ein Verzeichnis der Sippenoberhäupter, der Offiziere,
Hauptleute und Beamten, die im Dienst des Königs standen. Das Heer bestand aus
zwölf Abteilungen zu je 24000 Mann. Jede Abteilung hatte einen Monat im Jahr
Dienst. Sie lösten einander ab.
1Chr 27,2 Den Oberbefehl über die zwölf Abteilungen mit je 24000 Soldaten hatten
folgende Hauptleute: 1. Monat: Joschobam, der Sohn Sabdiëls;
1Chr 27,3 er kam aus der Sippe Perez und hatte den Oberbefehl über die
Abteilung, die im 1. Monat Dienst hatte.
1Chr 27,4 2. Monat: Dodai aus Ahoach. Der oberste Offizier seiner Abteilung hieß
Miklot.
1Chr 27,5 3. Monat: Benaja, der Sohn des Priesters Jojada.
1Chr 27,6 Er war der Anführer der dreißig Elitesoldaten Davids, ein besonders
mutiger Mann. Der oberste Offizier seiner Abteilung war sein Sohn Ammisabad.
1Chr 27,7 4. Monat: Asaël, der Bruder Joabs. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn
Sebadja die Abteilung.
1Chr 27,8 5. Monat: Schamhut aus der Sippe Serach.
1Chr 27,9 6. Monat: Ira, der Sohn Ikkeschs, aus Tekoa.
1Chr 27,10 7. Monat: Helez aus Pelet, vom Stamm Ephraim.
1Chr 27,11 8. Monat: Sibbechai aus Huscha, von der Sippe Serach.
1Chr 27,12 9. Monat: Abiëser aus Anatot, vom Stamm Benjamin.
1Chr 27,13 10. Monat: Mahrai aus Netofa, von der Sippe Serach.
1Chr 27,14 11. Monat: Benaja aus Piraton, vom Stamm Ephraim.
1Chr 27,15 12. Monat: Heldai aus Netofa, ein Nachkomme Otniëls.
1Chr 27,16 Folgende zwölf Männer führten die israelitischen Stämme: Stamm Ruben:
Eliëser, ein Sohn Sichris; Stamm Simeon: Schefatja, ein Sohn Maachas;
1Chr 27,17 Stamm Levi: Haschabja, ein Sohn Kemuëls; Nachkommen Aarons: der
Priester Zadok;
1Chr 27,18 Stamm Juda: Elihu, ein Bruder Davids; Stamm Issaschar: Omri, ein Sohn
Michaels;
1Chr 27,19 Stamm Sebulon: Jischmaja, ein Sohn Obadjas; Stamm Naftali: Jeremot,
ein Sohn Asriëls;
1Chr 27,20 Stamm Ephraim: Hoschea, ein Sohn Asasjas; West-Manasse: Joel, ein
Sohn Pedajas;
1Chr 27,21 Ost-Manasse: Jiddo, ein Sohn Secharjas; Stamm Benjamin: Jaasiël, ein
Sohn Abners;
1Chr 27,22 Stamm Dan: Asarel, ein Sohn Jerohams. Dies waren die Oberhäupter der
Stämme Israels.
1Chr 27,23 Die Israeliten unter zwanzig Jahren nahm David nicht in die
Volkslisten auf. Denn der Herr hatte ihm versprochen, Israel zahlreich werden zu
lassen wie die Sterne am Himmel.
1Chr 27,24 Joab, der Sohn der Zeruja, hatte mit der Volkszählung begonnen, sie
aber nie zu Ende geführt, denn ihretwegen war Gottes Zorn über Israel
hereingebrochen. Daher wurde nie die genaue Zahl der Israeliten in die Chronik
König Davids aufgenommen.
1Chr 27,25 Asmawet, der Sohn Adiëls, war verantwortlich für die Schätze des
Königs in Jerusalem. Jonatan, der Sohn Usijas, verwaltete die Vorräte auf dem
Land, in den Städten, Dörfern und Vorratstürmen.
1Chr 27,26 Esri, der Sohn Kelubs, hatte die Aufsicht über die Feldarbeiter, die
den Boden bestellten.
1Chr 27,27 Schimi aus Rama war für die Weinberge verantwortlich und Sabdi aus
Schefam für alle Weinvorräte, die bei den Weinbergen gelagert wurden.
1Chr 27,28 Baal-Hanan aus Gedera beaufsichtigte die Plantagen mit Oliven- und
Maulbeerfeigenbäumen in dem Hügelgebiet, das an die philistäische Ebene
angrenzte. Joasch verwaltete die Ölvorräte.
1Chr 27,29 Schitrai aus Scharon hatte die Aufsicht über die Rinderherden in der
Scharonebene und Schafat, der Sohn Adlais, über die Rinderherden in den Tälern.
1Chr 27,30 Der Ismaeliter Obil war verantwortlich für die Kamele, Jechdeja aus
Meronot für die Eselinnen und
1Chr 27,31 der Hagariter Jasis für die Schaf- und Ziegenherden. Sie alle waren
Verwalter des königlichen Besitzes.
1Chr 27,32 Jonatan, ein Onkel Davids, war zugleich einer seiner Berater. Er war
ein sehr weiser und gelehrter Mann. Jehiël, dem Sohn Hachmonis, war die
Erziehung der Königssöhne anvertraut.
1Chr 27,33 Auch Ahitofel und der Arkiter Huschai, ein Freund Davids, waren
Berater des Königs.
1Chr 27,34 Die Nachfolger Ahitofels hießen Jojada, ein Sohn Benajas, und
Abjatar. Joab hatte den Oberbefehl über das Heer.
1Chr 28,1 David ließ alle einflussreichen Männer Israels nach Jerusalem kommen:
die Stammesoberhäupter, die Leiter der Dienstgruppen, die Hauptleute und
Offiziere, die Verwalter des königlichen Besitzes und der Viehherden, die
Erzieher der Königssöhne, die Hofbeamten, die Elitesoldaten und alle anderen
angesehenen Männer.
1Chr 28,2 König David stand auf und wandte sich an die Versammelten: »Ihr Männer
meines Volkes, meine Brüder! Ich möchte euch etwas sagen: Schon lange habe ich
mir vorgenommen, einen Tempel für die Bundeslade, den Fußschemel unseres Gottes,
zu bauen, damit sie endgültig an einem Ort bleiben kann. Schon hatte ich
begonnen, das Baumaterial bereitzustellen.
1Chr 28,3 Doch da sprach Gott zu mir: ›Du sollst mir keinen Tempel bauen! Denn
du hast Kriege geführt und dabei viel Blut vergossen!‹
1Chr 28,4 Der Herr, der Gott Israels, hat aus meiner ganzen Familie mich zum
König erwählt. Mir und meinen Nachkommen hat er für alle Zeiten die Herrschaft
anvertraut. Denn nach Gottes Willen kommen die Könige aus dem Stamm Juda. Aus
diesem Stamm erwählte er die Familie meines Vaters, und aus dieser Familie
berief er mich zum König über ganz Israel.
1Chr 28,5 Der Herr hat mir viele Söhne geschenkt. Einen von ihnen, Salomo, hat
er nun zu meinem Nachfolger bestimmt. Er soll im Auftrag des Herrn über Israel
herrschen.
1Chr 28,6 Der Herr sprach zu mir: ›Dein Sohn Salomo soll mir einen Tempel mit
Vorhöfen bauen. Denn ich habe ihn als meinen Sohn erwählt und will für ihn wie
ein Vater sein.
1Chr 28,7 Ich werde seinem Königtum für alle Zeiten Bestand geben, wenn er wie
bisher meine Weisungen und Gebote befolgt.‹
1Chr 28,8 So bitte ich euch nun vor ganz Israel, der Gemeinde des Herrn, und vor
unserem Gott, der uns zuhört: Befolgt alle Gebote des Herrn, eures Gottes, und
haltet euch stets an sie! Dann gehört dieses gute Land auch in Zukunft euch, und
ihr könnt es euren Nachkommen für alle Zeiten vererben.
1Chr 28,9 Du aber, mein Sohn Salomo, ehre den Gott deines Vaters auch als deinen
Gott! Diene ihm gern und von ganzem Herzen. Denn der Herr kennt alle Menschen
durch und durch. Er weiß, wonach sie streben, und kennt ihre Gedanken. Wenn du
ihn suchst, lässt er sich finden; wendest du dich aber von ihm ab, dann wird er
dich für immer verstoßen.
1Chr 28,10 Vergiss es nie: Der Herr hat dich erwählt, ihm einen Tempel zu bauen.
Darum sei mutig, und mach dich an die Arbeit!«
1Chr 28,11 David übergab seinem Sohn Salomo den Bauplan für den Tempel. Darauf
waren alle Gebäude des Tempelbereichs eingezeichnet: die Vorhallen, die
Schatzkammern, die oberen Räume, die Innenräume des Tempels, das Allerheiligste,
wo die Bundeslade stehen sollte,
1Chr 28,12 die Vorhöfe, die Kammern rings um den Tempel und die Räume für die
gestifteten Gaben. David hatte alles so geplant und gezeichnet, wie der Geist
Gottes es ihm eingegeben hatte.
1Chr 28,13 Er hatte auch die Dienstgruppen der Priester und Leviten eingeteilt
und dabei alle anderen Arbeiten aufgeführt, die im Tempel des Herrn verrichtet
werden mussten. Außerdem hatte er ein Verzeichnis aller Gegenstände angefertigt,
die für den Tempeldienst gebraucht wurden, und das Material festgelegt, aus dem
sie hergestellt werden sollten.
1Chr 28,14 Er gab an, wie viel Gold und Silber für die einzelnen Gegenstände
verwendet werden sollte:
1Chr 28,15 für die goldenen und silbernen Leuchter und Lampen; je nach Standort
waren die Leuchter unterschiedlich groß;
1Chr 28,16 für die goldenen Tische, auf denen die Gott geweihten Brote
aufgeschichtet wurden; für die silbernen Tische;
1Chr 28,17 für die Gabeln, Opferschalen und Kannen aus reinem Gold; für die
goldenen und silbernen Becher;
1Chr 28,18 für den Goldüberzug des Brandopferaltars; für den Wagen, auf dem die
Bundeslade des Herrn stehen sollte, die von den goldenen Flügeln der
Cherub-Engel beschirmt wurde.
1Chr 28,19 David sagte: »Ich habe alle Einzelheiten so aufgeschrieben, wie der
Herr sie mir eingegeben hat.«
1Chr 28,20 Dann wandte er sich an seinen Sohn Salomo: »Mach dich ohne zu zögern
an die Arbeit! Hab keine Angst, und lass dich durch nichts entmutigen! Denn der
Herr, mein Gott, wird dir dabei helfen. Er steht zu dir und verlässt dich nicht.
Er wird dir beistehen, bis der Bau des Tempels abgeschlossen ist.
1Chr 28,21 Auch die Dienstgruppen der Priester und Leviten werden dich
unterstützen und alle Arbeiten im Tempel des Herrn ausführen. Für alle
Bauarbeiten stehen dir genügend erfahrene Arbeiter zur Verfügung. Die führenden
Männer Israels und das ganze Volk sind bereit, deine Befehle auszuführen.«
1Chr 29,1 Danach wandte David sich wieder an die Versammelten und sagte: »Gott
hat meinen Sohn Salomo zu meinem Nachfolger erwählt. Aber er ist noch jung und
unerfahren, und vor ihm liegt eine große Aufgabe. Denn er soll nicht einen
Palast für Menschen bauen, sondern einen Tempel für Gott, den Herrn.
1Chr 29,2 Ich habe bereits so viel Baumaterial, wie ich konnte, für den Tempel
meines Gottes bereitgestellt: Gold, Silber, Bronze, Eisen und Holz für die
Gegenstände, die daraus hergestellt werden sollen, verschiedene Edelsteine,
Mosaiksteine und weißen Marmor in großen Mengen.
1Chr 29,3 Und weil mir der Tempel meines Gottes am Herzen liegt, habe ich
zusätzlich noch Schätze aus meinem eigenen Besitz gestiftet:
1Chr 29,4 100 Tonnen vom besten Gold und 250 Tonnen reines Silber, um damit die
Innenwände der Räume zu überziehen.
1Chr 29,5 Auch für Gegenstände im Tempel oder für kunstvolle Verzierungen soll
ein Teil verwendet werden. Und nun frage ich euch: Wer von euch ist bereit,
heute ebenfalls etwas für den Herrn zu geben?«
1Chr 29,6 Die Sippenoberhäupter, die Stammesfürsten, die Hauptleute und
Offiziere und die Leiter der königlichen Dienstgruppen folgten dem Aufruf des
Königs bereitwillig.
1Chr 29,7 So kamen an diesem Tag für den Tempel 175 Tonnen Gold zusammen, 10000
Goldmünzen, 350 Tonnen Silber, 630 Tonnen Bronze und 3500 Tonnen Eisen.
1Chr 29,8 Wer Edelsteine besaß, brachte sie dem Schatzmeister Jehiël aus der
Sippe Gerschon, damit er sie zum Tempelschatz legte.
1Chr 29,9 Das ganze Volk freute sich über diese Freigebigkeit, denn alle wollten
von ganzem Herzen den Tempelbau unterstützen. Auch König David freute sich sehr
darüber.
1Chr 29,10 Danach lobte David den Herrn vor den Versammelten: »Gepriesen seist
du, Herr, du Gott unseres Vaters Israel, für immer und ewig!
1Chr 29,11 Du, Herr, besitzt Größe, Kraft, Ruhm, Glanz und Majestät. Alles, was
im Himmel und auf der Erde lebt, ist dein. Du bist König, der höchste Herrscher
über alles.
1Chr 29,12 Du verleihst Reichtum und Ehre, du allein bist der Herr. In deiner
Hand sind Macht und Stärke; du kannst Menschen groß und mächtig machen.
1Chr 29,13 Darum preisen wir dich, unseren Gott, wir loben deinen herrlichen
Namen!
1Chr 29,14 Wer bin ich schon, und was ist mein Volk, dass wir dir heute so viel
geben konnten? Denn alles, was wir besitzen, kommt von dir.
1Chr 29,15 Wir sind vor dir nur Gäste auf dieser Erde, Fremde ohne Bürgerrecht,
so wie unsere Vorfahren. Unser Leben ist vergänglich wie ein Schatten. Dem Tod
können wir nicht entfliehen.
1Chr 29,16 Herr, unser Gott, wir haben dieses Baumaterial zusammengelegt, um dir
einen Tempel zu bauen. Alles kommt von dir, und dir wollen wir es nun wieder
geben.
1Chr 29,17 Ich weiß, mein Gott, dass du unser Herz kennst und dich freust, wenn
wir aufrichtig sind. Was ich für den Bau des Tempels gestiftet habe, das habe
ich gern und mit aufrichtigem Herzen gegeben. Ich freue mich, dass auch dein
Volk so freigebig war.
1Chr 29,18 Herr, du Gott unserer Vorfahren Abraham, Isaak und Israel, lass dein
Volk immer nach dir verlangen! Richte ihr Herz auf dich!
1Chr 29,19 Hilf auch meinem Sohn Salomo, dir von ganzem Herzen zu dienen und
dein Gesetz, deine Gebote und Weisungen zu befolgen. Steh ihm bei, wenn er den
Tempel baut, für den ich alles vorbereitet habe!«
1Chr 29,20 Dann forderte David die ganze Versammlung auf: »Lasst uns gemeinsam
dem Herrn, unserem Gott, danken!« Da beteten alle den Herrn, den Gott ihrer
Vorfahren, an. Sie warfen sich vor dem Herrn und vor dem König zu Boden.
1Chr 29,21 Am nächsten Tag brachten sie dem Herrn für das ganze Volk Israel
große Mengen an Schlacht- und Brandopfern sowie die dazugehörigen Trankopfer
dar. Sie schlachteten 1000 junge Stiere, 1000 Schafböcke und 1000 Lämmer.
1Chr 29,22 An jenem Tag feierten sie ein großes Fest für den Herrn. Sie aßen und
tranken und waren voller Freude. Noch einmal bestätigten sie Davids Sohn Salomo
als den neuen König. Sie weihten ihn dem Herrn und salbten ihn zum König; zum
Priester wurde Zadok gesalbt.
1Chr 29,23 So trat Salomo die Nachfolge seines Vaters David an und wurde König
über das Volk des Herrn. Er war ein guter Herrscher, ganz Israel erkannte ihn
an.
1Chr 29,24 Auch die führenden Männer des Volkes, die Elitetruppe und die anderen
Söhne Davids ordneten sich ihm unter.
1Chr 29,25 Ganz Israel konnte sehen, wie der Herr die Macht Salomos immer größer
werden ließ. Er gab ihm Ehre und Anerkennung, wie sie kein israelitischer König
vor ihm besessen hatte.
1Chr 29,26 [26/27] David herrschte vierzig Jahre lang als König über Israel,
davon sieben Jahre in Hebron und dreiunddreißig Jahre in Jerusalem.
1Chr 29,28 Er wurde alt und starb nach einem erfüllten Leben als ein reicher und
angesehener Mann. Sein Sohn Salomo trat die Nachfolge an.
1Chr 29,29 Alles Weitere über Davids Leben steht in den Chroniken der drei
Propheten Samuel, Nathan und Gad.
1Chr 29,30 Man kann dort nachlesen, wie er regierte, welche Macht er besaß und
wie ganz Israel und die Königreiche ringsum zu seiner Zeit lebten.
2Chr 1,1 Salomo, der Sohn Davids, wurde ein bedeutender König. Der Herr, sein
Gott, stand ihm bei und ließ seine Macht immer größer werden.
2Chr 1,2 Eines Tages rief Salomo die führenden Männer Israels zu sich: die
Hauptleute und Offiziere, die Richter, die Stammes- und Sippenoberhäupter.
2Chr 1,3 Er ging mit ihnen nach Gibeon zu dem Hügel, auf dem das heilige Zelt
stand. Mose, der Diener des Herrn, hatte es in der Wüste errichtet, damit das
Volk dort dem Herrn begegnen konnte.
2Chr 1,4 Die Bundeslade hatte David bereits von Kirjat-Jearim nach Jerusalem
geholt und sie in ein Zelt gestellt, das er dort für sie errichtet hatte.
2Chr 1,5 Der bronzene Altar aber, den Bezalel, der Sohn Uris und Enkel Hurs,
gebaut hatte, stand in Gibeon vor dem Zelt des Herrn. Dort versammelten sich
Salomo und die Israeliten.
2Chr 1,6 Dann ließ der König auf dem bronzenen Altar tausend Tiere als
Brandopfer verbrennen.
2Chr 1,7 In der Nacht darauf erschien ihm Gott und sprach zu ihm: »Erbitte von
mir, was du willst!«
2Chr 1,8 Salomo antwortete: »Schon meinem Vater David hast du sehr viel Gutes
getan. Und nun hast du mich zu seinem Nachfolger gemacht.
2Chr 1,9 Du lässt mich ein Volk regieren, das man weder zählen noch erfassen
kann. Herr, mein Gott, so bitte ich dich nun, dass du die Zusage erfüllst, die
du meinem Vater David gegeben hast!
2Chr 1,10 Gib mir Weisheit und Verständnis, damit ich dieses große Volk richtig
führen kann. Denn wie sollte ich sonst gerechte Urteile sprechen können?«
2Chr 1,11 Da sagte Gott zu Salomo: »Ich freue mich, dass du dir nicht großen
Besitz, Geld oder Ansehen gewünscht hast, auch nicht den Tod deiner Feinde oder
ein langes Leben. Du hast mich um Weisheit und Verständnis gebeten, weil du mein
Volk richtig führen willst, über das ich dich zum König eingesetzt habe.
2Chr 1,12 Du sollst erhalten, worum du mich gebeten hast: Weisheit und
Verständnis. Aber ich will dir auch so viel Besitz, Geld und Ansehen geben, wie
es kein König vor dir hatte und auch keiner nach dir haben wird.«
2Chr 1,13 Am nächsten Tag verließ Salomo den Hügel bei Gibeon, wo das heilige
Zelt stand, er kehrte nach Jerusalem zurück und regierte wieder über sein Volk.
2Chr 1,14 Salomo besaß 1400 Streitwagen und 12000 Pferde. Teils brachte er sie
in den eigens dafür erbauten Städten unter, teils am königlichen Hof in
Jerusalem.
2Chr 1,15 Silber und Gold waren zu Salomos Zeiten in Jerusalem so gewöhnlich wie
Steine, und das kostbare Zedernholz gab es in so großen Mengen wie das Holz der
Maulbeerfeigenbäume im jüdischen Hügelland.
2Chr 1,16 Salomo kaufte seine Pferde in Ägypten und in Zilizien, wo seine
Händler sie abholten und gleich bezahlten.
2Chr 1,17 Auch Streitwagen kaufte Salomo in Ägypten. Für einen Wagen bezahlte er
600 Silberstücke, für ein Pferd 150 Silberstücke. Seine Händler belieferten auch
die Könige der Hetiter und der Syrer.
2Chr 1,18 Salomo beschloss, einen Tempel für den Herrn und einen Königspalast zu
bauen.
2Chr 2,1 Er verpflichtete 80000 Männer, die im Steinbruch in den Bergen
arbeiteten, sowie 70000, die für den Transport der gewonnenen Steinblöcke
verantwortlich waren. Über diese Fronarbeiter setzte er 3600 Aufseher ein.
2Chr 2,2 Er sandte Boten zu König Hiram von Tyrus und ließ ihm sagen: »Schon
meinem Vater David hast du Zedernholz geliefert, als er sich einen Palast baute.
2Chr 2,3 Nun möchte ich einen Tempel errichten und ihn dem Herrn, meinem Gott,
weihen. Wir wollen darin wohlriechenden Weihrauch als Opfer verbrennen und die
geweihten Brote aufschichten. Jeden Morgen und Abend, an den Sabbaten,
Neumondfeiern und an allen anderen Festen wollen wir dort ein Brandopfer für den
Herrn, unseren Gott, darbringen. So hat Gott es uns für alle Zeiten befohlen.
2Chr 2,4 Der Tempel, den ich bauen will, soll sehr groß werden, denn unser Gott
ist größer als alle anderen Götter.
2Chr 2,5 Selbst der Himmel ist zu klein, um ihn zu fassen. Niemand kann ein
Heiligtum errichten, das ihm angemessen wäre. Und wer bin ich schon? Ich kann
nur einen Tempel bauen, in dem man Weihrauch als Opfer für ihn verbrennt.
2Chr 2,6 Nun bitte ich dich: Schick mir einen erfahrenen Mann, der mit Gold,
Silber, Bronze und Eisen arbeiten kann. Er muss wissen, wie man mit rotem und
violettem Purpur und mit Karmesin Stoffe färbt, und auch im Schnitzen und
Gravieren sollte er Erfahrung haben. Ich möchte ihm die Aufsicht über unsere
Künstler in Jerusalem und Juda übertragen, die mein Vater David seinerzeit in
Dienst gestellt hat.
2Chr 2,7 Bitte liefere mir Zedern- und Zypressenholz sowie anderes Edelholz aus
dem Libanon. Ich weiß ja, dass es in deinem Volk gute Holzfäller gibt. Meine
Arbeiter werden deine dabei unterstützen.
2Chr 2,8 Wir werden eine große Menge Holz brauchen, denn der Tempel, den ich
bauen will, soll groß und prächtig sein.
2Chr 2,9 Als Bezahlung für deine Holzfäller werde ich 2640 Tonnen gedroschenen
Weizen liefern, 2640 Tonnen Gerste, 4500 Hektoliter Wein und 4500 Hektoliter
Öl.«
2Chr 2,10 König Hiram von Tyrus schickte einen Brief an Salomo zurück. Darin
stand: »Der Herr liebt sein Volk, darum hat er dich zum König gemacht.
2Chr 2,11 Ich danke dem Herrn, dem Gott Israels, der Himmel und Erde geschaffen
hat, dass er David einen so klugen und weisen Sohn geschenkt hat, der einen
Tempel für den Herrn und einen Königspalast bauen will.
2Chr 2,12 Ich kann dir den erfahrenen Künstler senden, den du suchst: Er heißt
Hiram-Abi
2Chr 2,13 und ist der Sohn einer israelitischen Frau aus dem Stamm Dan. Sein
Vater kommt aus Tyrus. Hiram kann mit Gold, Silber, Bronze, Eisen, Steinen und
Holz arbeiten; er weiß, wie man mit rotem und violettem Purpur und mit Karmesin
Stoffe färbt, er versteht sich auf die Verarbeitung von feinen Leinenstoffen;
aber auch im Schnitzen und Gravieren ist er geübt. Er zeichnet dir zu jedem
Auftrag einen Entwurf und wird mit deinen Künstlern und denen deines verehrten
Vaters David zusammenarbeiten.
2Chr 2,14 Die Vorräte an Weizen, Gerste, Öl und Wein, von denen du, mein Herr,
geschrieben hast, nehmen wir gerne an.
2Chr 2,15 Dafür werden wir im Libanon so viel Holz fällen, wie du brauchst. Wir
werden die Stämme zu Flößen zusammenbinden und sie der Küste entlang nach Jafo
bringen. Von dort können deine Arbeiter sie nach Jerusalem holen.«
2Chr 2,16 Salomo ließ alle Ausländer in Israel zählen. Er ging von den
Verzeichnissen aus, die sein Vater David hatte anfertigen lassen. Die Zählung
ergab, dass 153600 Ausländer in Israel lebten.
2Chr 2,17 Salomo verpflichtete 80000 von ihnen zur Arbeit im Steinbruch in den
Bergen und 70000 als Träger für den Transport der Steinblöcke. Die restlichen
3600 Mann sollten als Aufseher die Fronarbeiter zur Arbeit anhalten.
2Chr 3,1 Salomo ließ den Tempel des Herrn in Jerusalem auf dem Berg Morija
errichten. Diesen Ort hatte schon sein Vater David bestimmt, weil der Herr ihm
dort auf dem Dreschplatz des Jebusiters Arauna erschienen war.
2Chr 3,2 Im 2. Monat seines 4. Regierungsjahrs, am zweiten Tag des Monats,
begann Salomo mit dem Bau des Tempels.
2Chr 3,3 Das Gebäude war 30 Meter lang und 10 Meter breit.
2Chr 3,4 An der Vorderseite baute Salomo eine Vorhalle an, die 10 Meter breit
und 15 Meter hoch war. Ihre Innenwände verkleidete er mit reinem Gold.
2Chr 3,5 Den Hauptraum des Tempels ließ er zuerst mit Zypressenholz auskleiden
und dann mit reinem Gold überziehen. Die Wände waren mit Palmenornamenten und
Ketten verziert.
2Chr 3,6 Auch Edelsteine wurden im ganzen Tempel als Schmuck angebracht. Das
verwendete Gold kam aus Parwajim.
2Chr 3,7 Salomo ließ den ganzen Tempel mit Gold überziehen, die Balken, die
Schwellen, die Wände und die Türen. In die Wände hatte er Figuren von
Cherub-Engeln schnitzen lassen.
2Chr 3,8 Der hintere Raum des Tempels, das Allerheiligste, war 10 Meter breit
und 10 Meter lang. Dieser Raum wurde ebenfalls ganz mit Gold überzogen. Man
brauchte dafür mehr als 20 Tonnen.
2Chr 3,9 Für den Goldüberzug der Nägel wurden 600 Gramm verwendet. Auch die
Wände der oberen Räume wurden mit Gold verkleidet.
2Chr 3,10 Für das Allerheiligste ließ Salomo zwei Cherub-Engel gießen und sie
mit Gold überziehen.
2Chr 3,11 [11-13] Jeder ihrer Flügel maß 2,5 Meter. Sie standen nebeneinander,
und zwar so, dass sich ihre ausgebreiteten Flügel in der Mitte berührten. Mit
der äußeren Flügelspitze berührten sie die Seitenwände. Die beiden Figuren waren
mit ausgespannten Flügeln zusammen 10 Meter breit. Ihre Gesichter waren dem
Eingang zugewandt.
2Chr 3,14 Für den Eingang zum Allerheiligsten ließ Salomo einen Vorhang aus
feinem Leinen weben und ihn violett, purpurrot und karmesinrot einfärben. Er
wurde mit Bildern von Cherub-Engeln verziert.
2Chr 3,15 Salomo ließ zwei Säulen gießen, die vor dem Tempeleingang stehen
sollten. Jede war 17,5 Meter hoch, und auf ihr ruhte ein 2,5 Meter hohes
Kapitell.
2Chr 3,16 Die Kapitelle waren mit Ketten verziert, an denen hundert Granatäpfel
hingen.
2Chr 3,17 Die beiden Säulen ließ Salomo rechts und links am Tempeleingang
aufstellen. Die rechte Säule nannte er Jachin (»Er wird aufrichten«) und die
linke Boas (»In ihm ist Stärke«).
2Chr 4,1 Salomo ließ auch einen Altar aus Bronze herstellen. Er war 10 Meter
lang, 10 Meter breit und 5 Meter hoch.
2Chr 4,2 Dann ließ er ein rundes Bronzebecken gießen, »das Meer« genannt. Seine
Höhe betrug 2,5 Meter, sein Durchmesser 5 Meter und sein Umfang 15 Meter.
2Chr 4,3 Unten war es ringsum mit zwei Reihen von Rinderfiguren verziert,
jeweils zehn auf einen halben Meter. Sie und das Becken waren aus einem Guss.
2Chr 4,4 Das Becken stand auf zwölf Rinderfiguren, von denen drei nach Norden
gewandt waren, drei nach Westen, drei nach Süden und drei nach Osten. Ihre
Hinterbeine zeigten nach innen, und das Becken ruhte auf ihren Rücken.
2Chr 4,5 Sein Rand war nach außen gewölbt wie der Kelch einer Lilienblüte. Das
Becken hatte eine Wandstärke von knapp 8 Zentimetern und fasste etwa 66000
Liter.
2Chr 4,6 Salomo ließ zehn Kessel gießen, von denen fünf auf die rechte und fünf
auf die linke Seite des Tempels gestellt wurden. In diesen Kesseln wurden die
Fleischstücke gewaschen, die man als Brandopfer verbrennen wollte. Das Wasser im
großen Becken aber war für die Priester bestimmt. Hier konnten sie sich waschen.
2Chr 4,7 Salomo ließ zehn goldene Leuchter nach den vorgegebenen Maßen
anfertigen. Sie wurden im Tempel aufgestellt, fünf auf der rechten und fünf auf
der linken Seite.
2Chr 4,8 Auch zehn Tische wurden angefertigt und dort aufgestellt, fünf rechts
und fünf links. Schließlich ließ Salomo hundert goldene Schalen herstellen, in
denen das Blut der Opfertiere aufgefangen wurde.
2Chr 4,9 Salomo ließ den großen Vorhof anlegen und den inneren Vorhof, zu dem
nur die Priester Zutritt hatten. Die beiden Höfe waren durch ein großes Tor
miteinander verbunden, dessen Flügel mit Bronze überzogen wurden.
2Chr 4,10 Das große Wasserbecken stellte man in der Südostecke des Vorhofs auf.
2Chr 4,11 Zuletzt stellte Hiram noch Kübel und Schaufeln zum Beseitigen der
Asche her sowie Schalen, in denen das Blut der Opfertiere aufgefangen wurde.
Damit beendete er die Arbeiten für den Tempel Gottes, die König Salomo ihm
aufgetragen hatte.
2Chr 4,12 [12-16] Insgesamt hatte er folgende Gegenstände hergestellt: 2 Säulen;
2 Kapitelle, die oben auf den Säulen ruhten; 2 geflochtene Ketten zur Verzierung
der beiden Kapitelle; für jedes Kapitell 200 Granatäpfel, die in zwei Reihen
über den Ketten angebracht waren; die Kesselwagen; die Wasserkessel, die auf die
Wagen gesetzt wurden; das große Wasserbecken, genannt »das Meer«; 12
Rinderfiguren, auf denen das Becken stand; Kübel, Schaufeln und Fleischgabeln.
Alle Gegenstände, die Hiram-Abi im Auftrag Salomos für den Tempel des Herrn
herstellte, wurden aus Bronze gegossen und anschließend blank poliert.
2Chr 4,17 König Salomo ließ sie in der Jordanebene zwischen Sukkot und Zaretan
gießen. Dort gab es Gießereien mit großen Gussformen aus Tonerde.
2Chr 4,18 Salomo hatte unzählige Gegenstände herstellen lassen. Es wurde so viel
Bronze dafür gebraucht, dass man sie nicht mehr wiegen konnte.
2Chr 4,19 [19-22] Für das Innere des Tempels ließ Salomo folgende Gegenstände
aus Gold herstellen: einen Altar; Tische, auf denen die Gott geweihten Brote
liegen sollten; Leuchter und Lampen, die nach der Vorschrift vor dem
Allerheiligsten stehen sollten; Blumenornamente für die Leuchter; Lampen,
Dochtscheren und Messer zum Reinigen der Lampen; Becken und Schüsseln; Schalen
und Eimer zum Tragen der glühenden Kohlen; Türen zum Allerheiligsten und zum
Heiligtum.
2Chr 5,1 Als Salomo den Bau des Tempels vollendet hatte, brachte er alle Silber-
und Goldschätze, die sein Vater David Gott geweiht hatte, in die Schatzkammern
des Tempels.
2Chr 5,2 Salomo rief alle Ältesten von Israel und alle Stammes- und
Sippenoberhäupter nach Jerusalem. Sie sollten dabei sein, wenn die Bundeslade
des Herrn aus der »Stadt Davids«, dem Stadtteil Jerusalems auf dem Berg Zion,
zum Tempel gebracht wurde.
2Chr 5,3 Und so kamen im Monat Etanim, dem 7. Monat des Jahres, alle führenden
Männer aus Israel in Jerusalem zusammen. In diesem Monat wurde auch das
Laubhüttenfest gefeiert.
2Chr 5,4 Als alle versammelt waren, hoben die Leviten die Bundeslade hoch
2Chr 5,5 und trugen sie hinauf zum Tempel. Zusammen mit den Priestern brachten
sie auch das heilige Zelt hinauf mit all seinen dem Herrn geweihten
Gegenständen.
2Chr 5,6 König Salomo und die Israeliten, die zu diesem Fest gekommen waren,
hatten sich bei der Bundeslade versammelt. Sie opferten so viele Schafe und
Rinder, dass man sie nicht mehr zählen konnte.
2Chr 5,7 Die Priester brachten die Bundeslade an den vorgesehenen Platz in den
hinteren Raum des Tempels. Dort im Allerheiligsten stellten sie die Bundeslade
unter die beiden Cherub-Engel.
2Chr 5,8 Ihre ausgebreiteten Flügel beschirmten nun die Bundeslade samt ihren
Tragstangen.
2Chr 5,9 Die beiden Stangen waren so lang, dass man sie vom Heiligtum aus sehen
konnte, wenn man direkt vor dem Allerheiligsten stand. Doch vom Vorhof aus sah
man sie nicht. Noch heute befindet sich die Bundeslade an diesem Ort.
2Chr 5,10 Damals lagen nur die beiden Steintafeln darin, die Mose am Berg Horeb
hineingelegt hatte, als der Herr mit den Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten
einen Bund schloss.
2Chr 5,11 Alle Priester, die zur Einweihung des Tempels gekommen waren, hatten
sich für das Fest gereinigt, auch wenn ihre Abteilung in diesen Tagen keinen
Tempeldienst hatte.
2Chr 5,12 Auch die Sänger der Leviten waren gekommen: die Leiter Asaf, Heman und
Jedutun mit ihren Söhnen und Verwandten. Sie trugen Gewänder aus feinem weißen
Leinen und standen mit Zimbeln, Harfen und Lauten an der Ostseite des Altars.
Bei ihnen hatten sich 120 Priester aufgestellt, die auf Trompeten spielten.
2Chr 5,13 Zusammen stimmten die Sänger und Musiker ein Loblied für den Herrn an.
Begleitet von Trompeten, Zimbeln und anderen Instrumenten sangen sie das Lied:
»Der Herr ist gütig, seine Gnade hört niemals auf!« Während sie sangen, kamen
die Priester wieder aus dem Tempel heraus. Da erfüllte die Wolke der
Herrlichkeit des Herrn das ganze Haus,
2Chr 5,14 so dass die Priester ihren Dienst im Tempel nicht mehr verrichten
konnten.
2Chr 6,1 Salomo betete: »Du, Herr, hast gesagt, dass du im Dunkel einer Wolke
wohnen willst.
2Chr 6,2 Nun aber habe ich dieses prachtvolle Haus für dich gebaut. Möge es ein
Ort sein, an dem du, Herr, für alle Zeiten wohnen wirst.«
2Chr 6,3 Nach diesem Gebet wandte sich der König zu den Israeliten um, die sich
vor dem Tempel zusammengefunden hatten. Er segnete sie und sagte:
2Chr 6,4 »Ich preise den Herrn, den Gott Israels! Nun hat er das Versprechen
eingelöst, das er meinem Vater David gab.
2Chr 6,5 Eines Tages sagte Gott zu ihm: ›Seit ich mein Volk aus Ägypten in
dieses Land geführt habe, habe ich nie angeordnet, dass man irgendwo in Israel
für mich einen Tempel bauen sollte. Ich habe auch nie einen Mann dazu erwählt,
über mein Volk zu regieren.
2Chr 6,6 Nun aber soll Jerusalem der Ort sein, an dem ich für immer wohnen will.
Dich, David, habe ich zum König über mein Volk Israel bestimmt.‹
2Chr 6,7 Mein Vater David hatte schon lange einen großen Wunsch: Er wollte dem
Herrn, dem Gott Israels, einen Tempel bauen.
2Chr 6,8 Doch der Herr sagte zu ihm: ›Ich freue mich zwar, dass du mir einen
Tempel bauen möchtest.
2Chr 6,9 Aber nicht du, David, sollst ihn bauen, sondern erst dein Sohn.‹
2Chr 6,10 Der Herr hat Wort gehalten: Ich bin als Nachfolger meines Vaters David
König von Israel geworden, genau wie der Herr es vorausgesagt hat. Und nun habe
ich auch den Tempel für den Herrn, den Gott Israels, gebaut
2Chr 6,11 und die Bundeslade hineingestellt. In ihr liegen die beiden
Gesetzestafeln. Sie sind die Wahrzeichen des Bundes, den der Herr mit den
Israeliten geschlossen hat.«
2Chr 6,12 Dann trat Salomo vor den Augen der versammelten Israeliten an den
Altar des Herrn und breitete seine Hände aus.
2Chr 6,13 Er hatte für die Einweihungsfeier eine Plattform aus Bronze anfertigen
und sie mitten in den Tempelvorhof stellen lassen. Sie war zweieinhalb Meter
lang, zweieinhalb Meter breit und eineinhalb Meter hoch. Salomo stieg nun auf
die Plattform, kniete vor den Augen der versammelten Menge nieder, erhob seine
Hände zum Himmel
2Chr 6,14 und betete: »Herr, du Gott Israels! Es gibt keinen Gott wie dich -
weder im Himmel noch auf der Erde. Du hältst den Bund, den du mit deinem Volk
geschlossen hast, und erweist allen deine Güte und Liebe, die dir von ganzem
Herzen dienen.
2Chr 6,15 Und so hast du auch deine Zusage eingehalten, die du meinem Vater
David gegeben hast. Was du ihm damals versprachst, hast du nun in die Tat
umgesetzt, wie wir alle es heute sehen.
2Chr 6,16 Herr, du Gott Israels, bitte halte auch das andere Versprechen, das du
ihm gegeben hast. Du sagtest zu ihm: ›Immer wird einer deiner Nachkommen König
über Israel sein, solange sie sich nach meinen Geboten richten, wie du es getan
hast.‹
2Chr 6,17 Ja, Herr, du Gott Israels, bitte erfüll alles, was du deinem Diener
David versprochen hast!
2Chr 6,18 Jedoch - kann Gott überhaupt auf der Erde bei den Menschen wohnen? Ist
nicht sogar der Himmel zu klein, dich zu fassen, geschweige denn dieses Haus,
das ich gebaut habe?
2Chr 6,19 Trotzdem bitte ich dich, Herr, mein Gott: Höre mein Rufen, und weise
meine Bitten nicht zurück! Erhöre das Gebet, das ich in aller Demut an dich
richte!
2Chr 6,20 Bitte, wache Tag und Nacht über dieses Haus! Es ist ja der Ort, von
dem du selbst gesagt hast: ›Hier will ich wohnen.‹ Darum erhöre das Gebet, das
ich, dein ergebener Diener, an diesem Ort an dich richte.
2Chr 6,21 Nimm meine Gebete an und auch die meines Volkes, wenn wir zum Tempel
gewandt mit dir reden. Hör unser Rufen im Himmel, dort, wo du thronst, und
vergib uns!
2Chr 6,22 Wenn jemand beschuldigt wird, einem anderen etwas angetan zu haben,
und er hier vor deinem Altar schwören muss, dass er unschuldig ist,
2Chr 6,23 dann höre du im Himmel, was er sagt, und sorge für Recht: Entlarve und
bestrafe ihn, wenn er schuldig ist; wenn er aber unschuldig ist, verschaffe ihm
Gerechtigkeit!
2Chr 6,24 [24/25] Wenn die Israeliten von Feinden besiegt werden, weil sie gegen
dich gesündigt haben, wenn sie dann ihre Schuld einsehen und dich wieder als
ihren Gott loben, so höre sie im Himmel! Vergib deinem Volk Israel die Schuld,
wenn sie hier im Tempel zu dir beten und dich um Hilfe anflehen! Bring sie
wieder zurück in das Land, das du ihnen und ihren Vorfahren geschenkt hast!
2Chr 6,26 [26/27] Wenn es einmal lange Zeit nicht regnet, weil sie gegen dich
gesündigt haben, wenn sie dann zu diesem Tempel gewandt beten und dich wieder
als ihren Gott loben, so höre sie im Himmel! Wenn sie von ihren falschen Wegen
umkehren, weil du sie bestraft hast, dann vergib deinem Volk und seinen Königen
ihre Schuld! Denn du zeigst ihnen, wie sie ein Leben führen können, das dir
gefällt. Lass es wieder regnen auf das Land, das du deinem Volk als bleibenden
Besitz gegeben hast!
2Chr 6,28 Wenn im Land Hungersnot herrscht oder die Pest wütet, wenn das
Getreide durch Glutwind, Pilzbefall oder Ungeziefer vernichtet wird, wenn Feinde
kommen und israelitische Städte belagern - wenn also das Land von irgendeinem
Unglück oder einer Seuche heimgesucht wird -,
2Chr 6,29 [29/30] dann höre auf jedes Gebet, das an dich gerichtet wird, sei es
von einzelnen Menschen oder vom ganzen Volk! Erhöre im Himmel, wo du thronst,
die Bitten aller, die in ihrer Not und ihrem Schmerz dich suchen und die Hände
flehend zu diesem Tempel hin ausstrecken! Gib jedem, was er verdient, denn du
kennst sein Herz! Vergib ihm oder bestrafe ihn, je nach seinen Taten! Denn du
allein kennst alle Menschen durch und durch.
2Chr 6,31 So werden sie dich als ihren Gott achten und ehren, und sie werden dir
gehorchen, solange sie in dem Land leben, das du unseren Vorfahren gegeben hast.
2Chr 6,32 Wenn Ausländer, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, deinetwegen
aus fernen Ländern hierher kommen, weil sie von deiner Herrlichkeit und deinen
mächtigen Taten für dein Volk gehört haben,
2Chr 6,33 dann erhöre auf deinem Thron im Himmel auch ihre Gebete, die sie vor
diesem Tempel sprechen! Erfülle die Bitten dieser Menschen, damit alle Völker
auf der Erde dich als den wahren Gott erkennen! Dann werden sie dich achten und
verehren, wie dein Volk Israel dich verehrt, und sie werden erkennen, dass du in
diesem Tempel wohnst, den ich gebaut habe.
2Chr 6,34 Wenn die Israeliten Krieg führen und auf deinen Befehl gegen ihre
Feinde ausziehen, wenn sie dann zur Stadt blicken, die du erwählt hast, und zum
Tempel, den ich für dich gebaut habe,
2Chr 6,35 dann höre im Himmel ihr Flehen, und verhilf ihnen zum Recht!
2Chr 6,36 Wenn sie sich aber von dir abwenden - es gibt ja keinen Menschen, der
nicht sündigt - und du zornig wirst und sie an ihre Feinde auslieferst, die sie
als Gefangene in ihr Land verschleppen, sei es fern oder nah,
2Chr 6,37 [37-39] dann höre sie doch im Himmel, wo du wohnst, wenn sie dort in
der Fremde ihre Schuld bereuen und zu dir umkehren! Wenn sie dann zu dir um
Hilfe flehen und dir bekennen: ›Wir haben Schuld auf uns geladen und gegen dich
gesündigt, als wir dir den Rücken kehrten‹, dann erhöre ihr Flehen, wenn sie
sich wieder von ganzem Herzen dir zuwenden! Hilf ihnen, wenn sie im Gebiet ihrer
Feinde zu dir beten und zum Land blicken, das du ihren Vorfahren gegeben hast,
zur Stadt, die du für dich erwählt hast, und zum Tempel, den ich für dich gebaut
habe. Vergib deinem Volk alles, was sie dir angetan haben!
2Chr 6,40 Bitte, mein Gott, verschließ deine Augen und Ohren nicht vor den
Gebeten, die dein Volk an diesem Ort an dich richtet!
2Chr 6,41 Herr, mein Gott, erhebe dich! Lass dich im Heiligtum für immer nieder;
dort, wo auch die Bundeslade steht, das Zeichen deiner großen Macht. Deine
Priester, Herr, mein Gott, sollen uns stets dein Heil verkünden. Lass alle, die
dir vertrauen, sich freuen über deine Güte.
2Chr 6,42 Herr, mein Gott, weise mich nicht ab, den König, den du selbst erwählt
hast! Denk daran, wie gütig du schon zu deinem Diener David warst!«
2Chr 7,1 Als Salomo sein Gebet beendet hatte, fiel Feuer vom Himmel und
verzehrte das Brandopfer und die Schlachtopfer. Die Wolke der Herrlichkeit des
Herrn erfüllte den Tempel,
2Chr 7,2 so dass die Priester nicht mehr hineingehen konnten.
2Chr 7,3 Als die Israeliten sahen, wie das Feuer vom Himmel kam und die
Herrlichkeit des Herrn den Tempel erfüllte, fielen sie alle auf die Knie und
verneigten sich, bis ihr Gesicht den Boden berührte. Sie beteten den Herrn an
und sangen zu seiner Ehre: »Der Herr ist gütig, seine Gnade hört niemals auf!«
2Chr 7,4 [4/5] Mit einem großen Opferfest weihte der König und mit ihm das ganze
Volk den Tempel Gottes ein. Salomo ließ 22000 Rinder und 120000 Schafe
schlachten.
2Chr 7,6 Während die Priester die Arbeiten verrichteten, die ihnen zugeteilt
waren, spielten die Leviten auf den Instrumenten, die David zum Lob des Herrn
hatte bauen lassen. Sie sangen und spielten das Loblied »Seine Gnade hört
niemals auf«, das sie von David gelernt hatten. Die Priester begleiteten sie auf
ihren Trompeten, während das ganze Volk stand.
2Chr 7,7 Die Mitte des Tempelvorhofs wurde zur Opferstätte geweiht, weil der
bronzene Altar, den Salomo gemacht hatte, viel zu klein war für die vielen
Opfer. Denn unzählige Brand- und Speiseopfer wurden dargebracht, und auch das
Fett der Tiere, die man für das Opfermahl schlachtete, wurde verbrannt.
2Chr 7,8 [8/9] Vierzehn Tage lang feierten König Salomo und die Israeliten: in
der ersten Woche die Einweihung des Tempels und in der zweiten Woche das
Laubhüttenfest. Sehr viele Israeliten nahmen daran teil. Von weit her waren sie
nach Jerusalem gekommen: vom äußersten Norden des Landes aus Lebo-Hamat bis zu
dem Bach, der im Süden die Grenze nach Ägypten bildet. Am letzten Tag feierten
sie ein großes Abschlussfest.
2Chr 7,10 Es war der 23. Tag des 7. Monats. Danach beendete Salomo das Fest, und
die Israeliten zogen wieder nach Hause. Voller Freude und Dankbarkeit dachten
sie an das Gute, das der Herr schon David und nun auch Salomo und seinem Volk
Israel erwiesen hatte.
2Chr 7,11 So vollendete Salomo den Tempel des Herrn und seinen eigenen Palast.
Es war ihm gelungen, alles wie geplant auszuführen.
2Chr 7,12 Da erschien ihm eines Nachts der Herr und sprach zu ihm: »Ich habe
dein Gebet erhört und diesen Tempel als Ort erwählt, an dem ihr mir eure Opfer
darbringen könnt.
2Chr 7,13 Wenn ich es einmal lange Zeit nicht regnen lasse, wenn ich
Heuschrecken ins Land schicke, damit sie die Ernte vernichten, oder wenn ich in
meinem Volk die Pest ausbrechen lasse
2Chr 7,14 und sie rufen zu mir, dann will ich im Himmel ihr Gebet erhören. Wenn
dieses Volk, das meinen Namen trägt, seine Sünde bereut, von seinen falschen
Wegen umkehrt und nach mir fragt, dann will ich ihnen vergeben und ihr Land
wieder fruchtbar machen.
2Chr 7,15 Ich werde jeden beachten, der hier zu mir betet, und auf seine Bitten
hören.
2Chr 7,16 Denn ich habe diesen Tempel als einen heiligen Ort erwählt, an dem ich
für immer wohnen will. Mein Blick wird stets auf ihm ruhen, denn mein Herz hängt
an ihm.
2Chr 7,17 Und du, Salomo, lebe wie dein Vater David. Befolge alles, was ich dir
befohlen habe! Lebe nach meinen Geboten, und achte auf meine Weisungen!
2Chr 7,18 Dann wird immer ein Nachkomme Davids auf dem Thron Israels sitzen, so
wie ich es deinem Vater versprochen habe, als ich einen Bund mit ihm schloss.
Dein Königtum wird fortbestehen.
2Chr 7,19 Doch wenn ihr mir den Rücken kehrt und meine Weisungen und Gebote
nicht mehr befolgt, wenn ihr anderen Göttern nachlauft und sie anbetet,
2Chr 7,20 dann werde ich euch aus diesem Land vertreiben, das ich euch gegeben
habe. Israels Unglück wird sprichwörtlich sein. Alle Völker werden euch
verspotten. Auch von diesem Tempel, den ich jetzt zu einer heiligen Stätte
erklärt habe, werde ich mich wieder abwenden.
2Chr 7,21 Nur ein Trümmerhaufen wird von ihm übrig bleiben. Wer an ihm
vorübergeht, wird entsetzt sein über das, was er sieht. Erstaunt wird er fragen:
›Warum hat der Herr dieses Land und diesen Tempel so furchtbar zerstört?‹
2Chr 7,22 Und man wird ihm antworten: ›Weil die Israeliten den Herrn, den Gott
ihrer Vorfahren, verlassen haben. Er hat sie aus Ägypten herausgeführt, und doch
sind sie fremden Göttern nachgelaufen, haben sie angebetet und ihnen gedient.
Darum hat der Herr sie nun in dieses Unglück gestoßen.‹«
2Chr 8,1 Zwanzig Jahre dauerte es, bis der Tempel des Herrn und der Königspalast
fertig waren.
2Chr 8,2 Danach ließ Salomo die Städte ausbauen, die Hiram ihm gegeben hatte,
und siedelte Israeliten darin an.
2Chr 8,3 Er unternahm einen Feldzug gegen die Stadt Hamat-Zoba und eroberte sie.
2Chr 8,4 Außerdem baute er große Lagerhallen in der Gegend von Hamat; er
erweiterte die Wüstenstadt Tadmor,
2Chr 8,5 [5/6] das obere und das untere Bet-Horon und Baalat zu befestigten
Städten mit hohen Mauern und verriegelten Toren. Er ließ Städte bauen, in denen
Vorratshallen, Hallen für die Streitwagen und Pferdeställe untergebracht wurden.
Alles, was Salomo bauen wollte, sei es in Jerusalem, im Libanon oder sonst
irgendwo in seinem Reich, ließ er durch Fronarbeiter errichten.
2Chr 8,7 [7/8] Sie waren keine Israeliten, sondern die Nachkommen der Hetiter,
Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, die früher das Land Israel bewohnt
hatten. Bei der Eroberung des Landes hatten die Israeliten diese Völker nicht
völlig vernichtet. Bis heute müssen ihre Nachkommen für Israel Fronarbeit
leisten.
2Chr 8,9 Die Israeliten selbst aber blieben davon verschont. Sie dienten Salomo
als Beamte und Soldaten, als seine Befehlshaber, Streitwagenkämpfer und
Offiziere.
2Chr 8,10 Salomo setzte in ganz Israel 250 Männer als Aufseher über die
Fronarbeiter ein.
2Chr 8,11 Salomo hatte eine Tochter des Pharaos geheiratet. Er ließ einen Palast
für sie bauen, weil er nicht wollte, dass sie in der »Stadt Davids« wohnte. Denn
er sagte sich: »Meine Frau soll nicht in dem Palast wohnen, der David, dem König
von Israel, gehört hat. Diese Räume sind heilig, weil die Bundeslade des Herrn
in ihrer Nähe stand.«
2Chr 8,12 Nachdem Salomo den Bau des Tempels vollendet hatte, ließ er auf dem
Altar des Herrn vor der Vorhalle täglich Opfer darbringen,
2Chr 8,13 so wie es im Gesetz des Mose befohlen war. Man opferte auch am Sabbat,
bei Neumond und an den drei großen Festen des Jahres: am Passahfest, am
Wochenfest und am Laubhüttenfest.
2Chr 8,14 Salomo berief die Dienstgruppen der Priester ein. Sie sollten ihre
Arbeit im Tempel versehen, wie David es vorgeschrieben hatte. Auch die Leviten
begannen ihren Dienst: Die eine Gruppe sollte Gott mit ihren Liedern loben, eine
andere den Priestern bei ihrer Arbeit helfen, so wie es für jeden Tag angeordnet
war. Auch die Tore wurden von den Leviten bewacht, jedes Tor von einer Gruppe.
So hatte es David, der Diener Gottes, gewollt.
2Chr 8,15 Salomo befolgte die Anweisungen genau, die David für die Priester, die
Leviten und die Aufbewahrung des Tempelschatzes gegeben hatte.
2Chr 8,16 Damit waren alle Pläne Salomos ausgeführt, von der Grundsteinlegung
des Tempels bis zu seiner Vollendung.
2Chr 8,17 Salomo hielt sich zeitweise auch in Ezjon-Geber auf, einem Ort in der
Nähe von Elat am Roten Meer, im Gebiet der Edomiter.
2Chr 8,18 Dorthin schickte König Hiram ihm Schiffe und erfahrene Seeleute, die
zusammen mit Salomos Männern nach Ofir segelten, um von dort Gold zu holen. Sie
brachten Salomo über fünfzehn Tonnen Gold mit.
2Chr 9,1 Die Königin von Saba hatte schon viel von Salomo gehört. Deshalb
beschloss sie, diesen König zu besuchen und sich mit schwierigen Rätseln selbst
von seiner Weisheit zu überzeugen. Mit großem Gefolge reiste sie nach Jerusalem.
Die Kamele ihrer Karawane waren schwer beladen mit wohlriechenden Ölen, mit Gold
und mit kostbaren Edelsteinen. Als die Königin vor Salomo stand, stellte sie ihm
die Rätsel, die sie sich ausgedacht hatte.
2Chr 9,2 Salomo konnte ihr alle Fragen beantworten und blieb ihr selbst bei den
schwierigsten Rätseln die Antwort nicht schuldig.
2Chr 9,3 Die Königin von Saba war tief beeindruckt von Salomos Wissen und von
seinem Palast.
2Chr 9,4 Sie sah, welche ausgefallenen Speisen und Getränke auf der königlichen
Tafel standen und wie weise die Plätze der königlichen Beamten angeordnet waren.
Sie staunte über die gute Bedienung bei Tisch und die kostbaren Gewänder der
Diener und Mundschenke. Und als sie miterlebte, wie Salomo im Tempel ein
Brandopfer darbringen ließ, da verschlug es ihr vollends den Atem.
2Chr 9,5 »Es ist tatsächlich alles wahr, was man in meinem Reich von deinen
Taten und deiner Weisheit berichtet!«, sagte sie zu Salomo.
2Chr 9,6 »Ich konnte es einfach nicht glauben. Darum bin ich hierher gekommen,
ich wollte mich mit eigenen Augen davon überzeugen. Und nun sehe ich: Man hat
mir nicht einmal die Hälfte gesagt! Dein Wissen übertrifft alles, was ich je
über dich gehört habe.
2Chr 9,7 Wie gut haben es deine Beamten, und wie glücklich sind deine
Bediensteten zu schätzen, die ständig in deiner Nähe sind und deinen weisen
Worten zuhören können!
2Chr 9,8 Ich preise den Herrn, deinen Gott, der dich erwählt und dir die
Herrschaft über Israel gegeben hat, damit du in seinem Auftrag regierst! Gott
liebt sein Volk und will, dass es nie untergeht, darum hat er dich zum König
gemacht. Du sollst dem Recht zum Sieg verhelfen und als ein gerechter König
regieren.«
2Chr 9,9 Dann schenkte sie Salomo über vier Tonnen Gold, eine Menge
wohlriechender Öle und kostbarer Edelsteine. Nie wieder wurde je so viel
duftendes Öl nach Israel gebracht wie durch die Königin von Saba.
2Chr 9,10 Die Männer Hirams und Salomos holten nicht nur Gold von Ofir nach
Israel, sondern auch Edelholz und wertvolle Edelsteine.
2Chr 9,11 So kostbares Holz hatte man vorher in Juda noch nie gesehen. Der König
ließ daraus im Tempel des Herrn und in seinem eigenen Palast Treppen anfertigen.
Man baute daraus auch Zithern und Harfen für die Sänger.
2Chr 9,12 Salomo erfüllte der Königin von Saba jede Bitte und schenkte ihr mehr,
als sie ihm gebracht hatte. Danach reiste sie mit ihrem Gefolge in ihre Heimat
zurück.
2Chr 9,13 In einem einzigen Jahr gingen bei Salomo fast 24 Tonnen Gold ein.
2Chr 9,14 Dazu kamen die Steuern der Händler und Kaufleute und die Abgaben der
arabischen Könige und der Bezirksverwalter. Sie bezahlten Salomo mit Silber und
Gold.
2Chr 9,15 [15/16] Salomo ließ 200 Langschilde und 300 kleine Rundschilde
herstellen und sie mit gehämmertem Gold überziehen. Für einen Langschild
brauchte man rund 7 Kilogramm Gold, für einen Rundschild etwa 3,5 Kilogramm.
Salomo bewahrte sie im Libanonwaldhaus auf.
2Chr 9,17 Außerdem ließ er sich einen großen Königsthron anfertigen, der mit
Elfenbeinornamenten verziert und mit reinem Gold überzogen war.
2Chr 9,18 [18/19] Am Thronsessel war ein goldener Fußschemel befestigt; neben
jeder Armlehne stand eine Löwenfigur. Auch auf allen sechs Stufen, die zum
Sessel hinaufführten, stand rechts und links jeweils ein Löwe. In keinem anderen
Land hat sich jemals ein König einen so prunkvollen Thron anfertigen lassen.
2Chr 9,20 Alle Trinkgefäße Salomos waren aus Gold, und die Gegenstände im
Libanonwaldhaus waren sogar alle aus reinem Gold. Silber war zu Salomos Zeiten
geradezu wertlos.
2Chr 9,21 Die Handelsflotte des Königs segelte zusammen mit den Schiffen Hirams
nach Tarsis in Spanien. Alle drei Jahre kehrten sie zurück, schwer beladen mit
Gold, Silber und Elfenbein, mit Affen und Pfauen.
2Chr 9,22 Salomo übertraf alle Könige der Erde an Reichtum und Weisheit.
2Chr 9,23 Könige aus aller Welt kamen zu ihm, um etwas von der Weisheit zu
hören, die Gott ihm gegeben hatte.
2Chr 9,24 Alle brachten ihm Geschenke mit: silberne und goldene Gefäße, kostbare
Gewänder, Waffen, duftende Öle, Pferde und Maultiere. So ging es Jahr für Jahr.
2Chr 9,25 Salomo besaß 4000 Stallplätze für die Pferde seiner Streitwagen und
12000 Pferde. Teils brachte er sie in den Städten unter, die er eigens dafür
gebaut hatte, teils am königlichen Hof in Jerusalem.
2Chr 9,26 Salomo herrschte über alle Königreiche vom Euphrat über das Gebiet der
Philister bis an die Grenze nach Ägypten.
2Chr 9,27 Silber war zu seiner Zeit in Jerusalem so gewöhnlich wie Steine, und
das kostbare Zedernholz gab es in so großen Mengen wie das Holz der
Maulbeerfeigenbäume, die im jüdischen Hügelland wachsen.
2Chr 9,28 Seine Pferde kaufte Salomo in Ägypten und in vielen anderen Ländern.
2Chr 9,29 Alles Weitere über Salomos Leben steht in der Chronik des Propheten
Nathan, in den Weissagungen Ahijas aus Silo und in den Schriften über die
Visionen des Propheten Jedo, die Jerobeam, dem Sohn Nebats, galten.
2Chr 9,30 Salomo regierte vierzig Jahre in Jerusalem als König über ganz Israel.
2Chr 9,31 Als er starb, wurde er dort in der »Stadt Davids« begraben. Sein Sohn
Rehabeam wurde sein Nachfolger.
2Chr 10,1 Rehabeam reiste nach Sichem, denn dort wollte ganz Israel ihn zum
König krönen.
2Chr 10,2 Jerobeam, der Sohn Nebats, erfuhr noch in Ägypten davon, wohin er vor
König Salomo geflohen war. Er kam sofort zurück,
2Chr 10,3 und die Israeliten schickten Abgesandte zu ihm, um ihn nach Sichem zu
holen. Dort angekommen, traten sie vor Rehabeam und sagten zu ihm:
2Chr 10,4 »Dein Vater war ein strenger Herrscher. Schonungslos hat er uns das
Äußerste an Steuern und Frondiensten abverlangt. Wir erkennen dich nur als König
an, wenn du uns nicht so schwer unterdrückst wie dein Vater!«
2Chr 10,5 Rehabeam antwortete: »Gebt mir drei Tage Bedenkzeit, und dann kommt
wieder!« Da wurde die Versammlung für drei Tage unterbrochen.
2Chr 10,6 In der Zwischenzeit rief Rehabeam die alten königlichen Berater zu
sich, die schon im Dienst seines Vaters gestanden hatten, und fragte sie: »Was
ratet ihr mir? Welche Antwort soll ich dem Volk geben?«
2Chr 10,7 Sie antworteten: »Sei freundlich zu ihnen, und gib ihnen nach. Wenn du
heute bereit bist, auf dein Volk zu hören, dann wird dein Volk morgen auf dich
hören und dir dienen.«
2Chr 10,8 Aber der Ratschlag der alten Männer gefiel Rehabeam nicht. Darum
fragte er seine jungen, gleichaltrigen Berater:
2Chr 10,9 »Was soll ich dem Volk antworten? Sie verlangen von mir, dass ich sie
nicht so hart unterdrücke wie mein Vater.«
2Chr 10,10 Die jungen Männer rieten ihm: »Die Leute beschweren sich über deinen
Vater und wollen, dass du sie sanfter anfasst? Sag ihnen: ›Im Vergleich zu mir
war mein Vater ein Weichling!
2Chr 10,11 Er hat euch zwar nicht gerade geschont, aber ich werde noch ganz
anders durchgreifen! Er ließ euch mit Peitschen antreiben, ich aber werde
Peitschen mit Stacheln nehmen!‹«
2Chr 10,12 Drei Tage später sprachen Jerobeam und die Abgesandten des Volkes
wieder bei Rehabeam vor.
2Chr 10,13 Der König gab ihnen eine harte Antwort. Er hörte nicht auf den Rat
der Alten,
2Chr 10,14 sondern schleuderte dem Volk die Worte an den Kopf, die ihm seine
jungen Altersgenossen vorgesagt hatten: »Es stimmt, mein Vater war nicht gerade
zimperlich mit euch, aber ich werde noch ganz anders mit euch umspringen! Er
ließ euch mit Peitschen antreiben, ich aber werde Peitschen mit Stacheln
nehmen!«
2Chr 10,15 Der Herr hatte Rehabeam für die Bitten des Volkes taub gemacht. Denn
nun sollte sich erfüllen, was Ahija aus Silo Jerobeam, dem Sohn Nebats, im
Auftrag Gottes vorausgesagt hatte.
2Chr 10,16 Als die Israeliten merkten, dass der König nicht auf sie hören
wollte, riefen sie ihm zu: »Was geht uns Davids Sippe noch an? Warum geben wir
uns noch mit euch ab? Wir wollen nichts mehr mit euch zu tun haben! Los, gehen
wir heim!« Und sie zogen fort.
2Chr 10,17 Nur die Israeliten aus dem Stammesgebiet von Juda erkannten Rehabeam
als König an.
2Chr 10,18 Da schickte Rehabeam Adoniram, den Aufseher über die Fronarbeiter, zu
den Nordstämmen, um noch einmal mit ihnen zu verhandeln. Doch die aufgebrachte
Menge steinigte Adoniram zu Tode. König Rehabeam konnte sich gerade noch in
einen Wagen retten und nach Jerusalem fliehen.
2Chr 10,19 So sagten sich die Stämme Nordisraels vom Königshaus David los und
sind noch heute von ihm getrennt.
2Chr 11,1 Als Rehabeam nach Jerusalem zurückkam, rief er sofort die besten
Soldaten der Stämme Juda und Benjamin zum Kampf gegen Israel auf. Es waren
180000 Mann. So wollte Rehabeam, der Sohn Salomos, die Herrschaft über ganz
Israel zurückgewinnen.
2Chr 11,2 Doch da sprach der Herr zum Propheten Schemaja:
2Chr 11,3 »Bring König Rehabeam von Juda, dem Sohn Salomos, und allen Bewohnern
der Stammesgebiete Juda und Benjamin diese Botschaft:
2Chr 11,4 So spricht der Herr: Ihr sollt nicht gegen eure Brüder Krieg führen!
Geht wieder nach Hause! Alles, was geschehen ist, habe ich selbst so kommen
lassen.« Sie gehorchten dem Befehl des Herrn und griffen Jerobeam nicht an.
2Chr 11,5 Rehabeam regierte in Jerusalem. Im Gebiet von Juda und Benjamin baute
er Städte zu Festungen aus:
2Chr 11,6 Bethlehem, Etam, Tekoa,
2Chr 11,7 Bet-Zur, Socho, Adullam,
2Chr 11,8 Gat, Marescha, Sif,
2Chr 11,9 Adorajim, Lachisch, Aseka,
2Chr 11,10 Zora, Ajalon und Hebron.
2Chr 11,11 Rehabeam setzte Befehlshaber über sie ein. Er lagerte dort
Lebensmittelvorräte, Öl und Wein
2Chr 11,12 und legte Waffenlager mit Langschilden und Speeren an. So baute er
diese Städte zu starken Festungen aus und sicherte sich die Herrschaft über Juda
und Benjamin.
2Chr 11,13 Aus ganz Israel kamen Priester und Leviten zu Rehabeam, um sich ihm
anzuschließen.
2Chr 11,14 Sie verließen ihren Besitz und ihre Felder und siedelten sich in Juda
und Jerusalem an. Denn Jerobeam und seine Söhne hatten sie daran gehindert, als
Priester dem Herrn zu dienen.
2Chr 11,15 Stattdessen hatte Jerobeam sich Priester für seine Höhenheiligtümer
ausgesucht, die den Dämonen opferten und Kälberstatuen anbeteten, die er hatte
anfertigen lassen.
2Chr 11,16 Wie die Priester und Leviten zogen viele Menschen aus allen Stämmen
Israels nach Juda, weil sie dem Herrn, dem Gott Israels, von ganzem Herzen
dienen wollten. Sie kamen nach Jerusalem, um dem Herrn, dem Gott ihrer
Vorfahren, Opfer darzubringen.
2Chr 11,17 So unterstützten sie das Königreich Juda und stärkten drei Jahre lang
die Macht Rehabeams, des Sohnes Salomos. Denn drei Jahre folgte Juda dem guten
Beispiel Davids und Salomos.
2Chr 11,18 Rehabeam heiratete Mahalat, eine Tochter Jerimots und Abihajils.
Jerimot war ein Sohn Davids, und seine Frau Abihajil war eine Tochter Eliabs und
Enkelin Isais.
2Chr 11,19 Mahalat bekam drei Söhne. Sie hießen Jëusch, Schemarja und Saham.
2Chr 11,20 Später heiratete Rehabeam noch Maacha, die Tochter Abischaloms. Sie
brachte Abija, Attai, Sisa und Schelomit zur Welt.
2Chr 11,21 Rehabeam hatte achtzehn Frauen und sechzig Nebenfrauen. Sie brachten
achtundzwanzig Söhne und sechzig Töchter zur Welt. Am meisten aber liebte
Rehabeam Maacha, die Tochter Abischaloms.
2Chr 11,22 Er bevorzugte ihren ältesten Sohn Abija gegenüber seinen Brüdern und
bestimmte ihn zu seinem Nachfolger.
2Chr 11,23 Rehabeam setzte seine Söhne geschickt ein: Er verteilte sie über das
ganze Gebiet von Juda und Benjamin und ließ sie in den befestigten Städten
wohnen. Er sorgte für ihren Lebensunterhalt und suchte viele Frauen für sie aus.
2Chr 12,1 Als Rehabeam seine Herrschaft gefestigt hatte und zu einem mächtigen
König geworden war, hielt er sich nicht mehr an das Gesetz des Herrn, und ganz
Israel folgte seinem schlechten Vorbild.
2Chr 12,2 Der Herr bestrafte ihre Untreue: Im 5. Regierungsjahr Rehabeams
unternahm König Schischak von Ägypten einen Feldzug gegen Jerusalem.
2Chr 12,3 Er kam mit einem Heer von 1200 Streitwagen, 60000 Reitern und
unzähligen Fußsoldaten. Die Libyer, Sukkijiter und Äthiopier unterstützten ihn.
2Chr 12,4 Schischak nahm eine befestigte Stadt nach der anderen ein, und schon
bald stand sein Heer vor Jerusalem.
2Chr 12,5 Da kam der Prophet Schemaja zu Rehabeam und den führenden Männern
Judas, die vor dem Angriff Schischaks nach Jerusalem geflohen waren. Er sagte zu
ihnen: »So spricht der Herr: ›Ihr habt mich verlassen, darum verlasse ich nun
euch und liefere euch an Schischak aus.‹«
2Chr 12,6 Als Rehabeam und die führenden Männer Judas das hörten, bekannten sie:
»Wir haben die Strafe des Herrn verdient!«
2Chr 12,7 Der Herr sah, dass sie sich seinem Urteil beugten, und so sprach er zu
Schemaja: »Weil sie ihre Schuld einsehen, werde ich sie nicht vernichten,
sondern ihnen helfen: Mein Zorn ist nicht so groß, dass ich Jerusalem durch
Schischak zerstören lasse.
2Chr 12,8 Aber er wird dieses Volk zu seinen Untertanen machen. Dann werden sie
sehen, was für ein Unterschied es ist, ob sie mir dienen oder den Königen dieser
Welt.«
2Chr 12,9 König Schischak von Ägypten marschierte mit seinem Heer in Jerusalem
ein. Er raubte alle Schätze aus dem Tempel und dem Königspalast, auch die
goldenen Schilde, die König Salomo seinerzeit hatte anfertigen lassen.
2Chr 12,10 König Rehabeam ließ an ihrer Stelle Schilde aus Bronze herstellen und
übergab sie dem Befehlshaber der Wache am Eingang zum königlichen Palast.
2Chr 12,11 Immer wenn der König in den Tempel des Herrn ging, mussten die
Wächter diese Schilde tragen. Danach brachte man sie wieder zurück in das
Waffenlager der Leibwache.
2Chr 12,12 Weil Rehabeam seine Schuld einsah, war der Herr nicht länger zornig
auf ihn und ließ nicht zu, dass sein Reich völlig vernichtet wurde. Denn auch in
Juda gab es noch Menschen, die dem Herrn treu geblieben waren.
2Chr 12,13 König Rehabeam konnte seine Herrschaft wieder festigen und regierte
weiter in Jerusalem. Er war mit 41 Jahren König geworden. Siebzehn Jahre
herrschte er in Jerusalem, der Stadt, die der Herr aus allen Stämmen Israels
erwählt hat, um dort angebetet zu werden. Rehabeams Mutter war die Ammoniterin
Naama.
2Chr 12,14 Rehabeam bemühte sich nicht darum, dem Herrn zu dienen, sondern er
tat, was unrecht war.
2Chr 12,15 Alles Weitere über sein Leben ist in der Chronik der Propheten
Schemaja und Iddo festgehalten. Dort wird auch Rehabeams gesamte Familie
aufgeführt. Zwischen Rehabeam und Jerobeam herrschte Krieg, solange sie lebten.
2Chr 12,16 Als Rehabeam starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, beigesetzt. Sein Sohn Abija wurde zum Nachfolger ernannt.
2Chr 13,1 Abija wurde König von Juda im 18. Regierungsjahr König Jerobeams von
Israel.
2Chr 13,2 Er regierte drei Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Michaja und war
eine Tochter Uriëls aus Gibea. Auch Abija führte Krieg gegen Jerobeam.
2Chr 13,3 Er zog mit 400000 erfahrenen Soldaten aus, um Jerobeam anzugreifen.
Jerobeam stellte Abija ein Heer von 800000 guten Soldaten entgegen.
2Chr 13,4 Als die beiden Heere sich im Bergland von Ephraim gegenüberstanden,
stieg Abija auf den Berg Zemarajim und rief: »Jerobeam und all ihr Israeliten,
hört mir zu!
2Chr 13,5 Habt ihr vergessen, dass der Herr, der Gott Israels, mit David einen
ewigen Bund geschlossen hat? Er hat ihm und seinen Nachkommen für alle Zeiten
die Herrschaft über Israel gegeben.
2Chr 13,6 Trotzdem hat Jerobeam, der Sohn Nebats, sich gegen seinen Herrn, den
Enkel Davids, aufgelehnt.
2Chr 13,7 Er scharte nichtsnutzige Schurken um sich und wiegelte sie gegen
Rehabeam, den Sohn Salomos, auf. Rehabeam war noch zu jung und unerfahren, er
konnte ihnen nicht die Stirn bieten.
2Chr 13,8 Und jetzt glaubt ihr, die Nachkommen Davids besiegen zu können, denen
der Herr die Königsherrschaft anvertraut hat, nur weil ihr so viele seid und
weil ihr die goldenen Kälber bei euch habt, die euch Jerobeam als Götter gemacht
hat!
2Chr 13,9 Die Priester des Herrn, die Nachkommen Aarons, habt ihr vertrieben und
ebenso die Leviten. Und dann habt ihr an ihrer Stelle Priester nach eigenem
Gutdünken eingesetzt, genau wie die anderen Völker. Wer zum Priester geweiht
werden wollte, brauchte nur mit einem Stier und sieben Schafböcken daherkommen,
und schon war er ein Priester im Dienst der Götter, die gar keine sind!
2Chr 13,10 Wir aber bezeugen: Der Herr ist unser Gott, ihn verlassen wir nicht.
Nur die Nachkommen Aarons sind unsere Priester, sie und die Leviten dienen dem
Herrn.
2Chr 13,11 Jeden Morgen und jeden Abend bringen sie ihm Brandopfer und
wohlriechende Räucheropfer dar. Auf dem heiligen Tisch liegen die
aufgeschichteten Brote; die goldenen Leuchter werden jeden Abend angezündet. Ja,
wir dienen dem Herrn, unserem Gott, ihr aber habt ihn verlassen.
2Chr 13,12 Gott hilft uns, er geht uns im Kampf voran! Seine Priester sind bei
uns, und sie werden die Kriegstrompeten gegen euch blasen. Ich warne euch, ihr
Israeliten! Kämpft nicht gegen den Herrn, den Gott eurer Vorfahren! Diesen Krieg
könnt ihr nicht gewinnen!«
2Chr 13,13 Inzwischen hatte Jerobeam einige Truppen in den Hinterhalt geschickt.
Sie sollten die Judäer umgehen und ihnen in den Rücken fallen, während er mit
dem übrigen Heer von vorne angreifen wollte.
2Chr 13,14 Plötzlich merkten die Judäer, dass die Israeliten sie umzingelt
hatten. Sie schrien zum Herrn um Hilfe. Die Priester bliesen ihre Trompeten,
2Chr 13,15 und alle Soldaten stimmten ein lautes Kriegsgeschrei an. Da griff
Gott ein: Mit seiner Hilfe schlugen Abija und die Judäer Jerobeams Heer.
2Chr 13,16 Die Israeliten ergriffen die Flucht, aber Gott gab sie in die Gewalt
der Judäer,
2Chr 13,17 und so brachten Abija und seine Truppen ihnen eine große Niederlage
bei. 500000 erfahrene Soldaten aus Israel fielen in dieser Schlacht.
2Chr 13,18 Die Judäer siegten, weil sie ihre Hilfe vom Herrn, dem Gott ihrer
Vorfahren, erwartet hatten. Für die Israeliten aber war es eine große
Demütigung.
2Chr 13,19 Abija jagte Jerobeam nach und eroberte aus seinem Gebiet die Städte
Bethel, Jeschana und Efron mit ihren umliegenden Dörfern.
2Chr 13,20 Jerobeams Macht war von da an gebrochen, und schon bald ließ der Herr
ihn sterben.
2Chr 13,21 Abija dagegen wurde ein mächtiger Herrscher. Er heiratete vierzehn
Frauen und hatte zweiundzwanzig Söhne und sechzehn Töchter.
2Chr 13,22 Alles Weitere über Abijas Leben, über seine Worte und Taten, ist in
der Chronik des Propheten Iddo festgehalten.
2Chr 13,23 Als Abija starb, begrub man ihn in der »Stadt Davids«, einem
Stadtteil Jerusalems. Sein Sohn Asa trat die Nachfolge an. Unter seiner
Herrschaft war zehn Jahre lang Frieden im Land.
2Chr 14,1 Asa tat, was gut und recht war und dem Herrn, seinem Gott, gefiel.
2Chr 14,2 Er zerstörte die Götzenaltäre und Höhenheiligtümer und riss die
heiligen Steine und Holzpfähle nieder, die anderen Göttern geweiht waren.
2Chr 14,3 Er forderte die Bevölkerung Judas auf, wieder dem Herrn, dem Gott
ihrer Vorfahren, zu dienen und nach seinen Geboten zu leben.
2Chr 14,4 In allen Städten Judas ließ er die Höhenheiligtümer und
Räucheropferaltäre der fremden Götter beseitigen. Zu dieser Zeit herrschte
Frieden im Land,
2Chr 14,5 denn der Herr sorgte dafür, dass kein Krieg ausbrach. Asa ließ in ganz
Juda Städte zu Festungen ausbauen.
2Chr 14,6 Er sagte zu den Bewohnern von Juda: »Jetzt ist die beste Gelegenheit,
unsere Städte zu befestigen! Lasst uns Stadtmauern und Türme bauen und sie mit
Toren und starken Riegeln versehen! Denn noch haben wir in unserem Land freie
Hand. Weil wir uns darum bemüht haben, dem Herrn, unserem Gott, zu dienen, darum
hat er uns nun ringsum Frieden geschenkt.« So begann man mit dem Ausbau der
Städte und konnte die Arbeiten ungehindert abschließen.
2Chr 14,7 Asa besaß ein Heer mit 300000 Soldaten aus Juda; sie waren mit
Langschilden und Lanzen bewaffnet. Dazu kamen 280000 Mann aus Benjamin mit
Rundschilden und Bogen. Sie alle waren erfahrene Soldaten.
2Chr 14,8 Der Äthiopier Serach rückte mit einem riesigen Heer von Fußsoldaten
und 300 Streitwagen gegen Juda vor und kam bis Marescha.
2Chr 14,9 Asa zog ihm entgegen. Im Zefatatal bei Marescha stellten sich die
beiden Heere auf.
2Chr 14,10 Asa betete zum Herrn, seinem Gott: »O Herr, nur du kannst uns helfen
im Kampf mit dem riesigen Heer der Feinde, gegen die wir schwach sind. Steh uns
bei, Herr, unser Gott! Wir verlassen uns auf dich, und nur weil wir dir
vertrauen, kämpfen wir gegen diese Übermacht. Du bist der Herr, unser Gott!
Gegen dich kommt kein Mensch an!«
2Chr 14,11 Da schenkte der Herr den Judäern den Sieg. Die Äthiopier ergriffen
die Flucht.
2Chr 14,12 Asa und seine Soldaten verfolgten sie bis nach Gerar. Die Äthiopier
erlitten so schwere Verluste, dass sie nach dieser Schlacht kein Heer mehr
aufstellen konnten. Der Herr selbst und sein Heer hatten die äthiopischen
Truppen zerschlagen. Die Judäer machten große Beute.
2Chr 14,13 Sie eroberten die Städte rings um Gerar, denn die Einwohner
fürchteten sich vor der Macht des Herrn. Sie plünderten die Städte aus und
kehrten mit reicher Beute zurück.
2Chr 14,14 Auch die Zeltlager einiger Viehbesitzer griffen sie an und nahmen
viele Schafe, Ziegen und Kamele mit. Dann kehrten sie nach Jerusalem zurück.
2Chr 15,1 Der Geist Gottes kam über Asarja, den Sohn Odeds.
2Chr 15,2 Darauf ging Asarja zu Asa und sagte: »König Asa und ihr Bewohner von
Juda und Benjamin, hört mir zu! Der Herr ist bei euch, solange ihr bei ihm
bleibt. Wenn ihr ihn sucht, wird er sich finden lassen. Verlasst ihr ihn aber,
so wird er auch euch verlassen!
2Chr 15,3 Lange Zeit wollten die Israeliten von dem wahren Gott nichts wissen.
Sie kümmerten sich nicht um das, was die Priester sagten, und lebten nicht nach
dem Gesetz des Mose.
2Chr 15,4 Aber als sie in Not gerieten, kehrten sie wieder zum Herrn, dem Gott
Israels, um. Sie suchten ihn, und er ließ sich finden.
2Chr 15,5 Damals konnte niemand ungehindert reisen. Alle Länder waren in Kriege
verwickelt.
2Chr 15,6 Ein Volk kämpfte gegen das andere, und eine Stadt führte gegen die
andere Krieg. Doch dahinter stand Gott; er ließ es zu, dass die Völker in Not
gerieten.
2Chr 15,7 Ihr aber sollt stark sein und euch nicht entmutigen lassen! Was ihr
tut, wird der Herr belohnen!«
2Chr 15,8 Als Asa hörte, was der Prophet Asarja ihm sagte, bekam er neuen Mut.
Er entfernte alle Götzenstatuen aus Juda, Benjamin und den Städten, die er auf
dem Gebirge Ephraim eingenommen hatte. Er ließ den Altar des Herrn im Vorhof des
Tempels erneuern.
2Chr 15,9 Dann rief er die führenden Männer aus Juda und Benjamin zu sich. Auch
die Israeliten, die aus den Gebieten von Ephraim, Manasse und Simeon nach Juda
gezogen waren, lud er ein. Denn viele Menschen waren aus Israel zu Asa
übergelaufen, als sie sahen, wie der Herr, sein Gott, ihm beistand.
2Chr 15,10 Im 3. Monat des 15. Regierungsjahrs von König Asa versammelten sie
sich in Jerusalem
2Chr 15,11 und opferten dem Herrn 700 Rinder und 7000 Schafe, die sie erbeutet
hatten.
2Chr 15,12 Sie erneuerten den Bund, den ihre Vorfahren mit Gott, dem Herrn,
geschlossen hatten, und schworen, ihm wieder von ganzem Herzen zu dienen.
2Chr 15,13 Wer aber nicht zum Herrn, dem Gott Israels, gehören wollte, der
sollte getötet werden, egal ob Jung oder Alt, Mann oder Frau.
2Chr 15,14 Mit lauter Stimme schworen sie dem Herrn die Treue, sie jubelten und
bliesen die Trompeten und Posaunen.
2Chr 15,15 Ganz Juda freute sich über den neuen Bund, denn sie hatten ihr
Versprechen mit aufrichtigem Herzen gegeben. Sie waren entschlossen, so zu
leben, wie es dem Herrn gefiel. Darum nahm der Herr sie wieder an und schenkte
ihnen Frieden mit allen Völkern ringsum.
2Chr 15,16 König Asa entließ seine Großmutter Maacha aus ihrer wichtigen
Stellung als Königinmutter, weil sie der Göttin Aschera eine Statue aufgestellt
hatte. Die Statue ließ er in Stücke hauen und im Kidrontal verbrennen.
2Chr 15,17 Leider verbot Asa nicht auch noch das Opfern in den Höhenheiligtümern
des Landes. Doch sonst diente er dem Herrn von ganzem Herzen, solange er lebte.
2Chr 15,18 Alle goldenen und silbernen Gegenstände, die sein Vater dem Herrn
geweiht hatte, brachte er in den Tempel Gottes, zusammen mit den Geschenken, die
er selbst dem Herrn weihte.
2Chr 15,19 Bis zum 35. Regierungsjahr König Asas brach kein Krieg mehr aus.
2Chr 16,1 Im 36. Regierungsjahr Asas fiel König Bascha von Israel mit seinem
Heer in Juda ein und baute die Stadt Rama zu einer Festung aus. Mit der
Kontrolle über diesen wichtigen Knotenpunkt konnte er Juda von der Außenwelt
abschneiden.
2Chr 16,2 Da schickte König Asa eine Gesandtschaft nach Damaskus zu König
Ben-Hadad von Syrien. Er gab den Gesandten Gold und Silber aus dem Tempel des
Herrn mit, dazu Geschenke aus der königlichen Schatzkammer. Sie sollten
Ben-Hadad Folgendes ausrichten:
2Chr 16,3 »Lass uns ein Bündnis miteinander schließen! Es soll so fest und
unverbrüchlich sein, als wären schon unsere Väter verbündet gewesen. Dieses
Silber und Gold ist mein Geschenk an dich. Ich bitte dich: Brich dein Bündnis
mit König Bascha von Israel, und greif ihn an, damit er aus unserem Gebiet
wieder abzieht.«
2Chr 16,4 Ben-Hadad willigte ein und schickte seine Truppen gegen Israel. Sie
nahmen die Städte Ijon, Dan und Abel-Majim ein, dazu alle Vorratslager der
Städte im Gebiet Naftalis.
2Chr 16,5 Als Bascha davon erfuhr, ließ er von seinem Vorhaben ab, Rama weiter
auszubauen, und stellte die Arbeiten ein.
2Chr 16,6 König Asa zog alle Männer von Juda zur Fronarbeit heran. Sie mussten
die Steine und Balken, mit denen König Bascha die Stadt Rama befestigen wollte,
wieder wegtragen. Asa ließ mit dem Baumaterial die Städte Geba und Mizpa
ausbauen.
2Chr 16,7 Zu dieser Zeit kam der Prophet Hanani zu König Asa von Juda und sagte
zu ihm: »Weil du beim König von Syrien Hilfe gesucht hast, anstatt sie vom
Herrn, deinem Gott, zu erwarten, darum hast du dich selbst um den Sieg über den
König von Syrien gebracht!
2Chr 16,8 Hast du schon vergessen, mit welch riesigem Heer von Wagen und Reitern
die Äthiopier und Libyer gegen dich anrückten? Und doch hat der Herr dir den
Sieg gegeben, weil du ihn um Hilfe gebeten hast.
2Chr 16,9 Der Herr steht allen bei, die allein ihm vertrauen. Auf der ganzen
Welt sucht er nach solchen Menschen. Dein Bündnis mit dem König von Syrien war
ein schwerer Fehler! Von jetzt an wirst du ununterbrochen Krieg haben!«
2Chr 16,10 Wutentbrannt ließ König Asa den Propheten ins Gefängnis werfen und
seine Füße in einen Holzblock einschließen. Auch andere aus dem Volk wurden von
Asa misshandelt.
2Chr 16,11 Alles Weitere über Asas Leben kann man in der Chronik der Könige von
Juda und Israel nachlesen.
2Chr 16,12 In seinem 39. Regierungsjahr bekam Asa ein schweres Fußleiden. Aber
auch diesmal suchte er seine Hilfe nicht beim Herrn, sondern bei Ärzten.
2Chr 16,13 Im 41. Regierungsjahr starb König Asa.
2Chr 16,14 Er wurde in dem Grab beigesetzt, das er sich in der »Stadt Davids«,
einem Stadtteil Jerusalems, aus dem Felsen hatte hauen lassen. Man legte ihn auf
ein vorbereitetes Lager, das mit Balsamöl und wohlriechenden Salben getränkt
war. Sie waren nach der hohen Kunst der Salbenmischung zubereitet worden. Dann
zündete man zu seiner Ehre ein riesiges Feuer an.
2Chr 17,1 Asas Nachfolger wurde sein Sohn Joschafat. Er baute seine Macht Israel
gegenüber aus;
2Chr 17,2 in alle befestigten Städte Judas legte er Truppen, und in ganz Juda
setzte er Statthalter ein, ebenso in den Städten Ephraims, die sein Vater Asa
erobert hatte.
2Chr 17,3 Der Herr stand Joschafat bei, weil er dem Vorbild Davids folgte und
keine anderen Götter verehrte.
2Chr 17,4 Im Gegensatz zu den Königen von Israel diente er dem Gott seines
Vaters und befolgte seine Gebote.
2Chr 17,5 Darum stärkte der Herr die Macht Joschafats. Menschen aus ganz Juda
kamen und brachten ihm Geschenke, und so wurde er reich und angesehen.
2Chr 17,6 Das ermutigte ihn, sich ganz auf den Herrn zu verlassen. Er ließ in
Juda die Höhenheiligtümer und Steinmale vernichten, die anderen Göttern geweiht
waren.
2Chr 17,7 In seinem 3. Regierungsjahr beschloss Joschafat, alle Bewohner Judas
im Gesetz des Herrn unterrichten zu lassen. Er beauftragte damit seine Beamten
Ben-Hajil, Obadja, Secharja, Netanel und Michaja;
2Chr 17,8 dazu die Leviten Schemaja, Netanja, Sebadja, Asaël, Schemiramot,
Jonatan, Adonija, Tobija und Tob-Adonija sowie die Priester Elischama und Joram.
2Chr 17,9 Diese Männer zogen im Gebiet Judas von Stadt zu Stadt. Sie hatten das
Gesetzbuch des Herrn bei sich und unterrichteten das Volk.
2Chr 17,10 Der Herr sorgte dafür, dass alle Königreiche rings um Juda große
Angst vor Joschafat bekamen. Kein König wagte es, ihm den Krieg zu erklären.
2Chr 17,11 Die Philister zahlten ihm regelmäßig Silber als Tribut, und die
Araber brachten ihm 7700 Schafböcke und 7700 Ziegenböcke.
2Chr 17,12 So konnte Joschafat seine Macht immer mehr ausbauen. Überall in Juda
errichtete er Festungen und Vorratsstädte.
2Chr 17,13 In den Städten des Landes brachte er reiche Vorräte unter und
verlegte seine besten Truppen nach Jerusalem.
2Chr 17,14 Joschafats Heer war in Sippenverbände unterteilt. Der Heerführer vom
Stamm Juda hieß Adna, er hatte den Befehl über 300000 erfahrene Soldaten;
2Chr 17,15 ihm zur Seite standen Johanan, dem 280000 Mann unterstellt waren,
2Chr 17,16 und Amasja, der Sohn Sichris, mit 200000 erfahrenen Soldaten. Amasja
hatte sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet, um dem Herrn zu dienen.
2Chr 17,17 Der Heerführer vom Stamm Benjamin war Eljada, ein guter Soldat, mit
200000 Mann, die mit Bogen und Schilden bewaffnet waren.
2Chr 17,18 Ihm zur Seite stand Josabad, der den Befehl über 180000 gut
ausgerüstete Soldaten hatte.
2Chr 17,19 Sie alle dienten im Heer des Königs. Dazu kamen noch die Truppen, die
in ganz Juda in den befestigten Städten untergebracht waren.
2Chr 18,1 Joschafat war sehr reich und genoss hohes Ansehen. Seinen ältesten
Sohn verheiratete er mit einer Tochter König Ahabs von Israel.
2Chr 18,2 Nach einigen Jahren besuchte er Ahab in Samaria. Der israelitische
König ließ für seinen Gast und dessen Gefolge viele Schafe und Rinder
schlachten. Dann versuchte er, ihn zu einem gemeinsamen Feldzug gegen die Stadt
Ramot im Gebiet von Gilead zu überreden.
2Chr 18,3 »Willst du nicht mit mir in den Kampf ziehen?«, fragte er den König
von Juda. Joschafat antwortete: »Du kannst auf mich zählen! Ich ziehe mit dir
und stelle dir meine Truppen zur Verfügung.
2Chr 18,4 Doch bitte frag zuerst den Herrn, was er zu diesem Feldzug sagt.«
2Chr 18,5 Da ließ König Ahab von Israel seine Propheten zu sich rufen - es waren
etwa 400 - und fragte sie: »Sollen wir Ramot in Gilead angreifen oder nicht?«
»Geh nur«, ermutigten sie ihn, »Gott wird dir zum Sieg über diese Stadt
verhelfen.«
2Chr 18,6 Aber Joschafat gab sich noch nicht zufrieden. »Gibt es hier in Israel
keinen echten Propheten, der für uns den Herrn befragen könnte?«, wollte er
wissen.
2Chr 18,7 Ahab antwortete: »Doch, es gibt noch einen, durch den man den Herrn
befragen kann. Aber ich hasse ihn, denn er kündigt mir immer nur Unglück an, nie
etwas Gutes! Es ist Micha, der Sohn Jimlas.« Joschafat entgegnete: »So solltest
du als König nicht sprechen!«
2Chr 18,8 Da rief König Ahab einen Hofbeamten und befahl ihm: »Hol sofort Micha,
den Sohn Jimlas, zu uns!«
2Chr 18,9 In ihren königlichen Gewändern setzten sich Ahab und Joschafat auf
zwei Thronsessel, die man für sie auf einem großen Platz beim Stadttor von
Samaria aufgestellt hatte. Dorthin kamen die 400 Propheten Ahabs. Sie gerieten
alle in Ekstase und prophezeiten den Königen nur Gutes.
2Chr 18,10 Einer von ihnen, Zedekia, der Sohn Kenaanas, hatte sich eiserne
Hörner gemacht und rief: »Höre, was der Herr dir sagen lässt: ›Wie ein Stier mit
eisernen Hörnern wirst du die Syrer niederstoßen und nicht eher ruhen, bis du
sie in Grund und Boden gestampft hast!‹«
2Chr 18,11 Die anderen Propheten redeten ähnlich: »Geh nur nach Ramot in Gilead!
Der Herr wird die Stadt in deine Gewalt geben, und dann kommst du als Sieger
zurück!«
2Chr 18,12 Der Hofbeamte, der Micha holen musste, forderte ihn unterwegs auf:
»Alle Propheten haben dem König nur Gutes angekündigt. Du weißt also, was du zu
tun hast: Sag auch du dem König den Sieg voraus!«
2Chr 18,13 Doch Micha widersprach: »So gewiss der Herr lebt: Ich werde nur das
sagen, was mein Gott mir aufträgt!«
2Chr 18,14 Als Micha vor Ahab stand, fragte ihn der König: »Micha, sollen wir
gegen Ramot in Gilead in den Kampf ziehen oder nicht?« »Natürlich, greift nur
an!«, antwortete der Prophet. »Bestimmt wird die Stadt in eure Gewalt gegeben,
und ihr kommt als die großen Sieger zurück!«
2Chr 18,15 Doch der König hakte nach: »Wie muss ich dich beschwören, damit du
mir nur die reine Wahrheit sagst? Was hat der Herr dir gezeigt?«
2Chr 18,16 Da antwortete Micha: »Ich sah das Heer der Israeliten über alle Berge
verstreut wie Schafe, die keinen Hirten mehr haben. Der Herr sprach zu mir:
›Diese Soldaten haben keinen Herrn mehr, der sie führt. Sie können getrost nach
Hause zurückkehren.‹«
2Chr 18,17 »Siehst du?«, wandte der König von Israel sich nun an Joschafat. »Ich
habe es doch gleich gesagt, dass er mir immer nur Unglück prophezeit und nie
etwas Gutes!«
2Chr 18,18 Micha aber fuhr fort: »Hört zu! Ich will euch erzählen, was der Herr
mir gezeigt hat: Ich sah ihn auf seinem Thron sitzen, umgeben von seinem
himmlischen Hofstaat.
2Chr 18,19 Er fragte: ›Wer will Ahab dazu verleiten, gegen Ramot in Gilead zu
kämpfen? Der König soll dort ums Leben kommen.‹ Die Versammelten machten diesen
und jenen Vorschlag,
2Chr 18,20 bis schließlich ein Geist vor den Herrn trat und sagte: ›Ich werde
ihn überlisten!‹ ›Wie willst du das tun?‹, fragte der Herr.
2Chr 18,21 ›Ich lasse alle Propheten Ahabs Lügen erzählen‹, antwortete er. ›Ich
rede durch sie als ein Lügengeist.‹ Da sagte der Herr zu dem Geist: ›Du bist der
Rechte, um Ahab in die Irre zu führen! Es wird dir auch gelingen. Geh und mach
es so, wie du vorgeschlagen hast!‹
2Chr 18,22 Ahab, der Herr hat beschlossen, Unheil über dich zu bringen, darum
hat er diesen Lügengeist zu deinen Propheten geschickt. Dieser Geist spricht nun
aus ihrem Mund.«
2Chr 18,23 Jetzt kam Zedekia, der Sohn Kenaanas, nach vorne, gab Micha eine
Ohrfeige und rief: »So, du behauptest, der Geist Gottes habe mich und die
anderen Propheten verlassen, damit er mit dir reden kann? Beweis es, wenn du
kannst!«
2Chr 18,24 »Warte nur«, sagte Micha, »bald kommt der Tag, an dem du dich vor den
Feinden in die hinterste Kammer deines Hauses verkriechst. Dann wirst du an
meine Worte denken!«
2Chr 18,25 Da befahl König Ahab: »Bringt Micha zu Amon, dem Stadtobersten, und
zu meinem Sohn Joasch!
2Chr 18,26 Meldet ihnen: ›Befehl des Königs: Steckt diesen Mann ins Gefängnis,
und gebt ihm eine gekürzte Ration Brot und Wasser!‹ Dort soll er bleiben, bis
ich, König Ahab, unversehrt als Sieger aus dem Feldzug zurückkomme.«
2Chr 18,27 Da sagte Micha zum König: »Alle sollen es hören: Wenn du je
wohlbehalten zurückkehrst, so hat heute nicht der Herr durch mich gesprochen.«
2Chr 18,28 König Ahab von Israel und König Joschafat von Juda zogen gemeinsam in
den Kampf gegen die Stadt Ramot in Gilead.
2Chr 18,29 Vor der Schlacht sagte Ahab zu Joschafat: »Ich werde mich als
einfacher Soldat verkleiden. Du aber kämpfe ruhig in deiner königlichen
Rüstung.« Er zog sich einfache Soldatenkleider an, und sie gingen in die
Schlacht.
2Chr 18,30 Der syrische König aber hatte seinen Wagenkämpfern befohlen: »Greift
in der Schlacht einzig und allein den König von Israel an. Lasst euch von keinem
ablenken - weder vom Fußvolk noch von den hohen Offizieren!«
2Chr 18,31 Bald hatten die syrischen Wagenkämpfer König Joschafat entdeckt. Sie
hielten ihn für den König von Israel und griffen ihn von allen Seiten an.
Joschafat schrie laut um Hilfe. Da griff der Herr ein und lenkte die Feinde von
ihm ab.
2Chr 18,32 Denn die Syrer merkten, dass er nicht König Ahab war, und ließen von
ihm ab.
2Chr 18,33 Einer ihrer Soldaten schoss auf gut Glück einen Pfeil ab und traf den
König von Israel genau an einer ungeschützten Stelle zwischen den Trägern seines
Panzers. Ahab befahl dem Lenker seines Streitwagens: »Dreh um, und bring mich
vom Schlachtfeld; ich bin schwer verwundet!«
2Chr 18,34 Doch der Kampf tobte an diesem Tag immer heftiger. Um den Syrern die
Stirn zu bieten, blieb Ahab auf dem Schlachtfeld und hielt sich aufrecht in
seinem Wagen. Gegen Abend, als die Sonne unterging, starb er.
2Chr 19,1 König Joschafat von Juda aber kehrte wohlbehalten nach Jerusalem
zurück. Vor seinem Palast
2Chr 19,2 kam ihm der Prophet Jehu entgegen, ein Sohn Hananis. Er sagte zum
König: »Hältst du es für richtig, einem Mann zu helfen, der von Gott nichts
wissen will? Warum schließt du Freundschaft mit denen, die den Herrn hassen? Du
hast den Zorn des Herrn heraufbeschworen!
2Chr 19,3 Aber er hat bei dir auch etwas Gutes gefunden: Du hast die Steinmale,
die anderen Göttern geweiht waren, überall zerstört und dich entschlossen, von
ganzem Herzen Gott zu dienen.«
2Chr 19,4 Von da an blieb Joschafat in Jerusalem und besuchte das Nordreich
Israel nicht mehr. Er reiste aber durch ganz Juda, von Beerscheba im Süden bis
zum Gebirge Ephraim im Norden, und ermutigte das Volk, wieder zum Herrn, dem
Gott ihrer Vorfahren, umzukehren.
2Chr 19,5 In allen befestigten Städten setzte er Richter ein
2Chr 19,6 und ermahnte sie: »Denkt immer daran: Ihr müsst eure Urteile nicht
allein vor Menschen verantworten, sondern auch vor dem Herrn! Er wird euch
helfen, gerechte Urteile zu sprechen.
2Chr 19,7 Habt Ehrfurcht vor Gott! Arbeitet gewissenhaft! Denn der Herr, unser
Gott, ist nicht ungerecht, er bevorzugt niemanden und lässt sich nicht
bestechen.«
2Chr 19,8 In Jerusalem berief Joschafat einige Leviten, Priester und
Sippenoberhäupter in das Richteramt. Ihnen wurden Verstöße gegen das Gesetz des
Herrn vorgelegt, und gleichzeitig waren sie für die Rechtsstreitigkeiten der
Einwohner Jerusalems zuständig.
2Chr 19,9 Joschafat ermahnte auch sie: Ȇbt euer Amt in Verantwortung vor dem
Herrn aus! Seid gewissenhaft und unparteiisch!
2Chr 19,10 Aus allen Städten des Landes wird man euch Fälle zur Entscheidung
vorlegen. Ihr werdet über einen Mordfall oder einen Totschlag zu urteilen haben
oder über Fragen, die das Gesetz des Herrn, irgendein Gebot, eine Weisung oder
eine Rechtsbestimmung betreffen. Worum es sich auch handelt - sagt ihnen, was
der Herr von ihnen will, damit sie nicht vor ihm schuldig werden! Wenn ihr das
nicht tut, kommt sein Zorn nicht nur über sie, sondern auch über euch. Wenn ihr
aber all das beherzigt, dann trifft euch keine Schuld.
2Chr 19,11 Bei Rechtsfällen, die das Gesetz des Herrn betreffen, ist der
Hohepriester Amarja der oberste Richter; in Sachen des Königs hat Fürst Sebadja,
der Sohn Jismaels, vom Stamm Juda, das letzte Wort. Die Verwaltungsaufgaben
werden von den Leviten erfüllt. Geht nun entschlossen an die Arbeit! Wenn ihr
recht handelt, wird der Herr bei euch sein.«
2Chr 20,1 Einige Zeit später erklärten die Moabiter, die Ammoniter und einige
Sippen der Mëuniter Joschafat den Krieg.
2Chr 20,2 Ein Bote kam und meldete dem König: »Ein riesiges Heer zieht von der
Ostseite des Toten Meeres von Edom her gegen uns heran. Sie sind inzwischen
schon in Hazezon-Tamar angelangt.« (Hazezon-Tamar ist ein anderer Name für
En-Gedi.)
2Chr 20,3 Diese Nachricht jagte Joschafat Angst ein. Er wandte sich an den Herrn
um Hilfe und rief ganz Juda zum Fasten auf.
2Chr 20,4 Aus allen Städten Judas kamen die Menschen nach Jerusalem, um zum
Herrn um Hilfe zu beten.
2Chr 20,5 Sie versammelten sich im neuen Vorhof beim Tempel des Herrn. Joschafat
trat nach vorne
2Chr 20,6 und betete: »Herr, du Gott unserer Vorfahren! Du bist Gott im Himmel,
du bist Herr über alle Könige der Erde. In deiner Hand sind Macht und Stärke.
Niemand kann gegen dich bestehen!
2Chr 20,7 Hast du, unser Gott, nicht damals die Bewohner dieses Landes
unseretwegen vertrieben? Hast nicht du es den Nachkommen deines Freundes Abraham
für alle Zeiten geschenkt?
2Chr 20,8 Sie haben sich hier niedergelassen; sie haben dir einen Tempel gebaut
und gesagt:
2Chr 20,9 ›Wenn uns ein Unglück trifft, wenn Krieg, Pest, Hungersnot oder ein
anderes Strafgericht über uns hereinbricht, dann wird der Herr uns erhören, wenn
wir in diesem Tempel vor ihn treten und zu ihm um Hilfe schreien. Er wird uns
retten, denn er wohnt in diesem Tempel.‹
2Chr 20,10 Und nun bedrohen uns die Ammoniter, die Moabiter und die Edomiter vom
Gebirge Seïr! Als dein Volk damals aus Ägypten kam, hast du ihm nicht erlaubt,
diese Völker anzugreifen. Israel musste ihnen ausweichen und durfte sie nicht
ausrotten.
2Chr 20,11 Und zum Dank dafür wollen sie uns nun von unserem Grund und Boden
vertreiben, den du uns geschenkt hast!
2Chr 20,12 Unser Gott, bestrafe sie! Wir selbst können nichts ausrichten gegen
dieses riesige Heer, das gegen uns heranzieht. Wir sehen keinen Ausweg mehr,
doch wir vertrauen auf dich!«
2Chr 20,13 Alle Männer, Frauen und Kinder von Juda hatten sich im Tempelvorhof
vor dem Herrn versammelt.
2Chr 20,14 Plötzlich kam der Geist des Herrn über Jahasiël, einen Leviten aus
der Sippe Asaf. Sein Vater hieß Secharja, die weiteren Vorfahren waren Benaja,
Jehiël und Mattanja.
2Chr 20,15 Jahasiël rief: »Hört, ihr Leute von Juda, ihr Einwohner Jerusalems
und du, König Joschafat! So spricht der Herr: ›Habt keine Angst! Fürchtet euch
nicht vor diesem großen Heer! Ich werde gegen sie kämpfen, nicht ihr!
2Chr 20,16 Zieht ihnen morgen entgegen! Sie werden von Ziz her den Berg
heraufkommen. Am Ende des Tales, wo die Wüste Jeruël beginnt, werdet ihr auf sie
stoßen.
2Chr 20,17 Aber ihr braucht nicht zu kämpfen! Geht dorthin, und dann werdet ihr
sehen, wie ich, der Herr, euch rette.‹ Habt keine Angst, ihr Bewohner Judas und
Jerusalems. Verliert nicht den Mut! Zieht ihnen morgen entgegen, der Herr wird
euch helfen!«
2Chr 20,18 Da warf sich Joschafat nieder und berührte mit dem Gesicht den Boden.
Auch die Bewohner Judas und Jerusalems warfen sich vor dem Herrn zu Boden und
beteten ihn an.
2Chr 20,19 Die Leviten aus den Sippen Kehat und Korach standen auf und stimmten
ein Loblied an. Sie priesen den Herrn, den Gott Israels, so laut sie konnten.
2Chr 20,20 Früh am nächsten Morgen machte das Heer von Juda sich auf den Weg zur
Wüste Tekoa. Beim Aufbruch trat Joschafat vor sie hin und rief: »Hört, ihr
Männer von Juda und Jerusalem! Vertraut auf den Herrn, euren Gott, dann wird
euch nichts geschehen! Glaubt, was seine Propheten euch gesagt haben, und ihr
werdet als Sieger zurückkehren!«
2Chr 20,21 Joschafat beriet sich mit den Versammelten und stellte daraufhin an
die Spitze des Heeres einige Sänger. In Festgewändern sollten sie vor den
Soldaten herziehen und den Herrn loben mit dem Lied: »Preist den Herrn, denn
seine Gnade hört niemals auf!«
2Chr 20,22 Als die Sänger ihre Loblieder anstimmten, ließ der Herr die Truppen
der Ammoniter, Moabiter und der Bewohner des Gebirges Seïr in einen Hinterhalt
geraten. Sie wurden in die Flucht geschlagen.
2Chr 20,23 Da verbündeten sich die Ammoniter und die Moabiter gegen die
Edomiter, die auf dem Gebirge Seïr wohnten, und vernichteten sie. Dann gerieten
sie selbst aneinander und brachten sich gegenseitig um.
2Chr 20,24 Als die Israeliten zu der Stelle kamen, von wo aus man die Wüste
überblicken konnte, suchten sie das große Heer der Feinde. Da entdeckten sie die
Leichen, die überall am Boden lagen. Keiner der Feinde war mit dem Leben
davongekommen.
2Chr 20,25 Joschafat und sein Heer zogen zu dem Schlachtfeld, um sie
auszuplündern. Sie fanden viele Tiere, Kleider und wertvolle Gegenstände. Es war
so viel, dass sie drei Tage brauchten, um die Beute wegzubringen.
2Chr 20,26 Am vierten Tag kamen sie in einem nahe gelegenen Tal zusammen, um dem
Herrn zu danken. Seitdem heißt es Berachatal (»Tal des Dankes«).
2Chr 20,27 Voller Freude darüber, dass der Herr ihre Feinde besiegt hatte,
kehrten die Männer von Juda und Jerusalem mit Joschafat an ihrer Spitze nach
Hause zurück.
2Chr 20,28 Begleitet von der Musik der Harfen, Lauten und Trompeten zogen sie in
Jerusalem ein und gingen zum Tempel des Herrn.
2Chr 20,29 Die Könige der Länder ringsum bekamen große Angst vor der Macht
Gottes, als sie hörten, wie der Herr selbst gegen Israels Feinde gekämpft hatte.
2Chr 20,30 Von da an konnte Joschafat in Ruhe regieren, denn Gott schenkte Juda
Frieden mit den Königreichen ringsum.
2Chr 20,31 Mit 35 Jahren war Joschafat König von Juda geworden. Er regierte
fünfundzwanzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Asuba und war eine Tochter
Schilhis.
2Chr 20,32 Er folgte dem Beispiel seines Vaters Asa und tat wie er, was dem
Herrn gefiel,
2Chr 20,33 nur schaffte er die Höhenheiligtümer nicht völlig ab. Denn das Volk
war noch nicht dazu bereit, von ganzem Herzen dem Gott seiner Vorfahren zu
dienen.
2Chr 20,34 Alles Weitere über Joschafats Leben steht in der Chronik Jehus, des
Sohnes Hananis. Sie wurde später in die Chronik der Könige von Israel
aufgenommen.
2Chr 20,35 König Joschafat von Juda schloss ein Bündnis mit König Ahasja von
Israel, obwohl dieser nichts von Gott wissen wollte.
2Chr 20,36 Die beiden Könige beschlossen, gemeinsam in Ezjon-Geber eine
Handelsflotte aufzubauen.
2Chr 20,37 Doch Eliëser aus Marescha, ein Sohn Dodawas, ging zu Joschafat und
prophezeite ihm: »Weil du dich mit Ahasja verbündet hast, wird der Herr deine
Schiffe zerstören!« So erlitt die Flotte Schiffbruch und kam nie an ihr Ziel.
2Chr 21,1 Als Joschafat starb, wurde er in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems, im Grab der königlichen Familie beigesetzt. Sein Sohn Joram trat die
Nachfolge an.
2Chr 21,2 Joschafats weitere Söhne hießen Asarja, Jehiël, Secharja, Asarja,
Michael und Schefatja.
2Chr 21,3 Joschafat hatte ihnen viel Silber, Gold und andere Schätze geschenkt
und ihnen die befestigten Städte in Juda überlassen. Zu seinem Nachfolger hatte
er Joram bestimmt, weil er der älteste Sohn war.
2Chr 21,4 Als nun Joram die Herrschaft angetreten hatte, ließ er seine Brüder
umbringen. Auch einige führende Männer seines Volkes tötete er.
2Chr 21,5 Joram wurde mit 32 Jahren König und regierte acht Jahre in Jerusalem.
2Chr 21,6 Er war mit einer Tochter Ahabs verheiratet und folgte in allem dem
schlechten Vorbild seines Schwiegervaters. Er verehrte Götzen so wie die Könige
von Israel und tat, was der Herr verabscheute.
2Chr 21,7 Doch der Herr wollte das Königshaus David nicht vernichten, weil er
sich an den Bund hielt, den er mit David geschlossen hatte. Er hatte ihm
versprochen: »Immer wird einer deiner Nachkommen König von Juda sein.«
2Chr 21,8 Während Jorams Regierungszeit sagten sich die Edomiter von der
Herrschaft Judas los und ernannten einen eigenen König.
2Chr 21,9 Da rückte König Joram mit seinen Offizieren und Streitwagen gegen sie
aus. Doch die edomitischen Truppen umzingelten sie. In der folgenden Nacht
gelang es den Eingeschlossenen zwar, die Reihen der Edomiter zu durchbrechen.
2Chr 21,10 Trotzdem konnte sich Edom von der Herrschaft Judas befreien und ist
bis heute unabhängig geblieben. Zur selben Zeit lehnte sich auch Libna gegen
Juda auf und machte sich unabhängig. Dies alles geschah, weil Joram den Herrn,
den Gott seiner Vorfahren, verlassen hatte.
2Chr 21,11 Er baute die Heiligtümer auf den Hügeln Judas wieder auf und
verleitete die Einwohner Jerusalems dazu, dem Herrn untreu zu werden. Ganz Juda
verführte er zum Götzendienst.
2Chr 21,12 Da erhielt er vom Propheten Elia einen Brief, in dem stand: »So
spricht der Herr, der Gott deines Vorfahren David: ›Du bist nicht dem Vorbild
deines Vaters Joschafat und deines Großvaters Asa, des Königs von Juda, gefolgt.
2Chr 21,13 Du hast den gleichen Weg eingeschlagen wie die Könige von Israel. Die
Bewohner von Jerusalem und ganz Juda hast du zum Götzendienst verführt, so wie
die Familie Ahabs ihn treibt. Aber damit nicht genug: Deine Brüder hast du
umgebracht, die doch alle viel besser waren als du!
2Chr 21,14 Darum werde ich, der Herr, großes Unheil über dein Volk, deine Söhne
und deine Frauen bringen. Deinen ganzen Besitz nehme ich dir weg.
2Chr 21,15 Du selbst aber wirst unheilbar krank werden. Du wirst lange leiden,
und zuletzt werden deine Eingeweide aus dem Leib hervortreten.‹«
2Chr 21,16 Der Herr brachte die Philister dazu, zusammen mit den Araberstämmen,
die neben den Äthiopiern wohnten, Joram den Krieg zu erklären.
2Chr 21,17 Sie marschierten in Juda ein, drangen bis Jerusalem vor und
plünderten den Palast des Königs aus. Auch seine Söhne und Frauen nahmen sie
mit. Nur Joahas, der jüngste Sohn Jorams, konnte entkommen.
2Chr 21,18 Dann ließ der Herr den König unheilbar krank werden. Die Krankheit
befiel seine Eingeweide,
2Chr 21,19 verschlimmerte sich und war nach zwei Jahren so weit fortgeschritten,
dass die Eingeweide aus dem Leib des Königs hervortraten. Joram starb unter
furchtbaren Schmerzen. Anders als bei seinen Vorgängern zündete das Volk kein
Feuer zu seiner Ehre an.
2Chr 21,20 Joram war mit 32 Jahren König geworden und hatte acht Jahre in
Jerusalem regiert. Als er starb, trauerte niemand um ihn. Man begrub ihn in dem
Stadtteil Jerusalems, der »Stadt Davids« genannt wurde, jedoch nicht in den
Königsgräbern.
2Chr 22,1 Die Einwohner von Jerusalem ernannten Jorams jüngsten Sohn Ahasja zu
seinem Nachfolger. Die älteren Söhne Jorams waren alle von den Räuberbanden
umgebracht worden, die mit den Arabern ins Heerlager der Judäer eingedrungen
waren. Darum trat Ahasja, der Sohn Jorams von Juda, die Herrschaft an.
2Chr 22,2 Er wurde mit 20 Jahren König und regierte ein Jahr in Jerusalem. Seine
Mutter hieß Atalja. Sie war eine Enkelin Omris, des früheren Königs von Israel.
2Chr 22,3 Auch Ahasja folgte dem schlechten Beispiel Ahabs. Seine Mutter hatte
großen Einfluss auf ihn und verleitete ihn immer wieder dazu, sich vom Herrn
abzuwenden.
2Chr 22,4 Außerdem ließ er sich nach dem Tod seines Vaters von seinen Verwandten
aus dem Königshaus Ahab beraten. So tat er, was der Herr verabscheute, und dies
wurde ihm zum Verhängnis.
2Chr 22,5 Auch zu einem Feldzug gegen König Hasaël von Syrien verleiteten ihn
seine Berater. Ahasja verbündete sich mit Ahabs Sohn Joram, der König von Israel
war. Bei Ramot in Gilead kam es zur Schlacht. Joram wurde dabei von den Syrern
verwundet.
2Chr 22,6 Deshalb zog er sich nach Jesreel zurück, um sich von seinen
Verletzungen zu erholen. Dort besuchte ihn König Ahasja von Juda, der Sohn
Jorams.
2Chr 22,7 Doch Gott fügte es so, dass dieser Besuch Ahasja zum Verhängnis wurde.
Kaum war er in Jesreel angekommen, fuhr er mit Joram Jehu, dem Sohn Nimschis, in
einem Wagen entgegen. Der Herr aber hatte Jehu dazu bestimmt, die Familie Ahabs
auszurotten.
2Chr 22,8 Als Jehu das Gericht über das Haus Ahab vollstreckte, da brachte er
auch die obersten Beamten von Juda und die Neffen Ahasjas um, die in dessen
Dienst standen.
2Chr 22,9 Ahasja selbst hielt sich in Samaria versteckt. Jehu ließ ihn suchen.
Als seine Männer ihn fanden, nahmen sie ihn gefangen und brachten ihn zu Jehu,
wo er hingerichtet wurde. Er erhielt aber ein ehrenvolles Begräbnis, denn Jehu
und seine Männer sagten: »Trotz allem war er ein Enkel Joschafats, der dem Herrn
von ganzem Herzen dienen wollte.« Das Königshaus von Juda hatte nun keinen
Nachkommen mehr, der die Herrschaft hätte übernehmen können.
2Chr 22,10 Als Ahasjas Mutter Atalja erfuhr, dass ihr Sohn tot war, ließ sie
alle königlichen Nachkommen in Juda umbringen.
2Chr 22,11 Nur Ahasjas Sohn Joasch überlebte, weil seine Tante Joscheba ihn
rechtzeitig vor Atalja gerettet hatte. Joscheba war eine Tochter König Jorams
und Schwester Ahasjas. Sie war mit dem Priester Jojada verheiratet. Joscheba
hatte Joasch heimlich aus seinem Zimmer geholt und ihn zusammen mit seiner Amme
in einer Kammer versteckt, in der Bettzeug aufbewahrt wurde. Dort konnte Atalja
ihn nicht finden.
2Chr 22,12 Später nahm Joscheba ihn zu sich und hielt ihn sechs Jahre im
Tempelbereich verborgen. In dieser Zeit herrschte Atalja als Königin über Juda.
2Chr 23,1 Im 7. Regierungsjahr Ataljas nahm Jojada allen Mut zusammen und
verbündete sich mit einigen Offizieren. Zu ihnen gehörten Asarja, der Sohn
Jerohams, Jismael, der Sohn Johanans, Asarja, der Sohn Obeds, Maaseja, der Sohn
Adajas, und Elischafat, der Sohn Sichris.
2Chr 23,2 Die Offiziere zogen durch alle Städte Judas, weihten die Leviten und
die Sippenoberhäupter in ihre Pläne ein und kehrten zusammen mit ihnen nach
Jerusalem zurück.
2Chr 23,3 Sie versammelten sich im Tempel des Herrn, und Jojada sagte zu ihnen:
»Vor euch steht der Sohn unseres früheren Königs. Er soll uns regieren, denn so
hat der Herr es für die Nachkommen Davids bestimmt.« Die Anwesenden erkannten
Joasch als ihren neuen König an und verbündeten sich mit ihm.
2Chr 23,4 Jojada gab ihnen einige Anweisungen: »Die Abteilung der Priester und
Leviten, die am nächsten Sabbat ihren Dienst antritt, soll sich in drei Gruppen
aufteilen: Die erste soll die Eingänge zum Tempel bewachen,
2Chr 23,5 die zweite den Königspalast und die dritte das Grundtor. Das Volk aber
soll sich in den Vorhöfen des Tempels versammeln.
2Chr 23,6 Außer den Priestern und Leviten, die gerade Dienst haben, darf niemand
den Tempel des Herrn betreten. Nur sie dürfen hineingehen, denn der Herr hat sie
für diese Aufgabe ausgesondert. Das ganze Volk muss die Weisungen des Herrn
befolgen.
2Chr 23,7 Die übrigen Leviten sollen einen Kreis um den König bilden und ihn mit
der Hand an der Waffe auf Schritt und Tritt begleiten. Wer in den Tempel
eindringen will, wird auf der Stelle getötet.«
2Chr 23,8 Die Leviten und das Volk taten, was der Priester Jojada gesagt hatte.
Am nächsten Sabbat kamen alle mit ihren Männern zu ihm - sowohl die Abteilungen,
die vom Dienst abtraten, als auch die Abteilung, die antrat. Denn Jojada hatte
keine Gruppe entlassen.
2Chr 23,9 Der Priester gab den Offizieren die Speere und die großen und kleinen
Schilde, die seit König Davids Regierungszeit im Tempel aufbewahrt wurden, und
die Offiziere verteilten sie an ihre Soldaten.
2Chr 23,10 Dann stellten sich die Soldaten vor dem Tempel in einem Halbkreis
auf, der von der Südseite um den Brandopferaltar herum bis zur Nordseite
reichte. Jeder hielt seine Waffe griffbereit. So war Joasch ringsum geschützt.
2Chr 23,11 Nun führten Jojada und seine Söhne ihn heraus, um ihn zum König zu
krönen. Sie setzten ihm die Krone auf und gaben ihm das Königsgesetz in die
Hand. Dann salbten sie ihn zum König und riefen: »Hoch lebe der König!«
2Chr 23,12 Als Atalja das Freudengeschrei der Volksmenge hörte, die sich
inzwischen versammelt hatte und dem neuen König zujubelte, kam auch sie zum
Tempel.
2Chr 23,13 Bei der Säule am Eingang, wo der Platz des Königs war, sah sie einen
neuen König stehen, umgeben von Offizieren und Trompetern! Aus ganz Juda war das
Volk zusammengeströmt. Alle jubelten vor Freude, und die Trompeten erklangen.
Die Sänger sangen ihre Lieder und spielten auf ihren Instrumenten. Entsetzt
zerriss Atalja ihr Obergewand und schrie: »Verrat, Verrat!«
2Chr 23,14 Der Priester Jojada rief die Offiziere, die den Befehl über die
Abteilungen hatten, herbei und ordnete an: »Führt sie aus dem Tempelbereich
hinaus! Ihr sollt sie nicht hier im Heiligtum töten. Wer ihr aber folgt, den
stecht an Ort und Stelle mit dem Schwert nieder!«
2Chr 23,15 Da ergriffen sie Atalja, führten sie ab und töteten sie beim Rosstor
am Eingang zum Palast.
2Chr 23,16 Inzwischen ließ Jojada den König und das Volk einen Bund mit dem
Herrn schließen. Sie bekräftigten darin, dass sie als Volk dem Herrn gehören
wollten.
2Chr 23,17 Dann stürmten sie in den Tempel Baals und rissen ihn nieder. Sie
zertrümmerten die Altäre und Götzenfiguren und töteten Mattan, den Priester
Baals, bei den Altären.
2Chr 23,18 Jojada setzte die Priester aus dem Stamm Levi wieder in ihr Amt ein,
so wie König David es vorgesehen hatte. Nach den Weisungen im Gesetz des Mose
sollten sie dem Herrn wieder Brandopfer darbringen und ihre Arbeit mit Freude
verrichten, begleitet vom Gesang der Leviten. So hatte es auch David angeordnet.
2Chr 23,19 An den Eingängen zum Tempel des Herrn stellte Jojada Wachen auf,
damit niemand hineingehen konnte, der nach dem Gesetz auf irgendeine Weise
unrein war.
2Chr 23,20 Den Offizieren, den einflussreichen und führenden Männern sowie dem
ganzen Volk befahl Jojada, einen Zug zu bilden. Sie geleiteten den König aus dem
Tempel durch das obere Tor zum Palast hinab. Dort setzte er sich auf den
Königsthron.
2Chr 23,21 Die ganze Bevölkerung Judas freute sich mit. In Jerusalem selbst
dagegen verhielt man sich ruhig, nachdem Atalja getötet worden war.
2Chr 24,1 Joasch wurde mit 7 Jahren König und regierte vierzig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Zibja und kam aus Beerscheba.
2Chr 24,2 Solange der Priester Jojada lebte, tat Joasch, was dem Herrn gefiel.
2Chr 24,3 Jojada suchte zwei Frauen für ihn aus, und Joasch bekam Söhne und
Töchter.
2Chr 24,4 Nach einiger Zeit beschloss Joasch, den Tempel des Herrn ausbessern zu
lassen.
2Chr 24,5 Er rief die Priester und Leviten zu sich und gab ihnen den Auftrag:
»Zieht durch die Städte Judas, und sammelt von der ganzen Bevölkerung Geld ein!
Damit könnt ihr die Reparaturen bezahlen, die jedes Jahr am Tempel eures Gottes
anfallen. Beeilt euch!« Doch die Leviten ließen sich viel Zeit.
2Chr 24,6 Da stellte Joasch den Hohenpriester Jojada zur Rede: »Warum haben die
Leviten immer noch nicht genügend Geld für die Ausbesserungen am Tempel? Warum
hast du ihnen nicht befohlen, in Juda und Jerusalem dafür zu sammeln? Hat nicht
schon Mose, der Diener des Herrn, von allen Israeliten eine Abgabe für das
heilige Zelt verlangt?
2Chr 24,7 Du weißt, dass Atalja, diese gottlose Frau, den Tempel des Herrn
verfallen ließ. Ihre Anhänger nahmen die Gaben, die für den Herrn bestimmt
waren, für ihre Götzen.«
2Chr 24,8 Auf Befehl des Königs wurde ein Kasten angefertigt und außen beim Tor
zum Tempel aufgestellt.
2Chr 24,9 In ganz Juda und Jerusalem rief man das Volk auf, dem Herrn die
Abgaben zu entrichten, die Mose, der Diener des Herrn, in der Wüste den
Israeliten auferlegt hatte.
2Chr 24,10 Die führenden Männer und das ganze Volk freuten sich und warfen ihre
Gaben in den Kasten, bis er voll war.
2Chr 24,11 Dann brachten die Leviten, die gerade Dienst hatten, den Kasten in
die Kanzlei des Königs. Der Hofsekretär und ein Beauftragter des Hohenpriesters
sahen zu, wie sie den Kasten leerten. Dann brachten die Leviten ihn wieder an
seinen Platz zurück. So geschah es jeden Tag, und es kam sehr viel Geld
zusammen.
2Chr 24,12 Der König und Jojada händigten das Geld den Bauführern aus, die für
die Arbeiten im Tempel verantwortlich waren. Diese wiederum bezahlten damit die
Steinhauer, die Zimmerleute, die Eisen- und Bronzegießer.
2Chr 24,13 Die Arbeit ging zügig voran. Die Handwerker besserten alle Schäden
aus, und schließlich war der Tempel wieder in seinem ursprünglichen guten
Zustand.
2Chr 24,14 Als sie fertig waren, brachten die Bauführer das restliche Geld zu
König Joasch und zu Jojada. Die beiden ließen davon Gegenstände für den Dienst
im Tempel des Herrn herstellen: Schalen, goldene und silberne Gefäße und andere
Gegenstände, die man zum Opferdienst brauchte. Solange Jojada lebte, wurden im
Tempel des Herrn regelmäßig Brandopfer dargebracht.
2Chr 24,15 Jojada hatte ein erfülltes Leben und wurde sehr alt. Mit 130 Jahren
starb er.
2Chr 24,16 Er wurde in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil Jerusalems, in den
Königsgräbern beigesetzt, denn er hatte für Israel, für Gott und den Tempel viel
Gutes getan.
2Chr 24,17 Nach Jojadas Tod kamen die führenden Männer Judas zu König Joasch und
umschmeichelten ihn. Er ließ sich von ihnen dazu verführen,
2Chr 24,18 nicht mehr in den Tempel des Herrn, des Gottes seiner Vorfahren, zu
gehen. Wie alle anderen verehrte er nun Götzenstatuen und heilige Pfähle, die
anderen Göttern geweiht waren. Darum wurde der Herr zornig über Juda und
Jerusalem.
2Chr 24,19 Er sandte Propheten unter das Volk. Sie sollten die Menschen warnen
und zum Herrn zurückführen. Aber niemand hörte auf sie.
2Chr 24,20 Da kam der Geist Gottes über Secharja, den Sohn des Priesters Jojada.
Er trat vor das Volk und rief ihnen zu: »So spricht Gott, der Herr: ›Warum
übertretet ihr meine Gebote? Von nun an wird euch nichts mehr gelingen! Ihr habt
mich verlassen - und jetzt verlasse ich euch!‹«
2Chr 24,21 Da rotteten sie sich gegen Secharja zusammen und steinigten ihn im
Vorhof des Tempels. König Joasch hatte es befohlen,
2Chr 24,22 denn ihm war das Gute, das Secharjas Vater Jojada ihm erwiesen hatte,
inzwischen völlig gleichgültig. Kurz bevor Secharja starb, rief er noch: »Herr,
sieh, was sie tun, und vergelte es ihnen!«
2Chr 24,23 Am Anfang des nächsten Jahres erklärten die Syrer Joasch den Krieg.
Sie marschierten in Juda ein, eroberten Jerusalem und brachten alle führenden
Männer des Volkes um. Die Beute ihres Feldzugs sandten sie nach Damaskus zu
ihrem König.
2Chr 24,24 Obwohl die Judäer in der Überzahl waren, ließ der Herr die Syrer
siegen, denn Juda hatte den Herrn, den Gott seiner Vorfahren, verlassen. So
vollstreckten die Syrer an Joasch das Urteil Gottes,
2Chr 24,25 sie verwundeten ihn schwer. Kaum waren sie wieder abgezogen,
verschworen sich Joaschs Diener gegen ihn. Sie wollten sich dafür rächen, dass
er den Sohn des Priesters Jojada ermordet hatte, und brachten den König in
seinem Bett um. Er wurde in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil Jerusalems,
begraben, jedoch nicht in den Königsgräbern.
2Chr 24,26 Die beiden Führer der Verschwörung waren Sabad, der Sohn der
Ammoniterin Schimat, und Josabad, der Sohn der Moabiterin Schimrit.
2Chr 24,27 In den Erläuterungen zur Chronik der Könige stehen die Namen der
Söhne Joaschs, die vielen Prophetenworte, die gegen ihn gesprochen wurden, und
der Bericht über die Ausbesserungsarbeiten am Tempel Gottes. Joaschs Nachfolger
wurde sein Sohn Amazja.
2Chr 25,1 Amazja wurde mit 25 Jahren König und regierte neunundzwanzig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Joaddan und stammte aus Jerusalem.
2Chr 25,2 Amazja tat, was dem Herrn gefiel, obwohl er ihm nicht von ganzem
Herzen diente.
2Chr 25,3 Sobald Amazja die Herrschaft fest in Händen hatte, ließ er die Diener
hinrichten, die seinen Vater, König Joasch, ermordet hatten.
2Chr 25,4 Doch ihre Söhne ließ er am Leben und folgte so dem Gebot des Herrn,
wie es im Gesetzbuch des Mose steht: »Eltern sollen nicht für die Verbrechen
ihrer Kinder hingerichtet werden und Kinder nicht für die Schuld ihrer Eltern.
Jeder soll nur für seine eigene Sünde bestraft werden.«
2Chr 25,5 Amazja rief alle Männer aus den Stämmen Juda und Benjamin zusammen und
ließ sie nach Sippen geordnet antreten. Er teilte sie in Gruppen von 1000 und
100 Männern ein, mit Hauptleuten und Offizieren an der Spitze. Alle, die zwanzig
Jahre und älter waren, wurden zum Kriegsdienst einberufen, und so kam ein Heer
von 300000 Mann zusammen. Alle waren mit Langschild und Speer bewaffnet.
2Chr 25,6 Danach warb Amazja noch 100000 erfahrene Soldaten aus Israel an, denen
er insgesamt 3,5 Tonnen Silber als Sold bezahlte.
2Chr 25,7 Da kam ein Prophet zu Amazja und warnte ihn: »Mein König, zieh ohne
die israelitischen Truppen in den Krieg, denn der Herr ist nicht mit ihnen!
2Chr 25,8 Wenn du aber meinst, nur mit ihrer Hilfe stark genug zu sein, dann
wird Gott euch in der Schlacht zu Fall bringen. Denn es liegt in Gottes Macht,
den Sieg zu schenken oder in den Untergang zu stürzen.«
2Chr 25,9 Amazja entgegnete: »Und was ist mit den 3,5 Tonnen Silber, die ich den
Israeliten bezahlt habe?« Der Bote Gottes antwortete: »Ist der Herr nicht
mächtig genug, dir viel mehr als das zu geben?«
2Chr 25,10 Da entließ Amazja alle israelitischen Söldner und schickte sie
zurück. Sie nahmen es ihm sehr übel und zogen voller Zorn nach Hause.
2Chr 25,11 Amazja wagte trotzdem einen Angriff. Er führte sein Heer in das
Salztal und errang einen Sieg über die Edomiter. 10000 von ihnen fielen in der
Schlacht,
2Chr 25,12 und weitere 10000 wurden gefangen genommen. Die Soldaten von Juda
führten die Gefangenen auf einen hohen Felsen und stürzten sie von dort
hinunter, so dass alle zerschmettert wurden.
2Chr 25,13 Inzwischen waren die Söldner aus Israel, die Amazja noch vor der
Schlacht weggeschickt hatte, in jüdische Städte zwischen Samaria und Bet-Horon
eingefallen. Dabei hatten sie 3000 Männer umgebracht und große Beute gemacht.
2Chr 25,14 Nach seiner Rückkehr vom Kampf gegen die Edomiter stellte Amazja
Götterstatuen auf, die er von dort mitgebracht hatte. Er fiel vor ihnen nieder
und brachte ihnen Räucheropfer dar.
2Chr 25,15 Da wurde der Herr zornig auf Amazja. Er schickte einen Propheten zu
ihm und ließ ihm sagen: »Warum verehrst du diese Götter, die ihr Volk nicht
einmal vor dir retten konnten?«
2Chr 25,16 Amazja fiel dem Propheten ins Wort: »Habe ich dich etwa zu meinem
Berater ernannt? Halt den Mund, sonst lasse ich dich auspeitschen!« Da redete
der Prophet nicht weiter. Er sagte nur noch: »Ich weiß, dass Gott dich
vernichten wird, weil du andere Götter verehrst und meine Warnung in den Wind
schlägst.«
2Chr 25,17 Amazja von Juda sprach mit seinen Beratern und schickte Boten zu
König Joasch von Israel, dem Sohn Joahas' und Enkel Jehus. Sie sollten ihm
ausrichten: »Lass uns gegeneinander Krieg führen! Dann sehen wir, wessen Heer
stärker ist!«
2Chr 25,18 Joasch, der König von Israel, ließ ihm antworten: »Ein Dornstrauch
auf dem Libanongebirge sagte einmal zu einer mächtigen Zeder: ›Gib meinem Sohn
deine Tochter zur Frau!‹ Doch die Tiere auf dem Libanon liefen über den
Dornstrauch und zertrampelten ihn.
2Chr 25,19 Ist dir der Sieg über die Edomiter zu Kopf gestiegen? Du kannst wohl
nicht genug bekommen! Bleib lieber zu Hause! Warum willst du ins Unglück rennen
und ganz Juda mit hineinreißen?«
2Chr 25,20 Doch Amazja ließ sich nicht warnen. Gott wollte ihn und sein Volk in
die Gewalt der Israeliten geben, weil sie sich den Göttern der Edomiter
zugewandt hatten.
2Chr 25,21 Da zog König Joasch von Israel mit seinem Heer nach Juda, und bei
Bet-Schemesch kam es zur Schlacht zwischen ihm und König Amazja.
2Chr 25,22 Die Judäer wurden von den Israeliten besiegt und flohen nach Hause.
2Chr 25,23 König Amazja von Juda, der Sohn Joaschs und Enkel Ahasjas, wurde vom
israelitischen König noch in Bet-Schemesch gefangen genommen und nach Jerusalem
gebracht. Joasch ließ die Stadtmauer auf einer Länge von zweihundert Metern
einreißen, vom Ephraimtor bis zum Ecktor.
2Chr 25,24 Er plünderte alles Gold und Silber und alle kostbaren Gegenstände aus
der Schatzkammer des Tempels, die von Obed-Edom bewacht wurde. Auch die
Schatzkammer des Königspalasts raubte er aus. Mit dieser Beute und einer Anzahl
von Geiseln kehrte er nach Samaria zurück.
2Chr 25,25 Nach dem Tod Joaschs, des Königs von Israel, lebte Amazja, der König
von Juda, noch fünfzehn Jahre.
2Chr 25,26 Alles Weitere über Amazjas Leben steht in der Chronik der Könige von
Juda und Israel.
2Chr 25,27 Seit er sich vom Herrn abgewandt hatte, begann man sich in Jerusalem
gegen ihn zu verschwören. Er konnte zwar nach Lachisch entkommen, aber die
Verschwörer ließen ihn verfolgen, und so wurde er schließlich in Lachisch
umgebracht.
2Chr 25,28 Man lud den Toten auf ein Pferd und brachte ihn zur »Stadt Davids«,
einem Stadtteil Jerusalems. Dort wurde er im Grab der Königsfamilie beigesetzt.
2Chr 26,1 Die Judäer ernannten Amazjas Sohn Usija zum neuen König. Er war damals
16 Jahre alt.
2Chr 26,2 Gleich nach dem Tod seines Vaters eroberte er die Stadt Elat zurück
und baute sie wieder auf.
2Chr 26,3 Usija wurde mit 16 Jahren König und regierte zweiundfünfzig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Jecholja und stammte aus Jerusalem.
2Chr 26,4 Wie sein Vater Amazja tat auch er, was dem Herrn gefiel.
2Chr 26,5 Zu der Zeit, als der Hohepriester Secharja noch lebte, bemühte Usija
sich, Gott zu gehorchen, denn Secharja zeigte ihm immer wieder, was Gott von ihm
wollte. Solange Usija dem Herrn diente, schenkte er ihm Erfolg.
2Chr 26,6 Usija führte Krieg gegen die Philister. Er eroberte die Städte Gat,
Jabne und Aschdod und riss ihre Mauern nieder. Andere Städte in der Gegend von
Aschdod und im übrigen Gebiet der Philister baute er aus.
2Chr 26,7 Gott half Usija aber nicht nur gegen die Philister, sondern auch gegen
die Araberstämme in Gur-Baal und gegen die Mëuniter.
2Chr 26,8 Die Ammoniter mussten Usija Tribut zahlen. Er wurde ein sehr mächtiger
König. Sein Ruf drang bis nach Ägypten.
2Chr 26,9 In Jerusalem ließ Usija beim Ecktor, beim Taltor und beim »Winkel«
Festungstürme bauen.
2Chr 26,10 Auch im Steppengebiet baute er Wachtürme. Außerdem ließ er viele
Zisternen graben, denn er besaß große Viehherden im jüdischen Hügelland und auf
der Hochebene. Er beschäftigte viele Landwirte und Weinbauern, die in den
fruchtbaren Ebenen und in den Bergen arbeiteten, denn er liebte die
Landwirtschaft.
2Chr 26,11 Usija besaß ein gut ausgebildetes Heer. Der Hofsekretär Jeïël und der
königliche Verwalter Maaseja hatten unter der Aufsicht Hananjas, eines hohen
Beamten des Königs, die Männer gemustert und verschiedene Abteilungen gebildet.
2Chr 26,12 Die Abteilungen standen unter dem Befehl von 2600 erfahrenen
Hauptleuten.
2Chr 26,13 Insgesamt gehörten zum Heer 307500 mutige Soldaten. Der König konnte
sich im Krieg voll und ganz auf sie verlassen.
2Chr 26,14 Usija bewaffnete seine Soldaten mit Schilden und Spießen, mit Helmen,
Brustpanzern, Bogen und Schleudersteinen.
2Chr 26,15 Auf den Türmen und Mauerecken Jerusalems ließ er Wurfvorrichtungen
aufstellen, mit denen man Pfeile abschießen und große Steine schleudern konnte.
Durch Gottes Hilfe wurde Usija ein mächtiger und sehr berühmter Mann.
2Chr 26,16 Doch die Macht stieg ihm zu Kopf. Er setzte sich über die Weisungen
des Herrn, seines Gottes, hinweg und drang schließlich sogar in den Tempel ein,
um auf dem Räucheropferaltar selbst Weihrauch zu verbrennen.
2Chr 26,17 Doch der Hohepriester Asarja folgte ihm mit achtzig Priestern des
Herrn, die alle mutige Männer waren.
2Chr 26,18 Sie stellten Usija zur Rede: »Es steht dir nicht zu, dem Herrn
Räucheropfer darzubringen! Das ist die Aufgabe der Priester, der Nachkommen
Aarons, denn nur sie sind dazu auserwählt. Geh aus dem Heiligtum! Du hast dich
über Gottes Gebot hinweggesetzt, und dafür wird der Herr dich bestimmt nicht
belohnen!«
2Chr 26,19 Usija stand neben dem Altar und hielt die Räucherpfanne bereits in
der Hand. Ihn packte der Zorn, als er die Warnung der Priester hörte. In diesem
Moment brach an seiner Stirn Aussatz aus.
2Chr 26,20 Als Asarja und die anderen Priester das sahen, trieben sie ihn
schnell aus dem Tempel. Auch Usija beeilte sich hinauszukommen, denn der Aussatz
war ein Zeichen dafür, dass der Herr ihn gestraft hatte.
2Chr 26,21 König Usija blieb bis zu seinem Tod aussätzig. Wegen seiner Krankheit
musste er für den Rest seines Lebens in einem abgesonderten Haus wohnen, er
durfte auch nie mehr den Tempel des Herrn betreten. Die Regierungsgeschäfte und
die Aufsicht über den Palast übergab er seinem Sohn Jotam.
2Chr 26,22 Alles Weitere über Usijas Leben hat der Prophet Jesaja, der Sohn des
Amoz, aufgeschrieben.
2Chr 26,23 Als Usija starb, wurde er wegen seines Aussatzes nicht im Grab der
königlichen Familie beigesetzt, sondern daneben. Sein Sohn Jotam trat die
Nachfolge an.
2Chr 27,1 Jotam wurde mit 25 Jahren König und regierte sechzehn Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Jeruscha; sie war eine Tochter Zadoks.
2Chr 27,2 Jotam tat, was dem Herrn gefiel, und folgte dem Beispiel seines Vaters
Usija. Doch anders als dieser versuchte er nicht, eigenmächtig Opfer im Tempel
des Herrn darzubringen. Das Volk aber verehrte weiterhin andere Götter.
2Chr 27,3 Jotam baute das obere Tor des Tempels und verstärkte an vielen Stellen
die Mauer um den Tempelberg.
2Chr 27,4 Im Bergland von Juda baute er viele Städte aus und errichtete
Festungen und Wachtürme in den Waldgebieten.
2Chr 27,5 Er führte Krieg gegen die Ammoniter und besiegte sie. Die folgenden
drei Jahre mussten sie ihm 3,5 Tonnen Silber, 1320 Tonnen Weizen und 1320 Tonnen
Gerste als Tribut zahlen.
2Chr 27,6 Jotam wurde ein mächtiger König, denn er lebte in Verantwortung vor
dem Herrn, seinem Gott.
2Chr 27,7 Alles Weitere über sein Leben und die Kriege, die er führte, steht in
der Chronik der Könige von Israel und Juda.
2Chr 27,8 Er war mit 25 Jahren König geworden und hatte sechzehn Jahre in
Jerusalem regiert.
2Chr 27,9 Als er starb, begrub man ihn in der »Stadt Davids«, einem Stadtteil
Jerusalems. Sein Sohn Ahas wurde zum Nachfolger bestimmt.
2Chr 28,1 Ahas wurde mit 20 Jahren König und regierte sechzehn Jahre in
Jerusalem. Er folgte nicht dem Vorbild seines Vorfahren David und tat nicht, was
dem Herrn gefiel,
2Chr 28,2 sondern er lebte wie die Könige von Israel. Er ließ Statuen des Götzen
Baal gießen
2Chr 28,3 und opferte im Hinnomtal Weihrauch für die Götter. Er ging sogar so
weit, dass er seine Söhne als Opfer verbrannte. Diesen schrecklichen Brauch
übernahm er von den Völkern, die der Herr aus dem Land vertrieben hatte, um es
seinem Volk Israel zu geben.
2Chr 28,4 Ahas brachte in den Höhenheiligtümern, auf den Hügeln und unter den
dicht belaubten Bäumen seine Opfer dar.
2Chr 28,5 Darum gab ihn der Herr, sein Gott, in die Gewalt des Königs von
Syrien. Die Syrer besiegten die Judäer, nahmen viele von ihnen gefangen und
verschleppten sie nach Damaskus. Auch König Pekach von Israel, der Sohn
Remaljas, griff Ahas an und brachte seinem Heer eine schwere Niederlage bei.
2Chr 28,6 An einem einzigen Tag fielen 120000 erfahrene Soldaten von Juda. Dies
alles geschah, weil das Volk dem Herrn, dem Gott seiner Vorfahren, den Rücken
gekehrt hatte.
2Chr 28,7 Sichri, einer der besten Soldaten aus dem Stamm Ephraim, tötete an
jenem Tag Maaseja, den Sohn von König Ahas, sowie den Palastvorsteher Asrikam
und Elkana, den obersten Beamten des Königs.
2Chr 28,8 Die Israeliten nahmen 200000 judäische Frauen und Kinder gefangen. Sie
plünderten das Land aus und brachten reiche Beute nach Samaria.
2Chr 28,9 In Samaria lebte ein Prophet mit Namen Oded. Als das israelitische
Heer von der Schlacht zurückkam, ging Oded den Männern entgegen und rief: »Nur
weil der Herr, der Gott eurer Vorfahren, zornig auf Juda war, hat er sie in eure
Hand gegeben. Ihr aber habt ein Blutbad angerichtet, das zum Himmel schreit!
2Chr 28,10 Doch damit nicht genug: Nun wollt ihr die Überlebenden aus Juda und
Jerusalem zu euren Sklaven machen. Meint ihr etwa, dass ihr besser seid als sie?
Habt nicht auch ihr gegen den Herrn, euren Gott, gesündigt?
2Chr 28,11 So hört nun auf meinen Rat, und schickt die Gefangenen wieder zurück,
die ihr aus Juda verschleppt habt. Sonst wird der Zorn des Herrn euch treffen.«
2Chr 28,12 Auch einige Sippenoberhäupter aus dem Stamm Ephraim stellten sich dem
Heer in den Weg. Es waren Asarja, der Sohn Johanans, Berechja, der Sohn
Meschillemots, Jehiskija, der Sohn Schallums, und Amasa, der Sohn Hadlais.
2Chr 28,13 Auch sie redeten den Soldaten ins Gewissen: »Bringt die Gefangenen
nicht hierher! Damit ladet ihr noch mehr Schuld auf uns. Wir haben schon genug
Unrecht getan, und der Zorn Gottes ist gegen uns entbrannt!«
2Chr 28,14 Da gaben die Soldaten ihre Gefangenen frei und legten die Beute offen
vor die führenden Männer und die versammelten Israeliten.
2Chr 28,15 Einige Männer wurden dazu bestimmt, sich um die Gefangenen zu
kümmern. Sie suchten aus der Beute Kleider aus für diejenigen, die kaum noch
etwas auf dem Leib trugen. Danach versorgten sie alle Gefangenen mit Kleidern
und Schuhen, gaben ihnen zu essen und zu trinken und verbanden ihre Wunden.
Alle, die vor Erschöpfung nicht mehr laufen konnten, setzten sie auf Esel und
brachten sie in die Palmenstadt Jericho. Von dort hatten die Judäer es nicht
mehr weit nach Hause. Danach kehrten die Männer nach Samaria zurück.
2Chr 28,16 In jener Zeit schickte König Ahas Boten an den Königshof von Assyrien
und bat um Hilfe.
2Chr 28,17 Denn die Edomiter hatten die Judäer angegriffen, sie besiegt und
Gefangene mitgenommen.
2Chr 28,18 Auch die Philister fielen immer wieder in das Hügelland und in die
südlichen Gebiete von Juda ein. Sie hatten die Städte Bet-Schemesch, Ajalon und
Gederot eingenommen, dazu Socho, Timna und Gimso mit den umliegenden Dörfern,
und sich darin niedergelassen.
2Chr 28,19 So ließ der Herr ganz Juda leiden, weil König Ahas nichts gegen den
Götzendienst unternahm und weil er selbst nichts vom Herrn wissen wollte.
2Chr 28,20 Tiglat-Pileser, der König von Assyrien, kam mit seinem Heer nach
Juda, jedoch nicht, um Ahas zu helfen, sondern um ihn noch mehr unter Druck zu
setzen.
2Chr 28,21 Zwar hatte Ahas alle Schätze aus dem Tempel, dem Palast und den
Häusern seiner obersten Beamten dem assyrischen König geschenkt, aber er bekam
keine Unterstützung von ihm.
2Chr 28,22 Selbst in dieser Zeit der Bedrängnis entfernte König Ahas sich noch
weiter vom Herrn.
2Chr 28,23 Er brachte den Göttern der Syrer Opfer dar, weil er meinte, sie
hätten ihnen zum Sieg verholfen. Er dachte: »Die Götter der Syrer helfen ihren
Königen! Von jetzt an werde ich ihnen Opfer darbringen, dann helfen sie auch
mir.« Aber die Götzen wurden König Ahas und dem ganzem Volk zum Verhängnis.
2Chr 28,24 Ahas ließ alle heiligen Gefäße und Werkzeuge aus dem Tempel holen und
sie zertrümmern. Danach verschloss er die Türen zum Tempel des Herrn. Er stellte
an allen Straßenecken in Jerusalem Altäre auf
2Chr 28,25 und ließ in jeder Stadt seines Reiches Höhenheiligtümer errichten, um
anderen Göttern Weihrauch zu opfern. So forderte er den Zorn des Herrn, des
Gottes seiner Vorfahren, heraus.
2Chr 28,26 Alles Weitere über Ahas' Leben ist in der Chronik der Könige von Juda
und Israel festgehalten.
2Chr 28,27 Als er starb, wurde er in Jerusalem beigesetzt, jedoch nicht in den
Königsgräbern. Sein Sohn Hiskia trat die Nachfolge an.
2Chr 29,1 Hiskia wurde mit 25 Jahren König und regierte neunundzwanzig Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Abi; sie war eine Tochter Secharjas.
2Chr 29,2 Hiskia tat, was dem Herrn gefiel. In allem folgte er dem Beispiel
seines Vorfahren David.
2Chr 29,3 Schon in seinem 1. Regierungsjahr, im 1. Monat des neuen Jahres, ließ
er die Türen des Tempels öffnen und ausbessern.
2Chr 29,4 Er rief alle Priester und Leviten zu sich und versammelte sie auf dem
Platz im Osten.
2Chr 29,5 Er sagte zu ihnen: »Ihr Leviten, hört mir zu! Reinigt euch, damit ihr
euren Dienst wieder ausführen könnt! Reinigt auch den Tempel des Herrn, des
Gottes eurer Vorfahren, und schafft alles, was zum Götzendienst gehört, aus dem
Heiligtum fort!
2Chr 29,6 Unsere Väter haben dem Herrn die Treue gebrochen und ihn verlassen.
Sie taten, was der Herr, unser Gott, verabscheute. Auch von seinem Tempel
wollten sie nichts mehr wissen.
2Chr 29,7 Die Türen der Vorhalle schlossen sie ab, und die Lampen löschten sie
aus. Niemand verbrannte noch Weihrauch für den Gott Israels, niemand brachte ihm
im Heiligtum Brandopfer dar.
2Chr 29,8 Darum wurde der Herr zornig über Juda und Jerusalem. Ihr habt ja
selbst erlebt, wie er unser Volk zum Bild des Schreckens gemacht hat; zum
Gespött aller Völker sind wir geworden.
2Chr 29,9 Darum also sind unsere Väter im Krieg gefallen, darum wurden unsere
Frauen und Kinder verschleppt.
2Chr 29,10 Es liegt mir am Herzen, mit dem Herrn, dem Gott Israels, einen Bund
zu schließen, damit sich sein Zorn wieder von uns abwendet.
2Chr 29,11 Macht euch also schnell an die Arbeit! Denn euch hat der Herr zu
einer besonderen Aufgabe berufen: In seinem Tempel sollt ihr ihm dienen und für
ihn Weihrauch verbrennen.«
2Chr 29,12 Da traten folgende Leviten vor: Von den Nachkommen Kehats: Mahat, der
Sohn Amasais, und Joel, der Sohn Asarjas; von den Nachkommen Meraris: Kisch, der
Sohn Abdis, und Asarja, der Sohn Jehallelels; von den Nachkommen Gerschons:
Joach, der Sohn Simmas, und Eden, der Sohn Joachs;
2Chr 29,13 von den Nachkommen Elizafans: Schimri und Jeïël; von den Nachkommen
Asafs: Secharja und Mattanja;
2Chr 29,14 von den Nachkommen Hemans: Jehiël und Schimi; von den Nachkommen
Jedutuns: Schemaja und Usiël.
2Chr 29,15 Sie riefen die übrigen Leviten zusammen und reinigten sich für den
Tempeldienst. Dann gingen sie daran, den Befehl des Königs auszuführen und den
Tempel zu reinigen. Dabei hielten sie sich genau an die Weisungen des Herrn.
2Chr 29,16 Die Priester gingen in den Tempel und trugen alles, was zum
Götzendienst gehörte, in den Vorhof hinaus. Die Leviten nahmen die Gegenstände
und brachten sie aus der Stadt weg ins Kidrontal.
2Chr 29,17 Am 1. Tag des 1. Monats hatten sie mit der Tempelreinigung begonnen,
und nach einer Woche waren sie in der Vorhalle angelangt. Danach brauchten sie
noch eine Woche, um den ganzen Tempel neu zu weihen. Schließlich, am 16. Tag des
1. Monats, waren sie mit der Arbeit fertig.
2Chr 29,18 Sie gingen zu König Hiskia und sagten zu ihm: »Wir haben den ganzen
Tempel des Herrn gereinigt, auch den Brandopferaltar, den Tisch für die Gott
geweihten Brote und alles, was dazugehört.
2Chr 29,19 Die Gegenstände, die König Ahas durch seinen Götzendienst entweiht
hat, haben wir wiederhergerichtet und neu dem Herrn geweiht. Sie stehen vor dem
Altar des Herrn.«
2Chr 29,20 Am nächsten Morgen ließ König Hiskia alle führenden Männer der Stadt
zu sich rufen und ging gemeinsam mit ihnen zum Tempel des Herrn.
2Chr 29,21 Sieben junge Stiere, sieben Schafböcke und sieben Schafe wurden für
das Brandopfer herbeigeführt, dazu sieben Ziegenböcke als Sündopfer für das
Königshaus, für das Heiligtum und für ganz Juda. Hiskia befahl den Priestern,
den Nachkommen Aarons, die Tiere auf dem Altar des Herrn als Opfer darzubringen.
2Chr 29,22 Zuerst wurden die Rinder geschlachtet. Die Priester fingen das Blut
auf und sprengten es an den Altar. Danach schlachtete man die Schafböcke, und
wieder sprengten die Priester das Blut an den Altar; ebenso taten sie es mit dem
Blut der Schafe.
2Chr 29,23 Zuletzt wurden die Ziegenböcke für das Sündopfer vor den König und
die versammelte Gemeinde gebracht. Alle legten ihre Hände auf die Köpfe der
Tiere,
2Chr 29,24 dann schlachteten die Priester die Böcke und sprengten ihr Blut als
Sündopfer an den Altar, um für Israel Vergebung zu erwirken. Denn der König
hatte befohlen, die Brandopfer und das Sündopfer für ganz Israel darzubringen.
2Chr 29,25 Hiskia forderte die Leviten auf, wieder mit Zimbeln, Harfen und
Lauten im Tempel des Herrn zu spielen. So hatten es damals König David und seine
Propheten Gad und Nathan auf Befehl des Herrn angeordnet.
2Chr 29,26 Die Leviten stellten sich mit den Instrumenten auf, die David hatte
bauen lassen, und die Priester kamen mit ihren Trompeten dazu.
2Chr 29,27 Dann befahl Hiskia, das Brandopfer auf dem Altar darzubringen. Als
die Priester mit dem Opfer begannen, stimmten die Leviten ein Loblied für den
Herrn an. Sie wurden begleitet von den Trompeten und den Instrumenten aus der
Zeit Davids, des Königs von Israel.
2Chr 29,28 Alle Versammelten beteten den Herrn an, die Leviten sangen, und die
Priester bliesen die Trompeten, solange das Opfer dauerte.
2Chr 29,29 Danach knieten Hiskia und alle Versammelten nieder und beteten den
Herrn an.
2Chr 29,30 Der König und die führenden Männer baten die Leviten, einige der
Psalmen zu singen, die David und der Prophet Asaf gedichtet hatten. Die Leviten
sangen die Loblieder mit großer Freude. Sie verneigten sich und beteten den
Herrn an.
2Chr 29,31 Schließlich ergriff Hiskia wieder das Wort. Er sprach zur
versammelten Gemeinde: »Ihr habt euch heute dem Herrn geweiht! Nun kommt und
bringt eure Gaben, die ihr für die Schlacht- und Dankopfer zum Tempel des Herrn
mitgenommen habt!« Da kamen alle mit ihren Opfergaben nach vorne, und wer
besonders viel geben wollte, der brachte noch Gaben für ein Brandopfer.
2Chr 29,32 So kamen 70 Rinder, 100 Schafböcke und 200 Schafe für das Brandopfer
zusammen.
2Chr 29,33 Dazu wurden 600 Rinder und 3000 Schafe als heilige Gaben für den
Tempel gestiftet.
2Chr 29,34 Doch es waren nicht genug Priester da, um die vielen Opfertiere zu
häuten. Deshalb halfen ihnen die Leviten, bis die Arbeit getan war und bis die
übrigen Priester sich für ihren Dienst gereinigt hatten. Die Leviten hatten sich
mehr als die Priester darum bemüht, wieder möglichst rasch für ihre Aufgaben im
Tempel bereit zu sein.
2Chr 29,35 Zusätzlich zu den Tieren, die ganz geopfert wurden, verbrannten die
Priester das Fett von Tieren, die das Volk aß. Dazu brachten sie Wein als
Trankopfer dar. So wurde der Dienst im Tempel des Herrn wieder aufgenommen.
2Chr 29,36 König Hiskia und das ganze Volk freuten sich darüber, dass Gott ihnen
geholfen hatte und dass es so schnell geschehen war.
2Chr 30,1 Hiskia sandte Boten durch ganz Israel und Juda. Sie sollten das Volk
zum Tempel nach Jerusalem einladen, um für den Herrn, den Gott Israels, das
Passahfest zu feiern. Auch den Bewohnern von Ephraim und Manasse schickte er
Boten mit einer Einladung.
2Chr 30,2 Der König, seine Beamten und die Versammelten in Jerusalem hatten
beschlossen, das Fest im 2. Monat zu feiern.
2Chr 30,3 Normalerweise fand es im 1. Monat statt. Aber bis dahin hatten sich
noch nicht alle Priester für den Dienst im Heiligtum gereinigt. Auch konnte das
Volk nicht in so kurzer Zeit nach Jerusalem kommen.
2Chr 30,4 Darum waren der König und die Anwesenden damit einverstanden, das
Passahfest zu verschieben.
2Chr 30,5 Sie beschlossen, alle Israeliten von Beerscheba im Süden bis Dan im
Norden einzuladen. Sie sollten nach Jerusalem kommen, um das Passahfest für den
Herrn, den Gott Israels, zu feiern. Denn so, wie es im Gesetz des Mose
vorgeschrieben war, hatte man es schon lange nicht mehr begangen.
2Chr 30,6 Die Boten zogen mit den Briefen des Königs und seiner Beamten durch
ganz Israel und Juda. Wie der König es ihnen aufgetragen hatte, riefen sie den
Menschen zu: »Ihr Israeliten habt den Krieg mit Assyrien überlebt. Kehrt um zum
Herrn, dem Gott Abrahams, Isaaks und Israels! Dann wird er sich auch euch wieder
zuwenden.
2Chr 30,7 Werdet dem Herrn, dem Gott eurer Vorfahren, nicht untreu wie eure
Väter und Brüder. Ihr habt es selbst erlebt, wie er sie dafür bestrafte, so dass
alle Völker ringsum entsetzt waren.
2Chr 30,8 Seid nicht so stur wie eure Väter! Unterwerft euch dem Herrn, und
kommt zu seinem Tempel, den er sich für alle Zeiten zum Heiligtum erwählt hat!
Dient wieder dem Herrn, eurem Gott, damit sein Zorn sich von euch abwendet!
2Chr 30,9 Wenn ihr jetzt zu ihm kommt, dann wird er sich auch über eure Brüder
und Kinder erbarmen, die verschleppt worden sind. Die Assyrer werden sie
freigeben und in dieses Land zurückkehren lassen. Denn der Herr, euer Gott, ist
gütig und barmherzig. Er wird sich nicht von euch abwenden, wenn ihr zu ihm
kommt!«
2Chr 30,10 Die Boten zogen von einer Stadt zur anderen durch die Gebiete von
Ephraim und Manasse bis nach Sebulon. Aber die Menschen dort lachten sie nur aus
und verspotteten sie.
2Chr 30,11 Nur einige Männer aus den Stämmen Asser, Manasse und Sebulon ließen
sich aufrütteln und kamen nach Jerusalem.
2Chr 30,12 Zu den Bewohnern von Juda redete Gott so eindringlich, dass sie
einmütig der Bitte folgten, die der König und seine Beamten im Auftrag Gottes
ausgesprochen hatten.
2Chr 30,13 Im 2. Monat kamen sehr viele Menschen nach Jerusalem, um das Fest der
ungesäuerten Brote zu feiern.
2Chr 30,14 Sie beseitigten alle Götzenaltäre, die noch in Jerusalem standen.
Auch die kleinen Altäre für die Räucheropfer entfernten sie und warfen alles ins
Kidrontal.
2Chr 30,15 Am 14. Tag des 2. Monats wurden die Passahlämmer geschlachtet.
Diesmal hatten die Priester und Leviten sich rechtzeitig für den Dienst im
Heiligtum gereinigt. Sie schämten sich, dass sie bisher so nachlässig gewesen
waren. So konnten sie nun die Brandopfer im Tempel des Herrn darbringen.
2Chr 30,16 Sie stellten sich so auf, wie es im Gesetz des Mose, des Mannes
Gottes, vorgeschrieben war. Die Priester sprengten das Opferblut, das die
Leviten ihnen brachten, an den Altar.
2Chr 30,17 Viele Festbesucher aber hatten sich nicht nach der Vorschrift
gereinigt. Die Leviten schlachteten die Passahlämmer für sie, damit ihre Opfer
dem Herrn geweiht werden konnten.
2Chr 30,18 Vor allem viele aus den Stämmen Ephraim, Manasse, Sebulon und
Issaschar hatten sich nicht richtig gereinigt und aßen das Passahlamm nicht so,
wie es im Gesetz vorgeschrieben ist. Doch Hiskia bat Gott für sie: »Herr, vergib
in deiner Güte jedem,
2Chr 30,19 der von ganzem Herzen mit dir, dem Gott seiner Vorfahren, leben will.
Vergib ihnen, auch wenn sie sich nicht so gereinigt haben, wie es für dein
Heiligtum angemessen wäre!«
2Chr 30,20 Der Herr erhörte das Gebet Hiskias und vergab ihnen.
2Chr 30,21 Sieben Tage lang feierten die Israeliten, die nach Jerusalem gekommen
waren, mit großer Freude das Fest der ungesäuerten Brote. Tag für Tag lobten die
Leviten und die Priester laut den Herrn mit ihren Instrumenten.
2Chr 30,22 König Hiskia dankte den Leviten dafür, dass sie mit so viel Einsicht
den Dienst für den Herrn verrichtet hatten. Die ganze Woche lang brachten die
Israeliten dem Herrn Opfer dar und aßen gemeinsam die Opfermahlzeiten. Sie
lobten den Herrn, den Gott ihrer Vorfahren.
2Chr 30,23 Als die sieben Tage zu Ende gingen, beschloss die ganze Versammlung,
das Fest um eine Woche zu verlängern. Voller Freude feierten sie weitere sieben
Tage.
2Chr 30,24 König Hiskia von Juda schenkte der Volksmenge 1000 Stiere und 7000
Schafe, und die höchsten Beamten gaben 1000 Rinder und 10000 Schafe. Inzwischen
hatten sich sehr viele Priester für ihren Dienst gereinigt.
2Chr 30,25 Alle, die gekommen waren, freuten sich, das Fest zu feiern: die
Bewohner von Juda, die Priester und Leviten, die Israeliten und die Ausländer,
die in Israel oder Juda lebten.
2Chr 30,26 In Jerusalem herrschte so große Freude wie seit der Zeit König
Salomos, des Sohnes Davids, nicht mehr.
2Chr 30,27 Zum Schluss des Festes standen die Priester aus dem Stamm Levi auf
und baten den Herrn um seinen Segen für das Volk. Gott im Himmel hörte ihr Gebet
und gab ihnen, worum sie baten.
2Chr 31,1 Nach dem Fest zogen alle versammelten Israeliten in die judäischen
Städte und zerstörten die heidnischen Höhenheiligtümer. Sie zerschlugen die
Steinmale, die anderen Göttern geweiht waren, warfen die heiligen Pfähle um und
rissen die Götzenaltäre nieder. Sie ruhten nicht eher, bis sie ihr Werk in ganz
Juda und Benjamin und in den Gebieten von Ephraim und Manasse vollendet hatten.
Dann erst kehrten alle Israeliten nach Hause zurück.
2Chr 31,2 Hiskia teilte die Priester und Leviten wieder in Dienstgruppen ein, so
wie es früher gewesen war. Zu ihren Aufgaben gehörte das Darbringen der Brand-
und Dankopfer, verschiedene Dienste im Tempel, Loblieder und Musik.
2Chr 31,3 Die Opfertiere, die der König aus seinem Besitz stiftete, waren für
die Brandopfer bestimmt, die nach dem Gesetz des Herrn jeden Morgen und Abend,
an den Sabbaten, Neumondfesten und anderen Feiertagen im Tempel des Herrn
dargebracht wurden.
2Chr 31,4 Hiskia forderte die Einwohner von Jerusalem dazu auf, den Priestern
und Leviten Abgaben zu bezahlen, damit sie für den Tempeldienst frei waren, wie
es das Gesetz des Herrn verlangte.
2Chr 31,5 Als der Aufruf des Königs bekannt wurde, brachten die Israeliten große
Mengen von bestem Getreide, Most, Öl, Honig und was sonst noch auf ihren Feldern
wuchs. Ein Zehntel ihrer ganzen Ernte brachten sie zum Tempel.
2Chr 31,6 Auch die Einwohner der anderen Städte Judas einschließlich der
Israeliten, die dort wohnten, lieferten ein Zehntel ihres Ertrags ab. Sie
brachten Rinder, Schafe und andere Gaben, die sie dem Herrn, ihrem Gott, geweiht
hatten. Die Gaben wurden auf große Stapel gelegt, einer neben dem anderen.
2Chr 31,7 Im 3. Monat hatte man mit der Sammlung begonnen, und im 7. Monat war
sie beendet.
2Chr 31,8 Als König Hiskia und seine obersten Beamten sahen, wie viel
zusammengekommen war, lobten sie den Herrn und dankten dem Volk dafür.
2Chr 31,9 Hiskia erkundigte sich bei den Priestern und Leviten, ob sie mit
diesen Gaben auskommen konnten.
2Chr 31,10 Da antwortete der Hohepriester Asarja aus der Sippe Zadok: »Seit die
Menschen ihre Gaben hierher bringen, haben wir immer reichlich zu essen, und
trotzdem blieb noch vieles übrig. Denn der Herr hat sein Volk so reich
beschenkt, dass alles, was ihr hier seht, noch übrig ist.«
2Chr 31,11 Da befahl Hiskia, die Kammern im Tempel als Vorratskammern
herzurichten.
2Chr 31,12 Die freiwilligen Gaben, der zehnte Teil der Ernte und die dem Herrn
geweihten Geschenke wurden sorgfältig in den Kammern verstaut. Der Levit Konanja
wurde zum Aufseher über diese Vorräte ernannt, sein Bruder Schimi zu seinem
Stellvertreter.
2Chr 31,13 König Hiskia und der Hohepriester Asarja, der die Verantwortung für
den ganzen Tempelbezirk hatte, wählten einige Helfer für Konanja und Schimi aus.
Sie hießen Jehiël, Asasja, Nahat, Asaël, Jerimot, Josabad, Eliël, Jismachja,
Mahat und Benaja.
2Chr 31,14 Der Levit Kore, ein Sohn Jimnas, war Wächter am Osttor und nahm die
freiwilligen Gaben für Gott entgegen. Er war dafür verantwortlich, dass die
Priester ihren Anteil an diesen Gaben erhielten. Außerdem sorgte er für die
gerechte Verteilung des heiligen Opferfleischs, das nur die Priester essen
durften.
2Chr 31,15 Ihm unterstellt waren Eden, Minjamin, Jeschua, Schemaja, Amarja und
Schechanja. Ihre Aufgabe war es, auch den Priestern in den judäischen
Levitenstädten ihren Anteil zu geben. Gewissenhaft sorgten sie dafür, dass alle
Priester in den verschiedenen Dienstgruppen ihren Anteil bekamen, die jungen wie
die alten.
2Chr 31,16 Wer mit seiner Dienstgruppe die täglichen Arbeiten im Tempel des
Herrn versah, erhielt seinen Anteil direkt in Jerusalem. Alle männlichen Leviten
ab drei Jahren waren in Listen eingetragen.
2Chr 31,17 Die Priester wurden nach Sippen geordnet aufgeführt, die übrigen
Leviten nach den Aufgaben, die sie in den Dienstgruppen versahen, sobald sie
zwanzig Jahre und älter waren.
2Chr 31,18 Auch die Familienmitglieder standen in den Listen, die Frauen, die
kleinen Kinder und die älteren Söhne und Töchter. Weil die Männer am Heiligtum
dienten, galten ihre Angehörigen auch als dem Herrn Geweihte.
2Chr 31,19 Auch diejenigen Priester wurden versorgt, die außerhalb der Städte in
den Weidegebieten wohnten, die sie als Nachkommen Aarons zugeteilt bekommen
hatten: Für jede Stadt waren Männer ausgewählt worden, die den männlichen
Mitgliedern der Priesterfamilien und allen im Verzeichnis aufgeschriebenen
Leviten ihre Anteile brachten.
2Chr 31,20 Hiskia sorgte dafür, dass es in ganz Juda so geschah. Er lebte so,
wie es dem Herrn gefiel, denn er regierte gerecht und blieb dem Herrn, seinem
Gott, treu.
2Chr 31,21 Bei allem, was er tat, um den Tempeldienst zu ordnen und dem Gesetz
wieder Geltung zu verschaffen, fragte er nach dem Willen des Herrn, seines
Gottes, und diente ihm von ganzem Herzen. Darum schenkte der Herr ihm Erfolg.
2Chr 32,1 Mit allem, was Hiskia getan hatte, zeigte er seine Treue zum Herrn.
Einige Zeit später fiel König Sanherib von Assyrien mit seinem Heer in Juda ein
und belagerte die befestigten Städte, um sie zu erobern.
2Chr 32,2 Als Hiskia hörte, dass Sanherib mit seinem Heer auf Jerusalem
zumarschierte,
2Chr 32,3 beriet er sich mit den obersten Beamten und Heerführern. Er schlug
vor, alle Quellen außerhalb der Stadt zuzuschütten. Die Berater waren
einverstanden
2Chr 32,4 und sagten: »Die Assyrer sollen kein Wasser finden, wenn sie uns
belagern.« Sie riefen viele Menschen aus dem Volk zusammen, schütteten alle
Quellen zu und versperrten den Zugang zur unterirdischen Wasserleitung, durch
die das Wasser in die Stadt floss.
2Chr 32,5 Entschlossen ging Hiskia daran, die eingestürzten Stellen der
Stadtmauer wieder aufzubauen und ihre Türme zu vergrößern. Außen ließ er eine
zweite Mauer um die Stadt ziehen und verstärkte die Befestigungsanlagen in der
»Stadt Davids«, einem Stadtteil Jerusalems. Außerdem ließ er viele Wurfgeschosse
und Schilde anfertigen.
2Chr 32,6 Er setzte Hauptleute ein, die im Falle einer Belagerung Befehlsgewalt
über die Einwohner Jerusalems hatten. Dann ließ Hiskia das Volk zu einer
Versammlung auf den Platz beim Stadttor rufen, um ihnen Mut zuzusprechen. Er
sagte:
2Chr 32,7 »Seid mutig und entschlossen! Lasst euch nicht einschüchtern vom
assyrischen König und seinem großen Heer! Denn auf unserer Seite steht einer,
der viel mächtiger ist als er.
2Chr 32,8 Für den König von Assyrien kämpfen nur Menschen. Wir aber haben den
Herrn, unseren Gott, auf unserer Seite! Er will uns helfen, er wird für uns
kämpfen!« Das Volk vertraute seinem König und fasste neuen Mut.
2Chr 32,9 Sanherib, der König von Assyrien, stand mit seinem ganzen Heer vor
Lachisch. Von dort schickte er eine Gesandtschaft zu König Hiskia von Juda und
den Einwohnern Jerusalems. Sie sollten ihnen folgende Botschaft ausrichten:
2Chr 32,10 »Sanherib, der König von Assyrien, lässt euch sagen: Worauf vertraut
ihr eigentlich, dass ihr bei einer Belagerung in Jerusalem bleiben wollt?
2Chr 32,11 Lasst euch von Hiskia nichts vormachen! Er führt euch mit seinen
Versprechungen geradewegs in den Tod. Er redet euch ein: ›Der Herr, unser Gott,
wird uns vor den Assyrern retten.‹ Er lügt! Verhungern und verdursten lassen
wird euch euer König!
2Chr 32,12 Hat Hiskia nicht alle Opferstätten und Altäre dieses Gottes
niedergerissen? Er hat euch doch befohlen, euch nur noch vor dem einen Altar in
Jerusalem niederzuwerfen und nur dort eure Räucheropfer darzubringen!
2Chr 32,13 Wisst ihr denn nicht, wie ich und meine Vorgänger die anderen
Königreiche unterworfen haben? Konnten etwa ihre Götter sie vor mir retten?
2Chr 32,14 Nennt mir doch einen Gott, der sein Volk vor unseren Angriffen
schützen konnte! Wir haben sie alle ausgemerzt! Und ihr meint, dass ausgerechnet
euer Gott euch vor mir retten kann?
2Chr 32,15 Glaubt Hiskia kein Wort, lasst euch von ihm nicht an der Nase
herumführen! Noch nie konnte irgendein Gott sein Volk vor mir oder meinen
Vorgängern retten. Da kann auch euer Gott nichts ausrichten!«
2Chr 32,16 So lästerten die Gesandten Sanheribs immer weiter über Gott, den
Herrn, und seinen Diener Hiskia.
2Chr 32,17 Sanherib hatte den Boten auch einen Brief mitgegeben, in dem er sich
über den Herrn, den Gott Israels, lustig machte und prahlte: »Die Götter der
anderen Königreiche konnten ihre Völker nicht vor mir schützen - also wird auch
der Gott Hiskias sein Volk nicht vor mir retten können!«
2Chr 32,18 Die Gesandten Sanheribs riefen mit lauter Stimme auf Hebräisch den
Einwohnern Jerusalems, die auf der Stadtmauer standen, ihre Botschaft zu. Sie
wollten ihnen Angst einjagen und sie einschüchtern, um die Stadt leichter
einnehmen zu können.
2Chr 32,19 Sie verspotteten den Gott Jerusalems genauso wie die Götter der
anderen Völker, die doch nur von Menschen gemacht sind.
2Chr 32,20 König Hiskia und der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, schrien zu
Gott um Hilfe.
2Chr 32,21 Da schickte der Herr einen Engel ins Lager der Assyrer, der alle
guten Soldaten, Offiziere und obersten Befehlshaber tötete. So musste Sanherib
mit Schimpf und Schande in sein Land zurückkehren. Als er dort eines Tages in
den Tempel seines Gottes ging, erstachen ihn seine eigenen Söhne mit dem
Schwert.
2Chr 32,22 So rettete der Herr König Hiskia und die Einwohner Jerusalems vor
Sanherib, dem König von Assyrien. Auch vor den Angriffen anderer Völker bewahrte
er sie und schenkte ihnen ringsum Frieden.
2Chr 32,23 Viele Menschen kamen nach Jerusalem, um dem Herrn Opfergaben zu
bringen und um Hiskia, dem König von Juda, kostbare Geschenke zu überreichen.
Seit der Vernichtung der Assyrer genoss Hiskia in den Augen aller Völker hohes
Ansehen.
2Chr 32,24 In dieser Zeit wurde Hiskia todkrank. Er betete zum Herrn, der Herr
erhörte sein Gebet und bestätigte ihm dies durch ein Zeichen.
2Chr 32,25 Doch Hiskia wurde hochmütig und dankte dem Herrn nicht für seine
Heilung. Da wurde der Herr zornig auf ihn und auf ganz Jerusalem und Juda.
2Chr 32,26 Hiskia bereute seinen Stolz. Er und die Einwohner Jerusalems
bekannten dem Herrn ihre Schuld. Darum traf die Strafe des Herrn noch nicht zu
Lebzeiten Hiskias ein.
2Chr 32,27 Hiskia war sehr reich und berühmt. Er baute Schatzkammern für sein
Silber und Gold, für die Edelsteine und kostbaren Balsamöle, für die Schilde und
alle übrigen wertvollen Gegenstände.
2Chr 32,28 Zum Lagern von Getreide, Most und Öl ließ er Vorratsscheunen
errichten. Er besaß große Viehherden und viele Stallungen.
2Chr 32,29 Ständig mehrte er seinen Besitz an Rindern, Schafen und Ziegen und
gründete immer wieder neue Städte. Denn Gott hatte ihm großen Reichtum
geschenkt.
2Chr 32,30 Hiskia ließ die Gihonquelle abdecken und ihr Wasser unterirdisch in
westlicher Richtung zur »Stadt Davids« leiten. Alles, was er unternahm, gelang
ihm.
2Chr 32,31 Eines Tages kamen Gesandte aus Babylon zu ihm. Sie sollten sich nach
dem Wunder erkundigen, das in seinem Land geschehen war. Gott ließ Hiskia tun,
was er für richtig hielt. Er wollte prüfen, wie es in seinem Herzen aussah.
2Chr 32,32 Alles Weitere über Hiskias Leben und seine Taten, an denen sich seine
Treue zu Gott zeigte, steht im Buch über die Visionen des Propheten Jesaja, des
Sohnes von Amoz, und in der Chronik der Könige von Juda und Israel.
2Chr 32,33 Als er starb, wurde er an einem erhöhten Platz bei den Gräbern der
Nachkommen Davids beigesetzt. Die Bewohner von Jerusalem und ganz Juda erwiesen
ihm die letzte Ehre. Sein Sohn Manasse trat die Nachfolge an.
2Chr 33,1 Manasse wurde mit 12 Jahren König und regierte fünfundfünfzig Jahre in
Jerusalem.
2Chr 33,2 Er tat, was der Herr verabscheute, und übernahm die schrecklichen
Bräuche der Völker, die der Herr aus dem Land vertrieben hatte, um es seinem
Volk Israel zu geben.
2Chr 33,3 Er baute die Höhenheiligtümer wieder auf, die sein Vater Hiskia
zerstört hatte. Er errichtete Altäre für den Gott Baal und stellte heilige
Pfähle auf. Er betete die Sterne an und verehrte sie.
2Chr 33,4 Sogar im Tempel des Herrn stellte er seine Altäre auf, obwohl der Herr
über diesen Ort gesagt hatte: »Hier in Jerusalem will ich für immer wohnen.«
2Chr 33,5 Manasse aber errichtete in beiden Vorhöfen des Tempels Altäre, um
darauf den Sternen zu opfern.
2Chr 33,6 Er verbrannte seine Söhne im Hinnomtal als Opfer, trieb Zauberei,
Wahrsagerei und Magie und ließ sich von Totenbeschwörern und Hellsehern die
Zukunft voraussagen. So tat er vieles, was der Herr verabscheute, und forderte
seinen Zorn heraus.
2Chr 33,7 Er ließ eine Götzenstatue anfertigen und stellte sie im Tempel auf.
Dabei hatte Gott zu David und seinem Sohn Salomo gesagt: »In diesem Tempel und
in Jerusalem, der Stadt, die ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe, will
ich für immer wohnen.
2Chr 33,8 Ich will die Israeliten nicht mehr aus dem Land vertreiben, das ich
ihren Vorfahren gegeben habe, wenn sie nur auf mich hören und das Gesetz mit
seinen Geboten und Weisungen befolgen, das ich ihnen durch Mose gegeben habe.«
2Chr 33,9 Doch Manasse verführte Jerusalem und ganz Juda zum Bösen. Schließlich
trieben sie es schlimmer als die Völker, die der Herr ausgerottet hatte, bevor
er das Land den Israeliten gab.
2Chr 33,10 Der Herr warnte Manasse und sein Volk, aber niemand hörte darauf.
2Chr 33,11 Darum ließ der Herr zu, dass die Heerführer des assyrischen Königs
mit ihren Truppen Juda eroberten. Sie nahmen Manasse gefangen, legten ihn in
Ketten und brachten ihn nach Babylon.
2Chr 33,12 In seiner Not flehte Manasse zum Herrn, seinem Gott, beugte sich
unter die Macht des Gottes seiner Vorfahren
2Chr 33,13 und bat ihn um Hilfe. Gott erhörte sein Rufen und ließ ihn nach
Jerusalem zurückkehren, wo er wieder als König regierte. Da erkannte Manasse,
dass der Herr der wahre Gott ist.
2Chr 33,14 Nach seiner Heimkehr ließ Manasse eine zweite, sehr hohe Mauer um die
»Stadt Davids« ziehen. Sie führte westlich an der Gihonquelle vorbei durch das
Kidrontal bis zum Fischtor und um den Tempelberg herum. In allen befestigten
Städten Judas setzte er Befehlshaber ein.
2Chr 33,15 Er beseitigte alle Götterfiguren und auch die Götzenstatue aus dem
Tempel des Herrn. Die Altäre, die er auf dem Tempelberg und in Jerusalem
aufgestellt hatte, zerstörte er und ließ sie vor die Stadt hinauswerfen.
2Chr 33,16 Er baute den Altar des Herrn wieder auf, brachte auf ihm Dankopfer
dar und forderte ganz Juda auf, nur noch dem Herrn, dem Gott Israels, zu dienen.
2Chr 33,17 Zwar opferte das Volk immer noch in den Höhenheiligtümern, aber ihre
Opfer galten nun allein dem Herrn, ihrem Gott.
2Chr 33,18 Alles Weitere über Manasses Leben steht in der Chronik der Könige von
Israel. Dort kann man nachlesen, wie er zu seinem Gott betete und wie die
Propheten ihn im Auftrag des Herrn, des Gottes Israels, warnten.
2Chr 33,19 Auch in den Schriften Hosaïs wird von Manasses Gebet erzählt und wie
Gott es erhörte. Dort steht, wie er Gott untreu geworden war und wie viel Schuld
er auf sich geladen hatte. Außerdem findet sich darin ein Verzeichnis der Orte,
wo er Höhenheiligtümer, heilige Pfähle und Götzenstatuen errichten ließ.
2Chr 33,20 Als Manasse starb, wurde er auf dem Gelände seines Palasts begraben.
Sein Sohn Amon wurde zum Nachfolger bestimmt.
2Chr 33,21 Amon wurde mit 22 Jahren König und regierte zwei Jahre in Jerusalem.
2Chr 33,22 Wie sein Vater Manasse tat auch Amon, was der Herr verabscheute. Er
brachte denselben Götzen Opfer dar, die schon Manasse verehrt hatte, und diente
ihnen.
2Chr 33,23 Doch anders als Manasse bereute er nicht, was er getan hatte, und
kehrte nicht zum Herrn zurück, sondern lud immer mehr Schuld auf sich.
2Chr 33,24 Einige seiner Hofbeamten verschworen sich gegen ihn und ermordeten
ihn in seinem Palast.
2Chr 33,25 Doch das Volk brachte alle Verschwörer um und setzte Amons Sohn Josia
als Nachfolger ein.
2Chr 34,1 Josia wurde mit 8 Jahren König und regierte einunddreißig Jahre in
Jerusalem.
2Chr 34,2 Er tat, was dem Herrn gefiel, und folgte dem guten Beispiel seines
Vorfahren David. Er ließ sich durch nichts davon abbringen.
2Chr 34,3 In seinem 8. Regierungsjahr, als er noch sehr jung war, begann er nach
dem Gott seines Vorfahren David zu fragen. In seinem 12. Regierungsjahr fing er
an, die Höhenheiligtümer, die heiligen Pfähle und alle geschnitzten und
gegossenen Götzenfiguren aus Jerusalem und ganz Juda zu beseitigen.
2Chr 34,4 Unter Josias Aufsicht wurden die Altäre des Götzen Baal
niedergerissen. Die Säulen, auf denen Räucheropfer dargebracht wurden, ließ er
umwerfen. Man zerschlug die heiligen Pfähle und die geschnitzten oder gegossenen
Götzenfiguren, zermalmte sie zu Staub und streute sie auf die Gräber der
Menschen, die zu Lebzeiten diesen Götzen Opfer dargebracht hatten.
2Chr 34,5 Die Gebeine der Götzenpriester verbrannte Josia auf den Altären, wo
sie früher ihre Götzenopfer verbrannt hatten. So setzte Josia in Juda und
Jerusalem dem Götzendienst ein Ende.
2Chr 34,6 [6/7] Aber auch in den Städten der Gebiete von Manasse, Ephraim,
Simeon und Naftali zerstörte er die Altäre und die Plätze, auf denen sie
errichtet waren. Er ließ die heiligen Pfähle und Götzenstatuen in Stücke hauen
und zermalmen. In ganz Israel riss er die Räucheropferaltäre nieder. Dann kehrte
er nach Jerusalem zurück.
2Chr 34,8 In seinem 18. Regierungsjahr, als Josia immer noch das Land und den
Tempel vom Götzendienst reinigte, wollte er den Tempel des Herrn, seines Gottes,
ausbessern lassen. Er schickte drei Männer in den Tempel: Schafan, den Sohn
Azaljas, den Stadtobersten Maaseja und den königlichen Berater Joach, den Sohn
des Joahas.
2Chr 34,9 Die drei gingen zum Hohenpriester Hilkija und überreichten ihm das
Geld, das im Tempel abgegeben worden war. Die Bewohner von Jerusalem, Juda,
Benjamin, Ephraim, Manasse und den übrigen Stammesgebieten Nordisraels hatten
das Geld den Leviten gegeben, die den Tempeleingang bewachten.
2Chr 34,10 Dieses Geld wurde nun den Bauführern ausgehändigt, die für die
Arbeiten im Tempel des Herrn verantwortlich waren. Sie bezahlten damit die
Handwerker, die im Tempel die Schäden ausbesserten.
2Chr 34,11 Die Handwerker kauften damit auch Bausteine und Holz für die Balken.
Alle Gebäudeteile mussten nämlich mit neuen Balken ausgestattet werden, weil die
Könige von Juda sie hatten verfallen lassen.
2Chr 34,12 Die Handwerker arbeiteten sehr gewissenhaft. Als Aufseher wurden die
Leviten Jahat und Obadja von der Sippe Merari sowie Secharja und Meschullam von
der Sippe Kehat eingesetzt. Alle Leviten, die Musikinstrumente spielten,
2Chr 34,13 hatten die Aufsicht über die Lastträger und über alle anderen
Handwerker. Andere Leviten arbeiteten als Schreiber, Verwalter oder Torwächter.
2Chr 34,14 Als man das Geld holte, das zum Tempel des Herrn gebracht worden war,
fand der Priester Hilkija eine Buchrolle mit dem Gesetz, das der Herr durch Mose
hatte verkünden lassen.
2Chr 34,15 Hilkija gab es dem Hofsekretär Schafan und sagte: »Dieses Gesetzbuch
habe ich im Tempel des Herrn gefunden.«
2Chr 34,16 Schafan nahm es mit zum König und berichtete ihm: »Die Männer sind
bei der Arbeit; sie führen aus, was du ihnen aufgetragen hast.
2Chr 34,17 Die Leviten haben den Opferkasten beim Altar geleert und das Geld den
Bauführern und Handwerkern ausgehändigt.«
2Chr 34,18 Dann berichtete er von dem Buch, das der Hohepriester Hilkija ihm
gegeben hatte, und las dem König daraus vor.
2Chr 34,19 Als der König hörte, was in dem Gesetz stand, zerriss er betroffen
sein Gewand.
2Chr 34,20 Er beauftragte Hilkija, den Hofsekretär Schafan und dessen Sohn
Ahikam sowie Achbor, den Sohn Michajas, und Asaja, seinen zuverlässigsten
Hofbeamten:
2Chr 34,21 »Geht und fragt den Herrn, was wir tun sollen. Denn weder ich noch
die Menschen, die in Israel und Juda übrig geblieben sind, haben getan, was in
dem Buch steht, das gefunden wurde. Darum also bekamen wir den Zorn des Herrn zu
spüren, denn schon unsere Väter haben nicht darauf gehört und die Weisungen des
Herrn, die in diesem Buch aufgeschrieben sind, nicht befolgt.«
2Chr 34,22 Da gingen Hilkija und die anderen Männer zu der Prophetin Hulda, um
mit ihr zu sprechen. Ihr Mann Schallum, ein Sohn Tokhats und Enkel Harhas, war
der Aufseher über die Kleiderkammer. Sie wohnte im neuen Stadtteil von
Jerusalem.
2Chr 34,23 [23/24] Hulda gab der Gesandtschaft eine Botschaft des Herrn für
König Josia. Sie sagte: »So spricht der Herr, der Gott Israels: ›Alle Flüche in
dem Buch, das dem König von Juda vorgelesen wurde, werden eintreffen! Das dort
angedrohte Unheil will ich über die Stadt und ihre Einwohner hereinbrechen
lassen.
2Chr 34,25 Denn sie haben mich verlassen und anderen Göttern ihre Räucheropfer
dargebracht. Mit ihrem Götzendienst haben sie mich herausgefordert. Mein Zorn
über diese Stadt ist wie ein Feuer, das nicht mehr erlöscht.
2Chr 34,26 Über den König von Juda sage ich, der Herr und Gott Israels: Du hast
nun meine Antwort gehört.
2Chr 34,27 Doch du hast dir meine Worte zu Herzen genommen und dich meiner Macht
gebeugt. Als du gehört hast, was ich über diese Stadt und ihre Einwohner gesagt
habe - dass ein Fluch sie treffen soll und jeden, der es sieht, das Entsetzen
packt -, da hast du betroffen dein Gewand zerrissen und bist in Tränen
ausgebrochen. Darum will ich dein Gebet erhören. Das verspreche ich, der Herr.
2Chr 34,28 Du sollst in Frieden sterben und im Grab der Königsfamilie beigesetzt
werden. Das Unheil, das ich über die Stadt und ihre Einwohner kommen lasse,
wirst du nicht mehr erleben.‹« Die Gesandten überbrachten diese Antwort dem
König.
2Chr 34,29 Danach ließ der König alle Ältesten von Jerusalem und aus dem ganzen
Land Juda zusammenrufen.
2Chr 34,30 Er ging zum Tempel des Herrn, wo sich eine große Volksmenge
versammelt hatte: Alle Männer von Juda waren gekommen, die Bevölkerung
Jerusalems, die Priester und Leviten, alle, vom Einfachsten bis zum Vornehmsten.
Vor dieser Versammlung wurde nun das ganze Bundesbuch vorgelesen, das im Tempel
des Herrn gefunden worden war.
2Chr 34,31 Der König stand an seinem Platz bei der Säule. Nach der Lesung des
Buches schloss er mit dem Herrn einen Bund und schwor: »Wir wollen wieder dem
Herrn gehorchen! Von ganzem Herzen wollen wir nach seinem Gesetz leben und seine
Gebote und Weisungen befolgen. Wir wollen alle Bundesbestimmungen einhalten, die
in diesem Buch aufgeschrieben sind.«
2Chr 34,32 Josia forderte das ganze Volk aus Jerusalem und Benjamin dazu auf,
sich diesem Versprechen anzuschließen. Von da an hielten die Einwohner
Jerusalems sich an den Bund, den sie mit dem Gott ihrer Vorfahren geschlossen
hatten.
2Chr 34,33 Josia ließ auch die restlichen Götzenfiguren aus allen Teilen des
Landes beseitigen. Alle Bewohner Israels ermahnte er, dem Herrn, ihrem Gott, zu
gehorchen. Solange Josia lebte, wandten sie sich nicht mehr vom Herrn, dem Gott
ihrer Vorfahren, ab.
2Chr 35,1 Am 14. Tag des 1. Monats ließ Josia in Jerusalem Lämmer schlachten, um
für den Herrn das Passahfest zu feiern.
2Chr 35,2 Er teilte den Priestern ihre Aufgaben zu und ermutigte sie zu ihrem
Dienst im Tempel des Herrn.
2Chr 35,3 Er sagte zu den Leviten, die ganz Israel im Gesetz unterrichteten und
zum Dienst für den Herrn geweiht waren: »Die Bundeslade hat ihren festen Platz
im Tempel, den König Salomo von Israel, der Sohn Davids, gebaut hat! Ihr braucht
sie nicht auf euren Schultern von einem Ort zum anderen zu tragen. Darum könnt
ihr euch hier im Tempel mit ganzer Kraft dem Dienst für den Herrn, euren Gott,
und für sein Volk Israel widmen!
2Chr 35,4 Stellt wieder die Dienstgruppen nach euren Sippen zusammen, wie König
David sie damals eingeteilt und sein Sohn Salomo sie später aufgeschrieben hat!
2Chr 35,5 Jede Dienstgruppe ist für eine bestimmte Anzahl von Sippen aus dem
Volk zuständig. Kommt zum Tempel,
2Chr 35,6 und reinigt euch für euren heiligen Dienst! Schlachtet für eure Brüder
aus dem Volk das Passahopfer, und bereitet es so zu, wie der Herr es uns durch
Mose aufgetragen hat!«
2Chr 35,7 Josia schenkte den Israeliten, die zum Fest gekommen waren, aus seinem
Besitz 30000 Lämmer und junge Ziegenböcke für das Passahopfer sowie 3000 Rinder
für andere Opfer.
2Chr 35,8 Auch seine Beamten spendeten Tiere für das Volk, für die Priester und
die Leviten. Hilkija, Secharja und Jehiël, die drei obersten Priester, gaben den
anderen Priestern 2600 Lämmer und junge Ziegenböcke für das Passahopfer sowie
300 Rinder.
2Chr 35,9 Auch die drei Brüder Konanja, Schemaja und Netanel sowie die Führer
der Leviten, Haschabja, Jeïël und Josabad, gaben den Leviten 5000 Jungtiere für
das Passahopfer und 500 Rinder.
2Chr 35,10 Als alle Aufgaben verteilt waren, stellten die Priester sich an ihre
Plätze, und die Leviten traten in den Dienstgruppen an, so wie Josia es befohlen
hatte.
2Chr 35,11 Die Leviten schlachteten die Passahlämmer und zogen ihnen die Haut
ab, während die Priester das Blut der Tiere, das sie von den Leviten
entgegennahmen, an den Altar sprengten.
2Chr 35,12 Die Teile, die für die Brandopfer bestimmt waren, legte man für die
Familien aus dem Volk beiseite, damit sie das Fleisch später dem Herrn als Opfer
darbringen konnten, wie es im Gesetz des Mose vorgeschrieben war. Ebenso machte
man es mit den Rindern.
2Chr 35,13 Die Passahlämmer wurden nach Vorschrift am Feuer gebraten, während
das übrige Fleisch für die Opfermahlzeiten in Töpfen, Kesseln und Schüsseln
gekocht wurde. Sobald es gar war, verteilten die Leviten es an die Festbesucher.
2Chr 35,14 Danach bereiteten sie für sich und die Priester die Passahlämmer zu.
Denn die Priester mussten so viele Brandopfer und Fettstücke darbringen, dass
sie bis in die Nacht hinein damit beschäftigt waren.
2Chr 35,15 Während des ganzen Festes blieben die Sänger aus der Sippe Asaf an
ihrem Platz, wie es einst David, sein Prophet Jedutun, Asaf und Heman angeordnet
hatten. Auch die Torwächter blieben an den Tempeleingängen. Sie brauchten ihre
Posten nicht zu verlassen, weil die Leviten auch für sie das Passah
zubereiteten.
2Chr 35,16 So wurde an jenem Tag auf Befehl Josias alles geordnet, was den
Opferdienst betraf. Nun konnte das Volk das Passahfest feiern, und auch die
Brandopfer konnten auf dem Altar des Herrn dargebracht werden.
2Chr 35,17 Eine Woche lang feierten die Israeliten, die nach Jerusalem gekommen
waren, das Passahfest und das Fest der ungesäuerten Brote.
2Chr 35,18 Das Passahfest hatte seit der Zeit des Propheten Samuel in Israel
nicht mehr so stattgefunden. Keiner der Könige in Israel hatte es so gefeiert
wie Josia, die Priester und Leviten, die Bewohner von Jerusalem, von Juda und
alle, die aus Israel nach Jerusalem gekommen waren.
2Chr 35,19 Das Fest fand im 18. Regierungsjahr Josias statt.
2Chr 35,20 Nachdem Josia die Arbeiten am Tempel beendet hatte, zog Pharao Necho,
der König von Ägypten, mit seinem Heer in Richtung Karkemisch am Euphrat. Josia
aber schnitt ihm mit seinen Truppen den Weg ab.
2Chr 35,21 Da schickte der Pharao eine Gesandtschaft zu ihm und ließ ihm sagen:
»Was habe ich dir getan, König von Juda? Nicht dich greife ich an, sondern das
Königshaus, mit dem ich Krieg führe! Gott will, dass ich mich beeile, er steht
auf meiner Seite. Stell dich ihm nicht in den Weg, sonst lässt er dich sterben!«
2Chr 35,22 Doch Josia ließ sich nicht umstimmen. Er hörte nicht auf die Worte
Nechos, durch die Gott ihn warnen wollte. Er verkleidete sich als einfacher
Soldat und zog mit seinem Heer in die Ebene von Megiddo, wo es zum Kampf kam.
2Chr 35,23 In der Schlacht wurde König Josia von den feindlichen Bogenschützen
getroffen. Da befahl er seinen Dienern: »Bringt mich weg von hier, ich bin
schwer verwundet!«
2Chr 35,24 Sie hoben ihn aus dem Streitwagen, trugen ihn zu einem anderen Wagen
und brachten ihn nach Jerusalem. Dort starb er und wurde in den Königsgräbern
seiner Vorfahren beigesetzt. Ganz Juda und Jerusalem trauerte um ihn.
2Chr 35,25 Jeremia schrieb ein Klagelied über den verstorbenen König, und noch
heute ist es ein fester Brauch in Israel, dass die Sänger und Sängerinnen Josia
in ihren Trauerliedern beklagen. Die Texte stehen im Buch der Klagelieder.
2Chr 35,26 [26/27] Alles Weitere über Josias Leben findet sich in der Chronik
der Könige von Israel und Juda. Man kann dort von seinen Taten lesen, an denen
sich seine Treue zu Gott zeigte, und wie er alles befolgte, was im Gesetzbuch
des Herrn aufgeschrieben ist.
2Chr 36,1 Das Volk ernannte Joahas, den Sohn Josias, zum König und setzte ihn in
Jerusalem als Nachfolger seines Vaters ein.
2Chr 36,2 Joahas wurde mit 23 Jahren König und regierte drei Monate in
Jerusalem.
2Chr 36,3 Dann setzte der Pharao, der König von Ägypten, ihn ab. Das Land Juda
musste 70 Zentner Silber und 36 Kilogramm Gold als Tribut zahlen.
2Chr 36,4 Zum neuen König von Juda und Jerusalem ernannte der Pharao Joahas'
Bruder Eljakim und änderte seinen Namen in Jojakim. Joahas aber nahm er gefangen
und brachte ihn nach Ägypten.
2Chr 36,5 Jojakim wurde mit 25 Jahren König und regierte elf Jahre in Jerusalem.
Er tat, was der Herr, sein Gott, verabscheute.
2Chr 36,6 König Nebukadnezar von Babylonien griff Juda an, nahm Jojakim gefangen
und brachte ihn in Ketten nach Babylon.
2Chr 36,7 Nebukadnezar erbeutete auch einen Teil der kostbaren Gegenstände aus
dem Tempel des Herrn und stellte sie in seinem Palast in Babylon auf.
2Chr 36,8 Alles Weitere über Jojakim steht in der Chronik der Könige von Israel
und Juda. Man kann dort nachlesen, wie er andere Götter verehrte und wie es ihm
später erging. Sein Sohn Jojachin trat die Nachfolge an.
2Chr 36,9 Jojachin wurde mit 18 Jahren König und regierte drei Monate und zehn
Tage in Jerusalem. Er tat, was der Herr verabscheute.
2Chr 36,10 Schon im darauf folgenden Frühling ließ König Nebukadnezar ihn
gefangen nehmen und nach Babylon bringen. Auch die kostbaren Gegenstände aus dem
Tempel nahm er mit. Nebukadnezar ernannte Jojachins Onkel Zedekia zum neuen
König.
2Chr 36,11 Zedekia wurde mit 21 Jahren König und regierte elf Jahre in
Jerusalem.
2Chr 36,12 Er tat, was der Herr, sein Gott, verabscheute. Vom Propheten Jeremia,
der ihn im Auftrag des Herrn warnte, ließ er sich nichts sagen.
2Chr 36,13 Zedekia lehnte sich gegen König Nebukadnezar auf, obwohl er ihm vor
Gott einen Treueeid hatte leisten müssen. Hartnäckig widersetzte er sich dem
Herrn und kehrte nicht zu ihm zurück.
2Chr 36,14 Aber auch die obersten Priester und das Volk luden immer mehr Schuld
auf sich. Sie übernahmen die heidnischen Bräuche der Nachbarvölker und
entweihten sogar den Tempel des Herrn in Jerusalem, von dem der Herr gesagt
hatte: »Hier will ich für immer wohnen.«
2Chr 36,15 Immer wieder sandte der Herr, der Gott ihrer Vorfahren, seine Boten
zu ihnen und ließ sie warnen; denn er wollte sein Volk und seinen Tempel vor
Unheil bewahren.
2Chr 36,16 Doch die Judäer verspotteten Gottes Propheten nur. Verächtlich
lachten sie über ihre Botschaft, bis der Herr so zornig auf sein Volk wurde,
dass es für sie keine Rettung mehr gab.
2Chr 36,17 Er ließ König Nebukadnezar von Babylonien mit seinem Heer in Juda
einfallen. Die Babylonier brachten alle jungen Judäer mit dem Schwert um, sie
verfolgten sie sogar bis in den Tempel. Nebukadnezar verschonte niemanden, weder
die jungen Männer und Frauen noch die Alten und Greise. Der Herr gab sie alle in
seine Gewalt.
2Chr 36,18 Nebukadnezar nahm die Gegenstände aus dem Tempel, den Tempelschatz
und die Schätze des Königs und seiner obersten Beamten mit nach Babylon.
2Chr 36,19 Seine Soldaten steckten den Tempel in Brand, rissen die Stadtmauer
von Jerusalem nieder und ließen die Paläste in Flammen aufgehen. So vernichteten
sie alle wertvollen Gegenstände, die noch übrig geblieben waren.
2Chr 36,20 Alle, die das Blutbad überlebt hatten, ließ der König als Gefangene
nach Babylonien verschleppen. Sie mussten ihm und später seinen Nachkommen als
Sklaven dienen bis zu der Zeit, als die Perser die Herrschaft übernahmen.
2Chr 36,21 Damit ging in Erfüllung, was der Herr durch seinen Propheten Jeremia
vorausgesagt hatte. Das Land sollte so lange brachliegen, bis es alle Ruhejahre
bekommen hatte, die von den Königen nicht eingehalten worden waren. Darum blieb
das Land nun siebzig Jahre lang verwüstet.
2Chr 36,22 Im 1. Regierungsjahr des Perserkönigs Kyrus ließ der Herr in
Erfüllung gehen, was er durch den Propheten Jeremia vorausgesagt hatte: Er
bewegte Kyrus dazu, in seinem ganzen Reich mündlich und schriftlich folgenden
Erlass zu verkünden:
2Chr 36,23 »Kyrus, der König von Persien, gibt bekannt: Alle Königreiche der
Erde hat Gott, der Herr, der im Himmel regiert, in meine Gewalt gegeben. Er gab
mir den Auftrag, ihm zu Ehren in Jerusalem in der Provinz Judäa einen Tempel zu
bauen. Wer von euch zu seinem Volk gehört, soll nun nach Jerusalem ziehen. Der
Segen des Herrn, eures Gottes, möge euch begleiten.«
Esr 1,1 Im 1. Regierungsjahr des Perserkönigs Kyrus ließ der Herr in Erfüllung
gehen, was er durch den Propheten Jeremia vorausgesagt hatte: Er bewegte Kyrus
dazu, in seinem ganzen Reich mündlich und schriftlich folgenden Erlass zu
verkünden:
Esr 1,2 »Kyrus, der König von Persien, gibt bekannt: Alle Königreiche der Erde
hat Gott, der Herr, der im Himmel regiert, in meine Gewalt gegeben. Er gab mir
den Auftrag, ihm zu Ehren in Jerusalem in der Provinz Judäa einen Tempel zu
bauen.
Esr 1,3 Wer von euch zu seinem Volk gehört, soll nun nach Jerusalem ziehen und
beim Wiederaufbau des Tempels mithelfen. Denn der Gott Israels will in Jerusalem
angebetet werden. Sein Segen möge euch begleiten!
Esr 1,4 Alle Untertanen meines Reiches sollen den Judäern, die bei ihnen leben,
Silber und Gold, Vieh und was sie sonst noch brauchen mitgeben, zusätzlich zu
den freiwilligen Gaben für den Tempel in Jerusalem.«
Esr 1,5 So machten sie sich auf den Weg, die Sippenoberhäupter der Stämme Juda
und Benjamin, die Priester und Leviten und alle anderen, die der Herr dazu
bewegt hatte, in Jerusalem seinen Tempel zu bauen.
Esr 1,6 Ihre Nachbarn halfen ihnen mit Silber und Gold, mit Vieh und vielen
wertvollen und nützlichen Gegenständen, sie schenkten ihnen auch freiwillige
Gaben für den Tempelaufbau.
Esr 1,7 Kyrus, der König von Persien, gab ihnen die Gefäße und Werkzeuge zurück,
die Nebukadnezar aus dem Tempel des Herrn in Jerusalem geraubt und in den Tempel
seines Gottes gebracht hatte.
Esr 1,8 Kyrus händigte sie seinem Schatzmeister Mitredat aus, und Mitredat legte
für Scheschbazar, den Statthalter von Judäa, ein Verzeichnis an. Er führte darin
folgende Stücke auf:
Esr 1,9 30 goldene Schalen, 1000 silberne Schalen, 29 Messer,
Esr 1,10 30 goldene Becher, 410 silberne Becher, 1000 andere Gegenstände.
Esr 1,11 Insgesamt waren es 5400 Werkzeuge und Gefäße aus Gold und Silber.
Scheschbazar nahm sie mit, als er die einst nach Babylonien verschleppten Juden
wieder nach Jerusalem zurückführte.
Esr 2,1 Viele Juden, deren Vorfahren König Nebukadnezar nach Babylonien
verschleppt hatte, kehrten nun nach Jerusalem und nach ganz Judäa zurück, jeder
an den Ort, aus dem seine Familie stammte.
Esr 2,2 Sie wurden angeführt von Serubbabel, Jeschua, Nehemja, Seraja, Reelaja,
Mordochai, Bilschan, Misperet, Bigwai, Rehum und Baana.
Esr 2,3 [3-35] Es folgt ein Verzeichnis der heimkehrenden Sippen mit der Zahl
der zu ihnen gehörenden Männer: 2172 von der Sippe Parosch; 372 von Schefatja;
775 von Arach; 2812 von Pahat-Moab, sie waren Nachkommen von Jeschua und Joab;
1254 von Elam; 945 von Sattu; 760 von Sakkai; 642 von Bani; 623 von Bebai; 1222
von Asgad; 666 von Adonikam; 2056 von Bigwai; 454 von Adin; 98 von Ater, sie
waren Nachkommen Hiskias; 323 von Bezai; 112 von Jorah; 223 von Haschum; 95 von
Gibbar; 123 aus der Stadt Bethlehem; 56 aus Netofa; 128 aus Anatot; 42 aus
Asmawet; 743 aus Kirjat-Jearim, Kefira und Beerot; 621 aus Rama und Geba; 122
aus Michmas; 223 aus Bethel und Ai; 52 aus Nebo; 156 von der Sippe Magbisch;
1254 von der Sippe des anderen Elam; 320 von Harim; 725 aus den Orten Lod, Hadid
und Ono; 345 aus Jericho; 3630 von der Sippe Senaa.
Esr 2,36 [36-39] Aus den Sippen der Priester kehrten zurück: 973 Männer mit
ihren Familien von der Sippe Jedaja, sie waren Nachkommen Jeschuas; 1052 von
Immer; 1247 von Paschhur; 1017 von Harim.
Esr 2,40 Von den Leviten: 74 aus den Sippen Jeschua und Kadmiël, sie waren
Nachkommen Hodawjas;
Esr 2,41 von den Tempelsängern: 128 aus der Sippe Asaf;
Esr 2,42 von den Wächtern an den Tempeltoren: 139 aus den Sippen Schallum, Ater,
Talmon, Akkub, Hatita und Schobai;
Esr 2,43 [43-54] von den Tempeldienern: die Sippen von Ziha, Hasufa, Tabbaot,
Keros, Sia, Padon, Lebana, Hagaba, Akkub, Hagab, Salmai, Hanan, Giddel, Gahar,
Reaja, Rezin, Nekoda, Gasam, Usa, Paseach, Besai, Asna, die Mëuniter und
Nefusiter sowie die Sippen von Bakbuk, Hakufa, Harhur, Bazlut, Mehida, Harscha,
Barkos, Sisera, Temach, Neziach und Hatifa.
Esr 2,55 [55-57] Von den Nachkommen der Diener Salomos kamen zurück: die Sippen
von Sotai, Soferet, Peruda, Jaala, Darkon, Giddel, Schefatja, Hattil,
Pocheret-Zebajim und Ami.
Esr 2,58 Insgesamt kehrten 392 Tempeldiener und Nachkommen der Diener Salomos
nach Israel zurück.
Esr 2,59 [59/60] 652 heimkehrende Familien stammten aus den Orten Tel-Melach,
Tel-Harscha, Kerub-Addon und Immer. Sie gehörten zu den Sippen Delaja, Tobija
und Nekoda, konnten jedoch ihre israelitische Abstammung nicht nachweisen.
Esr 2,61 [61/62] Einige der Priester durften keinen Tempeldienst ausüben, denn
ihre Abstammungsregister waren nicht aufzufinden. Sie kamen aus den Sippen von
Habaja, Hakkoz und Barsillai. Der Ahnherr der Sippe Barsillai hatte eine Tochter
des Gileaditers Barsillai geheiratet und den Namen seines Schwiegervaters
angenommen.
Esr 2,63 Der persische Statthalter verbot den Priestern aus diesen drei Sippen,
von den Opfergaben zu essen, bis wieder ein Hoherpriester im Amt wäre, der das
heilige Los werfen durfte, um über ihren Fall zu entscheiden.
Esr 2,64 Insgesamt kehrten 42360 Israeliten in ihre Heimat zurück,
Esr 2,65 dazu kamen 7337 Sklaven und Sklavinnen und 200 Sänger und Sängerinnen.
Esr 2,66 Die Israeliten brachten 736 Pferde, 245 Maultiere,
Esr 2,67 435 Kamele und 6720 Esel mit.
Esr 2,68 Als sie beim Tempelgelände in Jerusalem ankamen, stifteten einige
Sippenoberhäupter freiwillige Gaben, damit das Haus des Herrn wieder an seinem
früheren Platz errichtet werden konnte.
Esr 2,69 Jeder gab, so viel er konnte. Insgesamt kamen 61000 Goldmünzen und 3600
Kilogramm Silber zusammen; außerdem wurden 100 Priestergewänder gestiftet.
Esr 2,70 Die Priester, die Leviten, die Sänger, Torwächter und Tempeldiener
ließen sich wie die übrigen Israeliten in ihren früheren Heimatorten nieder.
Esr 3,1 Zu Beginn des 7. Monats, als die Israeliten sich in ihren Wohnorten
niedergelassen hatten, versammelte sich das ganze Volk in Jerusalem.
Esr 3,2 Jeschua, der Sohn Jozadaks, und die anderen Priester sowie Serubbabel,
der Sohn Schealtiëls, und seine Verwandten wollten den Altar des Gottes Israels
wieder aufbauen. Auf ihm sollten die Priester Brandopfer darbringen, wie es im
Gesetz Moses, des Mannes Gottes, steht.
Esr 3,3 Sie errichteten den Altar an seinem alten Platz, obwohl sie in ständiger
Furcht vor den anderen Völkern im Land leben mussten. Jeden Morgen und jeden
Abend opferten sie für den Herrn.
Esr 3,4 Das Laubhüttenfest feierten sie wieder nach der Vorschrift des Gesetzes:
An jedem Tag der Festwoche schlachteten sie Tiere und verbrannten sie auf dem
Altar.
Esr 3,5 Von nun an wurden alle Brandopfer regelmäßig dargebracht, ebenso die
Opfer bei den Neumondfeiern und allen übrigen heiligen Festen. Auch freiwillige
Opfergaben stiftete das Volk für den Herrn.
Esr 3,6 Obwohl das Fundament des Tempels noch nicht gelegt war, begannen die
Israeliten am 1. Tag des 7. Monats, dem Herrn wieder Brandopfer darzubringen.
Esr 3,7 Dann nahmen sie Steinhauer und Zimmerleute in Dienst und beauftragten
Arbeiter aus Sidon und Tyrus, Zedernstämme aus dem Libanon auf dem Seeweg nach
Jafo zu bringen. Sie gaben ihnen dafür Nahrungsmittel, Getränke und Öl. Kyrus,
der König von Persien, hatte es ihnen erlaubt.
Esr 3,8 Im 2. Monat des 2. Jahres nach der Rückkehr begannen Serubbabel, der
Sohn Schealtiëls, Jeschua, der Sohn Jozadaks, die anderen Priester und Leviten
sowie alle, die aus der Verbannung nach Jerusalem heimgekehrt waren, mit dem
Wiederaufbau des Tempels. Die Aufsicht über die Bauarbeiten gaben sie den
Leviten, die 20 Jahre und älter waren.
Esr 3,9 Jeschua, seine Söhne und Verwandten sowie Kadmiël und seine Söhne
(Nachkommen Hodawjas) leiteten gemeinsam die Männer an, die den Tempel wieder
errichteten. Die Leviten aus der Sippe Henadad gehörten ebenfalls zu den
Aufsehern.
Esr 3,10 Als die Bauleute den Grundstein für den Tempel des Herrn legten,
standen die Priester in ihren Gewändern daneben und bliesen die Trompeten. Die
Leviten aus der Sippe Asaf schlugen die Zimbeln und lobten den Herrn. So hatte
es schon David, der König von Israel, angeordnet.
Esr 3,11 Sie priesen Gott und sangen im Wechsel das Lied: »Wie gut ist Gott zu
uns! Seine Liebe zu Israel hört niemals auf!« Als der Grundstein für den Tempel
des Herrn gelegt war und die Loblieder erklangen, brach das ganze Volk in Jubel
aus.
Esr 3,12 Doch während die einen vor Freude jubelten, weinten die älteren
Priester, Leviten und Sippenoberhäupter laut, denn sie hatten den ersten Tempel
noch gekannt.
Esr 3,13 Man konnte die Freudenschreie vom Weinen kaum unterscheiden. Der Lärm
war so groß, dass er noch in der Ferne zu hören war.
Esr 4,1 Die Samariter betrachteten die Judäer und Benjaminiter als ihre Feinde.
Als sie erfuhren, dass die Heimgekehrten schon begonnen hatten, den Tempel des
Herrn, des Gottes Israels, wiederaufzubauen,
Esr 4,2 kamen sie zu Serubbabel und den Sippenoberhäuptern und baten: »Lasst uns
den Tempel zusammen bauen! Wir dienen doch demselben Gott wie ihr. Seit der Zeit
Asarhaddons, des Königs von Assyrien, der uns hier angesiedelt hat, bringen wir
diesem Gott unsere Opfer dar.«
Esr 4,3 Doch Serubbabel, Jeschua und die übrigen Sippenoberhäupter Israels
entgegneten: »Nein! Nur wir allein können für unseren Gott einen Tempel bauen.
Uns hat Kyrus, der König von Persien, damit beauftragt!«
Esr 4,4 Von da an wurden die Juden von den Samaritern, mit denen sie das Land
teilten, immer mehr eingeschüchtert und wagten nicht weiterzubauen.
Esr 4,5 Es gelang den Samaritern sogar, einige Berater des persischen Königs
Kyrus zu bestechen und so den Bau des Tempels bis zur Regierungszeit von König
Darius zu verhindern.
Esr 4,6 Später, als Xerxes gerade die Herrschaft übernommen hatte, erhoben die
Feinde Israels in einer Klageschrift schwere Anschuldigungen gegen die Bewohner
von Jerusalem und Judäa.
Esr 4,7 Während der Regierungszeit des Artaxerxes schrieben Bischlam, Mitredat,
Tabeel und einige andere führende Männer zusammen einen Brief an den König. Er
wurde in Aramäisch abgefasst und später übersetzt.
Esr 4,8 Auch Rehum, der Statthalter von Samarien, und sein Schreiber Schimschai
schickten einen Brief an Artaxerxes und beschwerten sich über den Wiederaufbau
Jerusalems. Als Absender waren genannt:
Esr 4,9 »Der Statthalter Rehum, der Schreiber Schimschai, die Richter, die
Beamten, Schreiber und Verwalter, die Männer aus Tripolis, Persien, Erech,
Babylon und Susa in Elam,
Esr 4,10 zusammen mit den Volksgruppen, die der mächtige und berühmte
Assurbanipal in den Städten Samariens und in den anderen Ortschaften westlich
des Euphrat angesiedelt hat.«
Esr 4,11 Das Schreiben lautete: »An König Artaxerxes, von seinen Untertanen
westlich des Euphrat:
Esr 4,12 Wir müssen dem König mitteilen, dass die Juden, die aus deinem Reich zu
uns gekommen sind, die aufrührerische, verruchte Stadt Jerusalem wieder aufbauen
wollen. Sie legen die Fundamente neu und errichten die Stadtmauern.
Esr 4,13 Wir geben dem König zu bedenken, dass die Bewohner keinen Tribut, keine
Steuern und keine Zölle mehr zahlen werden, sobald die Mauern dieser Stadt
wieder stehen. Das Königshaus wird großen Schaden nehmen.
Esr 4,14 Weil wir aber treue Untertanen und dem König verpflichtet sind, können
wir nicht länger mit ansehen, wie die Macht des Königs untergraben wird. Darum
erstatten wir Bericht und schlagen vor:
Esr 4,15 Lass in den Chroniken deiner Vorgänger nachforschen. Dann wirst du
sehen, dass Jerusalem schon immer eine rebellische Stadt war und den Königen und
Statthaltern viel Schaden zugefügt hat. Seit jeher war es eine Brutstätte für
Verschwörungen; darum wurde die Stadt ja dem Erdboden gleichgemacht.
Esr 4,16 Wenn Jerusalem wieder aufgebaut und seine Mauern errichtet werden, dann
verliert dein Reich alle Gebiete westlich des Euphrat.«
Esr 4,17 Der König schickte folgende Antwort zurück: »An den Statthalter Rehum,
den Schreiber Schimschai und die königlichen Beauftragten in Samarien und im
übrigen Gebiet westlich des Euphrat: Ich grüße euch!
Esr 4,18 Euer Schreiben wurde in meiner Gegenwart übersetzt und verlesen.
Esr 4,19 Auf meinen Befehl hin wurden Nachforschungen angestellt, und
tatsächlich fand man in den Chroniken, dass diese Stadt sich seit jeher gegen
das Königshaus aufgelehnt und Verschwörungen angezettelt hat.
Esr 4,20 In Jerusalem haben Könige regiert, die ihre Herrschaft über das ganze
Gebiet westlich des Euphrat ausdehnten und den Bewohnern Tribut, Steuern und
Zölle auferlegten.
Esr 4,21 Darum sollt ihr den Männern dort verbieten, die Bauarbeiten
weiterzuführen. Die Stadt darf erst dann wieder aufgebaut werden, wenn ich
selbst es befehle.
Esr 4,22 Seid in dieser Angelegenheit nicht nachlässig! Unser Reich darf nicht
noch einmal Schaden davontragen!«
Esr 4,23 Eine Abschrift des Briefes wurde Rehum, Schimschai und den übrigen
führenden Männern vorgelesen. Sofort brachen sie nach Jerusalem auf und
hinderten die Juden mit Waffengewalt am Weiterbau.
Esr 4,24 Schon unter Kyrus war der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem
verhindert worden. Bis zum 2. Regierungsjahr von Darius, dem König von Persien,
konnte in Jerusalem nicht weitergebaut werden.
Esr 5,1 Zu dieser Zeit traten die beiden Propheten Haggai und Sacharja, der Sohn
Iddos, auf. Im Auftrag des Gottes Israels sprachen sie den Juden in Judäa und
Jerusalem Mut zu.
Esr 5,2 Da beschlossen Serubbabel, der Sohn Schealtiëls, und Jeschua, der Sohn
Jozadaks, den Bau des Tempels in Jerusalem wieder aufzunehmen. Die beiden
Propheten unterstützten sie dabei.
Esr 5,3 Doch kaum hatten sie begonnen, kamen auch schon Tattenai, der
Statthalter über das Gebiet westlich des Euphrat, und Schetar-Bosnai mit ihren
Beratern nach Jerusalem. Sie stellten die Männer zur Rede: »Wer hat euch
erlaubt, den Tempel wieder aufzubauen und Balken dafür zu zimmern?
Esr 5,4 Wie heißen die Männer, die für das alles verantwortlich sind?«
Esr 5,5 Aber Gott sorgte dafür, dass nichts gegen die Ältesten von Juda
unternommen wurde und die Bauarbeiten weitergehen konnten, bis die Sache vor
König Darius kommen und er eine Entscheidung treffen würde.
Esr 5,6 [6/7] Tattenai, der Statthalter über das Gebiet westlich des Euphrat,
und Schetar-Bosnai mit seinen Beratern und Beamten erstatteten König Darius
Bericht. Ihr Brief an ihn lautete: »An König Darius: Möge es dir wohl ergehen!
Esr 5,8 Wir haben dir Folgendes mitzuteilen: Als wir in der Provinz Judäa waren,
sahen wir, dass der Tempel des großen Gottes in Jerusalem wieder aufgebaut wird.
Die Einwohner errichten Mauern aus großen Quadersteinen und ziehen Balken in die
Wände ein. Sie arbeiten zielstrebig und kommen schnell voran.
Esr 5,9 Wir fragten die Ältesten, wer ihnen das erlaubt habe.
Esr 5,10 Wir wollten auch die Namen der führenden Männer wissen, um sie für dich
aufzuschreiben.
Esr 5,11 Sie gaben uns zur Antwort: ›Wir verehren den Gott, der Himmel und Erde
erschaffen hat, und bauen seinen Tempel wieder auf, der vor vielen Jahren hier
stand. Ein großer König von Israel hatte ihn damals errichtet.
Esr 5,12 Aber weil sich unsere Vorfahren gegen den Gott des Himmels auflehnten,
wurde er zornig und gab sie in die Gewalt Nebukadnezars, des Königs von
Babylonien. Der zerstörte den Tempel und verschleppte das Volk nach Babylonien.
Esr 5,13 Als jedoch Kyrus König wurde, befahl er schon in seinem ersten
Regierungsjahr, den Tempel Gottes wieder aufzubauen.
Esr 5,14 Kyrus gab auch die goldenen und silbernen Gefäße und Werkzeuge zurück,
die Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem geraubt und nach Babylon in den
Tempel seines Gottes gebracht hatte. Kyrus händigte sie einem Mann namens
Scheschbazar aus, den er zum Statthalter von Judäa ernannte.
Esr 5,15 Er befahl ihm, diese Gegenstände wieder nach Jerusalem zu bringen und
den Tempel an seinem früheren Platz zu errichten.
Esr 5,16 Darauf kam Scheschbazar nach Jerusalem und legte das Fundament für den
Tempel. Seit damals wird an diesem Haus gebaut, es ist aber immer noch nicht
fertig.‹
Esr 5,17 Nun möchten wir dir, König Darius, Folgendes vorschlagen: Lass im
königlichen Archiv in Babylon nachforschen, ob es tatsächlich ein Schriftstück
mit dem Befehl des Kyrus gibt, den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Wir
bitten dich, uns deine Entscheidung mitzuteilen.«
Esr 6,1 Darauf ließ Darius in den Archiven nachforschen, in denen die Urkunden
des Reiches aufbewahrt wurden.
Esr 6,2 Schließlich fand man in der Festung der Sommerresidenz Ekbatana in der
Provinz Medien eine Schriftrolle mit folgendem Inhalt:
Esr 6,3 »Im 1. Regierungsjahr ordnet König Kyrus an, den Tempel in Jerusalem an
seinem früheren Ort wieder aufzubauen, damit dort Opfer dargebracht werden
können. Er soll 30 Meter hoch und 30 Meter breit sein.
Esr 6,4 Die Mauern sind abwechselnd aus drei Schichten Quadersteinen und einer
Schicht Balken zu errichten. Die Kosten trägt das persische Königshaus.
Esr 6,5 Die goldenen und silbernen Gegenstände, die Nebukadnezar aus dem Tempel
in Jerusalem geraubt und nach Babylon mitgenommen hat, sollen zurückgebracht
werden, jeder an seinen alten Platz.«
Esr 6,6 Da schickte Darius eine Antwort nach Judäa: »An Tattenai, den
Statthalter über das Gebiet westlich des Euphrat, und an Schetar-Bosnai mit
ihren Beratern: Unternehmt nichts gegen den Bau des Tempels!
Esr 6,7 Der Statthalter von Judäa und die Ältesten sollen ihn ungehindert an
seinem früheren Platz errichten.
Esr 6,8 Ich befehle euch, dass ihr die Ältesten bei ihrer Arbeit unterstützt.
Erstattet ihnen die Baukosten aus den Abgaben, die in den Gebieten westlich des
Euphrat erhoben werden! Zahlt die Beträge pünktlich aus, damit die Arbeiten
zügig vorangehen!
Esr 6,9 Den Priestern in Jerusalem sollt ihr Tag für Tag alles liefern, was sie
nach ihren eigenen Angaben zum Brandopfer für den Gott des Himmels benötigen:
junge Stiere, Schafböcke und Lämmer, Weizen, Wein, Salz und Öl. Seid dabei nicht
nachlässig!
Esr 6,10 Die Priester sollen dem Gott des Himmels Räucheropfer darbringen und
für das Leben des Königs und seiner Söhne beten.
Esr 6,11 Weiter ordne ich an: Jeder, der gegen diesen Erlass verstößt, wird
bestraft: Man soll einen Balken aus seinem Haus reißen und ihn an das senkrecht
aufgerichtete Holz nageln. Sein Haus soll zu einem Schutthaufen gemacht werden.
Esr 6,12 Der Gott, der dort im Tempel wohnt, möge jeden König und jedes Volk
vernichten, die es wagen, sich meinen Anordnungen zu widersetzen und den Tempel
in Jerusalem zu zerstören. Ich, Darius, gebe diesen Befehl. Er soll genau
befolgt werden.«
Esr 6,13 Tattenai, der Statthalter über das Gebiet westlich des Euphrat,
Schetar-Bosnai und ihre Berater hielten sich gewissenhaft an die Anweisungen von
Darius.
Esr 6,14 So konnten die Juden ungehindert weiterbauen. Sie kamen schnell voran,
und die Propheten Haggai und Sacharja, der Sohn Iddos, ermutigten sie dabei. Sie
vollendeten den Tempel, wie es der Gott Israels befohlen hatte. Die persischen
Könige Kyrus und Darius hatten ihnen den Auftrag dazu erteilt. Auch Artaxerxes
unterstützte später die Juden.
Esr 6,15 Im 6. Regierungsjahr des Königs Darius, am 3. Tag des Monats Adar,
wurde der Tempel fertig gestellt.
Esr 6,16 Die Priester, die Leviten und alle übrigen Israeliten, die aus der
Gefangenschaft heimgekehrt waren, feierten voller Freude das Fest der
Einweihung.
Esr 6,17 Sie opferten 100 Stiere, 200 Schafböcke und 400 Lämmer, und für ganz
Israel brachten sie als Sündopfer 12 Ziegenböcke dar, für jeden Stamm Israels
einen.
Esr 6,18 Dann teilten sie die Priester und Leviten zum Tempeldienst in
verschiedene Gruppen ein, wie es das Gesetz des Mose vorschreibt.
Esr 6,19 Am 14. Tag des 1. Monats feierten die zurückgekehrten Israeliten das
Passahfest.
Esr 6,20 Die Priester und Leviten hatten sich für das Opferfest gereinigt, um
dem heiligen Gott begegnen zu können. Die Leviten schlachteten die Passahlämmer
für alle, die aus der Verbannung zurückgekehrt waren, für die Priester und für
sich selbst.
Esr 6,21 Doch nicht nur die heimgekehrten Israeliten aßen das Passahlamm,
sondern auch alle, die sich vom Götzendienst der heidnischen Bevölkerung im Land
losgesagt hatten. Auch sie wollten jetzt ganz dem Herrn, dem Gott Israels,
gehören.
Esr 6,22 Voller Freude feierten sie außerdem noch sieben Tage lang das Fest der
ungesäuerten Brote. Der Herr hatte sie froh gemacht, denn er hatte dafür
gesorgt, dass der König von Persien ihnen wohlgesinnt war und ihnen dabei
geholfen hatte, den Tempel des Gottes Israels wieder aufzubauen.
Esr 7,1 Während in Persien König Artaxerxes regierte, zog ein Mann namens Esra
von Babylon nach Jerusalem. Er war ein Sohn Serajas und Enkel Asarjas; seine
weiteren Vorfahren hießen: Hilkija,
Esr 7,2 Schallum, Zadok, Ahitub,
Esr 7,3 Amarja, Asarja, Merajot,
Esr 7,4 Serachja, Usi, Bukki,
Esr 7,5 Abischua, Pinhas, Eleasar und Aaron, der Hohepriester.
Esr 7,6 Esra war ein Schriftgelehrter, der das Gesetz gut kannte, das der Herr
seinem Volk Israel durch Mose anvertraut hatte. Und weil Gott seine schützende
Hand über Esra hielt, erfüllte der König alle seine Bitten.
Esr 7,7 Im 7. Regierungsjahr des Königs Artaxerxes zogen viele Israeliten mit
Esra nach Jerusalem, darunter Priester und Leviten, Sänger, Torwächter und
Tempeldiener.
Esr 7,8 [8/9] Sie verließen Babylonien am 1. Tag des 1. Monats und erreichten
Jerusalem am 1. Tag des 5. Monats. Weil Gott ihnen geholfen hatte, waren sie so
schnell vorangekommen.
Esr 7,10 Esra widmete sein Leben der Aufgabe, die Gebote Gottes kennen zu lernen
und danach zu leben. Er wollte den Israeliten das Gesetz nahe bringen und es
wieder als Grundlage für die öffentliche Rechtsprechung einführen.
Esr 7,11 König Artaxerxes gab Esra, dem Priester, der das Gesetz Gottes so genau
kannte und auslegen konnte, eine Vollmacht mit. Sie lautete:
Esr 7,12 »Artaxerxes, der größte aller Könige, an Esra, den Priester und
Beauftragten für das Gesetz des Gottes im Himmel: Sei gegrüßt!
Esr 7,13 Ich ordne hiermit an, dass jeder Israelit in meinem Reich mit dir nach
Jerusalem ziehen kann, wenn er es wünscht, auch die Priester und Leviten.
Esr 7,14 Der König und seine sieben Berater senden dich nach Judäa und
Jerusalem. Du sollst dort erkunden, ob die Menschen nach dem Gesetz deines
Gottes leben, das du ja so gut kennst wie kein anderer.
Esr 7,15 Nimm das Silber und Gold mit, das der König und seine Berater als
Opfergaben für den Gott Israels gestiftet haben, dessen Tempel in Jerusalem
steht.
Esr 7,16 Auch das Silber und Gold, das du in der Provinz Babylonien bekommen
wirst, und die freiwilligen Gaben, die das Volk und die Priester für den Tempel
ihres Gottes sammeln, sollst du mitnehmen.
Esr 7,17 Kaufe von dem Geld Stiere, Schafböcke und Lämmer sowie Speiseopfer und
Trankopfer. Dann bringt sie auf dem Altar im Tempel eures Gottes in Jerusalem
dar.
Esr 7,18 Was ihr übrig behaltet, könnt ihr so verwenden, wie es euch richtig
erscheint, nur müssen du und die anderen Priester sich dabei nach dem Willen
eures Gottes richten.
Esr 7,19 Bringe deinem Gott in Jerusalem auch die Gegenstände, die man dir für
den Dienst im Tempel geben wird.
Esr 7,20 Alles, was du sonst noch für den Tempel deines Gottes brauchst, wird
das persische Königshaus bezahlen.
Esr 7,21 Ich, König Artaxerxes, erteile allen Schatzmeistern in den Gebieten
westlich des Euphrat den Befehl: Wenn Esra, der Priester und Beauftragte für das
Gesetz des Gottes im Himmel, euch um etwas bittet, so gebt es ihm,
Esr 7,22 und zwar bis zu 3,5 Tonnen Silber, 13 Tonnen Weizen, 2200 Liter Wein
und 2200 Liter Öl, dazu Salz in unbegrenzter Menge.
Esr 7,23 Ihr sollt gewissenhaft ausführen, was der Gott des Himmels für seinen
Tempel verlangt. Denn sonst trifft sein Zorn unser Königreich, mich und meine
Nachfolger.
Esr 7,24 Niemand hat das Recht, von den Priestern, Leviten, Sängern, Torwächtern
und Tempeldienern irgendwelche Steuern, Abgaben oder Gebühren zu verlangen.
Esr 7,25 Dir, Esra, hat dein Gott Weisheit geschenkt. Darum setze für dein Volk,
das westlich des Euphrat lebt, rechtskundige Männer und Richter ein! Sie sollen
Recht sprechen für alle, die das Gesetz deines Gottes kennen; und wenn jemand es
nicht kennt, sollt ihr ihn darin unterweisen.
Esr 7,26 Jeder, der dem Gesetz deines Gottes und meinem Befehl nicht gehorcht,
muss nach der Schwere seines Vergehens verurteilt werden: zum Tod, zum Verlust
des Bürgerrechts, zu einer Geld- oder Gefängnisstrafe!«
Esr 7,27 Gepriesen sei der Herr, der Gott unserer Vorfahren! Er hat den König zu
diesem Erlass bewogen, weil er seinem Tempel in Jerusalem Ruhm und Ansehen geben
wollte.
Esr 7,28 Er hat mir die Gunst des Königs, seiner Berater und einflussreichen
Beamten geschenkt. Weil Gott seine schützende Hand über mir hält, habe ich Mut
gefasst, die Sippenoberhäupter aus Israel zur Rückkehr zu bewegen.
Esr 8,1 Es folgt ein Verzeichnis der Sippenoberhäupter und der Zahl der Männer,
die zu ihrer Sippe gehörten. Während der Regierungszeit des Königs Artaxerxes
reisten sie mit mir von Babylonien nach Jerusalem:
Esr 8,2 [2/3] Gerschom von der Sippe Pinhas; Daniel von der Sippe Itamar;
Hattusch, der Sohn Schechanjas, von der Sippe David; Secharja von der Sippe
Parosch und mit ihm 150 Männer, die in die Geschlechtsregister eingetragen
waren;
Esr 8,4 Eljoënai, der Sohn Serachjas, von der Sippe Pahat-Moab, mit 200 Männern;
Esr 8,5 Schechanja, der Sohn Jahasiëls, von der Sippe Sattu, mit 300 Männern;
Esr 8,6 Ebed, der Sohn Jonatans, von der Sippe Adin, mit 50 Männern;
Esr 8,7 Jesaja, der Sohn Ataljas, von der Sippe Elam, mit 70 Männern;
Esr 8,8 Sebadja, der Sohn Michaels, von der Sippe Schefatja, mit 80 Männern;
Esr 8,9 Obadja, der Sohn Jehiëls, von der Sippe Joab, mit 218 Männern;
Esr 8,10 Schelomit, der Sohn Josifjas, von der Sippe Bani, mit 160 Männern;
Esr 8,11 Secharja, der Sohn Bebais, von der Sippe Bebai, mit 28 Männern;
Esr 8,12 Johanan, der Sohn Katans, von der Sippe Asgad, mit 110 Männern;
Esr 8,13 Elifelet, Jeïël und Schemaja, die Letzten von der Sippe Adonikam, mit
60 Männern;
Esr 8,14 Utai und Sabbud von der Sippe Bigwai, mit 70 Männern.
Esr 8,15 Ich ließ sie alle an dem Kanal zusammenkommen, der nach Ahawa fließt.
Dort lagerten wir drei Tage. Unter den Versammelten sah ich zwar mehrere
Priester, aber keinen einzigen Leviten.
Esr 8,16 Da rief ich einige Sippenoberhäupter zu mir: Eliëser, Ariël, Schemaja,
Elnatan, Jarib, Elnatan, Nathan, Secharja und Meschullam sowie die beiden
Gesetzeslehrer Jojarib und Elnatan.
Esr 8,17 Ich schickte sie zu Iddo, dem Vorsteher des Levitendorfes Kasifja. Ich
hatte ihnen genau gesagt, was sie Iddo und seinen Amtsbrüdern, den
Tempeldienern, auszurichten hatten. Sie sollten ihn bitten, uns Männer zu
schicken, die im Tempel unseres Gottes den Dienst versehen konnten.
Esr 8,18 Gott half uns, und so sandte man uns einen weisen Mann namens
Scherebja. Er stammte aus der Sippe Machli, der ein Enkel Levis und Urenkel
Israels war. Scherebja kam zusammen mit seinen Söhnen und Brüdern, insgesamt 18
Mann.
Esr 8,19 Außerdem schickte man uns Haschabja und Jesaja aus der Sippe Merari mit
ihren Brüdern und Söhnen, insgesamt 20 Mann.
Esr 8,20 Sie wurden begleitet von 220 Tempeldienern, die alle in ein Verzeichnis
eingetragen wurden. Ihre Vorfahren waren von David und seinen Beamten dazu
bestimmt worden, den Leviten im Tempel zu helfen.
Esr 8,21 Am Kanal bei Ahawa forderte ich die Versammelten auf, zu fasten und
sich Gottes Willen zu beugen. Wir wollten ihn bitten, uns und unsere Kinder mit
unserem Hab und Gut auf der Reise zu beschützen.
Esr 8,22 Ich hätte mich nämlich geschämt, den König um eine berittene Truppe zu
bitten, die uns unterwegs vor Überfällen bewahren könnte. Denn wir hatten vorher
zum König gesagt: »Unser Gott hält seine schützende Hand über allen, die ihm
vertrauen; doch wer sich von ihm abwendet, bekommt seinen Zorn zu spüren.«
Esr 8,23 So fasteten wir und baten unseren Gott um Bewahrung, und er hat unser
Gebet erhört.
Esr 8,24 Darauf wählte ich zwölf führende Priester aus, dazu Scherebja,
Haschabja und zehn weitere Leviten.
Esr 8,25 Vor ihren Augen wog ich das Silber, das Gold und die Gegenstände, die
der König, seine Berater und Beamten sowie die versammelten Israeliten als
Opfergabe für den Tempel unseres Gottes gestiftet hatten.
Esr 8,26 Dann übergab ich ihnen alle Schätze. Es waren 468 Zentner Silber, 100
silberne Gegenstände, zusammen 72 Zentner schwer, 72 Zentner Gold,
Esr 8,27 20 goldene Becher im Wert von 1000 persischen Goldmünzen und 2 Gefäße
aus goldglänzender Bronze, genauso wertvoll wie goldene Gefäße.
Esr 8,28 Ich sagte zu den Männern: »Ihr seid zum Dienst für den Herrn geweiht,
und auch diese Gegenstände, das Silber und das Gold sollen allein ihm gehören.
Sie sind eine freiwillige Opfergabe für den Herrn, den Gott eurer Vorfahren.
Esr 8,29 Seid also wachsam und bewahrt sie gut auf, bis ihr in Jerusalem
eintrefft! Dort sollt ihr sie in die Schatzkammern des Tempels bringen und sie
in Gegenwart der führenden Priester, der Leviten und der Sippenoberhäupter noch
einmal wiegen.«
Esr 8,30 Da nahmen die Priester und Leviten das Silber, das Gold und die
Gegenstände in Empfang, um sie sicher nach Jerusalem in den Tempel unseres
Gottes zu bringen.
Esr 8,31 Am 12. Tag des 1. Monats brachen wir vom Kanal bei Ahawa nach Jerusalem
auf. Gott hielt seine schützende Hand über uns und bewahrte uns vor Feinden und
Räubern.
Esr 8,32 Als wir in Jerusalem ankamen, ruhten wir uns zuerst drei Tage aus.
Esr 8,33 Am vierten Tag übergaben wir das Silber, das Gold und die Gegenstände
dem Priester Meremot, dem Sohn Urias, dann wurden sie im Tempel gewogen.
Eleasar, der Sohn des Pinhas, und die Leviten Josabad, der Sohn Jeschuas, und
Noadja, der Sohn Binnuis, halfen dem Priester Meremot.
Esr 8,34 Alle Gegenstände wurden genau abgezählt und auf die Waage gelegt; dann
schrieb man das Gewicht auf.
Esr 8,35 Nun brachten alle, die aus der Verbannung heimgekehrt waren, dem Gott
Israels Brandopfer dar. Sie schlachteten für ganz Israel 12 Stiere, außerdem 96
Schafböcke, 77 Lämmer und 12 Ziegenböcke als Sündopfer.
Esr 8,36 Dann wurden die Geleitbriefe des Königs den Statthaltern und den
persischen Beauftragten westlich des Euphrat übergeben. Sie unterstützten von
nun an das Volk und die Gottesdienste im Tempel.
Esr 9,1 [1/2] Nach einiger Zeit kamen führende Männer Israels zu mir und
berichteten: »Das Volk, die Priester und die Leviten haben sich mit anderen
Völkern im Land eingelassen, die fremden Göttern dienen. Junge und ältere Männer
von uns haben Frauen der Kanaaniter, Hetiter, Perisiter, Jebusiter, Ammoniter,
Moabiter, Ägypter und Amoriter geheiratet. So hat sich das heilige Volk Gottes
mit diesen Völkern vermischt - allen voran die führenden Männer und Beamten!«
Esr 9,3 Als ich das hörte, zerriss ich entsetzt mein Gewand, schnitt mir die
Haare und den Bart ab und setzte mich auf den Boden.
Esr 9,4 Wie betäubt saß ich da bis zur Zeit des Abendopfers. Inzwischen hatten
sich viele bei mir versammelt. Sie hatten große Angst davor, wie der Gott
Israels die Ehe mit Götzendienern bestrafen würde.
Esr 9,5 Zur Zeit des Abendopfers stand ich auf. In meinen zerrissenen Kleidern
kniete ich nieder und betete mit erhobenen Händen zum Herrn, meinem Gott:
Esr 9,6 »Mein Gott, ich schäme mich und wage nicht, mein Gesicht zu dir zu
erheben. Welch schwere Schuld haben wir auf uns geladen! Der Berg unserer Sünden
reicht bis an den Himmel.
Esr 9,7 Schon unsere Vorfahren haben deine Gebote missachtet, und so ist es bis
heute geblieben. Darum sind wir auch immer wieder fremden Herrschern in die
Hände gefallen. Sie haben uns, unsere Könige und Priester getötet, verschleppt,
ausgeraubt und Schimpf und Schande über uns gebracht. Bis heute hat sich nichts
geändert.
Esr 9,8 Herr, unser Gott! Du hast uns für kurze Zeit deine Gnade erwiesen. Einen
Rest unseres Volkes hast du aus der Gefangenschaft entkommen lassen und hierher
in die Heimat gebracht, wo dein heiliger Tempel steht. Darum können wir uns
wieder freuen und wieder aufatmen, obwohl ein anderes Volk uns regiert.
Esr 9,9 Wir stehen unter fremder Herrschaft, aber du hast uns nicht verlassen,
du hast uns sogar die Gunst der persischen Könige verschafft. Darum konnten wir
ein neues Leben beginnen und deinen zerstörten Tempel wieder aufbauen. Du hast
uns in Judäa und Jerusalem Sicherheit geschenkt.
Esr 9,10 Doch was können wir jetzt noch sagen, unser Gott, nach allem, was wir
getan haben? Wir haben uns über dein Gebot hinweggesetzt,
Esr 9,11 das du uns durch deine Diener, die Propheten, gegeben hast. Du
sprachst: ›Das Land, das ihr in Besitz nehmen werdet, ist durch den Götzendienst
seiner Bevölkerung entweiht. Sie haben eure künftige Heimat durch ihre
schrecklichen heidnischen Bräuche und ihre Götterstatuen beschmutzt.
Esr 9,12 Darum sollt ihr mit ihnen keine Ehe eingehen - eure Töchter nicht mit
ihren Söhnen und eure Söhne nicht mit ihren Töchtern! Tut nichts, was ihr Glück
und ihren Wohlstand noch vergrößern würde. Ihr selbst sollt mächtig werden, die
Ernte eures Landes genießen und es euren Nachkommen für alle Zeiten
weitervererben.‹
Esr 9,13 Aber unser Volk war dir ungehorsam und lud immer mehr Schuld auf sich,
darum brachtest du großes Unheil über uns. Doch du hast uns nicht so schwer
gestraft, wie wir es verdient hätten, sondern uns hier im Land in Sicherheit
gebracht.
Esr 9,14 Wie konnten wir nur aufs Neue deine Gebote mit Füßen treten und uns mit
diesen heidnischen Völkern einlassen? Muss dich da nicht der Zorn packen, bis du
uns ganz vernichtet hast, bis niemand von uns mehr übrig bleibt?
Esr 9,15 Herr, du Gott Israels! Du hast Gnade vor Recht ergehen lassen und hast
uns, den Rest deines Volkes, errettet. Doch jetzt stehen wir als Schuldige hier
und können nicht vor dir bestehen.«
Esr 10,1 So betete Esra und weinte. Während er vor dem Tempel kniete und Gott
die Schuld seines Volkes bekannte, sammelten sich um ihn viele Männer, Frauen
und Kinder aus Israel. Auch sie weinten heftig.
Esr 10,2 Schechanja, der Sohn Jehiëls, aus der Sippe Elam sagte zu Esra: »Ja,
wir sind unserem Gott untreu geworden, weil wir heidnische Frauen geheiratet
haben. Doch auch jetzt gibt es für Israel noch Hoffnung:
Esr 10,3 Lasst uns mit unserem Gott einen Bund schließen und schwören, uns von
den heidnischen Frauen und ihren Kindern zu trennen. Wir werden tun, was du und
die anderen, die Ehrfurcht vor Gottes Geboten haben, uns sagen. Das Gesetz des
Herrn muss befolgt werden!
Esr 10,4 Und nun steh auf und nimm die Angelegenheit selbst in die Hand. Wir
werden dich dabei unterstützen. Sei mutig und entschlossen!«
Esr 10,5 Da stand Esra auf. Er ließ alle führenden Männer der Priester, der
Leviten und des ganzen Volkes schwören, nach Schechanjas Rat zu handeln.
Esr 10,6 Dann verließ Esra den Platz vor dem Haus Gottes und ging in die
Tempelkammer Johanans, des Sohnes Eljaschibs. Dort blieb er die Nacht über, ohne
etwas zu essen und zu trinken, denn er trauerte über die Sünde der Israeliten.
Esr 10,7 [7/8] Auf Beschluss der Ältesten und führenden Männer wurde in
Jerusalem und in ganz Judäa folgende Botschaft verbreitet: »Alle aus der
Verbannung zurückgekehrten Israeliten haben sich innerhalb von drei Tagen in
Jerusalem einzufinden. Wer der Aufforderung nicht folgt, wird aus der Gemeinde
ausgeschlossen, und sein gesamter Besitz wird eingezogen.«
Esr 10,9 Da kamen alle Männer aus den Stämmen Juda und Benjamin vor Ablauf des
dritten Tages nach Jerusalem. Es war der 20. Tag des 9. Monats. Die Versammelten
saßen auf dem Tempelvorplatz. Sie hatten große Angst und zitterten vor Kälte,
denn es regnete stark.
Esr 10,10 Esra, der Priester, stand auf und sagte zu ihnen: »Ihr seid Gott
untreu geworden. Ihr habt heidnische Frauen geheiratet und so noch größere
Schuld auf Israel geladen.
Esr 10,11 Bekennt jetzt dem Herrn, dem Gott eurer Vorfahren, eure Sünden! Und
dann tut, was er euch befohlen hat: Sondert euch ab von den anderen Völkern im
Land, trennt euch von euren heidnischen Frauen!«
Esr 10,12 Alle Versammelten riefen: »Du hast Recht! Was du uns gesagt hast,
müssen wir tun!
Esr 10,13 Aber wir sind zu viele, außerdem ist Regenzeit. Wir können nicht im
Freien bleiben. Die Angelegenheit lässt sich auch nicht in ein oder zwei Tagen
regeln. Zu viele sind davon betroffen.
Esr 10,14 Unsere führenden Männer sollen hier bleiben und die ganze Versammlung
vertreten. Alle, die heidnische Frauen geheiratet haben, sollen an einem
bestimmten Tag mit den Ältesten und Richtern ihres Ortes vor den führenden
Männern erscheinen. Erst wenn wir alles in Ordnung gebracht haben, wird Gott
seinen glühenden Zorn wieder von uns abwenden.«
Esr 10,15 Alle waren einverstanden, bis auf Jonatan, den Sohn Asaëls, und
Jachseja, den Sohn Tikwas. Sie wurden von Meschullam und dem Leviten Schabbetai
unterstützt.
Esr 10,16 [16/17] Doch die Israeliten setzten ihren Beschluss in die Tat um. Der
Priester Esra wählte einige Sippenoberhäupter aus, die alle Fälle untersuchen
sollten, in denen jüdische Männer nichtjüdische Frauen geheiratet hatten. Am 1.
Tag des 10. Monats begannen sie damit, und am 1. Tag des 1. Monats waren sie
fertig.
Esr 10,18 [18/19] Es folgt ein Verzeichnis der Männer, die mit heidnischen
Frauen verheiratet waren. Sie gaben ihre Hand darauf, sich von diesen Frauen zu
trennen, und brachten je einen Schafbock als Schuldopfer dar. Von den Priestern:
Maaseja, Eliëser, Jarib und Gedalja aus den Sippen Jeschuas, des Sohnes
Jozadaks, und seiner Brüder;
Esr 10,20 Hanani und Sebadja aus der Sippe Immer;
Esr 10,21 Maaseja, Elia, Schemaja, Jehiël und Usija aus der Sippe Harim;
Esr 10,22 Eljoënai, Maaseja, Jismael, Netanel, Josabad und Elasa aus der Sippe
Paschhur.
Esr 10,23 Von den Leviten: Josabad, Schimi, Kelaja, den sie auch Kelita nannten,
Petachja, Juda und Eliëser.
Esr 10,24 Von den Sängern: Eljaschib. Von den Torwächtern: Schallum, Telem und
Uri.
Esr 10,25 Von den übrigen Israeliten: Ramja, Jisija, Malkija, Mijamin, Eleasar,
Haschabja und Benaja aus der Sippe Parosch;
Esr 10,26 Mattanja, Secharja, Jehiël, Abdi, Jeremot und Elia aus der Sippe Elam;
Esr 10,27 Eljoënai, Eljaschib, Mattanja, Jeremot, Sabad und Asisa aus der Sippe
Sattu;
Esr 10,28 Johanan, Hananja, Sabbai und Atlai aus der Sippe Bebai;
Esr 10,29 Meschullam, Malluch, Adaja, Jaschub, Scheal und Jeremot aus der Sippe
Bani;
Esr 10,30 Adna, Kelal, Benaja, Maaseja, Mattanja, Bezalel, Binnui und Manasse
aus der Sippe Pahat-Moab;
Esr 10,31 [31/32] Eliëser, Jischija, Malkija, Schemaja, Simeon, Benjamin,
Malluch und Schemarja aus der Sippe Harim;
Esr 10,33 Mattenai, Mattatta, Sabad, Elifelet, Jeremai, Manasse und Schimi aus
der Sippe Haschum;
Esr 10,34 [34-37] Maadai, Amram, Uël, Benaja, Bedja, Keluhi, Wanja, Meremot,
Eljaschib, Mattanja, Mattenai, Jaasai aus der Sippe Bani;
Esr 10,38 [38-42] Schimi, Schelemja, Nathan, Adaja, Machnadbai, Schaschai,
Scharai, Asarel, Schelemja, Schemarja, Schallum, Amarja und Josef aus der Sippe
Binnui;
Esr 10,43 Jeïël, Mattitja, Sabad, Sebina, Jaddai, Joel und Benaja aus der Sippe
Nebo.
Esr 10,44 Alle diese Männer hatten Frauen aus den anderen Völkern geheiratet.
Nun trennten sie sich von ihnen und ihren Kindern.
Neh 1,1 Dies ist der Bericht Nehemias, des Sohnes Hachaljas: Im 20.
Regierungsjahr des Königs Artaxerxes von Persien, im Monat Kislew, hielt ich
mich in der königlichen Residenz Susa auf.
Neh 1,2 Da besuchte mich Hanani, einer meiner Brüder, und mit ihm noch andere
Männer aus Judäa. Ich fragte sie: »Wie geht es den Juden, die aus der Verbannung
heimgekehrt sind, und wie steht es um Jerusalem?«
Neh 1,3 Sie berichteten: »Die Zurückgekehrten leiden bittere Not. Man beschimpft
sie. Von der Stadtmauer Jerusalems sind nur noch Trümmer übrig, die Tore liegen
in Schutt und Asche.«
Neh 1,4 Als ich das hörte, setzte ich mich hin und weinte. Ich trauerte
tagelang, fastete und betete:
Neh 1,5 »Ach Herr, du Gott des Himmels, du mächtiger und ehrfurchtgebietender
Gott! Du hältst deinen Bund mit uns und erweist Gnade denen, die dich lieben und
nach deinen Geboten leben.
Neh 1,6 Verschließe deine Augen und Ohren nicht, wenn ich zu dir flehe! Tag und
Nacht bete ich zu dir für das Leben der Israeliten. Du bist unser Herr. Ich
bekenne dir, dass wir gegen dich gesündigt haben, auch ich und meine Verwandten.
Neh 1,7 Wir alle haben schwere Schuld auf uns geladen. Wir hielten uns nicht an
die Gebote und Weisungen, die dein Diener Mose von dir bekommen hat.
Neh 1,8 Aber denke doch daran, was du zu Mose gesagt hast: ›Wenn ihr mich
verlasst, werde ich euch unter die fremden Völker zerstreuen,
Neh 1,9 wenn ihr aber wieder zu mir umkehrt und meine Gebote befolgt, dann lasse
ich euch in euer Land zurückkehren, auch wenn ich euch bis ans Ende der Erde
vertrieben habe. Ich bringe euch an den Ort, wo ich für immer wohnen will.‹
Neh 1,10 Ach, Herr, sie gehören ja trotz allem zu dir; sie sind dein Volk, das
du durch deine Macht und Stärke befreit hast.
Neh 1,11 Bitte erhöre doch mein Gebet und das Gebet aller, die dir dienen und
dich ehren wollen. Und wenn ich beim König vorspreche, dann hilf mir, dass ich
ein offenes Ohr bei ihm finde!« Denn ich war der Mundschenk des Königs.
Neh 2,1 Vier Monate waren seither vergangen. Eines Tages, als ich König
Artaxerxes beim Essen Wein einschenkte und ihm den Becher reichte, fiel ihm auf,
dass ich traurig aussah. Das war der König bei mir nicht gewohnt,
Neh 2,2 darum fragte er mich: »Warum siehst du so bedrückt aus? Du bist doch
nicht etwa krank? Nein, irgendetwas belastet dich!« Ich erschrak heftig
Neh 2,3 und antwortete: »Lang lebe der König! Wie könnte ich fröhlich sein, wenn
die Stadt, in der meine Vorfahren begraben sind, zerstört ist und ihre Tore in
Schutt und Asche liegen?«
Neh 2,4 Da fragte mich der König: »Worum bittest du?« Ich flehte zum Gott des
Himmels,
Neh 2,5 dann sagte ich: »Mein König! Wenn du es für richtig hältst und wenn du
mir vertraust, dann sende mich nach Judäa in die Stadt, in der meine Vorfahren
begraben liegen. Ich möchte sie wieder aufbauen.«
Neh 2,6 Der König, neben dem die Königin saß, fragte mich: »Wie lange soll deine
Reise dauern? Wann bist du wieder zurück?« Als ich ihm einen Zeitpunkt nannte,
stimmte er zu.
Neh 2,7 Dann bat ich ihn: »Mein König, wenn du möchtest, so gib mir bitte Briefe
an die Provinzstatthalter westlich des Euphrat mit, damit sie mir die Durchreise
nach Judäa gestatten.
Neh 2,8 Außerdem bitte ich dich um ein Schreiben an Asaf, den Verwalter der
königlichen Wälder, denn ich brauche Holz für die Torbalken der Burg am Tempel,
für die Stadtmauer und für das Haus, in dem ich wohnen werde.« Der König gab mir
die Briefe, denn Gott stand mir bei.
Neh 2,9 Dann befahl Artaxerxes, dass eine Leibgarde von Offizieren und Soldaten
mich begleiten sollte. So kam ich zu den Provinzstatthaltern westlich des
Euphrat und übergab ihnen die Briefe des Königs.
Neh 2,10 Der Statthalter Sanballat aus Bet-Horon und Tobija, sein Beauftragter
für die Provinz Ammon, wurden zornig, als sie hörten, dass jemand den Israeliten
helfen wollte.
Neh 2,11 Schließlich kam ich nach Jerusalem. Nach drei Tagen
Neh 2,12 brach ich mitten in der Nacht auf, begleitet von einigen Männern; nur
ich hatte ein Reittier dabei. Ich erzählte niemandem, welchen Auftrag Gott mir
für Jerusalem gegeben hatte.
Neh 2,13 So verließ ich mitten in der Nacht die Stadt durch das Taltor, ritt in
südlicher Richtung an der Drachenquelle vorbei und kam zum Misttor. Ich
untersuchte die zerstörten Mauern und die niedergebrannten Tore.
Neh 2,14 Dann zog ich nach Norden zum Quelltor und zum Königsteich. Als mein
Reittier keinen Weg mehr durch die Trümmer fand,
Neh 2,15 ritt ich trotz der Dunkelheit das Flusstal aufwärts und untersuchte von
dort aus die Mauer. Schließlich kehrte ich um und kam durch das Taltor wieder in
die Stadt zurück.
Neh 2,16 Die führenden Männer Jerusalems wussten nicht, wohin ich gegangen war
und was ich getan hatte, denn ich hatte ihnen, den Priestern und allen, die beim
Wiederaufbau mithelfen sollten, noch nichts von meinem Vorhaben erzählt.
Neh 2,17 Jetzt aber sagte ich zu ihnen: »Ihr seht selbst unser Elend: Jerusalem
ist ein einziger Trümmerhaufen, die Stadttore liegen in Schutt und Asche. Kommt,
lasst uns die Mauer wieder aufbauen, damit wir nicht länger dem Gespött der
Leute preisgegeben sind!«
Neh 2,18 Ich erzählte ihnen, wie Gott mir geholfen und was der König von Persien
mir versprochen hatte. Da erklärten sie: »Gut, wir wollen beginnen!«, und
machten sich entschlossen an die Arbeit.
Neh 2,19 Als Sanballat, Tobija und der Araber Geschem davon hörten, lachten sie
uns aus und spotteten: »Da habt ihr euch ja einiges vorgenommen! Wollt ihr euch
etwa gegen den König auflehnen?«
Neh 2,20 Ich entgegnete ihnen: »Der Gott des Himmels wird unser Vorhaben
gelingen lassen. Wir tun nur, was er von uns möchte; darum werden wir mit dem
Bau beginnen. Ihr aber habt kein Anrecht auf Grund und Boden in Jerusalem, und
auch aus der Vergangenheit könnt ihr keinerlei Anspruch erheben.«
Neh 3,1 Der Hohepriester Eljaschib und die anderen Priester bauten das Schaftor
wieder auf, sie weihten es dem Herrn und setzten die Torflügel ein. Auch den
angrenzenden Mauerabschnitt weihten sie bis zum »Turm der Hundert« und zum
Hananelturm.
Neh 3,2 Die Männer von Jericho besserten das anschließende Teilstück aus, und
Sakkur, der Sohn Imris, den darauf folgenden Abschnitt.
Neh 3,3 Das Fischtor errichtete die Sippe Senaa. Sie setzten Balken ein,
brachten Torflügel an und versahen sie mit Riegeln und Sperrbalken.
Neh 3,4 Den Wiederaufbau des nächsten Mauerabschnitts leitete Meremot, der Sohn
Urias und Enkel von Hakkoz. Daneben arbeitete Meschullam, der Sohn Berechjas und
Enkel Meschesabels. Zadok, der Sohn Baanas, besserte das folgende Teilstück aus.
Neh 3,5 Am nächsten Abschnitt bauten die Einwohner von Tekoa; doch die führenden
Männer jener Stadt waren zu stolz, um sich an der Arbeit für den Herrn zu
beteiligen.
Neh 3,6 Das Jeschanator errichteten Jojada, der Sohn Paseachs, und Meschullam,
der Sohn Besodjas. Sie setzten Balken ein, brachten Torflügel an und versahen
sie mit Riegeln und Sperrbalken.
Neh 3,7 Das nächste Stück bis zum Sitz des Statthalters für das Gebiet westlich
des Euphrat bauten Melatja aus Gibeon, Jadon aus Meronot und einige Männer aus
Gibeon und Mizpa.
Neh 3,8 Für den danebenliegenden Abschnitt war der Goldschmied Usiël, der Sohn
Harhajas, verantwortlich. Der Salbenmischer Hananja leitete die Arbeiten am
nächsten Stück. Diese beiden befestigten Jerusalem bis zur »Breiten Mauer«.
Neh 3,9 Daneben baute Refaja, der Sohn Hurs, dem die eine Hälfte des Bezirks
Jerusalem unterstand.
Neh 3,10 Jedaja, der Sohn Harumafs, leitete die Arbeiten am folgenden
Mauerabschnitt, der an seinem eigenen Haus entlangführte. Das nächste Stück
besserte Hattusch, der Sohn Haschabnejas, aus.
Neh 3,11 Den anschließenden Teil der Mauer und den Ofenturm stellten Malkija,
der Sohn Harims, und Haschub, der Sohn Pahat-Moabs, wieder her.
Neh 3,12 Schallum, der Sohn Loheschs, dem die zweite Hälfte des Bezirks
Jerusalem unterstand, besserte den nächsten Abschnitt aus, und seine Töchter
halfen mit.
Neh 3,13 Das Taltor bauten Hanun und die Einwohner von Sanoach. Sie hängten die
Torflügel ein und versahen sie mit Riegeln und Sperrbalken. Außerdem errichteten
sie die Mauer von dort bis zum Misttor, eine Strecke von ungefähr 500 Metern.
Neh 3,14 Das Misttor baute Malkija, der Sohn Rechabs, der Vorsteher des Bezirks
Bet-Kerem. Er setzte hier die Tore ein und befestigte Riegel und Sperrbalken.
Neh 3,15 Für den Wiederaufbau des Quelltors übernahm Schallun, der Sohn
Kolhoses, die Verantwortung. Er war der Vorsteher des Bezirks Mizpa. Er
überdachte das Tor, hängte die Torflügel ein und brachte Riegel und Sperrbalken
an. Unter seiner Aufsicht wurde auch die Mauer am Teich beim königlichen Garten
ausgebessert, zu dem die Wasserleitung führte. Dieses Teilstück reichte bis zu
den Stufen, die von der »Stadt Davids« herabkommen.
Neh 3,16 Die Arbeiten am nächsten Abschnitt übernahm Nehemja, der Sohn Asbuks,
dem die Hälfte des Bezirks Bet-Zur unterstand. Dieser Teil der Mauer lag den
Gräbern des Königshauses David gegenüber und erstreckte sich bis zum künstlich
angelegten Teich und bis zu den Unterkünften der Leibwache.
Neh 3,17 Folgende Leviten bauten die nächsten Mauerabschnitte: Rehum, der Sohn
Banis, hatte die Oberaufsicht. Haschabja, der Vorsteher über die Hälfte des
Bezirks Keïla, besserte das nächste Teilstück aus.
Neh 3,18 Daneben arbeiteten die Leviten unter der Führung von Binnui, dem Sohn
Henadads. Er war Vorsteher über die andere Hälfte des Bezirks Keïla.
Neh 3,19 Danach kam Eser, der Sohn Jeschuas, der Vorsteher von Mizpa. Sein
Bauabschnitt lag beim Aufgang zur Waffenkammer und ging bis zur Biegung der
Mauer.
Neh 3,20 Besonders fleißig arbeitete Baruch, der Sohn Sabbais. Ihm war der
Abschnitt zwischen der Biegung der Mauer und dem Eingang zum Haus des
Hohenpriesters Eljaschib zugeteilt.
Neh 3,21 Das nächste Mauerstück besserte Meremot aus, der Sohn Urias und Enkel
von Hakkoz; es reichte vom Eingang bis zum Ende des Hauses Eljaschibs.
Neh 3,22 Die folgenden Abschnitte wurden von Priestern aus der Umgebung von
Jerusalem gebaut.
Neh 3,23 Benjamin und Haschub leiteten die Arbeiten am nächsten Teilstück, das
ihren Häusern gegenüber lag. Asarja, der Sohn Maasejas und Enkel Ananjas,
widmete sich dem nächsten Teil der Mauer in der Nähe seines Hauses.
Neh 3,24 Den darauf folgenden Abschnitt vom Haus Asarjas bis zur Biegung und zur
Ecke der Mauer baute Binnui, der Sohn Henadads, wieder auf.
Neh 3,25 Palal, der Sohn Usais, war verantwortlich für das Teilstück, das an der
Mauerecke begann, und für den oberen Turm, der am königlichen Palast beim
Gefängnishof vorspringt. Pedaja, der Sohn Paroschs,
Neh 3,26 und die Tempeldiener, die auf dem Hügel Ofel wohnten, besserten den
anschließenden Abschnitt aus bis zu der Stelle gegenüber dem Wassertor im Osten
und dem vorspringenden Turm.
Neh 3,27 Das nächste Stück vom vorspringenden Turm bis zur Mauer auf dem Hügel
Ofel bauten die Einwohner von Tekoa.
Neh 3,28 Oberhalb des Rosstores arbeiteten die Priester, jeder an dem Stück
Mauer, das seinem Haus gegenüber lag.
Neh 3,29 Auch Zadok, der Sohn Immers, hatte die Verantwortung für den Teil der
Mauer, der seinem Haus am nächsten war. Den folgenden Abschnitt besserte
Schemaja aus, der Sohn Schechanjas, der Wächter am Osttor.
Neh 3,30 Daneben leiteten Hananja, der Sohn Schelemjas, und Hanun, der sechste
Sohn Zalafs, die Arbeiten. Meschullam, der Sohn Berechjas, baute den folgenden
Mauerteil gegenüber seinem Haus wieder auf.
Neh 3,31 Das nächste Teilstück bis zum Haus der Tempeldiener und der Händler
gegenüber dem Wachtor und bis zum oberen Raum an der Mauerecke besserte der
Goldschmied Malkija aus.
Neh 3,32 Den letzten Mauerabschnitt von dort bis zum Schaftor errichteten die
Goldschmiede und die Händler.
Neh 3,33 Als Sanballat erfuhr, dass wir mit dem Bau der Stadtmauer begonnen
hatten, packte ihn der Zorn. Er verspottete uns
Neh 3,34 vor seinen Vertrauten und den Truppen von Samaria: »Was wollen diese
armseligen Juden eigentlich? Jerusalem zur Festung ausbauen? Sie meinen wohl,
wenn sie Opfer darbringen, können sie an einem Tag fertig werden! Mit diesen
verbrannten Steinen und diesem Schutt wollen sie eine neue Stadtmauer
errichten?«
Neh 3,35 Der Ammoniter Tobija stand neben ihm und pflichtete ihm bei: »Sollen
sie doch bauen! Wenn ein Fuchs an der Mauer hochspringt, fällt sie wieder in
sich zusammen!«
Neh 3,36 Doch ich betete: »Herr, unser Gott, hör doch, wie sie sich über uns
lustig machen! Strafe sie für ihren Spott! Sorge dafür, dass ihnen ihr ganzer
Besitz genommen wird und sie in ein fremdes Land verschleppt werden.
Neh 3,37 Vergib ihnen nicht, vergiss niemals, welches Unrecht sie uns angetan
haben! Denn sie haben die verspottet, die Jerusalem wieder aufbauen.«
Neh 3,38 Trotz allem besserten wir die Mauer weiter aus, und schon bald waren
ihre Lücken bis zur halben Höhe geschlossen. Denn das Volk arbeitete mit ganzer
Kraft.
Neh 4,1 Als Sanballat und Tobija, die Araber, die Ammoniter und die Einwohner
von Aschdod erfuhren, dass der Aufbau der Jerusalemer Mauer Fortschritte machte
und die letzten Lücken schon fast geschlossen waren, gerieten sie in Wut.
Neh 4,2 Sie verbündeten sich, um Jerusalem anzugreifen und unsere Pläne zu
durchkreuzen.
Neh 4,3 Wir aber flehten zu unserem Gott und stellten Tag und Nacht Wachen auf.
Neh 4,4 Das Volk der Judäer sang ein Klagelied: »Die Kraft der Träger reicht
nicht mehr, der Schutt ist viel zu viel. Alleine ist es uns zu schwer, wir
kommen nie ans Ziel.«
Neh 4,5 Unsere Feinde dachten: »Noch bevor die Juden uns bemerken, sind wir
schon mitten unter ihnen, bringen sie um und zerstören ihr Bauwerk!«
Neh 4,6 Aber immer wieder kamen Juden, die in ihrer Nähe wohnten, zu uns und
erzählten, was die Völker ringsum gegen uns im Schilde führten.
Neh 4,7 Darum stellte ich dort wehrfähige Männer auf, wo die Mauer noch
besonders niedrig war und Lücken aufwies. Sie waren nach Sippen eingeteilt und
mit Schwertern, Lanzen und Bogen bewaffnet.
Neh 4,8 Ich sah mir alles noch einmal genau an, dann sagte ich zu den führenden
Männern und zum übrigen Volk: »Habt keine Angst vor ihnen! Vertraut dem Herrn,
denn er ist groß und mächtig. Kämpft für eure Brüder und Söhne, für eure Töchter
und Frauen und für eure Häuser!«
Neh 4,9 Als unsere Feinde hörten, dass wir alles wussten und dass Gott ihre
Pläne vereitelt hatte, konnten wir wieder an die Arbeit gehen, jeder an seinen
Platz.
Neh 4,10 Allerdings baute von diesem Tag an nur noch die Hälfte der Männer an
der Mauer weiter, die anderen hielten in ihren Rüstungen Wache und waren mit
Lanzen, Schilden und Bogen bewaffnet. Sie standen mit ihren Offizieren hinter
den Männern,
Neh 4,11 die an der Mauer arbeiteten. Die Lastträger trugen mit der einen Hand
das Baumaterial, in der anderen hielten sie eine Waffe.
Neh 4,12 Alle Arbeiter hatten ihr Schwert umgeschnallt. Der Mann, der mit dem
Horn Alarm blasen sollte, blieb die ganze Zeit in meiner Nähe.
Neh 4,13 Den führenden Männern und dem übrigen Volk hatte ich eingeschärft: »Die
Mauerabschnitte, die wieder aufgebaut werden müssen, sind sehr lang. Darum sind
auch wir weit voneinander entfernt.
Neh 4,14 Sobald ihr irgendwo das Horn blasen hört, lauft sofort dorthin! Unser
Gott wird für uns kämpfen!«
Neh 4,15 So arbeiteten wir alle vom Morgengrauen bis zum Einbruch der
Dunkelheit, und die Hälfte der Männer hielt mit der Lanze in der Hand Wache.
Neh 4,16 Ich hatte allen befohlen: Ȇbernachtet in Jerusalem, damit ihr nachts
eine Wache übernehmen und tagsüber arbeiten könnt.«
Neh 4,17 Sogar nachts zog ich meine Kleider nicht aus, und auch meine
Verwandten, meine Mitarbeiter und die Männer meiner Leibwache waren jederzeit
einsatzbereit mit der Waffe in der Hand.
Neh 5,1 Nach einiger Zeit kamen jüdische Männer und Frauen zu mir und
beschwerten sich über Leute aus ihrem eigenen Volk.
Neh 5,2 Die einen klagten: »Wir haben viele Söhne und Töchter und brauchen mehr
Getreide, sonst können wir nicht überleben.«
Neh 5,3 Andere sagten: »Wir mussten unsere Felder, Weinberge und Häuser
verpfänden, um während der Hungersnot Brot kaufen zu können.«
Neh 5,4 Und wieder andere beklagten sich: »Wir mussten uns Geld leihen, um dem
König die Steuern auf unsere Felder und Weinberge bezahlen zu können.
Neh 5,5 Wir gehören doch zum selben Volk wie die anderen Juden! Unsere Kinder
sind nicht weniger wert als ihre. Und doch müssen wir ihnen unsere Söhne und
Töchter als Sklaven verkaufen; einige unserer Töchter sind schon in ihrer
Gewalt. Wir sind machtlos, denn unsere Felder und Weinberge gehören ja ihnen.«
Neh 5,6 Als ich ihre Klagen hörte und von dem Unrecht erfuhr, wurde ich sehr
zornig.
Neh 5,7 Ich dachte über alles gründlich nach, dann stellte ich die führenden
Männer zur Rede: »Eure eigenen Landsleute beutet ihr skrupellos aus!« Ich berief
eine Volksversammlung ein
Neh 5,8 und redete ihnen ins Gewissen: »Menschen aus unserem Volk sind von
fremden Völkern zu Sklaven gemacht worden. Wir haben von ihnen so viele wie
möglich freigekauft. Und jetzt habt ihr eure eigenen Landsleute zu Sklaven
gemacht! Sollen wir sie nun etwa von euch zurückkaufen?« Darauf wussten sie
keine Antwort und schwiegen.
Neh 5,9 Ich fuhr fort: »Ihr begeht ein großes Unrecht! Warum gehorcht ihr Gott
nicht und tut, was recht ist? Ihr macht uns zum Gespött unserer Feinde!
Neh 5,10 Auch ich, meine Verwandten und meine Mitarbeiter haben anderen Geld und
Getreide geliehen. Doch wir wollen nichts mehr zurückfordern.
Neh 5,11 Gebt auch ihr euren Schuldnern noch heute die gepfändeten Felder und
Weinberge, die Ölberge und Häuser zurück. Erlasst ihnen alles, was ihr ihnen an
Geld und Getreide, an Wein und Öl geliehen habt!«
Neh 5,12 Sie antworteten: »Gut, wir wollen tun, was du sagst. Wir geben alles
zurück und fordern nichts mehr.« Da rief ich die Priester zu mir und ließ die
Gläubiger vor ihnen schwören, ihr Versprechen zu halten.
Neh 5,13 Dann schüttelte ich alles aus, was ich in meinem Gewand trug, und
sagte: »Genau so soll Gott jeden, der seinen Eid bricht, aus seiner Sippe und
aus seinem Besitz hinauswerfen!« Alle Versammelten riefen: »Ja, so soll es
geschehen!« Sie lobten den Herrn und erfüllten ihr Versprechen.
Neh 5,14 Zwölf Jahre war ich Statthalter der Provinz Judäa, vom 20. bis zum 32.
Regierungsjahr des Königs Artaxerxes; in dieser Zeit verzichteten meine
Verwandten und ich auf die zusätzlichen Abgaben, die uns zustanden.
Neh 5,15 Meine Vorgänger hatten sich am Volk bereichert. Sie hatten nicht nur
Brot und Wein von ihm verlangt, sondern zusätzlich noch 40 Silberstücke pro Tag.
Auch ihre Mitarbeiter beuteten das Volk aus. Doch ich handelte nicht so, denn
ich hatte Ehrfurcht vor Gott.
Neh 5,16 Ich setzte meine ganze Kraft daran, beim Bau der Stadtmauer Jerusalems
mitzuhelfen, und auch alle Männer, die für mich arbeiteten, waren beteiligt.
Keiner von uns kaufte für sich selbst Land.
Neh 5,17 An meinem Tisch waren regelmäßig 150 führende Juden zu Gast, dazu alle,
die aus den umliegenden Völkern zu uns gestoßen waren.
Neh 5,18 Jeden Tag ließ ich ein Rind, sechs der besten Schafe und viel Geflügel
schlachten und zubereiten. Alle zehn Tage wurden die verschiedensten Weine in
großen Mengen bereitgestellt. Für die Kosten kam ich selbst auf. Trotzdem
verzichtete ich auf die zusätzlichen Abgaben, die mir als Statthalter zustanden,
denn das Volk musste für den Bau der Stadtmauer schon genug aufbringen.
Neh 5,19 Mein Gott, vergiss nicht, wie viel Gutes ich für dieses Volk getan
habe!
Neh 6,1 Sanballat, Tobija, der Araber Geschem und unsere übrigen Feinde
erfuhren, dass ich die Stadtmauer wieder aufgebaut hatte und dass sie keine
Lücken mehr aufwies. Nur die Torflügel hatten wir noch nicht eingesetzt.
Neh 6,2 Da ließen Sanballat und Geschem mir ausrichten: »Wir wollen uns mit dir
in Kefirim in der Ebene von Ono treffen!« Weil sie aber einen Anschlag gegen
mich planten,
Neh 6,3 schickte ich ihnen einen Boten und ließ ihnen sagen: »Ich kann nicht
kommen, denn wir führen hier ein großes Werk aus. Die ganze Arbeit müsste
unterbrochen werden, wenn ich eurer Aufforderung folgen würde.«
Neh 6,4 Noch viermal schickten sie mir dieselbe Botschaft, und jedes Mal gab ich
ihnen die gleiche Antwort.
Neh 6,5 Doch Sanballat sandte mir zum fünften Mal einen seiner Männer, diesmal
mit einem unverschlossenen Brief.
Neh 6,6 Darin stand: »Die anderen Völker des Landes erzählen, dass du mit den
Juden einen Aufstand planst und darum die Mauer wieder aufbaust. Auch von
Geschem habe ich das gehört. Anscheinend willst du König der Juden werden.
Neh 6,7 Du sollst sogar schon einige Propheten beauftragt haben, dich in
Jerusalem zum König von Judäa auszurufen. Von solchen Gerüchten wird natürlich
auch der persische König erfahren. Darum lass uns miteinander beraten, was zu
tun ist!«
Neh 6,8 Ich ließ ihm ausrichten: »Keine deiner Behauptungen ist wahr. Sie sind
alle frei erfunden!«
Neh 6,9 Unsere Feinde wollten uns Angst einjagen, um die Fertigstellung der
Mauer zu verhindern. Doch ich betete: »Herr, gib uns Mut und Kraft!«
Neh 6,10 Eines Tages besuchte ich Schemaja, den Sohn Delajas und Enkel
Mehetabels, denn er konnte nicht zu mir kommen. Er sagte zu mir: »Wir müssen uns
im inneren Raum des Tempels treffen und die Türen fest verschließen, sie wollen
dich nämlich umbringen - noch heute Nacht!«
Neh 6,11 Ich entgegnete: »Ein Mann wie ich läuft nicht davon! Außerdem bin ich
kein Priester, ich darf den inneren Raum des Tempels überhaupt nicht betreten,
sonst hätte ich mein Leben verwirkt. Nein, ich gehe nicht!«
Neh 6,12 Mir war klar geworden, dass Schemaja nicht im Auftrag Gottes sprach. Er
tat, als habe er eine Botschaft Gottes empfangen, doch in Wirklichkeit hatten
Tobija und Sanballat ihn bestochen.
Neh 6,13 Sie wollten mir Angst einjagen und mich zu einer Tat verleiten, durch
die ich mich schuldig machte. So hätten sie meinen guten Ruf zerstören und mich
zur Zielscheibe des Spottes machen können.
Neh 6,14 Ach Gott, vergiss nicht, was mir Tobija und Sanballat angetan haben!
Denke daran, dass die Prophetin Noadja und die anderen Propheten mich
einschüchtern wollten!
Neh 6,15 Die Mauer wurde nach 52 Tagen, am 25. Tag des Monats Elul, fertig.
Neh 6,16 Als unsere Feinde aus den Völkern ringsum das hörten, bekamen sie Angst
und verloren allen Mut. Denn sie erkannten, dass unser Gott uns geholfen hatte.
Neh 6,17 Während dieser ganzen Zeit hatten einige einflussreiche Männer Judäas
ständig an Tobija geschrieben und auch Briefe von ihm erhalten.
Neh 6,18 Viele Judäer hatten ihm Beistand geschworen, denn er war der
Schwiegersohn Schechanjas, des Sohnes Arachs, und sein Sohn Johanan war mit
einer Tochter Meschullams, des Sohnes Berechjas, verheiratet.
Neh 6,19 Darum hoben sie vor mir die Verdienste Tobijas hervor und
hinterbrachten ihm alles, was ich gesagt hatte. Tobija wollte mich daraufhin mit
Briefen einschüchtern.
Neh 7,1 Als die Stadtmauer wieder ganz aufgebaut war, ließ ich die Torflügel
einsetzen. Dann bestimmte ich einige Männer zu Torwächtern am Tempel und wies
den Sängern und Leviten ihren Dienst zu.
Neh 7,2 Zum Befehlshaber über Jerusalem ernannte ich meinen Bruder Hanani und
Hananja, den Kommandanten der Festung. Hananja war ein zuverlässiger Mann und
ging den anderen in seiner Liebe zu Gott mit gutem Beispiel voran.
Neh 7,3 Ich sagte zu den beiden: »Die Tore Jerusalems dürfen erst geöffnet
werden, wenn die Sonne schon hoch am Himmel steht. Und sie sollen noch vor
Sonnenuntergang wieder geschlossen und verriegelt werden. Stellt einige
Einwohner Jerusalems als Wachposten auf, die einen zum Schutz der Stadtmauer,
die anderen für die Häuser in der Stadt!«
Neh 7,4 Jerusalem war sehr groß, doch es lebten erst wenig Menschen dort, und
die zerstörten Häuser waren noch nicht wieder aufgebaut.
Neh 7,5 Da gab Gott mir in den Sinn, eine Versammlung der führenden Männer und
des ganzen Volkes einzuberufen, um ein Verzeichnis der Sippen anzulegen. Dabei
fand ich die Buchrolle mit dem Verzeichnis der ersten Judäer, die aus der
Verbannung zurückgekehrt waren. Darin hieß es:
Neh 7,6 »Die hier Eingetragenen stammen aus der persischen Provinz Judäa.
Nebukadnezar, der König von Babylonien, hatte ihre Vorfahren in sein Land
verschleppt. Sie kehrten in Sippenverbänden nach Jerusalem und Judäa zurück,
jeder an den Ort, aus dem er ursprünglich kam.
Neh 7,7 Sie wurden angeführt von Serubbabel, Jeschua, Nehemja, Asarja, Raamja,
Nahamani, Mordochai, Bilschan, Misperet, Bigwai, Rehum und Baana.« Es folgt ein
Verzeichnis der heimkehrenden Sippen mit der Zahl der zu ihnen gehörenden
Männer:
Neh 7,8 [8-38] 2172 von der Sippe Parosch; 372 von Schefatja; 652 von Arach;
2818 von Pahat-Moab, sie waren Nachkommen von Jeschua und Joab; 1254 von Elam;
845 von Sattu; 760 von Sakkai; 648 von Binnui; 628 von Bebai; 2322 von Asgad;
667 von Adonikam; 2067 von Bigwai; 655 von Adin; 98 von Ater, sie waren
Nachkommen von Hiskia; 328 von Haschum; 324 von Bezai; 112 von Harif; 95 von
Gibeon; 188 aus Bethlehem und Netofa; 128 aus Anatot; 42 aus Bet-Asmawet; 743
aus Kirjat-Jearim, Kefira und Beerot; 621 aus Rama und Geba; 122 aus Michmas;
123 aus Bethel und Ai; 52 aus dem anderen Nebo; 1254 von der Sippe des anderen
Elam; 320 von Harim; 345 aus Jericho; 721 aus Lod, Hadid und Ono; 3930 von der
Sippe Senaa.
Neh 7,39 [39-42] Aus den Sippen der Priester kehrten zurück: 973 Männer mit
Familien von der Sippe Jedaja, Nachkommen Jeschuas; 1052 von Immer; 1247 von
Paschhur; 1017 von Harim.
Neh 7,43 Von den Leviten: 74 aus den Sippen Jeschua und Kadmiël, sie waren
Nachkommen Hodawjas;
Neh 7,44 von den Tempelsängern: 148 aus der Sippe Asaf;
Neh 7,45 von den Wächtern an den Tempeltoren: 138 aus den Sippen Schallum, Ater,
Talmon, Akkub, Hatita und Schobai;
Neh 7,46 [46-56] von den Tempeldienern: die Sippen von Ziha, Hasufa, Tabbaot,
Keros, Sia, Padon, Lebana, Hagaba, Salmai, Hanan, Giddel, Gahar, Reaja, Rezin,
Nekoda, Gasam, Usa, Paseach, Besai, die Mëuniter und die Nefusiter sowie die
Sippen von Bakbuk, Hakufa, Harhur, Bazlut, Mehida, Harscha, Barkos, Sisera,
Temach, Neziach und Hatifa.
Neh 7,57 [57-59] Von den Nachkommen der Diener Salomos kamen zurück: die Sippen
von Sotai, Soferet, Peruda, Jaala, Darkon, Giddel, Schefatja, Hattil,
Pocheret-Zebajim und Amon.
Neh 7,60 Insgesamt kehrten 392 Tempeldiener und Nachkommen der Diener Salomos
nach Israel zurück.
Neh 7,61 [61/62] 642 heimkehrende Familien stammten aus den Orten Tel-Melach,
Tel-Harscha, Kerub-Addon und Immer. Sie gehörten zu den Sippen Delaja, Tobija
und Nekoda, konnten jedoch ihre israelitische Abstammung nicht nachweisen.
Neh 7,63 [63/64] Einige der Priester durften keinen Tempeldienst ausüben, denn
ihre Abstammungsregister waren nicht aufzufinden. Sie kamen aus den Sippen von
Habaja, Hakkoz und Barsillai. Der Stammvater der Sippe Barsillai hatte eine
Tochter des Gileaditers Barsillai geheiratet und den Namen seines
Schwiegervaters angenommen.
Neh 7,65 Der persische Statthalter verbot den Priestern aus diesen drei Sippen,
von den Opfergaben zu essen, bis wieder ein Hoherpriester im Amt wäre, der das
heilige Los werfen durfte, um über ihren Fall zu entscheiden.
Neh 7,66 Insgesamt kehrten 42360 Israeliten in ihre Heimat zurück,
Neh 7,67 dazu kamen 7337 Sklaven und Sklavinnen und 245 Sänger und Sängerinnen.
Neh 7,68 Die Israeliten brachten 435 Kamele und 6720 Esel mit.
Neh 7,69 Einige Sippenoberhäupter stifteten freiwillige Gaben für den
Wiederaufbau des Tempels. Der Statthalter gab 1000 Goldmünzen, 50 Opferschalen
und 530 Priestergewänder.
Neh 7,70 Die Sippenoberhäupter legten 20000 Goldmünzen und 1500 Kilogramm Silber
zusammen.
Neh 7,71 Das übrige Volk spendete 20000 Goldmünzen, 1400 Kilogramm Silber und 67
Priestergewänder.
Neh 7,72 Die Priester, die Leviten, die Torwächter, Sänger und Tempeldiener
ließen sich wie die übrigen Israeliten in ihren früheren Heimatorten nieder.
Neh 8,1 Am 1. Tag des 7. Monats, als alle Israeliten wieder in ihren Städten
wohnten,
Neh 8,2 versammelte sich das ganze Volk auf dem Platz vor dem Wassertor. Sie
baten den Schriftgelehrten Esra, das Buch mit dem Gesetz zu holen, das der Herr
dem Volk Israel durch Mose gegeben hatte.
Neh 8,3 Da las der Priester Esra das Gesetz vor den Männern und Frauen und vor
den Kindern, die alt genug waren, um es verstehen zu können. Alle hörten
aufmerksam zu, vom frühen Morgen bis zum Mittag.
Neh 8,4 Esra stand auf einer Plattform aus Holz, die man eigens dafür errichtet
hatte. Rechts neben ihm waren Mattitja, Schema, Anaja, Uria, Hilkija und
Maaseja, links Pedaja, Mischaël, Malkija, Haschum, Haschbaddana, Secharja und
Meschullam.
Neh 8,5 Weil Esra einen erhöhten Platz hatte, konnten alle sehen, wie er die
Buchrolle öffnete. Da stand das ganze Volk auf.
Neh 8,6 Esra pries den Herrn, den großen Gott, und alle riefen mit erhobenen
Händen: »Amen, Amen!« Dann warfen sie sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht
zu Boden.
Neh 8,7 Die Leviten Jeschua, Bani, Scherebja, Jamin, Akkub, Schabbetai, Hodija,
Maaseja, Kelita, Asarja, Josabad, Hanan und Pelaja legten den Versammelten das
Gesetz aus.
Neh 8,8 Die vorgelesenen Abschnitte übersetzten sie aus dem Hebräischen in die
aramäische Umgangssprache und erklärten das Gesetz, damit das Volk es wirklich
verstehen konnte.
Neh 8,9 Als die Menschen hörten, was im Gesetz stand, begannen sie zu weinen.
Aber der Statthalter Nehemia, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die
Leviten, die das Gesetz auslegten, ermutigten sie: »Seid nicht traurig, und
weint nicht! Heute ist ein Festtag; er gehört dem Herrn, eurem Gott!
Neh 8,10 Und nun geht nach Hause, esst und trinkt! Bereitet euch ein Festmahl zu
und feiert! Gebt auch denen etwas, die sich ein solches Mahl nicht leisten
können! Dieser Tag gehört unserem Gott. Lasst den Mut nicht sinken, denn die
Freude am Herrn gibt euch Kraft!«
Neh 8,11 Auch die Leviten beruhigten das Volk und sagten: »Seid nicht traurig,
denn dieser Tag gehört Gott!«
Neh 8,12 Da gingen die Versammelten nach Hause und feierten ein großes
Freudenfest. Sie aßen und tranken und teilten mit denen, die selbst nichts
besaßen, denn sie hatten verstanden, was man ihnen verkündet hatte.
Neh 8,13 Am zweiten Tag kamen die Sippenoberhäupter des ganzen Volkes, die
Priester und Leviten zu Esra, dem Schriftgelehrten, um das Gesetz noch besser zu
verstehen.
Neh 8,14 Dabei entdeckten sie, dass der Herr durch Mose befohlen hatte, die
Israeliten sollten während des Festes im 7. Monat in Laubhütten wohnen.
Neh 8,15 Darum ließ man in Jerusalem und in allen anderen Städten bekannt geben:
»Steigt auf die Hügel und bringt frische Zweige von Ölbäumen, Myrten, Palmen und
anderen Bäumen mit dichten Blättern. Dann baut damit Laubhütten, wie es das
Gesetz vorschreibt!«
Neh 8,16 Die Judäer folgten der Aufforderung. Sie schnitten Zweige ab und
errichteten Hütten auf den flachen Dächern ihrer Häuser, in ihren Höfen, in den
Vorhöfen am Tempel, auf dem Platz am Wassertor und am Tor Ephraim.
Neh 8,17 Alle, die aus der Verbannung zurückgekehrt waren, bauten Laubhütten und
wohnten darin. Seit der Zeit Josuas, des Sohnes Nuns, hatten die Israeliten dies
nicht mehr getan. Nun aber feierten sie mit großer Freude.
Neh 8,18 An jedem Tag des Festes wurde aus dem Gesetzbuch Gottes vorgelesen.
Sieben Tage lang feierten die Israeliten, und am achten Tag beendeten sie das
Fest mit einer Versammlung, wie es im Gesetz steht.
Neh 9,1 Am 24. Tag desselben Monats kamen die Israeliten zu einem Fastentag
zusammen. Sie zogen Bußgewänder aus Sacktuch an und streuten sich als Zeichen
ihrer Trauer Erde auf den Kopf.
Neh 9,2 Von allen, die nicht zum Volk Israel gehörten, hatten sie sich getrennt
und versammelten sich nun, um die Sünden zu bekennen, die sie und ihre Vorfahren
begangen hatten.
Neh 9,3 Drei Stunden lang hörten sie im Stehen zu, was aus dem Gesetzbuch des
Herrn, ihres Gottes, vorgelesen wurde. Dann warfen sie sich vor dem Herrn, ihrem
Gott, nieder und bekannten ihm drei Stunden lang ihre Schuld.
Neh 9,4 Auf einer Plattform standen die Leviten Jeschua, Bani, Kadmiël,
Schebanja, Bunni, Scherebja, Bani und Kenani. Mit lauter Stimme beteten sie zum
Herrn, ihrem Gott.
Neh 9,5 Die Leviten Jeschua, Kadmiël, Bani, Haschabneja, Scherebja, Hodija,
Schebanja und Petachja riefen: »Steht auf, preist den Herrn, euren Gott, bis in
alle Ewigkeit! Rühmt seinen herrlichen Namen, denn unser Gott ist groß und
mächtig; selbst mit unseren Lobliedern können wir ihn nicht beschreiben!«
Neh 9,6 Dann betete Esra: »Du bist der Herr, du allein! Du hast den Himmel
geschaffen mit all seinen Sternen! Die Erde und das Meer sind dein Werk mit
allen Geschöpfen, die es dort gibt. Du hast ihnen das Leben geschenkt, die
Mächte im Himmel beten dich an.
Neh 9,7 Du, o Herr, bist der Gott, der Abram erwählte; du führtest ihn aus Ur in
Babylonien und gabst ihm den Namen Abraham.
Neh 9,8 Du sahst, dass er dir treu war, und versprachst ihm: ›Deinen Nachkommen
gebe ich eine Heimat: das Land der Kanaaniter und Hetiter, der Amoriter und
Perisiter, der Jebusiter und Girgaschiter.‹ Du hast dein Wort gehalten, denn du
bist zuverlässig und gerecht!
Neh 9,9 Als unsere Vorfahren in Ägypten unterdrückt wurden, hast du dich über
sie erbarmt. Am Schilfmeer schrien sie um Hilfe, und du hast sie erhört.
Neh 9,10 Der Pharao, seine obersten Beamten und sein Volk haben unsere Vorfahren
verspottet und gedemütigt. Doch du hast ihnen Einhalt geboten mit großen Wundern
und mit Zeichen deiner Macht. So hast du deinen Namen in aller Welt bekannt
gemacht, und noch heute spricht man von deinen Taten.
Neh 9,11 Vor den Augen deines Volkes teiltest du das Meer, trockenen Fußes zogen
sie mitten hindurch. Doch ihre Verfolger stürztest du in die Wogen, wie Steine
sanken sie in die Tiefe.
Neh 9,12 Mit einer Wolkensäule führtest du dein Volk bei Tag, in der Nacht mit
einer Feuersäule. So zeigtest du ihnen den Weg.
Neh 9,13 Du stiegst vom Himmel herab auf den Berg Sinai und sprachst zu deinem
Volk. Du gabst ihnen klare Bestimmungen, Weisungen, auf die man sich verlassen
kann, gute Ordnungen und Gebote.
Neh 9,14 Du lehrtest sie, den Sabbat als einen Tag zu achten, der dir allein
gehört. Durch Mose, deinen Diener, hast du ihnen Gebote, Ordnungen und ein
Gesetz gegeben.
Neh 9,15 Als der Hunger sie quälte, gabst du ihnen Brot vom Himmel; als sie
Durst litten, ließest du Wasser aus dem Felsen fließen. Du befahlst ihnen, das
Land einzunehmen, das du ihnen zugesagt hattest.
Neh 9,16 Aber unsere Vorfahren waren hochmütig, sie widersetzten sich dir und
schlugen deine Weisungen in den Wind.
Neh 9,17 Sie wollten dir nicht gehorchen und vergaßen deine großen Wunder, mit
denen du ihnen geholfen hattest. Eigensinnig und widerspenstig wie sie waren,
wollten sie selbst einen Anführer berufen, der sie in die Sklaverei nach Ägypten
zurückbringen sollte. Du aber bist ein Gott, der vergibt, du bist gnädig und
barmherzig; deine Geduld ist nie zu Ende, deine Liebe ist grenzenlos. Du hast
unsere Vorfahren nicht verlassen,
Neh 9,18 auch nicht, als sie sich eine Stierfigur gossen und sagten: ›Das ist
unser Gott, der uns aus Ägypten geführt hat!‹ Wie sehr haben sie dich damit
verletzt!
Neh 9,19 Du aber hast sie in der Wüste nicht im Stich gelassen, denn du bist
barmherzig. Am Tag zeigte die Wolkensäule, wohin sie gehen sollten, und in der
Nacht erleuchtete die Feuersäule ihren Weg.
Neh 9,20 Du schenktest ihnen deinen guten Geist, um sie zur Einsicht zu bringen.
Als sie hungrig und durstig waren, hast du sie mit Manna und Wasser versorgt.
Neh 9,21 Vierzig Jahre wanderten sie in der Wüste umher, und immer bekamen sie
von dir, was sie brauchten. Ihre Kleider verschlissen nicht, und ihre Füße
schwollen nicht vom langen Marsch.
Neh 9,22 Königreiche und Völker gabst du in ihre Gewalt, ein Land nach dem
anderen konnten sie einnehmen. Sie eroberten Heschbon, das Land von König Sihon,
und Baschan, das Land von König Og.
Neh 9,23 Du hast ihnen viele Kinder gegeben, so zahlreich wie die Sterne am
Himmel. Du brachtest sie in das Land, das du ihren Vorfahren versprochen
hattest.
Neh 9,24 Sie eroberten es und ließen sich dort nieder. Die Bewohner Kanaans
mussten sich ihnen unterwerfen; die Herrscher und das Volk gabst du in ihre
Gewalt, sie waren gezwungen, ihnen zu dienen.
Neh 9,25 Dein Volk eroberte die befestigten Städte und nahm fruchtbares
Ackerland in Besitz, dazu reich ausgestattete Häuser, ausgehobene Zisternen,
viele Weinberge, Olivengärten und Obstbäume. Nun konnten sie essen, so viel sie
wollten. Es ging ihnen sehr gut, du hattest sie so reich beschenkt!
Neh 9,26 Doch trotz allem kehrten sie dir den Rücken und lehnten sich gegen dich
auf: Von deinen Geboten wollten sie nichts mehr wissen; sie brachten deine
Propheten um, die sie eindringlich ermahnt hatten, wieder zu dir zurückzukehren.
Damit haben sie dich selbst beleidigt.
Neh 9,27 Da ließest du ihre Feinde Macht über sie gewinnen, grausam wurden sie
von ihnen unterdrückt. In ihrer Not schrien sie zu dir um Hilfe, und du
erhörtest sie im Himmel, weil du Erbarmen mit ihnen hattest. Du schicktest ihnen
Retter, die sie von ihren Unterdrückern befreiten.
Neh 9,28 Doch kaum hatten sie Ruhe vor ihnen, taten sie wieder, was du
verabscheust. Erneut ließest du sie in die Hände ihrer Feinde fallen, hilflos
waren sie ihnen ausgeliefert. Und wieder schrien sie zu dir, und du erhörtest
sie im Himmel. Du brachtest ihnen immer wieder Rettung, weil du Erbarmen mit
ihnen hattest.
Neh 9,29 Du riefst sie zur Besinnung, sie sollten umkehren und sich an dein
Gesetz halten. Doch sie waren zu stolz und folgten deinen Weisungen nicht. Sie
übertraten deine Gebote, die doch jedem, der sie befolgt, das Leben bringen. Sie
wandten sich von dir ab, sie wollten nichts mehr von dir wissen und weigerten
sich, dir zu gehorchen.
Neh 9,30 Viele Jahre lang hattest du Geduld mit ihnen; du ermahntest sie durch
deinen Geist und sprachst zu ihnen durch die Propheten. Doch sie stellten sich
taub. Da gabst du sie in die Gewalt fremder Völker,
Neh 9,31 aber weil du erneut Erbarmen mit ihnen hattest, wolltest du sie nicht
völlig vernichten; du überließest sie nicht ihrem Schicksal. Denn du bist gnädig
und barmherzig.
Neh 9,32 Unser Gott, du großer, mächtiger und ehrfurchtgebietender Herr! Du
hältst dich an deinen Bund mit uns, deine Liebe hört niemals auf. Sieh doch,
welches Leid uns getroffen hat! Unsere Könige und führenden Männer, unsere
Priester und Propheten, ja, schon unsere Vorfahren und das ganze Volk - sie alle
haben schwer gelitten seit der Zeit, als die assyrischen Könige uns
unterdrückten, bis zum heutigen Tag.
Neh 9,33 Doch du hast uns zu Recht bestraft. Du bist uns immer treu geblieben,
selbst dann, wenn wir uns von dir lossagten.
Neh 9,34 Unsere Könige und führenden Männer, unsere Priester und unsere
Vorfahren, sie alle haben dein Gesetz missachtet, sie haben deine Gebote
übertreten und deine Warnungen in den Wind geschlagen.
Neh 9,35 Du hattest ihnen die Herrschaft anvertraut, du hattest sie mit Gütern
reich beschenkt und ihnen ein großes und fruchtbares Land gegeben. Doch sie
weigerten sich, dir zu dienen und von ihren falschen Wegen umzukehren.
Neh 9,36 Und heute sind wir Sklaven in dem Land, das du unseren Vorfahren
anvertraut hast, damit sie seine Früchte und seinen Reichtum genießen sollten.
Wir müssen hier als Sklaven dienen!
Neh 9,37 Die reiche Ernte fällt den Königen zu, die du wegen unserer Sünden über
uns herrschen lässt. Nun haben sie Gewalt über uns und über unser Vieh; sie
behandeln uns, wie es ihnen gerade passt. Darum sind wir in so großer Not.«
Neh 10,1 Nachdem wir Gott unsere Schuld bekannt hatten, schlossen wir eine
Vereinbarung und hielten sie schriftlich fest. Unsere führenden Männer, unsere
Leviten und Priester unterschrieben die Urkunde und versiegelten sie.
Neh 10,2 Als Erste unterzeichneten der Statthalter Nehemia, der Sohn Hachaljas,
und Zedekia,
Neh 10,3 dann die Priester Seraja, Asarja, Jirmeja,
Neh 10,4 Paschhur, Amarja, Malkija,
Neh 10,5 Hattusch, Schebanja, Malluch,
Neh 10,6 Harim, Meremot, Obadja,
Neh 10,7 Daniel, Ginneton, Baruch,
Neh 10,8 Meschullam, Abija, Mijamin,
Neh 10,9 Maasja, Bilga und Schemaja.
Neh 10,10 Danach unterschrieben die Leviten Jeschua, der Sohn Asanjas, Binnui
von der Sippe Henadad, Kadmiël
Neh 10,11 und ihre Verwandten Schechanja, Hodija, Kelita, Pelaja, Hanan,
Neh 10,12 Micha, Rehob, Haschabja,
Neh 10,13 Sakkur, Scherebja, Schebanja,
Neh 10,14 Hodija, Bani und Beninu.
Neh 10,15 Als Nächste unterzeichneten die führenden Männer des Volkes: Parosch,
Pahat-Moab, Elam, Sattu, Bani,
Neh 10,16 Bunni, Asgad, Bebai,
Neh 10,17 Adonija, Bigwai, Adin,
Neh 10,18 Ater, Hiskia, Asur,
Neh 10,19 Hodija, Haschum, Bezai,
Neh 10,20 Harif, Anatot, Nebai,
Neh 10,21 Magpiasch, Meschullam, Hesir,
Neh 10,22 Meschesabel, Zadok, Jaddua,
Neh 10,23 Pelatja, Hanan, Anaja,
Neh 10,24 Hoschea, Hananja, Haschub,
Neh 10,25 Lohesch, Pilha, Schobek,
Neh 10,26 Rehum, Haschabna, Maaseja,
Neh 10,27 Ahija, Hanan, Anan,
Neh 10,28 Malluch, Harim und Baana.
Neh 10,29 Auch das übrige Volk schloss sich der Verpflichtung an: weitere
Priester und Leviten, die Torwächter, Sänger, Tempeldiener und alle, die sich
von den heidnischen Völkern des Landes abgesondert hatten, um das Gesetz des
Herrn zu befolgen. Auch ihre Frauen schlossen sich an sowie ihre Söhne und
Töchter, sofern sie alt genug waren, die Vereinbarung zu verstehen.
Neh 10,30 Zusammen mit den führenden Männern legten sie einen Eid ab, das Gesetz
zu befolgen, das uns Gott durch seinen Diener Mose gegeben hat. Sie wollten nach
den Geboten des Herrn, nach seinen Ordnungen und Weisungen leben.
Neh 10,31 Sie schworen: »Wir verheiraten unsere Söhne und Töchter nicht mit
Männern und Frauen aus den anderen Völkern.
Neh 10,32 Wenn Angehörige fremder Völker uns am Sabbat oder an einem anderen
Gott geweihten Tag Getreide und Waren anbieten, so kaufen wir nichts. Jedes
siebte Jahr lassen wir das Land brachliegen und erlassen den Menschen sämtliche
Schulden.
Neh 10,33 Wir verpflichten uns, jährlich eine kleine Silbermünze für den Dienst
im Tempel zu zahlen:
Neh 10,34 für das Brot, das Gott geweiht ist, für die täglichen Speiseopfer und
Brandopfer, die Opfer am Sabbat, am Neumondfest und an den übrigen Festtagen,
für die besonderen Opfergaben und für die Opfer, die Israels Schuld tilgen,
sowie für alle Arbeiten im Tempel unseres Gottes.
Neh 10,35 Wir werfen das Los unter den Priestern, den Leviten und dem übrigen
Volk, um zu bestimmen, in welcher Reihenfolge ihre Sippen jedes Jahr zu den
festgesetzten Zeiten beim Tempel erscheinen sollen. Sie sollen das Brennholz für
die Opfer stiften, die auf dem Altar am Tempel verbrannt werden, wie es im
Gesetz vorgeschrieben ist.
Neh 10,36 Die ersten Früchte unserer Felder und Bäume liefern wir jedes Jahr
beim Tempel des Herrn ab.
Neh 10,37 Wie es im Gesetz steht, bringen wir unseren ersten Sohn zum Tempel und
weihen ihn Gott. Die ersten Jungen unserer Kühe, Schafe und Ziegen geben wir den
Priestern als Opfer.
Neh 10,38 Bei ihnen liefern wir auch den Brotteig ab, den wir aus dem ersten
Getreide des Jahres zubereiten, sowie die besten Früchte unserer Bäume, den
ersten Wein und das erste Olivenöl. Diese Gaben bringen wir in die
Vorratskammern beim Tempel unseres Gottes. In den Dörfern geben wir den Leviten
den zehnten Teil unserer Feldfrüchte.
Neh 10,39 Dabei soll ein Priester, ein Nachkomme Aarons, anwesend sein. Den
zehnten Teil dieser Abgaben sollen die Leviten in die Vorratskammern am Tempel
unseres Gottes bringen.
Neh 10,40 Das Volk und die Priester werden dort das Getreide, den neuen Wein und
das Olivenöl abliefern. In den Räumen werden auch alle Gegenstände für den
Tempeldienst aufbewahrt; außerdem haben dort die Priester, Torwächter und Sänger
ihre Kammern. Wir wollen dafür sorgen, dass der Tempeldienst ausgeübt werden
kann, so wie es vorgeschrieben ist.«
Neh 11,1 Alle führenden Männer hatten sich in Jerusalem niedergelassen. Aus dem
übrigen Volk sollte jede zehnte Familie in Jerusalem, der heiligen Stadt,
wohnen. Sie wurden durch das Los bestimmt. Die anderen Familien konnten in ihren
Heimatorten bleiben.
Neh 11,2 Doch wer freiwillig nach Jerusalem zog, wurde vom Volk besonders
geehrt.
Neh 11,3 In den Städten und Dörfern Judäas wohnten Leute aus dem Volk sowie
Priester, Leviten, Tempeldiener und Nachkommen der Diener Salomos, jeder auf dem
Grundstück, das er von seinen Vorfahren geerbt hatte. Folgende Sippenoberhäupter
aus Juda ließen sich in Jerusalem nieder:
Neh 11,4 aus dem Stamm Juda: Ataja, der Sohn Usijas, zu seinen Vorfahren
gehörten Secharja, Amarja, Schefatja, Mahalalel und Perez;
Neh 11,5 Maaseja, der Sohn Baruchs, zu seinen Vorfahren gehörten Kolhose,
Hasaja, Adaja, Jojarib, Secharja und Schela.
Neh 11,6 Von den Nachkommen des Perez wohnten 468 angesehene Männer mit ihren
Familien in Jerusalem.
Neh 11,7 Aus dem Stamm Benjamin: Sallu, der Sohn Meschullams, seine Vorfahren
reichten über Joëd, Pedaja, Kolaja, Maaseja und Itiël bis zu Jesaja;
Neh 11,8 Gabbai und Sallai, zwei nahe Verwandte von Sallu; zu den Sippen dieser
drei Männer gehörten 928 Familien.
Neh 11,9 Sie alle unterstanden Joel, dem Sohn Sichris; Juda, der Sohn Senuas,
war zweiter Stadtoberster.
Neh 11,10 Die Priester, die in Jerusalem lebten, waren Jedaja, Jojarib, Jachin
Neh 11,11 und der oberste Priester Seraja, ein Sohn Hilkijas, unter seinen
Vorfahren waren Meschullam, Zadok, Merajot und Ahitub.
Neh 11,12 Zu den Sippen dieser Priester gehörten 822 Familien, die Männer
verrichteten den Tempeldienst. Außerdem Adaja, der Sohn Jerohams, seine
Vorfahren reichten über Pelalja, Amzi, Secharja und Paschhur bis zu Malkija;
Neh 11,13 seine Sippe umfasste 242 Familien. Ferner Amaschsai, der Sohn Asarels,
zu seinen Vorfahren gehörten Achsai, Meschillemot und Immer;
Neh 11,14 seine Sippe bestand aus 128 Familien, die hohes Ansehen genossen. Sie
unterstanden Sabdiël, dem Sohn Haggadolims.
Neh 11,15 Von den Leviten lebten folgende Sippenoberhäupter in Jerusalem:
Schemaja, der Sohn Haschubs, zu seinen Vorfahren gehörten Asrikam, Haschabja und
Bunni;
Neh 11,16 außerdem Schabbetai und Josabad, die für den Dienst im äußeren Bereich
des Tempels verantwortlich waren;
Neh 11,17 ferner Mattanja, der Sohn Michas, er stammte über Sabdi von Asaf ab;
er leitete den Lobgesang und das Dankgebet im Tempel. Außerdem Mattanjas Bruder
Bakbukja, der auch sein Stellvertreter war; schließlich Abda, der Sohn
Schammuas, der über Galal von Jedutun abstammte.
Neh 11,18 Insgesamt lebten 284 levitische Familien in der heiligen Stadt.
Neh 11,19 Dazu kamen folgende Sippenoberhäupter der Torwächter: Akkub und Talmon
mit ihren Verwandten, insgesamt 172 Familien.
Neh 11,20 Der Rest des Volkes, der Priester und Leviten lebte außerhalb von
Jerusalem in den übrigen Städten Judäas, jeder auf dem Grundstück, das er von
seinen Vorfahren geerbt hatte.
Neh 11,21 Die Tempeldiener wohnten auf dem Hügel Ofel; Ziha und Gischpa hatten
die Aufsicht über sie.
Neh 11,22 Die Leviten in Jerusalem unterstanden Usi, dem Sohn Banis; zu seinen
Vorfahren gehörten Haschabja, Mattanja und Micha. Sie stammten von Asaf ab,
dessen Familie für die Musik im Tempel verantwortlich war.
Neh 11,23 Der König hatte genau festgelegt, in welcher Reihenfolge die Männer
aus der Sippe Asaf den Gesang im Tempel leiten sollten.
Neh 11,24 Petachja, der Sohn Meschesabels, ein Nachkomme von Serach, dem Sohn
Judas, vertrat die Belange der Israeliten am persischen Königshof.
Neh 11,25 In folgenden Städten wohnten Familien aus dem Stamm Juda: Kirjat-Arba,
Dibon und Kabzeel mit den umliegenden Dörfern,
Neh 11,26 Jeschua, Molada, Bet-Pelet,
Neh 11,27 Hazar-Schual, Beerscheba mit seinen Dörfern,
Neh 11,28 Ziklag, Mechona mit seinen Dörfern,
Neh 11,29 En-Rimmon, Zora, Jarmut,
Neh 11,30 Sanoach, Adullam mit den dazugehörenden Dörfern, Lachisch mit den
umliegenden Feldern sowie Aseka und seinen Dörfern. Das Gebiet erstreckte sich
von Beerscheba im Süden bis zum Hinnomtal im Norden.
Neh 11,31 Wohnorte für die Familien aus dem Stamm Benjamin waren: Geba, Michmas,
Aja, Bethel und die umliegenden Dörfer,
Neh 11,32 Anatot, Nob, Ananja,
Neh 11,33 Hazor, Rama, Gittajim,
Neh 11,34 Hadid, Zeboïm, Neballat,
Neh 11,35 Lod, Ono und das Tal der Handwerker.
Neh 11,36 Auch einige levitische Sippen aus dem Gebiet von Juda ließen sich im
Bereich des Stammes Benjamin nieder.
Neh 12,1 Es folgt ein Verzeichnis der Priester und Leviten, die mit Serubbabel,
dem Sohn Schealtiëls, und mit Jeschua aus der Verbannung zurückkehrten:
Priester: Seraja, Jirmeja, Esra,
Neh 12,2 Amarja, Malluch, Hattusch,
Neh 12,3 Schechanja, Rehum, Meremot,
Neh 12,4 Iddo, Ginneton, Abija,
Neh 12,5 Mijamin, Maadja, Bilga,
Neh 12,6 Schemaja, Jojarib, Jedaja,
Neh 12,7 Sallu, Amok, Hilkija und Jedaja. Sie waren die obersten Priester zu der
Zeit, als Jeschua Hoherpriester war.
Neh 12,8 Leviten: Jeschua, Binnui, Kadmiël, Scherebja, Juda und Mattanja. Sie
leiteten den Lobgesang im Tempel.
Neh 12,9 Bakbukja, Unni und ihre Verwandten sangen im Wechsel mit ihnen die
Loblieder.
Neh 12,10 Die Nachkommen des Hohenpriesters Jeschua: Jeschua war der Vater
Jojakims, auf diesen folgten in direkter Linie Eljaschib, Jojada,
Neh 12,11 Johanan und Jaddua.
Neh 12,12 Als Jojakim das Amt des Hohenpriesters ausübte, waren folgende
Priester die Oberhäupter ihrer Sippen: Meraja von der Sippe Seraja, Hananja von
der Sippe Jirmeja,
Neh 12,13 Meschullam von der Sippe Esra, Johanan von der Sippe Amarja,
Neh 12,14 Jonatan von der Sippe Malluch, Josef von der Sippe Schebanja,
Neh 12,15 Adna von der Sippe Harim, Helkai von der Sippe Meremot,
Neh 12,16 Secharja von der Sippe Iddo, Meschullam von der Sippe Ginneton,
Neh 12,17 Sichri von der Sippe Abija, ... von der Sippe Mijamin, Piltai von der
Sippe Maadja,
Neh 12,18 Schammua von der Sippe Bilga, Jonatan von der Sippe Schemaja,
Neh 12,19 Mattenai von der Sippe Jojarib, Usi von der Sippe Jedaja,
Neh 12,20 Kallai von der Sippe Sallu, Eber von der Sippe Amok,
Neh 12,21 Haschabja von der Sippe Hilkija, Netanel von der Sippe Jedaja.
Neh 12,22 Zur Zeit der Hohenpriester Eljaschib, Jojada, Johanan und Jaddua und
des persischen Königs Darius wurden Verzeichnisse erstellt, in denen die
Sippenoberhäupter der Priester und Leviten aufgeschrieben waren.
Neh 12,23 Die Sippenoberhäupter der Leviten wurden auch in den Chroniken
aufgezeichnet, und zwar bis zur Zeit des Hohenpriesters Johanan, des Enkels von
Eljaschib.
Neh 12,24 [24/25] Die levitischen Sippenoberhäupter Haschabja, Scherebja,
Jeschua, Binnui und Kadmiël leiteten Dienstgruppen, die im Tempel Loblieder
sangen. Im Wechsel mit ihnen sangen Mattanja, Bakbukja und Obadja mit ihren
Gruppen. So hatte es früher David, der Mann Gottes, angeordnet. Meschullam,
Talmon und Akkub waren als Torwächter für die Vorratsräume bei den Tempeltoren
eingesetzt.
Neh 12,26 Diese Männer lebten zur selben Zeit wie der Hohepriester Jojakim, ein
Sohn Jeschuas und Enkel Jozadaks, wie der Statthalter Nehemia und wie Esra, der
Priester und Schriftgelehrte.
Neh 12,27 Zur Einweihung der Stadtmauer wollten wir ein großes Fest feiern. Dazu
ließen wir die Leviten aus dem ganzen Land nach Jerusalem kommen, sie sollten
Loblieder singen und auf Zimbeln, Harfen und Lauten spielen.
Neh 12,28 Die Sänger kamen aus den Ortschaften rings um Jerusalem, aus den
Dörfern der Netofatiter,
Neh 12,29 aus Bet-Gilgal und aus der Gegend von Geba und Asmawet, wo sie sich
angesiedelt hatten.
Neh 12,30 Die Priester und Leviten reinigten sich für das Fest, dann besprengten
sie auch das Volk, die Stadttore und die Mauer.
Neh 12,31 Anschließend ließ ich die führenden Männer aus dem Stamm Juda auf die
Mauer steigen und teilte die Sänger in zwei große Gruppen ein: die erste zog
oben auf der Mauer in südlicher Richtung auf das Misttor zu.
Neh 12,32 Hinter ihnen ging Hoschaja mit der einen Hälfte der führenden Männer.
Neh 12,33 Dann folgten die Priester Asarja, Esra, Meschullam,
Neh 12,34 Juda, Benjamin, Schemaja und Jirmeja. Sie bliesen die Trompeten.
Neh 12,35 Danach kamen Secharja, der über Jonatan, Schemaja, Mattanja, Michaja
und Sakkur von Asaf abstammte,
Neh 12,36 sowie seine Verwandten Schemaja, Asarel, Milalai, Gilalai, Maai,
Netanel, Juda und Hanani. Sie spielten Saiteninstrumente, wie sie schon David,
der Mann Gottes, gespielt hatte. Esra, der Schriftgelehrte, führte die ganze
Gruppe an.
Neh 12,37 Beim Quelltor gingen sie geradeaus die Stufen hinauf, die zur »Stadt
Davids« führten, und hinter dem früheren Palast Davids vorbei zum Wassertor im
Osten der Stadt.
Neh 12,38 Ich selbst schloss mich mit den übrigen führenden Männern des Volkes
der zweiten Gruppe an. Wir gingen auf der Mauer in nördlicher Richtung zum
Ofentor und zur »Breiten Mauer«,
Neh 12,39 dann vorbei am Ephraimtor, am Jeschanator, am Fischtor, am
Hananelturm, am »Turm der Hundert« und am Schaftor. Schließlich gelangten wir
zum Wachtor.
Neh 12,40 Die beiden Gruppen stellten sich beim Tempel auf. Bei mir standen die
zweite Gruppe der führenden Männer
Neh 12,41 und die Priester Eljakim, Maaseja, Mijamin, Michaja, Eljoënai,
Secharja und Hananja mit ihren Trompeten.
Neh 12,42 Daneben hatte sich eine weitere Gruppe aufgestellt: Maaseja, Schemaja,
Eleasar, Usi, Johanan, Malkija, Elam und Eser. Die Sänger sangen ihre Loblieder
unter der Leitung von Jisrachja.
Neh 12,43 An diesem Tag wurden viele Tiere für das Opfermahl geschlachtet. Gott
schenkte uns allen, Männern, Frauen und Kindern, große Freude. Unser Jubel war
noch weit weg von Jerusalem zu hören.
Neh 12,44 Damals wurden einige Männer zur Aufsicht über die Vorratsräume
bestimmt, in denen die Abgaben für den Dienst am Tempel aufbewahrt wurden: die
ersten Früchte der Ernte und der zehnte Teil aller Einkünfte. Dort lagerte man
auch die Abgaben, die man in den Dörfern je nach Größe der Felder für die
Priester und Leviten eingesammelt hatte. Die Judäer freuten sich, dass die
Priester und Leviten den Tempeldienst gewissenhaft versahen,
Neh 12,45 denn sie sorgten dafür, dass die Reinigungsvorschriften eingehalten
wurden und der Gottesdienst regelmäßig gefeiert wurde. Auch die Sänger und
Torwächter hielten sich an die Anweisungen Davids und seines Sohnes Salomo.
Neh 12,46 Schon seit den Tagen Davids und Asafs wurde Gott im Heiligtum mit
Lobliedern gepriesen, und es gab Männer, die den Gesang leiteten.
Neh 12,47 Ganz Israel versorgte zur Zeit Serubbabels und Nehemias die Sänger und
Torwächter mit allem, was sie zum Leben brauchten. Den Leviten lieferte man die
Gott geweihten Gaben ab, und die Priester bekamen von den Leviten ihren Anteil.
Neh 13,1 Zu jener Zeit las man dem Volk aus dem Gesetz des Mose vor. Dabei stieß
man auf das Gebot, dass niemals Ammoniter oder Moabiter in das Volk Gottes
aufgenommen werden dürfen.
Neh 13,2 Diese Völker hatten sich nämlich geweigert, den Israeliten auf ihrem
Durchzug von Ägypten nach Kanaan etwas zu essen und zu trinken zu geben. Die
Moabiter hatten sogar Bileam dafür bezahlt, dass er das Volk Israel verfluchte;
doch unser Gott hatte den Fluch in Segen verwandelt.
Neh 13,3 Als nun die Israeliten dieses Gebot hörten, schlossen sie die Moabiter
und Ammoniter aus dem Volk aus.
Neh 13,4 Schon früher hatte der Priester Eljaschib, der Aufseher über die
Vorratskammern des Tempels, seinem Verwandten Tobija
Neh 13,5 erlaubt, eine große Kammer im Tempel für sich zu benutzen. Vorher hatte
man dort das Mehl für die Speiseopfer aufbewahrt, ebenso Weihrauch, die
Gegenstände für den Tempeldienst und den zehnten Teil vom Getreide, vom neuen
Wein und Olivenöl, der für die Leviten, Sänger und Torwächter bestimmt war. Auch
der Anteil für die Priester war hier gelagert worden.
Neh 13,6 Zu dieser Zeit hielt ich mich nicht in Jerusalem auf, denn im 32.
Regierungsjahr des persischen Königs Artaxerxes war ich an seinen Hof
zurückgekehrt. Einige Zeit später bat ich den König, wieder nach Jerusalem gehen
zu dürfen.
Neh 13,7 Kaum war ich dort angekommen, erfuhr ich, dass Eljaschib seinem
Verwandten Tobija eine Kammer im Vorhof des Tempels überlassen hatte.
Neh 13,8 Darüber war ich sehr erbost und ließ alles, was Tobija gehörte,
hinauswerfen.
Neh 13,9 Dann befahl ich, die Räume des Tempels wieder neu zu weihen und die
Gegenstände für den Tempeldienst, das Mehl für die Speiseopfer und den Weihrauch
zurückzubringen.
Neh 13,10 Ich erfuhr auch, dass die Leviten und Sänger ihren Dienst im Tempel
nicht mehr ausübten, sondern auf ihren Feldern arbeiteten, weil sie die Abgaben
nicht bekamen, auf die sie Anspruch hatten.
Neh 13,11 Da stellte ich die zuständigen Männer zur Rede: »Warum wird der
Tempeldienst so vernachlässigt?« Ich ließ die Leviten und Sänger zurückholen und
teilte sie wieder zum Dienst ein.
Neh 13,12 Nun brachte auch das ganze Volk wieder den zehnten Teil von seinem
Getreide, vom neuen Wein und vom Olivenöl in die Vorratskammern.
Neh 13,13 Die Aufsicht über die Vorräte übertrug ich dem Priester Schelemja, dem
Schreiber Zadok und dem Leviten Pedaja. Hanan, der Sohn Sakkurs und Enkel
Mattanjas, sollte ihnen dabei helfen. Sie alle galten als zuverlässige Männer.
Deshalb sollten sie die Vorräte an die Priester und Leviten verteilen.
Neh 13,14 Denke an mich, mein Gott! Vergiss niemals, was ich für dein Haus und
für den Tempeldienst getan habe!
Neh 13,15 Zu dieser Zeit sah ich in Judäa einige, die am Sabbat in der Kelter
Weintrauben auspressten. Andere fuhren Getreide vom Feld ein, beluden ihre Esel
damit und brachten es zusammen mit Wein, Trauben, Feigen und anderen
Lebensmitteln am Sabbat nach Jerusalem. Nachdrücklich warnte ich sie davor, ihre
Waren zum Kauf anzubieten.
Neh 13,16 Es wohnten auch einige Tyrer in Jerusalem; selbst am Sabbat verkauften
sie an die Judäer Fische und andere Waren, die sie nach Jerusalem gebracht
hatten.
Neh 13,17 Da stellte ich die einflussreichen Männer von Judäa zur Rede: »Warum
ladet ihr solche Schuld auf euch und achtet den Sabbat nicht als Ruhetag?
Neh 13,18 Haben eure Vorfahren nicht genauso gehandelt? Darum hat unser Gott so
viel Unheil über uns und unsere Stadt gebracht. Und jetzt fordert ihr erst recht
seinen Zorn heraus, indem ihr den Sabbat missachtet!«
Neh 13,19 Ich ordnete an, die Tore Jerusalems am Abend vor dem Sabbat zu
schließen, sobald die Dämmerung hereinbrach, und sie erst wieder zu öffnen, wenn
der Sabbat vorüber war. Einige meiner Männer stellte ich an den Toren auf; sie
sollten darauf achten, dass am Sabbat keine Waren mehr nach Jerusalem gelangten.
Neh 13,20 Da blieben die Kaufleute und Händler mehrmals in der Nacht zum Sabbat
vor der Stadt und boten dort ihre Waren an.
Neh 13,21 Ich warnte sie: »Warum schlagt ihr am Sabbat euer Lager vor der
Stadtmauer auf? Geschieht das noch ein einziges Mal, lasse ich euch festnehmen!«
Von da an kamen sie am Sabbat nicht wieder.
Neh 13,22 Den Leviten befahl ich, sich zu reinigen und die Stadttore zu
bewachen, damit der Sabbat nicht wieder verletzt würde. Denke daran, mein Gott,
wie ich mich für dich eingesetzt habe! Hab Erbarmen mit mir, denn deine Gnade
ist grenzenlos!
Neh 13,23 Zu dieser Zeit fand ich auch heraus, dass viele jüdische Männer Frauen
aus Aschdod, Ammon und Moab geheiratet hatten.
Neh 13,24 Die Hälfte ihrer Kinder redete in der Sprache von Aschdod oder in
einer anderen fremden Sprache, doch Hebräisch konnten sie nicht.
Neh 13,25 Da redete ich den Männern ins Gewissen, ja, ich verfluchte sie sogar,
schlug auf einige von ihnen ein und zerrte sie an den Haaren. Ich ließ sie vor
Gott schwören, ihre Söhne und Töchter niemals mit Angehörigen fremder Völker zu
verheiraten.
Neh 13,26 Ich sagte zu ihnen: »Salomo, der König von Israel, lud schwere Schuld
auf sich wegen seiner heidnischen Frauen. Dabei gab es keinen so großen König
wie ihn. Gott liebte ihn ganz besonders und ließ ihn Herrscher über ganz Israel
werden. Doch sogar einen solchen König haben heidnische Frauen zum Götzendienst
verführt!
Neh 13,27 Und nun begeht ihr genau dasselbe Unrecht und heiratet Frauen aus
fremden Völkern! Damit habt ihr Gott die Treue gebrochen!«
Neh 13,28 Jojada, ein Sohn des Hohenpriesters Eljaschib, hatte einen Sohn, der
mit einer Tochter des Horoniters Sanballat verheiratet war. Deshalb jagte ich
ihn aus Jerusalem fort.
Neh 13,29 Vergiss nicht, mein Gott, wie diese Männer das Priesteramt in Verruf
gebracht und den Bund verletzt haben, den du mit den Priestern und Leviten
geschlossen hast!
Neh 13,30 So setzte ich mich dafür ein, dass unser Volk nicht mehr von
heidnischen Völkern beeinflusst wurde. Ich gab den Priestern und Leviten
Anordnungen für ihren Dienst und für ihre verschiedenen Aufgaben.
Neh 13,31 Auch sorgte ich dafür, dass die ersten Früchte der Ernte und das
Brennholz für die Opfer rechtzeitig abgegeben wurden. Denke an mich, mein Gott!
Lass mich deine Güte erfahren!
Est 1,1 Zu der Zeit, als Xerxes König von Persien war, gehörten zu seinem Reich
127 Provinzen; sein Herrschaftsgebiet erstreckte sich von Indien bis nach
Äthiopien.
Est 1,2 Er regierte von der Burg Susa aus.
Est 1,3 In seinem 3. Regierungsjahr gab er ein rauschendes Fest für seine hohen
Beamten und Würdenträger. Eingeladen waren die Heerführer von Persien und
Medien, der Hofadel und die Statthalter der Provinzen.
Est 1,4 Sechs Monate lang stellte Xerxes die unvergleichliche Pracht seines
Königreichs und seine große Macht zur Schau.
Est 1,5 Danach lud der König auch die Bewohner der Residenz Susa zu einem Fest.
Alle, vom Vornehmsten bis zum Einfachsten, feierten sieben Tage lang im Hof des
Palastgartens.
Est 1,6 Zwischen Marmorsäulen hingen weiße und violette Vorhänge aus wertvollen
Baumwollstoffen und Leinen, befestigt mit weißen und purpurroten Schnüren und
silbernen Ringen. Die Gäste lagen auf Kissen, die mit goldenem und silbernem
Brokatstoff überzogen waren. Der Boden des Hofes bestand aus einem Mosaik von
bunten, kostbaren Marmorsteinen und Perlmutt.
Est 1,7 Man trank aus goldenen Gefäßen, von denen keines dem anderen glich. Der
König ließ Wein in Hülle und Fülle ausschenken.
Est 1,8 Jeder konnte trinken, soviel er wollte. Denn der König hatte angeordnet,
dass seine Diener sich ganz nach den Wünschen der Gäste richten sollten.
Est 1,9 Königin Wasti gab im Inneren des Palasts ein Fest für die Frauen.
Est 1,10 Am siebten Tag des Festes, als der König vom Wein angeheitert war, rief
er die sieben Eunuchen zu sich, die ihn persönlich bedienten: Mehuman, Biseta,
Harbona, Bigta, Abagta, Setar und Karkas.
Est 1,11 Er befahl ihnen, die Königin zu holen, geschmückt mit dem königlichen
Diadem. Denn er wollte seinen obersten Beamten und allen Gästen zeigen, wie
wunderschön sie war.
Est 1,12 Doch Königin Wasti weigerte sich, der Aufforderung des Königs zu
folgen. Da packte den König der Zorn.
Est 1,13 Er beriet sich sofort mit dem Rat der Weisen. Es waren Sterndeuter und
Rechtsgelehrte, die das Gesetz gut kannten und dem König bei allen
Entscheidungen zur Seite standen.
Est 1,14 Sie hießen Karschena, Schetar, Admata, Tarsis, Meres, Marsena und
Memuchan. Diese sieben Fürsten aus den Völkern der Meder und Perser waren die
Vertrauten des Königs. Sie durften jederzeit zu ihm und nahmen nach ihm den
ersten Rang im Königreich ein.
Est 1,15 »Was soll nach dem Gesetz mit Königin Wasti geschehen?«, fragte Xerxes.
»Sie hat sich meinem Befehl widersetzt, den ihr meine Eunuchen überbracht
haben.«
Est 1,16 Memuchan antwortete: »Königin Wasti ist nicht nur am König schuldig
geworden, sondern auch an seinen Fürsten und am ganzen Volk in allen Provinzen
des Reiches.
Est 1,17 Was sie getan hat, wird bei allen Frauen bekannt werden. Sie werden
ihre Männer verachten und sagen: ›König Xerxes hat Königin Wasti befohlen, vor
ihm zu erscheinen; aber sie kam einfach nicht!‹
Est 1,18 Noch heute werden die Frauen der Fürsten von Persien und Medien dies
ihren Männern vorhalten, sobald sie erfahren, was die Königin getan hat. Das
wird viel böses Blut geben!
Est 1,19 Wenn es dem König gefällt, möge er in einem Erlass verkünden, dass
Königin Wasti nie mehr zu ihm kommen darf. Dieser Befehl muss Teil der Gesetze
der Meder und Perser werden, damit er nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Der König sollte eine andere Frau zur Königin erwählen, die sich dafür als
würdig erweist.
Est 1,20 Wenn man diesen Erlass im ganzen Reich bekannt gibt, werden alle Frauen
ihre Männer achten, in den einfachen wie in den vornehmen Familien.«
Est 1,21 Dieser Vorschlag gefiel dem König und seinen Fürsten. Wie Memuchan
geraten hatte,
Est 1,22 schickte Xerxes einen Erlass in alle Provinzen seines Reiches. Jede
Volksgruppe erhielt das Schreiben in ihrer eigenen Schrift und Sprache. So
wollte der König dafür sorgen, dass jeder Mann in seinem Haus das Sagen hatte.
Außerdem ordnete er an, in jeder Familie solle die Sprache des Mannes gesprochen
werden.
Est 2,1 Als sich der Zorn des Königs gelegt hatte, dachte er zurück an das, was
Wasti getan hatte, und an seinen Erlass gegen sie.
Est 2,2 Da schlugen ihm seine Diener vor: »Man könnte doch für den König schöne
Mädchen suchen, die noch Jungfrauen sind.
Est 2,3 In allen Provinzen seines Reiches sollen Beamte des Königs solche
Mädchen auswählen und in seinen Harem nach Susa bringen. Dort kommen sie in die
Obhut des Eunuchen Hegai, der ja auch für die Frauen des Königs verantwortlich
ist. Sie werden alle Schönheitsmittel bekommen, die sie brauchen.
Est 2,4 Das Mädchen, das dem König am besten gefällt, soll an Wastis Stelle
Königin werden.« Der König war einverstanden und folgte dem Rat seiner Diener.
Est 2,5 In der Residenz Susa wohnte ein Jude namens Mordechai aus dem Stamm
Benjamin. Er war ein Nachkomme von Jaïr, Schimi und Kisch.
Est 2,6 Mordechais Vorfahren befanden sich unter den Gefangenen, als König
Nebukadnezar damals König Jojachin von Juda und einen Teil der jüdischen
Bevölkerung nach Babylonien verschleppte.
Est 2,7 Mordechai hatte eine Kusine namens Hadassa, die auch Esther genannt
wurde. Ihre Eltern lebten nicht mehr, deshalb hatte Mordechai sie als
Pflegetochter angenommen. Sie war sehr schön, und ihre Gestalt war besonders
anmutig.
Est 2,8 Als nun der Erlass des Königs verkündet wurde, brachte man viele Mädchen
in die Residenz Susa, wo Hegai sich um sie kümmerte, der die Verantwortung für
den königlichen Harem hatte. Auch Esther war unter ihnen.
Est 2,9 Sie gefiel Hegai ganz besonders und gewann seine Gunst. Er versorgte sie
mit den besten Schönheitsmitteln und mit den gesündesten Speisen. Dann gab er
ihr sieben ausgewählte Dienerinnen aus dem Königspalast und wies ihr die
schönsten Räume des Harems zu.
Est 2,10 Ihre jüdische Abstammung verschwieg Esther; so hatte es ihr Mordechai
eingeschärft.
Est 2,11 Mordechai kam jeden Tag zum Hof des Harems, um zu erfahren, ob es ihr
gut ging und was man mit ihr vorhatte.
Est 2,12 [12/13] Vor der Begegnung mit König Xerxes pflegten sich die Mädchen
sechs Monate lang mit Myrrhenöl und sechs Monate mit Balsamöl und anderen
Schönheitsmitteln, so wie es vorgeschrieben war. Jedes Mädchen, das an der Reihe
war, vor dem König zu erscheinen, konnte sich selbst im Harem Kleider und
Schmuck aussuchen.
Est 2,14 Am Abend ging es in den Palast, und am nächsten Morgen kehrte es in den
zweiten Harem zurück. Dort wohnten die Nebenfrauen des Königs, für die der
königliche Eunuch Schaaschgas verantwortlich war. Keines der Mädchen durfte noch
einmal zum König kommen, es sei denn, es hatte ihm ganz besonders gefallen und
er ließ es mit Namen rufen.
Est 2,15 So kam auch Esther an die Reihe, die Tochter Abihajils, dessen Neffe
Mordechai sie als Pflegetochter angenommen hatte. Sie suchte ihre Kleider und
ihren Schmuck nicht selbst aus, sondern folgte dem Rat Hegais. Alle, die sie
sahen, bewunderten ihre Schönheit.
Est 2,16 Im Monat Tebet, dem 10. Monat seines 7. Regierungsjahrs, wurde Esther
zu Xerxes in den Palast gebracht.
Est 2,17 Der König gewann Esther lieber als jede andere Frau. In seinen Augen
stellte sie alle anderen Mädchen weit in den Schatten. Darum setzte er ihr das
königliche Diadem auf und ernannte sie an Wastis Stelle zur Königin.
Est 2,18 Ihr zu Ehren lud er die Beamten und die anderen führenden Männer seines
Reiches zu einem großen Fest ein. Er befreite die Bewohner der Provinzen von
ihren Steuern und ließ großzügige Geschenke verteilen.
Est 2,19 Zu der Zeit, als weitere Mädchen an den Hof des Königs kamen, fand
Mordechai eine Anstellung im Palast.
Est 2,20 Esther hatte niemandem erzählt, dass sie Jüdin war, weil Mordechai es
ihr verboten hatte. Sie befolgte seine Anweisungen wie früher, als sie noch
seine Pflegetochter war.
Est 2,21 Eines Tages, während Mordechai Dienst hatte, verschworen sich die
beiden Eunuchen Bigtan und Teresch, die am Königspalast die Eingänge bewachten,
gegen Xerxes und planten einen Anschlag auf ihn.
Est 2,22 Mordechai erfuhr davon, erzählte es Königin Esther, und die meldete es
dem König.
Est 2,23 Xerxes ließ die Angelegenheit untersuchen, und als die Verschwörung
aufgedeckt wurde, kamen die beiden Schuldigen an den Galgen. Der König befahl,
den Vorfall in der Chronik des persischen Reiches festzuhalten.
Est 3,1 Einige Zeit später gab König Xerxes einem Mann namens Haman die höchste
Stellung am Königshof. Er war ein Sohn Hammedatas und Nachkomme Agags.
Est 3,2 Alle Beamten im Palast waren ihm untergeordnet. Sie mussten sich auf
Befehl des Königs vor Haman niederwerfen, wenn er an ihnen vorüberging. Nur
Mordechai verneigte sich nicht vor ihm.
Est 3,3 Da fragten ihn die anderen Beamten: »Weshalb widersetzt du dich der
Anordnung des Königs?«
Est 3,4 »Weil ich Jude bin«, antwortete er. Sie ließen ihm keine Ruhe und
machten ihm jeden Tag Vorwürfe. Doch Mordechai hörte nicht auf sie. Da meldeten
sie es Haman, um zu sehen, ob er Mordechais Begründung gelten lassen würde.
Est 3,5 Als Haman erfuhr, dass Mordechai sich nicht vor ihm niederwarf, packte
ihn der Zorn.
Est 3,6 Er wollte sich aber nicht an Mordechai allein rächen, denn er hatte
gehört, dass er Jude war. So schmiedete er einen Plan, um alle Juden im
persischen Reich zu vernichten.
Est 3,7 Im 12. Regierungsjahr des Königs Xerxes, im 1. Monat, dem Monat Nisan,
ließ Haman das Los werfen, das auch »Pur« genannt wurde. Er wollte herausfinden,
welcher Zeitpunkt am besten geeignet sei, um seinen Plan durchzuführen. Das Los
fiel auf den 13. Tag des 12. Monats, das ist der Monat Adar.
Est 3,8 Darauf sagte Haman zum König: »In allen Provinzen deines Reiches leben
Angehörige eines Volkes, das sich von den anderen Völkern absondert. Sie haben
andere Sitten und Gesetze als die übrigen Völker und widersetzen sich deinen
Anordnungen. Das darfst du dir nicht gefallen lassen!
Est 3,9 Wenn du es für richtig hältst, dann befiehl durch einen Erlass die
Vernichtung dieses Volkes. Dies wird den königlichen Schatzkammern 350 Tonnen
Silber einbringen.«
Est 3,10 Da zog der König seinen Siegelring vom Finger, gab ihn Haman, dem
erbitterten Feind der Juden,
Est 3,11 und sagte zu ihm: »Hol dir das Geld dieses Volkes! Und mit den Leuten
selbst kannst du tun, was du für richtig hältst.«
Est 3,12 Am 13. Tag des 1. Monats ließ Haman die Schreiber des Königs rufen. Sie
mussten genau nach seinen Anweisungen Briefe schreiben, die an die Fürsten des
Königs, an die Provinzstatthalter und an die höchsten Beamten der einzelnen
Völker gerichtet waren. Jede Volksgruppe sollte das Schreiben in ihrer eigenen
Schrift und Sprache erhalten. Die Briefe waren im Namen des Königs verfasst und
mit seinem Siegel versehen.
Est 3,13 Sie lauteten: »An einem einzigen Tag, am 13. Tag des 12. Monats, des
Monats Adar, sollen alle Juden getötet werden - Junge und Alte, Kinder und
Frauen. Niemand darf überleben! Ihr Besitz ist zu beschlagnahmen.« Der Erlass
sollte von Eilboten in alle Provinzen des Reiches gebracht
Est 3,14 und dort als Gesetz bestätigt werden, damit alle Volksgruppen auf
diesen bestimmten Tag vorbereitet waren.
Est 3,15 Der König befahl den Eilboten, sich schnell auf den Weg zu machen. Auch
in der Residenz Susa wurde der Erlass veröffentlicht. Und während die Menschen
in der ganzen Stadt in heller Aufregung waren, hielten der König und Haman ein
Trinkgelage ab.
Est 4,1 Als Mordechai erfuhr, was geschehen war, zerriss er entsetzt seine
Kleider, zog sich ein Trauergewand aus Sacktuch an und streute sich Asche auf
den Kopf. Dann lief er durch die Stadt und stieß laute Klagerufe aus.
Est 4,2 So kam er bis ans Tor des königlichen Palasts, durfte aber in seiner
Trauerkleidung nicht hindurchgehen.
Est 4,3 In allen Provinzen des Landes trauerten die Juden, wo immer der Erlass
des Königs bekannt wurde. Sie fasteten, klagten und weinten, viele trugen
Trauerkleider und hatten sich Asche auf ihr Lager gestreut.
Est 4,4 Esthers Dienerinnen und Diener meldeten ihr, was sich vor dem Tor
abspielte. Sie erschrak heftig und ließ Mordechai Kleider bringen, damit er die
Trauerkleidung ausziehen konnte. Aber dazu war er nicht bereit.
Est 4,5 Da rief Esther den Eunuchen Hatach, den Xerxes ihr als Diener gegeben
hatte, und schickte ihn zu Mordechai hinaus. Er sollte ihn fragen, was geschehen
sei.
Est 4,6 Hatach ging zu Mordechai auf den Platz vor dem Palasttor.
Est 4,7 Mordechai berichtete ihm von Hamans Plan. Er erzählte ihm, wie viel
Silber Haman dem König dafür versprochen hatte, dass er die Juden töten dürfte.
Est 4,8 Außerdem übergab Mordechai dem Eunuchen eine Abschrift des königlichen
Erlasses, in dem die Vernichtung der Juden angeordnet wurde. Hatach sollte sie
Königin Esther zeigen, ihr alles erzählen und sie bitten, beim König für ihr
Volk um Gnade zu flehen.
Est 4,9 Als Hatach zurückkam und meldete, was Mordechai ihm berichtet hatte,
Est 4,10 schickte Esther ihn ein zweites Mal zu Mordechai und ließ ihm sagen:
Est 4,11 »Alle Bediensteten des Königs und alle Bewohner der Provinzen kennen
das unumstößliche Gesetz: ›Jeder, ob Mann oder Frau, wird hingerichtet, wenn er
unaufgefordert zum König in den innersten Hof des Palasts geht. Er hat sein
Leben nur dann nicht verwirkt, wenn ihm der König das goldene Zepter
entgegenstreckt.‹ Mich hat der König sogar schon dreißig Tage nicht mehr zu sich
rufen lassen.«
Est 4,12 [12/13] Da ließ Mordechai Königin Esther ausrichten: »Glaub nur nicht,
dass du als einzige Jüdin mit dem Leben davonkommst, nur weil du im Königspalast
wohnst!
Est 4,14 Wenn du jetzt nichts unternimmst, wird von anderswoher Hilfe für die
Juden kommen, du aber und deine Familie - ihr werdet sterben! Vielleicht bist du
gerade deshalb Königin geworden, um die Juden aus dieser Bedrohung zu retten!«
Est 4,15 Esther schickte Mordechai die Antwort:
Est 4,16 »Geh und ruf alle Juden zusammen, die in Susa wohnen! Fastet für mich!
Esst und trinkt drei Tage und Nächte lang nichts! Ich werde mit meinen
Dienerinnen ebenfalls fasten. Dann will ich zum König gehen, obwohl ich damit
gegen das Gesetz verstoße. Wenn ich umkomme, dann komme ich eben um!«
Est 4,17 Da ging Mordechai weg und tat, was Esther ihm gesagt hatte.
Est 5,1 Am dritten Fastentag zog Esther königliche Kleider an und ging in den
inneren Hof des Palasts, der vor dem Thronsaal lag. Der König saß auf seinem
Thron gegenüber dem Eingang.
Est 5,2 Als er Esther im Hof stehen sah, freute er sich und streckte ihr das
goldene Zepter entgegen. Da kam Esther auf ihn zu und berührte die Spitze des
Zepters.
Est 5,3 Der König fragte sie: »Was hast du auf dem Herzen, Königin Esther? Ich
will dir jeden Wunsch erfüllen, auch wenn du die Hälfte meines Königreichs
forderst!«
Est 5,4 Esther antwortete: »Wenn du es für gut hältst, mein König, dann sei
heute zusammen mit Haman mein Gast bei dem Mahl, das ich für dich zubereiten
ließ.«
Est 5,5 Xerxes befahl seinen Dienern: »Holt Haman herbei! Wir wollen Esthers
Einladung annehmen.« So kamen der König und Haman zu Esthers Festmahl.
Est 5,6 Während sie Wein tranken, fragte der König Esther: »Nun, was hast du auf
dem Herzen? Ich will dir jeden Wunsch erfüllen, auch wenn du die Hälfte meines
Königreichs forderst.«
Est 5,7 Esther antwortete: »Ja, ich habe eine große Bitte an dich:
Est 5,8 Wenn du mir eine Gunst erweisen willst, mein König, dann komm morgen
noch einmal mit Haman zu einem festlichen Mahl, das ich für dich und für ihn
geben möchte. Dann werde ich bestimmt sagen, was mein Wunsch ist.«
Est 5,9 Haman war fröhlich und gut gelaunt, als er vom Mahl bei der Königin
aufbrach. Er ging durch das Eingangstor am Palast, und dort sah er Mordechai
sitzen, der nicht einmal vor ihm aufstand oder ihm sonst seine Achtung zeigte.
Haman wurde wütend,
Est 5,10 doch er beherrschte sich. Als er zu Hause war, ließ er seine Freunde
und seine Frau Seresch zu sich kommen.
Est 5,11 Dann prahlte er mit seinem großen Reichtum und mit seinen vielen
Söhnen. Er erzählte, dass der König ihn zu einem mächtigen Mann gemacht hatte,
dem alle anderen Beamten und führenden Männer untergeordnet waren.
Est 5,12 »Und heute«, fuhr er fort, »hat Königin Esther außer dem König nur noch
mich zum Festmahl eingeladen! Auch morgen hat sie mich zusammen mit dem König
zum Essen gebeten!
Est 5,13 Aber das alles bedeutet mir überhaupt nichts, wenn der Jude Mordechai
nicht bald aus dem Palast verschwindet.«
Est 5,14 Da schlugen ihm seine Frau und seine Freunde vor: »Lass einen Galgen
aufrichten, der 25 Meter hoch ist! Und morgen früh bitte den König, dass er
Mordechai daran aufhängen lässt! Dann kannst du gut gelaunt mit dem König das
Festessen genießen.« Der Vorschlag gefiel Haman, und er ließ einen Galgen
aufrichten.
Est 6,1 In der folgenden Nacht konnte der König nicht schlafen. Er ließ sich die
Chronik des persischen Reiches bringen, in der alle wichtigen Ereignisse seiner
Regierungszeit festgehalten waren. Man las dem König daraus vor
Est 6,2 und stieß dabei auf den Bericht, wie Mordechai die Verschwörung der
Eunuchen Bigtan und Teresch aufgedeckt hatte, die am Königspalast die Eingänge
bewachten. Sie hatten König Xerxes umbringen wollen.
Est 6,3 Der König fragte: »Wie ist Mordechai für diese Tat geehrt und
ausgezeichnet worden?« »Er wurde nicht dafür belohnt«, entgegneten die Diener
des Königs.
Est 6,4 In diesem Augenblick kam Haman in den äußeren Hof des Palasts. Er wollte
den König bitten, Mordechai an dem Galgen aufhängen zu lassen, den er
aufgerichtet hatte. »Wer ist draußen im Hof?«, fragte der König.
Est 6,5 »Es ist Haman«, antworteten die Diener. »Er soll hereinkommen!«, befahl
der König.
Est 6,6 Als Haman den Raum betrat, fragte ihn Xerxes: »Was kann ein König tun,
wenn er einen Mann ganz besonders ehren möchte?« Haman dachte: »Das gilt mir!
Wen sonst könnte er meinen?«
Est 6,7 Deshalb erwiderte er: »Man soll dem Mann
Est 6,8 ein königliches Gewand bringen und ein Pferd mit dem königlichen
Kopfschmuck! Es muss ein Gewand sein, das du sonst selbst trägst, und ein Pferd,
auf dem du sonst selbst reitest.
Est 6,9 Übergib das Gewand und das Pferd einem deiner angesehensten
Würdenträger. Er soll dem Mann, den du auszeichnen willst, das königliche Gewand
anlegen, ihn auf deinem Pferd über den Hauptplatz der Stadt führen und vor ihm
her ausrufen: ›So ehrt der König einen Mann, der sich besondere Verdienste
erworben hat!‹«
Est 6,10 Da sagte Xerxes zu Haman: »Lass dir sofort ein solches Gewand und ein
Pferd bringen! Dann ehre den Juden Mordechai, der am Palasteingang Dienst hat.
Mach alles genau so, wie du es vorgeschlagen hast! Und lass nichts davon aus!«
Est 6,11 Haman tat, was Xerxes ihm befohlen hatte. Er kleidete Mordechai wie den
König selbst, ließ ihn auf dessen Pferd über den Hauptplatz der Stadt reiten und
rief vor ihm aus: »So ehrt der König einen Mann, der sich besondere Verdienste
erworben hat!«
Est 6,12 Danach kehrte Mordechai wieder zum Palast zurück. Haman aber war wie
vor den Kopf geschlagen. Mit verhülltem Gesicht lief er schnell nach Hause.
Est 6,13 Er erzählte seiner Frau Seresch und seinen Freunden, was vorgefallen
war, denn sie waren seine Ratgeber. Da sagten sie zu ihm: »Du hast verloren!
Wenn Mordechai wirklich von den Juden abstammt, bist du jetzt machtlos gegen
ihn. Nichts wird deinen Untergang aufhalten.«
Est 6,14 Noch während sie mit ihm redeten, trafen die Eunuchen des Königs ein.
Sie sollten Haman auf dem schnellsten Weg zum Mahl bei Königin Esther bringen.
Est 7,1 Der König und Haman gingen zum Festmahl bei der Königin.
Est 7,2 Als sie gerade Wein tranken, stellte der König Esther wieder dieselbe
Frage wie am Tag zuvor: »Was hast du auf dem Herzen? Ich will dir jeden Wunsch
erfüllen, auch wenn du die Hälfte meines Königreichs forderst.«
Est 7,3 Die Königin erwiderte: »Wenn es dir gefällt, mein König, dann gewähre
mir eine Bitte: Rette mir und meinem Volk das Leben!
Est 7,4 Man hat sich gegen mich und mein Volk verschworen und will uns
ausrotten. Niemand von uns soll am Leben bleiben! Hätte man uns nur als Sklaven
und Sklavinnen verkauft, so hätte ich geschwiegen. Dies wäre es nicht wert
gewesen, den König damit zu behelligen.«
Est 7,5 Da fragte Xerxes Königin Esther: »Wer wagt, so etwas zu tun? Wo ist
dieser Verbrecher zu finden?«
Est 7,6 Esther antwortete: »Der Feind, der uns vernichten will, ist Haman!«
Haman fuhr erschrocken zusammen.
Est 7,7 Zornig erhob sich der König von der Tafel und ging in den Palastgarten
hinaus. Haman blieb bei der Königin und flehte um sein Leben, denn er wusste,
dass Xerxes ihn hinrichten würde.
Est 7,8 Als der König wieder in den Saal zurückkehrte, sah er, dass Haman auf
das Polster gesunken war, auf dem Esther lag. Aufgebracht rief er: »Will dieser
Mensch hier im Palast der Königin Gewalt antun - vor meinen Augen?« Kaum hatte
der König das gesagt, da verhüllten seine Diener Hamans Gesicht als Zeichen
dafür, dass er zum Tode verurteilt war.
Est 7,9 Harbona, einer der Eunuchen im Dienst des Königs, sagte: »Haman hat auf
seinem Grundstück einen 25 Meter hohen Galgen aufstellen lassen. Er war für
Mordechai bestimmt, der dem König das Leben gerettet hat.« »Hängt Haman daran
auf!«, befahl der König.
Est 7,10 So hängte man Haman an den Galgen, den er für Mordechai errichtet
hatte. Da legte sich der Zorn des Königs.
Est 8,1 Noch am selben Tag schenkte Xerxes Königin Esther das Haus, das Haman,
der erbitterte Feind der Juden, bewohnt hatte. Der König ließ Mordechai zu sich
kommen, denn Esther hatte ihm erzählt, dass er ihr Vetter und Pflegevater war.
Est 8,2 Der König zog seinen Siegelring, den er Haman abgenommen hatte, vom
Finger und gab ihn Mordechai. Esther setzte Mordechai zum Verwalter über Hamans
Besitz ein.
Est 8,3 Noch einmal bat Esther den König um eine Unterredung. Sie warf sich vor
ihm nieder und flehte ihn unter Tränen an: »Verhindere den Anschlag, den Haman,
der Nachkomme Agags, gegen uns Juden geplant hat!«
Est 8,4 Der König streckte Esther sein goldenes Zepter entgegen. Da stand sie
auf, trat vor ihn hin
Est 8,5 und sagte: »Wenn mir der König seine Gunst erweisen möchte und er meine
Bitte für gut hält, dann möge er den Erlass aufheben, den der Agagiter Haman,
der Sohn Hammedatas, verfasst hat, um die Juden in allen Provinzen des Reiches
zu vernichten.
Est 8,6 Ich kann nicht mit ansehen, wie mein eigenes Volk ins Unglück stürzt und
untergeht!«
Est 8,7 Da sagte König Xerxes zu Esther und dem Juden Mordechai: »Ich habe
Esther Hamans Haus geschenkt. Ihn habe ich an den Galgen hängen lassen, weil er
die Juden umbringen wollte.
Est 8,8 Doch ein Erlass lässt sich nicht mehr widerrufen, wenn er im Namen des
Königs niedergeschrieben und mit seinem Siegel versehen wurde. Ihr könnt aber in
meinem Namen und mit meinem Siegel einen weiteren Erlass herausgeben, um die
Juden zu retten. Geht so vor, wie ihr es für gut haltet!«
Est 8,9 Am 23. Tag des 3. Monats, des Monats Siwan, ließ Mordechai die Schreiber
des Königs rufen. Sie mussten genau nach seiner Anweisung einen Erlass
aufsetzen, der an die Juden im ganzen Reich gerichtet war, an die Fürsten und
Statthalter sowie an die höchsten Beamten der 127 Provinzen von Indien bis
Äthiopien. Jede Volksgruppe sollte das Schreiben in ihrer eigenen Schrift und
Sprache erhalten, auch die Juden.
Est 8,10 Mordechai ließ die Briefe im Namen des Königs verfassen und mit dem
königlichen Siegel kennzeichnen. Boten sollten sie auf den schnellsten Pferden
der königlichen Gestüte in alle Provinzen des Reiches bringen. Der Erlass
lautete:
Est 8,11 »Der König gestattet den Juden in jeder Stadt seines Reiches, sich zu
ihrer Verteidigung zu versammeln. Wenn ihre Feinde aus den verschiedenen
Volksgruppen und Provinzen ihnen nach dem Leben trachten, dürfen die Juden sie
samt Frauen und Kindern töten und ihren Besitz als Beute behalten.
Est 8,12 Dieser Erlass gilt für einen einzigen Tag in allen Provinzen, und zwar
für den 13. Tag des 12. Monats, des Monats Adar.«
Est 8,13 In jeder Provinz sollte die Anordnung als Gesetz erlassen und bekannt
gemacht werden, damit die Juden vorbereitet waren und sich an ihren Feinden
rächen konnten.
Est 8,14 Der König befahl den Eilboten, auf den besten Pferden so schnell wie
möglich loszureiten. Auch in der Residenz Susa wurde der Erlass veröffentlicht.
Est 8,15 Mordechai verließ den Palast in einem königlichen Gewand, das violett
und weiß gefärbt war, und in einem Mantel aus feinem weißen Leinen und
purpurroter Wolle. Auf dem Kopf trug er eine große goldene Krone. Die Bewohner
von Susa jubelten ihm zu.
Est 8,16 Die Juden in der Stadt waren voller Freude über das Glück, das ihnen
auf einmal zuteil wurde; sie konnten die Ehre und Anerkennung kaum fassen, die
sie durch den Erlass des Königs bekamen.
Est 8,17 Auch in allen Provinzen und in jeder Stadt, wo das neue Gesetz bekannt
wurde, freuten sich die Juden und jubelten laut. Das Ereignis wurde mit einem
Festmahl gefeiert. Die anderen Völker bekamen Angst vor den Juden; darum traten
viele von ihnen zum Judentum über.
Est 9,1 Dann kam der 13. Tag des 12. Monats, des Monats Adar. An diesem Tag
sollten die Bestimmungen des Königs ausgeführt werden. Die Feinde hatten
erwartet, sie könnten die Juden vernichten. Aber nun geschah das Gegenteil: Die
Juden besiegten ihre Feinde.
Est 9,2 In allen Städten und Provinzen versammelten sie sich und kämpften gegen
diejenigen, die ihnen nach dem Leben trachteten. Die Feinde konnten keinen
Widerstand leisten, aus Angst vor den Juden waren sie wie gelähmt.
Est 9,3 Die führenden Beamten der Provinzen, die Fürsten und Statthalter sowie
die Verwalter des königlichen Besitzes unterstützten die Juden, denn sie
fürchteten sich vor Mordechai.
Est 9,4 In allen Provinzen des persischen Reiches hatte es sich nämlich
herumgesprochen, welch hohe Stellung Mordechai am Königshof hatte und dass sein
Einfluss immer größer wurde.
Est 9,5 Die Juden töteten ihre Feinde mit dem Schwert. Sie vernichteten alle,
von denen sie gehasst wurden. Niemand hinderte sie daran.
Est 9,6 In der Residenz Susa brachten sie 500 Männer um,
Est 9,7 [7-10] auch die zehn Söhne des Judenfeindes Haman, des Sohnes
Hammedatas. Sie hießen Parschandata, Dalfon, Aspata, Porata, Adalja, Aridata,
Parmaschta, Arisai, Aridai und Wajesata. Doch ihren Besitz plünderten die Juden
nicht.
Est 9,11 Noch am gleichen Tag meldete man dem König, wie viel Tote es in der
Residenz Susa gegeben hatte.
Est 9,12 Da sagte er zu Königin Esther: »Hier in Susa haben die Juden allein 500
Männer umgebracht, außerdem die zehn Söhne Hamans. Was werden sie dann erst in
den übrigen Provinzen des Reiches getan haben! Hast du noch etwas auf dem
Herzen? Was du verlangst, will ich tun!«
Est 9,13 Esther antwortete: »Wenn du es für richtig hältst, dann erlaube den
Juden in Susa, morgen noch einmal so wie heute vorzugehen. Und die Leichen der
zehn Söhne Hamans sollen an den Galgen gehängt werden!«
Est 9,14 Der König ordnete an, Esthers Bitte zu erfüllen. In Susa wurde ein
entsprechendes Gesetz veröffentlicht, und die zehn Söhne Hamans hängte man auf.
Est 9,15 Die Juden der Stadt kamen auch am 14. Tag des Monats zusammen und
töteten 300 Mann. Doch auch jetzt nahmen sie keine Beute mit.
Est 9,16 [16/17] In den Provinzen des Reiches hatten sich die Juden am 13. Tag
des Monats versammelt, um sich zu verteidigen, und hatten 75000 Feinde
umgebracht, ohne jedoch zu plündern. Nun konnten sie wieder in Ruhe und Frieden
leben. Am 14. Tag des 12. Monats feierten sie ein großes Fest, sie aßen und
tranken zusammen.
Est 9,18 Die Juden in Susa aber hatten am 13. und am 14. Tag des Monats gegen
ihre Feinde gekämpft. Darum feierten sie erst am 15. Tag des Monats Adar.
Est 9,19 Bis heute begehen die Juden in den Städten und Dörfern des Landes den
14. Tag des 12. Monats als Feiertag, an dem sie ein Festmahl geben und sich
gegenseitig beschenken.
Est 9,20 Mordechai schrieb auf, was damals geschehen war, und schickte einen
Brief an alle Juden bis in die entferntesten Provinzen des persischen Reiches.
Est 9,21 Darin bestimmte er, dass sie Jahr für Jahr den 14. und 15. Tag des 12.
Monats, des Monats Adar, feiern sollten.
Est 9,22 Denn an diesen Tagen hatten sie sich von ihren Feinden befreit, ihr
Leid hatte sich in Freude verwandelt und ihre Trauer in Jubel. Am 14. und 15.
Tag des Monats sollten sich die Juden zu festlichen Mahlzeiten treffen, sich
gegenseitig beschenken und auch die Armen dabei nicht vergessen.
Est 9,23 So wie Mordechai es angeordnet hatte, wurden die beiden Feiertage bei
den Juden zum festen Brauch.
Est 9,24 [24-26] Man nannte sie auch das »Purimfest«. Denn als Haman, der
Todfeind der Juden, sie alle töten wollte, ließ er das Los, das so genannte
»Pur«, werfen, um den günstigsten Zeitpunkt für seinen Plan herauszufinden. Als
Xerxes davon erfuhr, befahl er in einem Schreiben, Haman solle dasselbe
Schicksal erleiden, das er den Juden gewünscht hatte. Er und seine Söhne wurden
gehängt. Weil die Juden dies alles selbst miterlebt oder davon gehört hatten und
weil Mordechai es in seinem Brief so anordnete,
Est 9,27 verpflichteten sie sich, jedes Jahr zur selben Zeit diese beiden Tage
genau nach den Vorschriften zu feiern. Dieser Brauch sollte auch für ihre
Nachkommen und für alle Nichtjuden gelten, die zum Judentum übertreten würden.
Est 9,28 Was damals geschehen war, durfte nie in Vergessenheit geraten. In jeder
Generation sollten die jüdischen Familien das Purimfest feiern, ganz gleich, in
welcher Stadt und Provinz sie wohnten. Der Brauch sollte auch in ferner Zukunft
nie untergehen.
Est 9,29 Königin Esther, die Tochter Abihajils, und der Jude Mordechai
verfassten noch ein zweites Schreiben über das Purimfest. Es enthielt genaue
Anweisungen für die Durchführung der Feier
Est 9,30 und wurde an alle Juden in den 127 Provinzen des persischen Reiches
gesandt. Esther und Mordechai wünschten ihnen Frieden und erklärten, dass sie
sich stets für sie einsetzen würden.
Est 9,31 Sie wiesen die Juden noch einmal darauf hin, dass sie und ihre
Nachkommen das Fest so feiern sollten, wie es vorgeschrieben war. Der Feier
musste eine Zeit des Fastens und Klagens vorangehen.
Est 9,32 Mit ihrem Erlass führte Esther das Purimfest und seine Vorschriften für
alle Juden verbindlich ein; er wurde schriftlich festgehalten.
Est 10,1 König Xerxes legte den Bewohnern des ganzen persischen Reiches Steuern
auf.
Est 10,2 Seine großen Taten und Verdienste sind in der Chronik der Könige von
Medien und Persien beschrieben. Dort steht auch, welch hohe Stellung er
Mordechai verlieh:
Est 10,3 Dieser war nach dem König der mächtigste Mann im Reich. Bei den Juden
genoss er ein hohes Ansehen. Er wurde von allen sehr geschätzt, weil ihm das
Wohl seines Volkes am Herzen lag und weil er sich stets für sie eingesetzt
hatte.
Hiob 1,1 Im Land Uz lebte ein Mann namens Hiob, der rechtschaffen und aufrichtig
war. Weil er Ehrfurcht vor Gott hatte, hütete er sich davor, Böses zu tun.
Hiob 1,2 Er hatte eine große Familie mit sieben Söhnen und drei Töchtern
Hiob 1,3 und besaß riesige Viehherden: 7000 Schafe und Ziegen, 3000 Kamele, 500
Rindergespanne und 500 Esel, dazu sehr viele Hirten und Mägde. Hiob war der
reichste und angesehenste von allen Herdenbesitzern im Osten.
Hiob 1,4 Jahr für Jahr feierten seine Söhne reihum in ihren Häusern Feste, zu
denen sie auch ihre Schwestern einluden.
Hiob 1,5 Immer wenn die Festtage vorbei waren, ließ Hiob seine Kinder zu sich
kommen, um sich mit ihnen auf ein Opfer vorzubereiten. Schon früh am Morgen
stand er auf und brachte Gott viele Brandopfer dar, für jedes Kind eins. Das tat
Hiob jedes Mal, denn er dachte: »Vielleicht haben sie bei ihren Gelagen Gott
insgeheim verlassen und sich von ihm losgesagt.«
Hiob 1,6 Eines Tages versammelten sich die Engel im Himmel und traten vor den
Herrn, unter ihnen auch der Satan.
Hiob 1,7 »Woher kommst du?«, fragte ihn der Herr. »Ich habe die Erde
durchstreift«, gab dieser zur Antwort.
Hiob 1,8 Der Herr erwiderte: »Dann ist dir sicher auch mein Diener Hiob
aufgefallen. Ich kenne keinen zweiten auf der Erde, der so rechtschaffen und
aufrichtig ist wie er, der mich achtet und sich nichts zuschulden kommen lässt.«
Hiob 1,9 »Überrascht dich das?«, fragte der Satan. »Er tut's doch nicht umsonst!
Hiob 1,10 Du hast ihn, seine Familie und seinen ganzen Besitz stets bewahrt.
Seine Arbeit war erfolgreich, und seine Herden haben sich gewaltig vermehrt.
Hiob 1,11 Aber - versuch es doch einmal und lass ihn Hab und Gut verlieren, dann
wird er dich ganz sicher vor allen Leuten verfluchen.«
Hiob 1,12 »Gut«, sagte der Herr, »mach mit seinem Besitz, was du willst, nur ihn
selbst taste nicht an!« So verließ der Satan den Herrn und die Engel.
Hiob 1,13 Eines Tages feierten Hiobs Kinder wieder einmal im Haus ihres ältesten
Bruders.
Hiob 1,14 Da kam ein Bote zu Hiob und meldete: »Wir pflügten gerade mit den
Rindern, die Esel weideten nebenan,
Hiob 1,15 da überfielen uns Beduinen aus der Gegend von Saba und raubten die
Tiere. Alle Hirten haben sie umgebracht, nur ich konnte entkommen, um es dir zu
melden.«
Hiob 1,16 Im selben Moment stürzte schon ein anderer Bote herein: »Ein Unwetter
hat deine Schaf- und Ziegenherden mitsamt den Hirten vernichtet, nur ich habe es
überlebt, und jetzt bin ich hier, um es dir zu berichten.«
Hiob 1,17 Kaum hatte er ausgeredet, als schon der nächste Bote atemlos meldete:
»Nomaden aus Babylonien haben unsere Kamelherden von drei Seiten überfallen und
weggetrieben. Alle Hirten haben sie umgebracht, ich bin der einzige
Überlebende!«
Hiob 1,18 Im nächsten Augenblick kam wieder ein Bote an: »Hiob«, rief er, »deine
Kinder feierten gerade,
Hiob 1,19 als ein Wirbelsturm aus der Wüste das Haus deines ältesten Sohnes
erfasste und einstürzen ließ. Alle deine Kinder liegen unter den Trümmern
begraben! Sie sind tot! Ich habe als Einziger dieses Unglück überlebt.«
Hiob 1,20 Da stand Hiob auf, zerriss sein Obergewand und schor sich den Kopf.
Dann fiel er zu Boden und betete:
Hiob 1,21 »Nackt bin ich zur Welt gekommen, und nackt verlasse ich sie wieder.
Herr, du hast mir alles gegeben, du hast mir alles genommen, dich will ich
preisen!«
Hiob 1,22 Obwohl dieses Leid über ihn hereinbrach, versündigte Hiob sich nicht.
Kein böses Wort gegen Gott kam über seine Lippen.
Hiob 2,1 Wieder einmal versammelten sich die Engel und traten vor den Herrn,
unter ihnen auch der Satan.
Hiob 2,2 »Woher kommst du?«, fragte ihn der Herr. »Ich habe wieder die Erde
durchstreift«, gab der Satan zur Antwort.
Hiob 2,3 »Dann ist dir sicher auch mein Diener Hiob aufgefallen«, sagte Gott.
»Ich kenne keinen Zweiten auf der Erde, der so rechtschaffen und aufrichtig ist
wie er, der mich achtet und sich nichts zuschulden kommen lässt. Immer noch
vertraut er mir, obwohl du mich dazu verleitet hast, ihn ohne Grund ins Unglück
zu stürzen.«
Hiob 2,4 Der Satan erwiderte bloß: »Kein Wunder! Er selbst ist doch noch mit
heiler Haut davongekommen. Ein Mensch gibt alles her, was er besitzt, wenn er
damit sein eigenes Leben retten kann.
Hiob 2,5 Greif nur seinen Körper und seine Gesundheit an, ganz sicher wird er
dich dann vor allen Leuten verfluchen!«
Hiob 2,6 Der Herr entgegnete: »Ich erlaube es dir! Greif seine Gesundheit an,
doch lass ihn am Leben!«
Hiob 2,7 Da verließ der Satan den Herrn und die Engel und schlug zu: Eitrige
Geschwüre brachen an Hiobs Körper aus, von Kopf bis Fuß.
Hiob 2,8 Voll Trauer setzte Hiob sich in einen Aschehaufen, suchte eine
Tonscherbe heraus und begann sich damit zu kratzen.
Hiob 2,9 »Na, immer noch fromm?«, wollte seine Frau wissen. »Mach doch Schluss
mit Gott und stirb!«
Hiob 2,10 Aber Hiob sagte nur: »Was du sagst, ist gottlos und dumm! Das Gute
haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?«
Selbst jetzt kam kein bitteres Wort gegen Gott über Hiobs Lippen.
Hiob 2,11 Hiob hatte drei Freunde: Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und
Zofar aus Naama. Als sie von dem Unglück hörten, das über ihn hereingebrochen
war, vereinbarten sie, Hiob zu besuchen. Sie wollten ihm ihr Mitgefühl zeigen
und ihn trösten.
Hiob 2,12 Schon von weitem sahen sie ihn, aber sie erkannten ihn kaum wieder. Da
brachen sie in Tränen aus, sie zerrissen ihre Kleider, schleuderten Staub in die
Luft und streuten ihn sich auf den Kopf.
Hiob 2,13 Dann setzten sie sich zu Hiob auf den Boden. Sieben Tage und sieben
Nächte saßen sie da, ohne ein Wort zu sagen, denn sie spürten, wie tief Hiobs
Schmerz war.
Hiob 3,1 Dann erst begann Hiob zu sprechen. Er verfluchte den Tag seiner Geburt
Hiob 3,2 und sagte:
Hiob 3,3 »Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren wurde, und auch die Nacht,
in der man sagte: ›Es ist ein Junge!‹
Hiob 3,4 Jener Tag versinke in tiefer Finsternis - kein Licht soll ihn erhellen!
Selbst Gott da oben vergesse ihn!
Hiob 3,5 Ja, der Tod soll ihn holen - diesen Tag! Ich wünschte, dass sich dunkle
Wolken auf ihn legten und die Finsternis sein Licht erstickte!
Hiob 3,6 Für immer soll sie dunkel bleiben - die Nacht meiner Geburt!
Ausgelöscht sei sie aus dem Jahreskreis, nie wieder erscheine sie auf dem
Kalender!
Hiob 3,7 Stumm und öde soll sie sein, eine Nacht, in der sich keiner mehr freut!
Hiob 3,8 Verfluchen sollen sie die Zauberer, die Tag und Nacht verwünschen
können und die das Ungeheuer wecken!
Hiob 3,9 Jene Nacht soll finster bleiben, ohne alle Sternenpracht! Vergeblich
warte sie aufs Sonnenlicht, die Strahlen des Morgenrots sehe sie nicht!
Hiob 3,10 Denn sie ließ zu, dass meine Mutter mich empfing, die Mühen des Lebens
hat sie mir nicht erspart.
Hiob 3,11 Warum bin ich nicht bei der Geburt gestorben, als ich aus dem Leib
meiner Mutter kam?
Hiob 3,12 Wozu hat sie mich auf den Knien gewiegt und an ihrer Brust gestillt?
Hiob 3,13 Wenn ich tot wäre, dann läge ich jetzt ungestört, hätte Ruhe und würde
schlafen
Hiob 3,14 so wie die Könige und ihre Berater, die sich hier prachtvolle Paläste
bauten - längst zu Ruinen zerfallen-,
Hiob 3,15 und wie die Herrscher, die Gold und Silber besaßen und ihre Häuser
damit füllten.
Hiob 3,16 Warum wurde ich nicht wie eine Fehlgeburt verscharrt, wie Totgeborene,
die nie das Tageslicht sahen?
Hiob 3,17 Bei den Toten können die Verbrecher nicht mehr toben, und ihre Opfer
haben endlich Ruhe.
Hiob 3,18 Auch die Gefangenen lässt man dort in Frieden; sie hören nicht mehr
das Geschrei des Aufsehers.
Hiob 3,19 Ob groß oder klein: Dort sind alle gleich, und der Sklave ist seinen
Herrn los.
Hiob 3,20 Warum nur lässt Gott die Menschen leben? Sie mühen sich ab, sind
verbittert und ohne Hoffnung.
Hiob 3,21 Sie sehnen sich den Tod herbei - aber er kommt nicht! Sie suchen ihn
mehr als verborgene Schätze,
Hiob 3,22 und erst wenn sie endlich im Grab ruhen, empfinden sie die größte
Freude!
Hiob 3,23 Warum muss ich noch leben? Gott hat mich eingepfercht; ich sehe nur
noch Dunkelheit!
Hiob 3,24 Laut schreie ich auf vor Schmerzen, wenn ich essen will, und das
Stöhnen bricht aus mir heraus.
Hiob 3,25 Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen, und wovor mir immer
graute - das ist jetzt da!
Hiob 3,26 Ohne Ruhe und Frieden lebe ich dahin, getrieben von endloser Qual!«
Hiob 4,1 Elifas aus Teman versuchte als Erster, Hiob eine Antwort zu geben.
Hiob 4,2 »Du bist zwar aufgebracht«, sagte er, »doch will ich versuchen, dir
etwas zu sagen; ich kann nicht länger schweigen!
Hiob 4,3 Du selbst hast zahllose Menschen gelehrt, auf Gott zu vertrauen.
Kraftlose Hände hast du wieder gestärkt.
Hiob 4,4 War jemand mutlos und ohne Halt, du hast ihn wieder aufgerichtet und
ihm neuen Lebensmut gegeben.
Hiob 4,5 Jetzt aber, wo du selbst an der Reihe bist, verlierst du die Fassung.
Kaum bricht das Unglück über dich herein, bist du entsetzt!
Hiob 4,6 Dabei hast du allen Grund zur Hoffnung! Dein Leben war stets tadellos,
und Gott hast du von Herzen geehrt. Sei zuversichtlich!
Hiob 4,7 Kannst du mir nur ein Beispiel nennen, wo ein gerechter Mensch
schuldlos zugrunde ging?
Hiob 4,8 Im Gegenteil - immer wieder habe ich gesehen: Wer Unrecht sät, wird
Unglück ernten!
Hiob 4,9 Denn Gott rafft Übeltäter im Zorn hinweg und richtet sie zugrunde.
Hiob 4,10 Wenn sie auch wie die Löwen brüllen, bringt Gott sie doch zum
Schweigen und bricht ihnen die Zähne aus.
Hiob 4,11 Sie verenden wie Löwen, die keine Beute mehr finden, und ihre Kinder
werden in alle Winde zerstreut.
Hiob 4,12 Hiob, heimlich habe ich eine Botschaft bekommen, leise wurde sie mir
zugeflüstert!
Hiob 4,13 Es geschah in jener Zeit der Nacht, wenn man sich unruhig im Traum hin
und her wälzt, wenn tiefer Schlaf die Menschen überfällt:
Hiob 4,14 Da packten mich Grauen und Entsetzen; ich zitterte am ganzen Körper.
Hiob 4,15 Ein Windhauch wehte dicht an mir vorüber - die Haare standen mir zu
Berge!
Hiob 4,16 Dann sah ich jemanden neben mir, aber ich konnte ihn nicht erkennen,
nur ein Schatten war zu sehen; er flüsterte:
Hiob 4,17 ›Kann denn ein Mensch gerechter sein als Gott, vollkommener als sein
Schöpfer?‹
Hiob 4,18 Selbst seinen Dienern im Himmel vertraut Gott nicht, und an seinen
Engeln findet er Fehler.
Hiob 4,19 Wie viel weniger vertraut er dann den Menschen! Sie hausen in
Lehmhütten, die im Staub auf der Erde stehen, und werden wie eine Motte
zertreten.
Hiob 4,20 Mitten aus dem Leben werden sie gerissen, unwiederbringlich, und
keiner beachtet es!
Hiob 4,21 Ja, Gott bricht ihre Zelte ab; sie sterben plötzlich und sind kein
bisschen weise geworden!«
Hiob 5,1 »Klag nur, Hiob! Aber meinst du, dich hört jemand? An welchen Engel
willst du dich denn wenden?
Hiob 5,2 Wer sich Gott in blinder Wut entgegenstellt und in seiner Dummheit
aufbegehrt, der bringt sich um!
Hiob 5,3 Ich sah solche Leute in Glück und Frieden leben, dann aber verfluchte
ich ihr Hab und Gut.
Hiob 5,4 Ohne jede Hilfe standen ihre Kinder da; niemand verteidigte sie, als
sie vor Gericht verurteilt wurden.
Hiob 5,5 Über die Ernte dieser Narren machten sich die Hungrigen her - selbst
aus den Dornenhecken rissen sie die Halme heraus und stürzten sich gierig auf
all ihren Reichtum.
Hiob 5,6 Unheil wächst nicht auf dem Acker, und Mühsal schießt nicht aus der
Erde empor.
Hiob 5,7 Nein, von Geburt an gehört zum Menschsein die Mühe, so wie zum Feuer
die Funken gehören.
Hiob 5,8 Ich an deiner Stelle würde mich an Gott wenden und ihm meinen
Rechtsfall vortragen.
Hiob 5,9 Was Gott tut, ist groß und gewaltig, niemand kann es begreifen; seine
Wunder sind unzählbar.
Hiob 5,10 Er lässt Regen fallen, und die Felder werden reich getränkt.
Hiob 5,11 Wer klein und unbedeutend ist, den macht er groß; die Trauernden
können sich wieder freuen, weil er sie rettet.
Hiob 5,12 Die Pläne verschlagener Menschen vereitelt er, so dass ihnen gar
nichts gelingt.
Hiob 5,13 Er fängt die Klugen mit ihrer eigenen Klugheit, und ihre
Machenschaften durchkreuzt er.
Hiob 5,14 Am helllichten Tage tappen sie umher, als wäre es stockdunkle Nacht.
Hiob 5,15 Gott hilft dem Armen aus der Gewalt der Mächtigen und rettet ihn vor
ihren mörderischen Plänen.
Hiob 5,16 Er gibt den Armen wieder Hoffnung und bringt die Ungerechtigkeit zum
Schweigen.
Hiob 5,17 Glücklich ist der Mensch, den Gott zurechtweist! Der Allmächtige will
dich erziehen! Sträube dich nicht!
Hiob 5,18 Er schlägt dich zwar, doch er heilt auch wieder; er verbindet alle
Wunden, die er dir zufügt.
Hiob 5,19 Bricht ein Unglück herein, so wird er dich retten; jedes Mal bleibst
du vom Untergang verschont.
Hiob 5,20 In der Hungersnot erhält er dich am Leben, und im Krieg bewahrt er
dich vor gewaltsamem Tod.
Hiob 5,21 Er beschützt dich vor übler Nachrede, die wie Peitschenhiebe verletzt.
Du musst nicht befürchten, dass dein Besitz verwüstet wird.
Hiob 5,22 Verderben und Hungersnot lachst du aus, und vor den wilden Tieren hier
im Lande hast du keine Angst.
Hiob 5,23 Niemand wird Steine auf deinen Acker werfen, und die wilden Tiere
werden dich nicht angreifen.
Hiob 5,24 In Ruhe und Frieden kannst du in deinem Haus leben, und schaust du
nach deinem Hab und Gut, fehlt nichts.
Hiob 5,25 Kinder und Enkel wirst du sehen, so zahlreich wie die Blumen auf dem
Feld.
Hiob 5,26 Du bleibst rüstig bis ins hohe Alter, und wenn du einst begraben
wirst, gleichst du dem Korn, das erst in voller Reife geerntet wird.
Hiob 5,27 Das alles haben wir erforscht. Du kannst uns glauben, es ist wahr! Nun
richte dich danach!«
Hiob 6,1 Da antwortete Hiob:
Hiob 6,2 »Ach könnte mein Schmerz doch gewogen werden! Legte man doch mein Elend
auf die Waage!
Hiob 6,3 Es wiegt schwerer als der Sand am Meer, und deshalb sind meine Worte so
unbeherrscht.
Hiob 6,4 Der Allmächtige hat mich mit seinen Pfeilen durchbohrt, tief dringt ihr
Gift in mich ein. Gott hat mich mit seinen Schrecken eingekesselt.
Hiob 6,5 Kein Wildesel schreit, wenn er Gras hat; an der vollen Futterkrippe
brüllt kein Stier.
Hiob 6,6 Doch welcher Mensch mag ungesalzene Speise, wer schlürft schon gerne
rohes Eiweiß?
Hiob 6,7 Ich sträube mich, es anzurühren, denn solche Nahrung macht mich krank!
Hiob 6,8 Warum schlägt Gott mir meine Bitte ab und gibt mir nicht, was ich so
sehnlich wünsche?
Hiob 6,9 Ich wünsche mir nur eins: dass er mich zermalmt und mir das Lebenslicht
ausbläst!
Hiob 6,10 Denn einen Trost hätte ich auch dann noch, Grund zum Jubeln trotz
schrecklicher Schmerzen: Was der heilige Gott geboten hat, daran habe ich mich
immer gehalten!
Hiob 6,11 Aber meine Kraft reicht nicht aus, um noch länger zu hoffen! Auf
welches gute Ende soll ich geduldig warten?
Hiob 6,12 Bin ich denn hart und unverwundbar wie ein Stein? Ist mein Körper
kraftvoll, wie aus Erz gegossen?
Hiob 6,13 Ich bin völlig hilflos und weiß nicht mehr aus noch ein!
Hiob 6,14 Wer so verzweifelt ist wie ich, braucht Freunde, die fest zu ihm
halten, selbst wenn er Gott nicht mehr glaubt.
Hiob 6,15 Ihr aber enttäuscht mich wie die Flüsse in der Wüste, deren Bett
vertrocknet, sobald kein Regen mehr fällt.
Hiob 6,16 Im Frühjahr treten sie über die Ufer, trübe vom Schmelzwasser, in dem
Eisschollen treiben.
Hiob 6,17 Aber wenn es heiß wird, versiegen sie und versickern im Boden.
Hiob 6,18 Karawanen müssen vom Weg abweichen, weil sie dort kein Wasser finden.
Sie steigen hinauf in die Wüste und gehen elend zugrunde.
Hiob 6,19 Die Karawanen von Tema spähen nach den Wasserstellen, die Händler von
Saba sind auf sie angewiesen,
Hiob 6,20 doch ihre Hoffnung wird bitter enttäuscht: Sie kommen dorthin - das
Flussbett ist leer!
Hiob 6,21 Und ihr? Ihr seid genau wie diese Flüsse: trostlos und leer. Ihr helft
mir nicht! Ihr seht mein furchtbares Schicksal und weicht entsetzt zurück!
Hiob 6,22 Wieso denn? Habe ich euch je gesagt: ›Schenkt mir etwas! Zahlt ein
Bestechungsgeld für mich aus euren Taschen,
Hiob 6,23 und rettet mich vor dem Erpresser, aus seinen Klauen kauft mich frei!‹
?
Hiob 6,24 Gebt mir eine klare Antwort, und weist mir nach, wo ich im Irrtum bin,
dann will ich gerne schweigen!
Hiob 6,25 Nur wer die Wahrheit sagt, überzeugt mich - eure Vorwürfe beweisen
nichts!
Hiob 6,26 Wollt ihr meine Worte tadeln, weil sie so verzweifelt klingen? Was ich
sage, verhallt ungehört im Wind!
Hiob 6,27 Ihr würdet selbst ein Waisenkind verkaufen und euren besten Freund
verhökern!
Hiob 6,28 Bitte, seht mich an! So wahr ich hier sitze: Ich sage euch die volle
Wahrheit!
Hiob 6,29 Ihr tut mir Unrecht! Hört endlich auf damit, denn immer noch bin ich
im Recht!
Hiob 6,30 Rede ich vermessen? Nie und nimmer! Ich kann doch Recht und Unrecht
unterscheiden!«
Hiob 7,1 »Das Leben der Menschen gleicht der Zwangsarbeit, von früh bis spät
müssen sie sich abmühen!
Hiob 7,2 Ein Landarbeiter sehnt sich nach dem kühlen Schatten am Abend; er
wartet darauf, dass ihm sein Lohn bezahlt wird.
Hiob 7,3 Und was ist mein Lohn? Monate, die sinnlos dahinfliegen, und
kummervolle Nächte!
Hiob 7,4 Wenn ich mich schlafen lege, denke ich: ›Wann kann ich endlich wieder
aufstehen?‹ Die Nacht zieht sich in die Länge, ich wälze mich schlaflos hin und
her bis zum Morgen.
Hiob 7,5 Mein Körper ist von Würmern und von dreckigem Schorf bedeckt. Meine
Haut platzt auf und eitert.
Hiob 7,6 Schneller als ein Weberschiffchen sausen meine Tage dahin, sie
schwinden ohne jede Hoffnung.
Hiob 7,7 O Gott, bedenke, dass mein Leben nur ein Hauch ist! Mein Glück ist
dahin; es kommt nie wieder.
Hiob 7,8 Noch siehst du mich, doch nicht mehr lange, und wenn du mich dann
suchst, bin ich nicht mehr da.
Hiob 7,9 [9/10] Wie eine Wolke, die vorüberzieht, so ist ein Mensch, der stirbt:
Vom Ort der Toten kehrt er nie zurück, dort, wo er einmal wohnte, ist er bald
vergessen.
Hiob 7,11 Nein - ich kann nicht schweigen! Der Schmerz wühlt in meinem Innern.
Ich lasse meinen Worten freien Lauf, ich rede aus bitterem Herzen.
Hiob 7,12 O Gott, warum lässt du mich so scharf bewachen? Bin ich denn das Meer
oder ein Meeresungeheuer?
Hiob 7,13 [13/14] Wenn ich dachte: ›Ich will im Schlaf Ruhe finden und mein
Elend vergessen‹, dann hast du mich bis in die Träume verfolgt und mir durch
Visionen Angst eingejagt.
Hiob 7,15 Am liebsten würde ich erhängt! Lieber sterben, als noch länger in
diesem elenden Körper leben!
Hiob 7,16 Ich gebe auf! So will ich nicht mehr weiterleben! Lass mich in Ruhe,
denn mein Leben hat keinen Sinn mehr!
Hiob 7,17 Gott, warum nimmst du einen Menschen so ernst? Warum beachtest du ihn
überhaupt?
Hiob 7,18 Jeden Morgen verlangst du Rechenschaft von ihm; du beobachtest ihn
jeden Augenblick.
Hiob 7,19 Wie lange schaust du mich noch prüfend an? Du lässt mich keinen
Augenblick in Ruhe!
Hiob 7,20 Du Menschenwächter - hat dich meine Sünde denn verletzt? Warum machst
du mich zu deiner Zielscheibe? Bin ich dir zur Last geworden?
Hiob 7,21 Warum vergibst du mir mein Unrecht nicht? Kannst du keine Sünde
übersehen? Denn bald liege ich unter der Erde, und wenn du mich dann suchst, bin
ich nicht mehr da.«
Hiob 8,1 Da entgegnete Bildad aus Schuach:
Hiob 8,2 »Wie lange willst du noch so weiterreden und lässt den unbeherrschten
Worten freien Lauf?
Hiob 8,3 Verdreht Gott, der Allmächtige, etwa das Recht? Meinst du, dass er sein
Urteil jemals widerruft?
Hiob 8,4 Deine Kinder müssen gegen ihn gesündigt haben, darum hat er sie
verstoßen und bestraft; sie haben bekommen, was sie verdienten.
Hiob 8,5 Du aber solltest unermüdlich nach Gott suchen und zum Allmächtigen um
Gnade flehen.
Hiob 8,6 Wenn du aufrichtig und ehrlich bist, dann wird er sich noch heute um
dich kümmern und Haus und Hof dir wiedergeben, wie du es verdienst.
Hiob 8,7 Was du früher besessen hast, wird dir gering erscheinen verglichen mit
dem, was Gott dir schenken wird!
Hiob 8,8 Schau doch nur auf die früheren Generationen, und achte auf die
Weisheit unserer Väter!
Hiob 8,9 Denn unser Leben währt nur kurze Zeit. Wir wissen gar nichts; wie ein
Schatten huschen unsere Tage vorüber.
Hiob 8,10 Aber die Alten können dich aus ihrer reichen Erfahrung belehren. Sie
sagten:
Hiob 8,11 ›Die Papyrusstaude steht nur dort, wo Sumpf ist, und ohne Wasser
wächst kein Schilf.
Hiob 8,12 Noch ehe es emporwächst, ehe man es schneiden kann, ist es schon
verdorrt!‹
Hiob 8,13 Genauso geht es dem, der Gott vergisst; wer ihm die Treue bricht, hat
keine Hoffnung mehr.
Hiob 8,14 Worauf er sich stützte, das zerbricht, und seine Sicherheit zerreißt
wie ein Spinnennetz.
Hiob 8,15 In seinem Haus fühlt er sich sicher, aber es bleibt nicht bestehen; er
klammert sich daran, findet aber keinen Halt.
Hiob 8,16 Zuerst wächst er auf wie eine Pflanze: Voller Saft steht sie im
Sonnenschein, und ihre Triebe breiten sich im Garten aus.
Hiob 8,17 Die Wurzeln verzweigen sich über die Steine und finden einen Weg durch
jede Ritze.
Hiob 8,18 Doch ist die Pflanze mitsamt den Wurzeln einmal ausgerissen, weiß
keiner mehr, wo sie gestanden hat.
Hiob 8,19 Wer Gott vergisst, dem geht es ebenso. Von seinem Glück bleibt nichts
mehr übrig, und andere nehmen seinen Platz ein.
Hiob 8,20 Vergiss es nicht: Gott lässt einen Unschuldigen niemals fallen, und
einen Bösen unterstützt er nicht!
Hiob 8,21 Er wird dich wieder lachen lassen und dir Grund zum Jubel geben,
Hiob 8,22 aber deine Feinde werden mit Schimpf und Schande überhäuft, und ihr
Haus wird vom Erdboden verschwinden!«
Hiob 9,1 Hiob erwiderte:
Hiob 9,2 »Das alles weiß ich doch schon längst! Nur eins verrate mir: Wie kann
ein Mensch vor Gott sein Recht bekommen?
Hiob 9,3 Wenn er dich vor Gericht zieht und Anklage erhebt, weißt du auf tausend
Fragen keine Antwort.
Hiob 9,4 Gott ist weise, stark und mächtig! Wer hat sich je erfolgreich gegen
ihn gestellt?
Hiob 9,5 Ohne Vorwarnung verrückt er Berge, und wenn er zornig wird, zerstört er
sie.
Hiob 9,6 Er lässt die Erde zittern und beben, so dass ihre Säulen schwanken.
Hiob 9,7 Er spricht nur ein Wort - schon verfinstert sich die Sonne, die Sterne
dürfen nicht mehr leuchten.
Hiob 9,8 Er allein hat den Himmel ausgebreitet, ist über die Wogen der Meere
geschritten.
Hiob 9,9 Den großen Wagen hat er geschaffen, den Orion, das Siebengestirn und
auch die Sternbilder des Südens.
Hiob 9,10 Er vollbringt gewaltige Taten; unzählbar sind seine Wunder, kein
Mensch kann sie begreifen!
Hiob 9,11 Unbemerkt zieht er an mir vorüber; er geht vorbei, er streift mich,
und ich nehm es gar nicht wahr!
Hiob 9,12 Niemand kann ihn hindern, wenn er einen Menschen aus dem Leben reißt.
Wer wagt es, ihn zu fragen: ›Halt! Was tust du da?‹ ?
Hiob 9,13 Gott lässt seinem Zorn freien Lauf; er unterwarf sich seine Feinde,
die dem Meeresungeheuer halfen, als es sich ihm widersetzte.
Hiob 9,14 Und ich? Was kann ich denn erwidern, mit welchen Worten ihm
entgegentreten?
Hiob 9,15 Auch wenn ich schuldlos wäre, könnte ich ihm nichts entgegnen, nein,
ich müsste ihn als meinen Richter noch um Gnade anflehen!
Hiob 9,16 Selbst wenn ich darauf drängte, dass er mir endlich eine Antwort gibt,
würde er mich kaum beachten.
Hiob 9,17 Im Gegenteil: Er würde im Orkan mich packen und grundlos meine Qual
vermehren.
Hiob 9,18 Er gönnt mir keine Atempause und sättigt mich mit Bitterkeit.
Hiob 9,19 Wollte ich meine Kraft mit ihm messen - er ist der Stärkere! Aber es
geht ums Recht! Warum lädt er mich nicht vor, damit ich mich verteidigen kann?
Hiob 9,20 Selbst wenn ich Recht hätte, würde Gott mich zum Geständnis zwingen;
ich müsste mich vor ihm für schuldig erklären, auch wenn ich schuldlos wäre.
Hiob 9,21 Ja, ich bin unschuldig! Aber es ist mir völlig gleichgültig, so sehr
hasse ich mein Leben!
Hiob 9,22 Es ist alles einerlei; deshalb sage ich: Egal, ob du gottlos bist oder
fromm - er bringt dich doch um!
Hiob 9,23 Und wenn sein Schlag plötzlich Unschuldige trifft, dann spottet er
noch über ihren Schmerz!
Hiob 9,24 Fällt ein Land Tyrannen in die Hände und werden alle Richter blind für
das Recht, so hat Gott das getan! Wenn nicht er - wer sonst?
Hiob 9,25 Meine Jahre sind vorbeigeeilt, schneller als ein Läufer, verschwunden
sind sie ohne eine Spur von Glück.
Hiob 9,26 Sie gleiten dahin, geschwind wie ein Boot, fliegen rascher als ein
Adler, der sich auf die Beute stürzt.
Hiob 9,27 Wenn ich mir sage: Jetzt will ich mein Klagen vergessen, will
glücklich sein und mich freuen,
Hiob 9,28 dann packt mich doch die Angst, dass meine Schmerzen wiederkommen. O
Gott, ich weiß es: Du hältst mich für schuldig!
Hiob 9,29 Ich bin ja schon verurteilt - wozu soll ich mich noch abmühen?
Hiob 9,30 Wenn ich meine Hände mit Schneewasser wüsche oder mit Lauge reinigte,
als Zeichen meiner Unschuld,
Hiob 9,31 dann würdest du mich doch in eine Jauchegrube tauchen, dass sich
selbst meine Kleider vor mir ekelten!
Hiob 9,32 Wärst du ein Mensch wie ich, dann könnte ich dir antworten! Wir würden
beide vor Gericht gehen, damit der Streit entschieden wird.
Hiob 9,33 Aber es gibt keinen, der zwischen dir und mir entscheidet und für
Recht sorgt.
Hiob 9,34 Hör auf, mich zu bestrafen! Halte deine Schrecken von mir fern!
Hiob 9,35 Dann kann ich endlich frei und furchtlos reden, denn ich bin mir
keiner Schuld bewusst!«
Hiob 10,1 »Mein Leben ekelt mich an! Darum will ich der Klage freien Lauf lassen
und mir die Bitterkeit von der Seele reden.
Hiob 10,2 Gott, stell mich nicht als schuldig hin! Erklär mir doch, warum du
mich anklagst!
Hiob 10,3 Gefällt es dir, dass du mich unterdrückst? Warum verachtest du mich,
den du selbst so kunstvoll gebildet hast? Die Pläne gewissenloser Menschen aber
führst du zum Erfolg.
Hiob 10,4 Hast du denn Menschenaugen? Siehst du die Dinge nur von außen so wie
wir?
Hiob 10,5 Sind deine Lebenstage auch begrenzt, deine Jahre rasch vergangen so
wie unsere?
Hiob 10,6 Warum suchst du dann nach meiner Schuld und hast es eilig, jede Sünde
aufzuspüren?
Hiob 10,7 Du weißt doch genau, dass ich unschuldig bin und dass es keinen gibt,
der mich aus deiner Hand befreit.
Hiob 10,8 Deine Hände haben mich gebildet und geformt. Willst du dich jetzt von
mir abwenden und mich zerstören?
Hiob 10,9 Bedenke doch, dass du mich wie Ton gestaltet hast! Lässt du mich jetzt
wieder zu Staub zerfallen?
Hiob 10,10 Dir verdanke ich mein Leben: dass mein Vater mich zeugte und ich im
Mutterleib Gestalt annahm.
Hiob 10,11 Mit Knochen und Sehnen hast du mich durchwoben, mit Muskeln und Haut
mich bekleidet.
Hiob 10,12 Ja, du hast mir das Leben geschenkt und mir deine Güte erwiesen;
deine Fürsorge hat mich stets bewahrt.
Hiob 10,13 Aber tief in deinem Herzen denkst du anders; in Wirklichkeit hast du
dies beschlossen:
Hiob 10,14 Auf jedes Vergehen willst du mich festnageln und mich von meiner
Schuld nicht mehr freisprechen.
Hiob 10,15 Habe ich mich schuldig gemacht, dann bin ich verloren! Doch auch wenn
ich im Recht bin, kann ich nicht zuversichtlich sein, denn man überhäuft mich
mit Schande, und mein Elend steht mir ständig vor Augen.
Hiob 10,16 Will ich mich behaupten, jagst du mich wie ein Löwe und richtest mich
wieder schrecklich zu.
Hiob 10,17 Einen Zeugen nach dem anderen lässt du gegen mich auftreten, dein
Zorn wird nur noch größer, auf immer neue Art greifst du mich an.
Hiob 10,18 Warum hast du zugelassen, dass ich geboren wurde? Wäre ich doch
gleich gestorben, kein Mensch hätte mich je gesehen!
Hiob 10,19 Vom Mutterleib direkt ins Grab! Ich wäre wie einer, den es nie
gegeben hat.
Hiob 10,20 Wie kurz ist mein Leben! Schon fast vergangen! Lass mich jetzt in
Frieden, damit ich noch ein wenig Freude habe!
Hiob 10,21 Bald muss ich gehen und komme nie mehr wieder. Ich gehe in ein Land,
wo alles schwarz und düster ist,
Hiob 10,22 ins Land der Dunkelheit und tiefen Nacht, ein Land, in dem es keine
Ordnungen mehr gibt, wo selbst das Licht nur schwarz ist wie die Nacht.«
Hiob 11,1 Darauf erwiderte Zofar aus Naama:
Hiob 11,2 »Soll diese Flut von Worten ohne Antwort bleiben? Darf denn ein
Schwätzer Recht behalten?
Hiob 11,3 Meinst du etwa, dein leeres Gerede verschlägt uns die Sprache? Willst
du weiter spotten, ohne dass dich jemand zurechtweist?
Hiob 11,4 Du sagst zu Gott: ›Meine Urteile sind völlig richtig! In deinen Augen
bin ich rein!‹
Hiob 11,5 Hiob, ich wünsche nichts sehnlicher, als dass Gott mit dir redet
Hiob 11,6 und dir zeigt, wie unendlich tief seine Weisheit ist! Sie hat so viele
Seiten! Kein Mensch kann sie begreifen! Glaub mir: Gott sieht über viele deiner
Sünden hinweg!
Hiob 11,7 Kannst du die Geheimnisse Gottes erforschen und die Vollkommenheit des
Allmächtigen erfassen?
Hiob 11,8 Der Himmel oben setzt Gott keine Grenze - dir aber allemal! Gott kennt
die Welt der Toten unten in der Tiefe - du aber nicht!
Hiob 11,9 Seine Größe überragt die Erde und reicht weiter als das Meer!
Hiob 11,10 Wenn er kommt, dich gefangen nimmt und dann Gericht hält - wer kann
ihn daran hindern?
Hiob 11,11 Nichtsnutzige Menschen kennt er ganz genau; er sieht ihr böses
Treiben, auch wenn sie ihn nicht beachten.
Hiob 11,12 Ein Hohlkopf kommt nicht zur Vernunft, genauso wenig wie ein Wildesel
als Mensch geboren wird.
Hiob 11,13 Hiob, fass einen klaren Entschluss: Streck deine Hände empor und bete
zu Gott!
Hiob 11,14 Mach deinen Fehler wieder gut, und lass in deinen Zelten kein neues
Unrecht geschehen!
Hiob 11,15 Dann kannst du jedem wieder offen ins Gesicht sehen, unerschütterlich
und furchtlos stehst du im Leben deinen Mann!
Hiob 11,16 Bald schon wird all dein Leid vergessen sein wie Wasser, das
versickert ist.
Hiob 11,17 Dann kann dein Leben noch einmal beginnen und leuchten wie die
Mittagssonne, auch die dunkelsten Stunden werden strahlen wie der lichte Morgen.
Hiob 11,18 Dann hast du endlich wieder Hoffnung und kannst zuversichtlich sein.
Abends siehst du noch einmal nach dem Rechten und legst dich dann in Frieden
schlafen.
Hiob 11,19 Kein Feind schreckt dich auf - im Gegenteil: Viele werden sich um
deine Gunst bemühen.
Hiob 11,20 Aber alle, die Gott missachten, schauen sich vergeblich nach Hilfe
um; sie haben keine Zuflucht mehr! Ihnen bleibt nur noch der letzte Atemzug.«
Hiob 12,1 Darauf entgegnete Hiob:
Hiob 12,2 »Jawohl, ihr habt die Weisheit gepachtet, und mit euch stirbt sie
eines Tages aus!
Hiob 12,3 Auch ich habe Verstand, genauso wie ihr; ich stehe euch in nichts
nach. Was ihr sagt, weiß doch jeder!
Hiob 12,4 Aber jetzt lachen sogar meine Freunde mich aus, obwohl ich unschuldig
bin und keiner mir etwas Schlechtes nachsagen kann. Früher hat Gott meine Gebete
erhört. Er gab mir Antwort, wenn ich zu ihm rief.
Hiob 12,5 Alle, die in Sicherheit leben, behaupten: ›Wen das Unglück trifft, den
darf man verachten; was fallen will, das soll man ruhig noch stoßen!‹
Hiob 12,6 Die Gewalttätigen bleiben unbehelligt. Sie fordern Gott heraus und
leben doch sicher und ungestört. Das Schwert in ihrer Faust - das ist ihr Gott!
Hiob 12,7 Von den Tieren draußen kannst du vieles lernen, schau dir doch die
Vögel an!
Hiob 12,8 Frag nur die Erde und die Fische im Meer; hör, was sie dir sagen!
Hiob 12,9 Wer von diesen allen wüsste nicht, dass der Herr sie mit seiner Hand
geschaffen hat?
Hiob 12,10 Alle Lebewesen hält er in der Hand, den Menschen gibt er ihren Atem.
Hiob 12,11 Soll nicht mein Ohr eure Worte prüfen, so wie mein Gaumen das Essen
kostet?
Hiob 12,12 Man sagt, Weisheit sei bei den Alten zu finden und ein langes Leben
bringe Erfahrung.
Hiob 12,13 Doch Gott allein besitzt Weisheit und Kraft, nie wird er ratlos; er
weiß, was er tun soll.
Hiob 12,14 Was er abreißt, wird nie wieder aufgebaut, und wenn er einen Menschen
einschließt, kann keiner ihn befreien.
Hiob 12,15 Hält er den Regen zurück, dann wird das Land von Dürre geplagt; lässt
er die Wasserfluten los, dann wühlen sie es um.
Hiob 12,16 Er allein besitzt Macht! Was er sich vornimmt, das gelingt. Gott hat
beide in der Hand: den, der sich irrt, und den, der andere irreführt.
Hiob 12,17 Königliche Ratgeber nimmt er gefangen; erfahrene Richter macht er zu
Narren.
Hiob 12,18 Gefangene eines Königs befreit er, doch den König selbst legt er in
Fesseln.
Hiob 12,19 Er führt die Priester weg mit Schimpf und Schande und vertreibt
alteingesessene Familien.
Hiob 12,20 Berühmten Rednern entzieht er das Wort, den Alten nimmt er die
Urteilskraft.
Hiob 12,21 Fürsten gibt er der Verachtung preis, und die Mächtigen macht er
schwach.
Hiob 12,22 Die Dunkelheit überflutet er mit Licht, ja, die tiefsten Geheimnisse
deckt er auf.
Hiob 12,23 Er lässt Völker mächtig werden und richtet sie wieder zugrunde; er
macht ein Volk groß und vertreibt es wieder.
Hiob 12,24 Ihren Königen nimmt er den Verstand und führt sie hoffnungslos in die
Irre.
Hiob 12,25 Im Dunkeln tappen sie umher und torkeln wie Betrunkene.«
Hiob 13,1 »Das alles ist mir bestens bekannt! Ich habe es mit eigenen Augen
gesehen, und andere haben es mir berichtet.
Hiob 13,2 Was ihr wisst, weiß ich auch, ich stehe euch in nichts nach!
Hiob 13,3 Aber ich will mit dem Allmächtigen reden, vor ihm will ich mich
verteidigen.
Hiob 13,4 Ihr übertüncht ja die Wahrheit mit euren Lügen! Kurpfuscher seid ihr
allesamt!
Hiob 13,5 Wenn ihr doch nur schweigen würdet, dann könnte man euch noch für
weise halten!
Hiob 13,6 Hört jetzt, was ich zu meiner Verteidigung sage, und gebt Acht, wie
ich meinen Fall vortrage!
Hiob 13,7 Wollt ihr für Gott lügen und mit falschen Aussagen für ihn eintreten?
Hiob 13,8 Wollt ihr Partei für ihn ergreifen und seinen Streit ausfechten?
Hiob 13,9 Das kann doch nicht gut gehen! Meint ihr, dass er sich täuschen lässt,
wenn er euch ins Verhör nimmt?
Hiob 13,10 Zurechtweisen wird er euch, weil ihr heimlich für ihn Partei
ergreift!
Hiob 13,11 Sein Erscheinen wird euch zu Tode erschrecken, die Angst wird euch
packen!
Hiob 13,12 Eure tiefsinnigen Sprüche sind wertlos wie ein Häufchen Asche! Eure
Verteidigung zerbröckelt wie Lehm!
Hiob 13,13 Schweigt jetzt! Ich will reden, komme, was da wolle!
Hiob 13,14 Ich bin bereit, Kopf und Kragen zu riskieren, ja, ich setze mein
Leben aufs Spiel!
Hiob 13,15 Gewiss wird Gott mich töten, dennoch vertraue ich auf ihn, denn ich
will mein Leben vor ihm verantworten.
Hiob 13,16 Schon das wird meine Rettung sein, denn wer mit Gott gebrochen hat,
darf gar nicht erst in seine Nähe kommen!
Hiob 13,17 Hört jetzt genau zu, wenn ich meinen Fall klarstelle! Achtet auf
jedes Wort!
Hiob 13,18 Ich habe mich auf die Verhandlung bestens vorbereitet und bin sicher,
dass ich Recht behalte.
Hiob 13,19 Kann mir jemand eine Schuld nachweisen? Dann will ich schweigen und
auf der Stelle sterben.
Hiob 13,20 Aber zuerst habe ich noch zwei Bitten an dich, o Gott; erfülle sie
mir, damit ich dir überhaupt begegnen kann:
Hiob 13,21 Nimm dieses schmerzhafte Leiden von mir und die schreckliche Angst,
mit der du mich plagst!
Hiob 13,22 Rede du zuerst, dann werde ich antworten, oder lass mich beginnen,
und dann antworte du!
Hiob 13,23 O Gott, sag mir: Wo bin ich schuldig geworden? Welche Sünden habe ich
begangen? Wo habe ich dir die Treue gebrochen?
Hiob 13,24 Warum ziehst du dich von mir zurück und betrachtest mich als deinen
Feind?
Hiob 13,25 Warum verfolgst du mich und jagst mir Schrecken ein? Ich bin doch nur
ein welkes Blatt, ein dürrer Halm!
Hiob 13,26 Ein bitteres Los hast du über mich verhängt; du strafst mich sogar
für die Sünden meiner Jugend.
Hiob 13,27 Du legst meine Füße in Ketten, beobachtest jede Bewegung und bewachst
mich auf Schritt und Tritt.
Hiob 13,28 So zerfalle ich langsam wie ein Holz, das vermodert, wie ein Kleid,
das die Motten fressen.«
Hiob 14,1 »Wie vergänglich ist der Mensch! Wie kurz sind seine Jahre! Wie mühsam
ist sein Leben!
Hiob 14,2 Er blüht auf wie eine Blume - und verwelkt; er verschwindet wie ein
Schatten - und fort ist er!
Hiob 14,3 Und doch verlierst du ihn nicht aus den Augen und stellst ihn vor dein
Gericht!
Hiob 14,4 Von Geburt an sind wir mit Schuld beladen und bringen nichts Gutes
zustande - keiner von uns!
Hiob 14,5 Die Jahre eines jeden Menschen sind gezählt; die Dauer seines Lebens
hast du festgelegt. Du hast ihm eine Grenze gesetzt, die er nicht überschreiten
kann.
Hiob 14,6 So schau jetzt weg von ihm, damit er Ruhe hat und seines Lebens noch
froh wird, wie ein Arbeiter am Feierabend!
Hiob 14,7 Für einen Baum gibt es immer noch Hoffnung, selbst wenn man ihn
gefällt hat; aus dem Stumpf wachsen wieder frische Triebe nach.
Hiob 14,8 Auch wenn seine Wurzeln im Erdreich absterben und der Stumpf langsam
im Boden vertrocknet,
Hiob 14,9 erwacht er doch zu neuem Leben, sobald er Wasser bekommt. Neue Triebe
schießen empor wie bei einer jungen Pflanze.
Hiob 14,10 Aber wenn ein Mensch gestorben ist, dann ist er dahin. Er hat sein
Leben ausgehaucht. Wo ist er nun?
Hiob 14,11 Wie Wasser, das aus einem See ausläuft, und wie ein Flussbett, das
vertrocknet,
Hiob 14,12 so ist der Mensch, wenn er stirbt: Er legt sich nieder und steht nie
wieder auf. Ja, die Toten werden niemals erwachen, solange der Himmel besteht!
Nie wieder werden sie aus ihrem Schlaf erweckt!
Hiob 14,13 O Gott, versteck mich doch bei den Toten! Schließ mich für eine Weile
dort ein, bis dein Zorn verflogen ist! Aber setz dir eine Frist und denk dann
wieder an mich! -
Hiob 14,14 Meinst du, ein Mensch wird wieder lebendig, wenn er gestorben ist? -
Dort bei den Toten würde ich warten und die Tage zählen wie ein Zwangsarbeiter,
bis er entlassen wird.
Hiob 14,15 Aber dann wirst du mich rufen, und ich werde kommen. Du wirst dich
nach mir sehnen, weil du selbst mich geschaffen hast.
Hiob 14,16 Meine Wege siehst du auch dann noch, aber meine Sünden hältst du mir
nicht mehr vor.
Hiob 14,17 Was immer ich begangen habe, ist dann vergeben und vergessen, meine
Schuld löschst du für immer aus.
Hiob 14,18 Berge stürzen und zerfallen, Felsen rutschen zu Tal.
Hiob 14,19 Wasser zermahlt die Steine zu Sand, und Sturzbäche reißen den
Erdboden fort. Genauso zerstörst du jede Hoffnung des Menschen.
Hiob 14,20 Du überwältigst ihn, zwingst ihn zu Boden; mit entstelltem Gesicht
liegt er da und stirbt. Du schickst ihn fort - er kommt nie wieder.
Hiob 14,21 Ob seine Kinder einst berühmt sind oder ob man sie verachtet, er weiß
nichts davon. Ihre Zukunft bleibt ihm völlig verborgen.
Hiob 14,22 Er fühlt nur die eigenen Schmerzen und trauert nur über sich selbst.«
Hiob 15,1 Da antwortete Elifas aus Teman:
Hiob 15,2 »Und du willst ein weiser Mann sein, Hiob? Leere Worte! Du machst
nichts als leere Worte!
Hiob 15,3 Kein Weiser würde reden so wie du! Wie du dich wehrst und
zurückschlägst! Das ist doch völlig nutzlos! Was du sagst, hat keinen Wert!
Hiob 15,4 Wenn du so weitermachst, wird niemand mehr Ehrfurcht vor Gott haben,
niemand wird sich noch auf ihn besinnen.
Hiob 15,5 Hinter vielen Worten willst du deine Schuld verstecken, listig lenkst
du von ihr ab!
Hiob 15,6 Ich muss dich gar nicht schuldig sprechen - du selbst tust es; jedes
deiner Worte klagt dich an.
Hiob 15,7 Bist du als erster Mensch geboren worden, noch ehe Gott die Berge
schuf?
Hiob 15,8 Kennst du etwa Gottes Pläne, hast du die Weisheit gepachtet?
Hiob 15,9 Was weißt du denn, das wir nicht auch schon wüssten; was du begriffen
hast, begreifen wir schon längst!
Hiob 15,10 Hinter uns stehen alte, weise Männer, die älter wurden als dein
Vater.
Hiob 15,11 Hiob, Gott will dich trösten! Ist dir das gar nichts wert? Durch uns
redet er dich freundlich an.
Hiob 15,12 Was erlaubst du dir! Du lässt dich vom Ärger mitreißen, aus deinen
Augen sprüht der Zorn;
Hiob 15,13 so ziehst du gegen Gott zu Felde und klagst ihn erbittert an!
Hiob 15,14 Welcher Mensch ist wirklich schuldlos, wer kann vor Gott bestehen?
Hiob 15,15 Selbst seinen Engeln vertraut Gott nicht, in seinen Augen ist sogar
der Himmel unvollkommen.
Hiob 15,16 Wie viel mehr die Menschen: Abscheulich und verdorben sind sie, am
Unrecht trinken sie sich satt, als wäre es Wasser!
Hiob 15,17 Hör mir zu, Hiob! Ich will dir etwas erklären, was ich aus eigener
Erfahrung weiß,
Hiob 15,18 es stimmt auch mit den Worten der alten, weisen Männer überein. Sie
wiederum haben es von ihren Vätern gelernt,
Hiob 15,19 denen damals das Land ganz allein gehörte, von jedem fremden Einfluss
unberührt.
Hiob 15,20 Sie sagten: Der Gewalttäter zittert vor Angst, er, der von Gott
nichts wissen wollte, hat nicht mehr lange zu leben.
Hiob 15,21 Schreckensrufe gellen ihm in den Ohren, mitten im Frieden wird ihn
der Attentäter überfallen.
Hiob 15,22 Er glaubt nicht mehr, dass er der Finsternis entkommen wird. Das
Schwert des Mörders wartet schon auf ihn.
Hiob 15,23 Auf der Suche nach Nahrung irrt er umher, aber findet nichts. Er
weiß, dass bald sein letztes Stündlein schlägt.
Hiob 15,24 Ihn packt das Grauen, Verzweiflung überfällt ihn wie ein König, der
zum Angriff bläst.
Hiob 15,25 Denn er hat Gott mit der Faust gedroht und wagte es, den Allmächtigen
zu bekämpfen.
Hiob 15,26 Starrköpfig wie er war, rannte er gegen Gott an mit seinem runden,
dicken Schild.
Hiob 15,27 Ja, er fühlte sich stark, wurde selbstsicher und überheblich,
Hiob 15,28 aber er wird an verwüsteten Orten hausen, in halb zerfallenen
Häusern, in denen es keiner mehr aushält, die bald nur noch Ruinen sind.
Hiob 15,29 Dieser Mensch wird seinen Reichtum nicht behalten, und sein Besitz
ist nur von kurzer Dauer.
Hiob 15,30 Der Finsternis wird er nicht entrinnen; er ist wie ein Baum, dessen
Zweige das Feuer versengt. Gott spricht nur ein Wort, und schon ist er nicht
mehr da.
Hiob 15,31 Wenn er auf Werte vertraut, die nicht tragen, betrügt er sich selbst,
nur Enttäuschung wird sein Lohn sein.
Hiob 15,32 Früher als er denkt, wird Gottes Vergeltung ihn treffen. Dann
verwelkt er und wird nie wieder grünen.
Hiob 15,33 Er gleicht einem Weinstock, der die Trauben verliert, und einem
Ölbaum, der seine Blüten abwirft.
Hiob 15,34 So geht es allen, die Gott missachten: Über kurz oder lang sterben
sie aus. Mit Bestechungsgeldern bauen sie ihr Haus, aber ein Feuer wird alles
verwüsten.
Hiob 15,35 Sie tragen sich mit bösen Plänen, Gemeinheiten brüten sie aus und
setzen Unheil in die Welt.«
Hiob 16,1 Hiob erwiderte:
Hiob 16,2 »Ach, solche Worte habe ich schon oft gehört. Ihr alle habt nur
schwachen Trost zu bieten!
Hiob 16,3 Hört dein hohles Gerede niemals auf? Was reizt dich so, dass du mir
ständig widersprechen musst?
Hiob 16,4 Auch ich könnte reden so wie ihr, wenn ich an eurer Stelle wäre! Ich
könnte euch dann schöne Reden halten und weise mein Haupt schütteln.
Hiob 16,5 Mit meinen Worten würde ich euch stärken und euch mein Beileid
aussprechen.
Hiob 16,6 Doch wenn ich rede, lässt mein Schmerz nicht nach, und schweige ich,
so wird es auch nicht besser!«
Hiob 16,7 »O Gott, du hast mir meine Kraft genommen, meine Familie hast du
zerstört.
Hiob 16,8 Du hast mich gepackt - schon das soll meine Schuld beweisen! Meine
Krankheit tritt als Zeuge gegen mich auf.
Hiob 16,9 Gott ist mein Feind geworden, er knirscht mit den Zähnen, zerreißt
mich im Zorn und durchbohrt mich mit seinen Blicken.
Hiob 16,10 Auch die Menschen verbünden sich gegen mich. Sie reißen ihr Maul
gegen mich auf und schlagen mir voller Hohn auf die Wange.
Hiob 16,11 Gott hat mich bösen Menschen ausgeliefert; Gottlosen bin ich in die
Hände gefallen.
Hiob 16,12 Ich lebte in Ruhe und Frieden, aber Gott hat mich aufgeschreckt, mich
am Genick gepackt und zerschmettert. Er hat mich zu seiner Zielscheibe gemacht,
Hiob 16,13 seine Pfeile schießen auf mich zu. Erbarmungslos durchbohrt er meine
Nieren, meine Galle tropft zu Boden.
Hiob 16,14 Wunde um Wunde fügt er mir zu, wie ein Soldat rennt er gegen mich an.
Hiob 16,15 In Trauerkleidung sitz ich hier, mein Haupt bis in den Staub gebeugt.
Hiob 16,16 Ich habe dunkle Ringe um die Augen, und mein Gesicht ist rot vom
vielen Weinen,
Hiob 16,17 obwohl ich kein Unrecht begangen habe und mein Gebet aus reinem
Herzen kommt.«
Hiob 16,18 »O Erde, bedecke mein Blut nicht, lass meinen Hilfeschrei niemals
verstummen!
Hiob 16,19 Doch auch jetzt schon hab ich einen Zeugen hoch im Himmel; der tritt
für mich ein!
Hiob 16,20 Meine Freunde verspotten mich, darum schaue ich unter Tränen nach
Gott aus.
Hiob 16,21 Er wird mich freisprechen und mir bei anderen Menschen Recht
verschaffen.
Hiob 16,22 Nur wenige Jahre hab ich noch zu leben, bis ich den Weg beschreiten
muss, von dem es keine Rückkehr gibt.«
Hiob 17,1 »Meine Kraft ist gebrochen, meine Tage schwinden, und auf mich wartet
nur das Grab.
Hiob 17,2 Ich muss mit ansehen, wie man mich verspottet; von allen Seiten werde
ich bedrängt.
Hiob 17,3 O Gott, bürge du selbst für mich! Ich habe sonst keinen, der für mich
eintritt!
Hiob 17,4 Meinen Freunden hast du jede Einsicht verschlossen, darum wirst du sie
nicht triumphieren lassen.
Hiob 17,5 Sie gleichen jenem Mann im Sprichwort, der sein Vermögen an viele
Freunde verteilt und seine eigenen Kinder hungern lässt.
Hiob 17,6 Ich bin dem Spott der Leute preisgegeben, ja, man spuckt mir ins
Gesicht!
Hiob 17,7 Schmerz und Trauer haben mich fast blind gemacht; ich bin nur noch ein
Schatten meiner selbst.
Hiob 17,8 Darüber sind aufrichtige Menschen hell entsetzt; sie, die ein reines
Gewissen haben, denken über mich: ›Wie gottlos muss der sein!‹
Hiob 17,9 Und doch gehen sie ihren geraden Weg unbeirrbar weiter; sie, die
schuldlos sind, bekommen neue Kraft.
Hiob 17,10 Kommt nur alle wieder her, ihr Freunde, ich finde dennoch keinen
Weisen unter euch!
Hiob 17,11 Ach, meine Tage sind verflogen, durchkreuzt sind alle Pläne, die
einst mein Herz erfüllten!
Hiob 17,12 Meine Freunde erklären meine Nacht zum Tag! ›Das Licht ist nahe!‹,
sagen sie, während ich ins Finstere starre!
Hiob 17,13 Ich habe nur noch das Grab zu erwarten; in der dunklen Welt der Toten
muss ich liegen.
Hiob 17,14 Das Grab werde ich bald als ›Vater‹ begrüßen. Die Verwesung nenn ich
›meine Mutter, liebe Schwester‹.
Hiob 17,15 Wo ist meine Hoffnung geblieben, wo denn? Sieht jemand von ihr auch
nur einen Schimmer?
Hiob 17,16 O nein, auch sie versinkt mit mir im Tode, gemeinsam werden wir zu
Staub!«
Hiob 18,1 Nun ergriff Bildad aus Schuach wieder das Wort:
Hiob 18,2 »Hör endlich auf mit dem Geschwätz, Hiob! Komm zur Vernunft, damit wir
dir etwas sagen können!
Hiob 18,3 Warum stellst du uns als töricht hin, hältst uns für dumm wie ein
Stück Vieh?
Hiob 18,4 Du zerfleischst dich selbst in deinem Zorn! Soll das Land verwüstet
werden, sollen mächtige Felsen einstürzen, nur damit du Recht behältst?
Hiob 18,5 Mach dir nichts vor: Das Licht des Gottlosen wird verlöschen, und
seine Flamme lodert nicht mehr auf.
Hiob 18,6 In seinem Zelt wird es dunkel, seine Lampe erlischt.
Hiob 18,7 Mit müden Schritten schleppt er sich dahin; seine eigenen
Machenschaften bringen ihn zu Fall.
Hiob 18,8 Er wird sich im Netz verstricken, in eine überdeckte Grube stürzen.
Hiob 18,9 Er tritt in die Falle, und sie schnappt zu. In Schlingen wird er sich
verfangen.
Hiob 18,10 Versteckt am Boden ist ein Strick für ihn gespannt, auf seinem Weg
wartet eine Falle.
Hiob 18,11 Angst und Schrecken bedrängen ihn von allen Seiten, sie verfolgen ihn
auf Schritt und Tritt.
Hiob 18,12 Das Unheil lauert ihm auf, das Unglück wird ihn überfallen.
Hiob 18,13 Eine furchtbare Krankheit frisst seine Glieder, als Bote des Todes
zehrt sie ihn aus.
Hiob 18,14 Sie entwurzelt ihn aus seiner Heimat, wo er sich sicher glaubte, und
treibt ihn zum König aller Schrecken - hin zum Tod.
Hiob 18,15 Das Feuer wird in seinem Zelte wüten, und man wird Schwefel auf sein
Grundstück streuen.
Hiob 18,16 Seine Wurzeln verdorren im Erdreich, und seine Zweige sterben ab.
Hiob 18,17 Die Erinnerung an ihn wird völlig ausgelöscht, und bald denkt keiner
mehr an ihn im ganzen Land.
Hiob 18,18 Man wird ihn aus dem Licht ins Dunkle stoßen, vom Erdboden
verschwinden lassen.
Hiob 18,19 Er wird weder Kind noch Enkel haben in seinem Volk, von seiner
Familie wird keiner überleben.
Hiob 18,20 Über seinen Unglückstag wird jeder sich entsetzen. In Ost und West
packt alle, die es hören, kaltes Grausen.
Hiob 18,21 Ja, so sieht das Ende böser Menschen aus! So geht es dem, der Gott
den Rücken kehrt!«
Hiob 19,1 Da fragte Hiob:
Hiob 19,2 »Wie lange wollt ihr mich noch quälen und mich mit euren Worten
verletzen?
Hiob 19,3 Wie oft habt ihr mich schon beleidigt! Schämt ihr euch nicht, mir so
grausam zuzusetzen?
Hiob 19,4 Denn wäre ich wirklich vom richtigen Weg abgeirrt, müsste ich die
Folgen selbst tragen!
Hiob 19,5 Wollt ihr euch etwa über mich erheben und mir eine Schuld nachweisen?
Hiob 19,6 Merkt ihr denn nicht, dass Gott mir unrecht tut und mich in seinem
Netz gefangen hat?
Hiob 19,7 Ich schreie: ›Hilfe!‹, aber niemand hört mich. Ich rufe aus
Leibeskräften - aber keiner verschafft mir Recht.
Hiob 19,8 Gott hat mir den Weg versperrt, ich komme nicht mehr weiter. Meinen
Pfad hat er in tiefe Dunkelheit gehüllt.
Hiob 19,9 Ich war angesehen und geachtet, aber er hat meine Krone weggerissen.
Hiob 19,10 Zerschmettert hat er mich, bald muss ich gehen; meine Hoffnung riss
er aus wie einen Baum.
Hiob 19,11 Ja, Gottes Zorn ist gegen mich entbrannt, er behandelt mich als
seinen Feind.
Hiob 19,12 Vereint sind seine Truppen gegen mich herangerückt, sie haben einen
Weg zu mir gebahnt und sich rings um mein Zelt aufgestellt.
Hiob 19,13 Meine Brüder hat Gott mir entfremdet; die Verwandten wollen nichts
mehr von mir wissen.
Hiob 19,14 Meine Nachbarn haben sich zurückgezogen, alte Bekannte kennen mich
nicht mehr.
Hiob 19,15 Alle, die in meinem Hause Zuflucht fanden, betrachten mich als einen
Fremden. Meine eigenen Mägde kennen mich nicht mehr!
Hiob 19,16 Als ich einen Knecht rufen wollte, gab er keine Antwort. Anflehen
musste ich ihn!
Hiob 19,17 Meine Frau erträgt meinen stinkenden Atem nicht mehr; meine eigenen
Brüder ekeln sich vor mir!
Hiob 19,18 Sogar Kinder lachen und spotten über mich; sobald sie mich sehen,
fangen sie an zu tuscheln!
Hiob 19,19 Meine engsten Freunde verabscheuen mich jetzt; sie, die mir am
nächsten standen, lehnen mich ab!
Hiob 19,20 Und ich? Ich bin nur noch Haut und Knochen, bin mit knapper Not dem
Tod entkommen.
Hiob 19,21 Barmherzigkeit! Habt Mitleid, meine Freunde! Gottes Hand hat mich
geschlagen!
Hiob 19,22 Warum verfolgt ihr mich, wie Gott es tut? Habt ihr mich nicht schon
genug gequält?
Hiob 19,23 [23/24] Ach, würden doch meine Worte in einer Inschrift festgehalten,
in Stein gemeißelt und mit Blei noch ausgegossen, lesbar für alle Zeiten!
Hiob 19,25 Doch eines weiß ich: Mein Erlöser lebt; auf dieser todgeweihten Erde
spricht er das letzte Wort!
Hiob 19,26 Auch wenn meine Haut in Fetzen an mir hängt und mein Leib zerfressen
ist, werde ich doch Gott sehen!
Hiob 19,27 Ja, ihn werde ich anschauen; mit eigenen Augen werde ich ihn sehen,
aber nicht als Fremden. Danach sehne ich mich von ganzem Herzen!
Hiob 19,28 Aber wenn ihr sagt: ›Wir wollen Hiob belauern und etwas finden, das
seine Schuld beweist!‹,
Hiob 19,29 dann fürchtet euch vor dem Schwert, vor dem Richterschwert Gottes,
der eure Schuld im Zorn bestrafen wird! Dann werdet ihr erkennen, dass es einen
Richter gibt!«
Hiob 20,1 Nun fiel ihm Zofar aus Naama ins Wort:
Hiob 20,2 »Jetzt muss ich dir etwas sagen, Hiob! Ich kann nicht länger warten!
Hiob 20,3 Dein Gerede beleidigt mich, doch ich bin klug genug, dir die passende
Antwort zu geben!
Hiob 20,4 [4/5] Seit Urzeiten, seit Gott den Menschen auf die Erde setzte, gilt
dieses eine Gesetz: Die Freude des Gottlosen ist nicht von Dauer; sein Glück
währt nur für kurze Zeit! Weißt du das nicht?
Hiob 20,6 Steigt er auch in seinem Stolz bis in den Himmel auf und reicht er mit
dem Kopf bis an die Wolken,
Hiob 20,7 wird er doch für immer vergehen, genauso wie sein eigener Kot. Wer
diesen Menschen kannte, wird sich fragen: ›Wo ist er nur geblieben?‹
Hiob 20,8 [8/9] Er wird spurlos verschwinden wie ein Traum, verfliegen wie ein
flüchtiger Gedanke; wo er wohnte, wird ihn keiner mehr erblicken.
Hiob 20,10 Seine Söhne werden bei den Armen betteln gehen, weil er sein Hab und
Gut zurückerstatten musste.
Hiob 20,11 Noch strotzt er vor Kraft, doch bald wird er im Staube liegen.
Hiob 20,12 [12/13] Böses tun ist ihm ein Vergnügen, ein Leckerbissen, den er
sich auf der Zunge zergehen lässt, den er lange im Mund behält, um den Geschmack
nicht zu verlieren.
Hiob 20,14 Doch sobald er ihn verzehrt hat, wird der Leckerbissen zu
Schlangengift.
Hiob 20,15 Das unrechte Gut, das er verschlingt, muss er wieder erbrechen, weil
Gott ihn dazu zwingt!
Hiob 20,16 Was er so gierig in sich aufsaugt, stellt sich als Schlangengift
heraus; ein Biss der Viper bringt ihn um.
Hiob 20,17 Er wird nicht im Überfluss leben; Ströme von Milch und Honig fließen
nicht für ihn.
Hiob 20,18 Was er sich mühevoll erworben hat, muss er zurückgeben; er darf es
nicht genießen, an seinem großen Gewinn kann er sich niemals freuen.
Hiob 20,19 Denn er unterdrückt und beraubt die Armen; Häuser, die er selbst
nicht baute, reißt er an sich.
Hiob 20,20 Seine Habgier, sie kennt keine Grenzen, doch mit seinen Schätzen wird
er nicht entkommen!
Hiob 20,21 Nichts ist seiner Fressgier je entgangen, doch wird sein Wohlstand
nur von kurzer Dauer sein.
Hiob 20,22 Auf der Höhe seiner Macht wird ihm angst und bange, das Unglück
trifft ihn mit voller Wucht.
Hiob 20,23 Soll er sich doch den Bauch vollschlagen! Irgendwann kommt Gottes
Zorn auf ihn herab; er lässt seine Schläge auf ihn niederregnen.
Hiob 20,24 Wenn er dann um sein Leben läuft, weil er dem Schwert entkommen will,
wird ihn einer mit dem Bogen niederschießen.
Hiob 20,25 Der Bogenschütze zielt auf ihn und schießt: Ein Pfeil durchbohrt sein
Herz und tritt am Rücken wieder aus; so stirbt er, voller Angst.
Hiob 20,26 Seine angehäuften Schätze hat Gott fürs Unglück aufbewahrt; ein Feuer
wird sie verzehren, das nicht von Menschenhand entzündet wurde. Und wer in
seinem Zelt noch überlebt, dem wird es schlecht ergehen.
Hiob 20,27 Der Himmel wird seine ganze Schuld enthüllen und die Erde gegen ihn
als Zeuge auftreten.
Hiob 20,28 Was er im Laufe seines Lebens erworben hat, wird in nichts zerrinnen,
wenn Gott in seinem Zorn Gericht hält.
Hiob 20,29 Wer sich Gott widersetzt, hat dieses Ende verdient. Dieses
unheilvolle Erbe hat Gott ihm zugedacht.«
Hiob 21,1 Da erwiderte Hiob:
Hiob 21,2 »Ach, hört mir doch einmal zu! Damit würdet ihr mich trösten!
Hiob 21,3 Ertragt mich, wenn ich rede, und spottet hinterher weiter, wenn ihr
wollt!
Hiob 21,4 Ich trage doch meine Klage nicht einem sterblichen Menschen vor, darum
habe ich allen Grund, ungeduldig zu sein!
Hiob 21,5 Seht mich an! Lässt euch dieser Anblick kalt? Verschlägt es euch da
nicht die Sprache?
Hiob 21,6 Ich bin bis ins Innerste aufgewühlt, ich zittere am ganzen Körper,
wenn ich über dieser Frage grüble:
Hiob 21,7 Warum bleiben die Gottlosen am Leben, werden alt und immer mächtiger?
Hiob 21,8 Ihre Kinder wachsen heran, und auch ihre Enkel haben sie ständig um
sich.
Hiob 21,9 Gott hält jedes Unglück von ihren Häusern fern; so leben sie in
Frieden, ohne Angst.
Hiob 21,10 Ihr Stier deckt die Kühe auf der Weide, und diese kalben ohne
Fehlgeburt.
Hiob 21,11 Ihre Kinder spielen draußen; sie springen herum wie die Lämmer, die
Jüngsten tanzen fröhlich umher.
Hiob 21,12 Man singt zu Tamburin und Laute und feiert beim Klang der Flöte.
Hiob 21,13 Sie verbringen ihre Jahre glücklich und zufrieden und sterben einen
sanften Tod.
Hiob 21,14 Und Gott? ›Lass mich in Ruhe!‹, sagen sie zu ihm. ›Ich will von dir
nichts wissen und nicht den Weg gehen, den du mir zeigst!
Hiob 21,15 Wer ist schon Gott, dass ich ihm dienen sollte, was bringt es mir,
wenn ich zu ihm bete?‹ -
Hiob 21,16 Und doch: Ihr Glück liegt nicht in ihrer Hand. Von ihren üblen Reden
halte ich mich fern! -
Hiob 21,17 Wie oft geschieht's denn, dass ihr Licht verlöscht, das Licht der
Menschen, die Gott verachten? Wie oft holt sie das Unheil ein? Wann trifft sie
jemals Gottes Zorn?
Hiob 21,18 Wann endlich sind sie wie dürres Laub im Wind, wie ein Strohhalm, den
der Sturm wegwirbelt?
Hiob 21,19 Ihr sagt: ›Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Gott straft stattdessen
ihre Kinder!‹ Nein! Sie selbst sollen Gottes Strafe spüren!
Hiob 21,20 Mit eigenen Augen sollen Übeltäter ihr Verderben sehen, vom Zorn des
Höchsten bis zur bitteren Neige kosten!
Hiob 21,21 Denn was kümmert sie das Schicksal ihrer Kinder, wenn ihr eigenes
Leben abgelaufen ist?
Hiob 21,22 Gott richtet selbst die höchsten Engel. Wer unter uns will ihn da
noch belehren?
Hiob 21,23 Der eine stirbt, noch voll bei Kräften, hat sicher und sorglos
gelebt.
Hiob 21,24 Seine Melkeimer flossen stets über von frischer Milch; er selbst war
gesund und wohlgenährt.
Hiob 21,25 Der andere stirbt einsam und verbittert, er hat sein Leben lang nicht
eine Spur von Glück gesehen.
Hiob 21,26 Nun liegen sie beide unter der Erde, werden beide von Würmern
zerfressen!
Hiob 21,27 Ich weiß genau, was ihr jetzt denkt, mit welchen Vorurteilen ihr mir
unrecht tut!
Hiob 21,28 Ihr sagt: ›Wo ist es geblieben, das Haus des Tyrannen? Von der Bleibe
der Gottlosen ist nichts mehr zu sehen!‹
Hiob 21,29 Doch habt ihr noch nie mit Reisenden gesprochen, die weit
herumgekommen sind, und noch nie gehört, was sie erzählten:
Hiob 21,30 dass der Böse verschont wird, wenn Gott in seinem Zorn Gericht hält?
Er kommt mit heiler Haut davon!
Hiob 21,31 Wer sagt ihm ins Gesicht, was er getan hat? Wer bestraft ihn, wie er
es verdient? Keiner!
Hiob 21,32 Nach seinem Tod wird er mit allen Ehren beigesetzt; an seinem Grab
hält man noch Ehrenwache!
Hiob 21,33 Unübersehbar ist sein Leichenzug, der ihn zur letzten Ruh' geleitet,
und Heimaterde deckt ihn freundlich zu.
Hiob 21,34 Wollt ihr mich mit blankem Schwindel trösten? Jede Antwort, die ihr
gebt, ist eine glatte Lüge!«
Hiob 22,1 Ein drittes Mal ergriff Elifas aus Teman das Wort:
Hiob 22,2 »Meinst du, dass ein Mensch für Gott von Nutzen ist? Wer weise und
verständig ist, nützt doch nur sich selbst!
Hiob 22,3 Machst du Gott damit eine Freude, dass du dir nichts zuschulden kommen
lässt? Bringt es ihm Gewinn, wenn du ein tadelloses Leben führst?
Hiob 22,4 Nicht wegen deiner Frömmigkeit geht Gott mit dir ins Gericht und zieht
dich jetzt zur Rechenschaft,
Hiob 22,5 nein, wegen deiner großen Bosheit! Lang ist die Liste deiner Schuld!
Hiob 22,6 Wenn dir dein Nachbar etwas schuldete, dann hast du ohne Grund sein
einziges Gewand als Pfand genommen.
Hiob 22,7 Dem Durstigen hast du kein Wasser gegeben und dem Hungrigen das Brot
verweigert.
Hiob 22,8 Dabei bist du mächtig und angesehen; dir gehört das Land, in dem du
wohnst!
Hiob 22,9 Witwen hast du mit leeren Händen weggeschickt und den Waisenkindern
ihre Bitten abgeschlagen.
Hiob 22,10 Deshalb umgeben dich jetzt tödliche Gefahren und packt dich Furcht
und Entsetzen.
Hiob 22,11 Deshalb ist es jetzt so dunkel um dich her, dass du keine Handbreit
sehen kannst, deshalb überrollt dich jetzt die Wasserflut!
Hiob 22,12 Schau dir die Sterne an dort oben - Gott ist noch viel erhabener, er
überragt den Himmel!
Hiob 22,13 [13/14] Darum sagst du auch: ›Was weiß er schon? Kann uns Gott
gerecht beurteilen, wenn dunkle Wolken ihm den Blick versperren? In tiefer
Dunkelheit verbirgt er sich, er sieht uns nicht; fern am Rand des Weltalls wohnt
er!‹
Hiob 22,15 Willst auch du die falschen Wege gehen, die in alter Zeit
gewissenlose Menschen schon gegangen sind?
Hiob 22,16 Vorzeitig wurden sie aus dem Leben gerissen, ihre Häuser wurden
fortgespült von einer Flut.
Hiob 22,17 Sie wagten es, zu Gott zu sagen: ›Geh mir aus dem Weg!‹ und: ›Was
kann uns der Allmächtige schon tun?‹
Hiob 22,18 Dabei war er es doch, der in seiner Güte sie zu Wohlstand brachte! -
Doch ich will mich hüten, so wie sie zu reden! -
Hiob 22,19 Gute und gerechte Menschen werden lachen und sich freuen, wenn sie
ihren Untergang sehen!
Hiob 22,20 ›Jetzt ist unser Feind vernichtet‹, jubeln sie, ›und sein Besitz
wurde ein Raub der Flammen!‹
Hiob 22,21 Hiob, versöhn dich wieder mit Gott, schließ mit ihm Frieden, dann
wird er dir sehr viel Gutes tun!
Hiob 22,22 Gib wieder Acht auf das, was er dir sagt, und nimm dir seine Worte zu
Herzen!
Hiob 22,23 Wenn du zu Gott, dem Allmächtigen, umkehrst, wird er dich aufrichten.
Mach alles Unrecht wieder gut, das du zu Hause begangen hast!
Hiob 22,24 Wirf dein kostbares Gold weg, versenk es irgendwo im Fluss!
Hiob 22,25 Dann ist Gott selbst dein kostbarer Schatz, dann bedeutet er dir mehr
als alles Gold und Silber.
Hiob 22,26 Er wird die Quelle deiner Freude sein, und du kannst wieder zu ihm
aufschauen.
Hiob 22,27 Wenn du zu ihm betest, wird er dich erhören; und du wirst erfüllen,
was du ihm in der Not versprochen hast.
Hiob 22,28 Deine Pläne werden gelingen; hell strahlt das Licht über allen deinen
Wegen!
Hiob 22,29 Wenn andere am Boden liegen und du betest: ›Herr, stärke sie
wieder!‹, dann wird Gott die Niedergeschlagenen aufrichten.
Hiob 22,30 Sogar einen schuldbeladenen Menschen wird Gott retten, weil du mit
reinem Herzen für ihn gebetet hast!«
Hiob 23,1 Hiob sagte:
Hiob 23,2 »Auch heute muss ich bitter klagen, schwer lastet Gottes Hand auf mir,
ich kann nur noch stöhnen!
Hiob 23,3 Wenn ich doch wüsste, wo ich ihn finden könnte und wie ich zu seinem
Thron gelange!
Hiob 23,4 Ich würde ihm meinen Fall darlegen und alle Gründe nennen, die zu
meinen Gunsten sprechen!
Hiob 23,5 Ich wollte wissen, was er mir zur Antwort gibt, und verstehen, was er
mir dann sagt.
Hiob 23,6 Würde er wohl alle Kraft aufbieten, um mit mir zu streiten? Nein! Er
würde mir Beachtung schenken!
Hiob 23,7 So könnte ich meine Unschuld beweisen, und Gott würde mich endgültig
freisprechen.
Hiob 23,8 Doch ich kann ihn nirgends finden! Ich habe ihn im Osten gesucht - er
ist nicht dort, und auch im Westen entdecke ich ihn nicht.
Hiob 23,9 Wirkt er im Norden, oder wendet er sich zum Süden hin, sehe ich doch
keine Spur von ihm; nirgends ist er zu erblicken!
Hiob 23,10 Doch er kennt meinen Weg genau; wenn er mich prüfte, wäre ich rein
wie Gold.
Hiob 23,11 Unbeirrbar bin ich dem Weg gefolgt, den er mir zeigte, niemals bin
ich von ihm abgeirrt.
Hiob 23,12 Ich habe seine Gebote nicht übertreten; seine Befehle zu beachten war
mir wichtiger als das tägliche Brot.
Hiob 23,13 Aber Gott allein ist der Herr. Was er sich vornimmt, das tut er auch,
und niemand bringt ihn davon ab.
Hiob 23,14 So wird er ausführen, was er über mich beschlossen hat; und dieser
Plan ist nur einer von vielen, die er bereithält.
Hiob 23,15 Darum habe ich Angst vor ihm; wenn ich darüber nachdenke, packt mich
die Furcht!
Hiob 23,16 Ja, Gott hat mir jeden Mut genommen; der Allmächtige versetzt mich in
Angst und Schrecken!
Hiob 23,17 Doch die Dunkelheit bringt mich nicht zum Schweigen, diese tiefe
Finsternis, die mich jetzt bedeckt.«
Hiob 24,1 »Warum setzt Gott, der Allmächtige, keine Gerichtstage fest? Warum
muss jeder, der ihn kennt, vergeblich darauf warten?
Hiob 24,2 Mächtige verrücken die Grenzsteine und erweitern so ihr Land; sie
rauben Herden und treiben sie auf die eigene Weide.
Hiob 24,3 Den Esel eines Waisenkindes führen sie weg und nehmen einer Witwe den
Ochsen als Pfand.
Hiob 24,4 Sie drängen die armen Leute beiseite; die Hilflosen müssen sich
verstecken,
Hiob 24,5 müssen draußen in der Steppe leben wie die Wildesel; dort suchen sie
nach etwas Essbarem für ihre Kinder.
Hiob 24,6 Auf den Feldern sammeln sie das Futter, und im Weinberg ihrer
Unterdrücker halten sie Nachlese.
Hiob 24,7 Ohne Kleidung verbringen sie draußen die Nacht; nichts deckt sie in
der Kälte zu.
Hiob 24,8 Der Regen im Bergland durchnässt sie völlig; sie kauern sich an
Felsen, weil sie sonst keinen Unterschlupf finden.
Hiob 24,9 Der Witwe wird ihr Kind von der Brust gerissen, und den Armen nimmt
man ihren Säugling als Pfand.
Hiob 24,10 Ohne Kleidung laufen sie herum, sie arbeiten in der Getreideernte und
hungern dabei!
Hiob 24,11 In den Olivenhainen pressen sie das Öl, im Weinberg treten sie die
Kelter - und leiden doch Durst!
Hiob 24,12 In der Stadt stöhnen die Sterbenden. Menschen werden umgebracht, laut
schreien sie um Hilfe, doch Gott zieht die Mörder nicht zur Rechenschaft!
Hiob 24,13 Sie sind Feinde des Lichts. Was hell und wahr ist, das kennen sie
nicht; nein, sie gehen ihm beharrlich aus dem Weg.
Hiob 24,14 Nach Einbruch der Dunkelheit zieht der Mörder los, er bringt den
Armen und Wehrlosen um.
Hiob 24,15 Der Ehebrecher wünscht sich die Dämmerung herbei. ›Mich sieht
keiner!‹, denkt er und verhüllt sein Gesicht.
Hiob 24,16 Ja, nachts brechen sie in die Häuser ein, aber tagsüber halten sie
sich versteckt. Sie alle scheuen das Licht.
Hiob 24,17 Tiefe Dunkelheit - das ist ihr Morgenlicht! Mit den Schrecken der
Nacht sind sie bestens vertraut.«
Hiob 24,18 »Der Gottlose vergeht wie Schaum auf dem Wasser; schwer lastet Gottes
Fluch auf seinem Land. Sein Weinberg verödet, weil er ihn nicht mehr bearbeiten
kann.
Hiob 24,19 Sonne und Wärme lassen den Schnee im Nu verschwinden, genauso reißt
der Tod jeden Sünder plötzlich aus dem Leben.
Hiob 24,20 Dann laben sich die Würmer an ihm; sogar von seiner Mutter wird er
vergessen. Nie mehr wird jemand an ihn denken, der Schuldige wird zerbrochen wie
trockenes Holz.
Hiob 24,21 Er hat die kinderlose Frau ausgebeutet, der Witwe hat er nichts Gutes
getan.
Hiob 24,22 Solche Machthaber reißt Gott in seiner Kraft hinweg; wenn er sich
erhebt, sind sie ihres Lebens nicht mehr sicher.
Hiob 24,23 Mag sein, dass er sie in Ruhe lässt und sie sich in Sicherheit wiegen
- er überwacht doch unablässig ihre Wege.
Hiob 24,24 Nur für kurze Zeit stehen sie auf der Höhe ihrer Macht, dann ist es
vorbei mit ihnen. Wie die Ähren werden sie gepackt und abgeschnitten.
Hiob 24,25 Ja, so ist es! Keiner kann mich Lügen strafen und niemand meine Worte
widerlegen!«
Hiob 25,1 Darauf antwortete Bildad aus Schuach:
Hiob 25,2 »Gott allein ist der Herr, in Ehrfurcht müssen alle vor ihm stehen!
Für Frieden sorgt er in seinen Himmelshöhen.
Hiob 25,3 Niemand zählt die Engelscharen, die ihm dienen; keinen Ort gibt es,
über dem sein Licht nicht scheint!
Hiob 25,4 Wie kann da ein Mensch gegenüber Gott im Recht sein? Steht ein
Sterblicher vor ihm vollkommen da?
Hiob 25,5 Wenn in Gottes Augen nicht einmal der Mond hell scheint und dem
Sternenlicht die Klarheit fehlt,
Hiob 25,6 wie sollte da ein Mensch vor ihm bestehen können - diese Made, dieser
Wurm!«
Hiob 26,1 Darauf entgegnete Hiob:
Hiob 26,2 »Ach, wie gut hast du mir beigestanden, mir, der keine Kraft besitzt!
Wie sehr hast du mir geholfen - arm und schwach wie ich bin!
Hiob 26,3 Wie hast du mich so gut beraten, mich, dem jede Weisheit fehlt! Welche
Einsicht hast du mir vermittelt, tief und umfangreich!
Hiob 26,4 Mit wessen Hilfe hast du so geredet? Wer hat dir diese Worte
eingegeben?«
Hiob 26,5 »Vor Gott erzittern die Verstorbenen, alle, die im Wasser tief unter
der Erde leben.
Hiob 26,6 Die Welt der Toten - nackt und bloß liegt sie vor Gott. Der tiefe
Abgrund kann sich nicht verhüllen.
Hiob 26,7 Gott spannte den Himmel aus über dem leeren Raum; die Erde hängte er
auf im Nichts.
Hiob 26,8 Er füllt die Wolken mit Wasser, und doch reißen sie nicht unter ihrer
Last.
Hiob 26,9 Er verhüllt seinen Thron, indem er die Wolken davor ausbreitet.
Hiob 26,10 Er spannte den Horizont wie einen Bogen über dem Meer, als Grenze
zwischen Licht und Dunkelheit.
Hiob 26,11 Wenn er die Säulen des Himmels bedroht, dann zittern und schwanken
sie vor Furcht.
Hiob 26,12 In seiner Kraft ließ er die Wellen des Meeres tosen, und in seiner
Klugheit zerschmetterte er das Ungeheuer im Meer.
Hiob 26,13 Durch seinen Hauch wurde der Himmel wieder klar. Eigenhändig
durchbohrte er den fliehenden Drachen.
Hiob 26,14 Das alles sind nur kleine Fingerzeige, ein leises Flüstern, das wir
von ihm hören! Die Donnersprache seiner Allmacht aber - wer kann sie begreifen?«
Hiob 27,1 Hiob fuhr fort:
Hiob 27,2 »Das schwöre ich, so wahr Gott, der Allmächtige, lebt, der mir mein
Recht verweigert und mich bittere Stunden durchleiden lässt:
Hiob 27,3 Solange er mir den Atem gibt, solange ich noch Leben in mir spüre,
Hiob 27,4 werde ich nie die Unwahrheit sagen, kein betrügerisches Wort soll über
meine Lippen kommen!
Hiob 27,5 Verflucht will ich sein, wenn ich euch jemals Recht gebe! Bis zum
letzten Atemzug bleibe ich dabei: Ich bin unschuldig!
Hiob 27,6 Ich bin im Recht - und davon lasse ich nicht ab! Ich habe ein reines
Gewissen.
Hiob 27,7 Wer mich verklagt, sich zu Unrecht gegen mich stellt, der soll
schuldig gesprochen werden. Gott soll ihn mit vollem Recht verurteilen!
Hiob 27,8 Wer Gott verachtet, hat nichts mehr zu hoffen, wenn seine Stunde
schlägt, wenn Gott von ihm sein Leben fordert.
Hiob 27,9 Wenn Angst und Schrecken ihn überfällt, wird Gott sein Schreien nicht
erhören.
Hiob 27,10 Denn an Gott hat er sich nie gefreut, zu ihm zu beten lag ihm fern.
Hiob 27,11 Ich will euch Gottes große Macht vor Augen führen und euch nicht
verschweigen, was der Allmächtige tun will.
Hiob 27,12 Ihr habt es doch alle selbst gesehen, warum redet ihr dann solchen
Unsinn?«
Hiob 27,13 »Was steht einem Menschen zu, der Gott verachtet? Welchen Lohn zahlt
der Allmächtige ihm für seine skrupellosen Taten?
Hiob 27,14 Er hat viele Söhne, doch sie fallen im Krieg; seine Nachkommen müssen
bitteren Hunger leiden.
Hiob 27,15 Wer dann noch lebt, stirbt an der Pest; ihm selbst weinen seine
Witwen keine Träne nach.
Hiob 27,16 Er hat Silber aufgehäuft wie Sand und kostbare Kleider gestapelt;
Hiob 27,17 doch aufrichtige Menschen werden sie tragen, und wer schuldlos ist,
wird seinen Silberschatz verteilen.
Hiob 27,18 Sein Haus hält nicht länger als ein Spinngewebe; es verfällt wie ein
Unterschlupf, den sich ein Wächter draußen für die Nacht aufstellt.
Hiob 27,19 Legt sich der Gottlose abends nieder, fehlt nichts von seinem
Reichtum; am nächsten Morgen jedoch ist alles dahin!
Hiob 27,20 Wie eine Wasserflut holt ihn das Unheil ein; in der Nacht wirbelt ihn
der Sturm davon.
Hiob 27,21 Der heiße Wüstenwind packt ihn und weht ihn fort!
Hiob 27,22 Hals über Kopf will er fliehen, doch erbarmungslos überfällt ihn der
Sturm;
Hiob 27,23 er heult und pfeift um ihn her, als wollte er ihn verhöhnen.«
Hiob 28,1 »Es gibt Minen, wo man nach Silber gräbt, wir kennen die Stellen, wo
das Gold gewaschen wird.
Hiob 28,2 Eisenerz holt man aus der Erde, und Kupfer wird aus Gestein
geschmolzen.
Hiob 28,3 Der Mensch erforscht auch die tiefste Dunkelheit; auf der Suche nach
Gestein dringt er immer weiter vor bis ins Innerste der Erde.
Hiob 28,4 Fern von jeder menschlichen Siedlung gräbt er einen Schacht, an Orten,
wo kein Mensch den Fuß hinsetzt; die Bergleute lassen sich an Stricken hinunter
und schweben ohne jeden Halt.
Hiob 28,5 Oben auf der Erde wächst das Getreide, doch tief unten wird sie
umgewühlt, als wütete ein Feuer.
Hiob 28,6 Ihr Gestein birgt den Saphir, auch Goldstaub ist darin.
Hiob 28,7 Den Weg zu den Fundorten hat kein Geier erspäht, nicht einmal das
scharfe Auge eines Falken.
Hiob 28,8 Kein wildes Tier hat diesen Pfad betreten, kein Löwe ist auf ihm
geschritten.
Hiob 28,9 Doch der Mensch - er arbeitet sich durch das härteste Gestein, ganze
Berge wühlt er um.
Hiob 28,10 Tief in den Felsen treibt er Stollen, bis er dort findet, was sein
Herz begehrt.
Hiob 28,11 Die Wasseradern im Gestein dichtet er ab; tief Verborgenes bringt er
ans Licht.
Hiob 28,12 Aber die Weisheit - wo ist sie zu finden? Und wo entdeckt man die
Einsicht?
Hiob 28,13 Kein Mensch kennt den Weg zu ihr, unter den Lebenden findet man sie
nicht.
Hiob 28,14 Das Meer und seine Tiefen sprechen: ›Die Weisheit ist nicht bei uns!‹
Hiob 28,15 Sie ist unbezahlbar, mit Gold und Silber nicht aufzuwiegen.
Hiob 28,16 Man kann sie weder mit Feingold kaufen noch mit kostbarem Onyx oder
Saphir.
Hiob 28,17 Gold und reines Glas reichen nicht an sie heran, und auch gegen
Goldschmuck kann man sie nicht tauschen,
Hiob 28,18 ganz zu schweigen von Korallen und Kristall! Ja, der Wert der
Weisheit übertrifft alle Rubine.
Hiob 28,19 Der Topas-Edelstein aus Äthiopien ist nichts im Vergleich zu ihr, mit
reinem Gold ist sie nicht aufzuwiegen.
Hiob 28,20 Woher also kommt die Weisheit? Und wo entdeckt man die Einsicht?
Hiob 28,21 Ja, sie ist dem menschlichen Auge verborgen, und auch die Raubvögel
erspähen sie nicht.
Hiob 28,22 Das tiefe Totenreich und selbst der Tod, sie sprechen: ›Wir haben von
ihr nur ein Gerücht gehört!‹
Hiob 28,23 Gott allein kennt den Weg zur Weisheit; er nur weiß, wo sie zu finden
ist.
Hiob 28,24 Denn er blickt über die ganze Welt, er durchschaut Himmel und Erde.
Hiob 28,25 Schon damals, als er dem Wind seine Wucht gab und den Wassermassen
eine Grenze setzte;
Hiob 28,26 als er bestimmte, wo der Regen niedergehen sollte, als er den
Gewitterwolken einen Weg vorschrieb -
Hiob 28,27 schon da sah er die Weisheit an und rühmte ihren Wert, er erforschte
sie und gab ihr Bestand.
Hiob 28,28 Und zum Menschen sprach er: ›Weise ist, wer Ehrfurcht vor mir hat,
und Einsicht besitzt, wer sich vom Bösen abkehrt.‹«
Hiob 29,1 Hiob fuhr fort:
Hiob 29,2 »Wäre mein Leben doch wieder wie früher, wie in jenen Tagen, als Gott
mich noch bewahrte,
Hiob 29,3 als sein Licht noch meine Wege erleuchtete und ich in seinem Licht
durchs Dunkle ging!
Hiob 29,4 Ja, damals, in der Blüte meines Lebens, da zog Gott mich ins
Vertrauen, der Segen seiner Freundschaft stand über meinem Haus.
Hiob 29,5 Er, der Allmächtige, war bei mir, und meine Kinder waren um mich her.
Hiob 29,6 Milch und Butter hatte ich im Überfluss, aus der Olivenpresse im
Felsen floss das Öl in Strömen!
Hiob 29,7 Wenn ich zum Stadttor hinaufging, um dort im Rat meinen Platz
einzunehmen,
Hiob 29,8 dann traten die jungen Leute ehrfürchtig zur Seite, die Alten erhoben
sich und blieben stehen.
Hiob 29,9 Fürsten hörten auf zu reden, ihr Gespräch verstummte, wenn ich kam.
Hiob 29,10 Selbst die einflussreichen Leute wurden still und hielten ihre Zunge
im Zaum.
Hiob 29,11 Jeder, der mich hörte, wusste nur Gutes von mir zu sagen, und wer
mich sah, der lobte mich.
Hiob 29,12 Denn ich rettete den Armen, der um Hilfe schrie, und das Waisenkind,
das von allen verlassen war.
Hiob 29,13 Dem Sterbenden stand ich bei, er wünschte mir Segen; der Witwe half
ich, und sie konnte wieder fröhlich singen.
Hiob 29,14 Ich bekleidete mich mit Gerechtigkeit, hüllte mich ins Recht wie in
einen Mantel, trug es wie einen Turban.
Hiob 29,15 Meine Augen sahen für den Blinden, meine Füße gingen für den Lahmen.
Hiob 29,16 Den Armen wurde ich ein Vater, und den Streitfall eines Unbekannten
prüfte ich genau.
Hiob 29,17 Einem brutalen Menschen stellte ich mich entgegen, ich schlug ihm den
Kiefer ein und riss die hilflosen Opfer aus seinem Maul.
Hiob 29,18 Ich dachte: ›Im Kreise meiner Familie werde ich einmal sterben nach
einem langen und erfüllten Leben.‹
Hiob 29,19 Ich gleiche einem Baum, der seine Wurzeln zum Wasser streckt; auf
seine Zweige legt sich nachts der Tau.
Hiob 29,20 ›Meine Würde werde ich nicht verlieren‹, so dachte ich, ›bis ins hohe
Alter bleibt mir die Kraft erhalten.‹
Hiob 29,21 Ja, auf mich hörten alle Leute, sie warteten schweigend auf meinen
Rat.
Hiob 29,22 Nach mir sprach kein Zweiter mehr; meine Worte sogen sie auf.
Hiob 29,23 Sie warteten auf mich wie auf den Regen, lechzten nach meinen Worten
wie Felder nach den Frühjahrsschauern.
Hiob 29,24 Den Mutlosen lächelte ich aufmunternd zu, und mein froher Blick gab
ihnen neue Zuversicht.
Hiob 29,25 Ich traf für sie Entscheidungen und saß unter ihnen wie ihr
Oberhaupt, ja, ich thronte wie ein König inmitten seiner Truppen; ich gab ihnen
Trost in ihrer Trauer.«
Hiob 30,1 »Und jetzt? Jetzt lachen sie mich aus - sie, die jünger sind als ich;
ihre Väter hätte ich nicht einmal für wert geachtet, sie zu den Hunden meiner
Herde zu stellen!
Hiob 30,2 Was sollen mir diese Schwächlinge nützen, die keine Kraft mehr in den
Knochen haben?
Hiob 30,3 Ausgezehrt von Hunger und Armut nagen sie die Wurzeln in der Wüste ab,
draußen im Land der Einsamkeit.
Hiob 30,4 Sie pflücken Salzkraut von den Büschen, und Ginsterwurzeln sind ihr
Brot.
Hiob 30,5 Aus der menschlichen Gemeinschaft wurden sie verjagt, man schreit
ihnen nach wie Dieben.
Hiob 30,6 In verlassenen Tälern hausen sie, zwischen Felsen und in Erdhöhlen.
Hiob 30,7 Im Gestrüpp, da kauern sie und schreien, unter hohen Distelsträuchern
drängen sie sich zusammen.
Hiob 30,8 Dieses Gesindel, diese Brut, aus dem Lande weggejagt!
Hiob 30,9 Und jetzt? Jetzt machen sie Spottverse, sie zerreißen sich das Maul
über mich.
Hiob 30,10 Sie verabscheuen mich und gehen mir aus dem Weg; und wenn sie mir
doch einmal begegnen, spucken sie mir ins Gesicht!
Hiob 30,11 Gott hat meine Lebenskraft zerbrochen und mich gedemütigt, darum
kennen sie in meiner Gegenwart keine Rücksicht mehr.
Hiob 30,12 Ja, diese Brut greift mich an! Sie versuchen, mich zu Fall zu
bringen, sie schütten einen Belagerungswall rings um mich auf.
Hiob 30,13 Sie schneiden mir den Weg ab und zerstören mein Leben, niemand hält
sie dabei auf.
Hiob 30,14 Sie durchbrechen meine Verteidigungsmauer und zertrümmern, was ihnen
in die Quere kommt.
Hiob 30,15 Furcht und Entsetzen haben mich gepackt und meine Würde wie im Sturm
verjagt; meine Sicherheit ist vertrieben wie eine Wolke.
Hiob 30,16 Mein Leben verrinnt, das Elend hat mich fest im Griff.
Hiob 30,17 Bohrende Schmerzen rauben mir den Schlaf, sie nagen an mir Nacht für
Nacht.
Hiob 30,18 Mit gewaltiger Kraft hat Gott mich am Gewand gepackt und schnürt mich
ein wie ein zu enger Kragen.
Hiob 30,19 Er wirft mich in den Schmutz, ich bin zu Staub und Asche geworden.
Hiob 30,20 Ich schreie um Hilfe, o Gott, aber du antwortest nicht; ich stehe vor
dir, doch du siehst mich nicht an.
Hiob 30,21 Du bist mein grausamer Feind geworden, mit aller Kraft greifst du
mich an!
Hiob 30,22 Du wirbelst mich empor in die Luft, treibst mich vor dem Sturm dahin
und zerschmetterst mich dann mit lautem Krachen.
Hiob 30,23 Ja, ich weiß: Du willst mich zu den Toten bringen, hinunter in das
Haus, wo alle Menschen sich versammeln.
Hiob 30,24 Doch wer unter Trümmern verschüttet wurde, streckt die Hand nach
Rettung aus; schreit man nicht im Unglücksfall um Hilfe?
Hiob 30,25 Habe ich nicht damals über die geweint, die ein schweres Los zu
tragen hatten? Ich hatte Mitleid mit den Armen!
Hiob 30,26 Und so erwartete ich Gutes, doch das Unglück kam! Ich erhoffte das
Licht, doch es kam die Dunkelheit.
Hiob 30,27 Mein Inneres ist aufgewühlt, ich finde keine Ruhe, die Tage des
Elends haben mich eingeholt.
Hiob 30,28 Meine Haut ist schwarz geworden, doch nicht von der Sonnenglut. In
der Versammlung stehe ich auf und schreie laut um Hilfe.
Hiob 30,29 Mein Heulen klingt wie das der Schakale, wie das Schreien der
Strauße.
Hiob 30,30 Meine Haut ist schwarz geworden und schält sich, das Fieber glüht in
meinem Körper.
Hiob 30,31 Meine Laute spielt ein Trauerlied, meine Flöte eine Melodie der
Klage.«
Hiob 31,1 »Mit meinen Augen habe ich einen Bund geschlossen, niemals ein Mädchen
lüstern anzusehen.
Hiob 31,2 Was hätte ich von Gott sonst zu erwarten, von ihm, der in der Höhe
thront? Welches Urteil hätte der Allmächtige dann über mich verhängt?
Hiob 31,3 Den Bösen trifft das Unheil, und den Übeltätern schickt Gott Unglück.
Hiob 31,4 Er sieht doch all mein Tun, er kennt jeden Schritt.
Hiob 31,5 War ich jemals verlogen und falsch, habe ich andere betrogen?
Hiob 31,6 Gott soll mich wiegen auf seiner gerechten Waage - und er wird
feststellen, dass ich unschuldig bin!
Hiob 31,7 Wenn ich von seinem Wege abgewichen bin, wenn mein Herz alles
begehrte, was meine Augen sahen, oder wenn an meinen Händen irgendein Unrecht
klebt,
Hiob 31,8 dann soll ein anderer verzehren, was ich gesät und geerntet habe,
ausreißen soll man das Getreide auf meinem Feld!
Hiob 31,9 Wenn ich mich von der Frau meines Nachbarn betören ließ und an ihrer
Tür auf sie gewartet habe,
Hiob 31,10 dann soll meine Frau für einen anderen kochen, und andere sollen sich
über sie hermachen!
Hiob 31,11 Denn dann hätte ich eine Schandtat begangen, ein Verbrechen, das vor
die Richter gehört.
Hiob 31,12 Ein Feuer ist der Ehebruch! Es brennt bis in den Tod. Es würde all
mein Hab und Gut bis auf den Grund zerstören.
Hiob 31,13 Wenn ich das Recht meines Knechtes oder meiner Magd missachtet hätte,
als sie gegen mich klagten,
Hiob 31,14 was wollte ich tun, wenn Gott Gericht hält, was könnte ich ihm
erwidern, wenn er mich zur Rechenschaft zieht?
Hiob 31,15 Denn er, der mich im Mutterleib gebildet hat, er hat auch meinen
Knecht geschaffen. Wir beide verdanken unser Leben ihm!
Hiob 31,16 Niemals habe ich die Bitte eines Armen abgeschlagen und keine Witwe
weggeschickt, die verzweifelt zu mir kam.
Hiob 31,17 Ich habe mein Brot nicht für mich selbst behalten, nein - mit den
Waisenkindern habe ich es geteilt.
Hiob 31,18 Von meiner Jugend an habe ich sie großgezogen wie ein Vater, für die
Witwen habe ich mein Leben lang gesorgt.
Hiob 31,19 Habe ich ruhig zugesehen, wie einer vor Kälte umkam? Ließ ich den
Armen ohne warme Kleider weitergehen?
Hiob 31,20 Nein, die Wolle meiner Lämmer wärmte ihn, er dankte mir von ganzem
Herzen.
Hiob 31,21 Wenn ich je ein Waisenkind bedrohte, wohl wissend, dass ich vor
Gericht die größere Macht besaß,
Hiob 31,22 dann soll mir der Arm von der Schulter fallen, abbrechen soll er,
gerade am Gelenk!
Hiob 31,23 Doch ich habe Gottes Strafgericht immer gefürchtet. Die Furcht vor
seiner Hoheit hat mich vom Unrecht fern gehalten.
Hiob 31,24 Ich habe nicht auf Gold vertraut; zum reinen Gold habe ich niemals
gesagt: ›Du sicherst mir das Leben!‹
Hiob 31,25 Ich habe mir auch nichts auf meinen großen Reichtum eingebildet, den
ich mit eigener Hand erworben habe.
Hiob 31,26 [26/27] Und hätte ich mich heimlich dazu verführen lassen, die
strahlende Sonne zu verehren oder den Mond auf seiner silbernen Bahn -
Hiob 31,28 auch das wäre ein Vergehen, das vor die Richter gehört, denn damit
hätte ich Gott verleugnet, der hoch über allen Gestirnen thront.
Hiob 31,29 Habe ich hämisch gegrinst, wenn meinen Feind das Unglück traf, habe
ich über seinen Untergang schadenfroh gelacht?
Hiob 31,30 Nein, ich habe mit keinem Wort gesündigt, ich habe ihn nicht
verflucht, ihm nicht den Tod gewünscht!
Hiob 31,31 [31/32] Kein Gast ist je von meinem Haus hungrig weggegangen, keinen
Fremden ließ ich draußen auf der Straße übernachten, nein, meine Tür stand dem
Wanderer stets offen - meine Männer können es bezeugen!
Hiob 31,33 Ich habe nie versucht, mein Unrecht zu verbergen oder meine Schuld
geheim zu halten, wie alle anderen es tun.
Hiob 31,34 Ich bin nicht stumm zu Hause geblieben aus Angst, dass meine Sippe
mich verachten könnte; ich scheute nicht die große Menge.
Hiob 31,35 Ach, wenn Gott mich nur anhörte! Hier ist die Unterschrift unter
meine Verteidigung! Ich erwarte, dass der Allmächtige mir darauf antwortet! Mein
Gegner soll seine Anklagen schriftlich niederlegen!
Hiob 31,36 Ja, ich würde dieses Schriftstück auf der Schulter tragen und es mir
wie eine Krone aufsetzen!
Hiob 31,37 Über jeden Schritt würde ich Gott Rechenschaft geben, wie ein Fürst
ihm gegenübertreten!
Hiob 31,38 Wenn mein Acker wegen mir um Hilfe schreien musste und seine Furchen
von Tränen durchnässt waren,
Hiob 31,39 wenn ich seinen Ertrag verzehrt habe, ohne ihm zu geben, was ihm
zusteht; wenn ich die Pächter zugrunde gerichtet habe,
Hiob 31,40 dann sollen auf dem Acker Dornen statt Weizen wachsen und Unkraut
statt der Gerste!« Hier enden die Reden Hiobs.
Hiob 32,1 Da gaben es die drei Männer auf, weiter mit Hiob zu reden, denn er
hielt an seiner Unschuld fest.
Hiob 32,2 Doch der Busiter Elihu, der Sohn Barachels, aus der Sippe Ram, wurde
von Zorn gepackt. Er war auf Hiob zornig, weil dieser sich für gerechter hielt
als Gott.
Hiob 32,3 Auch auf die drei Freunde war er wütend, weil sie Hiob gegenüber keine
Antwort mehr fanden, obwohl sie ihn ständig für schuldig erklärten.
Hiob 32,4 Elihu hatte bis jetzt gezögert, Hiob etwas zu sagen, denn die anderen
waren älter als er.
Hiob 32,5 Doch als er merkte, dass sie nichts mehr zu entgegnen wussten, packte
ihn der Zorn.
Hiob 32,6 Er ergriff das Wort: »Ich bin noch jung, und ihr seid alte Männer,
darum wagte ich es nicht, euch mein Wissen mitzuteilen.
Hiob 32,7 Ich dachte: ›Lass erst die alten Männer sprechen, sie schöpfen aus
reicher Erfahrung!‹
Hiob 32,8 Doch auf den Geist im Menschen kommt es an, auf diese Gabe des
Allmächtigen: Sie allein gibt ihm Weisheit!
Hiob 32,9 Nein, nicht nur die Betagten sind weise; man muss nicht im
vorgerückten Alter sein, um zu begreifen, was richtig ist.
Hiob 32,10 Und darum sage ich: Hört mir zu! Jetzt will ich euch zeigen, was ich
weiß!
Hiob 32,11 Geduldig habe ich euch zugehört und darauf gewartet, dass ihr
treffende Worte findet und Hiob eine passende Antwort gebt.
Hiob 32,12 Ich habe euer Gespräch aufmerksam verfolgt - doch keiner von euch
konnte ihn zurechtweisen.
Hiob 32,13 Sagt jetzt nur nicht: ›Natürlich sind wir weise - doch ihn
widerlegen, das soll Gott tun, nicht ein Mensch!‹
Hiob 32,14 Hiobs Reden waren nicht gegen mich gerichtet, und nicht mit euren
Worten werde ich ihm begegnen.
Hiob 32,15 Ihr seid am Ende, ihr habt nichts mehr zu sagen, euch fehlen die
Worte!
Hiob 32,16 Soll ich etwa noch länger warten, nur weil ihr euch in Schweigen
hüllt, weil ihr dasteht und euch die Worte fehlen?
Hiob 32,17 Nein, jetzt bin ich an der Reihe! Ich will Hiob Antwort geben aus
meinem reichen Wissensschatz!
Hiob 32,18 Denn ich kann meine Gedanken nicht länger zurückhalten, die Worte
sprudeln aus mir heraus.
Hiob 32,19 Es gärt in mir wie neuer Wein im fest verschlossenen Lederschlauch:
Ich platze fast!
Hiob 32,20 Ich muss jetzt reden, dann wird mir leichter! Ich kann den Mund nicht
länger halten!
Hiob 32,21 Keinen von euch werde ich bevorzugen, keinem nach dem Munde reden,
Hiob 32,22 nein, vom Schmeicheln halte ich nichts! Sonst würde mich mein
Schöpfer bald aus dem Leben reißen!«
Hiob 33,1 »Hiob, hör mir jetzt zu, gib Acht auf das, was ich dir sage!
Hiob 33,2 Meine Rede will ich nun beginnen. Die Worte liegen mir schon auf der
Zunge.
Hiob 33,3 Ich rede mit aufrichtigem Herzen, klar und wahr, sage nur das, was ich
weiß.
Hiob 33,4 Gottes Geist hat mich geschaffen, der Atem des Allmächtigen hat mir
das Leben geschenkt.
Hiob 33,5 Antworte mir nur, wenn du kannst, bereite dich vor, und tritt mir
entgegen!
Hiob 33,6 Schau: Vor Gott, da sind wir beide gleich, auch ich bin nur von Lehm
genommen so wie du.
Hiob 33,7 Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich setze dich nicht unter
Druck!
Hiob 33,8 Ich hörte zu, wie du geredet hast - und ich habe die Worte noch im
Ohr:
Hiob 33,9 ›Rein bin ich, ohne jede Sünde; unschuldig bin ich, kein Vergehen
lastet auf mir!
Hiob 33,10 Doch Gott erfindet immer neue Vorwürfe gegen mich, er betrachtet mich
als seinen Feind!
Hiob 33,11 Er legt meine Füße in Ketten, überwacht mich auf Schritt und Tritt.‹
Hiob 33,12 Doch ich muss dir sagen, Hiob, dass du im Unrecht bist, denn Gott ist
größer als ein Mensch!
Hiob 33,13 Warum beschwerst du dich bei ihm, dass er auf Menschenworte keine
Antwort gibt?
Hiob 33,14 Gott spricht immer wieder, auf die eine oder die andere Weise, nur
wir Menschen hören nicht darauf!
Hiob 33,15 Gott redet durch Träume, durch Visionen in der Nacht, wenn tiefer
Schlaf auf die Menschen fällt. Sie liegen da und schlummern,
Hiob 33,16 doch dann erschreckt er sie mit seiner Warnung, und sie hören
aufmerksam zu.
Hiob 33,17 Gott will sie abbringen von bösem Tun, und ihren Hochmut will er
ihnen austreiben.
Hiob 33,18 Er will sie vor dem Tod bewahren, davor, dass ihr Leben unter seinem
Richterschwert ein jähes Ende findet.
Hiob 33,19 Gott weist einen Menschen auch durch Schmerzen zurecht, wenn er
daliegt in seinen Qualen
Hiob 33,20 und sich vor jeder Speise ekelt, selbst vor seinem Lieblingsgericht.
Hiob 33,21 Seine Gestalt verfällt zusehends, man kann alle seine Knochen zählen.
Hiob 33,22 Er steht schon mit einem Fuß im Grab, bald holen ihn die Todesboten.
Hiob 33,23 Doch wenn ein Engel sich für ihn einsetzt, einer von den Tausenden,
die den Menschen sagen, was richtig für sie ist,
Hiob 33,24 wenn dieser Engel Mitleid mit ihm hat und zu Gott sagt: ›Verschone
ihn! Lass ihn nicht sterben! Hier ist das Lösegeld!‹,
Hiob 33,25 dann blüht er wieder auf, wird gesund und frisch, er wird stark wie
damals in der Jugend.
Hiob 33,26 Dann betet er zu Gott, und sein Gebet wird gnädig angenommen. Mit
lautem Jubel tritt er hin vor ihn und dankt für seine Rettung.
Hiob 33,27 Offen bekennt er den Menschen: ›Ich hatte gesündigt und das Recht
missachtet, doch Gott hat mir's nicht angerechnet!
Hiob 33,28 Er hat mich vor dem sicheren Tod bewahrt, nun darf ich weiterleben
und sehe das Licht.‹
Hiob 33,29 Das alles tut Gott mehr als einmal im Leben eines Menschen,
Hiob 33,30 um ihn vor dem Tode zu bewahren und ihm die Lebensfreude zu erhalten.
Hiob 33,31 Hör mir zu, Hiob, sei still und lass mich reden!
Hiob 33,32 Wenn du jetzt noch etwas zu sagen hast, dann antworte mir! Rede nur,
denn ich würde dir gerne Recht geben.
Hiob 33,33 Wenn du aber nichts mehr zu sagen weißt, dann schweig und hör mir zu,
ich will dir zeigen, was Weisheit ist.«
Hiob 34,1 Weiter sagte Elihu:
Hiob 34,2 »Hört mir zu, ihr Weisen, ihr gelehrten Männer! Achtet auf das, was
ich sage!
Hiob 34,3 Denn unser Ohr prüft die Worte, so wie der Gaumen die Speise kostet.
Hiob 34,4 Wir müssen ein Urteil fällen, wir wollen gemeinsam erkennen, was gut
ist.
Hiob 34,5 Denn Hiob behauptet: ›Ich bin unschuldig, und doch verweigert Gott mir
mein Recht!
Hiob 34,6 Obwohl ich Recht habe, werde ich als Lügner hingestellt; trotz meiner
Unschuld hat mich sein tödlicher Pfeil getroffen!‹
Hiob 34,7 Schaut euch Hiob an, wie er sich im Spott gefällt,
Hiob 34,8 wie er mit den Übeltätern Freundschaft schließt und sich mit gottlosen
Menschen einlässt!
Hiob 34,9 Denn Hiob behauptet: ›Es nützt gar nichts, wenn ein Mensch versucht,
Gott zu gefallen!‹
Hiob 34,10 Hört mir zu, ihr klugen Männer: Sollte Gott jemals Böses tun? Nein,
niemals! Der Allmächtige verdreht nicht das Recht!
Hiob 34,11 Gott bestraft einen Menschen nur für seine eigenen Taten; jedem gibt
er zurück, was er verdient.
Hiob 34,12 Gott begeht kein Unrecht, das ist unvorstellbar! Der Allmächtige
beugt niemals das Recht!
Hiob 34,13 Er herrscht über Himmel und Erde, er hat sie geschaffen. Niemand
steht über ihm!
Hiob 34,14 Wenn er wollte, könnte er seinen Geist und seinen Lebensatem aus
dieser Welt zurückziehen,
Hiob 34,15 dann würde alles Leben mit einem Schlage sterben, und die Menschen
zerfielen zu Staub!
Hiob 34,16 Bist du wirklich weise, Hiob, dann hör jetzt genau zu, achte auf
jedes Wort:
Hiob 34,17 Kann einer regieren, wenn er das Recht mit Füßen tritt? Willst du
Gott, den Gerechten, für schuldig erklären, ihn, den Allmächtigen?
Hiob 34,18 Er ist es doch, der skrupellose Könige und gottlose Fürsten
verurteilt.
Hiob 34,19 Er ergreift nicht Partei für die Mächtigen, Hochgestellte zieht er
den Armen nicht vor - er hat ja allen das Leben gegeben!
Hiob 34,20 Die Fürsten sterben plötzlich, mitten in der Nacht; ihr Volk gerät in
Aufruhr, und sie verschwinden. Ja, die Mächtigen werden beseitigt, doch nicht
von Menschenhand.
Hiob 34,21 Denn Gott sieht die Wege eines jeden und alles, was er unternimmt.
Hiob 34,22 Es gibt keine Finsternis und keinen dunklen Ort, wo Übeltäter sich
vor Gott verstecken könnten.
Hiob 34,23 Er muss Menschen nicht erst lange verhören und sie zu sich laden vor
Gericht -
Hiob 34,24 nein, ohne Verhandlung stürzt er die Mächtigen und setzt andere an
ihrer Stelle ein.
Hiob 34,25 Er stürzt sie über Nacht und lässt sie zugrunde gehen, denn er weiß,
was sie getrieben haben.
Hiob 34,26 Er straft sie für ihre Vergehen, und das in aller Öffentlichkeit.
Hiob 34,27 Denn diese Mächtigen wollten Gott nicht mehr gehorchen, seine
Weisungen waren ihnen völlig gleichgültig.
Hiob 34,28 Darum stieg der Hilfeschrei der Armen zu ihm empor - und er hörte
ihn!
Hiob 34,29 Aber wenn Gott schweigt, wer will ihn dann beschuldigen? Wenn er sich
verbirgt, wer kann ihn noch erblicken? Und doch wacht er über den Völkern, ja,
über der ganzen Menschheit;
Hiob 34,30 er verhindert, dass ein gottloser Herrscher an die Macht kommt und
sein Volk ins Unglück stürzt.
Hiob 34,31 Der Mensch sollte zu Gott sagen: ›Ich bin schuldig geworden, aber ich
will nichts Böses mehr tun!
Hiob 34,32 Zeig mir die Sünden, die ich selbst nicht erkenne! Ich habe Unrecht
begangen, doch ich will es nicht mehr tun!‹
Hiob 34,33 Du aber weigerst dich umzukehren! Und wenn es nach dir ginge, sollte
Gott dich dafür noch belohnen! Du musst eine Entscheidung treffen, nicht ich!
Also, sag mir nun, was du weißt!
Hiob 34,34 Wer noch einen Funken Verstand hat, wird mir zustimmen; jeder Weise,
der mich hört, wird sagen:
Hiob 34,35 ›Hiob plappert daher ohne Sinn und Verstand. Er weiß nicht, was er
sagt!‹
Hiob 34,36 Ja, Gott soll Hiob weiter durch das Leiden prüfen, weil er ihm so
unverschämt widerspricht!
Hiob 34,37 Nicht genug, dass er Schuld auf sich lädt - er lehnt sich auch noch
offen gegen Gott auf! Laut spottet er vor unseren Ohren und findet viele Worte
gegen ihn.«
Hiob 35,1 Elihu fuhr fort:
Hiob 35,2 »Du behauptest: ›Gott wird mich für unschuldig erklären!‹ Meinst du im
Ernst, das sei richtig?
Hiob 35,3 Denn du fragst: ›Was nützt es mir, wenn ich nicht sündige, was habe
ich davon?‹
Hiob 35,4 Darauf kann ich dir die Antwort geben, dir und deinen Freunden hier:
Hiob 35,5 Schau zum Himmel empor, sieh dir die Wolken an - sie sind unerreichbar
für dich!
Hiob 35,6 Genauso wenig kann deine Sünde Gott erreichen; selbst wenn du dich
offen gegen ihn stellst: ihn triffst du damit nicht!
Hiob 35,7 Und umgekehrt: Bringt ihm dein tadelloses Leben irgendeinen Nutzen?
Empfängt er damit eine Gabe aus deiner Hand?
Hiob 35,8 Nein, deine Bosheit trifft nur deine Mitmenschen, und wenn du Gutes
tust, hilft es nur ihnen!
Hiob 35,9 Laut stöhnen die Menschen unter der Last der Gewaltherrschaft, sie
schreien nach Befreiung vom Joch der Tyrannei.
Hiob 35,10 Doch keiner fragt nach Gott, nach seinem Schöpfer, der in der
dunkelsten Stunde uns noch Hoffnung gibt.
Hiob 35,11 Keiner wendet sich an Gott, der uns belehrt und der uns weiser macht
als alle Tiere draußen, klüger als die Vögel in der Luft.
Hiob 35,12 Wenn Menschen um Hilfe schreien, weil die Bosheit siegt, wird Gott
sie doch nicht hören.
Hiob 35,13 Ja, sie rufen vergeblich; Gott erhört sie nicht, er beachtet sie
nicht einmal.
Hiob 35,14 Und wie viel weniger wird er dich hören, wenn du sagst, dass du ihn
gar nicht siehst! Warte geduldig, Hiob, dein Fall ist Gott bekannt!
Hiob 35,15 Du meinst, dass er niemals zornig wird, dass er Verbrechen nicht
bestraft, weil er von ihnen gar nichts weiß.
Hiob 35,16 Und deshalb nimmst du den Mund hier so voll! Aber du machst bloß
leere Worte, du redest viel und zeigst doch nur, wie unwissend du bist!«
Hiob 36,1 Weiter sagte Elihu:
Hiob 36,2 »Hab Geduld mit mir und hör noch ein wenig zu! Ich will dir zeigen,
dass man noch viel mehr zu Gottes Verteidigung sagen kann.
Hiob 36,3 Mein Wissen ist umfassend, ich will meinem Schöpfer Recht verschaffen.
Hiob 36,4 Ich sage dir die Wahrheit, vor dir steht ein Mann mit vollkommenem
Wissen - darauf kannst du dich verlassen!
Hiob 36,5 Wie mächtig ist Gott! Und doch verachtet er keinen. Ja, mächtig ist er
und voll Willenskraft.
Hiob 36,6 Den Gottlosen lässt er nicht am Leben, doch dem Unterdrückten verhilft
er zum Recht.
Hiob 36,7 Wer ihm die Treue hält, den vergisst er nicht, nein, er stellt ihn
Königen gleich, betraut ihn für immer mit einem hohen Amt.
Hiob 36,8 Und wenn Menschen in Ketten liegen, elend gefangen, mit Stricken
gefesselt,
Hiob 36,9 dann redet er ihnen ins Gewissen, überführt sie von ihrer Schuld und
aller Überheblichkeit.
Hiob 36,10 Er macht sie bereit, auf seine Zurechtweisung zu hören, und sagt
ihnen, sie sollen vom Unrecht ablassen.
Hiob 36,11 Wenn sie Gott gehorchen und ihm dienen, werden sie ihre Lebensjahre
glücklich und zufrieden verbringen.
Hiob 36,12 Hören sie aber nicht auf ihn, verlieren sie ihr Leben unterm Schwert
des Henkers; sie sterben ohne jede Einsicht.
Hiob 36,13 Wer Gott verworfen hat, der ist bitter gegen ihn; er fleht nicht
einmal dann um Gnade, wenn Gott die Fesseln enger zieht.
Hiob 36,14 Und so stirbt er noch in jungen Jahren, verachtet wie Hurer, die sich
in einem Tempel für ihren Gott verkaufen.
Hiob 36,15 Doch wer sich vor Gott demütigt, den wird er aus dem Elend retten und
ihm in der Not die Augen öffnen.
Hiob 36,16 Auch dich reißt Gott aus den Klauen der Angst, er will dir wieder die
Freiheit schenken; dann füllen die besten Speisen wie früher deinen Tisch.
Hiob 36,17 Jetzt aber lastet das Urteil auf dir, das die Gottlosen trifft; die
strafende Gerechtigkeit lässt dich nicht entkommen.
Hiob 36,18 Pass auf, dass dein Zorn dich nicht zum Spötter macht, lass dich
nicht durch Bestechungsgeld verleiten!
Hiob 36,19 Kannst du dich etwa selbst aus der Bedrängnis retten? Niemals! Dazu
reicht deine ganze Kraft nicht aus.
Hiob 36,20 Wünsche dir auch nicht die Nacht herbei, in der ganze Völker
verschwinden!
Hiob 36,21 Sei auf der Hut und wende dich nicht dem Bösen zu! Denn davor wollte
dich Gott durch das Leid ja gerade bewahren.
Hiob 36,22 Halte dir Gottes große Kraft vor Augen! Er ist der beste Lehrer, den
es gibt!
Hiob 36,23 Niemand schreibt ihm vor, was er zu tun hat. Keiner könnte zu ihm
sagen: ›Du hast Unrecht getan!‹
Hiob 36,24 Schon immer haben die Menschen seine Taten besungen, nun preise auch
du ihn!
Hiob 36,25 Alle Welt sieht staunend seine Taten, doch man erblickt sie nur von
ferne.
Hiob 36,26 Wie mächtig ist Gott, wie unbegreiflich! Wer kann seine Jahre zählen?
Hiob 36,27 Er lässt die Wassertropfen aufsteigen; gereinigt gehen sie als Regen
in die Flüsse nieder.
Hiob 36,28 Ja, aus den Wolken strömt der Regen, auf viele Menschen kommt er
herab.
Hiob 36,29 Wer versteht, wie Gott die Wolken auftürmt und wie am Himmelszelt der
Donner kracht?
Hiob 36,30 Sieh nur, wie Gott Licht um sich verbreitet, die Meerestiefen aber
verbirgt er.
Hiob 36,31 Er lässt die Regenwolken kommen, so richtet er die Völker, aber
zugleich versorgt er sie reichlich mit Nahrung.
Hiob 36,32 Den Blitzstrahl nimmt er fest in beide Hände und befiehlt ihm dann,
sein Ziel zu treffen.
Hiob 36,33 Donnergrollen kündigt das Gewitter an, und selbst das Vieh spürt,
dass es kommt.
Hiob 37,1 Auch mein Herz klopft vor Angst, wenn das Gewitter naht; es schlägt
immer schneller.
Hiob 37,2 Hört ihr, wie der Donner rollt? Hört ihr Gottes Stimme? Welch ein
Grollen kommt aus seinem Mund!
Hiob 37,3 Er lässt den Donner los - der ganze Himmel ist davon erfüllt, und
seine Blitze zucken weithin über die Erde!
Hiob 37,4 Dann brüllt der Donner; ja, Gottes mächtige Stimme erklingt. Und
wieder zucken die Blitze, und wieder kracht der Donner.
Hiob 37,5 Gott lässt es donnern - seine Stimme überwältigt uns; er vollbringt
große Wunder, die wir nicht begreifen.
Hiob 37,6 Zum Schnee sagt er: ›Fall zur Erde nieder!‹ und zum Regen: ›Werde zur
Sturzflut!‹
Hiob 37,7 So hindert er uns Menschen an der Arbeit, damit wir alle sehen, was er
tut.
Hiob 37,8 Die wilden Tiere verkriechen sich und bleiben in ihren Höhlen.
Hiob 37,9 Aus seiner Kammer kommt der Sturm, die Nordwinde bringen beißende
Kälte.
Hiob 37,10 Der Atem Gottes lässt das Eis entstehen, die weite Wasseroberfläche
ist erstarrt.
Hiob 37,11 Er füllt die Wolken mit Wasser und lässt seine Blitze hindurchzucken.
Hiob 37,12 Die Wolken ziehen hin und her, wie er sie lenkt; auf der ganzen Erde
führen sie aus, was Gott ihnen befiehlt.
Hiob 37,13 Mal lässt er sie zur Strafe kommen für ein Land, mal als Zeichen
seiner Güte.
Hiob 37,14 Hör es dir an, Hiob! Steh still und denke über Gottes Wundertaten
nach!
Hiob 37,15 Weißt du, wie er die Wolken lenkt und wie er seine Blitze zucken
lässt?
Hiob 37,16 Weißt du, wie die Wolken schweben, diese Wunderwerke aus vollkommener
Meisterhand?
Hiob 37,17 Du schwitzt ja schon, wenn die drückende Hitze des Südwinds auf dem
Land liegt.
Hiob 37,18 Wie kannst du dann Gott helfen, den blauen Himmel auszubreiten, fest
wie ein Spiegel, aus Bronze gegossen?
Hiob 37,19 Teile uns mit, was wir ihm sagen sollen! Denn wir tappen im Dunkeln
und können unseren Fall nicht vorbringen.
Hiob 37,20 Soll es Gott verkündet werden, dass ich mit ihm zu reden wünsche?
Niemals! Verlangte je ein Mensch, von ihm verschlungen zu werden?
Hiob 37,21 Jetzt hat der Wind die Wolken weggefegt, und die Sonne strahlt so
hell, dass niemand von uns in ihr Licht schauen kann.
Hiob 37,22 Von Norden naht ein goldener Glanz. Gott kommt in furchterregender
Majestät.
Hiob 37,23 Ihn, den Allmächtigen, erreichen wir nicht. Gewaltig ist seine Kraft,
und er ist reich an Gerechtigkeit. Niemals unterdrückt er das Recht!
Hiob 37,24 Darum fürchtet ihn, ihr Menschen! Er lässt sich von keinem blenden,
wie weise er auch ist!«
Hiob 38,1 Dann aber redete Gott mit Hiob. Er antwortete ihm aus dem Sturm:
Hiob 38,2 »Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne
Verstand?
Hiob 38,3 Tritt mir gegenüber wie ein Mann, und gib mir Antwort auf meine
Fragen!
Hiob 38,4 Wo warst du, als ich das Fundament der Erde legte? Sag es doch, wenn
du so viel weißt!
Hiob 38,5 Wer hat ihre Maße festgelegt und wer die Messschnur über sie gespannt?
Du weißt es doch, oder etwa nicht?
Hiob 38,6 Worin sind die Pfeiler der Erde eingesenkt, und wer hat ihren
Grundstein gelegt?
Hiob 38,7 Damals sangen alle Morgensterne, und die Engel jubelten vor Freude.
Hiob 38,8 Wer schloss die Schleusentore, um das Meer zurückzuhalten, als es
hervorbrach aus dem Mutterschoß der Erde?
Hiob 38,9 Ich hüllte es in Wolken und in dichtes Dunkel wie in Windeln;
Hiob 38,10 ich setzte dem Meer eine Grenze, schloss seine Tore und Riegel
Hiob 38,11 und sprach: ›Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter! Hier
müssen sich deine mächtigen Wogen legen!‹
Hiob 38,12 Sag, hast du je das Tageslicht herbeigerufen und der Morgenröte ihren
Weg gewiesen?
Hiob 38,13 Sie fasst die Erde bei den Zipfeln und schüttelt die Übeltäter aus
ihrem dunklen Versteck.
Hiob 38,14 In ihrem Licht färbt die Erde sich bunt wie ein Kleid; ihre Gestalt
tritt hervor, deutlich wie ein Siegelabdruck auf Ton.
Hiob 38,15 Dann wird den Übeltätern das schützende Dunkel genommen, und ihr
drohend erhobener Arm wird zerbrochen.
Hiob 38,16 Bist du hinab zu den Quellen des Meeres gereist, hast du den Abgrund
des Ozeans durchwandert?
Hiob 38,17 Haben sich dir die Tore des Todes geöffnet, die den Eingang ins
dunkle Land verschließen?
Hiob 38,18 Hast du die Weiten der Erde überblickt? Sag es mir, wenn du das alles
weißt!
Hiob 38,19 Woher kommt das Licht, und wie gelangt man dorthin? Woher kommt die
Finsternis?
Hiob 38,20 Kannst du Licht und Dunkelheit an ihre Orte bringen, kennst du den
Weg zu ihrem Land?
Hiob 38,21 Ganz gewiss, denn du warst schon geboren, als ich sie schuf, du lebst
ja seit uralten Zeiten!
Hiob 38,22 Hast du die Vorratskammern gesehen, in denen ich Schnee und Hagel
aufbewahre?
Hiob 38,23 Ich spare sie auf für den Unglückstag, für Kriegszeiten und
Schlachtgetümmel.
Hiob 38,24 Weißt du, wo das Licht herkommt und von wo der Ostwind loszieht? Wie
gelangt man dorthin?
Hiob 38,25 Wer schafft den Regenfluten eine Bahn, wer ebnet Blitz und Donner den
Weg,
Hiob 38,26 damit Gewitterregen niedergehn auf unbewohntes Land, über unwegsame
Wüsten,
Hiob 38,27 damit die ausgedörrte Steppe durchtränkt wird und frisches Grün aus
dem Boden sprießt?
Hiob 38,28 Hat der Regen einen Vater? Wer lässt den Tau entstehen?
Hiob 38,29 Wer bringt Eis und Frost hervor,
Hiob 38,30 wenn das Wasser hart wird wie Stein, wenn Seen und Flüsse zugefroren
sind?
Hiob 38,31 Knüpfst du die Bänder des Siebengestirns, kannst du den Gürtel des
Orion öffnen?
Hiob 38,32 Lässt du die Sternbilder erscheinen, je nach Jahreszeit, bringst du
den großen und den kleinen Wagen herauf?
Hiob 38,33 Hast du die Gesetze des Himmels entdeckt, und kannst du sie auf die
Erde übertragen?
Hiob 38,34 Rufst du den Wolken einen Befehl zu, damit sie Regen auf dich
herabströmen lassen?
Hiob 38,35 Schleuderst du die Blitze in ihr Ziel? Sagen sie: ›Wir stehen dir zu
Diensten‹ ?
Hiob 38,36 Wer lässt die Wolken wohlgeordnet ziehen? Wer bestimmt das Wetter
nach einem weisen Plan?
Hiob 38,37 Wer ist so klug, dass er die Zahl der Wolken kennt? Wer schüttet ihr
Wasser auf die Erde nieder,
Hiob 38,38 wenn dort der Boden hart geworden ist wie Eisen und die Schollen
aneinander kleben?
Hiob 38,39 Erjagst du die Beute für die Löwin, stillst du den Hunger ihrer
Jungen,
Hiob 38,40 wenn sie in Höhlen sich verkriechen, im Dickicht auf der Lauer
liegen?
Hiob 38,41 Wer lässt den Raben Futter finden, wenn seine Jungen zu Gott
schreien, wenn sie hungrig und hilflos umherirren?
Hiob 39,1 Kannst du mir sagen, wann die Steinböcke werfen, schaust du zu, wie
die Hirschkühe kalben?
Hiob 39,2 Zählst du die Monate ihrer Tragezeit, und weißt du, wann sie gebären?
Hiob 39,3 Sie kauern nieder, bringen ihre Jungen zur Welt, und dann hören ihre
Wehen auf.
Hiob 39,4 Ihre Jungen wachsen in der Wildnis auf und werden stark; sie ziehen
fort und kehren nicht mehr zurück.
Hiob 39,5 Wer hat dem Wildesel die Freiheit gegeben, wer hat seine Fesseln
gelöst?
Hiob 39,6 Ich gab ihm die Steppe als Lebensraum, die Salzwüste als sein Gebiet.
Hiob 39,7 Er lacht über das Lärmen in der Stadt, die Schreie des Treibers hört
er nicht.
Hiob 39,8 Er wählt sich das Bergland als Weide aus und sucht dort überall nach
etwas Grünem.
Hiob 39,9 Meinst du, der Wildstier würde dir freiwillig dienen und über Nacht in
deinem Stall an der Krippe stehen?
Hiob 39,10 Kannst du ihn mit dem Pfluggeschirr in der Furche halten, im Tal über
dein Feld ihn eggen lassen?
Hiob 39,11 Kannst du dich auf seine gewaltige Kraft verlassen und ihm deine
schwere Arbeit aufbürden?
Hiob 39,12 Vertraust du ihm, dass er deine Ernte einbringt und sie zu deinem
Dreschplatz zieht?
Hiob 39,13 Fröhlich schlägt die Straußenhenne mit den Flügeln, doch sie sind
nicht zu vergleichen mit den Schwingen und Federn eines Storches.
Hiob 39,14 Sie lässt ihre Eier auf der Erde liegen, damit der heiße Sand sie
wärmt.
Hiob 39,15 Dass ein Mensch sie zertreten, dass Tiere sie zertrampeln könnten -
so weit denkt sie nicht.
Hiob 39,16 Herzlos behandelt sie die Jungen, als wären es nicht ihre eigenen.
Und wenn ihre Mühe vergeblich war, kümmert sie das nicht.
Hiob 39,17 Denn ich habe ihr die Weisheit versagt; von Klugheit findet sich bei
ihr keine Spur!
Hiob 39,18 Doch wenn sie ihre Flügel ausbreitet und losrennt, läuft sie jedem
Reiter davon.
Hiob 39,19 Sag, hast du das Pferd so stark gemacht, schmückst du seinen Hals mit
einer Mähne?
Hiob 39,20 Wie es zum Sprung ansetzt! Hast du ihm die Kraft gegeben? Sein
gewaltiges Schnauben ist furchterregend.
Hiob 39,21 Es stampft auf den Boden, freut sich über seine Kraft und jagt dann
der Schlacht entgegen.
Hiob 39,22 Es lacht über die Angst, fürchtet nichts und schreckt vor dem
feindlichen Schwert nicht zurück.
Hiob 39,23 Der Köcher klirrt an seiner Seite, Schwert und Lanze blitzen.
Hiob 39,24 Wild und ungestüm fliegt es dahin; sobald das Signal ertönt, gibt es
kein Halten mehr.
Hiob 39,25 Beim Klang der Hörner wiehert es laut, wittert den Kampf schon von
ferne; es hört, wie die Anführer Befehle schreien und wie der Schlachtruf
ertönt.
Hiob 39,26 Breitet der Falke seine Schwingen aus, um nach Süden zu fliegen, weil
du den Wandertrieb in ihn gelegt hast?
Hiob 39,27 Schwingt sich der Adler auf deinen Befehl so hoch empor und baut in
der Höhe sein Nest?
Hiob 39,28 Oben im Felsen haust er und baut auf Bergzacken seinen Horst wie eine
Festung.
Hiob 39,29 Von dort erspäht er seine Beute, seine Augen entdecken sie von
weitem.
Hiob 39,30 Schon seine Jungen gieren nach Blut; wo Leichen liegen, da ist er zur
Stelle.«
Hiob 40,1 Der Herr fragte Hiob:
Hiob 40,2 »Willst du weiter mit mir streiten, mich, den Allmächtigen, immer noch
tadeln? Du hast mich angeklagt, nun steh mir Rede und Antwort!«
Hiob 40,3 Darauf antwortete Hiob nur:
Hiob 40,4 »Herr, ich bin zu gering, ich kann dir nichts erwidern; darum lege ich
jetzt die Hand auf den Mund.
Hiob 40,5 Einmal habe ich geredet und dann noch einmal - aber ich will es nicht
wieder tun; ich habe schon zu viel gesagt!«
Hiob 40,6 Da sprach Gott zu Hiob aus dem Sturm:
Hiob 40,7 »Tritt mir gegenüber wie ein Mann, und antworte auf meine Fragen!
Hiob 40,8 Willst du mein Urteil widerlegen und mich schuldig sprechen, nur damit
du recht behältst?
Hiob 40,9 Besitzt du Macht wie ich, kannst du mit gleicher Stimme donnern?
Hiob 40,10 Dann schmück dich mit Würde und Macht, bekleide dich mit Pracht und
Majestät!
Hiob 40,11 Dann lass deinen Zorn losbrechen, finde jeden stolzen Menschen heraus
und erniedrige ihn!
Hiob 40,12 Spür jeden Überheblichen auf, und zwing ihn in die Knie, tritt die
Gottlosen an Ort und Stelle nieder!
Hiob 40,13 Verscharre sie alle in der Erde, zieh das Leichentuch über ihr
Gesicht!
Hiob 40,14 Dann will ich der Erste sein, der dich preist, weil du mit eigener
Hand den Sieg errungen hast!«
Hiob 40,15 »Schau dir den Behemot an, den ich geschaffen habe wie auch dich! Er
frisst Gras wie ein Rind.
Hiob 40,16 Wie stark sind seine Lenden, welche Kraft hat er in den Muskeln
seines Bauches!
Hiob 40,17 Er macht seinen Schwanz steif wie eine Zeder, dicht verflochten sind
die Sehnen an den Schenkeln.
Hiob 40,18 Seine Knochen sind fest wie Bronzeröhren, seine Rippen gleichen
Eisenstangen.
Hiob 40,19 Unter meinen Werken nimmt er den ersten Platz ein, und nur ich, sein
Schöpfer, kann das Schwert gegen ihn ziehen.
Hiob 40,20 Auf den Hügeln wächst das Gras, sein Futter, und die wilden Tiere
spielen neben ihm.
Hiob 40,21 Er liegt unter Lotusbüschen, versteckt sich im Schilf und im Sumpf.
Hiob 40,22 Die Lotusbüsche verbergen ihn und spenden ihm Schatten, bei den
Pappeln am Ufer findet er Schutz.
Hiob 40,23 Schwillt der Fluss mächtig an - ihm wird nicht bange; er bleibt
ruhig, selbst wenn der Jordan ihm ins Maul flutet.
Hiob 40,24 Meinst du, ein Mensch kann dieses Tier von vorne packen, es fangen
und ihm einen Ring durch die Nase ziehen?
Hiob 40,25 Kannst du den Leviatan am Angelhaken aus dem Wasser ziehen oder seine
Zunge mit einem Seil hinunterdrücken?
Hiob 40,26 Kannst du ihm einen Strick durch die Nase ziehen oder sein Kinn mit
einem Haken durchstechen?
Hiob 40,27 Meinst du, er wird dann um Gnade winseln und dich mit Worten
umschmeicheln?
Hiob 40,28 Meinst du, er wird sich dir ergeben, und du kannst ihn für immer als
Knecht behalten?
Hiob 40,29 Was willst du mit ihm tun? Ihn anbinden und wie einen Vogel halten,
ihn deinen Mädchen zum Spielen geben?
Hiob 40,30 Meinst du, die Jäger könnten jemals um seine besten Stücke feilschen
und sie an Händler verkaufen?
Hiob 40,31 Kannst du seinen Panzer mit Harpunen spicken oder mit Fischerhaken
seinen Kopf?
Hiob 40,32 Versuch es nur, mit ihm zu kämpfen! Daran wirst du noch lange denken
und es nicht noch einmal wagen!
Hiob 41,1 Trügerisch ist jede Hoffnung, ihn zu fangen; sein bloßer Anblick wirft
dich schon zu Boden!
Hiob 41,2 Wenn es niemand wagen kann, ihn auch nur zu reizen, wer will dann mir
erst gegenübertreten?
Hiob 41,3 Wer hat mir jemals etwas gegeben, das er nun von mir zurückfordern
könnte? Mir gehört die ganze weite Welt.
Hiob 41,4 Ich will dir den Leviatan beschreiben, seine Stärke und die Schönheit
seiner Gestalt:
Hiob 41,5 Wer ist in der Lage, ihm den Panzer auszuziehen, wer wagt es, ihm
zwischen die Zähne zu greifen?
Hiob 41,6 Wer kann das Tor seines Mauls aufbrechen, verteidigt von den
fürchterlichen Zähnen?
Hiob 41,7 Und schau dir seinen Schuppenpanzer an: wie eine Reihe von Schilden,
fest miteinander verbunden!
Hiob 41,8 Eine Schuppenplatte sitzt neben der anderen, kein Lufthauch geht
zwischen ihnen hindurch!
Hiob 41,9 Sie hängen fest aneinander und sind so eng verbunden, dass niemand sie
auseinander reißen kann.
Hiob 41,10 Licht blitzt auf, wenn er schnaubt, und seine Augen funkeln wie die
ersten Sonnenstrahlen.
Hiob 41,11 Aus seinem Rachen schießen Feuerflammen, und die Funken sprühen.
Hiob 41,12 Aus seinen Nüstern quillt der Rauch wie aus einem Kessel über dem
Feuer.
Hiob 41,13 Sein Atemstoß setzt Kohlen in Brand, eine Flamme schießt aus seinem
Rachen hervor.
Hiob 41,14 Sein Nacken strotzt vor Kraft; wo dieses Ungeheuer hinkommt, da geht
die Angst voraus.
Hiob 41,15 Die Hautfalten am Bauch sind fest und straff, als wären sie gegossen.
Hiob 41,16 Seine Brust ist hart wie Stein, ja, so fest wie ein Mühlstein.
Hiob 41,17 Wenn sich der Leviatan erhebt, geraten selbst Helden in Angst und
Schrecken und wissen nicht mehr aus noch ein.
Hiob 41,18 Jeder Schwerthieb gegen ihn bleibt ohne Wirkung; Speer, Pfeil und
Lanze prallen ab.
Hiob 41,19 Waffen aus Eisen fürchtet er nicht mehr als einen Strohhalm, und
Bronze ist für ihn wie morsches Holz.
Hiob 41,20 Mit Pfeilen lässt er sich nicht in die Flucht jagen, Schleudersteine
hält er bloß für Grashälmchen
Hiob 41,21 und eine Keule für dürres Stroh. Er kann nur lachen, wenn die Speere
auf ihn sausen.
Hiob 41,22 Unter seinem Bauch ragen Zacken hervor; sie lassen Spuren im Schlamm
zurück, als wäre ein Dreschschlitten darüber gefahren.
Hiob 41,23 Er lässt die Tiefe brodeln wie kochendes Wasser, das Meer wallt auf
wie Salbe im Kochtopf.
Hiob 41,24 Er hinterlässt eine glitzernde Spur; man denkt, das Meer hätte
silbernes Haar.
Hiob 41,25 Keiner auf der Erde reicht an ihn heran - er ist ein Geschöpf, das
Furcht nicht kennt.
Hiob 41,26 Selbst auf die Größten sieht er herab, er, der König aller stolzen
Tiere!«
Hiob 42,1 Da antwortete Hiob:
Hiob 42,2 »Herr, ich erkenne, dass du alles zu tun vermagst; nichts und niemand
kann deinen Plan vereiteln.
Hiob 42,3 Du hast gefragt: ›Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit
Worten ohne Verstand?‹ Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich
nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand.
Hiob 42,4 Du hast gesagt: ›Hör mir zu, jetzt rede ich, ich will dich fragen, und
du sollst mir antworten!‹
Hiob 42,5 Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit
eigenen Augen gesehen!
Hiob 42,6 Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!«
Hiob 42,7 Nachdem der Herr dies alles zu Hiob gesagt hatte, wandte er sich an
Elifas aus Teman: »Ich bin voller Zorn über dich und deine beiden Freunde, ihr
habt nicht die Wahrheit über mich gesagt, so wie mein Diener Hiob es tat!
Hiob 42,8 Bringt nun sieben junge Stiere und sieben Schafböcke, geht damit zu
meinem Diener Hiob, und bringt sie als Brandopfer dar! Hiob soll für euch beten,
denn nur ihn will ich erhören und euch um seinetwillen nichts Böses tun. Denn
ihr habt nicht wie er die Wahrheit über mich gesagt.«
Hiob 42,9 Da taten Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama, was
ihnen der Herr befohlen hatte. Und Gott erhörte Hiobs Gebet.
Hiob 42,10 Als Hiob für seine Freunde betete, da wendete der Herr für ihn alles
zum Guten. Er gab ihm doppelt so viel, wie er früher besessen hatte.
Hiob 42,11 Alle seine Brüder und Schwestern und die früheren Bekannten besuchten
ihn wieder. Sie aßen mit ihm in seinem Haus und trösteten ihn wegen des
Unglücks, das der Herr über ihn gebracht hatte. Jeder schenkte ihm ein
Silberstück und einen Ring aus Gold.
Hiob 42,12 Der Herr segnete Hiob von jetzt an mehr als zuvor. Bald besaß er
14000 Schafe und Ziegen, 6000 Kamele, 1000 Rindergespanne und 1000 Esel.
Hiob 42,13 Er bekam auch wieder sieben Söhne und drei Töchter.
Hiob 42,14 Die erste nannte er Jemima (»Täubchen«), die zweite Kezia
(»Zimtblüte«) und die dritte Keren-Happuch (»Schminkdöschen«).
Hiob 42,15 Im ganzen Land gab es keine schöneren Frauen als Hiobs Töchter; sie
durften mit ihren Brüdern das Erbe teilen.
Hiob 42,16 Hiob lebte noch 140 Jahre, er sah Kinder und Enkel bis in die vierte
Generation.
Hiob 42,17 Schließlich starb er in hohem Alter nach einem reichen und erfüllten
Leben.
Ps 1,1 Glücklich ist, wer nicht lebt wie Menschen, die von Gott nichts wissen
wollen. Glücklich ist, wer sich kein Beispiel an denen nimmt, die gegen Gottes
Willen verstoßen. Glücklich ist, wer sich fern hält von denen, die über alles
Heilige herziehen.
Ps 1,2 Glücklich ist, wer Freude hat am Gesetz des Herrn und darüber nachdenkt -
Tag und Nacht.
Ps 1,3 Er ist wie ein Baum, der nah am Wasser steht, der Frucht trägt jedes Jahr
und dessen Blätter nie verwelken. Was er sich vornimmt, das gelingt.
Ps 1,4 Ganz anders ergeht es allen, denen Gott gleichgültig ist: Sie sind wie
dürres Laub, das der Wind verweht.
Ps 1,5 Vor Gottes Gericht können sie nicht bestehen. Weil sie ihn abgelehnt
haben, sind sie von seiner Gemeinde ausgeschlossen.
Ps 1,6 Der Herr sorgt für alle, die nach seinem Wort leben. Doch wer sich ihm
trotzig verschließt, der läuft in sein Verderben.
Ps 2,1 Warum geraten die Völker in Aufruhr? Warum schmieden sie Pläne, die doch
zu nichts führen?
Ps 2,2 Die Mächtigen dieser Welt rebellieren: Sie verschwören sich gegen Gott
und den König, den er eingesetzt hat.
Ps 2,3 »Kommt, wir wollen uns befreien«, sagen sie, »wir schütteln seine
Herrschaft ab!«
Ps 2,4 Aber Gott im Himmel kann darüber nur lachen, nichts als Spott hat er
übrig für sie.
Ps 2,5 Dann stellt er sie voller Zorn zur Rede und versetzt sie in Angst und
Schrecken.
Ps 2,6 Er spricht: »Ich selbst habe meinem König die Herrschaft übertragen! Er
regiert in Zion, in der Stadt, die ich erwählt habe.«
Ps 2,7 Und dieser König verkündet: »Ich gebe bekannt, was Gott beschlossen hat.
Er hat zu mir gesagt: ›Du bist mein Sohn, heute setze ich dich zum König ein.
Ps 2,8 Fordere von mir die ganze Erde, und ich gebe sie dir zum Besitz. Alle
Völker gehören dir.
Ps 2,9 Zerschlage sie mit eisernem Herrscherstab, zerbrich sie wie
Tongeschirr!‹«
Ps 2,10 Darum, ihr Herrscher, nehmt Vernunft an, lasst euch warnen, ihr
Mächtigen der Welt!
Ps 2,11 Unterwerft euch dem Herrn und erkennt seine Herrschaft an! Jubelt ihm
zu, auch wenn ihr zittert!
Ps 2,12 Erweist seinem Sohn die Ehre, die ihm zusteht! Sonst trifft euch sein
Zorn, und ihr seid verloren; denn schnell wird er zornig. Aber wenn ihr ihm
vertraut, werdet ihr sicher und geborgen sein.
Ps 3,1 Ein Lied König Davids aus der Zeit, als er vor seinem Sohn Absalom
fliehen musste.
Ps 3,2 O Herr, überall bedrängen mich Feinde! So viele haben sich gegen mich
verschworen.
Ps 3,3 Sie spotten: »Der ist erledigt! Selbst Gott kann ihm nicht mehr helfen!«
Ps 3,4 Aber du, Herr, nimmst mich in Schutz. Du stellst meine Ehre wieder her
und verhilfst mir zu meinem Recht.
Ps 3,5 Ich schreie zum Herrn: »Hilf mir doch!« Er hört mich in seinem Heiligtum
und antwortet mir.
Ps 3,6 Darum kann ich beruhigt einschlafen, denn ich weiß: Gott beschützt mich.
Ps 3,7 Ich fürchte mich nicht vor meinen Feinden, auch wenn sie mich zu
Tausenden umzingeln.
Ps 3,8 Greif ein, mein Gott! Weil du mir schon oft geholfen hast, weiß ich auch
jetzt: Du wirst meinen Feinden ins Gesicht schlagen und ihre Kraft zerbrechen.
Ps 3,9 Ja, der Herr lässt uns niemals im Stich. Herr, schenke deinem Volk
Frieden und Glück!
Ps 4,1 Ein Lied Davids. Mit Saiteninstrumenten zu begleiten.
Ps 4,2 O Gott, hörst du nicht meinen Hilfeschrei? Du bist es doch, der für mich
eintritt, der mich verteidigt! Als ich vor Angst gelähmt nicht mehr
weiterwusste, hast du mir den rettenden Ausweg gezeigt. So hilf mir auch jetzt
und erhöre mein Gebet!
Ps 4,3 Ihr Mächtigen im Land, ihr missbraucht euren Einfluss. Ihr zieht meine
Ehre in den Dreck und verbreitet Lügen. Ihr habt Freude daran, mich zu
verleumden. Wann hört ihr endlich auf damit?
Ps 4,4 Begreift doch: Wer Gott die Treue hält, steht unter seinem besonderen
Schutz. Er hört mich, wenn ich zu ihm rufe.
Ps 4,5 Plant nichts Böses mehr gegen mich, auch wenn ihr zornig seid! Nehmt euch
Zeit, besinnt euch und gebt endlich Ruhe!
Ps 4,6 Wenn ihr Gott Opfer bringt, dann denkt daran, dass er euer Herr ist, und
vertraut ihm!
Ps 4,7 Viele jammern: »Wann wird es uns endlich besser gehen? Herr, lass uns
deine Nähe erfahren, damit wir wieder aufatmen können!«
Ps 4,8 Und wirklich: Du hast mich wieder froh gemacht. Während andere sich nur
über eine reiche Ernte freuen können, ist meine Freude viel größer.
Ps 4,9 Ich kann ruhig schlafen, auch wenn kein Mensch zu mir hält, denn du,
Herr, beschützt mich.
Ps 5,1 Ein Lied Davids. Mit Flötenbegleitung zu singen.
Ps 5,2 Höre doch, Herr, was ich dir sagen will; auch wenn ich nur noch seufzen
kann, höre mir zu!
Ps 5,3 Du bist mein König und mein Gott, zu dir schreie ich, dich flehe ich an!
Ps 5,4 Schon früh am Morgen bringe ich dir ein Opfer und bete, weil ich weiß: du
hörst mich. Gib mir doch Antwort!
Ps 5,5 Zum Unrecht kannst du nicht schweigen. Die Gottlosen duldest du nicht in
deiner Nähe:
Ps 5,6 Wer dich hochmütig verspottet, den stößt du von dir. Wer deinen Willen
missachtet, den kannst du nicht ausstehen.
Ps 5,7 Lügner, Mörder und Heuchler bringst du um, sie ekeln dich an!
Ps 5,8 Ich aber darf zu dir kommen, denn in deiner großen Gnade hast du mich
angenommen. Voller Ehrfurcht bete ich dich in deinem Heiligtum an.
Ps 5,9 Zeige denen, die mich verleumden, dass du zu mir stehst! Auch ich will
dir treu sein - hilf mir, nach deinen Maßstäben zu leben!
Ps 5,10 Was meine Feinde von sich geben, ist nichts als Lüge. Schlecht und
verlogen wie sie sind, können sie gar nicht anders: sie bringen Tod und
Untergang.
Ps 5,11 Herr, rechne mit ihnen ab! Bringe das Unheil über sie, das sie anderen
zugefügt haben! Verstoße sie! Nichts, gar nichts ist ihnen heilig; sogar gegen
dich lehnen sie sich auf.
Ps 5,12 Doch alle, die dir vertrauen, werden sich freuen und dich loben, denn
bei dir sind sie geborgen. Wer dich liebt, wird jubeln vor Freude.
Ps 5,13 Wer dir treu bleibt, den beschenkst du mit Frieden und Glück, den
umgibst du mit deiner schützenden Liebe.
Ps 6,1 Ein Lied Davids, mit achtsaitigem Instrument zu begleiten.
Ps 6,2 Herr, du lässt mich deinen Zorn spüren. Ich flehe dich an: Strafe mich
nicht länger!
Ps 6,3 Hab Erbarmen mit mir, Herr, ich kann nicht mehr! Gib mir wieder Kraft und
neuen Mut, ich bin völlig erschöpft!
Ps 6,4 Ich weiß weder aus noch ein. Herr, wie lange willst du noch zusehen?
Ps 6,5 Wende dich mir wieder zu! Hilf mir! Du bist doch ein barmherziger Gott.
Sei mir gnädig und rette mich!
Ps 6,6 Wenn ich tot bin, kann ich dir nicht mehr danken. Wie soll ich dich denn
im Totenreich loben?
Ps 6,7 [7/8] Ach, ich bin müde vom Stöhnen. Nachts weine ich wie ein Kind, bis
die Kissen durchnässt und meine Augen ganz verquollen sind. Daran sind nur meine
Feinde schuld, sie haben mich in die Enge getrieben.
Ps 6,9 Niederträchtig und gemein seid ihr! Verschwindet, denn der Herr hat meine
Tränen gesehen!
Ps 6,10 Er hat mein Schreien gehört und mein Gebet angenommen.
Ps 6,11 Meine Feinde ziehen den Kürzeren und geben auf. Schämen müssen sie sich!
Ps 7,1 Ein Klagelied Davids. Er trug es dem Herrn vor, als er unter den
Anschuldigungen des Benjaminiten Kusch zu leiden hatte.
Ps 7,2 Herr, mein Gott, bei dir suche ich Schutz. Bring mich in Sicherheit vor
meinem Verfolger! Rette mich doch,
Ps 7,3 sonst bin ich ihm hilflos ausgeliefert, und er zerfleischt mich wie ein
Löwe.
Ps 7,4 Herr, mein Gott, wenn das zutrifft, was er mir vorwirft: wenn ich
wirklich anderen Unrecht getan habe,
Ps 7,5 wenn ich das Vertrauen meines Freundes missbrauchte, oder wenn ich den
beraubte, der mich grundlos in die Enge trieb,
Ps 7,6 dann soll mein Feind mich verfolgen, mich einholen und niedertreten. Dann
habe ich diesen ehrlosen Tod verdient!
Ps 7,7 Greif ein, Herr! Strafe sie in deinem Zorn! Stelle dich meinen Feinden
entgegen, denn sie wüten gegen mich! Komm und hilf mir! Recht muss doch Recht
bleiben!
Ps 7,8 Versammle alle Völker um dich zum Gericht, du hast das letzte Wort.
Ps 7,9 Herr, du richtest die Völker. Vor aller Öffentlichkeit verschaffe mir
Recht, denn du weißt, dass ich unschuldig bin. Grundlos werde ich beschuldigt.
Ps 7,10 Mach doch Schluss mit der Bosheit der Bösen und richte den wieder auf,
der deinen Willen tut! Du, Gott, bist unbestechlich, und niemand kann dich
täuschen!
Ps 7,11 Ja, Gott beschützt mich; er rettet den, der offen und ehrlich ist.
Ps 7,12 Gott ist ein gerechter Richter, ein Gott, der noch heute strafen kann!
Ps 7,13 Schon wieder schärft mein Feind sein Schwert, er spannt seinen Bogen und
zielt auf mich.
Ps 7,14 Doch seine tödlichen Pfeile treffen ihn selbst; was mir den Tod bringen
sollte, wird nun ihm zum Verhängnis.
Ps 7,15 Er brütet Böses aus und richtet Unheil an. Aber bald merkt er, dass er
sich damit nur selbst betrogen hat!
Ps 7,16 Denn wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Ps 7,17 Das Unheil, das er anderen bereitet hat, bricht nun über ihn herein; er
wird zum Opfer seiner eigenen Bosheit.
Ps 7,18 Den Herrn will ich loben, denn er sorgt für mein Recht. Ihm, dem
höchsten Gott, will ich ein Danklied singen!
Ps 8,1 Ein Lied Davids, zum Spiel auf der Gittit.
Ps 8,2 Herr, unser Herrscher! Groß und herrlich ist dein Name. Himmel und Erde
sind Zeichen deiner Macht.
Ps 8,3 Aus dem Mund der Kinder erklingt dein Lob. Es ist stärker als das Fluchen
deiner Feinde. Erlahmen muss da ihre Rachsucht, beschämt müssen sie verstummen.
Ps 8,4 Ich blicke zum Himmel und sehe, was deine Hände geschaffen haben; den
Mond und die Sterne - allen hast du ihre Bahnen vorgezeichnet.
Ps 8,5 Was ist da schon der Mensch, dass du an ihn denkst? Wie klein und
unbedeutend ist er, und doch kümmerst du dich um ihn.
Ps 8,6 Ja, du hast ihm eine hohe Stellung gegeben - nur wenig niedriger als die
Engel. Mit Ruhm und Ehre hast du ihn gekrönt.
Ps 8,7 Du hast ihm den Auftrag gegeben, über deine Geschöpfe zu herrschen. Alles
hast du ihm zu Füßen gelegt:
Ps 8,8 die Schafe und Rinder, die Tiere des Feldes,
Ps 8,9 die Vögel unter dem Himmel und die Fische im weiten Meer.
Ps 8,10 Herr, unser Herrscher! Groß und herrlich ist dein Name. Himmel und Erde
sind Zeichen deiner Macht.
Ps 9,1 Ein Lied Davids, nach der Melodie: »Vom Sterben des Sohnes.«
Ps 9,2 Dir, Herr, will ich von ganzem Herzen danken, und erzählen will ich von
deinen wunderbaren Taten.
Ps 9,3 Ich freue mich über dich und juble dir zu. Ich singe und musiziere zu
deiner Ehre, du höchster Gott!
Ps 9,4 Denn du schlägst meine Feinde in die Flucht, sie stürzen und kommen um!
Ps 9,5 Du bist ein gerechter Richter: Mit deinem Urteil hast du mir Recht
verschafft.
Ps 9,6 Die feindlichen Völker hast du in ihre Grenzen gewiesen, die Verbrecher
umgebracht und alles ausgelöscht, was an sie erinnerte.
Ps 9,7 Der Feind ist für immer erledigt, seine Städte sind nur noch Ruinen.
Keiner denkt mehr an sie.
Ps 9,8 Aber der Herr regiert für immer und ewig. Sein Richterstuhl steht schon
bereit.
Ps 9,9 Über die ganze Welt wird er ein gerechtes Urteil sprechen und allen
Völkern seine Entscheidung verkünden.
Ps 9,10 Die Unterdrückten finden bei Gott Zuflucht. In schwerer Zeit beschützt
er sie.
Ps 9,11 Herr, wer dich kennen lernt, der wird dir gern vertrauen. Wer sich auf
dich verlässt, der ist nie verlassen.
Ps 9,12 Lobt den Herrn mit euren Liedern, und erzählt allen Völkern von seinen
machtvollen Taten! Er regiert auf dem Berg Zion in Jerusalem.
Ps 9,13 Den Schrei der Wehrlosen überhört er nicht, und keine Bluttat lässt er
ungestraft.
Ps 9,14 Darum habe auch mit mir Erbarmen, Herr! Siehe doch, wie ich leide unter
dem Hass meiner Feinde! Ich stehe am Rand des Todes! Bring mich in Sicherheit!
Ps 9,15 Dann will ich dich in Jerusalem loben. Alle sollen hören, was du für
mich getan hast.
Ps 9,16 [16/17] Die Völker, die andere ins Verderben stürzen wollten, sind in
ihre eigene Falle gelaufen. In ihrem eigenen Netz haben sie sich verstrickt! So
hat der Herr bewiesen, wer er ist: Sein Urteil kam zur rechten Zeit!
Ps 9,18 Fahrt zur Hölle, ihr Unheilstifter, ihr Völker, die ihr von Gott nichts
wissen wollt!
Ps 9,19 Wer sein Recht nicht durchsetzen kann, den hat Gott nicht vergessen,
auch wenn es zunächst so scheint.
Ps 9,20 Greif ein, Herr! Lass nicht zu, dass Menschen über dich triumphieren!
Ruf die Völker vor deinen Thron und sprich ihnen das Urteil!
Ps 9,21 Lass sie vor Angst erzittern, Herr, und zeige ihnen, dass sie nur
machtlose Menschen sind!
Ps 10,1 Herr, warum bist du so weit weg? Warum lässt du uns im Dunkeln
umherirren, wenn wir dich am nötigsten brauchen?
Ps 10,2 Boshafte Menschen schrecken vor nichts zurück. Sie machen den Schwachen
und Hilflosen das Leben zur Hölle. Lass sie in ihre eigene Falle laufen!
Ps 10,3 Diese Gauner sind auch noch stolz auf ihre habgierigen Wünsche. Geld
geht ihnen über alles, und für Gott haben sie nichts übrig. Mit wüsten Sprüchen
ziehen sie über ihn her.
Ps 10,4 Hochnäsig behaupten sie: »Gott? Den gibt es doch gar nicht! Was soll er
uns denn heimzahlen?« - Was für ein Trugschluss!
Ps 10,5 Noch geht ihnen alles nach Wunsch. Dass du sie verurteilen wirst, lässt
sie kalt. Sie verhöhnen alle, die sich ihnen in den Weg stellen, und spotten:
»Euer Gott ist ja so weit weg!
Ps 10,6 Uns haut nichts um! Das hat noch keiner geschafft, und daran wird sich
auch nichts ändern!«
Ps 10,7 Sobald sie den Mund aufmachen, fluchen, lügen und erpressen sie. Wie
viel Unglück richten sie an!
Ps 10,8 In der Nähe einsamer Dörfer liegen sie im Hinterhalt und lauern ihren
hilflosen Opfern auf. Im Versteck bringen sie die Unschuldigen um.
Ps 10,9 Wie Löwen im Dickicht liegen sie auf der Lauer, um wehrlose Menschen zu
überfallen.
Ps 10,10 Sie stürzen sich auf ihre Opfer und schlagen sie brutal zusammen.
Ps 10,11 »Was wir tun, interessiert Gott gar nicht«, reden sie sich ein,
»außerdem hat er ein schlechtes Gedächtnis!«
Ps 10,12 Herr, greif doch ein! Lass dir das nicht bieten! Vergiss die Hilflosen
nicht!
Ps 10,13 Warum lässt du es zu, dass solche Schurken deine Ehre in den Schmutz
ziehen? Warum dürfen sie sich einbilden, dass du sie nie zur Rechenschaft ziehen
wirst?
Ps 10,14 Nein! Du hast das Unrecht nicht vergessen! Du kümmerst dich um die
Gequälten und wirst sie retten. Dir können sich alle anvertrauen, denen keiner
mehr hilft.
Ps 10,15 Zerbrich die Macht der Übeltäter! Bestrafe sie für ihre Bosheit, damit
sie nicht weiter Unheil anrichten!
Ps 10,16 Der Herr ist König für immer und ewig! Seine Feinde müssen aus Israel
verschwinden.
Ps 10,17 Die Hilflosen bestürmen dich mit ihren Bitten. Du, Herr, erhörst sie
und schenkst ihnen neuen Mut.
Ps 10,18 Du sorgst für das Recht der Unterdrückten und Waisen, jeder
Gewaltherrschaft auf Erden machst du ein Ende.
Ps 11,1 Von David. Bei dem Herrn suche ich Schutz. Wie könnt ihr da zu mir
sagen: »Du musst fliehen! Flieg fort wie ein Vogel!
Ps 11,2 Siehst du denn nicht, dass die Mörder schon die Pfeile aufgelegt und
ihre Bogen gespannt haben? Aus dem Hinterhalt wollen sie auf jene schießen, die
aufrichtig und ehrlich sind.
Ps 11,3 Alle Ordnungen sind umgestoßen, was kann da noch der bewirken, dem
Gottes Ordnungen alles bedeuten?«
Ps 11,4 Der Herr ist in seinem heiligen Tempel, er thront im Himmel und herrscht
über alles. Er durchschaut alle Menschen und weiß, wie sie sind.
Ps 11,5 Er sieht sich jeden ganz genau an, den, der Gott liebt, und jene, die
ihn verachten. Der Herr hasst den Gewalttätigen.
Ps 11,6 Auf die Schuldigen wird er Feuer und Schwefel regnen lassen, und der
Glutwind wird sie versengen.
Ps 11,7 Der Herr ist zuverlässig und gerecht, deshalb liebt er alle, die
gerechte Entscheidungen treffen; sie werden ihn einst schauen.
Ps 12,1 Ein Lied Davids, mit achtsaitigem Instrument zu begleiten.
Ps 12,2 Herr, hilf! Wo finde ich noch Menschen, die zu dir halten? Auf keinen
kann man sich mehr verlassen.
Ps 12,3 Jeder belügt jeden. Leicht kommen ihnen Komplimente über die Lippen,
aber sie heucheln dabei.
Ps 12,4 Herr, rotte diese Schmeichler und Angeber aus!
Ps 12,5 Ich höre, wie sie prahlen: »Wir erreichen alles, denn wir sind gewaltige
Redner; gegen uns kommt keiner an!«
Ps 12,6 »Doch - ich!«, spricht der Herr, »jetzt will ich eingreifen, denn die
Armen werden unterdrückt, und die Hilflosen seufzen, weil man ihnen hart
zusetzt. Ich werde sie befreien!«
Ps 12,7 An dieser Zusage des Herrn gibt es nichts zu deuteln. Sie ist eindeutig
und klar, echt wie reines Silber.
Ps 12,8 Du, Herr, hältst, was du versprichst, und wirst uns für immer vor diesen
selbstherrlichen Menschen beschützen.
Ps 12,9 Denn diese Lügner sind überall, und die Gemeinheit unter den Menschen
nimmt ständig zu.
Ps 13,1 Ein Lied Davids.
Ps 13,2 Herr, wie lange wirst du mich noch vergessen, wie lange hältst du dich
vor mir verborgen?
Ps 13,3 Wie lange noch sollen Sorgen mich quälen, wie lange soll der Kummer Tag
für Tag an mir nagen? Wie lange noch wird mein Feind über mir stehen?
Ps 13,4 Herr, mein Gott, wende dich mir wieder zu und antworte mir! Lass mich
wieder froh werden und Mut gewinnen, sonst holt mich noch der Tod.
Ps 13,5 Mein Feind würde triumphieren und sagen: »Den habe ich zur Strecke
gebracht!« Meine Unterdrücker würden jubeln über meinen Tod.
Ps 13,6 Ich aber vertraue auf deine Liebe und juble darüber, dass du mich retten
wirst. Mit meinem Lied will ich dich loben, denn du hast mir Gutes getan.
Ps 14,1 Von David. Menschen, die sich einreden: »Gott gibt es überhaupt nicht!«,
leben an der Wirklichkeit vorbei. Sie führen ein gottloses Leben, und alles, was
sie tun, ist abscheulich. Es gibt keinen, der Gutes tut.
Ps 14,2 Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschen. Er will sehen, ob es
wenigstens einen gibt, der einsichtig ist und nach seinem Willen fragt.
Ps 14,3 Aber alle haben sich von ihm abgewandt und sind nun verdorben, einer wie
der andere. Es gibt wirklich keinen, der Gutes tut, nicht einen einzigen!
Ps 14,4 Wissen denn diese Unheilstifter nicht, was sie tun? Sie verschlingen
mein Volk wie ein Stück Brot und denken sich nichts dabei. Mit Gott rechnen sie
überhaupt nicht mehr.
Ps 14,5 Aber schon bald werden sie in Angst und Schrecken fallen, denn Gott hält
treu zu denen, die sich auf ihn verlassen.
Ps 14,6 Mit euren heimtückischen Plänen gegen die Wehrlosen werdet ihr
scheitern, denn der Herr beschützt sie.
Ps 14,7 Ach, käme Gott doch vom Berg Zion, um sein Volk zu befreien! Israel wird
jubeln vor Freude, wenn der Herr das Schicksal seines Volkes wendet.
Ps 15,1 Ein Lied Davids. Herr, wer darf dein heiliges Zelt betreten? Wer darf
dich auf dem Berg Zion anbeten?
Ps 15,2 Jeder, der aufrichtig lebt und andere gerecht behandelt, der durch und
durch ehrlich ist
Ps 15,3 und andere nicht verleumdet. Jeder, der seinen Mitmenschen kein Unrecht
zufügt, der Nachbarn und Verwandte nicht bloßstellt.
Ps 15,4 Jeder, der keine Freundschaft pflegt mit denen, die Gott verworfen hat,
der alle achtet, die den Herrn ernst nehmen. Jeder, der hält, was er geschworen
hat, auch wenn ihm daraus Nachteile entstehen.
Ps 15,5 Jeder, der keine Wucherzinsen nimmt, wenn er Geld ausleiht, der sich
nicht bestechen lässt, gegen Unschuldige falsch auszusagen. Wer so handelt, den
wird nichts mehr zu Fall bringen!
Ps 16,1 Ein Lied Davids. Beschütze mich, Gott, denn dir vertraue ich!
Ps 16,2 Du bist mein Herr, mein ganzes Glück!
Ps 16,3 Darum freue ich mich über alle, die nach deinem Willen leben. Auf sie
kommt es im Land entscheidend an!
Ps 16,4 Wer sich aber von dem lebendigen Gott abwendet und anderen Göttern
nachläuft, der kommt aus dem Kummer nicht mehr heraus. Diesen Göttern will ich
kein Opfer bringen und nicht einmal ihre Namen nennen.
Ps 16,5 Du, Herr, bist alles, was ich habe; du gibst mir alles, was ich brauche.
In deiner Hand liegt meine Zukunft.
Ps 16,6 Was du mir gibst, ist gut. Was du mir zuteilst, gefällt mir.
Ps 16,7 Ich preise den Herrn, denn er hilft mir, gute Entscheidungen zu treffen.
Tag und Nacht sind meine Gedanken bei ihm.
Ps 16,8 Ich sehe immer auf den Herrn. Er steht mir zur Seite, damit ich nicht
falle.
Ps 16,9 Darüber freue ich mich so sehr, dass ich es nicht für mich behalten
kann. Bei dir, Herr, bin ich in Sicherheit.
Ps 16,10 Denn du wirst mich nicht dem Tod und der Verwesung überlassen, ich
gehöre ja zu dir.
Ps 16,11 Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit
Freude, denn du bist bei mir. Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf.
Ps 17,1 Ein Gebet Davids. Herr, höre meine Bitte, verhilf mir zu meinem Recht!
Achte auf mein Schreien und höre mein Gebet, ich will dir nichts vormachen.
Ps 17,2 Wenn du dein Urteil fällst, dann sprich mich frei; du weißt doch, dass
ich unschuldig bin.
Ps 17,3 Du durchschaust meine geheimsten Gedanken und Gefühle, durchforschst
mich auch in der Nacht. Du prüfst mich, aber du findest nichts, nicht einmal zu
bösen Worten habe ich mich hinreißen lassen!
Ps 17,4 Dein Wort war mein einziger Maßstab - auch dann, wenn andere nicht
danach lebten. Von gewalttätigen Menschen habe ich mich fern gehalten.
Ps 17,5 Ich habe mich nach deinen Ordnungen gerichtet, nie bin ich davon
abgewichen.
Ps 17,6 Mein Gott, nun rufe ich dich an. Ich bin sicher, du antwortest mir. Lass
mich bei dir ein offenes Ohr finden und höre mein Gebet!
Ps 17,7 Du rettest alle, die bei dir vor deinen Feinden Schutz suchen. Zeige mir
immer wieder, dass du mich liebst!
Ps 17,8 Bewahre mich, wie man seinen Augapfel behütet! Verstecke mich, wie ein
Vogel seine Jungen,
Ps 17,9 vor den gottlosen Menschen, die mich hart bedrängen, vor meinen Feinden,
die mich umzingeln!
Ps 17,10 Sie sind hartherzig und ohne Mitgefühl, überheblich reden sie daher.
Ps 17,11 Wohin ich auch gehe - überall umringen sie mich. Sie warten nur darauf,
mich zu Fall zu bringen.
Ps 17,12 Sie sind wie Löwen, die im Versteck ihrer Beute auflauern, um sie zu
zerfleischen.
Ps 17,13 Greif ein, Herr, komm ihnen zuvor! Wirf sie zu Boden! Rette mich vor
dieser Mörderbande! Du hast doch die Macht dazu!
Ps 17,14 Bring mich vor ihnen in Sicherheit! Lass nicht zu, dass sie so
weiterleben wie bisher! Du wirst es ihnen heimzahlen, du wirst sie bestrafen!
Sogar ihre Kinder und Enkel wird dein Gericht noch treffen!
Ps 17,15 Mich aber sprichst du frei von Schuld. Mit eigenen Augen werde ich dich
schauen dürfen. Satt sehen will ich mich an dir, wenn ich erwache.
Ps 18,1 Von David, dem Diener Gottes. Nachdem der Herr ihn aus der Gewalt aller
Feinde und auch aus der Hand Sauls befreit hatte, sang er folgendes Danklied:
Ps 18,2 Ich liebe dich, Herr! Du bist meine Kraft!
Ps 18,3 Der Herr ist mein Fels, meine Festung und mein Erretter, mein Gott,
meine Zuflucht, mein sicherer Ort. Er ist mein Schild, mein starker Helfer,
meine Burg auf unbezwingbarer Höhe.
Ps 18,4 Ich preise dich, Herr! Wenn ich zu dir um Hilfe rufe, dann werde ich vor
meinen Feinden gerettet.
Ps 18,5 Ich war in Lebensgefahr, der Tod drohte mich zu verschlingen wie eine
mächtige Woge.
Ps 18,6 Hilflos musste ich zusehen, wie die tödliche Falle schon zuschnappte.
Ps 18,7 In äußerster Verzweiflung schrie ich zum Herrn. Ja, zu meinem Gott rief
ich um Hilfe. Da hörte er mich in seinem Tempel, mein Notschrei drang durch bis
an sein Ohr.
Ps 18,8 Plötzlich erbebte die Erde, selbst die Berge gerieten ins Wanken, denn
glühender Zorn hatte Gott gepackt.
Ps 18,9 Schwarzer Rauch quoll aus seiner Nase, aus seinem Mund loderten Flammen,
und glühende Kohlen wurden herausgeschleudert.
Ps 18,10 In dunklen Wolken kam Gott zur Erde.
Ps 18,11 Auf einem Cherub-Engel flog er daher und schwebte herab, vom Sturm
getragen.
Ps 18,12 Er verhüllte sich in Finsternis, verbarg sich in dichten und dunklen
Regenwolken.
Ps 18,13 Dann wurden sie von seinem Lichtglanz überstrahlt, Hagel und glühende
Kohlen prasselten nieder.
Ps 18,14 Ein Donnerschlag folgte dem anderen, und darin dröhnte die Stimme des
höchsten Gottes.
Ps 18,15 Er schoss seine Pfeile ab, und die Feinde stoben auseinander. Grelle
Blitze zuckten und verwirrten das feindliche Heer.
Ps 18,16 Sogar den Meeresboden konnte man sehen; offen lagen die Fundamente der
Erde da, als du, Herr, meine Feinde bedrohtest und vor Entrüstung schnaubtest.
Ps 18,17 Der Herr streckte mir seine Hand von oben entgegen und riss mich aus
den tosenden Fluten.
Ps 18,18 Er befreite mich von der Übermacht meiner Feinde, von allen, die mich
hassten, denn sie waren viel stärker als ich.
Ps 18,19 Sie hatten mich überfallen - was war das für ein schrecklicher Tag!
Aber der Herr hielt mich fest
Ps 18,20 und half mir aus Angst und Gefahr. Er befreite mich. So viel bin ich
ihm wert!
Ps 18,21 Weil ich im Recht war, half mir der Herr; er wusste, dass ich
unschuldig war, und darum rettete er mich.
Ps 18,22 Denn ich war ihm gehorsam, nie habe ich meinem Gott die Treue
gebrochen.
Ps 18,23 Seine Gebote hielt ich mir immer vor Augen, und seine Befehle schlug
ich nicht in den Wind.
Ps 18,24 Ich lebte so, dass er mir nichts vorwerfen konnte, und mied das Unrecht
wie die Pest.
Ps 18,25 So half mir der Herr, weil ich ihm die Treue hielt, er sah, dass ich
unschuldig war.
Ps 18,26 Wer dich liebt, Herr, den liebst auch du; wer ehrlich ist, den
enttäuschst du nicht.
Ps 18,27 Den Aufrichtigen gegenüber bist auch du aufrichtig, doch falsche
Menschen führst du hinters Licht.
Ps 18,28 Du hilfst denen, die sich helfen lassen und sich selbst nicht
überschätzen. Die Überheblichen aber stößt du von ihrem Thron.
Ps 18,29 Herr, du machst die Finsternis um mich hell, du gibst mir strahlendes
Licht.
Ps 18,30 Mit dir kann ich die Feinde angreifen; mit dir, mein Gott, kann ich
über Mauern springen.
Ps 18,31 Was für ein Gott! Sein Handeln ist vollkommen, und was er sagt, ist
wahr. Er beschützt alle, die zu ihm flüchten.
Ps 18,32 Gott allein ist der Herr über alles! Gibt es außer ihm noch einen, der
so stark und unerschütterlich ist wie ein Fels?
Ps 18,33 Nein! Gott allein gibt mir Kraft zum Kämpfen und ebnet mir meinen Weg.
Ps 18,34 Er macht mich gewandt und schnell, lässt mich laufen und springen wie
ein Hirsch. Selbst auf steilen Felsen gibt er mir festen Halt.
Ps 18,35 Er lehrt mich, die Waffen zu gebrauchen, und zeigt mir, wie ich auch
den stärksten Bogen noch spannen kann.
Ps 18,36 Herr, du hast mich beschützt und mir geholfen, du gabst mir Kraft. Du
hast dich zu mir herabgebeugt und mich groß gemacht.
Ps 18,37 Du hast mir alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, nie bin ich beim
Laufen gestürzt.
Ps 18,38 Ich jagte meinen Feinden nach und holte sie ein; ich kehrte erst um,
als auch der Letzte von ihnen gefallen war.
Ps 18,39 Ich schlug sie, bis sie nicht mehr aufstehen konnten und tot zu meinen
Füßen lagen.
Ps 18,40 Du, Herr, hast mir die Kraft für diesen Kampf gegeben, du hast mir zum
Sieg über meine Gegner verholfen.
Ps 18,41 Dass sie fliehen mussten, verdanke ich dir; alle, die mich hassten,
konnte ich umbringen.
Ps 18,42 Sie riefen um Hilfe, doch weit und breit war kein Retter. Sie schrien
zum Herrn, aber er hörte nicht mehr auf sie.
Ps 18,43 Ich rieb sie auf, zermalmte sie zu Staub, den der Wind verweht. Wie
Dreck von der Straße fegte ich sie fort.
Ps 18,44 Als ein Aufstand meines Volkes mich bedrohte, hast du mir geholfen, und
heute bin ich der Herrscher vieler Völker. Sogar Völker, die ich nicht kannte,
haben sich mir unterworfen.
Ps 18,45 Fremde sind mir ergeben und gehorchen mir aufs Wort.
Ps 18,46 Zitternd kamen sie aus ihren Festungen heraus und gaben ihren
Widerstand auf.
Ps 18,47 Der Herr lebt! Er ist mein schützender Fels - ich preise ihn! Ihn
allein will ich rühmen, denn er hat mich gerettet.
Ps 18,48 Er hat sich an meinen Feinden gerächt, ganze Völker hat er mir
unterworfen
Ps 18,49 und mich der Gewalt meiner grausamen Gegner entrissen. So ist mein
Gott! Du gabst mir den Sieg über meine Feinde, von diesen brutalen Menschen hast
du mich befreit.
Ps 18,50 Darum will ich dich loben, Herr. Alle Völker sollen es hören! Zu deiner
Ehre will ich singen.
Ps 18,51 Der Herr hat David, den König, aus großen Gefahren errettet. Ihm
erweist er seine Liebe, und auch seine Nachkommen wird er nicht im Stich lassen.
Ps 19,1 Ein Lied Davids.
Ps 19,2 Der Himmel verkündet Gottes Größe und Hoheit, das Firmament bezeugt
seine großen Schöpfungstaten.
Ps 19,3 Ein Tag erzählt es dem nächsten, und eine Nacht sagt es der anderen.
Ps 19,4 Ohne Worte reden sie, keinen Laut kann man hören.
Ps 19,5 Doch auf der ganzen Erde hört man diese Botschaft, sie erreicht noch die
fernsten Länder. Der Sonne hat Gott am Himmel ein Zelt aufgeschlagen.
Ps 19,6 Am Morgen geht sie auf und strahlt wie ein Bräutigam bei der Hochzeit.
Siegesgewiss wie ein Held beginnt sie ihren Lauf;
Ps 19,7 wo sie aufgeht und wo sie untergeht, berührt sie den Horizont. Nichts
bleibt vor ihrer Hitze verborgen.
Ps 19,8 Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es macht glücklich und froh. Auf
seine Gebote kann man sich verlassen. Sie machen auch den klug, der bisher
gedankenlos in den Tag hineinlebte.
Ps 19,9 Die Ordnungen des Herrn sind zuverlässig, sie erfreuen das Herz. Die
Befehle des Herrn sind klar; Einsicht gewinnt, wer auf sie achtet.
Ps 19,10 Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist gut, nie wird sie aufhören. Die Gebote,
die der Herr gegeben hat, sind richtig, vollkommen und gerecht.
Ps 19,11 Sie lassen sich nicht mit Gold aufwiegen, sie sind süßer als der beste
Honig.
Ps 19,12 Herr, ich gehöre zu dir. Wie gut, dass mich dein Gesetz vor falschen
Wegen warnt! Wer sich an deine Gebote hält, wird reich belohnt.
Ps 19,13 Wer aber kann erkennen, ob er nicht doch vom rechten Weg abkommt?
Vergib mir die Sünden, die ich selbst nicht bemerkt habe!
Ps 19,14 Bewahre mich vor gewissenlosen Menschen und lass nicht zu, dass sie
Macht über mich gewinnen; dann werde ich dir nie mehr die Treue brechen und frei
sein von schwerer Schuld.
Ps 19,15 Herr, lass dir meine Worte und meine Gedanken gefallen! Bei dir bin ich
geborgen, du bist mein Retter!
Ps 20,1 Ein Lied Davids.
Ps 20,2 Der Herr antworte dir, wenn du in großer Not bist, der Gott Jakobs
schütze dich!
Ps 20,3 Aus seinem Heiligtum auf dem Berg Zion komme er dir zu Hilfe!
Ps 20,4 Er beachte die Gaben, die du ihm bringst, deine Brandopfer nehme er
gnädig an!
Ps 20,5 Er gebe dir, was du von Herzen wünschst, was du dir vorgenommen hast,
lasse er gelingen!
Ps 20,6 Wenn er dich aus der Not befreit hat, werden wir vor Freude jubeln,
Fahnen hissen und Gott preisen. Der Herr erfülle alle deine Bitten!
Ps 20,7 Jetzt weiß ich, dass der Herr seinem König hilft, ihm antwortet aus
seinem Heiligtum im Himmel. Machtvoll greift er ein und rettet ihn.
Ps 20,8 Manche Völker schwören auf gepanzerte Kriegswagen und auf die Kampfkraft
ihrer Reiterheere. Wir aber vertrauen auf die Kraft des Herrn, unseres Gottes.
Ps 20,9 Sie wanken und stürzen, wir aber stehen fest und halten stand.
Ps 20,10 Herr, hilf dem König! Antworte uns, wenn wir zu dir rufen!
Ps 21,1 Ein Lied Davids.
Ps 21,2 Herr, der König jubelt laut vor Freude, denn du bist mächtig und hast
ihm den Sieg geschenkt.
Ps 21,3 Du gabst ihm, was er sich von Herzen wünschte, und seine Bitten schlugst
du nicht ab.
Ps 21,4 Mit Glück und Segen hast du ihn überschüttet und ihm eine goldene Krone
aufs Haupt gesetzt.
Ps 21,5 Er bat dich um langes Leben, und du gewährtest ihm unendlich reiche
Jahre.
Ps 21,6 Durch deine Hilfe ist er zu Ruhm und Ehren gelangt, Majestät und Würde
hast du ihm verliehen.
Ps 21,7 Du hast ihn dazu auserwählt, deinen Segen für alle Zeiten
weiterzutragen. Weil du ihm nahe bist, bleibt seine Freude ungetrübt.
Ps 21,8 Der König vertraut dem Herrn; und durch die Hilfe des Herrn bleibt seine
Macht für immer gesichert.
Ps 21,9 Du wirst alle deine Feinde zur Rechenschaft ziehen, dein Gericht wird
alle treffen, die dich hassen.
Ps 21,10 Wenn du dich ihnen zeigst, wirst du sie verzehren wie Feuer. Der Herr
wird sie in seinem glühenden Zorn vernichten.
Ps 21,11 Keiner ihrer Nachkommen wird überleben, denn du wirst diese Brut
ausrotten.
Ps 21,12 Sie haben eine Verschwörung gegen dich angezettelt; mit hinterhältigen
Plänen wollten sie dich zu Fall bringen, aber sie sind zum Scheitern verurteilt.
Ps 21,13 Kaum zielst du mit deinem Kampfbogen auf sie, ergreifen sie schon die
Flucht.
Ps 21,14 Herr, zeige ihnen deine Macht! Wir wollen deine großen Siege besingen
und dich preisen.
Ps 22,1 Ein Lied Davids, nach der Melodie: »Eine Hirschkuh früh am Morgen.«
Ps 22,2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bist du so
weit weg und hörst mein Stöhnen nicht?
Ps 22,3 Mein Gott! Den ganzen Tag rufe ich, aber du gibst mir keine Antwort. Ich
rufe in schlaflosen Nachtstunden, aber ich finde keine Ruhe.
Ps 22,4 Du bist doch der heilige Gott! Dein Volk Israel lobt dich mit seinen
Liedern.
Ps 22,5 Unsere Vorfahren haben dir vertraut, und du hast ihnen immer wieder
geholfen.
Ps 22,6 Zu dir schrien sie und wurden errettet. Sie vertrauten dir, und du hast
sie nicht enttäuscht.
Ps 22,7 Und was ist mit mir? Ein Wurm bin ich, kein Mensch mehr - Gespött der
Leute, alle behandeln mich wie Dreck.
Ps 22,8 Von allen Seiten werde ich verspottet. Wer mich sieht, verzieht sein
Gesicht und grinst schadenfroh.
Ps 22,9 »Überlass Gott deine Not!«, lästern sie, »der soll dir helfen! Er wird
dich schon nicht sitzen lassen! Du bist ja sein Liebling!«
Ps 22,10 Herr, du hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen. Schon an ihrer
Brust hast du mir Geborgenheit geschenkt.
Ps 22,11 Du bist mein Gott, seitdem mein Leben im Mutterleib begann. Seit der
Stunde meiner Geburt bin ich auf dich angewiesen.
Ps 22,12 Wende dich jetzt nicht ab von mir! Groß ist meine Angst! Weit und breit
gibt es keinen, der mir hilft.
Ps 22,13 Viele Feinde kesseln mich ein, umringen mich wie wilde Stiere.
Ps 22,14 Sie reißen ihr Maul auf wie brüllende Löwen, die ihre Beute
zerfleischen wollen.
Ps 22,15 Meine Kraft schwindet wie Wasser, das versickert, und alle meine
Knochen lösen sich voneinander. Mein Herz verkrampft sich vor Angst,
Ps 22,16 und meine ganze Kraft ist dahin. Die Zunge klebt mir am Gaumen. Du
lässt mich im Tode versinken.
Ps 22,17 Eine Meute übler Verbrecher umkreist mich, gierig wie wildernde Hunde.
Hände und Füße haben sie mir durchbohrt.
Ps 22,18 Ich kann alle meine Knochen zählen. Sie aber starren mich an, diese
schaulustigen Gaffer!
Ps 22,19 Schon teilen sie meine Kleider unter sich auf und losen um mein Gewand!
Ps 22,20 Herr, wende dich nicht länger von mir ab! Nur du kannst mir neue Kraft
geben, komm mir schnell zu Hilfe!
Ps 22,21 Rette mich vor dem tödlichen Schwert, bewahre mich vor der wilden
Hundemeute! Ich habe doch nur ein Leben!
Ps 22,22 Reiß mich aus dem Rachen der Löwen und rette mich vor den Hörnern
dieser wilden Stiere! Herr, du hast mich erhört!
Ps 22,23 Ich will meinen Brüdern deinen Namen bekannt machen, vor der ganzen
Gemeinde will ich dich loben und ehren.
Ps 22,24 Alle, die ihr den Herrn achtet, preist ihn! Ihr Nachkommen Jakobs, ehrt
ihn! Begegne ihm in Ehrfurcht, Volk Israel!
Ps 22,25 Er hat den Hilflosen nicht verachtet, über sein Elend setzte er sich
nicht hinweg. Nie wandte er sich von ihm ab! Er hat ihm geantwortet, als er um
Hilfe schrie.
Ps 22,26 Herr, jetzt habe ich allen Grund, dir vor der großen Gemeinde ein
Loblied zu singen. Was ich in meiner Not versprochen habe, löse ich jetzt ein;
alle, die dich ehren, sind meine Zeugen.
Ps 22,27 Die Armen werden sich wieder satt essen. Alle, die den Herrn kennen,
sollen ihn loben. Euer Leben lang werdet ihr nicht mehr zu kurz kommen!
Ps 22,28 Auch in den fernsten Ländern werden Menschen Gott erkennen und zu ihm
umkehren, ja, alle Völker werden sich vor ihm niederwerfen.
Ps 22,29 Denn der Herr regiert als König und herrscht über alle Völker.
Ps 22,30 Auch die Großen dieser Erde müssen sich niederwerfen vor ihm, sie, die
immer mehr als genug zu essen hatten. Vor ihm werden alle sterblichen Menschen
ihre Knie beugen.
Ps 22,31 Alle kommenden Generationen werden ihm dienen. Eine erzählt der
nächsten von Gott und von dem, was er Gutes getan hat.
Ps 22,32 Die noch nicht geboren sind, werden es hören und weitersagen: Gott ist
treu, auf seine Hilfe ist Verlass!
Ps 23,1 Ein Lied Davids. Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen.
Ps 23,2 Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen.
Ps 23,3 Er gibt mir neue Kraft. Er leitet mich auf sicheren Wegen, weil er der
gute Hirte ist.
Ps 23,4 Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht, denn du,
Herr, bist bei mir. Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab.
Ps 23,5 Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.
Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast und gibst mir mehr als genug.
Ps 23,6 Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang; in deinem
Haus darf ich für immer bleiben.
Ps 24,1 Ein Lied Davids. Dem Herrn gehört die ganze Welt und alles, was auf ihr
lebt.
Ps 24,2 Die Erde befestigte er über dem Wasser, ihre Fundamente legte er auf
Meeresgrund.
Ps 24,3 »Wer darf auf den Berg des Herrn gehen und seinen heiligen Tempel
betreten?«
Ps 24,4 »Jeder, der kein Unrecht tut und ein reines Gewissen hat. Jeder, der
keine fremden Götter anbetet und keinen falschen Eid schwört.
Ps 24,5 Einen solchen Menschen wird Gott reich beschenken und für schuldlos
erklären; der Herr ist sein Helfer!
Ps 24,6 Das gilt den Menschen, die sich nach dir richten und im Gebet deine Nähe
suchen, du Gott Jakobs.«
Ps 24,7 »Hebt euch aus den Angeln, ihr Tore! Öffnet euch weit, ihr alten
Portale, denn der König will einziehen, die höchste Majestät!«
Ps 24,8 »Wer ist denn dieser mächtige König?« »Es ist Gott, der Herr, der
Starke, der Held. Es ist der Herr, der siegreiche König!«
Ps 24,9 »Hebt euch aus den Angeln, ihr Tore! Öffnet euch weit, ihr alten
Portale, denn der König will einziehen, die höchste Majestät!«
Ps 24,10 »Wer ist denn dieser mächtige König?« »Es ist der Herr über Himmel und
Erde. Er ist der mächtige König!«
Ps 25,1 Von David. Herr, ich sehne mich nach dir!
Ps 25,2 Mein Gott, auf dich setze ich mein ganzes Vertrauen. Lass mich jetzt
nicht fallen! Gönne meinen Feinden nicht diesen Triumph über mich!
Ps 25,3 Ich weiß: Keiner wird scheitern, der auf dich hofft; wer aber treulos
ist und dich leichtfertig verlässt, der wird zu Fall kommen.
Ps 25,4 Herr, zeige mir, welchen Weg ich einschlagen soll, und lass mich
erkennen, was du von mir willst!
Ps 25,5 Schritt für Schritt lass mich erfahren, dass du zuverlässig bist. Du
bist der Gott, der mir hilft, du warst immer meine einzige Hoffnung.
Ps 25,6 Denke daran, dass du mir schon früher dein Erbarmen und deine Liebe
bewiesen hast!
Ps 25,7 Vergib mir die Sünden meiner Jugendzeit und vergiss meine mutwilligen
Vergehen! Erinnere dich an deine Barmherzigkeit und sei mir gnädig!
Ps 25,8 Der Herr ist gut und gerecht. Darum führt er die auf den richtigen Weg
zurück, die ihn verließen.
Ps 25,9 Allen, die ihre Schuld eingestehen, zeigt er, wie sie leben sollen und
was er von ihnen erwartet.
Ps 25,10 In Liebe und Treue führt er alle, die sich an seinen Bund und seine
Gebote halten.
Ps 25,11 Herr, mach deinem Namen Ehre und vergib mir meine schwere Schuld!
Ps 25,12 Was ist mit dem, der dem Herrn gehorcht? Der Herr zeigt ihm den
richtigen Weg.
Ps 25,13 Er schenkt ihm Glück und Wohlstand, und seine Nachkommen werden das
ganze Land erben.
Ps 25,14 Der Herr zieht die Menschen, die ihn ernst nehmen, ins Vertrauen. Er
lässt sie wissen, wozu er einen Bund mit seinem Volk geschlossen hat.
Ps 25,15 Hilfesuchend blicke ich zum Herrn, denn er wird mich aus der Schlinge
ziehen.
Ps 25,16 Wende dich mir zu, Herr, und rechne meine Schuld nicht an, denn ich bin
einsam und niedergeschlagen.
Ps 25,17 Mir ist angst und bange, nimm diese Last von meinem Herzen!
Ps 25,18 Sieh meinen Jammer und mein Elend an, und vergib mir alle meine Sünden!
Ps 25,19 Herr, meine Feinde sind nicht zu zählen. Abgrundtief hassen sie mich.
Ps 25,20 Bewahre mein Leben und rette mich! Lass mich nicht scheitern! Bei dir
suche ich Zuflucht.
Ps 25,21 Hilf mir, dass ich aufrichtig und ehrlich leben kann, Herr, ich
vertraue dir!
Ps 25,22 O Gott, erlöse Israel aus aller Not!
Ps 26,1 Von David. Herr, verschaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig! Dir
vertraue ich, nichts soll mich davon abbringen.
Ps 26,2 Vor dir, Herr, kann ich nichts verbergen, prüfe meine geheimsten
Gedanken und Gefühle!
Ps 26,3 Deine Liebe habe ich ständig vor Augen, und deine Treue bestimmt mein
Leben.
Ps 26,4 Ich lasse mich nicht mit denen ein, die ein falsches Spiel treiben. Von
Heuchlern halte ich mich fern.
Ps 26,5 Wenn sich Verbrecher zusammentun, bin ich nicht dabei; mit Gottlosen
will ich nichts zu schaffen haben.
Ps 26,6 Ich wasche meine Hände zum Zeichen meiner Unschuld, so darf ich mich
deinem Altar nähern und ihn feierlich umschreiten.
Ps 26,7 Dabei stimme ich ein Loblied an und erzähle von deinen Wundern.
Ps 26,8 Herr, der Tempel ist erfüllt von deiner Hoheit und Macht; an diesem Haus
hängt mein Herz.
Ps 26,9 Bring mich nicht um wie die Sünder; behandle mich nicht wie blutgierige
Mörder!
Ps 26,10 Wie viele Verbrechen haben sie auf dem Gewissen, wie viel
Bestechungsgeld ist durch ihre Hände gegangen!
Ps 26,11 Aber ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Hab Erbarmen mit mir
und rette mich!
Ps 26,12 Jetzt bin ich sicher vor allen Gefahren. Dafür lobe ich dich vor deiner
Gemeinde, du mein Herr!
Ps 27,1 Von David. Der Herr ist mein Licht, er rettet mich. Vor wem sollte ich
mich noch fürchten? Bei ihm bin ich geborgen wie in einer Burg. Vor wem sollte
ich noch zittern und zagen?
Ps 27,2 Wenn mich gewissenlose Leute in die Enge treiben und mir nach dem Leben
trachten, wenn sie mich bedrängen und mich offen anfeinden, werden sie dennoch
stürzen und umkommen!
Ps 27,3 Selbst wenn eine ganze Armee gegen mich aufmarschiert, fürchte ich mich
nicht. Auch wenn sie einen Krieg gegen mich beginnen, bleibe ich ruhig und
zuversichtlich.
Ps 27,4 Um eines habe ich den Herrn gebeten; das ist alles, was ich will:
Solange ich lebe, möchte ich im Hause des Herrn bleiben. Dort will ich erfahren,
wie gut der Herr es mit mir meint, still nachdenken im heiligen Zelt.
Ps 27,5 Er bietet mir Schutz in schwerer Zeit und versteckt mich in seinem Zelt.
Er stellt mich auf einen hohen Felsen,
Ps 27,6 unerreichbar für meine Feinde ringsumher. In seinem Tempel will ich
Opfer bringen, und die Posaunen sollen blasen; dankbar will ich für den Herrn
singen und auf der Harfe spielen.
Ps 27,7 Höre mich, Herr, wenn ich rufe! Hab Erbarmen mit mir und antworte!
Ps 27,8 Denn ich erinnere mich, dass du gesagt hast: »Suchet meine Nähe!« Das
will ich jetzt tun und zu dir beten.
Ps 27,9 Verbirg dich nicht vor mir, stoße mich nicht im Zorn zurück! Ich diene
dir, und du hast mir bisher immer geholfen. Gib mich nicht auf, verlass mich
nicht, du mein Gott und mein Retter!
Ps 27,10 Wenn Vater und Mutter mich verstoßen, nimmst du, Herr, mich doch auf.
Ps 27,11 Zeige mir, was ich tun soll! Führe mich auf sicherem Weg, meinen
Feinden zum Trotz.
Ps 27,12 Liefere mich nicht ihrer Rachgier aus! Falsche Zeugen verklagen mich,
speien Gift und Galle.
Ps 27,13 Ich aber vertraue darauf, dass ich am Leben bleibe und sehen werde, wie
gut Gott zu mir ist.
Ps 27,14 Vertraue auf den Herrn! Sei stark und mutig, vertraue auf den Herrn!
Ps 28,1 Von David. Nur bei dir, Herr, finde ich Schutz, darum rufe ich zu dir.
Hülle dich nicht in Schweigen! Wenn du mir die Hilfe verweigerst, werde ich bald
sterben und unter der Erde liegen.
Ps 28,2 Höre, ich flehe dich an, ich schreie zu dir und hebe die Hände zum Gebet
empor. Nach Jerusalem wende ich mich, dorthin, wo dein Heiligtum steht.
Ps 28,3 Bring mich nicht um wie die Gottlosen! Soll es mir so gehen wie denen,
die nur Böses im Schilde führen? Mit ihren Mitmenschen reden sie freundlich,
aber im Herzen schmieden sie finstere Pläne.
Ps 28,4 Zahle es ihnen heim; gib ihnen, was sie für ihre gemeinen Taten
verdienen! Das Unheil, das sie angerichtet haben, soll sie selbst treffen.
Ps 28,5 Sie missachten, was der Herr getan hat, und sein Handeln ist ihnen
gleichgültig. Deshalb wird er sie vernichten, und niemand wird übrig bleiben.
Ps 28,6 Lobt den Herrn, denn er hat meinen Hilfeschrei gehört!
Ps 28,7 Er hat mir neue Kraft geschenkt und mich beschützt. Ich habe ihm
vertraut, und er hat mir geholfen. Jetzt kann ich wieder jubeln! Mit meinem Lied
will ich ihm danken.
Ps 28,8 Der Herr beschützt sein Volk, er verteidigt und rettet seinen
auserwählten König.
Ps 28,9 Herr, hilf deinem Volk! Segne uns, denn wir gehören zu dir. Führe uns
wie ein Hirte, und sorge allezeit für uns!
Ps 29,1 Ein Lied Davids. Lobt den Herrn, ihr mächtigen Engel, preist seine Größe
und Macht!
Ps 29,2 Ehrt seinen herrlichen Namen! Werft euch vor ihm nieder, wenn ihr ihm,
dem heiligen Gott, begegnet!
Ps 29,3 Die Stimme des Herrn erschallt über die Meere, der erhabene Gott lässt
den Donner grollen. Er ist der Herr, der über den Weltmeeren thront.
Ps 29,4 Wie gewaltig ist seine Stimme, wie herrlich und furchtbar zugleich!
Ps 29,5 Sie spaltet mächtige Bäume, ja, der Herr zersplittert die starken
Libanonzedern.
Ps 29,6 Das Libanongebirge lässt er wie ein Kalb hüpfen, der Berg Hermon springt
wie ein junger Stier.
Ps 29,7 Die Stimme des Herrn lässt Blitze zucken,
Ps 29,8 sie erschüttert die Wüste, ja, die Wüste Kadesch bebt.
Ps 29,9 Die Hirschkühe kalben, wenn der Donner des Herrn sie in Schrecken
versetzt, sein tosender Sturm reißt die Wälder kahl. In seinem Heiligtum rufen
alle: »Ehre sei dem Herrn!«
Ps 29,10 Der Herr thront über den Fluten, als König herrscht er für alle Zeit.
Ps 29,11 Der Herr wird seinem Volk Macht verleihen, er wird es segnen und ihm
Frieden schenken.
Ps 30,1 Ein Lied Davids. Es wurde zur Einweihung des Tempels gesungen.
Ps 30,2 Ich will dich loben, du erhabener Gott, denn du hast mich aus der Tiefe
heraufgezogen! Du hast nicht zugelassen, dass sich die Feinde über mein Unglück
freuen.
Ps 30,3 Herr, mein Gott! Zu dir schrie ich um Hilfe, und du hast mich geheilt.
Ps 30,4 Ich war schon mehr tot als lebendig, doch du hast mich dem sicheren Tod
entrissen und mir das Leben neu geschenkt.
Ps 30,5 Singt dem Herrn eure Lieder, alle, die ihr seine Gnade erfahren habt!
Dankt ihm und bezeugt: Er ist der heilige Gott!
Ps 30,6 Nur einen Augenblick streift uns sein Zorn, aber ein Leben lang währt
seine Güte. Wenn wir am Abend noch weinen und traurig sind, so können wir am
Morgen doch vor Freude wieder jubeln.
Ps 30,7 Als ich erfolgreich war und in Sicherheit lebte, dachte ich: »Was kann
mir schon passieren?«
Ps 30,8 Denn du, Herr, hast mein Königreich aufblühen lassen, alles hatte ich
deiner Güte zu verdanken. Dann aber hast du dich von mir abgewandt, und mich
packte das Entsetzen.
Ps 30,9 Ich flehte um Erbarmen und schrie zu dir:
Ps 30,10 »Was hast du davon, wenn ich jetzt sterbe? Kann ein Toter dir noch
danken, kann er deine Treue noch rühmen?
Ps 30,11 Herr, höre mich! Hab Erbarmen und hilf mir!«
Ps 30,12 Du hast mein Klagelied in einen Freudentanz verwandelt. Du hast mir die
Trauerkleider ausgezogen und mich mit einem Festgewand bekleidet.
Ps 30,13 Nun kann ich dich mit meinen Liedern loben, nie will ich verschweigen,
was du für mich getan hast. Immer und ewig will ich dir danken, mein Herr und
mein Gott!
Ps 31,1 Ein Lied Davids.
Ps 31,2 Bei dir, Herr, suche ich Schutz. Lass meine Feinde mich nie besiegen!
Hilf mir und rette mich, du gerechter Gott!
Ps 31,3 Höre mein Gebet! Hilf mir schnell! Bringe mich in Sicherheit! Wie in
einer Burg auf hohem Berg beschütze mich!
Ps 31,4 Ja, Herr, du tust es: Du bietest mir Schutz, du bist meine Burg! Du
wirst mich führen und leiten, wie du es versprochen hast!
Ps 31,5 Du wirst mich aus der Schlinge ziehen, die meine Feinde mir heimlich
gelegt haben! Ja, du bist meine einzige Zuflucht.
Ps 31,6 Mit Leib und Seele vertraue ich mich dir an, denn du erlöst mich, Herr,
du treuer Gott!
Ps 31,7 Ich hasse es, wenn Menschen anderen Göttern nachlaufen, daher vertraue
ich dem Herrn.
Ps 31,8 Ich juble vor Freude, weil du mich liebst. Dir ist meine Not nicht
entgangen; du hast erkannt, wie niedergeschlagen ich bin.
Ps 31,9 Du hast mich vor meinen Feinden bewahrt; jetzt bin ich frei, zu gehen,
wohin ich will.
Ps 31,10 Herr, erbarme dich über mich, denn ich weiß weder aus noch ein! Meine
Augen sind vom Weinen ganz verquollen, ich bin mit meiner Kraft am Ende.
Ps 31,11 Unter Kummer schwindet mein Leben dahin, in Seufzen vergehen meine
Jahre. Meine Schuld verzehrt alle Kräfte und lähmt meine Glieder.
Ps 31,12 Zum Spott meiner Feinde bin ich geworden, selbst meine Nachbarn
verhöhnen mich. Meine Bekannten erschrecken, wenn sie mich erblicken, und wer
mir auf der Straße begegnet, geht mir aus dem Weg.
Ps 31,13 Viele haben mich längst vergessen wie einen Toten, den man begraben
hat; wie ein zerbrochenes Gefäß bin ich, das achtlos weggeworfen wurde.
Ps 31,14 Ich merke, wie sie hinter meinem Rücken tuscheln. Sie wollen mir Angst
einjagen und tun sich zusammen, um mich aus dem Weg zu räumen.
Ps 31,15 Ich aber, Herr, vertraue dir. Du bist mein Gott, daran halte ich fest!
Ps 31,16 Was die Zeit auch bringen mag, es liegt in deiner Hand. Rette mich vor
meinen Feinden und Verfolgern!
Ps 31,17 Lass mich deine Nähe erfahren, ich gehöre doch zu dir! Sei mir gnädig
und rette mich!
Ps 31,18 Herr, ich rufe zu dir, denn ich will nicht an meinen Feinden
zerbrechen. Sie aber sollen scheitern, sie sollen umkommen, damit sie endlich
stumm sind!
Ps 31,19 Ja, verstummen sollen diese Lügner, die den Unschuldigen verleumden.
Wie überheblich diese Leute sind, und wie verächtlich reden sie daher!
Ps 31,20 Doch groß ist deine Güte, Herr! Du hältst sie bereit für die Menschen,
die dich ernst nehmen. Vor aller Augen zeigst du sie denen, die bei dir Zuflucht
suchen.
Ps 31,21 Du gibst ihnen Schutz in deiner Nähe, so kann ihnen keine Verschwörung
etwas anhaben. Du bewahrst sie vor dem zänkischen Geschwätz ihrer Feinde.
Ps 31,22 Gepriesen sei der Herr! Ich war eingeschlossen in einer belagerten
Stadt, doch auch dort habe ich deine wunderbare Liebe erfahren.
Ps 31,23 Entsetzt hatte ich schon gedacht: »Herr, du hast mich verstoßen!« Du
aber hörtest mich, als ich um Hilfe schrie.
Ps 31,24 Liebt den Herrn, alle, die ihr ihm gerne dient! Wer treu zu ihm hält,
steht unter seinem Schutz, doch wer ihm selbstgerecht begegnet, dem zahlt er es
doppelt heim.
Ps 31,25 Seid stark und mutig, alle, die ihr dem Herrn vertraut!
Ps 32,1 Ein Lied Davids, zum Nachdenken. Glücklich sind alle, denen Gott ihre
Sünden vergeben und ihre Schuld zugedeckt hat!
Ps 32,2 Glücklich ist der Mensch, dem Gott seine Sünden nicht anrechnet, und der
mit Gott kein falsches Spiel treibt!
Ps 32,3 Erst wollte ich dir, Herr, meine Schuld verheimlichen. Doch davon wurde
ich so schwach und elend, dass ich nur noch stöhnen konnte.
Ps 32,4 Tag und Nacht bedrückte mich dein Zorn, meine Lebenskraft vertrocknete
wie Wasser in der Sommerhitze.
Ps 32,5 Da endlich gestand ich dir meine Sünde; mein Unrecht wollte ich nicht
länger verschweigen. Ich sagte: »Ich will dem Herrn meine Vergehen bekennen!«
Und wirklich: Du hast mir meine ganze Schuld vergeben!
Ps 32,6 Darum sollen auch alle, die dich lieben, Herr, zu dir beten. Wer dich
zur rechten Zeit anruft, der bleibt verschont von den Wogen des Unheils.
Ps 32,7 Bei dir bin ich in Sicherheit; du lässt nicht zu, dass ich vor Angst und
Not umkomme. Ich singe und juble: »Du hast mich befreit!«
Ps 32,8 Und du sprichst zu mir: »Ich will dich lehren und dir sagen, wie du
leben sollst; ich berate dich, nie verliere ich dich aus den Augen.
Ps 32,9 Sei nicht wie ein Pferd oder ein Maultier ohne Verstand! Wenn sie wild
ausschlagen, musst du sie mit Zaum und Zügel bändigen, sonst folgen sie dir
nicht!«
Ps 32,10 Wer Gottes Weisungen in den Wind schlägt, der schafft sich Not und
Schmerzen. Wer jedoch dem Herrn vertraut, den wird Gottes Güte umgeben.
Ps 32,11 Freut euch an ihm und jubelt laut, die ihr zum Herrn gehört! Singt vor
Freude, die ihr Gott gehorcht!
Ps 33,1 Jubelt über den Herrn, alle, die ihr zu ihm gehört! Preist ihn, denn das
ist eure schönste Aufgabe!
Ps 33,2 Dankt dem Herrn auf der Zither und spielt für ihn auf der Harfe!
Ps 33,3 Singt ihm ein neues Lied! Schlagt in die Saiten, so gut und so laut ihr
könnt!
Ps 33,4 Denn was der Herr sagt, das meint er auch so, und auf das, was er tut,
kann man sich verlassen.
Ps 33,5 Er liebt Recht und Gerechtigkeit, seine Güte könnt ihr auf der ganzen
Erde erfahren.
Ps 33,6 Nur ein Wort sprach er, und der Himmel wurde geschaffen, Sonne, Mond und
Sterne entstanden, als er es befahl.
Ps 33,7 Er sammelte das Wasser des Meeres an einem Ort und speicherte die Ozeane
in Becken.
Ps 33,8 Die ganze Welt soll den Herrn fürchten, ehrt ihn, ihr Völker der Erde!
Ps 33,9 Denn er sprach, und es geschah, er befahl, und die Erde war da.
Ps 33,10 Er durchkreuzt die Pläne der Nationen, er macht die gottlosen Vorhaben
der Völker zunichte.
Ps 33,11 Doch was er sich vorgenommen hat, das tut er; seine Pläne sind gültig
für alle Zeit.
Ps 33,12 Glücklich ist die Nation, deren Gott der Herr ist! Freuen kann sich das
Volk, das er als sein Eigentum erwählte!
Ps 33,13 Der Herr schaut vom Himmel herab und sieht jeden Menschen.
Ps 33,14 Von seinem Thron blickt er nieder auf alle Völker der Erde.
Ps 33,15 Er gibt ihnen die Fähigkeit zum Denken und Handeln; über alles, was sie
tun, weiß er Bescheid.
Ps 33,16 Kein König siegt durch seine Streitkräfte; kein Soldat kehrt heil aus
der Schlacht zurück, nur weil er so stark ist.
Ps 33,17 Wer meint, Reiterheere bringen den Sieg, der hat sich getäuscht. Sie
können noch so groß sein und dennoch vernichtend geschlagen werden.
Ps 33,18 Der Herr aber beschützt alle, die ihm gehorchen und auf seine Gnade
vertrauen.
Ps 33,19 Er bewahrt sie vor dem sicheren Tod, und in der Hungersnot erhält er
sie am Leben.
Ps 33,20 Wir setzen unsere Hoffnung auf den Herrn, er steht uns bei und rettet
uns.
Ps 33,21 Er ist unsere ganze Freude; wir vertrauen ihm, dem heiligen Gott.
Ps 33,22 Herr, lass uns deine Güte erfahren, wir hoffen doch auf dich!
Ps 34,1 Von David. Er verfasste dieses Lied, nachdem er sich vor Abimelech
wahnsinnig gestellt hatte und darum weggejagt wurde.
Ps 34,2 Ich will den Herrn allezeit preisen; nie will ich aufhören, ihn zu
rühmen.
Ps 34,3 Mit Leib und Seele lobe ich ihn; wer entmutigt ist, soll es hören und
sich freuen!
Ps 34,4 Preist mit mir diesen großen Herrn, lasst uns gemeinsam seinen Namen
bekannt machen!
Ps 34,5 Als ich den Herrn um Hilfe bat, antwortete er mir und befreite mich von
meinen Ängsten.
Ps 34,6 Wer zum Herrn aufschaut, der strahlt vor Freude, und sein Vertrauen wird
nie enttäuscht.
Ps 34,7 Ich war am Ende, da schrie ich zum Herrn, und er hörte mich; aus aller
Bedrängnis hat er mich befreit.
Ps 34,8 Der Engel des Herrn stellt sich schützend vor alle, die Gott ernst
nehmen, und bringt sie in Sicherheit.
Ps 34,9 Probiert es aus und erlebt selbst, wie gut der Herr ist! Glücklich ist,
wer bei ihm Zuflucht sucht!
Ps 34,10 Begegnet dem Herrn mit Ehrfurcht, alle, die ihr zu ihm gehört! Denn wer
ihn ernst nimmt, der muss keinen Mangel leiden.
Ps 34,11 Selbst kräftige junge Löwen finden manchmal keine Beute und müssen
hungern, wer aber dem Herrn gehorcht, dem fehlt es an nichts.
Ps 34,12 Ihr jungen Leute, hört mir zu! Ich will euch zeigen, wie ihr dem Herrn
dienen könnt!
Ps 34,13 Wollt ihr das Leben genießen und gute Tage erleben?
Ps 34,14 Dann passt auf, was ihr redet: Lügt nicht und verleumdet niemanden!
Ps 34,15 Wendet euch ab von allem Bösen und tut Gutes! Setzt euch unermüdlich
und mit ganzer Kraft für den Frieden ein!
Ps 34,16 Denn Gott sieht mit Freude auf solche Menschen und wird ihre Gebete
erhören.
Ps 34,17 Alle jedoch, die Böses tun, werden seinen Zorn zu spüren bekommen. Er
sorgt dafür, dass niemand mehr an sie denkt, sobald sie gestorben sind.
Ps 34,18 Wenn aber aufrichtige Menschen zu ihm rufen, hört er sie und rettet sie
aus jeder Not.
Ps 34,19 Der Herr ist denen nahe, die verzweifelt sind, und rettet jeden, der
alle Hoffnung verloren hat.
Ps 34,20 Zwar bleiben auch dem, der treu zu Gott steht, Schmerz und Leid nicht
erspart; doch aus allem befreit ihn der Herr!
Ps 34,21 Vor schwerem Schaden bewahrt er ihn, kein Knochen soll ihm gebrochen
werden.
Ps 34,22 Wer Böses tut, den bringt seine Bosheit um; und wer den Aufrichtigen
hasst, muss die Folgen tragen.
Ps 34,23 Doch der Herr erlöst alle, die ihm von Herzen dienen. Niemand, der bei
ihm Zuflucht sucht, muss sein Strafgericht fürchten.
Ps 35,1 Von David. Herr, widersetze dich denen, die sich gegen mich stellen!
Bekämpfe, die mich bekämpfen!
Ps 35,2 Greif zu den Waffen und eile mir zu Hilfe!
Ps 35,3 Nimm den Speer und stell dich meinen Verfolgern in den Weg! Versprich
mir, dass du mir beistehst!
Ps 35,4 Schimpf und Schande über alle, die mich umbringen wollen! Sie, die Böses
gegen mich planen, sollen bloßgestellt werden und fliehen!
Ps 35,5 Wie dürres Laub sollen sie vom Wind verweht werden, wenn der Engel des
Herrn sie fortjagt.
Ps 35,6 Ihr Weg sei finster und glatt, wenn der Engel des Herrn sie verfolgt!
Ps 35,7 Ohne Ursache haben sie mir eine Falle gestellt, ich habe ihnen doch
nichts getan!
Ps 35,8 Ohne Vorwarnung breche das Verderben über sie herein! In ihre eigene
Falle sollen sie laufen und darin umkommen!
Ps 35,9 Ich aber werde jubeln und mich freuen, wenn der Herr eingreift und mir
hilft.
Ps 35,10 Alle meine Glieder werden einstimmen und dich loben: »Herr, niemand ist
wie du!« Du beschützt den Schwachen vor dem Starken und rettest den Armen und
Wehrlosen vor dem Räuber.
Ps 35,11 Falsche Zeugen treten gegen mich auf und werfen mir Verbrechen vor, die
ich nie begangen habe!
Ps 35,12 Was ich ihnen Gutes getan habe, zahlen sie mir mit Bösem heim. Ich bin
einsam und verzweifelt.
Ps 35,13 Wenn einer von ihnen schwer krank war, zog ich Trauerkleidung an,
fastete für ihn und betete mit gesenktem Kopf.
Ps 35,14 Ich verhielt mich so, als ob er mein Freund oder Bruder wäre. Ich trug
dunkle Kleider und lief traurig umher - wie jemand, der um seine Mutter weint.
Ps 35,15 Jetzt aber ist das Unglück über mich hereingebrochen, und voll
Schadenfreude laufen sie zusammen. Auch Leute, die ich nicht kenne,
hergelaufenes Gesindel, ziehen pausenlos über mich her.
Ps 35,16 Zynische Spötter sind es, wie Hunde fletschen sie ihre Zähne gegen
mich.
Ps 35,17 Herr, wie lange willst du noch untätig zusehen? Wie gereizte Löwen
gehen sie auf mich los! Rette mich! Ich habe doch nur ein Leben!
Ps 35,18 Dann will ich dir in der Gemeinde danken, vor allem Volk will ich dich
loben.
Ps 35,19 Meine Feinde, die mich ohne Grund hassen, sollen nicht länger über mich
triumphieren! Ohne die geringste Ursache hassen sie mich und zwinkern einander
vielsagend zu.
Ps 35,20 Was sie sagen, dient nicht dem Frieden, und gegen friedfertige Menschen
erfinden sie falsche Anschuldigungen.
Ps 35,21 Sie reißen das Maul weit auf und rufen mir zu: »Haha! Da haben wir's!
Wir haben genau gesehen, was du getan hast!«
Ps 35,22 Herr, du siehst, was hier gespielt wird! Schweige nicht länger und
bleib nicht fern von mir!
Ps 35,23 Greif doch endlich ein und verschaffe mir Recht! Mein Herr und mein
Gott, führe du meinen Rechtsstreit!
Ps 35,24 Weil du ein gerechter Richter bist, wirst du mich freisprechen, Herr,
mein Gott! Dann können sie mich nicht länger schadenfroh verhöhnen.
Ps 35,25 Niemals mehr sollen sie sagen können: »Ha, wir haben's geschafft! Den
haben wir fertig gemacht!«
Ps 35,26 All denen, die sich über mein Unglück freuen, soll ihr böser Plan
misslingen. Schimpf und Schande über diese großspurigen Leute!
Ps 35,27 Doch alle, die meinen Freispruch wünschen, sollen vor Freude jubeln und
immer wieder sagen: »Der Herr ist groß! Er will, dass jeder, der ihm dient, in
Frieden leben kann.«
Ps 35,28 Ich will immer davon reden, wie gerecht du bist und wie gerecht du
handelst. Tag für Tag will ich dich loben!
Ps 36,1 Von David, dem Diener des Herrn.
Ps 36,2 Der Gottlose wird durch und durch von der Sünde beherrscht; vor Gott hat
er keine Ehrfurcht.
Ps 36,3 Er bildet sich etwas darauf ein, Unrecht zu tun und andere zu hassen.
Ps 36,4 Was er sagt, ist Lug und Trug. Längst hat er aufgehört, sinnvoll zu
handeln und Gutes zu tun.
Ps 36,5 Noch vor dem Einschlafen schmiedet er finstere Pläne. Bewusst hat er
sich für das Böse entschieden und lässt sich davon nicht abbringen.
Ps 36,6 Herr, deine Güte ist unvorstellbar weit wie der Himmel, und deine Treue
reicht so weit, wie die Wolken ziehen.
Ps 36,7 Deine Gerechtigkeit ist unerschütterlich wie die mächtigen Berge, deine
Entscheidungen sind unermesslich wie das tiefe Meer. Mensch und Tier erfahren
deine Hilfe, o Herr!
Ps 36,8 Wie kostbar ist deine Güte, o Gott: Bei dir finden Menschen Schutz und
Sicherheit.
Ps 36,9 Aus deinem Überfluss schenkst du ihnen mehr als genug, mit Freude und
Wonne überschüttest du sie.
Ps 36,10 Du bist die Quelle - alles Leben strömt aus dir. In deinem Licht sehen
wir das Licht.
Ps 36,11 Erhalte deine Liebe denen, die dich kennen, und zeige deine Treue
allen, die dir von ganzem Herzen dienen!
Ps 36,12 Lass nicht zu, dass hochmütige Menschen meine Ehre in den Dreck ziehen
und dass Unheilstifter mich fortjagen!
Ps 36,13 Da! Sie stürzen zu Boden und sind unfähig, wieder aufzustehen!
Ps 37,1 Von David. Entrüste dich nicht über die Unheilstifter und beneide nicht
die Menschen, die Böses tun!
Ps 37,2 Denn sie verdorren so schnell wie Gras, wie Blumen welken sie dahin.
Ps 37,3 Verlass dich auf den Herrn und tue Gutes! Bleibe in Israel, dem
verheißenen Land, und halte dich immer an die Wahrheit!
Ps 37,4 Freue dich über den Herrn; er wird dir alles geben, was du dir von
Herzen wünschst.
Ps 37,5 Vertrau dich dem Herrn an und sorge dich nicht um deine Zukunft!
Überlass sie Gott, er wird es richtig machen.
Ps 37,6 Dass du ihm treu bist, wird dann keiner mehr leugnen können; dass du
Recht hast, wird für jeden sichtbar sein.
Ps 37,7 Sei geduldig und warte darauf, dass der Herr eingreift! Entrüste dich
nicht, wenn Menschen böse Pläne schmieden und ihnen dabei alles gelingt!
Ps 37,8 Lass dich nicht von Zorn und Wut überwältigen, denn wenn du dich
ereiferst, gerätst du schnell ins Unrecht.
Ps 37,9 Wer Böses tut, den wird Gott ausrotten. Wer jedoch dem Herrn vertraut,
der wird das Land besitzen.
Ps 37,10 Es dauert nicht mehr lange, dann ist es mit den Bösen aus und vorbei!
Wo sind sie geblieben? Nicht die Spur wirst du noch von ihnen finden!
Ps 37,11 Doch alle, die auf Gewalt verzichten, werden dann das Land besitzen und
ihr Glück kaum fassen können.
Ps 37,12 Zähneknirschend planen die Gottlosen Böses gegen alle, die Gott die
Treue halten.
Ps 37,13 Der Herr aber lacht über sie, weil er weiß: der Tag der Abrechnung
kommt!
Ps 37,14 Gewissenlose Leute zücken ihr Schwert und spannen den Bogen. Sie wollen
die Unterdrückten und Wehrlosen töten und alle beseitigen, die aufrichtig sind.
Ps 37,15 Doch ihr Schwert dringt ihnen ins eigene Herz, und ihre Bogen
zersplittern.
Ps 37,16 Lieber wenig besitzen und tun, was Gott will, als in Saus und Braus
leben und Gott verachten.
Ps 37,17 Denn der Herr lässt machtgierige Menschen scheitern, aber er kümmert
sich liebevoll um alle, die ihm treu bleiben.
Ps 37,18 Tag für Tag sorgt er für sie; das versprochene Land bleibt für immer
ihr Besitz.
Ps 37,19 In Zeiten der Not werden sie nicht umkommen. Sogar dann, wenn Hunger
herrscht, macht der Herr sie satt.
Ps 37,20 Die Gottlosen jedoch gehen zugrunde. Die Feinde des Herrn verschwinden
so schnell, wie Wiesenblumen verblühen; wie Rauch werden sie vergehen.
Ps 37,21 Der Gewissenlose leiht sich Geld und zahlt es nicht zurück. Doch wer
Gott gehorcht, ist freundlich und schenkt gerne.
Ps 37,22 Menschen, die Gott segnet, werden das Land besitzen; ausrotten aber
wird er alle, auf denen sein Fluch liegt.
Ps 37,23 Wenn ein Mensch seinen Weg zielstrebig gehen kann, verdankt er das dem
Herrn, der ihn liebt.
Ps 37,24 Und wenn er einmal fällt, bleibt er nicht am Boden liegen, denn der
Herr hilft ihm wieder auf.
Ps 37,25 Ich bin nun ein alter Mann; doch in meinem langen Leben traf ich
niemanden, der Gott liebte und dennoch von ihm verlassen wurde. Auch seine
Kinder mussten nie um Brot betteln.
Ps 37,26 Im Gegenteil: Immer konnte er schenken und ausleihen, und auch seine
Kinder wurden von Gott gesegnet.
Ps 37,27 Geh dem Bösen aus dem Weg und tue Gutes, dann werden deine Nachkommen
für immer im verheißenen Land wohnen.
Ps 37,28 Denn der Herr liebt Gerechtigkeit und lässt keinen im Stich, der ihn
ehrt. Für alle Zeiten beschützt er ihn, aber die Nachkommen der Gottlosen wird
er vernichten.
Ps 37,29 Alle, die Gott vertrauen, werden das Land besitzen und es für immer
bewohnen.
Ps 37,30 Wer sich ganz auf Gott verlässt, dessen Worte sind weise und gerecht.
Ps 37,31 Die Gebote seines Gottes trägt er in seinem Herzen, darum kommt er
nicht vom richtigen Weg ab.
Ps 37,32 Wer sich jedoch gegen Gott durchsetzen will, der nutzt jede
Gelegenheit, um gerechte Menschen aus dem Weg zu räumen.
Ps 37,33 Aber der Herr lässt nicht zu, dass sie in seine Hände fallen und
unschuldig verurteilt werden.
Ps 37,34 Hoffe auf den Herrn und tue, was er dir sagt! Dann wirst du zu Ehren
kommen, und er wird dir das verheißene Land schenken. Du wirst sehen, wie er die
Gottlosen ausrottet.
Ps 37,35 Ich sah einen gottlosen Menschen, einen Tyrannen, der war mächtig wie
ein tief verwurzelter Baum, der alles überragt.
Ps 37,36 Später kam ich wieder vorbei, und er war weg. Ich suchte nach ihm, doch
er war spurlos verschwunden.
Ps 37,37 Achte auf die Menschen, die aufrichtig und ehrlich sind! Du wirst
sehen: Auch in Zukunft werden sie in Frieden leben.
Ps 37,38 Doch wer sich von Gott lossagt, der wird umkommen; seine Zukunft ist
der Tod.
Ps 37,39 Der Herr steht denen bei, die sich nach seinem Willen richten. Er
tröstet und stärkt sie in Zeiten der Not.
Ps 37,40 Bei ihm finden sie Hilfe und Rettung; ja, er rettet sie vor den
Gottlosen und steht ihnen zur Seite, denn bei ihm haben sie Zuflucht gesucht.
Ps 38,1 Ein Lied Davids, beim Gedächtnisopfer zu singen.
Ps 38,2 Herr, du lässt mich deinen Zorn spüren. Ich flehe dich an: Strafe mich
nicht länger!
Ps 38,3 Deine Pfeile haben sich in mich hineingebohrt, deine Hand drückt mich
nieder.
Ps 38,4 Weil ich unter deinem Strafgericht leide, habe ich keine heile Stelle
mehr am Körper. Weil mich die Sünde anklagt, sind alle meine Glieder krank.
Ps 38,5 Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen. Wie schwer ist diese Last!
Ich breche unter ihr zusammen.
Ps 38,6 Wie dumm war ich, dich zu vergessen! Das habe ich nun davon: meine
Wunden eitern und stinken!
Ps 38,7 Gekrümmt und von Leid zermürbt schleppe ich mich in tiefer Trauer durch
den Tag.
Ps 38,8 Von Fieber bin ich geschüttelt, die Haut ist mit Geschwüren übersät,
Ps 38,9 zerschlagen liege ich da, am Ende meiner Kraft. Vor Verzweiflung kann
ich nur noch stöhnen.
Ps 38,10 Herr, du kennst meine Sehnsucht, du hörst mein Seufzen!
Ps 38,11 Mein Herz rast, ich bin völlig erschöpft, und meine Augen versagen mir
den Dienst.
Ps 38,12 Meine Freunde und Nachbarn ekeln sich vor meinen Geschwüren. Sogar
meine Verwandten gehen mir aus dem Weg.
Ps 38,13 Meine Todfeinde stellen mir Fallen, sie wollen mich verleumden und
zugrunde richten. Ja, sie bringen mich in Verruf, wann immer sie nur können.
Ps 38,14 Und ich? Ich tue so, als hätte ich nichts gehört; ich schweige zu ihren
Anklagen wie ein Stummer.
Ps 38,15 Ich stelle mich taub und gebe ihnen keine Antwort.
Ps 38,16 Denn auf dich, Herr, hoffe ich, du wirst ihnen die passende Antwort
geben, mein Herr und mein Gott!
Ps 38,17 Lass nicht zu, dass sie über mich triumphieren und sich über mein
Unglück freuen!
Ps 38,18 Es fehlt nicht mehr viel, und ich liege am Boden, ständig werde ich von
Schmerzen gequält.
Ps 38,19 Ich bekenne dir meine Schuld, denn meine Sünde macht mir schwer zu
schaffen.
Ps 38,20 Übermächtig sind meine Feinde, und es gibt viele, die mich ohne jeden
Grund hassen.
Ps 38,21 Sie vergelten mir Gutes mit Bösem und feinden mich an, weil ich das
Gute tun will.
Ps 38,22 Herr, verlass mich nicht! Mein Gott, bleib nicht fern von mir!
Ps 38,23 Komm und hilf mir schnell! Du bist doch mein Herr und mein Retter!
Ps 39,1 Ein Lied Davids. Für Jedutun.
Ps 39,2 Ich hatte mir vorgenommen, vor bösen Menschen meine Zunge im Zaum zu
halten; ich wollte mich zusammennehmen und nichts sagen, was man mir als Schuld
anrechnen könnte.
Ps 39,3 Also verstummte ich und sagte kein Wort mehr. Aber das half mir auch
nicht weiter, mein Schmerz wurde nur noch schlimmer.
Ps 39,4 Ich fraß den Kummer in mich hinein. Je mehr ich darüber nachgrübelte,
desto tiefer geriet ich in Verzweiflung. Ich konnte es nicht mehr länger
aushalten - da schrie ich zu Gott:
Ps 39,5 »Herr, lass mich erkennen, wie kurz mein Leben ist und wie viel Zeit ich
noch habe; wie vergänglich bin ich doch!
Ps 39,6 Wie begrenzt ist das Leben, das du mir gegeben hast! Ein Nichts ist es
in deinen Augen! Jeder Mensch, selbst der stärkste, ist nur ein Hauch, der
vergeht -
Ps 39,7 schnell wie ein Schatten verschwindet er. Sein Tun und Treiben ist viel
Lärm um nichts! Er häuft sich Reichtümer an und weiß nicht, was einmal daraus
wird.«
Ps 39,8 Auf was kann ich da noch hoffen? Herr, du allein bist meine Hoffnung!
Ps 39,9 Vergib mir alle meine Sünden und mach mich nicht zum Gespött dieser
Narren!
Ps 39,10 Ich will jetzt schweigen und nichts mehr sagen, denn du, Herr, du lässt
mich leiden!
Ps 39,11 Befreie mich von den Qualen, die du mir zufügst! Wenn du mich weiter
plagst, komme ich um!
Ps 39,12 Wenn du einen Menschen wegen seiner Schuld strafst, dann vergeht das
Wertvollste, was er hat - sein Leben. Es zerfällt wie ein Kleid, das die Motten
zerfressen. Jeder Mensch ist nur ein Hauch, der vergeht.
Ps 39,13 Höre mein Gebet, Herr, und achte auf meinen Hilfeschrei! Schweige
nicht, wenn du mein Weinen vernimmst! Denn diese Welt wird nicht für immer meine
Heimat sein; schon meine Vorfahren sind hier nur Gäste und Fremde gewesen.
Ps 39,14 Strafe mich nicht länger in deinem Zorn, damit ich mich noch einmal
freuen kann, bevor ich sterben muss und nicht mehr bin!
Ps 40,1 Ein Lied Davids.
Ps 40,2 Voll Zuversicht hoffte ich auf den Herrn, und er wandte sich mir zu und
hörte meinen Hilfeschrei.
Ps 40,3 Ich war in eine verzweifelte Lage geraten - wie jemand, der bis zum Hals
in einer Grube voll Schlamm und Kot steckt! Aber er hat mich herausgezogen und
auf festen Boden gestellt. Jetzt haben meine Füße wieder sicheren Halt.
Ps 40,4 Er gab mir ein neues Lied in meinen Mund, einen Lobgesang für unseren
Gott. Das werden viele Leute hören, sie werden den Herrn wieder achten und ihm
vertrauen.
Ps 40,5 Glücklich ist, wer sein Vertrauen auf den Herrn setzt und sich nicht mit
den Überheblichen und den Lügnern einlässt!
Ps 40,6 Herr, mein Gott, du bist einzigartig! Du hast so viele Wunder getan,
alles hast du sorgfältig geplant! Wollte ich das schildern und beschreiben -
niemals käme ich zum Ende!
Ps 40,7 Tieropfer und Speiseopfer allein können dich nicht zufrieden stellen; du
verlangst nicht, dass man dir Tiere schlachtet und zur Sühne auf dem Altar
verbrennt, aber offene Ohren hast du mir gegeben, um auf dich zu hören und dir
zu gehorchen.
Ps 40,8 [8/9] Deshalb antworte ich: »Herr, hier bin ich! Im Buch des Gesetzes
steht alles, was du mir zu sagen hast. Ich will gerne tun, mein Gott, was du von
mir erwartest. Dein Gesetz ist mir ins Herz geschrieben.«
Ps 40,10 Vor der ganzen Gemeinde erzähle ich voll Freude, dass auf deine Zusagen
Verlass ist. Nichts kann mich abhalten, davon zu reden - das weißt du, Herr!
Ps 40,11 Nie will ich verschweigen, wie du uns befreit hast. Vor der ganzen
Gemeinde rede ich von deiner Treue und Hilfe; ich erzähle, wie ich deine Liebe
und Zuverlässigkeit erfahren habe.
Ps 40,12 Herr, du wirst mir auch in Zukunft dein Erbarmen nicht versagen, deine
Liebe und Treue werden mich stets bewahren.
Ps 40,13 Unlösbare Schwierigkeiten haben sich vor mir aufgetürmt, sie nehmen
kein Ende. Meine Verfehlungen haben mich eingeholt, und die Folgen sind nicht
mehr zu überblicken. Jeder Mut hat mich verlassen.
Ps 40,14 Herr, ich bitte dich: Rette mich, komm mir schnell zu Hilfe!
Ps 40,15 Wer mir nach dem Leben trachtet, der soll scheitern und öffentlich
bloßgestellt werden. Wer sich über mein Unglück hämisch freut, den jage mit
Schimpf und Schande davon!
Ps 40,16 Alle, die schadenfroh lästern: »Haha, das geschieht dir recht!«, sollen
vor Schreck erstarren über ihre selbstverschuldete Schande!
Ps 40,17 Aber alle, die sich dir anvertrauen, werden vor Freude jubeln! Wer dich
als Retter kennt und liebt, wird immer wieder rufen: »Groß ist der Herr!«
Ps 40,18 Ich bin hilflos und ganz auf dich angewiesen, Herr, sorge für mich,
denn du bist mein Helfer und Befreier. Mein Gott, zögere nicht länger!
Ps 41,1 Ein Lied Davids.
Ps 41,2 Glücklich ist, wer sich für die Schwachen einsetzt! Wenn ihn ein Unglück
trifft, hilft der Herr ihm wieder heraus.
Ps 41,3 Der Herr wird ihn beschützen und am Leben erhalten; im ganzen Land wird
man von seinem Glück erzählen. Gott überlässt ihn nicht der Wut seiner Feinde.
Ps 41,4 Und wenn er auf dem Krankenbett liegt, steht der Herr ihm zur Seite und
hilft ihm wieder auf.
Ps 41,5 Deshalb bete ich zu dir: »Herr, ich habe gegen dich gesündigt, aber sei
mir gnädig und mach mich wieder gesund!«
Ps 41,6 Meine Feinde wünschen mir Böses und fragen hämisch: »Wann ist er endlich
hinüber? Niemand soll mehr an ihn denken!«
Ps 41,7 Wenn mich einer von ihnen besucht, heuchelt er Mitgefühl. In
Wirklichkeit sucht er nur Stoff für seine Verleumdungen. Kaum ist er fort,
verbreitet er seine Gerüchte über mich.
Ps 41,8 Alle, die mich hassen, tun sich zusammen und tuscheln hinter meinem
Rücken. Sie planen Böses gegen mich und verfluchen mich.
Ps 41,9 »Die Krankheit soll ihn auffressen!«, sagen sie. »Wer so daniederliegt,
steht nicht wieder auf!«
Ps 41,10 Sogar mein engster Freund, der oft an meinem Tisch saß und dem ich
vertraute, tritt mich mit Füßen.
Ps 41,11 Du aber, Herr, sei mir gnädig, und richte mich wieder auf, damit ich
mit meinen Feinden abrechnen kann!
Ps 41,12 Lass sie nicht über meinen Tod jubeln, damit ich erkenne, dass du mich
liebst.
Ps 41,13 Du hältst zu mir, weil ich unschuldig bin. Für immer darf ich in deiner
Nähe bleiben.
Ps 41,14 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von jetzt an bis in alle
Ewigkeit! Amen, amen!
Ps 42,1 Von den Nachkommen Korachs, zum Nachdenken.
Ps 42,2 Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so sehne ich mich nach dir,
o Gott!
Ps 42,3 Ja, ich dürste nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich in
seinen Tempel kommen? Wann darf ich ihn anbeten?
Ps 42,4 Tag und Nacht weine ich, Tränen sind meine einzige Speise, denn ständig
verspottet man mich und fragt: »Wo bleibt er denn, dein Gott?«
Ps 42,5 Es bricht mir das Herz, wenn ich an früher denke: Da ging ich dem großen
Festzug voran und führte ihn zum Haus Gottes. Da konnte ich Gott zujubeln und
ihm danken!
Ps 42,6 Warum nur bin ich so traurig? Warum ist mein Herz so schwer? Auf Gott
will ich hoffen, denn ich weiß: ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott,
er wird mir beistehen!
Ps 42,7 Ich stehe auf dem Berg Misar im Hermongebirge. Hier im Ostjordanland,
fern von deinem Tempel, denke ich voll Trauer an dich.
Ps 42,8 Von den Bergen stürzen Wildbäche tosend in die Tiefe. Mir ist zumute,
als würden die Fluten mich mitreißen und fortspülen.
Ps 42,9 Tagsüber seufze ich: »Herr, schenke mir doch wieder deine Gnade!« Und
nachts singe und bete ich zu Gott; er allein kann mir das Leben wiedergeben.
Ps 42,10 Gott, du bist doch mein einziger Halt! Warum hast du mich vergessen?
Warum lässt du mich leiden unter der Gewalt meiner Feinde?
Ps 42,11 Ihr Hohn dringt mir ins Herz, wenn sie Tag für Tag fragen: »Wo bleibt
er denn, dein Gott?«
Ps 42,12 Warum nur bin ich so traurig? Warum ist mein Herz so schwer? Auf Gott
will ich hoffen, denn ich weiß: Ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott,
er wird mir beistehen!
Ps 43,1 O Gott, verschaffe mir Recht und verteidige mich gegen die Menschen,
denen nichts heilig ist! Befreie mich von diesen Lügnern und Betrügern!
Ps 43,2 Du bist doch mein Beschützer. Warum lässt du mich jetzt fallen? Warum
muss ich leiden unter der Gewalt meiner Feinde?
Ps 43,3 Gib mir dein Licht und deine Wahrheit! Sie sollen mich zurückführen zu
deinem heiligen Berg, zu dem Tempel, wo du wohnst!
Ps 43,4 An deinem Altar will ich dich anbeten, will mich über dich freuen und
dir zujubeln. Dankbar spiele ich dir auf der Zither, dir, meinem Gott!
Ps 43,5 Warum nur bin ich so traurig? Warum ist mein Herz so schwer? Auf Gott
will ich hoffen, denn ich weiß: ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott,
er wird mir beistehen!
Ps 44,1 Von den Nachkommen Korachs, zum Nachdenken.
Ps 44,2 Gott, mit unseren eigenen Ohren haben wir's gehört; unsere Väter haben
uns erzählt, was für große Taten du zu ihrer Zeit vollbracht hast - doch das
liegt schon lange zurück!
Ps 44,3 Du selbst hast fremde Völker aus dem Land vertrieben und es unseren
Vorfahren überlassen. Die Völker, die dort wohnten, hast du zerschlagen, damit
unser Volk aufblühen und sich entfalten konnte.
Ps 44,4 Unsere Vorväter haben das Land in Besitz genommen. Aber nicht ihre
Schwerter, nicht ihre eigene Kraft verhalf ihnen zum Sieg. Nein, du hast
machtvoll eingegriffen und für sie gekämpft. Du hast sie durch deine Gegenwart
gestärkt und ihnen deine Liebe gezeigt.
Ps 44,5 Du bist mein Gott und mein König. Auf deinen Befehl erringt Israel den
Sieg.
Ps 44,6 Mit deiner Hilfe unterwerfen wir die Feinde; in deinem Namen bezwingen
wir die Gegner.
Ps 44,7 Ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, mein Schwert garantiert mir
nicht den Sieg.
Ps 44,8 Du allein befreist uns aus der Gewalt unserer Feinde; du lässt alle
scheitern, die uns mit ihrem Hass verfolgen.
Ps 44,9 Wir sind stolz auf unseren Gott. Darum hören wir nicht auf, dir zu
danken, Herr.
Ps 44,10 Und dennoch hast du uns jetzt verstoßen: Mit einer Niederlage hast du
Schande über uns gebracht. Als unsere Truppen zum Kampf ausrückten, zogst du
nicht mit.
Ps 44,11 Der Ansturm der Feinde war zu stark - wir mussten fliehen, und in ihrem
Hass haben sie uns ausgeplündert.
Ps 44,12 Du hast uns ans Messer geliefert; sie haben uns abgeschlachtet wie
Schafe. Wer mit dem Leben davonkam, wurde unter fremde Völker zerstreut.
Ps 44,13 Du hast dein Volk zu einem Spottpreis verkauft, und was hast du nun
davon? Nichts!
Ps 44,14 Mit Hohn und Spott werden wir von unseren Nachbarn überschüttet; alle
lachen über uns.
Ps 44,15 Unter den fremden Völkern ist unsere Niederlage schon sprichwörtlich,
sie schütteln den Kopf über uns.
Ps 44,16 Täglich habe ich meine Schande vor Augen. Die Schamröte steigt mir ins
Gesicht,
Ps 44,17 wenn ich höre, wie uns die Feinde demütigen, wie diese Rachgierigen
über uns lästern.
Ps 44,18 Das Unglück ist über uns gekommen, obwohl wir dich nicht vergessen
haben, nie haben wir deinen Bund mit uns gebrochen!
Ps 44,19 Niemals sind wir dir untreu geworden, auch deine Gebote haben wir
befolgt.
Ps 44,20 Und doch hast du uns zerschlagen, wie Schakale hausen wir in Ruinen, in
tiefer Dunkelheit hältst du uns gefangen.
Ps 44,21 Hätten wir dich, unseren Gott, vergessen und fremde Götter angebetet,
Ps 44,22 dann hättest du es ja sofort bemerkt. Denn du kennst unsere geheimsten
Gedanken!
Ps 44,23 Aber unser Unglück hat einen anderen Grund: Weil wir zu dir gehören,
werden wir überall verfolgt und getötet - wie Schafe werden wir geschlachtet!
Ps 44,24 Wach auf, Herr! Warum schläfst du? Wach auf, und verstoße uns nicht für
immer!
Ps 44,25 Warum verbirgst du dich vor uns? Hast du unsere Not und unser Elend
vergessen?
Ps 44,26 Die Schande drückt uns zu Boden, besiegt liegen wir im Staub.
Ps 44,27 Greif ein, und komm uns zu Hilfe! Erlöse uns, weil du uns liebst!
Ps 45,1 Von den Nachkommen Korachs, zum Nachdenken. Nach der Melodie »Lilie«,
ein Liebeslied.
Ps 45,2 Mein Herz ist von Freude erfüllt, ein schönes Lied will ich für den
König singen. Wie ein Dichter seine Feder, so gebrauche ich meine Zunge für ein
kunstvolles Lied:
Ps 45,3 Du bist schön und stattlich wie kein anderer! Freundlich und voller Güte
sind deine Worte. Jeder kann sehen, dass Gott dich für immer reich beschenkt
hat.
Ps 45,4 Gürte dein Schwert um, du tapferer Held! Zeige deine königliche Majestät
und Pracht!
Ps 45,5 Sei stark und kämpfe für die Wahrheit; regiere dein Volk umsichtig und
gerecht! Deine kühnen Taten sollen dir zum Sieg verhelfen.
Ps 45,6 Deine spitzen Pfeile durchbohren das Herz deiner Feinde. Ja, du wirst
die Völker unterwerfen!
Ps 45,7 Deine Herrschaft, o König, hat Gott dir übertragen; darum bleibt sie für
immer bestehen. In deinem Reich herrscht Gerechtigkeit,
Ps 45,8 du liebst das Recht und hasst die Bosheit. Darum hat dich dein Gott als
Herrscher eingesetzt und mehr als alle anderen mit Freude beschenkt.
Ps 45,9 Alle deine Gewänder duften nach kostbarem Parfüm. Aus Palästen, mit
Elfenbein verziert, erklingt Musik, um dich zu erfreuen.
Ps 45,10 Königstöchter sind unter deinen Geliebten, den Ehrenplatz zu deiner
Rechten aber nimmt die Gemahlin ein, geschmückt mit feinstem Gold.
Ps 45,11 Höre, Königstochter, und nimm dir zu Herzen, was ich sage! Vergiss dein
Volk und deine Verwandten!
Ps 45,12 Du bist wunderschön, und der König begehrt dich! Verneige dich vor ihm,
denn er ist dein Herr und Gebieter!
Ps 45,13 Die Bewohner der Stadt Tyrus kommen mit Geschenken, die Vornehmen und
Reichen suchen deine Gunst.
Ps 45,14 Seht, wie prachtvoll zieht die Königstochter in den Festsaal ein! Ihr
Kleid ist mit Gold durchwebt,
Ps 45,15 in ihrem farbenfrohen Gewand wird sie zum König geführt; und
Jungfrauen, ihre Freundinnen, begleiten sie.
Ps 45,16 Mit Freudenrufen und hellem Jubel wird der feierliche Brautzug in den
Palast geleitet.
Ps 45,17 O König! Du wirst viele Söhne haben; auch sie werden regieren wie deine
Vorfahren. In allen Ländern wirst du sie zu Herrschern einsetzen.
Ps 45,18 Mein Lied wird deinen Ruhm durch alle Generationen tragen, darum werden
die Völker dich allezeit preisen.
Ps 46,1 Von den Nachkommen Korachs. Ein Lied für hohe Frauenstimmen.
Ps 46,2 Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in Zeiten der
Not.
Ps 46,3 Darum fürchten wir uns nicht, selbst wenn die Erde erbebt, wenn die
Berge wanken und in den Tiefen des Meeres versinken,
Ps 46,4 wenn die Wogen tosen und schäumen und die Berge erschüttert werden.
Ps 46,5 Ein breiter, mächtiger Strom belebt die Stadt Gottes, die Wohnung des
Höchsten, den heiligen Ort.
Ps 46,6 Gott ist in ihrer Mitte und beschützt sie schon früh am Morgen; nie wird
sie zerstört.
Ps 46,7 Ringsum toben die Völker, aber ihre Macht wird erschüttert. Denn Gott
lässt seine mächtige Stimme erschallen, und die Erde vergeht.
Ps 46,8 Der Herr über Himmel und Erde ist mit uns! Der Gott Jakobs ist unser
Schutz.
Ps 46,9 Kommt und seht, was der Herr Großes getan hat! Seine Taten verbreiten
Entsetzen.
Ps 46,10 In aller Welt bereitet er den Kriegen ein Ende. Die Kampfbogen bricht
er entzwei, er zersplittert die Speere und verbrennt die Kriegswagen.
Ps 46,11 »Hört auf!«, ruft er, »und erkennt, dass ich Gott bin! Ich stehe über
den Völkern; ich habe Macht über die ganze Welt.«
Ps 46,12 Der Herr über Himmel und Erde ist mit uns! Der Gott Jakobs ist unser
Schutz!
Ps 47,1 Ein Psalm der Nachkommen Korachs.
Ps 47,2 Freut euch und klatscht in die Hände, alle Völker! Lobt Gott mit lauten
Jubelrufen!
Ps 47,3 Denn der Herr ist der Höchste, ein großer König über die ganze Welt.
Alle müssen vor ihm erzittern!
Ps 47,4 Er gab uns den Sieg über fremde Völker, und nun herrschen wir über sie.
Ps 47,5 Er wählte für uns das Land, in dem wir leben, und wir sind stolz darauf.
Wir sind Gottes Volk, und er liebt uns.
Ps 47,6 Gott, der Herr, ist auf seinen Thron gestiegen, begleitet von Trompeten
und dem Jubelgeschrei seines Volkes.
Ps 47,7 Singt zu Gottes Ehre, singt! Singt zur Ehre unseres Königs! Spielt auf
allen Instrumenten!
Ps 47,8 Denn Gott ist König über die ganze Welt, singt ihm ein neues Lied!
Ps 47,9 Ja, Gott ist König über alle Völker, er sitzt auf seinem heiligen Thron.
Ps 47,10 Die Mächtigen der Erde versammeln sich mit dem Volk, das sich zu dem
Gott Abrahams bekennt. Denn der Herr ist mächtiger als alle Könige, er allein
ist hoch erhaben!
Ps 48,1 Ein Psalm der Nachkommen Korachs.
Ps 48,2 [2/3] Groß ist der Herr! Lobt ihn in Jerusalem, der heiligen Stadt
unseres Gottes! Der Berg Zion ragt in den Himmel - voll Schönheit und Pracht.
Die Stadt des großen Königs erfreut die ganze Welt.
Ps 48,4 In den Palästen wissen es alle: Gott selbst beschützt Jerusalem.
Ps 48,5 Feindliche Könige verbündeten sich und zogen gegen Jerusalem.
Ps 48,6 Doch kaum erblickten sie die Stadt, blieben sie erschreckt stehen; in
panischer Angst ergriffen sie die Flucht.
Ps 48,7 Ja, sie zitterten am ganzen Körper - wie eine Frau, die in den Wehen
liegt.
Ps 48,8 Wie stolze Schiffe, die im Sturm zerschellen, so hast du sie vernichtet.
Ps 48,9 Das alles haben wir nur gehört, doch nun erleben wir es selbst: Gott ist
der Herr über Himmel und Erde, an Jerusalem sehen wir, wie mächtig er ist. Durch
ihn wird die Stadt auf ewig bestehen.
Ps 48,10 In deinem Tempel, o Gott, denken wir über deine Güte nach.
Ps 48,11 In jedem Land kennt man deinen Namen, dein Ruhm reicht bis ans Ende der
Welt. Du regierst gerecht,
Ps 48,12 darum herrscht Freude auf dem Berg Zion. Du richtest gerecht, darum
jubeln die Menschen in den Städten Judas dir zu.
Ps 48,13 Wandert um den Berg Zion, geht rings um die Stadt und zählt ihre
Festungstürme!
Ps 48,14 Bestaunt die unbezwingbaren Mauern und die schönen Paläste! Dann könnt
ihr der nächsten Generation erzählen:
Ps 48,15 »Wir haben einen mächtigen Gott! Er ist unser Herr für immer und ewig;
allezeit wird er uns führen!«
Ps 49,1 Ein Lied der Nachkommen Korachs.
Ps 49,2 Hört zu, all ihr Völker! Horcht auf, ihr Bewohner der Erde!
Ps 49,3 Ob ihr einfache oder vornehme Leute seid, ob arm oder reich -
Ps 49,4 ich habe euch Wichtiges zu sagen! Meine Worte sind die Worte eines
Weisen, tiefe Einsicht spricht aus ihnen,
Ps 49,5 denn von Gott empfange ich Sprüche der Weisheit. Wenn ich auf der Zither
spiele, will ich ihre Bedeutung enträtseln.
Ps 49,6 Warum sollte ich mich fürchten, wenn ein Unglück naht, wenn ich umgeben
bin von boshaften und hinterhältigen Menschen?
Ps 49,7 Sie verlassen sich auf ihren Reichtum, mit Geld und Luxus protzen sie.
Ps 49,8 Doch niemand kann für das Leben seines Freundes bezahlen, niemand kann
ihn bei Gott vom Tod freikaufen.
Ps 49,9 Denn ein Menschenleben kann man nicht mit Gold aufwiegen - aller
Reichtum dieser Welt wäre noch zu wenig!
Ps 49,10 Keiner lebt hier ewig, niemand kann dem Grab entrinnen.
Ps 49,11 Jeder kann es sehen: Auch einsichtige und vernünftige Menschen werden
vom Tod ereilt, genauso wie Tagträumer und Dummköpfe. Ihren Besitz müssen sie
zurücklassen - für andere!
Ps 49,12 Sie bilden sich ein, dass ihre Häuser für alle Ewigkeit gebaut sind und
alle Generationen überdauern. Aber es hilft ihnen nichts, selbst wenn sie ganze
Länder besessen haben.
Ps 49,13 Reichtum und Ansehen erhalten keinen Menschen am Leben; er verendet wie
das Vieh.
Ps 49,14 Dieses Schicksal trifft alle, die auf sich selbst vertrauen und sich in
ihrem überheblichen Gerede gefallen:
Ps 49,15 Ahnungslos wie Schafe trotten sie in die Totenwelt; ihr Hirte dort ist
der Tod. Ihr Körper verwest im Grab und ihre Villen zerfallen. Aufrichtige
Menschen werden an ihre Stelle treten - und das schon am nächsten Tag.
Ps 49,16 Ich aber bin gewiss: Gott wird mich erlösen, er wird mich den Klauen
des Todes entreißen.
Ps 49,17 Lass dich nicht einschüchtern, wenn einer steinreich wird und sein Haus
immer prachtvoller ausstattet!
Ps 49,18 Nichts kann er davon mitnehmen, wenn er stirbt; was er angehäuft hat,
folgt ihm nicht ins Grab.
Ps 49,19 Er preist sich selbst: »Ich bin meines Glückes Schmied!«, und man
schmeichelt ihm, weil er so erfolgreich ist.
Ps 49,20 Und doch kommt auch er dorthin, wo seine Vorfahren sind, die nie mehr
das Licht sehen.
Ps 49,21 Ein Mensch mag zu Reichtum und Ansehen kommen; aber wenn er keine
Einsicht erlangt, verendet er wie das Vieh.
Ps 50,1 Ein Lied Asafs. Gott, der Herr, der Mächtige, spricht; er ruft die Welt
vom Osten bis zum Westen.
Ps 50,2 Auf dem Zion, dem schönsten Berg, erscheint Gott in strahlendem Glanz.
Ps 50,3 Ja, unser Gott kommt, er kann nicht länger schweigen. Ein verheerendes
Feuer lodert vor ihm her, um ihn tobt ein schwerer Sturm.
Ps 50,4 Himmel und Erde ruft er zu Zeugen, denn über sein Volk hält er Gericht:
Ps 50,5 »Versammelt alle, die zu mir gehören!«, verkündet er, »alle, die mit mir
den Bund geschlossen haben! Damals schworen sie mir Treue und Gehorsam und
bekräftigten es mit einem Opfer.«
Ps 50,6 Der Himmel ist Zeuge dafür, dass Gott seinem Volk die Treue bewahrt hat.
Deshalb kann er es jetzt zur Rechenschaft ziehen:
Ps 50,7 »Höre, Israel, nun rede ich! Mein Volk, ich klage dich an, ich, dein
Gott!
Ps 50,8 Nicht wegen deiner Schlachtopfer weise ich dich zurecht, auch deine
Brandopfer bringst du mir regelmäßig.
Ps 50,9 Doch ich nehme deine Opfer nicht an - weder die Stiere aus deinem Stall,
noch die Böcke von deiner Weide.
Ps 50,10 Denn alle Tiere gehören mir ohnehin: das Wild in Wald und Feld, die
Tiere auf den Bergen und Hügeln.
Ps 50,11 Ich kenne jeden Vogel unter dem Himmel und die vielen kleinen Tiere auf
den Wiesen.
Ps 50,12 Selbst wenn ich Hunger hätte, würde ich dich um nichts bitten; denn die
ganze Welt gehört mir und alles, was auf ihr lebt.
Ps 50,13 Denkst du wirklich, ich wollte Fleisch von Stieren essen und Blut von
Böcken trinken?
Ps 50,14 Dank ist das Opfer, das ich von dir erwarte; erfülle die Versprechen,
die du mir, dem Höchsten, gegeben hast!
Ps 50,15 Wenn du keinen Ausweg mehr siehst, dann rufe mich zu Hilfe! Ich will
dich retten, und du sollst mich preisen.«
Ps 50,16 Wer aber Gott die Treue bricht, zu dem sagt er: »Was erlaubst du dir
eigentlich? Du sagst immer wieder meine Gebote auf und berufst dich auf meinen
Bund.
Ps 50,17 Doch sagen lässt du dir nichts von mir; du tust, was du willst, und
verwirfst meine Ordnungen.
Ps 50,18 Mit Dieben machst du gemeinsame Sache, und mit Ehebrechern schließt du
Freundschaft.
Ps 50,19 Gemeine Reden kommen dir leicht über die Lippen, du betrügst schon,
wenn du nur den Mund aufmachst!
Ps 50,20 Deine Mitmenschen bringst du in Verruf, sogar deinen eigenen Bruder
verleumdest du.
Ps 50,21 Bis jetzt habe ich zu deinem Treiben geschwiegen, darum dachtest du,
ich sei wie du. Aber nun weise ich dich zurecht und halte dir deine Untreue vor
Augen.
Ps 50,22 Ihr habt mich vergessen, euren Gott. Hört doch auf das, was ich sage;
sonst werde ich euch vernichten. Dann kommt jede Rettung zu spät!
Ps 50,23 Wer mir dankt, der bringt ein Opfer, das mich ehrt. Es gibt keinen
anderen Weg, nur so kann ich ihn erretten!«
Ps 51,1 Ein Lied Davids.
Ps 51,2 Er schrieb es, nachdem der Prophet Nathan ihn wegen seines Ehebruchs mit
Batseba zurechtgewiesen hatte.
Ps 51,3 Du großer, barmherziger Gott, sei mir gnädig, hab Erbarmen mit mir!
Lösche meine Vergehen aus!
Ps 51,4 Meine schwere Schuld - wasche sie ab, und reinige mich von meiner Sünde!
Ps 51,5 Denn ich erkenne mein Unrecht, meine Schuld steht mir ständig vor Augen.
Ps 51,6 Gegen dich habe ich gesündigt - gegen dich allein! Was du als böse
ansiehst, das habe ich getan. Darum bist du im Recht, wenn du mich verurteilst,
dein Urteil wird sich als wahr erweisen.
Ps 51,7 Seit mein Leben im Leib meiner Mutter begann, liegt Schuld auf mir; von
Geburt an bestimmt die Sünde mein Leben.
Ps 51,8 Du freust dich, wenn ein Mensch von Herzen aufrichtig und ehrlich ist;
verhilf mir dazu, und lass mich weise handeln!
Ps 51,9 Reinige mich von meiner Schuld, dann bin ich wirklich rein; wasche meine
Sünde ab, und mein Gewissen ist wieder weiß wie Schnee!
Ps 51,10 Du hast mich hart bestraft; nun lass mich wieder Freude erfahren, damit
ich befreit aufatmen kann!
Ps 51,11 Sieh nicht länger auf meine Schuld, vergib mir alle meine Sünden!
Ps 51,12 Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott; erneuere mich und gib mir
Beständigkeit!
Ps 51,13 Stoße mich nicht von dir, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!
Ps 51,14 Schenk mir Freude über deine Rettung, und mach mich bereit, dir zu
gehorchen!
Ps 51,15 Dann will ich den Gottlosen deine Wege zeigen, damit sie zu dir
zurückfinden.
Ps 51,16 Herr, ich habe das Blut eines Menschen vergossen - befreie mich von
dieser Schuld, Gott, mein Helfer! Dann werde ich deine Gnade preisen und jubeln
vor Freude.
Ps 51,17 Herr, schenke mir die Worte, um deine Größe zu rühmen!
Ps 51,18 Du willst kein Schlachtopfer, sonst hätte ich es dir gebracht. Dir
gefällt nicht, dass man Tiere schlachtet und für dich verbrennt, um von der
Sünde freizukommen.
Ps 51,19 Ich bin zerknirscht und verzweifelt über meine schwere Schuld. Solch
ein Opfer gefällt dir, du wirst es nicht ablehnen.
Ps 51,20 Zeige Zion deine Liebe, und festige die Mauern Jerusalems!
Ps 51,21 Dann werden dir unsere Opfer wieder gefallen, durch die wir bekennen:
»Du bist unser Herr!« Dann werden wir Stiere schlachten und auf dem Altar
verbrennen.
Ps 52,1 Von David, zum Nachdenken.
Ps 52,2 Dieses Lied stammt aus der Zeit, als der Edomiter Doëg zu Saul gekommen
war und ihm verraten hatte: »David war bei Ahimelech!«
Ps 52,3 Warum lässt du dich als Held feiern und gibst mit deiner Bosheit an?
Auch du bist nur von Gottes Güte abhängig!
Ps 52,4 Mit deinen Worten verletzt du andere wie mit einem scharfen Messer, du
Lügner!
Ps 52,5 Du liebst das Böse mehr als das Gute, die Lüge mehr als die Wahrheit.
Ps 52,6 Du redest, um zu zerstören, und hast noch deinen Spaß daran, du
Heuchler!
Ps 52,7 Darum wird Gott auch dich für immer zerstören: Er wird dich ergreifen
und aus deinem Land verbannen; er wird dich aus dem Leben reißen, so wie man
Unkraut ausreißt.
Ps 52,8 Alle, die Gott vertrauen, werden es sehen und erschrecken. Dann aber
werden sie über dich lachen und sagen:
Ps 52,9 »Schaut ihn an! Statt bei Gott Schutz zu suchen, verließ er sich auf
seinen großen Reichtum und glaubte, seine Bosheit mache ihn stark!«
Ps 52,10 Ich aber darf wachsen und gedeihen wie ein Ölbaum, der im Schutz des
Tempels grünt. Für alle Zeiten weiß ich mich geborgen, weil Gott mir gnädig ist.
Ps 52,11 Herr, immer und ewig will ich dir danken für das, was du getan hast;
vor allen, die dich lieben, will ich bezeugen, wie gut du bist! Auf dich
vertraue ich!
Ps 53,1 Von David, zum Nachdenken.
Ps 53,2 Menschen, die sich einreden: »Gott gibt es überhaupt nicht!«, leben an
der Wirklichkeit vorbei. Sie führen ein gottloses Leben, und alles, was sie tun,
ist abscheulich. Es gibt keinen, der Gutes tut.
Ps 53,3 Gott schaut vom Himmel auf die Menschen. Er will sehen, ob es wenigstens
einen gibt, der einsichtig ist und nach seinem Willen fragt.
Ps 53,4 Aber alle haben sich von ihm abgewandt und sind nun verdorben, einer wie
der andere. Es gibt wirklich keinen, der Gutes tut, nicht einen Einzigen!
Ps 53,5 Wissen denn diese Unheilstifter nicht, was sie tun? Sie verschlingen
mein Volk wie ein Stück Brot und denken sich nichts dabei. Mit Gott rechnen sie
überhaupt nicht mehr.
Ps 53,6 Aber schon bald werden sie in Angst und Schrecken fallen, wie sie es
vorher noch nie erlebt haben. Denn Gott wird die Feinde seines Volkes vollkommen
vernichten, und ihre Gebeine werden achtlos liegen bleiben. Gott hat sie
verworfen und wird sie darum scheitern lassen.
Ps 53,7 Ach käme Gott doch vom Berg Zion, um sein Volk zu befreien! Israel wird
jubeln vor Freude, wenn der Herr das Schicksal seines Volkes wendet.
Ps 54,1 Von David, zum Nachdenken. Mit Saiteninstrumenten zu begleiten.
Ps 54,2 Dieses Lied stammt aus der Zeit, als die Sifiter zu Saul gekommen waren,
um ihm mitzuteilen: »David hält sich bei uns versteckt!«
Ps 54,3 Gott, du bist ein mächtiger Gott! Darum hilf mir und verschaffe mir
Recht durch deine Stärke!
Ps 54,4 Erhöre mein Gebet, achte auf mein Schreien!
Ps 54,5 Menschen, die ich nicht kenne, fallen über mich her. Selbst vor Gewalt
schrecken sie nicht zurück, ja, sie trachten mir nach dem Leben. Du, Gott, bist
ihnen völlig gleichgültig!
Ps 54,6 Ich weiß: Gott ist mein Helfer, er setzt sich für mich ein.
Ps 54,7 Meine Feinde werden durch ihre eigene Bosheit zu Fall kommen. Gott wird
dafür sorgen. Ja, Herr, beseitige sie! Du hast es doch versprochen!
Ps 54,8 Gern will ich dir Opfer bringen - fröhlich und ohne Zwang. Ich will dich
preisen, Herr, denn du bist gut.
Ps 54,9 Aus jeder Not hast du mich errettet, nur so konnte ich die Feinde
besiegen.
Ps 55,1 Von David, zum Nachdenken. Mit Saiteninstrumenten zu begleiten.
Ps 55,2 Beachte mein Gebet, o Gott, und wende dich nicht ab von meinem Flehen!
Ps 55,3 Höre doch und gib mir Antwort! Meine Sorgen lassen mir keine Ruhe mehr.
Stöhnend irre ich umher
Ps 55,4 und höre, wie die Feinde mich anpöbeln. Sie bedrängen mich und wollen
mir schaden, voller Hass feinden sie mich an.
Ps 55,5 Mein Herz krampft sich zusammen, Todesangst überfällt mich.
Ps 55,6 Furcht und Zittern haben mich erfasst, und vor Schreck bin ich wie
gelähmt.
Ps 55,7 Ach, hätte ich doch Flügel wie eine Taube, dann würde ich an einen
sicheren Ort fliegen!
Ps 55,8 Weit weg würde ich fliehen - bis in die Wüste.
Ps 55,9 Schnell fände ich eine Zuflucht vor dem Unwetter und dem wütenden Sturm.
Ps 55,10 Herr, verwirre die Sprache meiner Feinde, damit sie sich nicht mehr
verständigen können! In der Stadt habe ich gesehen, dass Streit und rohe Gewalt
überhand nehmen.
Ps 55,11 Tag und Nacht machen sie die Runde auf den Mauern. Die Stadt ist
erfüllt von Unrecht und Verderben.
Ps 55,12 In ihren Straßen herrschen Erpressung und Betrug, und das Verbrechen
scheint kein Ende zu nehmen.
Ps 55,13 Wäre es mein Feind, der mich verhöhnt, dann könnte ich es noch
ertragen. Würde mein erbitterter Gegner sich über mich erheben, wüsste ich ihm
aus dem Weg zu gehen.
Ps 55,14 Aber du bist es, mein Vertrauter, mein bester und engster Freund!
Ps 55,15 Wie schön war es, als wir noch unsere Gedanken austauschen konnten,
während wir mit den anderen Pilgern auf dem Weg zum Tempel waren!
Ps 55,16 Ohne Vorwarnung hole der Tod meine Feinde! Mitten aus dem Leben sollen
sie gerissen werden, denn die Bosheit herrscht in ihren Herzen und Häusern.
Ps 55,17 Doch ich schreie zu Gott, und der Herr wird mir helfen.
Ps 55,18 Den ganzen Tag über klage und stöhne ich, bis er mich hört.
Ps 55,19 Er rettet mich und gibt mir Sicherheit vor den vielen Feinden, nichts
können sie mir anhaben!
Ps 55,20 Gott, der seit Ewigkeiten herrscht, wird mich erhören. Er bleibt ihnen
die Antwort nicht schuldig. Denn vor ihm haben sie keine Ehrfurcht, und ändern
wollen sie sich auch nicht.
Ps 55,21 Ach, mein ehemaliger Freund hat alle seine Freunde verraten und seine
Versprechen gebrochen!
Ps 55,22 Seine Worte sind honigsüß, aber im Herzen ist er voller Hass. Sein
Gesicht ist freundlich, aber seine Worte verwunden wie Messerstiche.
Ps 55,23 Überlass alle deine Sorgen dem Herrn! Er wird dich wieder aufrichten;
niemals lässt er den scheitern, der treu zu ihm steht.
Ps 55,24 Solche Mörder und Betrüger aber wirst du, Gott, ins Grab stürzen;
mitten aus dem Leben wirst du sie reißen. Ich aber vertraue dir, Herr!
Ps 56,1 Ein Lied Davids, nach der Melodie: »Die Taube verstummt in der Fremde.«
Es stammt aus der Zeit, als die Philister ihn in Gat festgenommen hatten.
Ps 56,2 Gott, hab Erbarmen mit mir, denn man will mich zur Strecke bringen! Die
Feinde verfolgen mich den ganzen Tag und bedrängen mich hart.
Ps 56,3 Unaufhörlich greifen sie mich an, viele bekämpfen mich in ihrem Hochmut.
Ps 56,4 Doch gerade dann, wenn ich Angst habe, will ich mich dir anvertrauen.
Ps 56,5 Ich lobe Gott für das, was er versprochen hat; ihm vertraue ich und
fürchte mich nicht. Was kann mir ein Mensch jetzt noch Böses tun?
Ps 56,6 Unablässig verdrehen sie, was ich sage, und überlegen, wie sie mir
schaden können.
Ps 56,7 Überall muss ich mit einem Hinterhalt rechnen. Sie beschatten mich und
warten nur darauf, mich umzubringen.
Ps 56,8 Gott, wirf diese Leute in deinem Zorn nieder! Sollten sie bei so viel
Bosheit ungeschoren davonkommen?
Ps 56,9 Du siehst doch, wie lange ich schon umherirre! Jede Träne hast du
gezählt, ja, alle sind in deinem Buch festgehalten.
Ps 56,10 Sobald ich dich um Hilfe bitte, werden meine Feinde kleinlaut den
Rückzug antreten. Denn das weiß ich: du, Gott, bist auf meiner Seite!
Ps 56,11 Ich lobe Gott für das, was er versprochen hat, ja, ich lobe die Zusage
des Herrn.
Ps 56,12 Ihm vertraue ich und fürchte mich nicht. Was kann mir ein Mensch jetzt
noch Böses tun?
Ps 56,13 Herr, was ich dir versprochen habe, will ich jetzt einlösen und dir aus
Dank Opfer bringen.
Ps 56,14 Denn du hast mich vor dem Tod gerettet, vor dem Sturz in die Tiefe hast
du mich bewahrt. Ich darf weiterleben - in deiner Nähe. Du hast mir das Leben
neu geschenkt.
Ps 57,1 Ein Lied Davids, nach der Melodie: »Richte nicht zugrunde.« Es stammt
aus der Zeit, als er sich auf der Flucht vor Saul in der Höhle aufhielt.
Ps 57,2 Erbarme dich über mich, o Gott, erbarme dich! Bei dir suche ich
Zuflucht, bei dir bin ich geborgen wie ein Küken, das sich unter die Flügel
seiner Mutter flüchtet, bis das Unwetter vorbeigezogen ist.
Ps 57,3 Zu Gott, dem Höchsten, schreie ich, zu ihm, der meine Not wendet und
alles zu einem guten Ende führt.
Ps 57,4 Vom Himmel her wird er mir seine Hilfe schicken und mich retten vor
denen, die mir nachstellen und mich gehässig verleumden. Ja, Gott wird zu mir
halten, er ist treu.
Ps 57,5 Ich bin von Feinden umzingelt, wie Löwen lechzen sie nach Blut. Ihre
Zähne sind spitz wie Speere und Pfeile, ihre Zungen sind scharf wie geschliffene
Schwerter.
Ps 57,6 Gott, zeige deine Größe, die den Himmel überragt; erweise deine Macht
und Herrlichkeit auf der ganzen Welt!
Ps 57,7 Die Feinde hatten mir Fallen gestellt, ich war völlig verzweifelt. Mir
hatten sie eine Grube gegraben, doch nun sind sie selbst hineingestürzt!
Ps 57,8 Gott, jetzt habe ich neuen Mut gefasst, voller Vertrauen blicke ich in
die Zukunft. Darum will ich singen und dir danken, Herr.
Ps 57,9 Fasse neuen Mut, mein Herz! Wach auf! Harfe und Zither, wacht auf! Ich
will den neuen Tag mit meinem Lied begrüßen.
Ps 57,10 Herr, ich will dir danken vor den Völkern, vor allen Menschen will ich
dir singen.
Ps 57,11 Groß ist deine Güte! Sie reicht bis an den Himmel! Und wohin die Wolken
auch ziehen: überall ist deine Treue!
Ps 57,12 Gott, zeige deine Größe, die den Himmel überragt; erweise deine Macht
und Herrlichkeit auf der ganzen Welt!
Ps 58,1 Ein Lied Davids, nach der Melodie: »Richte nicht zugrunde.«
Ps 58,2 Ihr Mächtigen, trefft ihr wirklich gerechte Entscheidungen? Gilt noch
gleiches Recht für alle, wenn ihr eure Urteile fällt?
Ps 58,3 Nein! Schon eure Gedanken sind von Ungerechtigkeit verseucht, mit
Willkür und Gewalt versklavt ihr das Land.
Ps 58,4 Diese Rechtsbrecher sind von Geburt an verlogen und verdorben.
Ps 58,5 Sie sind giftig wie Schlangen. Doch wenn es darauf ankommt, sich etwas
sagen zu lassen, dann stellen sie sich taub
Ps 58,6 wie eine Schlange, bei der jede Kunst des Beschwörers versagt.
Ps 58,7 O Gott, schlage ihnen die Zähne ein! Brich diesen Löwen das Gebiss aus,
Herr!
Ps 58,8 Lass diese Mächtigen verschwinden wie Wasser, das im Boden versickert!
Wenn sie ihre Waffen einsetzen wollen, schlage sie ihnen aus der Hand!
Ps 58,9 Lass sie eingehen wie Schnecken in sengender Hitze! Wie eine Fehlgeburt
sollen sie das Licht der Sonne nicht sehen!
Ps 58,10 Weg mit ihnen! Noch bevor sie ihre hinterhältigen Pläne verwirklichen,
soll der Herr sie davonjagen.
Ps 58,11 Gott wird mit ihnen abrechnen! Wer ihm die Treue hält, wird sich
darüber freuen und im Blut der Rechtsbrecher waten.
Ps 58,12 Dann werden die Menschen bekennen: Wer Gott gehorcht, wird doch
belohnt; es gibt tatsächlich einen Gott, der auf dieser Erde dem Recht zum Sieg
verhilft!
Ps 59,1 Ein Lied Davids, nach der Melodie: »Richte nicht zugrunde.« Er verfasste
es, als Saul sein Haus überwachen ließ, um ihn zu töten.
Ps 59,2 Befreie mich von meinen Feinden, o Gott! Sie stellen sich mir überall in
den Weg. Lass mich ihnen entkommen!
Ps 59,3 Rette mich vor diesen böswilligen Menschen, die vor keiner Bluttat
zurückschrecken!
Ps 59,4 Siehst du nicht, wie sie mir auflauern, um mich zu töten? Alles, was in
ihrer Macht steht, haben sie gegen mich aufgeboten. Doch niemand kann mir
vorwerfen, ich hätte treulos gehandelt oder sonst ein Unrecht begangen, Herr.
Ps 59,5 Obwohl ich völlig unschuldig bin, kommen sie angelaufen und umstellen
mein Haus. Steh auf, Herr! Sieh meine Not an und komm mir zu Hilfe!
Ps 59,6 Denn du bist Gott, der Herr über Himmel und Erde, du bist Israels Gott!
Greif ein! Du richtest doch alle fremden Völker; so strafe auch meine
heimtückischen Verfolger erbarmungslos!
Ps 59,7 Sie gleichen wilden Hunden, die am Abend kläffend die Stadt
durchstreifen.
Ps 59,8 Vor Gier läuft ihnen schon der Geifer aus dem Maul. Jedes Wort, das über
ihre Lippen kommt, ist wie ein Dolchstoß. Dabei denken sie: »Keiner hört, was
wir hier planen!«
Ps 59,9 Aber du, Herr, kannst über sie nur lachen. Nichts als Spott hast du für
diese Völker übrig.
Ps 59,10 Du bist meine Stärke, an dich will ich mich klammern. Du gibst mir
Schutz wie eine Burg.
Ps 59,11 Du kommst mir in Liebe entgegen und lässt mich über meine Feinde
triumphieren.
Ps 59,12 Herr, töte sie nicht sofort, sonst gerät alles rasch in Vergessenheit,
und mein Volk würde nichts daraus lernen. Lass sie ruhelos umherirren und
langsam zugrunde gehen! Du bist mächtig genug, Herr, unser Beschützer!
Ps 59,13 Mit jedem Wort laden sie nur noch mehr Schuld auf sich. Durch ihre
Überheblichkeit werden sie sich im Netz ihrer Lügen und Lästerungen verstricken.
Ps 59,14 Vertilge sie in deinem Zorn! Rotte sie aus mit Stumpf und Stiel! Dann
wird die ganze Welt erkennen, dass du, Gott, in Israel regierst.
Ps 59,15 Sie gleichen wilden Hunden, die am Abend die Stadt durchstreifen.
Ps 59,16 Sie streunen umher auf der Suche nach Fraß, und wenn sie nicht satt
werden, knurren sie wütend.
Ps 59,17 Ich aber singe von deiner Macht. Früh am Morgen juble ich dir zu, weil
du so gnädig bist. Du bietest mir Schutz wie eine sichere Burg; zu dir kann ich
fliehen, wenn ich weder aus noch ein weiß.
Ps 59,18 Ja, dir will ich singen und musizieren, denn du bist meine Stärke. Bei
dir, Gott, weiß ich mich geborgen. Ja, Herr, wie gut bist du zu mir!
Ps 60,1 Ein Lied Davids zur Belehrung, nach der Melodie: »Lilien als Zeugnis.«
Ps 60,2 Es stammt aus der Zeit, als David mit den Aramäern von Mesopotamien und
mit den Aramäern von Zoba im Krieg lag. Damals fügte Joab auf dem Rückweg den
Edomitern im Salztal eine Niederlage zu, bei der zwölftausend von ihnen fielen.
Ps 60,3 Gott, du hast uns aufgegeben: Unsere Truppen wurden zersprengt und
aufgerieben. Wir haben deinen Zorn zu spüren bekommen, doch nun richte uns
wieder auf!
Ps 60,4 Du hast das Land erschüttert und zerrissen; heile seine Risse, dass es
nicht zerbricht!
Ps 60,5 Du hast dein Volk hart geschlagen, wie betrunken torkeln wir umher.
Ps 60,6 All denen aber, die dir gehorchen, hast du ein Warnzeichen gegeben. So
konnten sie fliehen und den Pfeilen ihrer Verfolger entkommen.
Ps 60,7 Hilf uns und antworte! Rette uns! Wir sind doch dein geliebtes Volk!
Ps 60,8 Darauf hat Gott in seinem Heiligtum geantwortet: »Im Triumph will ich
meinem Volk die Gegend um Sichem geben; das Tal von Sukkot will ich ihnen
zuteilen.
Ps 60,9 Mir gehören die Gebiete von Gilead und Manasse, Ephraim ist mein Helm
auf dem Haupt, Juda das Zepter in meiner Hand.
Ps 60,10 Das Land Moab dient mir als Waschbecken; auf Edom werfe ich meinen
Schuh als Zeichen dafür, dass ich von ihm Besitz ergreife. Und ihr Philister:
Jubelt auch ihr mir zu!«
Ps 60,11 Wer gibt mir Gewalt über die befestigte Stadt? Wer schenkt mir den Sieg
über Edom?
Ps 60,12 Außer dir, Herr, kommt ja niemand in Frage! Doch gerade du hast uns
verstoßen. Gerade du, Gott, ziehst nicht mehr mit uns in den Krieg.
Ps 60,13 Rette du uns vor den Feinden! Denn wer sich auf Menschen verlässt, der
ist verlassen!
Ps 60,14 Mit Gott werden wir große Taten vollbringen; er wird unsere Feinde
zertreten!
Ps 61,1 Von David, mit Instrumenten zu begleiten.
Ps 61,2 Höre, Gott, meinen Hilfeschrei, und achte auf mein Gebet!
Ps 61,3 Aus dem fernen Land rufe ich zu dir, denn ich bin am Ende meiner Kraft.
Ich selbst kann mich nicht mehr in Sicherheit bringen, darum hilf du mir und
rette mich!
Ps 61,4 Zu dir kann ich jederzeit fliehen; du bist seit jeher meine Festung, die
kein Feind bezwingen kann.
Ps 61,5 Wo du wohnst, möchte auch ich für immer bleiben - dort, in deinem
Heiligtum. Bei dir suche ich Zuflucht wie ein Küken unter den Flügeln seiner
Mutter.
Ps 61,6 Gott, du kennst die Versprechen, die ich dir gegeben habe. Du beschenkst
jeden reich, der dich in Ehrfurcht anruft. Auch mir gibst du meinen Anteil.
Ps 61,7 Gib dem König ein langes Leben, gewähre ihm noch viele Jahre! Viele
Generationen sollen erleben, wie er regiert.
Ps 61,8 Lass ihn stets in Verantwortung vor dir herrschen, beschütze ihn durch
deine Güte und Treue!
Ps 61,9 Dann will ich dich allezeit besingen und deinen Namen preisen. Tag für
Tag werde ich erfüllen, was ich dir versprochen habe.
Ps 62,1 Ein Lied Davids. Für Jedutun.
Ps 62,2 Nur bei Gott komme ich zur Ruhe; geduldig warte ich auf seine Hilfe.
Ps 62,3 Nur er ist ein schützender Fels und eine sichere Burg. Er steht mir bei,
und niemand kann mir schaden.
Ps 62,4 Wie lange noch wollt ihr alle über einen herfallen und ihm den letzten
Stoß versetzen wie einer Wand, die sich schon bedrohlich neigt, oder einer
Mauer, die bereits einstürzt?
Ps 62,5 Ja, sie unternehmen alles, um meinen guten Namen in den Dreck zu ziehen.
Es macht ihnen Freude, Lügen über mich zu verbreiten. Wenn sie mit mir reden,
sprechen sie Segenswünsche aus, doch im Herzen verfluchen sie mich.
Ps 62,6 Nur bei Gott komme ich zur Ruhe; er allein gibt mir Hoffnung.
Ps 62,7 Nur er ist ein schützender Fels und eine sichere Burg. Er steht mir bei,
und niemand kann mir schaden.
Ps 62,8 Gott rettet mich, er steht für meine Ehre ein. Er schützt mich wie ein
starker Fels, bei ihm bin ich geborgen.
Ps 62,9 Ihr Menschen, vertraut ihm jederzeit, und schüttet euer Herz bei ihm
aus! Gott ist unsere Zuflucht.
Ps 62,10 Die Menschen vergehen wie ein Hauch; ob einfach oder vornehm - sie sind
wie ein Trugbild, das verschwindet. Legt man sie auf die Waagschale, dann
schnellt sie nach oben, als wären die Menschen nur Luft.
Ps 62,11 Verlasst euch nicht auf erpresstes Gut, lasst euch nicht blenden von
unrecht erworbenem Reichtum! Wenn euer Wohlstand wächst, dann hängt euer Herz
nicht daran!
Ps 62,12 Mehr als einmal habe ich gehört, wie Gott gesagt hat: »Ich allein habe
alle Macht!«
Ps 62,13 Du, Herr, bist ein gnädiger Gott; du vergiltst jedem, wie er es
verdient.
Ps 63,1 Ein Lied Davids. Es stammt aus der Zeit, als er in der Wüste Juda war.
Ps 63,2 Gott! Du bist mein Gott! Ich sehne mich nach dir, dich brauche ich! Wie
eine dürre Steppe nach Regen lechzt, so dürste ich, o Gott, nach dir.
Ps 63,3 Ich suche dich in deinem Heiligtum, um deine Macht und Herrlichkeit zu
sehen.
Ps 63,4 Deine Liebe bedeutet mir mehr als mein Leben! Darum will ich dich loben;
Ps 63,5 mein Leben lang werde ich dir danken und meine Hände zum Gebet
emporheben.
Ps 63,6 Ich juble dir zu und preise dich, ich bin glücklich und zufrieden wie
bei einem Festmahl.
Ps 63,7 Wenn ich nachts in meinem Bett liege, denke ich über dich nach, meine
Gedanken sind dann nur bei dir.
Ps 63,8 Denn du hast mir immer geholfen; ich preise dich, unter deinem Schutz
bin ich sicher und geborgen.
Ps 63,9 Ich klammere mich an dich, und du hältst mich mit deiner starken Hand.
Ps 63,10 Die mir nach dem Leben trachten, müssen alle selbst umkommen. Der Tod
erwartet sie schon.
Ps 63,11 Sie werden dem Schwert nicht entkommen - ihre Leichen werden von
Schakalen gefressen.
Ps 63,12 Der König aber freut sich, weil Gott ihm beisteht. Wer sich beim
Schwören auf Gott berufen kann, der darf sich glücklich schätzen; den Lügnern
aber wird das Maul gestopft.
Ps 64,1 Ein Lied Davids.
Ps 64,2 Gott, ich bin in großer Not, höre auf mein Schreien! Ich fürchte mich
vor meinen Feinden - rette mein Leben!
Ps 64,3 Eine Bande von Verbrechern hat sich gegen mich verschworen und plant
einen Aufstand. Wende die Gefahr von mir ab!
Ps 64,4 Ihre Zungen sind scharf geschliffene Schwerter, und ihre bissigen Worte
verletzen wie Pfeile.
Ps 64,5 Aus dem Hinterhalt schießen sie auf Unschuldige - ohne Vorwarnung und
skrupellos.
Ps 64,6 Sie stacheln sich gegenseitig zum Bösen an und wollen heimlich Fallen
legen. Hämisch fragen sie: »Wer wird's schon merken?«
Ps 64,7 Sie brüten Gemeinheiten aus und prahlen: »Wir haben's! Unser Plan ist
ausgezeichnet!« Abgrundtief böse ist das Herz dieser Menschen.
Ps 64,8 Doch jetzt schießt Gott seine Pfeile auf sie, und plötzlich sind sie
schwer verwundet.
Ps 64,9 Ihre eigenen Worte bringen sie nun zu Fall; wer sie am Boden liegen
sieht, schüttelt nur noch den Kopf.
Ps 64,10 Da wird jeder von Furcht gepackt und erzählt: »So handelt Gott! So
machtvoll greift er ein!«
Ps 64,11 Wer aber dem Herrn treu bleibt, wird sich über ihn freuen und bei ihm
sicher sein. Ja, jeder, der von Herzen aufrichtig ist, darf sich glücklich
schätzen!
Ps 65,1 Ein Lied Davids.
Ps 65,2 Auf dem Berg Zion kann man dir, o Gott, begegnen: wenn man dich still
anbetet, dir Loblieder singt und das einlöst, was man dir versprochen hat.
Ps 65,3 Weil du Gebete erhörst, kommen die Menschen zu dir.
Ps 65,4 Schwere Schuld drückt uns zu Boden; doch trotz unserer Untreue wirst du
uns vergeben.
Ps 65,5 Glücklich ist jeder, den du erwählt hast und der zu deinem Heiligtum
kommen kann! Dort, in deinem Tempel, segnest du uns mit allem Guten und stillst
unsere Sehnsucht.
Ps 65,6 Gott, du bist treu! Mit gewaltigen Taten antwortest du uns, wenn wir
deine Hilfe brauchen. Du bist die Hoffnung aller Völker bis in die fernsten
Länder.
Ps 65,7 Mit deiner Kraft hast du die Berge gebildet, deine Macht ist allen
sichtbar.
Ps 65,8 Du besänftigst das Brausen der Meere, die tosenden Wellen lässt du
verstummen; ja, auch die tobenden Völker bringst du zum Schweigen.
Ps 65,9 Alle Bewohner der Erde erschrecken vor deinen Taten, vom Osten bis zum
Westen jubeln die Menschen dir zu.
Ps 65,10 Du sorgst für das ganze Land, machst es reich und fruchtbar. Du
schenkst Wasser im Überfluss, deshalb wächst Getreide in Hülle und Fülle.
Ps 65,11 Du feuchtest das gepflügte Land und tränkst es mit Regen. Das
ausgedörrte Erdreich weichst du auf, und alle Pflanzen lässt du gedeihen.
Ps 65,12 Du schenkst eine reiche und gute Ernte - die Krönung des ganzen Jahres.
Ps 65,13 Selbst die Steppe fängt an zu blühen, von den Hügeln hört man
Freudenrufe.
Ps 65,14 Dicht an dicht drängen sich die Herden auf den Weiden, mit wogendem
Korn bedecken sich die Täler. Alles ist erfüllt von Jubel und Gesang.
Ps 66,1 Ein Lied.
Ps 66,2 Jubelt Gott zu, all ihr Menschen auf der Erde! Singt und musiziert zu
seiner Ehre, stimmt ein Loblied an auf seine Größe und Pracht!
Ps 66,3 Sprecht zu Gott: »Wie gewaltig sind deine Taten! Vor deiner Macht müssen
sogar deine Feinde sich beugen.
Ps 66,4 Alle Völker der Erde werden dich anbeten und deinen Namen besingen.«
Ps 66,5 Kommt und seht, was Gott getan hat, wie gewaltig sind seine Taten unter
den Menschen!
Ps 66,6 Er teilte das Meer und ließ sein Volk sicher hindurchgehen, trockenen
Fußes konnten sie den Jordan durchqueren. Darum freuen wir uns über Gott!
Ps 66,7 Ja, er hat alle Macht und regiert für immer und ewig. Er schaut auf die
Völker - ihm entgeht nichts. Wer kann schon gegen ihn bestehen?
Ps 66,8 Ihr Völker, preist den Herrn! Lobt ihn laut, dass alle es hören!
Ps 66,9 Gott erhält uns am Leben, er lässt uns nicht untergehen.
Ps 66,10 Du, o Gott, hast uns geprüft, du hast uns geläutert wie Silber im
Schmelzofen.
Ps 66,11 Wir waren gefangen, stöhnten und jammerten unter der Last, die wir
tragen mussten.
Ps 66,12 Du hast andere Menschen auf uns herumtrampeln lassen, durch viele
Feuerproben mussten wir hindurch - aber du hast uns aus der Gefahr befreit und
uns mehr gegeben, als wir brauchten.
Ps 66,13 Ich komme jetzt mit Brandopfern in dein Heiligtum und löse meine
Versprechen ein,
Ps 66,14 die ich in meiner Not herausgeschrien habe.
Ps 66,15 Nun bringe ich dir die wertvollsten Opfertiere: fette Widder, Rinder
und Ziegenböcke. Ihr Rauch soll aufsteigen zu dir.
Ps 66,16 Kommt und hört mir zu, ihr, die ihr Gott ernst nehmt, ich will euch
erzählen, was er für mich getan hat.
Ps 66,17 Als ich zu ihm um Hilfe schrie, wusste ich: Gott wird mir helfen!
Deshalb begann ich, ihn zu loben.
Ps 66,18 Hätte ich Böses im Sinn gehabt, dann hätte der Herr mich nicht erhört.
Ps 66,19 Aber er hat mich erhört, mein Gebet hat er angenommen.
Ps 66,20 Ich preise den Herrn, denn er hat meine Bitten nicht verachtet und mir
seine Liebe nicht entzogen.
Ps 67,1 Ein Lied. Mit Instrumenten zu begleiten.
Ps 67,2 Gott, sei uns gnädig und segne uns! Sieh uns an im Licht deiner Liebe!
Ps 67,3 Dann wird man auf der ganzen Welt erkennen, dass du uns führst. Alle
Völker werden sehen und verstehen: du willst die Menschen retten.
Ps 67,4 Die Völker sollen dir danken, Gott! Ja, alle Völker sollen dich preisen!
Ps 67,5 Alle Menschen sollen sich freuen und jubeln, denn du bist ein gerechter
Richter, du regierst die ganze Welt.
Ps 67,6 Die Völker sollen dir danken, Gott! Ja, alle Völker sollen dich preisen!
Ps 67,7 Das Land brachte eine gute Ernte hervor, unser Gott hat uns reich
beschenkt.
Ps 67,8 Er segne uns auch weiterhin! Alle Völker der Erde sollen ihn anbeten!
Ps 68,1 Ein Lied Davids.
Ps 68,2 Gott erhebt sich und zerstreut seine Feinde; alle, die ihn hassen,
ergreifen die Flucht.
Ps 68,3 Gott treibt sie auseinander wie Wind den Rauch. Wie Wachs im Feuer
zerschmilzt, so vergehen alle, die Gott verachten, wenn er ihnen begegnet.
Ps 68,4 Alle aber, die Gott die Treue halten, freuen sich, wenn er sich zeigt.
Sie jubeln ihm zu, überwältigt von Freude.
Ps 68,5 Singt für den Herrn, besingt seinen Namen! Ebnet den Weg für den, der
durch die Steppe reitet: »Herr« ist sein Name. Jubelt ihm zu, wenn er erscheint!
Ps 68,6 Ein Anwalt der Witwen und ein Vater der Waisen ist Gott in seinem
Heiligtum.
Ps 68,7 Den Einsamen gibt er ein Zuhause, den Gefangenen schenkt er Freiheit und
Glück. Wer jedoch gegen jede Ordnung verstößt, führt ein trostloses Leben.
Ps 68,8 Gott, als du vor deinem Volk herzogst und mit ihm die Wüste
durchquertest,
Ps 68,9 da bebte die Erde; vom Himmel strömte der Regen herab, als du dich am
Berg Sinai zeigtest, du Gott Israels.
Ps 68,10 Du ließest so viel Regen fallen, Herr, dass das ausgedörrte Land wieder
fruchtbar wurde. Das Land, das du uns zum Erbe gegeben hattest,
Ps 68,11 wurde so zur Heimat für dein Volk, das keine Bleibe hatte. Du hast für
sie gesorgt, du gütiger Gott!
Ps 68,12 Der Herr gab den Befehl, und viele Frauen verbreiteten die freudige
Nachricht vom Sieg:
Ps 68,13 [13/14] »Die feindlichen Könige jagen mit ihren Heeren in heilloser
Flucht davon! Wir Frauen zu Hause teilen die Beute aus: Silber und schimmerndes
Gold - alles glitzert und glänzt in herrlicher Pracht! Wollt ihr da noch bei den
Herden sitzen bleiben?«
Ps 68,15 Als der allmächtige Gott die feindlichen Könige aus dem Land jagte, da
bedeckte die Beute den Boden wie Schnee den dunklen Berg.
Ps 68,16 Mächtig erhebt sich der Berg Baschan, gewaltig ragen seine Kuppen
empor.
Ps 68,17 Du zerklüfteter Berg, warum blickst du neidisch auf den Berg Zion, den
Gott sich zu seinem Wohnsitz erwählt hat? Ja, für immer wird der Herr dort
wohnen.
Ps 68,18 Unzählige Kampfwagen besitzt Gott, der Herr über die himmlischen Heere.
Vom Sinai her zieht er in sein Heiligtum ein.
Ps 68,19 Du bist in die Höhe hinaufgestiegen und hast Gefangene im Triumphzug
mitgeführt. Du hast den Menschen Tribut auferlegt; sogar die hartnäckigsten
Feinde sind bereit, sich dir zu unterwerfen.
Ps 68,20 Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt er unsere Lasten. Gott ist
unsere Hilfe.
Ps 68,21 Sind wir in Not, dann greift er ein; er kann sogar vom Tod erretten.
Ps 68,22 Seinen Feinden aber wird er den Kopf zerschmettern, denen, die sich von
ihren Sünden nicht abbringen lassen.
Ps 68,23 Der Herr hat gesagt: »Ich ziehe meine Feinde zur Rechenschaft, ob sie
sich im Baschangebirge verstecken oder gar im tiefen Meer.
Ps 68,24 Dann wirst du mit deinen Füßen in ihrem Blut stehen, und deine Hunde
werden es auflecken.«
Ps 68,25 Gott, alle sind Zeugen deines Triumphzuges; sie sehen, wie du ins
Heiligtum einziehst, du, mein Gott und König!
Ps 68,26 Die Sänger führen den Zug an, ihnen folgen die Harfenspieler, umringt
von Mädchen, die das Tamburin schlagen:
Ps 68,27 »Preist Gott, ihr Chöre, preist den Herrn, ihr Nachkommen Israels!«
Ps 68,28 Darauf folgt Benjamin, der kleinste unter den Stämmen, nach ihm kommen
die Fürsten von Juda mit ihrem Gefolge, und schließlich die Fürsten von Sebulon
und von Naftali.
Ps 68,29 Gott, zeige deine Macht, die du schon früher an uns erwiesen hast!
Ps 68,30 Dein Tempel ragt hoch über Jerusalem. Dorthin bringen dir Könige ihren
Tribut.
Ps 68,31 Erschrecke die Großmacht Ägypten, das Ungeheuer am Nil! Weise die
Machthaber und ihre Völker zurecht! Wirf die Nationen zu Boden, die nach Beute
gieren und den Krieg lieben!
Ps 68,32 Aus Ägypten werden Gesandte ankommen, Äthiopien wird herbeieilen und
Gott reiche Geschenke bringen.
Ps 68,33 Singt zur Ehre Gottes, spielt für ihn auf euren Instrumenten, ihr
Völker dieser Erde!
Ps 68,34 Er reitet durch den Himmel, der seit Urzeiten besteht. Hört, wie
gewaltig seine Stimme ertönt!
Ps 68,35 Verkündet Gottes Macht; er regiert über Israel, seiner Macht ist auch
über den Wolken keine Grenze gesetzt!
Ps 68,36 Die Menschen erschrecken und staunen, wenn er in seinem Heiligtum
erscheint. Der Gott Israels gibt seinem Volk Stärke und Macht. Gelobt sei Gott!
Ps 69,1 Von David. Nach der Melodie: »Lilien.«
Ps 69,2 Rette mich, Gott, das Wasser steht mir bis zum Hals!
Ps 69,3 Ich versinke im tiefen Schlamm; meine Füße finden keinen Halt mehr. Die
Strudel ziehen mich nach unten, und die Fluten schlagen schon über mir zusammen.
Ps 69,4 Ich habe mich heiser geschrien und bin völlig erschöpft, der letzte
Hoffnungsschimmer ist erloschen. Vergeblich halte ich Ausschau nach meinem Gott.
Ps 69,5 Wie viele hassen mich ohne jeden Grund! Ich habe mehr Feinde als Haare
auf dem Kopf. Sie besitzen Macht und wollen mich auslöschen. Ich soll
zurückgeben, was ich nie gestohlen habe, so fordern sie lauthals von mir.
Ps 69,6 Menschen können mir nichts vorwerfen, in deinen Augen jedoch bin ich
nicht ohne Schuld; du weißt besser als ich, wie blind ich war.
Ps 69,7 Herr, du gebietest über alle himmlischen Heere, und du bist Herr und
Gott in Israel: Enttäusche nicht die Menschen, die dir vertrauen! Denn wenn sie
sehen, dass du mich im Stich lässt, werden sie an dir verzweifeln!
Ps 69,8 Man verhöhnt mich, weil ich zu dir gehöre, Schimpf und Schande muss ich
über mich ergehen lassen.
Ps 69,9 Meine nächsten Verwandten wollen nichts mehr mit mir zu tun haben,
selbst meinen Brüdern bin ich fremd geworden.
Ps 69,10 Ich verzehre mich in rastlosem Eifer für deinen Tempel. Die
Anfeindungen, die dir, Gott, galten, haben mich getroffen.
Ps 69,11 Ich weinte über den Zustand deines Heiligtums und fastete, aber damit
wurde ich erst recht zum Gespött der Leute.
Ps 69,12 Als ich ein grobes Bußgewand anzog, kam ich noch mehr ins Gerede.
Ps 69,13 Auf dem Marktplatz zerreißen sie sich das Maul über mich; und bei
Zechgelagen grölen sie ihre Spottlieder.
Ps 69,14 Ich aber bete zu dir, Herr! Jetzt ist die Zeit gekommen, in der du mich
erhören wirst! Antworte mir! Du hast so viel Gutes für mich bereit! Ich rechne
fest mit deiner Hilfe.
Ps 69,15 Ziehe mich aus dem Sumpf heraus, lass mich nicht versinken! Rette mich
vor denen, die mich hassen! Zieh mich heraus aus dem reißenden Wasser,
Ps 69,16 sonst schlagen die Fluten über mir zusammen, und der Strudel reißt mich
in die Tiefe; hol mich heraus, sonst verschlingt mich der Abgrund!
Ps 69,17 Antworte mir, Herr, denn deine Güte tröstet mich! Wende dich mir zu in
deinem großen Erbarmen.
Ps 69,18 Verbirg dich nicht länger vor mir, ich gehöre ja zu dir! Ich weiß
keinen Ausweg mehr, darum antworte mir schnell.
Ps 69,19 Komm und rette mich, damit meine Feinde das Nachsehen haben!
Ps 69,20 Du kennst die Schmach, die man mir zufügt, du weißt, wie man mich mit
Hohn und Spott überschüttet. Und du kennst jeden, der mich bedrängt.
Ps 69,21 Die Schmach bricht mir das Herz, sie macht mich krank. Ich hoffte auf
Mitleid, aber nein! Ich suchte Trost und fand ihn nicht!
Ps 69,22 Sie mischten Gift in meine Speise; und als ich Durst hatte, gaben sie
mir Essig zu trinken.
Ps 69,23 Zur Falle sollen ihre Festessen werden! Lass sie ins Verderben stürzen!
Ps 69,24 Lass sie blind werden, dass sie nichts mehr sehen, und renke ihnen die
Hüfte aus!
Ps 69,25 Schütte deinen Zorn über sie aus, überwältige sie in deinem Grimm!
Ps 69,26 Ihr Wohnort soll verwüstet werden, in ihren Zelten niemand mehr wohnen!
Ps 69,27 Denn sie verfolgen noch den erbarmungslos, den du schon gestraft hast.
Schadenfroh erzählen sie von seinen Schmerzen.
Ps 69,28 Vergib ihnen nichts! Rechne ihnen jede einzelne Schuld an, damit sie
nicht vor dir bestehen können!
Ps 69,29 Lösche ihre Namen aus dem Buch des Lebens, damit sie nicht bei denen
aufgeschrieben sind, die nach deinem Willen leben!
Ps 69,30 Ich aber bin elend und von Schmerzen gequält. Beschütze mich, Gott, und
hilf mir wieder auf!
Ps 69,31 Dann will ich dich loben mit meinem Lied; ich will deinen Namen rühmen
und dir danken!
Ps 69,32 Daran hast du mehr Freude als an Rindern, die man dir opfert, oder an
fetten Stieren.
Ps 69,33 Wenn die Unterdrückten das sehen, werden sie froh. Ihr, die ihr Gott
vertraut, fasst neuen Mut!
Ps 69,34 Denn der Herr hört das Rufen der Armen und Hilflosen. Wer um
seinetwillen ins Gefängnis geworfen wird, den überlässt er nicht seinem
Schicksal.
Ps 69,35 Himmel und Erde sollen ihn loben, die Meere und alles, was darin lebt!
Ps 69,36 Denn der Herr wird den Berg Zion befreien und die Städte in Juda wieder
aufbauen. Sein Volk wird sich darin niederlassen und das Land erneut in Besitz
nehmen.
Ps 69,37 Die Nachkommen derer, die dem Herrn dienen, werden es erben; alle, die
ihn lieben, werden darin wohnen.
Ps 70,1 Ein Lied Davids, beim Gedächtnisopfer zu singen.
Ps 70,2 Herr, ich bitte dich: Rette mich, komm mir schnell zu Hilfe!
Ps 70,3 Wer mir nach dem Leben trachtet, der soll scheitern und öffentlich
bloßgestellt werden. Wer sich über mein Unglück hämisch freut, den jage mit
Schimpf und Schande davon!
Ps 70,4 Alle, die schadenfroh lästern: »Haha, das geschieht dir recht!«, sollen
kleinlaut davonschleichen wegen ihrer selbstverschuldeten Schande!
Ps 70,5 Aber alle, die sich dir anvertrauen, werden vor Freude jubeln! Wer dich
als Retter kennt und liebt, wird immer wieder rufen: »Groß ist der Herr!«
Ps 70,6 Ich bin hilflos und ganz auf dich angewiesen, Herr; sorge für mich, denn
du bist mein Helfer und Befreier! Komm rasch zu mir! Mein Gott, zögere nicht
länger!
Ps 71,1 Bei dir, Herr, suche ich Schutz. Lass nicht zu, dass meine Feinde mich
zugrunde richten!
Ps 71,2 Du bist ein gerechter Gott, darum hilf mir und rette mich! Höre mein
Gebet! Hilf mir doch!
Ps 71,3 Schenke mir Geborgenheit, wie ein Haus, in das ich jederzeit kommen
kann! Du hast doch beschlossen, mich zu retten! Ja, du bietest mir Schutz, du
bist meine Burg.
Ps 71,4 Mein Gott! Die Gottlosen haben mich in ihrer Gewalt. Sie brechen die
Gesetze und schrecken vor keiner Gewalttat zurück. Rette mich aus ihren Klauen!
Ps 71,5 Du bist meine Hoffnung, Herr, dir vertraue ich von Kindheit an!
Ps 71,6 Ja, seit meiner Geburt bist du mein Halt. Vom ersten Tag an hast du für
mich gesorgt. Darum will ich dich loben mein Leben lang.
Ps 71,7 Viele, die meine Not und mein Leiden sahen, mussten denken: Gott hat ihn
verworfen! Aber du hast dich als ein machtvoller Beschützer erwiesen.
Ps 71,8 Darum will ich dich vor anderen loben, Tag für Tag will ich dich rühmen.
Ps 71,9 Verstoße mich nicht, jetzt, wo ich alt geworden bin; verlass mich nicht,
wenn meine Kräfte nun schwinden!
Ps 71,10 Meine Feinde wollen mich umbringen; schon tun sie sich zusammen und
planen einen Anschlag.
Ps 71,11 »Gott hat ihn aufgegeben«, sagen sie. »Los, ihm nach! Packt ihn! Jetzt
hat er keinen mehr, der ihm beisteht!«
Ps 71,12 Gott, warum bist du so weit weg? Mein Gott, komm mir schnell zu Hilfe!
Ps 71,13 Mit allen Mitteln kämpfen sie gegen mich - lass sie scheitern und
umkommen! Nichts lassen sie unversucht, um mich ins Unglück zu stürzen. Bring
Schimpf und Schande über sie!
Ps 71,14 Nie werde ich aufhören, auf dich zu hoffen - loben will ich dich, je
länger, je mehr.
Ps 71,15 Laut werde ich es sagen: Auf deine Zusagen ist Verlass! Jeden Tag will
ich erzählen, wie du aus der Not befreist; du tust viel mehr, als ich aufzählen
kann!
Ps 71,16 Deine machtvollen Taten will ich rühmen, Herr, mein Gott! Du hältst
Wort - das allein werde ich weitersagen!
Ps 71,17 Von Jugend auf bist du mein Lehrer gewesen, und bis heute erzähle ich
von deinen Wundertaten.
Ps 71,18 Lass mich auch jetzt nicht im Stich, o Gott, jetzt, wo ich alt und grau
geworden bin! Gib mir noch so viel Zeit, dass ich auch meinen Kindern und Enkeln
noch erzählen kann, wie groß und mächtig du bist!
Ps 71,19 Gott, deine Treue umschließt Himmel und Erde. Du hast große Dinge
getan! Wer ist wie du?
Ps 71,20 Not und Elend hast du mir zwar nicht erspart, aber du erhältst mich am
Leben und bewahrst mich vor dem sicheren Tod.
Ps 71,21 Du bringst mich wieder zu Ehren, ja, du schenkst mir größeres Ansehen
als zuvor. Das tröstet mich!
Ps 71,22 Darum will ich dir mit dem Spiel auf der Harfe danken. Ich lobe deine
Treue, du, mein Gott! Zur Laute will ich dir singen, dir, dem heiligen Gott
Israels!
Ps 71,23 Ich juble vor Freude, wenn ich von dir singe, denn du hast mich
errettet.
Ps 71,24 Tag für Tag will ich davon reden, dass du wirklich Wort hältst. Alle,
die mich ins Unglück stürzen wollten, haben es nicht geschafft. Mit Schimpf und
Schande wurden sie überhäuft!
Ps 72,1 Von Salomo. Gott, lass den König an deiner Stelle Recht sprechen! Gib
ihm deinen Sinn für Gerechtigkeit ins Herz!
Ps 72,2 Als oberster Richter soll er dein Volk unparteiisch regieren und dem
Rechtlosen zu seinem Recht verhelfen.
Ps 72,3 Durch seine Herrschaft werden im ganzen Land Frieden und Wohlstand
wachsen.
Ps 72,4 Er wird für die Unterdrückten eintreten und sich zum Anwalt der Armen
machen; die Unterdrücker aber wird er zum Tode verurteilen.
Ps 72,5 Er soll regieren, solange die Erde besteht und solange es Menschen gibt.
Ps 72,6 Seine Herrschaft sei wohltuend wie der Regen, der auf die Wiesen
niedergeht, wie erfrischende Schauer, die trockene Felder bewässern.
Ps 72,7 Dann werden alle aufblühen, die Gott die Treue halten, Gerechtigkeit und
Wohlstand werden herrschen bis ans Ende der Zeit.
Ps 72,8 Seine Macht reiche von einem Meer zum anderen, vom Euphrat bis zum Ende
der Erde!
Ps 72,9 Ihm sollen sich die Bewohner der Wüste unterwerfen, und auch seine
Feinde sollen im Staub vor ihm kriechen.
Ps 72,10 Die Könige von Tarsis und von den fernen Inseln werden ihm Geschenke
bringen, und auch die Herrscher von Saba und Seba werden ihm Abgaben entrichten.
Ps 72,11 Huldigen sollen ihm alle Könige, und alle Völker ihm dienen!
Ps 72,12 Denn er rettet den Wehrlosen, der um Hilfe fleht; den Schwachen, dem
jeder andere seine Unterstützung versagt.
Ps 72,13 Am Schicksal der Hilflosen nimmt er Anteil und bewahrt sie vor dem
sicheren Tod.
Ps 72,14 Er befreit sie von Gewaltherrschaft, ihrer Unterdrückung macht er ein
Ende, denn in seinen Augen ist ihr Leben wertvoll.
Ps 72,15 Lang lebe der König! Man bringe ihm Gold von Saba! Man bete allezeit
für ihn und wünsche ihm Glück und Segen den ganzen Tag!
Ps 72,16 Im ganzen Land möge das Getreide wachsen im Überfluss, sogar noch auf
den Gipfeln der Berge soll es gedeihen - so üppig wie die Wälder auf dem
Libanon. In den Städten möge reges Leben herrschen.
Ps 72,17 Der Name des Königs soll nie vergessen werden; sein Ruhm sei
unsterblich, solange die Erde besteht! Mögen alle Völker Gott bitten, sie so zu
segnen, wie er den König gesegnet hat! Ihn, den König, sollen sie preisen!
Ps 72,18 Gelobt sei Gott, der Herr, der Gott Israels! Er vollbringt Wunder, er
allein!
Ps 72,19 Lobt seinen erhabenen Namen für alle Zeit! Seine Macht und Hoheit
erfülle die ganze Welt! Amen!
Ps 72,20 Hier sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais, zu Ende.
Ps 73,1 Ein Lied Asafs. Gott ist gut zu Israel, zu allen, die ihm ganz
vertrauen. Das kann niemand bestreiten!
Ps 73,2 Ich aber hätte beinahe an ihm gezweifelt, fast hätte ich den Glauben
aufgegeben.
Ps 73,3 Denn ich beneidete die überheblichen Menschen: Ihnen geht es gut, obwohl
Gott ihnen völlig gleichgültig ist.
Ps 73,4 Ihr Leben lang haben sie keine Schmerzen, sie strotzen vor Gesundheit
und Kraft.
Ps 73,5 Sie müssen sich nicht abplagen wie andere Menschen, und die täglichen
Sorgen sind ihnen ganz und gar fremd.
Ps 73,6 Sie sind stolz auf ihren Stolz und tragen ihn zur Schau, ja, sie prahlen
sogar mit ihren Gewalttaten.
Ps 73,7 In ihren feisten Gesichtern spiegelt sich die Bosheit ihres Herzens
wider.
Ps 73,8 Mit Verachtung schauen sie auf andere herab und verhöhnen sie, mit
zynischen Worten setzen sie jeden unter Druck.
Ps 73,9 Sie tun, als kämen ihre Worte vom Himmel; sie meinen, ihre Sprüche seien
für die ganze Menschheit wichtig.
Ps 73,10 Darum läuft sogar Gottes Volk ihnen nach, es hängt an ihren Lippen und
glaubt alles, was man ihm vorsetzt.
Ps 73,11 Denn diese eingebildeten Leute sagen: »Gott kümmert sich um nichts -
wie sollte er auch? Er thront so weit oben und weiß nicht, was sich hier unten
abspielt!«
Ps 73,12 Selbstsicher und sorglos leben sie in den Tag hinein, ihr Vermögen und
ihre Macht werden immer größer.
Ps 73,13 War es denn völlig umsonst, dass ich mir ein reines Gewissen bewahrte
und mir nie etwas zuschulden kommen ließ?
Ps 73,14 Jeder Tag wird mir zur Qual, eine Strafe ist er schon am frühen Morgen!
Ps 73,15 Hätte ich mir vorgenommen: »Ich will genauso vermessen reden wie sie!«,
dann hätte ich dein ganzes Volk verraten.
Ps 73,16 Also versuchte ich zu begreifen, warum es dem Gottlosen gut und dem
Frommen schlecht geht, aber es war viel zu schwer für mich.
Ps 73,17 Da ging ich in Gottes heiligen Tempel, und dort wurde mir auf einmal
klar: entscheidend ist, wie ihr Leben endet!
Ps 73,18 Du stellst sie auf schlüpfrigen Boden und wirst sie ins Verderben
stürzen.
Ps 73,19 Ganz plötzlich wird sie das Entsetzen packen, sie werden ein Ende mit
Schrecken nehmen.
Ps 73,20 Wie ein Traum beim Erwachen verschwindet, so vergehen sie, wenn du dich
erhebst, o Herr.
Ps 73,21 Als ich verbittert war und mich vor Kummer verzehrte,
Ps 73,22 da war ich dumm wie ein Stück Vieh, denn ich verstand dich nicht.
Ps 73,23 Jetzt aber bleibe ich immer bei dir, und du hältst mich bei der Hand.
Ps 73,24 Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf.
Ps 73,25 Herr, wenn ich nur dich habe, bedeuten Himmel und Erde mir nichts.
Ps 73,26 Selbst wenn alle meine Kräfte schwinden und ich umkomme, so bist du
doch, Gott, allezeit meine Stärke - ja, du bist alles, was ich habe!
Ps 73,27 Eines ist sicher: Wer dich ablehnt, wird zugrunde gehen; du vernichtest
jeden, der dir die Treue bricht.
Ps 73,28 Ich aber darf dir immer nahe sein, mein Herr und Gott; das ist mein
ganzes Glück! Dir vertraue ich, deine wunderbaren Taten will ich weitererzählen.
Ps 74,1 Von Asaf, zum Nachdenken. Gott, warum hast du uns für immer verstoßen?
Warum lässt du deinen Zorn an uns aus? Wir gehören doch zu dir wie die Schafe
zum Hirten!
Ps 74,2 Erinnere dich daran, dass wir dein Volk sind! Vor langer Zeit hast du
uns angenommen und uns aus der Gefangenschaft befreit. Wir alle sind dein
Eigentum! Denke an den Berg Zion, den du dir als Wohnsitz erwählt hast!
Ps 74,3 Geh über die Trümmer, die schon so lange dort liegen; sieh doch: Alles
haben die Feinde im Tempel verwüstet!
Ps 74,4 Ihr lautes Siegesgeschrei entweihte die heilige Stätte, ihre Fahnen
haben sie als Zeichen des Sieges aufgestellt.
Ps 74,5 Im Tempel sieht es aus, als hätte man Kleinholz gehackt:
Ps 74,6 Die kostbaren Schnitzereien haben sie mit Äxten und Brechstangen
zertrümmert.
Ps 74,7 Danach steckten sie dein Heiligtum in Brand, sie entweihten den Ort, wo
du angebetet wurdest.
Ps 74,8 Sie wollten uns alle vernichtend schlagen, im ganzen Land haben sie die
Gotteshäuser niedergebrannt.
Ps 74,9 Nichts mehr deutet darauf hin, dass du noch Herr der Lage bist. Es gibt
keinen Propheten mehr - niemand von uns weiß, wie lange das noch so weitergehen
soll.
Ps 74,10 Wie lange, Gott, willst du dich von den Feinden verhöhnen lassen?
Sollen sie für immer deinen Namen in den Schmutz ziehen?
Ps 74,11 Warum hältst du dich zurück? Warum greifst du nicht ein? Zeige deine
Macht und vernichte sie!
Ps 74,12 Gott, seit uralter Zeit bist du unser König, schon oft hast du unser
Land gerettet.
Ps 74,13 Du hast mit deiner Macht das Meer gespalten und den Seedrachen die
Schädel zerschmettert.
Ps 74,14 Ja, du hast dem Seeungeheuer die Köpfe abgehauen und es den
Wüstentieren zum Fraß vorgeworfen.
Ps 74,15 Du ließest Quellen und Bäche hervorsprudeln und brachtest große Ströme
zum Versiegen.
Ps 74,16 Dir gehört der Tag und auch die Nacht, du hast die Sonne und den Mond
geschaffen.
Ps 74,17 Du hast alle Grenzen der Erde festgelegt, hast Sommer und Winter
gemacht.
Ps 74,18 Denke daran, Herr, wie deine Feinde dich verhöhnen! Dieses gewissenlose
Pack zieht deinen Namen in den Schmutz!
Ps 74,19 Liefere uns nicht diesen Raubtieren aus, du weißt doch, wie hilflos wir
sind!
Ps 74,20 Denke an deinen Bund mit uns! Selbst in den Schlupfwinkeln des Landes
ist niemand mehr vor roher Gewalt sicher.
Ps 74,21 Herr, lass nicht zu, dass dein unterdrücktes Volk mit Schande überhäuft
wird! Wir sind arm und wehrlos. Rette uns, damit wir dich loben können!
Ps 74,22 Gott, greife endlich ein, denn ihr Angriff gilt dir! Sorge dafür, dass
du Recht behältst! Sieh auf diese Meute, die dich Tag für Tag verspottet!
Ps 74,23 Ständig lärmen deine Feinde und lehnen sich gegen dich auf. Vergiss
ihre Schmähungen nicht!
Ps 75,1 Ein Lied Asafs, nach der Melodie: »Richte nicht zugrunde.«
Ps 75,2 Wir danken dir, o Gott, wir danken dir! Du bist uns nahe! Wir erzählen
von deinen wunderbaren Taten.
Ps 75,3 Gott spricht: »Wenn meine Zeit gekommen ist, werde ich gerecht richten!
Ps 75,4 Mag auch die Erde beben, und mögen ihre Bewohner vor Angst zittern - ich
selbst habe die Fundamente der Erde unverrückbar festgelegt.
Ps 75,5 So befehle ich nun den großmäuligen Angebern: Schluss mit euren großen
Worten! Denen, die mich ablehnen, sage ich: Blast euch nicht so auf!
Ps 75,6 Ja, hört auf zu prahlen, und lasst ab von eurem Stolz! Tragt eure Nase
nicht so hoch!
Ps 75,7 Wahre Größe kann kein Mensch verleihen - ganz gleich, woher er kommt!«
Ps 75,8 Denn Gott allein ist Richter: Den einen lässt er fallen, den anderen
bringt er zu Ansehen und Macht.
Ps 75,9 Der Herr hat einen Becher in seiner Hand, gefüllt mit starkem,
betäubendem Trank. Alle, die den Herrn verachten, müssen den Becher bis zum
letzten bitteren Tropfen austrinken.
Ps 75,10 Ich aber will immer von Gott erzählen, für ihn, den Gott Jakobs, will
ich musizieren.
Ps 75,11 Er spricht: »Ich werde die Macht der Gottlosen brechen; doch alle, die
mir die Treue halten, bringe ich zu Ansehen und Macht.«
Ps 76,1 Ein Lied Asafs, mit Saiteninstrumenten zu begleiten.
Ps 76,2 Gott ist in Juda jedem bekannt, in ganz Israel wird sein Name geehrt.
Ps 76,3 In Jerusalem wurde sein Heiligtum errichtet; sein Tempel steht auf dem
Berg Zion.
Ps 76,4 Dort zerbrach er Pfeile, Schilde und Schwerter, ja, alles Kriegsgerät!
Ps 76,5 Du bist glanzvoller und mächtiger als die Feinde in den Bergen, die von
dort aus ihre Raubzüge unternahmen.
Ps 76,6 Diese stolzen Krieger - nun sind sie ihrer Waffen beraubt! Sie schlafen
den Todesschlaf, und niemals werden sie wieder zur Waffe greifen.
Ps 76,7 Du, Gott Jakobs, brauchtest nur zu drohen, und schon fielen Ross und
Reiter.
Ps 76,8 Furchterregend bist du, o Gott! Wer kann vor dir bestehen, wenn dein
Zorn losbricht?
Ps 76,9 Die Menschen auf der Erde erstarrten vor Schreck und wurden stumm, als
dein Richterspruch vom Himmel ertönte,
Ps 76,10 als du dich erhobst, um Gericht zu halten und den Entrechteten im Land
zu helfen.
Ps 76,11 Das Wüten der Feinde vermehrt deinen Ruhm, selbst ihr verzweifeltes
Toben machst du dir zunutze!
Ps 76,12 Gebt Gott, dem Herrn, Versprechen und haltet sie! Ihr Völker rings um
Israel - bringt ihm eure Gaben, denn groß und gewaltig ist er!
Ps 76,13 Er bricht den Stolz der hochmütigen Herrscher, die Mächtigen dieser
Welt müssen ihn fürchten!
Ps 77,1 Ein Lied Asafs. Für Jedutun.
Ps 77,2 Ich rufe zu Gott, ja, ich schreie immer wieder, damit er mich endlich
hört.
Ps 77,3 Ich habe große Angst und sehe keinen Ausweg mehr. Unaufhörlich bete ich
zu Gott - sogar in der Nacht strecke ich meine Hände nach ihm aus. Ich bin
untröstlich.
Ps 77,4 Wenn ich an Gott denke, fange ich an zu seufzen; grüble ich über meine
Lage nach, so verliere ich allen Mut.
Ps 77,5 Ich kann nicht schlafen, weil er mich wach hält; die Unruhe treibt mich
umher, ich finde keine Worte mehr.
Ps 77,6 Ich erinnere mich an frühere Zeiten, an Jahre, die längst vergangen
sind,
Ps 77,7 als ich beim Spiel auf der Harfe noch fröhlich sein konnte. Jede Nacht
grüble ich nach; das Herz wird mir schwer, weil meine Gedanken immer um die
gleichen Fragen kreisen:
Ps 77,8 Hat der Herr uns für alle Zeiten verstoßen? Wird er nie wieder
freundlich zu uns sein?
Ps 77,9 Ist seine Gnade für immer zu Ende? Gelten seine Zusagen nicht mehr?
Ps 77,10 Hat Gott vergessen, uns gnädig zu sein? Warum verschließt er uns im
Zorn sein Herz?
Ps 77,11 Das ist es, was mich am meisten schmerzt: Gott, der Höchste, verhält
sich jetzt anders als vorher - er setzt sich nicht mehr für uns ein!
Ps 77,12 Ich erinnere mich an deine großen Taten, Herr, und denke an die Wunder,
die du einst vollbracht hast.
Ps 77,13 Ich führe mir vor Augen, was du getan hast, immer wieder mache ich es
mir bewusst.
Ps 77,14 O Gott, heilig ist alles, was du tust. Kein anderer Gott ist so mächtig
wie du!
Ps 77,15 Du allein bist der Gott, der Wunder vollbringt; du hast die Völker
deine Macht spüren lassen.
Ps 77,16 Mit starker Hand hast du dein Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten
befreit, die Nachkommen Jakobs und Josefs.
Ps 77,17 Als dich die Wasserfluten sahen, begannen sie zu brodeln, sogar die
Tiefen des Meeres erzitterten.
Ps 77,18 Aus den Wolken goss strömender Regen, gewaltige Donnerschläge krachten,
und deine Blitze durchzuckten die Luft.
Ps 77,19 Ja, im Sturm donnerte deine Stimme; grelle Blitze erhellten die Erde,
sie zitterte und bebte.
Ps 77,20 Du bahntest dir einen Weg mitten durch das Meer. Dein Pfad führte durch
mächtige Fluten, doch deine Spuren konnte niemand erkennen.
Ps 77,21 Durch Mose und Aaron, deine Diener, hast du dein Volk wie ein Hirte
geführt.
Ps 78,1 Von Asaf, zum Nachdenken. Höre, mein Volk, auf meine Weisungen; gib Acht
auf das, was ich dir sage!
Ps 78,2 Ich will euch die Geschichte unseres Volkes vor Augen malen. Ihre
dunklen Rätsel will ich euch erklären.
Ps 78,3 [3/4] Was wir gehört und erfahren haben, was schon unsere Väter uns
erzählten, das wollen wir auch unseren Kindern nicht verschweigen. Jede
Generation soll von den mächtigen Taten Gottes hören, von allen Wundern, die er
vollbracht hat.
Ps 78,5 Er gab Israel sein Gesetz, gab den Nachkommen Jakobs seine Gebote.
Unseren Vorfahren befahl er, sie ihren Kindern bekannt zu machen.
Ps 78,6 So soll jede Generation seine Weisungen kennen lernen - alle Kinder, die
noch geboren werden. Auch diese sollen sie ihren Nachkommen einprägen.
Ps 78,7 Sie alle sollen auf Gott ihr Vertrauen setzen und seine Machttaten nicht
vergessen. Was er befohlen hat, sollen sie tun,
Ps 78,8 und nicht so handeln wie ihre Vorfahren, die sich gegen Gott auflehnten
und sich ihm widersetzten: Sie waren untreu und unbeständig.
Ps 78,9 Die Ephraimiten besaßen starke und gut ausgerüstete Bogenschützen.
Trotzdem flohen sie, als es zur Schlacht kam.
Ps 78,10 Sie hatten den Bund gebrochen, den Gott mit ihnen geschlossen hatte,
und weigerten sich, nach seinem Gesetz zu leben.
Ps 78,11 Sie vergaßen seine großen Taten - alle Wunder, die er sie mit eigenen
Augen hatte sehen lassen.
Ps 78,12 Ja, schon ihre Vorfahren hatten seine Wunder erlebt, damals in Ägypten
im Gebiet von Zoan.
Ps 78,13 Er teilte das Meer und ließ sie hindurchziehen, das Wasser türmte er
auf wie einen Wall.
Ps 78,14 Am Tage führte er sie mit einer Wolke und in der Nacht mit hellem
Feuerschein.
Ps 78,15 In der Wüste spaltete er Felsen und gab ihnen Wasser aus der Tiefe in
Hülle und Fülle.
Ps 78,16 Ganze Bäche brachen aus den Felsspalten hervor und stürzten herab wie
ein Wasserfall.
Ps 78,17 Aber unsere Vorfahren sündigten weiter gegen Gott, den Höchsten, dort
in der Wüste lehnten sie sich gegen ihn auf.
Ps 78,18 Sie forderten Gott heraus und verlangten von ihm die Speise, auf die
sie gerade Lust hatten.
Ps 78,19 Voller Misstrauen fragten sie: »Ist Gott denn überhaupt in der Lage,
uns hier in der Wüste den Tisch zu decken?
Ps 78,20 Den Felsen hat er zwar gespalten, und das Wasser floss in Strömen
heraus - aber kann er auch Brot herbeischaffen, kann er für sein Volk Fleisch
auftreiben?«
Ps 78,21 Als der Herr das hörte, wurde er zornig; sein Zorn entflammte über
Israel wie ein zerstörendes Feuer.
Ps 78,22 Denn sie glaubten ihm nicht und rechneten nicht mit seiner Hilfe.
Ps 78,23 Dennoch gab er den Wolken Anweisungen und öffnete die Schleusen des
Himmels.
Ps 78,24 Er ließ das Manna auf sie herabregnen, Getreide vom Himmel gab er ihnen
zu essen.
Ps 78,25 Sie aßen das Brot der Engel, und Gott gab ihnen genug zum Sattwerden.
Ps 78,26 Dann ließ er den Ostwind losbrausen und schickte auch den Südwind auf
seine stürmische Reise.
Ps 78,27 Er ließ Fleisch auf sie regnen: Vögel, so zahlreich wie Sand am Meer.
Ps 78,28 Mitten ins Lager seines Volkes ließ er sie fallen, ihr Zeltplatz war
mit ihnen bedeckt.
Ps 78,29 Sie aßen davon und wurden mehr als satt; Gott gab ihnen alles, was sie
verlangten.
Ps 78,30 Doch ihre Gier war immer noch nicht gestillt, hemmungslos fraßen sie
alles in sich hinein.
Ps 78,31 Da wurde Gott aufs Neue zornig und brachte ihre stärksten Männer um, er
vernichtete die jungen Krieger Israels.
Ps 78,32 Dennoch sündigten sie weiter und vertrauten ihm nicht, obwohl er all
diese Wunder vollbracht hatte.
Ps 78,33 Da ließ er ihr Leben ohne jeden Sinn verstreichen, von Angst erfüllt
gingen ihre Jahre dahin.
Ps 78,34 Immer wenn Gott einige von ihnen tötete, fragten sie wieder nach ihm,
von Reue ergriffen suchten sie Gott.
Ps 78,35 Dann erinnerten sie sich, dass er ihr Beschützer war, dass er, der
Höchste, sie befreit hatte.
Ps 78,36 Aber ihre Reue war nicht echt: Jedes ihrer Worte war eine Lüge, nichts
von dem, was sie sagten, war ehrlich.
Ps 78,37 Ihr Vertrauen auf Gott war schwach und unbeständig; sie standen nicht
treu zu dem Bund, den er mit ihnen geschlossen hatte.
Ps 78,38 Trotzdem blieb er barmherzig, vergab ihre Schuld und tötete sie nicht.
Immer wieder hielt er seinen Zorn zurück, anstatt ihm freien Lauf zu lassen.
Ps 78,39 Er wusste ja, wie vergänglich sie waren - flüchtig wie ein Hauch, der
verweht und nicht wiederkehrt.
Ps 78,40 Wie oft boten sie Gott die Stirn, wie oft verletzten sie ihn tief, dort
in der Wüste!
Ps 78,41 Immer wieder forderten sie ihn heraus, sie beleidigten den heiligen
Gott Israels.
Ps 78,42 Sie vergaßen seine Macht und den Tag, an dem er sie von ihren Feinden
befreit hatte.
Ps 78,43 Damals vollbrachte er viele Zeichen und Wunder in dem Gebiet von Zoan
im Land Ägypten.
Ps 78,44 Er verwandelte die Ströme und Bäche der Ägypter in Blut, so dass
niemand mehr daraus trinken konnte.
Ps 78,45 Er schickte ihnen Insektenschwärme, die sie plagten, und Frösche, die
ihnen Verderben brachten.
Ps 78,46 Ihre Ernte überließ er gefräßigen Heuschrecken, die den Ertrag ihrer
Arbeit vernichteten.
Ps 78,47 Ihre Weinstöcke zerschlug er durch Hagel, ihre Feigenbäume wurden durch
Eisstücke zerstört.
Ps 78,48 Auch das Vieh lieferte er dem Hagel aus, ganze Herden kamen durch
Seuchen um.
Ps 78,49 Sein Zorn auf die Ägypter war grenzenlos, darum quälte er sie und
schickte Scharen von Unglücksengeln gegen sie.
Ps 78,50 Ja, er hielt seinen Zorn nicht länger zurück; er verschonte sie nicht
mehr vor dem Tod, sondern ließ sie durch die Pest umkommen.
Ps 78,51 Jeden ältesten Sohn tötete er in den Familien der Ägypter, der
Nachkommen Hams.
Ps 78,52 Dann ließ er sein Volk aufbrechen und führte es durch die Wüste wie ein
Hirte seine Schafe.
Ps 78,53 Sie fürchteten sich nicht, so sicher führte er sie; für ihre Feinde
aber wurde das Meer zum Grab.
Ps 78,54 Bis ins heilige Land brachte er sein Volk, bis zu dem Berg Zion, den er
zu seinem Heiligtum erklärte.
Ps 78,55 Ganze Völker vertrieb er aus dem Land und verteilte es unter die Stämme
Israels. Die Häuser der vertriebenen Völker waren nun ihre Wohnungen.
Ps 78,56 Doch erneut forderten sie Gott, den Höchsten, heraus und lehnten sich
gegen ihn auf. Seine Gebote waren ihnen gleichgültig.
Ps 78,57 Sie wandten sich von ihm ab und verließen ihn treulos wie schon ihre
Vorfahren; sie waren unzuverlässig wie ein Bogen, dessen Sehne reißt.
Ps 78,58 Sie erzürnten Gott, denn sie errichteten auf den Bergen Heiligtümer für
fremde Götter; mit ihren Götzenbildern reizten sie ihn zum Zorn.
Ps 78,59 Ja, er geriet außer sich vor Zorn und gab Israel völlig auf.
Ps 78,60 Er verließ sein Heiligtum in Silo - das Zelt, in dem er den Menschen
nahe gewesen war.
Ps 78,61 Die Bundeslade, das Zeichen seiner Macht und Ehre, gab er in die Hände
der Feinde.
Ps 78,62 Er war zornig über sein Volk und ließ es durch das Schwert der Gegner
umkommen.
Ps 78,63 Die jungen Männer fielen im Krieg, den Mädchen sang man kein
Hochzeitslied mehr.
Ps 78,64 Die Priester wurden mit dem Schwert umgebracht, ihre Witwen durften
nicht einmal die Totenklage anstimmen.
Ps 78,65 Doch dann erhob sich der Herr, als hätte er geschlafen; er stand auf
wie ein starker Krieger, der aus seinem Rausch erwacht.
Ps 78,66 Er schlug seine Feinde in die Flucht und machte sie für alle Zeiten zum
Gespött.
Ps 78,67 Die Nachkommen Josefs ließ er fallen, vom Stamm Ephraim wollte er
nichts mehr wissen.
Ps 78,68 Den Stamm Juda jedoch wählte er aus, den Berg Zion, dem seine Liebe
gehört.
Ps 78,69 Dort errichtete er sein Heiligtum - hoch ragt es auf; fest und
unerschütterlich wie die Erde steht es da.
Ps 78,70 Er wählte David aus, ihm zu dienen; von den Weiden holte er ihn weg,
Ps 78,71 wo er die Schafe hütete. Gott machte ihn zum Hirten über Israel, über
sein erwähltes Volk.
Ps 78,72 David regierte es mit aufrichtigem Herzen und führte es mit kluger
Hand.
Ps 79,1 Ein Lied Asafs. Gott, fremde Völker sind in dein Land eingefallen, das
du uns anvertraut hast; sie haben deinen heiligen Tempel entweiht und Jerusalem
in einen Trümmerhaufen verwandelt.
Ps 79,2 Sie haben alle umgebracht, die dir dienten und dir treu waren. Ihre
Leichen wurden ein Fraß der Geier und der wilden Tiere.
Ps 79,3 Auch rings um Jerusalem richteten sie ein schreckliches Blutbad an, und
keiner war da, der die Toten begrub.
Ps 79,4 Unsere Nachbarvölker verhöhnen uns, nur noch Spott haben sie für uns
übrig.
Ps 79,5 Herr, wie lange willst du noch zornig auf uns sein? Soll dein Zorn für
immer so weiterbrennen wie ein Feuer?
Ps 79,6 Lass ihn doch an den Völkern aus, die dich nicht anbeten, und an den
Königreichen, die deinen Namen nicht anrufen!
Ps 79,7 Denn sie haben dein Volk umgebracht und seine Wohnorte verwüstet.
Ps 79,8 Strafe uns doch nicht für die Sünden unserer Vorfahren! Zögere nicht,
erbarme dich über uns, denn wir sind am Ende unserer Kraft!
Ps 79,9 Hilf uns, Gott, unser Retter! Steh uns bei und vergib uns unsere Schuld!
Es geht doch um deine Ehre!
Ps 79,10 Warum sollen die fremden Völker spotten: »Wo bleibt er denn, ihr Gott?«
Zeige ihnen, wie du das Blut deines Volkes an den Feinden rächst! Lass uns das
noch erleben!
Ps 79,11 Lass das Stöhnen der Gefangenen zu dir dringen! Du hast grenzenlose
Macht; darum rette die, denen man das Leben nehmen will!
Ps 79,12 Herr, unsere Nachbarvölker haben dich beleidigt und verspottet. Zahle
es ihnen siebenfach zurück!
Ps 79,13 Wir aber sind dein Volk, wir gehören zu dir wie Schafe zu ihrem Hirten.
Allezeit wollen wir dich loben und jeder neuen Generation erzählen, wie groß du
bist!
Ps 80,1 Ein Lied Asafs, nach der Melodie »Lilien«, ein Bekenntnislied.
Ps 80,2 Höre uns, Gott, du Hirte Israels, der du dein Volk wie eine Herde
hütest! Der du über den Cherub-Engeln thronst - erscheine in deinem strahlenden
Glanz!
Ps 80,3 Zeige deine Macht den Stämmen Ephraim, Benjamin und Manasse! Komm und
hilf uns!
Ps 80,4 O Gott, richte uns, dein Volk, wieder auf! Wende dich uns in Liebe zu,
dann sind wir gerettet!
Ps 80,5 Herr, du Gott über Himmel und Erde, wie lange willst du noch zornig auf
uns sein, obwohl wir zu dir beten?
Ps 80,6 Tränen sind unsere einzige Speise - ganze Krüge könnten wir mit ihnen
füllen!
Ps 80,7 Unsere Feinde spotten über unsere Ohnmacht, sie streiten sich schon über
unser Land.
Ps 80,8 Herr, du Gott über Himmel und Erde - richte uns, dein Volk, wieder auf!
Wende dich uns in Liebe zu, dann sind wir gerettet!
Ps 80,9 In Ägypten grubst du den Weinstock Israel aus; du pflanztest ihn ein in
einem Land, aus dem du fremde Völker verjagtest.
Ps 80,10 Für ihn hast du den Boden gerodet, so dass er Wurzeln schlagen und sich
im ganzen Land ausbreiten konnte.
Ps 80,11 Mit seinem Schatten bedeckte er das Gebirge, bis zu den gewaltigen
Zedern im Norden wuchsen seine Reben.
Ps 80,12 Seine Ranken erstreckten sich bis zum Mittelmeer, und bis an den
Euphrat gelangten seine Zweige.
Ps 80,13 Warum hast du nur die schützende Mauer niedergerissen? Jetzt kann
jeder, der vorüberkommt, ihn plündern!
Ps 80,14 Die Wildschweine aus dem Wald verwüsten ihn, die wilden Tiere fressen
ihn kahl.
Ps 80,15 Herr, du Gott über Himmel und Erde - wende dich uns wieder zu! Schau
vom Himmel herab und rette dein Volk!
Ps 80,16 Kümmere dich um den Weinstock, den du selbst gepflanzt hast; sorge für
den jungen Spross, der durch dich erst stark wurde!
Ps 80,17 Unsere Feinde haben ihn abgehauen und ins Feuer geworfen; doch wenn du
ihnen entgegentrittst, kommen sie um.
Ps 80,18 Beschütze dein Volk, das du erwählt hast und das durch dich erst stark
wurde!
Ps 80,19 Dann wollen wir nie mehr von dir weichen. Erhalte uns am Leben, dann
wollen wir dich loben.
Ps 80,20 Herr, du Gott über Himmel und Erde - richte uns, dein Volk, wieder auf!
Wende dich uns in Liebe zu, dann sind wir gerettet!
Ps 81,1 Von Asaf, zum Spiel auf der Gittit.
Ps 81,2 Jubelt unserem Gott zu, stark und mächtig ist er! Jubelt laut über Gott,
den Gott Jakobs!
Ps 81,3 Stimmt Lieder an und schlagt die Pauken! Lasst die Saiten von Zither und
Harfe erklingen!
Ps 81,4 Stoßt in die Trompete zum jährlichen Fest; blast zu Beginn und zum
Abschluss des Festes - bei Neumond und bei Vollmond!
Ps 81,5 Dies ist für Israel eine bindende Ordnung, ein Gesetz des Gottes Jakobs.
Ps 81,6 Er gab es dem Volk Gottes, als er gegen die Ägypter kämpfte. Da! Ich
höre eine Stimme, die mir bisher unbekannt war:
Ps 81,7 »Ich habe deine Schultern von der Last befreit, den schweren Tragekorb
habe ich dir abgenommen.
Ps 81,8 Als du in der Not zu mir schriest, rettete ich dich. Ich antwortete dir
aus der Gewitterwolke, in der ich mich verborgen hielt. In Meriba prüfte ich
dein Vertrauen zu mir, als es dort in der Wüste kein Wasser mehr gab.
Ps 81,9 Höre, mein Volk; lass dich warnen, Israel! Wenn du doch auf mich hören
würdest!
Ps 81,10 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, wie sie bei fremden
Völkern verehrt werden - bete sie nicht an!
Ps 81,11 Denn ich allein bin der Herr, dein Gott, ich habe dich aus Ägypten
herausgebracht. Nach mir sollst du verlangen, und ich werde dich sättigen, ja,
ich schenke dir Segen im Überfluss!
Ps 81,12 Aber mein Volk hat nicht auf mich gehört, sie haben nicht mit sich
reden lassen.
Ps 81,13 Da überließ ich sie ihrer Starrköpfigkeit, und sie machten, was sie
wollten.
Ps 81,14 Wenn doch mein Volk auf mich hören wollte! Wenn doch Israel nach meinen
Geboten lebte!
Ps 81,15 Dann würde ich seine Feinde sofort in die Knie zwingen und denen, die
Israel unterdrücken, eine vernichtende Niederlage zufügen.«
Ps 81,16 Ja, alle, die den Herrn hassen, müssten sich ihm ergeben, und ihre
Strafe hätte kein Ende.
Ps 81,17 Israel aber würde er mit dem besten Weizen versorgen und mit Honig aus
den Bergen sättigen.
Ps 82,1 Ein Psalm Asafs. Gott steht auf inmitten der Götter, in ihrer
Versammlung erhebt er seine Anklage:
Ps 82,2 »Wie lange noch wollt ihr das Recht verdrehen, wenn ihr eure Urteile
sprecht? Wie lange noch wollt ihr Partei ergreifen für Menschen, die sich mir
widersetzen?
Ps 82,3 Verhelft den Wehrlosen und Waisen zu ihrem Recht! Behandelt die Armen
und Bedürftigen, wie es ihnen zusteht!
Ps 82,4 Reißt sie aus den Klauen ihrer Unterdrücker!«
Ps 82,5 Aber sie handeln ohne Sinn und Verstand; sie irren im Dunkeln umher und
sehen nicht, dass durch ihre Bosheit die Welt ins Wanken gerät.
Ps 82,6 Zwar hatte ich ihnen gesagt: »Ihr seid Götter! Ihr alle seid Söhne des
Höchsten!
Ps 82,7 Aber wie gewöhnliche Menschen müsst auch ihr sterben; euer Leben wird
genauso enden wie das eines jeden Herrschers!«
Ps 82,8 Erhebe dich, Gott, und richte die Welt, denn dir gehören alle Völker!
Ps 83,1 Ein Lied Asafs.
Ps 83,2 Gott, schweige nicht! Sieh nicht untätig zu!
Ps 83,3 Höre doch, wie deine Feinde rebellieren; alle, die dich hassen, sind
stolz und siegessicher.
Ps 83,4 Sie planen einen heimtückischen Anschlag auf dein Volk; sie halten
Kriegsrat gegen jene, die du bisher beschützt hast.
Ps 83,5 »Kommt!«, sagen sie, »wir wollen dieses Volk ausrotten! Den Namen Israel
soll niemand mehr kennen!«
Ps 83,6 Darin sind sie sich völlig einig, alle haben sich gegen dich
verschworen:
Ps 83,7 die Beduinen von Edom und die Ismaeliter, die Moabiter und die
Hagariter,
Ps 83,8 die von Gebal, Ammon und Amalek, die Philister und die Bewohner von
Tyrus;
Ps 83,9 sogar die Assyrer haben sich ihnen angeschlossen - sie verbünden sich
mit den Moabitern und den Ammonitern.
Ps 83,10 Herr, schlage sie in die Flucht wie damals die Midianiter! Besiege sie
wie den Kanaaniterkönig Jabin mit seinem Heerführer Sisera am Flusse Kischon!
Ps 83,11 Bei En-Dor wurden sie vernichtet, und ihre Leichen verrotteten auf dem
Acker.
Ps 83,12 Töte ihre Fürsten wie Oreb und Seeb, bestrafe ihre Machthaber wie
Sebach und Zalmunna!
Ps 83,13 Sie alle hatten einst gesagt: »Wir erobern das Land, das Gott gehört!«
Ps 83,14 Mein Gott! Wirble sie davon wie ausgedörrte Disteln, wie dürres Laub,
das der Wind verweht!
Ps 83,15 Wie ein Flächenbrand, dessen Flammen Berge und Wälder fressen,
Ps 83,16 so verfolge sie durch ein Unwetter, erschrecke sie mit einem Sturm!
Ps 83,17 Lass sie vor Scham erröten, damit sie endlich nach dir, Herr, fragen!
Ps 83,18 Sie sollen scheitern und für immer verstummen, ja, lass sie in ihrer
Schande umkommen!
Ps 83,19 Denn sie müssen erkennen, dass du allein der Herr bist, der Herrscher
über die ganze Welt!
Ps 84,1 Ein Lied der Korachiter, zum Spiel auf der Gittit.
Ps 84,2 Herr, du Gott über Himmel und Erde! Wie sehr liebe ich deinen Tempel -
den Ort, an dem du wohnst!
Ps 84,3 Ich kann es kaum noch erwarten, ja, ich sehne mich danach, in die
Vorhöfe deines Heiligtums zu kommen! Mit Leib und Seele juble ich dir zu, du
lebendiger Gott! Herr, du Gott über Himmel und Erde, du bist mein König und mein
Gott!
Ps 84,4 Sogar die Vögel haben hier ein Nest gebaut, die Schwalben sind hier zu
Hause - in der Nähe deiner Altäre ziehen sie ihre Jungen groß.
Ps 84,5 Glücklich sind alle, die in deinem Tempel wohnen dürfen! Jederzeit
können sie dich loben!
Ps 84,6 Glücklich sind alle, die ihre Stärke in dir suchen, die gerne und voll
Freude zu deinem Tempel ziehen.
Ps 84,7 Wenn sie durch ein dürres Tal gehen, brechen dort Quellen hervor, und
ein erfrischender Regen bewässert das Land.
Ps 84,8 So wandern sie mit stets neuer Kraft, bis sie vor Gott auf dem Berg Zion
stehen.
Ps 84,9 Herr, du Gott über Himmel und Erde - höre mein Gebet! Verachte es nicht,
du Gott Jakobs!
Ps 84,10 Herr, hilf dem König, der uns beschützt! Steh ihm bei, denn du hast ihn
erwählt!
Ps 84,11 Herr, ein Tag in deinem Tempel ist mehr wert als tausend andere! Ich
möchte lieber ein einfacher Türhüter sein an der Schwelle deines Hauses als bei
den Menschen wohnen, die dich missachten!
Ps 84,12 Denn Gott, der Herr, ist die Sonne, die uns Licht und Leben gibt,
schützend steht er vor uns. Niemand ist so gut zu uns wie er, durch ihn gelangen
wir zu hohem Ansehen. Wer ihm rückhaltlos ergeben ist, den lässt er nie zu kurz
kommen.
Ps 84,13 Herr, du Gott über Himmel und Erde! Glücklich ist jeder, der sich auf
dich verlässt!
Ps 85,1 Ein Lied der Korachiter.
Ps 85,2 Herr, du bist deinem Land gnädig gewesen und hast sein Geschick wieder
zum Guten gewendet.
Ps 85,3 Die Schuld deines Volkes hast du vergeben und alle seine Sünden
zugedeckt.
Ps 85,4 Dein Zorn fand ein Ende, seine Glut ist verloschen.
Ps 85,5 So hilf uns auch jetzt, damit wir wieder stark werden. Gib deinen
Unwillen gegen uns auf!
Ps 85,6 Willst du für immer zornig auf uns sein - ohne Ende, von einer
Generation zur anderen?
Ps 85,7 Willst du uns nicht wieder neues Leben schenken, damit wir uns über dich
freuen können?
Ps 85,8 Herr, zeige doch, wie sehr du uns liebst! Komm uns zu Hilfe!
Ps 85,9 Ich will hören, was Gott, der Herr, zu sagen hat: Er verkündet Frieden
seinem Volk - denen, die ihn lieben; doch sollen sie nicht in ihre alten Fehler
zurückfallen.
Ps 85,10 Eins ist sicher: Er wird allen helfen, die ihm mit Ehrfurcht begegnen,
seine Macht und Hoheit wird wieder in unserem Lande wohnen.
Ps 85,11 Dann verbünden sich Güte und Treue, dann küssen einander Gerechtigkeit
und Frieden.
Ps 85,12 Treue wird aus der Erde sprießen und Gerechtigkeit vom Himmel
herabblicken.
Ps 85,13 Der Herr selbst wird uns mit vielen Gütern beschenken, und unsere
Felder werden reiche Ernte einbringen.
Ps 85,14 Ja, Gerechtigkeit wird dem Herrn vorausgehen und ihm den Weg bahnen.
Ps 86,1 Ein Gebet Davids. Höre mich, o Herr, und antworte mir, denn ich bin
niedergeschlagen und hilflos!
Ps 86,2 Rette mein Leben - ich gehöre doch zu dir! Hilf mir, denn ich vertraue
dir! Du bist mein Gott, und ich diene dir.
Ps 86,3 Sei mir gnädig, Herr, zu dir rufe ich den ganzen Tag.
Ps 86,4 Schenke mir wieder neue Freude, nach dir sehne ich mich!
Ps 86,5 Du, Herr, bist gut und zum Vergeben bereit, unermesslich ist deine Gnade
für alle, die zu dir beten.
Ps 86,6 Höre, Herr, mein Gebet, ich flehe zu dir!
Ps 86,7 Ich weiß weder aus noch ein. Darum schreie ich zu dir, und du wirst mich
erhören.
Ps 86,8 Kein anderer Gott ist wie du, Herr; niemand kann tun, was du tust!
Ps 86,9 Du hast alle Völker geschaffen. Sie werden zu dir kommen, sich vor dir
niederwerfen und dich verehren.
Ps 86,10 Denn du bist groß und mächtig, ein Gott, der Wunder tut; nur du bist
Gott, du allein!
Ps 86,11 Herr, zeige mir deinen Weg, ich will dir treu sein und tun, was du
sagst. Gib mir nur dies eine Verlangen: dich zu ehren und dir zu gehorchen!
Ps 86,12 Von ganzem Herzen will ich dir danken, Herr, mein Gott; dich will ich
preisen.
Ps 86,13 Denn deine Liebe zu mir ist grenzenlos! Du hast mich dem sicheren Tod
entrissen.
Ps 86,14 Hochmütige Menschen lehnen sich gegen mich auf! Sie tun sich zusammen
und schrecken vor keiner Gewalttat zurück. Sie wollen mich umbringen! Von dir,
Herr, wollen sie überhaupt nichts wissen.
Ps 86,15 Aber du bist ein gnädiger und barmherziger Gott. Deine Geduld ist groß,
deine Liebe und Treue kennen kein Ende.
Ps 86,16 Darum wende dich mir zu und hab Erbarmen! Hilf mir! Gib mir deine
Kraft! Dir bin ich treu ergeben.
Ps 86,17 Herr, gib mir ein sichtbares Zeichen deiner Güte! Dann werden alle, die
mich hassen, sich schämen, weil du, Herr, mir geholfen und mich getröstet hast!
Ps 87,1 Ein Lied der Korachiter. Hoch auf dem heiligen Berg hat Gott die Stadt
Zion errichtet.
Ps 87,2 Er liebt Jerusalem mit seinen herrlichen Toren mehr als alle anderen
Orte in Israel.
Ps 87,3 Du bist weltberühmt, du Stadt Gottes! Denn der Herr sagt:
Ps 87,4 »In Ägypten und Babylon gibt es Menschen, die mich kennen, und auch bei
den Philistern, in Tyrus und Äthiopien werde ich angebetet.«
Ps 87,5 Aber von Jerusalem sagt man: »Alle seine Einwohner kennen Gott!« Ja, er,
der Höchste, hat Zion errichtet!
Ps 87,6 Der Herr wird eine Liste aller Völker aufstellen und bei jedem einen
Vermerk machen, der zu Jerusalem gehört.
Ps 87,7 Sie alle werden tanzen und fröhlich singen: »Was wir haben, verdanken
wir dieser Stadt!«
Ps 88,1 Ein Lied der Korachiter. Der Esrachiter Heman verfasste es zum
Nachdenken.
Ps 88,2 Herr, mein Gott, du allein kannst mir noch helfen! Tag und Nacht schreie
ich zu dir!
Ps 88,3 Höre mein Gebet, vernimm mein Flehen!
Ps 88,4 Schweres Leid drückt mich nieder, ich bin dem Tod schon näher als dem
Leben.
Ps 88,5 Jeder rechnet damit, dass ich bald sterbe, so schwach bin ich.
Ps 88,6 Es geht mir wie den Toten, wie den Erschlagenen in ihrem Grab, die du
vergessen hast, die von dir verlassen sind.
Ps 88,7 Du hast mich in den tiefsten Abgrund gestoßen, in unergründliche
Finsternis.
Ps 88,8 Dein schwerer Zorn lastet auf mir, er wirft mich um wie hohe
Brandungswellen.
Ps 88,9 Meine Freunde haben sich von mir abgewandt. Du hast erreicht, dass sie
mich voller Abscheu verlassen haben. Ich bin gefangen und weiß keinen Ausweg
mehr.
Ps 88,10 Meine Augen sind vom Weinen ganz verquollen. Jeden Tag rufe ich zu dir,
Herr, im Gebet strecke ich die Hände nach dir aus.
Ps 88,11 Wirst du an den Toten noch ein Wunder tun? Kommen sie etwa aus ihren
Gräbern, um dich zu loben?
Ps 88,12 Erzählt man im Totenreich von deiner Gnade, in der Gruft von deiner
Treue?
Ps 88,13 Sind deine Wunder am Ort der Finsternis noch bekannt? Denken die Toten,
die man vergessen hat, noch daran, dass du deine Versprechen hältst?
Ps 88,14 Herr, ich schreie zu dir um Hilfe. Schon früh am Morgen klage ich dir
mein Leid.
Ps 88,15 Warum hast du mich aufgegeben, Herr? Warum verbirgst du dich vor mir?
Ps 88,16 Schon seit meiner Jugend bin ich schwer krank und dem Tode nah, du hast
mir diese schreckliche Last auferlegt - und jetzt bin ich am Ende!
Ps 88,17 Dein strafender Zorn hat mich zu Boden geschmettert, ich bin
vernichtet!
Ps 88,18 Die Angst bedrängt mich von allen Seiten wie todbringende Wasserwogen,
denen ich nicht mehr entrinnen kann.
Ps 88,19 Du hast erreicht, dass meine Freunde und Nachbarn nichts mehr mit mir
zu tun haben wollen! Alle, die mich gekannt haben, kennen mich jetzt nicht mehr.
Ps 89,1 Von Etan, dem Esrachiter. Zum Nachdenken.
Ps 89,2 Herr, von deiner Gnade will ich singen ohne Ende; allen kommenden
Generationen will ich erzählen, wie treu du bist.
Ps 89,3 Ich weiß: Deine Gnade gilt für alle Zeiten und deine Treue, solange der
Himmel besteht.
Ps 89,4 Du hast gesagt: »Ich habe einen Bund geschlossen mit dem Mann, den ich
erwählte. Ich schwor David, der mir von ganzem Herzen diente:
Ps 89,5 Für alle Zeiten sollen deine Nachkommen herrschen, für immer wird dein
Königshaus bestehen!«
Ps 89,6 Herr, der Himmel lobt dich, denn du tust Wunder; die Schar deiner
heiligen Engel preist deine Treue.
Ps 89,7 Denn wer im Himmel ist dir gleich? Kein himmlisches Wesen ist so mächtig
wie du!
Ps 89,8 In der himmlischen Ratsversammlung fürchten sie Gott mit heiliger Scheu;
ja, Ehrfurcht ergreift alle, die um ihn sind.
Ps 89,9 Herr, du Gott über Himmel und Erde! Niemand ist so mächtig wie du! Was
du auch tust: Auf dich ist Verlass!
Ps 89,10 Du hast Gewalt über die Meere, und wenn sich die Wellen auftürmen wie
gewaltige Mauern, bändigst du sie!
Ps 89,11 Du hast das Meerungeheuer besiegt und zermalmt; machtvoll hast du deine
Feinde in alle Winde zerstreut.
Ps 89,12 Dir gehört der Himmel und dir gehört die Erde, das weite Land und was
darauf lebt: Du hast alles geschaffen.
Ps 89,13 Norden und Süden legtest du fest; der Berg Tabor und das Hermongebirge
jubeln dir zu.
Ps 89,14 Wie stark ist dein Arm, wie gewaltig deine Hand! Du erhebst sie zum
Zeichen deines Sieges!
Ps 89,15 Gerechtigkeit und Recht sind die Säulen deiner Herrschaft; alles, was
du tust, zeigt deine Liebe und Treue.
Ps 89,16 Herr, glücklich ist das Volk, das dich jubelnd als König feiert! Du
selbst bist unter ihnen und bringst Licht in ihr Leben.
Ps 89,17 Sie freuen sich jeden Tag über dich und sind fröhlich, weil du deine
Versprechen hältst.
Ps 89,18 Du allein machst sie stark, durch deine Liebe gelangen sie zu Ansehen
und Macht.
Ps 89,19 Herr, du Heiliger Israels, dir gehört unser König, der uns beschützt.
Ps 89,20 Gott, vor langer Zeit hast du in einer Vision zu denen geredet, die dir
vertrauten. Du sprachst: »Ich habe mir einen jungen Mann aus dem Volk
ausgewählt, den ich zu einem starken Helden machen will.
Ps 89,21 David ist sein Name, ihn habe ich gefunden und mit heiligem Öl zum
König gesalbt.
Ps 89,22 Ich werde ihn mit meiner Kraft begleiten, stark soll er werden, weil
ich ihn stütze.
Ps 89,23 Kein Feind wird ihn jemals überwältigen, und kein Aufstand kann ihn
stürzen.
Ps 89,24 Vor seinen Augen werde ich seine Feinde niedermachen; alle, die ihn
hassen, will ich vernichtend schlagen.
Ps 89,25 Immer will ich treu zu ihm stehen; und durch mich wird er mächtig
werden.
Ps 89,26 Ich werde seine Herrschaft bis zum Meer ausdehnen - ja, über die großen
Ströme wird er gebieten.
Ps 89,27 Wenn er betet, wird er mir sagen: ›Du bist mein Vater, mein Gott, mein
Fels, der mich schützt, mein starker Helfer!‹
Ps 89,28 Und ich statte ihn mit allen Rechten eines erstgeborenen Sohnes aus;
ich mache ihn zum größten aller Könige der Welt!
Ps 89,29 Für alle Zeiten darf er wissen: Ich bin ihm gnädig, mein Bund mit ihm
wird für immer bestehen.
Ps 89,30 Nie wird sein Königsgeschlecht aussterben, sein Thron wird bleiben,
solange der Himmel besteht.
Ps 89,31 Wenn aber seine Nachkommen meinem Gesetz nicht gehorchen und meine
Weisungen in den Wind schlagen,
Ps 89,32 wenn sie meine Ordnungen missachten und meine Gebote nicht halten,
Ps 89,33 dann werde ich sie für ihre Treulosigkeit bestrafen und ihnen ihre
Schuld mit Schlägen heimzahlen.
Ps 89,34 Aber meine Gnade will ich David nie entziehen, meine Zusagen werde ich
halten.
Ps 89,35 Meinen Bund mit ihm werde ich niemals brechen, versprochen ist
versprochen!
Ps 89,36 Ein für alle Mal habe ich einen Eid geschworen, ich, der Heilige: Nie
werde ich David täuschen!
Ps 89,37 [37/38] Seine Nachkommen werden für alle Zeiten den Thron besitzen.
Ihre Herrschaft soll so beständig sein wie Sonne und Mond - die treuen Zeugen in
den Wolken!«
Ps 89,39 Nun aber hast du deinen König doch aufgegeben und verstoßen, dein
Auserwählter bekommt deinen großen Zorn zu spüren.
Ps 89,40 Du hast deinem Diener den Bund aufgekündigt, seine Krone in den Schmutz
getreten und entweiht.
Ps 89,41 Die schützenden Mauern seiner Stadt hast du niedergerissen und alle
seine Festungen in Trümmer gelegt.
Ps 89,42 Jeder, der vorüberzog, hat ihn ausgeplündert, und bei den
Nachbarvölkern erntet er nur Hohn und Spott.
Ps 89,43 Seinen Feinden hast du den Sieg ermöglicht, ihre Schadenfreude ist
groß.
Ps 89,44 Die starken Streitkräfte des Königs hast du zerschlagen, im Kampf hast
du ihn im Stich gelassen.
Ps 89,45 Seinen Glanz und sein Ansehen hast du zerstört und seinen Thron zu
Boden gestoßen.
Ps 89,46 Du hast ihn vorzeitig alt werden lassen; ja, mit Schimpf und Schande
hast du ihn bedeckt.
Ps 89,47 Herr, willst du dich für immer verbergen? Wie lange soll dein Zorn noch
brennen?
Ps 89,48 Bedenke doch, wie kurz mein Leben ist! Nur für einen flüchtigen
Augenblick hast du uns Menschen geschaffen.
Ps 89,49 Welcher Mensch ist unsterblich? Wer kann dem Tod entrinnen?
Ps 89,50 Herr, wo sind die Beweise deiner Liebe geblieben? Du hast doch David
deine Treue zugesichert und einen Eid darauf geschworen!
Ps 89,51 Höre doch, wie deine Diener beschimpft werden! Ich leide darunter, dass
die Völker uns verachten!
Ps 89,52 Deine Feinde verspotten den König, den du erwählt hast; sie verhöhnen
ihn auf Schritt und Tritt.
Ps 89,53 Lobt den Herrn allezeit! Amen, so soll es sein!
Ps 90,1 Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes. Herr, solange es Menschen gibt,
bist du unsere Zuflucht!
Ps 90,2 Ja, bevor die Berge geboren wurden, noch bevor Erde und Weltall unter
Wehen entstanden, warst du, o Gott. Du bist ohne Anfang und Ende.
Ps 90,3 Du lässt den Menschen wieder zu Staub werden. »Kehr zurück!«, sprichst
du zu ihm.
Ps 90,4 Tausend Jahre sind für dich wie ein einziger Tag, wie ein Tag, der im
Flug vergangen ist, wie eine Stunde Schlaf.
Ps 90,5 Du reißt die Menschen hinweg, sie verschwinden so schnell wie ein Traum
nach dem Erwachen. Sie vergehen wie das Gras:
Ps 90,6 Morgens sprießt es und blüht auf, doch schon am Abend welkt und verdorrt
es im heißen Wüstenwind.
Ps 90,7 Ja, durch deinen Zorn vergehen wir, schnell geht es mit uns zu Ende!
Ps 90,8 Unsere Schuld liegt offen vor dir, auch unsere geheimsten Verfehlungen
bringst du ans Licht.
Ps 90,9 Dein Zorn lässt unser Leben verrinnen - schnell wie ein kurzer Seufzer
ist es vorbei!
Ps 90,10 Unser Leben dauert siebzig, vielleicht sogar achtzig Jahre. Doch worauf
wir stolz sind, ist nur Mühe, viel Lärm um nichts! Wie schnell eilen die Jahre
vorüber! Wie rasch fliegen sie davon!
Ps 90,11 Doch wer kann begreifen, wie gewaltig dein Zorn ist? Wer fürchtet sich
schon davor?
Ps 90,12 Mach uns bewusst, wie kurz unser Leben ist, damit wir endlich zur
Besinnung kommen!
Ps 90,13 Herr, wende dich uns wieder zu! Wie lange soll dein Zorn noch dauern?
Hab Erbarmen mit uns, wir gehören doch zu dir!
Ps 90,14 Herr, schenke uns deine Liebe jeden Morgen neu! Dann können wir singen
und uns freuen, solange wir leben!
Ps 90,15 So viele Jahre litten wir unter Not und Bedrückung; lass uns nun ebenso
viele Jahre Freude erleben!
Ps 90,16 Zeige uns, wie machtvoll du eingreifst; auch unsere Kinder sollen deine
mächtigen Taten sehen!
Ps 90,17 Herr, unser Gott! Zeige uns deine Güte! Lass unsere Mühe nicht
vergeblich sein! Ja, lass unsere Arbeit Früchte tragen!
Ps 91,1 Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt, der kann bei ihm, dem
Allmächtigen, Ruhe finden.
Ps 91,2 Auch ich sage zu Gott, dem Herrn: »Bei dir finde ich Zuflucht, du
schützt mich wie eine Burg! Mein Gott, dir vertraue ich!«
Ps 91,3 Er bewahrt dich vor versteckten Gefahren und vor tödlicher Krankheit.
Ps 91,4 Er wird dich behüten wie eine Henne, die ihre Küken unter die Flügel
nimmt. Seine Treue schützt dich wie ein starker Schild.
Ps 91,5 Du brauchst keine Angst zu haben vor den Gefahren der Nacht oder den
heimtückischen Angriffen bei Tag.
Ps 91,6 Selbst vor der Pest, die im Dunkeln zuschlägt, oder dem tödlichen
Fieber, das am hellen Tag die Menschen befällt, fürchtest du dich nicht.
Ps 91,7 Wenn tausend neben dir tot umfallen, ja, wenn zehntausend in deiner Nähe
sterben - dich selbst trifft es nicht!
Ps 91,8 Mit eigenen Augen wirst du sehen, wie Gott es denen heimzahlt, die ihn
missachten.
Ps 91,9 Du aber darfst sagen: »Beim Herrn bin ich geborgen!« Ja, bei Gott, dem
Höchsten, hast du Heimat gefunden.
Ps 91,10 Darum wird dir nichts Böses zustoßen, kein Unglück wird dein Haus
erreichen.
Ps 91,11 Denn Gott hat seine Engel ausgesandt, damit sie dich schützen, wohin du
auch gehst.
Ps 91,12 Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an
einem Stein verletzen!
Ps 91,13 Löwen werden dir nichts anhaben, auf Schlangen kannst du treten.
Ps 91,14 Gott sagt: »Er liebt mich von ganzem Herzen, darum will ich ihn retten.
Ich werde ihn schützen, weil er mich kennt und ehrt.
Ps 91,15 Wenn er zu mir ruft, antworte ich ihm. Wenn er keinen Ausweg mehr weiß,
bin ich bei ihm. Ich will ihn befreien und zu Ehren bringen.
Ps 91,16 Bei mir findet er die Hilfe, die er braucht; ich gebe ihm ein erfülltes
und langes Leben!«
Ps 92,1 Ein Lied zum Sabbat.
Ps 92,2 Wie gut ist es, dir, Herr, zu danken und dich, du höchster Gott, zu
besingen,
Ps 92,3 schon früh am Morgen deine Gnade zu loben und noch in der Nacht deine
Treue zu preisen,
Ps 92,4 zum Klang der Laute, zur Musik der Harfe und Leier!
Ps 92,5 Herr, was du tust, macht mich froh, und ich juble über deine großen
Taten.
Ps 92,6 Wie machtvoll sind deine Werke, und wie tief deine Gedanken!
Ps 92,7 Nur ein unvernünftiger Mensch sieht das nicht ein, nur ein Narr kann
nichts damit anfangen.
Ps 92,8 Mag auch ein Gottloser Erfolg haben, mag er emporwachsen und blühen - er
wird doch für immer vertilgt werden.
Ps 92,9 Du aber, Herr, bist groß und erhaben für immer und ewig!
Ps 92,10 Eines ist sicher: Deine Feinde werden umkommen; die, die Unrecht tun,
werden in alle Winde zerstreut werden!
Ps 92,11 Doch mir gibst du Kraft, wie ein wilder Stier sie hat; du schenkst mir
Freude und neuen Mut.
Ps 92,12 Ich werde noch miterleben, wie meine Feinde stürzen; ich werde hören,
wie sie um Gnade wimmern.
Ps 92,13 Doch wer Gott liebt, gleicht einer immergrünen Palme, er wird mächtig
wie eine Zeder auf dem Libanongebirge.
Ps 92,14 Er ist wie ein Baum, der im Vorhof des Tempels gepflanzt wurde und dort
gedeihen kann.
Ps 92,15 Noch im hohen Alter wird er Frucht tragen, immer ist er kraftvoll und
frisch.
Ps 92,16 Sein Leben ist ein Beweis dafür, dass der Herr seine Versprechen hält.
Bei Gott bin ich sicher und geborgen; was er tut, ist nie verkehrt!
Ps 93,1 Der Herr allein ist König! Hoheit bekleidet ihn wie ein Festgewand, mit
Macht ist er umgürtet. Er hat die Fundamente der Erde gelegt, sie wankt und
weicht nicht.
Ps 93,2 Herr, seit Urzeiten steht dein Thron fest, vor Beginn aller Zeiten warst
du schon da.
Ps 93,3 Die Fluten der Meere toben und tosen, sie brüllen ihr mächtiges Lied.
Ps 93,4 Doch stärker als das Donnern gewaltiger Wasser, größer als die Wogen des
Meeres ist der Herr in der Höhe!
Ps 93,5 Herr, dein Wort ist wahr und zuverlässig; der Tempel ist der Ort deiner
heiligen Gegenwart für alle Zeit!
Ps 94,1 O Gott, räche dich! Herr, du Gott der Vergeltung, erscheine in deinem
strahlenden Glanz!
Ps 94,2 Erhebe dich, du Richter der ganzen Welt! Gib den Hochmütigen, was sie
verdient haben!
Ps 94,3 Wie lange noch sollen sie hämisch lachen, wie lange noch schadenfroh
spotten?
Ps 94,4 Einer versucht den anderen zu überbieten, sie schwingen große Reden und
prahlen mit ihren Verbrechen.
Ps 94,5 Herr, sie unterdrücken dein Volk! Alle, die zu dir gehören, leiden unter
ihrer Gewalt.
Ps 94,6 Brutal ermorden sie Witwen und Waisen, Ausländer schlagen sie tot.
Ps 94,7 »Der Herr sieht es ja doch nicht!«, höhnen sie, »der Gott unserer
Vorfahren merkt nichts!«
Ps 94,8 Ihr Dummköpfe! Seid ihr wirklich so unverständig? Wann kommt ihr Narren
endlich zur Vernunft?
Ps 94,9 Gott, der den Menschen Ohren gegeben hat - sollte er selbst nicht hören?
Er gab ihnen Augen - sollte er selbst nicht sehen?
Ps 94,10 Er, der fremde Völker zurechtweist, sollte er nicht auch euch zur
Verantwortung ziehen? Gott allein kann die Menschen zur Vernunft bringen!
Ps 94,11 Er durchschaut ihre Gedanken und weiß: sie sind oberflächlich und hohl.
Ps 94,12 Glücklich ist jeder Mensch, den du, Herr, zurechtweist und in deinem
Gesetz unterrichtest!
Ps 94,13 Denn du willst ihn bewahren, wenn die Bösen ihr Unwesen treiben,
solange bis die Übeltäter endlich begraben sind.
Ps 94,14 Denn der Herr wird sein Volk nicht verstoßen; er wird niemanden
verlassen, der zu ihm gehört.
Ps 94,15 Die Richter werden wieder gerechte Urteile sprechen, und die
Aufrichtigen werden sie dabei unterstützen.
Ps 94,16 Wer steht mir bei gegen diese Verbrecher? Wer beschützt mich vor diesen
bösen Menschen?
Ps 94,17 Herr, wenn du mir nicht geholfen hättest, dann wäre ich jetzt tot -
verstummt für immer!
Ps 94,18 Sooft ich dachte: »Jetzt ist alles aus!«, halfst du mir in Liebe wieder
auf.
Ps 94,19 Als quälende Sorgen mir Angst machten, hast du mich beruhigt und
getröstet.
Ps 94,20 Du würdest dich nie mit bestechlichen Richtern verbünden, die Unheil
anrichten, indem sie das Gesetz missbrauchen.
Ps 94,21 Sie aber tun sich zusammen gegen jeden, der Ungerechtigkeit hasst, und
sprechen ihn schuldig, obwohl er ohne Schuld ist!
Ps 94,22 Der Herr aber verteidigt mich, bei ihm finde ich Schutz. Er steht auf
meiner Seite.
Ps 94,23 Die Richter müssen für ihre Untaten büßen, Gott wird sie für ihre
Verbrechen bestrafen. Ja, der Herr, unser Gott, wird sie vernichten!
Ps 95,1 Kommt, lasst uns dem Herrn zujubeln! Wir wollen ihn laut preisen, ihn,
unseren mächtigen Retter!
Ps 95,2 Lasst uns dankbar zu ihm kommen und ihn mit fröhlichen Liedern besingen!
Ps 95,3 Denn der Herr ist ein gewaltiger Gott, der große König über alle Götter!
Ps 95,4 In seiner Hand liegen die Tiefen der Erde und die Gipfel der hohen
Berge.
Ps 95,5 Ihm gehört das Meer, er hat es ja gemacht, seine Hände haben das
Festland geformt.
Ps 95,6 Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen; lasst uns
niederknien vor dem Herrn, unserem Schöpfer!
Ps 95,7 Denn er ist unser Gott, und wir sind sein Volk. Er kümmert sich um uns
wie ein Hirte, der seine Herde auf die Weide führt.
Ps 95,8 Hört jetzt auf das, was er euch sagt: »Verschließt eure Herzen nicht,
wie es eure Väter getan haben; damals, als sie mir in der Wüste Vorwürfe machten
und sich erbittert gegen mich auflehnten.
Ps 95,9 Jeden Tag erlebten sie, dass ich sie führte. Und trotzdem haben sie
immer wieder neue Beweise meiner Macht verlangt.
Ps 95,10 Vierzig Jahre lang ekelte ich mich vor diesem Volk. Schließlich sagte
ich: ›Alles, was sie wünschen und wollen, ist verkehrt und führt sie in die
Irre. Die Wege, die ich sie führen will, verstehen sie nicht!‹
Ps 95,11 Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: ›Niemals sollen sie in das
verheißene Land kommen, nie die Ruhe finden, die ich ihnen geben wollte!‹«
Ps 96,1 Singt dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn, alle Bewohner der Erde!
Ps 96,2 Singt dem Herrn und preist seinen Namen! Verkündet jeden Tag: Gott ist
ein Gott, der rettet!
Ps 96,3 Erzählt den Völkern von seiner Hoheit! Macht den Menschen alle seine
Wunder bekannt!
Ps 96,4 Denn groß ist der Herr! Jeder soll ihn rühmen! Von allen Göttern soll
man ihn allein fürchten.
Ps 96,5 Die Götter der Völker sind machtlose Figuren, der Herr aber hat den
Himmel geschaffen!
Ps 96,6 Majestät und Pracht gehen von ihm aus, seine Stärke und Schönheit
erfüllen den Tempel.
Ps 96,7 Hört, ihr Völker: Begegnet dem Herrn mit Ehrfurcht! Unterwerft euch
seiner Herrschaft!
Ps 96,8 Ehrt seinen großen Namen, kommt in seinen Tempel, und bringt ihm Opfer
dar!
Ps 96,9 Werft euch vor ihm nieder, wenn er in seiner Größe und Macht erscheint!
Die ganze Welt soll vor ihm erzittern!
Ps 96,10 Sagt den Völkern: Der Herr allein ist König! Er hat die Fundamente der
Erde gelegt, sie wankt und weicht nicht. Allen Völkern wird er ein gerechter
Richter sein!
Ps 96,11 Der Himmel soll sich freuen und die Erde in Jubel ausbrechen! Das Meer
mit allem, was in ihm lebt, soll brausen und tosen!
Ps 96,12 Der Acker freue sich mit allem, was auf ihm wächst! Auch die Bäume im
Wald sollen jubeln,
Ps 96,13 wenn der Herr kommt. Ja, er kommt, um die Welt zu richten. Sein Urteil
über die Völker ist unbestechlich und gerecht.
Ps 97,1 Der Herr allein ist König! Die ganze Welt soll in Jubel ausbrechen, und
die fernen Inseln sollen fröhlich sein!
Ps 97,2 Bedrohliche, dunkle Wolken umhüllen ihn, Gerechtigkeit und Recht sind
die Säulen seiner Herrschaft.
Ps 97,3 Feuer ist sein Vorbote, es verzehrt seine Feinde ringsumher.
Ps 97,4 Seine Blitze tauchen die Erde in helles Licht, die ganze Welt sieht es
und erbebt.
Ps 97,5 Berge zerschmelzen vor ihm wie Wachs, vor ihm, dem Herrn der ganzen
Welt.
Ps 97,6 Der Himmel ist Zeuge dafür, dass er sein Versprechen hält, und alle
Völker sehen seine Hoheit und Macht.
Ps 97,7 Alle, die Götterbilder verehren und mit ihren Götzen prahlen, werden im
Erdboden versinken vor Scham. Denn ihre Götter müssen sich dem Herrn
unterwerfen.
Ps 97,8 Freude herrscht auf dem Berg Zion, die Bewohner der Städte Judas jubeln
dir zu. Denn du, Herr, richtest gerecht.
Ps 97,9 Ja, Herr, du allein regierst die ganze Welt, du bist mächtiger und
größer als alle Götter!
Ps 97,10 Liebt ihr den Herrn? Dann verabscheut das Böse! Gott beschützt alle,
die ihm treu sind, und rettet sie aus der Gewalt der Gottlosen.
Ps 97,11 Wer Gott gehorcht, der lebt im Licht, und Freude erfüllt jeden, der
aufrichtig ist.
Ps 97,12 Ja, freut euch über den Herrn und dankt ihm! Erinnert euch, was der
heilige Gott für euch getan hat!
Ps 98,1 Ein Lied. Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er hat Wunder getan! Er,
der heilige Gott, hat einen gewaltigen Sieg errungen.
Ps 98,2 Alle Völker wissen es jetzt: Der Herr hat Israel befreit; er hat
bewiesen, dass man sich auf ihn verlassen kann!
Ps 98,3 Er hat sein Versprechen gehalten, seinem Volk gnädig und treu zu sein.
Bis in die fernsten Länder ist die Nachricht gedrungen: Gott hat Israel
gerettet!
Ps 98,4 Jubelt dem Herrn zu, ihr Menschen auf der Erde! Preist ihn mit Liedern,
singt und jubelt laut vor Freude!
Ps 98,5 Spielt ihm auf der Laute, lasst die Saiten erklingen und erfreut den
Herrn mit Gesang!
Ps 98,6 Trompeten und Hörner sollen erschallen; lobt Gott, euren König!
Ps 98,7 Das Meer mit allem, was in ihm lebt, soll zu seiner Ehre brausen und
tosen! Die ganze Welt soll in Jubel ausbrechen!
Ps 98,8 Ihr Flüsse, klatscht in die Hände; ihr Berge, preist unseren Herrn,
Ps 98,9 denn er kommt, um die Welt zu richten. Sein Urteil über die Völker ist
unbestechlich und gerecht!
Ps 99,1 Der Herr allein ist König! In Ehrfurcht erschauern die Völker. Er thront
über den Cherub-Engeln, darum erzittert die Erde.
Ps 99,2 Ja, der Herr regiert in Jerusalem, er herrscht über alle Völker.
Ps 99,3 Ihn sollen sie preisen, ihn, den großen und gewaltigen Gott! Heilig ist
er!
Ps 99,4 Mächtiger König! Weil du das Recht liebst, hast du Recht und Ordnung
gegründet. Deinem Volk gabst du das Gesetz und sorgtest für Gerechtigkeit.
Ps 99,5 Betet den Herrn an, unseren Gott! Fallt vor seinem Thron nieder, denn er
ist der heilige Gott!
Ps 99,6 Schon Mose und Aaron gehörten zu seinen Priestern, auch Samuel betete
zum Herrn. Sie alle riefen zu ihm, und er gab ihnen Antwort.
Ps 99,7 Gott sprach zu ihnen aus der Wolkensäule, und sie gehorchten den Geboten
und Ordnungen, die er ihnen gab.
Ps 99,8 Herr, unser Gott! Du hast sie erhört. Du hast deinem Volk die Schuld
vergeben, aber auch ihre Vergehen bestraft.
Ps 99,9 Betet den Herrn an, unseren Gott! Auf seinem heiligen Berg Zion fallt
vor ihm nieder, denn er ist der heilige Gott, unser Herr!
Ps 100,1 Ein Lied für den Dankgottesdienst. Jubelt dem Herrn zu, ihr Völker der
Erde! Dient ihm voll Freude,
Ps 100,2 kommt zu ihm mit fröhlichen Liedern!
Ps 100,3 Erkennt, dass der Herr unser Gott ist! Er hat uns zu seinem Volk
gemacht, ihm gehören wir! Er sorgt für uns wie ein Hirte für seine Herde.
Ps 100,4 Geht durch die Tempeltore ein mit Dank, betretet den festlichen Vorhof
mit lautem Lob! Preist ihn! Rühmt ihn!
Ps 100,5 Denn der Herr ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle
Zeiten hält er uns die Treue.
Ps 101,1 Ein Lied Davids. Von Gnade und Recht will ich singen; dich, Herr, will
ich preisen.
Ps 101,2 Ich möchte aufrichtig und weise regieren - Herr, hilf mir dabei! An
meinem Hof soll nur geschehen, was ich vor dir verantworten kann.
Ps 101,3 Auf unnütze und schädliche Vorhaben lasse ich mich niemals ein. Ich
hasse es, wenn sich Menschen bewusst über Gottes Gebote hinwegsetzen. Mir selbst
soll das niemand nachsagen!
Ps 101,4 Einen Heuchler will ich nicht bei mir dulden, und mit einem Menschen,
der nur Böses im Sinn hat, will ich nichts zu tun haben.
Ps 101,5 Wer seinen Mitmenschen heimlich verleumdet, den werde ich für immer zum
Schweigen bringen. Hochmut und Stolz verbanne ich aus meiner Nähe.
Ps 101,6 Wer aber glaubwürdig und zuverlässig ist, nach dem halte ich Ausschau.
Solche Leute hole ich mir an den Hof, Menschen mit einem guten Ruf nehme ich in
meinen Dienst.
Ps 101,7 Betrüger und Lügner aber haben nichts in meinem Palast zu suchen - sie
sollen mir nicht unter die Augen kommen!
Ps 101,8 Jeden Morgen halte ich Gericht über die Verbrecher im Land. Denn für
Leute, die Unheil stiften, ist kein Platz in der Stadt des Herrn. Ich lasse sie
hinrichten!
Ps 102,1 Gebet eines Menschen, der allen Mut verloren hat und dem Herrn sein
Leid klagt.
Ps 102,2 Höre mein Gebet, Herr, und achte auf meinen Hilfeschrei!
Ps 102,3 Ich bin in großer Not - verbirg dich nicht vor mir! Höre mir zu und
antworte mir schnell!
Ps 102,4 Mein Leben verflüchtigt sich wie Rauch, mein ganzer Körper glüht, von
Fieber geschüttelt.
Ps 102,5 Meine Kraft vertrocknet wie abgemähtes Gras, selbst der Hunger ist mir
vergangen,
Ps 102,6 ich bin nur noch Haut und Knochen! Laut stöhnend wälze ich mich auf
meinem Lager hin und her.
Ps 102,7 Man hört mich klagen wie eine Eule in der Wüste, wie ein Käuzchen in
verlassenen Ruinen.
Ps 102,8 Ich kann nicht schlafen; ich bin verlassen und fühle mich wie ein
einsamer Vogel auf dem Dach.
Ps 102,9 Tag für Tag beschimpfen mich meine Feinde, und wenn sie andere
verfluchen, missbrauchen sie meinen Namen und sagen: »Gott strafe dich wie
diesen da!«
Ps 102,10 Ich esse Staub statt Brot, und in meine Getränke mischen sich Tränen.
Ps 102,11 Denn dein furchtbarer Zorn hat mich getroffen. Du hast mich hoch
geworfen und zu Boden geschmettert!
Ps 102,12 Mein Leben gleicht einem Schatten am Abend, der bald in der Dunkelheit
verschwindet. Ich bin wie Gras, das bald verdorrt.
Ps 102,13 Du aber, Herr, regierst für alle Zeiten; immer wird man von dir
erzählen.
Ps 102,14 Du wirst eingreifen und dich über die Stadt Zion erbarmen. Denn die
Zeit ist gekommen, sie zu begnadigen - die Stunde ist da!
Ps 102,15 Herr, dein Volk liebt die Mauern dieser Stadt und trauert über ihre
Trümmer.
Ps 102,16 [16/17] Aber der Herr wird sie wieder aufbauen und damit zeigen, wie
mächtig er ist. Dann werden die Völker ihn fürchten und die Könige der Erde
seine Macht anerkennen.
Ps 102,18 Ja, der Herr wird das Gebet der Hilflosen hören, er wird ihr Flehen
nicht verachten.
Ps 102,19 Dies lasse ich für unsere Nachkommen aufschreiben, damit sie es lesen
und den Herrn loben:
Ps 102,20 Der Herr blickte von seinem Heiligtum auf uns herab, er schaute vom
Himmel auf die Erde.
Ps 102,21 Er hörte das Stöhnen der Gefangenen und rettete sie vor dem sicheren
Tod.
Ps 102,22 Darum wird man den Herrn auf dem Berg Zion rühmen; in ganz Jerusalem
wird man ihn loben,
Ps 102,23 wenn alle Völker und Königreiche sich versammeln, um ihm zu dienen.
Ps 102,24 Mitten im Leben hat Gott meine Kraft gebrochen, er hat mich vorzeitig
alt werden lassen.
Ps 102,25 Darum flehe ich ihn an: Mein Gott, lass mich nicht so früh sterben!
Herr, dein Leben hat keinen Anfang und kein Ende.
Ps 102,26 Vor langer Zeit hast du, Herr, alles geschaffen. Die Erde und die
Himmel, alles ist das Werk deiner Hände.
Ps 102,27 Sie werden vergehen, du aber bleibst. Wie alte Kleider werden sie
zerfallen, wie ein abgetragenes Gewand wechselst du sie und schaffst sie neu.
Ps 102,28 Du aber bleibst ein und derselbe, du wirst immer und ewig leben.
Ps 102,29 Die Nachkommen deines Volkes werden in Sicherheit wohnen, unter deinem
Schutz werden sie geborgen sein.
Ps 103,1 Ich will den Herrn von ganzem Herzen loben, alles in mir soll seinen
heiligen Namen preisen!
Ps 103,2 Ich will den Herrn loben und nie vergessen, wie viel Gutes er mir getan
hat.
Ps 103,3 Ja, er vergibt mir meine ganze Schuld und heilt mich von allen
Krankheiten!
Ps 103,4 Er bewahrt mich vor dem sicheren Tod und schenkt mir das Leben neu.
Seine Liebe und Güte umgeben mich allezeit.
Ps 103,5 Mein Leben lang gibt er mir Gutes im Überfluss, darum fühle ich mich
jung und stark wie ein Adler.
Ps 103,6 Der Herr hält Wort! Den Unterdrückten verhilft er zu ihrem Recht, so
wie er es versprochen hat.
Ps 103,7 Er weihte Mose in seine Pläne ein und zeigte allen Israeliten, dass er
gewaltige Taten vollbringen kann.
Ps 103,8 Barmherzig und gnädig ist der Herr, groß ist seine Geduld und
grenzenlos seine Liebe!
Ps 103,9 Er beschuldigt uns nicht endlos und bleibt nicht immer zornig.
Ps 103,10 Er bestraft uns nicht, wie wir es verdienen; unsere Sünden und
Verfehlungen zahlt er uns nicht heim.
Ps 103,11 Denn so hoch, wie der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine
Liebe zu allen, die ihm mit Ehrfurcht begegnen.
Ps 103,12 So fern, wie der Osten vom Westen liegt, so weit wirft Gott unsere
Schuld von uns fort!
Ps 103,13 Wie ein Vater seine Kinder liebt, so liebt der Herr alle, die ihn
ehren.
Ps 103,14 Denn er weiß, wie vergänglich wir sind; er vergisst nicht, dass wir
nur Staub sind.
Ps 103,15 Der Mensch ist wie das Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Feld.
Ps 103,16 Wenn der heiße Wüstenwind darüberfegt, ist sie spurlos verschwunden,
und niemand weiß, wo sie geblüht hat.
Ps 103,17 Die Güte des Herrn aber bleibt für immer und ewig; sie gilt allen, die
ihm gehorchen. Auf seine Zusagen können sich auch alle kommenden Generationen
berufen,
Ps 103,18 wenn sie sich an seinen Bund halten und seine Gebote befolgen.
Ps 103,19 Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet, als König herrscht er
über die ganze Welt.
Ps 103,20 Lobt den Herrn, ihr mächtigen Engel, die ihr seinen Befehlen gehorcht
und auf seine Worte hört!
Ps 103,21 Lobt den Herrn, ihr mächtigen Wesen im Himmel, die ihr ausführt, was
er euch befohlen hat!
Ps 103,22 Lobt den Herrn, alle seine Geschöpfe, an allen Orten seiner
Herrschaft! Auch ich will den Herrn von ganzem Herzen loben!
Ps 104,1 Ich will den Herrn von ganzem Herzen loben. Herr, mein Gott, wie groß
bist du! Majestätische Pracht ist dein Festgewand,
Ps 104,2 helles Licht umhüllt dich wie ein Mantel. Du spanntest den Himmel aus
wie ein Zeltdach,
Ps 104,3 über den Wolken hast du deine Wohnung errichtet. Ja, die Wolken sind
dein Wagen, du fährst auf den Flügeln des Windes dahin.
Ps 104,4 Wind und Wetter sind deine Boten, zuckende Blitze deine Diener.
Ps 104,5 Die Erde hast du auf ein festes Fundament gegründet, damit sie für alle
Zeiten nicht wankt.
Ps 104,6 Wie ein Kleid bedeckte die Urflut ihre Kontinente, noch über den
höchsten Bergen standen die Wassermassen.
Ps 104,7 Doch vor deinem lauten Ruf wichen sie zurück, vor deinem Donnergrollen
flohen sie.
Ps 104,8 Die Berge erhoben sich, und die Täler senkten sich an den Ort, den du
für sie bestimmt hattest.
Ps 104,9 Du hast dem Wasser eine Grenze gesetzt, die es nicht überschreiten
darf, nie wieder soll es die ganze Erde überschwemmen.
Ps 104,10 Du lässt Quellen sprudeln und als Bäche in die Täler fließen, zwischen
den Bergen finden sie ihren Weg.
Ps 104,11 Die Tiere der Steppe trinken davon, Wildesel stillen ihren Durst.
Ps 104,12 An ihren Ufern nisten die Vögel, in dichtem Laub singen sie ihre
Lieder.
Ps 104,13 Vom Himmel lässt du Regen auf die Berge niedergehen, die Erde saugt
ihn auf und wird fruchtbar.
Ps 104,14 Du lässt Gras für das Vieh wachsen und Pflanzen, die der Mensch
anbaut. Er pflügt das Land, sät und erntet;
Ps 104,15 so hat er Wein, der ihn erfreut, Öl, das seinen Körper pflegt, und
Brot, das ihn stärkt.
Ps 104,16 Du, Herr, hast die riesigen Zedern auf dem Libanongebirge gepflanzt
und gibst ihnen genügend Regen.
Ps 104,17 In ihren Zweigen bauen die Vögel ihre Nester, und Störche haben in den
Zypressen ihren Brutplatz.
Ps 104,18 In den hohen Bergen hat der Steinbock sein Revier, und das Murmeltier
findet in den Felsen Zuflucht.
Ps 104,19 Du hast den Mond gemacht, um die Monate zu bestimmen, und die Sonne
weiß, wann sie untergehen soll.
Ps 104,20 Du lässt die Dunkelheit hereinbrechen, und es wird Nacht - dann regen
sich die Tiere im Dickicht des Waldes.
Ps 104,21 Die jungen Löwen brüllen nach Beute; von dir, o Gott, erwarten sie
ihre Nahrung.
Ps 104,22 Sobald aber die Sonne aufgeht, schleichen sie zurück und suchen in den
Schlupfwinkeln ihr Lager auf.
Ps 104,23 Dann aber steht der Mensch auf und geht an seine Arbeit, er hat zu
tun, bis es wieder Abend wird.
Ps 104,24 O Herr, welch unermessliche Vielfalt zeigen deine Werke! Sie alle sind
Zeugen deiner Weisheit, die ganze Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Ps 104,25 Da ist das Meer - so unendlich groß und weit, unzählbar sind die Tiere
darin, große wie kleine.
Ps 104,26 Schiffe ziehen dort vorüber und auch die Seeungeheuer, die du
geschaffen hast, um damit zu spielen.
Ps 104,27 Alle deine Geschöpfe warten auf dich, dass du ihnen rechtzeitig zu
essen gibst.
Ps 104,28 Sie holen sich die Nahrung, die du ihnen zuteilst. Du öffnest deine
Hand, und sie werden reichlich satt.
Ps 104,29 Doch wenn du dich von ihnen abwendest, ist es mit ihnen vorbei. Ja,
sie sterben und werden zu Staub, wenn du ihnen den Lebensatem nimmst.
Ps 104,30 Doch wenn du deinen lebendigen Geist schickst, dann werden sie
geschaffen; so schenkst du der Erde neues Leben.
Ps 104,31 Die Macht und Hoheit des Herrn möge für immer bleiben! Er freue sich
an dem, was er geschaffen hat!
Ps 104,32 Er braucht die Erde nur anzusehen - schon erbebt sie; wenn er die
Berge berührt, dann fangen sie an zu rauchen.
Ps 104,33 Singen will ich für den Herrn, solange ich lebe, für meinen Gott will
ich musizieren mein Leben lang.
Ps 104,34 Wie freue ich mich über den Herrn - möge ihm mein Lied gefallen!
Ps 104,35 Doch wer sich ihm widersetzt, soll nicht mehr weiterleben, sondern vom
Erdboden verschwinden. Ich will den Herrn von ganzem Herzen preisen. Halleluja!
Ps 105,1 Preist den Herrn, und ruft seinen Namen aus, verkündet seine großen
Taten allen Völkern!
Ps 105,2 Singt und musiziert zu seiner Ehre, macht alle seine Wunder bekannt!
Ps 105,3 Seid glücklich, dass ihr zu ihm, dem heiligen Gott, gehört! Ja, alle,
die den Herrn suchen, sollen sich freuen!
Ps 105,4 Fragt nach dem Herrn, und rechnet mit seiner Macht, wendet euch immer
wieder an ihn!
Ps 105,5 [5/6] Ihr Nachkommen seines Dieners Abraham, ihr Kinder und Enkel
Jakobs, den er auserwählte, erinnert euch an die Wunder, die er getan hat! Denkt
immer wieder an seine mächtigen Taten und an die Urteile, die er fällte!
Ps 105,7 Er ist der Herr, unser Gott! Auf der ganzen Welt hat er das letzte
Wort.
Ps 105,8 Niemals vergisst er seinen Bund mit uns, sein Versprechen, das er gab.
Es gilt auch allen Generationen nach uns, selbst wenn es tausend sind.
Ps 105,9 Schon mit Abraham schloss er diesen Bund; er schwor auch Isaak, sich
daran zu halten.
Ps 105,10 An Jakob bestätigte er ihn als gültige Ordnung, ja, als ewiges Bündnis
für ganz Israel.
Ps 105,11 Er sprach: »Euch gebe ich das Land Kanaan, ihr sollt es für immer
besitzen.«
Ps 105,12 Als sie noch eine kleine Schar waren, nur wenige, dazu noch fremd im
Land,
Ps 105,13 als sie von Volk zu Volk wanderten, von einem Land zum anderen,
Ps 105,14 da erlaubte der Herr keinem, sie zu unterdrücken. Um sie zu schützen,
warnte er die Könige der fremden Völker:
Ps 105,15 »Rührt mein Volk nicht an! Ich habe es erwählt! Ich habe durch sie
etwas Besonderes zu sagen - tut ihnen nichts Böses!«
Ps 105,16 Der Herr ließ eine Hungersnot ins Land kommen, und die Vorräte an
Getreide und Brot gingen schnell zu Ende.
Ps 105,17 Aber Gott hatte ihnen schon einen Mann nach Ägypten vorausgeschickt:
Josef, der als Sklave verkauft worden war.
Ps 105,18 Man band seine Füße mit Ketten und zwängte seinen Hals in einen
eisernen Ring.
Ps 105,19 Dies änderte sich erst, als alles eintraf, was er vorausgesagt hatte.
Es war das Wort, das Gott ihm gab, und so stellte sich heraus, dass Josef
unschuldig war.
Ps 105,20 Da befahl der König, ihn von seinen Fesseln zu befreien; der Mann, der
über viele Völker herrschte, gab ihn frei!
Ps 105,21 Er berief ihn an die höchste Stelle seiner Regierung und machte ihn
zum Verwalter seines Vermögens.
Ps 105,22 Die hohen Beamten wurden ihm unterstellt, und die Ratgeber des Königs
sollten bei ihm lernen, wie man weise entscheidet.
Ps 105,23 Dann kamen Jakob und seine Familie nach Ägypten, und sie lebten dort
als Fremde.
Ps 105,24 Der Herr ließ sein Volk rasch wachsen und schließlich mächtiger als
seine Unterdrücker werden.
Ps 105,25 Er sorgte dafür, dass die Ägypter anfingen, sein Volk zu hassen. Am
Ende behandelten sie es heimtückisch und gemein.
Ps 105,26 Dann sandte er seine Diener Mose und Aaron, die er auserwählt hatte,
zu ihnen.
Ps 105,27 Sie vollbrachten in Ägypten die Zeichen und Wunder, die der Herr
vorher angedroht hatte:
Ps 105,28 Er sandte pechschwarze Finsternis, und dennoch widersetzten sich die
Ägypter seinem Befehl.
Ps 105,29 Ihre Gewässer verwandelte er in Blut und ließ die Fische darin
umkommen.
Ps 105,30 Im ganzen Land wimmelte es von Fröschen, die auch vor dem Palast des
Königs nicht Halt machten.
Ps 105,31 Auf Gottes Weisung kam Ungeziefer, ganze Schwärme von Stechmücken
bedeckten das Land.
Ps 105,32 Und als die Ägypter auf Regen warteten, sandte er Hagel; Blitze
flammten über das ganze Land und verursachten Brände.
Ps 105,33 Er zerschlug ihre Weinstöcke und Feigenbäume und zerbrach auch die
anderen Bäume im Land.
Ps 105,34 Auf seinen Befehl rückten Heuschrecken heran, riesige Schwärme, die
nicht zu zählen waren.
Ps 105,35 Sie machten sich über alle Pflanzen im Lande her, alles, was grünte
und blühte, fraßen sie kahl.
Ps 105,36 Schließlich tötete der Herr in jeder Familie der Ägypter den ältesten
Sohn - ihren ganzen Stolz.
Ps 105,37 Dann führte er sein Volk heraus, gesund und stark, reich beladen mit
Silber und Gold.
Ps 105,38 Die Ägypter waren froh, sie endlich los zu sein, so sehr hatte sie die
Furcht vor ihnen gepackt.
Ps 105,39 Der Herr gab seinem Volk Schutz hinter einer Wolke, und in der Nacht
erleuchtete ein Feuer ihnen den Weg.
Ps 105,40 Sie verlangten nach Speise, da ließ er Wachteln in ihr Lager kommen,
und mit Brot vom Himmel machte er sie satt.
Ps 105,41 Er öffnete einen Felsen: Wasser floss heraus und strömte in die Wüste.
Ps 105,42 Ja, Gott hat Wort gehalten! Er löste sein heiliges Versprechen ein,
das er Abraham, seinem Diener, gegeben hatte.
Ps 105,43 So führte er sein auserwähltes Volk heraus, und sie sangen und
jubelten vor Freude.
Ps 105,44 Dann gab er ihnen das Land anderer Völker; was diese erarbeitet
hatten, wurde nun ihr Besitz.
Ps 105,45 Diese Wunder ließ er sein Volk erleben, damit sie seinen Weisungen
gehorchten und seine Gebote hielten. Halleluja!
Ps 106,1 Halleluja! Preist den Herrn, denn er ist gut, und seine Gnade hört
niemals auf!
Ps 106,2 Wer könnte seine mächtigen Taten alle aufzählen? Wer könnte ihn jemals
genug loben?
Ps 106,3 Glücklich sind alle, die sich an seine Ordnungen halten und immer das
tun, was in Gottes Augen recht ist!
Ps 106,4 Herr, denke auch an mich, wenn du deinem Volk hilfst; komm auch zu mir
und rette mich!
Ps 106,5 Lass mich mit eigenen Augen sehen, wie du deinem auserwählten Volk
Gutes tust! Ich will mich gemeinsam mit ihnen freuen und stolz darauf sein, dass
ich zu denen gehöre, die du zu deinem Eigentum gemacht hast.
Ps 106,6 Wir haben schwere Schuld auf uns geladen wie schon unsere Vorfahren.
Wir haben Unrecht begangen und dich missachtet!
Ps 106,7 Schon unsere Väter in Ägypten wollten nicht aus deinen Wundern lernen.
Schnell vergaßen sie, wie oft du sie gerettet hattest. Am Ufer des Schilfmeeres
lehnte sich dein Volk gegen dich auf.
Ps 106,8 Trotzdem befreite sie der Herr, wie er es versprochen hatte. So bewies
er ihnen seine Macht.
Ps 106,9 Er befahl dem Schilfmeer, sich zu teilen, und es geschah; die Fluten
türmten sich auf, und er führte sein Volk wie auf Wüstenboden hindurch.
Ps 106,10 [10/11] Das Wasser schlug über ihren Verfolgern zusammen, und nicht
einer kam mit dem Leben davon. So rettete er sie aus der Gewalt ihrer Feinde,
unter deren Hass sie so lange gelitten hatten.
Ps 106,12 Da endlich glaubten sie seinen Worten und lobten ihn mit ihren
Liedern.
Ps 106,13 Doch schon bald vergaßen sie, was er für sie getan hatte. Sie wollten
nicht auf das warten, was nach seinem Plan geschehen sollte.
Ps 106,14 In der Wüste forderten sie Gott heraus, in ihrer Gier verlangten sie,
Fleisch zu essen.
Ps 106,15 Da gab er ihnen, wonach sie gierten, aber gleich darauf plagte er sie
mit einer schrecklichen Seuche.
Ps 106,16 Im Lager wurden sie neidisch auf Mose und auf Aaron, den der Herr zu
seinem Diener erwählt hatte.
Ps 106,17 Da öffnete sich auf einmal die Erde. Sie verschlang die Aufrührer
Datan und Abiram mit ihren Familien und schloss sich wieder über ihnen.
Ps 106,18 Dann brach ein Feuer aus unter denen, die zu ihnen hielten, und
verbrannte sie, weil sie Gott missachteten.
Ps 106,19 Am Berg Horeb goss sich das Volk Israel ein goldenes Kalb und betete
das Standbild an.
Ps 106,20 Die Macht und Hoheit ihres Gottes tauschten sie ein gegen das Abbild
eines Gras fressenden Stieres!
Ps 106,21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der in Ägypten mächtige Taten und
Wunder vollbracht hatte.
Ps 106,22 Sie dachten nicht mehr daran, wie er den Ägyptern am Schilfmeer Angst
und Schrecken eingejagt hatte.
Ps 106,23 Schon sprach Gott davon, sie alle zu vernichten, doch Mose, sein
Auserwählter, setzte sich für sie ein. Er wandte Gottes Zorn von ihnen ab, so
dass sie nicht vernichtet wurden.
Ps 106,24 Dann verschmähten sie das schöne Land, denn sie glaubten Gottes
Zusagen nicht.
Ps 106,25 Sie blieben in ihren Zelten und schimpften über Gott; längst nahmen
sie seine Worte nicht mehr ernst.
Ps 106,26 Da hob er seine Hand zum Schwur und sagte: »Ich werde sie in der Wüste
umkommen lassen
Ps 106,27 und ihre Nachkommen unter die Völker zerstreuen, damit sie dort
untergehen!«
Ps 106,28 Sie gaben sich dazu her, Baal anzubeten, den Gott vom Berg Peor, und
aßen das Fleisch von Opfertieren, die man toten Götzen geweiht hatte.
Ps 106,29 Durch ihr gottloses Treiben reizten sie den Herrn zum Zorn, da brach
eine schreckliche Seuche unter ihnen aus.
Ps 106,30 Pinhas aber griff ein und hielt Gericht, und die Seuche hörte auf.
Ps 106,31 So fand er Gottes Anerkennung, er und seine Nachkommen für alle Zeit.
Ps 106,32 Auch bei der Felsenquelle von Meriba forderte Israel Gottes Zorn
heraus, und über Mose brach ihretwegen das Verhängnis herein:
Ps 106,33 Sie hatten ihn so erbittert, dass er sich zu unbedachten Worten
hinreißen ließ.
Ps 106,34 Sie beachteten nicht den Befehl Gottes, die anderen Völker zu
vernichten.
Ps 106,35 stattdessen vermischten sie sich mit ihnen und übernahmen ihre
schrecklichen Gebräuche:
Ps 106,36 Sie beteten ihre Götter an, die ihnen dann zum Verhängnis wurden.
Ps 106,37 [37/38] Sie opferten ihre eigenen Söhne und Töchter den Dämonen. Sie
vergossen unschuldiges Blut und entweihten das Land, indem sie ihre Kinder zu
Ehren der Götzen Kanaans schlachteten.
Ps 106,39 Durch ihre bösen Taten wurden sie unrein in Gottes Augen - sie brachen
ihm die Treue.
Ps 106,40 Da geriet Gott in Zorn über Israel und verabscheute sein eigenes Volk.
Ps 106,41 Er gab sie in die Hand fremder Völker; sie wurden beherrscht von
denen, die sie hassten.
Ps 106,42 Ihre Feinde unterdrückten sie, ihrer Gewalt musste Israel sich beugen.
Ps 106,43 Immer wieder befreite sie der Herr, aber sie dachten nicht im
Geringsten daran, ihm zu gehorchen. So sanken sie durch ihre Schuld immer tiefer
ins Unglück.
Ps 106,44 Doch als Gott ihre verzweifelte Lage sah und ihre Hilfeschreie hörte,
Ps 106,45 da dachte er an seinen Bund mit ihnen. Ja, seine Liebe zu ihnen war
stark, darum tat es ihm leid, dass er sie ihren Feinden ausgeliefert hatte.
Ps 106,46 Er ließ sie Erbarmen finden bei denen, die sie gefangen hielten.
Ps 106,47 Rette uns, Herr, unser Gott! Führe uns heraus aus den Völkern, die
dich nicht kennen, und bring uns wieder zusammen! Dann werden wir deinen
heiligen Namen preisen und stolz darauf sein, dass wir dich loben können.
Ps 106,48 Ja, gelobt sei der Herr, der Gott Israels, jetzt und für alle Zeit!
Und das ganze Volk soll antworten: Amen! Halleluja!
Ps 107,1 Preist den Herrn, denn er ist gut, und seine Gnade hört niemals auf!
Ps 107,2 Dies sollen alle bekennen, die der Herr gerettet hat. Ja, er hat sie
aus der Gewalt ihrer Unterdrücker befreit
Ps 107,3 und aus fernen Ländern wieder zurückgebracht - aus Ost und West, aus
Nord und Süd.
Ps 107,4 Viele irrten in der trostlosen Wüste umher und konnten den Weg zu einer
bewohnten Stadt nicht finden.
Ps 107,5 Vor Hunger und Durst waren sie am Ende ihrer Kraft und verloren allen
Mut.
Ps 107,6 In auswegloser Lage schrien sie zum Herrn, und er rettete sie aus ihrer
Not.
Ps 107,7 Er half ihnen, den richtigen Weg zu finden, und führte sie zu einer
Stadt, in der sie wohnen konnten.
Ps 107,8 Sie sollen den Herrn preisen für seine Gnade und für seine Wunder, die
er uns Menschen erleben lässt!
Ps 107,9 Denn fast wären sie verhungert und verdurstet, doch er gab ihnen genug
zu essen und zu trinken.
Ps 107,10 Andere lagen in finsteren Gefängnissen, gequält und mit eisernen
Ketten gefesselt.
Ps 107,11 Sie hatten missachtet, was Gott ihnen sagte, und seine Weisungen in
den Wind geschlagen.
Ps 107,12 Darum zerbrach er ihren Stolz durch Zwangsarbeit; sie lagen am Boden,
und keiner half ihnen auf.
Ps 107,13 In auswegloser Lage schrien sie zum Herrn, und er rettete sie aus
ihrer Not.
Ps 107,14 Er holte sie aus den finsteren Gefängnissen und riss ihre Fesseln
entzwei.
Ps 107,15 Sie sollen den Herrn preisen für seine Gnade und für seine Wunder, die
er uns Menschen erleben lässt.
Ps 107,16 Denn er hat die gepanzerten Türen zerschmettert und die eisernen
Riegel aufgebrochen.
Ps 107,17 Andere litten unter den Folgen ihrer Sünden und Verfehlungen; sie
siechten dahin
Ps 107,18 und ekelten sich vor jeder Speise - vom Tod gezeichnet.
Ps 107,19 In auswegloser Lage schrien sie zum Herrn, und er rettete sie aus
ihrer Not.
Ps 107,20 Er sprach nur ein Wort, und sie wurden gesund. So rettete er sie vor
dem sicheren Tod.
Ps 107,21 Sie sollen den Herrn preisen für seine Gnade und für seine Wunder, die
er uns Menschen erleben lässt.
Ps 107,22 Aus Dank sollen sie ihm Opfergaben bringen und voll Freude von seinen
Taten erzählen!
Ps 107,23 Wieder andere fuhren mit ihren Schiffen aufs Meer hinaus, um Handel zu
treiben.
Ps 107,24 Dort erlebten sie Gottes Macht, auf hoher See wurden sie Zeugen seiner
wunderbaren Taten.
Ps 107,25 Nur ein Wort von ihm - und ein Sturm peitschte das Meer. Wogen türmten
sich auf,
Ps 107,26 warfen die Schiffe hoch in die Luft und stießen sie sogleich wieder in
gähnende Abgründe. Da verloren sie jede Hoffnung.
Ps 107,27 Sie wirbelten durcheinander und taumelten wie Betrunkene, mit ihrer
Weisheit waren sie am Ende.
Ps 107,28 In auswegloser Lage schrien sie zum Herrn, und er rettete sie aus
ihrer Not.
Ps 107,29 Er bannte die tödliche Gefahr: Der Sturm legte sich, und die tobenden
Wellen wurden ruhig.
Ps 107,30 Da freuten sie sich, dass es endlich still geworden war! Gott brachte
sie in den Hafen, an das ersehnte Ziel.
Ps 107,31 Sie sollen den Herrn preisen für seine Gnade und für seine Wunder, die
er uns Menschen erleben lässt.
Ps 107,32 Wenn sich das Volk versammelt, sollen sie seine Größe rühmen und ihn
vor dem Rat der Ältesten loben.
Ps 107,33 Der Herr verwandelt wasserreiches Land in dürre Wüste, und wo vorher
Quellen sprudelten, entstehen trostlose Steppen.
Ps 107,34 Fruchtbare Gebiete macht er zur Salzwüste, wenn die Bosheit der
Bewohner überhand nimmt.
Ps 107,35 Doch er verwandelt auch dürres Land in eine Oase und lässt mitten in
der Steppe Quellen aufbrechen.
Ps 107,36 Hungernde Menschen siedeln sich dort an und gründen Städte.
Ps 107,37 Sie bestellen die Felder, legen Weinberge an und bringen Jahr für Jahr
eine reiche Ernte ein.
Ps 107,38 Gott segnet sie mit vielen Kindern und vergrößert ihre Viehherden
immer mehr.
Ps 107,39 Wenn habgierige Machthaber sie unterdrücken und sie immer weniger
werden, gebeugt von Unglück und Leid,
Ps 107,40 dann macht Gott ihre Unterdrücker zum Gespött und lässt sie in der
Wüste umherirren.
Ps 107,41 Die Hilflosen aber rettet er aus ihrem Elend und lässt ihre Familien
wachsen wie große Herden.
Ps 107,42 Die aufrichtigen Menschen sehen es und freuen sich, und alle
niederträchtigen müssen verstummen.
Ps 107,43 Wer verständig ist, soll immer wieder daran denken. Er wird erkennen,
dass der Herr auf vielfache Weise zeigt, wie gnädig er ist!
Ps 108,1 Ein Lied Davids.
Ps 108,2 Voller Vertrauen blicke ich in die Zukunft, mein Gott; darum will ich
singen und dir danken, Herr! Fasse neuen Mut, mein Herz! Wach auf!
Ps 108,3 Harfe und Zither, wacht auf! Ich will den neuen Tag mit meinem Lied
begrüßen.
Ps 108,4 Herr, ich will dir danken vor den Völkern, vor allen Menschen will ich
dir singen.
Ps 108,5 Groß ist deine Güte! Sie reicht über den Himmel hinaus! Und wohin die
Wolken auch ziehen: Überall ist deine Treue!
Ps 108,6 Gott, zeige deine Größe, die den Himmel überragt; erweise deine Macht
und Herrlichkeit auf der ganzen Welt!
Ps 108,7 Hilf uns und antworte! Rette uns! Wir sind doch dein geliebtes Volk!
Ps 108,8 Darauf hat Gott in seinem Heiligtum geantwortet: »Im Triumph will ich
meinem Volk die Gegend um Sichem geben; das Tal von Sukkot will ich ihnen
zuteilen.
Ps 108,9 Mir gehören die Gebiete von Gilead und Manasse, Ephraim ist mein Helm
auf dem Haupt, Juda das Zepter in meiner Hand.
Ps 108,10 Das Land Moab dient mir als Waschbecken; auf Edom werfe ich meinen
Schuh als Zeichen dafür, dass ich von ihm Besitz ergreife. Und über die
Philister triumphiere ich als Sieger!«
Ps 108,11 Wer gibt mir Gewalt über die befestigte Stadt? Wer schenkt mir den
Sieg über Edom?
Ps 108,12 Außer dir, Herr, kommt ja niemand in Frage! Doch gerade du hast uns
verstoßen. Gerade du, Gott, ziehst nicht mehr mit unseren Truppen in den Kampf.
Ps 108,13 Rette uns vor den Feinden! Denn wer sich auf Menschen verlässt, der
ist verlassen!
Ps 108,14 Mit Gott werden wir große Taten vollbringen, er wird unsere Feinde
zertreten!
Ps 109,1 Ein Lied Davids. Mein Gott, ich lobe dich und bitte: Schweige nicht!
Ps 109,2 Rücksichtslos gehen gottlose Menschen gegen mich vor, sie reißen ihren
Mund auf und verleumden mich.
Ps 109,3 Sie bedrängen und beschimpfen mich mit hasserfüllten Worten; sie
bekämpfen mich ohne jeden Grund.
Ps 109,4 Meine Liebe zu ihnen beantworten sie mit Feindschaft, ich aber bete
weiter zu dir.
Ps 109,5 Mit Bosheit zahlen sie mir heim, was ich ihnen Gutes tue; meiner Liebe
setzen sie nur Hass entgegen.
Ps 109,6 O Herr, lass einen Ankläger gegen meinen Feind auftreten und bestimme
einen Richter, der sich nicht an deine Gesetze hält!
Ps 109,7 Wenn das Urteil gefällt wird, soll er schuldig gesprochen werden.
Selbst sein Gebet rechne ihm als Sünde an!
Ps 109,8 Er soll nicht mehr lange leben, und seine Stellung soll ein anderer
bekommen.
Ps 109,9 Seine Kinder sollen Waisen werden und seine Frau eine Witwe.
Ps 109,10 Ruhelos sollen seine Kinder umherirren und betteln, ihr Elternhaus
lass zu einer Ruine verfallen.
Ps 109,11 Seine Gläubiger mögen seinen Besitz an sich reißen, und Fremde sollen
rauben, was er sich erworben hat.
Ps 109,12 Niemand soll sein Andenken in Ehren halten und mit seinen verwaisten
Kindern Mitleid haben.
Ps 109,13 Seine Nachkommen sollen ausgerottet werden, schon in der nächsten
Generation möge ihr Name erlöschen.
Ps 109,14 Der Herr soll meinem Feind das Unrecht seiner Vorfahren nie vergessen,
und auch die Schuld seiner Mutter bleibe ungesühnt!
Ps 109,15 Die Sünden aller seiner Vorfahren sollen dem Herrn stets vor Augen
stehen, doch an sie selbst soll niemand mehr denken!
Ps 109,16 Denn dieser Mensch dachte nicht daran, anderen Gutes zu tun. Die Armen
und Hilflosen verfolgte er, und die Niedergeschlagenen trieb er in den Tod.
Ps 109,17 Er liebte es, andere zu verfluchen - nun soll der Fluch ihn selber
treffen! Er hasste es, andere zu segnen - darum bleibe der Segen von ihm fern!
Ps 109,18 Das Fluchen wurde ihm zur Gewohnheit, er hüllte sich darin ein wie in
einen Mantel. Aber nun wird sein Fluch gegen ihn selbst wirksam: er dringt in
ihn ein wie Wasser, das man trinkt, und wie Öl, mit dem man sich einreibt.
Ps 109,19 Er soll ihn bedecken wie ein Gewand und ihn für immer einschnüren wie
ein enger Gürtel!
Ps 109,20 Ja, Herr, damit strafe alle meine Feinde, alle, die mich verleumden!
Ps 109,21 Herr, mein Gott, tritt für mich ein, es geht um deine Ehre! Rette
mich, denn auf deine Gnade ist Verlass!
Ps 109,22 Ich bin niedergeschlagen und hilflos, im Innersten verwundet.
Ps 109,23 Mein Leben gleicht einem Schatten am Abend, der bald in der Dunkelheit
verschwindet. Ich bin wie eine Heuschrecke, die man vom Arm abschüttelt.
Ps 109,24 Vom vielen Fasten zittern mir die Knie, ich bin nur noch Haut und
Knochen.
Ps 109,25 Für meine Feinde bin ich zum Gespött geworden; wenn sie mich sehen,
schütteln sie den Kopf.
Ps 109,26 Hilf mir doch, Herr, mein Gott! Steh mir bei - du bist doch ein Gott,
der gerne rettet!
Ps 109,27 Lass meine Feinde erkennen, dass du es bist, der alles so gefügt hat!
Ps 109,28 Mögen sie mich auch verwünschen - du wirst mich segnen! Sie greifen
mich an, aber sie werden dabei scheitern! Zuletzt werde ich mich doch wieder
freuen können.
Ps 109,29 Schimpf und Schande soll über meine Ankläger kommen, soll sie
einhüllen wie ein Mantel!
Ps 109,30 Mit lauter Stimme will ich dem Herrn danken, vor der großen Menge will
ich ihn loben.
Ps 109,31 Er steht dem Wehrlosen zur Seite; er rettet ihn vor den Richtern, die
ihn zum Tode verurteilen wollen.
Ps 110,1 Ein Lied Davids. Gott, der Herr, sprach zu meinem Herrn: »Setze dich
auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite, bis ich dir alle deine Feinde
unterworfen habe, bis du deinen Fuß auf ihren Nacken setzt!«
Ps 110,2 Vom Berg Zion aus wird der Herr deine königliche Macht ausweiten - nun
herrsche über alle deine Feinde!
Ps 110,3 Wenn du ein Heer zum Kampf aufstellst, wird dir dein Volk begeistert
folgen. Feierlich geschmückt, voll jugendlicher Kraft, stehen dir die jungen
Krieger in großer Zahl zur Seite.
Ps 110,4 Gott, der Herr, hat meinem Herrn geschworen: »In alle Ewigkeit sollst
du ein Priester sein, so wie es Melchisedek war!« Diesen Schwur wird er niemals
brechen.
Ps 110,5 Der Herr wird dir zur Seite stehen; am Tag des Gerichtes zerschmettert
er Könige.
Ps 110,6 Wenn er über die Völker sein Urteil spricht, wird das Schlachtfeld mit
Leichen bedeckt sein. Den Herrscher über ein großes Land wird er vernichten.
Ps 110,7 Auf seinem Feldzug wird der Herr nur kurz rasten und aus dem Bach am
Wege trinken. So gestärkt erringt er den Sieg.
Ps 111,1 Halleluja - lobt den Herrn! Ich will dem Herrn von ganzem Herzen danken
vor allen, die ihm treu sind - ja, vor der ganzen Gemeinde!
Ps 111,2 Wie gewaltig ist alles, was der Herr vollbracht hat! Wer sich über
seine Taten freut, denkt immer wieder darüber nach.
Ps 111,3 Was der Herr tut, ist eindrucksvoll und einzigartig. Für immer und ewig
hält er, was er versprochen hat.
Ps 111,4 Er selbst hat alles dafür getan, dass seine Wunder nicht in
Vergessenheit geraten. Gnädig und barmherzig ist der Herr!
Ps 111,5 Denen, die ihn ehrten und achteten, gab er immer genug zu essen.
Niemals vergisst er den Bund, den er mit Israel geschlossen hat.
Ps 111,6 Er bewies ihnen seine Macht: Die Länder anderer Völker gab er ihnen zum
Besitz.
Ps 111,7 Er ist zuverlässig und gerecht in allem, was er tut; seinen Geboten
kann man völlig vertrauen.
Ps 111,8 Niemals verlieren sie ihre Gültigkeit, für alle Zeiten bleiben sie
bestehen. Er hat sie gegeben, um uns seine Treue und Wahrhaftigkeit vor Augen zu
führen.
Ps 111,9 Der Herr hat sein Volk erlöst und mit ihnen einen Bund geschlossen für
immer und ewig. Heilig und furchterregend ist unser Gott!
Ps 111,10 Alle Weisheit fängt damit an, dass wir ihn ernst nehmen. Wer sein
Leben nach Gottes Geboten ausrichtet, der allein gewinnt Einsicht. Nie wird das
Lob unseres Gottes verstummen!
Ps 112,1 Halleluja - lobt den Herrn! Glücklich ist, wer dem Herrn in Ehrfurcht
begegnet und sich über seine Gebote freut!
Ps 112,2 Seine Nachkommen werden im ganzen Land hohes Ansehen genießen, denn
Gottes Segen liegt auf jeder Generation, die sich von ihm nicht abbringen lässt.
Ps 112,3 Bei einem solchen Menschen sind Reichtum und Wohlstand zu Hause.
Unerschütterlich und treu hält er zu Gott.
Ps 112,4 Selbst in dunklen Stunden leuchtet ihm ein Licht, er ist voll Erbarmen,
großmütig und gerecht.
Ps 112,5 Gut geht es dem, der freundlich zu den Armen ist und ihnen gerne Geld
leiht, der sich an das Recht hält bei allem, was er unternimmt!
Ps 112,6 Nichts wird ihn zu Fall bringen, einen solchen Menschen vergisst man
nicht!
Ps 112,7 Er fürchtet sich nicht vor schlechter Nachricht, denn sein Glaube ist
stark - er vertraut dem Herrn.
Ps 112,8 Er lässt sich nicht erschüttern und hat keine Angst, denn er weiß, dass
er über seine Feinde triumphieren wird.
Ps 112,9 Großzügig schenkt er den Bedürftigen, was sie brauchen; auf seine
barmherzige Liebe kann man immer zählen. Darum ist er überall hoch angesehen.
Ps 112,10 Alle, die Gott missachten, sehen es und ärgern sich, sie knirschen mit
den Zähnen und vergehen vor Wut. Denn was sie sich erträumt haben, zerrinnt in
nichts.
Ps 113,1 Halleluja! Lobt den Herrn, ihr seine Diener! Lobt seinen herrlichen
Namen!
Ps 113,2 Ja, der Name des Herrn werde gepriesen - jetzt und in alle Zukunft!
Ps 113,3 Von dort, wo die Sonne aufgeht, bis dorthin, wo sie untergeht - überall
werde der Herr gelobt!
Ps 113,4 Er herrscht über alle Völker, seine Macht und Hoheit überragt den
Himmel!
Ps 113,5 [5/6] Einzigartig ist der Herr! Niemand im Himmel und auf der Erde ist
ihm gleich. Sein Thron steht hoch über allen Thronen, und doch sieht er, was in
der Tiefe vor sich geht.
Ps 113,7 Wer hoffnungslos im Elend sitzt, den holt er heraus; wer erniedrigt
wurde, den bringt er wieder zu Ehren
Ps 113,8 und gibt ihm einen Platz unter den Angesehenen, die in seinem Volk Rang
und Namen haben.
Ps 113,9 Auch die kinderlose Frau befreit er von ihrer Schmach und macht sie zu
einer glücklichen Mutter. Halleluja!
Ps 114,1 Als Israel aus Ägypten zog, als die Nachkommen Jakobs das Volk
verließen, dessen Sprache sie nicht verstehen konnten,
Ps 114,2 da machte der Herr das Gebiet Juda zu seinem Heiligtum und Israel zu
seinem Herrschaftsbereich.
Ps 114,3 Das Rote Meer sah das Volk kommen und wich zurück, auch der Jordan
hörte auf zu fließen und staute sein Wasser.
Ps 114,4 Die Berge sprangen wie die Schafe, und die Hügel hüpften wie die
Lämmer.
Ps 114,5 Was ist mit dir geschehen, Meer? Warum bist du so plötzlich
zurückgewichen? Jordan, warum hast du aufgehört zu fließen?
Ps 114,6 Ihr Berge, weshalb seid ihr gesprungen wie die Schafe, und ihr Hügel,
warum seid ihr wie die Lämmer gehüpft?
Ps 114,7 Erde, erbebe, wenn der Herr, der Gott Jakobs, erscheint!
Ps 114,8 Er verwandelte Felsen in Wasserteiche und ließ Quellen sprudeln, wo
vorher nur harter Stein zu finden war!
Ps 115,1 Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern dir allein steht Ehre zu! Du allein
bist gnädig und treu!
Ps 115,2 Warum dürfen die Völker höhnisch fragen: »Wo bleibt er denn, ihr Gott?«
Ps 115,3 Unser Gott ist im Himmel, und alles, was er will, das tut er auch!
Ps 115,4 Doch ihre Götter sind nur Figuren aus Silber und Gold, von
Menschenhänden gemacht.
Ps 115,5 Sie haben einen Mund, aber reden können sie nicht; Augen haben sie,
doch sie können nicht sehen.
Ps 115,6 Mit ihren Ohren hören sie nicht, und mit ihren Nasen riechen sie
nichts.
Ps 115,7 Ihre Hände können nicht greifen, mit ihren Füßen gehen sie nicht. Aus
ihren Kehlen kommt kein einziger Laut!
Ps 115,8 Genauso starr und tot sollen alle werden, die diese Götzen schufen, und
auch alle, die solchen Götzen vertrauen!
Ps 115,9 Ihr Israeliten, vertraut dem Herrn! Er allein gibt euch Hilfe und
Schutz.
Ps 115,10 Ihr Priester, vertraut dem Herrn! Er allein gibt euch Hilfe und
Schutz.
Ps 115,11 Ihr alle, die ihr den Herrn achtet - vertraut ihm! Er allein gibt euch
Hilfe und Schutz.
Ps 115,12 Der Herr denkt an uns und wird uns segnen. Sein Segen gilt ganz
Israel. Sein Segen gilt den Priestern.
Ps 115,13 Sein Segen gilt allen, die ihn achten, ganz gleich, ob unbedeutend
oder einflussreich!
Ps 115,14 Der Herr gebe euch viele Kinder, euch und euren Nachkommen!
Ps 115,15 Auf euch ruht der Segen des Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat.
Ps 115,16 Der Himmel gehört dem Herrn allein, die Erde aber hat er den Menschen
anvertraut.
Ps 115,17 Die Toten können den Herrn nicht mehr loben, denn dort, wo sie sind,
schweigt man für immer.
Ps 115,18 Doch wir, wir loben und preisen unseren Gott, jetzt und in Ewigkeit!
Halleluja!
Ps 116,1 Ich liebe den Herrn, denn er hat mich erhört, als ich zu ihm um Hilfe
schrie.
Ps 116,2 Ja, er hat sich zu mir herabgeneigt; mein Leben lang will ich zu ihm
rufen!
Ps 116,3 Ich war schon gefangen in den Klauen des Todes, Angst vor dem Grab
überfiel mich, ich war völlig verzweifelt.
Ps 116,4 Da schrie ich laut zum Herrn, ich flehte ihn an: »O Herr, rette mein
Leben!«
Ps 116,5 Wie gnädig ist der Herr! Was er verspricht, das hält er auch. Unser
Gott ist voll Erbarmen!
Ps 116,6 Er beschützt alle, die sich selbst nicht helfen können. Ich war in
großer Gefahr, doch der Herr hat mir herausgeholfen!
Ps 116,7 Nun sage ich mir: »Werde wieder ruhig! Der Herr hat dir Gutes
erwiesen!«
Ps 116,8 Ja, er hat mich vor dem sicheren Tod errettet. Meine Tränen hat er
getrocknet und mich vor dem Untergang bewahrt.
Ps 116,9 Ich darf am Leben bleiben, in seiner Nähe.
Ps 116,10 Mein Vertrauen zu ihm blieb unerschüttert, auch als ich zugeben
musste: »Jetzt weiß ich nicht mehr aus noch ein!«,
Ps 116,11 auch als ich bestürzt ausrief: »Keinem Menschen kann man vertrauen!«
Ps 116,12 Wie soll ich dem Herrn nun danken für all das Gute, das er mir getan
hat?
Ps 116,13 Beim Opfermahl will ich vor allen den Kelch erheben als Zeichen meines
Dankes. Denn der Herr hat mich gerettet - das allein will ich bekennen!
Ps 116,14 So will ich vor Gottes Volk erfüllen, was ich dem Herrn versprochen
habe.
Ps 116,15 Der Herr bewahrt alle, die ihn lieben, denn in seinen Augen ist ihr
Leben wertvoll.
Ps 116,16 Gott, du bist mein Herr, und ich diene dir, wie meine Mutter es schon
tat. Du hast mich den Klauen des Todes entrissen.
Ps 116,17 Deshalb will ich dir ein Dankopfer bringen; laut will ich bekennen,
dass du mein Herr bist.
Ps 116,18 [18/19] Vor deinem ganzen Volk - auf dem Vorhof des Tempels mitten in
Jerusalem - will ich dir, Herr, meine Gelübde erfüllen. Halleluja!
Ps 117,1 Lobt den Herrn, alle Völker; preist ihn, alle Nationen!
Ps 117,2 Denn seine Liebe zu uns ist stark und mächtig, und seine Treue hört
niemals auf! Halleluja!
Ps 118,1 Dankt dem Herrn, denn er ist gut, und seine Gnade hört niemals auf!
Ps 118,2 Alle Israeliten sollen es sagen: Seine Gnade hört niemals auf!
Ps 118,3 Die Priester sollen rufen: Seine Gnade hört niemals auf!
Ps 118,4 Alle, die ihm in Ehrfurcht begegnen, sollen einstimmen: Seine Gnade
hört niemals auf!
Ps 118,5 In auswegloser Lage schrie ich zum Herrn: »Hilf mir!« Er holte mich aus
der Bedrängnis heraus und schenkte mir Freiheit.
Ps 118,6 Der Herr ist auf meiner Seite, und ich brauche mich vor nichts und
niemandem zu fürchten. Was kann mir ein Mensch schon antun?
Ps 118,7 Der Herr steht für mich ein und hilft mir; ich werde noch die
Niederlage meiner Feinde erleben.
Ps 118,8 Es ist viel besser, bei dem Herrn Schutz zu suchen, als sich auf
Menschen zu verlassen.
Ps 118,9 Es ist viel besser, bei dem Herrn Schutz zu suchen, als mit denen zu
rechnen, die mächtig und einflussreich sind.
Ps 118,10 Ich war von feindlichen Völkern eingekreist, aber mit der Hilfe des
Herrn schlug ich sie in die Flucht.
Ps 118,11 Sie hatten mich umzingelt, aber mit der Hilfe des Herrn schlug ich sie
in die Flucht.
Ps 118,12 Sie fielen über mich her wie ein Bienenschwarm, aber mit der Hilfe des
Herrn schlug ich sie in die Flucht. Wie ein Strohfeuer erlischt, so schnell war
es mit ihnen vorbei.
Ps 118,13 Sie haben mich erbittert bekämpft, um mich zu Fall zu bringen, doch
der Herr hat mir geholfen.
Ps 118,14 Er hat mir Kraft gegeben und mich froh gemacht; nun kann ich wieder
singen. Er hat mir den Sieg geschenkt!
Ps 118,15 [15/16] Hört die Freudenrufe und Siegeslieder in den Zelten der
Menschen, die für Gott leben! Sie singen: »Der mächtige Gott vollbringt
gewaltige Taten! Er hat die Hand erhoben zum Zeichen des Sieges - ja, er
vollbringt Gewaltiges!«
Ps 118,17 Ich werde nicht sterben, sondern am Leben bleiben und erzählen, was
der Herr getan hat!
Ps 118,18 Er hat mich hart gestraft, doch er ließ nicht zu, dass ich umkam.
Ps 118,19 Öffnet mir die Tore des Tempels! Ich will durch sie einziehen und dem
Herrn danken.
Ps 118,20 Ein Priester: »Hier ist das Tempeltor, der Zugang zum Herrn! Wer Gott
die Treue hält, darf hier hereinkommen!«
Ps 118,21 Ich danke dir, Herr, denn du hast mich erhört! Du selbst hast mich
gerettet.
Ps 118,22 Der Stein, den die Bauleute wegwarfen, weil sie ihn für unbrauchbar
hielten, ist zum Grundstein des ganzen Hauses geworden!
Ps 118,23 Was keiner für möglich gehalten hat, das tut Gott vor unseren Augen!
Ps 118,24 Diesen Tag hat er zum Fest gemacht, lasst uns fröhlich sein und
jubeln!
Ps 118,25 O Herr, hilf uns doch! Gib uns Gelingen!
Ps 118,26 Ein Priester: »Willkommen ist, wer im Auftrag des Herrn kommt! Wir
versehen den Dienst am Tempel, darum segnen wir euch.
Ps 118,27 Der Herr allein ist Gott, er sieht uns freundlich an. Mit Zweigen in
euren Händen beginnt den festlichen Reigen um den Altar!«
Ps 118,28 Du bist mein Gott, dir will ich danken. Mein Gott, dich allein will
ich ehren!
Ps 118,29 Dankt dem Herrn, denn er ist gut zu uns, und seine Gnade hört niemals
auf!
Ps 119,1 Glücklich sind die Menschen, denen man nichts Böses nachsagen kann, die
sich nach Gottes Gesetz richten.
Ps 119,2 Glücklich sind alle, die sich an seine Weisungen halten und ihm von
ganzem Herzen dienen.
Ps 119,3 Sie tun kein Unrecht, denn sie leben nach seinem Willen.
Ps 119,4 Was du, Herr, angeordnet hast, soll jeder genau beachten.
Ps 119,5 Ich wünsche mir noch mehr Beständigkeit, damit ich mich an deine
Ordnungen halten kann.
Ps 119,6 Deine Gebote verliere ich nicht mehr aus den Augen. Darum brauche ich
mich nicht zu schämen,
Ps 119,7 sondern kann dich mit aufrichtigem Herzen loben. Deine guten Gesetze
lerne ich immer besser kennen;
Ps 119,8 ich will mich an deine Ordnungen halten, hilf mir dabei und lass mich
nicht im Stich!
Ps 119,9 Herr, wie kann ein junger Mensch leben, ohne schuldig zu werden? Indem
er sich nach deinen Geboten richtet.
Ps 119,10 Auch ich will dir treu sein; lass mich nicht von dem Weg abkommen, den
du mir gezeigt hast!
Ps 119,11 Tief präge ich mir dein Wort ein, damit ich nicht vor dir schuldig
werde.
Ps 119,12 Ich will dir danken und dich preisen, Herr! Lehre mich, deinen
Ordnungen immer mehr zu gehorchen!
Ps 119,13 Alle deine Anweisungen sage ich mir immer wieder auf.
Ps 119,14 Ich freue mich über deine Gebote wie über großen Reichtum.
Ps 119,15 Ich denke über deine Vorschriften nach und halte mich daran.
Ps 119,16 Deine Gesetze machen mich glücklich; nie werde ich dein Wort
vergessen.
Ps 119,17 Herr, ich bin dein Diener! Gib mir alles, was ich brauche; nur so kann
ich leben und dein Wort befolgen.
Ps 119,18 Öffne mir die Augen, damit ich die Wunder erkenne, die dein Gesetz
enthält!
Ps 119,19 Diese Welt wird nicht für immer meine Heimat sein. Deshalb brauche ich
deine Gebote, die mir zeigen, was du für richtig hältst.
Ps 119,20 Ich sehne mich sehr danach, deine Weisungen noch besser kennen zu
lernen.
Ps 119,21 Du strafst die Selbstgerechten und verfluchst alle, die deine Gebote
übertreten.
Ps 119,22 Weil ich mich nach dem richte, was du angeordnet hast, werde ich mit
Hohn und Spott überschüttet. Mach dem ein Ende!
Ps 119,23 Die Herrschenden sitzen zusammen und schmieden gemeine Pläne gegen
mich; ich aber will dir dienen und denke über deine Ordnungen nach.
Ps 119,24 Über deine Gesetze freue ich mich sehr, denn sie sind hervorragende
Ratgeber.
Ps 119,25 Herr, ich bin am Boden zerstört. Schenke mir neue Kraft, wie du es
versprochen hast!
Ps 119,26 Ich habe dir schon oft meine Not geklagt, und du hast mir immer
geholfen. Zeige mir auch jetzt, was ich tun soll!
Ps 119,27 Hilf mir, deine Anordnungen zu verstehen, damit ich über die Wunder
nachdenken kann, von denen dein Wort berichtet.
Ps 119,28 Vor Kummer weine ich hemmungslos. Richte mich wieder auf, wie du es
versprochen hast!
Ps 119,29 Wenn ich in Versuchung komme, unehrlich zu sein, dann tritt mir in den
Weg! Steh mir gnädig bei, und gib mir klare Anweisungen!
Ps 119,30 Ich habe mich entschlossen, dir treu zu bleiben. Darum will ich mir
immer vor Augen halten, was du als göttliches Recht festgelegt hast.
Ps 119,31 Unbeirrbar halte ich an deinen Anordnungen fest. Herr, lass nicht zu,
dass ich deswegen ausgelacht werde!
Ps 119,32 Zielstrebig will ich den Weg gehen, den deine Gebote mir weisen, denn
nur so kann ich froh der Zukunft entgegensehen.
Ps 119,33 Herr, zeige mir, was deine Ordnungen für uns bedeuten! Ich will sie
beachten, solange ich lebe.
Ps 119,34 Gib mir Einsicht, damit ich mich an dein Gesetz halte und es
entschieden befolge!
Ps 119,35 Hilf mir, deine Gebote zu erfüllen, denn sie bereiten mir Freude.
Ps 119,36 Gib mir Liebe zu deinem Wort, und lass nicht zu, dass ich habgierig
werde!
Ps 119,37 Ich will mich nicht mit dem abgeben, was sinnlos und wertlos ist. Hilf
mir dabei und schenke mir Freude, deinen Willen zu tun!
Ps 119,38 Herr, löse deine Zusagen ein! Sie gelten mir und allen, die dich
achten und ehren.
Ps 119,39 Ich habe Angst, dass man mich verlacht und beschimpft. Bewahre mich
davor, und verhilf mir zu meinem Recht!
Ps 119,40 Ich sehne mich danach, deinen Befehlen zu gehorchen. Wenn du dein
Versprechen hältst, lebe ich wieder auf.
Ps 119,41 Herr, zeige mir immer wieder, wie sehr du mich liebst, und hilf mir,
wie du es versprochen hast!
Ps 119,42 Dann kann ich denen die passende Antwort geben, die mich jetzt noch
verachten. Ich vertraue darauf, dass du Wort hältst.
Ps 119,43 Auf dein Wort habe ich meine Hoffnung gesetzt. Lass mich darum nicht
schweigen, wenn ich deine Treue rühmen soll!
Ps 119,44 Niemals will ich aufhören, dein Gesetz zu befolgen.
Ps 119,45 Du gewährst mir großen Freiraum für mein Leben, weil ich deine
Ordnungen beständig erforsche.
Ps 119,46 Sogar vor Königen will ich ohne Scheu bezeugen, dass dein Wort
unumstößlich gilt.
Ps 119,47 Ich befolge deine Gebote mit Freude, denn ich liebe sie.
Ps 119,48 Ich sehne mich nach deinem Wort, denn es ist mir wertvoll; über alles,
was du angeordnet hast, denke ich gründlich nach.
Ps 119,49 Herr, für dich habe ich mich eingesetzt. Mach dein Versprechen wahr,
denn darauf hoffe ich!
Ps 119,50 Immer, wenn ich in Not war, hat deine Zusage mich wieder aufgerichtet
und belebt.
Ps 119,51 Selbstgefällige Leute reden gehässig über mich, sooft sie nur können.
Trotzdem bin ich keinen Fingerbreit von deinem Gesetz abgewichen.
Ps 119,52 Nie habe ich den Mut verloren, denn ich erinnerte mich daran, wie du
schon früher für Recht gesorgt hast.
Ps 119,53 Wenn ich an die Menschen denke, die sich von dir und deinem Gesetz
losgesagt haben, dann packt mich der Zorn.
Ps 119,54 Nur kurze Zeit lebe ich auf dieser Erde; aber solange ich lebe, werde
ich deine Ordnungen besingen.
Ps 119,55 Herr, sogar in den Nachtstunden denke ich an dich, und deine Gebote
werden mir zur festen Gewohnheit.
Ps 119,56 Immer wieder macht es mich glücklich, unbeirrt nach deinen Leitlinien
zu leben.
Ps 119,57 Das muss ich bekennen: Ich gehöre zu Gott! Deshalb werde ich tun, was
er sagt.
Ps 119,58 Von ganzem Herzen will ich dir gefallen; sei mir gnädig, wie du es
versprochen hast!
Ps 119,59 Ich gebe mir Rechenschaft über mein bisheriges Leben und entschließe
mich von neuem, deinen Geboten zu gehorchen.
Ps 119,60 Ich zögere nicht und will keine Zeit verlieren, das zu tun, was du
befohlen hast.
Ps 119,61 Die Leute, die sich dir widersetzen, wollen mich zu Fall bringen, doch
ich vergesse dein Gesetz nicht.
Ps 119,62 Mitten in der Nacht stehe ich auf, um dir zu danken, weil deine
Urteile gerecht sind.
Ps 119,63 Wer dich achtet und nach deinen Maßstäben lebt, ist mein Freund.
Ps 119,64 Herr, überall auf dieser Welt können die Menschen deine Güte erleben.
Lass mich erkennen, was ich tun soll!
Ps 119,65 Herr, du bist gut zu mir, wie du es versprochen hast.
Ps 119,66 Schenke mir Urteilskraft und Verständnis, denn ich vertraue deinem
Wort.
Ps 119,67 Ich bin viele Irrwege gegangen, bis ich mir eingestehen musste: »So
geht es nicht weiter!« Daher will ich mich jetzt nach deinem Willen richten.
Ps 119,68 Gott, du bist gut! Wie viel Gutes hast du mir schon erwiesen! Lass
mich verstehen, was ich tun soll!
Ps 119,69 Unverfrorene Lügner ziehen meinen Namen in den Schmutz, aber ich
befolge deine Anordnungen von ganzem Herzen.
Ps 119,70 Ihr Gewissen ist abgestumpft; an ihnen prallt alles ab, was du sagst.
Ich aber freue mich über dein Gesetz.
Ps 119,71 Für mich war es gut, dass ich erkennen musste: »So geht es nicht
weiter!« Denn da erst lernte ich, wie hilfreich deine Gebote sind.
Ps 119,72 Ja, dein Gesetz lässt sich nicht mit Bergen von Gold aufwiegen!
Ps 119,73 Herr, mein Schöpfer! Du hast mir das Leben gegeben. Schenke mir nun
auch die Einsicht, die ich brauche, um nach deinen Geboten zu leben!
Ps 119,74 Alle, die dich achten und ehren, werden sich über mich freuen, denn
ich verlasse mich auf dein Wort.
Ps 119,75 Herr, ich weiß, dass deine Entscheidungen richtig sind. Selbst als du
mich in unlösbare Schwierigkeiten brachtest, meintest du es gut mit mir.
Ps 119,76 Lass mich deine Gnade erfahren, und tröste mich, wie du es mir
versprochen hast!
Ps 119,77 Dein Gesetz befolge ich gerne. Erbarme dich über mich, und hilf mir,
damit ich wieder Freude am Leben habe.
Ps 119,78 Bring die unverschämten Lügner zu Fall, denn sie haben mich grundlos
ins Elend gestürzt. Ich aber denke über deine Ordnungen nach.
Ps 119,79 Ich wünsche mir, dass alle, die dich ehren und deine Anweisungen
befolgen, zu mir halten.
Ps 119,80 Ich will mich entschlossen nach deinen Geboten richten, damit ich
nicht zu Fall komme.
Ps 119,81 Voller Sehnsucht warte ich auf deine Hilfe, denn du hast sie mir fest
versprochen.
Ps 119,82 Ich vergehe fast vor Ungeduld, bis du deine Zusage erfüllst. Wann
endlich tröstest du mich?
Ps 119,83 Ich fühle mich nutzlos, alt und verbraucht; trotzdem werde ich nicht
müde, deine Ordnungen zu befolgen.
Ps 119,84 Wie lange muss ich noch warten? Wann gehst du endlich mit denen ins
Gericht, die es auf mich abgesehen haben?
Ps 119,85 Diese frechen, überheblichen Menschen haben mir eine Grube gegraben;
dein Gesetz ist ihnen völlig gleichgültig.
Ps 119,86 Hilf mir, denn sie verfolgen mich ohne Grund! Doch auf deine Gebote
kann ich mich verlassen.
Ps 119,87 Ich weigere mich, gegen deine Anordnungen zu verstoßen, obwohl die
Feinde mich fast umgebracht hätten.
Ps 119,88 Sei mir gnädig und erhalte mein Leben! Dann kann ich weiterhin deine
Gebote befolgen!
Ps 119,89 Herr, dein Wort bleibt für immer und ewig. Schon als du den Himmel
erschufst, war es gültig.
Ps 119,90 Deine Treue gilt für alle Zeiten. Durch sie erhältst du die Erde,
seitdem du sie ins Dasein gerufen hast.
Ps 119,91 Himmel und Erde bestehen bis heute, weil du es so willst, denn dir
muss alles dienen.
Ps 119,92 Wenn ich nicht Freude an deinem Wort gehabt hätte, dann wäre ich in
meinem Elend umgekommen.
Ps 119,93 Nie will ich deine Befehle vergessen, denn sie haben mich gestärkt.
Ps 119,94 Ich gehöre zu dir, Herr. Hilf mir, denn ich habe mich immer nach
deinen Geboten gerichtet!
Ps 119,95 Gewissenlose Menschen liegen auf der Lauer, um mich zu beseitigen.
Doch ich achte umso mehr auf das, was du mir zu sagen hast.
Ps 119,96 Ich sah, dass alles ein Ende findet, auch wenn es noch so vollkommen
ist. Nur dein Wort bleibt für immer.
Ps 119,97 Wie sehr liebe ich dein Gesetz; den ganzen Tag denke ich darüber nach!
Ps 119,98 Gerade weil es mir immer gegenwärtig ist, bin ich meinen Feinden an
Klugheit überlegen.
Ps 119,99 Ich habe mehr begriffen als alle meine Lehrer, denn ich mache mir
ständig Gedanken über deine Ordnungen.
Ps 119,100 Ich gewinne noch mehr Einsicht als alte Menschen mit ihrer
Lebenserfahrung, denn ich habe mein Leben nach deinen Geboten ausgerichtet.
Ps 119,101 Nie bin ich vorsätzlich krumme Wege gegangen, denn stets befolge ich
dein Wort.
Ps 119,102 Ich habe deine Belehrungen gerne angenommen, denn einen besseren
Lehrer als dich gibt es nicht.
Ps 119,103 Dein Wort ist meine Lieblingsspeise, es ist süßer als der beste
Honig.
Ps 119,104 Dein Gesetz macht mich klug und einsichtig, deshalb hasse ich jede
Art von Falschheit.
Ps 119,105 Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet.
Ps 119,106 Was du in deinem Wort festgelegt hast, das will ich tun, gerechter
Gott! Ich habe einen Eid darauf geleistet, und dazu stehe ich.
Ps 119,107 Doch jetzt bin ich völlig am Ende! Herr, schenke mir neue Kraft, wie
du es versprochen hast!
Ps 119,108 Herr, nimm meinen Dank als ein Opfer an, und lass mich erkennen, was
du von mir willst!
Ps 119,109 Mein Leben ist ständig in Gefahr, trotzdem vergesse ich dein Gesetz
nicht.
Ps 119,110 Die Gottlosen wollen mich in ihre Fallen locken. Doch ich lasse mich
nicht von deinen Geboten abbringen.
Ps 119,111 Was uns als dein Wille überliefert wurde, ist mein kostbarer Besitz
für alle Zeit und erfüllt mich mit Freude.
Ps 119,112 Entschlossen will ich mich an deine Ordnungen halten, solange ich
lebe.
Ps 119,113 Herr, ich kann es nicht leiden, wenn Menschen einmal »ja« und einmal
»nein« zu dir sagen. Aber dein Gesetz liebe ich mit ungeteiltem Herzen.
Ps 119,114 Bei dir allein bin ich geborgen, bei dir finde ich Schutz. Deine
Zusage ist meine einzige Hoffnung.
Ps 119,115 Verschwindet, ihr Übeltäter! Ich richte mich nach den Geboten meines
Gottes. Hindert mich nicht daran!
Ps 119,116 Herr, gib mir festen Halt, wie du es versprochen hast! Dann lebe ich
wieder auf. Lass nicht zu, dass ich vergeblich hoffe und den Mut verliere!
Ps 119,117 Richte mich auf, Herr, dann ist mir geholfen! Ich will mich stets mit
deinen Anordnungen beschäftigen.
Ps 119,118 Wer deine Befehle ablehnt, den wirst auch du ablehnen, und wer dich
hinters Licht führen will, der schadet sich selbst.
Ps 119,119 Wie Müll beseitigst du alle deine Verächter. Darum liebe ich deine
Ordnungen.
Ps 119,120 Wenn ich daran denke, dass du mich als Richter verurteilen könntest,
läuft es mir kalt den Rücken herunter.
Ps 119,121 Herr, ich habe getan, was richtig und gut ist, darum überlass mich
nicht der Willkür meiner Feinde!
Ps 119,122 Versprich mir, dass alles wieder gut wird, und lass nicht zu, dass
mich diese selbstherrlichen Menschen unterdrücken!
Ps 119,123 Gerechter Gott, ich sehne mich danach, dass du mich befreist und das
Versprechen erfüllst, das du mir gegeben hast.
Ps 119,124 Herr, du hast mich lieb. Bitte hilf mir und lass mich deine Ordnungen
verstehen!
Ps 119,125 Ich stelle mich dir zur Verfügung; nun schenke mir auch das
Verständnis für die Überlieferungen, in denen wir deinen Willen erkennen!
Ps 119,126 Es ist höchste Zeit, dass du eingreifst, Herr, denn die Menschen
missachten deine Gesetze.
Ps 119,127 Ich aber liebe deine Gebote. Sie bedeuten mir mehr als reines Gold.
Ps 119,128 Jede Art von Falschheit ist mir verhasst. Nur deine Gebote
garantieren einen guten und geraden Weg.
Ps 119,129 Herr, deine Gebote sind wunderbar, deshalb befolge ich sie gern.
Ps 119,130 Im Leben eines Menschen wird es hell, wenn er anfängt, dein Wort zu
verstehen. Wer bisher gedankenlos durchs Leben ging, der wird jetzt klug.
Ps 119,131 Mein Verlangen nach deinen Geboten ist stärker als der Durst eines
Menschen, der in der Hitze nach Wasser lechzt.
Ps 119,132 Herr, wende dich mir zu, und sei mir gnädig, so wie du es allen
versprochen hast, die dich lieben.
Ps 119,133 Beschütze mich, und mach mich stark, wie du es zugesagt hast! Lass
nicht zu, dass das Böse über mich Macht gewinnt!
Ps 119,134 Rette mich vor den Menschen, die mich gewaltsam unterdrücken; dann
kann ich nach deinen Ordnungen leben!
Ps 119,135 Lass mich erleben, wie gut du es mit mir meinst, und zeige mir, was
ich nach deinem Willen tun soll!
Ps 119,136 Ich weine hemmungslos, wenn ich sehe, wie andere dein Gesetz
missachten.
Ps 119,137 Herr, auf dich kann man sich verlassen, und alles, was du beschließt,
ist richtig.
Ps 119,138 Deine Gebote beweisen: Du bleibst dir selber treu und hältst an der
Wahrheit fest.
Ps 119,139 Ich bin außer mir vor Zorn, weil ich sehe, wie meine Feinde deine
Worte übergehen.
Ps 119,140 Dein Wort ist zuverlässig, darum liebe ich es.
Ps 119,141 Ich bin klein und verachtet; trotzdem werde ich dein Wort nicht
vergessen.
Ps 119,142 Deine Gerechtigkeit bleibt für immer bestehen; dein Gesetz ist die
reine Wahrheit.
Ps 119,143 Selbst wenn ich vor Angst keinen Ausweg mehr weiß, freue ich mich
über deine Gebote;
Ps 119,144 sie sind gerecht, und daran wird sich nie etwas ändern. Hilf mir, sie
besser zu verstehen, damit ich wieder auflebe.
Ps 119,145 Herr, ich flehe dich an: Antworte mir! Entschlossen will ich mich an
deine Ordnungen halten.
Ps 119,146 Ich bitte dich: Hilf mir; ich möchte doch deine Gebote befolgen!
Ps 119,147 Schon vor Tagesanbruch schreie ich zu dir um Hilfe, ich setze alle
meine Hoffnung auf dein Wort;
Ps 119,148 auch die ganze Nacht denke ich darüber nach.
Ps 119,149 Höre mich doch, Herr; ich vertraue ganz auf deine Gnade. Schenke mir
neuen Mut durch deine gerechten Gebote.
Ps 119,150 Böse Menschen machen sich an mich heran, um mir zu schaden; wie weit
haben sie sich von deinem Gesetz entfernt!
Ps 119,151 Aber du, Herr, du bist mir nahe! Auf alle deine Worte kann ich mich
verlassen.
Ps 119,152 Ich habe mich in dein Gesetz vertieft und dabei erkannt: Es gilt für
alle Zeiten!
Ps 119,153 Sieh doch, wie niedergeschlagen ich bin! Hilf mir, denn ich habe dein
Gesetz nie aus den Augen verloren!
Ps 119,154 In meinem Rechtsstreit vertrete du mich als mein Anwalt, und sorge
für meinen Freispruch! Rette mich, wie du es mir versprochen hast!
Ps 119,155 Wer sich dir widersetzt, kann nicht damit rechnen, dass du ihn
rettest, denn deine Ordnungen sind ihm gleichgültig.
Ps 119,156 Herr, schon oft hast du dein Erbarmen gezeigt; nun gib auch mir
wieder neuen Mut durch dein gerechtes Urteil!
Ps 119,157 Viele Feinde verfolgen und bedrängen mich, trotzdem bin ich von
deinen Geboten keinen Fingerbreit abgewichen.
Ps 119,158 Ich empfinde Abscheu und Ekel, wenn ich mir die Menschen ansehe, die
dir untreu sind und sich über dein Wort hinwegsetzen.
Ps 119,159 Herr, ich liebe deine Befehle. Zeige mir nun auch deine Liebe, und
schenke mir wieder Freude am Leben!
Ps 119,160 Jedes Wort, das du sagst, ist wahr. Was du, gerechter Gott,
entschieden hast, gilt für immer und ewig.
Ps 119,161 Herr, die Mächtigen verfolgen mich ohne Grund. Doch mich beeindruckt
allein das, was du mir zu sagen hast.
Ps 119,162 Ich freue mich über dein Wort wie jemand, der einen wertvollen Schatz
findet.
Ps 119,163 Ich verabscheue gemeine Lügen, dein Gesetz aber liebe ich.
Ps 119,164 Siebenmal am Tag lobe ich dich, Herr, denn deine Entscheidungen sind
gut und gerecht.
Ps 119,165 Wer dein Gesetz lieb hat, lebt in Frieden und wird niemals scheitern.
Ps 119,166 Herr, ich hoffe darauf, dass du mich rettest, denn ich habe mich nach
deinen Geboten gerichtet.
Ps 119,167 Deine Weisungen sind der Maßstab für mein Handeln; ich habe sie fest
ins Herz geschlossen.
Ps 119,168 Ja, alle deine Befehle und Mahnungen befolge ich aufrichtig, denn du
siehst alles, was ich tue.
Ps 119,169 Herr, ich flehe dich an: Erhöre mich! Lass mich dein Wort immer
besser verstehen!
Ps 119,170 Höre auf mein Schreien, und rette mich, wie du es versprochen hast!
Ps 119,171 Mein Herz ist erfüllt von deinem Lob. Ich singe und juble, denn du
lässt mich deine Ordnungen erkennen.
Ps 119,172 Fröhlich besinge ich dein Wort, denn alles, was du befiehlst, ist
gut.
Ps 119,173 Greif ein und hilf mir! Ich habe meine Wahl getroffen: Nur deine
Gebote sind der Maßstab für mein Leben.
Ps 119,174 Sehnsüchtig warte ich auf deine Hilfe, Herr; dein Gesetz ist meine
größte Freude.
Ps 119,175 Schenke mir ein langes Leben, damit ich dich immer mehr preisen kann,
und hilf mir durch deine Ordnungen!
Ps 119,176 Heimatlos irre ich umher wie ein Schaf, das seine Herde verloren hat.
Suche doch nach mir, denn ich gehöre noch immer zu dir! Ich habe nicht
vergessen, was du befohlen hast.
Ps 120,1 Ein Lied für die Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Ich
schrie zum Herrn, als ich nicht mehr aus noch ein wusste, und er half mir aus
meiner Not.
Ps 120,2 Herr, rette mich auch jetzt vor diesen Lügnern und Betrügern, die die
Wahrheit verdrehen!
Ps 120,3 Ihr Lügner, glaubt ihr denn, ihr könntet der Strafe Gottes entgehen? Er
wird es euch heimzahlen!
Ps 120,4 Er, der mächtige Gott, wird euch mit seinen Pfeilen treffen und mit
glühenden Kohlen versengen!
Ps 120,5 Bei euch zu leben ist schlimmer als unter den gewalttätigen Völkern von
Meschech und Kedar!
Ps 120,6 Viel zu lange wohne ich schon hier bei euch. Ihr hasst den Frieden,
Ps 120,7 ich dagegen liebe ihn. Aber sobald ich ein Gespräch beginne, fangt ihr
Streit an!
Ps 121,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Ich schaue
hinauf zu den Bergen - woher kann ich Hilfe erwarten?
Ps 121,2 Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!
Ps 121,3 Der Herr wird nicht zulassen, dass du fällst; er, dein Beschützer,
schläft nicht.
Ps 121,4 Ja, der Beschützer Israels schläft und schlummert nicht.
Ps 121,5 Der Herr gibt auf dich Acht; er steht dir zur Seite und bietet dir
Schutz vor drohenden Gefahren.
Ps 121,6 Tagsüber wird dich die Sonnenglut nicht verbrennen, und in der Nacht
wird der Mond dir nicht schaden.
Ps 121,7 Der Herr schützt dich vor allem Unheil, er bewahrt dein Leben.
Ps 121,8 Er gibt auf dich Acht, wenn du aus dem Hause gehst und wenn du wieder
heimkehrst. Jetzt und für immer steht er dir bei!
Ps 122,1 Ein Lied Davids für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Wie
sehr habe ich mich gefreut, als man zu mir sagte: »Komm mit, wir gehen zum
Tempel, zum Haus des Herrn!«
Ps 122,2 Nun sind wir am Ziel! Wir haben die Stadttore durchschritten und stehen
in Jerusalem.
Ps 122,3 Jerusalem, du herrliche Stadt, wie mächtig und schön bist du gebaut!
Ps 122,4 Zu dir ziehen alle Stämme Israels hinauf - das ganze Volk Gottes. Dort
preisen sie den Herrn, wie er es ihnen geboten hat.
Ps 122,5 Jerusalem, in dir regiert das Königshaus Davids, in dir übt der König
das höchste Richteramt aus.
Ps 122,6 Wünscht Jerusalem Frieden! Alle, die dich lieben, sollen hier glücklich
leben!
Ps 122,7 Hinter deinen festen Mauern soll Frieden herrschen und Sicherheit in
deinen Palästen!
Ps 122,8 Weil mir meine Brüder und Freunde am Herzen liegen, wünsche ich dir,
Jerusalem, Frieden.
Ps 122,9 Weil in dir der Tempel des Herrn, unseres Gottes, steht, setze ich mich
für dein Wohlergehen ein.
Ps 123,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Herr, ich
richte meine Augen auf dich, der du im Himmel wohnst.
Ps 123,2 Wie ein Knecht auf ein Handzeichen seines Herrn wartet und eine Magd
auf einen Wink ihrer Herrin achtet - so blicken wir auf den Herrn, unseren Gott,
bis er uns ein Zeichen seiner Gnade gibt.
Ps 123,3 Hab Erbarmen mit uns, Herr, hilf uns! Schon viel zu lange haben wir
Verachtung erlitten!
Ps 123,4 Wir haben das Gespött dieser selbstsicheren und überheblichen Gegner
satt! Wir können es nicht länger ertragen, dass uns diese Hochmütigen verachten!
Ps 124,1 Ein Lied Davids für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen.
Israel soll bekennen: Hätte der Herr uns nicht geholfen,
Ps 124,2 als die Feinde uns angriffen, wäre er nicht für uns eingetreten,
Ps 124,3 dann hätten sie uns wutentbrannt bei lebendigem Leib verschlungen.
Ps 124,4 Dann hätten uns mächtige Wogen überschwemmt und Wildbäche uns
fortgerissen.
Ps 124,5 Wir alle wären in den tosenden Fluten versunken!
Ps 124,6 Lasst uns den Herrn loben! Er hat nicht zugelassen, dass sie uns
zerfleischten.
Ps 124,7 Wir sind ihnen entkommen wie ein Vogel aus dem Netz des Fallenstellers.
Das Netz ist zerrissen, und wir sind frei!
Ps 124,8 Ja, unsere Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat.
Ps 125,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Wer dem
Herrn vertraut, ist wie der Berg Zion; er steht fest und unerschütterlich.
Ps 125,2 Berge erheben sich rings um Jerusalem - genauso umgibt der Herr
schützend sein Volk, jetzt und für alle Zeit.
Ps 125,3 Nicht mehr lange werden gottlose Könige über unser Land herrschen, das
Gott den Gerechten zum Besitz gegeben hat. Sonst könnte es noch so weit kommen,
dass auch die dem Unrecht verfallen, die Gott bisher gehorcht haben.
Ps 125,4 Herr, tue denen Gutes, die Gutes tun, denen, die nach deinem Willen
leben!
Ps 125,5 Aber alle, die sich von dir abwenden und krumme Wege gehen, wirst du
verstoßen wie alle anderen Übeltäter! Frieden komme über Israel!
Ps 126,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Als der
Herr uns aus der Gefangenschaft nach Jerusalem zurückbrachte, wussten wir nicht,
ob wir wachen oder träumen.
Ps 126,2 Doch dann lachten und jubelten wir laut vor Freude. Auch die anderen
Völker mussten zugeben: »Was der Herr für sie getan hat, ist groß und gewaltig!«
Ps 126,3 Ja, der Herr hat große Taten für uns vollbracht! Wir waren außer uns
vor Freude.
Ps 126,4 Herr, wende auch jetzt unser düsteres Geschick zum Guten, so wie du
ausgetrocknete Bäche wieder mit Wasser füllst!
Ps 126,5 Wer die Saat mit Tränen aussät, wird voller Freude die Ernte
einbringen.
Ps 126,6 Weinend geht er hinaus und streut die Saat aufs Feld; doch wenn er
zurückkommt, jubelt er über die reiche Ernte.
Ps 127,1 Ein Lied Salomos für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen.
Wenn der Herr nicht das Haus baut, dann ist alle Mühe der Bauleute umsonst. Wenn
der Herr nicht die Stadt bewacht, dann wachen die Wächter vergeblich.
Ps 127,2 Ihr steht frühmorgens auf und gönnt euch erst spät am Abend Ruhe, um
das sauer verdiente Brot zu essen. Doch ohne Gottes Segen ist alles umsonst!
Denn Gott gibt denen, die ihn lieben, alles Nötige im Schlaf!
Ps 127,3 Auch Kinder sind ein Geschenk des Herrn; wer sie bekommt, wird damit
reich belohnt.
Ps 127,4 Die Söhne eines jungen Mannes sind wie Pfeile in der Hand eines
Kriegers.
Ps 127,5 Wer viele solcher Pfeile in seinem Köcher hat, der ist glücklich zu
nennen! Seine Söhne werden ihm Recht verschaffen, wenn seine Feinde ihn vor
Gericht anklagen.
Ps 128,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Glücklich
ist jeder, der dem Herrn gehorcht und nach seinen Weisungen lebt!
Ps 128,2 Was du dir erarbeitet hast, wirst du auch genießen können. Es geht dir
gut, und das Glück ist auf deiner Seite.
Ps 128,3 Deine Frau gleicht einem fruchtbaren Weinstock, der viele Reben trägt:
Die Kinder um deinen Tisch sind so zahlreich wie die jungen Triebe eines
Ölbaums!
Ps 128,4 So segnet Gott einen Mann, der ihn achtet und ehrt.
Ps 128,5 Der Herr segne dich - er, der auf dem Berg Zion wohnt! Dein Leben lang
sollst du sehen, dass es Jerusalem gut geht.
Ps 128,6 Mögest du so lange leben, dass du dich noch an deinen Enkeln erfreuen
kannst! Frieden komme über Israel!
Ps 129,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Das soll
Israel bekennen: Solange wir zurückdenken können, wurden wir ständig
unterdrückt.
Ps 129,2 Ja, solange es uns Israeliten gibt, hat man uns verfolgt. Und doch
konnten sie uns nicht auslöschen!
Ps 129,3 Unseren Rücken haben sie bearbeitet wie einen Acker, in den man tiefe
Furchen pflügt.
Ps 129,4 Doch der Herr hat gezeigt, dass auf ihn Verlass ist: Er durchschnitt
die Stricke, mit denen uns die Unterdrücker gefangen hielten.
Ps 129,5 Alle, die Gottes Tempel auf dem Zionsberg hassen, sollen beschämt
zurückweichen!
Ps 129,6 Es soll ihnen ergehen wie dem Gras auf den Dächern, das verdorrt, bevor
es aufschießen kann!
Ps 129,7 Kein Schnitter kann es schneiden, und niemand bindet es zu Bündeln
zusammen.
Ps 129,8 Kein Wanderer ruft im Vorbeigehen den Schnittern zu: »Der Herr segne
euch!« Wir aber segnen euch im Auftrag des Herrn!
Ps 130,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Herr, ich
bin völlig am Ende. Darum schreie ich zu dir!
Ps 130,2 Höre mich, Herr! Ich flehe dich an, bitte höre mir zu!
Ps 130,3 Wenn du jedes Vergehen gnadenlos anrechnest, wer kann dann vor dir
bestehen?
Ps 130,4 Doch bei dir finden wir Vergebung. Ja, du vergibst, damit wir dir in
Ehrfurcht begegnen.
Ps 130,5 Ich setze meine ganze Hoffnung auf den Herrn; voller Sehnsucht warte
ich darauf, dass er zu mir spricht.
Ps 130,6 Ja, ich warte auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen!
Ps 130,7 Volk Israel, setze deine Hoffnung auf den Herrn! Denn er allein ist
gnädig, er erlöst ganz und gar!
Ps 130,8 Er wird Israel von aller Schuld befreien.
Ps 131,1 Ein Lied Davids für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen.
Herr, ich bin nicht hochmütig und schaue nicht auf andere herab. Ich maße mir
nicht an, deine Geheimnisse und Wunder zu ergründen.
Ps 131,2 Ich bin zur Ruhe gekommen. Mein Herz ist zufrieden und still. Wie ein
Kind in den Armen seiner Mutter, so ruhig und geborgen bin ich bei dir!
Ps 131,3 Volk Israel, vertraue dem Herrn, jetzt und für alle Zeiten!
Ps 132,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Herr,
erinnere dich doch, welche Mühe David auf sich nahm!
Ps 132,2 Denke an den feierlichen Schwur, den er dir leistete, dir, dem starken
Gott Jakobs!
Ps 132,3 Er schwor: »Ich will mein Wohnzelt nicht mehr betreten und mich nicht
mehr zur Ruhe legen,
Ps 132,4 ich will mir keinen Schlaf gönnen und mich nicht mehr ausruhen,
Ps 132,5 bis ich einen Platz gefunden habe, der dem Herrn, dem starken Gott
Jakobs, als Wohnstätte dienen kann!«
Ps 132,6 In Ephrata bekamen wir Nachricht über die Bundeslade; wir fanden sie
dann im Gebiet von Jaar.
Ps 132,7 Kommt, wir gehen zur Wohnung des Herrn! Wir wollen uns zu seinen Füßen
niederwerfen!
Ps 132,8 Herr, erhebe dich! Begleite die Bundeslade, das Zeichen deiner großen
Macht! Lass dich im Heiligtum für immer nieder!
Ps 132,9 Die Priester, die dir dienen, sollen sich treu an deinen Bund halten!
Jeder, der dich liebt, soll jubeln vor Freude!
Ps 132,10 Herr, denke daran, was du David, deinem Diener, versprochen hast, und
weise auch jetzt den König nicht ab, den du erwähltest!
Ps 132,11 Ja, der Herr hat David einen Treueeid geschworen, und diesen Schwur
wird er niemals brechen! Er versprach ihm: »Einen deiner Söhne mache ich zu
deinem Thronfolger!
Ps 132,12 Wenn deine Nachkommen sich an meinen Bund und an meine Gebote halten,
die ich ihnen einprägen werde, dann sollen auch ihre Nachkommen König sein für
alle Zeit!«
Ps 132,13 Der Herr hat den Berg Zion ausgewählt, denn dort wollte er wohnen.
Ps 132,14 Er sprach: »An diesem Ort lasse ich mich für alle Zeiten nieder. Hier
soll mein Ruheplatz sein - so habe ich es gewollt!
Ps 132,15 Die ganze Stadt Jerusalem werde ich reich beschenken mit allem, was
sie braucht, auch die Armen sollen genug zu essen haben!
Ps 132,16 Die Priester sollen dem Volk mein Heil bezeugen. Alle, die mich
lieben, sollen laut jubeln vor Freude.
Ps 132,17 In dieser Stadt festige ich die Herrschaft der Nachkommen Davids, ja,
sein Königshaus wird für immer bestehen!
Ps 132,18 Schimpf und Schande komme über die Feinde des Königs, aber der Ruhm
seiner Krone soll immer heller erstrahlen!«
Ps 133,1 Ein Lied Davids für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Wie
schön und angenehm ist es, wenn Brüder in Frieden zusammenleben!
Ps 133,2 Das ist so wohltuend wie duftendes Öl, das auf den Kopf des Priesters
Aaron gegossen wird und nun herunterrinnt in seinen Bart, bis zum Halssaum
seines Gewandes.
Ps 133,3 Es ist so wohltuend wie frischer Tau, der vom Berg Hermon auf die Berge
Zions niederfällt. Ja, dort schenkt der Herr seinen Segen und Leben, das niemals
aufhört.
Ps 134,1 Ein Lied für Festbesucher, die nach Jerusalem hinaufziehen. Kommt und
lobt den Herrn, alle seine Diener, die ihr nachts in seinem Tempel steht!
Ps 134,2 Streckt eure Hände in seinem Heiligtum anbetend empor und preist den
Herrn!
Ps 134,3 Der Herr segne dich, er, der auf dem Berg Zion wohnt! Er hat Himmel und
Erde geschaffen!
Ps 135,1 Halleluja - preist den Herrn, lobt den Namen des Herrn! Lobt ihn, alle
seine Diener,
Ps 135,2 die ihr in seinem Tempel steht, in den Vorhöfen am Hause unseres
Gottes!
Ps 135,3 Preist ihn, denn er ist gut zu uns; musiziert zu seiner Ehre, denn er
ist freundlich.
Ps 135,4 Er hat die Nachkommen Jakobs auserwählt und ganz Israel zu seinem
Eigentum erklärt.
Ps 135,5 Ja, ich habe erkannt: Groß ist der Herr! Unser Herr ist mächtiger als
alle Götter.
Ps 135,6 Was er will, das tut er auch - sei es im Himmel oder auf der Erde, im
Meer oder in den tiefsten Tiefen.
Ps 135,7 Er lässt Wolken aufsteigen am Horizont und sendet Regen und Blitze, den
Sturmwind holt er aus seiner Kammer und schickt ihn auf die Reise.
Ps 135,8 In Ägypten tötete er alle Erstgeborenen von Mensch und Vieh.
Ps 135,9 Er vollbrachte dort Zeichen und Wunder am Pharao und allen seinen
Dienern.
Ps 135,10 Er besiegte viele Völker und tötete mächtige Könige:
Ps 135,11 Sihon, den König der Amoriter, Og, den König von Baschan, und die
anderen Könige Kanaans.
Ps 135,12 Ihre Länder übergab er Israel, so bekam sein Volk das ganze Gebiet zum
bleibenden Besitz.
Ps 135,13 Herr, dein Name wird nie in Vergessenheit geraten; an dich wird man
denken, solange es Menschen gibt.
Ps 135,14 Du, Herr, wirst dafür sorgen, dass deinem Volk kein Unrecht geschieht.
Du erbarmst dich über alle, die zu dir gehören.
Ps 135,15 Die Götter der anderen Völker sind nur Figuren aus Silber und Gold,
von Menschenhänden gemacht.
Ps 135,16 Sie haben einen Mund, aber reden können sie nicht; Augen haben sie,
doch sie können nicht sehen.
Ps 135,17 Mit ihren Ohren hören sie nicht, auch können sie nicht atmen.
Ps 135,18 Genauso starr und tot werden einmal alle sein, die diese Götzen
schufen, und auch alle, die solchen Götzen vertrauen!
Ps 135,19 Volk Israel, lobe den Herrn! Ihr Priester, lobt den Herrn!
Ps 135,20 Ihr Leviten, lobt den Herrn! Alle, die ihr dem Herrn in Ehrfurcht
begegnet - lobt ihn!
Ps 135,21 Lobt den Herrn auf dem Berg Zion, denn dort in Jerusalem steht sein
Tempel. Halleluja!
Ps 136,1 Dankt dem Herrn, denn er ist gut, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,2 Dankt ihm, dem Gott über alle Götter, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,3 Dankt ihm, dem Herrn über alle Herren, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,4 Er vollbringt große Wunder, er allein. Seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,5 Mit Weisheit hat er den Himmel geschaffen, seine Gnade hört niemals
auf!
Ps 136,6 Die Fundamente der Erde legte er auf den Meeresgrund, seine Gnade hört
niemals auf!
Ps 136,7 Er hat die großen Lichter geschaffen; seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,8 Die Sonne, um den Tag zu regieren - seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,9 Mond und Sterne für die Nacht, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,10 In jeder Familie der Ägypter tötete er den ältesten Sohn. Seine Gnade
hört niemals auf!
Ps 136,11 Er führte sein Volk Israel aus Ägypten heraus. Seine Gnade hört
niemals auf!
Ps 136,12 Das alles vollbrachte er durch seine gewaltige Macht, seine Gnade hört
niemals auf!
Ps 136,13 Er teilte das Rote Meer - seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,14 Sein Volk ließ er mitten hindurchziehen, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,15 Den Pharao und sein Heer aber ließ er in die Fluten stürzen, seine
Gnade hört niemals auf!
Ps 136,16 Er führte sein Volk durch die Wüste, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,17 Er tötete mächtige Könige, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,18 Ja, gewaltige Herrscher brachte er um - seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,19 Sihon, den König der Amoriter, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,20 Og, den König von Baschan, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,21 Ihre Länder übergab er Israel, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,22 So bekam sein Volk, das ihm diente, das ganze Gebiet zum bleibenden
Besitz. Seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,23 Er vergaß uns nicht, als wir unterdrückt wurden, seine Gnade hört
niemals auf!
Ps 136,24 Er befreite uns von unseren Feinden, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,25 Allen Geschöpfen gibt er zu essen, seine Gnade hört niemals auf!
Ps 136,26 Ja, dankt ihm, dem Gott, der im Himmel regiert, seine Gnade hört
niemals auf!
Ps 137,1 Wir saßen an den Flüssen Babylons und weinten, wenn wir an Zion
dachten.
Ps 137,2 Unsere Lauten hängten wir an die Zweige der Pappeln, wir hatten
aufgehört, auf ihnen zu spielen.
Ps 137,3 Unsere Peiniger hielten uns gefangen und wollten Lieder von uns hören;
sie verlangten von uns, dass wir Freudengesänge anstimmen. Höhnisch forderten
sie: »Singt doch eins von euren Zionsliedern!«
Ps 137,4 Doch wie hätten wir im fremden Land Lieder zur Ehre Gottes singen
können?
Ps 137,5 Jerusalem, wenn ich dich jemals vergesse, dann soll meine rechte Hand
lahm werden!
Ps 137,6 Die Zunge soll mir am Gaumen kleben bleiben, wenn ich nicht mehr an
dich denke, wenn du, Jerusalem, nicht mehr meine größte Freude bist!
Ps 137,7 Herr, vergiss es den Edomitern nicht, wie sie jubelten, als Jerusalem
in die Hand der Feinde fiel! Damals grölten sie: »Reißt sie nieder, diese Stadt!
Zerstört ihre Häuser bis auf die Grundmauern!«
Ps 137,8 Babylon, auch dich wird man niederreißen und verwüsten! Glücklich ist,
wer dir heimzahlt, was du uns angetan hast!
Ps 137,9 Glücklich ist, wer deine kleinen Kinder packt und am Felsen
zerschmettert!
Ps 138,1 Von David. Herr, von ganzem Herzen will ich dir danken! Dir und keinem
anderen Gott will ich singen.
Ps 138,2 Vor deinem heiligen Tempel werfe ich mich anbetend nieder, ich preise
dich, deine Liebe und Treue. Ja, du hast deine Versprechen eingelöst und alle
meine Erwartungen übertroffen.
Ps 138,3 Als ich zu dir um Hilfe schrie, hast du mich erhört und mir neue Kraft
geschenkt.
Ps 138,4 Herr, alle Herrscher dieser Welt werden dich preisen, wenn sie
erfahren, dass du zu deinem Wort stehst!
Ps 138,5 Sie werden besingen, was du, Herr, getan hast, denn deine Macht und
Hoheit ist unermesslich.
Ps 138,6 Ja, du bist hoch erhaben - trotzdem sorgst du für die, nach denen
keiner mehr fragt, und durchschaust die Stolzen schon von ferne!
Ps 138,7 Selbst wenn ich von allen Seiten bedrängt werde, erhältst du mich am
Leben! Du stellst dich meinen zornigen Feinden entgegen und rettest mich durch
deine Macht.
Ps 138,8 Ja, Herr, du wirst dich auch in Zukunft um mich kümmern, deine Gnade
hört niemals auf! Was du angefangen hast, das führe zu einem guten Ende!
Ps 139,1 Ein Lied Davids. Herr, du durchschaust mich, du kennst mich durch und
durch.
Ps 139,2 Ob ich sitze oder stehe - du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was
ich denke.
Ps 139,3 Ob ich gehe oder liege - du siehst mich, mein ganzes Leben ist dir
vertraut.
Ps 139,4 Schon bevor ich rede, weißt du, was ich sagen will.
Ps 139,5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über
mir.
Ps 139,6 Dass du mich so genau kennst - unbegreiflich ist das, zu hoch, ein
unergründliches Geheimnis!
Ps 139,7 Wie könnte ich mich dir entziehen; wohin könnte ich fliehen, ohne dass
du mich siehst?
Ps 139,8 Stiege ich in den Himmel hinauf - du bist da! Wollte ich mich im
Totenreich verbergen - auch dort bist du!
Ps 139,9 Eilte ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder versteckte ich mich im
äußersten Westen, wo sie untergeht,
Ps 139,10 dann würdest du auch dort mich führen und nicht mehr loslassen.
Ps 139,11 Wünschte ich mir: »Völlige Dunkelheit soll mich umhüllen, das Licht um
mich her soll zur Nacht werden!« -
Ps 139,12 für dich ist auch das Dunkel nicht finster; die Nacht scheint so hell
wie der Tag und die Finsternis so strahlend wie das Licht.
Ps 139,13 Du hast mich geschaffen - meinen Körper und meine Seele, im Leib
meiner Mutter hast du mich gebildet.
Ps 139,14 Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig
gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast - das erkenne ich!
Ps 139,15 Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch,
kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht
verborgen.
Ps 139,16 Als ich gerade erst entstand, hast du mich schon gesehen. Alle Tage
meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben - noch bevor einer von ihnen
begann!
Ps 139,17 Deine Gedanken sind zu schwer für mich, o Gott, es sind so unfassbar
viele!
Ps 139,18 Sie sind zahlreicher als der Sand am Meer; wollte ich sie alle zählen,
so käme ich doch nie an ein Ende!
Ps 139,19 Mein Gott! Wie sehr wünsche ich, dass du alle tötest, die sich dir
widersetzen! Ihr Mörder, an euren Händen klebt Blut! Mit euch will ich nichts zu
tun haben!
Ps 139,20 Herr, wenn diese Leute von dir reden, tun sie es in böser Absicht, sie
missbrauchen deinen Namen.
Ps 139,21 Herr, wie hasse ich alle, die dich hassen! Wie verabscheue ich alle,
die dich bekämpfen!
Ps 139,22 Deine Feinde sind auch meine Feinde. Ich hasse sie mit grenzenlosem
Hass!
Ps 139,23 Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken
und Gefühle!
Ps 139,24 Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück
auf den Weg, der zum ewigen Leben führt!
Ps 140,1 Ein Lied Davids.
Ps 140,2 Herr, rette mich vor bösen Menschen! Beschütze mich vor denen, die sich
mit roher Gewalt durchsetzen!
Ps 140,3 Ständig brüten sie Gemeinheiten aus und versuchen, Streit anzufangen.
Ps 140,4 Sie reden mit spitzer Zunge, und was über ihre Lippen kommt, ist
bösartig und todbringend wie Schlangengift.
Ps 140,5 [5/6] Es sind deine Feinde, Herr. Lass nicht zu, dass ich in ihre
Gewalt gerate! Diesen überheblichen Leuten ist jedes Mittel recht, mich zu Fall
zu bringen. Verschone mich vor ihnen! Heimlich haben sie mir Fallen gestellt.
Auf allen Wegen lauert die Gefahr.
Ps 140,7 Herr, du bist mein Gott! Höre meinen Hilfeschrei!
Ps 140,8 Herr, mein Gott, ich habe schon so oft deine Hilfe erfahren. Im Kampf
hast du mich beschützt, und kein Haar wurde mir gekrümmt!
Ps 140,9 [9/10] So hilf mir auch jetzt: Durchkreuze die Pläne der Unheilstifter,
die mich umringen, damit sie nicht noch überheblicher werden! Lass sie selbst
von dem Leid überwältigt werden, das sie mir zufügen wollten!
Ps 140,11 Sprich ihnen das Urteil: Lass glühende Kohlen auf sie fallen, stürze
sie ins Feuer, in tiefe Schluchten, aus denen sie nicht mehr entkommen können!
Ps 140,12 Wer den guten Ruf eines anderen zerstört, der soll in diesem Land kein
Glück haben. Und wer vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt, der soll vom
Unglück verfolgt werden.
Ps 140,13 Ich weiß, dass der Herr den Unterdrückten beisteht und den Wehrlosen
Recht verschafft.
Ps 140,14 Deshalb werden dich, Herr, alle preisen, die dir treu ergeben sind.
Deine Nähe erfährt jeder, der offen und ehrlich vor dir lebt.
Ps 141,1 Ein Lied Davids. Herr, höre mich an, wenn ich zu dir rufe! Hilf mir
schnell!
Ps 141,2 Ich hebe meine Hände zu dir empor im Gebet. Nimm mein Flehen an, so wie
du das Rauchopfer und das Speiseopfer annimmst!
Ps 141,3 Herr, hilf mir, den Mund zu halten, wenn ich schweigen soll!
Ps 141,4 Wenn es mich reizt, Böses zu tun, dann bewahre mich, und hilf mir, dass
ich mich von den Übeltätern nicht mitreißen lasse! Ihre Schlemmereien sollen mir
nicht den Mund wässrig machen.
Ps 141,5 Wer Gott gehorcht, darf mich zurechtweisen, wenn ich schuldig werde,
denn er meint es gut mit mir. Es ist eine große Hilfe, wenn er mir meine Fehler
vorhält. Ich wehre mich nicht gegen seinen Rat. Die Übeltäter tun weiter viel
Böses, aber ich bete darum, dass Gott eingreift.
Ps 141,6 [6/7] Die Mächtigen werden bald selbst zum Tode verurteilt und die
Felswand hinabgestoßen werden. Man lässt ihre Knochen achtlos liegen. Dann wird
man wieder auf mich hören und erkennen, dass meine Worte Hilfe und Orientierung
geben.
Ps 141,8 Mein Herr und Gott, dir vertraue ich. Bei dir suche ich Schutz. Lass
nicht zu, dass sie mich umbringen,
Ps 141,9 und bewahre mich vor den tückischen Fallen, die sie mir gelegt haben!
Rette mich vor den Verbrechern, die mir nachstellen!
Ps 141,10 Lass sie alle miteinander in die Gruben fallen, die sie mir gegraben
haben; mich aber lass sicher vorbeigehen!
Ps 142,1 Ein Gebet Davids, zum Nachdenken. Er verfasste es, als er sich auf der
Flucht vor Saul in einer Höhle versteckte.
Ps 142,2 Ich schreie zum Herrn, so laut ich kann, und flehe um sein Erbarmen.
Ps 142,3 Ihm klage ich meine Not; ihm sage ich, was mich bedrängt.
Ps 142,4 Wenn ich niedergeschlagen bin und nicht mehr weiter weiß, kennst du
noch einen Ausweg. Wohin ich auch gehe: überall will man mich ins Unglück
stürzen.
Ps 142,5 Wohin ich auch sehe: nirgendwo will man etwas von mir wissen. Ich finde
keine Hilfe mehr, und keiner kümmert sich um mich.
Ps 142,6 Deshalb schreie ich zu dir, Herr! Du allein bist meine Zuflucht! Du
sorgst dafür, dass ich am Leben bleibe.
Ps 142,7 Höre auf meinen Hilfeschrei, denn ich bin völlig verzweifelt! Rette
mich vor meinen Verfolgern, denn ich bin ihnen hilflos ausgeliefert!
Ps 142,8 Hole mich aus dieser Höhle heraus! Dann will ich dir danken vor allen,
die dir vertrauen. Denn du hast eingegriffen und mir geholfen.
Ps 143,1 Ein Lied Davids. Herr, erhöre mein Gebet! Achte auf mein Flehen und
antworte mir! Auf dich kann ich mich verlassen, denn du hältst Wort.
Ps 143,2 Bring mich nicht vor dein Gericht, denn vor dir ist kein Mensch
unschuldig.
Ps 143,3 Der Feind verfolgt mich und treibt mich in die Enge. Mein Leben ist
aufs äußerste bedroht.
Ps 143,4 Ich weiß nicht mehr weiter und bin vor Angst wie gelähmt.
Ps 143,5 Ich denke zurück an früher, an das, was du damals getan hast, und halte
mir deine großen Taten vor Augen.
Ps 143,6 Zu dir strecke ich meine Hände empor im Gebet. Wie ausgedörrtes Land
auf Regen, so warte ich sehnsüchtig auf dein Eingreifen.
Ps 143,7 Herr, antworte mir doch jetzt, denn ich bin völlig am Ende! Lass mich
nicht allein, sonst lebe ich nicht mehr lange!
Ps 143,8 Zeige mir schon früh am Morgen, dass du es gut mit mir meinst, denn ich
vertraue dir. Ich brauche dich! Zeige mir, wohin ich gehen soll,
Ps 143,9 und rette mich vor meinen Feinden! Nur bei dir bin ich geborgen.
Ps 143,10 Hilf mir, so zu leben, wie du es willst, denn du bist mein Gott! Führe
mich durch deinen guten Geist! Dann werde ich erleben, wie du mir Hindernisse
aus dem Weg räumst.
Ps 143,11 Herr, stehe zu deinem Wort und hilf mir aus der Not! Es wird deinem
Namen Ehre machen, wenn du mich am Leben erhältst.
Ps 143,12 Lass meine Feinde umkommen und vernichte alle, die mich in diese
ausweglose Lage gebracht haben! Ich verlasse mich ganz auf dich, denn du bist
mein Herr, und ich diene dir.
Ps 144,1 Von David. Gepriesen sei der Herr! Bei ihm bin ich geschützt wie hinter
einem großen Felsen. Er hat mir gezeigt, wie ich mich wehren kann und wie ich im
Kampf die Waffen gebrauchen muss.
Ps 144,2 Wie gut ist Gott zu mir! Er gewährt mir Zuflucht und Sicherheit. Er ist
mein Schild, der mich vor Bösem bewahrt. Er hat mich zum Herrscher über sein
Volk gemacht.
Ps 144,3 Herr, was ist schon der Mensch! Warum schenkst du ihm überhaupt
Beachtung? Warum kümmerst du dich um ihn?
Ps 144,4 Sein Leben ist vergänglich und gleicht einem Schatten, der
vorüberhuscht.
Ps 144,5 Herr, komm vom Himmel herab; berühre die Berge - und sie stoßen Rauch
aus!
Ps 144,6 Schleudere deine Blitze, schieße deine Pfeile, und jage die Feinde auf
und davon!
Ps 144,7 Strecke mir deine Hand von oben entgegen, und reiße mich aus den
tosenden Fluten! Rette mich vor der Macht der feindlichen Völker!
Ps 144,8 Ihre Worte sind Lug und Trug. Selbst wenn sie schwören, lügen sie.
Ps 144,9 Gott, für dich will ich ein neues Lied singen und es auf der Harfe
begleiten.
Ps 144,10 Denn du gibst den Königen Sieg und rettest auch David, deinen Diener,
aus tödlicher Gefahr.
Ps 144,11 Befreie mich, rette mich vor der Macht der feindlichen Völker! Ihre
Worte sind Lug und Trug. Selbst wenn sie schwören, lügen sie.
Ps 144,12 Wenn du uns rettest, können unsere Kinder ungestört aufwachsen. Unsere
Söhne werden stark und groß sein wie Bäume. Unsere Töchter werden schön sein wie
gemeißelte Statuen, die prächtige Paläste zieren.
Ps 144,13 Unsere Vorratskammern sind dann randvoll, so dass wir mehr haben, als
wir zum Leben brauchen. Unsere Schafe und Ziegen auf den Weiden werfen Tausende
von Lämmern,
Ps 144,14 und unsere Kühe bringen ihre Kälber ohne Fehlgeburten zur Welt. Dann
muss niemand mehr auf unseren Märkten klagen und jammern.
Ps 144,15 Glücklich das Volk, das so etwas erlebt! Glücklich das Volk, dessen
Gott der Herr ist!
Ps 145,1 Ein Loblied Davids. Dich will ich ehren, mein Gott und König! Dich will
ich preisen für alle Zeit!
Ps 145,2 Jeden Tag will ich dich loben und deinen Namen überall bekannt machen.
Ps 145,3 Groß ist der Herr! Jeder soll ihn rühmen! Seine Größe kann niemand
erfassen.
Ps 145,4 Eine Generation soll der anderen von deinen großen Taten erzählen und
schildern, wie machtvoll du eingegriffen hast.
Ps 145,5 Deine Hoheit und Macht wird in aller Munde sein, und auch ich will
stets über deine Wunder nachdenken.
Ps 145,6 Immer wieder wird man davon sprechen, wie dein Handeln den Menschen
Ehrfurcht eingeflößt hat. Auch ich will ihnen sagen, wie groß du bist.
Ps 145,7 Wenn sie dann zurückdenken, werden sie deine unermessliche Güte rühmen.
Weil du deine Versprechen gehalten hast, werden sie dich laut loben:
Ps 145,8 »Der Herr ist gnädig und barmherzig; seine Geduld hat kein Ende, und
seine Liebe ist grenzenlos!
Ps 145,9 Der Herr ist gut zu allen und schließt niemanden von seinem Erbarmen
aus, denn er hat allen das Leben gegeben.«
Ps 145,10 Darum sollen dich alle deine Geschöpfe loben. Jeder, der dich liebt,
soll dich rühmen
Ps 145,11 und weitersagen, wie großartig deine Königsherrschaft ist! Sie alle
sollen erzählen von deiner Stärke,
Ps 145,12 damit die Menschen erfahren, wie du deine Macht gezeigt hast und wie
prachtvoll und herrlich dein königliches Reich ist!
Ps 145,13 Deine Herrschaft hat kein Ende, sie wird bestehen von einer Generation
zur anderen. Auf das Wort des Herrn kann man sich verlassen, und was er tut, das
tut er aus Liebe.
Ps 145,14 Wer keinen Halt mehr hat, den hält der Herr; und wer schon am Boden
liegt, den richtet er wieder auf.
Ps 145,15 Alle schauen erwartungsvoll zu dir, und du gibst ihnen zur rechten
Zeit zu essen.
Ps 145,16 Du öffnest deine Hand und sättigst deine Geschöpfe; allen gibst du,
was sie brauchen.
Ps 145,17 Der Herr ist gerecht in allem, was er tut; auf ihn ist Verlass!
Ps 145,18 Der Herr ist denen nahe, die zu ihm beten und es ehrlich meinen.
Ps 145,19 Er geht auf die Wünsche derer ein, die voll Ehrfurcht zu ihm kommen.
Er hört ihren Hilfeschrei und rettet sie.
Ps 145,20 Gott bewahrt alle, die ihn lieben, aber wer mit ihm nichts zu tun
haben will, den lässt er umkommen.
Ps 145,21 Ich will den Herrn loben, und alles, was lebt, soll ihn allezeit
rühmen. Er ist der heilige Gott!
Ps 146,1 Halleluja - lobt den Herrn! Ich will den Herrn loben,
Ps 146,2 ich will ihn loben, solange ich lebe! Zur Ehre Gottes will ich singen
mein Leben lang.
Ps 146,3 Setzt euer Vertrauen nicht auf Männer, die Einfluss haben und Macht
ausüben! Sie sind vergängliche Menschen wie ihr und können euch nicht erretten.
Ps 146,4 Sie müssen sterben, und mit ihnen vergehen ihre Pläne.
Ps 146,5 Glücklich aber ist der Mensch, der seine Hilfe von dem Gott Jakobs
erwartet! Glücklich ist, wer seine Hoffnung auf den Herrn setzt!
Ps 146,6 Denn er hat Himmel und Erde geschaffen, das Meer und alles, was darin
lebt. Niemals bricht er sein Wort!
Ps 146,7 Den Unterdrückten verschafft er Recht, den Hungernden gibt er zu essen,
und die Gefangenen befreit er.
Ps 146,8 [8/9] Der Herr macht die Blinden wieder sehend und richtet die
Niedergeschlagenen auf. Er bietet den Ausländern Schutz und versorgt die Witwen
und Waisen. Wer treu zu ihm steht, der erfährt seine Liebe, aber wer ihn
verachtet, den führt er in die Irre.
Ps 146,10 Der Herr regiert für immer und ewig. Jerusalem, dein Gott wird
herrschen für alle Zeiten! Halleluja!
Ps 147,1 Halleluja - lobt den Herrn! Es ist gut, unserem Gott Loblieder zu
singen; es macht Freude, ihn zu loben.
Ps 147,2 Der Herr baut Jerusalem wieder auf. Er bringt die Israeliten zurück,
die aus ihrem Land verschleppt wurden.
Ps 147,3 Er heilt den, der innerlich zerbrochen ist, und verbindet seine Wunden.
Ps 147,4 Er hat die Zahl der Sterne festgelegt und jedem einen Namen gegeben.
Ps 147,5 Wie groß ist unser Herr und wie gewaltig seine Macht! Unermesslich ist
seine Weisheit.
Ps 147,6 Der Herr richtet die Erniedrigten auf und tritt alle, die sie
unterdrückt haben, in den Staub.
Ps 147,7 Singt dem Herrn Danklieder! Spielt für unseren Gott auf der Harfe!
Ps 147,8 Er überzieht den Himmel mit Wolken und lässt es auf der Erde regnen. Er
sorgt dafür, dass Gras auf den Weiden wächst,
Ps 147,9 und gibt den Tieren Futter - auch den jungen Raben, wenn sie danach
krächzen.
Ps 147,10 Viele Menschen erwarten ihre Sicherheit von starken Armeen und guten
Soldaten. Gott aber lässt sich davon nicht beeindrucken.
Ps 147,11 Er freut sich über alle, die ihm in Ehrfurcht begegnen und von seiner
Gnade alles erwarten.
Ps 147,12 Jerusalem, lobe den Herrn! Du Stadt auf dem Berg Zion, rühme deinen
Gott!
Ps 147,13 Er gewährt dir Schutz in deinen Mauern und segnet deine Kinder.
Ps 147,14 Er gibt deinem Land Frieden und Wohlstand und schenkt dir bei jeder
Ernte die besten Erträge.
Ps 147,15 Er sagt nur ein Wort zur Erde, und was er befiehlt, geschieht sofort.
Ps 147,16 Er lässt es in dichten Flocken schneien und überzieht alles mit
Raureif.
Ps 147,17 Dicke Hagelkörner lässt er auf die Erde prasseln, er schickt klirrende
Kälte, die kaum zu ertragen ist.
Ps 147,18 Er gibt einen Befehl, und schon schmilzt der Schnee; er lässt den
Frühlingswind wehen, und schon taut das Eis.
Ps 147,19 Auch Israel hat er sein Wort verkündet, damit sein Volk nach seinen
Gesetzen und Ordnungen lebt.
Ps 147,20 An keinem anderen Volk hat Gott so gehandelt. Kein anderes kennt seine
Ordnungen. Halleluja!
Ps 148,1 Halleluja - lobt den Herrn! Lobt den Herrn im Himmel, lobt ihn dort in
der Höhe!
Ps 148,2 Lobt ihn, alle seine Engel, lobt ihn, ihr himmlischen Heere!
Ps 148,3 Lobt ihn, Sonne und Mond, lobt ihn, ihr leuchtenden Sterne!
Ps 148,4 Lobt ihn auch im fernsten Weltall, lobt ihn, ihr Wassermassen über dem
Himmel!
Ps 148,5 Sie alle sollen den Herrn loben! Denn auf seinen Befehl wurden sie
erschaffen.
Ps 148,6 Er wies ihnen für alle Zeiten ihren Platz im Weltall zu und gab ihnen
feste Gesetze, denen sie für immer unterworfen sind.
Ps 148,7 Lobt den Herrn auf der Erde! Lobt ihn, ihr Walfische und alle
Meerestiefen!
Ps 148,8 Lobt ihn, Blitze, Hagel, Schnee und Nebel, du Sturmwind, der du Gottes
Befehle ausführst!
Ps 148,9 Lobt ihn, ihr Berge und Hügel, ihr Obstbäume und Tannen!
Ps 148,10 Lobt ihn, ihr wilden und ihr zahmen Tiere, ihr Vögel und alles Gewürm!
Ps 148,11 Lobt ihn, ihr Könige und alle Völker, ihr Herrscher und Machthaber
dieser Welt!
Ps 148,12 Lobt ihn, ihr jungen Männer und ihr Mädchen, Alte und Junge
miteinander!
Ps 148,13 Sie alle sollen den Herrn loben, denn er allein ist hoch erhaben.
Seine Majestät erstreckt sich über Himmel und Erde!
Ps 148,14 Er hat seinem Volk wieder Kraft und Hoffnung geschenkt. Deshalb lobt
ihn Israel. Es ist das Volk, das ihm am nächsten steht und treu zu ihm hält.
Halleluja!
Ps 149,1 Halleluja - lobt den Herrn! Singt dem Herrn ein neues Lied! Preist ihn,
wenn ihr euch versammelt mit allen, die ihn lieben!
Ps 149,2 Ganz Israel freue sich über seinen Schöpfer. Jubelt ihm zu, ihr
Einwohner Jerusalems! Er ist euer König.
Ps 149,3 Tanzt zu seiner Ehre, und schlagt den Rhythmus auf dem Tamburin! Spielt
für ihn auf der Harfe!
Ps 149,4 Denn der Herr liebt sein Volk. Er wird die Unterdrückten befreien.
Ps 149,5 Darüber sollen sie sich freuen und ihn rühmen, selbst noch in der
Nacht.
Ps 149,6 Sie sollen ihre Stimme erheben und Gott loben. In ihren Händen halten
sie scharfe Schwerter,
Ps 149,7 um an den gottlosen Völkern Vergeltung zu üben und sein Strafgericht zu
vollziehen.
Ps 149,8 Dann werden sie die Könige dieser Völker in Ketten legen und ihre hohen
Beamten in Handschellen abführen,
Ps 149,9 um Gottes Urteil zu vollstrecken. So steht es in seinem Gesetz. Für
alle, die treu zu Gott halten, ist dies ein Tag des Triumphes. Halleluja!
Ps 150,1 Halleluja - lobt den Herrn! Lobt Gott in seinem Tempel! Lobt ihn, den
Mächtigen im Himmel!
Ps 150,2 Lobt ihn für seine gewaltigen Taten! Lobt ihn, denn seine Größe ist
unermesslich!
Ps 150,3 Lobt ihn mit Posaunen, lobt ihn mit Harfe und Zither!
Ps 150,4 Lobt ihn mit Tamburin und Tanz, lobt ihn mit Saitenspiel und
Flötenklang!
Ps 150,5 Lobt ihn mit Zimbelschall und Paukenschlag!
Ps 150,6 Alles, was lebt, lobe den Herrn! Halleluja!
Spr 1,1 Die folgenden Lebensweisheiten sind in Sprüche gefasst von Salomo, dem
Sohn Davids und König von Israel.
Spr 1,2 Wenn du sie beachtest, wirst du lernen, dich im Leben zurechtzufinden.
Sie helfen dir, dich selbst zu beherrschen, und machen dich fähig, gute
Ratschläge zu erkennen und anzunehmen.
Spr 1,3 Durch sie gewinnst du Einsicht; du lernst, aufrichtig und ehrlich zu
sein und andere gerecht zu behandeln.
Spr 1,4 Wer jung und unerfahren ist, wird urteilsfähig, er bekommt das Gespür
für gute Entscheidungen.
Spr 1,5 Selbst wer darin schon geübt ist, kann noch dazulernen. Neue
Gedankenanstöße helfen ihm,
Spr 1,6 die Sprichwörter der weisen Lehrer zu verstehen und ihre Bilder und
verschlüsselten Sprüche zu enträtseln.
Spr 1,7 Alle Erkenntnis beginnt damit, dass man Ehrfurcht vor dem Herrn hat. Nur
ein Dummkopf lehnt Lebensweisheit und Selbstbeherrschung ab.
Spr 1,8 Mein Sohn, denke immer an die Ermahnungen deines Vaters, und habe die
Weisung deiner Mutter stets vor Augen;
Spr 1,9 wenn du auf ihre Worte hörst, wirst du Ehre und Anerkennung erlangen.
Spr 1,10 Wenn gottlose Leute dich beschwatzen, dann hör nicht auf sie!
Spr 1,11 Sie wollen dich überreden und sagen: »Komm, wir legen uns auf die Lauer
und erschlagen jeden, der vorbeikommt - am liebsten rechtschaffene Menschen!
Spr 1,12 Wir überraschen und beseitigen sie restlos - so schnell, als hätte der
Erdboden sie verschluckt!
Spr 1,13 Denk an die Beute, die uns winkt, wir werden reich sein!
Spr 1,14 Mach mit, wir teilen gerecht!«
Spr 1,15 Mein Sohn, lass dich nicht von ihren Überredungskünsten täuschen, gib
dich bloß nicht mit ihnen ab!
Spr 1,16 Denn sie haben nur Böses im Sinn, jederzeit sind sie zum Mord bereit.
Spr 1,17 Es ist sinnlos, ein Fangnetz vor den Augen der Vögel auszubreiten - sie
fliegen davon.
Spr 1,18 Ganz anders diese Verbrecher: Sie stellen sich selbst eine Falle und
rennen auch noch hinein, sie verspielen ihr eigenes Leben.
Spr 1,19 So geht es jedem, der darauf brennt, sich an fremdem Hab und Gut zu
bereichern: Er wird dabei umkommen.
Spr 1,20 Hört! Die Weisheit ruft laut auf den Straßen, auf den Marktplätzen
erhebt sie ihre Stimme.
Spr 1,21 Im Lärm der Stadt macht sie sich bemerkbar und ruft allen Menschen zu:
Spr 1,22 »Ihr Dummköpfe! Wann kommt ihr endlich zur Vernunft? Wie lange noch
wollt ihr spötteln und euch mit einem Lächeln über alles hinwegsetzen? Ist euch
jede Einsicht verhasst?
Spr 1,23 Hört, was ich euch sagen will! Dann überschütte ich euch mit dem
Reichtum meiner Weisheit und teile mit euch meine Lebenserfahrung.
Spr 1,24 Schon oft rief ich euch und bot meine Hilfe an, aber niemand hat je
gehört.
Spr 1,25 Jeden Rat verachtet ihr, über meine Weisungen rümpft ihr nur die Nase.
Spr 1,26 Aber eines Tages bricht das Unheil über euch herein, dann lache ich
euch aus und spotte über euer Elend.
Spr 1,27 Wie ein Gewitter wird es euch überfallen, wie ein Sturm, der Angst und
Schrecken mit sich bringt.
Spr 1,28 Dann werdet ihr um Hilfe schreien, ich aber antworte nicht. Ihr werdet
mich überall suchen, aber ich lasse mich nicht mehr finden.
Spr 1,29 Vor jeder Erkenntnis verschließt ihr die Augen, Gott wollt ihr nicht
gehorchen.
Spr 1,30 Jeden Rat von mir weist ihr zurück -
Spr 1,31 dann tragt auch die Folgen eures Handelns, bis ihr genug davon habt!
Spr 1,32 Schon viele Tagträumer fanden ein schlimmes Ende, weil sie mich
verachteten, und viele Dummköpfe täuschten sich selbst durch ihre Sorglosigkeit.
Spr 1,33 Wer aber auf mich hört, lebt ruhig und sicher, vor keinem Unglück
braucht er sich zu fürchten.«
Spr 2,1 Mein Sohn, höre auf mich, und befolge meine Ratschläge!
Spr 2,2 Nimm dir die Lebensweisheiten zu Herzen, die ich dir weitergebe, achte
auf sie, und werde klug!
Spr 2,3 Ringe um Verstand und Urteilskraft,
Spr 2,4 suche danach voller Eifer wie nach einem wertvollen Schatz!
Spr 2,5 Dann wirst du Gott immer besser kennen lernen und Ehrfurcht vor ihm
haben.
Spr 2,6 Er allein gibt Weisheit, und nur von ihm kommen Wissen und Urteilskraft.
Spr 2,7 Aufrichtigen Menschen verleiht er Glück; er hilft allen, die offen und
ehrlich sind.
Spr 2,8 Wer andere gerecht behandelt und Gott verehrt, steht unter seinem
Schutz.
Spr 2,9 Mein Sohn, wenn du auf mich hörst, wirst du vertraut mit dem, was
richtig, gerecht und gut ist. So kannst du ein Leben führen, das Gott gefällt.
Spr 2,10 Du erlangst Weisheit und lernst, das Leben zu meistern; darüber wirst
du dich selbst am meisten freuen.
Spr 2,11 Du lernst, wohlüberlegt zu handeln und dir selbst ein Urteil zu bilden.
Spr 2,12 So wirst du vor Fehlern bewahrt. Du bist gewappnet gegen Menschen, die
mit ihren Worten andere täuschen
Spr 2,13 [13-15] und selbst krumme Wege gehen. Vom Guten haben sie sich
abgewandt, sie verdrehen die Wahrheit und haben ihre helle Freude daran. Alles,
was sie sagen und tun, ist verlogen und verkommen.
Spr 2,16 Besonnenheit schützt dich auch vor einer fremden Frau, die dich mit
schmeichelnden Worten umgarnt und dich verführen will.
Spr 2,17 Dem Mann, den sie in ihrer Jugend geheiratet hat, ist sie untreu - und
damit bricht sie den Bund, den sie vor Gott geschlossen hat.
Spr 2,18 Wer sich ihrem Haus nähert, begibt sich in tödliche Gefahr.
Spr 2,19 Niemand, der sich mit ihr einlässt, findet wieder auf den richtigen Weg
zurück.
Spr 2,20 Suche stattdessen nach guten Vorbildern, die dir zeigen, wie man ein
gutes Leben führt.
Spr 2,21 Wer aufrichtig ist, wird dieses Land bewohnen;
Spr 2,22 wer aber unehrlich ist und Gott verachtet, wird daraus vertrieben.
Spr 3,1 Mein Sohn, vergiss nie, was ich dir beigebracht habe! Nimm dir meine
Ratschläge zu Herzen, und bewahre sie!
Spr 3,2 Dann wird es dir gut gehen, ein langes und erfülltes Leben liegt vor
dir.
Spr 3,3 Sei gütig und treu, und werde nicht nachlässig, sondern sporne dich
immer wieder an!
Spr 3,4 So wirst du Freundschaft und Ansehen bei Gott und Menschen finden.
Spr 3,5 Verlass dich nicht auf deine eigene Urteilskraft, sondern vertraue voll
und ganz dem Herrn!
Spr 3,6 Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg und krönt
dein Handeln mit Erfolg.
Spr 3,7 Halte dich nicht selbst für klug; gehorche Gott und meide das Böse!
Spr 3,8 Das heilt und belebt deinen ganzen Körper, du fühlst dich wohl und
gesund.
Spr 3,9 Ehre den Herrn mit deinen Opfergaben: Schenke ihm das Beste deiner
Ernte.
Spr 3,10 Dann wird er deine Vorratskammern füllen und deine Weinfässer
überfließen lassen.
Spr 3,11 Mein Sohn, wenn der Herr dich zurechtweist, dann sei nicht entrüstet,
sondern nimm es an,
Spr 3,12 denn darin zeigt sich seine Liebe. Wie ein Vater den Sohn erzieht, den
er liebt, so erzieht dich auch der Herr.
Spr 3,13 Glücklich der Mensch, der weise und urteilsfähig geworden ist!
Spr 3,14 Er ist reicher als jemand, der Silber und Gold besitzt.
Spr 3,15 Selbst die größten Schätze und die schönsten Perlen verblassen
gegenüber dem Wert der Einsicht.
Spr 3,16 Wer weise ist, wird lange leben und Reichtum und Ansehen erwerben.
Spr 3,17 Ja, die Weisheit schenkt Glück und Sicherheit;
Spr 3,18 sie allein gibt ein erfülltes Leben, und wer an ihr festhält, ist
glücklich!
Spr 3,19 Durch Weisheit schuf Gott die Erde, mit seinem Verstand entwarf er das
Weltall.
Spr 3,20 Seine Klugheit ließ die Quellen aus der Tiefe hervorsprudeln und Regen
aus den Wolken fallen.
Spr 3,21 Mein Sohn, achte darauf, dass du die Weisheit und Besonnenheit nie aus
den Augen verlierst!
Spr 3,22 Sie wird dein Leben erfüllen und dir Ansehen bei den Menschen geben.
Spr 3,23 Dann kannst du sicher deinen Weg gehen, nichts bringt dich zu Fall.
Spr 3,24 Dein Schlaf ist ruhig und tief;
Spr 3,25 vor nichts brauchst du dich zu fürchten - auch nicht vor dem Unglück,
das gottlose Menschen plötzlich trifft.
Spr 3,26 Denn der Herr beschützt dich; er lässt dich nicht in eine Falle laufen.
Spr 3,27 Wenn jemand deine Unterstützung braucht und du ihm helfen kannst, dann
weigere dich nicht.
Spr 3,28 Vertröste ihn nicht auf morgen, wenn du heute helfen kannst!
Spr 3,29 Nutze niemals einen Menschen aus, der dir sein Vertrauen schenkt.
Spr 3,30 Brich keinen Streit vom Zaun mit einem, der dir nichts getan hat.
Spr 3,31 Beneide einen gewalttätigen Menschen nicht, und nimm ihn dir nicht zum
Vorbild.
Spr 3,32 Denn der Herr verachtet den, der krumme Wege geht, der Aufrichtige aber
ist sein Vertrauter.
Spr 3,33 Der Fluch des Herrn trifft alle, die ihn missachten; aber er segnet
den, der ihm gehorcht.
Spr 3,34 Er treibt seinen Spott mit allen, die ihn verspotten; aber er hilft
denen, die wissen, dass sie ihn brauchen.
Spr 3,35 Wer klug und vernünftig ist, wird Anerkennung finden; aber ein Dummkopf
erntet nichts als Verachtung.
Spr 4,1 Ihr jungen Männer, hört auf mich wie auf euren Vater! Achtet auf meine
Lehre, damit ihr klug werdet!
Spr 4,2 Was ich euch zu sagen habe, ist gut - darum vergesst es nicht.
Spr 4,3 Ich war das einzige Kind meiner Eltern, mein Vater und meine Mutter
kümmerten sich sehr um mich.
Spr 4,4 Mein Vater sagte zu mir: »Denk allezeit über das nach, was ich dir
beigebracht habe. Wenn du dich danach richtest, wirst du ein erfülltes Leben
haben.
Spr 4,5 Erwirb Einsicht und übe dich im richtigen Urteilen. Vergiss meine
Ratschläge nicht!
Spr 4,6 Trenne dich nie von der Weisheit, liebe sie, so wird sie dich beschützen
und bewahren.
Spr 4,7 Nur eins im Leben ist wirklich wichtig: Werde weise! Werde verständig!
Kein Preis darf dir zu hoch dafür sein.
Spr 4,8 Liebe die Weisheit, sie wird dir Ansehen verschaffen; ehre sie - dann
erlangst du Ehre.
Spr 4,9 Sie wird dich schmücken wie eine wertvolle Krone.«
Spr 4,10 Mein Sohn, höre auf meine Worte; dann wirst du lange leben.
Spr 4,11 Ich lehre dich, damit du weise wirst, und zeige dir den richtigen Weg.
Spr 4,12 Auf diesem Weg wird kein Hindernis dich aufhalten; selbst beim Laufen
wirst du nicht stolpern.
Spr 4,13 Richte dich nach dem, was du gelernt hast, verwirf niemals die Lehre
deiner Eltern! Nur so ist dein Leben gesichert.
Spr 4,14 Handle nicht so wie Menschen, denen Gott gleichgültig ist, nimm sie dir
nicht zum Vorbild!
Spr 4,15 Folg nicht ihrem Beispiel, sondern meide das Böse - ja, flieh vor ihm,
und bleib auf dem geraden Weg!
Spr 4,16 Diese gottlosen Menschen können nicht einschlafen, bevor sie nicht
Schaden angerichtet haben; sie finden keine Ruhe, bis sie jemandem Unrecht
zugefügt haben.
Spr 4,17 Was sie essen und trinken, haben sie durch Betrug und Gewalttat an sich
gerissen.
Spr 4,18 [18/19] Ihr Leben ist finster wie die Nacht, im Dunkeln tappen sie
umher; und wenn sie fallen, wissen sie nicht einmal, worüber sie gestolpert
sind. Wer aber Gott gehorcht, dessen Leben gleicht einem Sonnenaufgang: Es wird
heller und heller, bis es lichter Tag geworden ist.
Spr 4,20 Mein Sohn, hör gut zu, und pass auf, was ich dir sage!
Spr 4,21 Verachte meine Worte nicht, sondern präg sie dir fest ein!
Spr 4,22 Sie geben dir ein erfülltes Leben und erhalten dich gesund.
Spr 4,23 Was ich dir jetzt rate, ist wichtiger als alles andere: Achte auf deine
Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!
Spr 4,24 Verbreite keine Lügen, vermeide jede Art von Falschheit!
Spr 4,25 Verliere nie dein Ziel aus den Augen, sondern geh geradlinig darauf zu.
Spr 4,26 Überleg sorgfältig, was du tun willst, und dann lass dich davon nicht
mehr abbringen!
Spr 4,27 Schau weder nach rechts noch nach links, damit du nicht auf Abwege
gerätst.
Spr 5,1 Mein Sohn, sei aufmerksam, und hör auf meine Lehre, denn ich weiß, wovon
ich rede!
Spr 5,2 Dann lernst du, überlegt zu handeln, und an deinen Worten erkennt man,
wie vernünftig du bist.
Spr 5,3 Die Frau eines anderen Mannes kann sehr verführerisch sein, wenn sie
dich mit schönen Worten betört.
Spr 5,4 Aber das Ende wird schmerzhaft sein und der Nachgeschmack bitter.
Spr 5,5 Sie bringt dich an den Rand des Abgrunds und reißt dich mit in den Tod.
Spr 5,6 Sie umgarnt dich, damit du nicht merkst, wie du in dein Verderben
läufst.
Spr 5,7 Ihr jungen Männer, hört auf mich, und vergesst nie, was ich jedem von
euch sage:
Spr 5,8 Geh einer solchen Frau aus dem Weg, lass dich nicht einmal in der Nähe
ihres Hauses blicken!
Spr 5,9 Sonst verlierst du dein Ansehen, und in der Blüte deines Lebens richten
grausame Menschen dich völlig zugrunde!
Spr 5,10 Fremde werden deinen Besitz an sich reißen; der Lohn deiner Arbeit
gehört dann einem anderen.
Spr 5,11 Schließlich bist du völlig abgemagert, du siechst dahin und stöhnst mit
letzter Kraft:
Spr 5,12 »Hätte ich doch die Ratschläge ernst genommen! Warum habe ich mich nur
gegen die Ermahnung gewehrt?
Spr 5,13 Warum habe ich meinen Lehrern keine Aufmerksamkeit geschenkt und nicht
auf sie gehört?
Spr 5,14 Fast hätte ich mich vor aller Augen ins Unglück gestürzt!«
Spr 5,15 Freu dich doch an deiner eigenen Frau! Ihre Liebe ist wie eine Quelle,
aus der immer wieder frisches Wasser sprudelt.
Spr 5,16 Willst du sie verlieren, weil du dich mit anderen einlässt?
Spr 5,17 Dir allein soll ihre Liebe gehören, mit keinem anderen sollst du sie
teilen!
Spr 5,18 Erfreue dich an deiner Frau, die du als junger Mann geheiratet hast.
Spr 5,19 Bewundere ihre Schönheit und Anmut! Berausche dich immer wieder an
ihren Brüsten und an der Liebe, die sie dir schenkt!
Spr 5,20 Mein Sohn, willst du dich wirklich mit einer anderen vergnügen und mit
einer fremden Frau schlafen?
Spr 5,21 Der Herr sieht genau, was du tust; nichts bleibt ihm verborgen.
Spr 5,22 Wer Gottes Gebote missachtet, dreht sich selbst einen Strick und ist
gefangen in seiner Schuld.
Spr 5,23 Wer sich nicht beherrschen kann, schaufelt sich sein eigenes Grab.
Spr 6,1 Mein Sohn, hast du dich mit Handschlag dazu verpflichtet, für die
Schulden eines anderen aufzukommen?
Spr 6,2 Bist du an ein Versprechen gebunden, das du gegeben hast?
Spr 6,3 Dann gibt es nur einen Rat: Versuch so schnell wie möglich, davon
freizukommen! Der Gläubiger hat dich in seiner Gewalt - also geh zu ihm, und
bestürme ihn so lange, bis er dich freigibt.
Spr 6,4 Schieb es nicht auf - gönn dir keine Ruhe!
Spr 6,5 Versuch mit allen Mitteln, dich herauszuwinden und zu fliehen wie ein
Tier vor seinem Jäger!
Spr 6,6 Beobachte die Ameisen, du Faulpelz! Nimm dir ein Beispiel an ihnen:
Spr 6,7 Kein Vorgesetzter treibt sie an;
Spr 6,8 trotzdem arbeiten sie den ganzen Sommer über fleißig, und im Herbst
haben sie einen Vorrat für den Winter angelegt.
Spr 6,9 Wie lange willst du noch im Bett bleiben, du Faulpelz? Wann stehst du
endlich auf?
Spr 6,10 »Lass mich noch ein bisschen schlafen«, sagst du, »nur noch ein
Weilchen!« -
Spr 6,11 und während du dich noch ausruhst, ist die Armut plötzlich da, und die
Not überfällt dich wie ein Räuber.
Spr 6,12 Einen nichtswürdigen und gemeinen Menschen erkennt man an seinem
Verhalten: Er verbreitet Lügen
Spr 6,13 und will dich mit seinen Gesten und Gebärden täuschen.
Spr 6,14 Sein Wesen ist falsch und heimtückisch, er hat ständig Böses im Sinn
und legt es immer auf einen Streit an.
Spr 6,15 Darum wird ihn das Unglück plötzlich treffen; so unerwartet kommt sein
Ende, dass er nicht mehr entrinnen kann.
Spr 6,16 [16-19] Sechs Dinge sind dem Herrn verhasst, und auch das siebte
verabscheut er: Augen, die überheblich blicken; eine Zunge, die Lügen
verbreitet; Hände, die unschuldige Menschen töten; ein Kopf, der heimtückische
Pläne ausheckt; Füße, die schnell laufen, um Böses zu tun; ein Zeuge, der
falsche Aussagen macht; ein Mensch, der Freunde gegeneinander aufhetzt.
Spr 6,20 Mein Sohn, denke immer an die Lehren deines Vaters, und die Weisung
deiner Mutter habe stets vor Augen!
Spr 6,21 Erinnere dich zu jeder Zeit an die Worte deiner Eltern, und bewahre sie
in deinem Herzen!
Spr 6,22 Tag und Nacht sollen sie dich begleiten und dein Denken und Handeln
bestimmen.
Spr 6,23 Die Erziehung deiner Eltern ist wie ein Licht, das dir den richtigen
Weg weist; ihre Ermahnungen zeigen dir, wie du leben sollst.
Spr 6,24 Sie warnen dich vor der fremden Frau, der Frau eines anderen, die dich
mit betörenden Worten lockt.
Spr 6,25 Lass dich nicht von ihren Reizen einfangen, fall nicht auf sie herein,
wenn sie dir schöne Augen macht.
Spr 6,26 Für eine Hure bezahlst du nur so viel wie für ein Brot, aber wenn du
mit einer verheirateten Frau die Ehe brichst, gefährdest du dich selbst.
Spr 6,27 Kann man etwa Feuer in der Manteltasche tragen, ohne den Mantel in
Brand zu stecken?
Spr 6,28 Kann man etwa barfuß über glühende Kohlen gehen, ohne sich die Füße zu
verbrennen?
Spr 6,29 Genauso schlimm sind die Folgen, wenn man mit der Frau eines anderen
schläft: Jeder, der es tut, wird bestraft.
Spr 6,30 Wer Brot stiehlt, weil er Hunger hat, wird nicht verachtet.
Spr 6,31 Wenn er ertappt wird, muss er es siebenfach ersetzen, aber das kostet
ihn höchstens seinen ganzen Besitz.
Spr 6,32 Wer dagegen die Ehe bricht, hat den Verstand verloren und richtet sich
selbst zugrunde.
Spr 6,33 Schimpf und Schande wird er ernten und sein Leben lang verachtet
werden.
Spr 6,34 Ein eifersüchtiger Ehemann schnaubt vor Wut, und in seiner Rachsucht
kennt er kein Erbarmen.
Spr 6,35 Keine Entschädigung, die du ihm anbietest, kein noch so großes Geschenk
wird ihn besänftigen.
Spr 7,1 Mein Sohn, beachte, was ich dir sage, halte unter allen Umständen daran
fest!
Spr 7,2 Lebe danach, so wirst du ein gutes Leben führen. Hüte meine Worte wie
einen wertvollen Schatz,
Spr 7,3 denke jederzeit über sie nach, und schreibe sie dir ins Herz!
Spr 7,4 Kümmere dich um die Weisheit wie um deine Schwester, mach dir die
Einsicht zur besten Freundin!
Spr 7,5 Das wird dich schützen vor jeder fremden Frau, die dir mit
schmeichelnden Worten den Kopf verdrehen will.
Spr 7,6 Einmal stand ich am Fenster und schaute hinaus auf die Straße.
Spr 7,7 Dort sah ich eine Gruppe noch unerfahrener junger Männer. Einer von
ihnen fiel mir durch sein kopfloses Verhalten auf.
Spr 7,8 Er lief die Straße hinunter, an deren Ecke eine bestimmte Frau wohnte,
und ging auf ihr Haus zu.
Spr 7,9 Inzwischen war es schon dunkel geworden.
Spr 7,10 Da kam sie ihm entgegen, herausgeputzt und zurechtgemacht wie eine
Hure. Sie war sich ihres Erfolgs sicher.
Spr 7,11 Leidenschaftlich und hemmungslos wie sie war, hielt sie es zu Hause nie
lange aus.
Spr 7,12 Man sah sie jeden Tag draußen auf den Straßen und Plätzen, an jeder
Straßenecke stand sie und schaute sich suchend um.
Spr 7,13 Jetzt ging sie auf den jungen Mann zu, umarmte und küsste ihn. Mit
herausforderndem Blick sagte sie:
Spr 7,14 »Heute habe ich Gott ein Dankopfer gebracht, und davon ist noch Fleisch
übrig.
Spr 7,15 Darum bin ich hinausgegangen, um dich zu suchen. Endlich habe ich dich
gefunden!
Spr 7,16 Ich habe mein Bett mit schönen bunten Decken aus Ägypten gepolstert
Spr 7,17 und mit Parfüm besprengt.
Spr 7,18 Komm doch mit! Wir wollen uns die ganze Nacht hindurch lieben und uns
bis zum Morgen vergnügen!
Spr 7,19 [19/20] Mein Mann ist nicht da. Er ist auf Reisen und kommt noch lange
nicht zurück!«
Spr 7,21 Mit diesen Worten reizte und erregte sie den jungen Mann.
Spr 7,22 Er folgte ihr ins Haus wie ein Ochse, der zum Schlachten geführt wird -
in sein eigenes Verderben rannte dieser Dummkopf!
Spr 7,23 Ohne es zu wissen, lief er in eine tödliche Falle. Sie hatte ihn
gefangen wie einen Vogel im Netz.
Spr 7,24 Darum hört auf meine Warnung, ihr jungen Männer, und befolgt sie!
Spr 7,25 Lasst euch von solch einer Frau nicht verführen, sondern geht ihr aus
dem Weg!
Spr 7,26 Denn sie hat schon viele Männer zu Fall gebracht, die Zahl ihrer Opfer
ist groß.
Spr 7,27 Ihr Haus steht am Rand des Abgrunds; wer zu ihr geht, den reißt sie mit
in den Tod.
Spr 8,1 Hört! Die Weisheit ruft, und die Einsicht lässt ihre Stimme erschallen!
Spr 8,2 [2/3] Man sieht sie auf allen Straßen und Plätzen, an den Toren der
Stadt - dort, wo jeder sie sehen kann - steht sie und ruft:
Spr 8,4 »Hört her, ja, ich meine euch alle!
Spr 8,5 Ihr Unerfahrenen, werdet reif und vernünftig! Ihr Tagträumer, wacht auf
und nehmt Verstand an!
Spr 8,6 Hört auf mich, denn es ist wichtig für euch. Was ich sage, ist
aufrichtig und ehrlich.
Spr 8,7 Meine Worte sind wahr, denn ich hasse die Lüge.
Spr 8,8 Ich sage immer die Wahrheit, Hinterlist oder Betrug sind mir fremd.
Spr 8,9 Meine Worte sind klar und deutlich für jeden, der sie verstehen will.
Spr 8,10 Meine Ratschläge sollt ihr dankbarer annehmen als Silber oder Gold.
Spr 8,11 Denn Weisheit ist wertvoller als die kostbarste Perle, unvergleichlich
mehr als alles, was ihr euch erträumt.
Spr 8,12 Ich bin die Weisheit, und zu mir gehört die Klugheit. Ich handle
überlegt und besonnen.
Spr 8,13 Wer Ehrfurcht vor Gott hat, der hasst das Böse. Ich verachte Stolz und
Hochmut, ein Leben voller Bosheit und Lüge ist mir ein Gräuel!
Spr 8,14 Ich stehe euch mit Rat und Tat zur Seite; so werdet ihr klug und fähig
zum Handeln.
Spr 8,15 Mit meiner Hilfe regieren Könige und erlassen Staatsmänner gerechte
Gesetze.
Spr 8,16 Alle Machthaber der Welt können nur durch mich regieren.
Spr 8,17 Ich liebe den, der mich liebt; wer sich um mich bemüht, der wird mich
finden.
Spr 8,18 Ansehen und Reichtum biete ich an, bleibender Besitz und Erfolg sind
mein Lohn.
Spr 8,19 Was ihr von mir bekommt, ist wertvoller als das feinste Gold, besser
als das reinste Silber.
Spr 8,20 Wo Menschen gut und gerecht miteinander umgehen und nach Gottes Willen
fragen, bin ich zu Hause;
Spr 8,21 alle, die mich lieben, beschenke ich mit Reichtum, ja, ich vergrößere
ihr Vermögen!
Spr 8,22 Der Herr schuf mich vor langer Zeit, ich war sein erstes Werk, noch vor
allen anderen.
Spr 8,23 In grauer Vorzeit hat er mich geschaffen; und so war ich schon da, als
es die Erde noch nicht gab.
Spr 8,24 Lange bevor das Meer entstand, wurde ich geboren. Zu dieser Zeit gab es
noch keine Quellen,
Spr 8,25 und es standen weder Berge noch Hügel.
Spr 8,26 Ich war schon da, bevor Gott die Erde mit ihren Feldern erschuf.
Spr 8,27 Ich war dabei, als Gott den Himmel formte, als er den Horizont
aufspannte über dem Ozean,
Spr 8,28 als die Wolken entstanden und die Quellen aus der Tiefe
hervorsprudelten,
Spr 8,29 als er das Meer in die Schranken wies, die das Wasser nicht
überschreiten durfte, als er das Fundament der Erde legte -
Spr 8,30 da war ich als Kind an seiner Seite. Ich erfreute mich an Gott und
seinen Werken,
Spr 8,31 ich spielte auf seiner Erde und war glücklich über die Menschen.
Spr 8,32 Darum hört auf mich, ihr jungen Männer! Richtet euch nach mir, und ihr
werdet glücklich.
Spr 8,33 Nehmt Belehrung an und weist sie nicht zurück, werdet vernünftig!
Spr 8,34 Glücklich ist, wer auf mich hört und mich immerzu erwartet!
Spr 8,35 Wer mich findet, der findet das Leben und wird von Gott geliebt.
Spr 8,36 Wer mich aber verachtet, der zerstört sein Leben; wer mich hasst, der
liebt den Tod.«
Spr 9,1 Frau Weisheit hat ein Haus gebaut und es mit sieben Säulen ausgestattet.
Spr 9,2 Sie hat ein Festessen vorbereitet, guten Wein geholt und den Tisch
gedeckt.
Spr 9,3 Ihren Dienstmädchen befahl sie: »Geht auf den Marktplatz der Stadt, und
ruft:
Spr 9,4 ›Ihr Unerfahrenen - kommt zu mir! Ihr Tagträumer,
Spr 9,5 euch lade ich ein. Kommt, esst euch satt, und trinkt meinen guten Wein!
Spr 9,6 Bleibt nicht länger unvernünftig, fangt ein neues Leben an, werdet reif
und besonnen!‹«
Spr 9,7 Wer einen Spötter ermahnt, erntet nichts als Verachtung, und wer einen
gottlosen Menschen tadelt, wird von ihm gemieden.
Spr 9,8 Darum weise nie einen Spötter zurecht, sonst hasst er dich. Ermahne
lieber einen verständigen Menschen, denn er wird dich dafür lieben.
Spr 9,9 Unterweise den Klugen, und er wird noch klüger. Belehre den, der Gott
gehorcht, und er wird immer mehr dazulernen.
Spr 9,10 Alle Weisheit beginnt damit, dass man Ehrfurcht vor Gott hat. Den
heiligen Gott kennen, das ist Einsicht!
Spr 9,11 Ich, die Weisheit, schenke dir ein langes und erfülltes Leben.
Spr 9,12 Du tust dir selbst etwas Gutes, wenn du weise bist; aber wenn du über
alles mit Spott hinweggehst, schadest du dir selbst.
Spr 9,13 Frau Torheit gleicht einer unverschämten Hure, die sich auf nichts
anderes versteht, als die Leute zu verführen.
Spr 9,14 Sie sitzt vor ihrer Haustür am Marktplatz der Stadt
Spr 9,15 und ruft allen, die vorbeigehen und an nichts Böses denken, zu:
Spr 9,16 »Wer unerfahren ist, den lade ich ein!« Sie beschwatzt die
Unvernünftigen:
Spr 9,17 »Es ist reizvoll, heimlich vom Wasser zu trinken, das anderen gehört,
und gestohlenes Brot schmeckt am besten!«
Spr 9,18 Wer auf sie hereinfällt, weiß nicht, dass es seinen sicheren Tod
bedeutet. Alle, die zu ihr gegangen sind, ruhen schon im Totenreich.
Spr 10,1 Die folgenden Sprichwörter stammen von König Salomo:Ein vernünftiger
Sohn macht seinen Eltern Freude, ein uneinsichtiger aber bereitet ihnen Kummer.
Spr 10,2 Unrecht erworbener Besitz schadet nur, aber Ehrlichkeit rettet vor dem
Verderben.
Spr 10,3 Gott gibt dem, der ihn liebt, alles Nötige. Wer jedoch von ihm nichts
wissen will, dessen Hunger stillt er nicht.
Spr 10,4 Wer nachlässig arbeitet, wird arm; fleißige Hände aber bringen
Reichtum.
Spr 10,5 Klug ist, wer schon im Sommer einen Vorrat anlegt. Wer dagegen die
Erntezeit verschläft, ist ein Dummkopf.
Spr 10,6 Gott beschenkt jeden reich, der ihm gehorcht. Wer Gott missachtet,
zeigt mit jedem Wort seine Hartherzigkeit.
Spr 10,7 An einen aufrichtigen Menschen erinnert man sich auch nach seinem Tod
noch gerne; Gottlose dagegen sind schnell vergessen.
Spr 10,8 Ein verständiger Mensch lässt sich belehren, aber wer sich nichts sagen
lässt und nur Unsinn redet, richtet sich selbst zugrunde.
Spr 10,9 Wer ehrlich ist, lebt gelassen und ohne Furcht; ein Unehrlicher aber
wird irgendwann ertappt.
Spr 10,10 Betrug richtet Schaden an, und ein Schwätzer rennt in sein eigenes
Unglück.
Spr 10,11 Wer Gott dient, dessen Worte sind eine Quelle des Lebens. Wer Gott
missachtet, zeigt mit jedem Wort seine Hartherzigkeit.
Spr 10,12 Hass führt zu Streit, aber Liebe sieht über Fehler hinweg.
Spr 10,13 Ein vernünftiger Mensch findet das richtige Wort; ein unvernünftiger
sollte geschlagen werden.
Spr 10,14 Wer klug ist, überlegt sich, was er sagt; aber ein Narr spricht
vorschnell und richtet Schaden an.
Spr 10,15 Dem Reichen gibt sein Besitz Sicherheit; den Armen aber schützt nichts
vor dem Untergang.
Spr 10,16 Wer Gott gehorcht, wird mit dem Leben belohnt; der Gottlose dagegen
verstrickt sich in Schuld.
Spr 10,17 Wenn du Ermahnungen annimmst, bist du auf dem richtigen Weg; wenn du
dich gegen sie sträubst, läufst du in die Irre.
Spr 10,18 Wer seinen Hass versteckt, ist ein Heuchler, und wer andere hinter
ihrem Rücken verleumdet, ist ein hinterhältiger Mensch.
Spr 10,19 Wer viele Worte macht, wird sicher schuldig - darum hält der Kluge
sich zurück.
Spr 10,20 Wer Gott gehorcht, spricht Worte so wertvoll wie reines Silber; die
Gedanken des Gottlosen dagegen sind völlig wertlos.
Spr 10,21 Wer Ehrfurcht vor Gott hat, hilft vielen Menschen durch das, was er
sagt; ein Narr aber zerstört sich selbst durch seine Dummheit.
Spr 10,22 Reich wird nur der, dem Gott Gelingen schenkt; eigene Mühe allein
hilft nicht weiter!
Spr 10,23 Der Unvernünftige freut sich an bösen Taten; ein Verständiger aber hat
Freude an der Weisheit.
Spr 10,24 Wer von Gott nichts wissen will, dem stößt das zu, was er am meisten
fürchtet; wer jedoch zu Gott gehört, bekommt, was er sich wünscht.
Spr 10,25 In der Stunde der Bewährung kann der Gottlose nicht bestehen, aber wer
Gott gehorcht, der steht auf festem Fundament.
Spr 10,26 Lass niemals einen Faulpelz für dich arbeiten, denn er wird dir
schaden wie Zucker deinen Zähnen und Rauch deinen Augen!
Spr 10,27 Wer Ehrfurcht vor Gott hat, wird lange leben. Wer sich von ihm
lossagt, wird früh sterben.
Spr 10,28 Wer Gott gehorcht, auf den wartet Freude; wer von ihm nichts wissen
will, dessen Hoffnungen zerrinnen.
Spr 10,29 Der Herr beschützt die Aufrichtigen; aber er stürzt den ins Verderben,
der Unrecht tut.
Spr 10,30 Wer Gott gehorcht, lebt ruhig und sicher; wer ihn missachtet, hat
keine Heimat.
Spr 10,31 Wer Gott liebt, sagt in jeder Lage das passende Wort; einem Lügner
aber wird der Mund verboten.
Spr 10,32 Wer Gott gehorcht, dessen Worte sind wohltuend und hilfreich; aber was
der Gottlose von sich gibt, richtet nur Schaden an.
Spr 11,1 Gott hasst eine falsch eingestellte Waage, aber er freut sich, wenn die
Gewichte stimmen.
Spr 11,2 Hochmut kommt vor dem Fall, ein weiser Mensch ist bescheiden.
Spr 11,3 Der Ehrliche geht aufrichtig und sicher seinen Weg; ein Unehrlicher
zerstört sich selbst durch seine Falschheit.
Spr 11,4 Reichtum bewahrt nicht vor Gottes Zorn; wer aber Gott gehorcht, bleibt
von dem Verderben verschont.
Spr 11,5 Wer ehrlich ist und sich nach Gottes Geboten richtet, geht ungehindert
seinen Weg; aber ein gottloser Betrüger wird zu Fall kommen.
Spr 11,6 Den Aufrichtigen rettet seine Ehrlichkeit; doch der, dem man nicht
trauen kann, ist durch seine eigene Gier gefangen.
Spr 11,7 Mit dem Tod eines Gottlosen sterben auch seine Hoffnungen; alles,
worauf er sich bisher verlassen hatte, hilft dann nicht mehr weiter.
Spr 11,8 Wer Ehrfurcht vor Gott hat, wird aus der Not errettet; stattdessen
gerät der ins Unglück, der von Gott nichts wissen will.
Spr 11,9 Wer Gott missachtet, schadet anderen mit seinen Worten; wer Gott
gehorcht, hilft anderen durch sein Wissen.
Spr 11,10 Die ganze Stadt feiert den Erfolg eines guten Menschen und bejubelt
den Untergang eines Übeltäters.
Spr 11,11 Eine Stadt blüht auf durch ehrliche Menschen; aber die Worte der
Gottlosen bringen ihr Unglück.
Spr 11,12 Wer verächtlich über seinen Mitmenschen herzieht, hat den Verstand
verloren. Ein vernünftiger Mensch hält seine Zunge im Zaum.
Spr 11,13 Wer klatschsüchtig ist, wird auch anvertraute Geheimnisse ausplaudern;
ein zuverlässiger Mensch schweigt.
Spr 11,14 Ohne eine gute Regierung geht jedes Volk zugrunde; wo aber viele
Ratgeber sind, gibt es Sicherheit.
Spr 11,15 Wer sich für die Schulden eines anderen verbürgt hat, wird es eines
Tages bereuen. Wer sich darauf gar nicht erst einlässt, hat seine Ruhe.
Spr 11,16 Eine Frau gewinnt Ansehen durch ein liebenswürdiges Wesen; andere
werden durch Gewalt reich und berühmt.
Spr 11,17 Wer freundlich zu anderen ist, hilft sich selbst damit; der
Unbarmherzige schneidet sich ins eigene Fleisch.
Spr 11,18 Wer Gott missachtet, sammelt nur trügerischen Gewinn; wer Gott treu
bleibt, erhält beständigen Lohn.
Spr 11,19 Wer sich unbeirrbar für das Gute einsetzt, der wird leben; wer Unrecht
plant, kommt um.
Spr 11,20 Gott hasst die Heuchler und freut sich über jeden Aufrichtigen.
Spr 11,21 Du kannst sicher sein: Keiner, der Unheil stiftet, kommt ungeschoren
davon; aber alle, die Gott gehorchen, bleiben verschont.
Spr 11,22 An einer Frau ohne Anstand wirkt Schönheit wie ein goldener Ring im
Rüssel einer Sau.
Spr 11,23 Wer Gott die Treue hält, hat nur Gutes zu erwarten; aber die
Hoffnungen der Gottlosen werden zerschlagen - nur Zorn bleibt zurück!
Spr 11,24 Manche sind freigebig und werden dabei immer reicher, andere sind
geizig und werden arm dabei.
Spr 11,25 Wer anderen Gutes tut, dem geht es selber gut; wer anderen hilft, dem
wird geholfen.
Spr 11,26 Wer in Notzeiten sein Getreide hortet, um es dann umso teurer
verkaufen zu können, den verwünschen die Leute; aber sie danken dem, der für
sein Getreide keine Wucherpreise verlangt.
Spr 11,27 Wer auf Gutes bedacht ist, findet Zustimmung. Wer Böses ausheckt, den
wird es selbst treffen.
Spr 11,28 Wenn du auf dein Geld vertraust, wirst du fallen wie ein welkes Blatt
im Herbst. Lebe so, wie Gott es will, dann wirst du aufblühen wie die Pflanzen
im Frühling.
Spr 11,29 Wer Haus und Familie vernachlässigt, wird schließlich vor dem Nichts
stehen; und der Dummkopf wird zum Diener eines Klugen.
Spr 11,30 Wer Gott gehorcht, verhilft anderen zum Leben; ein weiser Mensch
gewinnt die Herzen.
Spr 11,31 Wer Gott mit Ehrfurcht begegnet, wird hier auf Erden schon dafür
belohnt; erst recht wird jeder bestraft, der von Gott nichts wissen will!
Spr 12,1 Wer dazulernen möchte, lässt sich gern sagen, was er falsch macht. Wer
es hasst, auf Fehler hingewiesen zu werden, ist dumm.
Spr 12,2 Der Herr freut sich über gute Menschen, aber er verurteilt jeden, der
hinterlistige Pläne schmiedet.
Spr 12,3 Wer sich von Gott lossagt, verliert jede Sicherheit; nur wer Gott
vertraut, steht fest wie ein tief verwurzelter Baum.
Spr 12,4 Eine tüchtige Frau verhilft ihrem Mann zu Ehre und Glück; eine faule
Schlampe aber ist Gift für ihn und raubt ihm jede Lebensfreude.
Spr 12,5 Wer zu Gott gehört, behandelt seine Mitmenschen gerecht; wer Gott
missachtet, versucht andere hereinzulegen.
Spr 12,6 Die Worte des Gottlosen bringen andere in tödliche Gefahr; aber was ein
ehrlicher Mensch sagt, hilft ihnen wieder heraus.
Spr 12,7 Die Familie des Gottlosen wird aussterben - sein Name verschwindet für
immer. Die Familie des Mannes, der Gott gehorcht, bleibt bestehen.
Spr 12,8 Jeder bewundert einen klugen Menschen, ein Dummkopf aber wird
verachtet.
Spr 12,9 Wer kein Ansehen genießt, sich aber einen Diener leisten kann, ist
besser dran als ein Wichtigtuer, der nichts zu essen hat.
Spr 12,10 Ein guter Mensch sorgt für seine Tiere, der Gottlose aber behandelt
sie grausam.
Spr 12,11 Wer seine Felder bestellt, hat genug zu essen; wer unsicheren
Geschäften nachjagt, ist leichtsinnig.
Spr 12,12 Wer Gott missachtet, schreckt selbst vor unrechtmäßigem Gewinn nicht
zurück; aber wer mit Gott lebt, ist freigebig.
Spr 12,13 Die Worte eines bösen Menschen sind eine Falle; doch wer Gott
gehorcht, fällt nicht hinein.
Spr 12,14 Wer Gutes sagt und tut, dem wird es gut ergehen. Denn der Mensch
bekommt, was er verdient.
Spr 12,15 Ein Dummkopf weiß immer alles besser, ein Kluger nimmt auch Ratschläge
an.
Spr 12,16 Wird ein Dummkopf gekränkt, macht er seinem Ärger sofort Luft; der
Kluge beherrscht sich, wenn er bloßgestellt wird.
Spr 12,17 Wer vor Gericht die Wahrheit aussagt, fördert die Gerechtigkeit; ein
falscher Zeuge unterstützt den Betrug.
Spr 12,18 Die Worte eines gedankenlosen Schwätzers verletzen wie Messerstiche;
was ein weiser Mensch sagt, heilt und belebt.
Spr 12,19 Lügen haben kurze Beine, die Wahrheit aber bleibt bestehen.
Spr 12,20 Wer Böses ausheckt, betrügt sich selbst um das Beste; denn Freude
erfährt nur, wer sich für Frieden einsetzt.
Spr 12,21 Kein Unglück geschieht den Menschen, die Gott gehorchen; über den
Ungehorsamen aber bricht das Unheil zusammen.
Spr 12,22 Der Herr hasst Lügner, aber er freut sich über ehrliche Menschen.
Spr 12,23 Der Kluge prahlt nicht mit Wissen, ein Dummkopf aber kann seine
Dummheit nicht verbergen.
Spr 12,24 Wer hart arbeitet, hat Erfolg und kommt nach oben; der Faule dagegen
muss als Sklave dienen.
Spr 12,25 Sorgen drücken einen Menschen nieder - aber freundliche Worte richten
ihn wieder auf.
Spr 12,26 Wer Gott gehorcht, kann anderen den richtigen Weg zeigen; wer Gott
missachtet, läuft in die Irre.
Spr 12,27 Der Faulpelz erlangt nicht, was er begehrt; der Fleißige dagegen
schafft sich einen bleibenden Besitz.
Spr 12,28 Wer Gott gehorcht, wird gut und sicher leben; auf seinem Weg lauert
keine tödliche Gefahr.
Spr 13,1 Ein vernünftiger Sohn lässt sich von seinen Eltern zurechtweisen, der
Spötter aber verachtet jede Belehrung.
Spr 13,2 Wer Gutes sagt und tut, wird auch Gutes erfahren; ein hinterlistiger
Mensch aber sucht die Gewalt.
Spr 13,3 Wer seine Zunge im Zaum halten kann, schützt sich selbst. Ein Großmaul
richtet sich zugrunde.
Spr 13,4 Der Faulpelz will zwar viel, erreicht aber nichts; der Fleißige
bekommt, was er sich wünscht, im Überfluss.
Spr 13,5 Wer Gott liebt, hasst die Lüge; der Gottlose aber macht andere hinter
ihrem Rücken schlecht.
Spr 13,6 Wer mit Gott lebt, lebt gut; den Gottlosen aber stürzt seine Schuld ins
Verderben.
Spr 13,7 Einer gibt vor, reich zu sein - ist aber bettelarm. Ein anderer stellt
sich arm und besitzt ein Vermögen.
Spr 13,8 Vom Reichen fordert man Lösegeld für sein Leben; der Arme braucht dies
nicht zu fürchten.
Spr 13,9 Wer Gott treu bleibt, gleicht einem hell brennenden Licht. Der Gottlose
aber ist wie ein Licht, das erlischt.
Spr 13,10 Wer überheblich ist, zettelt Streit an; der Kluge lässt sich etwas
sagen.
Spr 13,11 Erschwindelter Reichtum schwindet bald; was man langsam erwirbt, das
vergrößert sich noch.
Spr 13,12 Endloses Hoffen macht das Herz krank; ein erfüllter Wunsch schenkt
neue Lebensfreude.
Spr 13,13 Wer guten Rat in den Wind schlägt, muss die Folgen tragen; wer sich
etwas sagen lässt, wird belohnt.
Spr 13,14 Der Rat eines weisen Menschen hilft anderen zum Leben und bewahrt sie
vor tödlichen Fallen.
Spr 13,15 Der Vernünftige findet Anerkennung, wer aber nicht vertrauenswürdig
ist, läuft in sein Unglück.
Spr 13,16 Der Kluge überlegt, bevor er handelt. Die Taten des Dummen zeigen, wie
unüberlegt er ist.
Spr 13,17 Ein unzuverlässiger Botschafter richtet Schaden an, ein
vertrauenswürdiger bringt Versöhnung.
Spr 13,18 Wer sich nichts sagen lässt, erntet Armut und Verachtung. Wer auf
Ermahnungen hört, wird hoch angesehen.
Spr 13,19 Wie erfreulich ist es, wenn ein Wunsch in Erfüllung geht! Darum kann
der Dummkopf von seinen bösen Wünschen nicht lassen.
Spr 13,20 Wenn du mit vernünftigen Menschen Umgang pflegst, wirst du selbst
vernünftig. Wenn du dich mit Dummköpfen einlässt, schadest du dir nur.
Spr 13,21 Wer von Gott nichts wissen will, wird vom Unglück verfolgt. Wer aber
Gott gehorcht, wird mit Glück belohnt.
Spr 13,22 Ein guter Mensch hinterlässt ein Erbe für Kinder und Enkelkinder, aber
das Vermögen des Gottlosen geht über an den, der Gott dient.
Spr 13,23 Auf den steinigen Feldern der Armen wächst gerade genug zum Überleben,
aber rücksichtslose Menschen nehmen ihnen auch das Letzte noch weg.
Spr 13,24 Wer sein Kind nie schlägt, der liebt es nicht. Wer sein Kind liebt,
der bestraft es beizeiten.
Spr 13,25 Wer Gott gehorcht, hat genug zu essen. Wer sich aber von ihm lossagt,
muss Hunger leiden.
Spr 14,1 Eine tüchtige Frau hält das Haus in Ordnung und sorgt für die Familie,
eine leichtfertige aber zerstört alles.
Spr 14,2 Wer aufrichtig ist, nimmt Gott ernst; wer krumme Wege geht, missachtet
ihn.
Spr 14,3 Ein unverbesserlicher Starrkopf verrät sich durch hochmütiges Gerede,
ein verständiger Mensch überlegt, was er sagt.
Spr 14,4 Ein leerer Stall bleibt zwar sauber - aber ohne Rinder gibt es keinen
Ertrag!
Spr 14,5 Ein ehrlicher Zeuge sagt immer die Wahrheit aus, ein falscher Zeuge
verbreitet Lügen.
Spr 14,6 Wer für alles nur Spott übrig hat, wird die Weisheit vergeblich suchen;
wer aber vernünftig ist, findet sie schnell.
Spr 14,7 Gib dich nicht mit Dummköpfen ab - von ihnen hörst du nichts
Vernünftiges!
Spr 14,8 Wer ist klug? Jeder, der sich richtig einschätzen kann. Wer ist ein
Tagträumer? Jeder, der sich selbst betrügt.
Spr 14,9 Leichtfertigen Menschen ist ihre Sünde gleichgültig - ja, sie spotten
darüber; aufrichtige dagegen finden Gefallen bei Gott.
Spr 14,10 Deine innersten Gefühle kannst du mit niemandem teilen - im tiefsten
Leid und in der höchsten Freude ist jeder Mensch ganz allein!
Spr 14,11 Das Haus des Gottlosen wird abgerissen, aber die Familie des
Aufrichtigen blüht auf.
Spr 14,12 Manch einer wähnt sich auf dem richtigen Weg - und läuft geradewegs in
den Tod.
Spr 14,13 Hinter schallendem Gelächter verbirgt sich oft großer Kummer. Wenn die
Freude verrauscht ist, bleibt die Trauer zurück.
Spr 14,14 Wer krumme Wege geht, bekommt, was er verdient; der Gute aber wird
belohnt.
Spr 14,15 Nur ein gedankenloser Mensch glaubt jedes Wort! Der Vernünftige prüft
alles, bevor er handelt.
Spr 14,16 Der Kluge ist vorsichtig, um Unrecht zu vermeiden; ein Dummkopf braust
schnell auf und fühlt sich auch noch im Recht.
Spr 14,17 Wer jähzornig ist, richtet viel Schaden an. Wer heimlich Rachepläne
schmiedet, macht sich verhasst.
Spr 14,18 Ein unverständiger Mensch kann nur Unwissenheit vorweisen, ein Kluger
gewinnt Ansehen durch sein Wissen.
Spr 14,19 Der Böse wird dem Guten dienen, und der Gottlose muss sich erniedrigen
vor dem, der Gott gehorcht.
Spr 14,20 Der Arme gilt nichts, sogar seine Nachbarn wollen nichts mit ihm zu
tun haben; der Reiche aber hat viele Freunde.
Spr 14,21 Wer seinen Mitmenschen verachtet, der sündigt. Doch glücklich ist, wer
den Hilflosen beisteht!
Spr 14,22 Wer Böses plant, gerät auf Abwege; wer Gutes im Sinn hat, wird Liebe
und Treue erfahren.
Spr 14,23 Wer hart arbeitet, bekommt seinen Lohn - wer allerdings nur dumm
schwätzt, wird arm!
Spr 14,24 Verständige Menschen werden mit Reichtum belohnt, Dummköpfe können nur
ihre Gedankenlosigkeit vorweisen.
Spr 14,25 Ein ehrlicher Zeuge rettet unschuldige Menschen vor dem Todesurteil,
ein falscher Zeuge ist ein gefährlicher Betrüger.
Spr 14,26 Wer Gott ehrt, lebt sicher und geborgen; sogar seine Kinder leben noch
in dieser Geborgenheit.
Spr 14,27 Wer Gott in Ehrfurcht begegnet, hat die Quelle des Lebens gefunden und
vermeidet tödliche Fehler.
Spr 14,28 Stark und mächtig ist der Herrscher, der ein großes Volk regiert, aber
wie kläglich steht er da, wenn seine Bevölkerung kleiner wird!
Spr 14,29 Wer seine Gefühle beherrscht, hat Verstand. Der Jähzornige stellt nur
seine Unvernunft zur Schau!
Spr 14,30 Wer gelassen und ausgeglichen ist, lebt gesund. Der Eifersüchtige wird
von seinen Gefühlen innerlich zerfressen.
Spr 14,31 Wer den Armen unterdrückt, verhöhnt dessen Schöpfer. Wer dem Hilflosen
beisteht, der ehrt Gott.
Spr 14,32 Wer sich von Gott lossagt, kommt durch seine eigene Bosheit um. Wer
Gott vertraut, ist selbst im Tod noch geborgen.
Spr 14,33 Das Kennzeichen des vernünftigen Menschen ist Weisheit, sogar die
Unvernünftigen können das erkennen.
Spr 14,34 Wenn ein Volk Gottes Gesetz befolgt, wird es stark. Verstößt es
dagegen, stürzt es sich ins Verderben.
Spr 14,35 Ein kluger Diener erntet den Dank des Königs; aber den, der nur
Schaden anrichtet, trifft sein Zorn.
Spr 15,1 Eine freundliche Antwort vertreibt den Zorn, aber ein kränkendes Wort
lässt ihn aufflammen.
Spr 15,2 Wenn kluge Menschen sprechen, wird Wissen begehrenswert; ein Dummkopf
gibt nur Geschwätz von sich.
Spr 15,3 Gott durchschaut alles; er sieht, wenn Menschen Gutes oder Böses tun.
Spr 15,4 Ein freundliches Wort schenkt Freude am Leben, aber eine böse Zunge
verletzt schwer.
Spr 15,5 Nur ein unverständiger Mensch verachtet die Erziehung seiner Eltern;
wer sich ermahnen lässt, ist klug.
Spr 15,6 Wer Gott gehorcht, hat immer mehr als genug zum Leben; wer von ihm
nichts wissen will, verliert seinen Besitz.
Spr 15,7 Ein verständiger Mensch gibt sein Wissen weiter, aber ein Dummkopf
versteht nichts, weiß nichts und hat nichts zu sagen.
Spr 15,8 Der Herr hasst die Opfergaben gottloser Menschen, aber er freut sich
über die Gebete der Aufrichtigen.
Spr 15,9 Gott verabscheut die Lebensweise der Menschen, die ihn missachten; aber
er liebt den, der seine Gebote liebt.
Spr 15,10 Wer krumme Wege geht, wird hart bestraft; und wer jede Ermahnung
verwirft, schaufelt sich sein eigenes Grab.
Spr 15,11 Gott sieht hinab bis in den Abgrund des Totenreiches - erst recht
durchschaut er die innersten Gedanken und Gefühle eines Menschen!
Spr 15,12 Ein Hochmütiger will nicht ermahnt werden, darum meidet er den Umgang
mit klugen Menschen.
Spr 15,13 Einen fröhlichen Menschen erkennt man an seinem strahlenden Gesicht,
aber einem verbitterten fehlt jede Lebensfreude.
Spr 15,14 Vernünftige Menschen möchten ihr Wissen vergrößern, Dummköpfe haben
nur am Unsinn ihren Spaß.
Spr 15,15 Für den Niedergeschlagenen ist jeder Tag eine Qual, aber für den
Glücklichen ist das Leben ein Fest.
Spr 15,16 Lieber arm und Gott gehorsam als reich und voller Sorgen.
Spr 15,17 Lieber eine einfache Mahlzeit mit guten Freunden als ein Festessen mit
Feinden!
Spr 15,18 Ein Hitzkopf schürt Zank und Streit, ein Geduldiger aber schafft
Versöhnung.
Spr 15,19 Der Weg eines Faulpelzes ist dornenreich, dem Zuverlässigen aber
stehen alle Wege offen.
Spr 15,20 Ein vernünftiger Sohn macht seinen Eltern Freude, ein Dummkopf zeigt
ihnen die kalte Schulter.
Spr 15,21 Wer unvernünftig ist, hat Spaß an Dummheiten; ein weiser Mensch
handelt zielbewusst.
Spr 15,22 Ohne Ratgeber sind Pläne zum Scheitern verurteilt; aber wo man
gemeinsam überlegt, hat man Erfolg.
Spr 15,23 Jeder freut sich, wenn er treffend zu antworten weiß - wie gut ist ein
wahres Wort zur rechten Zeit!
Spr 15,24 Der Kluge geht zielstrebig den Weg, der zum Leben führt; er meidet den
Weg hinab ins Verderben.
Spr 15,25 Der Herr zerstört das Haus der Hochmütigen, aber den Grund und Boden
der Witwen verteidigt er.
Spr 15,26 Böse Pläne sind dem Herrn verhasst, aber aufrichtige Worte erfreuen
ihn.
Spr 15,27 Wer sich auf unehrliche Weise Gewinn verschafft, stürzt seine ganze
Familie ins Unglück; wer keine Bestechungsgelder annimmt, führt ein gutes Leben.
Spr 15,28 Ein zuverlässiger Mensch überlegt sich, was er sagt; ein gewissenloser
platzt mit giftigen Worten heraus.
Spr 15,29 Gott ist denen fern, die von ihm nichts wissen wollen; aber er hört
auf das Gebet derer, die ihn lieben.
Spr 15,30 Ein freundlicher Blick erfreut jeden, und eine gute Nachricht gibt
neue Kraft.
Spr 15,31 Wer auf hilfreiche Ermahnung hört, den kann man klug nennen!
Spr 15,32 Wenn du jeden Tadel in den Wind schlägst, schadest du dir selbst. Wenn
du dir etwas sagen lässt, dann gewinnst du Einsicht.
Spr 15,33 Wer Ehrfurcht vor Gott hat, erlangt Weisheit; bevor man zu Ehren
kommt, muss man Bescheidenheit lernen.
Spr 16,1 Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte
Wort aber hat Gott.
Spr 16,2 Der Mensch hält sein Handeln für richtig, aber Gott prüft die Motive.
Spr 16,3 Vertraue Gott deine Pläne an, er wird dir Gelingen schenken.
Spr 16,4 Alles hat Gott zu einem bestimmten Zweck geschaffen - der Gottlose ist
für das Verderben gemacht.
Spr 16,5 Gott verabscheut die Hochmütigen. Du kannst sicher sein: Keiner
entkommt seiner gerechten Strafe!
Spr 16,6 Wer Gott treu ist und Liebe übt, dem wird die Schuld vergeben; und wer
Gott gehorcht, der meidet das Böse.
Spr 16,7 Wenn dein Handeln Gott gefällt, bewegt er sogar deine Feinde dazu, sich
mit dir zu versöhnen.
Spr 16,8 Besser wenig Besitz, der ehrlich verdient ist, als großer Reichtum,
durch Betrug erschlichen.
Spr 16,9 Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte.
Spr 16,10 Der König spricht in Gottes Auftrag, darum irrt er sich nicht, wenn er
Recht spricht.
Spr 16,11 Gott möchte, dass die Waage richtig eingestellt wird und dass die
Gewichte stimmen, denn er selbst hat diese Ordnung aufgestellt.
Spr 16,12 Könige hassen das Unrecht, denn Gerechtigkeit festigt eine Regierung.
Spr 16,13 Könige möchten die Wahrheit hören, darum achten sie ehrliche Menschen.
Spr 16,14 Im Zorn wird ein König töten, deshalb versucht ein kluger Mensch, ihn
freundlich zu stimmen.
Spr 16,15 Wer in der Gunst des Königs steht, dem geht es gut; seine Anerkennung
ist wie Regen, der Leben spendet.
Spr 16,16 Weisheit und Urteilsvermögen zu erlangen ist viel kostbarer als Silber
oder Gold!
Spr 16,17 Wer ehrlich ist, meidet das Böse; wer dies beachtet, wird sein Leben
retten.
Spr 16,18 Der Stolze wird gestürzt: ja, Hochmut kommt vor dem Fall!
Spr 16,19 Lieber bescheiden und arm sein als Beute teilen mit den Hochmütigen!
Spr 16,20 Wer auf das hört, was ihm beigebracht wird, ist erfolgreich; und wer
dem Herrn vertraut, der findet Glück.
Spr 16,21 Man vertraut dem Urteil eines vernünftigen Menschen; und wenn er dazu
noch gut reden kann, überzeugt er jeden.
Spr 16,22 Wer Verstand besitzt, hat ein erfülltes Leben; aber einen Dummkopf zu
belehren, ist reine Zeitverschwendung.
Spr 16,23 Der Kluge redet so, dass man ihn leicht verstehen kann; deshalb
überzeugen seine Worte.
Spr 16,24 Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund
für den Körper.
Spr 16,25 Manch einer wähnt sich auf dem richtigen Weg - und läuft geradewegs in
den Tod.
Spr 16,26 Hunger treibt den Menschen an; er muss arbeiten, um satt zu werden.
Spr 16,27 Ein gemeiner Mensch gräbt vergangene Fehler anderer wieder aus; seine
Worte zerstören wie Feuer.
Spr 16,28 Ein hinterlistiger Mensch sät Zank und Streit, und ein Lästermaul
bringt Freunde auseinander.
Spr 16,29 Ein verbrecherischer Mensch beschwatzt seinen Freund und bringt ihn
auf krumme Wege.
Spr 16,30 Wer listig mit den Augen zwinkert, führt Böses im Schilde; wer
entschlossen die Lippen zusammenpresst, hat es schon getan.
Spr 16,31 Graues Haar ist ein würdevoller Schmuck - angemessen für alle, die
Gottes Geboten folgen.
Spr 16,32 Geduld zu haben ist besser, als ein Held zu sein; und sich selbst
beherrschen ist besser, als Städte zu erobern!
Spr 16,33 Der Mensch wirft das Los, um Gott zu befragen; und Gott allein
bestimmt die Antwort.
Spr 17,1 Lieber in Ruhe und Frieden ein trockenes Stück Brot essen als ein
Festmahl mit Zank und Streit!
Spr 17,2 Ein fähiger Diener ist höher angesehen als ein nichtsnutziger Sohn, ja,
er wird zusammen mit den anderen Söhnen zum Erben eingesetzt.
Spr 17,3 Gold und Silber prüft man durch Schmelzen, aber was im Herzen des
Menschen vorgeht, prüft allein der Herr.
Spr 17,4 Ein Übeltäter fühlt sich von bösen Plänen angezogen, und einem Lügner
gefallen betrügerische Worte, die andere ins Unglück stürzen.
Spr 17,5 Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer. Wer sich am Unglück
anderer freut, bekommt seine Strafe.
Spr 17,6 Alte Menschen sind stolz auf ihre Enkelkinder, und Kinder sind stolz
auf ihre Eltern.
Spr 17,7 Zu einem Dummkopf passen keine vernünftigen Worte, wie viel weniger
passt Lüge zu einem zuverlässigen Menschen!
Spr 17,8 Manche glauben, Bestechung sei ein Zaubermittel, das ihnen überall
Erfolg verspricht.
Spr 17,9 Wer über die Fehler anderer hinwegsieht, gewinnt ihre Liebe; wer alte
Fehler immer wieder ausgräbt, zerstört jede Freundschaft.
Spr 17,10 Ein vernünftiger Mensch lernt durch Tadel mehr als ein Dummkopf durch
hundert Schläge!
Spr 17,11 Ein Unruhestifter sucht nur den Aufstand, darum wird ihn eine grausame
Strafe treffen.
Spr 17,12 Lieber einer Bärin begegnen, der man die Jungen geraubt hat, als einem
Dummen, der nur Unsinn im Kopf hat!
Spr 17,13 Wer Gutes mit Bösem vergilt, in dessen Familie ist das Unglück ein
ständiger Gast.
Spr 17,14 Ein angefangener Rechtsstreit ist so schwer aufzuhalten wie gestautes
Wasser, das plötzlich losbricht - darum lass es gar nicht erst so weit kommen!
Spr 17,15 Gott verabscheut es, wenn der Schuldige für unschuldig erklärt und der
Unschuldige verurteilt wird.
Spr 17,16 Ein Dummkopf kann sich Weisheit nicht erkaufen, sie würde ihm auch gar
nichts nützen - er hat ja doch keinen Verstand!
Spr 17,17 Auf einen Freund kannst du dich immer verlassen; wenn es dir schlecht
geht, ist er für dich wie ein Bruder.
Spr 17,18 Wer sich mit Handschlag für die Schulden eines anderen verbürgt, hat
den Verstand verloren!
Spr 17,19 Der Streitsüchtige liebt die Bosheit; und wer zu hoch hinaus will,
wird tief fallen.
Spr 17,20 Ein Heuchler hat nichts Gutes zu erwarten; und wer Lügen verbreitet,
stürzt ins Unglück.
Spr 17,21 Wer einen nichtsnutzigen und charakterlosen Sohn hat, kennt nur Sorge
und Leid.
Spr 17,22 Ein fröhlicher Mensch lebt gesund; wer aber ständig niedergeschlagen
ist, wird krank und kraftlos.
Spr 17,23 Ein gottloser Richter nimmt heimlich Bestechungsgelder an und verdreht
das Recht.
Spr 17,24 Ein vernünftiger Mensch bemüht sich um Weisheit, aber die Gedanken des
Dummkopfes sind sprunghaft; er denkt nichts zu Ende und kommt auch zu nichts.
Spr 17,25 Ein leichtsinniger Sohn bereitet seinen Eltern Ärger und Enttäuschung.
Spr 17,26 Es ist empörend, wenn ein Unschuldiger mit einer Geldstrafe belegt
wird; und wenn ein anständiger Mann Prügelstrafe bekommt, wird das Recht
missachtet.
Spr 17,27 Ein weiser Mensch gibt Acht auf seine Worte, denn wer sich selbst
beherrschen kann, ist vernünftig.
Spr 17,28 Sogar einen Dummkopf könnte man für klug halten - wenn er sich nicht
durch seine eigenen Worte verraten würde!
Spr 18,1 Wer andere Menschen meidet, denkt nur an sich und seine Wünsche; heftig
wehrt er sich gegen alles, was ihn zur Einsicht bringen soll.
Spr 18,2 Ein Dummkopf bemüht sich erst gar nicht, etwas zu begreifen. Er will
nur jedem zeigen, wie klug er ist.
Spr 18,3 Wer sich von Gott lossagt, wird zwangsläufig schuldig, Schuld aber
bringt Schande und Hohn.
Spr 18,4 Die Worte eines Menschen können eine Quelle sein, aus der immerfort
Weisheit sprudelt: unerschöpflich und von tiefer Wahrheit.
Spr 18,5 Ein Richter tut Unrecht, wenn er den Schuldigen begnadigt und den
Unschuldigen verurteilt.
Spr 18,6 Wenn ein unverständiger Mensch seinen Mund aufmacht, gibt es nur Streit
und Schläge.
Spr 18,7 Ein Dummkopf schwätzt sich sein eigenes Unglück herbei, kopflos rennt
er in seine eigene Falle.
Spr 18,8 Das Geschwätz eines Verleumders ist so verlockend! Es wird begierig
verschlungen wie ein Leckerbissen und bleibt für immer im Gedächtnis haften.
Spr 18,9 Wer seine Arbeit nachlässig tut, richtet genauso viel Schaden an wie
einer, der alles zerstört.
Spr 18,10 Gott, der Herr, ist wie eine starke Festung: Wer auf ihn vertraut, ist
in Sicherheit.
Spr 18,11 Der Reiche bildet sich ein, sein Besitz würde ihn schützen wie eine
hohe Stadtmauer.
Spr 18,12 Stolz führt zum Sturz, Bescheidenheit aber bringt zu Ehren.
Spr 18,13 Wer antwortet, bevor er überhaupt zugehört hat, zeigt seine Dummheit
und macht sich lächerlich.
Spr 18,14 Ein Mensch kann durch festen Willen sogar körperliche Krankheit
ertragen; aber wer den Mut zum Leben verloren hat, ist zu nichts mehr in der
Lage.
Spr 18,15 Ein kluger Mensch möchte sein Wissen vergrößern, darum läuft er mit
offenen Augen und Ohren durch die Welt.
Spr 18,16 Ein Geschenk eröffnet viele Möglichkeiten, sogar den Zugang zu
einflussreichen Menschen.
Spr 18,17 Wer als Erster vor Gericht aussagt, scheint Recht zu haben; dann aber
kommt sein Gegner und zeigt die andere Seite auf.
Spr 18,18 Bei einem Prozess kann das Los zwischen den Gegnern entscheiden,
besonders wenn beide gleich stark und einflussreich sind.
Spr 18,19 Ein Freund, den du enttäuscht hast, ist schwerer zurückzugewinnen als
eine bewachte Festung; wenn man sich entzweit, ist jede Tür verschlossen.
Spr 18,20 Du musst mit den Folgen deiner Worte leben - seien sie nun gut oder
böse.
Spr 18,21 Worte haben Macht: sie können über Leben und Tod entscheiden. Darum
ist jeder für die Folgen seiner Worte verantwortlich.
Spr 18,22 Wer eine Frau gefunden hat, der hat es gut; es ist ein Zeichen der
Güte Gottes.
Spr 18,23 Wenn ein Armer etwas braucht, muss er bescheiden fragen; ein Reicher
aber antwortet hart und stolz.
Spr 18,24 Viele so genannte Freunde schaden dir nur, aber ein wirklicher Freund
steht mehr zu dir als ein Bruder.
Spr 19,1 Lieber arm und ehrlich als ein selbstherrlicher Dummkopf, der Lügen
verbreitet!
Spr 19,2 Ein eifriger Mensch, der nicht nachdenkt, richtet nur Schaden an; und
was übereilt begonnen wird, misslingt.
Spr 19,3 Manch einer ruiniert sich durch eigene Schuld, macht dann aber Gott
dafür verantwortlich!
Spr 19,4 Der Reiche ist immer von Freunden umgeben, aber der Arme verliert jeden
Freund.
Spr 19,5 Wer als Zeuge einen Meineid schwört, wird bestraft; für ihn gibt es
kein Entrinnen.
Spr 19,6 Einflussreiche Leute werden von vielen umschmeichelt; und wer freigebig
ist, hat alle möglichen Freunde.
Spr 19,7 Den Armen lassen seine Verwandten im Stich - noch mehr halten seine
Bekannten sich von ihm fern. Er erinnert sich an ihre Versprechungen, aber sie
sind wertlos geworden.
Spr 19,8 Wer sich um Weisheit bemüht, tut sich selbst einen Gefallen; und wer
Einsicht bewahrt, findet das Glück.
Spr 19,9 Wer als Zeuge einen Meineid schwört, kommt nicht ungeschoren davon - er
hat sein Leben verspielt.
Spr 19,10 Ein Leben im Überfluss passt nicht zu einem leichtsinnigen und
oberflächlichen Menschen - noch verkehrter ist es, wenn ein Sklave über
Machthaber herrscht.
Spr 19,11 Ein vernünftiger Mensch kann seine Gefühle beherrschen; es ehrt ihn,
wenn er über Fehler hinwegsehen kann.
Spr 19,12 Der Zorn eines Königs jagt Angst ein wie das Brüllen eines Löwen, aber
seine Anerkennung erfrischt wie der Morgentau.
Spr 19,13 Ein nichtsnutziger Sohn bringt seinen Vater ins Unglück; und eine ewig
nörgelnde Frau ist so unerträglich wie ein ständig tropfendes Dach.
Spr 19,14 Haus und Besitz kann man von den Eltern erben; aber eine vernünftige
Frau schenkt nur Gott, der Herr.
Spr 19,15 Ein Faulpelz liebt seinen Schlaf - und erntet Hunger dafür.
Spr 19,16 Wer sich an Gottes Gebote hält, bewahrt sein Leben; wer sie auf die
leichte Schulter nimmt, kommt um.
Spr 19,17 Wer den Armen etwas gibt, gibt es Gott, und Gott wird es reich
belohnen.
Spr 19,18 Erzieh deine Kinder mit Strenge, solange sie noch jung sind, aber lass
dich nicht dazu hinreißen, sie zu misshandeln!
Spr 19,19 Wer jähzornig ist, muss seine Strafe dafür zahlen. Wenn du versuchst,
ihn zu beschwichtigen, machst du alles nur noch schlimmer!
Spr 19,20 Höre auf guten Rat, und nimm Ermahnung an, damit du endlich weise
wirst!
Spr 19,21 Der Mensch macht viele Pläne, aber es geschieht, was Gott will.
Spr 19,22 Wer freigebig und gütig ist, wird von allen geschätzt; und besser ein
Armer als ein Betrüger.
Spr 19,23 Wer Gott achtet und ehrt, hat ein gutes Leben. Er kann ruhig schlafen,
denn Angst vor Unglück kennt er nicht.
Spr 19,24 Ein fauler Mensch streckt seine Hand nach dem Essen aus, aber er
kriegt sie nicht zum Mund zurück!
Spr 19,25 Wenn ein Lästermaul bestraft wird, werden wenigstens Unerfahrene etwas
davon lernen; wenn man aber den Vernünftigen zurechtweist, lernt er selbst
daraus.
Spr 19,26 Wer seine Eltern schlecht behandelt und fortjagt, ist ein gemeiner und
nichtsnutziger Mensch.
Spr 19,27 Wenn du jede Ermahnung sowieso in den Wind schlägst - dann hör doch
gar nicht erst darauf!
Spr 19,28 Ein betrügerischer Zeuge verhöhnt jedes Recht; die Worte eines
gewissenlosen Menschen säen Unheil und Verderben.
Spr 19,29 Wer sich über alles mit Spott hinwegsetzt, wird seine gerechte Strafe
bekommen; und auf den Rücken des überheblichen Besserwissers gehört der Stock!
Spr 20,1 Ein Biertrinker wird unangenehm laut, und ein Weinsäufer redet
Blödsinn; wer sich betrinkt, ist unvernünftig!
Spr 20,2 Vor einem König nimmt man sich in Acht wie vor einem brüllenden Löwen;
denn wer seinen Zorn herausfordert, setzt sein Leben aufs Spiel.
Spr 20,3 Es ehrt einen Menschen, wenn er sich auf keinen Streit einlässt; nur
ein törichter Streithahn wettert sofort los.
Spr 20,4 Wer faul ist, kümmert sich nicht um seine Saat; wenn er dann ernten
will, sucht er vergeblich.
Spr 20,5 Die Gedanken eines Menschen sind unergründlich wie ein tiefer See, aber
ein Menschenkenner durchschaut sie und bringt sie ans Licht.
Spr 20,6 Viele Menschen betonen, wie freundlich und zuverlässig sie sind; aber
wo findet man einen, auf den man sich wirklich verlassen kann?
Spr 20,7 Wer aufrichtige Eltern hat, die Gott dienen, der kann sich glücklich
schätzen!
Spr 20,8 Wenn der König Gericht hält, deckt er jedes Unrecht auf.
Spr 20,9 Wer kann schon behaupten: »Ich bin frei von jeder Schuld und habe ein
reines Gewissen.«?
Spr 20,10 Gott verabscheut das Messen mit zweierlei Maß und hasst das Wiegen mit
zweierlei Gewicht.
Spr 20,11 Schon im Verhalten eines Kindes zeigt sich, ob es ehrlich und
zuverlässig ist.
Spr 20,12 Gott hat uns Augen gegeben, um zu sehen, und Ohren, um zu hören.
Spr 20,13 Liebe nicht den Schlaf, sonst bist du bald arm! Steh früh genug auf,
damit du immer genug zu essen hast!
Spr 20,14 »Das ist viel zu teuer!«, schimpft der Käufer beim Handeln; doch
hinterher lacht er sich ins Fäustchen.
Spr 20,15 Worte der Weisheit und der Erkenntnis sind viel kostbarer als Gold und
Juwelen.
Spr 20,16 Wenn jemand zu dir kommt, der aus Leichtsinn für die Schulden eines
Fremden gebürgt hat, so leihe ihm nur etwas gegen Pfand!
Spr 20,17 Was man durch Betrug erworben hat, mag zuerst zwar angenehm sein, aber
früher oder später hinterlässt es einen bitteren Nachgeschmack.
Spr 20,18 Pläne sind erst durch Beratung erfolgreich; darum überlege gut, bevor
du in einen Kampf ziehst!
Spr 20,19 Wer Geheimnisse ausplaudert, der lästert auch über seine Mitmenschen.
Darum meide jeden, der seinen Mund nicht halten kann!
Spr 20,20 Wer Vater und Mutter verflucht, dessen Leben wird verlöschen wie eine
Lampe in tiefster Dunkelheit.
Spr 20,21 Ein Erbe, das man übereilt an sich reißt, wird am Ende nicht gesegnet
sein.
Spr 20,22 Nimm dir nicht vor, Unrecht heimzuzahlen! Vertraue dem Herrn, denn er
wird dir zum Recht verhelfen!
Spr 20,23 Gott verabscheut es, wenn man beim Abwiegen mit zweierlei Gewicht und
einer gefälschten Waage betrügt.
Spr 20,24 Gott lenkt die Schritte des Menschen; wie kann der Mensch sein Leben
überblicken?
Spr 20,25 Wer Gott vorschnell ein Versprechen gibt und erst hinterher die Folgen
bedenkt, bringt sich selbst in ausweglose Schwierigkeiten.
Spr 20,26 Ein weiser König entdeckt die Verbrecher und gibt ihnen eine harte
Strafe.
Spr 20,27 Gott, der Herr, gab dem Menschen den Verstand, damit er seine
innersten Gedanken und Gefühle überprüfen kann.
Spr 20,28 Wenn ein König freundlich und zuverlässig ist, dann steht seine
Regierung fest und sicher.
Spr 20,29 Der Schmuck junger Menschen ist ihre Kraft, und die Würde der Alten
ist ihr graues Haar.
Spr 20,30 Schläge sind ein wirksames Mittel gegen Bosheit - sie helfen dem
Menschen, sich zu bessern.
Spr 21,1 Wie man Wasser durch Kanäle in die gewünschte Richtung leitet, so lenkt
Gott die Gedanken des Königs, wohin er will.
Spr 21,2 Der Mensch hält das, was er tut, für richtig; aber Gott, der Herr,
prüft, warum der Mensch das tut.
Spr 21,3 Gott will, dass die Menschen gut und gerecht miteinander umgehen; das
ist ihm viel lieber als ihre Opfergaben.
Spr 21,4 Wer von Gott nichts wissen will, ist stolz und überheblich; bei allem,
was er tut, lädt er Schuld auf sich.
Spr 21,5 Was der Fleißige plant, bringt ihm Gewinn; wer aber allzu schnell etwas
erreichen will, hat nur Verlust.
Spr 21,6 Reichtum, den man durch Betrug erworben hat, zerrinnt schnell und reißt
mit in den Tod.
Spr 21,7 Wer Gott missachtet und sich weigert, ihm zu gehorchen, schadet sich
selbst durch seine Bosheit und Gewalt.
Spr 21,8 Verschlungen und undurchsichtig sind die Wege des Menschen, der Schuld
auf sich geladen hat; der Ehrliche aber führt ein aufrichtiges Leben.
Spr 21,9 Lieber in einer kleinen Ecke unter dem Dach wohnen als in einem
prächtigen Haus mit einer ständig nörgelnden Frau!
Spr 21,10 Wer Gott verachtet, giert nach Bösem; sogar sein Nachbar kann von ihm
kein Mitgefühl erwarten.
Spr 21,11 Wenn man dem Lästermaul eine Geldstrafe auferlegt, werden wenigstens
Unerfahrene etwas davon lernen; wenn man aber einen weisen Menschen belehrt,
lernt er selbst daraus.
Spr 21,12 Der gerechte Gott achtet auf alle, die ihn ablehnen, und stürzt sie
ins Unglück.
Spr 21,13 Wer sich beim Hilferuf eines Armen taub stellt, wird selbst keine
Antwort bekommen, wenn er Hilfe braucht.
Spr 21,14 Wenn jemand wütend auf dich ist, kannst du ihn besänftigen, indem du
ihm heimlich ein Geschenk zusteckst.
Spr 21,15 Wenn das Recht beachtet wird, freut sich ein ehrlicher Mensch; aber
für einen Übeltäter bedeutet es Angst und Schrecken.
Spr 21,16 Wer sich weigert, Vernunft anzunehmen, auf den wartet der Tod!
Spr 21,17 Wer ausgelassene Feste liebt, wird bald arm - ein aufwendiges Leben
hat noch keinen reich gemacht!
Spr 21,18 Die Gerechtigkeit wird siegen: Nicht den Ehrlichen, sondern den
Gottlosen trifft das Unglück.
Spr 21,19 Lieber in einer einsamen und trostlosen Wüste leben als mit einer
schlecht gelaunten Frau, die ständig nörgelt!
Spr 21,20 Ein weiser Mensch kann mit seinem Reichtum gut umgehen, ein Dummkopf
aber verschleudert ihn sofort.
Spr 21,21 Wer freundlich ist und andere gerecht behandelt, hat ein erfülltes
Leben, er findet Anerkennung und Ehre.
Spr 21,22 Der Kluge kann sogar eine gut bewachte Stadt erobern und alle
Befestigungen niederreißen, auf die sich die Einwohner verlassen.
Spr 21,23 Überlege deine Worte, und dir bleibt viel Ärger erspart!
Spr 21,24 Wer sich über alles mit Spott hinwegsetzt, ist überheblich und
eingebildet.
Spr 21,25 Ein Faulpelz hat viele Wünsche, ist aber zu bequem, auch nur einen
Finger krumm zu machen. Dieser Zwiespalt bringt ihn langsam um.
Spr 21,26 Den ganzen Tag überlegt er, wie er für sich etwas bekommen kann; wer
aber zu Gott gehört, der gibt gerne und knausert nicht.
Spr 21,27 Gott verabscheut die Opfergaben der Gottlosen, erst recht, wenn sie
damit schlechte Ziele verfolgen.
Spr 21,28 Einem falschen Zeugen wird man auf Dauer nicht glauben; wer aber bei
der Wahrheit bleibt, wird immer wieder angehört.
Spr 21,29 Wer Gott missachtet, will durch ein überhebliches Gesicht
Sorglosigkeit vortäuschen; aber nur ein aufrichtiger Mensch ist seiner Sache
wirklich sicher.
Spr 21,30 Die größte Weisheit, die tiefste Einsicht und die besten Pläne können
nicht bestehen, wenn sie gegen Gott gerichtet sind.
Spr 21,31 Man kann sich noch so gut auf einen Kampf vorbereiten - den Sieg
schenkt Gott allein!
Spr 22,1 Ein guter Ruf ist wertvoller als großer Reichtum; und beliebt sein ist
besser, als Silber und Gold zu besitzen.
Spr 22,2 Reiche und Arme haben eines gemeinsam: Gott, der Herr, schenkte ihnen
das Leben.
Spr 22,3 Der Kluge sieht das Unglück voraus und bringt sich in Sicherheit; ein
Unerfahrener läuft hinein und muss die Folgen tragen.
Spr 22,4 Wer Gott achtet und ihm gehorcht, besitzt Reichtum und Anerkennung und
hat ein erfülltes Leben.
Spr 22,5 Der Weg hinterlistiger Menschen ist verschlungen und dornenreich; wer
sein Leben liebt, hält sich fern von ihnen!
Spr 22,6 Erziehe dein Kind schon in jungen Jahren - es wird die Erziehung nicht
vergessen, auch wenn es älter wird.
Spr 22,7 Der Reiche hat die Armen in seiner Hand; denn wer sich Geld leiht, ist
abhängig von seinem Gläubiger.
Spr 22,8 Wer andere ungerecht behandelt, stürzt sich selbst ins Unglück; mit der
Unterdrückung seiner Mitmenschen ist es dann vorbei!
Spr 22,9 Wer Mitleid zeigt und den Armen hilft, den wird Gott segnen.
Spr 22,10 Schicke den ewigen Spötter fort, dann haben Zank und Streit ein Ende!
Spr 22,11 Wer ehrlich ist und treffende Worte findet, den nimmt der König zum
Freund.
Spr 22,12 Der Herr sorgt dafür, dass die Wahrheit siegt, denn er entlarvt die
Worte der Lügner.
Spr 22,13 Der Faulpelz findet immer eine Ausrede. »Ich kann nicht zur Arbeit
gehen«, sagt er, »auf der Straße könnte ja ein Löwe sein, der mich anfällt und
tötet!«
Spr 22,14 Die verführerischen Worte einer fremden Frau sind so gefährlich wie
eine tiefe Grube; wem Gott zürnt, der fällt hinein!
Spr 22,15 Ein Kind, das nur Dummheiten im Kopf hat, wird durch Strenge zur
Vernunft gebracht.
Spr 22,16 Wer sich bei reichen Leuten mit Geschenken einschmeichelt oder wer den
Armen unterdrückt, um sich Gewinn zu verschaffen, der wird schließlich im Elend
enden.
Spr 22,17 Höre, ich will dir erzählen, was weise Menschen gesagt haben. Nimm dir
meine Worte zu Herzen,
Spr 22,18 behalte sie immer im Gedächtnis und rede davon; sie werden dir helfen.
Spr 22,19 Ich unterrichte gerade dich, damit du es lernst, dem Herrn zu
vertrauen.
Spr 22,20 Schon vor einiger Zeit habe ich dir meine Ratschläge aufgeschrieben,
um dir Einsicht zu vermitteln.
Spr 22,21 Sie werden dir zeigen, wie zuverlässig die Wahrheit ist. Dann wirst
auch du gute Antworten geben können, wenn dich Menschen um Rat fragen.
Spr 22,22 Beraube nicht den Armen, der sich nicht wehren kann, und hintergehe
keinen Hilflosen vor Gericht!
Spr 22,23 Denn der Herr sorgt für ihr Recht, und denen, die sie hintergehen,
raubt er das Leben.
Spr 22,24 Lass dich nicht mit einem Jähzornigen ein, halte dich von einem
Hitzkopf fern,
Spr 22,25 sonst übernimmst du seine Gewohnheiten und bringst dich selbst zu
Fall!
Spr 22,26 Verpflichte dich nie durch einen Handschlag, für die Schulden eines
anderen zu bürgen!
Spr 22,27 Denn wenn du dann selbst nicht bezahlen kannst, nimmt man dir sogar
dein Bett weg!
Spr 22,28 Versetze niemals die Grenzsteine, die deine Vorfahren festgesetzt
haben!
Spr 22,29 Kennst du jemanden, der geschickt ist bei seiner Arbeit? Er wird
erfolgreich sein, und du wirst ihn nur bei einflussreichen Leuten finden.
Spr 23,1 Wenn du mit einem mächtigen Herrn am Tisch sitzt, dann bedenke, wen du
vor dir hast!
Spr 23,2 Beherrsche dich, selbst wenn du heißhungrig bist!
Spr 23,3 Stürze dich nicht auf seine Leckerbissen, denn wenn du meinst, sie
seien dir zu Ehren aufgetischt, täuschst du dich selbst.
Spr 23,4 Versuche nicht, mit aller Gewalt reich zu werden, denn das ist
unvernünftig!
Spr 23,5 Schneller, als ein Adler fliegen kann, ist dein Geld plötzlich weg -
wie gewonnen, so zerronnen!
Spr 23,6 Iss nicht mit einem Geizhals, sei nicht begierig nach seinen
Leckerbissen,
Spr 23,7 denn er ist berechnend und gönnt dir nichts. «Iss und trink nur!«,
fordert er dich auf und verabscheut dich dabei.
Spr 23,8 Wenn du es merkst, wirst du erbrechen, was du gegessen hast; dann waren
alle freundlichen Worte vergeudet!
Spr 23,9 Versuche nicht, einem Dummkopf etwas zu erklären; er wird deine Worte
ohnehin nur verachten!
Spr 23,10 Versetze keine alten Grenzsteine, mache den Armen und Bedrängten
niemals ihr Eigentum streitig!
Spr 23,11 Der Herr ist ihr starker Befreier, er selbst wird gegen dich auftreten
und ihnen Recht verschaffen.
Spr 23,12 Sei offen für Ermahnung, achte aufmerksam auf kluge Worte!
Spr 23,13 Erspare deinem Kind die harte Strafe nicht! Ein paar Hiebe werden es
nicht umbringen!
Spr 23,14 Im Gegenteil: du rettest sein Leben damit!
Spr 23,15 Mein Sohn, wenn du weise bist, dann freue ich mich darüber.
Spr 23,16 Wenn das auch deine Worte zeigen, bin ich glücklich.
Spr 23,17 Ereifere dich nicht über Menschen, die Schuld auf sich laden; sondern
eifere danach, Gott zu gefallen!
Spr 23,18 Dann hast du eine gute Zukunft, und deine Hoffnung wird nicht
enttäuscht.
Spr 23,19 Höre, mein Sohn, und werde weise! Bemühe dich, auf dem geraden Weg zu
bleiben!
Spr 23,20 Halte dich fern von den Weinsäufern und Schlemmern!
Spr 23,21 Auf sie wartet die Armut; denn wer nur noch isst, trinkt und schläft,
hat bald nichts als Lumpen am Leib!
Spr 23,22 Höre auf deinen Vater - er hat dich gezeugt! Und verachte deine Mutter
nicht, wenn sie alt geworden ist!
Spr 23,23 Bemühe dich um das wirklich Wichtige: Weisheit, Selbstbeherrschung und
Einsicht. Sie sind schwer zu erwerben, gib sie daher nie wieder auf!
Spr 23,24 Der Vater eines zuverlässigen Sohnes hat allen Grund zur Freude. Wie
glücklich macht doch ein vernünftiger Sohn!
Spr 23,25 Erfreue also deine Eltern!
Spr 23,26 Mein Sohn, vertraue dich mir an, und nimm dir mein Leben zum Vorbild!
Spr 23,27 Huren und Ehebrecherinnen sind so gefährlich wie ein tiefer Brunnen,
schon mancher hat sich durch sie in den Tod gestürzt.
Spr 23,28 Sie lauern dir auf wie Räuber und verführen viele zur Untreue.
Spr 23,29 Bei wem sieht man Kummer und Klage? Bei wem Streit und Gejammer? Wer
hat Wunden durch grundlose Schlägereien, wer hat trübe Augen?
Spr 23,30 Wer noch spät beim Wein sitzt und jede neue Sorte ausprobiert.
Spr 23,31 Lass dich nicht vom Wein verlocken, wenn er so rötlich schimmert, wenn
er im Glas funkelt und so glatt die Kehle hinuntergleitet!
Spr 23,32 Denn zuletzt wirkt er wie der Biss einer giftigen Schlange.
Spr 23,33 Deine Augen sehen seltsame Dinge, deine Gedanken und Gefühle wirbeln
durcheinander.
Spr 23,34 Es geht dir wie einem Seekranken auf hoher See - du fühlst dich wie im
Mastkorb eines schaukelnden Schiffes.
Spr 23,35 »Man muss mich geschlagen haben«, sagst du, »aber es hat mir nicht
wehgetan; ich bin verprügelt worden, aber ich habe nichts davon gemerkt! Wann
wache ich endlich aus meinem Rausch auf? Ich brauche wieder ein Glas Wein!«
Spr 24,1 Sei nicht neidisch auf böse Menschen, und bemühe dich nicht um ihre
Freundschaft!
Spr 24,2 Denn sie trachten nur nach Gewalt, ihre Worte verletzen und richten
Schaden an.
Spr 24,3 Wer ein Haus baut, braucht Weisheit und Verstand;
Spr 24,4 wer dazu noch Geschick besitzt, kann es mit wertvollen und schönen
Dingen füllen.
Spr 24,5 Ein weiser Mann setzt seine Stärke richtig ein, und ein verständiger
gebraucht seine Kraft sinnvoll.
Spr 24,6 Denn nur durch Überlegung führt man einen Kampf, und wo viele Ratgeber
sind, da stellt sich der Sieg ein.
Spr 24,7 Für den Dummkopf ist Weisheit unerreichbar; wenn Wichtiges besprochen
wird, dann bleibt ihm nur eins übrig: Schweigen!
Spr 24,8 Wer nur darauf aus ist, Böses zu tun, der ist bald als Lump verschrien.
Spr 24,9 Wer Gemeines plant und sich nicht ermahnen lässt, macht sich schuldig;
und wer für alles nur Spott übrig hat, zieht sich den Hass der Menschen zu.
Spr 24,10 Wenn du in der Not schwach und mutlos bist, dann bist du es auch
sonst!
Spr 24,11 Rette die unschuldig zum Tode Verurteilten; befreie den, der zur
Hinrichtung geschleppt wird!
Spr 24,12 Vielleicht sagst du: »Wir wussten doch nichts davon!« - aber du kannst
sicher sein: Gott weiß Bescheid! Er sieht dir ins Herz! Jedem gibt er das, was
er verdient.
Spr 24,13 Mein Sohn, iss Honig, denn das ist gut! So süß wie Honig für deinen
Gaumen,
Spr 24,14 so wertvoll ist Weisheit für dein Leben. Suche sie, dann hast du eine
gute Zukunft, und deine Hoffnungen werden nicht enttäuscht!
Spr 24,15 Du Gottloser, versuche nicht, mit List oder mit Gewalt einem ehrlichen
Menschen Grund und Boden zu entreißen!
Spr 24,16 Denn der Aufrichtige mag zwar vom Unglück verfolgt werden, aber er
steht immer wieder auf. Der Gottlose dagegen kommt darin um.
Spr 24,17 Freue dich nicht über das Unglück deines Feindes; juble nicht über
seinen Sturz!
Spr 24,18 Denn der Herr sieht alles, und Schadenfreude missfällt ihm - er könnte
deshalb sogar deinen Feind verschonen!
Spr 24,19 Sei nicht entrüstet über die Gottlosen, und ereifere dich nicht über
sie!
Spr 24,20 Denn sie haben keine Zukunft - ihr Leben gleicht einem glimmenden
Docht, der bald ganz erlischt.
Spr 24,21 Mein Sohn, ehre Gott und achte den König! Lass dich nicht mit
Aufrührern ein, die gegen sie rebellieren!
Spr 24,22 Denn plötzlich können Gott oder der König alle ins Verderben stürzen!
Spr 24,23 Auch folgende Sprüche stammen von weisen Männern: Ein Richter muss
immer unparteiisch sein!
Spr 24,24 Wenn er den Schuldigen für unschuldig erklärt, wird er vom Volk
verachtet und gehasst.
Spr 24,25 Wenn er sich aber für das Recht einsetzt, dann genießt er Ansehen und
Glück.
Spr 24,26 Eine aufrichtige Antwort ist ein Zeichen echter Freundschaft, so wie
ein Kuss auf die Lippen!
Spr 24,27 Bestelle erst dein Feld, und sorge für deinen Lebensunterhalt, bevor
du eine Familie gründest!
Spr 24,28 Sage nicht ohne Grund als Zeuge gegen jemand aus, betrüge nicht mit
deinen Worten!
Spr 24,29 Sprich nicht: »Wie du mir, so ich dir! Ich zahle jedem heim, was er
mir angetan hat!«
Spr 24,30 Ich ging durch die Felder und Weinberge eines faulen und dummen
Mannes.
Spr 24,31 Das Unkraut wucherte überall und bedeckte alles. Die Schutzmauer
ringsum war schon verfallen.
Spr 24,32 Als ich das sah, dachte ich nach und zog eine Lehre daraus:
Spr 24,33 »Lass mich noch ein bisschen schlafen«, sagst du, »nur noch ein
kleines Weilchen!« -
Spr 24,34 und während du dich ausruhst, ist die Armut plötzlich da, und die Not
überfällt dich wie ein Räuber.
Spr 25,1 Auch die folgenden Sprüche sind von König Salomo. Männer am Hof
Hiskias, des Königs von Juda, haben sie gesammelt.
Spr 25,2 Gott wird geehrt für das, was er verborgen hält; aber der König erlangt
nur Ansehen, wenn er alles erforscht.
Spr 25,3 So hoch der Himmel ist und so weit die Erde, so unergründlich sind die
Gedanken des Königs.
Spr 25,4 Entferne die Schlacken aus dem Silber, dann gestaltet der Schmied
kunstvollen Schmuck daraus;
Spr 25,5 entferne die Verräter vom Hof des Königs, dann ist seine gerechte
Herrschaft gesichert.
Spr 25,6 Wenn du vor dem König stehst, dann spiel dich nicht auf, und halte dich
nicht für die wichtigste Person!
Spr 25,7 Denn es ist besser, man gibt dir eine höhere Stellung, als dass du
einem, der bedeutender ist als du, deinen Platz überlassen musst! Wenn du etwas
Verdächtiges gesehen hast,
Spr 25,8 geh nicht übereilt vor Gericht! Denn was machst du, wenn ein anderer
Zeuge zeigt, dass du im Unrecht bist?
Spr 25,9 Führst du einen Rechtsstreit mit deinem Nachbarn, dann zieh niemanden
mit hinein, der dir im Vertrauen etwas mitgeteilt hat! Plaudere nicht die
Geheimnisse aus, die ein anderer dir anvertraut hat;
Spr 25,10 denn sonst wird jeder wissen, dass du nichts für dich behalten kannst,
und du kommst selbst ins Gerede!
Spr 25,11 Wie goldene Äpfel auf einer silbernen Schale, so ist ein rechtes Wort
zur rechten Zeit.
Spr 25,12 Auf die Ermahnung eines weisen Menschen zu hören ist so wertvoll wie
der schönste Schmuck aus Gold!
Spr 25,13 Ein zuverlässiger Bote ist für den, der ihn sendet, so erquickend wie
ein kaltes Getränk in der heißen Erntezeit.
Spr 25,14 Wer sich selbst anpreist mit dem, was er zu bieten hat, und dann seine
Versprechungen nicht hält, der gleicht den Wolken, die den ersehnten Regen nicht
bringen.
Spr 25,15 Durch Geduld wird ein Herrscher umgestimmt, und Sanftmut kann den
stärksten Widerstand brechen.
Spr 25,16 Wenn du Honig findest, dann iss nur so viel, wie dir bekommt; sonst
wirst du ihn satt und musst dich am Ende noch übergeben!
Spr 25,17 Besuche deinen Nachbarn nicht zu oft, sonst wirst du ihm lästig, und
er beginnt dich abzulehnen!
Spr 25,18 Wer gegen seinen Nachbarn falsch aussagt, der richtet so großen
Schaden an wie ein Hammer, ein Schwert oder ein spitzer Pfeil.
Spr 25,19 In der Not auf einen Treulosen zu vertrauen - das ist so, als wollte
man mit einem kranken Zahn kauen oder mit einem verkrüppelten Fuß gehen!
Spr 25,20 Für einen Traurigen Lieder zu singen ist so unsinnig, als würde man im
Winter den Mantel ausziehen oder Salz in eine Wunde streuen.
Spr 25,21 Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig,
gib ihm zu trinken.
Spr 25,22 So wirst du ihn beschämen, und der Herr wird dich belohnen.
Spr 25,23 Nordwind bringt Regen - und heimliches Geschwätz bringt verdrießliche
Gesichter!
Spr 25,24 Lieber in einer kleinen Ecke unter dem Dach wohnen als in einem
prächtigen Haus mit einer ständig nörgelnden Frau!
Spr 25,25 Eine gute Nachricht aus der Ferne ist wie ein Schluck Wasser für eine
durstige Kehle!
Spr 25,26 Ein guter Mensch, der sich von einem Gottlosen beeinflussen lässt, ist
so unbrauchbar wie eine trübe Quelle oder ein verschmutzter Brunnen.
Spr 25,27 Zu viel Honig ist nicht gut - genauso spare mit anerkennenden Worten!
Spr 25,28 Wer sich nicht beherrschen kann, ist so schutzlos wie eine Stadt ohne
Mauer.
Spr 26,1 Ehre und Anerkennung passen zu einem Übermütigen so wenig wie Schnee
zum Sommer oder Regen zur Erntezeit.
Spr 26,2 Ein Fluch, der unbegründet ist, wird nicht eintreffen. Er gleicht den
Vögeln, die fortfliegen und nicht wiederkommen.
Spr 26,3 Die Peitsche für das Pferd, das Zaumzeug für den Esel - und der Stock
für den Rücken des Menschen, der keine Vernunft annimmt!
Spr 26,4 Antworte nicht auf eine dumme Frage, sonst begibst du dich auf die
gleiche Ebene mit dem, der sie gestellt hat!
Spr 26,5 Oder gib die passende Antwort auf eine dumme Frage! So merkt der, der
sie gestellt hat, dass er nicht so klug ist, wie er denkt.
Spr 26,6 Wer eine Botschaft durch einen Unzuverlässigen überbringen lässt, der
kann sich genauso gut die Füße abhacken - es bringt ihm nichts als Unglück!
Spr 26,7 Ein Tagträumer kann mit einem Weisheitsspruch genauso wenig umgehen wie
ein Lahmer mit seinen Beinen.
Spr 26,8 Wer einem Übermütigen Ehre und Anerkennung erweist, handelt genauso
sinnlos wie jemand, der einen Stein in der Schleuder festbindet.
Spr 26,9 Der Betrunkene kann sich nicht erklären, wie ein Dorn in seine Hand
geriet - genauso unerklärlich ist ein Weisheitsspruch im Mund eines Dummkopfs.
Spr 26,10 So unverantwortlich wie ein Schütze, der wild um sich schießt,
handelt, wer einen Unverständigen oder einen Dahergelaufenen für sich arbeiten
lässt.
Spr 26,11 Ein Tagträumer, der auf seiner Dummheit beharrt, gleicht einem Hund,
der wieder frisst, was er herausgewürgt hat.
Spr 26,12 Kennst du jemanden, der sich selbst für weise hält? Ich sage dir: Für
einen Dummkopf gibt es mehr Hoffnung als für ihn!
Spr 26,13 Der Faulpelz hat immer eine Ausrede: »Ich kann nicht zur Arbeit
gehen«, sagt er, »auf der Straße könnte ja ein Löwe auf mich warten!«
Spr 26,14 Die Tür dreht sich in der Angel - und der Faule in seinem Bett!
Spr 26,15 Ein fauler Mensch streckt seine Hand nach dem Essen aus, aber er ist
zu bequem, sie zurück zum Mund zu führen!
Spr 26,16 Ein Faulpelz meint, es mit sieben Verständigen aufnehmen zu können.
Spr 26,17 Wer sich in einen fremden Streit einmischt, handelt sich unnötig Ärger
ein wie jemand, der einen vorbeilaufenden Hund bei den Ohren packt.
Spr 26,18 Wer einen anderen betrügt und dann sagt: »Ich habe doch nur Spaß
gemacht!«,
Spr 26,19 der ist wie ein Verrückter, der mit tödlichen Waffen um sich schießt!
Spr 26,20 Ohne Holz geht ein Feuer aus, und ohne Verleumder legt sich der
Streit.
Spr 26,21 Ein streitsüchtiger Mensch lässt den Zank aufflammen wie Kohle die
Glut und Holz das Feuer.
Spr 26,22 Das Geschwätz eines Verleumders ist so verlockend! Es wird begierig
verschlungen wie ein Leckerbissen und bleibt für immer im Gedächtnis haften.
Spr 26,23 Schmeichelnde Worte, die böse Gedanken verbergen, sind wie eine
Silberglasur über billigem Tongeschirr.
Spr 26,24 Ein gehässiger Mensch will andere täuschen und verstellt sich mit
schönen Worten.
Spr 26,25 Darum traue ihm nicht, auch wenn seine Stimme noch so freundlich
klingt, denn seine Seele ist mit Hass durchtränkt!
Spr 26,26 Mag er seinen Hass auch durch Heuchelei verbergen - früher oder später
kommt seine Bosheit vor aller Augen ans Licht!
Spr 26,27 Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein; und wer mit Steinen
wirft, wird selbst getroffen!
Spr 26,28 Ein Lügner ist voller Hass und kennt kein Mitleid; wer andere
verleumdet, bringt sie zu Fall.
Spr 27,1 Brüste dich nicht mit dem, was du morgen tun willst, denn du weißt
nicht, was der Tag dir bringt!
Spr 27,2 Überlass es anderen, dich zu loben! Es ist besser, ein Fremder rühmt
dich, als du selbst!
Spr 27,3 Schon ein Stein oder eine Karre Sand sind sehr schwer - aber der Ärger
über einen Dummkopf wiegt mehr als beide zusammen!
Spr 27,4 Heftiger Zorn und große Wut sind grausam - gegen die Eifersucht aber
verblassen sie beide!
Spr 27,5 Liebe, die offen zurechtweist, ist besser als Liebe, die sich ängstlich
zurückhält.
Spr 27,6 Ein Freund meint es gut, selbst wenn er dich verletzt; ein Feind aber
schmeichelt dir mit übertrieben vielen Küssen.
Spr 27,7 Wer satt ist, will auch den besten Honig nicht mehr sehen; dem
Hungrigen aber schmeckt sogar das Bittere süß.
Spr 27,8 Wer seine Heimat verlässt, ist wie ein Vogel, der seinem Nest
entflieht.
Spr 27,9 Duftendes Öl und Weihrauch erfreuen das Herz, aber noch angenehmer und
wertvoller ist der gute Rat eines Freundes.
Spr 27,10 Verlass niemals deinen Freund oder den Freund deines Vaters! Wenn du
in Not gerätst, dann geh nicht bis zum Haus deines Bruders! Ein Nachbar in der
Nähe kann dir besser helfen als der Bruder in der Ferne.
Spr 27,11 Sei verständig, mein Sohn! Damit machst du mir Freude, und ich kann
denen entgegentreten, die meine Arbeit verachten.
Spr 27,12 Der Kluge sieht das Unglück voraus und bringt sich in Sicherheit; ein
Unerfahrener rennt mitten hinein und muss die Folgen tragen.
Spr 27,13 Wenn jemand so unüberlegt war, für die Schulden eines Fremden zu
bürgen, dann nimm von seinem Besitz etwas als Pfand!
Spr 27,14 Wenn jemand seinen Nachbarn frühmorgens mit lauter Stimme begrüßt,
dann wird es ihm als Verwünschung ausgelegt.
Spr 27,15 Eine Frau, die ständig nörgelt, ist so unerträglich wie ein tropfendes
Dach bei Dauerregen!
Spr 27,16 Sie zum Schweigen zu bringen, ist so sinnlos, wie den Wind zu fangen
oder Öl mit den Händen zu halten!
Spr 27,17 Wie man Eisen durch Eisen schleift, so schleift ein Mensch den
Charakter eines anderen.
Spr 27,18 Wer seinen Feigenbaum pflegt, kann die Früchte ernten; wer sich für
seinen Herrn einsetzt, der findet Anerkennung.
Spr 27,19 Im Wasser spiegelt sich dein Gesicht, und in deinen Gedanken und
Gefühlen erkennst du dich selbst!
Spr 27,20 Der Abgrund des Totenreiches ist unersättlich - ebenso die Augen des
Menschen: sie wollen immer mehr!
Spr 27,21 Gold und Silber werden im Ofen und im Tiegel geprüft, der Prüfstein
eines Menschen ist sein Ruf.
Spr 27,22 Du kannst einen Unverständigen noch so lange schlagen - seine Dummheit
wirst du doch nicht aus ihm herausprügeln!
Spr 27,23 Kümmere dich um deine Viehherden, sorge für deine Schafe und Ziegen,
Spr 27,24 denn Reichtum bleibt nicht für immer, und selbst Königreiche vergehen!
Spr 27,25 Mähe die Wiesen, damit frisches Gras nachwachsen kann, und hole das
Heu von den Bergen!
Spr 27,26 Aus der Wolle der Schafe kannst du Kleider anfertigen, und von dem
Geld, das du für die Ziegenböcke bekamst, kaufst du neues Land.
Spr 27,27 Die Ziegen geben Milch für dich und deine Familie und für alle deine
Bediensteten.
Spr 28,1 Wer sich von Gott losgesagt hat, ist auf der Flucht, auch wenn niemand
ihn verfolgt; wer aber Gott gehorcht, fühlt sich sicher wie ein Löwe.
Spr 28,2 Wenn ein Volk sich in Schuld verstrickt, dann spielen viele sich als
Herrscher auf. Aber durch einen vernünftigen und einsichtsvollen Mann an der
Spitze herrschen Recht und Ordnung.
Spr 28,3 Ein Armer, der die Armen ausbeutet, ist so schrecklich wie ein
Unwetter, das den Ackerboden wegschwemmt und die Ernte verdirbt.
Spr 28,4 Wer Gottes Gesetz nicht beachtet, lobt den, der Unrecht tut. Wer sich
aber an das Gesetz hält, bekämpft die Gottlosen.
Spr 28,5 Böse Menschen verstehen nicht, was richtig und gut ist; wer aber dem
Herrn dient, weiß, worauf es ankommt.
Spr 28,6 Lieber arm sein und ehrlich leben, als reich sein und betrügen!
Spr 28,7 Ein junger Mann, der das Gesetz Gottes beachtet, ist klug. Wer aber mit
Verschwendern Umgang pflegt, macht seinen Eltern Schande.
Spr 28,8 Wer seinen Reichtum durch Aufpreis und Zinsen vermehrt, muss sein
Vermögen einmal dem überlassen, der den Armen hilft.
Spr 28,9 Wer auf Gott nicht hören will, den will auch Gott nicht hören - sein
Gebet ist Gott zuwider!
Spr 28,10 Wer aufrichtige Menschen dazu verführt, Böses zu tun, wird in seine
eigene Falle stürzen. Der Ehrliche aber wird reich belohnt.
Spr 28,11 Der Reiche hält sich selbst für klug, aber ein Armer, der Verstand
besitzt, durchschaut ihn.
Spr 28,12 Wenn Menschen, die Gott gehorchen, an die Macht kommen, brechen
herrliche Zeiten an; aber wenn Gottlose regieren, verstecken sich die Leute.
Spr 28,13 Wer seine Sünden vertuscht, hat kein Glück; wer sie aber bekennt und
meidet, über den erbarmt sich der Herr.
Spr 28,14 Glücklich ist, wer Gott zu jeder Zeit gehorcht! Wer sich aber
innerlich verhärtet, wird ins Unglück stürzen.
Spr 28,15 Ein Herrscher, der Gott missachtet, gleicht einem brüllenden Löwen und
einem gereizten Bären - ein armes Volk ist machtlos gegen ihn!
Spr 28,16 Ein Machthaber ohne Verstand beutet seine Untergebenen aus; wer aber
unehrlich erworbenen Gewinn hasst, der hat ein langes Leben.
Spr 28,17 Ein Mörder ist bis zu seinem Tode immer auf der Flucht - niemand soll
ihn dabei aufhalten!
Spr 28,18 Wer ehrlich ist, dem wird immer geholfen; wer aber krumme Wege geht,
wird plötzlich zu Fall kommen.
Spr 28,19 Wer seine Felder bestellt, hat genug zu essen; wer unsicheren
Geschäften nachjagt, auf den wartet die Armut!
Spr 28,20 Ein zuverlässiger Mensch wird reich beschenkt; doch wer sich um jeden
Preis bereichern will, bleibt nicht ungestraft.
Spr 28,21 Es ist nicht gut, parteiisch zu sein; aber manch einer lässt sich
schon für einen Bissen Brot zum Unrecht verleiten!
Spr 28,22 Ein neidischer Mensch giert nach Reichtum und weiß nicht, dass Armut
über ihn kommen wird!
Spr 28,23 Wer einen anderen zurechtweist, wird letzten Endes mehr Dank bekommen
als jemand, der den Leuten nur nach dem Munde redet.
Spr 28,24 Wer Vater oder Mutter beraubt und sagt: »Das ist kein Unrecht!«, der
ist nicht besser als ein Verbrecher!
Spr 28,25 Habgier führt zu Streit; wer aber dem Herrn vertraut, dem fehlt
nichts.
Spr 28,26 Wer sich nur auf seinen Verstand verlässt, ist ein Dummkopf. Gestalte
dein Leben nach der Weisheit, die Gott gibt, dann bist du in Sicherheit!
Spr 28,27 Hilf dem Armen, dann wirst du selbst nie Mangel leiden! Wenn du deine
Augen vor der Not verschließt, werden viele dich verfluchen.
Spr 28,28 Wenn gottlose Herrscher regieren, verstecken sich die Leute. Doch wenn
sie umkommen, leben alle, die Gott gehorchen, wieder auf.
Spr 29,1 Wer oft ermahnt wird und trotzdem eigensinnig bleibt, der nimmt
plötzlich ein schreckliches Ende - ohne jede Hoffnung auf Rettung!
Spr 29,2 Wenn Menschen, die Gott gehorchen, die Herrschaft ausüben, freut sich
ein Volk. Wenn aber ein gottloser Herrscher regiert, kann es nur noch stöhnen.
Spr 29,3 Wenn du Weisheit liebst, machst du deinen Eltern Freude. Wenn du dich
mit Huren einlässt, verschleuderst du dein Vermögen!
Spr 29,4 Wenn ein König das Recht beachtet, lebt sein Volk in Glück und
Sicherheit; doch wenn er immer neue Steuern aus ihnen herauspresst, richtet er
das Land zugrunde.
Spr 29,5 Wer andere mit schmeichelnden Worten umgarnt, breitet ein Fangnetz vor
ihren Füßen aus.
Spr 29,6 Der Böse verstrickt sich immer tiefer in seine Schuld; wer aber Gott
gehorcht, singt vor Freude und Glück!
Spr 29,7 Wer Gott liebt, verhilft den Armen zu ihrem Recht; doch der Gottlose
empfindet für sie kein Mitgefühl.
Spr 29,8 Spötter bringen die ganze Stadt in Aufruhr, weise Menschen jedoch
wenden den Zorn ab.
Spr 29,9 Wenn ein verständiger Mensch mit einem unverbesserlichen einen
Rechtsstreit führt, dann lacht dieser nur, oder er fängt an zu toben - aber
sagen lässt er sich nichts!
Spr 29,10 Mörder hassen jeden Unschuldigen; ehrliche Menschen aber setzen alles
ein, um das Leben der Unschuldigen zu retten.
Spr 29,11 Nur ein Dummkopf lässt seinem Zorn freien Lauf, ein Verständiger hält
seinen Unmut zurück.
Spr 29,12 Wenn ein Herrscher auf die Worte von Lügnern hört, werden alle seine
Untergebenen zu Betrügern!
Spr 29,13 Der Arme und sein Ausbeuter haben eins gemeinsam: Gott gab beiden das
Augenlicht!
Spr 29,14 Wenn ein König die Armen gerecht behandelt, dann steht seine Regierung
fest und sicher.
Spr 29,15 Strenge Erziehung bringt ein Kind zur Vernunft. Ein Kind, das sich
selbst überlassen wird, macht seinen Eltern Schande.
Spr 29,16 Je mehr gottlose Menschen, desto mehr Verbrechen. Wer aber Gott
vertraut, wird den Untergang dieser Leute erleben.
Spr 29,17 Erziehe dein Kind mit Strenge! Dann wird es dir viel Freude machen.
Spr 29,18 Ohne die Weisung von Propheten verwildert ein Volk; doch es blüht auf,
wenn es Gottes Gesetz befolgt!
Spr 29,19 Einen Sklaven kannst du nicht mit Worten allein ermahnen. Er versteht
sie zwar, aber er wird sie nicht beachten.
Spr 29,20 Kennst du jemanden, der redet, ohne vorher überlegt zu haben? Ich sage
dir: Für einen Dummkopf gibt es mehr Hoffnung als für ihn!
Spr 29,21 Wenn du einen Sklaven von Anfang an verwöhnst, wird er sich
schließlich über dich erheben!
Spr 29,22 Wer schnell aufbraust, ruft Streit hervor; und ein Jähzorniger lädt
viel Schuld auf sich!
Spr 29,23 Wer hochmütig ist, wird schließlich erniedrigt werden; der Bescheidene
dagegen wird geehrt.
Spr 29,24 Wer mit einem Dieb die Beute teilt, der muss lebensmüde sein! Er hört
den Fluch des Gerichts, aber anzeigen kann er den Räuber nicht.
Spr 29,25 Wer das Urteil der Menschen fürchtet, gerät in ihre Abhängigkeit; wer
dem Herrn vertraut, ist gelassen und sicher.
Spr 29,26 Viele suchen die Gunst eines Herrschers, doch der Herr allein
verschafft jedem Recht!
Spr 29,27 Wer Gott liebt, verabscheut den Übeltäter. Wer Gott missachtet,
verabscheut den Aufrichtigen.
Spr 30,1 Folgende Worte stammen von Agur, dem Sohn Jakes aus Massa. Dieser Mann
sagte: Ich habe mich abgemüht, o Gott, ich habe mich abgemüht und bin am Ende!
Spr 30,2 Denn ich bin dümmer als jeder andere Mensch und besitze keinen
Verstand.
Spr 30,3 Ich habe keine Weisheit erlangt, ich weiß fast nichts über den
lebendigen Gott und bin mit ihm nicht vertraut.
Spr 30,4 Sag mir: Wer ist jemals zum Himmel hinauf- und wieder hinabgestiegen?
Wer hat den Wind mit seinen Händen gezähmt oder die Wassermassen gebändigt? Wer
setzte die Grenzen der Erde fest? Wenn du einen solchen Menschen kennst, dann
nenn mir seinen Namen und den seines Sohnes!
Spr 30,5 Was Gott sagt, ist wahr und zuverlässig; er beschützt alle, die Schutz
bei ihm suchen.
Spr 30,6 Füge seinen Worten nichts hinzu, sonst zieht er dich zur Rechenschaft,
und du stehst als Lügner da!
Spr 30,7 Herr, ich bitte dich um zweierlei, erfülle mir doch diese Bitten,
solange ich lebe:
Spr 30,8 Bewahre mich davor, zu lügen und zu betrügen, und lass mich weder arm
noch reich sein! Gib mir nur so viel, wie ich zum Leben brauche!
Spr 30,9 Denn wenn ich zu viel besitze, bestreite ich vielleicht, dass ich dich
brauche, und frage: »Wer ist denn schon der Herr?« Wenn ich aber zu arm bin,
werde ich vielleicht zum Dieb und bereite dir, meinem Gott, damit Schande!
Spr 30,10 Mach einen Diener bei seinem Herrn nicht schlecht, sonst verflucht er
dich, und du musst es büßen!
Spr 30,11 Was müssen das für Leute sein, die ihren Vater verfluchen und ihre
Mutter missachten!
Spr 30,12 Was müssen das für Leute sein, die sich selbst für untadelig halten
und doch besudelt sind mit ihrer Schuld!
Spr 30,13 Was müssen das für Leute sein, die hochmütig und überheblich auf
andere herabschauen!
Spr 30,14 Was müssen das für Leute sein, die alle Armen und Hilflosen
rücksichtslos ausbeuten und von der Erde vertilgen!
Spr 30,15 Manche Leute sind wie Blutegel: »Gib her, gib her!«, fordern sie und
saugen andere damit aus. Drei sind unersättlich, und auch das Vierte bekommt
niemals genug:
Spr 30,16 das Reich der Toten, eine unfruchtbare Frau, die gerne Kinder haben
möchte, trockener Boden, der nach Regen dürstet, und das Feuer, das gierig immer
weiterfrisst.
Spr 30,17 Wer spöttisch auf seinen Vater herabsieht und seiner Mutter nicht
gehorchen will, dem werden die Raben die Augen aushacken, und die Geier werden
ihn auffressen!
Spr 30,18 Drei Dinge sind mir rätselhaft, und auch das Vierte verstehe ich
nicht:
Spr 30,19 der Flug des Adlers am Himmel, das Schleichen der Schlange über einen
Felsen, die Fahrt des Schiffes über das tiefe Meer und die Liebe zwischen Mann
und Frau!
Spr 30,20 So benimmt sich eine untreue Frau: Sie schläft mit einem anderen Mann,
wäscht sich und sagt: »Ich habe doch nichts Böses getan!«
Spr 30,21 Durch drei Begebenheiten wird ein Land erschüttert, und auch das
Vierte kann es nicht ertragen:
Spr 30,22 wenn ein Sklave König wird, wenn ein Unverständiger Reichtum erlangt,
Spr 30,23 wenn eine von allen verschmähte Frau geheiratet wird und wenn eine
Sklavin die Herrin aus ihrer Stellung verdrängt.
Spr 30,24 Vier Tiere sind sehr klein und doch überaus klug:
Spr 30,25 die Ameisen - sie sind ein schwaches Volk, und doch legen sie im
Sommer einen Vorrat an;
Spr 30,26 die Klippdachse - sie sind nicht kräftig, aber sie bauen ihren
Unterschlupf in den unzugänglichen Felsklüften;
Spr 30,27 die Heuschrecken - sie haben zwar keinen König, aber sie ziehen in
geordneten Scharen aus;
Spr 30,28 die Eidechsen - du kannst sie mit den Händen fangen, und doch findest
du sie in Palästen!
Spr 30,29 Drei schreiten stolz umher, und auch der Vierte hat einen
majestätischen Gang:
Spr 30,30 der Löwe, König der Tiere, der vor nichts Angst hat;
Spr 30,31 ein Hahn, der umherstolziert; ein Ziegenbock und ein König, der sein
Heer anführt.
Spr 30,32 Wenn du meinst, du seist besser als andere, ob zu Recht oder zu
Unrecht, dann halte den Mund, und schweig lieber!
Spr 30,33 Denn wenn man Milch schlägt, gibt es Butter; schlägt man die Nase,
kommt Blut heraus; und reizt man den Zorn, dann gibt es Streit!
Spr 31,1 Folgende Worte stammen von König Lemuel; seine Mutter gab sie ihm mit
auf den Weg.
Spr 31,2 Sie sagte: »Du bist mein Sohn - ich habe Gott um einen Sohn gebeten,
und du bist die Antwort! Was soll ich dir raten?
Spr 31,3 Lass nicht deine ganze Kraft bei den Frauen, das hat schon viele Könige
zu Fall gebracht!
Spr 31,4 Höre, Lemuel, ein König soll sich nicht betrinken und dem Wein nicht
ergeben sein!
Spr 31,5 Er könnte sonst im Rausch das Recht vernachlässigen und die Not der
Bedürftigen vergessen.
Spr 31,6 Gebt den Wein lieber denen, die dahinsiechen und verbittert sind!
Spr 31,7 Lasst sie trinken und im Rausch ihre Armut und Mühsal vergessen!
Spr 31,8 Du aber tritt für die Leute ein, die sich selbst nicht verteidigen
können! Schütze das Recht der Hilflosen!
Spr 31,9 Sprich für sie, und regiere gerecht! Hilf den Armen und Unterdrückten!«
Spr 31,10 Eine tüchtige Frau - wer findet sie schon? Sie ist wertvoller als
viele Juwelen!
Spr 31,11 Ihr Mann kann sich auf sie verlassen, sie bewahrt und vergrößert
seinen Besitz.
Spr 31,12 Ihr Leben lang tut sie ihm Gutes, niemals fügt sie ihm Leid zu.
Spr 31,13 Sie besorgt sich Wolle und Flachs und verarbeitet es mit geschickten
Händen.
Spr 31,14 Von weit her schafft sie Nahrung herbei, wie ein Handelsschiff aus
fernen Ländern.
Spr 31,15 Noch vor Tagesanbruch steht sie auf und bereitet das Essen; den Mägden
sagt sie, was zu tun ist.
Spr 31,16 Sie hält Ausschau nach einem ertragreichen Feld und kauft es; von dem
Geld, das ihre Arbeit einbringt, pflanzt sie einen Weinberg.
Spr 31,17 Unermüdlich und voller Tatkraft ist sie bei der Arbeit; was getan
werden muss, das packt sie an!
Spr 31,18 Sie merkt, dass ihr Fleiß Gewinn bringt; beim Licht der Lampe arbeitet
sie bis spät in die Nacht.
Spr 31,19 Ihre Stoffe webt und spinnt sie selbst.
Spr 31,20 Sie erbarmt sich über die Armen und gibt den Bedürftigen, was sie
brauchen.
Spr 31,21 Den kalten Winter fürchtet sie nicht, denn ihre ganze Familie hat
Kleider aus guter und warmer Wolle.
Spr 31,22 Sie fertigt schöne Decken an, und ihre Kleider macht sie aus feinem
Leinen und purpurroter Seide.
Spr 31,23 Ihr Mann ist überall bekannt, und was er sagt, hat großes Gewicht im
Rat der Stadt.
Spr 31,24 Sie näht Kleidung aus wertvollen Stoffen und verkauft sie, ihre selbst
gemachten Gürtel bietet sie den Händlern an.
Spr 31,25 Sie ist eine würdevolle und angesehene Frau, zuversichtlich blickt sie
in die Zukunft.
Spr 31,26 Sie redet nicht gedankenlos, und ihre Anweisungen gibt sie freundlich.
Spr 31,27 Sie kennt und überwacht alles, was in ihrem Haus vor sich geht - nur
Faulheit kennt sie nicht!
Spr 31,28 Ihre Söhne reden voller Stolz von ihr, und ihr Mann lobt sie mit
überschwänglichen Worten:
Spr 31,29 »Es gibt wohl viele gute und tüchtige Frauen, aber du übertriffst sie
alle!«
Spr 31,30 Anmut kann täuschen, und Schönheit vergeht wie der Wind - doch wenn
eine Frau Gott gehorcht, verdient sie Lob!
Spr 31,31 Rühmt sie für ihre Arbeit und Mühe! In der ganzen Stadt soll sie für
ihre Taten geehrt werden!
Pred 1,1 In diesem Buch sind die Worte des Predigers aufgeschrieben. Er war ein
Sohn Davids und herrschte als König in Jerusalem.
Pred 1,2 Alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, nichts hat
Bestand, ja, alles ist völlig sinnlos!
Pred 1,3 Der Mensch plagt sich ab sein Leben lang, doch was bringt es ihm ein?
Hat er irgendeinen Gewinn davon?
Pred 1,4 Generationen kommen und gehen, nur die Erde bleibt für alle Zeiten
bestehen!
Pred 1,5 Die Sonne geht auf und wieder unter, dann eilt sie dorthin, wo sie aufs
Neue aufgeht.
Pred 1,6 Der Wind weht bald von Norden, bald von Süden, ruhelos dreht er sich,
schlägt ständig um und kommt dann am Ende wieder aus der alten Richtung.
Pred 1,7 Unaufhörlich fließen die Flüsse, sie alle münden ins Meer, und doch
wird das Meer niemals voll.
Pred 1,8 Nichts kann der Mensch vollkommen in Worte fassen, so sehr er sich auch
darum bemüht! Das Auge sieht sich niemals satt, und auch das Ohr hat nie genug
gehört.
Pred 1,9 Was früher geschehen ist, wird wieder geschehen; was man früher getan
hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne!
Pred 1,10 Zwar sagt man ab und zu: »So etwas ist noch nie da gewesen!«, aber
auch dies hat es schon einmal gegeben, in längst vergangenen Zeiten!
Pred 1,11 Niemand denkt mehr an das, was früher geschehen ist, und auch an die
Taten unserer Nachkommen werden sich deren Kinder einmal nicht mehr erinnern.
Pred 1,12 Ich, der Prediger, war König von Israel und regierte in Jerusalem.
Pred 1,13 Ich gab mir viel Mühe, alles auf der Welt mit meiner Weisheit zu
erforschen und zu begreifen. Doch was für eine große Last ist das! Gott hat sie
den Menschen auferlegt, sie sollen sich damit abmühen!
Pred 1,14 Ich beobachtete, was auf der Welt geschieht, und erkannte: Alles ist
vergebliche Mühe - gerade so, als wollte man den Wind einfangen.
Pred 1,15 Was krumm gewachsen ist, kann man nicht gerade biegen, und was nicht
da ist, kann man nicht zählen.
Pred 1,16 Ich überlegte und sagte mir: »Ich habe große Weisheit erlangt und viel
Wissen erworben, mehr als jeder andere, der vor mir in Jerusalem regierte.«
Pred 1,17 Doch dann dachte ich darüber nach, was die Weisheit ausmacht und worin
sie sich von Unvernunft und Verblendung unterscheidet, und ich erkannte: Wer
sich um Weisheit bemüht, kann genauso gut versuchen, den Wind einzufangen!
Pred 1,18 Je größer die Weisheit, desto größer der Kummer; und wer sein Wissen
vermehrt, der vermehrt auch seinen Schmerz.
Pred 2,1 Also sagte ich mir: »Versuch fröhlich zu sein und das Leben zu
genießen!« Doch ich merkte, dass auch dies sinnlos ist.
Pred 2,2 Mein Lachen erschien mir töricht, und das Vergnügen - was hilft es
schon?
Pred 2,3 Da nahm ich mir vor, mich mit Wein zu berauschen und so zu leben wie
die Unverständigen - doch bei allem sollte die Weisheit mich führen. Ich wollte
herausfinden, was für die Menschen gut ist und ob sie in der kurzen Zeit ihres
Lebens irgendwo Glück finden können.
Pred 2,4 Ich schuf große Dinge: Ich baute mir Häuser und pflanzte Weinberge.
Pred 2,5 Ich legte Ziergärten und riesige Parks für mich an und bepflanzte sie
mit Fruchtbäumen aller Art.
Pred 2,6 Ich baute große Teiche, um den Wald mit seinen jungen Bäumen zu
bewässern.
Pred 2,7 Ich erwarb Knechte und Mägde zu denen hinzu, die schon lange bei uns
lebten und zu Zeiten meines Vaters in unserem Haus geboren wurden. Ich besaß
größere Rinder- und Schafherden als alle, die vor mir in Jerusalem regiert
hatten.
Pred 2,8 Meine Schatzkammern füllte ich mit Silber und Gold, mit Schätzen aus
anderen Königreichen. Ich ließ Sänger und Sängerinnen an meinen Hof kommen und
hatte alle Frauen, die ein Mann sich nur wünschen kann.
Pred 2,9 So wurde ich berühmter und reicher als jeder, der vor mir in Jerusalem
regiert hatte, und meine Weisheit verlor ich dabei nicht.
Pred 2,10 Ich gönnte mir alles, was meine Augen begehrten, und erfüllte mir
jeden Herzenswunsch. Meine Mühe hatte sich gelohnt: Ich war glücklich und
zufrieden.
Pred 2,11 Doch dann dachte ich nach über das, was ich erreicht hatte, und wie
hart ich dafür arbeiten musste, und ich erkannte: Alles war letztendlich sinnlos
- als hätte ich versucht, den Wind einzufangen! Es gibt auf dieser Welt keinen
bleibenden Gewinn.
Pred 2,12 Ich überlegte: Worin unterscheidet sich der Weise vom Unverständigen
und Verblendeten? Was wird der Mann tun, der einmal als mein Nachfolger auf dem
Königsthron sitzen wird? Was schon jeder vor ihm getan hat?
Pred 2,13 Ja, ich weiß, dass man sagt: »Weisheit ist besser als Unvernunft, so
wie Licht besser ist als Finsternis.
Pred 2,14 Der Weise läuft mit offenen Augen durch die Welt, doch der
Unvernünftige tappt im Dunkeln.« Und trotzdem wartet auf beide das gleiche Los!
Pred 2,15 Als ich das erkannte, fragte ich mich: Wenn mich das gleiche Schicksal
trifft wie den Unverständigen - wozu habe ich dann überhaupt nach Weisheit
gesucht? Da begriff ich, dass auch das Streben nach Weisheit sinnlos ist.
Pred 2,16 Denn später erinnert sich niemand mehr an den Weisen, genauso wenig
wie an den Unwissenden. Wie bald sind beide vergessen - der Tod macht keinen
Unterschied!
Pred 2,17 Da begann ich das Leben zu verabscheuen, alles auf der Welt war mir
zuwider. Denn es ist so sinnlos, als wollte man den Wind einfangen.
Pred 2,18 Auch mein Besitz, für den ich mich mein Leben lang abgemüht hatte, war
mir verleidet, denn ich begriff, dass ich einmal alles meinem Nachfolger
hinterlassen muss.
Pred 2,19 Und wer weiß schon, ob der weise oder töricht sein wird? Doch er wird
alles besitzen, was ich durch meine Arbeit und mein Wissen erworben habe. Wie
sinnlos!
Pred 2,20 Als ich das erkannte, begann ich zu verzweifeln, weil ich mich mein
Leben lang so geplagt hatte.
Pred 2,21 Da hat man mit seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinem Fleiß
etwas erreicht und muss es dann an einen anderen abtreten, der sich nie darum
gekümmert hat! Das ist so sinnlos und ungerecht!
Pred 2,22 Denn was bleibt dem Menschen von seiner Mühe und von all seinen
Plänen?
Pred 2,23 Sein Leben lang hat er nichts als Ärger und Sorgen, sogar nachts
findet er keine Ruhe! Und doch ist alles vergeblich.
Pred 2,24 Das Beste, was ein Mensch da tun kann, ist: essen und trinken und die
Früchte seiner Arbeit genießen. Doch das kann nur Gott ihm schenken!
Pred 2,25 Denn wer kann essen und genießen ohne ihn?
Pred 2,26 Dem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit, Erkenntnis und
Freude. Doch wer Gott missachtet, den lässt er sammeln und anhäufen, um dann
alles dem zu geben, den er liebt. Dann war die ganze Mühe des einen vergeblich,
als hätte er versucht, den Wind einzufangen!
Pred 3,1 Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit:
Pred 3,2 Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen,
Pred 3,3 Töten und Heilen, Niederreißen und Aufbauen,
Pred 3,4 Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen,
Pred 3,5 Steinewerfen und Steinesammeln, Umarmen und Loslassen,
Pred 3,6 Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen,
Pred 3,7 Zerreißen und Zusammennähen, Reden und Schweigen,
Pred 3,8 Lieben und Hassen, Krieg und Frieden.
Pred 3,9 Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht?
Pred 3,10 Ich habe erkannt: Gott legt ihm diese Last auf, damit er schwer daran
zu tragen hat.
Pred 3,11 Für alles auf der Welt hat Gott schon vorher die rechte Zeit bestimmt.
In das Herz des Menschen hat er den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig
ist. Aber der Mensch kann Gottes Werke nie voll und ganz begreifen.
Pred 3,12 So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres
gibt, als sich zu freuen und das Leben zu genießen.
Pred 3,13 Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner
Arbeit freuen kann, ist das allein Gottes Geschenk.
Pred 3,14 Ich begriff, dass Gottes Werk für immer bestehen wird. Niemand kann
etwas hinzufügen oder wegnehmen. Damit bewirkt Gott, dass die Menschen Ehrfurcht
vor ihm haben.
Pred 3,15 Was immer sich auch ereignet oder noch ereignen wird - alles ist schon
einmal da gewesen. Gott lässt von neuem geschehen, was in Vergessenheit geriet.
Pred 3,16 Ich habe beobachtet, wie es auf dieser Welt zugeht: Wo man eigentlich
Recht sprechen und gerechte Urteile fällen sollte, herrscht schreiende
Ungerechtigkeit.
Pred 3,17 Doch dann dachte ich: Am Ende wird Gott den Schuldigen richten und dem
Unschuldigen zum Recht verhelfen. Denn dafür hat er eine Zeit vorherbestimmt, so
wie für alles auf der Welt.
Pred 3,18 Ich habe begriffen, dass Gott die Menschen prüft. Sie sollen erkennen:
Nichts unterscheidet sie von den Tieren.
Pred 3,19 Denn auf Mensch und Tier wartet das gleiche Schicksal: Beiden gab Gott
das Leben, und beide müssen sterben. Der Mensch hat dem Tier nichts voraus, denn
auch er ist vergänglich.
Pred 3,20 Sie alle gehen an denselben Ort - aus dem Staub der Erde sind sie
entstanden, und zum Staub der Erde kehren sie zurück.
Pred 3,21 Wer weiß schon, ob der Geist des Menschen wirklich nach oben steigt,
der Geist des Tieres aber in die Erde hinabsinkt?
Pred 3,22 So erkannte ich: Ein Mensch kann nichts Besseres tun, als die Früchte
seiner Arbeit zu genießen - das ist sein einziger Lohn. Denn niemand kann sagen,
was nach dem Tod geschehen wird!
Pred 4,1 Dann wieder sah ich, wie viele Menschen auf dieser Welt ausgebeutet
werden. Die Unterdrückten weinen, und niemand setzt sich für sie ein. Keiner
hilft ihnen, denn ihre Unterdrücker sind zu mächtig und schrecken auch vor
Gewalt nicht zurück.
Pred 4,2 Wie glücklich sind doch die Toten, sie haben es viel besser als die
Lebenden!
Pred 4,3 Noch besser aber geht es denen, die gar nicht erst geboren wurden! Sie
haben das schreiende Unrecht auf dieser Welt nie sehen müssen.
Pred 4,4 Nun weiß ich, warum die Menschen so hart arbeiten und so viel Erfolg
haben: Sie tun es nur, um die anderen in den Schatten zu stellen! Auch das ist
so sinnlos, als wollten sie den Wind einfangen.
Pred 4,5 Zwar sagt man: »Der dumme Faulpelz legt die Hände in den Schoß und
verhungert«,
Pred 4,6 ich aber meine: Besser nur eine Hand voll besitzen und Ruhe genießen
als viel Besitz haben und alle Hände voll zu tun. Denn im Grunde lohnt sich das
ja nicht.
Pred 4,7 Noch etwas Sinnloses habe ich auf dieser Welt beobachtet:
Pred 4,8 Manch einer lebt völlig allein, niemand ist bei ihm. Auch einen Sohn
oder Bruder hat er nicht. Trotzdem arbeitet er ohne Ende und ist nie zufrieden
mit seinem Besitz. Aber für wen mühe ich mich dann ab und gönne mir nichts Gutes
mehr? Das ist doch kein Leben, so vergeudet man nur seine Zeit!
Pred 4,9 Zwei haben es besser als einer allein, denn zusammen können sie mehr
erreichen.
Pred 4,10 Stürzt einer von ihnen, dann hilft der andere ihm wieder auf die
Beine. Doch wie schlecht steht es um den, der alleine ist, wenn er hinfällt!
Niemand ist da, der ihm wieder aufhilft!
Pred 4,11 Wenn zwei in der Kälte zusammenliegen, wärmt einer den anderen, doch
wie soll einer allein warm werden?
Pred 4,12 Einer kann leicht überwältigt werden, doch zwei sind dem Angriff
gewachsen. Man sagt ja auch: »Ein Seil aus drei Schnüren reißt nicht so
schnell!«
Pred 4,13 Besser ein junger Mann, der arm, aber weise ist, als ein alter und
törichter König, der keine Ratschläge annimmt!
Pred 4,14 Ich sah, wie man einen jungen Mann aus dem Gefängnis holte und ihn zum
König machte, obwohl er arm zur Welt gekommen war, als der alte König bereits
regierte.
Pred 4,15 Alle Menschen stellten sich auf die Seite des jungen Mannes, er sollte
die Herrschaft übernehmen.
Pred 4,16 Die begeisterte Volksmenge lief ihm nach, aber bald schon waren sie
auch mit ihm nicht mehr zufrieden, und sein Ruhm erlosch schnell. So war alles
umsonst, als hätte er versucht, den Wind einzufangen!
Pred 4,17 Besinne dich, bevor du zum Tempel Gottes gehst! Geh nur hin, wenn du
wirklich auf Gott hören willst. Das ist viel wertvoller als die Opfer der
Unverständigen. Denn sie wissen nicht, worauf es ankommt; sie merken nicht, wenn
sie Böses tun.
Pred 5,1 Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist
im Himmel, und du bist auf der Erde - also sei sparsam mit deinen Worten!
Pred 5,2 Man sagt doch: »Wer zu geschäftig ist, träumt bald unruhig, und wer zu
viel redet, sagt leicht etwas Dummes.«
Pred 5,3 Wenn du vor Gott ein Gelübde abgelegt hast, dann zögere nicht, es zu
erfüllen! Menschen, die leichtfertige Versprechungen machen, gefallen Gott nicht
- darum tu, was du ihm geschworen hast!
Pred 5,4 Besser du versprichst gar nichts, als dass du ein Versprechen nicht
hältst!
Pred 5,5 Leg kein unbedachtes Gelübde ab, sonst lädst du Schuld auf dich! Hast
du es doch getan, dann behaupte nicht vor dem Priester: »Ich habe es gar nicht
so gemeint!«! Oder willst du, dass Gott zornig wird und die Früchte deiner
Arbeit vernichtet?
Pred 5,6 Wer viel träumt, träumt manches Sinnlose, und wer viel redet, sagt
manches Unnütze. Du aber begegne Gott mit Ehrfurcht!
Pred 5,7 Wundere dich nicht, wenn du siehst, wie die Armen im Land unterdrückt
werden und wie man das Recht beugt! Denn ein Mächtiger belauert den anderen, und
beide werden von noch Mächtigeren beherrscht.
Pred 5,8 So ist es wohl besser für ein Land, wenn es einen König hat, der für
Recht und Ordnung sorgt.
Pred 5,9 Wer geldgierig ist, bekommt nie genug, und wer den Luxus liebt, hat
immer zu wenig - auch das ist völlig sinnlos!
Pred 5,10 Je reicher einer wird, umso mehr Leute scharen sich um ihn, die auf
seine Kosten leben wollen - und er kann nur dabei zusehen. Was also hat der
Reiche von seinem Besitz?
Pred 5,11 Der Fleißige kann gut schlafen - egal, ob er viel oder wenig zu essen
hat. Dem Reichen aber raubt sein voller Bauch den Schlaf.
Pred 5,12 Etwas Schlimmes habe ich auf dieser Welt beobachtet: wenn einer seinen
Besitz sorgsam hütet und ihn dann doch verliert.
Pred 5,13 Nur ein misslungenes Geschäft - und schon ist sein ganzes Vermögen
dahin, auch seinen Kindern kann er nichts hinterlassen.
Pred 5,14 So wie er auf diese Welt gekommen ist, muss er sie wieder verlassen -
nackt und besitzlos! Nicht eine Hand voll kann er mitnehmen von dem, wofür er
sich hier abmühte.
Pred 5,15 Es ist zum Verzweifeln! Wie er kam, muss er wieder gehen. Was hat er
also von seiner harten Arbeit - es ist ja doch alles umsonst!
Pred 5,16 Sein ganzes Leben bestand aus Mühe und Trauer; er hatte nichts als
Ärger und Sorgen und plagte sich mit vielen Krankheiten.
Pred 5,17 Eines habe ich begriffen: Das größte Glück genießt ein Mensch in dem
kurzen Leben, das Gott ihm gibt, wenn er isst und trinkt und es sich gut gehen
lässt bei aller Mühe. Das ist sein einziger Lohn!
Pred 5,18 Wenn Gott einen Menschen reich und wohlhabend werden lässt und ihm
auch noch Freude dabei schenkt, dann kann der Mensch es dankbar annehmen und die
Früchte seiner Arbeit genießen. Denn das ist ein Geschenk Gottes!
Pred 5,19 Weil Gott ihm so viel Freude gibt, denkt er nicht darüber nach, wie
kurz sein Leben ist.
Pred 6,1 Noch ein großes Unglück habe ich auf dieser Welt gesehen, es trifft
sehr viele Menschen:
Pred 6,2 Da schenkt Gott einem Mann Reichtum, Wohlstand und Ehre - ja, alles,
was er sich nur wünschen kann, nichts fehlt! Und trotzdem lässt er ihn nichts
davon genießen, sondern es fällt einem Fremden in die Hände. Was für eine
Sinnlosigkeit und welch ein Unglück!
Pred 6,3 Mag ein Mann auch hundert Kinder haben und sehr lange leben - wenn er
sein Glück nicht genießen kann und am Ende nicht einmal begraben wird, was hat
er dann davon? Selbst einer Fehlgeburt geht es besser!
Pred 6,4 Als ein Nichts kommt sie, ins Dunkel geht sie, dorthin, wo sie für
immer vergessen wird.
Pred 6,5 [5/6] Das Licht der Sonne hat sie nie erblickt, und doch geht es ihr
besser als jenem Mann, der nie das Glück genießen wird, selbst wenn er
zweitausend Jahre leben würde! Am Ende müssen beide an den gleichen Ort!
Pred 6,7 Der Mensch müht sich ab sein Leben lang, nur um genug zum Essen zu
haben, doch nie wird sein Verlangen gestillt.
Pred 6,8 Was also hat der Weise dem Unverständigen voraus? Was nützt dem Armen
ein rechtschaffenes Leben?
Pred 6,9 Sei zufrieden mit dem, was du hast, und verlange nicht ständig nach
mehr, denn das ist vergebliche Mühe - so als wolltest du den Wind einfangen.
Pred 6,10 Alles auf der Welt ist schon seit langer Zeit vorherbestimmt, und auch
das Schicksal jedes Menschen ist schon vor seiner Geburt festgelegt. Mit dem,
der mächtiger ist als er, kann er nicht darüber streiten.
Pred 6,11 Er kann ihn noch so sehr anklagen - es hat ja doch keinen Sinn und
hilft ihm nicht weiter!
Pred 6,12 Welcher Mensch weiß schon, was für ihn gut ist in seinem kurzen und
sinnlosen Leben, das schnell wie ein Schatten vorbeieilt? Wer kann ihm sagen,
was nach seinem Tod auf dieser Welt geschehen wird?
Pred 7,1 »Ein guter Ruf ist mehr wert als kostbares Parfüm«, heißt es, und ich
sage: Der Tag des Todes ist besser als der Tag der Geburt.
Pred 7,2 Geh lieber in ein Haus, wo man trauert, als dorthin, wo gefeiert wird.
Denn im Trauerhaus wird man daran erinnert, dass der Tod auf jeden Menschen
wartet.
Pred 7,3 Leid ist besser als Lachen, Trauer verändert den Menschen zum Guten.
Pred 7,4 Der Weise geht dorthin, wo man trauert, aber der Unverständige liebt
den Ort, wo gefeiert wird.
Pred 7,5 Es ist wertvoller, auf die Zurechtweisung eines verständigen Menschen
zu achten, als sich die Loblieder von Dummköpfen anzuhören!
Pred 7,6 Denn das Schmeicheln eines Törichten ist so unbeständig wie ein
Strohfeuer.
Pred 7,7 Wenn ein Verständiger sich unter Druck setzen lässt, wird er zum
Narren; wer bestechlich ist, richtet sich selbst zugrunde.
Pred 7,8 Das Ende einer Sache ist besser als ihr Anfang; Geduld hilft mehr als
Überheblichkeit.
Pred 7,9 Werde nicht zu schnell zornig, denn nur ein Dummkopf braust leicht auf.
Pred 7,10 Frag nicht: »Warum war früher alles besser?«! Damit zeigst du nur, wie
wenig Weisheit du besitzt.
Pred 7,11 Weisheit ist so wertvoll wie ein Erbbesitz, sie ist für jeden Menschen
nützlich.
Pred 7,12 Sie bietet so viel Sicherheit wie Geld, ja, sie schenkt sogar noch
mehr: Wer die Weisheit besitzt, den erhält sie am Leben.
Pred 7,13 Halte dir vor Augen, was Gott tut! Wer kann gerade machen, was er
gekrümmt hat?
Pred 7,14 Wenn es dir gut geht, dann freu dich über dein Glück, und wenn es dir
schlecht geht, dann bedenke: Gott schickt dir beides, und du weißt nie, was die
Zukunft bringen wird.
Pred 7,15 In meinem kurzen Leben habe ich viel gesehen: Manch einer richtet sich
nach Gottes Geboten und kommt trotzdem um; ein anderer will von Gott nichts
wissen, aber er genießt ein langes Leben.
Pred 7,16 Sei nicht zu fromm, und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! Warum
willst du dich selbst zugrunde richten?
Pred 7,17 Sei aber auch nicht gewissenlos und unvernünftig! Warum willst du
sterben, bevor deine Zeit gekommen ist?
Pred 7,18 Es ist gut, wenn du ausgewogen bist und die Extreme meidest. Wer Gott
gehorcht, der findet den richtigen Weg.
Pred 7,19 Diese Weisheit beschützt einen Menschen mehr, als zehn Machthaber
einer Stadt ihm helfen können.
Pred 7,20 Denn es ist kein Mensch auf der Erde so gottesfürchtig, dass er nur
Gutes tut und niemals sündigt.
Pred 7,21 Hör nicht auf das Geschwätz der Leute; dann hörst du auch nicht, wie
dein Untergebener über dich lästert!
Pred 7,22 Du weißt genau, dass auch du sehr oft über andere hergezogen hast.
Pred 7,23 Ich habe alles versucht, um weise zu werden; ich wollte Einsicht
erlangen, aber sie blieb mir unerreichbar fern.
Pred 7,24 Was geschieht, kann man nicht ergründen - es ist tief verborgen und
nicht zu verstehen.
Pred 7,25 Trotzdem bemühte ich mich mit aller Kraft, herauszufinden, was die
Weisheit ausmacht; ich wollte wissen, wie man zu einem rechten Urteil kommt.
Auch dachte ich darüber nach, ob Gottlosigkeit mit Verblendung zusammenhängt und
Unwissenheit mit mangelnder Einsicht.
Pred 7,26 Ich habe erkannt: Schlimmer als der Tod ist jene Frau, die einem
Fangseil gleicht, deren Liebe dich einfängt wie ein Netz und deren Arme dich
umschließen wie Fesseln. Ein Mann, der Gott gefällt, kann sich vor ihr retten,
aber der Gottlose wird von ihr gefangen.
Pred 7,27 Ja, sagt der Prediger, das habe ich nach und nach herausgefunden,
während ich nach Antworten suchte.
Pred 7,28 Doch was ich mir von Herzen wünsche, habe ich immer noch nicht
gefunden. Unter tausend Menschen fand ich nur einen Mann, dem ich mein Vertrauen
schenken konnte, aber keine Frau.
Pred 7,29 Nur dieses eine habe ich gelernt: Gott hat die Menschen aufrichtig und
wahrhaftig geschaffen, jetzt aber sind sie falsch und berechnend.
Pred 8,1 Wen kann man zu den Weisen zählen? Wer versteht es, das Leben richtig
zu deuten? Ein weiser Mensch hat ein fröhliches Gesicht, alle Härte ist daraus
verschwunden.
Pred 8,2 Ich rate dir: Gehorch den Befehlen des Königs, denn du hast ihm vor
Gott die Treue geschworen.
Pred 8,3 Hüte dich davor, ihm abtrünnig zu werden, und lass dich nicht auf
Intrigen ein, denn der König setzt ja doch alles durch, was ihm gefällt.
Pred 8,4 Seine Worte haben Macht, niemand kann ihn zur Rede stellen und fragen:
»Was tust du da?«
Pred 8,5 Weise ist, wer den Befehlen des Königs gehorcht und nichts gegen ihn
unternimmt. Er hat erkannt, dass auch die Regierungszeit des Königs begrenzt ist
und Gott ihn richten wird.
Pred 8,6 Denn für alles hat Gott die Zeit bestimmt, er spricht das Urteil. Aber
auf dem Menschen lastet eine schwere Not:
Pred 8,7 Er weiß nicht, was auf ihn zukommt, und niemand kann ihm sagen, wie es
geschehen wird.
Pred 8,8 Er besitzt keine Macht über den Wind und kann ihn nicht aufhalten,
ebenso wenig kann er dem Tod entfliehen. Ein Soldat im Krieg wird nie vom Dienst
befreit, und wer schuldig geworden ist, muss die Folgen tragen.
Pred 8,9 Dies alles habe ich gesehen, als ich beobachtete, was auf dieser Welt
geschieht - einer Welt, in der einige Menschen Macht besitzen und die anderen
darunter leiden müssen.
Pred 8,10 Ich sah, wie Menschen, die von Gott nichts wissen wollten, in Ehren
begraben wurden, während man andere, die Gott gehorchten, aus der Nähe des
Heiligtums vertrieb und sie vergaß in der Stadt. Auch das ist sinnlos!
Pred 8,11 Die Verbrecher werden nicht schnell genug bestraft, und das verführt
viele dazu, Böses zu tun.
Pred 8,12 Manch einer hat schon hundert Verbrechen begangen - und lebt immer
noch! Ja, auch ich weiß: »Wer Gott ehrt und ihm gehorcht, dem geht es gut.
Pred 8,13 Wer Gott missachtet, muss die Folgen tragen: Er verschwindet so
plötzlich wie ein Schatten, weil er keine Ehrfurcht hat vor Gott.«
Pred 8,14 Und trotzdem geschieht so viel Sinnloses auf der Welt: Da geht es
rechtschaffenen Menschen so schlecht, wie es den Gottlosen gehen sollte. Und da
haben Gottlose ein so schönes Leben, als hätten sie Gottes Gebote befolgt. Das
ist völlig sinnlos!
Pred 8,15 Darum rühme ich die Freude, denn es gibt für den Menschen nichts
Besseres auf der Welt, als zu essen und zu trinken und sich zu freuen. Das wird
ihn bei seiner Mühe begleiten das kurze Leben hindurch, das Gott ihm gegeben
hat.
Pred 8,16 [16/17] Ich bemühte mich, die Weisheit kennen zu lernen und das Tun
und Treiben auf dieser Welt zu verstehen. Doch ich musste einsehen: Was Gott tut
und auf der Welt geschehen lässt, kann der Mensch nicht vollständig begreifen,
selbst wenn er sich Tag und Nacht keinen Schlaf gönnt. So sehr er sich auch
anstrengt, alles zu erforschen, er wird es nicht ergründen! Und wenn ein weiser
Mensch behauptet, er könne das alles verstehen, dann irrt er sich!
Pred 9,1 Über dies alles habe ich nachgedacht, und ich habe erkannt: Auch der
Rechtschaffene und Verständige ist bei allem, was er tut, von Gott abhängig. Ja,
der Mensch versteht nicht einmal, warum er liebt oder hasst. Alles ist schon
vorher festgelegt -
Pred 9,2 bei jedem Menschen. Ein und dasselbe Schicksal trifft sie alle, ob sie
nun Gott gehorchen oder ihn missachten, ob sie Gutes tun und sich an die
Reinheitsgebote halten oder nicht, ob sie Gott Opfer bringen oder es sein
lassen. Dem Guten ergeht es genauso wie dem Sünder, dem, der schwört, ebenso wie
dem, der den Schwur scheut.
Pred 9,3 Es ist ein großes Unglück, dass alle Menschen auf dieser Welt ein und
dasselbe Schicksal erleiden! Ihr Leben lang sind sie verblendet, und ihr Herz
ist voller Bosheit, bis sie schließlich sterben.
Pred 9,4 Wer lebt, hat noch Hoffnung, denn ein lebendiger Hund ist besser dran
als ein toter Löwe!
Pred 9,5 Die Lebenden wissen wenigstens, dass sie sterben werden, die Toten aber
wissen gar nichts. Ihre Mühe wird nicht mehr belohnt, denn niemand erinnert sich
noch an sie.
Pred 9,6 Ihr Lieben, ihr Hassen, ihre Eifersucht - alles ist mit ihnen
gestorben. Nie mehr werden sie beteiligt sein an dem, was auf der Welt
geschieht.
Pred 9,7 Also iss dein Brot, trink deinen Wein, und sei fröhlich dabei! Denn
schon lange gefällt Gott dein Tun!
Pred 9,8 Trag immer schöne Kleider, und salbe dein Gesicht mit duftenden Ölen!
Pred 9,9 Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, solange du dein
vergängliches Leben führst, das Gott dir auf dieser Welt gegeben hat. Genieße
jeden flüchtigen Tag, denn das ist der einzige Lohn für deine Mühen.
Pred 9,10 Alles, was du tun kannst, wozu deine Kraft ausreicht, das tu! Denn im
Totenreich, wohin auch du gehen wirst, gibt es weder Tun noch Denken, weder
Erkenntnis noch Weisheit.
Pred 9,11 Ich habe beobachtet, wie es auf dieser Welt zugeht: Nicht die
Schnellen gewinnen den Wettlauf und nicht die Starken den Krieg. Weisheit
garantiert noch keinen Lebensunterhalt, Klugheit führt nicht immer zu Reichtum,
und die Verständigen sind nicht unbedingt beliebt. Sie alle sind gefangen in der
Zeit, ein Spielball des Schicksals.
Pred 9,12 Kein Mensch weiß, wann seine Zeit gekommen ist. Wie Fische im Netz
gefangen werden, wie Vögel in die Falle geraten, so enden auch die Menschen: Der
Tod ereilt sie, wenn sie es am wenigsten erwarten.
Pred 9,13 Noch etwas habe ich beobachtet - ein gutes Beispiel dafür, wie die
Weisheit auf dieser Welt beurteilt wird:
Pred 9,14 Da war eine kleine Stadt mit wenig Einwohnern. Ein mächtiger König zog
mit seinem Heer gegen sie aus, schloss sie ein und schüttete ringsum einen hohen
Belagerungswall auf.
Pred 9,15 In der Stadt lebte ein armer Mann, der war sehr weise. Er hätte die
Stadt durch seine Weisheit retten können, aber niemand dachte an ihn.
Pred 9,16 Da sagte ich mir: Zwar ist Weisheit wertvoller als Stärke, aber ein
Armer wird nicht für klug gehalten; seine Worte beachtet man nicht.
Pred 9,17 Es ist besser, auf die bedächtigen Worte eines Weisen zu hören als auf
das Geschrei eines Königs von Dummköpfen.
Pred 9,18 Weisheit bewirkt mehr als Waffen, aber ein einziger, der Böses tut,
kann viel Gutes zerstören.
Pred 10,1 Tote Fliegen bringen duftende Salben zum Stinken, und schon eine
kleine Dummheit zerstört die Weisheit und das Ansehen eines Menschen.
Pred 10,2 Ein vernünftiger Mensch unternimmt das Richtige, ein törichter dagegen
nur das Falsche.
Pred 10,3 Welchen Weg der Törichte auch einschlägt - ihm fehlt der Verstand;
jeder kann erkennen, wie dumm er ist.
Pred 10,4 Wenn ein Machthaber zornig auf dich ist, dann vergiss nicht, dass du
ihm unterstellt bist! Bleib gelassen, dadurch vermeidest du große Fehler!
Pred 10,5 Etwas Schlimmes habe ich auf dieser Welt beobachtet, einen großen
Fehler, den Machthaber immer wieder begehen:
Pred 10,6 Die Törichten bekommen die höchsten Posten, und die Vornehmen werden
übergangen.
Pred 10,7 Ich habe Knechte hoch zu Ross gesehen und Fürsten, die wie Knechte zu
Fuß gehen mussten.
Pred 10,8 Wer eine Grube gräbt, kann hineinfallen, und wer eine Mauer abreißt,
kann von einer Schlange gebissen werden.
Pred 10,9 Wer im Steinbruch arbeitet, kann sich dabei verletzen, und wer Holz
spaltet, bringt sich in Gefahr.
Pred 10,10 Wenn die Axt stumpf geworden ist, weil ihr Benutzer sie nicht
geschliffen hat, muss er sich doppelt anstrengen. Der Kluge hält sein Werkzeug
in Ordnung.
Pred 10,11 Dem Schlangenbeschwörer hilft seine Kunst nicht weiter, wenn die
Schlange zubeißt, bevor er sie beschworen hat!
Pred 10,12 Ein weiser Mensch wird geachtet für seine Worte; aber ein Dummkopf
richtet sich durch sein Gerede selbst zugrunde.
Pred 10,13 Wenn er seinen Mund aufmacht, hört man nichts als dummes Geschwätz -
es bringt nur Unheil und Verblendung!
Pred 10,14 Ja, solch ein Mensch redet ununterbrochen. Dabei weiß keiner, was die
Zukunft bringt; niemand sagt ihm, was nach seinem Tod geschehen wird.
Pred 10,15 Wann endlich wird der Dummkopf vom vielen Reden müde? Nicht einmal
den Weg in die Stadt findet er!
Pred 10,16 Wehe dem Land, dessen König noch ein Kind ist und dessen Machthaber
schon früh am Morgen Feste feiern!
Pred 10,17 Wohl dem Land, dessen König frei regieren kann und dessen Machthaber
zur richtigen Zeit feiern, sich dabei beherrschen können und sich nicht wie die
Säufer aufführen!
Pred 10,18 Wenn jemand die Hände in den Schoß legt und zu faul ist, das Dach
seines Hauses auszubessern, tropft bald der Regen durch, und das Gebälk fällt in
sich zusammen.
Pred 10,19 Ein gutes Essen macht fröhlich, Wein macht lustig, und Geld macht
beides möglich!
Pred 10,20 Nicht einmal in Gedanken schimpfe auf den König, nicht einmal in
deinem Schlafzimmer fluche über den Reichen! Denn die Spatzen pfeifen es von den
Dächern, und schon bist du verraten.
Pred 11,1 Setz dein Hab und Gut ein, um Handel zu treiben, und eines Tages wird
es dir Gewinn bringen.
Pred 11,2 Verteil deinen Besitz auf möglichst viele Stellen, denn du weißt
nicht, ob ein großes Unglück über das Land kommt und alles zerstört.
Pred 11,3 Wenn die Wolken voll Wasser sind, wird es auch regnen, und wohin ein
Baum fällt, dort bleibt er liegen.
Pred 11,4 Wer ängstlich auf den Wind achtet, wird nie säen; und wer auf die
Wolken schaut, wird nie ernten.
Pred 11,5 Du weißt nicht, aus welcher Richtung der Wind kommen wird; du siehst
nicht, wie ein Kind im Mutterleib Gestalt annimmt. Ebenso wenig kannst du die
Taten Gottes ergründen, der alles bewirkt.
Pred 11,6 Säe am Morgen deine Saat aus, leg aber auch am Abend die Hände nicht
in den Schoß! Denn du weißt nicht, ob das eine oder das andere gedeiht - oder
vielleicht sogar beides zusammen!
Pred 11,7 Wie schön ist das Licht, und wie wohltuend ist es, die Sonne zu sehen!
Pred 11,8 Freu dich über jedes neue Jahr, das du erleben darfst! Auch wenn noch
viele vor dir liegen - denk daran, dass die Dunkelheit danach lange dauert!
Alles, was dann geschieht, ist sinnlos!
Pred 11,9 Du junger Mensch, genieße deine Jugend, und freu dich in der Blüte
deines Lebens! Tu, was dein Herz dir sagt und was deinen Augen gefällt! Aber sei
dir bewusst, dass Gott dich für alles zur Rechenschaft ziehen wird!
Pred 11,10 Lass dich nicht von Kummer und Sorgen beherrschen, und schütze dich
vor Krankheit! Denn Jugend und Schönheit sind vergänglich.
Pred 12,1 Denk schon als junger Mensch an deinen Schöpfer, bevor die
beschwerlichen Tage kommen und die Jahre näher rücken, in denen du keine Freude
mehr am Leben hast.
Pred 12,2 Dann wird selbst das Licht immer dunkler für dich: Sonne, Mond und
Sterne verfinstern sich, und nach einem Regenschauer ziehen die Wolken von neuem
auf.
Pred 12,3 Deine Hände, mit denen du dich schützen konntest, zittern; deine
starken Beine werden schwach und krumm. Die Zähne fallen dir aus, du kannst kaum
noch kauen, und deine Augen werden trübe.
Pred 12,4 Deine Ohren können den Lärm auf der Straße nicht mehr wahrnehmen, und
deine Stimme wird immer leiser. Schon frühmorgens beim Zwitschern der Vögel
wachst du auf, obwohl du ihren Gesang kaum noch hören kannst.
Pred 12,5 Du fürchtest dich vor jeder Steigung und hast Angst, wenn du unterwegs
bist. Dein Haar wird weiß, mühsam schleppst du dich durch den Tag, und deine
Lebenslust schwindet. Dann trägt man dich in deine ewige Wohnung, und deine
Freunde laufen trauernd durch die Straßen.
Pred 12,6 Ja, koste das Leben aus, ehe es zu Ende geht - so wie eine silberne
Schnur zerreißt oder eine goldene Schale zerspringt, so wie ein Krug bei der
Quelle zerbricht oder das Schöpfrad in den Brunnen fällt und zerschellt.
Pred 12,7 Dann kehrt der Leib zur Erde zurück, aus der er genommen wurde; und
der Lebensgeist geht wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.
Pred 12,8 Ja, alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, alles
ist völlig sinnlos!
Pred 12,9 Der Prediger war ein weiser Mensch, der seine Erkenntnisse an das Volk
weitergab. Er dachte über viele Lebensweisheiten nach, prüfte ihren Inhalt und
brachte sie in eine schöne Form.
Pred 12,10 Er bemühte sich, ansprechende Worte zu finden, dabei aber aufrichtig
zu sein und die Wahrheit zu schreiben.
Pred 12,11 Ja, die Worte der Weisen sind wie ein Stock, mit dem der Bauer sein
Vieh antreibt; Lebensweisheiten, in Sprüche gefasst, gleichen eingeschlagenen
Nägeln: Sie verleihen dem Menschen einen festen Halt. Gott, der eine große Hirte
der Menschen, hat sie uns gegeben.
Pred 12,12 Mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen
Bücherschreiben, und zu viel Lernen macht den ganzen Körper müde.
Pred 12,13 Zu guter Letzt lasst uns das Wichtigste von allem hören: Begegne Gott
mit Ehrfurcht, und halte seine Gebote! Das gilt für jeden Menschen.
Pred 12,14 Denn Gott wird Gericht halten über alles, was wir tun - sei es gut
oder böse -, auch wenn es jetzt noch verborgen ist.
Hld 1,1 Das schönste aller Lieder, von Salomo.
Hld 1,2 Komm und küss mich, küss mich immer wieder! Ich genieße deine Liebe mehr
als den besten Wein.
Hld 1,3 Der Duft deiner Salben betört mich. Dein Name ist wie ein besonderes
Parfüm, darum lieben dich die Mädchen.
Hld 1,4 Nimm mich bei der Hand! Schnell, lass uns laufen, zu dir nach Hause
wollen wir eilen! Du bist mein König! Ich freue mich über dich, du bist mein
ganzes Glück. Deine Liebe ist kostbarer als der edelste Wein. Kein Wunder, dass
die Mädchen für dich schwärmen!
Hld 1,5 [5/6] Schaut nicht auf mich herab, ihr Mädchen von Jerusalem, weil meine
Haut so dunkel ist, braun wie die Zelte der Nomaden. Ich bin dennoch schön, so
wie die wertvollen Zeltdecken Salomos. Meine Brüder waren streng mit mir, sie
ließen mich ihre Weinberge hüten. Doch mich selbst zu pflegen, meinen Weinberg,
dafür hatte ich keine Zeit! Darum hat die Sonne mich dunkel gebrannt.
Hld 1,7 Sag mir, mein Geliebter, wo lässt du deine Schafe weiden, wo lässt du
sie am Mittag lagern? Lass mich nicht vergebens nach dir suchen, nicht
umherirren bei den Herden andrer Hirten!
Hld 1,8 Weißt du's wirklich nicht, du schönste aller Frauen? Folg den Spuren
meiner Schafe, und weide deine kleinen Ziegen bei den Hirtenzelten!
Hld 1,9 Wie schön du bist, meine Freundin, schön wie eine Stute vor dem
Prachtwagen des Pharaos!
Hld 1,10 Deine Wangen sind von Ohrringen umrahmt, deinen Hals schmückt eine
Muschelkette.
Hld 1,11 Ein Geschmeide aus Gold sollst du haben und Perlen um den Hals, in
Silber gefasst!
Hld 1,12 Wenn mein König mit mir speist, riecht er den Duft meines Nardenöls.
Hld 1,13 Mein Geliebter ruht an meiner Brust wie ein mit Myrrhe gefüllter
Beutel.
Hld 1,14 Er duftet wie die Blüten des Hennastrauchs, der in den Weingärten von
En-Gedi wächst.
Hld 1,15 Wie schön du bist, meine Freundin, wunderschön bist du, deine Augen
glänzen wie das Gefieder der Tauben.
Hld 1,16 Schön bist auch du, mein Liebster - wie freue ich mich über dich! Das
Gras ist unser Lager,
Hld 1,17 Zedern sind die Balken unsres Hauses und die Zypressen unser Dach.
Hld 2,1 Ich bin nur eine Narzisse in der Scharonebene, eine Lilie aus den
Tälern.
Hld 2,2 Wie eine Lilie unter Dornen, so ist meine Freundin unter allen andren
Mädchen!
Hld 2,3 Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Liebster
unter allen andren Männern! In seinem Schatten möchte ich ausruhn und seine
Früchte genießen.
Hld 2,4 Ins Weinhaus hat er mich geführt, dort zeigt er mir, dass er mich liebt.
Hld 2,5 Stärkt mich mit Rosinenkuchen, erfrischt mich mit Äpfeln, denn ich bin
krank vor Liebe!
Hld 2,6 Sein linker Arm liegt unter meinem Kopf, und mit dem rechten hält er
mich umschlungen.
Hld 2,7 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Lasst uns jetzt allein!
Wir sind wie scheue Rehe und Gazellen - schreckt uns nicht auf, wir lieben uns.
Hld 2,8 Da kommt mein Geliebter! Er springt über die Berge und hüpft über die
Hügel.
Hld 2,9 Schnell wie eine Gazelle läuft er, flink wie ein Hirsch. Schon steht er
vor dem Haus! Er späht durch das Gitter, blickt zum Fenster herein.
Hld 2,10 Er sagt zu mir: »Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm!
Hld 2,11 Die Regenzeit liegt hinter uns, der Winter ist vorbei!
Hld 2,12 Die Blumen beginnen zu blühen, die Vögel zwitschern, und überall im
Land hört man die Turteltaube gurren.
Hld 2,13 Die ersten Feigen werden reif, die Reben blühen und verströmen ihren
Duft. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm!
Hld 2,14 Versteck dich nicht wie eine Taube im Felsspalt! Zeig mir dein schönes
Gesicht, und lass mich deine wunderbare Stimme hören!«
Hld 2,15 Fangt uns doch die kleinen Füchse, denn sie verwüsten den Weinberg,
wenn die Reben in schönster Blüte stehn.
Hld 2,16 Nur mir gehört mein Liebster, und ich gehöre ihm, dem Hirten, der seine
Schafe auf Wiesen voller Lilien weidet.
Hld 2,17 Abends, wenn es kühl wird und die Nacht ihre Schatten über das Land
breitet, dann komm zu mir, mein Liebster! Sei schnell wie eine Gazelle, flink
wie ein junger Hirsch, der von den rauen Bergen kommt!
Hld 3,1 Nachts auf meinem Bett sehnte ich mich nach meinem Liebsten. So gern
wollte ich bei ihm sein, doch er war nicht da!
Hld 3,2 »Ich will aufstehn, die Stadt durchstreifen, durch die Gassen und über
die Plätze laufen. Meinen Liebsten muss ich finden!« Ich suchte nach ihm, doch
vergebens.
Hld 3,3 Bei ihrem Rundgang griff die Wache mich auf: »Habt ihr meinen Liebsten
gesehen?«, fragte ich sie.
Hld 3,4 Kaum war ich an ihnen vorbei, da fand ich ihn, dem mein Herz gehört. Ich
hielt ihn fest und ließ ihn nicht mehr los. Ich führte ihn in das Haus meiner
Mutter, in jene Kammer, in der sie mich geboren hat.
Hld 3,5 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Lasst uns jetzt allein!
Wir sind wie scheue Rehe und Gazellen - schreckt uns nicht auf, wir lieben uns.
Hld 3,6 Wer kommt dort herauf aus der Wüste, umgeben von Rauchsäulen aus
Weihrauch und Myrrhe und allen Parfümen der Händler?
Hld 3,7 Seht! Es ist die Sänfte Salomos, von sechzig Männern ist sie umringt,
von Israels tapferen Soldaten.
Hld 3,8 Sie alle sind im Kampf erprobt, sie tragen das Schwert an der Seite zum
Schutz gegen Überfälle in der Nacht.
Hld 3,9 Eine Sänfte ließ König Salomo sich bauen aus dem kostbaren Holz des
Libanon.
Hld 3,10 Die Pfosten sind mit Silber beschlagen und die Lehnen mit Gold
überzogen. Der Stoff des Thronsitzes ist purpurrot, liebevoll bestickt von
Jerusalems Frauen.
Hld 3,11 Kommt heraus, ihr Mädchen von Jerusalem! Seht König Salomo mit seiner
Krone! Heute hat ihn seine Mutter gekrönt, am Tag seiner Hochzeit, am Tag seines
Glücks!
Hld 4,1 Wie schön du bist, meine Freundin, wie wunderschön! Deine Augen hinter
dem Schleier glänzen wie das Gefieder der Tauben. Dein Haar fließt über deine
Schultern wie eine Herde Ziegen, die vom Gebirge Gilead ins Tal zieht.
Hld 4,2 Deine Zähne sind weiß wie geschorene Schafe, wenn sie aus der Schwemme
kommen. Keiner von ihnen fehlt.
Hld 4,3 Wie ein scharlachrotes Band leuchten deine Lippen, sie sind schön
geschwungen. Hinter dem Schleier schimmern deine Wangen wie eine Scheibe vom
Granatapfel.
Hld 4,4 Dein Hals ist rund und hoch wie der Turm Davids, dein Schmuck wie
tausend Schilde, die daran hängen.
Hld 4,5 Deine Brüste sind wie junge Zwillinge einer Gazelle, die auf
Blumenwiesen weiden.
Hld 4,6 Abends, wenn es kühl wird und die Nacht ihre Schatten über das Land
breitet, will ich zu dem Hügel kommen, der nach Myrrhe und Weihrauch duftet.
Hld 4,7 Deine Schönheit ist vollkommen, meine Freundin, kein Makel ist an dir.
Hld 4,8 Komm mit mir, meine Braut, steig mit mir herab vom Libanon, verlass den
Gipfel des Amanaberges, den steilen Senir und den Hermon! Denn dort leben die
Löwen und Panther!
Hld 4,9 Du hast mich verzaubert, mein Mädchen, meine Braut! Mit einem einzigen
Blick hast du mein Herz geraubt. Schon eine Kette deines Halsschmucks zog mich
in deinen Bann!
Hld 4,10 Wie glücklich macht mich deine Liebe, mein Mädchen, meine Braut! Ich
genieße deine Liebe mehr als den besten Wein. Dein Duft ist bezaubernder als
jedes Parfüm.
Hld 4,11 Wie Honig schmecken deine Lippen, meine Braut, ja, süße Honigmilch ist
unter deiner Zunge! Und wie der Wald dort auf dem Libanon, so duften deine
Kleider!
Hld 4,12 Mein Mädchen ist ein Garten, in dem die schönsten Pflanzen wachsen.
Aber noch ist er mir verschlossen. Meine Braut ist eine Quelle mit frischem
Wasser, aber noch kann ich nicht davon trinken.
Hld 4,13 An Granatbäumen reifen köstliche Früchte, und die Hennasträucher
blühen.
Hld 4,14 Dort wachsen Narde und Safran, Kalmus und Zimt, Weihrauchsträucher,
Myrrhe und Aloë und die edelsten Balsamgewächse.
Hld 4,15 Eine Quelle bewässert den Garten, ihr Wasser sprudelt herab vom
Libanon.
Hld 4,16 Kommt, Nordwind und Südwind, durchweht meinen Garten, tragt seine Düfte
hinaus! Komm, mein Liebster, in deinen Garten, und genieße die köstlichen
Früchte!
Hld 5,1 Ich betrete den Garten, mein Mädchen, meine Braut. Ich pflücke die
Myrrhe und ernte den Balsam. Ich öffne die Wabe und esse den Honig. Ich trinke
den Wein und genieße die Milch. Esst auch ihr, Freunde, trinkt euren Wein!
Berauscht euch an der Liebe!
Hld 5,2 Ich schlief, doch mein Herz war wach. Da, es klopft! Mein Liebster
kommt! Mach auf, mein Mädchen, meine Freundin, meine Liebste, meine Vollkommene!
Mach auf, denn mein Haar ist nass vom Tau der Nacht.
Hld 5,3 Ich habe mein Kleid schon ausgezogen, soll ich es deinetwegen wieder
anziehn? Meine Füße habe ich schon gewaschen, ich würde sie nur schmutzig
machen.
Hld 5,4 Jetzt streckt er seine Hand durch die Öffnung in der Tür. Mein Herz
schlägt bis zum Hals, weil er in meiner Nähe ist.
Hld 5,5 Ich springe auf und will dem Liebsten öffnen; meine Hände greifen nach
dem Riegel, sie sind voll von Myrrhenöl.
Hld 5,6 Schnell öffne ich die Tür für meinen Liebsten, doch weg ist er, spurlos
verschwunden. Entsetzen packt mich: Er ist fort! Ich suche ihn, doch ich kann
ihn nirgends finden; ich rufe laut nach ihm, doch er gibt keine Antwort.
Hld 5,7 Bei ihrem Rundgang greifen mich die Wächter auf. Sie schlagen und
verwunden mich, sie reißen mir das Kopftuch weg.
Hld 5,8 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Wenn ihr meinen Liebsten
findet, dann sagt ihm, dass ich krank vor Liebe bin.
Hld 5,9 Warum beschwörst du uns, du schönste aller Frauen? Was hat dein Liebster
anderen voraus?
Hld 5,10 Mein Liebster ist schön und kräftig, unter Tausenden ist keiner so wie
er!
Hld 5,11 Sein Gesicht schimmert wie Gold, sein Haar ist rabenschwarz, seine
Locken erinnern an die Blütenrispen einer Dattelpalme.
Hld 5,12 Seine Augen sind von vollkommener Schönheit, so wie Tauben, die in
Milch baden und aus vollen Bächen trinken.
Hld 5,13 Seine Wangen duften nach Balsamkräutern, nach kostbaren Salben. Seine
Lippen leuchten wie rote Lilien, sie sind benetzt mit Myrrhenöl.
Hld 5,14 Seine Arme sind wie Goldbarren, mit Türkissteinen verziert. Sein Leib
gleicht einer Statue aus Elfenbein, über und über mit Saphiren bedeckt.
Hld 5,15 Seine Beine sind Alabastersäulen, die auf goldenen Sockeln stehn.
Eindrucksvoll wie der Libanon ist seine Gestalt, stattlich wie mächtige Zedern.
Hld 5,16 Seine Küsse sind zärtlich, alles an ihm ist wunderschön. So ist mein
Liebster, mein Freund, ihr Mädchen von Jerusalem.
Hld 6,1 Wohin ist dein Liebster denn gegangen, du schönste aller Frauen? Wir
wollen mit dir gehn und nach ihm suchen, wo könnte er denn sein?
Hld 6,2 Mein Liebster ging in seinen Garten, wo Balsamkräuter wachsen. Dort ist
die Weide seiner Herde, dort pflückt er schöne Lilien.
Hld 6,3 Nur mir gehört mein Liebster, und ich gehöre ihm, dem Hirten, der seine
Schafe auf Wiesen voller Lilien weidet.
Hld 6,4 Schön bist du, meine Freundin, schön wie Tirza, bezaubernd wie
Jerusalem; du hast mich erobert wie ein mächtiges Heer, das zum Krieg auszieht.
Hld 6,5 Wende deine Augen von mir ab, denn dein Blick überwältigt mich. Dein
Haar fließt über deine Schultern wie eine Herde Ziegen, die vom Gebirge Gilead
ins Tal zieht.
Hld 6,6 Deine Zähne sind weiß wie Schafe, wenn sie aus der Schwemme kommen;
keiner von ihnen fehlt.
Hld 6,7 Hinter dem Schleier schimmern deine Wangen wie eine Scheibe vom
Granatapfel.
Hld 6,8 Mag der König sechzig Ehefrauen haben, achtzig Nebenfrauen und Mädchen
ohne Zahl:
Hld 6,9 Ich liebe nur die eine, meine Liebste, die Vollkommene. Sie ist die
einzige Tochter ihrer Mutter, ihr Lieblingskind, dem sie das Leben gab. Könnten
die Frauen und Nebenfrauen des Königs sie sehen, sie alle würden von ihr
schwärmen:
Hld 6,10 Sie ist so schön wie das Morgenrot, so herrlich wie der Mond und der
Schein der Sonne! Sie kann einen Mann erobern wie ein mächtiges Heer, das zum
Krieg auszieht.
Hld 6,11 Ich ging hinunter ins Tal, in den Garten, wo die Walnussbäume stehen.
Ich wollte sehen, ob die Bäume schon blühen, ob der Weinstock neue Blätter
treibt und ob am Granatbaum Knospen sprießen.
Hld 6,12 Ohne dass ich es merkte, trieb mich die Sehnsucht zu meinem Mädchen,
hin zu meiner Liebsten.
Hld 7,1 Dreh dich, Sulamith, dreh dich beim Tanz im Kreise, denn wir wollen dich
bewundern! Was gibt es denn zu sehen, wenn ich den Reigen von Mahanajim tanze?
Hld 7,2 Wie schön sind deine Füße in den Sandalen, du Fürstentochter! Die
Rundungen deiner Hüften sind wie ein Halsgeschmeide, ein Werk aus Künstlerhand.
Hld 7,3 Dein Schoß gleicht einer runden Schale, die stets mit edlem Wein gefüllt
ist. Dein Bauch ist golden wie Weizen, von Lilien umkränzt.
Hld 7,4 Deine Brüste sind wie junge Zwillinge einer Gazelle.
Hld 7,5 Dein Hals gleicht einem Turm aus Elfenbein, und deine Augen sind wie die
Teiche von Heschbon am Bat-Rabbim-Tor. Deine Nase ist wie der Libanonturm, der
nach Damaskus blickt.
Hld 7,6 Dein Kopf ist schön und majestätisch wie das Karmelgebirge. Dein Haar
schimmert wie Purpur, deine Locken können einen König fesseln.
Hld 7,7 Wie schön du bist! Deine Liebe macht mich glücklich.
Hld 7,8 Deine Gestalt gleicht einer hohen Dattelpalme, und deine Brüste sind wie
ihre Früchte.
Hld 7,9 Ich will auf die Palme steigen und ihre reifen Früchte genießen. Freuen
will ich mich an deinen Brüsten, die den Trauben am Weinstock gleichen. Deinen
Atem will ich trinken, der wie frische Äpfel duftet;
Hld 7,10 deine Lippen will ich spüren, denn sie schmecken mir wie edler Wein.
Ja, möge der Wein dich erfreuen, dass du ihn im Schlaf noch auf den Lippen
spürst.
Hld 7,11 Ich gehöre meinem Liebsten, und sein Herz sehnt sich nach mir.
Hld 7,12 Komm, wir gehn hinaus aufs Feld, mein Liebster, unter Hennasträuchern
lass uns die Nacht verbringen!
Hld 7,13 In der Frühe wollen wir zum Weinberg gehen und sehen, ob der Weinstock
treibt, ob seine kleinen Blüten aufgegangen sind und der Granatbaum schon die
ersten Knospen hat. Dort will ich dir meine Liebe schenken!
Hld 7,14 Die Liebesäpfel verströmen ihren Duft. Köstliche Früchte liegen vor
unsrer Tür, frisch geerntete und solche, die ich für dich, mein Liebster,
aufbewahrt habe.
Hld 8,1 Ach wärst du doch mein Bruder, hätte meine Mutter dich gestillt! Dann
könnte ich dich unbekümmert küssen, wenn wir uns auf der Straße treffen, und
niemand würde Anstoß daran nehmen!
Hld 8,2 Ins Haus meiner Mutter würde ich dich führen, dort könntest du mir deine
Liebe zeigen; ich gäbe dir gewürzten Wein zu trinken und Nektar von den Früchten
des Granatbaums.
Hld 8,3 Sein linker Arm liegt unter meinem Kopf, und mit dem rechten hält er
mich umschlungen.
Hld 8,4 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Lasst uns jetzt allein!
Schreckt uns nicht auf, wir lieben uns.
Hld 8,5 Wer ist sie, die heraufkommt aus der Wüste, Arm in Arm mit ihrem
Liebsten? Unter dem Apfelbaum, da habe ich deine Liebe geweckt, dort, wo deine
Mutter dich empfing, wo sie dir das Leben gab.
Hld 8,6 Lass mich deinem Herzen nahe sein, so wie der Siegelring auf deiner
Brust. Ich möchte einzigartig für dich bleiben, so wie der Siegelreif um deinen
Arm. Unüberwindlich wie der Tod, so ist die Liebe, und ihre Leidenschaft so
unentrinnbar wie das Totenreich! Wen die Liebe erfasst hat, der kennt ihr Feuer:
Sie ist eine Flamme Gottes!
Hld 8,7 Mächtige Fluten können sie nicht auslöschen, gewaltige Ströme sie nicht
fortreißen. Böte einer seinen ganzen Besitz, um die Liebe zu kaufen, so würde
man ihn nur verspotten.
Hld 8,8 Unsre Schwester ist fast noch ein Kind und hat noch keine Brüste. Doch
kommt einmal die Zeit, dass jemand um sie werben wird, dann müssen wir zur
Stelle sein!
Hld 8,9 Wenn sie uneinnehmbar ist wie eine Mauer, dann schmücken wir sie mit
einem silbernen Turm. Doch wenn sie leicht zu erobern ist wie eine offene Tür,
dann verriegeln wir sie mit Zedernbalken.
Hld 8,10 Ich bin wie eine Mauer, und meine Brüste sind wie Wachtürme. Doch
meinem Liebsten gebe ich mich hin.
Hld 8,11 Salomo besaß einen Weinberg in Baal-Hamon. Er überließ ihn den
Pächtern, und bei der Ernte sollte jeder ihm tausend Silbermünzen zahlen.
Hld 8,12 Die tausend gönne ich dir, Salomo, und zweihundert den Pächtern, doch
mein Weinberg gehört mir allein!
Hld 8,13 Du Mädchen in den Gärten, noch andre Männer lauschen, ob du sie rufst.
Nur mich lass deine Stimme hören!
Hld 8,14 Ja, komm rasch zu mir, mein Liebster! Sei schnell wie eine Gazelle,
flink wie ein junger Hirsch, der von den Bergen kommt, wo duftende Kräuter
wachsen!
Jes 1,1 In diesem Buch sind die Botschaften Jesajas aufgeschrieben, der ein Sohn
des Amoz war. Während der Regierungszeit der judäischen Könige Usija, Jotam,
Ahas und Hiskia ließ Gott ihn sehen, was mit Juda und seiner Hauptstadt
Jerusalem geschehen würde.
Jes 1,2 Himmel und Erde rufe ich als Zeugen an! Hört gut zu, was der Herr sagt:
»Die Kinder, die ich großgezogen und ernährt habe, wollen nichts mehr von mir
wissen.
Jes 1,3 Jeder Ochse kennt seinen Besitzer, und jeder Esel weiß, wo die
Futterkrippe seines Herrn steht. Was aber macht mein Volk Israel? Sie haben
vergessen, wem sie gehören, und sie wollen es auch gar nicht mehr wissen!
Jes 1,4 Wie viel Schuld habt ihr auf euch geladen! Das wird euch teuer zu stehen
kommen! Eine Bande von Übeltätern seid ihr, durch und durch verdorben.« Ihr habt
euren Herrn verlassen. Voller Verachtung habt ihr dem heiligen Gott Israels den
Rücken gekehrt.
Jes 1,5 Seid ihr noch nicht genug bestraft? Müsst ihr euch immer weiter vom
Herrn entfernen? Ihr seid doch schon an Leib und Seele krank!
Jes 1,6 Von Kopf bis Fuß seid ihr voller Beulen, blutiger Striemen und frischer
Wunden. Nichts mehr an euch ist gesund, und keiner ist da, der eure Wunden
reinigt, mit Salbe behandelt und verbindet.
Jes 1,7 Euer Land ist eine Öde: Die Städte sind verbrannt; ihr müsst zusehen,
wie sich Fremde über eure Ernte hermachen, und wenn sie abziehen, sind die Äcker
verwüstet!
Jes 1,8 Nur Jerusalem ist übrig geblieben, verloren wie eine Stadt, die von
Feinden eingeschlossen ist. Einsam steht sie da wie ein Wächterhäuschen im
Weinberg, wie eine Hütte im Gurkenfeld.
Jes 1,9 Hätte nicht der allmächtige Gott eingegriffen und einen kleinen Rest von
uns gerettet, dann wären wir alle umgekommen wie damals die Leute von Sodom und
Gomorra.
Jes 1,10 Ihr Führer des Volkes gleicht den Fürsten Sodoms. Hört, was der Herr
euch zu sagen hat! Und ihr vom Volk seid wie die Einwohner Gomorras; achtet
genau auf die Weisung unseres Gottes!
Jes 1,11 Der Herr fragt: »Was soll ich mit euren vielen Opfern anfangen? Ich
habe genug von euren Schafböcken und dem Fett eurer Mastkälber; das Blut eurer
Opfertiere ist mir zuwider, sei es von Stieren, Ziegenböcken oder Lämmern.
Jes 1,12 Ihr kommt zum Tempel und denkt: ›Hier ist Gott gegenwärtig.‹ Doch in
Wirklichkeit zertrampelt ihr nur meinen Vorhof. Wer hat euch das befohlen?
Jes 1,13 Hört endlich mit diesen nutzlosen Opfern auf! Ich kann euren Weihrauch
nicht mehr riechen. Ihr feiert bei Neumond und am Sabbat, ihr kommt zu den
Festen zusammen, aber ich verabscheue sie, weil ihr an euren Sünden festhaltet.
Jes 1,14 Darum hasse ich alle diese Festversammlungen! Sie sind mir eine Last,
ja, sie sind unerträglich für mich!
Jes 1,15 Streckt nur eure Hände zum Himmel, wenn ihr betet! Ich halte mir die
Augen zu. Betet, soviel ihr wollt! Ich werde nicht zuhören, denn an euren Händen
klebt Blut.
Jes 1,16 Wascht euch, reinigt euch von aller Bosheit! Lasst eure Gräueltaten,
hört auf mit dem Unrecht!
Jes 1,17 Lernt wieder, Gutes zu tun! Sorgt für Recht und Gerechtigkeit, tretet
den Gewalttätern entgegen, und schafft den Waisen und Witwen Recht!«
Jes 1,18 So spricht der Herr: »Kommt, wir wollen miteinander verhandeln, wer von
uns im Recht ist, ihr oder ich. Eure Sünden sind blutrot, und doch sollt ihr
schneeweiß werden. Sie sind so rot wie Purpur, und doch will ich euch rein
waschen wie weiße Wolle.
Jes 1,19 Wenn ihr mir von Herzen gehorcht, dann könnt ihr wieder die herrlichen
Früchte eures Landes genießen.
Jes 1,20 Wenn ihr euch aber weigert und euch weiter gegen mich stellt, dann
werdet ihr von euren Feinden umgebracht. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Jes 1,21 Ach, Jerusalem, früher warst du dem Herrn treu. Jetzt aber bist du zur
Hure geworden, weil du anderen Göttern nachläufst. Damals ging es in der Stadt
gerecht und redlich zu. Und heute? Heute herrschen dort Mord und Totschlag!
Jes 1,22 Jerusalem, damals warst du wie reines Silber, heute bist du mit vielen
Schlacken vermischt; früher warst du ein guter Wein, heute bist du mit Wasser
gepanscht.
Jes 1,23 Deine führenden Männer sind Aufrührer und machen mit Betrügern
gemeinsame Sache. Sie lieben Geschenke und Bestechungsgelder. Um das Recht von
hilflosen Waisen kümmern sie sich nicht, und Hilfe suchende Witwen lassen sie
gleich an der Tür abweisen.
Jes 1,24 Deshalb spricht der Herr, der allmächtige und starke Gott Israels: »Ich
lasse meinem Zorn freien Lauf und räche mich an euch; ihr seid meine Feinde.
Jes 1,25 Jerusalem, ich werde dich packen und in den Schmelztiegel werfen. Wie
ein Silberschmied die Schlacken ausschmilzt, um reines Silber zu bekommen, so
schmelze ich bei dir die Bosheit und Unreinheit aus.
Jes 1,26 Ich gebe dir wieder unbestechliche Richter und unvoreingenommene
Berater. Dann wird man Jerusalem wieder so nennen wie früher: ›Stadt, in der
Recht geübt wird‹ und ›Stadt, die Gott treu ist‹.«
Jes 1,27 Ja, der Herr wird Jerusalem erlösen und dort das Recht
wiederherstellen. Und er wird allen die Schuld vergeben, die zu ihm
zurückkehren.
Jes 1,28 Doch wer sich vom Herrn lossagt und sein Gesetz ständig missachtet, der
kommt um. Jeder, der dem Herrn den Rücken kehrt, läuft ins Verderben.
Jes 1,29 Ihr verehrt heilige Bäume und legt kunstvolle Gärten an für eure
Götzen. Das wird ein böses Erwachen geben, wenn ihr einsehen müsst, dass sie
nicht helfen können! Beschämt werdet ihr dastehen
Jes 1,30 und einem Baum mit verdorrten Blättern gleichen, einem Garten ohne
Wasser.
Jes 1,31 Wer sich für stark hielt, ist dann wie trockenes Stroh. Sein
Götzendienst wird zum überspringenden Funken, der Götzendiener und Götzen in
Flammen aufgehen lässt. Dieses Feuer kann niemand löschen!
Jes 2,1 In einer Vision empfing Jesaja, der Sohn des Amoz, diese Botschaft für
Juda und Jerusalem:
Jes 2,2 Am Ende der Zeit wird der Berg, auf dem der Tempel des Herrn steht, alle
anderen Berge und Hügel weit überragen. Menschen aller Nationen strömen dann
herbei.
Jes 2,3 Viele Völker ziehen los und rufen einander zu: »Kommt, wir wollen auf
den Berg des Herrn steigen, zum Tempel des Gottes Israels! Dort wird er uns
seinen Weg zeigen, und wir werden lernen, so zu leben, wie er es will.« Denn vom
Berg Zion aus wird der Herr seine Weisungen geben, dort in Jerusalem wird er der
ganzen Welt seinen Willen verkünden.
Jes 2,4 Gott selbst schlichtet den Streit zwischen den Völkern, und unter den
Nationen spricht er Recht. Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen um
und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr das andere angreifen;
niemand lernt mehr, Krieg zu führen.
Jes 2,5 Kommt, ihr Nachkommen Jakobs, wir wollen schon jetzt mit dem Herrn
leben. Er ist unser Licht!
Jes 2,6 Herr, du hast dich von deinem Volk Israel abgewandt, weil sie die
heidnischen Bräuche aus dem Osten übernommen haben. Sie treiben Zauberei wie
ihre Nachbarn im Westen, die Philister. Bedenkenlos haben sie sich anderen
Völkern angepasst.
Jes 2,7 Israel hat in jeder Hinsicht Überfluss: Das Land ist voll von Gold,
Silber und anderen Schätzen; Pferde und Streitwagen sind in großer Zahl
vorhanden.
Jes 2,8 Doch auch mit Götzenstatuen ist das Land übersät. Vor selbst gemachten
Figuren werfen die Menschen sich nieder und beten sie an.
Jes 2,9 Herr, verzeih ihnen das nicht! Du wirst jeden in die Knie zwingen, alle
müssen sich vor dir beugen.
Jes 2,10 Ja, versteckt euch in den Höhlen, kriecht in die Erdlöcher! Denn der
Herr verbreitet Furcht und Schrecken, wenn er sich in seiner Macht und Hoheit
zeigt.
Jes 2,11 Es kommt der Tag, an dem der Hochmut der Menschen ein Ende hat und ihr
Stolz gebrochen wird. Dann wird nur einer groß sein: der Herr!
Jes 2,12 Der allmächtige Gott hat einen Tag bestimmt, an dem er über die stolzen
und hochmütigen Menschen Gericht hält und sie erniedrigt.
Jes 2,13 Alle hoch gewachsenen Zedern auf dem Libanon und die mächtigen Eichen
in der Baschanebene wird er umhauen,
Jes 2,14 jeden hohen Berg und Hügel einebnen,
Jes 2,15 starke Türme und feste Mauern einreißen;
Jes 2,16 alle Handelsschiffe, die bis nach Tarsis in Spanien fahren, wird er mit
ihrem ganzen Reichtum versenken.
Jes 2,17 [17/18] So macht er den Hochmut der Menschen zunichte. Die stolzen
Herren liegen dann im Staub, und mit den Götzen ist es aus und vorbei. An diesem
Tag wird nur einer groß sein: der Herr!
Jes 2,19 Wenn Gott sich in seiner Macht und Hoheit zum Gericht erhebt und die
Erde in Schrecken versetzt, fliehen seine Feinde voller Angst in die
Felsenklüfte und verkriechen sich in Erdlöchern.
Jes 2,20 Sie werfen ihre silbernen und goldenen Götzenfiguren, die sie mit viel
Mühe angefertigt haben, achtlos den Ratten und Fledermäusen hin,
Jes 2,21 um so schnell wie möglich in Felsspalten und Höhlen zu verschwinden.
Angst und Grauen wird sie packen, wenn der Herr sich erhebt, um Gericht zu
halten. Vor seiner Macht und Hoheit muss jeder vergehen.
Jes 2,22 Hört endlich auf, euch auf Menschen zu verlassen! Sie vergehen wie ein
Lufthauch. Was bleibt von ihnen übrig?
Jes 3,1 Der allmächtige Herr und Gott nimmt den Bewohnern von Juda und Jerusalem
alles weg, worauf sie sich heute verlassen: jeden Vorrat an Brot und Wasser,
Jes 3,2 alle tapferen Helden, Soldaten, Richter und Propheten, Wahrsager und
Ältesten,
Jes 3,3 alle Offiziere, angesehenen Leute, Rechtsgelehrten, geschickten
Handwerker und klugen Beschwörer.
Jes 3,4 Dafür gibt er ihnen unreife Kinder als Herrscher, die mit Willkür
regieren.
Jes 3,5 Schreckliche Zustände werden herrschen: Einer unterdrückt den anderen;
die Jungen lehnen sich gegen die Alten auf, die Ehrlosen gegen die geachteten
Leute.
Jes 3,6 Die Männer einer Sippe werden sich an einen von ihnen klammern und ihn
bestürmen: »Du hast wenigstens noch einen Mantel, wir dagegen haben alles
verloren. Sei unser Anführer, übernimm doch das Kommando über diesen
Trümmerhaufen!«
Jes 3,7 Doch der wird sich heftig wehren: »Lasst mich in Ruhe! Erwartet bloß
keine Hilfe von mir! Ich habe selbst nichts zu essen und anzuziehen. Ich kann
unmöglich unser Volk regieren. Schlagt euch das aus dem Kopf!«
Jes 3,8 Jerusalem, ja, das ganze Land Juda geht dem Untergang entgegen, denn
ihre Bewohner beleidigen den Herrn mit Wort und Tat, sie widersetzen sich seiner
Macht und Hoheit.
Jes 3,9 Ihre Bosheit steht ihnen im Gesicht geschrieben. Ohne Hemmungen reden
sie offen von ihren Sünden wie damals die Leute in Sodom. Aber das wird ihnen
schlecht bekommen! Sie stürzen sich selbst ins Unglück.
Jes 3,10 Vergesst nicht: Wer Gott gehorcht, dem geht es gut; was er erarbeitet
hat, das kann er auch genießen.
Jes 3,11 Aber wehe dem, der sich Gott widersetzt! Für seine Bosheit wird er die
gerechte Strafe erhalten: Was er anderen zugefügt hat, wird er selbst zu spüren
bekommen.
Jes 3,12 Ach, mein armes Volk! Merkst du nicht, was für Herrscher du hast? Sie
machen mit dir, was sie wollen, und beuten dich aus, wo sie nur können. Du hast
keine Anführer, sondern Verführer. Mit ihren falschen Ratschlägen verwirren sie
mein Volk, und deshalb weiß niemand mehr, was gut und richtig ist.
Jes 3,13 Der Herr erhebt sich zur Gerichtsverhandlung, er steht auf, um die
Völker zu richten.
Jes 3,14 Die Ältesten und die führenden Männer seines Volkes werden vorgeladen.
»Ihr habt meinen Weinberg Israel geplündert«, klagt der Herr sie an. »Ihr nehmt
den Armen ihren letzten Besitz und füllt damit eure eigenen Häuser.
Jes 3,15 Wer gibt euch das Recht, mein Volk zu unterdrücken und die Hilflosen
auszubeuten?«, fragt der Herr, der allmächtige Gott.
Jes 3,16 So spricht der Herr: »Hochmütig sind sie, die Frauen Jerusalems. Sie
recken stolz den Kopf in die Höhe und werfen den Männern aufreizende Blicke zu.
Sie gehen mit tänzelnden Schritten, damit ihre Fußkettchen klirren.«
Jes 3,17 Darum wird der Herr ihnen die Haare ausfallen lassen und sie nackt
ausziehen.
Jes 3,18 Ja, es kommt der Tag, da nimmt der Herr den vornehmen Frauen allen
Schmuck weg: die Fußspangen, die Stirnbänder und die Halsketten mit ihren
kleinen Halbmonden,
Jes 3,19 die prachtvollen Ohrgehänge, die Armreifen und die Schleier,
Jes 3,20 die kostbaren Diademe, die Fußkettchen und Gürtel, die teuren Parfüme
und alle Amulette,
Jes 3,21 die Finger- und Nasenringe,
Jes 3,22 ebenso ihre Festkleider, Umhänge, Mäntel, Täschchen
Jes 3,23 und Spiegel, die Unterwäsche, die Kopftücher und die weiten Überwürfe.
Jes 3,24 Statt nach Parfüm zu duften, werden sie stinken. Anstelle der kostbaren
Gürtel binden sie sich Stricke um. Von ihren kunstvollen Frisuren bleibt nichts
übrig, denn die Haare fallen ihnen aus. Statt feiner Seidenkleider tragen sie
Gewänder aus Sacktuch. Mit ihrer Schönheit ist es dann vorbei. Nur Scham und
Schande bleiben zurück.
Jes 3,25 Ach, Jerusalem! Alle deine Männer, auch die besten Soldaten, werden im
Krieg fallen.
Jes 3,26 Die ganze Stadt wird erfüllt sein vom lauten Klagen und Weinen.
Zerstört und ausgeplündert liegt sie da.
Jes 4,1 In dieser Zeit werden sieben Frauen einem Mann nachlaufen und ihn
anflehen: »Heirate uns doch alle sieben! Für unser Essen und die Kleidung wollen
wir selbst aufkommen. Wir möchten nur deinen Namen tragen. Erspar uns die
Schande, keinen Mann und keine Kinder zu haben!«
Jes 4,2 Zu jener Zeit lässt der Herr alle Pflanzen sprießen und prächtig
gedeihen; ja, das ganze Land blüht auf und bringt reiche Ernte. Die Überlebenden
in Israel werden sich daran freuen, sie können stolz darauf sein.
Jes 4,3 Alle, die noch in Jerusalem übrig geblieben sind, schreibt Gott in einem
Buch auf. Sie werden leben und ihm ganz gehören.
Jes 4,4 Durch seinen Geist, der Gericht hält und wie ein Feuer brennt, hat der
Herr die Einwohner Jerusalems geläutert. So wie man Schmutz abwäscht, hat er sie
von ihrer schweren Schuld befreit.
Jes 4,5 Der Herr wird etwas Neues schaffen: Den ganzen Berg Zion und alle, die
sich dort versammeln, bedeckt er am Tag mit einer Wolke und in der Nacht mit
Rauch und Feuerschein. Es wird sein, als liege ein Schutzdach über diesem
herrlichen Ort,
Jes 4,6 das Schatten bietet vor der Sonnenglut und Zuflucht vor Regen und Sturm.
Jes 5,1 Hört! Ich will ein Lied singen, ein Lied von meinem besten Freund und
seinem Weinberg: »Auf einem Hügel, sonnig und fruchtbar, lag das Grundstück
meines Freundes. Dort wollte er einen Weinberg anlegen.
Jes 5,2 Er grub den Boden um und räumte alle großen Steine fort. Die beste
Rebensorte pflanzte er hinein. Er baute einen Wachturm mittendrin und meißelte
einen Keltertrog aus dem Felsen. Wie freute er sich auf die erste Ernte, auf
saftige und süße Trauben! Doch die Trauben waren klein und sauer!
Jes 5,3 Urteilt selbst, ihr Leute von Jerusalem und Juda:
Jes 5,4 Habe ich für meinen Weinberg nicht alles getan? Konnte ich nicht mit
Recht eine reiche Ernte erwarten? Warum brachte er nur kleine, saure Trauben?
Jes 5,5 Wisst ihr, was ich jetzt mit meinem Weinberg mache? Zaun und Schutzmauer
reiße ich weg! Tiere sollen kommen und ihn kahl fressen, Ziegen und Schafe, sie
sollen ihn zertrampeln!
Jes 5,6 Nie mehr werde ich die Reben beschneiden, nie mehr den harten Boden mit
der Hacke lockern; Dornen und Disteln sollen ungehindert wuchern. Ich verbiete
den Wolken, ihm Regen zu bringen. Soll der Weinberg doch vertrocknen!«
Jes 5,7 Dies ist eure Geschichte, ihr Israeliten. Ihr seid der Weinberg, und
euer Besitzer ist der Herr, der allmächtige Gott. Ihr aus Israel und Juda, ihr
seid die Pflanzung, auf deren Erträge er sich freute. Er wollte von euch gute
Taten sehen, doch er sah nur Bluttaten; ihr habt nicht Recht gesprochen, sondern
es gebrochen!
Jes 5,8 Wehe denen, die sich ein Haus nach dem anderen bauen und ein Grundstück
nach dem anderen kaufen, bis keines mehr übrig ist! Sie finden erst Ruhe, wenn
das ganze Land ihnen gehört.
Jes 5,9 Ich habe die Worte des Herrn, des allmächtigen Gottes, noch im Ohr. Er
schwor: »Die großen und schönen Häuser werden verwüstet daliegen, und niemand
wird mehr darin wohnen.
Jes 5,10 Ein Weinberg von über zwei Hektar bringt dann nur ein kleines Fass Wein
ein, und von drei Zentnern Saatgut wird man höchstens ein Säckchen Getreide
ernten.
Jes 5,11 Wehe denen, die schon früh am Morgen losziehen, um sich zu betrinken.
Bis spät in die Nacht bleiben sie sitzen und lassen sich mit Wein voll laufen.
Jes 5,12 Gitarren und Harfen, Pauken und Flöten und natürlich der Wein fehlen
bei ihren Gelagen nie! Doch für mich, den Herrn, haben sie keinen Gedanken
übrig; was ich in der Welt tue, nehmen sie nicht wahr.
Jes 5,13 Weil sie das nicht einsehen wollen, wird mein Volk in die Verbannung
verschleppt werden. Dann müssen die vornehmen Herren Hunger leiden, und das
einfache Volk wird umkommen vor Durst.
Jes 5,14 Das Totenreich reißt wie ein gieriges Ungeheuer seinen Schlund auf und
verschlingt die ganze Pracht Jerusalems mitsamt der johlenden und lärmenden
Menge.
Jes 5,15 So werde ich die Menschen in die Knie zwingen, sie müssen vor mir in
den Staub. Wer früher eingebildet und hochmütig war, wird beschämt den Blick zu
Boden senken.«
Jes 5,16 Der Herr, der allmächtige Gott, vollstreckt sein Gerichtsurteil und
erweist so seine Macht. Er zeigt, dass er ein heiliger und gerechter Gott ist.
Jes 5,17 Zwischen den Trümmern der Stadt werden Lämmer weiden. Umherziehende
Hirten werden essen, was die vertriebenen Reichen in den Ruinen zurücklassen
mussten.
Jes 5,18 Wehe denen, die an die Sünde gefesselt sind und ihre Schuld hinter sich
herschleifen wie ein Ochse seinen Karren.
Jes 5,19 Sie spotten: »Er soll sich beeilen, der ›heilige Gott Israels‹, wir
möchten endlich sehen, wie er straft! Ständig spricht er von seinem Gericht.
Also los, er soll zeigen, was er kann!«
Jes 5,20 Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis als
Licht bezeichnen und Licht als Finsternis, die Saures für süß erklären und Süßes
für sauer.
Jes 5,21 Wehe denen, die sich selbst für klug und verständig halten!
Jes 5,22 Wehe denen, die Helden sind im Weintrinken und tapfere Männer, wenn es
darum geht, starke Getränke zu mischen.
Jes 5,23 Als Richter sind sie bestechlich, für Geld sprechen sie Schuldige frei
und verurteilen die Unschuldigen.
Jes 5,24 Darum werden sie brennen wie die Stoppeln auf dem Acker, ja, wie ein
Strohhaufen. Sie werden zugrunde gehen wie eine Blume, deren Wurzeln verfaulen,
wie Blüten, die der Wind zerstreut. Denn sie haben das Gesetz des Herrn, des
allmächtigen Gottes, abgelehnt und sich nicht zu Herzen genommen, was der
heilige Gott seinem Volk Israel gesagt hat.
Jes 5,25 Darum ist der Herr voller Zorn über sein Volk. Schon hat er seine Hand
erhoben und schlägt zu, dass die Berge erbeben. Die Leichen liegen überall auf
den Straßen herum wie Unrat. Aber noch hat sich der Zorn des Herrn nicht gelegt,
noch ist seine strafende Hand erhoben.
Jes 5,26 Er gibt den Völkern in der Ferne ein Zeichen. Ein Pfiff - und die Heere
eilen vom Ende der Erde herbei; in kürzester Zeit sind sie da.
Jes 5,27 Keiner der Soldaten ist müde und erschöpft, niemand gönnt sich eine
Pause oder gar eine Stunde Schlaf. Der Gürtel mit dem Schwert sitzt fest, und
die Schuhriemen reißen nicht.
Jes 5,28 Ihre Pfeilspitzen sind scharf geschliffen, die Bogen gespannt. Die Hufe
ihrer Pferde sind hart wie Stein, und die Räder der Streitwagen drehen sich wie
ein Wirbelwind.
Jes 5,29 Beim Angriff brüllen die Männer wie hungrige Löwen, die ihre Beute
packen und knurrend wegschleppen. Kein Mensch wagt, sie daran zu hindern.
Jes 5,30 Genauso werden diese Heere eines Tages über Juda und Jerusalem
herfallen. Ihr Siegesgebrüll gleicht dem Tosen des Meeres. Wohin man auch
blickt: Dichte Wolken verdunkeln das Licht, Finsternis lastet auf dem Land und
verbreitet Angst und Schrecken.
Jes 6,1 Es war in dem Jahr, als König Usija starb. Da sah ich den Herrn auf
einem hohen, gewaltigen Thron sitzen. Der Saum seines Gewandes füllte den ganzen
Tempel aus.
Jes 6,2 Er war umgeben von mächtigen Engeln, jeder von ihnen hatte sechs Flügel.
Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zweien ihren Leib, und zwei
brauchten sie zum Fliegen.
Jes 6,3 Sie riefen einander zu: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der
allmächtige Gott! Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt.«
Jes 6,4 Ihre Stimme ließ die Fundamente des Tempels erbeben, und das ganze
Heiligtum war voller Rauch.
Jes 6,5 Entsetzt rief ich: »Ich bin verloren! Denn ich bin ein Sünder und gehöre
zu einem Volk von Sündern. Mit jedem Wort, das über unsere Lippen kommt, machen
wir uns schuldig! Und nun habe ich den Herrn gesehen, den allmächtigen Gott und
König!«
Jes 6,6 Da flog einer der Engel zu mir mit einer glühenden Kohle in der Hand,
die er mit der Zange vom Altar geholt hatte.
Jes 6,7 Er berührte damit meinen Mund und sagte: »Die glühende Kohle hat deine
Lippen berührt. Deine Schuld ist jetzt weggenommen, dir sind deine Sünden
vergeben.«
Jes 6,8 Danach hörte ich den Herrn fragen: »Wen soll ich als Boten zu meinem
Volk senden? Wer ist bereit zu gehen?« Ich antwortete: »Ich bin bereit, sende
mich!«
Jes 6,9 Da sprach er: »Geh und sag diesem Volk: ›Hört mir nur zu, so lange ihr
wollt, ihr werdet doch nichts verstehen. Seht nur her, ihr werdet doch nichts
erkennen!‹
Jes 6,10 Sag ihnen das, und mach ihre Herzen hart und gleichgültig, verstopf
ihre Ohren, und verkleb ihre Augen! Sie sollen weder sehen noch hören, noch mit
dem Herzen etwas verstehen, damit sie nicht umkehren und geheilt werden.«
Jes 6,11 Ich fragte: »Herr, wie lange soll das so gehen?«, und er antwortete:
»Bis die Städte entvölkert und zerstört sind, bis die Häuser leer stehen und das
ganze Land zur Wüste geworden ist.
Jes 6,12 Ich werde seine Bewohner in fremde Länder verschleppen. Ganz Israel
wird einsam und verlassen daliegen.
Jes 6,13 Und sollte auch nur ein Zehntel der Bevölkerung im Land zurückgeblieben
sein, wird es noch einmal verwüstet werden. Mein Volk gleicht dann einem
gefällten Baum, von dem nur noch der Stumpf übrig geblieben ist. Doch aus diesem
Wurzelstock wird einmal etwas Neues wachsen: ein Volk, das mir gehört.«
Jes 7,1 Als Ahas, der Sohn Jotams und Enkel Usijas, König von Juda war,
versuchten König Rezin von Syrien und König Pekach von Israel, der Sohn
Remaljas, Jerusalem zu erobern. Doch sie konnten die Stadt nicht einnehmen.
Jes 7,2 Dem Königshaus wurde gemeldet: »Syrische Truppen sind in Israel
angekommen.« Der judäische König und das Volk zitterten vor Angst wie Bäume im
Sturm.
Jes 7,3 Da gab der Herr dem Propheten Jesaja den Auftrag: »Geh mit deinem Sohn
Schear-Jaschub dem König entgegen. Du wirst ihn am Ende der Wasserleitung
antreffen, die vom oberen Teich herkommt, an der Straße zu dem Feld, auf dem die
Tuchmacher ihre Stoffe bleichen.
Jes 7,4 Sag ihm, er soll nichts Unüberlegtes tun, sondern Ruhe bewahren.
Ermutige ihn mit dieser Botschaft: Hab keine Angst, und lass dich nicht
einschüchtern! Rezin und der Sohn Remaljas stürmen zwar wutschnaubend mit ihren
Heeren gegen dich heran, doch sie sind nichts als verkohlte, qualmende
Holzstummel.
Jes 7,5 Der syrische und der israelitische König haben sich einen bösen Plan
ausgedacht.
Jes 7,6 Die beiden sagen: ›Wir wollen nach Juda hinaufziehen. Erst schüchtern
wir die Leute ein, dann erobern wir Jerusalem, und zuletzt machen wir den Sohn
Tabeals zu ihrem neuen König.‹
Jes 7,7 Aber ich, der allmächtige Gott, sage: Daraus wird nichts! Es wird ihnen
nicht gelingen!
Jes 7,8 Damaskus bleibt auch weiterhin nur die Hauptstadt Syriens, Rezin muss
seine Eroberungspläne aufgeben. Und das Königreich Israel wird nur noch
fünfundsechzig Jahre bestehen; das Volk wird getötet oder verschleppt.
Jes 7,9 Bis dahin bleibt Samaria Hauptstadt, und der Sohn Remaljas muss sich mit
der Herrschaft über Israel begnügen. Vertraut jetzt mir, dem Herrn! Wenn euch
der Glaube an mich nicht hält, dann hält euch gar nichts mehr!«
Jes 7,10 Kurz darauf ließ der Herr wieder eine Botschaft an König Ahas
überbringen:
Jes 7,11 »Fordere von mir, dem Herrn, deinem Gott, ein Zeichen; ich will dir
mein Versprechen bestätigen. Verlang, was du willst: ein Zeichen hoch oben am
Himmel oder aus der Tiefe der Totenwelt.«
Jes 7,12 Doch Ahas wehrte ab: »Nein, nein, darauf lasse ich mich nicht ein! Ich
will den Herrn nicht auf die Probe stellen.«
Jes 7,13 Aber Jesaja erwiderte: »Hört, ihr vom Königshaus! Reicht es euch nicht,
dass ihr den Menschen zur Last fallt? Müsst ihr auch noch meinem Gott zur Last
fallen?
Jes 7,14 Jetzt gibt euch der Herr von sich aus ein Zeichen: Eine Jungfrau wird
schwanger werden und einen Sohn bekommen. Immanuel wird sie ihn nennen.
Jes 7,15 Nur von Butter und Honig ernährt er sich, bis er alt genug ist,
zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
Jes 7,16 Doch ehe der Junge dieses Alter erreicht, werden die Länder der beiden
Könige, vor denen du so schreckliche Angst hast, verwüstet sein.«
Jes 7,17 »Aber auch für dich, deine Familie und dein Volk brechen schlimme
Zeiten an. Sie werden schrecklicher sein als alles, was geschehen ist, seit sich
Israel von Juda trennte. Das Unglück kommt in Gestalt des Königs von Assyrien.
Jes 7,18 Der Herr wird die Feinde herbeipfeifen. Wie ein Fliegenschwarm kommen
sie von den weit entfernten Nilarmen, aus Assyrien ziehen sie heran und bedecken
das Land wie ein riesiges Bienenvolk.
Jes 7,19 Überall lassen sie sich nieder: in steilen Schluchten und engen
Felsspalten, in den Dornenhecken und an jeder Wasserstelle.
Jes 7,20 Dann wird der Herr den assyrischen König vom Euphrat ins Land holen und
als ›Rasiermesser‹ benutzen. Er wird euch die Haare am Kopf und am ganzen Körper
abrasieren.
Jes 7,21 In dieser Zeit wird jede Familie nur eine Kuh und zwei Ziegen besitzen.
Jes 7,22 Die aber werden so viel Milch geben, dass man sogar noch Butter daraus
machen kann. Wer überlebt hat und im Land bleiben konnte, wird sich von Butter
und Honig ernähren.
Jes 7,23 Die großen Weinberge mit ihren tausend Weinstöcken, jeder einzelne ein
Silberstück wert, sind dann mit Dornengestrüpp und Unkraut überwuchert.
Jes 7,24 So verwildert das Land. Man geht dort nur noch hin, um mit Pfeil und
Bogen zu jagen.
Jes 7,25 Die fruchtbaren Berghänge, die man heute mit der Hacke bearbeitet,
verwandeln sich in ein unwegsames Dickicht aus Dornengestrüpp und Unkraut. Jeder
meidet diese Gegend. Nur Rinder, Schafe und Ziegen treibt man zum Weiden
dorthin.«
Jes 8,1 Der Herr sprach zu mir: »Nimm eine große Tafel, und schreib darauf in
gut lesbarer Schrift: ›Schnelle Beute, rascher Raub‹.«
Jes 8,2 Ich zeigte die Tafel zwei zuverlässigen Zeugen, und zwar dem Priester
Uria und Secharja, dem Sohn Jeberechjas.
Jes 8,3 Als ich dann mit meiner Frau, der Prophetin, schlief, wurde sie
schwanger und bekam einen Sohn. Der Herr befahl mir: »Nenn ihn ›Schnelle Beute,
rascher Raub‹.
Jes 8,4 Denn bevor das Kind ›Vater‹ und ›Mutter‹ sagen kann, wird der König von
Assyrien die Städte Damaskus und Samaria erobern und ihre Schätze plündern.«
Jes 8,5 Weiter sagte der Herr zu mir:
Jes 8,6 »Dieses Volk verachtet das ruhig fließende Wasser des Siloahkanals in
Jerusalem. Doch Rezin und Pekach verehren sie.
Jes 8,7 Deshalb hetze ich den König von Assyrien auf sie, er wird mit seinem
Heer ins Land einfallen. So wie der Euphrat bei Hochwasser zu einem reißenden
Strom anschwillt und über die Ufer tritt,
Jes 8,8 so wird sich dieses Heer auf Juda zuwälzen und das Land überfluten. Das
Wasser wird dem Volk bis zum Hals stehen. Dein ganzes Land, Immanuel, wird von
ihnen bedeckt sein.«
Jes 8,9 Erhebt nur das Kriegsgeschrei, ihr Völker - es wird euch angst und bange
werden! Hört genau zu, ihr fernen Nationen: Rüstet euch ruhig zum Krieg - wenn
es so weit ist, werdet ihr weiche Knie bekommen!
Jes 8,10 Schmiedet Pläne und fasst Beschlüsse, soviel ihr wollt - sie werden
scheitern, nichts wird euch gelingen! Denn Gott ist mit uns.
Jes 8,11 Der Herr hat mich mit seiner starken Hand gepackt. Er warnte mich
davor, den Irrweg dieses Volkes mitzugehen.
Jes 8,12 Er sagte zu mir: »Du und alle, die auf deiner Seite stehen, lasst euch
nicht beirren, wenn dieses Volk euch als Verschwörer beschimpft. Habt keine
Angst vor dem, was sie fürchten!
Jes 8,13 Ich bin der Herr, der allmächtige und heilige Gott. Wenn jemand zu
fürchten ist, dann ich!
Jes 8,14 Für die einen bin ich ein sicherer Zufluchtsort, für andere bin ich der
Stein, über den sie stolpern. Ich bin ein Fels, über den Israel und Juda
stürzen, eine versteckte Falle, in die die Einwohner Jerusalems hineinlaufen.
Jes 8,15 Viele werden stolpern und sich beim Sturz die Knochen brechen, viele
werden in die Falle laufen und sich darin verfangen.
Jes 8,16 Vertrau meine Botschaft und meine Weisung denen an, die mir die Treue
halten; sie sollen meine Botschaft hüten und bewahren.«
Jes 8,17 Der Herr hat sich von seinem Volk Israel abgewandt. Aber ich warte auf
seine Hilfe; ich hoffe darauf, dass er sich uns wieder zuwendet.
Jes 8,18 Ich und meine Kinder, die der Herr mir gegeben hat, wir sind lebende
Botschaften. Durch uns spricht der Herr, der allmächtige Gott, der auf dem Berg
Zion wohnt, zu seinem Volk.
Jes 8,19 Doch die Leute lehnen das Wort des Herrn ab. Sie suchen lieber Rat bei
Menschen, die mit den Geistern der Verstorbenen Verbindung aufnehmen, oder sie
befragen Wahrsager, die geheimnisvoll flüstern und murmeln. Wenn sie auch euch
dazu verführen wollen, dann entgegnet: »Warum wendet ihr euch nicht eurem Gott
zu? Wissen die Toten etwa mehr über die Lebenden als der Herr?«
Jes 8,20 Richtet euch nach Gottes Weisungen, und glaubt dem, was er euch sagt!
Wer sich daran nicht hält, dessen Nacht nimmt kein Ende!
Jes 8,21 Verdrossen und hungrig muss er durch das Land streifen. Der Hunger
quält ihn, er wird rasend vor Wut und verflucht seinen König und seinen Gott.
Wohin er auch blickt, zum Himmel
Jes 8,22 oder zur Erde, er sieht nur erdrückende Finsternis, Elend und Unglück.
Er ist im dunklen Tal der Hoffnungslosigkeit gefangen.
Jes 8,23 Aber die Zeit der Finsternis und der Hoffnungslosigkeit wird einmal ein
Ende haben. Früher hat Gott Schande gebracht über das Gebiet der Stämme Sebulon
und Naftali, in Zukunft aber bringt er gerade diese Gegend, die Westseite des
Sees Genezaret, zu Ehren; ebenso das Ostjordanland und das nördliche Galiläa, wo
andere Völker wohnen.
Jes 9,1 Das Volk, das im Finstern lebt, sieht ein großes Licht; hell strahlt es
auf über denen, die ohne Hoffnung sind.
Jes 9,2 Du, Herr, machst Israel wieder zu einem großen Volk und schenkst ihnen
überströmende Freude. Sie sind fröhlich wie nach einer reichen Ernte; sie jubeln
wie nach einem Sieg, wenn die Beute verteilt wird.
Jes 9,3 So wie du Israel damals aus der Gewalt der Midianiter errettet hast, so
befreist du sie dann von der schweren Last der Fremdherrschaft. Du zerbrichst
die Peitsche, mit der sie zur Zwangsarbeit getrieben werden.
Jes 9,4 Die Soldatenstiefel, die beim Marschieren so laut dröhnen, und all die
blutverschmierten Kampfgewänder werden ins Feuer geworfen und verbrannt.
Jes 9,5 Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die
Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«,
»Ewiger Vater«, »Friedensfürst«.
Jes 9,6 Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen.
Wie sein Vorfahre David herrscht er über das Reich, festigt und stützt es, denn
er regiert bis in alle Ewigkeit mit Recht und Gerechtigkeit. Der Herr, der
allmächtige Gott, sorgt dafür, er verfolgt beharrlich sein Ziel.
Jes 9,7 Der Herr hat ein hartes Urteil über die Nachkommen Jakobs verhängt. Das
Reich Israel wird es zu spüren bekommen,
Jes 9,8 ja, es wird die Bewohner von Israel und die Einwohner Samarias treffen.
Voller Hochmut prahlen sie:
Jes 9,9 »Unsere Häuser aus Ziegelsteinen sind zwar zerstört, doch nun bauen wir
uns neue aus Quadersteinen. Die knorrigen Maulbeerbäume wurden alle gefällt. Was
soll's, wir pflanzen Zedern dafür an!«
Jes 9,10 Darum hat der Herr die Feinde Israels stark gemacht und sie zum Krieg
angestachelt.
Jes 9,11 Die Syrer sind von Osten her ins Land eingefallen, und die Philister
griffen von Westen an. Sie stürzten sich mit weit aufgerissenem Maul auf Israel
und verschlangen ganze Stücke des Landes. Aber noch hat sich der Zorn des Herrn
nicht gelegt, noch ist seine strafende Hand erhoben.
Jes 9,12 Der Herr, der allmächtige Gott, bestraft sein Volk hart, aber es kehrt
nicht zu ihm zurück, ja, es fragt nicht einmal nach ihm.
Jes 9,13 [13/14] Darum wird der Herr an ein und demselben Tag Kopf und Schwanz
von Israel abschlagen. Der Kopf, das sind die Führer des Volkes, die angesehenen
Männer und die Ältesten; der Schwanz, das sind die angeblichen Propheten mit
ihren falschen Weissagungen. Wie man die obersten Zweige der Palmen und die
Binsen im Sumpf abschneidet, so wird der Herr an einem Tag das ganze Volk
vernichten.
Jes 9,15 Denn die Führer dieses Volkes sind Verführer. Wer sich ihnen
anvertraut, wird in die Irre geleitet.
Jes 9,16 Darum verschont der Herr die jungen Männer nicht und hat kein Mitleid
mit den Witwen und Waisen. Denn sie sind alle ohne Ausnahme gewissenlose und
bösartige Lästermäuler. Ihr ganzes Leben ist eine ständige Auflehnung gegen
Gott. Aber noch hat sich der Zorn des Herrn nicht gelegt; noch ist seine
strafende Hand erhoben.
Jes 9,17 Durch ihre Gottlosigkeit sprechen sie sich selbst das Urteil. Ihre
Bosheit gleicht einer lodernden Flamme, die Unkraut und Dornensträucher verzehrt
und das dichte Unterholz im Wald in Brand steckt, bis schwarze Rauchsäulen
aufsteigen.
Jes 9,18 In seinem glühenden Zorn denkt der Herr, der allmächtige Gott, gar
nicht daran, dieses Feuer einzudämmen. Zurück bleibt ein zerstörtes Land, ein
Land, in dem jeder gegen jeden kämpft. Niemand kümmert sich um den anderen,
Jes 9,19 jeder will nur seinen Hunger stillen. Gierig und rücksichtslos fällt
man über alles Essbare her und wird trotzdem nicht satt. Am Ende zerfleischen
sie sich gegenseitig:
Jes 9,20 Die Leute vom Stamm Manasse stürzen sich auf den Stamm Ephraim. Die von
Ephraim gehen auf Manasse los, und zusammen fallen sie über Juda her. Und immer
noch ist der Zorn des Herrn nicht gestillt; drohend schwebt seine Hand über
diesem Volk.
Jes 10,1 Der Herr sagt: »Wehe denen, die Gesetze verabschieden, um andere ins
Unglück zu stürzen, und Verordnungen erlassen, um andere zu unterdrücken!
Jes 10,2 Sie betrügen die Armen und Schwachen meines Volkes um ihr Recht.
Kaltblütig beuten sie Witwen und hilflose Waisen aus.
Jes 10,3 Doch was wollt ihr tun, wenn die Zeit gekommen ist, in der ich euch
bestrafe, wenn das Unglück von ferne über euch hereinbricht? Zu wem wollt ihr
dann fliehen, bei wem Hilfe suchen? Wo wollt ihr euer ganzes Vermögen in
Sicherheit bringen?
Jes 10,4 Ihr werdet entweder als Gefangene gefesselt daherstolpern oder tot bei
den Gefallenen liegen.« Und auch dann ist der Zorn des Herrn noch nicht
gestillt; drohend schwebt seine Hand über diesem Volk.
Jes 10,5 »Wehe den Assyrern!« ruft der Herr. »Noch gebrauche ich sie als Stock,
mit dem ich mein Volk bestrafe. Mein grimmiger Zorn gegen Israel treibt die
Assyrer an.
Jes 10,6 Ich schicke sie in den Kampf gegen dieses gottlose Volk, das immer und
immer wieder meinen Zorn erregt. Ich lasse das assyrische Heer das Land
ausplündern und reiche Beute machen. Sollen sie es doch zertrampeln wie Dreck
auf der Straße!«
Jes 10,7 Doch der König von Assyrien will nicht wahrhaben, dass er vom Herrn
diese Macht bekommen hat. Er verfolgt seine eigenen Pläne. Vernichten will er,
Völker auslöschen - je mehr, desto besser!
Jes 10,8 »Jeder Befehlshaber über meine Truppen ist so mächtig wie ein König!«,
prahlt er.
Jes 10,9 »Habe ich nicht eine Stadt nach der anderen eingenommen? Kalne war
ebenso unfähig zum Widerstand wie Karkemisch, Hamat genauso schwach wie Arpad,
und Samaria besiegte ich so leicht wie Damaskus.
Jes 10,10 Ich habe Königreiche erobert, deren Götterstatuen die von Samaria und
Jerusalem weit übertrafen an Anzahl, Macht und Prunk.
Jes 10,11 Samaria und seine Götter habe ich bereits zerstört, sollte ich
Jerusalem und seine Götter davonkommen lassen?«
Jes 10,12 Doch der Herr entgegnet: »Sobald ich die Assyrer nicht mehr brauche,
weil ich mein Ziel mit Jerusalem erreicht habe, gehe ich mit dem König von
Assyrien ins Gericht. Selbstherrlich ist er und hochnäsig, voller Stolz blickt
er auf andere herab.
Jes 10,13 Er brüstet sich und behauptet: ›Aus eigener Kraft habe ich das alles
geschafft! Meiner Klugheit ist es zu verdanken! Ich bestimme, wo die Grenzen
zwischen den Völkern verlaufen, ich plündere ihre Schätze und stürze die Könige
von ihren Thronen. So groß ist meine Macht!
Jes 10,14 Wie man Vogelnester ausnimmt, so habe ich den Reichtum der Völker
zusammengerafft. Alle Länder habe ich eingesammelt wie Eier aus einem
verlassenen Nest. Keiner hat es gewagt, auch nur mit den Flügeln zu schlagen,
sie haben den Schnabel gehalten und keinen Piepser von sich gegeben.‹
Jes 10,15 Aber ich, der Herr, sage: Behauptet etwa eine Axt, sie sei stärker als
der Holzarbeiter? Ist die Säge mehr als der, der sie gebraucht? Das wäre ja so,
als ob ein Stock den schwingt, der ihn in der Hand hält, oder als ob ein Stab
den Menschen hochhebt.«
Jes 10,16 Weil sie so prahlen und lästern, wird der Herr, der allmächtige Gott,
die feisten Assyrer spindeldürr werden lassen. Unter ihren Reichtümern lässt er
ein Feuer aufflammen, das alles verzehrt.
Jes 10,17 Der heilige Gott, Israels Licht - er ist dieses Feuer! An einem
einzigen Tag verbrennt es Assyrien mitsamt Dornen und Disteln.
Jes 10,18 Der Herr rodet die prächtigen Wälder und zerstört die fruchtbaren
Gärten so gründlich, dass keine Pflanze übrig bleibt. Assyrien wird es ergehen
wie einem Todkranken, der langsam dahinsiecht.
Jes 10,19 Es wird nur noch so wenig Bäume geben, dass sogar ein Kind sie zählen
kann.
Jes 10,20 Die Nachkommen Jakobs aber, die dann noch übrig geblieben sind, werden
ihre Hilfe nicht mehr von den Assyrern erwarten, von denen sie doch nur Schläge
erhielten. Auf den Herrn, den heiligen Gott Israels, werden sie sich verlassen
und ihm die Treue halten.
Jes 10,21 Ein Überrest des Volkes, ein kleiner Rest wird zurückkehren zu seinem
starken Gott.
Jes 10,22 Auch wenn ihr Israeliten heute noch ein riesiges Volk seid, zahlreich
wie der Sand am Meer, so bleiben doch nur wenige von euch übrig, die zu Gott
zurückkehren. Der Herr wird sich Recht verschaffen: Wie eine Sturmflut wird
seine gerechte Strafe euch überrollen.
Jes 10,23 Er ist fest entschlossen, das ganze Land zu verwüsten.
Jes 10,24 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Mein Volk in Jerusalem,
fürchtet euch nicht vor den Assyrern, auch wenn sie euch so hart unterdrücken
wie damals die Ägypter eure Vorfahren.
Jes 10,25 Es dauert nicht mehr lange, dann bin ich nicht mehr zornig über euch.
Stattdessen werde ich mit den Assyrern abrechnen.«
Jes 10,26 Der Herr, der allmächtige Gott, wird seine Peitsche über den Assyrern
schwingen. Er schlägt sie wie die Midianiter, die damals beim Orebfelsen
endgültig besiegt wurden. Er streckt seinen Stab über sie aus wie Mose, der
damals seinen Stock über das Meer und über das ägyptische Heer ausstreckte.
Jes 10,27 Dann wird dir, Israel, die Last von der Schulter genommen. Vom Joch
Assyriens wirst du befreit.
Jes 10,28 Seht, das mächtige Heer der Assyrer ist im Vormarsch! Schon sind sie
in Aja, jetzt in Migron. Ihre Ausrüstung lassen sie in Michmas zurück
Jes 10,29 und überqueren den Pass. Sie übernachten in Geba. Die Menschen in Rama
zittern vor Angst, die in Gibea, der Stadt Sauls, ergreifen die Flucht.
Jes 10,30 Ja, schreit nur laut, ihr Leute von Gallim, ihr habt allen Grund dazu!
Hört, ihr Einwohner von Lajescha, die Feinde rücken immer näher! Armes Anatot,
was steht dir bevor!
Jes 10,31 Alle Einwohner Madmenas fliehen; die von Gebim laufen um ihr Leben.
Jes 10,32 Noch heute trifft das Heer in Nob ein und schlägt dort sein Lager auf.
Der assyrische König ballt drohend die Faust gegen Jerusalem und den Berg Zion.
Jes 10,33 [33/34] Doch seht, jetzt greift der Herr ein! Mit furchtbarer Gewalt
schlägt er, der allmächtige Gott, das assyrische Heer. Wie ein Holzfäller im
Wald auf dem Libanon schwingt er die Axt. Er fällt die hohen Stämme und schlägt
die Äste ab. Selbst das größte Dickicht im Wald haut er um. Er, der Mächtige,
fällt sie alle!
Jes 11,1 Was von Davids Königshaus noch übrig bleibt, gleicht einem alten
Baumstumpf. Doch er wird zu neuem Leben erwachen: Ein junger Trieb sprießt aus
seinen Wurzeln hervor.
Jes 11,2 Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, ein Geist der Weisheit und der
Einsicht, ein Geist des Rates und der Kraft, ein Geist der Erkenntnis und der
Ehrfurcht vor dem Herrn.
Jes 11,3 Dieser Mann wird den Herrn von ganzem Herzen achten und ehren. Er
richtet nicht nach dem Augenschein und fällt seine Urteile nicht nach dem
Hörensagen.
Jes 11,4 Unbestechlich verhilft er den Armen zu ihrem Recht und setzt sich für
die Rechtlosen im Land ein. Sein Urteilsspruch wird die Erde treffen; ein Wort
von ihm genügt, um die Gottlosen zu töten.
Jes 11,5 Gerechtigkeit und Treue werden sein ganzes Handeln bestimmen.
Jes 11,6 Dann werden Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen, der Leopard
wird beim Ziegenböckchen liegen. Kälber, Rinder und junge Löwen weiden zusammen,
ein kleiner Junge kann sie hüten.
Jes 11,7 Kuh und Bärin teilen die gleiche Weide, und ihre Jungen liegen
beieinander. Der Löwe frisst Heu wie ein Rind.
Jes 11,8 Ein Säugling spielt beim Schlupfloch der Viper, ein Kind greift in die
Höhle der Otter.
Jes 11,9 Auf dem ganzen heiligen Berg wird niemand etwas Böses tun und Schaden
anrichten. Alle Menschen kennen den Herrn, das Wissen um ihn erfüllt das Land
wie Wasser das Meer.
Jes 11,10 In dieser Zeit ist der Trieb, der aus der Wurzel Davids hervorsprießt,
als Zeichen für alle Völker sichtbar. Sie werden nach ihm fragen, und der Ort,
an dem er wohnt, wird herrlich sein.
Jes 11,11 Wenn diese Zeit da ist, streckt der Herr noch einmal seine Hand aus,
um den Rest seines Volkes zu befreien. Von überall holt er die übrig gebliebenen
Israeliten zurück: aus Assyrien, aus Unter- und Oberägypten, aus Äthiopien, aus
Elam in Persien, aus Babylonien, aus Hamat in Syrien und von den fernen Inseln
und Küsten.
Jes 11,12 In allen Ländern richtet er ein Zeichen auf, das seinem Volk den Weg
weist. So sammelt er die Menschen, die aus Israel und Juda vertrieben und in die
ganze Welt zerstreut wurden. Aus allen Himmelsrichtungen holt er sie zurück.
Jes 11,13 Dann verschwindet die alte Eifersucht zwischen Israel und Juda, nie
mehr bekämpfen sie sich gegenseitig.
Jes 11,14 Gemeinsam ziehen sie nun gegen ihre Feinde in den Kampf: Sie stürzen
sich auf die Philister im Westen und plündern die Völker im Osten aus; die
Länder der Edomiter und Moabiter nehmen sie in Besitz. Auch die Ammoniter werden
sie unterwerfen.
Jes 11,15 Der Herr wird den Golf von Suez austrocknen lassen. Dem Euphrat droht
er mit geballter Faust und zerteilt ihn mit seinem glühenden Atem in sieben
kleine Bäche, die man zu Fuß durchqueren kann.
Jes 11,16 So bahnt er seinem Volk den Weg, damit es aus Assyrien heimkehren
kann, wie er es damals tat, als die Israeliten aus Ägypten wegzogen.
Jes 12,1 Am Tag deiner Rettung wirst du, Israel, singen: »Dich will ich loben, o
Herr! Du warst zornig auf mich, doch dein Zorn hat sich gelegt, und du hast mich
wieder getröstet.
Jes 12,2 Ja, so ist mein Gott: Er hat mich errettet und mir geholfen, ich
vertraue ihm und habe keine Angst. Der Herr allein gibt mir Kraft. Denke ich an
ihn, dann beginne ich zu singen, denn er hat mich gerettet.«
Jes 12,3 Seine Hilfe gleicht einer sprudelnden Quelle. Voller Freude werdet ihr
Wasser daraus schöpfen.
Jes 12,4 An jenem Tag werdet ihr sagen: »Lobt den Herrn, ruft in die Welt
hinaus, wer euer Gott ist! Sagt den Völkern, was er getan hat! Rühmt ihn, und
erzählt, wie groß und erhaben er ist!
Jes 12,5 Singt zur Ehre des Herrn, denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Das
soll auf der ganzen Erde bekannt werden.
Jes 12,6 Ihr Einwohner von Jerusalem, jubelt und singt, denn groß und mächtig
ist der heilige Gott Israels, der mitten unter euch wohnt.«
Jes 13,1 In einer Vision gab der Herr dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz,
diese Botschaft über die Stadt Babylon:
Jes 13,2 »Stellt ein Feldzeichen auf, oben auf einem kahlen Berg! Ruft die
Soldaten, winkt sie herbei, und lasst sie durch die Tore in die Stadt der
mächtigen Herren einziehen!
Jes 13,3 Ich, der Herr, habe dieses Heer aufgeboten und meine besten Soldaten
herbeigerufen, damit sie mein Urteil vollstrecken. Sie jubeln über meine große
Macht.«
Jes 13,4 Hört ihr das laute Getöse, das von den Bergen widerhallt? Es ist eine
unzählbare Menschenmenge, ganze Völker und Königreiche sind angetreten. Der
Herr, der allmächtige Gott, mustert sein Kriegsheer.
Jes 13,5 Aus fernen Ländern kommen sie, von weit her: der Herr und seine
Truppen, die sein Gerichtsurteil vollstrecken. Sie rücken heran, um das ganze
babylonische Reich zu verwüsten.
Jes 13,6 Schreit vor Angst, denn jetzt naht der Gerichtstag des Herrn, der
Allmächtige holt zum Vernichtungsschlag aus.
Jes 13,7 Da werden alle vor Angst wie gelähmt sein, jeden wird der Mut
verlassen.
Jes 13,8 Von Furcht und Schrecken sind sie gepackt, sie winden sich vor
Schmerzen wie eine Frau in den Wehen. Mit totenbleichen Gesichtern starren sie
einander hilflos an.
Jes 13,9 Ja, der Gerichtstag des Herrn kommt! An diesem grausamen Tag lässt der
Herr seinem glühenden Zorn freien Lauf, er macht die Erde zu einer Wüste und
vernichtet die Sünder.
Jes 13,10 Dann leuchten am Himmel keine Sterne mehr, den Orion und die anderen
Sternbilder sucht man vergeblich. Die Sonne ist schon verdunkelt, wenn sie
aufgeht, und auch der Mond scheint nicht mehr.
Jes 13,11 Der Herr sagt: »Ich werde die ganze Welt bestrafen, weil sie voller
Bosheit ist. Die gottlosen Übeltäter erhalten die gerechte Strafe für ihre
Verbrechen. Ich mache der Großtuerei aller hochmütigen Menschen ein Ende, ich
breche den Stolz der grausamen Tyrannen.
Jes 13,12 Nur wenige Menschen werden überleben. Sie werden schwerer zu finden
sein als reines Gold, seltener noch als das edelste Gold aus Ofir.«
Jes 13,13 An diesem Tag wird der Himmel erzittern und die ganze Welt ins Wanken
geraten, weil der Zorn des Herrn, des allmächtigen Gottes, sie trifft.
Jes 13,14 Alle Menschen laufen dann auseinander wie aufgescheuchte Gazellen, wie
eine Schafherde ohne Hirten. Jeder versucht, zurück in seine Heimat und zu
seinem Volk zu fliehen.
Jes 13,15 Wen man auf der Flucht entdeckt und fasst, der wird mit dem Schwert
niedergestochen.
Jes 13,16 Vor ihren Augen wird man ihre Kinder zerschmettern, ihre Häuser
plündern und ihre Frauen vergewaltigen.
Jes 13,17 Der Herr sagt: »Ich werde die Meder gegen diese Stadt aufstacheln. Sie
lassen sich weder mit Gold noch mit Silber besänftigen.
Jes 13,18 Ihre Pfeile werden die jungen Männer durchbohren. Sie bringen sogar
Säuglinge erbarmungslos um und haben mit den Kindern kein Mitleid.«
Jes 13,19 Babylon, heute noch die glanzvollste Stadt aller Königreiche, der
ganze Stolz der Babylonier, wird restlos zerstört. Der Herr vernichtet sie wie
damals die Städte Sodom und Gomorra.
Jes 13,20 Danach wird Babylon nie wieder aufgebaut. Generationen kommen und
gehen, doch diese Stadt bleibt unbewohnt. Nicht einmal Nomaden werden für kurze
Zeit ihre Zelte dort aufschlagen, und niemals werden Hirten ihre Herden dort
weiden lassen.
Jes 13,21 Stattdessen suchen wilde Wüstentiere zwischen den Trümmern
Unterschlupf. Eulen bevölkern die ehemaligen Wohnhäuser. Strauße leben dort, und
nachts kommen die Dämonen und führen ihre Tänze auf.
Jes 13,22 In den Hallen der Paläste hört man nur noch das Geheul der Hyänen und
Schakale. Ja, Babylons Ende ist nahe, seine Strafe wird um keinen einzigen Tag
hinausgeschoben.
Jes 14,1 Der Herr wird sich über die Nachkommen Jakobs erbarmen; er nimmt die
Israeliten wieder als sein Volk an und bringt sie in ihre Heimat zurück. Auch
Menschen anderer Länder werden sich ihnen anschließen und in Israel wohnen.
Jes 14,2 Fremde Völker werden den Israeliten bei der Rückkehr in ihre Heimat
helfen und ihnen dort als Sklaven dienen. Dann halten die Israeliten die
gefangen, von denen sie einst in die Gefangenschaft geführt wurden. Sie
herrschen über ihre ehemaligen Unterdrücker.
Jes 14,3 Nach all dem Leid, der Ruhelosigkeit und der harten Arbeit, zu der man
euch Israeliten gezwungen hat, werdet ihr endlich in Frieden leben.
Jes 14,4 Dann werdet ihr über den König von Babylonien ein Spottlied anstimmen:
»Welch jähes Ende hat der Tyrann gefunden! Seine Schreckensherrschaft ist
vorbei.
Jes 14,5 Der Herr hat den Gotteslästerern die Macht genommen, zerbrochen hat er
das Zepter des Tyrannen,
Jes 14,6 der in seiner Wut unablässig auf die Völker einschlug, der sie grausam
und rücksichtslos verfolgte und seinen Zorn an ihnen ausließ.
Jes 14,7 Nun ist es friedlich geworden, und die Erde kommt zur Ruhe. Die ganze
Welt bricht in Jubel aus.
Jes 14,8 Sogar der Wald triumphiert über dich, Zypressen und Zedern auf dem
Libanon freuen sich und singen: ›Seit du gestürzt am Boden liegst, kommt keiner
mehr herauf, um uns zu fällen.‹
Jes 14,9 Die Welt der Toten ist in Aufregung: Gespannt erwartet man dort unten
deine Ankunft. Frühere Herrscher, die nun dort als Schatten leben, sind
aufgeschreckt, Könige, die längst im Reich der Toten sind, erheben sich von
ihren Thronen.
Jes 14,10 Sie begrüßen dich mit einem Spottlied: ›Nun hat auch dich die Kraft
verlassen, jetzt geht es dir wie uns!
Jes 14,11 Dahin ist deine Pracht, du nahmst sie mit ins Grab. Die Musik deiner
Harfenspieler ist verstummt. Nun liegst du auf einem Bett von Maden, und Würmer
decken dich zu.‹
Jes 14,12 Wie bist du vom Himmel gefallen, du hell leuchtender Morgenstern! Zu
Boden wurdest du geschmettert, du Welteroberer!
Jes 14,13 Du hattest dir vorgenommen, immer höher hinauf bis zum Himmel zu
steigen. Du dachtest: ›Hoch über den Sternen will ich meinen Thron aufstellen.
Auf dem Berg im äußersten Norden, wo die Götter sich versammeln, dort will ich
meine Residenz errichten.
Jes 14,14 Hoch über die Wolken steige ich hinauf, dann bin ich dem allerhöchsten
Gott endlich gleich!‹
Jes 14,15 Doch hinunter ins Totenreich wurdest du gestürzt, hinunter in die
tiefsten Tiefen der Erde.
Jes 14,16 Wer dich sieht, traut seinen Augen nicht. Er starrt dich an und denkt:
›Ist das der Mann, vor dem die ganze Welt zitterte, der Mann, der viele
Königreiche in Angst und Schrecken versetzte?
Jes 14,17 Er war es doch, der ganze Städte dem Erdboden gleichmachte und der die
Erde verwüstete. Wen er gefangen nahm, der kam nie zurück.‹
Jes 14,18 Die Könige aller Völker werden ehrenvoll in prächtigen Gräbern
beigesetzt,
Jes 14,19 aber deine Leiche liegt da wie ein abgerissener Zweig. Weit entfernt
von der Ruhestätte deiner Vorfahren versinkst du in einem Massengrab, unter den
Leichen der Soldaten, die das Schwert durchbohrt hat. Achtlos wirst du
zertrampelt wie ein totes Tier.
Jes 14,20 Nie sollst du bei deinen Vorfahren bestattet werden, denn du hast
sogar dein eigenes Reich zugrunde gerichtet und dein Volk grausam umgebracht.
Für alle Zeiten soll diese Sippe von Verbrechern vergessen sein.
Jes 14,21 Bringt seine Söhne her, und schlachtet sie ab! Denn auf ihren
Vorfahren lastet schwere Schuld. Nie wieder dürfen sie an die Macht kommen, nie
wieder die Erde in Besitz nehmen und überall ihre Städte errichten!«
Jes 14,22 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Ich werde eingreifen und
Babylon vollständig vernichten. Die ganze Sippe samt Kindern und Kindeskindern
soll ausgelöscht werden. Darauf könnt ihr euch verlassen!
Jes 14,23 Babylon mache ich zum Sumpfgebiet, in dem die Vögel nisten. Ich werde
diese Stadt mit dem Besen der Zerstörung auskehren. Mein Wort gilt!«
Jes 14,24 Ja, der Herr, der allmächtige Gott, hat geschworen: »Was ich mir
vorgenommen habe, das tue ich. Was ich beschlossen habe, das geschieht.
Jes 14,25 Ich werde das assyrische Heer zerschlagen, noch während es in meinem
Land Israel wütet; im Bergland Israels kommt es um. Dann wird mein Volk nicht
länger von den Assyrern unterjocht, es muss nicht mehr unter ihrer schweren Last
leiden.«
Jes 14,26 So hat der Herr es für die ganze Erde beschlossen. Schon erhebt er
seine Hand drohend gegen alle Völker, bereit zuzuschlagen.
Jes 14,27 Wenn der Herr, der allmächtige Gott, sich etwas vorgenommen hat, wer
kann seinen Plan dann noch durchkreuzen? Wenn seine Hand zum Schlag erhoben ist,
wer kann ihn dann noch hindern?
Jes 14,28 In dem Jahr, als König Ahas von Juda starb, empfing ich diese
Botschaft von Gott:
Jes 14,29 »Freut euch nicht zu früh, ihr Philister, dass der König von Assyrien
tot ist, der euch unterdrückte! Der Stock, der euch schlug, ist zwar nun
zerbrochen, doch aus der toten Schlange wird eine giftige Viper und aus dieser
ein fliegender Drache!
Jes 14,30 Die Ärmsten meines Volkes Israel werden reichlich zu essen haben, und
die Notleidenden können wieder ohne Sorge leben. Euch aber lasse ich am Hunger
zugrunde gehen, bis auch der letzte Rest von euch ausgelöscht ist.
Jes 14,31 Ihr Wächter an den Toren, schreit laut! Heult, ihr Stadtbewohner!
Zittert vor Angst, ihr Philister! Denn von Norden naht eine Rauchwolke. Es ist
ein gewaltiges Heer, und keiner der Soldaten bleibt zurück.«
Jes 14,32 Was sollen wir den Boten aus dem Philisterland sagen? Wir antworten
ihnen: »Der Herr selbst hat Jerusalem gegründet. Dort findet sein bedrängtes
Volk Schutz.«
Jes 15,1 Dies sagt Gott über die Moabiter: »In einer einzigen Nacht werden Ar
und Kir gestürmt, in einer Nacht werden sie vernichtet, die beiden wichtigsten
Städte Moabs!
Jes 15,2 Die Menschen steigen zu ihren Tempeln hinauf, die Einwohner von Dibon
laufen zu ihren Opferstätten auf den Hügeln, um dort zu weinen. Auch in den
Städten Nebo und Medeba klagen und weinen die Moabiter. Die Männer haben sich
vor Kummer den Kopf kahl geschoren und die Bärte abrasiert.
Jes 15,3 Auf den Straßen sieht man nur noch Leute in Trauergewändern aus
Sacktuch. Sie schreien und klagen auf den flachen Dächern der Häuser und auf den
Marktplätzen der Städte. Alle sind in Tränen aufgelöst.
Jes 15,4 In Heschbon und Elale rufen die Menschen verzweifelt um Hilfe, noch in
Jahaz sind sie zu hören. Selbst die mutigsten moabitischen Soldaten schreien vor
Angst und Grauen. Ganz Moab zittert.«
Jes 15,5 Darüber bin ich tief erschüttert und schreie um Hilfe für das Land
Moab. Seine Bewohner fliehen bis nach Zoar und bis nach Eglat-Schelischija.
Unter Tränen ziehen die Menschen den steilen Weg nach Luhit hinauf. Sie klagen
laut über ihren Untergang und fliehen nach Horonajim.
Jes 15,6 Selbst der Bach von Nimrim ist ausgetrocknet, das Gras ist verdorrt,
und junge Pflanzen wachsen nicht mehr nach. Kein grünes Hälmchen ist zu sehen.
Jes 15,7 Darum packen die Moabiter ihre letzte Habe und alle Vorräte zusammen
und fliehen damit über den Pappelbach.
Jes 15,8 Ganz Moab hallt wider von den verzweifelten Rufen des Volkes. Ihr
Weinen ist bis nach Eglajim zu hören, bis nach Beer-Elim,
Jes 15,9 denn die Gewässer von Dimon sind schon rot von Blut. »Doch das ist noch
nicht alles«, sagt der Herr. »Ich bringe noch mehr Elend über die Gegend von
Dimon: Löwen werden über die Flüchtlinge herfallen und sich auf die übrig
gebliebenen Moabiter stürzen.«
Jes 16,1 Schickt aus Sela Boten mit einem Schafbock durch die Wüste. Sie sollen
zum Herrscher von Israel auf den Berg Zion gehen und ihm ausrichten:
Jes 16,2 »Die Moabiter gleichen herumflatternden Vögeln, die man aus dem Nest
aufgescheucht hat. Ziellos irren sie an den Ufern des Arnon umher.
Jes 16,3 Gib uns doch einen Rat! Triff eine Entscheidung! Gib den Flüchtlingen
ein Versteck in deinem Land, liefere sie nicht dem Feind aus. Biete ihnen Schutz
wie ein Schatten in der Mittagshitze, in dem sie sich bergen können wie im
Dunkel der Nacht!
Jes 16,4 Nimm die Vertriebenen bei dir auf, schütze das moabitische Volk vor dem
furchtbaren Ansturm der Feinde!« Doch der Misshandlung wird ein Ende gesetzt:
Der Feind, der das Volk so grausam unterdrückt und das Land verwüstet hat, muss
verschwinden.
Jes 16,5 Dann wird ein Königsthron aufgestellt, ein Nachkomme Davids wird ihn
besteigen. Gütig und beständig wird er regieren, er kennt das Recht genau und
sorgt als ein guter Richter für Gerechtigkeit.
Jes 16,6 Wir haben gehört, wie stolz und hochmütig die Moabiter sind.
Eingebildet und selbstherrlich reden sie daher, doch ihre Prahlerei ist nichts
als Geschwätz!
Jes 16,7 »Darum werden die Moabiter laut um ihr Land klagen müssen. Mit Wehmut
denken sie an die Traubenkuchen, die es in Kir-Heres gab, sie sind ganz
verzweifelt.
Jes 16,8 Die Terrassenfelder von Heschbon sind verdorrt, vertrocknet sind die
Weinstöcke von Sibma, deren Wein die Herrscher der Völker berauschte. Ihre
Ranken erstreckten sich bis Jaser, sie reichten bis in die Wüste und hinunter
zum Toten Meer.
Jes 16,9 Darum weine ich zusammen mit den Einwohnern von Jaser um die zerstörten
Weinstöcke von Sibma. Ich vergieße viele Tränen um euch, Heschbon und Elale,
denn gerade in der Zeit eurer Ernte und Weinlese sind die Feinde mit lautem
Kriegsgeschrei über euer Gebiet hergefallen.
Jes 16,10 In den Obstgärten und Weinbergen singt und jubelt man nicht mehr,
niemand presst mehr Trauben in der Weinkelter aus. Dem Singen der Winzer habe
ich, der Herr, ein Ende gemacht.«
Jes 16,11 Darüber bin ich tief erschüttert. Ich zittere wie die Saite einer
Harfe, wenn ich an Moab und an Kir-Heres denke.
Jes 16,12 Die Moabiter werden sich zwar heftig anstrengen, um ihre Götter
zufrieden zu stimmen. Sie steigen hinauf zu den Heiligtümern auf den Hügeln und
bringen Opfer dar und beten. Doch es nützt ihnen nichts.
Jes 16,13 Das alles hat der Herr ihnen schon lange angekündigt.
Jes 16,14 Jetzt sagt er: »In genau drei Jahren - nicht früher und nicht später -
wird man über den heutigen Ruhm und Glanz der Moabiter nur noch verächtlich
lächeln. Von ihrem großen Volk wird nichts übrig bleiben als ein kleiner Rest,
winzig und bedeutungslos.«
Jes 17,1 Dies sagt Gott über Damaskus: »Die Stadt Damaskus gibt es bald nicht
mehr. Von ihr bleibt nur ein Trümmerhaufen übrig.
Jes 17,2 Auch Aroër und die Städte in der Nähe liegen dann verlassen da.
Friedlich weiden Schafe und Ziegen zwischen den Ruinen, niemand jagt sie weg.
Jes 17,3 Auch das Nordreich Israel wird seine starken Befestigungen verlieren,
und das Königreich von Damaskus wird verschwinden. Die überlebenden Syrer trifft
das gleiche Schicksal wie die Israeliten: Von ihrem früheren Glanz bleibt nicht
viel. Darauf gebe ich, der Herr, der allmächtige Gott, mein Wort.
Jes 17,4 Es kommt der Tag, da wird die Pracht der Nachkommen Jakobs gänzlich
verblassen. Ihr fetter Leib magert bis auf die Knochen ab.
Jes 17,5 Dann gleicht Israel den Weizenfeldern in der Refaïmebene: In der
Erntezeit fasst man die Ähren mit der Hand, mäht sie ab und sammelt zuletzt noch
ein, was am Boden liegt.
Jes 17,6 Doch ein kleiner Rest des Volkes wird übrig bleiben, so wie die wenigen
Oliven, die nach der Ernte noch am Baum hängen. Zwei oder drei bleiben oben im
Wipfel zurück und vielleicht noch einige unter den Blättern. Das verspreche ich,
der Herr, Israels Gott.
Jes 17,7 Dann endlich werden die Menschen wieder an mich, ihren Schöpfer, denken
und ihren Blick wieder auf den heiligen Gott Israels richten.
Jes 17,8 Ihre Altäre und selbst gemachten Götterfiguren würdigen sie keines
Blickes. Sie verehren keine heiligen Pfähle mehr und verbrennen auf den Altären
keinen Weihrauch.
Jes 17,9 Es kommt eine Zeit, in der die befestigten Städte der Israeliten
verlassen daliegen. Sie gleichen den ausgestorbenen Dörfern in den Wäldern und
auf den Bergen, die von den Bewohnern des Landes einst aus Angst vor den
Israeliten verlassen wurden. Das Land wird zur Einöde,
Jes 17,10 weil du, Volk Israel, mich, deinen Gott, vergessen hast, der dich
rettet. Du hast keinen Gedanken mehr übrig für deinen Gott, der dich schützt wie
ein mächtiger Fels. Nein, du legst lieber schöne Gärten an für andere Götter und
bepflanzt sie mit exotischen Reben.
Jes 17,11 Du zäunst sie sorgfältig ein und bringst sie noch am selben Morgen zum
Blühen. Doch das alles hilft dir nichts! Wenn du glaubst, die Früchte deiner
Mühen einsammeln zu können, wirst du nur tiefe Wunden und unsägliches Leid
ernten.«
Jes 17,12 Hört ihr den Lärm? Ganze Völkermassen kommen auf uns zu, riesige Heere
stürmen heran! Es klingt wie das Brausen gewaltiger Meereswogen,
Jes 17,13 wie das Donnern wütender Wellen in sturmgepeitschter See. Doch Gott
bringt sie zum Schweigen. Nur ein Wort - und sie suchen das Weite. Sie werden
auseinander gejagt wie dürres Laub, das der Wind davonbläst, wie Strohhalme, die
der Sturm vor sich herwirbelt.
Jes 17,14 Am Abend sind wir alle noch vor Schreck wie gelähmt, doch bevor der
Morgen graut, gibt es das feindliche Heer nicht mehr. So geht es denen, die uns
überfallen und ausplündern wollen. Sie werden keinen Erfolg haben!
Jes 18,1 Lass dich warnen, Äthiopien, du Land der Heuschreckenschwärme, Land am
oberen Nil und seinen Nebenflüssen.
Jes 18,2 Du schickst deine Gesandten nilabwärts; in leichten Booten aus
Papyrusrohr schießen sie über das Wasser. Ihr schnellen Boten, geht heim zu
eurem Volk, zu den hoch gewachsenen Menschen mit glänzender Haut! Geht zu eurem
Volk, das weit und breit gefürchtet wird, weil es sehr stark ist und alles in
Grund und Boden trampelt. Es ist die Nation, deren Land von vielen Flüssen
durchschnitten wird.
Jes 18,3 Ihr Bewohner der ganzen Erde, ich habe euch etwas zu sagen: Sobald auf
den Bergen ein Feldzeichen errichtet wird, schaut genau hin! Hört ihr das
Trompetensignal, dann passt gut auf!
Jes 18,4 Denn der Herr hat zu mir gesagt: »Von meiner heiligen Wohnung aus
schaue ich zu, unbewegt und still wie die brütende Mittagshitze und wie eine
Dunstwolke in der heißen Sommerzeit.
Jes 18,5 Aber noch vor der Ernte, wenn die Blüten abgefallen sind und die
kleinen Trauben heranreifen, greife ich ein! Ich schneide die Reben mit dem
Winzermesser ab; die Ranken reiße ich aus und werfe sie fort.
Jes 18,6 So ergeht es dem Heer der Äthiopier. Die Gefallenen werden zum Fraß für
die Raubvögel und die wilden Tiere. Im Sommer stürzen sich die Geier auf die
Leichen, und den Winter über nagen wilde Tiere die Knochen ab.
Jes 18,7 Doch es kommt die Zeit, da bringt dieses Volk von hoch gewachsenen
Menschen mit glänzender Haut mir, dem allmächtigen Gott, Geschenke. Noch wird
dieses Volk überall gefürchtet, weil es sehr stark ist und alles in Grund und
Boden trampelt. Dann aber werden die Bewohner des Landes, das von vielen Flüssen
durchschnitten wird, zum Berg Zion kommen, zu meinem Heiligtum; dort werde ich,
der Herr, der allmächtige Gott, verehrt.«
Jes 19,1 Dies sagt Gott über Ägypten: Auf einer schnell dahingleitenden Wolke
kommt der Herr nach Ägypten. Da beginnen die Götter des Landes zu zittern, und
den Menschen bleibt vor Angst das Herz stehen.
Jes 19,2 So spricht der Herr: »Ich werde sie gegeneinander aufhetzen, bis jeder
gegen jeden kämpft: Bruder gegen Bruder, Nachbar gegen Nachbar, Stadt gegen
Stadt, Provinz gegen Provinz.
Jes 19,3 Dann können sie keinen klaren Gedanken mehr fassen; sogar die weisen
Berater sind mit ihrer Kunst am Ende. Dafür sorge ich! Weil sie keinen Ausweg
mehr wissen, suchen sie bei den Götzen Rat. Sie fragen Zauberer, Hellseher und
Totenbeschwörer.
Jes 19,4 Doch ich werde Ägypten einem grausamen Tyrannen ausliefern, der das
Volk mit brutaler Gewalt beherrscht. Darauf gebe ich, der Herr, der allmächtige
Gott, mein Wort!«
Jes 19,5 Dann versiegen die Wasserströme des Nils, der Fluss trocknet aus.
Jes 19,6 Die Nebenarme werden zu abgestandenen, stinkenden Tümpeln, und die
Kanäle versanden. Schilf und Binsen verdorren,
Jes 19,7 die fruchtbaren Wiesen und Felder an den Ufern und im Nildelta fallen
der Dürre zum Opfer. Die verdorrten Pflanzen weht der Wind weg, nichts bleibt
übrig.
Jes 19,8 Die Fischer klagen. Wer mit der Angelrute oder mit dem Netz seinen
Lebensunterhalt verdient hat, steht vor dem Nichts.
Jes 19,9 Alle, die Flachs verarbeiten, sind verzweifelt, und die Leinenweber
werden bleich.
Jes 19,10 Die Weber und ihre Arbeiter - alle sind mutlos und niedergeschlagen.
Jes 19,11 Dummköpfe sind die Fürsten von Zoan, sie, die weisen Berater des
Pharaos! Ihre Ratschläge sind lauter Unsinn. Wagt ihr es etwa immer noch, vor
dem Pharao mit eurer »Weisheit« anzugeben? »Wir stammen von den weisen Männern
Ägyptens ab«, prahlt ihr, »Nachkommen berühmter Könige sind wir!«
Jes 19,12 Wo sind sie denn, deine gelehrten Alleswisser, Pharao? Sollen sie doch
herausfinden und dir verkünden, was der Herr, der allmächtige Gott, mit Ägypten
vorhat!
Jes 19,13 Doch die weisen Männer von Zoan stehen dumm da, und auch die gelehrten
Herren von Memfis haben sich getäuscht. Die Führer der Ägypter sind Verführer.
Jes 19,14 Der Herr hat ihren Geist verwirrt, und nun bringen ihre Ratschläge
ganz Ägypten durcheinander; das Volk gleicht einem Betrunkenen, der in seinem
Erbrochenen herumtorkelt.
Jes 19,15 Die Ägypter bringen nichts mehr zustande, was Hand und Fuß hat. Weder
den Vornehmen und Angesehenen noch dem einfachen Volk gelingt etwas.
Jes 19,16 In dieser Zeit werden die Ägypter allen Mut verlieren. Erschrocken und
zitternd ducken sie sich, weil der Herr, der allmächtige Gott, drohend die Faust
gegen sie ballt.
Jes 19,17 Vor dem Land Juda werden die Ägypter furchtbare Angst haben. Wenn sie
nur den Namen Juda hören, schrecken sie schon zusammen, denn ihnen graut vor dem
Plan, den der Herr, der allmächtige Gott, gegen Ägypten gefasst hat.
Jes 19,18 Zu der Zeit werden fünf Städte in Ägypten dem Herrn, dem allmächtigen
Gott, die Treue schwören. Dort spricht man dann Hebräisch. Eine dieser Städte
heißt Ir-Heres.
Jes 19,19 Mitten in Ägypten wird ein Altar stehen, der dem Herrn geweiht ist,
und an der Grenze des Landes wird man eine Gedenksäule für ihn errichten.
Jes 19,20 Diese beiden bezeugen den Herrn, den allmächtigen Gott, im Land
Ägypten. Wenn das Volk ihn dann zu Hilfe ruft gegen die Unterdrücker, sendet er
ihnen einen Retter, der sie befreit.
Jes 19,21 So wird der Herr sich den Ägyptern zu erkennen geben. Ja, in jener
Zeit werden sie ihn kennen und ihm Tiere und andere Gaben opfern. Sie halten
sich an das, was sie dem Herrn in ihren Gelübden feierlich versprochen haben.
Jes 19,22 Zwar muss er sie erst hart bestrafen, doch gerade durch die Schläge
bringt er sie auf den richtigen Weg: Sie werden sich ihm zuwenden, und er wird
ihre Gebete erhören und sie heilen.
Jes 19,23 In dieser Zeit wird eine Straße von Ägypten nach Assyrien führen. Die
Assyrer und Ägypter besuchen einander und dienen gemeinsam dem Herrn.
Jes 19,24 Israel ist dann der Dritte im Bunde, ein Segen für die ganze Erde.
Jes 19,25 Der Herr, der allmächtige Gott, wird sich diesen Völkern zuwenden und
sagen: »Ich segne euch Ägypter, ihr seid mein Volk! Ich segne auch euch Assyrer;
ich habe euch geschaffen. Und ich segne euch Israeliten; ihr gehört zu mir.«
Jes 20,1 Der assyrische König Sargon schickte seinen obersten Heerführer mit
Truppen nach Aschdod. Sie belagerten die Philisterstadt und nahmen sie ein.
Jes 20,2 Drei Jahre vorher hatte der Herr dem Propheten Jesaja, dem Sohn des
Amoz, befohlen: »Zieh dein Obergewand und deine Sandalen aus!« Jesaja gehorchte
und lief von da an nur noch im Hemd und barfuß herum.
Jes 20,3 Als Aschdod dann eingenommen wurde, sagte der Herr: »Mein Diener Jesaja
ist drei Jahre lang nur im Hemd und barfuß umhergelaufen. Er hat damit gezeigt,
was für ein Schicksal Ägypten und Äthiopien treffen wird:
Jes 20,4 Der König von Assyrien wird die Ägypter und Äthiopier gefangen nehmen
und verschleppen - Junge und Alte, alle barfuß und kaum bekleidet oder sogar mit
entblößtem Gesäß. Welch eine Schande für Ägypten!
Jes 20,5 [5/6] Die Bewohner Palästinas werden zutiefst bestürzt sein, wenn sie
davon hören. Sie hatten doch ihre ganze Hoffnung auf Äthiopiens Stärke gesetzt
und dessen mächtigen Verbündeten Ägypten in den höchsten Tönen gerühmt!
Verzweifelt fragen sie: ›Wenn es schon denen so schlecht geht, die unsere
einzige Hoffnung waren und von denen wir Hilfe gegen den assyrischen König
erwartet hatten, gibt es dann für uns noch eine Rettung?‹«
Jes 21,1 Dies sagt Gott über Babylonien: Wie ein Sturm, der über den Negev
hinwegfegt, so naht großes Unheil aus der Wüste, dem schrecklichen Land.
Jes 21,2 In einer Vision zeigt mir der Herr furchtbare Dinge: Räuberhorden
ziehen plündernd durchs Land, und Banden schlagen alles zusammen. »Auf, ihr
Elamiter!«, höre ich den Herrn rufen. »Rückt aus gegen die Stadt Babylon! Ihr
Meder, belagert sie! Die Völker haben genug unter ihr gelitten. Jetzt ist
Schluss!«
Jes 21,3 Wegen dieser schrecklichen Vision werde ich von heftigen Krämpfen
geschüttelt. Rasende Schmerzen haben mich überfallen wie die Wehen eine
schwangere Frau. Ich krümme mich vor Angst, so erschreckt mich, was ich hören
und sehen muss.
Jes 21,4 Mein Puls rast, ein Schauer des Entsetzens läuft mir den Rücken
hinunter. Mir graut vor der kühlen Abenddämmerung, die ich sonst so liebe.
Jes 21,5 Doch in Babylon feiert man sorglos ein großes Bankett: Die Tische sind
gedeckt, die Polster zurechtgerückt; man isst und trinkt. Da - plötzlich ein
Schrei: »Auf, ihr Fürsten, greift zu den Waffen! Schnell, rüstet eure Schilde!«
Jes 21,6 Der Herr befahl mir dann: »Stell einen Beobachter auf Posten. Er soll
dir genau berichten, was er sieht.
Jes 21,7 Sobald er Streitwagen entdeckt, mit Pferden bespannt, und Reiter auf
Eseln und Kamelen, muss er besonders gut aufpassen und genau hinhören.«
Jes 21,8 Da ruft er auch schon laut wie ein Löwe: »Tag für Tag, o Herr, stehe
ich hier auf dem Wachturm, und auch nachts verlasse ich meinen Posten nicht.
Jes 21,9 Da, was sehe ich? Tatsächlich, da kommt ein Zug von Reitern und Wagen!«
Und schon ruft einer: »Babylon ist gefallen, endlich! Alle Götzenstatuen sind
zerstört - zertrümmert liegen sie am Boden.«
Jes 21,10 Mein armes Volk Israel, du wirst wie Weizen gedroschen und
geschüttelt! Ich habe euch weitergesagt, was ich vom Herrn, dem allmächtigen
Gott Israels, gehört habe.
Jes 21,11 Diese Botschaft gilt Edom, dem Land der Totenstille: Vom Gebirge Seïr
aus ruft man mir zu: »Wächter, wie lange ist es noch dunkel? Wann ist die Nacht
endlich vorbei?«
Jes 21,12 Und der Wächter antwortet: »Der Morgen bricht bald an, aber jetzt ist
es noch Nacht. Wenn ihr wollt, kommt etwas später wieder, und fragt mich noch
einmal!«
Jes 21,13 Das ist die Botschaft für Arabien: Ihr Dedaniter müsst mit euren
Karawanen in der Wildnis der arabischen Steppe übernachten.
Jes 21,14 Ihr Bewohner der Oase von Tema, bringt doch den durstigen Wanderern
Wasser! Geht den hungrigen Flüchtlingen mit Brot entgegen!
Jes 21,15 Sie sind auf der Flucht vor den bewaffneten Feinden, vor ihren
gezückten Schwertern und gespannten Bogen, vor den Schrecken des Krieges.
Jes 21,16 Der Herr hat mir gesagt: »Genau in einem Jahr - nicht früher und nicht
später - ist es aus mit dem Ruhm und Reichtum des arabischen Stammes von Kedar.
Jes 21,17 Von den Scharen seiner mutigen Bogenschützen wird nur ein kleiner Rest
übrig bleiben. Darauf gebe ich, der Herr, Israels Gott, mein Wort!«
Jes 22,1 Das ist Gottes Botschaft für den Ort, an dem er sich immer wieder
offenbart hat: Was ist los, ihr Einwohner von Jerusalem? Warum seid ihr alle auf
die flachen Dächer eurer Häuser gestiegen?
Jes 22,2 Du lebenslustige Stadt voller Betriebsamkeit und Lärm: Wurden die
Leichen, die herumliegen, etwa mit dem Schwert getötet? Sind sie ehrenvoll im
Krieg gefallen?
Jes 22,3 Nein, deine Heerführer haben sich alle aus dem Staub gemacht. Doch
einer nach dem anderen wurde vom Feind aufgestöbert und gefangen genommen, auch
wenn sie schon weit geflohen waren. Sie wurden gefasst, ehe sie auch nur einen
Pfeil abschießen konnten.
Jes 22,4 Ach, lasst mich allein! In meinem großen Schmerz muss ich den Tränen
freien Lauf lassen. Redet doch nicht länger auf mich ein, versucht mich nicht
mehr zu trösten über den Zusammenbruch meiner geliebten Stadt!
Jes 22,5 Der Herr, der allmächtige Gott, ließ einen Tag voller Schrecken über
Jerusalem hereinbrechen: Verwirrung herrscht in der Stadt, Angst und Entsetzen
hat alle gepackt. Schon reißen die Feinde die Stadtmauer ein. Die umliegenden
Berge hallen wider von verzweifelten Hilfeschreien.
Jes 22,6 Die elamitischen Bogenschützen brausen auf Streitwagen heran, sie
hängen ihre vollen Köcher um, bereit zum Schießen; und die Söldner aus Kir
packen ihre Schilde aus den Hüllen.
Jes 22,7 Feindliche Streitwagen und Reiter füllen die prächtigen Täler rund um
Jerusalem. Schon dringen sie bis zu den Stadttoren vor und errichten dort ihre
Stellungen.
Jes 22,8 Judas letzter Zufluchtsort, Jerusalem, liegt schutzlos da. Und ihr? Ihr
rennt zum Waffenlager und schaut, ob die Waffen alle griffbereit sind.
Jes 22,9 [9-11] Alle Häuser der Stadt tragt ihr in eine Liste ein und wählt
einige zum Abreißen aus. Mit ihren Steinen wollt ihr die Stadtmauer ausbessern.
Denn ihr seht, dass die Mauer der Stadt Davids brüchig ist und viele gefährliche
Risse aufweist. Das Wasser des unteren Teiches staut ihr auf. Für das Wasser,
das vom oberen Teich abfließt, baut ihr ein Sammelbecken zwischen dem inneren
und äußeren Mauerring. Doch was nützt euch dieses fieberhafte Treiben, solange
ihr für Gott blind seid? Ihr seht nicht, dass er euch in diese verzweifelte Lage
kommen ließ. Ihr wollt ja nichts wissen von ihm, der schon seit langem dieses
Unheil über euch beschlossen hat.
Jes 22,12 Der Herr, der allmächtige Gott, hat euch damals aufgefordert, eure
Sünden zu bereuen. Er wollte sehen, wie ihr weint und eure Schuld beklagt, wie
ihr euch als Zeichen der Trauer den Kopf kahl schert und in Trauergewändern aus
Sacktuch herumlauft.
Jes 22,13 Doch stattdessen habt ihr ausgelassen gefeiert. Bei euren Festgelagen
wurden Berge von Fleisch verzehrt, ihr habt euch mit Wein voll laufen lassen und
gerufen: »Heute wollen wir essen und trinken, denn morgen sind wir tot!«
Jes 22,14 Es klingt mir noch in den Ohren, was der Herr, der allmächtige Gott,
dazu gesagt hat: »Diese Sünde wird euch nie vergeben, solange ihr lebt!« Ja, das
hat der Herr, der allmächtige Gott, geschworen.
Jes 22,15 Der Herr, der allmächtige Gott, befahl mir: »Geh zu Schebna, dem
Palastvorsteher, dem obersten Beamten! Sag ihm:
Jes 22,16 Was hast du eigentlich hier zu suchen? Und für wen hältst du dich,
dass du dir hier eine Grabkammer aus dem Felsen meißelst? Ja, hoch oben in der
Felswand lässt du dir ein Prachtgrab aushauen, eine letzte Ruhestätte willst du
dir schaffen.
Jes 22,17 Doch ich, der Herr, werde dich in hohem Bogen fortschleudern. Mit
eisernem Griff werde ich dich packen,
Jes 22,18 wie Wolle zu einem Knäuel zusammenwickeln und dich dann wie einen Ball
wegwerfen in ein großes, weites Land. Dort wirst du enden mitsamt deinen
Prachtwagen, du Schandfleck des königlichen Hofes.
Jes 22,19 Ja, ich, der Herr, vertreibe dich aus deinem Amt und stoße dich von
deinem hohen Posten hinunter!
Jes 22,20 Dann berufe ich meinen Diener Eljakim, den Sohn Hilkijas, zu deinem
Nachfolger.
Jes 22,21 Ich ziehe ihm deine Amtstracht an und binde ihm deinen Gürtel um. Alle
Vollmachten, die du bisher innehattest, übertrage ich ihm. Er wird wie ein Vater
sein für die Einwohner Jerusalems und für das ganze Volk von Juda.
Jes 22,22 Ihm vertraue ich den Schlüssel des Königshauses David an. Was er
öffnet, wird kein anderer verschließen, und was er zuschließt, wird niemand
öffnen.
Jes 22,23 Ich festige seine Macht, und er gleicht einem Pflock, der tief in eine
Mauer eingeschlagen ist. Seine ganze Verwandtschaft wird durch ihn zu Ansehen
kommen.
Jes 22,24 Doch dann hängen sie sich an ihn, mit Kind und Kegel. So gleicht er
einem Pflock, an dem man das ganze Geschirr eines Haushalts aufhängt -
Schüsseln, Becken und Krüge.
Jes 22,25 Eines Tages kann der starke Pflock die Last nicht mehr tragen, obwohl
er tief eingeschlagen ist. Er bricht ab und fällt zu Boden. Und mit ihm
zerbricht alles, was sich an ihn gehängt hat. Ich, der Herr, der allmächtige
Gott, habe es angekündigt!«
Jes 23,1 Das ist Gottes Botschaft an Tyrus: Heult, ihr Leute auf den großen
Handelsschiffen, denn eure Stadt liegt in Schutt und Asche! In euren Hafen könnt
ihr nicht mehr einfahren. Die Gerüchte, die ihr auf Zypern gehört habt - sie
sind alle wahr!
Jes 23,2 Es soll euch die Sprache verschlagen, ihr Bewohner der phönizischen
Küste! Vorbei ist die Zeit, in der zahlreiche Händler aus Sidon eure Gegend
bevölkerten. Mit ihren Handelsschiffen segelten sie in ferne Länder
Jes 23,3 und unternahmen mühevolle Reisen über das weite Meer. Was in Ägypten am
Nil gesät und geerntet wurde, das verkauften die Phönizier in alle Welt. Ja,
Sidon war zum Handelsplatz der Völker geworden.
Jes 23,4 Beschämt stehst du da, Sidon, und du, Tyrus, die Festung am Meer! Denn
das Meer klagt: »Ach, es ist, als hätte ich nie Kinder geboren, nie Söhne und
Töchter großgezogen!«
Jes 23,5 Wenn die Ägypter diese Nachricht über Tyrus hören, werden sie sich
winden vor Entsetzen.
Jes 23,6 Weint und klagt, ihr Küstenbewohner! Rettet euch und segelt hinüber
nach Tarsis in Spanien!
Jes 23,7 Soll das Tyrus sein, die Stadt, die früher so fröhlich und berühmt war?
Sie, die in grauer Vorzeit schon gegründet wurde? Ihre Abgesandten reisten doch
immer bis in die fernsten Länder, gründeten überall Kolonien
Jes 23,8 und setzten Könige als Herrscher über diese Gebiete ein. Die
phönizischen Händler waren Fürsten und gehörten zu den angesehensten Männern der
Erde. Wer hat dieses Unheil über Tyrus beschlossen?
Jes 23,9 Der Herr, der allmächtige Gott, hat es getan! Er wollte dem Hochmut der
Phönizier ein Ende bereiten; die angesehensten Männer der Erde hat er
gedemütigt.
Jes 23,10 Ihr Bewohner von Tarsis, breitet euch in eurem Land aus wie der Nil,
wenn er die Felder überschwemmt! Jetzt hält euch keine Fessel mehr zurück!
Jes 23,11 Der Herr hat seine Hand über das Meer ausgestreckt und ganze
Königreiche zum Zittern gebracht. Er hat befohlen, die starken Festungen der
Phönizier zu zerstören.
Jes 23,12 So spricht der Herr: »Nie mehr werdet ihr feiern und jubeln, ihr
Einwohner von Sidon. Eure Stadt gleicht nun einem Mädchen, das vergewaltigt
wurde. Auf, flieht nur nach Zypern hinüber! Auch dort werdet ihr keine Ruhe
finden.
Jes 23,13 Denkt daran, wie es Babylonien ergangen ist! Das Volk der Chaldäer ist
heute bedeutungslos. Die Assyrer haben das Land zu einer Einöde gemacht, in der
die Wüstentiere hausen. Sie stellten Belagerungstürme auf und zerstörten die
Paläste Babylons bis auf die Grundmauern. Sie haben die Stadt in einen
Trümmerhaufen verwandelt.
Jes 23,14 Heult, ihr Leute auf den großen Handelsschiffen, denn eure starke
Festung ist verwüstet!
Jes 23,15 Für siebzig Jahre - so lange, wie ein König lebt - soll Tyrus in
Vergessenheit geraten. Nach diesen Jahren gleicht die Stadt jener alten Hure,
von der es in dem Lied heißt:
Jes 23,16 ›Du Hure, die man fast vergessen hat, nimm deine Harfe, und versuch
dein Glück! Sing deine Lieder in der ganzen Stadt, vielleicht kommt mancher
Kunde dann zurück.‹«
Jes 23,17 Danach wird der Herr die Stadt Tyrus wieder aufblühen lassen. Wie
früher geht sie ihren Geschäften nach und lässt sich gut bezahlen. Sie verkauft
sich an alle Königreiche weit und breit für teures Geld.
Jes 23,18 Doch was die Stadt bei ihren Geschäften und Handelsreisen verdient,
ist dann dem Herrn geweiht. Die Tyrer häufen ihr Geld nicht mehr auf, um es für
sich zu behalten. Es wird den Priestern des Herrn zugute kommen, damit sie
reichlich zu essen haben und prächtige Kleider tragen können.
Jes 24,1 Seht ihr, wie der Herr die Erde leer fegt? Wie er alles zerstört und
auf den Kopf stellt? Seht ihr, wie er ihre Bewohner in alle Himmelsrichtungen
zerstreut?
Jes 24,2 Volk und Priester, Knecht und Herr, Magd und Herrin, Käufer und
Verkäufer, Gläubiger und Schuldner, solche, die verleihen, und solche, die
borgen - alle trifft das gleiche Los.
Jes 24,3 Denn die Erde wird völlig verwüstet, ausgeplündert liegt sie da. Der
Herr selbst hat es angekündigt.
Jes 24,4 Die Erde vergeht und verdorrt; die ganze Welt zerfällt, auch die
Mächtigen der Erde gehen zugrunde.
Jes 24,5 Die Menschen haben die Erde entweiht, denn sie haben Gottes Gebote und
Ordnungen missachtet und so den Bund gebrochen, den er damals für alle Zeiten
mit ihnen geschlossen hat.
Jes 24,6 Darum trifft sein Fluch die Erde und zehrt sie aus. Die Menschen müssen
ihre gerechte Strafe tragen. Sie schwinden dahin, nur ein kleiner Rest wird
überleben.
Jes 24,7 Die Weinberge verdorren, und die Trauben hängen zusammengeschrumpft an
den Reben. Lachen verkehrt sich in Seufzen,
Jes 24,8 die fröhliche Musik von Tamburinen und Zithern verstummt, der Lärm der
Feiernden bricht plötzlich ab.
Jes 24,9 Weder Wein noch Gesang kann sie erheitern, jedes berauschende Getränk
stößt ihnen bitter auf.
Jes 24,10 Die Stadt liegt in Trümmern; die Ruinen sind verriegelt, damit niemand
hineingehen kann.
Jes 24,11 Lautes Geschrei hallt durch die Gassen, weil es keinen Tropfen Wein
mehr gibt. Jede Freude ist vergangen, aller Frohsinn verflogen.
Jes 24,12 Von der Stadt bleibt nur ein großes Trümmerfeld, alle Tore sind
zerstört.
Jes 24,13 Ja, so wird es den Völkern auf der ganzen Erde ergehen. Es wird
aussehen wie am Ende der Ernte, wenn am Ölbaum alle Oliven abgeschlagen wurden
und im Weinberg kaum noch Trauben zu finden sind.
Jes 24,14 Die wenigen Überlebenden aber werden laut jubeln vor Freude. Im Westen
besingt man die Größe und Majestät des Herrn,
Jes 24,15 und auch ihr im Osten: Erweist ihm Ehre! Lobt den Herrn, den Gott
Israels, ihr Bewohner der fernsten Inseln!
Jes 24,16 Vom Ende der Erde her hört man Gesang: »Preist den Herrn, denn er
allein ist gerecht!« Ich aber schreie: »Hilfe, ich vergehe! Ich bin verloren!«
Skrupellose Verbrecher geben den Ton an. Kein Betrug ist ihnen zu hinterhältig,
vor nichts schrecken sie zurück.
Jes 24,17 Angst und Schrecken werden euch packen, in Fallgruben und Schlingen
werdet ihr geraten, ihr Bewohner der Erde!
Jes 24,18 Wer dem Schrecken entfliehen will, stürzt in die Grube, und wer sich
daraus noch befreien kann, der verfängt sich in der Schlinge. Ja, die Schleusen
des Himmels öffnen sich, und die Erde wird in der Tiefe erschüttert.
Jes 24,19 Sie bebt, reißt auf und bricht auseinander.
Jes 24,20 Sie torkelt wie ein Betrunkener und wankt wie ein alter Schuppen im
Sturm. Die unzähligen Sünden der Menschen lasten schwer auf ihr: Sie bricht
darunter zusammen und steht nie wieder auf.
Jes 24,21 In jener Zeit wird der Herr ins Gericht gehen mit den Mächten des
Himmels oben und mit den Königen unten auf der Erde.
Jes 24,22 Sie werden als Gefangene zusammengetrieben und in ein unterirdisches
Verlies gestoßen. In diesem finsteren Kerker müssen sie lange Zeit sitzen und
auf ihre spätere Verurteilung warten.
Jes 24,23 Der blasse Mond wird schamrot, und die glühende Sonne erbleicht, denn
nun regiert der Herr, der allmächtige Gott, auf dem Berg Zion in Jerusalem. Die
Ältesten, die ihn umgeben, werden ganz von seinem herrlichen Glanz überstrahlt.
Jes 25,1 Herr, du bist mein Gott! Ich lobe und preise dich, denn du vollbringst
wunderbare Taten. Was du vor langer Zeit beschlossen hast, das hast du in großer
Treue ausgeführt.
Jes 25,2 Die mächtige Stadt - in einen Schutthaufen hast du sie verwandelt! Ihre
Befestigungen hast du in Trümmer gelegt und die Paläste der Fremden zerstört,
die dich nicht kennen. Die Stadt ist dem Erdboden gleichgemacht, und sie wird
nie wieder aufgebaut.
Jes 25,3 Darum ehren dich nun mächtige Völker; in den Hauptstädten der
Welteroberer wirst du gefürchtet.
Jes 25,4 Die Armen und Schwachen fliehen zu dir; bei dir sind sie sicher in
Zeiten der Not. Du gibst ihnen Schutz wie ein Dach im Wolkenbruch, wie kühler
Schatten in der Mittagshitze. Das Wüten der Gewalttäter gleicht dem
Gewitterregen, der an die Mauern prasselt.
Jes 25,5 Ihre Mordlust brennt wie die Sonne in der Wüste. Doch du bringst ihren
Lärm zum Schweigen. Du dämpfst ihr Siegesgeschrei wie eine Wolke die
Sonnenhitze.
Jes 25,6 Hier auf dem Berg Zion wird der Herr, der allmächtige Gott, alle Völker
zu einem Festmahl mit köstlichen Speisen und herrlichem Wein einladen, einem
Festmahl mit bestem Fleisch und gut gelagertem Wein.
Jes 25,7 Dann zerreißt er den Trauerschleier, der über allen Menschen liegt, und
zieht das Leichentuch weg, das alle Völker bedeckt. Hier auf diesem Berg wird es
geschehen!
Jes 25,8 Er wird den Tod für immer und ewig vernichten. Der Herr, der
allmächtige Gott, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen. Er befreit sein
Volk von der Schande, die es auf der ganzen Erde erlitten hat. Das alles trifft
ein, denn der Herr hat es vorausgesagt.
Jes 25,9 In jenen Tagen wird man bekennen: »Der Herr allein ist unser Gott! Auf
ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, und er hat uns gerettet. Ja, so ist der
Herr! Nun wollen wir Danklieder singen und uns über seine Hilfe freuen!«
Jes 25,10 Der Herr hält seine Hand schützend über Jerusalem. Das Land Moab
dagegen wird zertreten wie Stroh in der Jauche.
Jes 25,11 Verzweifelt schlägt Moab um sich wie ein Ertrinkender. Doch alle
Schwimmversuche nützen nichts mehr: Der Herr zerbricht seinen Stolz und seinen
Hochmut.
Jes 25,12 Alle eure hohen und starken Befestigungen, ihr Moabiter, wird der Herr
niederreißen und dem Erdboden gleichmachen!
Jes 26,1 In jener Zeit wird man im Land Juda dieses Lied singen: »Unsere Stadt
ist eine sichere Festung; der Herr hat Mauern und Wall zu unserem Schutz
errichtet.
Jes 26,2 Öffnet die Tore, damit das Volk einzieht, das Gott gehorcht und ihm
treu ist!
Jes 26,3 Herr, du gibst Frieden dem, der sich fest an dich hält und dir allein
vertraut!
Jes 26,4 Ja, vertraut dem Herrn für immer, denn er, unser Gott, ist ein starker
Fels für alle Zeiten.
Jes 26,5 Alle, die in stolzer Höhe wohnten, stieß der Herr tief hinab. Die
Stadt, sie ragte hoch empor, doch er hat sie zerstört, hinunter in den Staub
geworfen.
Jes 26,6 Wer früher arm war und gering, tritt nun die Trümmer nieder.«
Jes 26,7 Herr, wer dir gehorcht, den führst du auf geradem Weg, du machst seinen
Lebensweg eben.
Jes 26,8 Wir hoffen auf dich, auch wenn du uns strafst. Wir sehnen uns nach dir
- wie könnten wir dich je vergessen?
Jes 26,9 Bei Nacht sind meine Gedanken bei dir, voller Sehnsucht suche ich dich.
Wenn du die Erde richtest, lernen die Menschen, was Gerechtigkeit bedeutet.
Jes 26,10 Doch wenn du die Gottlosen begnadigst, begreifen sie nicht, was Recht
ist. Auch in diesem Land, in dem dein Recht gilt, würden sie weiter Unrecht tun
und dich nicht als den höchsten Gott erkennen.
Jes 26,11 Herr, deine Hand ist drohend erhoben - sie merken es nicht. Beschämt
werden sie dastehen, wenn sie sehen, wie leidenschaftlich du dein Volk
verteidigst. Dein glühender Zorn soll sie verzehren!
Jes 26,12 Aber uns, Herr, wirst du Frieden schaffen, denn dir verdanken wir
alles, was wir erreicht haben.
Jes 26,13 Zwar haben außer dir, unser Gott, auch andere Herren über uns
geherrscht. Doch nur deinen Namen nennen wir voller Ehrfurcht.
Jes 26,14 Sie alle sind tot und werden nicht wieder lebendig; sie sind Schatten,
die nie wieder aufstehen. Du hast sie bestraft und ausgerottet. Längst sind ihre
Namen vergessen.
Jes 26,15 Unser Volk aber machst du, Herr, sehr groß. Du weitest unsere Grenzen
nach allen Seiten aus und beweist deine herrliche Macht.
Jes 26,16 In äußerster Not suchen wir dich. Wenn uns deine Schläge treffen,
schreien wir zu dir.
Jes 26,17 Wir liegen vor dir am Boden wie eine Schwangere, die sich in Wehen
windet und schreit.
Jes 26,18 Ja, wir winden uns in Geburtswehen, doch wir gebären nichts als Luft.
Unsere Mühe ist umsonst: Wir können das Land nicht befreien und keinem Menschen
das Leben schenken.
Jes 26,19 Herr, die Toten deines Volkes werden wieder leben, ihre Leichen werden
auferstehen! Wacht auf und singt vor Freude, alle, die ihr unter der Erde ruht!
Du, Herr, bist wie erfrischender Tau am Morgen. Durch deine belebende Kraft gibt
die Erde die Leiber der Verstorbenen zurück.
Jes 26,20 Ihr aus meinem Volk, geht in eure Häuser, und verschließt die Türen
hinter euch! Haltet euch solange dort verborgen, bringt euch dort in Sicherheit,
bis der Zorn des Herrn vergangen ist. Es dauert nur noch kurze Zeit.
Jes 26,21 Schon verlässt er seine Stätte im Himmel, um die Menschen auf der Erde
wegen ihrer Vergehen zur Rechenschaft zu ziehen. Alles unschuldig vergossene
Blut wird die Erde wieder herausgeben, keinen Ermordeten verbirgt sie weiterhin.
Jes 27,1 In dieser Zeit wird der Herr mit dem Leviatan abrechnen, diesem
schnellen Ungeheuer, das sich windet wie eine Schlange. Gottes mächtiges und
scharfes Schwert wird ihn treffen, diesen Meeresdrachen. Der Herr wird ihn
töten.
Jes 27,2 An jenem Tag wird der Herr sagen: »Einen prächtigen Weinberg habe ich.
Kommt, singt ein Lied zu seiner Ehre!
Jes 27,3 Ich selbst, der Herr, bin sein Wächter. Ich bewässere ihn immer wieder.
Tag und Nacht behüte ich ihn, damit nichts und niemand ihm schaden kann.
Jes 27,4 Mein Zorn ist längst vergangen! Wenn Dornengestrüpp und Disteln meinen
Weinberg überwuchern wollen, erkläre ich ihnen den Krieg! Ausreißen und
verbrennen werde ich sie!
Jes 27,5 So geht es allen, die nicht Schutz bei mir suchen und nicht Frieden mit
mir schließen. Ja, Frieden schließen müssen sie mit mir!«
Jes 27,6 Es kommt die Zeit, da werden die Nachkommen Jakobs wieder in ihrem Land
Wurzeln schlagen. Israel wird grünen und blühen und mit seinen Früchten die
ganze Erde bedecken.
Jes 27,7 Gab der Herr seinem Volk genauso harte Schläge wie ihren Gegnern? Ließ
er sie auf dieselbe Weise umkommen wie ihre Feinde, die niedergemetzelt wurden?
Jes 27,8 Nein, Herr, du hast den Israeliten eine erträgliche Strafe auferlegt:
Du hast sie aus ihrer Heimat vertrieben, sie weggeblasen wie ein stürmischer
Ostwind.
Jes 27,9 Gott wird die Schuld der Israeliten vergeben. Weil er sie von ihren
Sünden befreit, sagen sie sich vom Götzendienst los: Sie werden die heidnischen
Altäre zerstören und sie in tausend Stücke schlagen. Die Statuen der Göttin
Aschera und die Räucheropferaltäre bauen sie nie wieder auf.
Jes 27,10 Aber noch liegt die befestigte Stadt entvölkert da, stehen ihre Häuser
leer, gleicht alles einer trostlosen Wüste. Nur einige Kälber weiden noch dort,
ungestört fressen sie die Büsche kahl und ruhen sich aus.
Jes 27,11 Wenn die Zweige dürr geworden sind, kommen Frauen, die sie abbrechen
und als Brennholz verwenden. Diesem Volk fehlt jede Einsicht! Darum hat sein
Schöpfer auch kein Erbarmen mit ihnen. Er, der sie doch zum Volk gemacht hat,
wird ihnen nicht einfach vergeben.
Jes 27,12 Doch es kommt eine Zeit, da wird der Herr die Israeliten wieder
sammeln. Vom Euphrat bis zum Grenzfluss nach Ägypten liest er einen nach dem
anderen auf, wie ein Bauer, der sorgfältig seine Ähren ausklopft und die Körner
zusammenliest.
Jes 27,13 An diesem Tag wird laut das Horn geblasen als Signal für die vielen
Verschleppten und Vertriebenen. Aus Assyrien und Ägypten kommen sie nach
Jerusalem und beten auf dem heiligen Berg den Herrn an.
Jes 28,1 Lasst euch warnen, ihr Leute von Ephraim! Trinker seid ihr, ganz und
gar vom Wein abhängig. Eurer stolzen Hauptstadt Samaria wird es schlecht
ergehen! Noch liegt sie wie eine prächtige Krone auf dem Hügel, hoch über dem
fruchtbaren Tal. Sie schmückt ihn wie ein bunter Blumenkranz, doch die Blüten
welken schon.
Jes 28,2 Denn der Herr hält ein starkes und mächtiges Heer bereit. Wie ein Orkan
wird es über euch hinwegfegen, wie ein Hagelsturm mit sintflutartigen
Regenfällen, deren Wassermassen alles fortspülen. Mit Wucht wird es euch zu
Boden werfen.
Jes 28,3 Dann wird sie zertrampelt, die prunkvolle Krone, der Stolz aller
Weinseligen von Ephraim.
Jes 28,4 Heute schmückt sie noch wie ein prächtiger Blumenkranz den Hügel, hoch
über dem fruchtbaren Tal. Doch die Blüten welken schon, und bald geht es ihr wie
einer Feige, die schon vor der Ernte reif geworden ist: Wer sie am Baum
erblickt, pflückt sie schnell und schlingt sie hinunter.
Jes 28,5 Es kommt der Tag, da wird der Herr selbst, der allmächtige Gott, die
glanzvolle Krone für die Überlebenden seines Volkes sein. Dann ist er ihr
prächtiger Blumenkranz.
Jes 28,6 Den Richtern gibt er Sinn für Gerechtigkeit, wenn sie ihre Urteile
fällen, und die Soldaten rüstet er mit Mut und Kraft aus, damit sie die Feinde
aus der Stadt vertreiben.
Jes 28,7 Sogar die Priester und Propheten torkeln. Von Wein und anderen
berauschenden Getränken benebelt, können sie sich kaum noch auf den Beinen
halten. Taumelnd und torkelnd empfangen die Propheten ihre Visionen, und die
Priester schwanken hin und her, wenn sie Recht sprechen.
Jes 28,8 Die Tische, an denen sie sitzen, sind voll von Erbrochenem, alles ist
besudelt.
Jes 28,9 »Für wen hält dieser Jesaja uns eigentlich, dass er uns belehren
will?«, lallen sie. »Uns braucht niemand mehr zu erzählen, was Gott gesagt hat.
Sind wir denn kleine Kinder, die eben erst von der Mutterbrust entwöhnt wurden?
Jes 28,10 Was soll dieses Blabla: ›Tut dies, tut das; dies ist verboten, das ist
verboten; macht hier etwas, macht dort etwas!‹ ?«
Jes 28,11 Darum wird Gott Ausländer mit einer fremden Sprache zu diesem Volk
schicken und nur noch in unverständlichen Lauten zu ihm reden.
Jes 28,12 Er hatte ihnen zwar gesagt: »Dieses Land soll für euch ein Ort der
Ruhe werden. Gönnt den Erschöpften eine Pause! Hier könnt ihr in Frieden
wohnen!« Doch sie wollten nicht auf ihn hören.
Jes 28,13 Darum wird der Herr von nun an nur noch das zu ihnen sagen, was sie
als Blabla verspotteten: »Tut dies, tut das; dies ist verboten, das ist
verboten; macht hier etwas, macht dort etwas!« Sie werden nach hinten stürzen
und sich das Genick brechen. Sie werden den Feinden ins Netz gehen, und man wird
sie gefangen fortschaffen!
Jes 28,14 So hört nun, was der Herr euch sagt, ihr Lästermäuler, ihr Herrscher
Jerusalems!
Jes 28,15 Ihr fühlt euch sicher und prahlt: »Wir haben uns mit dem Tod verbündet
und mit der Totenwelt ein Abkommen geschlossen! Wenn das Unheil über unser Land
hereinbricht, kann uns nichts geschehen!« Ihr verlasst euch auf eure verlogenen
Intrigen und meint, durch Betrug hättet ihr euch rundum abgesichert!
Jes 28,16 Doch Gott, der Herr, sagt: »Ich lege in Jerusalem ein Fundament. Es
ist ein Grundstein, ein kostbarer Eckstein, der felsenfest steht. Wer auf ihn
baut und ihm vertraut, braucht nicht zu fliehen.
Jes 28,17 Das Recht ist meine Richtschnur und die Gerechtigkeit mein Lot. Doch
eure Lügengebäude werden vom Hagel zerschlagen; ein Sturzbach reißt eure
Sicherheiten fort.
Jes 28,18 Dann nützt euch der Pakt mit dem Tod und mit der Totenwelt nichts
mehr. Das Unheil wird euch treffen, wie eine Flutwelle bricht es über euch
herein und macht alles dem Erdboden gleich.
Jes 28,19 Tag und Nacht werdet ihr überflutet, die Wellen erfassen euch und
reißen euch mit sich fort. Jede Botschaft, die ihr in dieser Zeit von mir
erhaltet, jagt euch nichts als Angst und Schrecken ein.
Jes 28,20 Dann trifft das Sprichwort auf euch zu: ›Das Bett ist zu kurz, um sich
auszustrecken, die Decke ist zu schmal, um sich zuzudecken.‹«
Jes 28,21 Ja, der Herr wird in den Kampf ziehen wie einst gegen die Philister am
Berg Perazim, er wird wüten wie damals im Tal Gibeon. Alles, was er sich gegen
euch vorgenommen hat, wird er tun - so seltsam und befremdend es auch ist.
Jes 28,22 Lacht nicht über meine Warnungen, sonst werden eure Fesseln noch
straffer angezogen! Denn ich weiß vom Herrn, dem allmächtigen Gott, dass er fest
entschlossen ist, das ganze Land zu verwüsten.
Jes 28,23 Hört genau zu, was ich euch sage:
Jes 28,24 Pflügt und eggt ein Bauer vor der Aussaat mehrfach dasselbe Feld?
Jes 28,25 Nein! Sobald er den Acker einmal vorbereitet hat, sät er alles
Mögliche an: Dill und Kümmel, dann Weizen, Hirse und Gerste, jedes an seinem
bestimmten Platz, und schließlich am Rand des Feldes noch anderes Getreide.
Jes 28,26 Er weiß genau, was zu tun ist, denn sein Gott hat es ihn gelehrt.
Jes 28,27 Dill und Kümmel wird er nicht wie Getreide mit einer schweren Walze
ausdreschen, sondern mit einem Stock klopft er die Samen sorgfältig aus.
Jes 28,28 Und das Getreide - wird es etwa schonungslos zermalmt? Nein, natürlich
nicht! Der Bauer drischt es nicht länger als nötig. Er lässt zwar seine Zugtiere
die schwere Dreschwalze darüber ziehen, doch er achtet darauf, dass die Körner
nicht zerquetscht werden.
Jes 28,29 Das hat er von Gott gelernt, vom allmächtigen Herrn. Denn der ist ein
weiser und wunderbarer Ratgeber.
Jes 29,1 »Lass dich warnen, Ariël, du Stadt, in der auf meinem Altar die Opfer
verbrannt werden! Ja, es wird dir schlecht ergehen, Jerusalem, du Stadt, in der
einst David sich niederließ! Macht nur weiter so! Feiert ruhig Jahr für Jahr
eure Feste!
Jes 29,2 Doch ich werde Jerusalem in so schwere Bedrängnis bringen, dass die
Stadt von lautem Klagen und Stöhnen widerhallt. Dann wird sie zu dem, was ihr
Name bedeutet: Ariël, ein Altar voller Glut.
Jes 29,3 Ich, der Herr, werde zu eurem Feind und schlage mein Lager rings um die
Stadt auf. Ich schütte einen Wall auf und belagere euch.
Jes 29,4 Dann liegt sie am Boden, die stolze Stadt. Dumpf klingen eure Worte,
als ob sie aus der Erde kämen. Wie die Stimme eines Geistes aus der Unterwelt,
so klingt euer Wispern aus dem Staub.«
Jes 29,5 [5/6] Dann aber wird das große Heer der Feinde weggeblasen wie feiner
Staub. Die vielen Belagerer gleichen dem dürren Laub, das der Wind aufwirbelt.
Plötzlich wird es geschehen, in einem Augenblick. Der Herr, der allmächtige
Gott, greift ein. Mit Donnerschlägen, Erdbeben und lautem Krachen, mit
Wirbelsturm, Unwetter und loderndem Feuer kommt er der Stadt zu Hilfe.
Jes 29,7 Die zahlreichen Völker, die gegen Jerusalem Krieg geführt, euch
belagert und bestürmt haben, erscheinen euch dann nur noch wie ein böser Traum,
wie eine unheimliche Vision in der Nacht.
Jes 29,8 Euren Feinden geht es dann wie einem Verhungernden, der vom Essen
träumt, doch wenn er erwacht, ist er hungrig wie zuvor; oder wie einem, der
verdurstet und vom Wasser träumt, doch wenn er erwacht, ist er immer noch
ausgedörrt und schwach vor Durst. Ja, so geht es den vielen Völkern, die gegen
Jerusalem Krieg führen!
Jes 29,9 Starrt einander nur an, bis ihr vor Entsetzen erstarrt! Verschließt nur
weiter eure Augen, bis ihr wirklich blind seid! Ihr wankt, doch nicht weil ihr
vom Wein berauscht seid; ihr torkelt, aber nicht weil ihr zu viel getrunken
habt.
Jes 29,10 Der Herr hat einen Geist über euch kommen lassen, der euch in tiefen
Schlaf versetzt hat. Ja, eure Augen, die Propheten, hat er verschlossen und eure
Köpfe, die Seher, verhüllt.
Jes 29,11 Darum ist nun jede Botschaft Gottes an euch wie eine versiegelte
Buchrolle. Zeigt man sie einem, der lesen kann, und bittet ihn vorzulesen, so
sagt er: »Das darf ich nicht, es ist versiegelt!«
Jes 29,12 Drückt man die Buchrolle einem, der nicht lesen kann, in die Hand,
erwidert er: »Es tut mir leid, aber ich kann nicht lesen.«
Jes 29,13 So spricht der Herr: »Dieses Volk gibt vor, mich zu ehren - doch sie
tun es nur mit den Lippen, mit dem Herzen sind sie nicht dabei. Ihre Frömmigkeit
beruht nur auf Vorschriften, die Menschen aufgestellt haben.
Jes 29,14 Deshalb handle ich auch weiterhin unverständlich für dieses Volk. Ja,
sie werden nicht begreifen, wie ich mit ihnen umgehe: Die Weisen sollen ihre
Weisheit verlieren, und die Ratgeber werden guten Rat suchen.«
Jes 29,15 Passt nur auf, die ihr eure Pläne vor dem Herrn verbergen wollt. Ihr
wickelt eure Geschäfte im Schutze der Dunkelheit ab und denkt: »Uns sieht
niemand; keiner merkt, was wir treiben!«
Jes 29,16 Was für ein Trugschluss! Ist denn ein Klumpen Ton dem Töpfer
ebenbürtig, der ihn bearbeitet? Behauptet ein Kunstwerk von seinem Künstler, er
habe es nicht gemacht? Oder sagt ein Tonkrug über seinen Töpfer: »Er hat keine
Ahnung!«?
Jes 29,17 Bald schon wird das wilde Bergland des Libanon in einen üppigen
Obstgarten verwandelt, dicht bewachsen wie ein Wald.
Jes 29,18 Dann werden sogar Taube hören, was aus der Buchrolle vorgelesen wird,
und die Blinden kommen aus ihrer Dunkelheit hervor und können sehen.
Jes 29,19 Wer niedergeschlagen war, freut sich wieder, weil der Herr selbst der
Grund seiner Freude ist. Und die ärmsten Menschen brechen in Jubel aus über den
heiligen Gott Israels.
Jes 29,20 Dann ist es aus mit den Tyrannen, und die frechen Lästermäuler gehen
zugrunde. Ausgerottet werden alle, die nur darauf aus sind, das Recht zu
verdrehen,
Jes 29,21 die andere auf die bloße Anklage hin verurteilen, die dem Richter
Fallen stellen, der ein gerechtes Urteil sprechen will, und die Unschuldige um
ihr Recht bringen.
Jes 29,22 Darum sagt der Herr, der schon Abraham erlöst hat, zu den Nachkommen
Jakobs: »Die Israeliten sollen nicht länger bloßgestellt werden; nie mehr müssen
sie sich schämen!
Jes 29,23 Denn wenn alle Nachkommen Jakobs meine Taten sehen, die ich unter
ihnen vollbringe, dann werden sie meinen heiligen Namen ehren. Ja, in Ehrfurcht
werden sie mir begegnen, dem Gott Israels, der schon der heilige Gott Jakobs
war.
Jes 29,24 Alle, die verwirrt waren, kommen wieder zur Einsicht, und
Widerspenstige lassen sich belehren.«
Jes 30,1 So spricht der Herr: »Ihr seid wie widerspenstige Kinder! Lasst euch
warnen! Ihr führt eure eigenen Pläne aus, die nicht von mir stammen. Ihr
schließt Verträge ab, die nicht meinem Willen entsprechen. So ladet ihr immer
mehr Schuld auf euch.
Jes 30,2 Ohne mich zu fragen, sucht ihr in Ägypten Zuflucht und wollt euch den
Schutz des Pharaos sichern.
Jes 30,3 Doch euer Vertrauen in den Pharao wird enttäuscht werden: Ohne den
erhofften Schutz von Ägypten müsst ihr wieder abziehen, gedemütigt und beschämt.
Jes 30,4 Zwar haben eure führenden Männer die Stadt Zoan erreicht; die Boten,
die ihr gesandt habt, sind bis nach Hanes im Süden gekommen.
Jes 30,5 Trotzdem werdet ihr von diesem Volk nur enttäuscht. Ein Bündnis mit
ihnen nützt euch nichts! Es bringt euch keine Hilfe und keinerlei Vorteile,
sondern nur Schimpf und Schande.«
Jes 30,6 Das sagt Gott über die Tiere im Süden: »Eine Karawane zieht durch die
grauenvolle Wüste, in der überall Gefahren lauern. Da gibt es Löwen,
Giftschlangen und fliegende Drachen. Die Abgesandten aus Juda haben ihre Esel
und Kamele mit reichen Schätzen schwer beladen, denn sie wollten sich die
Freundschaft eines Volkes erkaufen. Aber dieses Volk wird ihnen nichts nützen:
Jes 30,7 Ägyptens Versprechungen sind wertlos, seine Hilfe kommt vergeblich.
Daher nenne ich es ›Rahab, der lahme Drache‹.«
Jes 30,8 Der Herr befahl mir: »Geh nun, und schreib meine Worte vor den Augen
dieser Leute auf eine Tafel! Ritz die Buchstaben tief ein, damit sie nicht
verwittern, sondern für alle Zeiten erhalten bleiben.
Jes 30,9 Denn mein Volk ist ein widerspenstiges Volk. Wie missratene, verlogene
Kinder sind sie, die sämtliche Weisungen von mir in den Wind schlagen.
Jes 30,10 Sie verbieten den Propheten zu weissagen. ›Wir wollen die Wahrheit gar
nicht hören‹, wehren sie ab. ›Prophezeit uns lieber, was uns gefällt. Lasst uns
in schönen Trugbildern leben, täuscht uns ruhig.
Jes 30,11 Biegt doch die Wahrheit ein wenig zurecht! Nur lasst uns endlich in
Ruhe, verschont uns mit diesem heiligen Gott Israels.‹
Jes 30,12 Doch ich, der heilige Gott Israels, antworte ihnen: Ihr haltet es
nicht für nötig, auf meine Warnungen und Befehle zu hören. Lieber verlasst ihr
euch auf Gewalt und Intrigen.
Jes 30,13 Doch das wird euch zum Verhängnis werden. Dann gleicht ihr einer hohen
Mauer, die einen Riss bekommen hat. Er wird immer größer und tiefer, bis die
Mauer plötzlich zusammenbricht.
Jes 30,14 Ihr werdet wie ein Tonkrug sein, der schonungslos in tausend Stücke
zerschmettert wird. Keine der Scherben ist noch groß genug, um damit Glut aus
der Feuerstelle zu holen oder Wasser aus dem Teich zu schöpfen.«
Jes 30,15 So spricht der Herr, der heilige Gott Israels: »Kehrt doch um zu mir,
und werdet ruhig, dann werdet ihr gerettet! Vertraut mir, und habt Geduld, dann
seid ihr stark! Doch das wollt ihr nicht.
Jes 30,16 Ihr prahlt: ›Wir haben gute und schnelle Pferde, wir bringen uns
rechtzeitig in Sicherheit.‹ Jawohl - ihr werdet fliehen, aber eure Verfolger
bleiben euch auf den Fersen!
Jes 30,17 Ein einziger von ihnen schlägt tausend von euch in die Flucht; und
wenn nur fünf euch angreifen, dann lauft ihr alle schon davon. Zuletzt bleibt
nur ein kleines Häufchen von euch übrig, einsam und verlassen wie eine
Fahnenstange auf der Bergspitze.«
Jes 30,18 Doch sehnt sich der Herr danach, euch gnädig zu sein. Bald wird er zu
euch kommen und sich wieder über euch erbarmen, denn er ist ein gerechter Gott.
Wie glücklich sind alle, die auf seine Hilfe warten!
Jes 30,19 Ihr Einwohner Jerusalems, ihr Menschen aus Zion, ihr werdet nicht mehr
weinen! Der Herr wird euer Rufen erhören und euch in Liebe antworten.
Jes 30,20 Und schickt er euch auch Zeiten der Not, in denen Brot und Wasser
knapp werden, so lässt er euch doch nicht umkommen. Er wird sich nicht länger
vor euch verborgen halten, sondern euch unterweisen. Mit eigenen Augen werdet
ihr ihn als euren Lehrer sehen.
Jes 30,21 Und kommt ihr vom richtigen Weg ab, so hört ihr hinter euch eine
Stimme: »Halt, dies ist der Weg, den ihr einschlagen sollt!«
Jes 30,22 Dann sind eure geschnitzten und gegossenen, mit Gold und Silber
überzogenen Götzenfiguren für euch auf einmal nur noch Abfall. Verächtlich ruft
ihr: »Bloß weg mit diesem Dreck!«
Jes 30,23 Eure bestellten Felder wird der Herr mit Regen tränken. Üppig steht
euer Getreide da, ihr bringt eine reiche Ernte ein. Eure Herden weiden auf
weiten, saftigen Wiesen.
Jes 30,24 Die Rinder und Esel, mit denen ihr die Felder bearbeitet, bekommen
Kraftfutter zu fressen, das man sorgfältig für sie mischt und zubereitet.
Jes 30,25 An dem Tag, an dem eure Feinde in einer großen Schlacht fallen und
ihre Festungen einstürzen, da werden wasserreiche Bäche von den Bergen und
Hügeln herunterfließen.
Jes 30,26 Der Mond leuchtet so hell wie die Sonne, und die Sonne scheint
siebenmal heller als sonst, als würde sie das Licht einer ganzen Woche
verbreiten. An diesem Tag wird der Herr die Wunden, die er seinem Volk zugefügt
hat, verbinden und ihre Brüche heilen.
Jes 30,27 Seht ihr den Herrn nahen? Er kommt von weither, gepackt von glühendem
Zorn. Seine Lippen beben vor Wut, und seine Zunge sprüht Feuer.
Jes 30,28 Sein Atem reißt alles mit sich fort wie ein tosender Bach, der einem
bis zum Hals reicht. Er kommt, um die Völker im Sieb zu schütteln und
wegzuwerfen. Wie wilde Pferde wird er sie bändigen, er wird ihnen einen Zaum
anlegen und sie daran ins Verderben führen.
Jes 30,29 Ihr aber werdet Lieder singen wie in den Nächten, in denen ihr heilige
Feste feiert. Ihr werdet fröhlich sein wie die Pilger, die unter Flötenspiel zum
Berg des Herrn ziehen, zum starken und mächtigen Gott Israels.
Jes 30,30 Der Herr lässt seine Donnerstimme hören; in schrecklichem Zorn schlägt
er zu, mit loderndem Feuer, Wolkenbruch, Sturm und Hagel.
Jes 30,31 Die Assyrer werden zu Tode erschrecken, wenn sie die Donnerstimme des
Herrn hören und seine Stockschläge spüren.
Jes 30,32 Sie bekommen die vom Herrn verhängte Strafe; ein Rutenhieb nach dem
anderen klatscht auf sie nieder, begleitet von Trommelwirbel und Harfenklängen.
Ja, der Herr selbst wird gegen sie kämpfen!
Jes 30,33 Der Platz ihrer Hinrichtung ist längst vorbereitet. Auch auf den König
wartet der Scheiterhaufen. Die Feuerstelle wurde ausgehoben, tief und weit; eine
große Menge Brennholz hat man aufgeschichtet. Der Atem des Herrn, feurig wie ein
glühender Lavastrom, setzt alles in Brand.
Jes 31,1 Wehe denen, die nach Ägypten gehen, um Hilfe zu holen! Sie setzen ihre
Hoffnung auf Pferde, sie vertrauen auf die unzähligen Streitwagen und die
starken Reitertruppen. Den heiligen Gott Israels aber lassen sie außer Acht, den
Herrn bitten sie nicht um Hilfe.
Jes 31,2 Doch er weiß genau, was er tut: Unglück lässt er über euch kommen. Er
nimmt seine Drohungen nicht zurück. Gegen euch, ihr Übeltäter, und gegen alle,
von denen ihr Hilfe erwartet, wird er sich erheben.
Jes 31,3 Die Ägypter sind doch nur Menschen und nicht Gott; ihre Pferde sind aus
Fleisch und Blut und haben keine göttliche Kraft. Der Herr braucht nur drohend
seine Hand zu erheben, schon stolpert der Helfer, der Hilfesuchende stürzt, und
alle beide kommen um.
Jes 31,4 So spricht der Herr: »Ein junger Löwe verteidigt knurrend seine Beute.
Er lässt sich nicht einschüchtern vom Geschrei der vielen Hirten, die ihm das
Schaf wieder entreißen wollen. Genauso furchtlos werde ich, der allmächtige
Gott, auf den Berg Zion herabkommen und die Stadt Jerusalem verteidigen.
Jes 31,5 Wie ein Vogel über seinem Nest kreist und seine Jungen ständig im Auge
behält, so werde ich, der allmächtige Gott, Jerusalem beschützen. Ich beschirme
und verteidige die Stadt, ich verschone sie vor dem Untergang und befreie sie
schließlich von ihren Feinden.«
Jes 31,6 Kehrt um, ihr Israeliten, zurück zum Herrn! Ihr habt euch schon so weit
von ihm entfernt.
Jes 31,7 Noch verehrt ihr eure selbst gemachten Götzenfiguren aus Silber und
Gold, noch begeht ihr diese schwere Sünde. Doch es kommt der Tag, an dem ihr sie
alle verabscheuen werdet.
Jes 31,8 »Assyrien wird fallen«, sagt der Herr. »Mit dem Schwert wird das Heer
geschlagen. Doch keine menschliche Waffe, sondern mein Schwert bringt sie um.
Sie werden davor fliehen, und die jungen Soldaten müssen Zwangsarbeit leisten.
Jes 31,9 Die Heerführer der Assyrer vergehen fast vor Angst. Sie lassen ihre
Truppen im Stich und ergreifen die Flucht. Das sage ich, der Herr, der in
Jerusalem wohnt, dessen Feuer auf dem Berg Zion brennt.«
Jes 32,1 Eines Tages wird ein gerechter König regieren. Auch seine obersten
Beamten werden sich an das Recht halten.
Jes 32,2 Jeder von ihnen wird für das Volk sein wie ein windgeschützter Ort im
Sturm, wie ein Schutzdach beim Wolkenbruch, wie ein sprudelnder Bach in der
Steppe, wie der kühle Schatten eines hohen Felsens in glühend heißer Wüste.
Jes 32,3 Dann wird keiner mehr verblendet sein; alle sehen wieder klar und hören
aufmerksam hin.
Jes 32,4 Hitzköpfe lernen, überlegt und einsichtsvoll zu handeln, und selbst
Menschen, denen das Reden schwer fiel, können dann fließend und deutlich
sprechen.
Jes 32,5 Ein unverbesserlicher Dummkopf wird dann nicht mehr vornehm genannt,
kein Betrüger wird mehr als ehrlich hingestellt.
Jes 32,6 Denn ein gottloser Mensch wird immer Schlechtes reden. Er will nur
Unheil anrichten und schreckt vor keiner Grausamkeit zurück. Was er über den
Herrn sagt, ist verkehrt und führt andere in die Irre. Den Hungrigen gibt er
nichts zu essen, und Durstige lässt er nicht trinken.
Jes 32,7 Auch der Betrüger hat nichts als üble Machenschaften im Sinn: Er
schmiedet hinterlistige Pläne, um die Armen mit falschen Aussagen zugrunde zu
richten, selbst wenn diese im Recht sind.
Jes 32,8 Ein ehrlicher Mensch dagegen ist auf das Gute bedacht und setzt sich
dafür ein, dass die Wahrheit siegt.
Jes 32,9 Sorglos lebt ihr in den Tag hinein, ihr Frauen - hört, was ich euch
sage! Ihr unbekümmerten Mädchen, hört mir zu!
Jes 32,10 Noch gut ein Jahr, dann werdet ihr vor Angst zittern, ihr
leichtfertigen Frauen. Dann gibt es keine Weinlese und auch keine Obsternte
mehr.
Jes 32,11 Ja, fürchtet euch, ihr Sorglosen, und zittert, ihr Unbekümmerten! Legt
eure feinen Gewänder ab, und zieht Trauerkleider aus Sacktuch an!
Jes 32,12 In eurer Verzweiflung werdet ihr alle die Hände an die Brust schlagen
und um die schönen Felder und die fruchtbaren Weinberge klagen:
Jes 32,13 Unkraut und Dornengestrüpp überwuchern die Äcker im ganzen Land. Die
Häuser sind zerstört, in denen ihr so viel Freude erlebt habt; die Stadt, die
heute noch so lebenslustig ist, wird in Trümmern liegen.
Jes 32,14 Verlassen steht der Palast da; alles Leben ist aus den Straßen
verschwunden; Totenstille liegt über der Stadt. Burghügel und Wachturm werden
für immer zu Schlupfwinkeln der Tiere: Wildesel schreien dort, und Herden weiden
zwischen den Ruinen.
Jes 32,15 So wird es bleiben, bis der Geist Gottes aus der Höhe über uns kommt.
Dann wird die Wüste in einen Obstgarten verwandelt, dicht wie im Wald stehen die
Bäume beieinander.
Jes 32,16 Im ganzen Land beachtet man das Recht. Überall herrscht Gerechtigkeit,
in der Wüste wie im fruchtbaren Land.
Jes 32,17 Und wo es gerecht zugeht, da herrschen auch Friede, Ruhe und
Sicherheit - für immer.
Jes 32,18 So spricht der Herr: »Mein Volk lebt dann in einem Land, wo Frieden
ist. Ruhig und ohne Sorgen wohnen sie dort. Ihre Häuser sind vor jeder Gefahr
sicher.
Jes 32,19 Den Wald der Feinde aber wird der Hagel zerschlagen, ihre Stadt wird
untergehen.
Jes 32,20 Doch euch geht es gut. Bäche und Flüsse durchziehen euer Land, ihr
könnt auf fruchtbaren Boden säen, und eure Rinder und Esel laufen frei herum.«
Jes 33,1 Nimm dich in acht, du Zerstörer! Du verwüstest ganze Länder, doch dein
eigenes Land ist bisher verschont geblieben. Du betrügst, doch dich selbst
konnte noch niemand in die Irre führen. Nun ist die Reihe an dir: Wenn du alle
Länder verwüstet hast, dann wird auch dein Land zerstört. Hast du endlich alle
hinters Licht geführt, wirst du selbst überlistet.
Jes 33,2 Herr, hab Erbarmen mit uns! Auf dich allein setzen wir unsere Hoffnung.
Schütze und stärke unser Volk jeden Tag neu! Hilf uns in Zeiten der Not!
Jes 33,3 Wenn die Feinde deine Donnerstimme hören, ergreifen sie die Flucht.
Ganze Völker stieben auseinander, wenn du, Herr, aufstehst und eingreifst.
Jes 33,4 Dann wird man sich auf die reiche Beute stürzen wie ein
Heuschreckenschwarm, wie gefräßige Insekten, die im Nu alles kahl fressen.
Jes 33,5 Groß und mächtig ist der Herr. Er regiert im Himmel und wacht darüber,
dass auf dem Berg Zion Recht und Gerechtigkeit herrschen.
Jes 33,6 Ihr Einwohner von Jerusalem, ihr werdet in Sicherheit leben, und es
wird euch in jeder Hinsicht gut gehen. Weisheit und Erkenntnis besitzt ihr dann
in reichem Maß, euer größter Schatz aber wird die Ehrfurcht vor dem Herrn sein.
Jes 33,7 Seht, die Kriegshelden laufen schreiend durch die Straßen! Die Boten,
die die Nachricht vom Frieden schon überall verkündet hatten, kommen laut
weinend zurück.
Jes 33,8 Die Wege sind menschenleer, kein Reisender zieht durch das Land.
Verträge werden gebrochen, Zeugenaussagen gelten nichts mehr, und ein
Menschenleben ist wertlos.
Jes 33,9 Das ganze Land verkümmert und verwelkt: Die Zedern auf dem Libanon
verdorren - welch ein trauriger Anblick! Die fruchtbare Scharonebene gleicht
einer Wüste, die Bäume im Gebiet von Baschan und auf dem Berg Karmel verlieren
ihre Blätter.
Jes 33,10 Doch der Herr sagt: »Nun handle ich! Jetzt greife ich ein und beweise
meine Macht!
Jes 33,11 Eure Pläne sind nutzlos wie dürres Stroh, und was dabei herauskommt,
ist nicht mehr wert als Stoppeln. Voller Wut speit ihr Feuer, aber es wird euch
selbst verzehren.
Jes 33,12 Ja, die feindlichen Völker sollen verbrannt werden, bis nur noch
feine, weiße Asche von ihnen übrig bleibt. Es wird ihnen gehen wie dürrem
Dornengestrüpp, das man ins prasselnde Feuer wirft.
Jes 33,13 Ihr Völker in der Ferne, hört, was ich getan habe; und ihr in der
Nähe, erkennt meine Macht an!«
Jes 33,14 Die gottlosen Menschen in Jerusalem fahren erschrocken zusammen. Die
Angst packt alle, die von Gott nichts wissen wollen. Sie fragen: »Wer hält es
neben diesem Feuer aus? Wer von uns kann bei dieser Glut wohnen, die nie
erlischt?«
Jes 33,15 Wer gerecht ist und die Wahrheit sagt; wer Ausbeutung und Erpressung
verabscheut; wer Bestechungsgelder ablehnt; wer sich nicht in Mordpläne
einweihen und verstricken lässt; wer nicht zuschaut, wo Böses geschieht.
Jes 33,16 Wer richtig handelt, der wird ruhig und sicher leben wie auf einer
hohen Burg, die von schützenden Mauern umgeben ist. Er hat immer genug zu essen,
und auch an Wasser fehlt es ihm nie.
Jes 33,17 Ihr werdet euren König sehen in seiner Majestät und Schönheit. Ihr
blickt über ein weites Land.
Jes 33,18 Dann denkt ihr an die früheren Schreckenszeiten zurück: »Wo sind sie
nun, die Unterdrücker, denen wir hohen Tribut zahlen mussten? Wo sind sie denn,
die unsere Festungen überwachten? Damit ist es jetzt vorbei!«
Jes 33,19 Nie wieder seht ihr eure Unterdrücker, dieses überhebliche Volk mit
seiner fremden Sprache, die in euren Ohren wie sinnloses Gestammel klingt.
Jes 33,20 Schaut auf die Stadt Zion, in der wir unsere Feste feiern! Ihr werdet
noch erleben, wie Jerusalem zu einem friedlichen Wohnort wird. Dann gleicht die
Stadt einem Zelt, das nie mehr abgebrochen wird; seine Pflöcke zieht man nicht
mehr heraus, und keiner löst seine Seile.
Jes 33,21 [21-23] Der Herr wird in seiner Größe und Macht bei uns sein. Dann
wohnen wir in Jerusalem so sicher wie an einem breiten Strom mit vielen
Nebenflüssen. Keine feindlichen Galeeren sind dort zu sehen, keine mächtigen
Segelschiffe fahren darauf. Und wenn doch eines kommt, dann hängen die Taue
schlaff herab, sie können den Mastbaum nicht halten und kein Segel spannen. Die
kostbare Ladung wird unter die Einwohner Jerusalems verteilt, selbst Lahme und
Blinde machen Beute. Der Herr allein ist unser Richter, der uns führt; er gibt
uns die Gesetze, er ist unser König. Nur er kann uns helfen.
Jes 33,24 Im ganzen Land wird keiner mehr klagen: »Ach, ich bin schwach und
krank!«, denn dem Volk wird jede Schuld vergeben sein.
Jes 34,1 Ihr Völker, kommt her und hört zu! Die ganze Welt, alle Bewohner der
Erde sollen aufmerksam zuhören:
Jes 34,2 Der Herr ist zornig über die Völker, ihre Heere werden seinen
schrecklichen Zorn zu spüren bekommen. Er hat sie dem Untergang geweiht,
abgeschlachtet sollen sie werden.
Jes 34,3 Dann liegen die Leichen herum, und niemand beerdigt sie. Widerlicher
Verwesungsgestank erfüllt die Luft. Das Blut der Erschlagenen durchtränkt die
Berge.
Jes 34,4 Die Gestirne vergehen, der Himmel wird zusammengerollt wie eine
Buchrolle. Die Sterne fallen herab wie dürre Weinblätter, wie trockene Blätter
vom Feigenbaum.
Jes 34,5 Der Herr sagt: »Mein Schwert im Himmel ist rot von Blut. Es fährt auf
das Land Edom nieder und vollstreckt mein Urteil. Dieses Volk habe ich dem
Untergang geweiht.«
Jes 34,6 Das Schwert des Herrn trieft von ihrem Blut und Fett, so wie es beim
Schlachten vom Blut der Lämmer und Böcke trieft, wie es bedeckt ist vom
Nierenfett der Schafböcke. Denn in Bozra, der Hauptstadt Edoms, feiert der Herr
ein großes Opferfest. Ja, in ganz Edom ist großer Schlachttag.
Jes 34,7 Die Menschen werden niedergemetzelt wie Büffel, Rinder und Stiere. Ihr
Blut durchtränkt das ganze Land, der Boden trieft von ihrem Fett.
Jes 34,8 Das alles wird geschehen, wenn der Herr mit Edom abrechnet. In diesem
Jahr zahlt er Edom alles Unrecht an Jerusalem heim.
Jes 34,9 Dann wird das Wasser der Bäche in Edom zu Pech, und der Boden
verwandelt sich in Schwefel. Das ganze Land steht in Flammen wie eine Fackel,
Jes 34,10 Tag und Nacht erlischt das Feuer nicht. Unaufhörlich steigt schwarzer
Rauch zum Himmel auf. Generationen kommen und gehen, doch dieses Land bleibt
verwüstet für alle Zeiten. Nie mehr wird ein Mensch diese öde Gegend
durchstreifen.
Jes 34,11 Eulen und Igel hausen dort, Käuzchen und Raben lassen sich nieder. Der
Herr zieht mit der Messschnur eine Grenze um das ganze Land und macht es zu
einer wilden, menschenleeren Gegend.
Jes 34,12 Keine Fürsten rufen je wieder ein Königtum aus, von den vornehmen
Herren bleibt niemand übrig.
Jes 34,13 An den Mauern der Paläste ranken Dornen empor, Nesseln und Disteln
überwuchern die alten Festungen. Schakale wohnen in den Ruinen, und Strauße
siedeln sich an.
Jes 34,14 Hyänen und andere Wüstentiere hausen dort, Dämonen begegnen einander,
und Gespenster lassen sich nieder.
Jes 34,15 Schlangen nisten dort, legen Eier und brüten sie aus, bis die Jungen
schlüpfen. Auch Aasgeier zieht es in großer Zahl dorthin.
Jes 34,16 Forscht im Buch des Herrn, und lest nach: Nicht eines dieser Tiere
fehlt, alle finden sich in Edom. Denn der Herr selbst hat es befohlen, und sein
Geist bringt sie dort zusammen.
Jes 34,17 Eigenhändig wird er das Land vermessen und jedem Tier durch das Los
sein Gebiet zuweisen. Dann besitzen sie es für alle Zeiten, eine Generation nach
der anderen wird darin wohnen.
Jes 35,1 Freuen wird sich die Wüste, jubeln das dürre Land, die Steppe wird
singen vor Freude: Sie ist aufgeblüht, ein Meer von Lilien.
Jes 35,2 In voller Blüte steht sie da und singt und jubelt vor Freude. Schön wie
der Wald im Libanon soll sie werden, prächtig wie der Berg Karmel und fruchtbar
wie die Scharonebene. Dann wird jeder die Herrlichkeit und Pracht des Herrn,
unseres Gottes, sehen.
Jes 35,3 Stärkt die kraftlosen Hände! Lasst die zitternden Knie wieder fest
werden!
Jes 35,4 Sagt denen, die sich fürchten: »Fasst neuen Mut! Habt keine Angst mehr,
denn euer Gott ist bei euch! Jetzt wird er euren Feinden alles Unrecht
vergelten, das sie euch angetan haben. Gott selbst kommt, um euch zu helfen und
euch zu befreien.«
Jes 35,5 Dann bekommen die Blinden ihr Augenlicht wieder, und die Tauben können
hören.
Jes 35,6 Gelähmte springen wie ein Hirsch, und Stumme singen aus voller Kehle.
In der Wüste brechen Quellen hervor, Bäche fließen durch die öde Steppe.
Jes 35,7 Teiche entstehen, wo vorher heißer Wüstensand war. In der dürren
Landschaft sprudelt Wasser aus dem Boden. Wo heute noch Schakale lagern, wachsen
dann Gras, Binsen und Schilf.
Jes 35,8 Eine Straße wird es dort geben, die man »Heilige Straße« nennt. Kein
unreiner Mensch wird sie betreten, sie ist nur für das Volk des Herrn bestimmt.
Wer auf dieser Straße reist, kann sich nicht verirren, auch wenn er sich nicht
auskennt.
Jes 35,9 Kein Löwe liegt auf der Lauer, auch andere Raubtiere gibt es dort
nicht. Nur die erlösten Menschen betreten diese Straße.
Jes 35,10 Alle, die der Herr befreit hat, kehren jubelnd aus der Gefangenschaft
zum Berg Zion zurück. Von Freude ergriffen, jubelnd vor Glück, kommen sie heim.
Trauer und Sorge sind für immer vorbei.
Jes 36,1 Im 14. Regierungsjahr König Hiskias marschierte der assyrische König
Sanherib mit seinen Truppen in Juda ein und eroberte alle befestigten Städte des
Landes.
Jes 36,2 Von der Stadt Lachisch aus schickte er einen seiner höchsten
Würdenträger - er trug den Titel Rabschake - mit einem starken Heer nach
Jerusalem. Dort stellte sich das Heer bei der Wasserleitung des oberen Teiches
auf. Sie liegt an der Straße zu dem Feld, auf dem die Tuchmacher ihre Stoffe
bleichen.
Jes 36,3 Hiskia schickte drei seiner Hofbeamten zu ihnen hinaus: den
Palastverwalter Eljakim, einen Sohn Hilkijas, den Hofsekretär Schebna und den
Berater Joach, einen Sohn Asafs.
Jes 36,4 Der Rabschake gab ihnen eine Botschaft an König Hiskia mit: »Der
mächtige König von Assyrien lässt dir sagen: Worauf vertraust du eigentlich,
dass du dich so sicher fühlst?
Jes 36,5 Schöne Worte allein erringen keinen Sieg. Was du brauchst, sind gute
Berater und lange Kriegserfahrung. Von wem erhoffst du dir Rückendeckung, dass
du es wagst, dich gegen mich aufzulehnen?
Jes 36,6 Ausgerechnet von Ägypten erwartest du Hilfe? Auf diesen zerbrochenen
Stab willst du dich stützen? Er hat noch jedem die Hand durchbohrt, der sich auf
ihn stützte. So ist nämlich der Pharao: Er lässt alle im Stich, die sich auf ihn
verlassen!
Jes 36,7 Vielleicht sagt ihr jetzt: ›Wir vertrauen auf den Herrn, unseren Gott!‹
Aber hast du, Hiskia, nicht alle Altäre und Opferstätten dieses Gottes
niedergerissen? Hast du nicht dem Volk in ganz Juda und Jerusalem befohlen, sich
nur noch vor dem einen Altar in Jerusalem niederzuwerfen? Und da sollte dieser
Gott euch nun noch helfen wollen?
Jes 36,8 Der König von Assyrien bietet dir folgende Wette an: Er schenkt dir
zweitausend Pferde, wenn du die Reiter dafür aufbringen kannst. Wetten, dass es
dir nicht gelingt?
Jes 36,9 Ihr könnt doch nicht einmal irgendeinem unbedeutenden Truppenführer
meines Herrn die Stirn bieten. Ihr setzt ja eure ganze Hoffnung auf die Ägypter,
weil sie viele Streitwagen besitzen.
Jes 36,10 Und noch etwas lässt dir der König sagen: Du denkst wohl, wir seien
gegen den Willen des Herrn hier einmarschiert, um alles zu verwüsten? Dann irrst
du dich aber! Der Herr selbst hat mir befohlen, dieses Land zu erobern und zu
zerstören.«
Jes 36,11 Hier unterbrachen Eljakim, Schebna und Joach den Rabschake. »Bitte,
rede aramäisch mit uns, Herr«, baten sie. »Sprich nicht hebräisch! Die Leute aus
dem Volk oben auf der Mauer verstehen sonst jedes Wort.«
Jes 36,12 Doch der Rabschake erwiderte: »Meint ihr, mein Herr habe mich mit
dieser Botschaft nur zu euch und eurem Herrn geschickt? Nein, gerade die Männer
dort oben auf der Stadtmauer sollen es hören! Bald schon werden sie so wie ihr
den eigenen Kot fressen und Harn saufen.«
Jes 36,13 Dann wandte er sich zur Stadtmauer hin und rief laut auf Hebräisch:
Jes 36,14 »Hört, was der mächtige König von Assyrien euch zu sagen hat: Lasst
euch von Hiskia nicht täuschen! Der kann euch ja doch nicht helfen.
Jes 36,15 Er vertröstet euch auf den Herrn und behauptet: ›Ganz sicher wird der
Herr uns retten und verhindern, dass der König von Assyrien die Stadt erobert.‹
Fallt nicht darauf herein!
Jes 36,16 Hört nicht auf Hiskia, sondern hört auf den König von Assyrien! Er
will Frieden mit euch schließen und lässt euch sagen: Ihr könnt euch mir getrost
ergeben! Dann werdet ihr wieder die Früchte eurer Weinstöcke und Feigenbäume
essen und das Wasser eurer Brunnen trinken,
Jes 36,17 bis ich euch in ein Land hole, das so fruchtbar ist wie eures. Dort
gibt es Getreidefelder und Weinberge, Brot und Most in Hülle und Fülle.
Jes 36,18 Lasst euch von Hiskia nicht an der Nase herumführen, wenn er
behauptet: ›Der Herr wird uns helfen!‹ Haben etwa die Götter anderer Völker sie
vor mir retten können?
Jes 36,19 Was ist mit den Göttern von Hamat und Arpad und mit den Göttern von
Sefarwajim? Konnten sie ihre Städte vor meinen Angriffen schützen? Und wie war
es mit Samaria? Haben sie uns etwa dort zum Abzug gezwungen?
Jes 36,20 Nein, nicht ein einziger Gott konnte sein Land vor meinen Eroberungen
schützen. Und da sollte ausgerechnet euer Gott, den ihr ›Herr‹ nennt, Jerusalem
vor mir bewahren?«
Jes 36,21 Die Leute auf der Mauer blieben ruhig und antworteten ihm nichts.
Hiskia hatte ihnen nämlich befohlen, kein Wort zu sagen.
Jes 36,22 Entsetzt zerrissen Eljakim, Schebna und Joach ihre Gewänder. Sie
eilten zu Hiskia und wiederholten ihm die ganze Rede des Rabschake.
Jes 37,1 Als König Hiskia das hörte, zerriss auch er sein Gewand und hüllte sich
in ein Trauergewand aus Sacktuch. Dann ging er in den Tempel.
Jes 37,2 Den Palastverwalter Eljakim, den Hofsekretär Schebna und einige
führende Priester schickte er in Trauergewändern zum Propheten Jesaja, dem Sohn
des Amoz.
Jes 37,3 »Wir haben dir etwas von Hiskia auszurichten«, begannen sie. »Er lässt
dir sagen: Heute ist ein schrecklicher Tag, die Assyrer haben uns schwer
beleidigt. Das ist die Strafe für unsere Sünden. Die Lage ist so ernst wie bei
einer Geburt, wenn die Mutter keine Kraft mehr hat, ihr Kind zu gebären.
Jes 37,4 Doch vielleicht hat der Herr, dein Gott, alle Lästerungen des Rabschake
gehört. Der Gesandte des assyrischen Königs hat den lebendigen Gott verhöhnt!
Sicher hat der Herr seine Worte gehört und bestraft ihn dafür. O Jesaja, bete
für uns, bete für die Überlebenden!«
Jes 37,5 Als sie die Botschaft Hiskias ausgerichtet hatten,
Jes 37,6 gab Jesaja ihnen gleich eine Antwort für den König mit: »So spricht der
Herr: ›Hab keine Angst vor den Drohungen, die du gehört hast. Lass dich nicht
einschüchtern, wenn die Boten des assyrischen Königs über mich lästern!
Jes 37,7 Ich will ihn dazu bringen, dass er seine Truppen von hier abzieht. Er
wird ein Gerücht hören und darüber so beunruhigt sein, dass er umgehend in sein
Land zurückkehrt. Dort lasse ich ihn durch das Schwert umkommen.‹«
Jes 37,8 Der Rabschake kehrte zu König Sanherib zurück, der inzwischen wieder
von Lachisch aufgebrochen war und nun die Stadt Libna belagerte.
Jes 37,9 Sanherib hörte, der äthiopische König Tirhaka sei mit einem Heer
unterwegs, um die Assyrer anzugreifen. Da schickte er noch einmal eine
Gesandtschaft zu König Hiskia
Jes 37,10 und ließ ihm einen Brief überbringen. »Überschätze deinen Gott nicht«,
hieß es darin, »lass dich nicht von ihm täuschen, wenn er dir sagt: ›Jerusalem
wird nicht fallen, der assyrische König kann die Stadt nicht einnehmen!‹
Jes 37,11 Du weißt doch, wie die assyrischen Könige gegen ihre Feinde vorgehen:
Ihre Länder verwüsten sie, und die Bewohner metzeln sie nieder. Und da solltest
gerade du verschont bleiben?
Jes 37,12 Wurden denn Städte wie Gosan, Haran oder Rezef von ihren Göttern
beschützt? Wie war es mit den Einwohnern von Telassar im Land Eden? Kein Gott
half ihnen, als meine Vorgänger sie vernichteten!
Jes 37,13 Und wo sind heute die Könige von Hamat und Arpad, Sefarwajim, Hena und
Awa?«
Jes 37,14 Die Boten überbrachten Hiskia das Schreiben. Er las es und ging damit
in den Tempel. Dort breitete er den Brief vor dem Herrn aus
Jes 37,15 und begann zu beten:
Jes 37,16 »Allmächtiger Gott, du Gott Israels, der du über den Cherub-Engeln
thronst, du allein bist Gott über alle Königreiche der Welt. Himmel und Erde
hast du geschaffen.
Jes 37,17 Herr, erhöre mich! Sieh doch, wie schlimm es um uns steht! Höre, wie
Sanherib dich, den lebendigen Gott, verhöhnt!
Jes 37,18 Es ist wahr, Herr: Die assyrischen Könige haben die Länder aller ihrer
Feinde verwüstet.
Jes 37,19 Sie haben deren Götter ins Feuer geworfen, denn es waren ja keine
lebendigen Götter, sondern nur Figuren aus Holz oder Stein, von Menschen
gemacht. Darum konnten die Assyrer sie verbrennen.
Jes 37,20 Nun bitte ich dich, Herr, unser Gott: Errette uns aus der Gewalt des
assyrischen Königs! Alle Länder der Erde sollen erkennen, dass nur du der Herr
bist!«
Jes 37,21 Da schickte Jesaja, der Sohn des Amoz, einen Boten zu König Hiskia,
der ihm sagen sollte: »So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dein
Gebet wegen Sanherib gehört.
Jes 37,22 Hör nun, was ich zum König von Assyrien sage: Die Stadt Zion verachtet
und verspottet dich! Ganz Jerusalem lacht über dich.
Jes 37,23 Weißt du überhaupt, wen du verhöhnt und gelästert hast? Weißt du, mit
wem du dich angelegt hast? Mit dem heiligen Gott Israels!
Jes 37,24 Durch deine Boten hast du mich, den Herrn, verspottet. Du prahlst:
›Mit meinen vielen Streitwagen habe ich die Berge bezwungen, bis zum höchsten
Gipfel des Libanon bin ich vorgestoßen. Seine mächtigen Zedern habe ich gefällt
und die schönsten Zypressen abgeholzt. Ich erreichte seine entlegensten Höhen
und drang in jedes Dickicht seiner Wälder vor.
Jes 37,25 In fremden Ländern habe ich mir Brunnen gegraben. Die Nilarme in
Ägypten waren kein Hindernis für mich: Unter meinen Schritten trockneten sie
aus.‹
Jes 37,26 Höre, König von Assyrien: Womit du jetzt prahlst, das habe ich schon
in grauer Vorzeit geplant, seit langem ist es vorbereitet! Nur darum habe ich
zugelassen, dass du befestigte Städte einreißt und sie in Trümmerhaufen
verwandelst.
Jes 37,27 Ihre Einwohner waren machtlos gegen dich, du hast Schrecken und
Schande über sie gebracht. Sie waren wie junges Grün auf dem Feld, wie zartes
Gras auf Lehmdächern, das im heißen Ostwind verdorrt.
Jes 37,28 Ich kenne dich ganz genau. Ich weiß, ob du sitzt oder stehst. Ich
sehe, wann du kommst und wann du gehst. Ich weiß auch, wie du gegen mich wütest.
Jes 37,29 Dein Prahlen habe ich gehört. Weil du so gegen mich tobst, will ich
dir einen Ring durch die Nase ziehen und meinen Zaum ins Maul legen. Dann treibe
ich dich den Weg wieder zurück, den du gekommen bist.
Jes 37,30 Dir, Hiskia, gebe ich ein Zeichen, an dem du erkennen kannst, dass ich
mein Versprechen halte: In diesem und im nächsten Jahr müsst ihr von dem leben,
was auf euren Feldern von allein nachwächst. Doch im übernächsten Jahr könnt ihr
wieder säen und ernten, Weinberge anlegen und ihre Früchte essen wie früher.
Jes 37,31 Die Bewohner von Juda, die diese schwere Zeit überstehen, werden in
Frieden in ihrer Heimat leben können wie Pflanzen, die Wurzeln schlagen und
Frucht bringen.
Jes 37,32 Denn in Jerusalem werden Menschen überleben und das Land wieder
bevölkern. Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sorge dafür und verfolge mein
Ziel beharrlich.
Jes 37,33 Ich sage dir auch, was mit dem assyrischen König geschehen wird: Seine
Truppen werden Jerusalem mit keinem Fuß betreten. Sie werden keinen einzigen
Pfeil abschießen und nicht im Schutz ihrer Schilde gegen die Stadtmauer
anstürmen. Nicht einmal einen Belagerungswall werden sie aufschütten.
Jes 37,34 Die Assyrer werden Jerusalem nicht stürmen, sondern auf demselben Weg
abziehen, den sie gekommen sind. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Jes 37,35 Um meiner Ehre willen beschütze ich diese Stadt. Ich rette sie, weil
ich es meinem Diener David versprochen habe.«
Jes 37,36 Der Herr schickte seinen Engel in das Lager der Assyrer. Er tötete
185000 Soldaten. Am nächsten Morgen war alles mit Leichen übersät.
Jes 37,37 Da ließ Sanherib zum Aufbruch blasen, zog seine Truppen ab und kehrte
nach Assyrien zurück. Er blieb in der Hauptstadt Ninive.
Jes 37,38 Eines Tages, als er im Tempel seines Gottes Nisroch betete, stachen
ihn seine Söhne Adrammelech und Sarezer mit dem Schwert nieder. Die beiden
flohen in das Land Ararat, und Asarhaddon, ein anderer Sohn Sanheribs, wurde
sein Nachfolger.
Jes 38,1 In dieser Zeit wurde Hiskia todkrank. Der Prophet Jesaja, der Sohn des
Amoz, besuchte ihn und sagte: »So spricht der Herr: ›Regle noch die letzten
Dinge, denn du bist unheilbar krank und wirst bald sterben.‹«
Jes 38,2 Als Hiskia das hörte, drehte er sich zur Wand und betete:
Jes 38,3 »Ach Herr, denk doch daran, dass ich mein Leben lang treu bei dir
geblieben bin und mit ganzer Hingabe getan habe, was dir gefällt.« Er fing laut
an zu weinen.
Jes 38,4 [4/5] Da sandte der Herr den Propheten noch einmal mit einer Botschaft
zu Hiskia: »Hör, was der Herr, der Gott deines Vorfahren David, dir sagen lässt:
›Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Ich verlängere dein Leben
um fünfzehn Jahre.
Jes 38,6 Auch will ich dich und diese Stadt vor dem assyrischen König bewahren.
Jes 38,7 Ich gebe dir ein Zeichen, an dem du erkennen wirst, dass ich mein
Versprechen halte:
Jes 38,8 Ich lasse den Schatten an den Treppenstufen, die dein Vater Ahas gebaut
hat, um zehn Stufen zurückgehen.‹« Da ging der Schatten zehn Stufen zurück.
Jes 38,9 Dieses Gedicht schrieb König Hiskia von Juda, nachdem er wieder gesund
geworden war:
Jes 38,10 »Ich dachte: In den besten Jahren meines Lebens muss ich an der
Schwelle des Todes stehen, mitten aus dem Leben werde ich herausgerissen.
Jes 38,11 Nie wieder darf ich dem Herrn begegnen hier unter den Lebenden, nie
mehr Menschen auf dieser Erde sehen.
Jes 38,12 Mein Leben gleicht einem Nomadenzelt, das abgebrochen und weggetragen
wird. Es ist wie ein Tuch, das zu Ende gewebt wurde. Du schneidest seine Fäden
ab, mit denen es am Webstuhl hing. Tag und Nacht spüre ich, dass du meinem Leben
ein Ende machst.
Jes 38,13 Bis zum Morgen versuche ich ruhig zu bleiben, aber du überfällst mich
wie ein Löwe, der alle meine Knochen zermalmt. Tag und Nacht spüre ich, dass du
meinem Leben ein Ende machst.
Jes 38,14 Meine Stimme ist dünn und schwach wie das Zwitschern einer Schwalbe,
ich krächze wie ein Kranich, und mein Klagen klingt wie das Gurren einer Taube.
Mit fiebrigen Augen starre ich nach oben; ich bin am Ende, Herr, komm mir doch
zu Hilfe!
Jes 38,15 Was soll ich nun im Nachhinein noch sagen? Nur das: Er hat mir
versprochen, mich zu heilen, und er hat es auch getan. Nun kann ich den Rest
meines Lebens gelassen verbringen. Doch nie will ich vergessen, welch bitteres
Leid ich erlitten habe.
Jes 38,16 O Herr, von deinen Worten und Taten lebe ich, sie geben mir alles, was
ich brauche. Du hast mich wieder gesund gemacht und mir von neuem das Leben
geschenkt.
Jes 38,17 Ja, mein bitteres Leid musste der Freude weichen. In deiner Liebe hast
du mich vor Tod und Grab bewahrt. Du hast alle meine Sünden weit hinter dich
geworfen.
Jes 38,18 In der Unterwelt dankt dir niemand, kein Toter preist dich mit
Liedern. Die Leichen in den Gräbern hoffen nicht mehr auf deine Treue.
Jes 38,19 Aber die Lebenden, sie danken dir, so wie ich dich heute lobe und dir
danke. Die Väter erzählen ihren Kindern, dass du treu bist und deine Versprechen
hältst.
Jes 38,20 Herr, du hast mich gerettet, darum wollen wir dich preisen unser Leben
lang, dich loben in deinem Tempel mit Musik und Liedern.«
Jes 38,21 Als Jesaja den todkranken König besuchte, ordnete er an, man solle
einen Umschlag aus gepressten Feigen auf Hiskias Geschwür legen, damit er bald
wieder gesund werde.
Jes 38,22 Hiskia aber wollte von Jesaja wissen: »Woran kann ich erkennen, dass
ich geheilt werde und zum Tempel gehen kann, um den Herrn anzubeten?«
Jes 39,1 Kurze Zeit später kam eine Gesandtschaft des babylonischen Königs
Merodach-Baladan zu Hiskia. Merodach-Baladan war ein Sohn Baladans. Er hatte
gehört, dass Hiskia nach schwerer Krankheit wieder gesund war, und ließ ihm
einen Brief und Geschenke überbringen.
Jes 39,2 Hiskia empfing die Gesandten freundlich und zeigte ihnen sein ganzes
Schatzhaus. In alle Kammern ließ er sie schauen. Sie sahen das Silber und das
Gold, die kostbaren Öle und Gewürze. Sogar das Waffenlager und die Vorratshäuser
zeigte er ihnen. Im ganzen Palast und im ganzen Reich gab es nichts Bedeutendes,
was diese Männer nicht gesehen hätten.
Jes 39,3 Da ging der Prophet Jesaja zu König Hiskia. »Woher kamen diese Männer,
und was wollten sie von dir?«, fragte er, und Hiskia antwortete: »Aus einem
fernen Land sind sie gekommen, aus Babylonien.«
Jes 39,4 »Was haben sie im Palast gesehen?«, wollte Jesaja wissen. Hiskia
erwiderte: »Sie haben alles gesehen, was ich besitze. In jede einzelne
Schatzkammer ließ ich sie schauen.«
Jes 39,5 Da sagte Jesaja: »Hör, was der Herr, der allmächtige Gott, dazu sagt:
Jes 39,6 ›Eines Tages wird der ganze Reichtum in deinem Palast - alle Schätze,
die du und deine Vorfahren angehäuft haben - nach Babylon fortgebracht werden.
Nichts wird übrig bleiben.
Jes 39,7 Auch einige deiner Söhne, die dir noch geboren werden, wird man
verschleppen. Sie müssen als Eunuchen im Palast des babylonischen Königs
dienen.‹«
Jes 39,8 Hiskia sagte nur: »Der Herr weiß, was er tut; ich beuge mich seinem
Urteil. Wenn nur zu meinen Lebzeiten noch Friede und Ruhe herrschen!«
Jes 40,1 So spricht euer Gott: »Tröstet, ja, tröstet mein Volk!
Jes 40,2 Ermutigt die Einwohner Jerusalems! Ruft ihnen zu: Nun habt ihr genug
gelitten! Die schreckliche Zeit ist vorbei! Der Herr hat euch ohne Mitleid für
eure Sünden bestraft. Eure Schuld ist beglichen.«
Jes 40,3 Hört! Jemand ruft: »Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut
eine Straße durch die Steppe für unseren Gott!
Jes 40,4 Jedes Tal soll aufgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden.
Alles Unebene soll eben werden und alles Hügelige flach.
Jes 40,5 Denn der Herr wird kommen in seiner Macht und Hoheit. Alle Menschen
werden ihn sehen. Er selbst hat es angekündigt.«
Jes 40,6 Hört! Jemand sagt zu mir: »Sprich zu den Menschen!« »Was soll ich ihnen
denn sagen?«, frage ich. »Sag: Die Menschen sind wie das Gras, und ihre
Schönheit gleicht den Blumen:
Jes 40,7 Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken, wenn der Herr seinen Atem
darüber wehen lässt. Ja, nichts als Gras ist das Volk.
Jes 40,8 Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken, aber das Wort unseres Gottes
bleibt gültig für immer und ewig.«
Jes 40,9 Steig auf einen hohen Berg, Jerusalem! Du hast eine gute Nachricht zu
verkünden, Berg Zion. Ruf sie mit lauter Stimme in die Welt hinaus! Ruf laut,
und scheue dich nicht! Sag den Städten im Land Juda: »Seht, da kommt euer Gott!«
Jes 40,10 Ja, der Herr kommt als ein mächtiger Gott. Er herrscht mit großer
Kraft. Den Lohn für seine Mühe bringt er mit: sein Volk, das er sich erworben
hat. Es geht vor ihm her.
Jes 40,11 Er sorgt für sein Volk wie ein guter Hirte. Die Lämmer nimmt er auf
den Arm und hüllt sie schützend in seinen Umhang. Die Mutterschafe führt er
behutsam ihren Weg.
Jes 40,12 Kann jemand die Wassermassen der Meere mit der hohlen Hand messen oder
die Weite des Himmels mit der Handspanne bestimmen? Und kann jemand die
Erdmassen in Eimer abfüllen, die Berge wiegen und alle Hügel auf die Waagschale
legen?
Jes 40,13 Wer kann den Geist des Herrn fassen? Wer war sein Lehrer, wer hat ihn
beraten?
Jes 40,14 Braucht der Herr jemanden, bei dem er sich Rat holt, einen, der ihn
unterrichtet und ihm zeigt, was richtig ist? Musste ihm je einer neue
Erkenntnisse vermitteln und ihm die Augen öffnen für das, was er zu tun hat?
Jes 40,15 Nein, niemals! Denn in seinen Augen sind die Völker nur wie Tropfen im
Eimer, wie Stäubchen auf der Waage. Die Inseln im Meer hebt er hoch, als wären
sie Sandkörner.
Jes 40,16 Würde man alle Wälder auf dem Libanon zu Brennholz machen und alles
Wild darin schlachten - es wäre immer noch zu wenig als Opfer für den Herrn!
Jes 40,17 Vor ihm sind alle Völker wie ein Nichts; ihre Macht hat für ihn kein
Gewicht.
Jes 40,18 Mit wem wollt ihr Gott vergleichen? Gibt es für ihn überhaupt ein
passendes Bild?
Jes 40,19 Da gießt der Künstler eine Figur aus Bronze, und der Goldschmied
überzieht sie mit Gold und schmückt sie mit silbernen Kettchen.
Jes 40,20 Wem eine solche Götterstatue zu teuer ist, der nimmt Holz, das nicht
fault. Er lässt sich von einem geschickten Künstler eine Figur daraus schnitzen,
die fest steht und nicht wankt.
Jes 40,21 Ihr aber - wisst ihr es nicht besser? Oder wollt ihr es nicht hören?
Hat man es euch nicht von Anfang an erzählt? Ist euch wirklich nicht bekannt,
wer die Erde gemacht hat?
Jes 40,22 Es ist der Herr! Hoch thront er über der Welt; ihre Bewohner sind für
ihn klein wie Heuschrecken. Er spannt den Himmel aus wie einen Schleier, er
schlägt ihn auf wie ein Zelt, unter dem die Menschen wohnen können.
Jes 40,23 Er stürzt die Mächtigen und nimmt den obersten Richtern die Gewalt.
Jes 40,24 Sie gleichen jungen Pflanzen: Kaum sind sie gesetzt, kaum haben sie
Wurzeln geschlagen, da bläst der Herr sie an, und sie verdorren. Wie dürres Laub
werden sie vom Sturm verweht.
Jes 40,25 »Mit wem also wollt ihr mich vergleichen?«, fragt der heilige Gott.
»Wer hält einem Vergleich mit mir stand?«
Jes 40,26 Blickt nach oben! Schaut den Himmel an: Wer hat die unzähligen Sterne
geschaffen? Er ist es! Er ruft sie, und sie kommen hervor; jeden nennt er mit
seinem Namen. Kein einziger fehlt, wenn der starke und mächtige Gott sie ruft.
Jes 40,27 Ihr Nachkommen Jakobs, ihr Israeliten, warum behauptet ihr: »Der Herr
weiß nicht, wie es uns geht! Es macht unserem Gott nichts aus, wenn wir Unrecht
leiden müssen.«?
Jes 40,28 Begreift ihr denn nicht? Oder habt ihr es nie gehört? Der Herr ist der
ewige Gott. Er ist der Schöpfer der Erde - auch die entferntesten Länder hat er
gemacht. Er wird weder müde noch kraftlos. Seine Weisheit ist unendlich tief.
Jes 40,29 Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark.
Jes 40,30 Selbst junge Menschen ermüden und werden kraftlos, starke Männer
stolpern und brechen zusammen.
Jes 40,31 Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue
Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und
werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.
Jes 41,1 So spricht der Herr: »Ihr Bewohner der Inseln und der fernen Küsten,
seid still und hört mir zu! Nehmt euren ganzen Mut zusammen, ihr Völker, und
kommt her! Hier könnt ihr eure Sache vorbringen. Lasst uns die
Gerichtsverhandlung beginnen.
Jes 41,2 Wer hat den Mann aus dem Osten berufen, diesen Welteroberer, den
niemand bremsen kann in seinem Siegeslauf? Wer verhilft ihm zum Sieg über ganze
Völker? Wer gibt ihm Macht, Könige zu stürzen, sie mit seinen Waffen zu
bezwingen und wie Staub und Spreu durch die Luft zu wirbeln?
Jes 41,3 Er scheint zu fliegen, wenn er ihnen nachjagt. Seine Füße berühren kaum
den Boden. Niemand kann ihm Schaden zufügen.
Jes 41,4 Wer steht dahinter, wer bewirkt das alles? Es ist derselbe, der von
Anfang an die Geschichte der Menschheit gelenkt hat: ich, der Herr! Vor der
ersten Generation war ich schon da, und auch bei der letzten bin ich noch
derselbe.«
Jes 41,5 Als die Bewohner der Inseln und der fernen Länder die Taten des Herrn
sahen, bekamen sie es mit der Angst zu tun. Zitternd liefen sie zusammen.
Jes 41,6 Einer hilft nun dem anderen, gegenseitig sprechen sie sich Mut zu.
Jes 41,7 Sie wollen eine neue Götterstatue herstellen. Der Kunsthandwerker
glättet die gegossene Figur mit dem Hammer und fordert den Goldschmied auf:
»Beeil dich!« Der hämmert das Goldblech und überzieht damit sorgfältig die
Statue. »Das wird gut halten«, sagt er. Schließlich wird das Standbild auf einem
Sockel festgenagelt, damit es nicht wackelt.
Jes 41,8 Der Herr sagt: »Israel, du bist das Volk, das mir dient. Dich habe ich
erwählt. Du stammst von meinem Freund Abraham ab,
Jes 41,9 dich allein habe ich vom Ende der Erde herbeigeholt. Von weither habe
ich dich gerufen und zu dir gesagt: ›Du sollst mir dienen!‹ Dich habe ich
erwählt und nicht verstoßen.
Jes 41,10 Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir; hab keine Angst, denn ich
bin dein Gott! Ich mache dich stark, ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand
beschütze ich dich!
Jes 41,11 Alle, die voller Wut gegen dich toben, werden am Ende in Schimpf und
Schande dastehen. Die Männer, die dich bekämpfen, werden zugrunde gehen. Niemand
redet dann mehr von ihnen.
Jes 41,12 Vergeblich wirst du dich umsehen nach denen, die Krieg mit dir führten
- du wirst sie nicht mehr finden. Wo sind sie geblieben, deine Feinde? Sie sind
verschwunden, als ob es sie nie gegeben hätte.
Jes 41,13 Denn ich bin der Herr, dein Gott. Ich nehme dich an deiner rechten
Hand und sage: Hab keine Angst! Ich helfe dir.
Jes 41,14 Israel, du kleines Volk, das von Jakob abstammt, hab keine Angst, auch
wenn du schwach bist und völlig hilflos. Ich helfe dir; ich, der Herr, der
heilige Gott Israels, bin dein Befreier.
Jes 41,15 Ich mache dich zu einem neuen Dreschschlitten mit scharfen Zähnen.
Berge und Hügel wirst du dreschen und zu Staub zermalmen.
Jes 41,16 Du wirst sie mit einer Schaufel in die Luft werfen wie Getreide, damit
der Wind sie wie Spreu fortträgt und in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Du
aber wirst jubeln über mich, den Herrn; den heiligen Gott Israels wirst du
rühmen.«
Jes 41,17 Der Herr sagt: »Mein Volk steckt tief im Elend. Sie suchen Wasser,
aber finden keins. Vor Durst klebt ihnen die Zunge am Gaumen. Doch ich, der
Herr, antworte auf ihre Hilfeschreie. Ich bin der Gott Israels und lasse mein
Volk nicht im Stich.
Jes 41,18 Auf den kahlen Hügeln lasse ich Bäche hervorbrechen, und in öden
Tälern sollen Quellen entspringen. Ich verwandle die Wüste in fruchtbares Land
mit Teichen und sprudelnden Quellen.
Jes 41,19 Viele Bäume pflanze ich dort an: Zedern, Akazien und Myrten, Ölbäume
und Wacholder, Platanen und Zypressen.
Jes 41,20 Wer das sieht, wird erkennen, dass ich, der Herr, hier eingegriffen
habe; jeder weiß dann: Der heilige Gott Israels hat dies alles gemacht.«
Jes 41,21 Der Herr, der König Israels, sagt zu den Göttern der Völker: »Jetzt
habt ihr Gelegenheit, euch vor Gericht zu verteidigen. Legt eure Beweise vor!
Jes 41,22 Zeigt eure Macht, und lasst uns wissen, was sich alles ereignet. Ihr
wisst doch, was in der Vergangenheit geschah. Was hat es zu bedeuten? Erklärt es
uns, damit wir es verstehen können! Oder sagt uns jetzt die Zukunft voraus,
damit wir sehen, ob es eintrifft.
Jes 41,23 Kündigt an, was einmal geschehen wird, damit wir erkennen, dass ihr
Götter seid! Sagt uns, was kommt, ganz gleich, ob es etwas Gutes oder Schlimmes
ist. Dann werden wir große Achtung vor euch haben.
Jes 41,24 Aber dazu seid ihr gar nicht in der Lage: Ihr seid nichts und könnt
nichts! Wer euch verehrt, ist mir verhasst.
Jes 41,25 Ich habe den Mann aus dem Norden berufen und auf den Weg geschickt. In
meinen Dienst habe ich ihn gestellt, und er stürmt von Osten heran. Er wird
mächtige Fürsten wie Lehmklumpen zertreten, so wie ein Töpfer den Ton stampft
und knetet.
Jes 41,26 Hat etwa einer von euch Göttern das lange Zeit im Voraus angekündigt,
so dass man es wiedererkennt, wenn es eintrifft? Dann hätten wir gerufen:
›Richtig, so hat er es vorausgesagt!‹ Aber keiner hat es prophezeit, keiner hat
es angekündigt. Niemand hörte von euch auch nur ein einziges Wort darüber!
Jes 41,27 Ich bin der Erste und Einzige, der Jerusalem die Befreiung durch
diesen Mann angekündigt hat. Ich schickte einen Boten mit dieser frohen
Nachricht zum Berg Zion.
Jes 41,28 Doch wenn ich diese Götter anschaue, so finde ich keinen, den ich um
Rat fragen könnte. Von keinem einzigen kann ich eine Antwort erwarten.
Jes 41,29 Sie alle sind nichts als ein großer Betrug. Gar nichts bringen sie
zustande. In ihren Statuen ist kein Leben. Diese Götter sind hohl und leer!«
Jes 42,1 Der Herr spricht: »Seht, hier ist mein Bote, zu dem ich stehe. Ihn habe
ich auserwählt, und ich freue mich über ihn. Ich habe ihm meinen Geist gegeben,
und er wird den Völkern mein Recht verkünden.
Jes 42,2 Aber er schreit es nicht hinaus; er ruft nicht laut und lässt seine
Stimme nicht durch die Straßen der Stadt hallen.
Jes 42,3 Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden
Docht nicht auslöschen. Unbeirrbar sagt er allen, was wahr und richtig ist.
Jes 42,4 Er selbst wird nicht müde, nie verliert er den Mut, bis er auf der
ganzen Erde für Recht gesorgt hat. Schon lange warten die Bewohner der Inseln
und der fernen Küsten auf seine Weisung.«
Jes 42,5 Gott, der Herr, hat den Himmel geschaffen und ihn wie ein Zeltdach
ausgespannt. Die Erde in ihrer ganzen Weite hat er gebildet, die Pflanzen ließ
er hervorsprießen, und den Menschen hat er Leben und Atem gegeben. Und nun sagt
er zu seinem Boten:
Jes 42,6 »Ich, der Herr, habe dich berufen, meine gerechten Pläne auszuführen.
Ich fasse dich an der Hand und helfe dir, ich beschütze dich. Du wirst den
Völkern zeigen, was ich von ihnen will, ja, für alle Völker mache ich dich zu
einem Licht, das ihnen den Weg zu mir zeigt.
Jes 42,7 Den Blinden sollst du das Augenlicht geben und die Gefangenen aus ihren
Zellen holen. Alle, die in Finsternis sitzen, sollst du aus ihrer Gefangenschaft
befreien.
Jes 42,8 Ich heiße ›Herr‹, und ich bin es auch. Die Ehre, die mir zusteht, lasse
ich mir nicht rauben. Ich dulde nicht, dass Götterfiguren für meine Taten
gerühmt werden.
Jes 42,9 Ihr könnt sehen, dass meine Vorhersagen eingetroffen sind. Und nun
kündige ich etwas Neues an. Ich sage euch, was geschehen wird, ehe man das
Geringste davon erkennt.«
Jes 42,10 Singt dem Herrn ein neues Lied, und rühmt ihn überall auf der Welt.
Besingt ihn, ihr Seefahrer und ihr Bewohner der Inseln und fernen Küsten!
Jes 42,11 Auch die Wüste und ihre Bewohner sollen in das Lied mit einstimmen.
Singt und jubelt, ihr Beduinen von Kedar! Ihr aus dem Bergland, steigt auf die
Gipfel, und jubelt ihm zu!
Jes 42,12 Ihr alle - gebt dem Herrn die Ehre, und verkündet den Bewohnern der
fernen Inseln, was für unfassbare Taten er vollbracht hat!
Jes 42,13 Der Herr zieht aus in den Krieg wie ein Held. Wie ein Kämpfer macht er
sich zur Schlacht bereit. Dann erhebt er sein lautes Kriegsgeschrei und bezwingt
seine Feinde.
Jes 42,14 »Sehr lange habe ich geschwiegen«, sagt der Herr. »Ich blieb ruhig und
hielt mich zurück. Aber jetzt kann ich nicht mehr an mich halten. Nun stöhne ich
wie eine Frau in den Wehen, ich keuche und schnappe nach Luft.
Jes 42,15 Berge und Hügel lasse ich austrocknen, alle Pflanzen darauf verdorren.
Die Flüsse und Sümpfe sollen versanden und zu festem Boden werden.
Jes 42,16 Mein blindes Volk werde ich auf Straßen und Wegen führen, die sie
nicht kennen. Ich mache die Dunkelheit um sie her zum Licht. Alle Steine räume
ich zur Seite, die Schlaglöcher fülle ich aus, damit sie auf einer ebenen Straße
gehen können. Das alles will ich tun, mein Plan steht fest.
Jes 42,17 Aber alle, die ihre Hilfe von einer selbst gemachten Statue erwarten
und zu ihr sagen: ›Du bist mein Gott‹, werden sich schämen und weglaufen.«
Jes 42,18 »Ach, wie seid ihr taub und blind!«, sagt der Herr. »Warum wollt ihr
nicht hören, warum nicht sehen?
Jes 42,19 Wenn je ein Volk blind war, dann mein Volk Israel. Gibt es überhaupt
einen, der so taub ist wie mein Volk, das ich als meinen Boten senden will? Gibt
es ein Volk, das so blind ist wie Israel, mein Vertrauter, den ich in meinen
Dienst gestellt habe?
Jes 42,20 Was habt ihr nicht alles an Gutem gesehen, aber es lässt euch kalt!
Was habt ihr nicht alles gehört, aber es war vergeblich!«
Jes 42,21 Der Herr wollte euch stets in seiner Nähe behalten, darum hat er sein
Gesetz klar und unübertrefflich gemacht. Was aber ist aus euch geworden?
Jes 42,22 Ihr seid ein beraubtes und ausgeplündertes Volk. Gefesselt hockt ihr
in Erdlöchern; man hat euch in Kerker gesteckt. Man hat euch ausgeplündert und
verschleppt. Niemand hilft euch, niemand fordert eure Freilassung.
Jes 42,23 Ach, wenn euch das doch zum Nachdenken brächte! Wenn ihr doch für euer
weiteres Leben eine Lehre daraus ziehen wolltet!
Jes 42,24 Wer hat denn zugelassen, dass Israel ausgeplündert wurde? Wer hat die
Nachkommen Jakobs an die Räuber ausgeliefert? Ist es nicht der Herr, dem wir
ungehorsam waren? Er hat es getan, weil Israel nicht auf ihn hören wollte, weil
es seinen Geboten keine Beachtung schenkte.
Jes 42,25 Darum bekamen sie seinen glühenden Zorn zu spüren: Er ließ Krieg
ausbrechen; sie waren eingeschlossen von loderndem Feuer. Das ganze Land brannte
- aber sie wollten nicht einsehen, dass der Herr sie straft. Sie ließen sich
nicht belehren.
Jes 43,1 Aber jetzt sagt der Herr, der euch geschaffen hat, ihr Nachkommen
Jakobs, der euch zu seinem Volk gemacht hat: »Hab keine Angst, Israel, denn ich
habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.
Jes 43,2 Wenn du durch tiefes Wasser oder reißende Ströme gehen musst - ich bin
bei dir, du wirst nicht ertrinken. Und wenn du ins Feuer gerätst, bleibst du
unversehrt. Keine Flamme wird dich verbrennen.
Jes 43,3 Denn ich, der Herr, bin dein Gott, der heilige Gott Israels. Ich bin
dein Retter. Ich bezahle ein hohes Lösegeld für deine Befreiung: Ägypten,
Äthiopien und Seba.
Jes 43,4 So viel bist du mir wert, dass ich Menschen und ganze Völker aufgebe,
um dich am Leben zu erhalten. Diesen hohen Preis bezahle ich, weil ich dich
liebe.
Jes 43,5 Habt keine Angst, denn ich, der Herr, bin bei euch! Wohin ihr auch
vertrieben wurdet - ich werde euer Volk wieder sammeln. Vom Osten und vom Westen
hole ich euch zurück.
Jes 43,6 Ich fordere die Völker im Norden und Süden auf: ›Gebt mein Volk heraus!
Haltet es nicht mehr fest! Bringt meine Söhne und Töchter auch aus den fernsten
Winkeln der Erde zurück!‹
Jes 43,7 Denn sie alle gehören zu dem Volk, das meinen Namen trägt. Ich habe sie
zu meiner Ehre geschaffen, ja, ich habe sie gemacht.
Jes 43,8 Mein Volk soll vortreten! Sie haben Augen, und doch sind sie blind, sie
haben Ohren, und doch sind sie taub.
Jes 43,9 Alle Völker sind zu einer Gerichtsverhandlung versammelt. Welcher ihrer
Götter hat etwas im Voraus angekündigt? Wer von ihnen hat früher etwas
vorausgesagt, das inzwischen eingetroffen ist? Wir wollen es hören! Die Völker
sollen Zeugen aufstellen, die die Aussagen ihrer Götter bestätigen!
Jes 43,10 Meine Zeugen seid ihr Israeliten! Ich, der Herr, habe euch erwählt,
damit ihr mir dient. Ich möchte, dass ihr mich kennt und mir vertraut. Ihr sollt
begreifen: Ich bin der einzige Gott. Es gibt keinen Gott, der vor mir da war,
und es wird auch in Zukunft nie einen anderen geben.
Jes 43,11 Ich, der Herr, bin der einzige Gott. Nur ich kann euch retten.
Jes 43,12 Ich habe es euch wissen lassen und euch immer geholfen. Durch die
Propheten habt ihr von mir gehört. Habt ihr je einen anderen Gott mit solcher
Macht gekannt? Ihr seid Zeugen, dass ich allein Gott bin,
Jes 43,13 und ich werde auch in Zukunft immer derselbe sein. Niemand kann meiner
Hand entfliehen. Ist jemand in der Lage, das rückgängig zu machen, was ich getan
habe?
Jes 43,14 Ich, der Herr, euer Erlöser, der heilige Gott Israels, verspreche: Um
euch zu befreien, werde ich ein großes Heer nach Babylonien schicken. Die
Bewohner des Landes, die Chaldäer, werde ich als Flüchtlinge vertreiben. Ihre
Prachtschiffe, auf denen sie sonst immer gefeiert haben, werden dann zu
Fluchtschiffen.
Jes 43,15 Ich bin der Herr, euer heiliger Gott, ich habe euch, Volk Israel,
geschaffen, und ich bin euer König.
Jes 43,16 Ich habe für eure Vorfahren einen Weg durch das Meer gebahnt und sie
sicher durch die Fluten geführt.
Jes 43,17 Das Heer der Feinde mit seinen Streitwagen und Pferden ließ ich ins
Verderben laufen. Da lagen sie nun, die Helden, und standen nie wieder auf! Ihr
Leben erlosch wie ein verglimmender Docht.
Jes 43,18 Doch hängt nicht wehmütig diesen Wundern nach! Bleibt nicht bei der
Vergangenheit stehen!
Jes 43,19 Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun! Es hat schon
begonnen, habt ihr es noch nicht gemerkt? Durch die Wüste will ich eine Straße
bauen, Flüsse sollen in der öden Gegend fließen.
Jes 43,20 Schakale und Strauße und alle wilden Tiere werden mich preisen, weil
ich Wasser in der Wüste fließen lasse. Ich will, dass mein geliebtes Volk auf
dem Weg genug zu trinken hat.
Jes 43,21 Ich habe sie geschaffen und zu meinem Volk gemacht. Überall werden sie
mich rühmen und erzählen, welch große Dinge ich für sie getan habe.«
Jes 43,22 »Ach ihr Israeliten, ihr Nachkommen Jakobs, mich habt ihr nicht
angebetet, für mich habt ihr keine Mühe auf euch genommen!
Jes 43,23 [23/24] Ihr habt Lämmer als Opfer verbrannt - doch waren sie wirklich
für mich bestimmt? Habt ihr mich geehrt mit euren Opferfesten? Habt ihr für mich
Geld ausgegeben, um Gewürze für das Salböl zu kaufen? Und wie war es mit den
besten Teilen der Opfertiere, mit dem Fett? Mich habt ihr nicht damit erfreut!
Ich wollte nicht, dass die Opfer eine Last für euch sind. War es etwa zu schwer
für euch, Weihrauch für mich zu verbrennen? Nein, ihr habt es nicht euch schwer
gemacht, sondern mir, und zwar mit euren Sünden! Mit eurer Schuld habt ihr mir
zu schaffen gemacht.
Jes 43,25 Und trotzdem: Ich werde euch alles vergeben - aus freien Stücken. Ich
werde alles Böse für immer vergessen.
Jes 43,26 Kommt, wir wollen noch einmal vor Gericht gehen. Klagt mich an!
Verteidigt euch, und beweist, dass ihr im Recht seid, wenn ihr könnt!
Jes 43,27 Hat nicht schon euer Vorfahre Jakob gegen mich gesündigt? Und haben
eure führenden Männer mir nicht immer wieder die Treue gebrochen?
Jes 43,28 Darum habe ich die Priester aus ihrem Dienst am Heiligtum entlassen.
Ganz Israel habe ich zugrunde gerichtet und zum Gespött der Völker gemacht.«
Jes 44,1 [1/2] So spricht der Herr: »Höre, Israel, du auserwähltes Volk, das mir
dient: Ich habe dich geschaffen wie ein Kind im Mutterleib. Von Anfang an habe
ich dir geholfen. Habt keine Angst, ihr Nachkommen Jakobs, ihr seid meine
Diener, mein auserwähltes und angesehenes Volk.
Jes 44,3 Denn ich gieße Wasser auf das durstige Land und Ströme auf das
ausgetrocknete Feld. Ja, ich gieße meinen Geist über euren Nachkommen aus, mit
meinem Segen überschütte ich eure Kinder.
Jes 44,4 Sie werden sich ausbreiten wie Schilf am Bach und wachsen wie Weiden am
Flussufer.
Jes 44,5 Viele Menschen werden kommen, um sich meinem Volk anzuschließen. ›Ich
gehöre dem Herrn!‹, wird der eine sagen, und ein anderer: ›Ich zähle mich zu den
Nachkommen Jakobs!‹ Wieder ein anderer schreibt es sich auf die Hand: ›Ich diene
dem Herrn!‹, und ein vierter nimmt ›Israel‹ als Ehrennamen an.
Jes 44,6 Ich, der Herr, der König und Befreier Israels, der allmächtige Gott,
sage: Ich bin der Erste und der Letzte. Außer mir gibt es keinen Gott!
Jes 44,7 Niemand ist mir gleich. Keiner kann tun, was ich seit Menschengedenken
getan habe. Kann etwa ein anderer Gott voraussagen, was die Zukunft bringt? Dann
soll er es tun, laut und deutlich soll er es vortragen!
Jes 44,8 Erschreckt nicht, ihr Israeliten, habt keine Angst! Ich habe euch doch
schon lange gezeigt, wer ich bin und was ich tue. Ihr seid meine Zeugen. Sagt,
kennt ihr außer mir noch einen Gott, der so mächtig ist wie ein Fels? Ich kenne
keinen!«
Jes 44,9 »Ohnmächtige Menschen sind sie alle, die sich Götterfiguren anfertigen!
Ihre Götzen, die sie mit solcher Hingabe verehren - auch sie sind machtlos! Die
Götzenanbeter sollten die Taten ihrer Götter bezeugen. Aber sie stehen beschämt
da, weil sie nie ein Wunder gesehen haben.
Jes 44,10 Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, sich einen Gott zu basteln,
eine völlig nutzlose Metallfigur?
Jes 44,11 Wer sich auf diese Machwerke verlässt, wird bitter enttäuscht. Sie
sind ja doch nur von Menschen hergestellt. Sollen die doch einmal gemeinsam
antreten, um ihre Götter zu verteidigen! Was können sie vorbringen? Gar nichts!
Erschrocken stehen sie da und müssen sich schämen.
Jes 44,12 Der Schmied nimmt ein passendes Stück Eisen, bringt es im Feuer zum
Glühen und bearbeitet es dann auf dem Amboss. Er hämmert mit aller Kraft, um es
in die gewünschte Form zu bringen. Dabei wird er müde und hungrig. Vor lauter
Arbeit vergisst er Essen und Trinken und ist schließlich ganz erschöpft.
Jes 44,13 Bei Holzfiguren nimmt der Schnitzer Maß, zeichnet die Umrisse der
Figur vor und haut sie grob aus. Dann zieht er die feinen Linien und schnitzt
das Standbild, bis es aussieht wie ein Mensch von schöner Gestalt, der dann als
Gott in ein Haus gestellt wird.
Jes 44,14 Für jede Götterstatue sucht sich der Künstler das passende Holz aus.
Er geht in den Wald und fällt eine Zeder, eine Eiche oder einen Lorbeerbaum, die
er vor Jahren gesetzt hat. Der Regen ließ die Bäume wachsen.
Jes 44,15 Mit ihrem Holz machen die Menschen Feuer. Sie heizen damit ihre Häuser
und den Ofen zum Brotbacken. Aus dem gleichen Holz schnitzen sie aber auch ihre
Götterfiguren, die sie verehren und anbeten.
Jes 44,16 Den einen Teil des Holzes werfen sie ins Feuer, braten ihr Fleisch
darüber und lassen es sich schmecken. Sie sitzen an der Glut und sagen: ›Ah,
diese wohlige Wärme, das tut gut!‹
Jes 44,17 Aus dem übrigen Holz aber schnitzen sie sich einen Götzen. Sie
verbeugen sich vor ihm, werfen sich zu Boden und beten: ›Rette mich doch, denn
du bist mein Gott!‹
Jes 44,18 Welche Verblendung, welche Unwissenheit! Die Augen dieser Götzendiener
sind verklebt, sie sehen nichts! Ihr Herz ist abgestumpft, sie verstehen nichts!
Jes 44,19 Keiner denkt einmal gründlich nach und sagt sich: ›Einen guten Teil
des Baumes habe ich zu Brennholz zerhackt. Über der Glut habe ich Brot gebacken,
ich habe Fleisch gebraten und mich satt gegessen. Aus dem restlichen Holz
schnitze ich nun so etwas Abscheuliches! Dieser Holzklotz soll mein Gott sein,
vor dem ich mich niederwerfe?‹ Würde einer von ihnen einmal so weit denken, dann
sähe er den Widersinn ein.
Jes 44,20 Genauso gut könnte er die Asche des verbrannten Holzes anbeten! Sein
Herz hat ihn verführt und betrogen. Er verspielt sein Leben und will nicht
wahrhaben, dass er an einem Lügengebilde festhält.«
Jes 44,21 »Ihr Israeliten, ihr Nachkommen Jakobs, denkt immer daran: Ich habe
euch geschaffen, ihr gehört zu mir und seid meine Diener! Niemals werde ich euch
vergessen.
Jes 44,22 Eure Schuld und alle eure Sünden habe ich euch vergeben. Sie sind
verschwunden wie Wolken, wie Nebelschwaden in der Sonne. Kommt zurück zu mir,
denn ich habe euch erlöst!«
Jes 44,23 Freut euch, ihr Himmelswelten, denn der Herr hat gehandelt! Singt, ihr
Tiefen der Erde, und ihr Berge, brecht in Jubel aus! Ihr Wälder, stimmt ein in
das Lied, jeder Baum soll mitsingen! Denn der Herr hat sein Volk erlöst. An den
Nachkommen Jakobs beweist er seine große Macht.
Jes 44,24 Israel, so spricht der Herr, dein Befreier, der dich geschaffen hat
wie ein Kind im Mutterleib: »Ich bin der Herr, der alles bewirkt: Ich allein
habe den Himmel ausgespannt wie ein Zelt, und als ich die Erde ausbreitete, half
mir niemand dabei.
Jes 44,25 Ich bin es, der die Wunder der Zauberer vereitelt und die Wahrsager
als Narren bloßstellt. Ich zerstöre die Gedankengebäude dieser Weisen, ihre
Erkenntnisse entlarve ich als Hirngespinste.
Jes 44,26 Aber was meine Boten voraussagen, das lasse ich eintreffen; was sie,
die Propheten, verkünden, das führe ich aus. Ich, der Herr, sage über die Stadt
Jerusalem: ›Sie soll wieder bewohnt werden!‹, und über die Städte im Land Juda:
›Sie sollen wieder aufgebaut werden!‹ Aus den Trümmerhaufen des Landes will ich
neue Städte und Dörfer erstehen lassen.
Jes 44,27 Wenn ich den Meerestiefen befehle: ›Trocknet aus!‹, dann versiegen
ihre Fluten.
Jes 44,28 Zu König Kyrus sage ich: ›Du bist der Hirte für mein Volk!‹ Er wird
alles ausführen, was ich ihm befehle. In meinem Auftrag wird er anordnen:
›Jerusalem soll wieder aufgebaut werden! Auch der Tempel soll wieder an seinem
alten Platz stehen!‹«
Jes 45,1 Der Herr hat Kyrus für eine besondere Aufgabe erwählt: Er wird diesem
Herrscher zur Seite stehen, wenn er sich ganze Völker unterwirft; er wird den
Königen die Waffen abnehmen und ihm verriegelte Türen und Tore öffnen. So
spricht der Herr zu Kyrus:
Jes 45,2 »Ich gehe vor dir her und räume dir alle Hindernisse aus dem Weg. Ich
zertrümmere die bronzenen Stadttore und zerbreche ihre eisernen Riegel.
Jes 45,3 Die verborgenen Schätze und die versteckten Reichtümer gebe ich dir.
Daran sollst du erkennen, dass ich der Herr bin, der Gott Israels, der dich,
Kyrus, in seinen Dienst ruft.
Jes 45,4 Warum berufe ich dich und verleihe dir einen Ehrentitel, obwohl du mich
gar nicht kennst? Ich tue es für Israel, mein Volk, das ich erwählt habe, damit
es mir dient.
Jes 45,5 Ich bin der Herr, ich allein. Außer mir gibt es keinen Gott. Ich rüste
dich aus für deinen Eroberungszug, auch wenn du mich nicht kennst.
Jes 45,6 Der Westen und der Osten, ja, die ganze Welt soll daran erkennen, dass
es außer mir keinen Gott gibt. Ich bin der Herr, ich allein.
Jes 45,7 Ich bilde das Licht und schaffe die Finsternis; ich wirke den Frieden,
und auch das Unglück lasse ich kommen. Ich bin der Herr, dies alles vollbringe
ich.
Jes 45,8 Ihr Wolken am Himmel, lasst Gerechtigkeit herabströmen; und du, Erde,
sauge sie auf und lass Heil und Gerechtigkeit hervorsprießen! Ich, der Herr,
bewirke dies alles.«
Jes 45,9 Wehe dem, der seinen Schöpfer anklagt! Er ist doch in Gottes Augen
nicht mehr als ein Tonkrug unter anderen. Fragt denn ein Tonklumpen den Töpfer:
»Was tust du da mit mir?« Oder macht er sich lustig und sagt: »Mein Meister hat
zwei linke Hände!«?
Jes 45,10 Wehe dem, der seinem Vater vorwirft: »Warum hast du mich gezeugt?«,
und der Mutter: »Weshalb hast du mich in die Welt gesetzt?«
Jes 45,11 So spricht der Herr, der heilige Gott und Schöpfer Israels: »Wenn ihr
euch Sorgen um die Zukunft macht, dann kommt damit zu mir! Ich weiß doch, wie
ich mit meinen Kindern und mit all meinen Geschöpfen umgehen muss. Vertraut euch
mir an!
Jes 45,12 Ich habe die Erde gemacht; und die Menschen, die darauf leben, habe
ich geschaffen. Eigenhändig habe ich den Himmel ausgespannt wie ein Zelt und
jedem einzelnen Stern seinen Platz zugewiesen.
Jes 45,13 Ich bin es auch, der Kyrus berufen hat, meine gerechten Pläne in die
Tat umzusetzen. Ich will ihm alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Er wird meine
Stadt Jerusalem wieder aufbauen und mein verschlepptes Volk freilassen, ohne
Lösegeld oder Bestechungsgeschenke. Das verspreche ich, der Herr, der
allmächtige Gott!«
Jes 45,14 So spricht der Herr zu seinem Volk: »Die Ägypter und Äthiopier werden
zu euch kommen und ihren ganzen Reichtum bringen, allen Gewinn aus ihren
Handelsgeschäften. Auch die hoch gewachsenen Leute aus Seba unterwerfen sich
euch und werden eure Sklaven. In Ketten ziehen sie hinter euch her. Sie werden
vor euch auf die Knie fallen und bekennen: ›Wirklich, nur bei euch ist Gott!
Außer ihm gibt es keinen anderen.‹«
Jes 45,15 Ja, Herr, du bist ein Gott, der sich verborgen hält, du Gott und
Retter Israels.
Jes 45,16 Schämen müssen sich alle, die Götterstatuen anfertigen! Sie enden mit
Schimpf und Schande.
Jes 45,17 Israel aber wird vom Herrn gerettet für alle Zeiten. Nie mehr müsst
ihr euch schämen, in alle Ewigkeit werdet ihr bestehen.
Jes 45,18 Der Herr ist der einzige Gott. Er ist es, der den Himmel geschaffen
hat. Er gab der Erde ihre Form und legte ihre Fundamente. Nicht als einsame
Wüste hat er sie gebildet, sondern als Wohnraum für seine Geschöpfe. Dieser Gott
spricht: »Ich bin der Herr, außer mir gibt es keinen Gott.
Jes 45,19 Ich habe nicht im Verborgenen geredet, nicht irgendwo im Dunkeln. Nie
habe ich zu den Israeliten gesagt: ›Sucht mich vergeblich!‹ Ich bin der Herr,
und was ich sage, das ist gerecht; was ich ankündige, das trifft ein!
Jes 45,20 Kommt alle her, die ihr den Untergang eurer Völker überlebt habt!
Tretet noch einmal zu einer Gerichtsverhandlung an! Wer hölzerne Götterfiguren
herumträgt, hat keinen Verstand. Er fleht einen Gott an, der ihm nicht helfen
kann.
Jes 45,21 Berichtet von den Taten eurer Götter! Ja, beratet euch, und bringt
Beweise für ihre Gottheit vor! Wer hat vor langer Zeit angekündigt, was nun
geschehen ist? Wer hat es längst vorausgesagt? War ich es nicht, der Herr? Es
gibt keinen Gott außer mir, keinen, der gerecht ist und der rettet. Ich bin der
einzige Gott.
Jes 45,22 Kommt zu mir, und lasst euch retten, ihr Menschen aus den fernsten
Ländern der Erde! Denn ich bin der einzige Gott.
Jes 45,23 Ich habe bei meinem Namen geschworen, und ich nehme mein Wort nicht
zurück: Vor mir werden alle Menschen niederknien, und jeder wird überzeugt
bekennen:
Jes 45,24 ›Nur beim Herrn gibt es Rettung und Hilfe!‹« Auch die, die den Herrn
einmal gehasst haben, werden beschämt zu ihm kommen.
Jes 45,25 Dann wird der Herr das Recht der Nachkommen Israels wiederherstellen,
und sie werden ihn dafür preisen.
Jes 46,1 »Die babylonischen Götter Bel und Nebo sind zusammengebrochen und
liegen am Boden. Früher wurden ihre Statuen feierlich umhergetragen, jetzt hat
man sie dem Lastvieh aufgeladen. Die Tiere brechen unter dem Gewicht fast
zusammen.
Jes 46,2 Ihr Babylonier, was ist los? Ihr liegt wie eure Götter am Boden und
könnt diese schweren Kolosse nicht in Sicherheit bringen. Sie fallen gemeinsam
mit euch in die Hände der Feinde!
Jes 46,3 Hört mir zu, ihr Nachkommen Jakobs, alle, die ihr von Israel noch übrig
seid! Von Anfang an habe ich euch getragen, seit eurer Geburt sorge ich für
euch.
Jes 46,4 Ich bleibe derselbe; ich werde euch tragen bis ins hohe Alter, bis ihr
grau werdet. Ich, der Herr, habe es bisher getan, und ich werde euch auch in
Zukunft tragen und retten.
Jes 46,5 Mit wem wollt ihr mich vergleichen? Gibt es einen, den ihr mit mir auf
die gleiche Stufe stellen könnt? Ist einer mir auch nur ähnlich?
Jes 46,6 Da schütten die Menschen ihr Gold und Silber aus dem Beutel und wiegen
es ab. Anschließend bringen sie es zu einem Goldschmied und lassen daraus eine
Götterfigur herstellen. Kaum ist sie fertig, werfen sie sich zu Boden und beten
sie an.
Jes 46,7 Sie tragen ihren neuen Gott auf den Schultern durch die Straßen und
stellen ihn an seinen vorbereiteten Platz. Dort steht er dann und rührt sich
nicht vom Fleck. Und wenn jemand in äußerster Not zu diesem Gott um Hilfe
schreit, bekommt er keine Antwort. Sein Gott kann ihm nicht helfen!
Jes 46,8 [8/9] Denkt nach, und kommt zur Besinnung, ihr treulosen Israeliten!
Erinnert euch an das, was ich vor langer Zeit getan habe, und nehmt es euch zu
Herzen! Ich bin der einzige, wahre Gott. Keiner dieser Götter ist mir gleich.
Jes 46,10 Ich habe von Anfang an vorausgesagt, was geschehen wird; lange im
Voraus kündigte ich die ferne Zukunft an. Meine Pläne verwirkliche ich, und was
mir gefällt, das führe ich aus.
Jes 46,11 Ich rufe einen Adler aus dem Osten herbei; aus einem fernen Land hole
ich den Mann, der mein Vorhaben ausführen soll. So habe ich es gesagt, und
genauso wird es eintreffen. Ich habe diesen Plan gefasst und werde ihn
verwirklichen.
Jes 46,12 Ihr Starrköpfe, hört auf mich! Ihr denkt wohl, für euch gibt es keine
Hilfe mehr.
Jes 46,13 Doch ich bin da, ich will euch retten, und zwar jetzt! Meine Hilfe
lässt nicht länger auf sich warten. Ich will Jerusalem Heil und Frieden schenken
und in Israel meine Herrlichkeit und Größe zeigen.«
Jes 47,1 »Babylon, du junge Dame, steig herab von deinem Thron! Ja, setz dich in
den Staub, du Tochter der Chaldäer! Alle nannten dich die Zarte, Feine - doch
diese Zeiten sind vorbei!
Jes 47,2 Los, dreh den Mühlstein, mahle Korn! Weg mit dem Schleier! Wirf die
Schleppe ab, raff dein Kleid hoch, und wate durch die Flüsse!
Jes 47,3 Alle sollen deine Blöße sehen, diese Schande bleibt dir nicht erspart.
Jetzt rechne ich schonungslos mit dir ab, und niemand wird mich daran hindern.
Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Jes 47,4 Der Herr ist unser Retter, »allmächtiger Gott« - das ist sein Name. Er
ist der heilige Gott Israels.
Jes 47,5 Er spricht: »Babylon, du Tochter der Chaldäer, verkriech dich in der
Dunkelheit! Setz dich, und brüte vor dich hin! Denn dein Ehrentitel ist
vergessen: ›Herrin vieler Königreiche‹ wird dich nie mehr jemand nennen.
Jes 47,6 Ich war sehr zornig auf mein Volk und verstieß es - sie gehörten nicht
mehr zu mir, und darum gab ich sie in deine Hand. Doch du zeigtest kein
Erbarmen: Selbst die alten Menschen hast du erbarmungslos zu schwerer Arbeit
gezwungen.
Jes 47,7 ›Für immer und ewig werde ich regieren!‹, hast du stolz geprahlt und
keinen Gedanken daran verschwendet, dass auch du zu Boden stürzen könntest. An
ein solches Ende hast du nie gedacht.
Jes 47,8 Du genusssüchtiges Weib! Noch lebst du sorglos in den Tag hinein.
Eingebildet wie du bist, siehst du nur dich, und außer dir zählt nichts. Du
sagst: ›Ich werde niemals Witwe sein! Einsam leben, ohne Kinder? Nein, das gibt
es nicht!‹ Doch nun hör, was ich, der Herr, dir sage:
Jes 47,9 Beides wird dich am selben Tag treffen: Auf einen Schlag wirst du Mann
und Kinder verlieren. In voller Härte bricht dieses Unglück über dich herein,
obwohl du dich mit vielen Zauberformeln und Bannsprüchen davor schützen
wolltest.
Jes 47,10 Auf deine Bosheit hast du dich verlassen und gedacht: ›Es sieht ja
niemand, was ich treibe!‹ Deine Weisheit und dein Wissen haben dich so stolz
gemacht. Du siehst wirklich nur dich selbst. Alles andere nimmst du nicht wahr!
Jes 47,11 Du ahnst nicht, dass du in dein Unglück rennst. Doch plötzlich ist es
da; unversehens bricht es über dich herein! Kein Zauberspruch kann dich davor
bewahren, und auch durch Opfer wendest du es nicht mehr ab.
Jes 47,12 Versuch es nur mit der Beschwörungskunst! Los, wende deine
Zaubersprüche an, die du von Jugend an mühsam gelernt hast! Wer weiß, ob das
nicht hilft! Vielleicht fällt dir ein Zauberspruch ein, der selbst dieses
drohende Unglück verscheucht.
Jes 47,13 Du hast dich schon immer bemüht, guten Rat zu erhalten. So lass auch
jetzt die Sterndeuter kommen, sollen sie dir doch helfen, die dir jeden Monat
die Zukunft vorhersagen!
Jes 47,14 Doch wie Stroh werden sie ein Raub der Flammen. Nichts können sie
retten vor dem fressenden Feuer, nicht einmal das eigene Leben. Es wird kein
Feuer sein, um das man in der Runde sitzt und an dessen Glut man sich die Hände
wärmt!
Jes 47,15 So werden sie enden, deine Wahrsager, um die du dich von Jugend an
bemüht hast. Sie machen sich aus dem Staub und schleppen sich nach Hause. Alle
lassen dich hilflos zurück.«
Jes 48,1 Hört, ihr Nachkommen Jakobs aus dem Stamm Juda! Ihr tragt den
Ehrennamen »Israel«. Wenn ihr einen Eid ablegt, dann schwört ihr beim Namen des
Herrn. Ihr bekennt euch zu Israels Gott, aber ihr liebt ihn nicht und seid ihm
nicht treu.
Jes 48,2 Ihr seid stolz auf eure heilige Stadt Jerusalem, und ihr beruft euch
auf den Gott Israels, der »allmächtiger Gott« heißt. Hört, was er euch sagt:
Jes 48,3 »Was früher geschah, hatte ich schon längst im Voraus verkündet; ich
selbst hatte es gesagt, für alle hörbar, und genauso traf es ein.
Jes 48,4 Ich kenne euch doch und weiß, wie starrköpfig ihr seid! Unbeugsam seid
ihr, als wäre euer Nacken aus Eisen; euer Schädel ist hart wie Stein!
Jes 48,5 Darum habe ich euch lange im Voraus wissen lassen, was ich tun werde;
ihr habt davon gehört, bevor es geschah, damit ihr nicht behauptet: ›Das war
unser Götze! Die goldene Statue unseres Gottes hat es so gefügt.‹
Jes 48,6 Ihr habt also davon gehört, und es ist eingetroffen. Schaut euch nur
um! Warum wollt ihr es nicht zugeben? Doch von heute an will ich etwas Neues
ankündigen, etwas, das ihr noch nicht wisst, weil ich es bisher geheim gehalten
habe.
Jes 48,7 Ich habe es nicht schon vor vielen Jahren geschehen lassen, sondern
gerade jetzt. Ihr habt noch nie davon gehört! Darum könnt ihr auch nicht
behaupten: ›Das haben wir schon lange gewusst!‹
Jes 48,8 Nein, davon ist euch bisher noch nichts zu Ohren gekommen, ihr könnt es
nicht wissen. Ich habe absichtlich geschwiegen, denn ich wusste, wie treulos ihr
seid. Nicht umsonst nennt man euch ›das Volk, das sich von Anfang an gegen
seinen Gott aufgelehnt hat‹.
Jes 48,9 Damit mein Name weiter gepriesen wird, halte ich meinen Zorn zurück.
Ich beherrsche mich und vernichte euch nicht, denn meine Ehre steht auf dem
Spiel.
Jes 48,10 Doch bestrafen musste ich euch. Wie ein Silberschmied bin ich mit euch
umgegangen: Er schmilzt das Silber, um es von allen Schlacken zu reinigen. So
habe ich euch in den Schmelzofen des Elends geworfen.
Jes 48,11 Um meinetwillen will ich euch jetzt retten, nur um meinetwillen! Mein
Name soll nicht in den Schmutz gezogen werden. Nein, die Ehre, die mir zusteht,
teile ich mit keinem anderen!«
Jes 48,12 »Hört mir zu, ihr Nachkommen Jakobs, die ich als mein Volk auserwählt
habe: Ich bin Gott. Ich bin der Erste und der Letzte.
Jes 48,13 Ich habe mit eigener Hand die Fundamente der Erde gelegt und den
Himmel ausgespannt. Nur ein Wort von mir - und alles stand an seinem Platz.
Jes 48,14 Versammelt euch und hört mir zu! Der Mann, den ich liebe, wird mein
Urteil an Babylonien vollstrecken. Mit meiner Hilfe wird er das Heer der
Chaldäer besiegen. Hat etwa einer der Götter dies schon angekündigt?
Jes 48,15 Nein, nur ich habe es gesagt. Ich habe diesen Mann gerufen und ihn auf
den Weg geschickt. Sein Plan wird gelingen.
Jes 48,16 Kommt her und hört zu: Von Anfang an habe ich kein Geheimnis aus
meinem Vorhaben gemacht. Jetzt führe ich es aus und halte die Fäden in der
Hand.« Und nun hat Gott, der Herr, mich gesandt und mir seinen Geist gegeben.
Jes 48,17 So spricht der Herr, euer Erlöser, der heilige Gott Israels: »Ich bin
der Herr, euer Gott. Ich lehre euch, was gut für euch ist, und zeige euch den
Weg, den ihr gehen sollt.
Jes 48,18 Ach, hättet ihr doch meine Gebote befolgt! Dann wäre euer Friede wie
ein Strom, der nie versiegt. Euer Glück würde sich ausbreiten wie die
Meereswellen.
Jes 48,19 Unzählbar wären eure Nachkommen, so wie der Sand am Meer. Nie würde
ich sie verstoßen oder vernichten.
Jes 48,20 Schnell, verlasst Babylonien, ihr Israeliten, flieht aus dem Land der
Chaldäer! Singt und jubelt vor Freude! Die ganze Welt soll hören, was geschehen
ist. Erzählt es überall: ›Der Herr hat Israel, das Volk, das ihm dient, befreit!
Jes 48,21 Als der Herr sie durch die Wüste führte, mussten sie keinen Durst
leiden, denn er sorgte für Wasser: Er spaltete den Felsen, und ein Bach
sprudelte hervor.‹
Jes 48,22 Doch alle, die sich gegen mich auflehnen, werden keinen Frieden
finden. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Jes 49,1 Hört mir zu, ihr Bewohner der Inseln und ihr Völker in der Ferne! Schon
vor meiner Geburt hat der Herr mich in seinen Dienst gerufen. Als ich noch im
Mutterleib war, hat er meinen Namen genannt.
Jes 49,2 Er hat mir Worte in den Mund gelegt, die durchdringen wie ein scharfes
Schwert. Schützend hält er seine Hand über mir. Er hat mich zu einem spitzen
Pfeil gemacht und mich griffbereit in seinen Köcher gesteckt.
Jes 49,3 Er hat zu mir gesagt: »Israel, du bist mein Bote. An dir will ich meine
Herrlichkeit zeigen.«
Jes 49,4 Ich aber dachte: »Vergeblich habe ich mich abgemüht, für nichts und
wieder nichts meine Kraft vergeudet. Dennoch weiß ich, dass der Herr für mein
Recht sorgt, von ihm, meinem Gott, erhalte ich meinen Lohn.«
Jes 49,5 Und nun spricht der Herr zu mir. Er hat mich von Geburt an zum Dienst
für sich bestimmt. Die Nachkommen Jakobs soll ich sammeln und zu ihm
zurückbringen. Gott selbst hat mir diese ehrenvolle Aufgabe anvertraut, er gibt
mir auch die Kraft dazu.
Jes 49,6 Er spricht zu mir: »Du sollst nicht nur die zwölf Stämme Israels wieder
zu einem Volk vereinigen und die Überlebenden zurückbringen. Dafür allein habe
ich dich nicht in meinen Dienst genommen, das wäre zu wenig. Nein - ich habe
dich zum Licht für alle Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung
bringst, die von mir kommt!«
Jes 49,7 So spricht der Herr, der Erlöser und heilige Gott Israels, zu dem, der
überall verachtet ist, verabscheut von den Völkern und unterdrückt von den
Herrschern dieser Welt: »Könige und Fürsten werden erkennen, dass du in meinem
Auftrag handelst. Voller Ehrfurcht erheben sie sich von ihren Thronen und werfen
sich vor dir nieder. Denn ich, der heilige Gott Israels, habe dich erwählt, und
ich stehe treu zu dir!
Jes 49,8 Ich verspreche dir: Ich will dein Gebet erhören. Es wird eine Zeit der
Gnade für dich geben, einen Tag, an dem du meine Hilfe erfährst. Ich will dich
vor Schaden bewahren und durch dich einen Bund mit meinem Volk schließen: Durch
dich soll das Land Israel wieder aufgebaut werden. Du wirst die zerstörten
Ländereien unter die Israeliten aufteilen
Jes 49,9 und den Gefangenen zurufen: ›Kommt heraus aus euren dunklen Kerkern!
Kommt ans Licht, ihr seid frei!‹ Es wird ihnen gehen wie einer Schafherde, die
an den Wegen und selbst auf kahlen Hügeln Nahrung findet.
Jes 49,10 Sie leiden weder Hunger noch Durst, Hitze und Sonnenglut schadet ihnen
nicht. Denn ich habe Erbarmen mit ihnen und führe sie zu sprudelnden Quellen.
Jes 49,11 Auch die Berge dürfen für sie kein Hindernis sein: Ich ebne sie ein.
Mein Volk soll auf gut gebauten Straßen heimkehren.«
Jes 49,12 Seht, von weither strömen sie herbei, vom Norden kommen sie und vom
Westen, auch aus Ägypten.
Jes 49,13 Himmel und Erde, jubelt, ihr Berge, brecht in Freudenschreie aus! Denn
der Herr hat sein Volk getröstet. Voll Erbarmen nimmt er sich der leidenden
Menschen an.
Jes 49,14 Jerusalem klagt: »Ach, der Herr hat mich im Stich gelassen, er hat
mich längst vergessen!«
Jes 49,15 Doch der Herr antwortet: »Kann eine Mutter ihren Säugling vergessen?
Bringt sie es übers Herz, das Neugeborene seinem Schicksal zu überlassen? Und
selbst wenn sie es vergessen würde - ich vergesse dich niemals!
Jes 49,16 Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen
geschrieben, deine zerstörten Mauern habe ich ständig vor Augen!
Jes 49,17 Viele Menschen eilen herbei, um dich wieder aufzubauen, und deine
Feinde, die dich zerstört und verwüstet haben, machen sich davon.
Jes 49,18 Schau dich um! Von überall strömen die Heimkehrer herbei. So wahr ich
lebe: Du wirst dich mit ihnen schmücken wie mit kostbarem Schmuck; dann stehst
du da wie eine Braut an ihrem Hochzeitstag. Das verspreche ich dir!
Jes 49,19 Noch liegst du in Trümmern. Das ganze Land ist verwüstet und zerstört.
Doch schon bald werden so viele Menschen bei dir wohnen, dass der Platz knapp
wird. Aber alle, die dich verschlingen wollten, sind für immer verschwunden.
Jes 49,20 Lange Zeit warst du wie eine Frau, der man die Kinder geraubt hat.
Doch schon bald wirst du mit eigenen Ohren hören, wie deine Kinder klagen: ›Es
wird uns zu eng hier! Wir brauchen mehr Platz zum Wohnen!‹
Jes 49,21 Erstaunt wirst du dich fragen: ›Woher kommen sie alle? Wer hat sie
geboren? Man hat mir doch alle Kinder geraubt, und ich konnte keine mehr
bekommen. Ich war verbannt und ausgestoßen, von allen verlassen saß ich da. Wer
hat diese Kinder großgezogen, wo kommen sie her?‹
Jes 49,22 Ja, ich, der Herr, kündige dir an: Ich will die Völker herbeiwinken
und ihnen das Zeichen zum Aufbruch geben. Sie werden deine Söhne auf ihren Armen
herbeitragen und deine Töchter auf den Schultern.
Jes 49,23 Könige hüten deine Kinder, und Königinnen sind deine Kindermädchen.
Voll Ehrfurcht werfen sie sich vor dir zu Boden und küssen dir die Füße. Wenn
das geschieht, wirst du erkennen, wer ich bin: Ich bin der Herr! Ich enttäusche
keinen, der mir sein Vertrauen schenkt.
Jes 49,24 Du wendest ein: ›Man kann doch einem mächtigen Herrscher nicht die
Beute abnehmen, und einem Tyrannen kann man die Gefangenen nicht entreißen!‹
Jes 49,25 Doch ich, der Herr, verspreche: Genau das wird geschehen! Dem Tyrannen
werden die Opfer entrissen, und der mächtige Herrscher wird seine Beute
verlieren. Wer dich angreift, bekommt es mit mir zu tun! Ich selbst werde deine
Kinder befreien.
Jes 49,26 Deine Unterdrücker aber bringe ich dazu, dass sie sich gegenseitig
zerfleischen; sie werden sich an ihrem eigenen Blut berauschen wie an neuem
Wein! Daran werden alle Menschen erkennen: Ich bin der Herr, dein Retter, dein
Erlöser, der starke Gott Israels!«
Jes 50,1 So spricht der Herr: »Ihr werft mir vor, ich hätte Israel, eure Mutter,
verstoßen und mich von ihr getrennt. Wo ist dann die Scheidungsurkunde? Ihr
klagt, ich hätte euch als Sklaven verkauft, um meinem Gläubiger die Schulden zu
bezahlen. Doch wer ist denn dieser Gläubiger? All euer Elend habt ihr selbst
verursacht. Wegen eurer eigenen Schuld wurdet ihr verkauft! Und weil ihr mich
verlassen habt, habe ich eure Mutter verstoßen.
Jes 50,2 Warum war kein Mensch da, als ich zu euch kam? Warum erhielt ich keine
Antwort, als ich euch rief? Meint ihr, ich könnte euch nicht befreien? Ihr denkt
wohl, ich sei zu schwach, um euch zu helfen. O nein! Ich sage nur ein Wort,
schon vertrocknet das Meer, und die Ströme versiegen; die Fische gehen elend
zugrunde und stinken, weil kein Wasser da ist.
Jes 50,3 Ich kann den Himmel mit schwarzen Wolken verhängen, als trüge er ein
Trauerkleid.«
Jes 50,4 Gott, der Herr, gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte
Menschen zur rechten Zeit ermutigen kann. Morgen für Morgen weckt er mich, und
dann höre ich zu: Der Herr lehrt mich wie ein Lehrer seinen Schüler.
Jes 50,5 Ja, Gott, der Herr, hat mich bereit gemacht, auf ihn zu hören. Ich habe
mich nicht gesträubt und bin meiner Aufgabe nicht ausgewichen.
Jes 50,6 Meinen Rücken habe ich hingehalten, als man mich schlug; ich habe mich
nicht gewehrt, als sie mir den Bart ausrissen. Ich hielt ihren Beschimpfungen
stand und verdeckte mein Gesicht nicht, als sie mich anspuckten.
Jes 50,7 Und doch werde ich mich ihnen nicht beugen, denn Gott, der Herr,
verteidigt mich. Darum habe ich auch die Kraft, ihnen die Stirn zu bieten. Ich
weiß, ich werde nicht in Schimpf und Schande dastehen.
Jes 50,8 Der Richter, der mich freisprechen wird, ist schon unterwegs. Wer will
mir da noch den Prozess machen? Lasst uns nur vor Gericht gehen! Wer will mich
anklagen? Soll er doch herkommen!
Jes 50,9 Ja, Gott, der Herr, verteidigt mich! Wer kann mich da noch schuldig
sprechen? Alle meine Ankläger werden umkommen, sie vergehen wie ein Kleid, das
die Motten zerfressen.
Jes 50,10 Erschreckt nicht, ihr Menschen, die ihr an den Herrn glaubt und auf
die Worte seines Boten hört! Erschreckt nicht in dunklen Tagen! Verlasst euch
auf den Herrn, auch wenn ihr nirgends einen Hoffnungsschimmer seht, denn er hält
euch fest!
Jes 50,11 Ihr anderen aber, die ihr ein Feuer schürt und euch mit Brandpfeilen
rüstet - lauft hinein in euer eigenes Feuer, eure glühenden Pfeile sollen euch
selbst treffen! Der Herr spricht: »Ich stürze euch ins Unglück. Ihr werdet auf
dem Boden liegen und euch vor Qual winden.«
Jes 51,1 »Hört alle her, die ihr mir, dem Herrn, gefallen wollt und die ihr nach
mir fragt! Erinnert euch an den Felsen, aus dem ihr herausgemeißelt worden seid,
und an den Steinbruch, aus dem ihr gebrochen wurdet!
Jes 51,2 Ja, denkt an euren Vater Abraham und an Sara, eure Mutter. Als ich
Abraham rief, war er kinderlos. Doch dann habe ich ihn gesegnet und ihm viele
Nachkommen geschenkt.
Jes 51,3 Und nun will ich Jerusalem trösten. Noch liegt die Stadt in Trümmern,
doch ich werde mich über sie erbarmen und das ganze Land wieder aufblühen
lassen. Ich werde diese Wildnis in einen blühenden Garten verwandeln, schön und
prächtig wie der Garten Eden. Freudenschreie und lauten Jubel wird man dort
hören und Lieder, mit denen die Menschen mir danken.
Jes 51,4 Ihr Israeliten, beachtet meine Worte! Hört mir zu! Ich werde jetzt auch
den anderen Völkern meine Gebote geben, mein Recht soll unter ihnen aufleuchten
wie ein helles Licht!
Jes 51,5 Bald erfülle ich mein Versprechen, euch zu helfen. Die Rettung lässt
nicht mehr lange auf sich warten! Mit starker Hand werde ich Gericht halten über
die Völker. Die Bewohner der Inseln und der fernen Küsten setzen ihre Hoffnung
auf mich. Sie warten darauf, dass ich auch vor ihnen meine Macht erweise.
Jes 51,6 Schaut hinauf zum Himmel: Er wird sich auflösen wie Rauch. Blickt zur
Erde: Sie wird zerfallen wie ein altes Kleid, und ihre Bewohner sterben wie die
Fliegen. Doch euch rette ich für alle Zeiten, meine gerechte Herrschaft hat kein
Ende.
Jes 51,7 Ihr Menschen meines Volkes, hört mir zu: Ihr wisst doch, was es heißt,
so zu leben, wie es mir gefällt; meine Gebote sind in euer Herz geschrieben.
Habt keine Angst, wenn Menschen euch verhöhnen. Lasst euch durch ihr Gespött
nicht aus der Fassung bringen!
Jes 51,8 Denn sie werden vergehen wie ein Kleid und wie ein Wolltuch, das die
Motten fressen. Doch meine gerechte Herrschaft besteht für alle Zeiten und die
Rettung, die ich schenke, von einer Generation zur anderen.«
Jes 51,9 Greif ein, Herr, greif doch ein! Zeig deine Macht, Herr! Greif ein wie
damals vor langer Zeit! Du warst es doch, der das Heer der Ägypter schlug, der
dem Drachen im Meer den Todesstoß gab!
Jes 51,10 Du hast das tiefe Meer ausgetrocknet und mitten hindurch einen Weg
gebahnt, damit das befreite Volk hindurchziehen konnte.
Jes 51,11 Ja, alle, die der Herr befreit hat, werden jubelnd aus der
Gefangenschaft zum Berg Zion heimkehren. Dann sind Trauer und Sorge für immer
vorbei, Glück und Frieden halten Einzug, und die Freude hört niemals auf.
Jes 51,12 Der Herr spricht: »Ich bin es, der euch tröstet, ich allein. Und da
fürchtet ihr euch noch vor der Macht eines Menschen? Was ist schon ein Mensch?
Sterben muss er, verdorren wie das Gras!
Jes 51,13 Habt ihr vergessen, wer ich bin? Euer Schöpfer! Ich habe den Himmel
wie ein Zelt aufgespannt, ich habe die Fundamente der Erde gelegt. Warum zittert
ihr den ganzen Tag vor eurem Unterdrücker? Ihr erwartet jeden Moment, dass er
euch in seiner Wut vernichtet. Was ist nun aus all seinen Drohungen geworden?
Jes 51,14 Bald schon werdet ihr alle befreit, die ihr jetzt noch im Gefängnis
sitzt! Keiner wird im Kerker verhungern, für alle ist genug zu essen da.
Jes 51,15 Denn ich bin der Herr, euer Gott, der die Wellen des Meeres tosen
lässt. Ich, der allmächtige Gott,
Jes 51,16 sage euch, was ihr in meinem Auftrag reden sollt. Schützend halte ich
meine Hand über euch. Ich habe den Himmel ausgespannt und den Grundstein der
Erde gelegt. Und zu Jerusalem sage ich: ›Du gehörst zu mir!‹«
Jes 51,17 Steh auf, Jerusalem, steh auf! Erheb dich! Du hast den Kelch, den der
Herr in seiner Hand hielt, leer getrunken. Er war gefüllt mit seinem Zorn. Bis
zum letzten Tropfen musstest du ihn schlucken, diesen Trank, der jeden zum
Taumeln bringt.
Jes 51,18 Niemand nahm dich dann bei der Hand und führte dich. Keines deiner
vielen Kinder, die du geboren und großgezogen hattest, kam dir zu Hilfe.
Jes 51,19 In doppelter Weise traf dich das Unglück, aber niemand empfand Mitleid
mit dir: Du wurdest verwüstet, und du hast deine Einwohner verloren; Hunger und
Schwert haben sie umgebracht. Ach, ich weiß nicht, wie ich dich trösten soll,
Jerusalem!
Jes 51,20 Deine Kinder brachen ohnmächtig zusammen; an allen Straßenecken lagen
sie, hilflos wie Rehe im Fangnetz. Der Zorn des Herrn hat sie getroffen, das
Drohen deines Gottes ließ sie stürzen.
Jes 51,21 Tief steckst du im Elend, Jerusalem; du wankst - doch nicht, weil du
vom Wein betrunken bist! Höre nun, was der Herr dir sagt;
Jes 51,22 er ist dein Herr und dein Gott, dein Anwalt, der für dich eintritt:
»Ich nehme euch den Becher mit dem starken Trank meines Zornes wieder aus der
Hand. Ihr braucht nicht länger daraus zu trinken.
Jes 51,23 Ich gebe ihn denen, die euch so grausam unterdrückt und euch zugerufen
haben: ›Werft euch nieder, damit wir über euch schreiten!‹ Dann musstet ihr euch
auf den Boden legen, und sie sind über euren Rücken hinweggeschritten wie über
eine Straße.«
Jes 52,1 Wach auf, du Stadt auf dem Berg Zion, wach auf! Sei wieder stark! Zieh
dein Festkleid an, Jerusalem, du heilige Stadt! Denn von nun an darf kein Mensch
mehr durch deine Tore gehen, der nicht zu Gottes Volk gehört.
Jes 52,2 Steh auf, und schüttle den Staub ab! Setz dich wieder auf deinen Thron,
Jerusalem! Wirf die Halsfesseln ab, du Gefangene!
Jes 52,3 Denn so spricht der Herr: »Ich habe euch zwar als Sklaven verkauft,
doch ich habe von euren Herren kein Geld verlangt. Und so sollt ihr nun auch
befreit werden, ohne dass ich ein Lösegeld für euch bezahle.
Jes 52,4 Am Anfang kam mein Volk nach Ägypten. Es wollte friedlich dort wohnen,
aber es wurde zu harter Arbeit gezwungen. Später wurde Israel dann von den
Assyrern unterdrückt.
Jes 52,5 Und was muss ich jetzt sehen? Wieder ist mein Volk versklavt, und seine
Herren haben nichts dafür bezahlt. Sie lachen hämisch über ihren guten Fang und
ziehen ständig, den ganzen Tag lang, meine Ehre in den Schmutz.
Jes 52,6 Doch ich werde eingreifen, und mein Volk wird erkennen, wer ich bin.
Sie werden merken, dass ich es war, der Herr, der zu ihnen gesprochen hat!«
Jes 52,7 Was für ein herrlicher Augenblick, wenn ein Bote über die Berge kommt,
der eine gute Nachricht bringt! Er eilt herbei und ruft der Stadt auf dem Berg
Zion zu: »Jetzt ist Friede, die Rettung ist da! Jerusalem, dein Gott herrscht
als König!«
Jes 52,8 Schon brechen die Wächter auf der Mauer in Freudengeschrei aus; alle
miteinander jubeln, denn mit eigenen Augen sehen sie, wie der Herr zum Berg Zion
zurückkehrt.
Jes 52,9 Noch ist Jerusalem ein einziger Trümmerhaufen. Doch ihr Ruinen, singt
und jubelt vor Freude! Denn der Herr tröstet sein Volk. Er befreit Jerusalem.
Jes 52,10 Vor den Augen aller Völker greift Gott, der Heilige, nun machtvoll
ein. Die ganze Welt ist Zeuge, wie er sein Volk errettet.
Jes 52,11 Verlasst Babylonien, geht los! Nehmt nichts aus den heidnischen
Tempeln mit! Und wer die heiligen Gefäße für den Tempel des Herrn trägt, der
soll sich reinigen, damit er sie nicht entweiht.
Jes 52,12 Ihr müsst nicht in aller Hast verschwinden! Ihr braucht Babylonien
nicht als Flüchtlinge zu verlassen. Der Herr, der Gott Israels, geht euch voran,
und er beschützt euch von allen Seiten.
Jes 52,13 So spricht der Herr: »Mein Bote wird seine Aufgabe erfüllen. Er wird
eine überragende Stellung erlangen und hoch geehrt sein.
Jes 52,14 Viele waren entsetzt, als sie ihn sahen. Denn in der Tat: Er war
völlig entstellt und kaum mehr als Mensch zu erkennen.
Jes 52,15 Dann aber werden viele Völker über ihn staunen, sprachlos werden die
Könige dastehen. Gerade die sollen ihn sehen, denen er nicht angekündigt war,
und die noch nichts von ihm gehört haben, werden ihn begreifen!«
Jes 53,1 Doch wer glaubt schon unserer Botschaft? Wer erkennt, dass Gott es ist,
der diese mächtigen Taten vollbringt?
Jes 53,2 Der Herr ließ seinen Boten emporwachsen wie einen jungen Trieb aus
trockenem Boden. Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn
unansehnlich, er gefiel uns nicht!
Jes 53,3 Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war
er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von
ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet.
Jes 53,4 Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm; er erlitt die
Schmerzen, die wir hätten ertragen müssen. Wir aber dachten, diese Leiden seien
Gottes gerechte Strafe für ihn. Wir glaubten, dass Gott ihn schlug und leiden
ließ, weil er es verdient hatte.
Jes 53,5 Doch er wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen
hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft -
und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Jes 53,6 Wir alle irrten umher wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging
seinen eigenen Weg. Der Herr aber lud alle unsere Schuld auf ihn.
Jes 53,7 Er wurde misshandelt, aber er duldete es ohne ein Wort. Er war stumm
wie ein Lamm, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Schaf, das sich nicht
wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Man hörte
von ihm keine Klage.
Jes 53,8 Er wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und grausam hingerichtet.
Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Man hat sein Leben auf
dieser Erde ausgelöscht. Wegen der Sünden meines Volkes wurde er zu Tode
gequält!
Jes 53,9 Man begrub ihn bei Gottlosen, im Grab eines reichen Mannes, obwohl er
sein Leben lang kein Unrecht getan hatte. Nie kam ein betrügerisches Wort über
seine Lippen.
Jes 53,10 Doch es war der Wille des Herrn: Er musste leiden und blutig
geschlagen werden. Wenn er mit seinem Leben für die Schuld der anderen bezahlt
hat, wird er Nachkommen haben. Er wird weiterleben und den Plan des Herrn
ausführen.
Jes 53,11 Wenn er dieses schwere Leid durchgestanden hat, sieht er wieder das
Licht und wird für sein Leiden belohnt. Der Herr sagt: »Mein Bote kennt meinen
Willen, er ist schuldlos und gerecht. Aber er lässt sich für die Sünden vieler
bestrafen, um sie von ihrer Schuld zu befreien.
Jes 53,12 Deshalb gebe ich ihm die Ehre, die sonst nur mächtige Herrscher
erhalten. Mit großen Königen wird er sich die Beute teilen. So wird er belohnt,
weil er den Tod auf sich nahm und zu den Verbrechern gezählt wurde. Doch er hat
viele von ihren Sünden erlöst, denn er ließ sich für ihre Verbrechen bestrafen.«
Jes 54,1 Sei fröhlich, du Unfruchtbare, auch wenn du nie ein Kind geboren hast!
Juble und singe, du Kinderlose! Denn du, die du allein bist, wirst mehr Kinder
haben als eine Frau, die einen Mann hat.
Jes 54,2 Vergrößere dein Zelt! Spann die Zeltdecken weiter aus! Spare nicht!
Verlängere die Seile, und schlag die Pflöcke fest ein!
Jes 54,3 Denn du wirst dich nach allen Seiten hin ausbreiten: Deine Kinder
werden das Land anderer Völker in Besitz nehmen und die zerfallenen Städte neu
besiedeln.
Jes 54,4 Hab keine Angst, du wirst nicht mehr erniedrigt werden! Niemand darf
dich je wieder beschämen. Du wirst vergessen, wie man dich in deiner Jugend
gedemütigt hat, und nicht mehr an die schwere Zeit zurückdenken, in der du als
Witwe allein dastandst.
Jes 54,5 Denn der Herr, der dich erschaffen hat, ist dein Ehemann. Er heißt »der
Herr, der allmächtige Gott«. Er ist der heilige Gott Israels, dein Erlöser, und
der Gott der ganzen Welt.
Jes 54,6 Jerusalem, du bist wie eine verstoßene Frau, die tief enttäuscht ist,
weil ihr Mann, der sie als junge Frau liebte, sie verlassen hat. Doch der Herr
ruft dich zu sich zurück
Jes 54,7 und sagt zu dir: »Nur für kurze Zeit habe ich dich verlassen. Ich will
dich wieder zu mir holen, denn ich liebe dich immer noch.
Jes 54,8 Im Zorn habe ich mich für einen Augenblick von dir zurückgezogen. Doch
ich habe Erbarmen mit dir, und meine Liebe wird nie mehr aufhören. Das
verspreche ich, der Herr, dein Erlöser.
Jes 54,9 Damals nach der großen Flut schwor ich Noah: Nie mehr wird die ganze
Erde überschwemmt werden! Und heute schwöre ich: Ich bin nicht mehr zornig auf
dich, Jerusalem! Nie mehr werde ich dir drohen!
Jes 54,10 Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir wird
nie erschüttert, und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken. Das
verspreche ich, der Herr, der dich liebt!«
Jes 54,11 So spricht der Herr: »Jerusalem, du leidgeprüfte Stadt, vom Sturm
gepeitscht, von keinem getröstet - ich will dich wieder aufbauen. Dein Fundament
lege ich aus Saphiren, fest gemauert mit bestem Mörtel.
Jes 54,12 Für die Brüstung deiner Mauern verwende ich Rubine und für die Tore
Kristalle; auch die Mauer soll aus Edelsteinen sein.
Jes 54,13 Deine Kinder werden meine Schüler sein, und ich schenke ihnen Frieden
und Glück.
Jes 54,14 Dann ist die Gerechtigkeit dein festes Fundament. Du brauchst keine
Angst mehr zu haben, denn Kummer und Not dürfen dich nicht mehr bedrücken;
nichts wird dich mehr in Schrecken versetzen.
Jes 54,15 Und sollte dich doch ein feindliches Volk angreifen, dann ist es nicht
von mir gesandt! Ja, wer es dann noch wagt, gegen dich zu kämpfen, der wird
dabei zu Fall kommen.
Jes 54,16 Ich habe den Waffenschmied geschaffen, der die Kohlenglut anbläst und
das glühende Eisen zu Waffen schmiedet. Auch der Soldat, der mit ihnen Tod und
Verderben anrichtet, ist mein Geschöpf.
Jes 54,17 Doch alle Waffen, die man gegen dich richtet, Jerusalem - sie treffen
ins Leere. Wer dich vor Gericht anklagen will, den wirst du als den Schuldigen
entlarven. Das gilt für alle, die in meinem Dienst stehen; ich sorge für ihr
Recht. Mein Wort gilt!«
Jes 55,1 Der Herr ruft: »Ihr habt Durst? Kommt her, hier gibt es Wasser! Auch
wer kein Geld hat, kann kommen. Nehmt euch Brot und esst! Hierher! Hier gibt es
Wein und Milch. Bedient euch, es kostet nichts!
Jes 55,2 Warum gebt ihr euer sauer verdientes Geld aus für Brot, das nicht
sättigt? Hört doch auf mich, und tut, was ich sage, dann bekommt ihr genug! Ihr
dürft köstliche Speisen genießen und euch satt essen.
Jes 55,3 Hört mir zu, und kommt her! Ja, nehmt meine Weisungen an, damit ihr am
Leben bleibt! Ich will einen Bund für alle Zeiten mit euch schließen. Was ich
schon David versprochen habe, das werde ich erfüllen.
Jes 55,4 Ich habe ihm den Auftrag gegeben, vielen Völkern meine Wahrheit zu
bezeugen, und ich habe ihn als Herrscher über sie eingesetzt.
Jes 55,5 Auch ihr sollt Menschen aus anderen Völkern zu euch rufen, die ihr
nicht kennt und die euch nicht kennen. Sie werden zu euch eilen, weil ich, der
Herr, euer Gott bin. Ja, sie kommen, um mich kennen zu lernen, den heiligen Gott
Israels. Denn ich bin es, der euch Israeliten zu Ehren bringt.«
Jes 55,6 Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt! Betet zu ihm, solange er
euch nahe ist!
Jes 55,7 Hast du dich gegen Gott aufgelehnt? Bist du eigene Wege gegangen und
eigenen Plänen gefolgt? Dann hör auf damit! Kehr deinem alten Leben den Rücken,
und komm zum Herrn! Er wird sich über dich erbarmen. Unser Gott vergibt uns, was
auch immer wir getan haben.
Jes 55,8 Er sagt: »Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind
nicht eure Wege.
Jes 55,9 Denn wie der Himmel die Erde überragt, so sind auch meine Wege viel
höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Jes 55,10 Denkt an den Regen und den Schnee! Sie fallen vom Himmel und bleiben
nicht ohne Wirkung: Sie tränken die Erde und machen sie fruchtbar; alles sprießt
und wächst. So bekommt der Bauer wieder Samen für die nächste Aussaat, und er
hat genügend Brot.
Jes 55,11 Genauso ist mein Wort: Es bleibt nicht ohne Wirkung, sondern erreicht,
was ich will, und es führt das aus, was ich ihm aufgetragen habe.
Jes 55,12 Ihr werdet voller Freude das Land eurer Gefangenschaft verlassen und
wohlbehütet in eure Heimat zurückkehren. Berge und Hügel brechen in Jubel aus,
und die Bäume am Weg klatschen in die Hände.
Jes 55,13 Anstelle der Dornenbüsche wachsen Zypressen, und wo heute Brennnesseln
wuchern, schießen Myrtensträucher empor. Dadurch wird mein Name überall bekannt.
Mit eurer Heimkehr setze ich für immer ein Zeichen, das nicht mehr aus der Welt
zu schaffen ist.«
Jes 56,1 So spricht der Herr: »Haltet euch an meine Ordnungen, und sorgt für
Gerechtigkeit! Es dauert nicht mehr lange, dann werdet ihr erleben, wie ich euch
befreie und euch zum Recht verhelfe.«
Jes 56,2 Glücklich ist, wer den Sabbat nicht durch Arbeit entweiht, sondern ihn
als Ruhetag achtet. Glücklich ist, wer kein Unrecht begeht.
Jes 56,3 Ein Ausländer, der sich dem Herrn zugewandt hat, soll nicht sagen:
»Bestimmt wird der Herr mich wieder ausschließen aus der Gemeinschaft seines
Volkes.« Und wer entmannt wurde, soll nicht klagen: »Ach, ich bin nicht mehr
wert als ein dürrer Baum.«
Jes 56,4 Denn der Herr sagt: »Auch Entmannte zähle ich zu meiner Gemeinde, wenn
sie die Sabbate als Ruhetage achten, wenn sie gerne tun, was mir gefällt, und
sich an meine Ordnungen halten.
Jes 56,5 Für sie ist Platz in meinem Tempel, und ich werde sie in alle Ewigkeit
nicht in Vergessenheit geraten lassen. Das ist besser, als wenn sie viele Söhne
und Töchter hätten, die ihren Namen weitertragen.
Jes 56,6 Ich, der Herr, verspreche: Die Ausländer, die sich mir zugewandt haben,
die mir dienen und mich allein lieben, die den Sabbat achten und ihn nicht durch
Arbeit entweihen, die sich an meine Weisungen halten,
Jes 56,7 sie werde ich zu meinem heiligen Berg führen. Sie dürfen meinen Tempel
betreten und sich an diesem Ort des Gebets von Herzen freuen. Sie dürfen auch
auf meinem Altar Brand- und Schlachtopfer darbringen, und ich werde ihre Opfer
annehmen. Denn in meinem Tempel sollen alle Völker zu mir beten.
Jes 56,8 Ich, der Herr, der die vertriebenen Israeliten wieder sammelt, sage:
Euch habe ich nun aus der ganzen Welt zurückgeholt. Doch ich werde noch andere
zu euch bringen!«
Jes 56,9 »Ihr wilden Tiere aus Wald und Feld, kommt und fresst mein Volk!
Jes 56,10 Denn seine Führer taugen nichts. Sie sind blinde Wächter, die nicht
merken, wenn dem Volk Gefahr droht. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen
können. Sie liegen faul herum und träumen, Schlafen ist ihre liebste
Beschäftigung.
Jes 56,11 Gefräßig sind sie, diese Hunde, sie bekommen nie genug. Und so etwas
will Hirte sein! Sie haben ja keine Ahnung, was es heißt, die Herde - mein Volk
- zu hüten. Stattdessen gehen sie alle ihren eigenen Geschäften nach. Jeder will
nur möglichst viel Gewinn machen.
Jes 56,12 ›Kommt‹, rufen sie, ›lasst uns feiern! Einer soll Wein holen, und dann
betrinken wir uns! Und was machen wir morgen? Morgen feiern wir weiter. Je mehr,
desto besser!‹«
Jes 57,1 Menschen, die dem Herrn die Treue halten, kommen um, aber niemanden
kümmert das. Sie werden aus dem Leben gerissen, aber keiner schert sich darum.
Der Herr will diese Menschen vor noch schlimmeren Zeiten bewahren.
Jes 57,2 Sie haben ein aufrichtiges Leben geführt, nun ruhen sie in Frieden.
Jes 57,3 »Ihr aber, ihr Hexensöhne«, ruft der Herr, »tretet vor, um euer Urteil
zu hören, ihr Brut von Ehebrechern und Huren!
Jes 57,4 Über mich macht ihr euch lustig. Gegen mich reißt ihr frech das Maul
auf und streckt mir die Zunge heraus. Wisst ihr überhaupt, was ihr da tut,
bösartiges und verlogenes Pack?
Jes 57,5 Ihr seid nur noch hinter euren Götzen her! Unter jeder Terebinthe und
unter allen dicht belaubten Bäumen hurt ihr zu Ehren eurer Götzen. Ihnen opfert
ihr sogar Kinder! In den Felshöhlen unten im Tal schlachtet ihr sie!
Jes 57,6 Ihr verehrt die abgeschliffenen Kieselsteine im Bachbett. Sie allein
bestimmen euer Schicksal - denkt ihr. Und darum opfert ihr ihnen Wein und gute
Speisen. Und da sollte ich ruhig zusehen?
Jes 57,7 Ihr steigt hinauf zur Spitze eines hohen Berges, um eure Opfer
darzubringen. Dort schlagt ihr euer Lager auf.
Jes 57,8 Ihr bringt magische Zeichen an der Innenseite der Tür und den
Torpfosten an. Von mir aber habt ihr euch abgewandt. Wie eine Hure bezieht ihr
euer Bett für einen anderen und richtet es schön für ihn her. Ihr handelt den
Lohn aus, und schließlich geht ihr mit ihm ins Bett. Ihr habt sogar noch Spaß an
dem, was ihr da seht und tut!
Jes 57,9 Zum Götzen Moloch pilgert ihr und bringt ihm kostbares Öl mit, dazu
eine Menge wohlriechender Salben. Ihr schickt Boten auf eine lange Reise: Bis
zur Totenwelt sollen sie vordringen.
Jes 57,10 Für die Götzen ist euch keine Anstrengung zu groß, nie gebt ihr zu:
›Ach, das nützt doch alles nichts!‹ Nein - ihr kommt immer wieder zu Kräften,
und darum gebt ihr nicht auf.
Jes 57,11 Wer sind sie denn, diese Götzen, vor denen ihr solche Ehrfurcht habt?
Warum fürchtet ihr euch vor ihnen mehr als vor mir und betrügt mich? Warum habt
ihr keinen Gedanken mehr für mich übrig, warum vergesst ihr mich? Doch nur, weil
ich eurem Treiben so lange schweigend zugesehen habe. Deshalb denkt ihr wohl,
ihr hättet von mir nichts zu befürchten.
Jes 57,12 Doch ich werde euch nun zeigen, was eure Anstrengungen wirklich wert
sind: Alle eure Mühe nützt euch gar nichts!
Jes 57,13 Schreit nur um Hilfe - sollen sie euch doch helfen, eure vielen
Götzen! Ein kleiner Windstoß reicht, um sie wegzublasen. Nur ein Hauch - und
fort sind sie! Doch wer bei mir Zuflucht sucht, der wird das Land erben und darf
auf meinem heiligen Berg wohnen.«
Jes 57,14 Der Herr befiehlt: »Macht euch an die Arbeit, schnell! Baut eine
Straße! Räumt meinem Volk alle Hindernisse aus dem Weg!
Jes 57,15 Ich, der Hohe und Erhabene, der ewige und heilige Gott, wohne in der
Höhe, im Heiligtum. Doch ich wohne auch bei denen, die traurig und bedrückt
sind. Ich gebe ihnen neuen Mut und erfülle sie wieder mit Hoffnung.
Jes 57,16 Ich will sie nicht ständig anklagen und nicht für immer zornig sein.
Denn sonst würden sie vergehen, die Menschen, die ich doch selbst geschaffen
habe.
Jes 57,17 Ich war zornig über mein Volk wegen seiner Habgier. Sie taten, was sie
wollten, und gingen ihre eigenen Wege. Darum bestrafte ich sie und wandte mich
von ihnen ab.
Jes 57,18 [18/19] Ich sah ihre Taten genau. Und doch will ich ihnen wieder
zurechthelfen und sie führen. Die Trauernden will ich trösten; ein Freudenlied
lege ich ihnen in den Mund. Dann werden sie alle in Frieden leben, ob in der
Nähe oder in der Ferne, denn ich will mein Volk heilen. Das verspreche ich, der
Herr.
Jes 57,20 Die Gottlosen aber sind wie das ungestüme Meer: Es kommt nicht zur
Ruhe, seine Wellen wühlen immer wieder Dreck und Schlamm auf.
Jes 57,21 Ja, alle, die sich gegen mich auflehnen, werden keinen Frieden finden.
Darauf gebe ich mein Wort!«
Jes 58,1 »Ruf, so laut du kannst! Lass deine Stimme erklingen, mächtig wie eine
Posaune! Halte meinem Volk seine Vergehen vor, zähl den Nachkommen Jakobs ihre
Sünden auf!
Jes 58,2 Sie rufen Tag für Tag nach mir und fragen nach meinem Willen. Sie gehen
gern zum Tempel, in meine Nähe. Weil sie sich für ein frommes Volk halten, das
nach den Geboten seines Gottes lebt, darum fordern sie von mir auch ihre
wohlverdienten Rechte.
Jes 58,3 ›Warum siehst du es nicht, wenn wir fasten?‹, werfen sie mir vor. ›Wir
plagen uns, aber du scheinst es nicht einmal zu merken!‹ Darauf antworte ich:
Wie verbringt ihr denn eure Fastentage? Ihr geht wie gewöhnlich euren Geschäften
nach und treibt eure Arbeiter noch mehr an als sonst.
Jes 58,4 Ihr fastet zwar, aber gleichzeitig zankt und streitet ihr und schlagt
mit roher Faust zu. Wenn das ein Fasten sein soll, dann höre ich eure Gebete
nicht!
Jes 58,5 Denkt ihr, mir einen Gefallen zu tun, wenn ihr euch selbst quält und
nichts esst und trinkt, wenn ihr den Kopf hängen lasst und euch in
Trauerkleidern in die Asche setzt? Nennt ihr so etwas ›Fasten‹? Ist das ein Tag,
an dem ich, der Herr, Freude habe?
Jes 58,6 Nein - ein Fasten, das mir gefällt, sieht anders aus: Löst die Fesseln
der Menschen, die ihr zu Unrecht gefangen haltet, befreit sie vom drückenden
Joch der Sklaverei, und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von
Unterdrückung ab!
Jes 58,7 Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn
ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr
könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!
Jes 58,8 Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne,
und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor
euch her, meine Macht und Herrlichkeit beschließt euren Zug.
Jes 58,9 Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe
schreit, werde ich sagen: ›Ja, hier bin ich.‹ Beseitigt jede Art von
Unterdrückung! Hört auf, verächtlich mit dem Finger auf andere zu zeigen, macht
Schluss mit aller Verleumdung!
Jes 58,10 Nehmt euch der Hungernden an, und gebt ihnen zu essen, versorgt die
Notleidenden mit allem Nötigen! Dann wird mein Licht eure Finsternis
durchbrechen. Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag.
Jes 58,11 Immer werde ich euch führen. Auch in der Wüste werde ich euch
versorgen, ich gebe euch Gesundheit und Kraft. Ihr gleicht einem gut bewässerten
Garten und einer Quelle, die nie versiegt.
Jes 58,12 Euer Volk wird wieder aufbauen, was seit langem in Trümmern liegt, und
wird die alten Mauern wieder errichten. Man nennt euch dann ›das Volk, das die
Lücken der Stadtmauer schließt‹ und ›Volk, das die Ruinen bewohnbar macht‹.
Jes 58,13 Achtet den Sabbat als einen Tag, der mir geweiht ist und an dem ihr
keine Geschäfte abschließt! Er soll ein Feiertag für euch sein, auf den ihr euch
freut. Entweiht ihn nicht durch eure Arbeit, durch Geschäfte oder leeres
Geschwätz! Achtet ihn vielmehr als einen Tag, an dem ihr Zeit habt für mich, den
Herrn.
Jes 58,14 Wenn ihr das tut, werde ich die Quelle eurer Freude sein. Ich werde
euch über Berge und Schluchten tragen und euch das ganze Land mit seinem reichen
Ertrag schenken, das ich eurem Stammvater Jakob zum Erbe gegeben habe. Mein Wort
gilt!«
Jes 59,1 Ihr meint wohl, der Herr sei zu schwach, um euch zu helfen, und dazu
noch taub, so dass er eure Hilferufe gar nicht hört. O nein!
Jes 59,2 Eure Schuld - sie steht wie eine Mauer zwischen euch und eurem Gott!
Eure Sünden verdecken ihn, darum hört er euch nicht.
Jes 59,3 An euren Händen klebt Blut, sie sind besudelt von all dem Unrecht, das
ihr tut. Ihr lügt und betrügt bei jeder Gelegenheit.
Jes 59,4 Ihr geht vor Gericht, aber es geht euch nicht um Gerechtigkeit; in der
Verhandlung sagt keiner die Wahrheit. Lieber erhebt ihr falsche Anschuldigungen,
um andere zu täuschen. Ihr brütet immer neues Unheil aus!
Jes 59,5 [5/6] Was immer ihr ausheckt - es ist als ob ihr Schlangeneier
ausbrütet: Wer davon isst, stirbt, und wenn jemand darauf tritt, schießt eine
Viper hervor. Ihr gleicht Spinnen, die ihr Netz weben. Bekleiden kann man sich
damit nicht, und man kann auch keine warme Decke daraus machen. Die Fäden, die
ihr spinnt, sind Fäden des Unrechts. Gewaltsam wickelt ihr eure Opfer darin ein.
Jes 59,7 Ihr seid sofort zur Stelle, wenn es darum geht, einen Unschuldigen
umzubringen oder andere Verbrechen zu begehen. Ihr denkt nur an Unrecht, und wo
ihr geht, hinterlasst ihr eine Spur der Verwüstung.
Jes 59,8 Den Weg zum Frieden kennt ihr nicht, und Aufrichtigkeit ist euch fremd!
Lieber schlagt ihr krumme Wege ein. Keiner, der so lebt, weiß, was Friede ist.
Jes 59,9 Darum verhilft Gott uns nicht zu unserem Recht, darum erreicht uns
seine Hilfe nicht. Wir hoffen auf den Tagesanbruch, doch es bleibt finster. Wir
sehnen uns nach einem Lichtstrahl, doch wir müssen im Dunkeln bleiben.
Jes 59,10 Wir tasten uns wie Blinde an der Wand entlang; wir tappen umher, als
sähen wir nichts mehr. Am hellen Mittag stolpern wir, als wäre es schon dunkel,
als gehörten wir mitten im Leben schon zu den Toten.
Jes 59,11 Wir brummen wie hungrige Bären, unser Klagen klingt wie das Gurren von
Tauben. Wir warten darauf, dass Gott uns Recht verschafft, aber nichts
geschieht. Wir sehnen uns nach seiner Hilfe, doch weit und breit ist keine
Rettung in Sicht.
Jes 59,12 Denn wir haben dir, o Gott, den Rücken gekehrt. Unsere Schuld ist
groß, und unsere Sünden klagen uns an. Wir sehen ein, dass wir dir untreu waren,
unsere Vergehen stehen uns vor Augen.
Jes 59,13 Herr, wir wollten nichts mehr mit dir zu tun haben; wir haben dich
verleugnet und uns von dir, unserem Gott, abgewandt. Mit harten Worten haben wir
unsere Mitmenschen unterdrückt und uns von dir losgesagt. Unsere Lügen haben wir
uns gut überlegt, um sie dann im passenden Moment auszusprechen.
Jes 59,14 So wurde das Recht mit Füßen getreten und die Gerechtigkeit verdrängt.
Die Wahrheit hat im Alltag nichts mehr zu suchen, Ehrlichkeit ist unerwünscht.
Jes 59,15 Und Treue - die gibt es nicht mehr! Und wer mit all dem Unrecht nichts
zu tun haben will, wird angegriffen und ausgeplündert. Der Herr hat gesehen, was
sein Volk treibt, und die Rechtlosigkeit missfällt ihm.
Jes 59,16 Er wundert sich, dass kein Mensch einschreitet und etwas dagegen
unternimmt. Nun greift er selbst ein, machtvoll und gerecht.
Jes 59,17 Er zieht die Gerechtigkeit an wie einen Brustpanzer, die rettende
Macht ist sein Helm. Mit Rache kleidet er sich, Entschlossenheit umgibt ihn wie
ein Mantel.
Jes 59,18 Seine Feinde werden seinen Zorn zu spüren bekommen, er wird ihnen
alles Unrecht heimzahlen. Jeder erhält seinen gerechten Lohn, selbst die fernen
Küstenländer müssen mit seiner Vergeltung rechnen.
Jes 59,19 Alle Völker werden dann große Ehrfurcht vor dem Herrn haben, vom Osten
bis zum Westen wird man sich seiner Macht beugen. Denn er kommt wie ein
reißender Strom, den der Atem des Herrn antreibt.
Jes 59,20 Für Jerusalem aber kommt er als Erlöser, als ein Befreier für alle in
Israel, die sich von ihrem gottlosen Leben lossagen.
Jes 59,21 So spricht der Herr: »Ich will einen Bund mit euch schließen: Mein
Heiliger Geist, der auf euch ruht, wird bei euch bleiben, und die Worte, die ihr
von mir empfangen habt, werden von Mund zu Mund gehen. Auch eure Kinder, Enkel
und Urenkel werden sie noch kennen. Das bleibt für alle Zeiten so, denn mein
Wort gilt!«
Jes 60,1 Steh auf, Jerusalem, und leuchte! Denn das Licht ist gekommen, das
deine Finsternis erleuchtet. Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir wie
die Sonne.
Jes 60,2 Noch bedecken dunkle Wolken die Erde, alle Völker leben in finsterer
Nacht. Doch über dir leuchtet das Licht des Herrn auf, und seine Herrlichkeit
überstrahlt dich.
Jes 60,3 Andere Völker werden von diesem Licht angezogen, ihre Könige eilen
herbei, um den strahlenden Glanz zu sehen, der über dir aufgegangen ist.
Jes 60,4 Schau dich um! Aus allen Richtungen strömen sie zu dir: Von weither
kommen deine Söhne, und deine Töchter werden auf den Armen herbeigetragen.
Jes 60,5 Was du da siehst, lässt dein Herz höher schlagen, du wirst vor Freude
strahlen. Denn die Händler, die über das Meer reisen, werden ihre Schätze zu dir
bringen; den Reichtum der Völker wird man bei dir aufhäufen.
Jes 60,6 Unaufhörlich treffen Handelskarawanen aus Midian und Efa bei dir ein.
Mit ihren Kamelen kommen sie aus Saba und bringen Gold und Weihrauch mit sich.
Laut loben die Händler den Herrn und erzählen von seinen großen Taten.
Jes 60,7 Der Herr sagt: »Die Nomaden aus Kedar in Arabien treiben ihre
Schafherden nach Jerusalem, und die Bewohner von Nebajot schenken dir ihre
Schafböcke. Du sollst sie mir als Opfer darbringen, an dem ich meine Freude
habe. So werde ich meinen Tempel noch herrlicher schmücken.«
Jes 60,8 Wer jagt wie Wolken über das Meer? Wer kehrt zurück wie Tauben zu ihren
Schlägen?
Jes 60,9 Schnelle Segelschiffe sind es. Denn die Bewohner der fernen Inseln
haben nur noch auf einen Wink des Herrn gewartet. Handelsschiffe bringen deine
Kinder von weit her nach Hause, zusammen mit goldenen und silbernen Schätzen als
Ehrengeschenke für den Herrn, deinen Gott. So ehrt der heilige Gott Israels sein
Volk vor den Augen der ganzen Welt.
Jes 60,10 Ausländer werden deine Mauern wieder aufbauen, und ihre Könige werden
dir dienen. Der Herr sagt: »Ich war zwar zornig über dich und habe dich
bestraft. Doch nun will ich dir wieder meine ganze Liebe schenken und dir
helfen.
Jes 60,11 Deine Stadttore werden Tag und Nacht offen stehen, damit die Völker
der Erde jederzeit ihren Reichtum hineinbringen können. Sogar ihre Könige werden
sie als Gefangene zu dir bringen.
Jes 60,12 Wenn aber ein Volk oder Königreich sich weigert, dir zu dienen, wird
es nicht mehr lange bestehen bleiben, sondern bald zugrunde gehen.
Jes 60,13 Die prächtigen Bäume des Libanon - Wacholder, Platanen und Zypressen -
wird man in die Stadt bringen, um mein Heiligtum zu schmücken. Es ist der Ort,
auf dem meine Füße ruhen, darum soll er herrlich sein.
Jes 60,14 Die Nachkommen deiner Unterdrücker werden kommen und sich vor dir
verneigen. Alle, die damals nur Spott für dich übrig hatten, werden sich dir zu
Füßen werfen. ›Stadt des Herrn‹ werden sie dich nennen und ›Berg Zion, auf dem
der heilige Gott Israels wohnt‹.
Jes 60,15 Du sollst nicht mehr die verachtete und verhasste Stadt von früher
sein, die niemand betreten wollte. Nein, in Zukunft ist jeder stolz, der dich
gesehen hat, weil du so prächtig bist. Eine Generation nach der anderen wird
sich über deine Schönheit freuen.
Jes 60,16 Die Völker und ihre Könige werden für dich sorgen wie eine Mutter, die
ihren Säugling stillt. Dann wirst du erkennen, dass ich, der Herr, dein Retter
bin, der dich befreit, der starke Gott Israels.
Jes 60,17 Ich werde dir das beste Baumaterial bringen: Gold statt Bronze, Silber
statt Eisen, Bronze statt Holz und Eisen statt Steine. Im ganzen Land werden
Friede und Gerechtigkeit regieren.
Jes 60,18 Dann gibt es kein Verbrechen mehr, keine Verwüstung und keine
Vernichtung. Du wirst sicher in deinen Mauern leben, und deine Tore werden
weltberühmt sein.
Jes 60,19 Das Licht der Sonne wirst du nicht mehr brauchen und auch nicht das
Leuchten des Mondes. Denn ich, der Herr, werde dein ewiges Licht sein, dein
Gott, die Sonne, die dir scheint.
Jes 60,20 Es wird nie wieder dunkel um dich werden. Denn anders als Sonne und
Mond werde ich nie aufhören, dein Licht zu sein. Dann ist deine Trauerzeit
vorbei.
Jes 60,21 Alle deine Bewohner leben nach meinen Geboten. Sie werden das Land für
immer besitzen. Ich habe sie dort eingepflanzt, und ich lasse sie zu meiner Ehre
wachsen.
Jes 60,22 Die kleinste Familie ist bald eine Sippe von tausend Menschen, und ein
kleiner Stamm wird rasch zum großen Volk. Wenn die Zeit gekommen ist, werde ich
dies alles ganz schnell tun. Darauf gebe ich mein Wort!«
Jes 61,1 Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen hat. Er hat mich
gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen und die Verzweifelten zu
trösten. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, ihre Fesseln werden nun
gelöst und die Kerkertüren geöffnet.
Jes 61,2 Ich rufe ihnen zu: »Jetzt erlässt Gott eure Schuld!« Doch nun ist auch
die Zeit gekommen, dass der Herr mit seinen Feinden abrechnet. Er hat mich
gesandt, alle Trauernden zu trösten.
Jes 61,3 Vorbei ist die Leidenszeit der Einwohner Jerusalems! Sie streuen sich
nicht mehr voller Verzweiflung Asche auf den Kopf, sondern schmücken sich mit
einem Turban. Statt der Trauergewänder gebe ich ihnen duftendes Öl, das sie
erfreut. Ihre Mutlosigkeit will ich in Jubel verwandeln, der sie schmückt wie
ein Festkleid. Wer sie dann sieht, vergleicht sie mit Bäumen, die der Herr
gepflanzt hat. Man wird sie »Garten des Herrn« nennen, an dem er seine Größe und
Macht zeigt.
Jes 61,4 Sie werden alles wiederherstellen, was vor vielen Jahren zerstört wurde
und seither in Trümmern liegt. Die zerfallenen Städte, die seit Generationen
Ruinen sind, bauen sie wieder auf.
Jes 61,5 Ausländer verrichten dann eure Arbeit: Sie weiden eure Herden, bebauen
die Äcker und bearbeiten eure Weinberge.
Jes 61,6 Ihr aber bekommt eine neue Aufgabe: »Priester des Herrn« wird man euch
nennen, »Diener unseres Gottes«. Was die Völker besitzen, werdet ihr genießen;
die herrlichsten Schätze der Welt werden euch gehören.
Jes 61,7 Ihr sollt doppelt so viel zurückerhalten, wie die Feinde euch
weggenommen haben, als sie solche Schande über euch brachten. Anstatt euch
weiter zu schämen, dürft ihr euch für immer freuen über euer Erbe in Kanaan.
Jes 61,8 Der Herr sagt: »Ich liebe Gerechtigkeit und hasse Raub und Unrecht. Ich
halte mein Wort und gebe den Menschen meines Volkes den Lohn, der ihnen zusteht;
ich will einen Bund für alle Zeiten mit ihnen schließen.
Jes 61,9 In allen Ländern wird man ihre Nachkommen kennen und achten. Wer sie
sieht, wird merken: Dies ist das Volk, das der Herr gesegnet hat.«
Jes 61,10 Ich freue mich über den Herrn und juble laut über meinen Gott! Denn er
hat mir seine Rettung und Hilfe geschenkt. Er hat mich damit bekleidet wie mit
einem schützenden Mantel. Nun stehe ich da wie ein Bräutigam mit festlichem
Turban, wie eine Braut im Hochzeitsschmuck.
Jes 61,11 Gott, der Herr, wird uns retten und das Gute bei uns wachsen lassen,
so wie auf dem Feld und im Garten die Aussaat sprießt und wächst. Alle Völker
werden es sehen und uns glücklich preisen.
Jes 62,1 Mein Herz schlägt für Jerusalem, darum kann ich nicht schweigen. Ich
halte mich nicht zurück, bis Gottes Hilfe über der Stadt auf dem Berg Zion
aufstrahlt wie die Morgensonne, bis ihre Rettung aufleuchtet wie ein heller
Schein bei Nacht.
Jes 62,2 Dann sehen alle Völker, wie der Herr dir Recht verschafft, Jerusalem,
und ihre Könige bestaunen deinen neuen Glanz. Du wirst einen neuen Namen tragen,
der Herr selbst wird ihn dir geben.
Jes 62,3 Ein Schmuckstück wirst du sein, das der Herr in seiner Hand hält wie
ein König seine Krone.
Jes 62,4 Man nennt dich nicht länger »die verstoßene Frau« und dein Land nicht
»die Verlassene«. Nein, du heißt dann »meine Liebste« und dein Land »die
glücklich Verheiratete«. Denn der Herr wird dich lieben und sich über dich
freuen, und dein Land wird nicht mehr vereinsamt sein.
Jes 62,5 Wie ein junger Mann sein Mädchen heiratet, so werden deine Einwohner
sich mit dir verbinden. Wie ein Bräutigam sich an seiner Braut freut, so wird
dein Gott sich über dich freuen.
Jes 62,6 Jerusalem, ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, die den Herrn
Tag und Nacht an sein Versprechen erinnern sollen. Ihr Wächter, hört nicht auf
zu beten - nicht einen Augenblick -, gönnt euch keine Ruhe!
Jes 62,7 Lasst auch dem Herrn keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufgebaut hat
und die Stadt auf der ganzen Erde bewundert wird.
Jes 62,8 [8/9] Der Herr hat geschworen: »Nie mehr werde ich zulassen, dass die
Feinde euer Korn verzehren oder dass Fremde den Wein trinken, für den ihr so
hart gearbeitet habt. Ihr, die ihr die Ernte einbringt, sollt auch davon leben.
Und wer die Trauben liest, soll auch den Wein trinken. Dafür bürge ich, der
starke Gott. Ihr werdet essen und trinken im Vorhof meines heiligen Tempels und
mich dabei loben.
Jes 62,10 Zieht ein durch die Tore der Stadt, zieht ein! Ebnet einen Weg für das
Volk, das unterwegs ist zur Stadt. Baut eine Straße, räumt die Steine aus dem
Weg! Stellt ein Feldzeichen auf, das alle Völker sehen können!«
Jes 62,11 Hört, was der Herr verkündet! Seine Stimme dringt bis zum Ende der
Erde: »Sagt den Einwohnern Jerusalems: Der Herr kommt, euer Retter! Den Lohn für
seine Mühe bringt er mit: sein Volk, das er sich erworben hat; es geht vor ihm
her.
Jes 62,12 Man wird es ›das heilige Volk‹ nennen und ›das Volk, das der Herr
erlöst hat‹. Und du, Jerusalem, heißt dann ›die Begehrte‹ und ›die Stadt, die
nie verlassen wird‹.«
Jes 63,1 »Wer kommt in roten Kleidern von Bozra her, aus dem Land der Edomiter?
Prächtig sieht er aus in seinem Gewand. Stolz schreitet er daher, mit
ungebrochener Kraft.« »Ich bin es, der für Recht sorgt«, antwortet der Herr.
»Ich kann euch helfen, es steht in meiner Macht.«
Jes 63,2 »Warum sind deine Kleider so rot? Hast du Trauben in der Kelter
zerstampft?«
Jes 63,3 »Ja, ich habe in einer Kelter gestanden. Allein musste ich sie treten,
niemand half mir. In meinem Zorn habe ich die Völker zerstampft. Ihr Blut
spritzte auf meine Kleider, alles ist damit besudelt.
Jes 63,4 Denn die Zeit war reif, um mit den Völkern abzurechnen und mein Volk
von ihrer Unterdrückung zu befreien.
Jes 63,5 Ich schaute mich suchend um, aber weit und breit war niemand, der mir
helfen wollte. Ich war erstaunt, dass keiner mir beistand. Darum half ich mir
selbst, mein Zorn trieb mich an.
Jes 63,6 Ich war erbost und ließ meinen Zorn an ihnen aus. Ich zertrat sie und
ließ ihr Blut zur Erde fließen.«
Jes 63,7 Ich will bekennen, wie der Herr uns seine Gnade erwiesen hat; immer
wieder denke ich an seine ruhmvollen Taten - wie er mit Liebe und Güte das Volk
Israel umsorgte und es mit Wohltaten überschüttete.
Jes 63,8 Er dachte: »Sie sind mein Volk, meine Kinder, sicher werden sie mich
nicht enttäuschen!« Und so half er ihnen aus ihrer Not.
Jes 63,9 Denn wenn sie in Bedrängnis waren, litt auch er. Immer wieder ist sein
Engel zu ihnen gekommen und hat sie gerettet. Er befreite sie damals vor langer
Zeit, weil er sie liebte und Mitleid mit ihnen hatte. Er nahm sie auf die Arme
und trug sie Tag für Tag.
Jes 63,10 Sie aber lehnten sich auf und beleidigten immer wieder seinen heiligen
Geist. Darum wurde er ihr Feind und kämpfte gegen sie.
Jes 63,11 Da erst dachten sie wieder an die früheren Zeiten, an Mose und sein
Volk: »Wo ist der Gott, der damals Israel durch das Meer führte mit Mose an der
Spitze? Wo ist er, der sie mit seinem heiligen Geist beschenkte?
Jes 63,12 [12/13] Wo ist der mächtige Gott, der Mose beistand? Damals teilte er
das Wasser des Roten Meeres und ließ sein Volk hindurchziehen. Keiner glitt aus;
alle liefen so sicher wie Wildpferde in der Steppe. Tat Gott diese Wunder nicht,
damit sein Name für alle Zeiten berühmt würde?
Jes 63,14 Der Geist Gottes führte das Volk und brachte sie schließlich ins Land
Kanaan. Hier durften sie sich niederlassen wie eine Herde, die von den
Berghängen hinunter in ein grünes Tal kommt.« So hast du, o Gott, dein Volk
damals geführt, damit dein herrlicher Name geehrt wird.
Jes 63,15 Herr, schau doch herab vom Himmel, von deinem heiligen und
majestätischen Thron! Warum setzt du dich nicht mehr mit ganzer Kraft für uns
ein? Wo sind deine großen Taten? Warum hältst du dich zurück? Schlägt dein Herz
nicht mehr für uns? Ist deine Liebe erloschen?
Jes 63,16 Du bist doch unser Vater! Abraham weiß nichts von uns, und auch Jakob
kennt uns nicht. Du, Herr, du bist unser Vater. »Unser Erlöser« - so hast du von
jeher geheißen.
Jes 63,17 Warum lässt du uns vom richtigen Weg abirren? Warum hast du uns so
eigensinnig werden lassen, dass wir keine Ehrfurcht mehr vor dir haben? Bitte,
wende dich uns wieder zu! Wir sind doch immer noch deine Diener, das Volk, das
dir gehört.
Jes 63,18 Für kurze Zeit haben die Feinde dein heiliges Volk vertrieben und dein
Heiligtum zertreten.
Jes 63,19 Es geht uns so, als hättest du nie über uns geherrscht, als wären wir
nie das »Volk des Herrn« gewesen! Ach Herr, reiß doch den Himmel auf, und komm
zu uns herab! Lass vor deiner Erscheinung die Berge ins Wanken geraten!
Jes 64,1 Komm schnell - so wie ein Feuer, das im Nu einen Reisighaufen verzehrt
und Wasser zum Sieden bringt! Lass deine Gegner erfahren, wer du bist. Die
Völker sollen vor dir zittern.
Jes 64,2 Denn du vollbringst so furchterregende Taten, wie wir sie uns nicht
vorstellen können. Ja, komm doch herab, lass vor deiner Erscheinung die Berge
ins Wanken geraten!
Jes 64,3 Denn noch nie hat man so etwas gehört. Seit die Erde steht, hat noch
niemand einen Gott wie dich gehört oder gesehen. Nur du kannst den Menschen, die
auf dich vertrauen, wirklich helfen.
Jes 64,4 Du stehst dem bei, der mit Freude das Rechte tut, der sich nach deinen
Geboten richtet und mit dir lebt. Aber auf uns, Herr, bist du zornig, und das
mit Recht: Wir haben gesündigt und uns völlig in unsere Irrwege verrannt.
Jes 64,5 In deinen Augen sind wir unrein geworden, selbst unsere guten Werke
sind bloß ein schmutziges Kleid. Wegen unserer Sünden sind wir wie verdorrtes
Laub, das zu Boden fällt und vom Wind weggeblasen wird.
Jes 64,6 Doch niemand sucht bei dir Hilfe, Herr. Keiner will an dir festhalten.
Denn du selbst hast dich von uns abgewandt. Du lässt uns die Folgen unserer
Sünden tragen, auch wenn wir dabei fast zusammenbrechen.
Jes 64,7 Dennoch bist du, Herr, unser Vater! Wir sind der Ton, und du bist der
Töpfer! Wir alle sind Gefäße aus deiner Hand.
Jes 64,8 Ach, Herr, sei nicht für immer zornig auf uns! Trag es uns nicht ewig
nach, dass wir gegen dich gesündigt haben! Sieh uns an, wir sind doch immer noch
dein Volk.
Jes 64,9 Die Städte deines heiligen Landes liegen verwüstet da. Jerusalem ist
zerstört; von der einst prächtigen Stadt auf dem Berg Zion stehen nur noch
Ruinen.
Jes 64,10 Und unser heiliger Tempel, dieser wunderbare Bau, in dem schon unsere
Vorfahren dich angebetet haben - er ist ein Raub der Flammen geworden. Die
vielen Stätten, an denen unser Herz hing, liegen unter den Trümmern begraben.
Jes 64,11 Herr, wie lange willst du noch warten? Wie lange schaust du noch
schweigend zu? Willst du uns ganz im Elend versinken lassen?
Jes 65,1 Der Herr spricht: »Von denen, die mich gar nicht gesucht haben, ließ
ich mich finden, und denen, die nie nach mir fragten, habe ich mich gezeigt. Zu
Menschen, die nicht aus meinem Volk waren, habe ich gesagt: ›Seht her, hier bin
ich!‹
Jes 65,2 Auch nach meinem eigenen Volk, das sich nichts sagen lässt, habe ich
meine Hände ausgestreckt. Immer wieder wollte ich sie einladen. Doch sie weisen
mich ständig ab, sie machen, was sie wollen, und gehen falsche Wege.
Jes 65,3 Dauernd fordern sie mich heraus. Sie opfern in den Gärten, die sie für
ihre Götzen angelegt haben, auf Ziegelsteinen verbrennen sie Weihrauch für ihre
Götter.
Jes 65,4 Sie sitzen in Grabhöhlen und übernachten an geheimen Orten, um mit
Geistern Verbindung aufzunehmen. Schweinefleisch essen sie und trinken Brühe vom
Fleisch, das heidnischen Götzen geweiht ist.
Jes 65,5 Begegnet man ihnen, dann rufen sie schon von weitem: ›Halt! Keinen
Schritt näher! Rühr mich nicht an, denn ich bin zu heilig für dich!‹ Diese Leute
sind wie beißender Rauch in meiner Nase, wie ein ständig schwelendes Feuer.
Jes 65,6 Ich habe ihre Gräueltaten aufschreiben lassen und komme erst zur Ruhe,
wenn ich ihnen alles heimgezahlt habe.
Jes 65,7 Die Folgen ihrer eigenen Sünden und die ihrer Vorfahren müssen sie dann
tragen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort. Denn schon ihre Väter haben auf
den Bergen Weihrauch für die Götzen verbrannt. Auf ihren heiligen Hügeln haben
sie mich verhöhnt. Doch nun will ich abrechnen! Alle früheren Untaten zahle ich
ihnen voll zurück.«
Jes 65,8 So spricht der Herr: »Solange in Trauben auch nur ein bisschen Saft
ist, sagt man: ›Wirf sie nicht weg, da ist noch etwas Gutes drin.‹ Genauso gehe
ich mit dem Volk Israel um: Ich will nicht das ganze Volk vernichten, denn es
gibt darin noch Menschen, die mir dienen.
Jes 65,9 Darum werde ich einige Nachkommen Jakobs am Leben erhalten, und einige
aus dem Stamm Juda werden meine Berge als Erbe erhalten. Mein auserwähltes Volk
wird das Land besitzen; alle, die mir dienen, dürfen dort wohnen.
Jes 65,10 Diese Menschen, die nach mir gefragt haben, weiden dann in der
Scharonebene ihre Schafe und Ziegen und im Achortal ihre Rinderherden.
Jes 65,11 Ganz anders aber wird es euch übrigen Israeliten gehen! Denn ihr kehrt
mir den Rücken und vergesst meinen heiligen Berg Zion. Ihr richtet reich
beladene Opfertische her und füllt ganze Krüge mit gewürztem Wein. Euren Glücks-
und Schicksalsgöttern Gad und Meni bringt ihr diese Opfer dar.
Jes 65,12 Hört, welches Schicksal ich für euch bestimme: Das Schwert wird euch
treffen! Man wird euch in die Knie zwingen und wie Opfertiere abschlachten. Denn
als ich euch rief, bekam ich keine Anwort; ich habe mit euch geredet, doch ihr
habt mir nicht zugehört. Lieber habt ihr getan, was ich hasse, und das
vorgezogen, was ich verabscheue.
Jes 65,13 Darum kündige ich, der Herr, euch an: Meine Diener, die treu zu mir
stehen, bekommen zu essen und zu trinken, ihr aber werdet Hunger und Durst
leiden. Sie werden fröhlich sein, ihr aber müsst euch schämen.
Jes 65,14 Ja, singen und jubeln werden sie vor Lebenslust, während ihr vor Leid
und Verzweiflung schreit.
Jes 65,15 Euer Name wird zum Fluchwort. ›Gott soll dich töten wie jene
Götzenverehrer!‹, werden meine erwählten Diener sagen, wenn sie einen Fluch
aussprechen. Denn ich, der Herr, werde euch töten. Doch denen, die treu zu mir
stehen, gebe ich einen Ehrennamen.
Jes 65,16 Wer dann in Israel jemandem etwas Gutes wünschen will, wird sagen:
›Der Gott, der seine Zusagen erfüllt, segne dich!‹ Und wer einen Eid leistet,
wird schwören bei ›dem Gott, der zu seinem Wort steht‹. Sie werden das frühere
Elend vergessen, und auch ich denke nicht mehr daran. Das verspreche ich, der
Herr!«
Jes 65,17 So spricht der Herr: »Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde
schaffen. An den alten Himmel und die alte Erde wird niemand mehr denken, sie
werden vergessen sein.
Jes 65,18 Freut euch und jubelt über das, was ich tue: Jerusalem wird von
fröhlichem Gesang erfüllt sein, und die Menschen sind voller Freude.
Jes 65,19 Auch ich werde jubeln über Jerusalem und über mein Volk glücklich
sein. Weinen und Klagen werden verstummen.
Jes 65,20 Dann wird kein Säugling mehr nur wenige Tage leben, und alte Menschen
sterben erst nach einem erfüllten Leben. Wer mit hundert Jahren stirbt, wird als
junger Mensch betrauert, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als von
Gott verflucht.
Jes 65,21 [21/22] Dann wird man sich Häuser bauen und sie auch selbst bewohnen,
kein Fremder lässt sich darin nieder. Man wird Weinberge anpflanzen und ihren
Ertrag selbst genießen. Kein Fremder isst von ihren Früchten. Denn in meinem
geliebten Volk werden die Menschen so alt wie Bäume und genießen die Frucht
ihrer Mühe.
Jes 65,23 Keine Arbeit ist dann mehr vergeblich. Die Kinder, die sie zur Welt
bringen, werden nicht mehr früh sterben. Denn sie sind das Volk, das ich, der
Herr, segne. Zusammen mit ihren Kindern und Enkeln werden sie im Land leben.
Jes 65,24 Ehe sie zu mir um Hilfe rufen, stehe ich ihnen bei, noch während sie
beten, habe ich sie schon erhört.
Jes 65,25 Wolf und Lamm werden friedlich zusammen weiden, der Löwe wird Heu
fressen wie ein Rind, und die Schlange wird sich von Erde ernähren. Sie werden
nichts Böses mehr tun und niemandem schaden auf meinem ganzen heiligen Berg.
Mein Wort gilt!«
Jes 66,1 So spricht der Herr: »Der Himmel ist mein Thron und die Erde mein
Fußschemel. Und da wollt ihr mir ein Haus bauen? An welchem Ort soll ich mich
denn niederlassen?
Jes 66,2 Ich habe das alles doch geschaffen, Himmel und Erde kommen aus meiner
Hand! Dennoch achte ich auf die Menschen, die in Not sind. Ja, ich kümmere mich
um die Verzweifelten und um alle, die voll Ehrfurcht auf meine Worte hören.
Jes 66,3 Aber die Opfer von Menschen, die eigene Wege gehen, verabscheue ich.
Sie schlachten ein Rind für mich, aber zugleich opfern sie ihren Göttern auch
Menschen. Sie bringen mir ein Schaf dar, aber heimlich opfern sie auch Hunde.
Mir setzen sie ein Speiseopfer vor, und zugleich gießen sie Schweineblut als
Trankopfer aus. Sie verbrennen Weihrauch für mich und preisen auch ihre Götzen.
Sie haben ihre Wahl getroffen: Ihnen gefällt alles, was ich hasse.
Jes 66,4 So habe auch ich für sie gewählt: Ich lasse Unheil über sie
hereinbrechen. All das, wovor ihnen graut, soll sie nun treffen. Denn als ich
sie rief, hat mir keiner geantwortet. Ich habe mit ihnen geredet, doch niemand
hat mir zugehört. Lieber haben sie getan, was ich hasse, und sich für das
entschieden, was ich verabscheue.«
Jes 66,5 Hört nun, was der Herr euch sagt, die ihr voll Ehrfurcht auf seine
Worte achtet: »Die Menschen eures eigenen Volkes hassen euch und stoßen euch
aus, weil ihr zu mir haltet. Ständig spotten sie: ›Soll der Herr doch seine
Macht zeigen und euch helfen, damit wir euch endlich einmal fröhlich sehen!‹
Doch es kommt die Zeit, da werden diese Spötter in Schimpf und Schande dastehen.
Jes 66,6 Hört ihr den Lärm in der Stadt? Er kommt vom Tempel her. Ich, der Herr,
halte Gericht! Mein Vergeltungsschlag trifft alle meine Feinde.
Jes 66,7 [7/8] Kann eine Frau ein Kind gebären, noch ehe die Wehen über sie
kommen? Wer hat so etwas schon gesehen oder davon gehört? Kann ein ganzes Land
an einem einzigen Tag zur Welt kommen? Wird ein Volk in einem Augenblick
geboren? Ja, Zion wird es so ergehen! Kaum spürt sie die ersten Wehen - schon
sind ihre Kinder da.
Jes 66,9 Warum sollte ich diese Geburt erst einleiten und dann im letzten Moment
noch verhindern? Meint ihr, ich verschließe den Mutterleib, damit das Kind nicht
zur Welt kommt - ich, euer Gott?
Jes 66,10 Freut euch mit Jerusalem! Jubelt über diese Stadt, alle, die ihr sie
liebt! Früher habt ihr um sie getrauert, doch jetzt dürft ihr singen und jubeln
vor Freude.
Jes 66,11 Lasst euch von ihr trösten wie ein Kind an der Mutterbrust. Trinkt
euch satt! Genießt die Pracht dieser Stadt!
Jes 66,12 Denn ich, der Herr, sage euch: Frieden und Wohlstand werden Jerusalem
überfluten wie ein großer Strom. Ich lasse den Reichtum der Völker hereinfließen
wie einen nie versiegenden Bach. Und an dieser Fülle dürft ihr euch satt
trinken. In dieser Stadt werdet ihr euch wie Kinder fühlen, die ihre Mutter auf
den Armen trägt, auf den Schoß nimmt und liebkost.
Jes 66,13 Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind. Die neue Pracht
Jerusalems lässt euch den Kummer vergessen.
Jes 66,14 Wenn ihr das alles seht, werdet ihr wieder von Herzen fröhlich sein,
und neue Lebenskraft wird euch durchströmen.« Dann zeigt der Herr seinen treuen
Dienern, wie mächtig er ist; seine Feinde aber werden seinen Zorn spüren.
Jes 66,15 Denn der Herr kommt, umgeben von loderndem Feuer, seine Kriegswagen
brausen daher wie ein Sturm. Er kommt in glühendem Zorn, um Vergeltung zu üben.
Sein Drohen ist wie ein schreckliches Feuer!
Jes 66,16 Ja, mit Feuer und Schwert hält der Herr Gericht über alle Menschen,
und viele sterben, wenn er zuschlägt.
Jes 66,17 Er bestraft alle, die sich anderen Göttern weihen. Sie nehmen
Reinigungszeremonien auf sich, um Zugang zu den »heiligen Gärten« zu haben. Dort
sitzen sie um ihren Meister herum, essen Schweinefleisch, Mäuse und andere
unreine Speisen. Darum sagt der Herr: »Auf sie alle wartet ein schreckliches
Ende.
Jes 66,18 Ich weiß, was sie treiben, und kenne ihre Gedanken!«»Ich komme, um
Menschen aller Völker und Sprachen zu versammeln. Von überall strömen sie herbei
und sehen meine Größe und Macht.
Jes 66,19 Ich werde den Völkern ein deutliches Zeichen meiner Macht geben:
Einige aus meinem Volk, die dem Gericht entronnen sind, sende ich in solche
Länder, wo man noch nichts von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht
gesehen hat. Sie werden nach Tarsis in Spanien reisen, zu den Libyern und
Lydern, den berühmten Bogenschützen; sie werden vordringen bis zum Stamm der
Tibarener am Schwarzen Meer und auch nach Griechenland. Allen diesen Völkern
sollen sie von meiner Größe und Macht erzählen.
Jes 66,20 Dann werden sie die Menschen eures Volkes, die noch über die ganze
Welt zerstreut sind, zurückbringen nach Jerusalem. Auf Pferden und in Wagen
reisen sie, in Sänften werden sie getragen; auf Maultieren und Kamelen wird man
sie nach Jerusalem führen. Wie ihr Israeliten eure Opfergaben in reinen Gefäßen
zu meinem Tempel bringt, so bringen diese Völker die Menschen eures Volkes aus
der ganzen Welt zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem, um sie mir als Gabe zu
weihen.
Jes 66,21 Auch aus diesen fremden Völkern wähle ich mir einige als Priester und
Leviten aus.
Jes 66,22 So wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich schaffe, nie mehr
vergehen, genauso wenig werden eure Nachkommen untergehen. Euer Volk wird für
immer bestehen. Dafür bürge ich, der Herr.
Jes 66,23 Jeden Monat am Neumondfest und auch an jedem Sabbat werden alle
Menschen nach Jerusalem kommen, um mich dort im Tempel anzubeten.
Jes 66,24 Sie werden vor die Stadt hinausgehen und die Leichen jener Menschen
sehen, die sich zu Lebzeiten gegen mich aufgelehnt haben. Ihr Anblick wird bei
allen Abscheu und Entsetzen hervorrufen. Denn für diese Verdammten wird die Qual
nie enden, sie brennen in ewigem Feuer.«
Jer 1,1 In diesem Buch sind die Worte Jeremias aufgeschrieben. Er war ein Sohn
Hilkijas und stammte aus einer Priesterfamilie aus Anatot, das im Stammesgebiet
von Benjamin liegt.
Jer 1,2 Jeremia empfing Botschaften vom Herrn ab dem 13. Regierungsjahr des
judäischen Königs Josia, des Sohnes Amons.
Jer 1,3 Auch später noch sprach der Herr zu Jeremia, während der Regierungszeit
des judäischen Königs Jojakim, des Sohnes Josias, bis zum 5. Monat des 11.
Regierungsjahres König Zedekias, der auch ein Sohn Josias war. In diesem Monat
wurden die Einwohner Jerusalems in die Verbannung geführt.
Jer 1,4 Eines Tages sprach der Herr zu mir:
Jer 1,5 »Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und
ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt. Du sollst ein Prophet sein, der
den Völkern meine Botschaften verkündet.«
Jer 1,6 Ich aber erwiderte: »O nein, mein Herr und Gott! Ich habe keine
Erfahrung im Reden, denn ich bin noch viel zu jung!«
Jer 1,7 Doch der Herr entgegnete: »Sag nicht: Ich bin zu jung! Zu allen
Menschen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen und ihnen alles verkünden,
was ich dir sagen werde.
Jer 1,8 Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen.
Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Jer 1,9 Er streckte mir seine Hand entgegen, berührte meinen Mund und sagte:
»Ich lege dir meine Worte in den Mund
Jer 1,10 und gebe dir Vollmacht über Völker und Königreiche. Du wirst sie
niederreißen und entwurzeln, zerstören und stürzen, aber auch aufbauen und
einpflanzen!«
Jer 1,11 Dann fragte er mich: »Jeremia, was siehst du dort?« »Einen
Mandelbaumzweig, dessen Blüten bald aufgehen.«
Jer 1,12 »Richtig!«, sagte er. »Genauso wird alles in Erfüllung gehen, was ich
ankündige. Dafür sorge ich.«
Jer 1,13 Wieder fragte mich der Herr: »Jeremia, was siehst du dort?« »Ich sehe
einen Topf mit kochendem Wasser, der vom Norden her kommt und umkippt.«
Jer 1,14 Da sprach der Herr zu mir: »Aus dem Norden wird das Unheil über alle
Bewohner dieses Landes hereinbrechen.
Jer 1,15 Denn ich rufe alle Völker aus dem Norden herbei - sie werden
heranziehen, und jeder König wird seinen Thron vor den Toren Jerusalems
aufstellen. Dann rücken ihre Soldaten gegen Jerusalem und gegen alle Städte in
Juda vor.
Jer 1,16 Ich werde mein Volk verurteilen für alles, was sie getan haben: Mich
haben sie verlassen, anderen Göttern Weihrauch geopfert und sich vor selbst
gemachten Götzenstatuen niedergeworfen.
Jer 1,17 Und nun mach dich auf, geh zu ihnen und verkünde ihnen alles, was ich
dir auftrage! Fürchte dich nicht vor ihnen, sonst sorge ich dafür, dass du noch
viel mehr Angst bekommst, wenn sie dir gegenüberstehen.
Jer 1,18 Ich mache dich stark, Jeremia, stark wie eine Festung, wie eine Säule
aus Eisen, wie eine Mauer aus Bronzeplatten. Denn du wirst allein gegen das
ganze Land stehen, gegen die Könige Judas und die führenden Männer, gegen die
Priester und gegen das Volk.
Jer 1,19 Sie alle werden dich bekämpfen - doch ohne Erfolg, denn ich stehe dir
bei und beschütze dich. Das verspreche ich dir.«
Jer 2,1 Der Herr befahl mir:
Jer 2,2 »Geh nach Jerusalem, und rufe den Menschen dort zu: So spricht der Herr:
Ich denke daran, Israel, wie du mir treu gewesen bist, als du noch jung warst.
Du liebtest mich wie eine Braut ihren Bräutigam. Selbst durch die Wüste bist du
mit mir gegangen, dorthin, wo man weder sät noch erntet.
Jer 2,3 Du gehörtest mir allein, so wie die ersten Früchte der Ernte mir
gehören. Wer sich an dir vergriff, machte sich schuldig, und ich brachte Unheil
über ihn.
Jer 2,4 Hört, was ich euch sage, ihr Nachkommen Jakobs, ihr Sippen Israels:
Jer 2,5 Was habe ich euren Vorfahren Böses getan, dass sie sich so weit von mir
entfernten? Sie liefen einem Trugbild nach, sie verehrten andere Götter und
betrogen sich selbst damit.
Jer 2,6 Von mir wollten sie nichts mehr wissen, dabei hatte ich sie doch aus
Ägypten geführt, durch die Wüste hatte ich sie geleitet, durch ein dürres und
zerklüftetes Land, das trocken und dunkel ist, das niemand durchwandert und wo
kein Mensch wohnt.
Jer 2,7 Ich brachte euch in ein fruchtbares Land, damit ihr seine besten Früchte
genießen könnt. Doch kaum wart ihr angekommen, da habt ihr es entweiht; mein
eigenes Land habt ihr zu einem Ort gemacht, den ich verabscheue.
Jer 2,8 Die Priester haben nicht nach mir gefragt, sie, die mit dem Gesetz
vertraut sein sollten, kannten mich nicht einmal! Die Führer meines Volkes haben
sich gegen mich aufgelehnt, und die Propheten haben im Namen des Gottes Baal
geweissagt, nutzlosen Götzen sind sie nachgelaufen!
Jer 2,9 Darum muss ich euch weiterhin anklagen, euch und sogar noch eure Enkel!
Jer 2,10 Fahrt doch einmal übers Meer nach Zypern, sendet Boten ins Wüstenland
Kedar, und forscht nach, ob es so etwas jemals gab:
Jer 2,11 Hat eines dieser Völker je seine Götter gewechselt? Und dabei sind sie
doch gar keine Götter! Mein Volk aber hat seinen herrlichen Gott mit einem
Götzen vertauscht, der ihm nicht helfen kann!
Jer 2,12 Entsetzt euch darüber, ihr Himmel, zittert vor Schreck und Empörung!
Jer 2,13 Denn mein Volk hat eine doppelte Sünde begangen: Erst haben sie mich
verlassen, die Quelle mit frischem Wasser, und dann haben sie sich rissige
Zisternen ausgehauen, die das Wasser nicht halten.«
Jer 2,14 »Israel, bist du denn ein Knecht, schon als Sklave geboren, dass jeder
dich als Beute nimmt?
Jer 2,15 Deine Feinde brüllen wie die Löwen, sie brüllen und verwüsten dein
Land, die Städte sind niedergebrannt und menschenleer.
Jer 2,16 Die Ägypter aus Memfis und Tachpanhes kommen und scheren dir den Kopf
kahl.
Jer 2,17 Das alles hast du dir selbst zuzuschreiben, weil du mich, den Herrn,
verlassen hast, deinen Gott, der dich so sicher geführt hat!
Jer 2,18 Was versprichst du dir davon, nach Ägypten und Assyrien zu reisen?
Willst du etwa aus dem Nil und aus dem Euphrat trinken?
Jer 2,19 Deine eigene Bosheit wird dich strafen, deine Untreue bringt dich zu
Fall: Erkenne doch, wie schmerzlich und bitter es ist, dass du mich, den Herrn,
deinen Gott, verlassen hast und mir keine Ehrfurcht mehr erweist. Das sage ich,
der allmächtige Herr und Gott.
Jer 2,20 Schon seit jeher hast du dich geweigert, mir zu dienen, du hast dich
losgerissen, dich von mir befreit wie von einem drückenden Joch. Und dann warfst
du dich anderen Göttern an den Hals wie eine Hure. Auf allen Hügeln und unter
jedem dicht belaubten Baum bautest du deine Altäre auf.
Jer 2,21 Ich hatte dich als edlen Weinstock eingepflanzt, als Rebe aus bester
Züchtung. Wie kommt es dann, dass du zu einem wilden Weinstock wurdest, zu einer
schlechten Rebe?
Jer 2,22 Du kannst dich waschen, soviel du willst, mit Seife, sogar mit
Natronlauge - den Schmutz deiner Schuld wirst du nicht los, das sage ich, der
Herr!
Jer 2,23 Wie kannst du da behaupten: ›Ich habe nichts getan! Niemals bin ich
anderen Göttern nachgelaufen.‹ ? Führ dir doch vor Augen, was du da unten im
Hinnomtal treibst, denk über deine Taten nach! Du bist wie eine brünstige
Kamelstute, die ständig hin und her läuft,
Jer 2,24 wie eine wilde Eselin, die jeden Pfad in der Wüste kennt; vor Gier
schnappt sie nach Luft, und niemand kann sie zurückhalten. Kein Hengst, der sie
sucht, muss sich müde laufen: In ihrer Brunstzeit wird er sie schnell finden.
Jer 2,25 Israel, lauf dir nicht die Füße wund, sieh zu, dass du nicht
verdurstest, wenn du den Göttern hinterherrennst! Du aber sagst: ›Es hat keinen
Zweck, mich zu ermahnen! Ich liebe sie nun einmal, die anderen Götter, und
hinter ihnen bin ich her!‹
Jer 2,26 Doch wie ein Dieb, der auf frischer Tat ertappt wird, kleinlaut
dasteht, so wird auch Israel sich schämen: die Könige und führenden Männer, die
Priester und Propheten,
Jer 2,27 sie, die zu einer Holzstatue sagen: ›Du bist mein Vater!‹, und zu einer
Steinsäule: ›Du hast mir das Leben geschenkt!‹ Mir kehren sie nur noch den
Rücken zu. Doch wenn sie in Not geraten, dann schreien sie zu mir: ›O Herr,
rette uns!‹
Jer 2,28 Ihr Judäer, wo sind nun eure Götter, die ihr euch selbst angefertigt
habt? Sollen sie doch kommen und euch aus dem Unglück retten! Denn ihr habt so
viele Götter wie Städte im Land!
Jer 2,29 Warum klagt ihr mich an? Schließlich habt ihr alle mich verlassen!
Jer 2,30 Vergeblich habe ich euch geschlagen, ihr wolltet euch nicht ändern. Ich
sandte Propheten zu euch, doch ihr habt euch auf sie gestürzt wie wilde Löwen
und sie mit euren Schwertern umgebracht.
Jer 2,31 Ihr seid ein Volk von Mördern! Hört, was ich, der Herr, euch sage: War
ich etwa gefährlich für euch wie die Wüste, wie ein Land, in dem Finsternis
herrscht? Warum ruft ihr denn: ›Wir wollen weg von dir und kehren nie wieder
zurück!‹
Jer 2,32 Vergisst ein Mädchen seinen Schmuck oder eine Braut ihr Hochzeitskleid?
Mein Volk jedoch hat mich seit langer Zeit vergessen!
Jer 2,33 Überall hast du nach Liebhabern gesucht, Israel - und hattest Erfolg
damit! Selbst vor Verbrechen schreckst du nicht zurück.
Jer 2,34 Das Blut unschuldiger, armer Menschen klebt an deinen Kleidern. Sie
waren keine Einbrecher, du hast sie nicht in Notwehr getötet. Doch trotz allem
Jer 2,35 behauptest du: ›Ich habe nichts getan! Gott wird schon nicht länger
zornig auf mich sein!‹ Aber ich werde dich zur Rechenschaft ziehen, gerade weil
du dich für unschuldig hältst!
Jer 2,36 Warum läufst du überall umher und suchst einen Bündnispartner? Ägypten
wird dich genauso bitter enttäuschen, wie Assyrien es tat!
Jer 2,37 Auch von dort wirst du völlig verzweifelt zurückkehren. Denn ich, der
Herr, will von diesen Völkern, auf die du dein Vertrauen setzt, nichts wissen,
du wirst mit ihnen kein Glück haben!«
Jer 3,1 So spricht der Herr: »Wenn ein Mann sich von seiner Frau scheiden lässt
und sie einen anderen heiratet, darf er sie dann später wieder zur Frau nehmen?
Würde dadurch nicht das ganze Land entweiht? Du aber, Volk Israel, hast dich mit
vielen Liebhabern eingelassen - und jetzt willst du zu mir zurückkommen?
Jer 3,2 Sieh dich doch um! Kannst du mir einen Hügel nennen, auf dem du nicht
Ehebruch begangen und andere Götter angebetet hast? Wie die Araber in der Wüste
im Hinterhalt auf Beute lauern, so hast du ständig Ausschau nach deinen
Liebhabern gehalten. Mit deiner Hurerei und Bosheit hast du das ganze Land
entweiht.
Jer 3,3 Darum sind auch die Herbst- und Frühjahrsregen ausgeblieben. Doch du
bist eine richtige Hure: Du kennst keine Scham!
Jer 3,4 Und jetzt plötzlich rufst du zu mir: ›Mein Vater! Du liebst mich doch
von meiner Kindheit an!
Jer 3,5 Du wirst doch nicht für immer zornig auf mich sein! Willst du mir nie
mehr vergeben?‹ Jawohl, so redest du, und dabei treibst du es mit deiner Bosheit
immer weiter und setzt deinen Kopf durch.«
Jer 3,6 Während der Regierungszeit König Josias sprach der Herr zu mir: »Hast du
gesehen, wie Israel mir die Treue bricht? Auf jedem Hügel, unter jedem dicht
belaubten Baum, überall betrügt sie mich mit ihren Liebhabern.
Jer 3,7 Ich dachte: ›Bestimmt kehrt sie wieder zu mir zurück, wenn sie genug
davon hat.‹ Aber sie kam nicht! Juda, Israels Schwester, die ebenso treulos ist
wie sie, sah zu.
Jer 3,8 Sie sah auch, wie ich Israel die Scheidungsurkunde gab und sie wegjagte,
weil sie die Ehe gebrochen hatte. Doch Juda ließ sich davon nicht abschrecken:
Auch sie wurde mir untreu und fing an, Hurerei zu treiben.
Jer 3,9 Dabei kannte sie keine Scham! Holz- und Steinfiguren hat sie verehrt und
den Bund mit mir gebrochen. So entweihte sie das Land.
Jer 3,10 Und danach kehrte sie zu mir, dem Herrn, zurück, aber es war nur
geheuchelt.«
Jer 3,11 Weiter sprach der Herr zu mir: »Israel hat sich zwar von mir losgesagt,
aber trotz allem kann sie eher vor mir bestehen als Juda, diese treulose Frau!
Jer 3,12 Deshalb ruf dem Nordreich Israel zu: So spricht der Herr: Komm zurück
zu mir! Du warst mir untreu, doch ich will nicht länger zornig auf dich sein!
Denn ich bin ein barmherziger Gott und werde dir vergeben.
Jer 3,13 Nur - bekenne offen deine Schuld! Gib zu, dass du dich von mir, deinem
Gott, losgesagt hast, dass du hinter anderen Göttern hergelaufen bist und nicht
mehr auf mich hören wolltest.
Jer 3,14 Kehr um, abtrünniges Volk, denn ich bin immer noch dein Herr! Ich werde
aus jeder Stadt und aus jeder Sippe einige von euch zum Berg Zion zurückbringen.
Jer 3,15 Dann setze ich wieder Könige über euch ein, die euch weise und
verständig regieren, so wie es mir gefällt.
Jer 3,16 Ich verspreche euch: Wenn ihr dann zahlreich geworden seid und euch im
Land ausgebreitet habt, dann werdet ihr nicht mehr nach der Bundeslade fragen,
sie kommt euch nicht mehr in den Sinn. Ihr werdet sie nicht vermissen und auch
keine neue anfertigen.
Jer 3,17 Denn in jener Zeit wird man ganz Jerusalem ›Thron des Herrn‹ nennen,
und alle Völker werden sich dort versammeln, um mich anzubeten. Sie werden nicht
länger das tun, wozu ihr böses und eigensinniges Herz sie treibt.
Jer 3,18 Dann werden Juda und Israel sich wieder zusammenschließen; gemeinsam
kehrt ihr aus dem Norden in das Land zurück, das ich euren Vorfahren für immer
geschenkt habe.
Jer 3,19 Israel, ich wollte dich als mein Kind annehmen und dir ein herrliches
Land geben, das prächtigste weit und breit. Ich dachte, du würdest mich dann
›Vater‹ nennen und dich nicht mehr von mir abwenden.
Jer 3,20 Doch wie eine Frau ihren Mann betrügt, so bist auch du mir untreu
geworden.
Jer 3,21 Hört ihr die Schreie auf den kahlen Hügeln? Die Israeliten weinen und
flehen um Gnade, denn sie sind in die Irre gegangen und haben mich, den Herrn,
ihren Gott, vergessen.
Jer 3,22 Kehrt um zu mir, ihr Kinder, die ihr von mir weggelaufen seid, ich will
euch von eurer Untreue heilen!« »Ja, wir kommen zu dir, o Herr, denn nur du bist
unser Gott!
Jer 3,23 Es ist wahr: Die Götter, zu denen wir auf den Hügeln laut geschrien
haben, helfen uns nicht. Nur bei dir, Herr, dem Gott Israels, finden wir
Rettung!
Jer 3,24 Wir haben diesem schrecklichen Gott Baal gedient und ihm alles
hergegeben, was wir seit Generationen mühsam erworben haben: unseren ganzen
Besitz, unsere Schafe und Rinder. Ja, sogar unsere Söhne und Töchter haben wir
ihm geopfert.
Jer 3,25 Nun liegen wir am Boden und schämen uns. Welch eine Schande! Wir haben
gegen dich, den Herrn, unseren Gott, gesündigt, wir und unsere Vorfahren, von
jeher bis heute. Wir haben nicht auf dich gehört, Herr, unser Gott!«
Jer 4,1 Der Herr lässt dir verkünden: »Kehr um, Israel, komm zurück zu mir! Wirf
deine abscheulichen Götzen weg, und wende dich nicht länger von mir ab.
Jer 4,2 Wenn du bei meinem Namen schwörst, sei aufrichtig, ehrlich und halte
dich daran. Dann werden auch die anderen Völker einander in meinem Namen Segen
wünschen und sich glücklich schätzen, mich zu kennen.
Jer 4,3 Ich, der Herr, sage zu den Bewohnern von Juda und Jerusalem: Pflügt
neues Land, streut eure Saat dort aus und nicht im Dornengestrüpp!
Jer 4,4 Haltet euch an euren Bund mit mir, wendet euch von ganzem Herzen mir zu!
Wenn ihr nicht von euren falschen Wegen umkehrt, entbrennt mein Zorn wie ein
Feuer, das niemand löschen kann.«
Jer 4,5 »Schlagt Alarm in Juda und in Jerusalem! Blast das Signalhorn überall im
Land! Ruft, so laut ihr könnt: ›Sammelt euch und flieht in die befestigten
Städte!‹
Jer 4,6 Stellt Wegweiser nach Zion auf! Lauft und bleibt nicht stehen! Denn aus
dem Norden bringe ich, der Herr, schreckliches Unheil und Zerstörung über das
Land.
Jer 4,7 Ein Löwe kommt aus seinem Versteck und geht auf Raubzug: Ganze Völker
will er verschlingen. Ja, er verlässt sein Versteck, um euer Land zu verwüsten!
Zerstört und entvölkert wird er eure Städte zurücklassen.
Jer 4,8 Zieht Trauerkleider an, weint und klagt: ›Immer noch lastet Gottes
glühender Zorn auf uns!‹
Jer 4,9 Wenn das geschieht, werden der König und die führenden Männer allen Mut
verlieren, die Priester werden entsetzt sein und die Propheten starr vor
Schreck. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Jer 4,10 »Herr, allmächtiger Gott«, rief ich, »du hast dieses Volk und die
Einwohner Jerusalems getäuscht! Frieden hast du ihnen versprochen, und nun sitzt
ihnen das Messer an der Kehle!«
Jer 4,11 Der Herr erwiderte: »Wenn es so weit ist, wird man den Einwohnern
Jerusalems und dem ganzen Volk zurufen: ›Ein Glutwind kommt von den kahlen Höhen
in der Wüste!‹ Er wird meinem Volk direkt ins Gesicht blasen. Es ist kein Wind,
mit dem man Spreu und Weizen voneinander trennen kann,
Jer 4,12 dazu ist er zu stark. Er kommt auf meinen Befehl. Jetzt werde ich mein
Urteil über euch vollstrecken!
Jer 4,13 Ihr schreit: ›Seht! Der Feind rückt heran wie eine Gewitterfront! Seine
Streitwagen brausen daher wie ein Wirbelsturm, seine Pferde sind schneller als
Adler! Wir sind dem Untergang geweiht, wir sind verloren!‹
Jer 4,14 Jerusalem, reinige dein Herz von aller Bosheit, damit du gerettet
wirst! Wie lange noch willst du Unheil ausbrüten?
Jer 4,15 Boten kommen aus der Stadt Dan und vom Bergland Ephraim. Sie bringen
eine Schreckensnachricht:
Jer 4,16 ›Meldet Jerusalem und den umliegenden Völkern: Aus einem fernen Land
rückt ein Heer zur Eroberung heran!‹ Vor den Städten Judas werden sie das
Kriegsgeschrei anstimmen,
Jer 4,17 sich aufstellen und sie umringen wie Wächter, die ein Feld bewachen;
denn dieses Volk hat sich gegen mich aufgelehnt.
Jer 4,18 Das alles habt ihr euch selbst zu verdanken, eure eigenen Taten und
Irrwege haben es euch eingebracht. Nun bekommt ihr den Lohn für eure Bosheit und
müsst spüren, wie bitter und schmerzlich es ist, mich zu verlassen!«
Jer 4,19 Ich winde mich vor Schmerzen und leide Qualen. Das Herz klopft mir bis
zum Hals. Ich kann nicht schweigen, denn ich höre das Signalhorn und das
Kriegsgeschrei!
Jer 4,20 Man meldet eine Niederlage nach der anderen, das ganze Land ist schon
verwüstet! Ganz plötzlich wurden unsere Zelte zerstört und ihre Decken zerfetzt.
Jer 4,21 Wie lange muss ich die Feldzeichen der Feinde noch sehen und ihre
Signalhörner hören?
Jer 4,22 Der Herr spricht: »Mein Volk ist töricht und verbohrt, sie wollen mich
nicht kennen. Sie sind wie unverständige und dumme Kinder. Böses zu tun, daran
haben sie sich gewöhnt, aber wie man Gutes tut, das wissen sie nicht mehr!«
Jer 4,23 Ich sah die Erde an - sie war leer und ohne Leben. Ich blickte zum
Himmel empor - dort schien kein Stern.
Jer 4,24 Ich schaute zu den Bergen hinüber - sie bebten, und alle Hügel
schwankten.
Jer 4,25 Im ganzen Land gab es keine Menschen mehr, selbst die Vögel waren
fortgeflogen.
Jer 4,26 Die einst fruchtbaren Felder waren eine trostlose Wüste, und die Städte
lagen in Trümmern. Das hat der Herr getan in seinem glühenden Zorn.
Jer 4,27 Er sprach: »Ich will dieses Land verwüsten - doch nicht ganz und gar!
Jer 4,28 Die Erde trauert, und der Himmel verfinstert sich. Ich, der Herr, habe
den Befehl dazu gegeben und bereue es nicht. Mein Entschluss steht fest.
Jer 4,29 Die Reiter und Bogenschützen stürmen mit lautem Geschrei heran, die
Einwohner der Städte fliehen in die dichten Wälder und verstecken sich in
Höhlen. Alle Städte sind verlassen und unbewohnt.
Jer 4,30 Aber du, Jerusalem, was machst du da? Deine Eroberer stehen schon vor
der Tür, und du ziehst dein leuchtend rotes Festkleid an, hängst dir goldenen
Schmuck um den Hals und schminkst deine Augen? Umsonst machst du dich schön!
Deine Liebhaber haben dich satt, jetzt trachten sie dir nach dem Leben.«
Jer 4,31 Da, ein Schrei wie von einer Frau, die zum ersten Mal in den Wehen
liegt! Es ist die Stadt Jerusalem. Sie ringt nach Luft, streckt Hilfe suchend
ihre Hände aus und ruft: »Ich bin verloren! Sie bringen mich um!«
Jer 5,1 »Geht doch einmal durch die Straßen von Jerusalem, und schaut euch um!
Sucht alle Plätze ab! Wenn ihr auch nur einen Einzigen findet, der sich an das
Recht hält und auf den man sich verlassen kann, dann will ich ganz Jerusalem
vergeben.
Jer 5,2 Denn die Leute in dieser Stadt lügen selbst dann noch, wenn sie bei
meinem Namen schwören.«
Jer 5,3 Doch du, Herr, suchst nach aufrichtigen Menschen. Du hast dieses Volk
geschlagen, aber sie haben sich nicht davon beeindrucken lassen; du hast sie
fast ausgelöscht, und doch blieben sie unbelehrbar und starrsinnig. Sie weigern
sich beharrlich, zu dir umzukehren.
Jer 5,4 Ich dachte: »So sind nur die Ungebildeten, die den Willen des Herrn und
die Gebote ihres Gottes nicht kennen.
Jer 5,5 Ich will mich an die führenden Männer dieses Volkes wenden und mit ihnen
reden. Sie kennen ja den Willen Gottes und wissen, was er im Gesetz von ihnen
verlangt.« Doch gerade sie wollen von Gott nichts mehr wissen. Seine Gebote sind
für sie wie ein schweres Joch, das sie abgeworfen haben.
Jer 5,6 »Darum werden die Feinde kommen und sie zerreißen wie Löwen, die
plötzlich aus dem Dickicht springen, wie Steppenwölfe werden sie über sie
herfallen und wie Panther draußen vor der Stadt lauern. Wer hinausgeht, wird
zerfleischt. Denn dieses Volk hat große Schuld auf sich geladen und mir immer
wieder die Treue gebrochen.
Jer 5,7 Wie sollte ich euch da vergeben? Ihr habt mich verlassen und schwört bei
Göttern, die keine sind. Ich habe euch genug zu essen gegeben - und ihr? Ihr
treibt Ehebruch und lauft scharenweise ins Hurenhaus!
Jer 5,8 Ihr seid wie überfütterte, geile Hengste: Jeder wiehert nach der Frau
des anderen.
Jer 5,9 Und das sollte ich ungestraft lassen? Muss ich ein solches Volk nicht
zur Rechenschaft ziehen?
Jer 5,10 Zerstört die Mauern dieses Weinbergs, doch verwüstet ihn nicht ganz.
Reißt seine Ranken ab, denn er gehört mir nicht mehr!«
Jer 5,11 »Ich, der Herr, sage: Die Bewohner von Juda und Israel sind mir untreu
geworden.
Jer 5,12 Mich, ihren Herrn, haben sie verleugnet, als sie behaupteten: ›Er
kümmert sich um nichts! Uns wird schon kein Unglück treffen. Von Krieg und
Hungersnot bleiben wir verschont.
Jer 5,13 Was die Propheten uns angedroht haben, ist leeres Geschwätz! Gott
spricht nicht durch sie. Das Unheil soll sie selbst treffen!‹«
Jer 5,14 Doch der Herr, der allmächtige Gott, hat zu mir gesagt: »Weil dieses
Volk so vermessen redet, lasse ich deine Worte zu einem Feuersturm werden. Das
Volk mache ich zu Brennholz, das vom Feuer verzehrt wird.
Jer 5,15 Hört, ihr Israeliten, ich sorge dafür, dass ein Volk von weither kommt
und in euer Land einfällt. Das Volk ist sehr viel älter als ihr, es ist
unbezwingbar, und seine Sprache versteht ihr nicht.
Jer 5,16 Seine Bogenschützen treffen mit tödlicher Sicherheit, und die Soldaten
sind alle erfahrene Kämpfer.
Jer 5,17 Dieses Volk wird eure Ernte und eure Vorräte vernichten, eure Söhne und
Töchter töten, eure Schafe und Rinder schlachten und eure Weinstöcke und
Feigenbäume umhauen. Eure befestigten Städte, auf die ihr euch verlasst, wird es
blutig erobern.
Jer 5,18 Doch auch dann werde ich euch, mein Volk, nicht völlig auslöschen.
Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Jer 5,19 Und wenn sie dich, Jeremia, fragen: ›Warum hat uns Gott, der Herr, dies
angetan?‹, dann sollst du antworten: ›Ihr habt ihn verlassen und in eurem
eigenen Land fremden Göttern gedient, nun müsst ihr in einem anderen Land
fremden Herren dienen!‹
Jer 5,20 Verkündet den Nachkommen Jakobs, sagt dem Volk von Juda:
Jer 5,21 Hört, ihr Leute ohne Sinn und Verstand! Ihr habt Augen und Ohren, und
trotzdem seht und hört ihr nicht!
Jer 5,22 Ich, der Herr, frage euch: Solltet ihr mich nicht fürchten und vor mir
zittern? Ich habe dem Meer eine Grenze aus Sand gesetzt, die es niemals
überschreiten kann. Wie wild seine Wellen auch toben, wie hoch die Wogen sich
auch türmen - über die Grenze kommen sie nicht hinaus.
Jer 5,23 Aber ihr wagt es, euch gegen mich aufzulehnen, und geht eigene Wege.
Ihr seid stur und widerspenstig.
Jer 5,24 Keiner von euch sagt: ›Wir sollten dem Herrn, unserem Gott, mit
Ehrfurcht begegnen! Denn er sendet uns den Herbst- und Frühjahrsregen zur
rechten Zeit und lässt Jahr für Jahr die Früchte reifen, damit wir sie ernten
können.‹
Jer 5,25 Aber nun sind Regen und Ernte ausgeblieben, weil ihr so viel Schuld auf
euch geladen habt.
Jer 5,26 Ja, in meinem Volk gibt es gewissenlose Menschen, die wie Vogelfänger
auf der Lauer liegen. Sie warten darauf, dass ihnen Menschen in die Falle
laufen.
Jer 5,27 Ihre Häuser sind vollgestopft wie der Käfig eines Vogelfängers, sie
häufen dort ihren Besitz auf, den sie mit Trug und List erbeutet haben. Mächtig
und reich sind sie geworden,
Jer 5,28 fett und feist. Ihre Bosheit kennt keine Grenzen. Sie verhelfen keinem
Waisenkind zu seinem Recht, den Armen verweigern sie jede Gerechtigkeit.
Jer 5,29 Und das sollte ich ungestraft lassen? Muss ich ein solches Volk nicht
zur Rechenschaft ziehen?
Jer 5,30 Was in diesem Land geschieht, ist abscheulich und unerhört:
Jer 5,31 Die Propheten weissagen im Namen der Lüge, die Priester herrschen
eigenmächtig, und meinem Volk gefällt das auch noch. Doch was werden sie tun,
wenn das Ende kommt?«
Jer 6,1 »Flieht, ihr Leute von Benjamin, lauft weg aus Jerusalem! Blast das
Signalhorn in Tekoa, richtet oberhalb von Bet-Kerem Zeichen auf, die den
Menschen den Fluchtweg weisen. Denn von Norden her droht euch Unheil, euer
Untergang naht!
Jer 6,2 Jerusalem ist schön und verwöhnt, doch ich mache die Stadt auf dem Berg
Zion dem Erdboden gleich.
Jer 6,3 Hirten ziehen mit ihren Herden heran, schlagen ringsumher die Zelte auf
und weiden Jerusalem ab, ein jeder bekommt seinen Anteil.
Jer 6,4 ›Los‹, sagen sie, ›bereitet den Angriff vor! Noch am Mittag stürmen wir
die Stadt!‹ ›Zu spät! Der Tag ist vergangen, es wird schon dunkel.‹
Jer 6,5 ›Dann greifen wir eben bei Nacht an und legen die Paläste Jerusalems in
Trümmer.‹
Jer 6,6 Ich, der allmächtige Gott, habe ihnen befohlen: ›Fällt Bäume, und
schüttet einen Belagerungswall auf!‹ Diese Stadt hat die Strafe verdient, denn
in ihr herrscht nichts als Unterdrückung!
Jer 6,7 Wie aus einem Brunnen Wasser fließt, so sprudelt die Bosheit aus ihr
hervor. Sie ist voll von Gewalttaten und Raubüberfällen, ihre Krankheit und ihre
Wunden stehen mir ständig vor Augen.
Jer 6,8 Lass dich warnen, Jerusalem, sonst reiße ich mich von dir los und mache
dich zur Wüste, zu einem menschenleeren Land!
Jer 6,9 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sage: Jeremia, wende dich noch
einmal diesem Volk zu wie ein Winzer, der Ranke für Ranke umdreht. Halte
Nachlese an denen, die vom Volk Israel übrig bleiben.«
Jer 6,10 Herr, wen soll ich überhaupt noch warnen? Keiner hört mir zu, sie haben
ihre Ohren verschlossen und schlagen meine Worte in den Wind. Was du sagst,
finden sie lächerlich, es ist ihnen ganz und gar zuwider.
Jer 6,11 Dein Zorn über sie glüht auch in mir, ich kann ihn nicht mehr zügeln!
Da sprach der Herr: »Gieß meinen Zorn über sie aus, damit alle ihn zu spüren
bekommen: die spielenden Kinder auf der Straße und die jungen Leute, die
beieinander stehen. Alle werden davon betroffen sein, Männer und Frauen, sogar
die älteren Menschen und die Greise.
Jer 6,12 Ja, ich, der Herr, kündige ihnen an: Ihre Frauen, ihre Häuser und
Felder werden Fremde an sich reißen. Denn ich strecke meine Hand aus zum Gericht
über die Bewohner dieses Landes!
Jer 6,13 Sie alle, vom einfachen Volk bis zu den Einflussreichen, wollen nur
eines: Gewinn um jeden Preis! Auch die Priester und Propheten betrügen das Volk,
Jer 6,14 weil sie seine tiefen Wunden nur schnell verbinden. ›Es ist nur halb so
schlimm, es wird alles wieder gut!‹, sagen sie. Nein, nichts wird gut!
Jer 6,15 Schämen müssten sie sich über ihre abscheulichen Taten, aber sie kennen
keine Scham mehr, sie werden nicht einmal rot! Doch wenn die Zeit gekommen ist,
werden sie stürzen; wenn ich sie strafe, werden sie sterben. Darauf gebe ich,
der Herr, mein Wort.«
Jer 6,16 So spricht der Herr zu seinem Volk: »Stellt euch an die Straßen, und
erkundigt euch, welchen Weg eure Vorfahren gegangen sind. Fragt nach dem
richtigen Weg, und dann beschreitet ihn. So findet ihr Ruhe für euer Leben. Aber
ihr sagt: ›Nein, diesen Weg gehen wir nicht!‹
Jer 6,17 Immer wieder habe ich euch Wächter gegeben und euch befohlen: ›Achtet
auf ihre Warnsignale!‹, aber ihr habt euch beharrlich geweigert.
Jer 6,18 Hört, ihr Völker, ihr seid meine Zeugen; gebt Acht, was nun mit ihnen
geschieht.
Jer 6,19 Die ganze Erde soll es hören: Ich will Unheil bringen über dieses Volk,
es ist der gerechte Lohn für ihre Machenschaften. Denn sie haben meine Worte in
den Wind geschlagen und meine Weisungen missachtet.
Jer 6,20 Was soll ich mit ihrem Weihrauch aus Saba und mit den kostbaren
Gewürzen, die sie aus fernen Ländern holen? Ihre Brand- und Schlachtopfer sind
mir zuwider, ich nehme sie nicht an!
Jer 6,21 Seht, ich lege diesem Volk Hindernisse in den Weg, über die sie stürzen
werden. Väter und Söhne, Nachbarn und Freunde, sie alle kommen um! Darauf könnt
ihr euch verlassen!«
Jer 6,22 So spricht der Herr: »Seht, von Norden zieht ein Volk heran, eine
mächtige Nation macht sich auf den Weg vom Ende der Erde her.
Jer 6,23 Mit Schwertern und Bogen sind sie bewaffnet, sie sind grausam und
kennen kein Erbarmen. Wenn sie auf ihren Pferden heranstürmen, klingt es wie das
Tosen des Meeres. Sie haben sich zum Kampf gerüstet gegen dich, du Stadt auf dem
Berg Zion!
Jer 6,24 ›Wir haben die Nachricht bekommen‹, sagt man in Jerusalem, ›und uns hat
aller Mut verlassen. Wir zittern vor Angst wie eine Frau in den Wehen.‹
Jer 6,25 Verlasst die Stadt nicht mehr, um euch auf dem Land in Sicherheit zu
bringen, lasst euch auf den Straßen nirgends blicken! Denn dort trifft euch das
Schwert des Feindes - überall herrscht Angst und Schrecken!
Jer 6,26 Jerusalem, zieh Kleider aus Sacktuch an, und wälz dich in der Asche!
Trauere, als ob dein einziges Kind gestorben wäre! Stimm ein bitteres Klagelied
an, denn plötzlich ist der Feind da. Er wird alles verwüsten!«
Jer 6,27 Der Herr sprach zu mir: »Prüfe mein Volk, so wie man Metalle prüft! Ich
gebe dir den Auftrag, herauszufinden, wie es um sie steht.«
Jer 6,28 Herr, sie sind widerspenstig, schlimmer geht es nicht mehr. Sie begehen
Verbrechen und verleumden andere. Sie sind nichts als Bronze und Eisen - nur
unedles Metall!
Jer 6,29 Der Blasebalg schnaubte, das Feuer war heiß genug, doch das Silber ließ
sich von den Schlacken nicht trennen. Alles Schmelzen war umsonst - die
Gottlosen wurden nicht ausgeschieden.
Jer 6,30 Das ganze Volk ist wertloses Silbererz, der Herr hat es verworfen.
Jer 7,1 Der Herr sprach zu Jeremia:
Jer 7,2 »Stell dich an den Eingang des Tempels, und verkünde dort diese
Botschaft: Ihr Bewohner von Juda, hört, was der Herr euch sagt! Ihr kommt
hierher zum Tempel, um den Herrn anzubeten.
Jer 7,3 Doch der Herr, der allmächtige Gott Israels, spricht: Ihr müsst euer
Leben vollkommen ändern, nur dann werde ich euch weiter in diesem Land wohnen
lassen.
Jer 7,4 Glaubt den Lügnern nicht, die euch einreden: ›Hier sind wir sicher, denn
dies ist der Tempel des Herrn. Es ist die Wohnung Gottes, er hat sich hier
niedergelassen.‹
Jer 7,5 Ich sage euch: Ändert euer Leben von Grund auf! Geht gerecht und gut
miteinander um,
Jer 7,6 unterdrückt nicht die Ausländer, die Waisen und die Witwen, und hört
auf, unschuldige Menschen hinzurichten! Lauft nicht mehr anderen Göttern nach,
denn damit schadet ihr euch nur selbst.
Jer 7,7 Erst dann lasse ich euch für immer in diesem Land leben, das ich euren
Vorfahren geschenkt habe.
Jer 7,8 Doch ihr vertraut auf falsche Versprechungen, die euch nichts nützen.
Jer 7,9 Ihr stehlt und mordet, brecht die Ehe und schwört Meineide, ihr bringt
dem Götzen Baal Räucheropfer dar und verehrt fremde Götter, die ihr früher nicht
kanntet.
Jer 7,10 Dann kommt ihr in meinen Tempel, tretet vor mich hin und sagt: ›Hier
kann uns nichts geschehen!‹ Danach treibt ihr es genauso schlimm wie vorher.
Jer 7,11 Meint ihr etwa, dieses Haus, das meinen Namen trägt, sei eine
Räuberhöhle? Ich, der Herr, sehe genau, was ihr tut, darauf könnt ihr euch
verlassen!
Jer 7,12 Geht doch einmal zur Stadt Silo, wo früher mein Heiligtum stand. Schaut
euch an, wie ich es damals zerstören ließ wegen der Bosheit meines Volkes
Israel.
Jer 7,13 Ich, der Herr, sage euch: Ihr handelt genauso vermessen wie eure
Vorfahren, und obwohl ich immer wieder zu euch geredet habe, wolltet ihr nicht
hören. Ich habe euch gerufen, aber ihr habt mir keine Antwort gegeben.
Jer 7,14 Darum werde ich diesen Tempel, der meinen Namen trägt und in dem ihr
euch so sicher fühlt, restlos zerstören. Ja, dieser Ort, den ich euren Vorfahren
gab, wird dasselbe Schicksal erleiden wie Silo.
Jer 7,15 Ich werde euch aus meiner Nähe verstoßen, so wie ich eure Brüder, den
Stamm Ephraim, vertrieben habe.«
Jer 7,16 Der Herr sprach zu mir: »Bete nicht mehr für dieses Volk, fleh nicht
für sie um Gnade, bestürme mich nicht mehr mit Bitten, denn ich werde dich nicht
erhören!
Jer 7,17 Siehst du nicht, was sie in den Städten von Juda und auf den Plätzen
von Jerusalem tun?
Jer 7,18 Die Kinder sammeln Brennholz, die Männer machen damit Feuer, und die
Frauen kneten einen Teig, um Kuchen als Opfergabe für die Himmelskönigin zu
backen. Sie gießen Wein aus als Trankopfer für andere Götter und beleidigen mich
damit.
Jer 7,19 Doch fügen sie mir dadurch etwa Schaden zu, mir, dem Herrn? Nein, sie
schaden sich selbst und bringen Schande über sich!
Jer 7,20 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sage: Mein glühender Zorn wird
sich über diesen Ort ergießen, über Mensch und Tier, über Bäume und Felder. Mein
Zorn wird brennen wie ein Feuer und nicht erlöschen.«
Jer 7,21 So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: »Ich will eure
Brandopfer nicht mehr! Esst das Fleisch der Tiere doch auf, wenn ihr eure
Opfermahlzeit haltet!
Jer 7,22 Als ich eure Vorfahren aus Ägypten führte, habe ich ihnen nicht
aufgetragen, mir Opfer darzubringen.
Jer 7,23 Ich habe ihnen nur dies eine befohlen: ›Hört auf mich, dann will ich
euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. Lebt nach meinen Weisungen, dann
wird es euch gut gehen.‹
Jer 7,24 Aber sie gehorchten mir nicht, ja, sie hörten mir nicht einmal zu,
sondern lebten so, wie sie es wollten, und taten, wozu ihr Eigensinn sie trieb.
Sie wandten sich von mir ab und kehrten mir den Rücken.
Jer 7,25 So ist es bis heute geblieben. Von Anfang an, seit eure Vorfahren aus
Ägypten gezogen sind, habe ich immer wieder meine Boten, die Propheten, zu euch
gesandt,
Jer 7,26 aber ihr wolltet nicht auf mich hören und mir nicht gehorchen.
Starrköpfig seid ihr, schlimmer noch als eure Vorfahren!
Jer 7,27 Und selbst wenn du, Jeremia, ihnen dies alles verkündest, werden sie
doch nicht auf dich hören. Dein Rufen wird ohne Antwort bleiben.
Jer 7,28 Sag ihnen: Ihr seid das Volk, das dem Herrn, seinem Gott, nicht
gehorcht und sich nichts sagen lässt. Treue und Wahrheit habt ihr verloren, ihr
sprecht nicht einmal mehr darüber!«
Jer 7,29 »Trauere, Israel! Schneide dein langes Haar ab, und wirf es fort! Stimm
die Totenklage an, draußen auf den kahlen Hügeln! Denn ich, der Herr, habe dich
verstoßen, ich will nichts mehr von dir wissen, mein Zorn lastet schwer auf dir!
Jer 7,30 Die Bewohner von Juda haben etwas getan, was ich hasse: Im Tempel, der
meinen Namen trägt, haben sie ihre abscheulichen Götzen aufgestellt und ihn so
entweiht.
Jer 7,31 Im Hinnomtal haben sie den Tofet errichtet und verbrennen auf dieser
Opferstätte ihre Kinder. Niemals habe ich so etwas befohlen, mit keinem Gedanken
je daran gedacht!
Jer 7,32 Darum hört nun, was ich sage: Es kommt die Zeit, da wird man diesen Ort
nicht mehr Tofet oder Hinnomtal nennen, sondern Mordtal. Man wird die Toten dort
begraben, weil anderswo der Platz fehlt.
Jer 7,33 Die Geier und Schakale werden die herumliegenden Leichen fressen, ohne
dass jemand sie verscheucht.
Jer 7,34 In den Straßen Jerusalems und in den anderen Städten Judas bereite ich
allem Jubel und aller Freude ein Ende, es wird auch keine fröhlichen
Hochzeitsfeiern mehr geben, denn das Land soll zur trostlosen Wüste werden.
Jer 8,1 Es kommt der Tag, da wird man die Gebeine der Könige und führenden
Männer von Juda, die Gebeine der Priester und Propheten, ja, aller Einwohner
Jerusalems wieder aus den Gräbern holen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!
Jer 8,2 Man wird sie ausstreuen vor der Sonne, dem Mond und den Sternen, vor
ihren Göttern, die sie liebten, denen sie gehorsam dienten, die sie befragt und
angebetet haben. Keiner wird die Gebeine je wieder einsammeln und begraben, sie
werden zu Dünger auf dem Acker.
Jer 8,3 Und die Leute aus diesem treulosen Volk, die übrig bleiben und an den
Orten leben, wohin ich sie vertreibe, wollen dann lieber tot als lebendig sein.
Das sage ich, der allmächtige Gott!«
Jer 8,4 »Sag ihnen: So spricht der Herr: Wenn jemand hingefallen ist, steht er
gleich wieder auf, und wenn einer vom Weg abkommt, kehrt er gern wieder um.
Jer 8,5 Warum verlässt dann dieses Volk immer wieder den richtigen Weg? Warum
geht Jerusalem ständig in die Irre? Sie klammern sich an ihre falschen Götter
und weigern sich beharrlich, zu mir umzukehren.
Jer 8,6 Ich habe genau gehört, was sie reden: Die Wahrheit ist es nicht! Keiner
bereut seine schlechten Taten und sagt: ›Was habe ich getan!‹ Alle rennen auf
ihrem falschen Weg weiter wie Schlachtrosse, die in den Kampf stürmen.
Jer 8,7 Selbst ein Storch weiß, wann er zurückkehren muss, Taube, Schwalbe und
Drossel kommen zur rechten Zeit wieder. Nur mein Volk weiß nicht, welche
Ordnungen ich ihm gegeben habe.
Jer 8,8 Ihr behauptet: ›Wir sind weise, wir besitzen ja das Gesetz des Herrn!‹
Aber eure Priester haben mein Gesetz durch ihre Auslegung völlig verdreht.
Jer 8,9 Eure Weisen werden sich schämen und zu Tode erschrecken, wenn man sie
gefangen wegführt. Denn sie haben mein Wort abgelehnt - welche Weisheit bleibt
ihnen da noch?
Jer 8,10 Darum werde ich eure Frauen anderen Männern geben und eure Äcker neuen
Besitzern. Ihr alle, vom einfachen Volk bis zu den Mächtigen, wollt nur eines:
Gewinn um jeden Preis! Auch die Priester und Propheten betrügen euch,
Jer 8,11 weil sie eure tiefen Wunden nur schnell verbinden. ›Es ist nur halb so
schlimm, es wird alles wieder gut!‹, sagen sie. Nein, nichts wird gut!
Jer 8,12 Schämen müssten sie sich über ihre abscheulichen Taten, aber sie kennen
keine Scham mehr, sie werden nicht einmal rot! Doch wenn die Zeit gekommen ist,
werden sie stürzen; wenn ich sie strafe, werden sie sterben. Darauf gebe ich,
der Herr, mein Wort.
Jer 8,13 Ich werde sie ausrotten, denn sie sind wie ein schlechter Weinstock,
der keine Trauben hat, und wie ein Feigenbaum, der keine Früchte hervorbringt,
ja, selbst die Blätter sind welk! Darum werde ich ihnen ihre Feinde schicken,
die sie umbringen sollen.
Jer 8,14 ›Warum sitzen wir hier noch unschlüssig herum?‹, fragen die Leute von
Juda. ›Kommt, wir ziehen uns in die befestigten Städte zurück. Lieber sterben
wir dort als hier! Der Herr, unser Gott, hat uns ja doch zum Tod verurteilt;
vergiftetes Wasser gibt er uns zu trinken, weil wir gegen ihn gesündigt haben.
Jer 8,15 Wir hofften auf Frieden, aber es kommt nichts Gutes auf uns zu. Wir
hofften auf eine Zeit, in der die Wunden des Landes heilen, aber wir hören nur
Schreckensmeldungen:
Jer 8,16 Die Feinde haben bereits die Stadt Dan erreicht. Schon hören wir das
Schnauben und Wiehern ihrer Pferde. Das ganze Land erbebt davon. Die Feinde
wollen unsere Felder und Städte verwüsten, sie werden alle Menschen töten!‹
Jer 8,17 Ich, der Herr, sage: Ich lasse Schlangen auf euch los, giftige Ottern,
die ihr nicht beschwören könnt, und sie werden euch beißen!«
Jer 8,18 Niemand kann mich trösten! Der Kummer hat mich überwältigt und macht
mich ganz krank!
Jer 8,19 Hört, wie mein Volk überall im Land verzweifelt schreit: »Wohnt der
Herr nicht mehr auf dem Berg Zion, regiert er dort nicht mehr als König?« Und er
antwortet: »Warum habt ihr mich herausgefordert und eure Götzenstatuen
errichtet, die euch doch nicht helfen können?«
Jer 8,20 Das Volk klagt: »Der Sommer ist vergangen, die Ernte ist vorüber, und
noch immer hat der Herr uns nicht geholfen!«
Jer 8,21 Wenn ich den Untergang meines Volkes mit ansehe, packt mich das
Entsetzen. Ich trauere und bin völlig niedergeschlagen.
Jer 8,22 Gibt es denn in Gilead keine Salben mehr, ist dort kein Arzt zu finden?
Warum heilen die Wunden meines Volkes nicht?
Jer 8,23 Ich wünschte, mein Kopf wäre ein Brunnen und meine Augen Tränenquellen,
dann würde ich unsere Toten Tag und Nacht beweinen!
Jer 9,1 Wenn ich doch eine Herberge wüsste, irgendwo in der Wüste, wo Karawanen
die Nacht verbringen, dann würde ich mein Volk verlassen und mich dorthin
zurückziehen. Denn Ehebrecher sind sie, einer wie der andere, eine Bande von
Betrügern!
Jer 9,2 Der Herr spricht: »Sie schießen ihre Lügen ab wie Pfeile; sie besitzen
die Macht im Land, weil sie betrügen, und nicht, weil sie die Wahrheit lieben.
Sie begehen ein Verbrechen nach dem anderen und wollen mich nicht als ihren Gott
anerkennen.
Jer 9,3 Nimm dich vor deinem Freund in Acht! Trau deinem eigenen Bruder nicht
über den Weg! Denn ein Bruder betrügt den anderen, wie es schon damals Jakob
getan hat, und ein Freund legt den anderen herein.
Jer 9,4 Sie überlisten sich gegenseitig, keines ihrer Worte ist wahr. Sie haben
sich an das Lügen gewöhnt und können das Böse nicht lassen.
Jer 9,5 Unter Betrügern wohnst du, die vor lauter Lug und Trug von mir, dem
Herrn, nichts mehr wissen wollen.
Jer 9,6 Darum sage ich, der Herr, der allmächtige Gott: Ich will sie schmelzen
und läutern wie Metall im Feuer; was sollte ich sonst mit meinem Volk tun?
Jer 9,7 Jedes ihrer Worte ist ein tödlicher Pfeil, sie lügen unentwegt. Nach
außen geben sie sich freundlich, aber insgeheim stellt einer dem anderen Fallen.
Jer 9,8 Und das sollte ich ungestraft lassen, ich, der Herr? Muss ich ein
solches Volk nicht zur Rechenschaft ziehen?«
Jer 9,9 Ich klage und weine über das Bergland, ich stimme ein Trauerlied an über
die Weiden in der Steppe. Denn sie sind verbrannt, kein Hirte zieht hindurch,
und man hört keine Herden mehr. Die Tiere sind geflohen, selbst die Vögel sind
fortgezogen.
Jer 9,10 Der Herr sagt: »Ich werde Jerusalem zum Schutthaufen machen, wo die
Schakale hausen; die Städte Judas verwandle ich in eine Wüste, in der niemand
wohnt!«
Jer 9,11 Wer ist weise genug, um zu verstehen, warum dies so kommen musste? Wem
hat der Herr gezeigt, wieso das Land verödet und verdorrt ist wie eine Wüste,
die keiner durchquert? Wer kann es erklären?
Jer 9,12 Der Herr antwortet: »Ich habe es so weit kommen lassen, weil sie meine
Weisung in den Wind geschlagen haben, nicht danach lebten und nicht auf mich
hörten.
Jer 9,13 Stattdessen taten sie, wozu ihr Eigensinn sie trieb, und liefen den
Götzen nach, wie sie es von ihren Vorfahren gelernt hatten.
Jer 9,14 Darum sage ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels: Ich werde
diesem Volk bittere Kost zu essen und giftiges Wasser zu trinken geben.
Jer 9,15 Ich will sie unter fremde Völker zerstreuen, die weder sie noch ihre
Vorfahren gekannt haben; mit dem Schwert verfolge ich sie, bis sie vernichtet
sind.
Jer 9,16 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, fordere euch auf: Begreift doch
endlich, wie schlimm es um euch steht! Holt die Klageweiber, ja, lasst die
weisen Frauen kommen!«
Jer 9,17 »Schnell«, rufen die Judäer, »sie sollen über uns die Klage anstimmen,
bis wir in Tränen ausbrechen und nicht mehr aufhören zu weinen!«
Jer 9,18 Da! Vom Berg Zion hört man laute Klagerufe: »Die Stadt ist verwüstet,
welch unerträgliche Schande! Wir müssen unser Land verlassen, denn unsere Häuser
sind zerstört!«
Jer 9,19 Hört, ihr Frauen, was der Herr euch sagt, achtet auf jedes Wort:
»Bringt euren Töchtern die Totenklage bei, lernt miteinander dieses Trauerlied:
Jer 9,20 ›Durch die Fenster stieg der Tod herein in unsre Häuser und Paläste.
Draußen auf der Straße bringt er unsre Kinder um, und auf dem Marktplatz
schlachtet er die jungen Männer ab!‹«
Jer 9,21 So spricht der Herr: »Die Leichen werden überall verstreut liegen wie
Dünger auf dem Feld, wie abgemähtes Korn, das niemand aufliest.
Jer 9,22 Ich, der Herr, sage: Ein Weiser soll nicht stolz sein auf seine
Weisheit, der Starke nicht auf seine Stärke und ein Reicher nicht auf seinen
Reichtum.
Jer 9,23 Nein, Grund zum Stolz hat nur, wer mich erkennt und begreift, dass ich
der Herr bin. Ich bin barmherzig und sorge auf der Erde für Recht und
Gerechtigkeit. Wer dies verstanden hat, an dem habe ich, der Herr, Gefallen.
Jer 9,24 [24/25] Es kommt der Tag, an dem ich die Ägypter, Judäer, Edomiter,
Ammoniter und Moabiter strafen werde sowie alle Beduinenstämme der Wüste, die
sich das Haar an den Schläfen stutzen. Denn all diese Völker halten sich zwar an
die Vorschrift der Beschneidung, aber ihr Herz gehört mir nicht - und selbst in
Israel ist es nicht anders!«
Jer 10,1 Hört, ihr Israeliten, was der Herr euch zu sagen hat:
Jer 10,2 »Dient nicht den Götzen, wie die anderen Völker es tun! Wenn sie
ungewöhnliche Himmelserscheinungen sehen, bekommen sie große Angst. Ihr aber
braucht euch nicht zu fürchten.
Jer 10,3 Denn die Religion dieser Völker ist eine Täuschung: Da fällen sie im
Wald einen Baum, und der Kunsthandwerker fertigt daraus eine Figur an.
Jer 10,4 Er verziert das Standbild mit Silber und Gold und nagelt es fest, damit
es nicht wackelt.
Jer 10,5 Und dann steht sie da, die Götterfigur, wie eine Vogelscheuche im
Gurkenfeld! Sie kann weder reden noch gehen, sie muss getragen werden. Fürchtet
euch nicht vor diesen Göttern! Sie können euch nichts Böses tun, und noch
weniger können sie euch helfen.«
Jer 10,6 Herr, dir ist niemand gleich! Du bist erhaben und stellst deine Macht
unter Beweis.
Jer 10,7 Wer sollte dich nicht fürchten, du König aller Völker? Dir allein
gebührt die Ehre, denn kein Weiser und König auf dieser Welt ist dir gleich.
Jer 10,8 Sie sind allesamt dumm und ohne Verstand. Was können sie von
Holzfiguren schon lernen?
Jer 10,9 Sie holen Silber aus Tarsis und Gold aus Ufas; der Bildhauer und der
Goldschmied fertigen die Figur an. Dann bekommt sie ein Gewand aus blauem und
violettem Purpurstoff. Ja, diese Götter werden von Kunsthandwerkern hergestellt!
Jer 10,10 Der Herr aber ist der wahre und lebendige Gott, der ewige König. Wenn
er zornig wird, dann bebt die Erde, kein Volk kann seinen Zorn ertragen.
Jer 10,11 Sagt den Völkern: Diese Götter, die Himmel und Erde nicht erschaffen
haben, sie werden aus dem Himmel und von der Erde verschwinden.
Jer 10,12 Der Herr aber hat die Erde durch seine Macht geschaffen. In seiner
großen Weisheit hat er ihr Fundament gelegt und den Himmel ausgebreitet.
Jer 10,13 Wenn er es befiehlt, tosen die Wassermassen oben am Himmel; er lässt
die Wolken aufsteigen vom Horizont. Er sendet Blitz und Regen und schickt den
Wind aus seinen Kammern auf die Reise.
Jer 10,14 Davor muss jeder Mensch verstummen! Dumm ist er gegenüber Gottes
großer Weisheit. Und die Goldschmiede müssen sich schämen über ihre
Götterfiguren, denn sie sind blanker Betrug, kein Leben ist in ihnen.
Jer 10,15 Eine Täuschung sind sie und verdienen nichts als Spott! Wenn Gott sein
Urteil spricht, ist es aus mit ihnen.
Jer 10,16 Der Gott Jakobs ist mächtiger als diese Götter, er hat das Weltall
geschaffen und Israel als Volk erwählt, das ihm allein gehört. »Herr der ganzen
Welt« wird er genannt.
Jer 10,17 Ihr Einwohner von Jerusalem, die Stadt ist belagert! Rafft euer Hab
und Gut zusammen!
Jer 10,18 Denn so spricht der Herr: »Es ist so weit! Diesmal werde ich die
Bewohner aus dem Land fortjagen und in große Bedrängnis bringen: Ihre Feinde
werden sie überwältigen.
Jer 10,19 ›Ich bin verloren‹, schreit Jerusalem, ›ich bin schwer verletzt, meine
Wunden heilen nicht mehr! Dabei hatte ich gedacht: Es ist nur eine leichte
Krankheit, die ich gut ertragen kann.
Jer 10,20 Doch nun ist mein Zelt zerstört, die Seile sind zerrissen. Meine
Kinder sind fortgegangen, keins von ihnen ist mehr bei mir. Niemand baut mein
Zelt wieder auf und spannt die Decken darüber.
Jer 10,21 Unsere Hirten sind ohne Verstand - sie dienen nicht mehr dem Herrn.
Kein Wunder, dass ihnen nichts mehr gelingt und ihre ganze Herde verstreut ist.
Jer 10,22 Da! Der Feind rückt aus dem Norden an, man hört schon den Lärm! Er
wird die Städte Judas zu Ruinen machen, in denen die Schakale hausen.‹«
Jer 10,23 Herr, ich habe erkannt: Das Leben eines Menschen liegt nicht in seiner
Hand. Niemand kann seine Schritte nach eigenem Plan lenken.
Jer 10,24 Strafe uns, o Herr, aber geh nicht zu hart mit uns ins Gericht! Lass
deinen Zorn nicht an uns aus, denn dann wären wir verloren!
Jer 10,25 Gieß deinen Zorn aus über die Völker, die dich nicht anerkennen und
dich nicht verehren. Denn sie haben dein Volk vernichtet, es völlig ausgerottet
und seine Heimat verwüstet!
Jer 11,1 [1/2] Der Herr sprach zu mir und befahl mir, den Bewohnern von
Jerusalem und ganz Juda zu sagen: »Erinnert euch doch an meinen Bund mit euch!
Jer 11,3 Mein Fluch wird jeden treffen, der sich nicht an seine Bestimmungen
hält! Darauf gebe ich, der Herr, der Gott Israels, mein Wort!
Jer 11,4 Ich habe diesen Bund mit euren Vorfahren geschlossen, als ich sie aus
Ägypten herausholte wie aus dem Feuer eines Schmelzofens. Damals sagte ich:
›Hört auf mich, lebt nach meinen Geboten - dann seid ihr mein Volk, und ich bin
euer Gott!
Jer 11,5 Dann werde ich mich auch an den Eid halten, den ich euren Vorfahren
geschworen habe.‹ Ich versprach ihnen ein Land, wo Milch und Honig fließen - es
ist das Land, das ihr heute besitzt.« Ich sagte: »Ja, Herr, ich werde deine
Botschaft verkünden.«
Jer 11,6 Dann befahl mir der Herr: »Geh in alle Städte Judas, geh auf die
Straßen Jerusalems und verkünde den Menschen dort: Denkt an meinen Bund mit
euch, und haltet euch daran!
Jer 11,7 Seit ich eure Vorfahren aus Ägypten führte, habe ich euch immer wieder
ermahnt, nach meinen Weisungen zu leben.
Jer 11,8 Aber schon eure Vorfahren haben mir nicht gehorcht, ja, sie haben mir
nicht einmal zugehört. Sie taten das, wozu ihr eigensinniges, böses Herz sie
trieb, und hielten sich nicht an meine Gebote. Darum ließ ich all die Flüche
über sie kommen, die ich ihnen damals schon angedroht hatte, als ich den Bund
mit ihnen schloss.«
Jer 11,9 Weiter sagte mir der Herr: »Die Bewohner von Jerusalem und ganz Juda
haben sich gegen mich verschworen.
Jer 11,10 Sie begehen dieselben Sünden wie ihre Vorfahren, die sich damals
weigerten, meine Weisungen zu beachten, und anderen Göttern nachliefen. Das Volk
von Israel und von Juda hat den Bund gebrochen, den ich mit ihren Vorfahren
schloss.
Jer 11,11 Darum werde ich, der Herr, Unheil über sie bringen, dem sie nicht
entrinnen können. Und wenn sie zu mir um Hilfe schreien, höre ich nicht darauf.
Jer 11,12 Dann werden die Bewohner von Jerusalem und ganz Juda ihre Götter
anflehen, denen sie Opfer bringen, aber die werden sie nicht retten können.
Jer 11,13 Jede Stadt hat doch ihren eigenen Gott, und in Jerusalem steht an
jeder Straßenecke ein Altar für den abscheulichen Götzen Baal!
Jer 11,14 Und du, Jeremia, bete nicht für dieses Volk! Fleh nicht zu mir um
Gnade, bestürme mich nicht mehr mit Bitten. Wenn das Unheil sie trifft und sie
zu mir schreien, werde ich sie nicht erhören.
Jer 11,15 Mein geliebtes Volk tut, was ich verabscheue. Was habt ihr da noch in
meinem Tempel zu suchen? Meint ihr, der Strafe zu entgehen, nur weil ihr mir
geweihtes Opferfleisch bringt? Eure Machenschaften gefallen euch doch nach wie
vor!«
Jer 11,16 Früher wart ihr für den Herrn wie ein grünender Ölbaum, der herrliche
Früchte bringt. Doch nun höre ich Feuer prasseln: Der Herr hat den Baum
angezündet, die Zweige bersten.
Jer 11,17 Ja, der Herr, der allmächtige Gott, hat dich gepflanzt, Israel und
Juda, doch nun hat er deinen Untergang beschlossen. Denn du hast seinen Zorn
herausgefordert, weil du getan hast, was er verabscheut: Du brachtest dem Gott
Baal Räucheropfer dar.
Jer 11,18 Der Herr sagte mir, dass meine Feinde mich umbringen wollten. Vorher
hatte ich nicht damit gerechnet,
Jer 11,19 ich war ahnungslos wie ein Lamm, das zum Schlachten geführt wird; ich
wusste nichts von ihren Plänen. Sie beschlossen: »Wir hauen diesen Baum um,
solange er noch in voller Blüte steht. Wir lassen diesen Mann vom Erdboden
verschwinden, dann wird keiner mehr an ihn denken.«
Jer 11,20 Da betete ich: »Herr, allmächtiger Gott! Du bist ein gerechter
Richter, du kennst jeden Menschen ganz genau. Lass mich mit eigenen Augen sehen,
wie du sie für ihre Bosheit bestrafst! Dir habe ich meinen Fall anvertraut.
Jer 11,21 [21/22] Die Leute von Anatot trachten mir nach dem Leben. ›Hör auf, im
Namen des Herrn zu weissagen‹, drohen sie, ›sonst bringen wir dich um!‹« Doch
der Herr, der allmächtige Gott, sprach zu mir: »Ich werde sie dafür strafen!
Ihre jungen Männer werden im Krieg fallen und die Kinder verhungern.
Jer 11,23 Keiner von ihnen wird überleben. Wenn die Zeit gekommen ist, bringe
ich Unheil über die Leute von Anatot.«
Jer 12,1 Herr, wenn ich dich anklagte, dann würdest du am Ende ja doch Recht
behalten. Trotzdem will ich mit dir über deine Gerechtigkeit reden: Warum geht
es den Menschen, die dich missachten, so gut? Warum leben alle, die dir untreu
sind, in Ruhe und Frieden?
Jer 12,2 Du hast sie eingepflanzt, und sie haben Wurzeln geschlagen; sie wachsen
und bringen Frucht. Ständig führen sie deinen Namen im Mund, aber ihr Herz ist
weit von dir entfernt.
Jer 12,3 Herr, du kennst mich ganz genau, du siehst mich und weißt, dass mein
Herz dir gehört. Herr, lass diese Menschen sterben wie Schafe, die geschlachtet
werden! Sie dürfen dem Todesurteil nicht entgehen!
Jer 12,4 Wie lange soll die Dürre in unserem Land noch dauern? Das Gras ist
längst vertrocknet, das Vieh ist verendet, und die Vögel sind fortgezogen. Dies
alles geschah wegen der Bosheit der Menschen. Sie sagen: »Gott sieht doch gar
nicht, was wir tun.«
Jer 12,5 Gott sprach zu mir: »Wenn du schon mit Fußgängern kaum Schritt halten
kannst, wie willst du dann mit Pferden um die Wette laufen? Und wenn du dich nur
im friedlichen Land sicher fühlst, was willst du dann erst im gefährlichen
Dickicht am Jordan tun?
Jer 12,6 Denn sogar deine Brüder und andere Verwandte haben dich betrogen und
verleumden dich hinter deinem Rücken. Trau ihnen nicht, selbst wenn sie
freundlich mit dir reden!«
Jer 12,7 »Ich habe Israel aufgegeben; das Volk, das ich liebte, habe ich
verstoßen und es seinen Feinden ausgeliefert.
Jer 12,8 Mein eigenes Volk hat sich gegen mich gewandt, es führte sich auf wie
ein brüllender Löwe, darum hasse ich es!
Jer 12,9 Nun sind sie wie ein bunter Vogel, über dem Raubvögel kreisen und auf
ihn herabstoßen. Auf, bringt alle wilden Tiere her, damit sie mein Volk fressen!
Jer 12,10 Viele fremde Hirten sind durch meinen Weinberg gezogen und haben ihn
zerstört, meine Felder haben sie zertrampelt und meinen schönen Acker zur Einöde
gemacht.
Jer 12,11 Ja, das ganze Land ist verwüstet; kahl und einsam liegt es da vor
meinen Augen. Es ist zur Einöde geworden, aber niemand kümmert sich darum.
Jer 12,12 Über die kahlen Hügel in der Wüste rücken die Eroberer heran. Denn
ich, der Herr, habe einen Krieg ausbrechen lassen, der die Bewohner des ganzen
Landes ausrottet; niemand bleibt davon verschont.
Jer 12,13 Dieses Volk hat Weizen gesät, aber Dornen geerntet. Alle Mühe war
umsonst: Sie konnten sich nicht über die Ernte freuen - mein glühender Zorn hat
alles vernichtet.«
Jer 12,14 So spricht der Herr: »Die Nachbarvölker, die das Land zerstören, das
ich meinem Volk Israel gegeben habe, werde ich aus ihrer Heimat fortjagen,
ebenso wie das Volk von Juda.
Jer 12,15 Aber nachdem ich sie vertrieben habe, werde ich mit ihnen Erbarmen
haben und jedes Volk wieder in sein Land und in seine Heimat zurückbringen.
Jer 12,16 Und wenn diese Völker den Glauben der Israeliten von ganzem Herzen
annehmen, wenn sie in meinem Namen schwören: ›So wahr der Herr lebt!‹, wie sie
früher Israel gelehrt haben, im Namen Baals zu schwören, dann dürfen sie mitten
unter meinem Volk wohnen.
Jer 12,17 Wenn aber ein Volk nicht auf mich hören will, reiße ich es mitsamt der
Wurzel aus und lasse es zugrunde gehen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Jer 13,1 Der Herr sprach zu mir: »Kauf dir einen Gürtel aus Leinen, binde ihn
dir um und sorg dafür, dass er nicht nass wird!«
Jer 13,2 Ich kaufte einen Gürtel und legte ihn an.
Jer 13,3 Da gab mir der Herr einen neuen Auftrag:
Jer 13,4 »Geh mit deinem neuen Gürtel an den Euphrat, und versteck ihn dort in
einer Felsspalte!«
Jer 13,5 Ich tat, was der Herr mir gesagt hatte, ging zum Euphrat und versteckte
den Gürtel dort.
Jer 13,6 Nach langer Zeit sprach der Herr zu mir: »Geh wieder an den Euphrat,
und hol den Gürtel, den du auf meinen Befehl dort versteckt hast!«
Jer 13,7 Da wanderte ich wieder zum Euphrat und holte den Gürtel aus seinem
Versteck hervor. Er war verrottet und zu nichts mehr zu gebrauchen.
Jer 13,8 Der Herr sprach zu mir:
Jer 13,9 »Genauso werde ich den Hochmut der Bewohner von Jerusalem und ganz Juda
zunichte machen.
Jer 13,10 Sie sind ein boshaftes Volk, das sich weigert, auf mich zu hören, und
tut, wozu sein Eigensinn es treibt. Anderen Göttern laufen sie nach, dienen
ihnen und beten sie an - darum werden sie diesem Gürtel gleichen, der zu nichts
mehr zu gebrauchen ist!
Jer 13,11 Wie sich ein Mann seinen Gürtel umlegt, so wollte ich, der Herr, mich
mit Israel und Juda schmücken. Mein Volk sollten sie sein, meinen Namen bekannt
machen, mir Lob und Ehre bringen - doch sie haben mir nicht gehorcht!«
Jer 13,12 »Sag ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Weinkrüge müssen
voll sein. Wenn sie dir entgegnen: ›Wer weiß das nicht, dass Weinkrüge voll sein
müssen?‹,
Jer 13,13 dann antworte: Der Herr kündigt euch an: Die Bewohner dieses Landes,
die Könige, die Davids Nachfolger sind, die Priester und Propheten, ja, alle
Einwohner von Jerusalem - sie sind die Krüge, und ich werde sie mit Wein füllen,
bis sie betrunken sind!
Jer 13,14 Und dann schlage ich sie gegeneinander, so dass einer am anderen
zerbricht, die Väter und die Söhne. Ich werde kein Mitleid mit ihnen haben und
sie nicht schonen, sondern sie erbarmungslos zerschmettern. Darauf gebe ich, der
Herr, mein Wort.«
Jer 13,15 Der Herr hat zu euch gesprochen, seid nicht überheblich, sondern hört
genau zu, und nehmt es euch zu Herzen!
Jer 13,16 Ehrt den Herrn, euren Gott, bevor er die Nacht hereinbrechen lässt und
ihr in der Dämmerung auf den Hügeln umherstolpert, ehe er das Licht, auf das ihr
wartet, in tiefe Nacht und hoffnungslose Dunkelheit verwandelt.
Jer 13,17 Doch wenn ihr seine Warnungen in den Wind schlagt, werde ich heimlich
über euren Hochmut weinen; dann kann ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten,
weil Gottes Volk, seine Herde, in die Gefangenschaft getrieben wird.
Jer 13,18 Der Herr sagt: »Richtet dem König und seiner Mutter aus: Steigt herab
vom Thron, und setzt euch auf den Boden, denn die Zeit eurer glanzvollen
Herrschaft ist vorbei!
Jer 13,19 Die Städte im Süden Judas werden belagert, und niemand kann zu ihnen
durchkommen. Ganz Juda wird in die Gefangenschaft verschleppt.
Jer 13,20 Jerusalem, siehst du, wie deine Feinde von Norden her kommen? Was soll
nun aus deiner Herde werden, die du beschützen solltest und auf die du so stolz
warst?
Jer 13,21 Was wirst du sagen, wenn ich die als Herren über dich einsetze, die du
für deine Freunde hieltest? Schmerzen werden dich überfallen wie die Wehen eine
schwangere Frau.
Jer 13,22 Und wenn du dich dann fragst: ›Warum trifft mich dieses Unheil?‹, dann
sollst du wissen: Wegen deiner unzähligen Sünden reißt man dir jetzt dein Kleid
hoch und vergewaltigt dich.
Jer 13,23 Ich, der Herr, sage dir: Kann ein Schwarzer etwa seine Hautfarbe
wechseln oder ein Leopard sein geflecktes Fell? Genauso wenig kannst du Gutes
tun, die du ans Böse gewöhnt bist!
Jer 13,24 Zerstreuen werde ich deine Einwohner wie Spreu im Wüstenwind!
Jer 13,25 Dieses Los erwartet dich, das ist der gerechte Lohn, den ich dir gebe,
weil du mich vergessen und falschen Göttern geglaubt hast.
Jer 13,26 Darum werde auch ich dir jetzt das Kleid hochreißen, hoch bis über
dein Gesicht, damit alle dich nackt sehen.
Jer 13,27 Dein ständiges Ehebrechen, dein aufreizendes Lachen und deine
schamlose Hurerei: Das alles ist mir nicht entgangen! Auf den Hügeln und Feldern
hast du abscheuliche Götzen verehrt. Ich warne dich, Jerusalem! Du willst nicht
damit aufhören - wie lange soll es noch so weitergehen?«
Jer 14,1 Der Herr sprach zu Jeremia während der großen Dürre:
Jer 14,2 »Das Land Juda trauert, seine Städte leiden Not, verzweifelt sitzen die
Menschen auf der Erde, und in Jerusalem hört man lautes Klagen.
Jer 14,3 Die Reichen schicken ihre Diener los, um Wasser zu holen. Sie gehen zu
den Zisternen, aber alle sind ausgetrocknet. Mit leeren Krügen kehren sie
zurück, enttäuscht und traurig verhüllen sie ihr Gesicht.
Jer 14,4 Und auch die Bauern verhüllen ihr Gesicht in Trauer; der Boden zeigt
tiefe Risse, weil der Regen so lange ausbleibt.
Jer 14,5 Die Hirschkuh verlässt ihr Junges gleich nach der Geburt, weil sie kein
Futter findet.
Jer 14,6 Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen, sie schnappen nach Luft wie
Schakale und verenden, weil nirgendwo mehr Gras wächst.«
Jer 14,7 Herr, unsere Sünden klagen uns an, doch hilf uns und mach deinem Namen
Ehre! Wir haben dir oft die Treue gebrochen, gegen dich haben wir gesündigt.
Jer 14,8 Du bist Israels einzige Hoffnung, sein Retter in Zeiten der Not. Warum
verhältst du dich wie ein Fremder bei uns im Land, wie ein Wanderer, der nur für
eine Nacht bleibt?
Jer 14,9 Warum bist du wie ein Soldat, der überwältigt wurde und niemandem mehr
helfen kann? Du wohnst doch mitten unter uns! Wir tragen deinen Namen. Herr,
verlass uns nicht!
Jer 14,10 Aber der Herr antwortete mir: »Dieses Volk liebt es, mir
davonzulaufen, sie wollen einfach nicht bei mir bleiben. Darum finde ich kein
Gefallen mehr an ihnen, ich verschone sie nicht mehr, sondern ziehe sie für ihre
Sünden zur Rechenschaft.«
Jer 14,11 Und weiter sprach der Herr zu mir: »Jeremia, bete nicht mehr für das
Wohl dieses Volkes!
Jer 14,12 Wenn sie auch fasten und mich um Gnade anflehen, werde ich sie doch
nicht erhören. Wenn sie mir Brand- und Speiseopfer bringen, nehme ich ihre Opfer
nicht an; nein, ich werde sie auslöschen durch Kriege, Hungersnot und Seuchen.«
Jer 14,13 »Aber Herr«, erwiderte ich, »die Propheten reden ihnen ein: ›Ihr
werdet keinen Krieg und keine Hungersnot erleben. Der Herr wird unserem Land
bleibenden Frieden geben.‹«
Jer 14,14 Doch der Herr sprach zu mir: »Was diese Propheten in meinem Namen
verkünden, ist nichts als Lüge! Ich habe sie weder beauftragt noch gesandt, kein
Wort habe ich mit ihnen geredet! Erlogene Visionen geben sie euch weiter,
trügerische Wahrsagerei und ihre eigenen Wunschgedanken.
Jer 14,15 Das sage ich, der Herr, über diese Propheten, die in meinem Namen
auftreten: Ich habe sie nicht gesandt, und doch behaupten sie: ›Weder Krieg noch
Hungersnot wird dieses Land je treffen!‹ Genau diese Propheten werden im Krieg
umkommen oder vor Hunger sterben!
Jer 14,16 Und die Menschen, denen sie geweissagt haben, werden auf den Straßen
von Jerusalem liegen, verhungert oder vom Schwert durchbohrt: Männer, Frauen und
Kinder, niemand wird sie begraben. Ihre Bosheit werde ich ihnen reichlich
vergelten.«
Jer 14,17 Der Herr befahl mir: »Verheimliche ihnen deine Trauer nicht! Sag
ihnen: ›Ich weine hemmungslos, meine Tränen fließen Tag und Nacht. Denn mein
Volk ist schwer verwundet, zerschlagen liegt es am Boden.
Jer 14,18 Wenn ich hinaus aufs Land gehe, sehe ich die Leichen daliegen - vom
Schwert durchbohrt; gehe ich zurück in die Stadt, sehe ich verhungernde
Menschen. Die Priester und Propheten werden in ein Land verschleppt, das sie
nicht einmal kennen.‹«
Jer 14,19 Herr, hast du Juda aufgegeben? Verabscheust du Jerusalem, die Stadt
auf dem Berg Zion? Warum hast du uns so verwundet, dass wir nicht mehr gesund
werden? Wir hofften, alles werde wieder gut - doch vergeblich! Wir dachten, die
Wunden unseres Volkes würden heilen - aber wir erleben nichts als Schrecken!
Jer 14,20 Herr, gegen dich haben wir gesündigt, wir bekennen dir unsere Schuld
und die Schuld unserer Vorfahren.
Jer 14,21 Herr, verstoß uns jetzt nicht, es geht doch um deine Ehre! Gib den
Tempel, deinen herrlichen Thron, nicht dem Gespött preis! Denk an den Bund, den
du mit uns geschlossen hast, und brich ihn nicht!
Jer 14,22 Kein Götze der Heiden kann uns helfen, keiner kann Regen bringen, und
auch der Himmel gibt den Regen nicht von selbst. Nein, du bist es, Herr, unser
Gott! Du hast alles geschaffen. Darum hoffen wir auf dich!
Jer 15,1 Der Herr sprach zu mir: »Selbst wenn Mose und Samuel jetzt vor mir
stünden und um Gnade flehten, würde ich sie nicht erhören. Ich habe kein Herz
mehr für dieses Volk! Vertreib sie aus meiner Nähe, fort mit ihnen!
Jer 15,2 Und wenn sie dich fragen: ›Wohin sollen wir gehen?‹, dann antworte: So
spricht der Herr: Wer für die Pest bestimmt ist, der sterbe an der Pest! Wer für
das Schwert bestimmt ist, der sterbe durchs Schwert! Wer für den Hungertod
bestimmt ist, der sterbe an Hunger, und wer für die Gefangenschaft bestimmt ist,
der ziehe in die Gefangenschaft!
Jer 15,3 Mit vierfachem Verderben will ich sie strafen: mit dem Schwert, das die
Menschen umbringt, mit Hunden, die die Leichen fortzerren, mit wilden Tieren und
Raubvögeln, die den Rest fressen, bis nichts mehr übrig ist. Darauf gebe ich,
der Herr, mein Wort!
Jer 15,4 Ich mache sie zum Bild des Schreckens für alle anderen Königreiche,
weil Manasse, der Sohn Hiskias, damals gegen mich gesündigt hat, als er König
von Juda in Jerusalem war.
Jer 15,5 Jerusalem, wer wird Mitleid mit dir haben und mit dir trauern? Wer wird
dich besuchen, um zu fragen, wie es dir geht?
Jer 15,6 Mich, deinen Herrn, hast du abgelehnt und mir den Rücken gekehrt. Darum
erhebe ich meine Hand, um dich niederzuschlagen. Ich bin es müde, Erbarmen mit
dir zu haben.
Jer 15,7 Mein Volk, aus den Städten des Landes werde ich euch hinauswerfen wie
einer, der mit der Schaufel das Getreide in die Luft wirft, damit der Wind Spreu
und Weizen trennt. Ich werde euch eurer Kinder berauben und euch vernichten,
weil ihr von euren falschen Wegen nicht umkehren wollt.
Jer 15,8 Es wird bei euch mehr Witwen geben als Sand am Meer. Über die Mütter
der Soldaten lasse ich am hellen Tag Tod und Verderben kommen, plötzlich werden
sie von Angst und Schrecken überwältigt.
Jer 15,9 Eine Mutter, die sieben Kinder hatte, wird vom Kummer verzehrt. Ihr ist
nichts mehr geblieben, woran sie sich freuen könnte. Jede Hoffnung hat sie
verloren, und an diesem Schmerz ist sie zerbrochen. Wer noch übrig bleibt, den
liefere ich dem Schwert des Feindes aus. Darauf könnt ihr euch verlassen!«
Jer 15,10 Ich unglücklicher Mensch! Warum bin ich überhaupt geboren? Jeder im
Land streitet mit mir und bekämpft mich. Ich habe niemals Geld gegen
Wucherzinsen verliehen und schulde niemandem etwas. Trotzdem verfluchen mich
alle!
Jer 15,11 Da antwortete der Herr: »Ich werde dich bewahren und dafür sorgen,
dass alles für dich ein gutes Ende nimmt. Das verspreche ich dir. Deine
Verfolger werden in Not und Bedrängnis geraten und dich anflehen.
Jer 15,12 Denn es wird ein mächtiger Feind aus dem Norden kommen, unüberwindlich
wie eine Mauer aus Eisen und Bronze.
Jer 15,13 Den Besitz und die Schätze dieses Volkes gebe ich zur Plünderung frei
wegen ihrer Sünden, die sie im ganzen Land begangen haben.
Jer 15,14 Sie werden ihren Feinden dienen müssen in einem fremden Land. Denn
mein Zorn ist wie ein Feuer, das sie verbrennt.«
Jer 15,15 Herr, du siehst doch alles! Denk an mich, und setz dich für mich ein!
Lass meine Feinde ihre gerechte Strafe bekommen. Halte deinen Zorn gegen sie
nicht länger zurück, sonst komme ich noch um! Du weißt doch, dass sie mich
deinetwegen beschimpfen.
Jer 15,16 Immer wenn du mit mir sprachst, nahm ich deine Worte mit großem
Verlangen auf. Ja, dein Wort ist meine Freude und mein Glück, denn ich gehöre
dir, Herr, allmächtiger Gott.
Jer 15,17 Nie saß ich fröhlich mit anderen Menschen zusammen, ich konnte nicht
mit ihnen lachen. Nein, einsam war ich, weil deine Hand auf mir lag; dein Zorn
über dieses Volk hatte auch mich gepackt.
Jer 15,18 Warum hören meine Schmerzen nicht auf? Warum wollen meine Wunden nicht
heilen? Du hast mich enttäuscht, du bist wie ein Bach, der versiegt.
Jer 15,19 Da antwortete der Herr: »Kehr um zu mir, dann nehme ich dich wieder in
meinen Dienst. Wenn du nicht leichtfertig daherredest, sondern das sagst, was
Wert hat, wirst du mein Bote bleiben. Das Volk soll wieder auf dich hören, du
aber höre nicht auf sie!
Jer 15,20 Ich werde dich ihnen gegenüber stark machen wie eine Mauer aus
Bronzeplatten. Sie werden dich bekämpfen - doch ohne Erfolg, denn ich bin bei
dir und werde dich retten und bewahren. Ich, der Herr, verspreche es dir.
Jer 15,21 Aus der Hand boshafter und gewalttätiger Menschen werde ich dich
befreien.«
Jer 16,1 Der Herr sprach zu mir:
Jer 16,2 »In einem Land wie diesem sollst du nicht heiraten und keine Kinder
haben!
Jer 16,3 Denn höre, was ich über die Kinder sage, die hier geboren werden, und
über ihre Mütter und Väter:
Jer 16,4 An unheilbaren Krankheiten werden sie alle sterben, niemand wird um sie
trauern und sie begraben - sie bleiben wie Dünger auf der Erde liegen. Durch
Krieg und Hunger kommen sie um, Aasgeier und wilde Tiere werden ihre Leichen
fressen.
Jer 16,5 Ich, der Herr, sage dir: Betritt kein Trauerhaus, sprich niemandem dein
Beileid aus, trauere nicht mit ihnen, denn ich werde diesem Volk keinen Frieden
mehr geben und nicht mehr gnädig und barmherzig mit ihnen umgehen.
Jer 16,6 Reiche und Arme werden hier sterben, doch niemand wird sie begraben,
keiner wird sich aus Trauer um sie die Haut einritzen oder den Kopf kahl
scheren.
Jer 16,7 Und wenn jemand Vater oder Mutter verloren hat, so wird man nicht
einmal mit ihm essen und trinken, um ihn zu trösten.
Jer 16,8 Betritt auch kein Haus, in dem ein Fest gefeiert wird, setz dich nicht
zu den Gästen, um mit ihnen zu essen und zu trinken!
Jer 16,9 Denn ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, sage: Ich bereite
allem Jubel und aller Freude ein Ende, es wird auch keine fröhlichen
Hochzeitsfeiern mehr geben. Noch zu euren Lebzeiten und vor euren Augen wird das
geschehen!
Jer 16,10 Wenn du ihnen dies verkündigt hast, werden sie fragen: ›Warum spricht
der Herr dieses harte Urteil über uns? Was haben wir getan? Womit haben wir
gegen den Herrn, unseren Gott, gesündigt?‹
Jer 16,11 Dann antworte: Schon eure Vorfahren haben mich, den Herrn, verlassen;
anderen Göttern liefen sie nach, sie dienten ihnen und warfen sich vor ihnen
nieder. Von mir wollten sie nichts mehr wissen, meine Weisungen schlugen sie in
den Wind.
Jer 16,12 Und ihr treibt es noch schlimmer als sie! Keiner von euch will auf
mich hören, jeder tut, was sein böses und eigensinniges Herz ihm eingibt.
Jer 16,13 Darum jage ich euch fort aus eurer Heimat in ein Land, in dem weder
ihr noch eure Vorfahren je gewesen seid. Dort müsst ihr Tag und Nacht fremden
Göttern dienen, denn ich werde euch nicht mehr gnädig sein.«
Jer 16,14 So spricht der Herr: »Es kommt der Tag, an dem man beim Schwören nicht
mehr sagt: ›So wahr der Herr lebt, der Israel aus Ägypten geführt hat‹,
Jer 16,15 sondern: ›So wahr der Herr lebt, der Israel aus dem Land im Norden
zurückgebracht hat und aus allen anderen Ländern, in die er sie vertrieb.‹ Ja,
ich werde sie wieder in ihre Heimat bringen, in das Land, das ich ihren
Vorfahren geschenkt habe.
Jer 16,16 Aber jetzt schicke ich, der Herr, viele Fischer los, die mein Volk
fangen sollen; danach lasse ich viele Jäger kommen, damit sie mein Volk auf
allen Bergen und Hügeln jagen und sie aus jedem Felsversteck hervorholen.
Jer 16,17 Denn ich sehe alles, was sie tun, sie können sich nicht vor mir
verbergen. Ihre ganze Schuld liegt offen vor mir.
Jer 16,18 Nun werde ich sie für ihre schweren Sünden ohne Mitleid strafen, denn
sie haben mein Land mit ihren leblosen Götzenstatuen entweiht und überall ihre
abscheulichen Figuren aufgestellt.«
Jer 16,19 Herr, du bist meine Stärke und mein Schutz! In der Bedrängnis fliehe
ich zu dir. Auch die fremden Völker aus aller Welt werden zu dir kommen und
bekennen: »Unsere Vorfahren dienten wertlosen Götzen, die nicht helfen können
und ein großer Betrug sind.
Jer 16,20 Kann ein Mensch sich überhaupt selbst Götter machen? Sie können doch
niemals echte Götter sein!«
Jer 16,21 So spricht der Herr: »Diesmal lasse ich die Völker meine Macht
erfahren! Ich führe ihnen meine Stärke vor Augen, damit sie erkennen, dass ich
allein der Herr bin.«
Jer 17,1 »Volk von Juda, eure Sünde ist tief in euer Herz und auf die Ecken
eurer Altäre geschrieben. Unauslöschlich ist sie eingraviert, wie von einem
Eisengriffel mit Diamantenspitze.
Jer 17,2 Selbst eure Kinder denken schon an die Opferaltäre und an die Pfähle,
die der Göttin Aschera geweiht sind. Unter den dicht belaubten Bäumen, auf den
hohen Hügeln
Jer 17,3 und auf den Bergen - überall habt ihr sie aufgestellt. Darum gebe ich
euren Besitz und eure Schätze den Feinden zur Plünderung preis, ebenso all eure
Opferstätten, denn im ganzen Land habt ihr dort gegen mich gesündigt.
Jer 17,4 Ich hatte euch dieses Land für immer geschenkt; doch ihr werdet es
wieder verlieren, und daran seid ihr selbst schuld! In einem Land, das ihr nicht
kennt, werdet ihr euren Feinden dienen müssen. Denn ihr habt meinen Zorn
herausgefordert, er brennt wie ein unauslöschliches Feuer.
Jer 17,5 Ich, der Herr, sage: Mein Fluch lastet auf dem, der sich von mir
abwendet, seine Hoffnung auf Menschen setzt und nur auf menschliche Kraft
vertraut.
Jer 17,6 Er ist wie ein Dornstrauch in der Wüste, der vergeblich auf Regen
wartet. Er steht in einem dürren, unfruchtbaren Land, wo niemand wohnt.
Jer 17,7 Doch ich segne jeden, der mir ganz und gar vertraut.
Jer 17,8 Er ist wie ein Baum, der nah am Bach steht und seine Wurzeln zum Wasser
streckt: Die Hitze fürchtet er nicht, denn seine Blätter bleiben grün. Auch wenn
ein trockenes Jahr kommt, sorgt er sich nicht, sondern trägt Jahr für Jahr
Frucht.
Jer 17,9 Nichts ist so undurchschaubar wie das menschliche Herz, es ist
unheilbar krank. Wer kann es ergründen?
Jer 17,10 Ich, der Herr, durchschaue es; ich kenne jeden Menschen ganz genau und
gebe ihm, was er für seine Taten verdient.
Jer 17,11 Wer auf unehrliche Weise zu Reichtum gekommen ist, gleicht einem
Vogel, der Eier ausbrütet, die er nicht gelegt hat. In der Mitte seines Lebens
wird er seinen Reichtum verlieren, und am Ende steht er als Narr da!«
Jer 17,12 Unser Tempel ist der herrliche Thron Gottes, seit jeher hoch erhaben.
Jer 17,13 Herr, du bist die Hoffnung Israels! Wer dich verlässt, der wird
scheitern. Wer sich von dir abwendet, dessen Name vergeht so schnell wie ein
Wort, das man in den Sand schreibt. Denn er hat dich verlassen, die Quelle mit
frischem Wasser.
Jer 17,14 Heile du mich, Herr, dann werde ich geheilt, hilf mir, dann ist mir
geholfen! Ich preise dich allein!
Jer 17,15 Immer wieder fragen sie mich: »Wo bleibt das Unheil, das der Herr uns
angedroht hat? Soll es doch eintreffen!«
Jer 17,16 Herr, du hast mich zum Hirten deines Volkes berufen, und diesem
Auftrag bin ich nicht ausgewichen. Ich habe ihnen nie den Untergang gewünscht -
das weißt du! Alles, was ich verkündigt habe, ist dir bekannt.
Jer 17,17 Stürze mich nicht in Angst und Schrecken! Bei dir suche ich Zuflucht,
wenn das Unheil hereinbricht.
Jer 17,18 Bring Schande über meine Verfolger, aber nicht über mich! Sorg dafür,
dass sie das Entsetzen packt, doch mich verschone! Lass den Tag des Unheils über
sie hereinbrechen, sie sollen vom Erdboden verschwinden!
Jer 17,19 Der Herr sprach zu mir: »Stell dich ans Volkstor, durch das die Könige
von Juda ein- und ausziehen! Stell dich auch an die anderen Stadttore von
Jerusalem
Jer 17,20 und ruf: Hört die Botschaft des Herrn, ihr Könige von Juda, ihr
Bewohner von Jerusalem und ganz Juda, die ihr durch diese Tore geht!
Jer 17,21 So spricht der Herr: Wenn euch euer Leben lieb ist, dann hütet euch
davor, am Sabbat irgendeine Last durch diese Tore hereinzutragen!
Jer 17,22 Tragt an diesem Tag nichts aus euren Häusern, verrichtet am Sabbat
keine Arbeit, sondern ehrt ihn als heiligen Tag. So habe ich es euren Vorfahren
befohlen,
Jer 17,23 aber sie gehorchten mir nicht, ja, sie hörten nicht einmal hin! Sie
haben sich stur gestellt und wollten sich nichts sagen lassen.
Jer 17,24 Ich, der Herr, verspreche euch: Wenn ihr wirklich auf mich hört und am
Sabbat keine Lasten durch die Tore dieser Stadt tragt, wenn ihr diesen Tag als
heilig achtet und keine Arbeit verrichtet,
Jer 17,25 dann werden durch diese Tore weiterhin Könige einziehen, die Davids
Nachfolger sind. Mit Pferden und Wagen werden sie in die Stadt kommen, begleitet
von den führenden Männern und den Bewohnern Judas und Jerusalems. Dann wird
diese Stadt für immer bewohnt bleiben.
Jer 17,26 Aus dem ganzen Land werden Menschen hierher kommen: aus den Städten
von Juda und den Dörfern um Jerusalem, aus dem Gebiet von Benjamin, vom
Hügelland an der Westküste, aus dem Bergland und vom Negev. Sie werden ihre
Opfer zum Tempel bringen: Brand- und Schlachtopfer, Speiseopfer, Weihrauch und
Dankopfer.
Jer 17,27 Wenn ihr aber mein Gebot nicht befolgt, wenn ihr den Sabbat nicht als
heilig achtet, sondern Lasten durch die Stadttore Jerusalems hereintragt, dann
werde ich in den Toren ein Feuer entfachen, das die Paläste der Stadt verzehrt.
Keiner kann dieses Feuer löschen!«
Jer 18,1 Der Herr sprach zu mir:
Jer 18,2 »Geh hinab zum Haus des Töpfers, dort werde ich dir eine Botschaft
geben!«
Jer 18,3 Ich ging dorthin und sah, wie der Töpfer gerade ein Gefäß auf der
Scheibe drehte.
Jer 18,4 Doch es misslang ihm. Er nahm den Ton und formte ein neues Gefäß
daraus, das ihm besser gefiel.
Jer 18,5 Da sprach der Herr zu mir:
Jer 18,6 »Volk Israel, kann ich mit euch nicht genauso umgehen wie dieser Töpfer
mit dem Ton? Ihr seid in meiner Hand wie Ton in der Hand des Töpfers!
Jer 18,7 Wenn ich einem Volk oder Königreich androhe, es auszureißen und zu
vernichten,
Jer 18,8 dieses Volk sich aber von seiner Bosheit abwendet, dann werde ich
meinen Entschluss ändern - ich lasse das angedrohte Unheil nicht über sie
hereinbrechen.
Jer 18,9 Doch wenn ich einem Volk oder Königreich zusage, es einzupflanzen und
aufzubauen,
Jer 18,10 dieses Volk aber Böses tut und nicht auf mich hört, dann lasse ich das
Gute, das ich vorausgesagt habe, nicht geschehen.
Jer 18,11 Verkünde den Bewohnern von Jerusalem und ganz Juda: So spricht der
Herr: Ich lasse Unheil über euch hereinbrechen und plane Böses gegen euch. Kehrt
um von euren falschen Wegen, jeder von euch soll sein Leben von Grund auf
ändern.
Jer 18,12 Aber sie werden entgegnen: ›Spar dir die Worte! Wir machen, was wir
wollen - und sei es noch so eigensinnig und böse!‹«
Jer 18,13 So spricht der Herr: »Fragt doch die anderen Völker, ob es so etwas
schon gegeben hat: Mein Volk Israel hat etwas Abscheuliches getan!
Jer 18,14 Taut jemals der Schnee auf den felsigen Gipfeln des Libanon? Hört das
Wasser auf zu fließen, das aus fernen Quellen kommt?
Jer 18,15 Mein Volk aber hat mich vergessen! Sie bringen Räucheropfer den Götzen
dar, die ihnen nicht helfen können, und das brachte sie zu Fall. Nun gehen sie
nicht mehr die guten Wege, die sie seit alter Zeit kennen. Ihre Götter haben sie
auf falsche und ungebahnte Wege geführt.
Jer 18,16 Darum wird ihr Land für alle Zeiten zu einem Ort des Grauens und zur
Zielscheibe des Spottes. Wer an ihm vorbeizieht, schüttelt entsetzt den Kopf.
Jer 18,17 Wenn der Feind kommt, will ich mein Volk in alle Winde zerstreuen, so
wie ein Sturm aus dem Osten den Staub davontreibt. Wenn das Unheil über sie
hereinbricht, kehre ich ihnen den Rücken und komme ihnen nicht zu Hilfe.«
Jer 18,18 Die Israeliten berieten sich untereinander: »Wir müssen uns etwas
einfallen lassen, um Jeremia loszuwerden! Es wird immer ein Priester da sein,
der uns im Gesetz Gottes unterrichtet, wir werden immer genug Berater haben und
Propheten, die uns Gottes Botschaft verkünden. Jeremia glauben wir nichts!
Klagen wir ihn doch mit seinen eigenen Worten an!«
Jer 18,19 Da betete ich: »Hilf mir, o Herr! Hör, was meine Ankläger gegen mich
vorbringen!
Jer 18,20 Sie vergelten mir Gutes mit Bösem, eine Grube haben sie mir gegraben.
Denk daran, wie ich bei dir für sie eingestanden bin und für sie gebetet habe,
um deinen Zorn von ihnen abzuwenden.
Jer 18,21 Lass ihre Kinder verhungern und sie selbst durch das Schwert der
Feinde umkommen! Die Frauen sollen ihre Kinder verlieren und zu Witwen werden!
Lass die Männer den Tod finden, und die jungen Soldaten sollen im Kampf
niedergemetzelt werden!
Jer 18,22 Lass Räuberbanden plötzlich über sie herfallen, damit man Schreie des
Entsetzens in ihren Häusern hört! Denn sie haben mir eine Grube gegraben und mir
Fallen gestellt.
Jer 18,23 Herr, du kennst ihre finsteren Pläne gegen mich und ihre Mordgedanken.
Vergib ihnen nicht ihre Schuld! Vergiss nicht, was sie getan haben! Bring sie
vor deinen Augen zu Fall an dem Tag, wenn dein Zorn sie trifft!«
Jer 19,1 Der Herr befahl mir: »Kauf dir beim Töpfer einen Tonkrug. Dann nimm
einige von den Ältesten des Volkes und den Priestern mit,
Jer 19,2 und geh zum Scherbentor hinaus ins Hinnomtal! Dort sollst du verkünden,
was ich dir sage!
Jer 19,3 Richte ihnen aus: Hört die Botschaft des Herrn, ihr Könige von Juda und
ihr Einwohner Jerusalems! So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: Ich
werde über diesen Ort so großes Unheil bringen, dass keiner es ertragen kann,
davon zu hören.
Jer 19,4 Denn die Bewohner haben mich verlassen und diesen Ort ihren Götzen
geweiht. Sie verbrennen Weihrauch für Götter, die weder sie noch ihre Vorfahren,
noch die Könige von Juda gekannt haben. Dazu haben sie dieses Tal mit dem Blut
unschuldiger Menschen getränkt.
Jer 19,5 Für den Gott Baal haben sie Opferstätten errichtet, wo sie ihm ihre
Kinder verbrennen. Niemals habe ich so etwas befohlen, nie davon gesprochen, ja,
nicht einmal daran gedacht!
Jer 19,6 Darum hört nun, was ich sage: Es kommt die Zeit, in der man diesen Ort
nicht mehr Hinnomtal oder Tofet, sondern Mordtal nennen wird!
Jer 19,7 An diesem Ort will ich die Pläne der Bewohner von Juda und Jerusalem
vereiteln. Ich lasse sie ihren Todfeinden in die Hände fallen, und die werden
sie umbringen. Ihre Leichen gebe ich den Geiern und Schakalen zum Fraß.
Jer 19,8 Ich mache diese Stadt zu einem Ort des Grauens und zur Zielscheibe des
Spotts. Wer an ihr vorüberzieht, wird entsetzt sein und sie verachten.
Jer 19,9 Wenn ihre Todfeinde die Stadt belagern, wird die Hungersnot darin so
groß, dass die Einwohner ihre Kinder und schließlich auch sich gegenseitig essen
werden.
Jer 19,10 Nachdem du ihnen das angekündigt hast, sollst du den Tonkrug vor den
Augen der Männer, die dich begleitet haben, zerschmettern
Jer 19,11 und sagen: So spricht der Herr, der allmächtige Gott: Ich will dieses
Volk und diese Stadt zerschmettern wie den Tonkrug, den man nicht
wiederherstellen kann. Man wird die Toten im Tofet begraben, weil anderswo der
Platz fehlt.
Jer 19,12 Auch diese Stadt mache ich, der Herr, zu einem einzigen Leichenfeld!
Jer 19,13 Die Häuser in Jerusalem und die Paläste der Könige von Juda sollen
dadurch unrein werden wie der Tofet: alle Häuser, auf deren Dächern man den
Sternen Räucheropfer brachte und anderen Göttern Trankopfer ausgoss.«
Jer 19,14 Nachdem Jeremia im Tofet die Botschaft des Herrn verkündet hatte, ging
er in die Stadt zurück. Er stellte sich in den Tempelvorhof und rief den
Menschen dort zu:
Jer 19,15 »So spricht der allmächtige Herr, der Gott Israels: ›Ich werde über
diese Stadt und über die anderen Städte Judas all das Unheil bringen, das ich
ihnen angedroht habe. Denn ihr weigert euch hartnäckig, auf meine Worte zu
hören!‹«
Jer 20,1 Als der Priester Paschhur, der Sohn Immers, ein Oberaufseher im Tempel,
diese Weissagungen Jeremias hörte,
Jer 20,2 ließ er ihn schlagen und in einen Raum im oberen Benjamintor bringen,
das zum Tempelbezirk führte. Dort schloss er Jeremias Hände und Füße in einen
Holzblock ein.
Jer 20,3 Am nächsten Morgen ließ Paschhur Jeremia wieder frei. Da sagte der
Prophet zu ihm: »Der Herr nennt dich nicht mehr Paschhur, sondern Magor Missabib
- ›Schrecken überall‹.
Jer 20,4 Denn so spricht der Herr: ›Ich mache dich zum Schrecken - für dich
selbst und für all deine Freunde! Mit eigenen Augen wirst du sehen, wie sie
durchs Schwert der Feinde umkommen. Ich liefere die Bewohner von ganz Juda dem
König von Babylonien aus; er wird die einen in sein Land verschleppen und die
anderen hinrichten lassen.
Jer 20,5 Den ganzen Reichtum dieser Stadt übergebe ich ihren Feinden: die
wertvollen Gegenstände, den mühsam erworbenen Besitz und die Schätze der Könige
von Juda. Alles wird geplündert und nach Babylon gebracht.
Jer 20,6 Dich, Paschhur, wird man samt deinen Hausbewohnern nach Babylonien in
die Gefangenschaft führen. Dort wirst du sterben, und dort wird man dich
begraben, dich und all deine Freunde, denen du hier falsche Prophetien verkündet
hast!‹«
Jer 20,7 Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen! Du
bist stärker als ich und hast den Kampf gewonnen. Und nun werde ich lächerlich
gemacht - tagaus, tagein; alle verhöhnen mich!
Jer 20,8 Denn sooft ich das Wort ergreife, schreie ich: »Gewalt und Zerstörung
erwarten euch!« Deine Botschaft bringt mir nichts als Hohn und Spott.
Jer 20,9 Wenn ich mir aber vornehme: »Ich will nicht mehr an den Herrn denken
und nicht länger in seinem Namen reden«, dann brennt dein Wort in meinem Herzen
wie ein Feuer, ja, es glüht tief in mir. Ich habe versucht, es zurückzuhalten,
aber ich kann es nicht!
Jer 20,10 Ich höre viele hinter meinem Rücken tuscheln: »Von ihm hört man nichts
als Schreckensmeldungen! Zeigt ihn an, wir wollen ihn verklagen!« Alle, denen
ich vertraut habe, lauern darauf, wann ich zu Fall gebracht werde. »Vielleicht
lässt er sich hereinlegen, dann ist er in unserer Gewalt, und wir können uns an
ihm rächen!«, sagen sie.
Jer 20,11 Aber du, Herr, stehst mir bei wie ein mächtiger Held! Darum werden
meine Feinde stürzen und nicht den Sieg davontragen. Nein, es wird ihnen niemals
gelingen! Unvergesslich und groß wird ihre Schande sein!
Jer 20,12 Herr, allmächtiger Gott, du prüfst die Menschen, die dir dienen, du
kennst sie ganz genau. Lass mich mit eigenen Augen sehen, wie du meine Feinde
für ihre Bosheit bestrafst! Dir habe ich meinen Fall anvertraut.
Jer 20,13 Singt für den Herrn und lobt ihn! Denn er rettet den Armen aus der
Gewalt boshafter Menschen.
Jer 20,14 Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren wurde; der Tag, an dem meine
Mutter mich zur Welt brachte, soll für immer vergessen werden!
Jer 20,15 Verflucht sei der Mann, der meinem Vater die frohe Nachricht brachte:
»Du hast einen Sohn bekommen!«
Jer 20,16 Es möge ihm ergehen wie den Städten, die der Herr erbarmungslos
vernichtet hat! Schon am Morgen soll er Schreckensschreie hören und am Mittag
Kriegsalarm!
Jer 20,17 Wäre ich doch im Mutterleib gestorben. Dann wäre meine Mutter mein
Grab geworden und für immer schwanger geblieben!
Jer 20,18 Warum nur bin ich geboren? Um ein Leben zu führen, das mir nichts als
Leid und Elend bringt? Um jeden Tag nur Schimpf und Schande zu ernten?
Jer 21,1 [1/2] König Zedekia sandte Paschhur, den Sohn Malkijas, und den
Priester Zefanja, den Sohn Maasejas, zu Jeremia. Sie sollten ihm mitteilen:
»Nebukadnezar, der König von Babylonien, führt Krieg gegen uns. Befrage doch den
Herrn und bitte ihn, ob er nicht ein Wunder für uns tut wie schon so oft und
Nebukadnezar zum Abzug zwingt!« Da empfing Jeremia eine Botschaft vom Herrn.
Jer 21,3 Er sagte zu den Männern, sie sollten Zedekia ausrichten:
Jer 21,4 »So spricht der Herr, der Gott Israels: ›Noch kämpft ihr vor den
Stadttoren gegen Nebukadnezar und die Babylonier, die Jerusalem belagern. Doch
ich werde euch zwingen, euch in die Stadt zurückzuziehen und die Waffen
niederzulegen.
Jer 21,5 Ich selbst werde erbarmungslos gegen euch kämpfen mit meiner starken
Hand und aller Kraft, ihr werdet meinen Zorn in seiner ganzen Schärfe zu spüren
bekommen.
Jer 21,6 Ich werde alle ausrotten, die in dieser Stadt leben, Mensch und Tier!
An einer schweren Seuche sollen sie sterben.
Jer 21,7 König Zedekia von Juda werde ich in die Gewalt des babylonischen Königs
Nebukadnezar geben, zusammen mit seinen obersten Beamten und den Einwohnern der
Stadt, die von Seuchen, Hunger und dem Schwert der Feinde verschont geblieben
sind. Ihren Todfeinden werden sie in die Hände fallen. Nebukadnezar wird sie
allesamt hinrichten lassen, ohne Gnade und Erbarmen. Darauf gebe ich, der Herr,
mein Wort.
Jer 21,8 Sag diesem Volk: So spricht der Herr: Ihr habt die Wahl zwischen Leben
und Tod!
Jer 21,9 Wer in dieser Stadt bleibt, wird entweder im Kampf fallen, verhungern
oder an einer Seuche sterben. Wer aber die Stadt verlässt und sich den
Babyloniern, die euch belagern, ergibt, wird wenigstens sein Leben retten.
Jer 21,10 Ich, der Herr, bin fest entschlossen, diese Stadt nicht zu verschonen,
sondern sie ins Unglück zu stürzen. Der König von Babylonien wird sie erobern
und niederbrennen lassen.‹«
Jer 21,11 Der Herr gab mir den Auftrag, dem judäischen Königshaus eine Botschaft
auszurichten:
Jer 21,12 »Hört, was der Herr euch sagt, ihr Nachkommen Davids: ›Sprecht jeden
Tag gerechte Urteile! Helft den Menschen, die beraubt und unterdrückt werden!
Doch wenn ihr weiterhin Böses tut, fordert ihr meinen Zorn heraus. Er brennt wie
ein Feuer, das niemand löschen kann.
Jer 21,13 Jerusalem, du thronst auf dem Felsen hoch über dem Tal und sagst: Wer
kann uns schon überfallen und in unsere Festung eindringen? - Doch nun greife
ich dich an, ich, der Herr!
Jer 21,14 Du bekommst von mir den Lohn für deine Bosheit. Ich selbst lege Feuer
an deine Häuser, die Flammen werden alles verzehren.‹«
Jer 22,1 Der Herr befahl mir, in den Königspalast zu gehen
Jer 22,2 und zu sagen: »Höre, was der Herr dir verkündet, König von Juda, du
Nachfolger Davids, dir, deinen obersten Beamten und deinem Volk, das durch diese
Tore zum Palast hineingeht!
Jer 22,3 So spricht der Herr: ›Sorgt für Recht und Gerechtigkeit! Helft den
Menschen, die beraubt und unterdrückt werden! Den Ausländern, Waisen und Witwen
tut keine Gewalt an, und übervorteilt sie nicht! Hört auf, hier vor Gericht
unschuldige Menschen hinzurichten!
Jer 22,4 Wenn ihr euch daran haltet, dann werden auch weiterhin Könige regieren,
die Nachkommen Davids sind. Sie, ihre obersten Beamten und ihr Gefolge werden
mit Pferden und Wagen durch die Tore in diesen Palast einziehen.
Jer 22,5 Doch wenn ihr nicht auf meine Worte hört, wird dieser Palast zum
Trümmerhaufen. Das schwöre ich, der Herr.
Jer 22,6 Prächtig bist du, Palast der Könige von Juda, wie der Wald im Land
Gilead und wie der Gipfel des Libanon - und dennoch will ich dich zur Ruine
machen, zu einem unbewohnten Ort!
Jer 22,7 Ich sende Männer, die dich zerstören sollen. Mit ihren Äxten werden sie
deine Zedernsäulen fällen und ins Feuer werfen.
Jer 22,8 Dann werden fremde Völker hier vorüberziehen und fragen: Warum hat der
Herr dies mit der großen Stadt getan?
Jer 22,9 Und man wird antworten: Ihre Einwohner haben den Bund mit dem Herrn,
ihrem Gott, gebrochen. Sie haben andere Götter verehrt und ihnen gedient.‹«
Jer 22,10 »Beweint nicht den Tod von König Josia, trauert nicht um ihn! Weint
vielmehr über König Schallum, der nun fortziehen muss! Denn er kehrt nicht mehr
zurück und wird seine Heimat nie wiedersehen.
Jer 22,11 Ich, der Herr, sage über Schallum, den Sohn Josias, der nach Josias
Tod König von Juda wurde: Er musste fortziehen von hier und wird niemals
zurückkehren.
Jer 22,12 Sterben wird er dort, wohin er als Gefangener verschleppt wurde, und
sein Land wird er nie wiedersehen!«
Jer 22,13 »Wehe dem, der seinen Palast ausbaut und dabei Unrecht tut, indem er
seine Untertanen unentgeltlich arbeiten lässt und sie um den gerechten Lohn
bringt!
Jer 22,14 Wehe dem, der sich vornimmt: ›Einen großen Palast lasse ich mir
errichten, mit geräumigen Zimmern im Obergeschoss. Ich setze große Fenster ein,
kleide den Palast mit Zedernholz aus und lasse ihn rot anstreichen.‹
Jer 22,15 Bist du deshalb ein großer König, weil du prunkvolle Bauten aus
Zedernholz errichtest, die schöner sind als andere? Auch dein Vater liebte
auserlesene Speisen, doch er sorgte für Recht und Gerechtigkeit, und darum ging
es ihm gut.
Jer 22,16 Er verhalf den Wehrlosen und Armen zu ihrem Recht und hatte Erfolg bei
dem, was er tat. Wer so lebt, hat mich, den Herrn, wirklich erkannt.
Jer 22,17 Aber du hast nur eins im Sinn: Gewinn um jeden Preis! Du bringst
unschuldige Menschen um, wenn du irgendeinen Vorteil davon hast; vor
Unterdrückung und Erpressung schreckst du nicht zurück.
Jer 22,18 Hört darum, was ich, der Herr, über Jojakim sage, den Sohn König
Josias von Juda: Man wird um ihn nicht trauern und das Klagelied ›Ach, mein
Bruder‹ anstimmen. Um ihn wird keiner weinen: ›Ach, unser König und Herrscher!‹
Jer 22,19 Nein, wie einen toten Esel schleift man ihn fort und wirft ihn weg,
draußen vor die Tore von Jerusalem!«
Jer 22,20 »Steig hinauf auf den Libanon, Jerusalem, und schrei! Geh ins Hochland
von Baschan und weine laut! Klage auf den Bergen von Abarim, denn all deine
Verbündeten sind geschlagen.
Jer 22,21 Ich habe dich gewarnt, als du noch in Sicherheit lebtest, aber du hast
dich geweigert, auf mich zu hören. Von Anfang an war es deine Art, meine Worte
zu missachten.
Jer 22,22 Deine Führer werden weggeführt, weggefegt wie von einem Sturm, und
deine Verbündeten werden gefangen genommen und verschleppt. Dann wirst du
gedemütigt und musst dich schämen wegen all deiner Bosheit!
Jer 22,23 Noch wohnst du ungestört im Libanonpalast, du hast dich in
Zedernbauten eingenistet - doch wie wirst du stöhnen, wenn dich die Schmerzen
überfallen wie Geburtswehen eine Frau!
Jer 22,24 Ich, der Herr, sage zu Konja, dem König von Juda, dem Sohn Jojakims:
Ich schwöre dir, so wahr ich lebe: Selbst wenn ich dich als Siegelring an meiner
rechten Hand trüge, würde ich dich doch vom Finger reißen!
Jer 22,25 Ich werde dich deinen Todfeinden ausliefern, vor denen du dich so sehr
fürchtest, König Nebukadnezar und seinen Truppen.
Jer 22,26 Dich und deine Mutter jage ich fort in ein fremdes Land, aus dem
keiner von euch beiden stammt, und dort werdet ihr sterben.
Jer 22,27 Doch in eure Heimat, nach der ihr euch sehnt, werdet ihr nie mehr
zurückkehren!«
Jer 22,28 Ihr fragt: »Ist König Konja wirklich wie ein zerbrochenes Tongefäß,
das keiner mehr gebrauchen kann? Warum jagt man ihn und seine Kinder fort in ein
unbekanntes Land?«
Jer 22,29 Hört her, ihr Bewohner des ganzen Landes, hört auf das Wort des Herrn!
Jer 22,30 So spricht der Herr: »Tragt diesen Mann als kinderlos in die
Verzeichnisse ein; sein Leben lang hat er kein Glück! Keinem seiner Kinder wird
es gelingen, als Nachfolger Davids in Juda zu regieren!«
Jer 23,1 So spricht der Herr: »Wehe euch, ihr Führer meines Volkes! Ihr seid
Hirten, die ihre Herde auseinander treiben und zugrunde richten!
Jer 23,2 Ich hatte euch befohlen, mein Volk, meine Herde, zu weiden. Aber ihr
habt sie zerstreut und davongejagt, anstatt für sie zu sorgen. Darum werde ich
euch für eure Vergehen zur Rechenschaft ziehen, ich, der Herr, der Gott Israels.
Jer 23,3 Ich selbst werde die Menschen meines Volkes sammeln, die übrig
geblieben sind. Aus allen Ländern, in die ich sie vertrieben habe, bringe ich
sie zurück in ihre Heimat. Dort werden sie viele Kinder haben, ihr Volk wird
immer größer werden.
Jer 23,4 Ich werde Hirten über sie einsetzen, die sie auf gute Weide führen.
Dann werden sie sich nicht mehr fürchten und keine Angst mehr haben, niemand von
ihnen geht verloren. Das verspreche ich, der Herr.
Jer 23,5 Es kommt der Tag, an dem ich einen Nachkommen Davids zum König mache,
den man wirklich als gerecht bezeichnen kann. Er wird weise regieren und in
seinem Land für Recht und Gerechtigkeit sorgen.
Jer 23,6 Unter seiner Regierung wird Juda Hilfe finden und Israel in Sicherheit
leben. ›Der Herr, unsere Rettung‹, so wird man diesen König nennen.
Jer 23,7 Es kommt der Tag, an dem man beim Schwören nicht mehr sagt: ›So wahr
der Herr lebt, der das Volk Israel aus Ägypten geführt hat‹, sondern:
Jer 23,8 ›So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen der Israeliten aus dem Land
im Norden zurückgebracht hat und aus allen Ländern, in die er sie vertrieb.‹
Dann werden sie wieder in ihrem eigenen Land wohnen. Das verspreche ich, der
Herr!«
Jer 23,9 Über die Propheten sagte Jeremia: »Mir bricht das Herz, ich zittere am
ganzen Körper. Ich taumle wie ein Betrunkener, der vom Wein benommen ist. Denn
die Worte des Herrn, des heiligen Gottes, haben mich getroffen.
Jer 23,10 Unser Land ist voll von Ehebrechern, darum lastet Gottes Fluch auf
uns. Ausgedörrt ist das Land, vertrocknet sind die Weideplätze in der Wüste. Die
Propheten haben einen falschen Weg eingeschlagen, sie missbrauchen ihre Macht.
Jer 23,11 So spricht der Herr: ›Gottlos sind sie alle - Priester und Propheten.
Und selbst in meinem Tempel muss ich ihr Treiben mit ansehen!
Jer 23,12 Doch die Wege, die sie gehen, werden glatt und schlüpfrig sein; in die
Dunkelheit wird man sie stoßen, und dort kommen sie zu Fall! Ja, ich lasse
Unheil über sie hereinbrechen, ich, der Herr! Es kommt der Tag, an dem ihre
Strafe sie trifft.
Jer 23,13 Unter den Propheten von Samaria habe ich Abscheuliches gesehen: Sie
haben im Namen des Gottes Baal geweissagt und mein Volk in die Irre geführt.
Jer 23,14 Aber was ich unter den Propheten von Jerusalem sehe, ist noch viel
erschreckender: Sie begehen Ehebruch, sie lügen und betrügen; und den, der ein
gottloses Leben führt, bestärken sie noch darin, anstatt ihn davon abzubringen.
In meinen Augen sind sie keinen Deut besser als die Einwohner von Sodom und
Gomorra!
Jer 23,15 Darum spreche ich, der allmächtige Gott, dieses Urteil über die
Propheten: Ich werde ihnen bittere Kost zu essen und giftiges Wasser zu trinken
geben. Denn die Propheten Jerusalems haben die Gottlosigkeit im ganzen Land
verbreitet.
Jer 23,16 Hört, was ich, der allmächtige Gott, sage: Achtet nicht auf die
Weissagungen dieser Propheten! Sie machen euch falsche Hoffnungen und verkünden
euch Visionen, die aus ihrem eigenen Herzen kommen, aber nicht mein Wort sind.
Jer 23,17 Denen, die nichts mehr von mir wissen wollen, verkünden sie in meinem
Namen: Es wird euch weiterhin gut gehen. - Und zu allen, die so stur weiterleben
wie bisher, sagen sie: Kein Unheil wird euch treffen! -
Jer 23,18 Keiner dieser Propheten kennt meine geheimen Gedanken, keiner hat mein
Wort gehört oder meine Pläne durchschaut. Keiner weiß, was ich gesagt habe.‹«
Jer 23,19 Der Zorn des Herrn bricht los wie ein Sturm, wie ein Wirbelsturm fegt
er über die hinweg, die den Herrn verachten.
Jer 23,20 Er wird sich erst legen, wenn alles ausgeführt ist, was der Herr sich
vorgenommen hat. Die Zeit kommt, in der ihr das klar erkennen werdet!
Jer 23,21 Der Herr spricht: »Ich habe diese Propheten nicht gesandt, und doch
sind sie losgezogen. Ich habe ihnen keine Botschaft anvertraut, trotzdem haben
sie geweissagt.
Jer 23,22 Wenn sie wirklich meine Gedanken kennen würden, dann hätten sie meinem
Volk meine Botschaft verkündet, damit es von seinen falschen Wegen umkehrt und
aufhört, Böses zu tun.
Jer 23,23 Ich, der Herr, sage: Ich bin nicht nur der Gott in eurer Nähe, sondern
auch der ferne Gott, über den ihr nicht verfügt.
Jer 23,24 Meint ihr, jemand könnte sich so vor mir verstecken, dass ich ihn
nicht mehr sehe? Ich bin es doch, der den Himmel und die Erde erfüllt, ich, der
Herr!
Jer 23,25 Ich weiß ganz genau, was die Propheten reden: ›Hört, was euch Gott
durch unsere Träume sagen will!‹ Und dann weissagen sie Lügen und berufen sich
dabei auf mich!
Jer 23,26 Wie lange soll das noch so weitergehen? Was wollen diese Propheten
damit erreichen, dass sie Lügen und selbst erfundene Botschaften verbreiten?
Jer 23,27 Sie denken wohl, wenn sie ihre Träume erzählen, vergisst mich mein
Volk, so wie ihre Vorfahren mich vergessen haben, weil sie dem Götzen Baal
dienten!
Jer 23,28 Ein Prophet, der Träume hat, sollte sagen, dass es nur Träume sind,
aber wer mein Wort empfängt, soll es gewissenhaft als mein Wort verkünden. Meint
ihr, Spreu und Weizen seien dasselbe?
Jer 23,29 Ich, der Herr, sage euch: Mein Wort ist wie ein Feuer und wie ein
Hammer, der Felsen in Stücke schlägt!
Jer 23,30 Diese Propheten bekommen es mit mir zu tun, sie, die einander die
Worte stehlen und behaupten, sie hätten sie von mir!
Jer 23,31 Sie werden mir nicht entkommen, diese Propheten, die ihre eigenen
Gedanken von sich geben und dann sagen: ›Der Herr hat gesprochen.‹
Jer 23,32 Nein, mir entgehen diese Lügner nicht, die ihre Träume als mein Wort
ausgeben! Sie führen mein Volk in die Irre und täuschen es mit ihrer
zusammengereimten Botschaft. Ich, der Herr, habe sie nicht gesandt und ihnen
keinen Auftrag gegeben. Sie helfen diesem Volk keinen Schritt weiter!«
Jer 23,33 »Jeremia, wenn das Volk, ein Priester oder ein Prophet dich fragen:
›Welche Botschaft hat der Herr dir heute wieder aufgelastet?‹, sollst du ihnen
in meinem Auftrag antworten: Ihr seid die Last, die auf mir liegt, aber ich
werde euch abwerfen!
Jer 23,34 Wenn ein Prophet, ein Priester oder jemand aus dem Volk sagt: ›Der
Herr hat mir eine Botschaft aufgelastet‹, dann werde ich ihn bestrafen, ihn und
seine ganze Familie!
Jer 23,35 Fragt einander lieber: ›Was hat der Herr geantwortet?‹ oder: ›Was sagt
der Herr?‹
Jer 23,36 Aber bezeichnet meine Botschaft nicht mehr als Last! Denn wer dies
tut, der bürdet sich selbst damit eine Last auf, weil er die Botschaft des
lebendigen Gottes verfälscht, die Worte des Herrn der ganzen Welt!
Jer 23,37 Darum fragt einen Propheten: ›Was hat dir der Herr geantwortet?‹ oder:
›Was sagt der Herr?‹
Jer 23,38 Wenn ihr aber weiterhin meine Botschaft als Last bezeichnet, obwohl
ich euch durch meine Boten davor warnen ließ,
Jer 23,39 dann will ich euch hochheben wie eine Last und euch wegwerfen, ebenso
die Stadt Jerusalem, die ich euch und euren Vorfahren gegeben habe.
Jer 23,40 Die Schande, in die ich euch dann stürze, wird ewig dauern und nie
vergessen werden!«
Jer 24,1 Der babylonische König Nebukadnezar hatte den judäischen König
Jojachin, den Sohn Jojakims, von Jerusalem in die Gefangenschaft nach Babylonien
gebracht, zusammen mit den obersten Beamten, Schmieden und Schlossern. Danach
gab mir der Herr eine Vision: Ich sah zwei Körbe mit Feigen vor dem Tempel
stehen.
Jer 24,2 Die Feigen im einen Korb waren sehr gut, wie reife Frühfeigen, im
anderen Korb lagen nur schlechte, man konnte sie nicht mehr essen.
Jer 24,3 Der Herr fragte mich: »Jeremia, was siehst du?« »Feigen«, antwortete
ich. »Die guten sind vorzüglich, und die schlechten sind schon völlig
ungenießbar.«
Jer 24,4 Da empfing ich eine Botschaft vom Herrn:
Jer 24,5 »So spricht der Herr, der Gott Israels: Wie man sich über die guten
Feigen freut, so habe ich Gefallen an den Judäern, die ich von hier nach
Babylonien verschleppen ließ.
Jer 24,6 Ich habe einen guten Plan mit ihnen und bringe sie in ihr Land zurück.
Dort werde ich sie aufbauen und nicht mehr niederreißen, einpflanzen und nicht
wieder entwurzeln.
Jer 24,7 Ich gebe ihnen ein verständiges Herz, damit sie erkennen, dass ich der
Herr bin. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein; von ganzem
Herzen werden sie wieder zu mir umkehren.
Jer 24,8 Aber König Zedekia, seine obersten Beamten, die restlichen Bewohner von
Jerusalem und Juda und alle, die nach Ägypten geflohen sind - sie behandle ich
wie diese ungenießbaren Feigen.
Jer 24,9 In allen Königreichen der Erde wird man über ihr Unglück entsetzt sein
und sie verspotten. Wohin ich sie auch verjage, überall wird ihr Elend
sprichwörtlich sein. Wer einen anderen verhöhnen oder verfluchen will, wird ihm
das gleiche Schicksal herbeiwünschen, das sie getroffen hat.
Jer 24,10 Kriege, Hungersnot und Seuchen will ich über sie bringen, bis sie
ausgerottet sind aus dem Land, das ich einst ihren Vorfahren geschenkt habe.«
Jer 25,1 Im 4. Regierungsjahr Jojakims, des Sohnes Josias, empfing Jeremia eine
Botschaft für das ganze Volk von Juda. Es war das 1. Regierungsjahr des
babylonischen Königs Nebukadnezar.
Jer 25,2 Der Prophet Jeremia gab die Botschaft weiter an alle Einwohner von
Jerusalem und an das ganze Volk von Juda.
Jer 25,3 Er sagte: »Dreiundzwanzig Jahre lang - vom 13. Regierungsjahr unseres
Königs Josia, des Sohnes Amons, bis zum heutigen Tag - hat der Herr immer wieder
zu mir gesprochen. Ich habe euch seine Worte verkündet, aber ihr wolltet sie nie
annehmen.
Jer 25,4 Der Herr hat ständig seine Boten, die Propheten, zu euch gesandt, aber
ihr habt euch beharrlich geweigert, auf sie zu hören. Ihr habt sie gar nicht
ernst genommen,
Jer 25,5 wenn sie euch sagten: ›Jeder von euch soll umkehren von seinen falschen
Wegen! Hört auf, Böses zu tun! Dann könnt ihr für immer in diesem Land bleiben,
das der Herr euch und euren Vorfahren geschenkt hat.‹
Jer 25,6 Der Herr warnte euch: ›Dient nicht anderen Göttern, macht euch keine
Götzenfiguren, und verehrt sie nicht, sonst fordert ihr meinen Zorn heraus, und
ich bringe Unheil über euch!
Jer 25,7 Aber ihr habt alle meine Worte in den Wind geschlagen. Mit eurem
Götzendienst habt ihr meinen Zorn heraufbeschworen und euch selbst damit
geschadet.‹
Jer 25,8 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: ›Weil ihr nicht auf mich
gehört habt,
Jer 25,9 rufe ich alle Völker aus dem Norden herbei, auch meinen Diener
Nebukadnezar, den König von Babylonien. Sie werden euch und alle eure
Nachbarvölker überfallen. Über euch alle habe ich mein Urteil gesprochen - eure
Länder werden zerstört und für immer zur Wüste gemacht. Ein Bild des Schreckens
werdet ihr sein, das nur Verachtung erntet.
Jer 25,10 Ich bereite bei euch allem Jubel und aller Freude ein Ende, es wird
auch keine fröhlichen Hochzeitsfeiern mehr geben; dann hört man keine Kornmühle
mehr in den Häusern, und die Öllampen verlöschen.
Jer 25,11 Euer ganzes Land wird zu einem Trümmerfeld, zu einer unbewohnten
Wüste. Siebzig Jahre lang werdet ihr und eure Nachbarvölker dem König von
Babylonien unterworfen sein.
Jer 25,12 Aber nach den siebzig Jahren gehe ich mit dem König von Babylonien und
seinem Volk ins Gericht und mache ihr Land für immer zur Wüste.
Jer 25,13 Ich lasse alle Drohungen, die ich gegen dieses Land ausgesprochen
habe, in Erfüllung gehen, alle Weissagungen Jeremias über die Völker, wie sie in
diesem Buch aufgeschrieben sind.
Jer 25,14 Viele Völker und mächtige Könige werden kommen und die Babylonier
unterwerfen. So ziehe ich sie zur Rechenschaft für alles, was sie getan haben.‹«
Jer 25,15 Der Herr, der Gott Israels, sprach zu mir: »Nimm diesen Kelch, den ich
dir reiche! Er ist gefüllt mit meinem Zorn. Gib allen Völkern, zu denen ich dich
sende, davon zu trinken!
Jer 25,16 Sie sollen trinken, taumeln und den Verstand verlieren, wenn ich Krieg
und Tod über sie bringe!«
Jer 25,17 Da nahm ich den Kelch aus der Hand des Herrn entgegen und ließ alle
Völker daraus trinken, zu denen mich der Herr sandte:
Jer 25,18 zuerst Jerusalem und die anderen Städte im Land Juda mit ihren Königen
und führenden Männern; da wurde das ganze Land zu einem einzigen Trümmerfeld, an
dem die Leute entsetzt vorübergingen, über dessen Schicksal sie spotteten und es
auch anderen herbeiwünschten - so wie es schon heute geschieht.
Jer 25,19 Dann kam der Pharao an die Reihe, der König von Ägypten, mit seinem
Hofstaat, den obersten Beamten und dem ganzen Volk
Jer 25,20 samt allen Ausländern in seinem Land. Danach mussten die Könige des
Landes Uz aus dem Kelch trinken, die Könige des Landes der Philister mit den
Städten Aschkelon, Gaza, Ekron und der restlichen Bevölkerung von Aschdod,
Jer 25,21 dann die Edomiter, Moabiter und Ammoniter,
Jer 25,22 die Könige der Hafenstädte Tyrus und Sidon sowie die Herrscher der
Inseln jenseits des Mittelmeers,
Jer 25,23 die Beduinen von Dedan, Tema und Bus und die anderen Stämme, die sich
das Haar an den Schläfen stutzen,
Jer 25,24 alle Könige Arabiens und der Nomadenstämme in der Wüste,
Jer 25,25 alle Könige von Simri, Elam und Medien,
Jer 25,26 dann die Herrscher der nahen und fernen Länder im Norden, einer nach
dem anderen, ja, alle Königreiche der ganzen Welt. Zuletzt musste der König von
Babylonien aus dem Kelch trinken.
Jer 25,27 Dann befahl mir der Herr, ihnen allen diese Botschaft auszurichten:
»So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: Trinkt aus diesem Kelch, bis
ihr betrunken seid und euch erbrechen müsst; trinkt, bis ihr zu Boden stürzt und
nicht mehr aufstehen könnt, weil mein Schwert unter euch wütet!«
Jer 25,28 Weiter sprach der Herr zu mir: »Wenn sie sich weigern, den Kelch aus
deiner Hand entgegenzunehmen und daraus zu trinken, dann befiehl: Im Namen des
allmächtigen Gottes: Ihr müsst ihn austrinken!
Jer 25,29 Über die Stadt, die meinen Namen trägt, lasse ich das Unheil zuerst
hereinbrechen - und ihr meint, ich würde euch verschonen? Nein, ihr entkommt
eurer Strafe nicht! Ich bringe Krieg und Tod über alle Bewohner der Erde, ich,
der allmächtige Gott.«
Jer 25,30 »Und du, Jeremia, verkünde ihnen in meinem Auftrag alles, was ich dir
gesagt habe! Richte ihnen aus: Mächtig wie das Brüllen eines Löwen erklingt die
Stimme des Herrn aus der Höhe, wie Donnergrollen ertönt sie von dort, wo er, der
heilige Gott, wohnt. Seinem eigenen Land droht er, er ruft so laut wie einer,
der Trauben in der Kelter zerstampft. Alle Bewohner der Erde werden ihn hören.
Jer 25,31 Ja, bis ans Ende der Erde hallt sein Ruf, denn der Herr bringt alle
Völker vor Gericht. Er fällt sein Urteil über alle Menschen, und die Schuldigen
liefert er dem Henker aus.
Jer 25,32 So spricht der allmächtige Gott: Seht, das Unheil trifft ein Volk nach
dem anderen, ein gewaltiger Sturm zieht auf vom Ende der Erde!
Jer 25,33 Dann liegen die Leichen derer, die ich, der Herr, erschlagen habe,
überall verstreut; keiner trauert um sie, niemand sammelt sie ein, um sie zu
begraben. Sie werden zum Dünger auf den Feldern.
Jer 25,34 Ihr Mächtigen, weint und schreit um Hilfe! Wälzt euch vor Trauer in
der Asche, ihr Hirten eurer Völker, denn jetzt ist der Tag gekommen, an dem ihr
fortgejagt und geschlachtet werdet! Ich werfe euch zu Boden und zerschmettere
euch wie ein Gefäß.
Jer 25,35 Ihr könnt nicht mehr vor mir fliehen, es gibt kein Entrinnen mehr!
Jer 25,36 Hört, wie erbärmlich die Mächtigen um Hilfe schreien und wie die
Hirten der Völker heulen, weil ich ihre Weide verwüstet habe!
Jer 25,37 In Frieden lag sie da, doch nun habe ich sie in meinem furchtbaren
Zorn zerstört.
Jer 25,38 Ich habe mich erhoben wie ein Löwe, der aus seinem Versteck
hervorkommt, um auf Raubzug zu gehen. Voller Zorn habe ich die Länder mit meinem
Schwert verwüstet.«
Jer 26,1 Nicht lange nachdem Jojakim, der Sohn Josias, König von Juda geworden
war, sprach der Herr zu Jeremia:
Jer 26,2 »Geh in den Tempelvorhof, und richte allen Menschen, die aus den
Städten Judas kommen, um mich im Tempel anzubeten, meine Botschaft aus! Lass
kein Wort davon weg!
Jer 26,3 Vielleicht hören sie darauf und kehren um von ihren falschen Wegen.
Dann werde ich meinen Entschluss ändern und das angedrohte Unheil nicht über sie
hereinbrechen lassen.
Jer 26,4 Sag ihnen: So spricht der Herr: Wenn ihr nichts von mir wissen wollt
und euch nicht an meine Weisungen haltet,
Jer 26,5 wenn ihr die Warnungen der Propheten nicht beachtet, wenn ihr nicht auf
meine Boten hört, die ich immer wieder zu euch sende,
Jer 26,6 dann werde ich diesen Tempel zerstören so wie damals das Heiligtum in
Silo. Alle anderen Völker der Erde werden jedem, den sie verfluchen wollen, das
Schicksal Jerusalems herbeiwünschen.«
Jer 26,7 Die Priester, die Propheten und das Volk hatten zugehört, wie Jeremia
diese Warnungen vor dem Tempel aussprach.
Jer 26,8 Kaum hatte er ihnen die Botschaft des Herrn ausgerichtet, nahmen sie
ihn fest. »Das wirst du mit dem Leben bezahlen!«, schrien sie.
Jer 26,9 »Wie kannst du im Namen des Herrn behaupten, dass es diesem Tempel wie
dem Heiligtum in Silo ergeht und dass Jerusalem zerstört und menschenleer sein
wird?« Im Nu war Jeremia auf dem Tempelvorplatz von einer großen Menschenmenge
umringt.
Jer 26,10 Als die führenden Männer von Juda erfuhren, was geschehen war, gingen
sie vom Königspalast zum Tempel hinauf und nahmen ihre Plätze vor dem Neuen Tor
ein, um Gericht zu halten.
Jer 26,11 Die Priester und Propheten klagten Jeremia vor den führenden Männern
und allen Versammelten an: »Dieser Mann verdient den Tod! Er hat unserer Stadt
ein böses Ende angekündigt, ihr habt es ja selbst gehört!«
Jer 26,12 Darauf erwiderte Jeremia: »Der Herr hat mich beauftragt, dies alles
gegen den Tempel und die Stadt vorauszusagen.
Jer 26,13 Ändert euer Leben, und hört wieder auf den Herrn, euren Gott! Dann
wird er einlenken und das angedrohte Unheil nicht über euch hereinbrechen
lassen.
Jer 26,14 Macht mit mir ruhig, was ihr wollt! Ich bin in eurer Hand.
Jer 26,15 Doch eins sollt ihr wissen: Wenn ihr mich hinrichten lasst, dann ladet
ihr Schuld auf euch, auf diese Stadt und ihre Einwohner, weil ihr einen
Unschuldigen umgebracht habt! Denn so wahr ich hier stehe: Der Herr hat mich zu
euch gesandt, um euch alles anzukündigen, was ihr gehört habt.«
Jer 26,16 Da waren sich die Richter und das Volk einig. »Dieser Mann hat auf
keinen Fall die Todesstrafe verdient«, sagten sie zu den Priestern und
Propheten, »denn er hat im Auftrag des Herrn zu uns geredet.«
Jer 26,17 Dann traten einige von den Ältesten des Landes nach vorne und
erzählten:
Jer 26,18 »Als König Hiskia noch regierte, gab es einen Propheten namens Micha
aus Moreschet. Im Auftrag des Herrn weissagte er dem ganzen Volk: ›So spricht
der Herr, der allmächtige Gott: Der Berg Zion wird zu einem umgepflügten Acker
werden, die Stadt Jerusalem zu einem Trümmerhaufen, und auf dem Tempelberg wird
das Dornengestrüpp wuchern!‹
Jer 26,19 Doch weder König Hiskia von Juda noch das Volk ließen ihn deswegen
töten; nein, Hiskia erschrak und flehte zum Herrn um Erbarmen. Da ließ der Herr
das Unheil nicht geschehen, das er angekündigt hatte. - Wenn wir jetzt Jeremia
töten, bringen wir großes Unglück über uns!«
Jer 26,20 In jener Zeit gab es noch einen anderen Propheten, der wie Jeremia im
Auftrag des Herrn weissagte: Uria, der Sohn Schemajas, aus Kirjat-Jearim. Auch
er kündigte Jerusalem und dem ganzen Land Juda Unheil an.
Jer 26,21 Als König Jojakim, seine Heerführer und die führenden Männer davon
hörten, wollten sie ihn töten lassen. Uria erfuhr es und floh voller Angst nach
Ägypten.
Jer 26,22 Doch Jojakim schickte Elnatan, den Sohn Achbors, mit einigen anderen
Männern dorthin.
Jer 26,23 Sie nahmen Uria gefangen und brachten ihn zu Jojakim zurück. Der ließ
ihn mit dem Schwert hinrichten und seine Leiche auf dem Armenfriedhof
verscharren.
Jer 26,24 Jeremia aber kam mit dem Leben davon. Er wurde nicht dem Volk
ausgeliefert, das ihn umgebracht hätte, denn Ahikam, der Sohn Schafans, setzte
sich für ihn ein.
Jer 27,1 Als Zedekia, der Sohn Josias, die Herrschaft über Juda angetreten
hatte, empfing ich eine Botschaft vom Herrn.
Jer 27,2 Der Herr sprach zu mir: »Fertige dir ein Joch aus Holz an, binde die
Stangen mit Lederriemen zusammen, und leg dir das Joch auf den Nacken!
Jer 27,3 Dann geh zu den Gesandten der Könige von Edom, Moab, Ammon, Tyrus und
Sidon, die gerade bei König Zedekia in Jerusalem sind!
Jer 27,4 Sie sollen ihren Königen diese Botschaft von mir ausrichten: So spricht
der Herr, der allmächtige Gott Israels:
Jer 27,5 Ich habe mit meiner starken Hand die Erde geschaffen, die Menschen und
die Tiere. Ich lasse über sie herrschen, wen ich dazu erwähle.
Jer 27,6 Alle eure Länder gebe ich in die Gewalt Nebukadnezars, des Königs von
Babylonien, der mein Diener ist. Selbst die wilden Tiere sind seiner Macht
unterworfen.
Jer 27,7 Alle Völker werden ihm und später seinem Sohn und Enkel dienen müssen,
so lange, bis ich auch der Herrschaft der Babylonier ein Ende setze. Dann werden
mächtige Könige aus anderen Ländern kommen und Babylonien erobern.
Jer 27,8 Doch wenn sich jetzt ein Volk oder Königreich nicht unter das Joch
Nebukadnezars beugen will und seine Herrschaft nicht anerkennt, dann lasse ich
Krieg, Hungersnot und Seuchen über dieses Land kommen, bis Nebukadnezar es ganz
erobert hat! Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Jer 27,9 Ihr Könige, hört nicht auf eure Propheten, Wahrsager und Traumdeuter,
auf eure Geisterbeschwörer und Magier, die euch weismachen wollen, ihr müsstet
dem König von Babylonien nicht dienen!
Jer 27,10 Was sie euch erzählen, ist nichts als Lüge, und wenn ihr auf sie hört,
werdet ihr aus eurer Heimat vertrieben, ja, ich selbst vertreibe euch dann, und
ihr kommt dabei um.
Jer 27,11 Doch wer sich unter das Joch Nebukadnezars beugt und ihm dient, dessen
Volk lasse ich in seiner Heimat bleiben, damit es das Land bebauen und darin
leben kann. Das verspreche ich, der Herr.«
Jer 27,12 Dann ging ich auch zu König Zedekia und wiederholte meine Warnungen:
»Du und dein Volk, beugt euch dem König von Babylonien, unterwerft euch ihm und
den Babyloniern, dann bleibt ihr am Leben!
Jer 27,13 Oder willst du, dass dein Volk mit dir im Krieg umkommt, verhungert
oder an Seuchen stirbt? Denn diese Folgen hat der Herr jedem Land angedroht, das
sich nicht dem König von Babylonien unterwirft.
Jer 27,14 Hört nicht auf eure Propheten, die euch weismachen wollen, ihr müsstet
Nebukadnezars Herrschaft nicht anerkennen! Was sie euch sagen, ist nichts als
Lüge!
Jer 27,15 So spricht der Herr: ›Ich habe diese Propheten nicht zu euch gesandt;
sie erzählen euch Lügen und berufen sich dabei auch noch auf mich! Wenn ihr auf
sie hört, werde ich euch vertreiben, und ihr werdet umkommen, ihr und diese
Propheten, die euch nur täuschen wollen!‹«
Jer 27,16 Dann wandte ich mich an die Priester und an das ganze Volk: »So
spricht der Herr: ›Hört nicht auf eure Propheten, wenn sie euch weismachen, die
Gegenstände aus dem Tempel würden bald von Babylon nach Jerusalem zurückgebracht
werden! Sie belügen euch.
Jer 27,17 Hört nicht auf sie! Unterwerft euch Nebukadnezar, dann bleibt ihr am
Leben! Oder wollt ihr, dass er diese Stadt zu einer Trümmerstätte macht?
Jer 27,18 Wenn eure Propheten wirklich Propheten wären, zu denen ich, der Herr,
der allmächtige Gott, spreche, dann würden sie zu mir beten. Sie würden mich
darum bitten, dass die übrigen wertvollen Tempelgegenstände, die es noch im
Tempel, im Königspalast oder anderswo in Jerusalem gibt, nicht auch nach Babylon
gebracht werden.
Jer 27,19 [19-22] Noch sind sie hier, die Bronzesäulen, das große Wasserbecken,
die Kesselwagen, die Tempelgefäße und -werkzeuge. Nebukadnezar hat sie nicht
mitgenommen, als er den judäischen König Jechonja, den Sohn Jojakims, mit den
führenden Männern von Jerusalem und Juda nach Babylonien verschleppen ließ. Aber
ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, sage euch: Alle wertvollen
Gegenstände, die noch im Tempel, im Königspalast oder anderswo in Jerusalem
zurückgeblieben sind, werden auch nach Babylon gebracht. Dort bleiben sie, bis
ich mich wieder ihrer annehme und sie nach Jerusalem zurückholen lasse. Darauf
gebe ich, der Herr, mein Wort.‹«
Jer 28,1 Im 5. Monat desselben Jahres, dem 4. Regierungsjahr des judäischen
Königs Zedekia, kam der Prophet Hananja, der Sohn Asurs, aus Gibeon in den
Tempel und sagte in Gegenwart der Priester und des Volkes zu Jeremia:
Jer 28,2 »So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: ›Ich werde das Joch
des Königs von Babylonien zerbrechen!
Jer 28,3 Innerhalb von zwei Jahren lasse ich alle wertvollen Tempelgegenstände,
die Nebukadnezar nach Babylon mitgenommen hat, hierher zurückbringen.
Jer 28,4 Ich sorge auch dafür, dass König Jechonja von Juda, der Sohn Jojakims,
wieder nach Jerusalem zurückkehrt, er und alle anderen Judäer, die nach
Babylonien verschleppt wurden. Ja, ich will der Herrschaft Nebukadnezars ein
Ende setzen!‹«
Jer 28,5 Da entgegnete Jeremia dem Propheten Hananja vor dem Volk und den
Priestern, die sich im Tempel aufhielten:
Jer 28,6 »Möge der Herr tun, was du gesagt hast! Ich wünschte, er ließe deine
Verheißung in Erfüllung gehen und brächte alle verschleppten Menschen und die
wertvollen Tempelgegenstände wieder zurück!
Jer 28,7 Doch jetzt hör gut zu, Hananja, was ich dir und den Versammelten sage:
Jer 28,8 Propheten hat es schon immer gegeben, lange bevor du und ich lebten;
sie haben vielen Völkern und mächtigen Königreichen Unheil, Kriege und Seuchen
angekündigt.
Jer 28,9 Gewiss kann ein Prophet auch Glück und Frieden voraussagen, doch ob er
wirklich vom Herrn gesandt ist, wird sich erst zeigen, wenn seine Weissagung
eintrifft!«
Jer 28,10 Da nahm der Prophet Hananja das hölzerne Joch von Jeremias Nacken,
zerbrach es
Jer 28,11 und rief: »So spricht der Herr: ›Genauso werde ich innerhalb von zwei
Jahren das Joch Nebukadnezars zerbrechen. Alle Völker will ich von der Last
seiner Herrschaft befreien!‹« Daraufhin verließ der Prophet Jeremia den Tempel.
Jer 28,12 Kurze Zeit nachdem Hananja das Joch zerbrochen hatte, das Jeremia auf
der Schulter trug, empfing Jeremia eine Botschaft vom Herrn:
Jer 28,13 »Geh und sag zu Hananja: So spricht der Herr: Das hölzerne Joch hast
du zerbrechen können - doch nun kommt ein Joch aus Eisen!
Jer 28,14 Ich selbst lege allen Völkern ringsum ein eisernes Joch auf den
Nacken: Sie werden Nebukadnezar, dem König von Babylonien, dienen müssen, ja,
selbst die wilden Tiere sind seiner Macht unterworfen! Mein Wort gilt, denn ich
bin der Herr, der allmächtige Gott Israels.«
Jer 28,15 Dann sagte Jeremia zu Hananja: »Der Herr hat dich nicht gesandt, du
verführst das Volk dazu, auf deine Lügen zu vertrauen!
Jer 28,16 So spricht der Herr: ›Weil du das getan hast, lasse ich dich vom
Erdboden verschwinden. Noch in diesem Jahr wirst du sterben, denn du hast zum
Ungehorsam gegen mich aufgerufen!‹«
Jer 28,17 Zwei Monate später, im 7. Monat desselben Jahres, starb der Prophet
Hananja.
Jer 29,1 Der Prophet Jeremia schickte aus Jerusalem einen Brief an die Ältesten,
die Priester, die Propheten und alle anderen, die den Angriff der Babylonier
überlebt hatten und von Nebukadnezar nach Babylonien verschleppt worden waren.
Jer 29,2 König Jechonja, seine Mutter, die Hofbeamten und die führenden Männer
von Juda und Jerusalem waren zusammen mit den Schmieden und Schlossern
Jerusalems in die Verbannung geführt worden.
Jer 29,3 Elasa, der Sohn Schafans, und Gemarja, der Sohn Hilkijas, nahmen
Jeremias Brief mit, als Zedekia sie zu König Nebukadnezar nach Babylon sandte.
Jer 29,4 Jeremia schrieb: »So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels, zu
allen Verbannten, die er von Jerusalem nach Babylonien wegführen ließ:
Jer 29,5 ›Baut euch Häuser und wohnt darin! Legt Gärten an und ernährt euch von
ihren Früchten!
Jer 29,6 Heiratet und zeugt Kinder! Wählt für eure Söhne Frauen aus, und lasst
eure Töchter heiraten, damit auch sie Kinder zur Welt bringen. Euer Volk soll
wachsen und nicht kleiner werden.
Jer 29,7 Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch wegführen ließ, und
betet für sie. Wenn es ihr gut geht, wird es auch euch gut gehen.
Jer 29,8 Ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, warne euch: Lasst euch
nicht von euren Propheten und Wahrsagern in die Irre führen! Wenn sie euch ihre
Träume verkünden, dann hört nicht darauf!
Jer 29,9 Sie erzählen euch Lügen und berufen sich dabei auch noch auf mich. Ich,
der Herr, habe sie nicht gesandt.
Jer 29,10 Denn ich sage euch: Die Babylonier werden siebzig Jahre herrschen, und
wenn diese Zeit um ist, werde ich Erbarmen mit euch haben. Dann lasse ich meine
Verheißung in Erfüllung gehen und bringe euch wieder in euer Land zurück.
Jer 29,11 Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, werde
euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder
Zukunft und Hoffnung.
Jer 29,12 Wenn ihr dann zu mir ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, will ich
euch erhören.
Jer 29,13 Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr mich von
ganzem Herzen sucht,
Jer 29,14 will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich euch. Ich
werde eurer Gefangenschaft ein Ende machen: Aus allen Ländern, in die ich euch
zerstreut habe, will ich euch wieder sammeln und in das Land zurückbringen, aus
dem ich euch damals fortgejagt habe.
Jer 29,15 Ihr behauptet: Der Herr hat uns hier in Babylonien Propheten gegeben,
die uns die Zukunft voraussagen. -
Jer 29,16 Doch ich, der Herr, kündige etwas ganz anderes an: Über den König, der
ein Nachkomme Davids ist, und über die restlichen Einwohner von Jerusalem, die
nicht mit euch in die Gefangenschaft ziehen mussten,
Jer 29,17 sage ich, der Herr, der allmächtige Gott: Ich bringe Kriege,
Hungersnot und Seuchen über sie; sie sind für mich wie verfaulte Feigen, die man
wegwirft, weil man sie nicht mehr essen kann.
Jer 29,18 Ja, Krieg, Hungersnot und Seuchen lasse ich über sie hereinbrechen. In
allen Königreichen ringsum, in allen Ländern, in die ich sie vertreibe, wird man
über ihr Unglück entsetzt sein, sie verachten und verspotten; wer einen anderen
verfluchen will, wird ihm dasselbe Schicksal herbeiwünschen, das sie getroffen
hat.
Jer 29,19 Denn sie haben meine Warnungen in den Wind geschlagen, die meine
Boten, die Propheten, ihnen immer wieder überbrachten. Was ich, der Herr, ihnen
zu sagen hatte, war ihnen völlig gleichgültig.
Jer 29,20 Ihr aber, die ich aus Jerusalem nach Babylonien verschleppen ließ,
hört auf mich!
Jer 29,21 Denn ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, sage euch: Ahab, der
Sohn Kolajas, und Zedekia, der Sohn Maasejas, führen euch mit ihren Weissagungen
in die Irre und berufen sich dabei auf mich. Darum gebe ich sie in die Gewalt
des Königs Nebukadnezar. Er wird sie vor euren Augen hinrichten.
Jer 29,22 Wenn ihr Verbannten in Babylonien dann jemanden verwünscht, werdet ihr
sagen: Der Herr strafe dich wie Zedekia und Ahab, die der König von Babylonien
bei lebendigem Leib rösten ließ! -
Jer 29,23 Sie haben große Schuld auf sich geladen: Mit den Frauen anderer Männer
brachen sie die Ehe, sie gaben sich als meine Propheten aus und erzählten Lügen.
Niemals habe ich sie damit beauftragt! Das bezeuge ich, der Herr.‹«
Jer 29,24 [24/25] Der Herr, der allmächtige Gott Israels, gab mir den Auftrag,
Schemaja aus Nehelam diesen Brief zu schreiben: »Eigenmächtig hast du von
Babylonien aus Briefe an die Einwohner von Jerusalem und an alle Priester
geschickt. An den Priester Zefanja, den Sohn Maasejas, schriebst du:
Jer 29,26 ›Der Herr hat dich an Jojadas Stelle zum Priester berufen. Als
Tempelaufseher musst du jeden Wahnsinnigen, der als Prophet auftritt, ins
Gefängnis werfen, seine Hände und Füße in einen Holzblock einschließen und ihm
das Halseisen umlegen.
Jer 29,27 Warum unternimmst du dann nichts gegen Jeremia aus Anatot, der sich
als Prophet ausgibt?
Jer 29,28 Er hat einen Brief an uns in Babylonien geschickt und darin behauptet,
wir müssten noch lange hier bleiben. Wir sollten uns Häuser bauen und darin
wohnen, Gärten anlegen und uns von ihren Früchten ernähren.‹
Jer 29,29 Das alles hast du Zefanja geschrieben. Doch er hat mir deinen Brief
vorgelesen,
Jer 29,30 und der Herr hat mich beauftragt,
Jer 29,31 allen Verbannten in Babylonien diese Botschaft über dich
weiterzugeben: ›Schemaja aus Nehelam spricht zu euch, als wäre er ein Prophet,
doch ich habe ihn nicht gesandt. Er verführt euch dazu, auf Lügen zu vertrauen.
Jer 29,32 Hört nun, was ich, der Herr, sage: Ich werde Schemaja aus Nehelam
strafen, ihn und seine Kinder. Seine Nachkommen werden alle sterben, und auch er
selbst wird das Gute nicht erleben, das ich meinem Volk einst schenken werde.
Denn er hat zum Ungehorsam aufgerufen gegen mich, den Herrn!‹«
Jer 30,1 Jeremia empfing diese Botschaft vom Herrn:
Jer 30,2 »So spricht der Herr, der Gott Israels: Schreib alle meine Worte auf
einer Buchrolle nieder!
Jer 30,3 Es kommt die Zeit, in der ich das Schicksal der Israeliten und Judäer,
die mein Volk sind, wieder zum Guten wende. Ich bringe sie zurück in das Land,
das ich ihren Vorfahren gegeben habe, und sie können es wieder in Besitz nehmen.
Jer 30,4 Ich, der Herr, sage zu Israel und Juda:
Jer 30,5 Ich höre Angstgeschrei, Entsetzen macht sich breit, und der Friede ist
unerreichbar fern.
Jer 30,6 Können Männer denn Kinder gebären? Warum sehe ich, wie alle Männer sich
krümmen vor Schmerz, als hätten sie Wehen? Warum sind sie alle totenbleich?
Jer 30,7 Ja, es wird ein Tag kommen - so furchtbar wie kein zweiter! Die
Nachkommen Jakobs geraten in große Not, aber ich werde sie retten.
Jer 30,8 An jenem Tag werde ich das Joch, das auf ihnen lastet, zerbrechen und
ihre Fesseln zerreißen. Das verspreche ich, der allmächtige Gott. Keine fremden
Völker werden mein Volk mehr unterwerfen.
Jer 30,9 Nein, mir wird es dienen, dem Herrn, seinem Gott, und einem Nachkommen
Davids, den ich als König über sie einsetze.
Jer 30,10 Fürchtet euch nicht, ihr Nachkommen Jakobs, meine Diener! Hab keine
Angst, Volk Israel! Ich, der Herr, werde euch aus einem fernen Land zurückholen.
Ich befreie eure Nachkommen aus dem Land, in dem sie Gefangene sind. Dann werdet
ihr in Frieden und Sicherheit leben, niemand bedroht euch mehr.
Jer 30,11 Denn ich, der Herr, bin bei euch, um euch zu helfen. Die Völker, in
deren Länder ich euch vertrieb, lasse ich vom Erdboden verschwinden, doch euch
lösche ich nicht aus. Zwar werde ich auch euch bestrafen, aber nicht mehr als
unbedingt nötig.
Jer 30,12 Israel, du bist böse zugerichtet worden, deine Wunden sind unheilbar.
Jer 30,13 Keiner tritt für dich ein, niemand verbindet deine Wunden, es gibt
keine Hoffnung auf Heilung mehr für dich!
Jer 30,14 Alle deine Freunde haben dich vergessen, sie lassen dich im Stich. Du
hast große Schuld auf dich geladen und unzählige Sünden begangen. Darum habe ich
dich geschlagen - unbarmherzig und grausam wie ein Feind.
Jer 30,15 Warum klagst du jetzt über deine Wunden, warum schreist du in deinem
Schmerz, den niemand lindern kann? Weil deine Schuld so groß ist und du viele
Sünden begangen hast, darum habe ich dich so zugerichtet!
Jer 30,16 Doch alle Völker, die dich ausrotten wollen, sollen auch ausgerottet
werden. Deine Feinde werden wie du in die Gefangenschaft ziehen. Sie haben dich
beraubt - nun fallen sie selbst anderen zur Beute; dich haben sie ausgeplündert,
nun gebe ich auch sie der Plünderung preis.
Jer 30,17 Aber zu dir sage ich, der Herr: Ich will dich wieder gesund machen und
deine Wunden heilen, auch wenn deine Feinde meinen, du seist von mir verstoßen
worden. ›Zion, um die sich niemand kümmert‹, nennen sie dich.
Jer 30,18 Doch ich verspreche dir: Ich wende das Schicksal meines Volkes wieder
zum Guten und sorge dafür, dass ihre Häuser neu errichtet werden. Aus den Ruinen
wird Jerusalem wiederaufgebaut, und der Königspalast wird an seiner alten Stelle
stehen.
Jer 30,19 Dann hört man dort wieder Danklieder und frohes Lachen. Ich lasse mein
Volk immer größer werden und verleihe ihnen so viel Ansehen, dass niemand sie
mehr verachtet.
Jer 30,20 Ihre Kinder können in Sicherheit aufwachsen wie früher, ja, das ganze
Volk wird von mir geschützt. Doch alle, die sie unterdrücken, bekommen meine
Strafe zu spüren!
Jer 30,21 Ein König aus dem eigenen Volk wird sie regieren; einer aus ihrer
Mitte wird ihr Herrscher sein. Er darf vor mich treten, weil ich es ihm gewähre.
Denn wer sonst könnte es wagen, sich mir zu nähern, mir, dem Herrn? Er würde
sein Leben aufs Spiel setzen.
Jer 30,22 Ihr Israeliten sollt wieder mein Volk sein, und ich will euer Gott
sein!«
Jer 30,23 Der Zorn des Herrn bricht los wie ein Sturm, wie ein Wirbelsturm fegt
er über die hinweg, die den Herrn verachten.
Jer 30,24 Er wird sich erst legen, wenn alles ausgeführt ist, was der Herr sich
vorgenommen hat. Die Zeit kommt, in der ihr das klar erkennen werdet!
Jer 31,1 So spricht der Herr: »Es kommt die Zeit, in der ich der Gott aller
Stämme Israels sein werde, und sie werden mein Volk sein.
Jer 31,2 Alle, die dem Schwert der Feinde entkommen sind, ziehen durch die Wüste
zurück in ihr Land, wo sie in Ruhe und Sicherheit leben können. Denn ich, der
Herr, habe Erbarmen mit ihnen.
Jer 31,3 Ich bin ihnen von ferne erschienen und habe zu ihnen gesagt: ›Ich habe
euch schon immer geliebt, darum bin ich euch stets mit Güte begegnet.‹
Jer 31,4 Ich baue dich wieder auf, Volk Israel, deine Städte und Dörfer werden
neu errichtet. Dann wirst du fröhlich sein und mit dem Tamburin hinausgehen zum
Reigentanz.
Jer 31,5 Im Bergland von Samaria legst du wieder Weinberge an. Die Weinbauern
bepflanzen sie und genießen ihre Früchte.
Jer 31,6 Die Wächter im Bergland von Ephraim rufen: ›Auf, wir wollen zum Berg
Zion gehen, zum Herrn, unserem Gott!‹
Jer 31,7 Ich, der Herr, sage: Freut euch über die Nachkommen Jakobs, jubelt über
das bedeutendste aller Völker! Singt mir Loblieder und ruft laut: ›Der Herr hat
sein Volk befreit, er hat alle gerettet, die von Israel übrig geblieben sind!‹
Jer 31,8 Ich, der Herr, bringe sie aus dem Land im Norden zurück, ich hole sie
vom Ende der Erde herbei. Blinde und Lahme sind unter ihnen, schwangere Frauen
und solche, die gerade erst ein Kind geboren haben. Sie alle kehren als großes
Volk in ihr Land zurück.
Jer 31,9 Weinend werden sie kommen, sie werden zu mir beten, während ich sie
nach Hause bringe. Ich führe sie zu Bächen mit frischem Wasser, ich lasse sie
auf gut gebahnten Wegen gehen, damit sie nicht stürzen. Denn ich bin Israels
Vater, und der Stamm Ephraim ist mein erster Sohn.
Jer 31,10 Ihr Völker, hört, was ich, der Herr, sage, verkündet es auf den
fernsten Inseln! Ruft: ›Der Herr hat die Israeliten in alle Winde zerstreut,
aber nun sammelt er sie wieder und schützt sein Volk wie ein Hirte seine Herde.‹
Jer 31,11 Ja, ich, der Herr, habe die Nachkommen Jakobs erlöst, ich habe sie aus
der Gewalt ihrer Unterdrücker befreit.
Jer 31,12 Sie werden auf den Berg Zion kommen und jubeln vor Freude; dann
genießen sie die guten Gaben, die ich ihnen schenke: Korn, jungen Wein und
Olivenöl in Fülle, dazu junge Schafe und Rinder. Mein Volk wird einem gut
bewässerten Garten gleichen, nie wieder werden sie Mangel leiden.
Jer 31,13 Die Mädchen tanzen im Reigen, die jungen Männer und die Alten feiern
miteinander. Denn ich verwandle ihre Trauer in Freude, ich tröste sie und
schenke ihnen Glück nach all ihrem Leid.
Jer 31,14 Den Priestern gebe ich das beste Fleisch der Opfertiere; mein Volk
soll satt werden von meinen guten Gaben. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Jer 31,15 So spricht der Herr: »Schreie der Angst hört man in der Stadt Rama,
das Klagen nimmt kein Ende. Rahel weint um ihre Kinder, sie will sich nicht
trösten lassen, denn ihre Kinder wurden ihr genommen.
Jer 31,16 Doch ich, der Herr, sage: Du brauchst nicht mehr zu weinen und zu
klagen! Wisch dir die Tränen ab, denn ich werde dich für das belohnen, was du
für deine Nachkommen getan hast: Sie kehren aus dem Land ihrer Feinde zurück.
Jer 31,17 Du hast eine Zukunft! Du darfst neue Hoffnung schöpfen! Denn deine
Kinder kommen in ihre Heimat zurück.
Jer 31,18 Ich habe genau gehört, wie Ephraim stöhnt: ›Herr, du hast mich
gestraft, ich musste geschlagen werden wie ein junges Rind, das sich nicht ans
Joch gewöhnen will, ich habe deine Strafe verdient! Doch jetzt bring mich zurück
zu dir, lass mich umkehren, denn du bist der Herr, mein Gott.
Jer 31,19 Ich komme zu dir zurück, und jetzt packt mich die Reue über das, was
ich getan habe. Ich erkenne meine Sünden, sie tun mir leid. Ich schäme mich, und
mein Gewissen quält mich. Die Schuld meiner Jugend hat mich in Verruf gebracht.‹
Jer 31,20 Ich, der Herr, antworte: Ephraim ist mein geliebter Sohn, mein
Lieblingskind! Immer wenn ich ihm Strafe androhe, muss ich doch in Liebe an ihn
denken. Es bricht mir das Herz, ich muss Erbarmen mit ihm haben!
Jer 31,21 Ihr Israeliten, stellt euch Wegweiser auf, kennzeichnet die Straßen!
Erinnert euch, auf welchem Weg ihr gekommen seid, und dann kehrt in eure Städte
zurück!
Jer 31,22 Wie lange willst du noch umherirren, mein Volk, das mir die Treue
gebrochen hat? Wenn du wieder in deinem Land bist, lasse ich etwas ganz Neues
geschehen: Du wirst bei mir bleiben wie eine Frau bei ihrem Mann.«
Jer 31,23 Der Herr, der allmächtige Gott Israels, sprach zu mir: »Wenn ich das
Schicksal meines Volkes zum Guten wende, werden die Einwohner der Städte Judas
sagen: ›Der Herr segne dieses Land, das ihm gehört, und den Berg Zion, auf dem
er wohnt!‹
Jer 31,24 Alle Menschen werden im Land Juda friedlich zusammenleben: Bauern und
Nomaden, die mit ihren Herden umherziehen.
Jer 31,25 Ich will den Erschöpften neue Kraft geben, und alle, die vom Hunger
geschwächt sind, bekommen von mir zu essen.«
Jer 31,26 Da wachte ich auf, ich war erfrischt und gestärkt.
Jer 31,27 Der Herr sprach: »Es kommt die Zeit, in der ich Israel und Juda wieder
mit Menschen und Tieren bevölkern werde.
Jer 31,28 Damals habe ich sie entwurzelt und ausgerissen, nun werde ich sie
wieder einpflanzen und gedeihen lassen. Das verspreche ich, der Herr.
Jer 31,29 Dann wird man nicht mehr das Sprichwort anführen: ›Die Väter haben
saure Trauben gegessen, und die Söhne haben davon stumpfe Zähne bekommen.‹
Jer 31,30 Nein, wer saure Trauben isst, wird selbst stumpfe Zähne bekommen;
jeder wird für seine eigene Schuld sterben.«
Jer 31,31 So spricht der Herr: »Es kommt die Zeit, in der ich mit dem Volk
Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließe.
Jer 31,32 Er ist nicht mit dem zu vergleichen, den ich damals mit ihren
Vorfahren schloss, als ich sie mit starker Hand aus Ägypten befreite. Diesen
Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war!
Jer 31,33 Der neue Bund mit dem Volk Israel wird ganz anders aussehen: Ich
schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln
bestimmen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.
Jer 31,34 Niemand muss dann den anderen noch belehren, keiner braucht seinem
Bruder mehr zu sagen: ›Erkenne doch den Herrn!‹ Denn alle - vom Kleinsten bis
zum Größten - werden erkennen, wer ich bin. Ich vergebe ihnen ihre Schuld und
denke nicht mehr an ihre Sünden. Mein Wort gilt!
Jer 31,35 Ich, der Herr, habe die Sonne dazu bestimmt, den Tag zu erhellen, den
Mond und die Sterne, damit sie nachts leuchten. Sie alle folgen einer festen
Ordnung. Ich lasse die Wellen des Meeres tosen, denn ich bin der Herr, der
allmächtige Gott.
Jer 31,36 Ich sage: So wie diese feste Ordnung für immer besteht, wird auch
Israel für immer mein Volk sein.
Jer 31,37 Und wie man die Weite des Himmels und die Fundamente der Erde niemals
ermessen kann, so werde ich Israel nicht verstoßen trotz allem, was es getan
hat. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Jer 31,38 So spricht der Herr: »Es kommt die Zeit, in der man die Stadt
Jerusalem für mich wieder aufbauen wird. Ihre Mauer verläuft vom Hananelturm bis
zum Ecktor,
Jer 31,39 von dort weiter bis zum Garebhügel und im Bogen bis nach Goa.
Jer 31,40 Das ganze Tal, in dem man die Leichen verbrennt und die Opferasche
ausschüttet, außerdem die Terrassenfelder bis zum Bach Kidron und zur Ecke des
Rosstors im Osten - alles wird dann einzig und allein mir gehören. Nie mehr wird
man die Stadt abreißen und zerstören.«
Jer 32,1 Im 10. Regierungsjahr des judäischen Königs Zedekia empfing Jeremia
eine Botschaft vom Herrn. Es war das 18. Regierungsjahr König Nebukadnezars,
Jer 32,2 und das babylonische Heer belagerte damals gerade Jerusalem. Jeremia
wurde im Wachhof beim Königspalast gefangen gehalten.
Jer 32,3 Zedekia hatte ihn verhaften lassen, weil er immer wieder verkündet
hatte: »So spricht der Herr: ›Ich gebe diese Stadt in die Gewalt des
babylonischen Königs, er wird sie erobern.
Jer 32,4 Auch König Zedekia entkommt ihm nicht, er wird Nebukadnezar Auge in
Auge gegenüberstehen und ihm Rechenschaft ablegen müssen.
Jer 32,5 Dann verschleppt man Zedekia nach Babylon, und dort wird er bleiben,
bis ich, der Herr, mich wieder seiner annehme. Ihr könnt noch so sehr gegen die
Babylonier kämpfen, ihr werdet doch nicht siegen!‹«
Jer 32,6 Jeremia berichtet über die Botschaft, die Gott ihm gab: Der Herr sprach
zu mir:
Jer 32,7 »Hanamel, der Sohn deines Onkels Schallum, wird zu dir kommen und dich
auffordern, seinen Acker in Anatot zu kaufen, weil du als nächster Verwandter
das Vorkaufsrecht hast.«
Jer 32,8 Wie der Herr es angekündigt hatte, kam Hanamel zu mir in den Wachhof
und sagte: »Ich muss meinen Acker verkaufen, der in Anatot im Gebiet von
Benjamin liegt. Du bist der nächste Verwandte und hast das Vorkaufsrecht. Nimm
den Acker, damit er unserer Sippe nicht verloren geht!« Ich wusste, dass durch
ihn der Herr zu mir sprach,
Jer 32,9 darum kaufte ich Hanamel den Acker ab und gab ihm siebzehn Silberstücke
dafür.
Jer 32,10 Ich unterzeichnete den Kaufvertrag, ließ die Zeugen unterschreiben und
versiegelte das Schriftstück. Die Silberstücke wog ich auf der Waage ab.
Jer 32,11 [11/12] In Gegenwart Hanamels, der Zeugen, die den Vertrag beglaubigt
hatten, und der anderen Judäer, die sich im Wachhof aufhielten, gab ich dann den
versiegelten Vertrag und eine unversiegelte Abschrift Baruch, dem Sohn Nerijas
und Enkel Machsejas.
Jer 32,13 Ich sagte zu ihm:
Jer 32,14 »So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: ›Nimm diesen
versiegelten Kaufvertrag und die offene Abschrift, und bewahre sie in einem
Tonkrug auf, damit sie lange erhalten bleiben.
Jer 32,15 Denn ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, verspreche: Es kommt
die Zeit, in der man in diesem Land wieder Häuser, Äcker und Weinberge kaufen
wird!‹«
Jer 32,16 Nachdem ich den Kaufvertrag Baruch, dem Sohn Nerijas, übergeben hatte,
betete ich:
Jer 32,17 »Herr, allmächtiger Gott, durch deine starke Hand und deine Macht hast
du den Himmel und die Erde geschaffen. Nichts ist dir unmöglich.
Jer 32,18 Die Söhne strafst du für die Schuld ihrer Väter, aber deine Güte
erweist du an Tausenden von Generationen. Du bist groß und unüberwindlich, Herr,
allmächtiger Gott!
Jer 32,19 Deine Gedanken sind weise, und alles, was du tust, zeigt deine
unerschöpfliche Macht. Vor deinen Augen liegen die Wege aller Menschen offen da,
du gibst jedem, was er für seine Taten verdient.
Jer 32,20 Du hast damals in Ägypten Zeichen und Wunder vollbracht, und so tust
du es bis heute an Israel und an allen Menschen. Dein Name ist in aller Welt
bekannt.
Jer 32,21 Du hast dein Volk Israel mit starker Hand aus Ägypten befreit, durch
deine Wunder und die Zeichen deiner Macht hast du ihre Feinde in Angst und
Schrecken versetzt.
Jer 32,22 Deinem Volk gabst du dieses Land, das du schon ihren Vorfahren mit
einem Eid versprochen hattest, ein Land, wo Milch und Honig fließen.
Jer 32,23 Doch als unsere Vorfahren es in Besitz genommen hatten, hörten sie
nicht mehr auf dich, den Herrn, sie richteten sich nicht nach deinen Geboten,
und was du ihnen sagtest, war ihnen völlig gleichgültig. Darum hast du nun das
Unheil über sie hereinbrechen lassen.
Jer 32,24 Die Belagerungswälle reichen schon bis dicht an die Stadtmauer! Die
Babylonier werden Jerusalem erobern, und wir halten ihrem Angriff nicht mehr
stand, denn wir sind von Hunger und Seuchen geschwächt. Herr, sieh doch, es ist
alles so gekommen, wie du es angedroht hast.
Jer 32,25 Und obwohl die Stadt bald den Babyloniern in die Hände fallen wird,
hast du, Herr, allmächtiger Gott, mir noch befohlen, den Acker zu kaufen und den
Vertrag von Zeugen beglaubigen zu lassen!«
Jer 32,26 Da sprach der Herr zu mir:
Jer 32,27 »Ich bin der Herr über alle Menschen, mir ist nichts unmöglich.
Jer 32,28 Ich liefere diese Stadt König Nebukadnezar und den Babyloniern aus.
Jer 32,29 Noch belagern sie Jerusalem, doch dann werden sie es erobern und
niederbrennen. Alle Häuser, auf deren Dächern man für Baal Räucheropfer
darbrachte und anderen Göttern Trankopfer ausgoss, werden in Flammen aufgehen.
Denn die Einwohner haben meinen Zorn damit herausgefordert.
Jer 32,30 Die Israeliten und die Judäer haben von Anfang an nur das getan, was
ich verabscheue, ständig haben sie mich zornig gemacht.
Jer 32,31 Seit Jerusalem gegründet wurde, haben die Menschen dort mich bis aufs
äußerste gereizt! Darum werde ich diese Stadt nun dem Erdboden gleichmachen.
Jer 32,32 Ja, mich haben sie herausgefordert mit ihrer Bosheit, die Könige und
führenden Männer, die Priester, Propheten und das ganze Volk von Juda und
Jerusalem.
Jer 32,33 Sie haben mir den Rücken gekehrt und wollten nichts mehr von mir
wissen. Obwohl ich ihnen immer wieder meine Weisungen gab, weigerten sie sich
beharrlich, auf mich zu hören und mir zu gehorchen.
Jer 32,34 Sogar in meinem Tempel haben sie ihre abscheulichen Götzen aufgestellt
und ihn so entweiht.
Jer 32,35 Und nicht genug damit: Im Hinnomtal errichteten sie Opferstätten für
Baal und verbrannten ihre Kinder als Opfer für den Gott Moloch. Niemals habe ich
ihnen so etwas befohlen, mit keinem Gedanken je daran gedacht, dass sie sich in
so entsetzliche Schuld verstricken sollten! Damit haben sie ganz Juda zur Sünde
verführt.
Jer 32,36 Ihr sagt: ›Jerusalem wird dem König von Babylonien in die Hände
fallen, denn die Kämpfe, der Hunger und die Seuchen haben unseren Widerstand
gebrochen.‹ Doch hört, was ich dieser Stadt verkünde, ich, der Herr und Gott
Israels:
Jer 32,37 Zwar zerstreue ich ihre Einwohner voller Zorn in alle Länder, aber ich
will sie wieder von dort sammeln und zurückbringen, damit sie hier in Ruhe und
Frieden wohnen können.
Jer 32,38 Sie sollen mein Volk sein, und ich will wieder ihr Gott sein.
Jer 32,39 Dann werden sie nur ein Ziel haben: mich zu achten und zu ehren, denn
ich selbst lege ihnen diesen Wunsch ins Herz. Darum wird es ihnen und ihren
Nachkommen gut gehen.
Jer 32,40 Ich will einen Bund mit ihnen schließen, der für alle Zeiten gilt: Nie
werde ich aufhören, ihnen Gutes zu tun. Ich gebe ihnen Ehrfurcht vor mir, damit
sie sich nie mehr von mir abwenden.
Jer 32,41 Es wird mir Freude bereiten, ihnen Gutes zu tun, und wenn ich sie
wieder in diesem Land wohnen lasse, dann tue ich dies von ganzem Herzen und
bleibe auch dabei.
Jer 32,42 Ich, der Herr, verspreche: Ich lasse all das Gute eintreffen, das ich
diesem Volk angekündigt habe, so wie ich auch das Unheil über sie hereinbrechen
ließ.
Jer 32,43 Jetzt klagt ihr noch: ›Unser Land wird verwüstet und bald von Menschen
und Tieren verlassen sein, denn es fällt den Babyloniern in die Hände.‹ Doch
ich, der Herr, sage euch: Man wird im ganzen Land wieder Felder kaufen
Jer 32,44 und verkaufen, den Preis aushandeln und Verträge abschließen, sie von
Zeugen bestätigen lassen und versiegeln: im Stammesgebiet von Benjamin, in den
Dörfern um Jerusalem, in den Städten Judas und des Berglandes, in den Städten
des Hügellandes im Westen und im Negev. Ich, der Herr, werde das Schicksal
meines Volkes wieder zum Guten wenden.«
Jer 33,1 Während Jeremia im Wachhof gefangen gehalten wurde, redete der Herr ein
zweites Mal mit ihm:
Jer 33,2 »So spricht der Herr, der allmächtige Gott, der die Erde geschaffen
hat, der sie formte und ihr Bestand gab:
Jer 33,3 Rufe zu mir, dann will ich dir antworten und dir große und
geheimnisvolle Dinge zeigen, von denen du nichts weißt!
Jer 33,4 [4/5] Ihr Einwohner von Jerusalem, hört meine Botschaft: Ihr habt Teile
des Königspalasts und anderer Häuser der Stadt abgerissen. Ihr wolltet die
Steine und Balken dazu verwenden, euch gegen die angreifenden Babylonier mit
ihren Belagerungswällen zu schützen. Doch ich sage euch: In den Ruinen dieser
Häuser werden überall die Leichen der Gefallenen liegen, die ich in meinem
glühenden Zorn umkommen lasse. Denn wegen ihrer Bosheit habe ich mich von dieser
Stadt abgewandt.
Jer 33,6 Doch ich sorge dafür, dass eure Häuser neu errichtet werden; ich gebe
euch dauerhaften Frieden und Sicherheit.
Jer 33,7 Ja, ich wende das Schicksal Judas und Israels zum Guten und baue das
Land wieder auf wie früher.
Jer 33,8 Mein Volk werde ich von aller Schuld befreien. Sie haben mir die Treue
gebrochen und gegen mich gesündigt, doch ich will ihnen vergeben!
Jer 33,9 Dann werde ich mich über Jerusalem freuen, die Stadt wird mir Ruhm und
Ehre bringen; ja, alle Völker werden mich preisen, wenn sie hören, wie viel
Gutes ich Jerusalem tue. Sie werden von Ehrfurcht überwältigt sein, weil ich der
Stadt Glück und Frieden schenke.
Jer 33,10 Ihr sagt: ›Unsere Stadt ist verwüstet, es leben keine Menschen und
Tiere mehr darin; die Städte Judas und die Straßen Jerusalems sind wie
ausgestorben.‹ Doch ich, der Herr, verspreche euch:
Jer 33,11 Überall wird wieder Freude und Jubel herrschen, es wird fröhliche
Hochzeitsfeiern geben. Ihr werdet hören, wie die Menschen mich preisen und
sagen: ›Lobt den Herrn, den allmächtigen Gott, denn er ist gut, und seine Gnade
hört niemals auf!‹ Ihr werdet sehen, wie sie wieder in den Tempel gehen, um mir
Dankopfer darzubringen. Ja, ich wende das Schicksal eures Landes zum Guten, so
wie es früher war!«
Jer 33,12 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Jetzt ist eure Stadt
verwüstet, von Menschen und Tieren verlassen. Aber hier und in den anderen
Städten wird es wieder Weideplätze geben, auf denen Hirten ihre Herden lagern
lassen.
Jer 33,13 In den Städten des Berglandes und des Hügellandes im Westen, im Negev,
im Stammesgebiet von Benjamin, in den Dörfern um Jerusalem und in den Städten
Judas - überall werden die Hirten ihre Schafe zählen. Das verspreche ich, der
Herr.«
Jer 33,14 So spricht der Herr: »Es kommt die Zeit, da erfülle ich meine
Verheißung für Israel und Juda:
Jer 33,15 Ich mache einen Nachkommen Davids zum König, den man wirklich als
gerecht bezeichnen kann. Er wird in seinem Land für Recht und Gerechtigkeit
sorgen.
Jer 33,16 Unter seiner Regierung wird Juda Hilfe finden und Jerusalem in
Sicherheit leben. ›Der Herr, unsere Rettung‹, so wird man Jerusalem nennen.
Jer 33,17 Ich, der Herr, sage euch: Immer wird ein Nachkomme Davids als König
über Israel regieren.
Jer 33,18 Und aus dem Stamm Levi werden immer Priester kommen, die mir dienen
und regelmäßig Brandopfer, Speiseopfer und andere Opfergaben darbringen.«
Jer 33,19 Wieder empfing Jeremia eine Botschaft vom Herrn:
Jer 33,20 »So spricht der Herr: Ich habe mit dem Tag und der Nacht einen Bund
geschlossen, dass sie zur rechten Zeit aufeinander folgen; niemand kann diese
Ordnung umstoßen.
Jer 33,21 Auch mit meinem Diener David habe ich einen Bund geschlossen, dass
immer einer seiner Nachkommen als König regieren wird, ebenso mit den Priestern
aus dem Stamm Levi, dass sie mir immer dienen werden. Diese Bündnisse kann
niemand aufheben.
Jer 33,22 Ich lasse die Nachkommen Davids und die Nachkommen der Leviten so
zahlreich werden wie die Sterne und wie den Sand am Meer.«
Jer 33,23 Dann sprach der Herr zu Jeremia:
Jer 33,24 »Hörst du, was die Leute sagen? ›Der Herr hat Israel und Juda als sein
Volk erwählt, aber jetzt hat er es verstoßen!‹ Mit Verachtung schauen sie auf
die Israeliten herab, als wären sie gar kein Volk mehr.
Jer 33,25 Doch ich, der Herr, sage: Meinen Bund mit dem Tag und der Nacht werde
ich niemals brechen, und die Ordnungen von Himmel und Erde lasse ich für alle
Zeiten gelten.
Jer 33,26 Genauso sicher könnt ihr sein, dass ich die Nachkommen Jakobs und
Davids nie verstoßen werde; immer wird einer von ihnen König sein über das Volk
Abrahams, Isaaks und Jakobs. Dann will ich ihr Schicksal wieder zum Guten wenden
und Erbarmen mit ihnen haben.«
Jer 34,1 König Nebukadnezar von Babylonien belagerte Jerusalem und die
umliegenden Städte mit seinem Heer und mit den Truppen der Völker, die er
unterworfen hatte. In dieser Zeit empfing Jeremia eine Botschaft vom Herrn:
Jer 34,2 »So spricht der Herr, der Gott Israels: Geh zu König Zedekia und sag
ihm: Ich, der Herr, gebe deine Stadt in die Gewalt des babylonischen Königs, und
er wird sie in Brand stecken.
Jer 34,3 Du selbst wirst ihm nicht entkommen, nein, du wirst gefangen genommen,
musst ihm Auge in Auge gegenüberstehen und ihm Rechenschaft ablegen. Dann wird
man dich nach Babylon bringen.
Jer 34,4 Doch höre, Zedekia, König von Juda, was ich, der Herr, dir außerdem
sage: Du wirst nicht im Krieg umkommen,
Jer 34,5 sondern einmal in Frieden sterben. Dann wird man dir zu Ehren ein
großes Feuer anzünden wie bei deinen Vorgängern, man wird um dich trauern und
rufen: ›Unser König ist tot!‹ Ich selbst gebe dir darauf mein Wort.«
Jer 34,6 Der Prophet Jeremia gab diese Botschaft dem König in Jerusalem weiter,
Jer 34,7 als die Babylonier noch um Jerusalem, Lachisch und Aseka kämpften. Von
allen befestigten Städten Judas leisteten nur diese noch Widerstand.
Jer 34,8 [8/9] König Zedekia befahl den Einwohnern von Jerusalem, alle jüdischen
Sklaven und Sklavinnen freizulassen und niemanden aus dem eigenen Volk mehr als
Sklaven zu halten.
Jer 34,10 Die führenden Männer und das ganze Volk willigten ein, verpflichteten
sich mit einem Eid und schenkten ihren Sklaven die Freiheit.
Jer 34,11 Doch dann überlegten sie es sich anders, holten ihre Sklaven zurück
und zwangen sie wieder zum Dienst.
Jer 34,12 Da empfing Jeremia eine Botschaft vom Herrn:
Jer 34,13 »So spricht der Herr, der Gott Israels: Als ich eure Vorfahren aus der
Sklaverei befreite und sie aus Ägypten herausführte, schloss ich mit ihnen einen
Bund und befahl:
Jer 34,14 ›Lasst jeden jüdischen Sklaven, der sich euch verdingt hat, im siebten
Jahr seines Dienstes frei!‹ Aber eure Vorfahren wollten nicht auf mich hören,
sie haben mein Gebot missachtet.
Jer 34,15 Ihr nun habt getan, was mir gefällt: Ihr habt eure Sklaven
freigelassen und euch sogar mit einem Eid vor mir in meinem Tempel dazu
verpflichtet.
Jer 34,16 Doch jetzt habt ihr eure Meinung geändert, eure Sklaven zurückgeholt
und wieder zum Dienst gezwungen, obwohl ihr sie freigelassen hattet und sie
gehen konnten, wohin sie wollten. Damit habt ihr meinem Namen Schande bereitet!
Jer 34,17 Und nun hört, was ich euch sage: Ihr habt meine Worte in den Wind
geschlagen und den Sklaven aus eurem Volk nicht die Freiheit geschenkt. Darum
gebe ich, der Herr, euch nun die Freiheit, im Krieg zu fallen, an einer Seuche
zu sterben oder zu verhungern! In allen Königreichen der Welt wird man entsetzt
sein über das, was ich euch antue.
Jer 34,18 [18/19] Die führenden Männer von Juda und Jerusalem, die Hofbeamten,
die Priester und das Volk haben mit mir einen Bund geschlossen: Sie zerlegten
ein Kalb in zwei Hälften und schritten zwischen ihnen hindurch. Doch dann haben
sie den Bund mit mir gebrochen und sich nicht an ihre Verpflichtungen gehalten.
Darum werde ich sie so zurichten wie das Kalb, zwischen dessen Teilen sie
hindurchgegangen sind.
Jer 34,20 Ich lasse sie ihren Todfeinden in die Hände fallen und werfe ihre
Leichen den Geiern und Schakalen zum Fraß vor.
Jer 34,21 Auch König Zedekia von Juda und die führenden Männer gebe ich in die
Gewalt ihres erbitterten Feindes, des Königs von Babylonien. Selbst wenn sein
Heer jetzt von euch abgezogen ist,
Jer 34,22 wird es auf meinen Befehl wieder umkehren und diese Stadt belagern,
sie erobern und niederbrennen. Auch die anderen Städte Judas mache ich zu einer
menschenleeren Wüste. Mein Wort gilt!«
Jer 35,1 Als Jojakim, der Sohn Josias, noch König von Juda war, sprach der Herr
zu mir:
Jer 35,2 »Geh zur Sippe der Rechabiter, bitte sie, in einen der Räume des
Tempels zu kommen, und biete ihnen dort Wein an!«
Jer 35,3 Da lud ich die ganze Sippe der Rechabiter ein: Jaasanja, den Sohn
Jirmejas und Enkel Habazzinjas, mit seinen Kindern und Verwandten.
Jer 35,4 Ich führte sie in den Raum der Söhne Hanans; Hanan war ein Sohn des
Propheten Jigdalja. Dieser Raum lag neben dem der Fürsten, im ersten Stock über
dem Zimmer Maasejas, der ein Sohn des Torwächters Schallum war.
Jer 35,5 Dort stellte ich den Rechabitern volle Weinkrüge hin, gab ihnen Becher
und forderte sie zum Trinken auf.
Jer 35,6 »Wir trinken keinen Wein«, erwiderten sie, »denn unser Stammvater
Jonadab, der Sohn Rechabs, hat es uns und unseren Nachkommen verboten.
Jer 35,7 Er befahl uns auch: ›Baut keine Häuser, kauft keine Äcker und
Weinberge, und bepflanzt sie nicht! Ihr sollt immer in Zelten wohnen. Nur dann
werdet ihr lange in dem Land leben, durch das ihr als Nomaden zieht.‹
Jer 35,8 Und so halten wir uns an die Anordnungen unseres Stammvaters Jonadab,
des Sohnes Rechabs: Wir trinken keinen Wein, weder wir noch unsere Frauen und
Kinder.
Jer 35,9 Wir bauen auch keine Häuser, um sesshaft zu werden; wir besitzen weder
Felder noch Weinberge und Saatgut.
Jer 35,10 Wir sind Nomaden und wohnen immer in Zelten, denn wir befolgen die
Weisungen unseres Stammvaters Jonadab genau.
Jer 35,11 Erst als König Nebukadnezar von Babylonien unser Land angriff,
entschlossen wir uns, nach Jerusalem zu ziehen, um vor dem Heer der Babylonier
und Aramäer Schutz zu suchen. Nur deshalb halten wir uns jetzt in der Stadt
auf!«
Jer 35,12 Da empfing ich eine Botschaft vom Herrn:
Jer 35,13 »So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: Geh zu den
Bewohnern von Juda und Jerusalem, und richte ihnen aus: Warum lasst ihr euch
nichts sagen? Warum missachtet ihr meine Gebote?
Jer 35,14 Jonadab, der Sohn Rechabs, befahl seinen Nachkommen, keinen Wein zu
trinken, und sie gehorchten ihm. Bis heute halten sich die Rechabiter daran. Ich
aber kann mit euch reden, sooft ich will, und ihr stellt euch taub.
Jer 35,15 Immer wieder habe ich meine Boten, die Propheten, zu euch gesandt und
euch durch sie aufgefordert: ›Kehrt um von euren falschen Wegen! Jeder von euch
soll sein Leben von Grund auf ändern! Lauft nicht anderen Göttern nach, dient
ihnen nicht! Nur dann lasse ich euch weiter in diesem Land wohnen, das ich euren
Vorfahren gegeben habe.‹ Doch ihr habt mir keine Beachtung geschenkt und euch
nicht nach meinen Geboten gerichtet.
Jer 35,16 Die Nachkommen Jonadabs, des Sohnes Rechabs, haben sich an die Weisung
ihres Stammvaters gehalten, aber dieses Volk hier schlägt meine Worte in den
Wind!
Jer 35,17 Darum sage ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels: Ich lasse über
die Bewohner von Juda und Jerusalem das Unheil hereinbrechen, das ich ihnen
angedroht habe. Denn ich redete mit ihnen, doch sie stellten sich taub; ich rief
sie, aber sie antworteten nicht!«
Jer 35,18 Zur Sippe der Rechabiter sagte ich im Auftrag des Herrn: »So spricht
der allmächtige Gott Israels: ›Weil ihr das Gebot eures Stammvaters Jonadab
befolgt und euch an alle seine Weisungen gehalten habt,
Jer 35,19 wird es immer einen Nachkommen Jonadabs geben, der mir dient. Das
verspreche ich, der Herr!‹«
Jer 36,1 Im 4. Regierungsjahr König Jojakims, des Sohnes Josias, sprach der Herr
zu Jeremia:
Jer 36,2 »Nimm eine Buchrolle und schreib alle Botschaften auf, die ich dir seit
der Regierungszeit Josias für Israel, Juda und die anderen Völker gegeben habe!
Jer 36,3 Wenn die Bewohner Judas von dem Unheil hören, das ich über sie bringen
will, werden sie vielleicht von ihren falschen Wegen umkehren und ihr Leben
ändern. Dann will ich ihre Schuld und Sünde vergeben.«
Jer 36,4 Da rief Jeremia Baruch, den Sohn Nerijas, zu sich und diktierte ihm
alles, was der Herr zu ihm gesprochen hatte. Baruch schrieb es auf eine
Buchrolle.
Jer 36,5 Jeremia durfte den Tempel nicht betreten, darum gab er Baruch den
Auftrag:
Jer 36,6 »Geh in den Tempel, und lies alle Worte des Herrn vor, so wie ich sie
dir diktiert habe! Die Einwohner Jerusalems und der anderen Städte Judas werden
sich am Fastentag dort versammeln.
Jer 36,7 Vielleicht flehen sie dann den Herrn um Gnade an und kehren von ihren
falschen Wegen um, denn der Herr ist voller Zorn über sie und hat ihnen großes
Unheil angedroht.«
Jer 36,8 Baruch befolgte die Anweisungen Jeremias und verkündete die Botschaft
des Herrn im Tempel.
Jer 36,9 Im 9. Monat des 5. Regierungsjahres Jojakims, des Sohnes Josias, hatte
man nämlich das ganze Volk von Juda und Jerusalem zum Fasten aufgerufen, um den
Herrn um Gnade zu bitten.
Jer 36,10 Baruch las die Worte Jeremias im Tempel vor, und alle hörten gespannt
zu. Er saß in der Kammer Gemarjas, der ein Sohn des Hofsekretärs Schafan war;
die Kammer lag am oberen Vorhof, dicht beim Neuen Tor.
Jer 36,11 Als Michaja, ein Sohn Gemarjas und Enkel Schafans, die Worte des Herrn
hörte,
Jer 36,12 lief er zum Königspalast und ging in den Raum des Hofsekretärs. Dort
saßen alle führenden Männer beieinander: der Hofsekretär Elischama, Delaja, der
Sohn Schemajas, Elnatan, der Sohn Achbors, Gemarja, der Sohn Schafans, Zedekia,
der Sohn Hananjas, und die übrigen hohen Würdenträger.
Jer 36,13 Michaja berichtete ihnen, was Baruch aus der Buchrolle vorgelesen
hatte.
Jer 36,14 Da schickten die führenden Männer einen Mann namens Jehudi, den Sohn
Netanjas, Enkel Schelemjas und Urenkel Kuschis, zu Baruch und ließen ihm sagen:
»Komm zu uns, und bring die Buchrolle mit!« Baruch nahm sie und ging zu ihnen.
Jer 36,15 »Setz dich und lies uns daraus vor«, baten sie ihn. Und so las Baruch
ihnen alles vor.
Jer 36,16 Als die Männer die Weissagungen hörten, schauten sie sich entsetzt an
und sagten zu Baruch: »Wir müssen das unbedingt dem König melden!
Jer 36,17 Wie bist du dazu gekommen, dies alles aufzuschreiben?«
Jer 36,18 »Jeremia hat mir jedes Wort diktiert«, antwortete Baruch, »und ich
habe alles mit Tinte auf dieser Buchrolle niedergeschrieben.«
Jer 36,19 »Ihr müsst euch verstecken, du und Jeremia«, rieten die Männer.
»Niemand darf wissen, wo ihr seid!«
Jer 36,20 Sie bewahrten die Rolle im Raum des Hofsekretärs Elischama auf, gingen
in den inneren Hof des Palasts und erstatteten dem König Bericht.
Jer 36,21 Jojakim ließ Jehudi die Buchrolle aus dem Raum Elischamas holen. Dann
las Jehudi sie dem König und den führenden Männern vor, die sich um ihn
versammelt hatten.
Jer 36,22 Weil es der neunte Monat des Jahres war, saß der König im Winterhaus,
und vor ihm stand ein Kohlenbecken, in dem ein Feuer brannte.
Jer 36,23 Sobald Jehudi drei oder vier Spalten vorgelesen hatte, schnitt der
König sie mit einem Federmesser ab und warf sie ins Feuer, bis er die ganze
Buchrolle verbrannt hatte.
Jer 36,24 Weder der König noch seine Würdenträger waren entsetzt über das, was
sie gehört hatten; niemand zerriss in Trauer sein Gewand.
Jer 36,25 Nur Elnatan, Delaja und Gemarja flehten den König an, die Buchrolle
nicht zu verbrennen, aber er hörte nicht auf sie.
Jer 36,26 Er befahl seinem Sohn Jerachmeel sowie Seraja, dem Sohn Asriëls, und
Schelemja, dem Sohn Abdeels, sie sollten den Schreiber Baruch und den Propheten
Jeremia gefangen nehmen. Aber der Herr sorgte dafür, dass man die beiden nicht
fand.
Jer 36,27 Nachdem der König die Buchrolle verbrannt hatte, die Jeremia Baruch
diktiert hatte, sprach der Herr zu Jeremia:
Jer 36,28 »Nimm eine andere Rolle, und schreib alle Botschaften nieder, die auf
der ersten standen!
Jer 36,29 Richte Jojakim aus: So spricht der Herr: Du hast die erste Rolle
verbrannt und Jeremia gefragt: ›Warum kündigst du an, dass der König von
Babylonien unser Land zu einer Wüste machen wird, in der es keine Menschen und
Tiere mehr gibt?‹
Jer 36,30 Höre nun, König von Juda, was ich, der Herr, über dich sage: In
Zukunft wird niemand aus deiner Familie mehr als Nachkomme Davids über Juda
regieren. Deine Leiche wird man draußen liegen lassen, tagsüber ist sie der
Hitze und nachts der Kälte ausgesetzt.
Jer 36,31 Ich bestrafe dich, deine Nachkommen und deine Würdenträger wegen eurer
Schuld. Ja, über euch, über die Einwohner Jerusalems und alle Judäer lasse ich
das Unheil hereinbrechen, das ich euch angedroht habe, denn ihr wolltet nicht
auf mich hören!«
Jer 36,32 Jeremia nahm eine andere Buchrolle und gab sie dem Schreiber Baruch,
dem Sohn Nerijas. Baruch schrieb nach Jeremias Anweisung alle Botschaften der
alten Rolle nieder, die König Jojakim von Juda verbrannt hatte. Außerdem wurden
noch viele andere Worte des Herrn hinzugefügt.
Jer 37,1 König Nebukadnezar von Babylonien setzte Zedekia, den Sohn Josias, als
König von Juda ein. Er trat an die Stelle Jojachins, des Sohnes Jojakims.
Jer 37,2 Zedekia, seine obersten Beamten und das Volk hörten nicht auf das, was
der Herr ihnen durch den Propheten Jeremia sagte.
Jer 37,3 Eines Tages schickte Zedekia Juchal, den Sohn Schelemjas, und den
Priester Zefanja, den Sohn Maasejas, zu Jeremia mit der Bitte: »Bete für uns zum
Herrn, unserem Gott!«
Jer 37,4 Man hatte Jeremia noch nicht gefangen genommen, er konnte sich frei
unter dem Volk bewegen.
Jer 37,5 Das Heer des Pharaos war gerade aus Ägypten aufgebrochen, und als die
Babylonier, die vor Jerusalem ihr Lager aufgeschlagen hatten, davon erfuhren,
zogen sie ab.
Jer 37,6 Da gab der Herr dem Propheten Jeremia eine Botschaft für die
Abgesandten des Königs:
Jer 37,7 »So spricht der Herr, der Gott Israels: Sagt dem König von Juda, der
euch zu mir gesandt hat und mich um Rat fragen will: Das Heer des Pharaos ist
losgezogen, um euch zu helfen, aber es wird wieder nach Ägypten umkehren.
Jer 37,8 Dann werden die Babylonier zurückkommen und eure Stadt angreifen, sie
werden sie einnehmen und in Brand stecken.
Jer 37,9 Ja, ich, der Herr, warne euch: Täuscht euch nur nicht! Ihr hofft, dass
die Babylonier endgültig abgezogen sind. Aber sie werden wiederkommen!
Jer 37,10 Selbst wenn ihr das ganze Heer besiegen würdet und nur ein paar
Verwundete in ihren Zelten übrig blieben, würden sie aufstehen und eure Stadt
niederbrennen!«
Jer 37,11 Die Babylonier waren von Jerusalem abgezogen, weil das ägyptische Heer
heranrückte.
Jer 37,12 Jeremia wollte Jerusalem verlassen und ins Stammesgebiet von Benjamin
gehen, um dort mit seinen Verwandten das Familienerbe zu teilen.
Jer 37,13 Am Benjamintor hielt ihn der wachhabende Offizier Jirija an, der Sohn
Schelemjas und Enkel Hananjas. »Du willst zu den Babyloniern überlaufen«, sagte
er.
Jer 37,14 »Das ist nicht wahr«, entgegnete Jeremia, »ich bin kein Überläufer!«
Aber Jirija glaubte ihm nicht, sondern nahm ihn fest und brachte ihn zu den
anderen Offizieren.
Jer 37,15 Sie wurden zornig und ließen Jeremia schlagen. Dann führten sie ihn
zum Haus des Hofsekretärs Jonatan, das sie zum Gefängnis gemacht hatten,
Jer 37,16 und sperrten ihn in ein unterirdisches Verlies, eine ehemalige
Zisterne. Dort musste er lange bleiben.
Jer 37,17 Eines Tages ließ König Zedekia ihn heimlich zu sich in den Palast
holen und fragte: »Hast du eine Botschaft vom Herrn für mich?« »Ja«, erwiderte
Jeremia, »du wirst dem König von Babylonien in die Hände fallen!«
Jer 37,18 Dann fuhr er fort: »Welches Unrecht habe ich dir, deinen Beamten oder
dem Volk getan, dass du mich ins Gefängnis werfen ließest?
Jer 37,19 Wo sind nun eure Propheten geblieben, die euch weissagten, der
babylonische König werde euch und euer Land nicht angreifen?
Jer 37,20 Und nun, mein Herr und König, hör mich an und gewähre mir eine Bitte:
Lass mich nicht wieder ins Haus Jonatans bringen. Dort komme ich um!«
Jer 37,21 Da ordnete König Zedekia an, Jeremia in den Wachhof zu verlegen. Er
ließ ihm täglich einen Laib Brot aus der Bäckergasse bringen, bis es in der
Stadt kein Brot mehr gab. So blieb Jeremia im Wachhof.
Jer 38,1 Schefatja, der Sohn Mattans, Gedalja, der Sohn Paschhurs, Juchal, der
Sohn Schelemjas, und Paschhur, der Sohn Malkijas, hörten, wie Jeremia dem ganzen
Volk verkündete:
Jer 38,2 »So spricht der Herr: ›Wer in der Stadt bleibt, muss sterben - durch
Schwert, Hunger oder Seuchen! Aber wer hinausgeht und sich den Babyloniern
ergibt, der wird wenigstens sein Leben retten!
Jer 38,3 Diese Stadt wird dem babylonischen König in die Hände fallen. Er wird
sie erobern. Darauf könnt ihr euch verlassen!‹«
Jer 38,4 Da sagten die obersten Beamten zum König: »Man sollte diesen Mann
hinrichten! Er raubt den wenigen Soldaten in der Stadt allen Mut zur
Verteidigung und ebenso dem ganzen Volk! Jeremia will uns nicht helfen, sondern
nur schaden!«
Jer 38,5 »Macht mit ihm, was ihr wollt«, erwiderte König Zedekia, »ich kann euch
nicht hindern.«
Jer 38,6 Da griffen sie Jeremia und ließen ihn an Stricken in die Zisterne des
Prinzen Malkija hinab, die beim Wachhof lag. In der Zisterne war kein Wasser
mehr, sondern nur noch Schlamm, und Jeremia sank tief darin ein.
Jer 38,7 Doch der Äthiopier Ebed-Melech, ein Hofbeamter, erfuhr, was mit Jeremia
geschehen war. Als der König im Benjamintor saß, um Gericht zu halten,
Jer 38,8 verließ Ebed-Melech den Palast, ging zu Zedekia und sagte:
Jer 38,9 »Mein Herr und König, was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan
haben, ist ein schreiendes Unrecht! Sie haben ihn in die Zisterne geworfen, und
dort muss er elendig verhungern, weil es fast kein Brot mehr in der Stadt gibt!«
Jer 38,10 Da befahl der König dem Äthiopier Ebed-Melech: »Nimm dreißig Männer
von hier mit, und dann zieht Jeremia aus der Zisterne, ehe er stirbt!«
Jer 38,11 Ebed-Melech ging mit den Männern in einen Raum unter den
Vorratskammern im Palast. Er nahm von dort Lumpen und zerrissene Kleider mit und
ließ sie an Stricken zu Jeremia in die Zisterne hinab.
Jer 38,12 »Leg dir die Lumpen unter die Achseln, damit die Stricke nicht
einschneiden!«, rief er dem Propheten zu. Als Jeremia fertig war,
Jer 38,13 zogen sie ihn an den Stricken aus der Zisterne heraus. Dann wurde er
wieder im Wachhof gefangen gehalten.
Jer 38,14 König Zedekia sandte einen Boten zum Propheten Jeremia und ließ ihn
heimlich zum dritten Tempeleingang bringen. »Ich will dich fragen, ob du eine
Botschaft des Herrn für mich hast«, begann Zedekia, »verschweige mir nichts!«
Jer 38,15 Jeremia erwiderte: »Wenn ich dir die Wahrheit sage, dann wirst du mich
töten lassen, und wenn ich dir einen Rat gebe, beachtest du ihn sowieso nicht!«
Jer 38,16 Da schwor ihm der König: »So wahr der Herr lebt, der uns das Leben
gegeben hat - ich lasse dich nicht töten und liefere dich nicht denen aus, die
dich umbringen wollen!«
Jer 38,17 Jeremia entgegnete: »So spricht der Herr, der allmächtige Gott
Israels: ›Wenn du dich den Heerführern des babylonischen Königs ergibst, bleibst
du mit deiner ganzen Familie am Leben und verhinderst, dass die Stadt
niedergebrannt wird.
Jer 38,18 Doch wenn du dich ihnen nicht ergibst, werden sie die Stadt erobern
und in Brand stecken. Du wirst ihnen nicht entkommen!‹«
Jer 38,19 »Aber ich habe Angst vor den Judäern, die schon zu den Babyloniern
übergelaufen sind«, entgegnete Zedekia, »man könnte mich ihnen ausliefern, und
sie würden mich vielleicht misshandeln.«
Jer 38,20 »Du wirst ihnen nicht ausgeliefert«, versicherte Jeremia, »gehorche
dem Herrn, und tu, was ich dir sage, dann wird es dir gut gehen, und du bleibst
verschont!
Jer 38,21 Der Herr hat mir in einer Vision gezeigt, was geschieht, wenn du dich
nicht ergibst:
Jer 38,22 Dann wird man alle deine Frauen, die noch im königlichen Harem wohnen,
zu den Heerführern des babylonischen Königs hinausbringen. Sie werden über dich
klagen und rufen: ›Seine besten Freunde haben ihn getäuscht und überwältigt! Und
jetzt, wo er tief im Sumpf steckt, lassen sie ihn im Stich!‹
Jer 38,23 Ja, alle deine Frauen und Kinder wird man zu den Babyloniern
hinausführen, und auch du wirst ihnen nicht entkommen. Man wird dich dem König
von Babylonien gefangen vorführen. Und Jerusalem wird niedergebrannt!«
Jer 38,24 Zedekia warnte Jeremia: »Niemand darf erfahren, was wir geredet haben,
sonst bringen sie dich um!
Jer 38,25 Wenn meine Beamten von unserem Treffen hören, werden sie dich fragen:
›Worüber habt ihr gesprochen? Erzähl es uns, sonst töten wir dich!‹
Jer 38,26 In diesem Fall sag einfach: ›Ich habe den König angefleht, mich nicht
wieder ins Gefängnis im Haus Jonatans werfen zu lassen, weil ich dort sterben
würde.‹«
Jer 38,27 Tatsächlich kamen alle Beamten zu Jeremia, um ihn auszufragen. Aber er
erzählte ihnen nur, was ihm der König geraten hatte, und so ließen sie ihn in
Ruhe. Niemand hatte seine Unterredung mit dem König gehört.
Jer 38,28 Jeremia blieb als Gefangener im Wachhof bis zu dem Tag, an dem
Jerusalem erobert wurde.
Jer 39,1 Im 9. Regierungsjahr König Zedekias, im 10. Monat, zog König
Nebukadnezar von Babylonien mit seinem ganzen Heer nach Jerusalem und belagerte
die Stadt.
Jer 39,2 Im 11. Regierungsjahr Zedekias, am 9. Tag des 4. Monats, schlugen die
Babylonier eine Bresche in die Mauer.
Jer 39,3 Alle Heerführer Nebukadnezars zogen in die Stadt zum Mitteltor und
übernahmen dort die Befehlsgewalt: Nergal-Sarezer, der Fürst von Sin-Magir,
Nebuschasban, ein hoher Offizier, Nergal-Sarezer, ein anderer hoher Beamter, und
alle übrigen Würdenträger des babylonischen Königs.
Jer 39,4 Als König Zedekia und seine Soldaten das sahen, flohen sie in der
Nacht. Sie verließen die Stadt durch das Tor, das zwischen den beiden Mauern
beim Garten des Königs lag, dann flüchteten sie in Richtung Jordanebene.
Jer 39,5 Die babylonischen Truppen verfolgten Zedekia und nahmen ihn bei Jericho
gefangen. Sie brachten ihn zu König Nebukadnezar nach Ribla im Gebiet von Hamat,
und der sprach das Urteil über ihn:
Jer 39,6 Zedekia musste zusehen, wie alle seine Söhne hingerichtet wurden. Auch
die führenden Männer von Juda wurden umgebracht.
Jer 39,7 Nebukadnezar ließ Zedekia die Augen ausstechen und ihn in Ketten nach
Babylon bringen.
Jer 39,8 Die Babylonier steckten den Königspalast und die Häuser Jerusalems in
Brand und rissen die Stadtmauer ein.
Jer 39,9 Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der Leibwache, nahm alle Judäer
gefangen, die sich noch in der Stadt befanden oder zu den Babyloniern
übergelaufen waren, und brachte sie nach Babylonien.
Jer 39,10 Nur die arme Landbevölkerung, die nichts besaß, ließ er zurück und
teilte ihnen Weinberge und Äcker zu.
Jer 39,11 König Nebukadnezar sagte zu Nebusaradan:
Jer 39,12 »Du bist für Jeremia verantwortlich. Nimm ihn unter deinen Schutz, und
tu ihm kein Leid an! Gewähre ihm alles, worum er dich bittet!«
Jer 39,13 Nebusaradan, Nebuschasban, ein hoher Offizier, Nergal-Sarezer, ein
hoher Beamter, und die anderen Würdenträger des babylonischen Königs
Jer 39,14 ließen Jeremia aus dem Wachhof holen. Sie stellten ihn unter den
Schutz Gedaljas, des Sohnes Ahikams und Enkel Schafans. Gedalja gab ihm die
Erlaubnis, in seinen Heimatort zurückzukehren. So wohnte Jeremia mitten unter
seinem Volk.
Jer 39,15 Als Jeremia noch im Wachhof gefangen war, sprach der Herr zu ihm:
Jer 39,16 »Geh zu dem Äthiopier Ebed-Melech und sag ihm: So spricht der Herr,
der allmächtige Gott Israels: Das Unheil, das ich dieser Stadt angedroht habe,
lasse ich über sie hereinbrechen. Du wirst es mit eigenen Augen sehen.
Jer 39,17 Dich aber werde ich retten, das verspreche ich dir. Du wirst nicht in
die Hände deiner Feinde fallen, vor denen du dich so sehr fürchtest.
Jer 39,18 Ich lasse dich entkommen, damit du nicht getötet wirst. Du sollst am
Leben bleiben, weil du mir vertraut hast. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Jer 40,1 Jeremia war gefesselt nach Rama gebracht worden, zusammen mit den
Gefangenen aus Juda und Jerusalem, die in die Verbannung nach Babylonien geführt
werden sollten. Dort empfing er auch weiterhin Botschaften vom Herrn.
Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der babylonischen Leibwache, sorgte dafür,
dass Jeremia freigelassen wurde.
Jer 40,2 Er ließ ihn zu sich holen und sagte: »Der Herr, euer Gott, hat
Jerusalem dieses Unheil angekündigt.
Jer 40,3 Nun ist es eingetroffen - Gott hat seine Weissagung erfüllt. Ihr habt
gegen den Herrn gesündigt und wolltet nicht auf ihn hören, darum müsst ihr dies
nun erleben.
Jer 40,4 Doch dir nehme ich jetzt die Fesseln von den Händen ab. Du bist frei!
Wenn du willst, komm mit mir nach Babylonien. Dort stehst du unter meinem
Schutz. Aber du kannst auch hier bleiben, wenn es dir lieber ist. Das ganze Land
steht dir offen. Geh, wohin du möchtest!«
Jer 40,5 Während Jeremia noch überlegte, schlug Nebusaradan vor: »Geh doch zu
Gedalja, dem Sohn Ahikams und Enkel Schafans! Ihn hat der babylonische König zum
Statthalter über die Städte der Provinz Judäa ernannt. Bleib bei ihm wohnen,
mitten unter deinem Volk, oder zieh, wohin du möchtest!« Nebusaradan gab Jeremia
Verpflegung und Geschenke mit und ließ ihn gehen.
Jer 40,6 Jeremia kam zu Gedalja nach Mizpa und wohnte dort unter der
Bevölkerung, die im Land übrig geblieben war.
Jer 40,7 Im Landesinneren hielten sich immer noch judäische Offiziere mit ihren
Einheiten versteckt. Sie hörten, dass der König von Babylonien Gedalja, den Sohn
Ahikams, zum Statthalter von Judäa ernannt und ihm die Verantwortung für die
arme Landbevölkerung übertragen hatte, die nicht in die Verbannung nach
Babylonien ziehen musste.
Jer 40,8 Da gingen die Offiziere zu Gedalja nach Mizpa. Es waren Jismael, der
Sohn Netanjas, Johanan und Jonatan, die Söhne Kareachs, Seraja, der Sohn
Tanhumets, die Söhne Efais aus Netofa und Jaasanja aus Maacha. Einige ihrer
Soldaten begleiteten sie.
Jer 40,9 Gedalja sagte zu ihnen: »Unterwerft euch den Babyloniern! Ich gebe euch
mein Wort: Ihr habt von ihnen nichts zu befürchten. Siedelt euch im Land an, und
dient Nebukadnezar, dann wird es euch gut gehen!
Jer 40,10 Ich bleibe hier in Mizpa und setze mich bei den Babyloniern für euch
ein. Haltet die Weinlese, erntet die Sommerfrüchte und Oliven, und hebt sie in
Vorratskrügen auf! Bewohnt die Städte, die man euch überlassen hat!«
Jer 40,11 Viele Judäer waren nach Moab, Ammon, Edom und in die anderen
Nachbarländer geflohen. Als sie hörten, dass der König von Babylonien einen Teil
der Bevölkerung in Judäa zurückgelassen und Gedalja als Statthalter eingesetzt
hatte,
Jer 40,12 kehrten sie zurück und meldeten sich bei Gedalja in Mizpa. In jenem
Sommer brachten sie eine reiche Wein- und Obsternte ein.
Jer 40,13 Johanan, der Sohn Kareachs, und die anderen Offiziere, die sich im
Landesinneren versteckt hatten, gingen noch einmal zu Gedalja
Jer 40,14 und warnten ihn: »Sei vorsichtig! König Baalis von Ammon hat Jismael,
den Sohn Netanjas, beauftragt, dich umzubringen!« Aber Gedalja glaubte ihnen
nicht.
Jer 40,15 Da traf sich Johanan heimlich mit Gedalja und bot ihm an: »Ich werde
Jismael töten, ohne dass jemand erfährt, wer es war. Denn wenn ich es nicht tue,
bringt er dich um! Dann werden die Babylonier alle Judäer, die noch im Land
sind, verschleppen, und es wird kein Mensch mehr hier wohnen!«
Jer 40,16 »Nein«, widersprach Gedalja, »du beschuldigst Jismael zu Unrecht! Tu
ihm nichts!«
Jer 41,1 Jismael, der Sohn Netanjas und Enkel Elischamas, ein Mann von
königlicher Herkunft, hatte zu den hohen Beamten des Königs von Juda gehört. Im
7. Monat kam er mit zehn Männern zu Gedalja nach Mizpa. Als sie zusammen beim
Gastmahl saßen,
Jer 41,2 zogen Jismael und seine Männer plötzlich das Schwert, fielen über
Gedalja her und stachen ihn nieder. So brachte Jismael den Statthalter um, den
der babylonische König über die Provinz Judäa eingesetzt hatte.
Jer 41,3 Er tötete auch alle Judäer, die bei Gedalja in Mizpa waren, und die
babylonischen Soldaten, die dort Wache hielten.
Jer 41,4 Am Tag nach der Ermordung Gedaljas, als noch niemand davon wusste,
Jer 41,5 waren achtzig Männer aus Sichem, Silo und Samaria unterwegs nach
Jerusalem. Sie wollten Speiseopfer und Weihrauch an die Stelle bringen, wo
früher der Tempel gestanden hatte. Als Zeichen ihrer Trauer trugen sie
zerrissene Gewänder, sie hatten sich ihre Bärte abrasiert und die Haut
eingeritzt.
Jer 41,6 Jismael ging ihnen von Mizpa aus weinend entgegen. Als er auf sie traf,
bat er sie: »Kommt und seht, was mit Gedalja geschehen ist!«
Jer 41,7 Doch kaum waren sie in der Stadt, da stachen Jismael und seine
Verbündeten die Männer nieder und warfen ihre Leichen in eine Zisterne.
Jer 41,8 Nur zehn von ihnen ließ Jismael am Leben, denn sie baten ihn: »Töte uns
nicht! Wir geben dir alle unsere Vorräte an Weizen, Gerste, Öl und Honig, die
wir auf den Feldern draußen versteckt haben.«
Jer 41,9 Die Zisterne, in die Jismael die Leichen der Ermordeten werfen ließ,
war sehr groß. König Asa von Juda hatte sie seinerzeit anlegen lassen, als er im
Krieg gegen König Bascha von Israel die Stadt Mizpa ausbaute. Nachdem Jismael
die Leichen hineingeworfen hatte,
Jer 41,10 nahm er die restlichen Einwohner von Mizpa gefangen: die Töchter des
Königs und alle anderen, über die Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der
babylonischen Leibwache, Gedalja als Statthalter eingesetzt hatte. Jismael
wollte mit seinen Gefangenen zu den Ammonitern fliehen.
Jer 41,11 Doch Johanan, der Sohn Kareachs, und die anderen Offiziere hörten von
Jismaels Verbrechen.
Jer 41,12 Sie riefen ihre Truppen zusammen und jagten ihm nach. Am großen Teich
von Gibeon holten sie ihn ein.
Jer 41,13 Als Jismaels Gefangene Johanan und seine Offiziere sahen, waren sie
erleichtert.
Jer 41,14 Sie liefen weg und schlossen sich ihm an.
Jer 41,15 Jismael aber konnte mit acht Männern entkommen und floh zu den
Ammonitern.
Jer 41,16 Johanan und die Offiziere seiner Truppen übernahmen nun die
Verantwortung für die Soldaten, Frauen, Kinder und Hofbeamten, die Jismael
entführt hatte und die von ihnen befreit worden waren.
Jer 41,17 Sie zogen mit ihnen fort und rasteten in der Nähe von Bethlehem bei
der Herberge Kimhams, um von dort weiter nach Ägypten zu fliehen.
Jer 41,18 Sie fürchteten die Rache der Babylonier, weil Jismael den Statthalter
Gedalja umgebracht hatte, der vom babylonischen König über die Provinz Judäa
eingesetzt worden war.
Jer 42,1 Johanan, der Sohn Kareachs, und Asarja, der Sohn Hoschajas, kamen mit
den anderen Offizieren und allen, die sie befreit hatten,
Jer 42,2 zum Propheten Jeremia und baten ihn: »Wir flehen dich an: Bete für uns
zum Herrn, deinem Gott! Wir waren einmal ein großes Volk, aber jetzt ist nur
noch ein kleiner Rest von uns übrig geblieben, du siehst es ja selbst!
Jer 42,3 Bitte den Herrn, deinen Gott, uns zu zeigen, wohin wir gehen und was
wir tun sollen!«
Jer 42,4 »Gut«, erwiderte der Prophet Jeremia, »ich will eure Bitte vor den
Herrn, euren Gott, bringen. Und ich verspreche, dass ich euch alles sagen werde,
was der Herr antwortet. Ich verheimliche euch nichts.«
Jer 42,5 Da entgegneten sie: »Der Herr soll als wahrhaftiger und unbestechlicher
Zeuge gegen uns auftreten, wenn wir nicht jede seiner Weisungen befolgen!
Jer 42,6 Ganz gleich, ob uns seine Antwort gefällt oder nicht, wir wollen auf
den Herrn, unseren Gott, hören, zu dem du in unserem Auftrag betest. Wir wollen
tun, was er sagt, denn dann geht es uns gut!«
Jer 42,7 Zehn Tage später empfing Jeremia die Antwort vom Herrn.
Jer 42,8 Er rief Johanan, die anderen Offiziere und alle Leute, Jung und Alt, zu
sich.
Jer 42,9 »Ihr habt mich beauftragt, eure Bitte vor den Herrn zu bringen«, sagte
Jeremia. »So spricht der Herr, der Gott Israels:
Jer 42,10 ›Wenn ihr in diesem Land bleibt, will ich euch aufbauen und nicht
niederreißen, euch einpflanzen und nicht mehr entwurzeln, denn mir tut das
Unheil leid, das ich über euch hereinbrechen ließ.
Jer 42,11 Jetzt fürchtet ihr euch vor dem König von Babylonien. Aber ich, der
Herr, sage: Habt keine Angst! Denn ich bin bei euch, ich werde euch retten und
vor ihm schützen.
Jer 42,12 Weil ich Erbarmen mit euch habe, sorge ich dafür, dass er sich gnädig
zeigt und euch im Land bleiben lässt.
Jer 42,13 Hört auf mich, den Herrn, euren Gott! Sagt nicht: Wir wollen das Land
verlassen
Jer 42,14 und nach Ägypten fliehen, wo wir nichts mehr vom Krieg sehen, keine
Alarmsignale hören und nicht mehr hungern müssen! -
Jer 42,15 Denn ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, sage euch: Wenn ihr
Judäer, die ihr nicht verschleppt worden seid, nach Ägypten ziehen wollt,
Jer 42,16 dann werden Krieg und Hunger, vor denen ihr so große Angst habt, euch
gerade dort treffen. Ihr werdet in diesem Land umkommen.
Jer 42,17 Jeder, der nach Ägypten geht, wird im Krieg, an Hunger oder an einer
Seuche sterben. Keiner entkommt dem Unheil, das ich dann über euch bringe.
Jer 42,18 Ja, ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, kündige euch an: Wie
mein glühender Zorn die Einwohner Jerusalems getroffen hat, so wird er auch euch
treffen, wenn ihr nach Ägypten zieht. Man wird entsetzt sein über euer
Schicksal, ihr werdet verhöhnt und verachtet. Wer einen anderen verfluchen will,
wünscht ihm das gleiche Unglück, das ihr erlitten habt. Eure Heimat seht ihr
dann nie wieder!‹
Jer 42,19 Ihr Judäer, die ihr noch übrig geblieben seid, hört, was der Herr euch
sagt! Zieht nicht nach Ägypten! Ich warne euch davor!
Jer 42,20 Ihr setzt nur euer Leben aufs Spiel. Ihr habt mich beauftragt, für
euch zum Herrn, eurem Gott, zu beten. Ich sollte euch seine Antwort weitergeben,
und ihr habt fest versprochen, ihm zu gehorchen.
Jer 42,21 Heute habe ich euch seine Botschaft verkündet. Doch ich weiß, ihr
wollt nicht auf die Worte des Herrn, eures Gottes, hören.
Jer 42,22 Wenn ihr wirklich in Ägypten Zuflucht sucht, werdet ihr im Krieg, an
Hunger oder an einer Seuche sterben. Darauf könnt ihr euch verlassen!«
Jer 43,1 Jeremia hatte den Judäern alles verkündet, was er ihnen im Auftrag des
Herrn, ihres Gottes, sagen sollte.
Jer 43,2 Da erwiderten Asarja, der Sohn Hoschajas, Johanan, der Sohn Kareachs,
und die anderen Männer verächtlich: »Du lügst! Der Herr, unser Gott, hat dich
nicht zu uns gesandt. Er hat uns nicht vor der Flucht nach Ägypten gewarnt.
Jer 43,3 Baruch, der Sohn Nerijas, steckt dahinter; er hetzt dich gegen uns auf!
Er will doch nur, dass wir den Babyloniern in die Hände fallen, damit sie uns
umbringen oder verschleppen!«
Jer 43,4 Johanan, die anderen Offiziere und alle, die zu Jeremia gekommen waren,
schlugen die Weisung des Herrn in den Wind und blieben nicht in Judäa.
Jer 43,5 Sie machten sich auf den Weg und nahmen alle Judäer mit, die aus den
Nachbarländern zurückgekehrt waren, in denen sie Schutz gesucht hatten:
Jer 43,6 Männer, Frauen und Kinder sowie die Töchter des Königs und alle
anderen, die Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der babylonischen Leibwache,
unter Gedaljas Aufsicht zurückgelassen hatte. Auch der Prophet Jeremia und
Baruch, der Sohn Nerijas, mussten mitkommen.
Jer 43,7 So missachteten sie die Weisung des Herrn und zogen nach Ägypten bis
zur Grenzstadt Tachpanhes.
Jer 43,8 In Tachpanhes empfing Jeremia eine Botschaft vom Herrn:
Jer 43,9 »Hol ein paar große Steine, und vergrab sie im Lehmboden unter dem
Ziegelweg am Eingang zum Palast des Pharaos! Die Judäer sollen dir dabei
zusehen.
Jer 43,10 Sag ihnen: So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: Ich
lasse meinen Diener, König Nebukadnezar von Babylonien, in dieses Land einfallen
und seinen Thron über diesen Steinen errichten, die Jeremia hier vergraben hat.
Über ihnen wird Nebukadnezar seinen Baldachin ausbreiten.
Jer 43,11 Ja, er wird kommen und Ägypten besiegen. Wer für den Tod bestimmt ist,
wird sterben, wer für die Gefangenschaft bestimmt ist, wird in die
Gefangenschaft ziehen, und wer im Krieg umkommen soll, wird im Krieg umkommen.
Jer 43,12 [12/13] Nebukadnezar wird die Tempel niederbrennen und die ägyptischen
Götterstatuen mitnehmen. Wie ein Hirte die Läuse von seinem Gewand aufliest, so
wird er in Ägypten alles packen und zerstören. Er reißt die Steinsäulen von
Heliopolis nieder und steckt die Tempel der ägyptischen Götter in Brand. Dann
zieht er unbehelligt fort.«
Jer 44,1 Jeremia empfing eine Botschaft für alle Judäer in Unterägypten - in
Migdol, Tachpanhes und Memfis - und in Oberägypten:
Jer 44,2 »So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: ›Ihr habt mit
eigenen Augen gesehen, welches Unheil ich über Jerusalem und die anderen Städte
Judas hereinbrechen ließ. Nun liegen sie in Trümmern und sind menschenleer,
Jer 44,3 denn ihre Einwohner wollten nichts von mir wissen. Sie haben meinen
Zorn herausgefordert, weil sie anderen Göttern Opfer darbrachten und sie
verehrten, Götzen, die weder sie noch ihre Vorfahren jemals gekannt haben.
Jer 44,4 Immer wieder habe ich meine Boten, die Propheten, zu ihnen gesandt und
sie gewarnt: Hört auf mit dem Götzendienst, denn ich hasse ihn! -
Jer 44,5 Aber sie haben mich nicht ernst genommen und nicht auf mich gehört. Sie
sind nicht von ihren falschen Wegen umgekehrt, sondern haben weiterhin anderen
Göttern Räucheropfer dargebracht.
Jer 44,6 Da bekamen sie meinen glühenden Zorn zu spüren. Er zerstörte die Städte
Judas und verwüstete die Straßen Jerusalems. Noch heute liegen sie in Trümmern,
niemand wohnt mehr dort.
Jer 44,7 Ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, frage euch: Warum
beschwört ihr wieder ein so schreckliches Unheil herauf? Wollt ihr unbedingt,
dass Mann und Frau, Kind und Säugling aus dem Volk Juda ausgerottet werden, bis
keiner von euch mehr übrig bleibt?
Jer 44,8 Mit euren Taten fordert ihr mich heraus. Auch hier in Ägypten, wo ihr
Zuflucht sucht, bringt ihr anderen Göttern Räucheropfer dar. Wollt ihr wirklich
ausgerottet werden, wollt ihr ein abschreckendes Beispiel sein, verhöhnt und
verspottet von den anderen Völkern der Erde?
Jer 44,9 Habt ihr schon vergessen, was ihr in Juda und auf den Straßen
Jerusalems getan habt, ihr und eure Frauen, eure Vorfahren, eure Könige und
deren Frauen?
Jer 44,10 Bis heute hat keiner von euch seine Schuld zugegeben, keiner erweist
mir Ehrfurcht und lebt nach meinem Gesetz, nach den Geboten, die ich euch und
euren Vorfahren gegeben habe.
Jer 44,11 Darum sage ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels: Ich bin fest
entschlossen, Unheil über euch zu bringen und das ganze Volk von Juda
auszurotten.
Jer 44,12 Ich lasse alle von euch umkommen, die sich in Ägypten in Sicherheit
bringen wollten. Jung und Alt werden im Krieg oder an Hunger sterben. Man wird
entsetzt sein über euer Schicksal, von allen werdet ihr verhöhnt und verachtet.
Wer einen anderen verfluchen will, wünscht ihm das gleiche Los, das euch
getroffen hat.
Jer 44,13 Euch Judäer in Ägypten werde ich ebenso strafen wie damals die
Einwohner von Jerusalem: durch Krieg, Hunger und Seuchen.
Jer 44,14 Das Unheil wird alle treffen, die hier in Ägypten Schutz gesucht
haben. Niemand von euch wird nach Juda zurückkehren, wo ihr so gerne wieder
leben würdet, niemand außer ein paar Flüchtlingen!«
Jer 44,15 Alle Judäer in Unter- und Oberägypten, Männer und Frauen, hatten sich
zu einer großen Versammlung eingefunden. Die Männer wussten sehr wohl, dass ihre
Frauen anderen Göttern Räucheropfer darbrachten. Sie alle entgegneten Jeremia:
Jer 44,16 »Was du uns da im Auftrag des Herrn sagst, werden wir auf keinen Fall
befolgen!
Jer 44,17 Wir wollen weiterhin der Himmelskönigin Räucheropfer und Trankopfer
darbringen, so wie wir, unsere Vorfahren, unsere Könige und führenden Männer es
schon früher getan haben. Unser Entschluss steht fest, und wir lassen uns durch
niemanden davon abbringen! Als wir die Himmelskönigin noch in der Heimat
verehrten, ging es uns gut. Wir hatten genug zu essen und blieben vom Unglück
verschont.
Jer 44,18 Aber seit wir das Opfern unterlassen, geht es uns in jeder Hinsicht
schlecht, viele von uns sind im Krieg umgekommen oder verhungert.«
Jer 44,19 Dann sagten die Frauen: »Unsere Männer erlauben uns, der
Himmelskönigin zu opfern. Wir verbrennen Weihrauch für die Göttin, wir backen
Kuchen, die sie darstellen sollen, und gießen Wein als Trankopfer für sie aus.«
Jer 44,20 Jeremia erwiderte den Männern und Frauen, die ihm widersprochen
hatten:
Jer 44,21 »Meint ihr, der Herr hätte nicht gesehen, was ihr in den Städten Judas
und auf den Straßen Jerusalems getrieben habt? Anderen Göttern habt ihr
Räucheropfer dargebracht, ihr und eure Vorfahren, die Könige, die führenden
Männer und das ganze Volk.
Jer 44,22 Der Herr konnte eure Bosheit und euren abscheulichen Götzendienst
nicht länger ertragen. Darum hat er euer Land zu einer trostlosen Wüste und zu
einem Bild des Schreckens gemacht. Wer einen anderen verfluchen will, wünscht
ihm dasselbe Schicksal, das euch getroffen hat.
Jer 44,23 Das Unheil ist über euch hereingebrochen, gerade weil ihr der
Himmelskönigin Räucheropfer dargebracht und damit gegen den Herrn gesündigt
habt. Ihr wolltet nicht auf ihn hören und habt nicht nach seinem Gesetz, nach
seinen Geboten und Weisungen gelebt.«
Jer 44,24 Dann verkündete Jeremia dem ganzen Volk und besonders den Frauen:
»Hört, was der Herr euch sagt, ihr Judäer, die ihr nach Ägypten gezogen seid!
Jer 44,25 So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels: ›Ihr und eure
Frauen habt geschworen, der Himmelskönigin Räucheropfer und Trankopfer
darzubringen, und ihr habt euer Gelübde erfüllt. Ja, haltet euch nur an eure
Versprechen, tut, was ihr geschworen habt!
Jer 44,26 Aber hört, was ich, der Herr, euch sage, ihr Judäer in Ägypten: Ich,
der Herr, schwöre bei mir selbst: Es wird in diesem Land bald keinen mehr geben,
der in meinem Namen einen Eid leistet und sagt: So wahr der Herr lebt. -
Jer 44,27 Ich lasse euch nur noch Leid und nichts Gutes mehr erfahren. Ihr alle
fallt im Krieg oder verhungert.
Jer 44,28 Nur wenige werden den Schwertern der Feinde entkommen und nach Juda
zurückkehren. Dann werden sie erkennen, wessen Ankündigung sich erfüllt hat -
ihre oder meine.
Jer 44,29 Ich, der Herr, gebe euch ein Zeichen, damit ihr wisst: Meine Drohungen
sind keine leeren Worte, hier im Land trifft euch meine Strafe.
Jer 44,30 Wie ich König Zedekia seinem Todfeind Nebukadnezar ausgeliefert habe,
so werde ich auch den Pharao Hofra in die Gewalt seiner Todfeinde geben. Mein
Wort gilt!‹«
Jer 45,1 Im 4. Regierungsjahr des judäischen Königs Jojakim, des Sohnes Josias,
sagte der Prophet Jeremia zu Baruch, dem Sohn Nerijas, der gerade Jeremias
Botschaften auf eine Buchrolle geschrieben hatte:
Jer 45,2 »So spricht der Herr, der Gott Israels:
Jer 45,3 ›Du klagst: Ich unglücklicher Mensch! Leide ich nicht schon genug? Und
nun lädt mir der Herr noch neuen Kummer auf! Vom vielen Seufzen bin ich völlig
erschöpft und finde keine Ruhe! -
Jer 45,4 Ich, der Herr, sage dir: Was ich in diesem Land aufgebaut habe,
zerstöre ich wieder, und was ich eingepflanzt habe, reiße ich wieder aus!
Jer 45,5 Und da hoffst du, du könntest in Glück und Frieden leben? Erwarte nicht
zu viel! Denn ich, der Herr, lasse Unheil über die ganze Welt hereinbrechen.
Doch eines verspreche ich dir: Wo immer du hingehst, wirst du mit dem Leben
davonkommen!‹«
Jer 46,1 Dies sind die Botschaften, die der Herr dem Propheten Jeremia über die
anderen Völker gab.
Jer 46,2 Eine davon richtete sich gegen das Heer des ägyptischen Pharaos Necho.
Es wurde im 4. Regierungsjahr des judäischen Königs Jojakim, des Sohnes Josias,
vom babylonischen König Nebukadnezar bei Karkemisch am Euphrat geschlagen.
Jer 46,3 [3/4] Da sprach der Herr: »Eure Heerführer rufen: ›Haltet die Schilde
bereit! Rund- und Langschilde! Spannt die Pferde vor die Streitwagen! Die Reiter
sollen aufsitzen! Alle in Schlachtordnung! Helme auf! Speere schärfen!
Brustpanzer umschnallen! Jetzt zieht in den Kampf!‹
Jer 46,5 Doch was sehe ich? Entsetzt weichen sie zurück! Ihre kampferprobten
Soldaten sind gefallen, andere fliehen Hals über Kopf, ohne noch einmal
zurückzuschauen. Überall herrschen Angst und Schrecken.
Jer 46,6 Selbst die schnellen Läufer können nicht mehr entkommen, die besten
Soldaten nicht mehr fliehen. Am Euphrat im Norden stolpern sie und fallen.
Jer 46,7 Wer steigt da herauf wie die Fluten des Nil, wie Ströme, die alles
überschwemmen?
Jer 46,8 Das ist Ägypten, es sagt: ›Ich will aufsteigen, alle Länder der Erde
überfluten, die Städte zerstören und die Bewohner auslöschen!
Jer 46,9 Ihr Pferde, galoppiert! Rast, ihr Streitwagen! Stürzt euch in den
Kampf, ihr mutigen Soldaten! Ihr Soldaten aus Äthiopien und Libyen, greift zu
euren Schilden, und ihr aus Lydien, nehmt eure Bogen!‹
Jer 46,10 Doch dieser Tag gehört mir, dem Herrn, dem allmächtigen Gott. An
diesem Tag werde ich mich an meinen Feinden rächen. Mein Schwert wird sie
auffressen, bis es satt geworden ist, und es wird ihr Blut trinken, bis sein
Durst gestillt ist. Ja, ich, der Herr, der allmächtige Gott, richte meine Feinde
im Norden hin, am Ufer des Euphrat!
Jer 46,11 Volk von Ägypten, zieh nur ins Land Gilead, und hol dir Salben für
deine Wunden! Es nützt ja doch nichts! Deine Wunden heilen nicht mehr, da kannst
du noch so viele Salben nehmen.
Jer 46,12 Die Völker erfahren von deiner beschämenden Niederlage, dein
Klagegeschrei ist im ganzen Land zu hören. Deine Soldaten fliehen, in Panik
stürzt einer über den anderen.«
Jer 46,13 Als der babylonische König Nebukadnezar mit seinem Heer nach Ägypten
zog, um das Land anzugreifen, sprach der Herr zu Jeremia:
Jer 46,14 »Richte den ägyptischen Städten Migdol, Memfis und Tachpanhes aus, sie
sollen sich zum Kampf rüsten! Denn es wird Krieg geben, schon wurden die
Nachbarländer zerstört.
Jer 46,15 Ägypten, warum sind deine Soldaten gestürzt? Sie konnten nicht
standhalten, weil ich, der Herr, sie zu Boden stieß!
Jer 46,16 Ja, ich ließ viele von ihnen stürzen, einer fiel über den anderen. Die
Söldner rufen einander zu: ›Kommt, wir fliehen und kehren zurück in unsere
Heimat, bevor wir alle umkommen!‹
Jer 46,17 Sie sagen: ›Der Pharao von Ägypten ist ein Angeber, der seine
Gelegenheit verschlafen hat!‹
Jer 46,18 Ich, der allmächtige Gott, bin König. Ich schwöre euch, so wahr ich
lebe: Einer wird euch angreifen, der mächtiger ist als alle anderen, so wie der
Tabor die anderen Berge überragt und wie der Gipfel des Karmel hoch über dem
Meer liegt!
Jer 46,19 Ihr Ägypter, packt zusammen, was ihr in die Verbannung mitnehmen
müsst, denn Memfis wird zu einer trostlosen Wüste werden, zerstört und
menschenleer.
Jer 46,20 Ägypten ist wie eine schöne junge Kuh, die von einer Bremse aus dem
Norden angegriffen wird.
Jer 46,21 Ihre Söldner sind wie gemästete Kälber, sie ergreifen die Flucht,
nicht einer leistet Widerstand. Der Tag des Verderbens ist für sie gekommen,
jetzt hat ihre Stunde geschlagen!
Jer 46,22 Ägypten weicht zurück, es zischt wie eine fliehende Schlange, während
das Heer der Feinde heranrückt. Sie kommen mit Äxten wie Holzfäller,
Jer 46,23 sie zerschlagen Ägypten, wie man ein Walddickicht abholzt. Ein
riesiges Heer rückt heran, sie fallen über das Land her, als wären sie ein
Heuschreckenschwarm.
Jer 46,24 Ägypten erntet Verachtung, es ist dem Volk aus dem Norden hilflos
ausgeliefert.
Jer 46,25 Ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, werde Amon, den Gott von
Theben, strafen, ebenso den Pharao und ganz Ägypten mit seinen Göttern und
Königen! Ja, der Pharao und alle, die sich auf ihn verlassen, bekommen meine
Strafe zu spüren.
Jer 46,26 Ich gebe sie in die Gewalt ihrer Todfeinde, ich lasse sie dem
babylonischen König Nebukadnezar und seinen Heerführern in die Hände fallen.
Aber danach soll Ägypten wieder bewohnt werden wie früher. Darauf gebe ich, der
Herr, mein Wort!
Jer 46,27 Fürchtet euch nicht, ihr Nachkommen Jakobs, meine Diener! Hab keine
Angst, Volk Israel! Ich, der Herr, werde euch aus einem fernen Land zurückholen.
Ich befreie eure Nachkommen aus dem Land, in dem sie Gefangene sind. Dann werdet
ihr in Frieden und Sicherheit leben, niemand bedroht euch mehr.
Jer 46,28 Fürchtet euch nicht, ihr Nachkommen Jakobs, meine Diener! Denn ich,
der Herr, bin bei euch, um euch zu helfen! Die Völker, in deren Länder ich euch
vertrieb, lasse ich vom Erdboden verschwinden, doch euch lösche ich nicht aus.
Zwar werde ich auch euch bestrafen, aber nicht mehr als unbedingt nötig.«
Jer 47,1 Ehe der Pharao die Stadt Gaza angriff, empfing der Prophet Jeremia vom
Herrn eine Botschaft für die Philister:
Jer 47,2 »So spricht der Herr: ›Seht, aus dem Norden droht eine Flut; das Wasser
wird zum reißenden Strom, der über die Ufer tritt. Er überschwemmt das Land und
die Felder, er reißt Städte und Menschen mit fort. Die Bewohner rufen um Hilfe,
im ganzen Land schreien sie laut!
Jer 47,3 Denn sie hören Pferde galoppieren, Räder rasseln, Streitwagen
herandonnern. Die Väter fliehen und sehen sich nicht mehr nach ihren Kindern um,
die Angst hat sie gepackt!
Jer 47,4 Der Tag ist gekommen, an dem das Land der Philister verwüstet wird; die
letzten Verbündeten von Tyrus und Sidon werden ausgerottet. Ja, ich, der Herr,
lösche die restlichen Philister aus, die einst von der Insel Kreta gekommen
sind.
Jer 47,5 Die Einwohner von Gaza sind verzweifelt und scheren sich den Kopf kahl,
die Menschen in Aschkelon wurden alle umgebracht. Wie lange ritzt ihr euch vor
Trauer die Haut blutig, ihr Nachkommen der Enakiter?
Jer 47,6 Ihr schreit: Du Schwert des Herrn, wie lange willst du noch zustechen?
Hör auf damit, lass uns endlich in Ruhe! -
Jer 47,7 Doch wie kann das Schwert ruhen, wenn ich, der Herr, ihm einen Auftrag
gegeben habe? Ich selbst habe ihm befohlen, Aschkelon und das Gebiet an der
Küste zu zerstören!‹«
Jer 48,1 So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels, über Moab: »Verloren
ist die Stadt Nebo, sie liegt in Trümmern! Kirjatajim ist erobert worden, seine
Bergfestung wurde niedergerissen. Nun hat man nur noch Verachtung übrig für die
Stadt.
Jer 48,2 Moabs Ruhm ist dahin! In Heschbon haben die Feinde seinen Untergang
geplant. ›Kommt und lasst uns die Moabiter ausrotten!‹, sagen sie. Auch du,
Stadt Madmen, wirst vom Erdboden verschwinden! Der Feind wird dich überrollen.
Jer 48,3 In Horonajim rufen sie schon: ›Unser Land ist verwüstet, alles liegt in
Trümmern!‹
Jer 48,4 Ja, die Moabiter sind geschlagen. Hört ihr, wie ihre kleinen Kinder
schreien?
Jer 48,5 Weinend schleppen sich die Menschen den steilen Weg nach Luhit hinauf.
Sie klagen laut über ihren Untergang, auf der Flucht nach Horonajim rufen sie:
Jer 48,6 ›Flieht! Lauft, so schnell ihr könnt! Wir müssen in der Wüste leben!‹
Jer 48,7 Ihr Moabiter habt euch auf eure Stärke und euren Reichtum verlassen,
und gerade darum wird euer Land jetzt erobert. Euren Gott Kemosch wird man in
die Verbannung bringen, zusammen mit den Priestern und den führenden Männern.
Jer 48,8 Der Feind zieht heran und verwüstet ganz Moab; keine Stadt bleibt
verschont. Ob unten im Jordantal oder auf der Hochebene - alle trifft das
gleiche Los, so wie ich, der Herr, es angekündigt habe.
Jer 48,9 Gebt den Moabitern Flügel, denn sie werden Hals über Kopf fliehen
müssen. Ihre Städte werden zu Ruinen, in denen keiner mehr wohnt.
Jer 48,10 Verflucht sei, wer meinen Auftrag nachlässig ausführt! Verflucht sei,
wer nicht zuschlägt und die Moabiter tötet!
Jer 48,11 Sie haben lange Zeit in Sicherheit gelebt, nie mussten sie in
Gefangenschaft ziehen. Sie gleichen einem Wein, der lange lagert und nicht von
einem Fass ins andere umgegossen wird. So ist er in Ruhe ausgereift, sein Duft
und sein Geschmack konnten sich voll entfalten.
Jer 48,12 Doch es kommt der Tag, an dem ich, der Herr, den Moabitern Leute
schicke, die den Wein ausschütten, die Fässer leeren und die Weinkrüge
zerschlagen!
Jer 48,13 Dann wird Moab von seinem Gott Kemosch bitter enttäuscht sein, so wie
das Nordreich Israel enttäuscht wurde, als es auf seine Götzen in Bethel
vertraute.
Jer 48,14 Ihr Moabiter prahlt: ›Wir sind Helden und kampferprobte Soldaten!‹
Jer 48,15 Doch ich, der Herr, sage euch: Euer Land wird zur Wüste, bald sind
eure Städte erobert! Eure Elitetruppen werden zur Schlachtbank geführt. Ich bin
der allmächtige Gott und König. Mein Wort gilt!«
Jer 48,16 »Moabs Untergang steht kurz bevor, das Unheil lässt nicht mehr lange
auf sich warten!
Jer 48,17 Sprecht den Moabitern euer Beileid aus, ihr Nachbarvölker und alle,
die ihr sie kennt! Klagt: ›Moabs Macht und Ruhm ist dahin! Sein Zepter ist
zerbrochen!‹
Jer 48,18 Ihr Einwohner von Dibon, steigt herab von eurem hohen Ross, und setzt
euch in den Staub! Denn der Feind, der Moab verwüstet, zieht auch gegen euch
heran und zerstört eure Festungen!
Jer 48,19 Stellt euch an die Straße, und seht euch um, ihr Einwohner von Aroër!
Fragt die Flüchtlinge und die Vertriebenen, was geschehen ist.
Jer 48,20 ›Moab ist erobert, Angst und Schrecken herrschen überall‹, klagen sie
und fordern euch auf: ›Weint und schreit! Sagt den Leuten am Fluss Arnon, dass
ihr Land verwüstet ist!‹
Jer 48,21 Jetzt halte ich, der Herr, Gericht über die Städte auf der Hochebene:
über Holon, Jahaz, Mefaat,
Jer 48,22 Dibon, Nebo, Bet-Diblatajim,
Jer 48,23 Kirjatajim, Bet-Gamul, Bet-Meon,
Jer 48,24 Kerijot, Bozra und alle anderen moabitischen Städte nah und fern!
Jer 48,25 Moab ist machtlos geworden, seine Kraft ist gebrochen!
Jer 48,26 Macht Moab betrunken, bis es sich in seinem Erbrochenen wälzt und von
allen verspottet wird, denn es hat mich, den Herrn, herausgefordert!
Jer 48,27 Ihr Moabiter, ständig habt ihr euch über die Israeliten lustig
gemacht. Ihr habt auf sie herabgesehen, als seien sie Diebe, die auf frischer
Tat ertappt wurden.
Jer 48,28 Verlasst eure Städte, und haust in Höhlen, lebt wie die Tauben, die
ihr Nest am Felsabhang bauen!«
Jer 48,29 »Wir haben gehört, wie stolz und hochmütig die Moabiter sind.
Eingebildet und selbstherrlich benehmen sie sich, hochtrabend und überheblich!«
Jer 48,30 »Doch ich, der Herr, durchschaue ihre Prahlerei - es ist nichts als
Geschwätz! Sie gaukeln anderen nur etwas vor.
Jer 48,31 Darum klage ich laut über die Moabiter und ihr Land, ich trauere um
die Einwohner von Kir-Heres.
Jer 48,32 Mehr als über die Einwohner von Jaser weine ich über die Stadt Sibma.
Sie war berühmt für ihren Wein, ihre Ranken erstreckten sich bis zum Toten Meer,
bis nach Jaser. Doch dann fiel der Feind über ihre Weintrauben und ihre ganze
Ernte her.
Jer 48,33 In den Obstgärten und auf den Feldern Moabs singt und jubelt man nicht
mehr. Ich habe dafür gesorgt, dass niemand mehr die Trauben presst, kein Wein
fließt aus der Kelter. Man hört zwar lautes Rufen - aber Freudenschreie sind es
nicht!
Jer 48,34 In Heschbon rufen die Menschen verzweifelt um Hilfe, sie sind noch in
Elale und Jahaz zu hören, und die Schreie in Zoar dringen bis Horonajim und
Eglat-Schelischija. Selbst der Bach von Nimrim ist ausgetrocknet.
Jer 48,35 Ich, der Herr, lasse es nicht mehr zu, dass man in Moab zu den
heiligen Höhen hinaufsteigt, um dort den Göttern zu opfern und Weihrauch zu
verbrennen. Alle, die dies tun, rotte ich aus!«
Jer 48,36 Darüber bin ich tief erschüttert. Ich trauere um Moab und die
Einwohner von Kir-Heres wie jemand, der ein Klagelied auf der Flöte spielt. Denn
sie haben alles verloren, was sie erspart haben.
Jer 48,37 Vor Kummer und Sorgen haben sich alle Männer den Kopf kahl geschoren
und den Bart abrasiert. Sie ritzen sich die Hände blutig und ziehen
Trauergewänder aus Sacktuch an.
Jer 48,38 Auf den Dächern der Häuser und auf den Straßen hört man lautes Klagen.
So spricht der Herr: »Ich habe Moab zerschmettert wie ein unbrauchbares
Tongefäß.
Jer 48,39 Ja, Moab ist zerschlagen! Es schreit verzweifelt, vor Scham wendet es
sich ab. Bei allen Nachbarvölkern ist es zum Gespött geworden, zum Bild des
Schreckens!«
Jer 48,40 So spricht der Herr: »Seht, der Feind greift schon an, wie ein Adler
kreist er über Moab,
Jer 48,41 er erobert die Städte und Festungen. Dann zittern die mutigen Soldaten
vor Angst wie eine Frau in den Wehen!
Jer 48,42 Ja, Moab wird ausgelöscht, es wird kein Volk mehr sein, denn es hat
mich herausgefordert.
Jer 48,43 Ich, der Herr, sage: Angst und Schrecken werden euch packen, in
Fallgruben und Schlingen werdet ihr geraten, ihr Moabiter!
Jer 48,44 Wer dem Schrecken entfliehen will, stürzt in die Grube, und wer sich
daraus noch befreien kann, der verfängt sich in der Schlinge. Ja, es kommt das
Jahr, in dem ich Gericht halte über Moab. Mein Wort gilt!
Jer 48,45 Erschöpft suchen die Flüchtlinge Schutz in der Stadt Heschbon, wo
König Sihon früher regierte. Doch von Heschbon geht ein Feuer aus, mitten aus
der Stadt lodern die Flammen hervor. Sie versengen den Moabitern, diesen
vorlauten Angebern, den Kopf.
Jer 48,46 Ihr seid verloren, ihr Moabiter! Euer Volk, das Kemosch verehrte, ist
zugrunde gegangen. Denn eure Söhne und Töchter wurden in die Gefangenschaft
verschleppt.
Jer 48,47 Doch es kommt der Tag, da werde ich euer Schicksal wieder zum Guten
wenden. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!« Hier endet die Gerichtsbotschaft
über Moab.
Jer 49,1 Dies ist die Botschaft des Herrn an die Ammoniter: »Hat Israel denn
keine Kinder, keine Erben, die das Land verteidigen? Warum hat ein Volk, das den
Götzen Milkom verehrt, sich im Land Gad niedergelassen? Warum wohnen nun die
Ammoniter in Israels Städten?
Jer 49,2 Ich, der Herr, sage: Es kommt der Tag, an dem man in Rabba, der
Hauptstadt der Ammoniter, den Kriegsruf hören wird. Die Stadt soll zu einem
einzigen Trümmerhaufen werden, und die Orte ringsum gehen in Flammen auf. Dann
erobert Israel das Land von denen zurück, die es ihm genommen haben. Das
verspreche ich, der Herr.
Jer 49,3 Weint, ihr Einwohner von Heschbon, denn Ai ist verwüstet! Ihr Frauen
von Rabba, schreit vor Verzweiflung! Zieht euch Trauerkleider an! Lauft durch
eure Stadt und klagt! Denn Milkom, euer Gott, wird verbannt und mit ihm die
Priester und führenden Männer.
Jer 49,4 Ihr prahlt mit euren fruchtbaren Tälern. Ihr verlasst euch auf euren
Reichtum, doch von mir wollt ihr nichts wissen. Ihr behauptet: ›Uns greift
keiner an!‹
Jer 49,5 Doch ich, der Herr, der allmächtige Gott, werde euch in Angst und
Schrecken stürzen. Die Völker ringsum fallen über euch her, und ihr werdet in
alle Richtungen zerstreut. Niemand wird euch mehr in euer Land zurückführen.
Jer 49,6 Doch später will ich das Schicksal der Ammoniter wieder zum Guten
wenden. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Jer 49,7 So spricht der allmächtige Gott über Edom: »Die Einwohner von Teman
wissen nicht mehr, was sie tun sollen. Sind ihren klugen Beratern die Einfälle
ausgegangen? Hat die Weisheit sie verlassen?
Jer 49,8 Schnell, flieht! Ihr Einwohner von Dedan, sucht euch sichere Verstecke!
Denn ich lasse Unheil über euch hereinbrechen, ihr Nachkommen Esaus, jetzt
trifft euch meine Strafe!
Jer 49,9 Die Feinde kommen und plündern euer Land wie Winzer, die keine Nachlese
mehr übrig lassen. Sie überfallen euch wie ein Dieb in der Nacht und nehmen
alles mit, was ihnen gefällt.
Jer 49,10 Ich liefere euch euren Feinden schutzlos aus und nehme euch alle
Schlupfwinkel, in denen ihr euch verstecken konntet. Eure Verwandten, eure
Nachbarn und Freunde - sie alle kommen um.
Jer 49,11 Nur wenige Kinder überleben und bleiben als Waisen zurück. Sie sollt
ihr meiner Fürsorge anvertrauen. Ich erhalte sie am Leben, und auch eure Witwen
finden bei mir Schutz.
Jer 49,12 Selbst Völker, die nicht dazu verurteilt waren, müssen den bitteren
Kelch austrinken. Und da solltet ihr verschont bleiben? Nein, auch ihr werdet
diesen Kelch bis zur Neige leeren müssen. Darauf könnt ihr euch verlassen!
Jer 49,13 Ich, der Herr, habe bei meinem Namen geschworen: Die Stadt Bozra und
alle Städte ringsum sollen zu Trümmerfeldern werden! Man wird über ihr Unglück
entsetzt sein und sie verachten. Wer einen anderen verfluchen will, wird ihm
dasselbe Schicksal herbeiwünschen, das sie getroffen hat.«
Jer 49,14 Der Herr hat mir gesagt, dass er einen Boten zu den Völkern gesandt
hat. Er soll ihnen befehlen: »Versammelt euch, und zieht gegen die Edomiter in
den Krieg!«
Jer 49,15 Der Herr kündigt euch an: »Ich lasse euch Edomiter zu einem kleinen
Volk werden, das von den anderen Völkern verachtet wird.
Jer 49,16 Eure Feinde fürchteten sich vor eurer Macht, ihr seid überheblich
geworden und habt euch damit selbst getäuscht. Ihr wohnt oben in den Felsen und
beherrscht das ganze Gebirge. Doch selbst wenn ihr euer Nest in der Höhe baut
wie ein Adler, stoße ich, der Herr, euch von dort hinunter!
Jer 49,17 Ja, das Land der Edomiter soll verwüstet werden; wer daran
vorüberzieht und sieht, wie schlimm es zugerichtet wurde, ist entsetzt und
schüttelt voller Verachtung den Kopf.
Jer 49,18 Edom wird dasselbe Schicksal erleiden wie damals Sodom und Gomorra
samt den Nachbarstädten. Kein Mensch wird mehr dort wohnen. Darauf gebe ich, der
Herr, mein Wort.
Jer 49,19 Wie ein Löwe, der aus dem Dickicht am Jordan hervorbricht und in
fruchtbares Weideland einfällt, so werde ich die Edomiter aus ihrem Land
vertreiben. Dann wird einer, den ich selbst erwählt habe, über Edom regieren.
Wer ist mir gleich und kann mich zur Rechenschaft ziehen? Welcher Herrscher ist
imstande, sich mir zu widersetzen?
Jer 49,20 So hört nun, welches Urteil ich über die Edomiter spreche und was ich
den Einwohnern von Teman antun will: Man wird sie alle, auch die Jüngsten unter
ihnen, fortschleppen. Jeder, der davon erfährt, wird entsetzt sein.
Jer 49,21 Edoms Sturz lässt die Erde erbeben; noch am Roten Meer sind laute
Hilfeschreie zu hören.
Jer 49,22 Seht, der Feind greift schon an, wie ein Adler kreist er über der
Stadt Bozra und stürzt sich auf seine Beute. Edoms mutige Soldaten zittern vor
Angst wie eine Frau in den Wehen!«
Jer 49,23 So spricht der Herr über Damaskus: »Die Einwohner von Hamat und Arpad
sind wie gelähmt, denn sie haben eine schlimme Nachricht bekommen. Jeder Mut hat
sie verlassen, sie sind unruhig wie ein aufgewühltes Meer im Sturm.
Jer 49,24 Die Menschen in Damaskus sind hilflos, Hals über Kopf ergreifen sie
die Flucht. Angst und Schmerzen haben sie überfallen wie die Wehen eine
schwangere Frau.
Jer 49,25 Warum hat man Damaskus nicht schon früher aufgegeben? Jetzt ist sie
verloren, die berühmte Stadt, die mir so gefiel!
Jer 49,26 [26/27] Die jungen Männer kommen in den Straßen um, und alle Soldaten
fallen im Kampf. Ich lege ein Feuer an die Mauern von Damaskus, es brennt die
Paläste des Königs Ben-Hadad nieder. Darauf gebe ich, der Herr, der allmächtige
Gott, mein Wort.«
Jer 49,28 Dies ist die Botschaft des Herrn über die Beduinenstämme von Kedar und
Hazor. Als König Nebukadnezar von Babylonien sie angriff, befahl der Herr ihm
und seinen Soldaten: »Zieht gegen Kedar in den Krieg! Besiegt die Beduinenstämme
im Osten!
Jer 49,29 Raubt ihre Zelte, die Viehherden und Kamele! Nehmt ihre Zeltdecken und
all ihren Besitz mit! Ruft ihnen zu: ›Es gibt kein Entkommen!‹
Jer 49,30 Ich, der Herr, fordere die Beduinen auf: Flieht schnell und versteckt
euch gut, ihr Stämme in der Gegend von Hazor! Denn König Nebukadnezar von
Babylonien will euch angreifen - sein Entschluss steht fest!
Jer 49,31 Ich habe den Babyloniern befohlen: Zieht in den Krieg gegen ein Volk,
das fern von allen anderen sicher und sorglos lebt! Ihre Städte haben weder
Mauern noch Tore.
Jer 49,32 Ihre Kamele sollen geraubt und die großen Viehherden als Beute
weggetrieben werden. Ja, ich, der Herr, werde dieses Volk, das sich die Haare an
den Schläfen stutzt, in alle Winde zerstreuen! Von allen Seiten lasse ich das
Unheil über sie hereinbrechen.
Jer 49,33 Hazor bleibt für immer ein Ort voller Ruinen, in dem die Schakale
hausen. Kein Mensch wird mehr dort wohnen!«
Jer 49,34 Zu Beginn der Regierungszeit König Zedekias von Juda empfing der
Prophet Jeremia vom Herrn diese Botschaft über Elam:
Jer 49,35 »So spricht der allmächtige Gott: ›Ich zerbreche die Bogen der
Elamiter, durch die sie vorher unschlagbar waren.
Jer 49,36 Aus allen vier Himmelsrichtungen lasse ich Stürme über sie
hereinbrechen. Ich vertreibe sie aus ihrem Land, ja, in alle Winde werden sie
zerstreut. Es wird kein Volk mehr geben, zu dem sich nicht vertriebene Elamiter
flüchten.
Jer 49,37 Sie sollen keinen Mut mehr haben, gegen ihre Todfeinde zu kämpfen.
Ich, der Herr, will Unheil über sie bringen, mein glühender Zorn soll sie
treffen! Mit dem Schwert verfolge ich sie, bis ich sie ausgerottet habe.
Jer 49,38 Dann stelle ich meinen Thron im Land der Elamiter auf und bringe den
König und die führenden Männer um.
Jer 49,39 Aber später werde ich das Schicksal der Elamiter wieder zum Guten
wenden. Das verspreche ich, der Herr!‹«
Jer 50,1 Der Herr gab dem Propheten Jeremia diese Botschaft, die an Babylonien
und seine Hauptstadt gerichtet war:
Jer 50,2 »Sagt es den Völkern, verkündet es überall! Stellt Feldzeichen auf und
haltet die Neuigkeit nicht zurück! Ruft: ›Die Stadt Babylon ist erobert worden!
Marduk, der Götze, der sie schützen sollte, ist vernichtet, ja, Babylons Götter,
diese hilflosen Figuren, wurden zerschmettert. Ein Bild der Schande sind sie
geworden!‹
Jer 50,3 Aus dem Norden zieht ein Volk heran zum Angriff gegen Babylonien; das
ganze Land wird es verwüsten. Menschen und Tiere ergreifen die Flucht, bis
keiner mehr dort lebt.
Jer 50,4 Ich, der Herr, sage: Wenn diese Zeit gekommen ist, kehren die
Israeliten und die Judäer aus der Verbannung zurück. Sie weinen und rufen nach
mir, dem Herrn, ihrem Gott.
Jer 50,5 Sie fragen: ›Welcher Weg führt zum Berg Zion?‹ und gehen in diese
Richtung weiter. ›Kommt‹, fordern sie einander auf, ›wir wollen wieder dem Herrn
gehören! Wir schließen mit ihm einen Bund, an den wir uns für immer halten
werden!‹
Jer 50,6 Mein Volk war wie eine Herde, die sich verlaufen hat. Seine Hirten
führten es auf einen falschen Weg und ließen es in den Bergen umherirren. So zog
es über Berge und Hügel und vergaß, wohin es gehört.
Jer 50,7 Wer immer diese Herde fand, griff sie an und schlachtete sie ab. Die
Feinde Israels sagten: ›Wir begehen kein Unrecht, denn schließlich haben sie den
Herrn vergessen, den Gott, bei dem sie ganz sicher Weide finden und dem schon
ihre Vorfahren vertrauten!‹«
Jer 50,8 »Ihr Israeliten, flieht aus Babylonien und aus seiner Hauptstadt! Geht
den anderen Völkern voran wie Leittiere den Schafen!
Jer 50,9 Denn ich sorge dafür, dass mächtige Völker aus dem Norden ein Bündnis
schließen und sich zum Angriff gegen Babylon rüsten. Dann werden sie kommen und
die Stadt erobern. Ihre Soldaten sind treffsichere Schützen, die ihr Ziel
niemals verfehlen.
Jer 50,10 Sie werden Babylonien plündern, keiner von ihnen kehrt mit leeren
Händen zurück. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Jer 50,11 Jetzt triumphiert ihr noch und jubelt, ihr Babylonier, weil ihr mein
Land ausgeraubt habt! Ihr seid ausgelassen und springt vor Freude umher wie
Kälber auf der Weide, ihr wiehert wie übermütige Hengste!
Jer 50,12 Doch das Land, in dem ihr geboren seid, wird nun auch unterworfen und
von allen verachtet. Es soll ein unbedeutender Fleck Erde sein, eine dürre und
trostlose Wüste.
Jer 50,13 Mein Zorn wird Babylon treffen und es zu einem Trümmerhaufen machen,
in dem niemand mehr wohnt. Wer vorüberzieht und die Ruinen sieht, schüttelt
entsetzt den Kopf.
Jer 50,14 Ihr Bogenschützen, stellt euch rings um die Stadt zum Angriff auf und
schießt! Spart nicht mit Pfeilen! Denn Babylon hat gegen mich, den Herrn,
gesündigt.
Jer 50,15 Umzingelt die Stadt und stimmt das Kriegsgeschrei an! - Da, sie ergibt
sich! Ihre Türme stürzen ein, die Mauern reißt man nieder! Ich, der Herr, strafe
sie für all ihre Bosheit. Rächt auch ihr euch an Babylon! Zahlt ihm das heim,
was es euch angetan hat!
Jer 50,16 In Babylon soll es keinen mehr geben, der die Saat ausstreut und die
Ernte einbringt! Alle Ausländer, die in der Stadt lebten, werden vor dem Schwert
des Feindes fliehen und in ihre Heimat zurückkehren.
Jer 50,17 Israel ist wie eine Herde, die von Löwen auseinander getrieben wurde.
Zuerst ist der König von Assyrien über sie hergefallen, und dann hat König
Nebukadnezar von Babylonien ihre Knochen abgenagt.
Jer 50,18 Ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, sage: Ich bestrafe den
König von Babylonien und sein ganzes Land, so wie ich auch den König von
Assyrien zur Rechenschaft gezogen habe.
Jer 50,19 Aber mein Volk, meine Herde, bringe ich zurück zu ihrem Weideplatz,
dann breitet sie sich beim Berg Karmel und im Hochland von Baschan aus, und auch
im Bergland von Ephraim und in Gilead findet sie genug zu essen.
Jer 50,20 Ich, der Herr, verspreche euch: Wer zu dieser Zeit nach Israels Schuld
sucht, wird sie nicht finden. Man wird den Bewohnern Judas keine einzige Sünde
vorhalten können. Denn wer mein Gericht überlebt, dem werde ich vergeben.«
Jer 50,21 »Ich, der Herr, sage euch: Tut, was ich euch befehle! Greift das Land
Meratajim an, zieht gegen die Bewohner von Pekod in den Kampf! Vernichtet sie,
zerstört alles ohne Erbarmen!
Jer 50,22 Hört das Kriegsgeschrei, Babyloniens Untergang naht!
Jer 50,23 Alle Völker hat es niedergeschlagen wie ein Hammer, doch nun liegt es
selbst zerschmettert am Boden. Bei diesem Anblick werden die Völker von
Entsetzen gepackt.
Jer 50,24 Ich habe dir eine Falle gestellt, Babylonien, und du bist
hineingelaufen, ehe du wusstest, was geschah! Man hat dich eingeholt und
überwältigt, denn du hast gegen mich, den Herrn, Krieg geführt.
Jer 50,25 Ich öffne meine Waffenkammer und hole die Waffen heraus, mit denen ich
dich voller Zorn angreifen werde. Ja, für mich, den allmächtigen Gott, gibt es
in diesem Land viel zu tun!
Jer 50,26 Nehmt es von allen Seiten ein, brecht seine Kornspeicher auf, und
schüttet die Beute auf einen Haufen! Dann vernichtet alles, und zerstört das
ganze Land - lasst nichts mehr übrig!
Jer 50,27 Stecht all seine Soldaten nieder, schlachtet sie ab! Sie sind
verloren! Denn nun ist der Tag gekommen, an dem ihre Strafe sie trifft.
Jer 50,28 Hört, was die Flüchtlinge aus Babylonien erzählen! In Jerusalem
berichten sie: ›Der Herr, unser Gott, hat sich an den Feinden gerächt, er hat
sie gestraft, weil sie seinen Tempel zerstört haben.‹
Jer 50,29 Ruft die Bogenschützen zum Kampf gegen Babylon herbei! Belagert die
Stadt und lasst keinen entkommen! Vergeltet ihr alles Unrecht! Zahlt ihr heim,
was sie euch angetan hat. Denn Babylon hat sich voller Stolz gegen mich, den
heiligen Gott Israels, aufgelehnt.
Jer 50,30 Die jungen Männer kommen in den Straßen um, und alle Soldaten fallen
im Kampf.
Jer 50,31 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, greife dich an, du stolze Stadt!
Deine Strafe lässt nicht länger auf sich warten.
Jer 50,32 Du wirst stürzen, und niemand richtet dich wieder auf. Ich stecke dich
und deine Nachbarstädte in Brand, das Feuer wird alles ringsum verzehren.«
Jer 50,33 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Noch werden die Israeliten
und Judäer unterdrückt. Ihre Feinde halten sie gefangen und lassen sie nicht in
ihr Land zurückkehren.
Jer 50,34 Aber ich, der Herr, der allmächtige Gott, bin stärker und werde sie
befreien. Ich selbst verhelfe ihnen zu ihrem Recht. Auf der ganzen Welt sorge
ich für Ruhe und Frieden, aber die Bewohner von Babylonien stürze ich in Angst
und Schrecken.
Jer 50,35 Ich, der Herr, sage: Tod den Babyloniern und der Stadt Babylon mit
ihren führenden Männern und Beratern!
Jer 50,36 Tod ihren Wahrsagern, diesen Schwätzern! Tod ihren Soldaten - die
Angst soll sie packen!
Jer 50,37 Tod den Pferden und Streitwagen und allen Söldnern, die Babylonien
unterstützt haben, sie werden sich nicht mehr wehren können. Die Schätze
Babyloniens gebe ich der Plünderung preis.
Jer 50,38 Alle Gewässer des Landes sollen austrocknen! Denn Babylonien ist ein
Land voll abscheulicher Götzenstatuen, die seinen Bewohnern den Verstand geraubt
haben.
Jer 50,39 Wilde Wüstentiere werden in den Trümmern hausen, Schakale und Strauße
streifen dort umher. Ja, Babylonien wird nie mehr bewohnt sein, für alle Zeiten
bleibt es unbesiedelt.
Jer 50,40 Es soll zerstört werden wie damals Sodom und Gomorra mit ihren
Nachbarstädten; kein Mensch wird mehr dort leben. Darauf gebe ich, der Herr,
mein Wort.«
Jer 50,41 »Seht, von Norden zieht ein großes Volk heran, eine mächtige Nation
macht sich auf den Weg vom Ende der Erde her. Viele Königreiche wollen gegen
Babylonien Krieg führen.
Jer 50,42 Mit Schwertern und Bogen sind sie bewaffnet, sie sind grausam und
kennen kein Erbarmen. Wenn sie auf ihren Pferden heranstürmen, klingt es wie das
Tosen des Meeres. Sie haben sich zum Kampf gerüstet gegen dich, Babylonien!
Jer 50,43 Dein König hört die Schreckensmeldung, ihn hat aller Mut verlassen. Er
zittert vor Angst wie eine Frau in den Wehen.
Jer 50,44 Ja, ich will die Babylonier aus ihrem Land vertreiben wie ein Löwe,
der aus dem Dickicht am Jordan hervorbricht und in fruchtbares Weideland
einfällt. Dann wird einer, den ich selbst erwählt habe, über Babylonien
regieren. Wer ist mir gleich und kann mich zur Rechenschaft ziehen? Welcher
Herrscher ist imstande, sich mir zu widersetzen?
Jer 50,45 So hört nun, welches Urteil ich über die Babylonier spreche und was
ich ihnen antun will: Man wird sie alle, auch die jüngsten unter ihnen,
fortschleppen. Jeder, der davon erfährt, wird entsetzt sein.
Jer 50,46 Babyloniens Sturz lässt die Erde erbeben, selbst die anderen Völker
hören noch die lauten Hilfeschreie.«
Jer 51,1 So spricht der Herr: »Seht, ich lasse einen verheerenden Sturm über
Babylonien und seine Bewohner kommen, denn dort haben sich meine Feinde
zusammengerottet.
Jer 51,2 Fremde werden das Land erobern und die Menschen davonjagen, so wie der
Wind die Spreu fortweht. Ja, ganz Babylonien wird verwüstet. An dem Tag, den ich
für seinen Untergang bestimme, fallen die Feinde von allen Seiten über das Land
her.
Jer 51,3 Ich befehle ihnen: Schießt die babylonischen Schützen nieder, tötet die
Soldaten in ihren Rüstungen! Bringt die jungen Männer schonungslos um,
vernichtet das gesamte Heer!
Jer 51,4 Dann werden die Leichen der Gefallenen überall herumliegen, vom Schwert
Durchbohrte füllen die Straßen Babylons.
Jer 51,5 Ich, der allmächtige Gott, habe Israel und Juda nicht verlassen, sie
sind immer noch mein Volk. Doch auf dem Land der Babylonier lastet eine schwere
Schuld: Sie haben gegen mich, den heiligen Gott Israels, gesündigt.
Jer 51,6 Flieht aus Babylon! Lauft um euer Leben! Sonst trifft auch euch die
Strafe für seine Schuld. Denn jetzt ist die Stunde gekommen, nun ziehe ich, der
Herr, die Babylonier zur Rechenschaft. Sie bekommen von mir, was sie verdienen.
Jer 51,7 Babylon war wie ein goldener Kelch voll Wein in meiner Hand. Alle
Völker mussten daraus trinken, bis sie taumelten und den Verstand verloren.
Jer 51,8 Doch nun ist der Kelch heruntergefallen und zerbrochen. Trauert um
Babylonien! Holt Salben, um seinen Schmerz zu lindern, vielleicht wird es wieder
gesund!
Jer 51,9 Aber die Fremden, die dort leben, erwidern: ›Wir wollten ihnen helfen,
doch es war zu spät! Babyloniens Wunden sind unheilbar. Kommt, wir verlassen das
Land und ziehen in unsere Heimat! Denn Babylonien ist grausam bestraft worden,
die Folgen sind nicht zu beheben.‹
Jer 51,10 Die Israeliten sagen: ›Jetzt hat der Herr uns zum Recht verholfen.
Kommt, wir gehen nach Jerusalem und erzählen, was der Herr, unser Gott, getan
hat!‹
Jer 51,11 Ich, der Herr, habe die Könige von Medien dazu gebracht, Babylon
anzugreifen, denn ich will die Stadt verwüsten. Ich räche mich an ihren
Einwohnern, weil sie meinen Tempel zerstört haben. Schärft die Pfeile! Nehmt die
Schilde!
Jer 51,12 Richtet euer Feldzeichen vor den Mauern Babylons auf! Verstärkt die
Wachen! Stellt Beobachtungsposten auf! Legt einen Hinterhalt! Ja, ich, der Herr,
führe aus, was ich Babylon angedroht habe.
Jer 51,13 Du große Stadt, von vielen Wasserläufen durchzogen, dein Reichtum ist
unermesslich! Doch jetzt ist dein Ende gekommen, deine Zeit ist abgelaufen!
Jer 51,14 Ich, der allmächtige Gott, schwöre, so wahr ich lebe: Ich lasse Feinde
über dich herfallen wie einen Heuschreckenschwarm. Sie werden dich erobern und
ein Triumphlied über dich anstimmen.«
Jer 51,15 Der Herr hat die Erde durch seine Macht geschaffen. In seiner großen
Weisheit hat er ihr Fundament gelegt und den Himmel ausgebreitet.
Jer 51,16 Wenn er es befiehlt, tosen die Wassermassen oben am Himmel; er lässt
die Wolken aufsteigen vom Horizont. Er sendet Blitz und Regen und schickt den
Wind aus seinen Kammern auf die Reise.
Jer 51,17 Davor muss jeder Mensch verstummen! Dumm ist er gegenüber Gottes
großer Weisheit. Und die Goldschmiede müssen sich schämen über ihre
Götterstatuen, denn sie sind blanker Betrug, kein Leben ist in ihnen.
Jer 51,18 Eine Täuschung sind sie und verdienen nichts als Spott! Wenn Gott sein
Urteil spricht, ist es aus mit ihnen.
Jer 51,19 Der Gott Jakobs ist mächtiger als diese Götter, er hat das Weltall
geschaffen und Israel als Volk erwählt, das ihm allein gehört. »Herr der ganzen
Welt« wird er genannt.
Jer 51,20 »Babylonien, du warst wie ein Hammer in meiner Hand; ich benutzte dich
als Waffe, um ganze Völker zu vernichten und Königreiche zu zerstören.
Jer 51,21 Mit dir zerschmetterte ich Pferde und Reiter, Streitwagen mitsamt den
Wagenlenkern.
Jer 51,22 Ich erschlug Männer und Frauen, Kinder und Alte, junge Männer und
Mädchen!
Jer 51,23 Hirten und Herden habe ich mit deiner Hilfe ausgerottet, Bauern und
ihre Rindergespanne, Provinzstatthalter und mächtige Fürsten fielen dir zum
Opfer.
Jer 51,24 Doch ich will dir und allen deinen Bewohnern das Unrecht vergelten,
das ihr Jerusalem zugefügt habt. Mit eigenen Augen werden die anderen Völker es
sehen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Jer 51,25 Babylonien, du bist wie ein Vulkan, der Verderben und Zerstörung über
die ganze Welt bringt. Aber jetzt greife ich dich an, ich lasse deine Felsen
einstürzen und mache dich zu einem Berg von verkohlten Steinen,
Jer 51,26 mit denen keiner mehr ein Fundament legen kann. Für alle Zeiten
bleibst du ein Trümmerfeld, das sage ich, der Herr!
Jer 51,27 Gebt das Zeichen zum Angriff gegen Babylonien! Alle Völker sollen die
Trompeten blasen und sich für den Kampf rüsten. Ruft die Königreiche von Ararat,
Minni und Aschkenas herbei! Wählt euch Heerführer aus! Überfallt das Land mit
einem Reiterheer, das so groß ist wie ein Heuschreckenschwarm!
Jer 51,28 Die Völker sollen sich auf den Krieg vorbereiten, die Könige der
Meder, ihre Statthalter, ihre Befehlshaber und die Heere aller Länder, über die
sie herrschen!
Jer 51,29 Die ganze Erde bebt und erzittert, denn ich, der Herr, will Babylonien
zerstören und zur Wüste machen, in der keiner mehr wohnt. Mein Entschluss steht
fest!
Jer 51,30 Die Elitetruppen Babyloniens ziehen nicht in den Krieg, sie bleiben in
ihren Festungen, denn sie sind erschöpft und haben allen Mut verloren. Schon
sind die Stadttore aufgebrochen, und die Häuser stehen in Flammen.
Jer 51,31 Von überall kommen die Boten angelaufen und melden dem König von
Babylonien: ›Die Stadt ist von allen Seiten eingenommen worden!
Jer 51,32 Die Feinde besetzen die Übergänge am Euphrat und brennen die Festungen
nieder. Unsere Soldaten sind in Panik geraten!‹
Jer 51,33 Ich, der Herr, der allmächtige Gott Israels, sage: Die Stadt Babylon
wird niedergetreten werden wie ein Dreschplatz, den man fest stampft, bevor die
Erntezeit kommt.«
Jer 51,34 »Jerusalem klagt: ›König Nebukadnezar hat mich zerfleischt und
aufgefressen. Wie ein Drache hat er mich verschlungen, hat sich den Bauch voll
geschlagen mit dem, was ich besaß - und mich dann weggeworfen wie ein leeres
Gefäß!
Jer 51,35 Doch nun soll Babylon für das Unrecht bestraft werden, das es an mir
begangen hat. Die Babylonier haben unser Blut vergossen - nun soll ihres
fließen!‹
Jer 51,36 Ich, der Herr, sage zu Jerusalem: Ich selbst werde dir zum Recht
verhelfen und mich an deinen Feinden rächen. Ich lasse Babyloniens Teiche und
Flüsse vertrocknen und die Quellen versiegen.
Jer 51,37 Seine Hauptstadt soll zu einem einzigen Trümmerfeld werden, wo die
Schakale hausen und kein Mensch es mehr aushält. Wer das sieht, wird entsetzt
sein und die Stadt verabscheuen.
Jer 51,38 Noch brüllen die Babylonier wie Löwen und knurren wie Löwenjunge.
Jer 51,39 Sie sind voller Gier! Darum bereite ich, der Herr, ihnen ein Festmahl
und mache sie betrunken, bis sie fröhlich und ausgelassen sind. Dann versinken
sie in ewigen Schlaf und werden nie mehr erwachen.
Jer 51,40 Ich führe sie fort zum Schlachten wie Lämmer, Schaf- und Ziegenböcke.
Jer 51,41 Babylon ist gefallen! Die weltberühmte Stadt wurde erobert! Welch ein
Bild des Schreckens bietet sie nun der ganzen Welt!
Jer 51,42 Das Meer hat Babylon überflutet, seine tosenden Wellen sind über die
Stadt hereingebrochen.
Jer 51,43 Die Städte des Landes sind verwüstet; sie liegen da wie eine dürre,
wasserlose Steppe. Kein Mensch wohnt mehr dort, niemand reist hindurch.
Jer 51,44 Ich werde ihren Götzen Marduk strafen. Was er verschlungen hat, muss
er nun wieder ausspucken! Die Völker kommen nicht mehr, um ihn anzubeten.
Babylons Mauern sind gefallen!
Jer 51,45 Flieht, ihr Israeliten! Lauft um euer Leben, damit euch mein glühender
Zorn nicht auch trifft!
Jer 51,46 Verliert nicht den Mut, habt keine Angst, wenn ihr die Gerüchte hört,
die man sich im Land erzählt. Jedes Jahr wird ein anderes Gerücht umgehen -
Meldungen über blutige Aufstände und über Machtkämpfe zwischen den Herrschern.
Jer 51,47 Glaubt mir, es kommt die Zeit, in der ich die Götzen Babyloniens
strafen werde! Dann ist der Ruhm des Landes dahin, und überall liegen die
Gefallenen am Boden.
Jer 51,48 Die ganze Welt bricht in Jubel aus, wenn die Völker aus dem Norden
heranziehen, Babylonien angreifen und zerstören. Darauf gebe ich, der Herr, mein
Wort.
Jer 51,49 Babylonien hat unzählige Menschen auf der ganzen Welt umgebracht, doch
nun wird es selbst zugrunde gehen, weil es so viele Israeliten tötete.
Jer 51,50 Ihr Menschen aus Israel, die ihr dem Schwert eurer Feinde entkommen
seid, flieht! Bleibt nicht stehen! Auch wenn ihr weit von eurem Land entfernt
seid, denkt an mich, euren Herrn, und vergesst Jerusalem nicht!
Jer 51,51 Ihr sagt: ›Es ist eine Schande! Fremde sind in den Tempel
eingedrungen, in das Haus unseres Gottes! Sie haben uns verspottet und
verhöhnt.‹
Jer 51,52 Doch hört, was ich, der Herr, euch antworte: Es kommt die Zeit, in der
ich Babyloniens Götter strafen werde. Dann hört man im ganzen Land die
Verwundeten stöhnen.
Jer 51,53 Selbst wenn die Mauern Babylons bis an den Himmel reichten und seine
Festungstürme uneinnehmbar hoch wären, würde ich doch die Feinde schicken, die
alles in Schutt und Asche legen. Mein Wort gilt!
Jer 51,54 Hört ihr, wie Babylonien um Hilfe schreit? Das ganze Land ist dem
Untergang geweiht,
Jer 51,55 denn ich, der Herr, zerstöre es nun und bringe es zum Schweigen. Die
Feinde donnern heran wie mächtige Meereswogen, hört ihr das laute Gebrüll?
Jer 51,56 Ja, sie verwandeln Babylonien in eine Wüste, sie nehmen die Soldaten
gefangen und zerbrechen ihre Bogen. Denn ich, der Herr, bin ein Gott, der
Vergeltung übt und sie so straft, wie sie es verdienen.
Jer 51,57 Ich, der allmächtige Gott, der König der ganzen Welt, mache sie alle
betrunken - die führenden Männer von Babylonien, ihre weisen Berater, die
Statthalter, Befehlshaber und die einfachen Soldaten; dann versinken sie in
ewigen Schlaf und werden nie mehr erwachen.
Jer 51,58 Die starken Mauern Babylons werden dem Erdboden gleichgemacht und die
hohen Tore niedergebrannt. So trifft auch für diese Stadt das Wort zu: ›Was
Völker mühsam errichtet haben, hat keinen Bestand - ihre Bauwerke werden ein
Raub der Flammen!‹ Das sage ich, der allmächtige Gott.«
Jer 51,59 In seinem 4. Regierungsjahr reiste der judäische König Zedekia nach
Babylon. Als Jeremia davon hörte, gab er Seraja, der den König begleitete und
für sein Wohlergehen verantwortlich war, eine Botschaft mit; Seraja war ein Sohn
Nerijas und Enkel Machsejas.
Jer 51,60 Jeremia hatte auf einer Buchrolle niedergeschrieben, welches Unheil
der Herr Babylonien androhte, alle Botschaften gegen das Land waren darauf
festgehalten.
Jer 51,61 Er sagte zu Seraja: »Wenn du nach Babylon kommst, so lies alles, was
ich aufgeschrieben habe, laut vor!
Jer 51,62 Dann bete: ›Herr, du hast dieser Stadt die Zerstörung angekündigt. Sie
soll für alle Zeiten zu einer Wüste werden, in der weder Menschen noch Tiere
leben.‹
Jer 51,63 Wenn du diese Buchrolle vorgelesen hast, binde einen Stein daran, wirf
sie in den Euphrat
Jer 51,64 und ruf: ›Genauso wird Babylon untergehen und nie wieder nach oben
kommen! Denn der Herr wird großes Unheil über seine Einwohner bringen!‹« Hier
enden die Worte Jeremias.
Jer 52,1 Zedekia war 21 Jahre alt, als er König wurde; er regierte elf Jahre in
Jerusalem. Seine Mutter hieß Hamutal, sie war eine Tochter Jirmejas aus Libna.
Jer 52,2 Wie Jojakim tat auch Zedekia, was der Herr verabscheute.
Jer 52,3 Der Herr war voller Zorn über die Bewohner von Jerusalem und Juda, und
so wandte er sich von ihnen ab. Zedekia lehnte sich gegen die Herrschaft des
babylonischen Königs auf.
Jer 52,4 Darum zog Nebukadnezar mit seinem ganzen Heer nach Jerusalem, um die
Stadt anzugreifen. Im 9. Regierungsjahr Zedekias, am 10. Tag des 10. Monats,
begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Rings um die Stadt
schütteten sie einen Wall auf.
Jer 52,5 Bis ins 11. Regierungsjahr Zedekias hielt Jerusalem der Belagerung
stand.
Jer 52,6 Doch schließlich waren alle Vorräte aufgebraucht, und die Einwohner
litten unter einer schweren Hungersnot. Am 9. Tag des 4. Monats
Jer 52,7 schlugen die Babylonier eine Bresche in die Stadtmauer. In der Nacht
darauf gelang Zedekia mit allen seinen Soldaten die Flucht, obwohl die Feinde
einen geschlossenen Belagerungsring um die Stadt gebildet hatten. Sie nahmen den
Weg durch das Tor, das zwischen den beiden Mauern beim Garten des Königs lag,
und flohen in Richtung Wüste.
Jer 52,8 Doch die Babylonier nahmen die Verfolgung Zedekias auf. In der Nähe von
Jericho holten sie ihn ein. Seine Soldaten liefen in alle Richtungen davon, und
so wurde er allein gefangen genommen.
Jer 52,9 Die Babylonier führten ihn zu ihrem König nach Ribla in der Provinz
Hamat, dort sprach Nebukadnezar das Urteil über ihn:
Jer 52,10 Zedekia musste zusehen, wie alle seine Söhne hingerichtet wurden. Auch
die obersten Beamten von Juda ließ der babylonische König töten.
Jer 52,11 Danach stach man Zedekia die Augen aus und brachte ihn in Ketten nach
Babylon. Dort wurde er ins Gefängnis geworfen, wo er bis zu seinem Tod blieb.
Jer 52,12 Im 19. Regierungsjahr König Nebukadnezars von Babylonien, am 10. Tag
des 5. Monats, traf Nebusaradan in Jerusalem ein. Er war der Oberbefehlshaber
der königlichen Leibwache und ein enger Vertrauter Nebukadnezars.
Jer 52,13 Er ließ den Tempel des Herrn, den Königspalast und alle großen Häuser
in Flammen aufgehen.
Jer 52,14 Seine Soldaten rissen die Stadtmauer nieder.
Jer 52,15 Nebusaradan ließ alle Judäer gefangen nehmen: die restliche
Bevölkerung der Stadt, die ärmsten Bewohner Judas und die übrig gebliebenen
Handwerker. Auch alle, die zu den Babyloniern übergelaufen waren, führte er in
die Verbannung.
Jer 52,16 Nur einige der ärmsten Landarbeiter ließ er zurück, um die Äcker und
Weinberge zu bestellen.
Jer 52,17 Im Tempel zerschlugen die Babylonier die beiden Säulen aus Bronze, die
Kesselwagen und das runde Wasserbecken und brachten die Bronze nach Babylon.
Jer 52,18 Auch die Eimer, Schaufeln, Messer, Schüsseln und Schalen sowie alle
anderen bronzenen Gegenstände, die für den Tempeldienst gebraucht worden waren,
nahmen sie mit,
Jer 52,19 ebenso die Kelche, die Eimer zum Tragen der glühenden Kohlen, die
Schüsseln, Töpfe, Leuchter und Opferschalen aus reinem Gold und Silber. Dies
alles ließ der Oberbefehlshaber der Leibwache nach Babylon bringen.
Jer 52,20 Auch die Bronze der beiden Säulen, des runden Wasserbeckens, der zwölf
Rinderfiguren und der Kesselwagen, die Salomo für den Tempel des Herrn hatte
anfertigen lassen, wurde mitgenommen. Es kam so viel Bronze zusammen, dass man
sie gar nicht mehr wiegen konnte.
Jer 52,21 Allein die beiden Säulen waren schon neun Meter hoch, und ihr Umfang
betrug sechs Meter. Sie waren innen hohl und hatten eine Wandstärke von acht
Zentimetern.
Jer 52,22 Auf jeder Säule ruhte noch ein bronzenes Kapitell von zweieinhalb
Metern Höhe. Die Kapitelle waren ringsum verziert mit Ketten und Granatäpfeln,
ebenfalls aus Bronze.
Jer 52,23 Bei jeder Säule gab es insgesamt hundert Granatäpfel an den Ketten
ringsum, sechsundneunzig davon konnte man von unten sehen.
Jer 52,24 Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache, ließ
einige Männer von den Gefangenen aussondern: den Hohenpriester Seraja, seinen
Stellvertreter Zefanja und die drei Priester, die den Tempeleingang bewachten,
Jer 52,25 einen Hofbeamten, der die Aufsicht über die Truppen in der Stadt
hatte, sieben Männer aus Jerusalem, die zu den engsten Vertrauten des Königs
gehörten, den Offizier, der für die Musterung der Truppen verantwortlich war,
und schließlich sechzig Männer aus Juda, die sich gerade in Jerusalem
aufhielten.
Jer 52,26 Sie alle sonderte Nebusaradan aus und brachte sie nach Ribla in der
Provinz Hamat zum König von Babylonien.
Jer 52,27 Dort ließ Nebukadnezar sie alle hinrichten. Die Bevölkerung von Juda
wurde aus ihrer Heimat vertrieben.
Jer 52,28 In seinem 7. Regierungsjahr ließ Nebukadnezar 3023 Judäer in die
Verbannung führen,
Jer 52,29 im 18. Jahr 832 Einwohner von Jerusalem,
Jer 52,30 und im 23. Jahr ließ Nebusaradan, der Oberbefehlshaber der königlichen
Leibwache, 745 Judäer verschleppen. Insgesamt wurden 4600 Judäer nach Babylonien
gebracht.
Jer 52,31 37 Jahre nach der Gefangennahme Jojachins, des früheren Königs von
Juda, wurde Ewil-Merodach König von Babylonien. Im 1. Jahr seiner Regierung, am
25. Tag des 12. Monats, begnadigte er Jojachin von Juda und holte ihn aus dem
Gefängnis.
Jer 52,32 Er behandelte ihn freundlich und gab ihm eine bevorzugte Stellung
unter den Königen, die in Babylon gefangen gehalten wurden.
Jer 52,33 Jojachin durfte seine Gefängniskleidung ablegen und bis an sein
Lebensende an der königlichen Tafel essen.
Jer 52,34 Der König sorgte auch sonst für seinen Unterhalt. Jojachin bekam
täglich, was er zum Leben brauchte.
Klgl 1,1 Ach, wie einsam und verlassen liegt sie da, die Stadt Jerusalem, in der
sich einst die Menschen drängten! Sie war berühmt bei allen Völkern, jetzt
gleicht sie einer Witwe ohne Schutz. Sie, die über andere Länder herrschte, wird
nun zum Sklavendienst gezwungen.
Klgl 1,2 Sie weint und weint die ganze Nacht, die Tränen laufen ihr übers
Gesicht. Unter all ihren Liebhabern ist niemand, der sie tröstet. Alle Freunde
haben sie verlassen und sind nun ihre Feinde!
Klgl 1,3 Schwer musste Juda arbeiten und viel Elend erdulden, nun hat man sie
gefangen fortgeschleppt. Jetzt wohnt sie unter fremden Völkern und findet keine
Ruhe; ihre Verfolger haben sie überfallen, als sie sich nicht wehren konnte.
Klgl 1,4 Die Wege, die nach Zion führen, sind verödet, weil niemand mehr zu den
Festen kommt. Alle Tore Jerusalems sind zerstört. Die Priester seufzen, und die
jungen Mädchen trauern. Die Stadt leidet bitteren Schmerz.
Klgl 1,5 Die sie hassen, haben die Macht über sie, ihre Feinde fühlen sich
sicher. Der Herr hat Leid über Jerusalem gebracht, weil er ihre vielen Sünden
strafen will. Die Feinde nahmen ihre Kinder gefangen und trieben sie vor sich
her aus dem Land.
Klgl 1,6 Zion hat all ihre Pracht verloren. Ihre Fürsten sind wie Hirsche, die
keine Weide mehr finden; ihnen fehlt die Kraft, den Verfolgern zu entfliehen.
Klgl 1,7 Mitten im Elend, weit weg von ihrer Heimat, denkt Jerusalem an die
Schätze, die sie seit langer Zeit besaß. Als sie dem Feind in die Hände fiel,
war niemand da, der ihr half.
Klgl 1,8 Jerusalem hat große Schuld auf sich geladen, nun schüttelt man den Kopf
über sie. Die sie früher verehrten, verachten sie jetzt, weil sie nackt und
hilflos vor ihnen liegt. Sie aber seufzt und vergräbt ihr Gesicht in den Händen.
Klgl 1,9 Dass ihre Untreue aufgedeckt wird, hat sie nicht bedacht. Nun ist sie
tief gefallen - und keiner ist da, der sie tröstet. »Ach Herr«, fleht sie, »sieh
doch mein Elend an, und sieh auch, wie die Feinde prahlen!«
Klgl 1,10 Sie raubten alle ihre Schätze. Jerusalem musste mit ansehen, wie
Fremde in den heiligen Tempel eindrangen. Dabei hatte der Herr ihnen verboten,
den Ort zu betreten, wo sich seine Gemeinde versammelt.
Klgl 1,11 Das Volk seufzt und sucht nach Brot, sie geben all ihr Hab und Gut,
nur um am Leben zu bleiben. Jerusalem fleht: »Herr, sieh mich an! Ich werde von
allen verachtet!
Klgl 1,12 Schaut her, ihr Fremden, die ihr vorüberzieht! Habt ihr noch nichts
davon gehört? Gibt es ein größeres Leid als meines? Der Herr hat es mir
zugefügt, sein Zorn hat mich getroffen.
Klgl 1,13 Er ließ Feuer vom Himmel auf mich fallen, das in meinem Innern wütete.
Er hat mir eine Falle gestellt und mich zu Boden geworfen. Er hat mich zu einer
Trümmerstätte gemacht, die von allen gemieden wird.
Klgl 1,14 Schwer lasten meine Sünden auf mir wie ein Joch, das der Herr mir
aufgebürdet hat. Er legte es um meinen Nacken, und ich brach darunter zusammen.
Der Herr hat mich meinen Feinden ausgeliefert, die stärker waren als ich.
Klgl 1,15 Meine besten Soldaten hat er vernichtet. Er hat meine Feinde zu einem
Fest eingeladen, und dort brachten sie unsere jungen Männer um. Der Herr hat
Juda zertreten wie Trauben in der Kelter.
Klgl 1,16 Darüber weine ich Tag und Nacht, die Tränen verschleiern mir die
Augen. Denn weit und breit habe ich keinen, der mich tröstet, niemanden, der mir
wieder Mut zuspricht. Meine Söhne sind hilflos, der Feind hat uns in seiner
Gewalt.«
Klgl 1,17 Verzweifelt streckt Zion ihre Hände aus, doch keiner ist da, der sie
tröstet! Der Herr hat Israels Feinde von allen Seiten herbeigerufen. Voller
Abscheu blicken sie auf Jerusalem.
Klgl 1,18 »Zu Recht hat der Herr mich bestraft, denn ich habe mich seinen
Geboten widersetzt! Ihr Völker, hört her! Seht doch, wie groß mein Schmerz ist!
Die Mädchen und die jungen Männer wurden als Gefangene verschleppt.
Klgl 1,19 Ich rief nach meinen Liebhabern, aber sie haben mich verlassen. Meine
Priester und Ältesten sind mitten in der Stadt zusammengebrochen, als sie
Nahrung suchten, um am Leben zu bleiben.
Klgl 1,20 Ach Herr, sieh doch, wie verzweifelt ich bin! In mir wühlt der
Schmerz; mir bricht das Herz, wenn ich daran denke, wie ich mich gegen dich
aufgelehnt habe. Draußen raubte das Schwert mir meine Kinder, und drinnen raffte
die Seuche sie dahin.
Klgl 1,21 Man hört mich seufzen, doch keiner tröstet mich. Stattdessen jubeln
meine Feinde, wenn sie erfahren, welches Unglück du über mich gebracht hast.
Doch wenn dein Gerichtstag kommt, den du angekündigt hast, dann wird es ihnen
ergehen wie mir.
Klgl 1,22 Zieh sie zur Rechenschaft für all ihre Bosheit! Vergelte ihnen alles,
so wie du auch mich für meine Schuld bestraft hast! Denn ich seufze ohne Ende,
der Kummer macht mich krank.«
Klgl 2,1 Der Zorn des Herrn liegt über Zion wie eine große, dunkle Wolke. Wie
ein Stern vom Himmel auf die Erde stürzt, so verging Jerusalems ganze Pracht. An
dem Tag, als der Zorn des Herrn losbrach, wollte er sogar von seinem Tempel
nichts mehr wissen!
Klgl 2,2 Er hat die Dörfer und Felder Israels erbarmungslos zerstört. Die
befestigten Städte Judas hat er niedergerissen, in seinem Zorn hat er über das
Königreich Schande gebracht und die Mächtigen gestürzt.
Klgl 2,3 Der Herr hat Israel aller Macht beraubt. Als der Feind kam, zog er
seine schützende Hand zurück. Er hat das Land in Brand gesteckt wie ein
loderndes Feuer, das alles ringsum verzehrt.
Klgl 2,4 Er spannte seinen Bogen und stellte sich auf, die Hand bereit zum
Schuss. Wie ein Feind hat er alle getötet, die uns lieb und teuer waren. Über
die Häuser Zions goss er seinen Zorn aus wie Feuer.
Klgl 2,5 Der Herr ist Israels Feind geworden: Er hat das Land verwüstet und alle
Paläste zerstört. Die befestigten Städte machte er dem Erdboden gleich und
brachte unermessliches Leid über die Bewohner Judas.
Klgl 2,6 Er hat seinen Tempel niedergerissen wie eine Hütte; den Ort, an dem wir
uns vor ihm versammelten, hat er zerstört. Den Festtagen und Sabbatfeiern hat
der Herr ein Ende bereitet. In seinem furchtbaren Zorn hat er den König und die
Priester verstoßen.
Klgl 2,7 Der Herr will von seinem Tempel nichts mehr wissen, seinen Altar hat er
entweiht. Die Feinde ließ er bis in die Paläste eindringen, und selbst im Tempel
hörte man sie lärmen wie an einem Festtag.
Klgl 2,8 Der Herr wollte die Mauern Jerusalems zerstören. Und so spannte er die
Messschnur über sie, um sie völlig zu vernichten. Er riss Mauern und Schutzwälle
nieder, nun liegen sie verödet da.
Klgl 2,9 Die Stadttore machte er dem Erdboden gleich, er brach die Riegel auf
und zerschlug sie. Unser König und seine Beamten müssen unter fremden Völkern
leben. Niemand verkündet uns die Weisungen Gottes, und die Propheten empfangen
vom Herrn keine Visionen mehr.
Klgl 2,10 Die Ältesten sitzen stumm am Boden, sie haben sich Staub auf den Kopf
gestreut und Trauerkleider angezogen. Die Mädchen von Jerusalem gehen mit
gesenktem Kopf umher.
Klgl 2,11 Ich weine mir fast die Augen aus, der Schmerz überwältigt mich, und es
bricht mir das Herz, dass ich den Untergang meines Volkes miterleben musste. Ich
sah Säuglinge und kleine Kinder auf den Plätzen der Stadt verhungern.
Klgl 2,12 »Ich habe Hunger! Ich habe Durst!«, sagten sie zu ihrer Mutter. Dann
brachen sie zusammen und lagen auf der Straße wie tödlich Verwundete. In den
Armen ihrer Mutter erlosch ihr Leben.
Klgl 2,13 Ach, Jerusalem, was soll ich dir sagen? Hat es jemals solches Elend
gegeben? Wie kann ich dich nur trösten, du einst blühende Stadt? Schrecklich war
dein Untergang. Gibt es einen, der dir noch helfen kann?
Klgl 2,14 Deine Propheten weissagten nichts als Lug und Trug; sie deckten deine
Schuld nicht auf - nur so hätten sie das Unheil von dir abgewendet. Mit ihren
Botschaften haben sie dich betrogen und verführt.
Klgl 2,15 Wer vorübergeht, verspottet dich; er lacht verächtlich und schüttelt
den Kopf beim Anblick Jerusalems: »Ist das die Stadt, die als vollendete
Schönheit galt, eine Augenweide für die ganze Welt?«
Klgl 2,16 Deine Feinde ziehen über dich her. Sie verhöhnen dich und weiden sich
an deinem Untergang: »Wir haben sie vernichtet! Auf diesen Tag haben wir lange
gewartet, nun ist er endlich da, wir haben unser Ziel erreicht!«
Klgl 2,17 Was der Herr sich vorgenommen hatte, das hat er auch getan! Er hat die
Drohung wahr gemacht, die er seit langer Zeit verkünden ließ. Erbarmungslos hat
er dich zerstört, er schenkte deinen Feinden den Triumph und stärkte ihre Macht.
Klgl 2,18 Zion, schrei laut zum Herrn! Lass wie einen Bach die Tränen fließen
Tag und Nacht, hör nicht auf damit, gönn dir keine Ruhe!
Klgl 2,19 Steh jede Nacht auf, flehe zu Gott um Hilfe, und schütte ihm dein Herz
aus! Heb deine Hände zu ihm empor, und bitte für das Leben deiner Kinder, die an
allen Straßenecken verhungern.
Klgl 2,20 Herr, sieh doch die Menschen, über die du solches Leid gebracht hast!
Frauen aßen ihre eigenen Kinder, die sie vorher liebevoll gepflegt hatten. Und
in deinem heiligen Tempel wurden Priester und Propheten totgeschlagen. Warum
hast du das zugelassen?
Klgl 2,21 Kinder und Greise liegen auf den Straßen, Mädchen und junge Männer -
durchbohrt vom Schwert der Feinde. Am Tag, als dein Zorn sie traf, hast du sie
ohne Mitleid abgeschlachtet.
Klgl 2,22 Meine Feinde hast du von allen Seiten herbeigerufen wie zu einer
Festversammlung. Dein Zorn kam über mich, da gab es kein Entrinnen! Meine
Kinder, die ich mit viel Liebe großzog, sind dem Feind zum Opfer gefallen.
Klgl 3,1 Ach, wie viel Elend muss ich ertragen! Ich bin der Mann, den Gott mit
seiner Rute schlägt.
Klgl 3,2 Er hat mich immer tiefer in die Finsternis getrieben.
Klgl 3,3 Tag für Tag trifft mich seine strafende Hand.
Klgl 3,4 Davon bin ich abgemagert, alt geworden; meine Knochen hat er
zerschlagen.
Klgl 3,5 Bitteres Leid und Erschöpfung haben mich überwältigt, er hat es über
mich gebracht.
Klgl 3,6 In Dunkelheit lässt er mich zurück, als wäre ich schon lange tot.
Klgl 3,7 Mit schweren Ketten hat er mich gefesselt und mit hohen Mauern umgeben,
ich komme nicht mehr heraus!
Klgl 3,8 Wenn ich schreie und um Hilfe rufe, so verschließt er sich meinem
Gebet.
Klgl 3,9 Wohin ich mich auch wende - er hat meine Wege mit großen Steinen
versperrt. Ich komme nicht mehr weiter.
Klgl 3,10 Gott hat mir aufgelauert wie ein Bär, wie ein Löwe in seinem Versteck.
Klgl 3,11 Er hat mich vom Weg gedrängt, mich zerfleischt und hilflos liegen
lassen.
Klgl 3,12 Er spannte seinen Bogen, zielte mit seinem Pfeil auf mich
Klgl 3,13 und schoss mir mitten durch das Herz.
Klgl 3,14 Mein Volk verlacht mich Tag für Tag, sie singen Spottlieder auf mich.
Klgl 3,15 Gott reicht mir bittere Kräuter zu essen und füllt mir den Becher mit
Wermut.
Klgl 3,16 Er gibt mir Steine statt Brot, er tritt mich tief in den Staub.
Klgl 3,17 Was Frieden und Glück ist, weiß ich nicht mehr. Du, Herr, hast mir
alles genommen.
Klgl 3,18 Darum sagte ich: »Meine Kraft ist geschwunden, und meine Hoffnung auf
den Herrn ist dahin.
Klgl 3,19 Meine Not ist groß, ich habe keine Heimat mehr. Schon der Gedanke
daran macht mich krank.
Klgl 3,20 Und doch denke ich ständig daran und liege am Boden.«
Klgl 3,21 Aber eine Hoffnung bleibt mir noch, an ihr halte ich fest:
Klgl 3,22 Die Güte des Herrn hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf,
Klgl 3,23 es ist jeden Morgen neu! Groß ist deine Treue, o Herr!
Klgl 3,24 Darum sage ich: Herr, ich brauche nur dich! Auf dich will ich hoffen.
Klgl 3,25 Denn der Herr ist gut zu dem, der ihm vertraut und ihn von ganzem
Herzen sucht.
Klgl 3,26 Darum ist es das Beste, geduldig zu sein und auf die Hilfe des Herrn
zu warten.
Klgl 3,27 Und es ist gut für einen Menschen, wenn er schon früh lernt, Schweres
zu tragen.
Klgl 3,28 Wenn Gott ihm die Last auferlegt, soll er sich darunter beugen und
ruhig bleiben.
Klgl 3,29 Geduldig ertrage er sein Leid, vielleicht gibt es noch Hoffnung.
Klgl 3,30 Wenn er geschlagen wird, soll er die Wange hinhalten und die
Demütigung ertragen.
Klgl 3,31 Denn der Herr verstößt uns nicht für immer.
Klgl 3,32 Er lässt uns leiden, aber dann erbarmt er sich wieder, denn seine
Gnade ist groß.
Klgl 3,33 Wenn er uns straft und Leid über uns bringt, so schmerzt es ihn
selbst.
Klgl 3,34 Sie treten unsere Gefangenen.
Klgl 3,35 Sie beugen das Recht vor den Augen des höchsten Gottes.
Klgl 3,36 Sie betrügen uns vor Gericht. - Hat der Herr das nicht gesehen?
Klgl 3,37 Wer kann etwas geschehen lassen, wenn der Herr es nicht befiehlt?
Klgl 3,38 Kommt nicht Glück und Unglück aus seiner Hand?
Klgl 3,39 Warum klagen wir? Der Herr ließ uns doch am Leben! Er straft uns nur
für unsere Sünden.
Klgl 3,40 Kommt, wir wollen unser Leben prüfen und dann zurückkehren zum Herrn!
Klgl 3,41 Ihm wollen wir unsere Herzen öffnen, zu ihm, der im Himmel wohnt, die
Hände erheben und beten:
Klgl 3,42 »Herr, wir haben dir die Treue gebrochen, wir haben uns gegen dich
aufgelehnt - und du hast uns nicht vergeben!
Klgl 3,43 Dein Zorn hat uns getroffen, du hast uns verfolgt und erbarmungslos
getötet!
Klgl 3,44 Du hast dich in dichte Wolken gehüllt, kein Gebet ist zu dir
durchgedrungen.
Klgl 3,45 Du hast dafür gesorgt, dass die Völker uns verachten; sie behandeln
uns wie Dreck und Abfall.
Klgl 3,46 Unsere Feinde lästern über uns.
Klgl 3,47 Wir haben Schrecken und Zusammenbruch erlebt, wir haben Angst und
schweben ständig in Gefahr.«
Klgl 3,48 Ich weine hemmungslos über den Untergang meines Volkes.
Klgl 3,49 Meine Tränen fließen unaufhörlich, ich finde keine Ruhe,
Klgl 3,50 bis der Herr vom Himmel herabschaut und uns sieht.
Klgl 3,51 Mir bricht das Herz, wenn ich sehe, was mit den Frauen und Mädchen in
meiner Stadt geschieht.
Klgl 3,52 Ich habe meinen Feinden nichts getan, und doch haben sie mich gefangen
wie einen Vogel.
Klgl 3,53 Sie warfen mich in einen Brunnen und ließen Steine auf mich fallen.
Klgl 3,54 Das Wasser schlug über mir zusammen, und ich dachte schon: »Das ist
das Ende!«
Klgl 3,55 Da schrie ich zu dir um Hilfe, o Herr, unten aus der Grube:
Klgl 3,56 »Verschließe dein Ohr nicht vor meinem Seufzen und Schreien!« Und du
hast mich erhört!
Klgl 3,57 Als ich rief, kamst du zu mir und sprachst: »Fürchte dich nicht!«
Klgl 3,58 Herr, du hast mir geholfen und mein Leben gerettet.
Klgl 3,59 Du siehst, wie viel Unrecht ich immer noch erleide. Schaffe du mir
Recht!
Klgl 3,60 Du kennst die Rachsucht meiner Feinde und ihre finsteren Pläne gegen
mich.
Klgl 3,61 Herr, du hast gehört, wie sie mich schmähten, ihre bösen Verleumdungen
sind dir nicht verborgen.
Klgl 3,62 Tagein, tagaus verhöhnen sie mich, immer ziehen sie über mich her.
Klgl 3,63 Herr, hör doch: Von früh bis spät singen sie ihre Spottlieder über
mich!
Klgl 3,64 Vergelte es ihnen, o Herr! Gib ihnen den gerechten Lohn für ihre
schrecklichen Taten!
Klgl 3,65 Lass ihre Herzen hart und gleichgültig werden, möge dein Fluch über
sie kommen!
Klgl 3,66 Verfolge sie, bis dein Zorn sie trifft, und lass sie vom Erdboden
verschwinden!
Klgl 4,1 Das Gold hat seinen schönen Glanz verloren, stumpf und matt ist es
geworden. Die kostbaren Steine des Tempels liegen verstreut an allen
Straßenecken.
Klgl 4,2 Die jungen Männer Zions, die uns wertvoll sind wie reines Gold, werden
verächtlich behandelt wie gewöhnliches Tongeschirr.
Klgl 4,3 Selbst Schakale säugen ihre Jungen, aber die Mütter meines Volkes sind
grausam zu ihren Kindern wie ein Strauß in der Wüste.
Klgl 4,4 Dem Säugling klebt vor Durst die Zunge am Gaumen, kleine Kinder
verlangen nach Brot, doch niemand gibt es ihnen.
Klgl 4,5 Wer früher nur das Feinste aß, bricht nun vor Hunger auf der Straße
zusammen. Wer früher auf purpurfarbenen Kissen schlief, liegt jetzt auf einem
Abfallhaufen.
Klgl 4,6 Mein Volk hat schwerer gesündigt als Sodom, das ohne menschliches Zutun
plötzlich unterging.
Klgl 4,7 Wie herrlich sahen unsere Fürsten aus! Sie waren gesund und kräftig und
hatten eine schöne Gestalt.
Klgl 4,8 Jetzt aber ist ihr Gesicht eingefallen, sie sind bis auf die Knochen
abgemagert, man erkennt sie auf der Straße nicht mehr wieder.
Klgl 4,9 Wer vom Schwert der Feinde durchbohrt wurde, hatte es besser als jene,
die überlebten. Sie starben einen qualvollen Tod, weil keine Früchte mehr vom
Feld in die Stadt gebracht wurden.
Klgl 4,10 Und in der größten Hungersnot haben selbst liebevolle Mütter ihre
eigenen Kinder gekocht und gegessen!
Klgl 4,11 Der Herr hat seinen Zorn gestillt und ihn über uns alle ausgegossen.
Er legte in Jerusalem ein Feuer, das die Stadt bis auf die Grundmauern
niederbrannte.
Klgl 4,12 Die Feinde sind durch die Tore Jerusalems eingezogen. Niemand hat das
für möglich gehalten, auch die Könige der anderen Völker nicht!
Klgl 4,13 Doch es geschah wegen der Sünden unserer Propheten und Priester: Sie
haben in der Stadt unschuldige Menschen umgebracht.
Klgl 4,14 Jetzt taumeln sie wie Blinde durch die Straßen. Sie sind so mit Blut
besudelt, dass niemand sie berühren darf.
Klgl 4,15 »Aus dem Weg!«, ruft man ihnen zu. »Ihr seid unrein! Aus dem Weg!
Rührt uns nicht an!« So müssen sie fliehen und irren umher. Sogar in anderen
Ländern sagt man: »Bei uns können sie nicht bleiben!«
Klgl 4,16 Der Herr hat sich von ihnen abgewandt und sie aus dem Land vertrieben.
Niemand nimmt noch Rücksicht auf die alten Männer.
Klgl 4,17 Wir warteten unentwegt auf Hilfe, doch vergeblich! Auch das Volk, auf
das wir unsere Hoffnung setzten, konnte uns nicht retten.
Klgl 4,18 Die Feinde verfolgten uns auf Schritt und Tritt, wir konnten uns nicht
mehr auf die Straße wagen. Unsere Tage waren gezählt, das Ende war da!
Klgl 4,19 Die Verfolger stürzten sich auf uns so schnell wie ein Adler. Auf der
Flucht ins Bergland holten sie uns ein, und in der Wüste lauerten sie uns auf.
Klgl 4,20 Unseren König, den der Herr erwählte, haben sie uns genommen, und mit
ihm unser Leben! Und wir hatten gehofft, er würde uns vor den anderen Völkern
schützen!
Klgl 4,21 Lacht nur schadenfroh, ihr Edomiter im Land Uz! Der Kelch mit Gottes
Zorn kommt auch zu euch! Ihr müsst ihn trinken, dann werdet ihr taumeln und
nackt am Boden liegen.
Klgl 4,22 Jerusalem, deine Schuld ist gesühnt! Der Herr wird dich nie mehr in
die Gefangenschaft führen. Aber eure Schuld, ihr Edomiter, bringt er ans Licht!
Er wird euch zur Rechenschaft ziehen.
Klgl 5,1 Ach Herr, vergiss nicht, was man uns angetan hat! Sieh doch, wie wir
gedemütigt werden!
Klgl 5,2 Unser Grund und Boden gehört einem anderen Volk, in unseren Häusern
wohnen Fremde!
Klgl 5,3 Wir sind verlassen wie Waisenkinder, unsere Mütter schutzlos wie
Witwen!
Klgl 5,4 Unser eigenes Trinkwasser müssen wir bezahlen, und auch Brennholz
bekommen wir nur gegen Geld.
Klgl 5,5 Der Feind sitzt uns im Nacken; wir sind völlig erschöpft, doch man
gönnt uns keine Ruhe.
Klgl 5,6 Wir unterwarfen uns den Ägyptern und Assyrern, damit wir genug Brot zu
essen hatten.
Klgl 5,7 Unsere Vorfahren haben gegen dich gesündigt. Sie leben nun nicht mehr,
wir aber müssen für ihre Schuld bezahlen.
Klgl 5,8 Sklaven herrschen über uns, und keiner schützt uns vor ihrer Willkür.
Klgl 5,9 Räuberbanden machen das Land unsicher. Wenn wir die Stadt verlassen, um
draußen nach Nahrung zu suchen, setzen wir unser Leben aufs Spiel.
Klgl 5,10 Wir sind vom Hunger ausgezehrt, unsere Körper glühen vor Fieber.
Klgl 5,11 In Jerusalem haben sie unsere Frauen vergewaltigt, in den Städten von
Juda waren die Mädchen ihnen hilflos ausgeliefert.
Klgl 5,12 Sie haben unsere Fürsten aufgehängt, und selbst den Ältesten erweist
man keine Ehrfurcht mehr.
Klgl 5,13 Unsere Männer müssen Korn mahlen wie die Sklaven, die Jungen schleppen
Brennholz und brechen unter der Last zusammen.
Klgl 5,14 Die Alten sitzen nicht mehr am Stadttor beieinander, und die Jungen
spielen keine Instrumente mehr.
Klgl 5,15 Unsere Freude ist verflogen, das Singen und Tanzen ist zum Trauerlied
geworden.
Klgl 5,16 Wir haben unseren Ruhm und Glanz verloren; die Strafe trifft uns, weil
wir gegen Gott gesündigt haben.
Klgl 5,17 Darum ist unser Herz voll Trauer, und unsere Augen sind müde vom
Weinen.
Klgl 5,18 Denn der heilige Berg Zion ist verwüstet, Schakale streunen durch die
Ruinen.
Klgl 5,19 Herr, du regierst für immer und ewig, du bist König für alle Zeiten.
Klgl 5,20 Warum vergisst du uns? Wird sich das nie ändern? Willst du uns für
immer verlassen?
Klgl 5,21 Herr, führe uns zurück zu dir, dann können wir zu dir umkehren! Lass
unser Leben wieder so wie früher sein!
Klgl 5,22 Oder hast du uns für immer verstoßen? Hat dein Zorn über uns kein
Ende?
Hes 1,1 [1-3] Im 30. Jahr lebte ich, der Priester Hesekiel, der Sohn Busis, mit
den verbannten Judäern am Fluss Kebar in Babylonien. Fünf Jahre war es her, dass
König Jojachin nach Babylon verschleppt worden war. Am 5. Tag des 4. Monats
öffnete sich plötzlich über mir der Himmel, und ich sah eine Erscheinung Gottes.
Der Herr sprach zu mir und legte seine Hand auf mich.
Hes 1,4 Ich sah von Norden einen Sturm heranbrausen, der eine große Wolke vor
sich hertrieb. Blitze schossen aus ihr hervor, und ein heller Glanz umgab sie.
Dann öffnete sich die Wolke, und aus ihrem Inneren strahlte ein Licht wie
glänzendes Gold.
Hes 1,5 In dem Licht erschienen vier lebendige Wesen, die wie Menschen aussahen.
Hes 1,6 Doch jedes von ihnen hatte vier Gesichter und vier Flügel.
Hes 1,7 Ihre Beine waren gerade wie die eines Menschen, aber statt der Füße
hatten sie die Hufe eines Stieres, die wie polierte Bronze glänzten.
Hes 1,8 [8/9] Jede Gestalt besaß vier Hände, je eine Hand unter jedem Flügel.
Mit ihren Flügeln berührten die Gestalten einander. Beim Gehen brauchten sie
sich nie umzudrehen, denn in jede Richtung blickte eines ihrer Gesichter.
Hes 1,10 Jedes sah anders aus: Vorne war das Gesicht eines Menschen, rechts das
eines Löwen, links das eines Stieres und hinten das eines Adlers.
Hes 1,11 Zwei ihrer Flügel hatten sie nach oben ausgespannt, und ihre Spitzen
berührten die der anderen Gestalten. Mit den anderen zwei Flügeln bedeckten sie
ihren Leib.
Hes 1,12 Sie gingen, wohin Gottes Geist sie trieb; sie brauchten sich nie
umzudrehen, denn in jede Richtung blickte eines ihrer Gesichter.
Hes 1,13 Zwischen den Gestalten bemerkte ich etwas, das wie glühende Kohlen
aussah und wie Fackeln, die sich hin- und herbewegten. Das Feuer leuchtete, und
Blitze schossen aus ihm.
Hes 1,14 Die Gestalten liefen so schnell umher, dass sie selbst zuckenden
Blitzen glichen.
Hes 1,15 Als ich sie genauer betrachtete, entdeckte ich vier Räder auf dem Boden
- eines vor jeder Gestalt.
Hes 1,16 Sie schienen aus Edelsteinen zu bestehen. Alle vier waren gleich
gebaut; mitten in jedes Rad war ein zweites im rechten Winkel eingefügt,
Hes 1,17 und so konnten sie in jede beliebige Richtung laufen, ohne zu wenden.
Hes 1,18 Die Felgen der Räder waren sehr groß und ringsum mit Augen bedeckt.
Hes 1,19 Wenn die vier Gestalten gingen, dann liefen auch die Räder mit; und
wenn die Gestalten sich von der Erde erhoben, dann hoben sich auch die Räder.
Hes 1,20 Sie gingen, wohin Gottes Geist sie trieb, und die Räder bewegten sich
mit ihnen, denn die Lebewesen hatten Macht über sie.
Hes 1,21 Wenn die Gestalten sich bewegten, dann liefen auch die Räder; blieben
die Gestalten stehen, standen auch die Räder still. Erhoben sich die Lebewesen,
dann hoben sich auch die Räder mit ihnen, denn die Lebewesen lenkten sie, wohin
sie wollten.
Hes 1,22 Über den Köpfen der Gestalten entdeckte ich etwas, das aussah wie ein
Gewölbe aus leuchtendem Kristall, und ich erschrak bei seinem Anblick.
Hes 1,23 Jedes der Lebewesen darunter hatte zwei seiner Flügel zu der Gestalt
neben sich ausgestreckt; mit den beiden anderen Flügeln bedeckte es seinen Leib.
Hes 1,24 Wenn die vier sich bewegten, rauschten ihre Flügel wie das Brausen
gewaltiger Wassermassen, wie die Stimme des allmächtigen Gottes. Es war so laut
wie die Rufe einer großen Menschenmenge, wie der Lärm in einem Heerlager. Wenn
sie stillstanden, ließen sie ihre Flügel herabhängen.
Hes 1,25 Plötzlich hörte ich eine Stimme aus dem Gewölbe über ihnen, da blieben
sie stehen und senkten ihre Flügel.
Hes 1,26 Oberhalb des Gewölbes über ihren Köpfen bemerkte ich einen Thron aus
Saphir. Darauf saß eine Gestalt, die einem Menschen glich.
Hes 1,27 Von der Hüfte an aufwärts schimmerte sein Leib wie Gold in einem
Feuerkranz; unterhalb der Hüfte sah er aus wie ein Feuer, umgeben von hellem
Lichtglanz.
Hes 1,28 In dem Licht konnte ich alle Farben des Regenbogens entdecken. Es war
die Erscheinung Gottes in seiner Herrlichkeit. Bei ihrem Anblick fiel ich nieder
und berührte mit meinem Gesicht den Boden. Dann hörte ich eine Stimme.
Hes 2,1 Jemand sagte zu mir: »Du sterblicher Mensch, steh auf, ich will mit dir
reden!«
Hes 2,2 Noch während er dies sprach, erfüllte mich der Geist Gottes und richtete
mich auf. Dann hörte ich die Stimme sagen:
Hes 2,3 »Du sterblicher Mensch, ich sende dich zu den Israeliten, zu einem
widerspenstigen Volk, das sich gegen mich auflehnt. Schon ihre Vorfahren haben
sich von mir abgewandt, und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Hes 2,4 Starrköpfig und hartherzig sind sie; ich aber sende dich zu ihnen. Du
sollst ihnen ausrichten: Hört, was der Herr, der allmächtige Gott, euch zu sagen
hat!
Hes 2,5 Ob dieses widerspenstige Volk dann hört oder nicht - sie werden schon
noch erkennen, dass ein Prophet unter ihnen war.
Hes 2,6 Du aber, sterblicher Mensch, fürchte dich nicht vor ihnen, hab keine
Angst vor ihrem Spott! Ihre Worte verletzen dich wie Dornen - ja, du lebst
mitten unter Skorpionen. Trotzdem brauchst du dich nicht vor ihnen und ihrem
Gerede zu fürchten! Sie sind ein Volk, das von mir nichts mehr wissen will.
Hes 2,7 Sag ihnen meine Botschaft - ob sie hören wollen oder nicht. Sie haben
mir ohnehin den Rücken gekehrt.
Hes 2,8 Du aber, sterblicher Mensch, hör mir zu! Lehn dich nicht auf wie dieses
widerspenstige Volk! Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe!«
Hes 2,9 Dann sah ich eine Hand, die sich mir entgegenstreckte und eine Buchrolle
hielt.
Hes 2,10 Die Hand breitete die Buchrolle aus; sie war auf beiden Seiten
beschrieben mit Klagen, Seufzern und Trauerrufen.
Hes 3,1 Gott sprach zu mir: »Du sterblicher Mensch, iss, was du vor dir siehst,
ja, iss diese Buchrolle! Dann geh zum Volk Israel und rede zu ihnen!«
Hes 3,2 Er gab mir die Rolle, und ich öffnete den Mund, um sie zu essen.
Hes 3,3 Dabei sagte er: »Iss dieses Buch, und füll deinen Bauch damit!« Ich aß
es, und es schmeckte süß wie Honig.
Hes 3,4 Dann sprach er zu mir: »Du sterblicher Mensch, geh zum Volk Israel, und
sag ihnen, was ich dir in den Mund lege.
Hes 3,5 Ich sende dich nicht zu einem Volk mit fremder Sprache, die du nicht
verstehst, sondern zum Volk Israel.
Hes 3,6 Wenn ich dich zu anderen Völkern mit fremder Sprache schickte, so würden
diese trotzdem auf dich hören.
Hes 3,7 Das Volk Israel aber wird deine Worte in den Wind schlagen, denn sie
weigern sich, meine Weisungen anzunehmen. Das ganze Volk ist starrköpfig und
hartherzig.
Hes 3,8 Darum will ich dich genauso unbeirrbar machen wie sie, und ich gebe dir
die Kraft, ihnen die Stirn zu bieten.
Hes 3,9 Ja, ich mache dich unnachgiebig, härter noch als einen Kieselstein, hart
wie einen Diamanten. Hab keine Angst vor diesem widerspenstigen Volk!«
Hes 3,10 Und weiter sprach er zu mir: »Du sterblicher Mensch, achte auf alles,
was ich dir sage, und nimm es dir zu Herzen!
Hes 3,11 Geh zu den Menschen deines Volkes, die nach Babylonien verschleppt
worden sind, und richte ihnen aus, was ich, der Herr, der allmächtige Gott,
ihnen sagen möchte - ganz gleich ob sie es annehmen oder nicht.«
Hes 3,12 Dann hob der Geist Gottes mich empor, und ich hörte hinter mir eine
laute, gewaltige Stimme, die rief: »Preist die Macht und Hoheit des Herrn in
seiner himmlischen Wohnung!«
Hes 3,13 Die Flügel der vier Gestalten rauschten und schlugen in der Luft
aneinander, gleichzeitig rasselten die Räder neben ihnen; es dröhnte wie bei
einem Erdbeben.
Hes 3,14 Der Geist Gottes, der mich emporgehoben hatte, trug mich fort. Ich war
verstört und niedergeschlagen, denn was der Herr mir gezeigt hatte, lastete
schwer auf mir.
Hes 3,15 So kam ich zu den Verschleppten, die in Tel-Abib nahe beim Fluss Kebar
wohnten, und ich blieb sieben Tage lang bei ihnen - wie betäubt von dem, was ich
gesehen hatte.
Hes 3,16 Nach diesen sieben Tagen sprach der Herr zu mir:
Hes 3,17 »Du sterblicher Mensch, ich mache dich zum Wächter für das Volk Israel.
So hör mir nun genau zu, und warne die Israeliten in meinem Auftrag!
Hes 3,18 Wenn ich einem Menschen, der mich verachtet, den Tod androhe, und du
warnst ihn nicht, um ihn von seinen falschen Wegen abzubringen und sein Leben zu
retten, dann wird er wegen seiner Sünde sterben. Dich aber werde ich für seinen
Tod zur Rechenschaft ziehen.
Hes 3,19 Wenn er sich jedoch von seiner Schuld und von seinen falschen Wegen
nicht abbringen lässt, obwohl du ihn gewarnt hast, dann wird er wegen seiner
Sünde sterben. Du aber hast dein Leben gerettet.
Hes 3,20 Wenn einer, der mir gedient hat, sich von mir abwendet und Unrecht tut,
und du warnst ihn nicht, werde ich ihn zu Fall bringen: Er muss sterben. Ja,
wegen seiner Sünde wird er umkommen, und das Gute, das er zuvor getan hat, wird
vergessen sein. Dich aber werde ich für seinen Tod zur Rechenschaft ziehen.
Hes 3,21 Warnst du ihn jedoch davor zu sündigen, und er sündigt nicht, dann wird
er am Leben bleiben. Und auch du hast dein Leben gerettet.«
Hes 3,22 Wieder legte der Herr seine Hand auf mich und sprach zu mir: »Steh auf
und geh hinaus ins Tal, denn dort will ich mit dir reden!«
Hes 3,23 Ich stand auf und ging ins Tal hinaus. Dort erblickte ich die Macht und
Herrlichkeit des Herrn, so wie ich sie schon am Fluss Kebar gesehen hatte. Ich
fiel nieder und berührte mit meinem Gesicht den Boden.
Hes 3,24 Da erfüllte mich der Geist Gottes und richtete mich wieder auf. Der
Herr sprach zu mir: »Geh in dein Haus, und schließ dich ein!
Hes 3,25 Man wird dich, du sterblicher Mensch, mit Stricken fesseln, damit du
nicht mehr unter die Leute gehen kannst.
Hes 3,26 Ich lasse dir die Zunge am Gaumen kleben, du wirst stumm und kannst die
Israeliten nicht mehr ermahnen. Denn sie sind ein widerspenstiges Volk.
Hes 3,27 Wenn ich aber wieder mit dir rede, löse ich deine Zunge; dann sollst du
ihnen ausrichten: Achtet auf das, was der Herr, der allmächtige Gott, euch zu
sagen hat! Wer es hören will, soll hören; wer es nicht annehmen will, der lasse
es! Denn dieses Volk ist widerspenstig.«
Hes 4,1 »Sterblicher Mensch, nimm dir einen Ziegelstein, leg ihn vor dich hin,
und ritz die Umrisse der Stadt Jerusalem hinein!
Hes 4,2 Mit diesem Stein sollst du zeigen, wie Jerusalem belagert werden wird:
Schütte einen Wall auf, bau eine Angriffsrampe, und setz Rammböcke rings um die
Mauer. Leg ein befestigtes Heerlager an!
Hes 4,3 Nimm eine Eisenplatte, und stell sie als eiserne Mauer zwischen dich und
die Stadt! Wende dich gegen die Stadt, und belagere sie! So sollst du den
Israeliten zeigen, was sie erwartet.
Hes 4,4 [4/5] Dann leg dich auf die linke Seite als Zeichen dafür, dass du die
Schuld des Volkes Israel auf dich nimmst! Viele Jahre haben sie Schuld auf sich
geladen, und genauso viele Tage wirst du hier liegen: 390 Tage sollst du für sie
leiden, denn 390 Jahre lang haben sie mich verlassen.
Hes 4,6 Danach leg dich auf die rechte Seite, und trag die Schuld des Reiches
Juda: 40 Tage bürde ich dir diese Last auf, denn 40 Jahre lang haben sie sich
von mir abgewandt.
Hes 4,7 Richte deinen Blick auf das belagerte Jerusalem, droh den Leuten mit
erhobener Faust, und sag ihnen voraus, was sie erwartet.
Hes 4,8 Mit Stricken binde ich dich fest, damit du dich nicht von einer Seite
auf die andere drehen kannst, bis du diese schweren Tage durchgestanden hast.
Hes 4,9 Hol dir vorher noch Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und anderes
Korn, vermenge sie in einem Gefäß, und backe Brot daraus. Solange du auf der
linken Seite liegst, 390 Tage lang, sollst du davon essen.
Hes 4,10 [10/11] 250 Gramm Brot und einen Liter Wasser darfst du an einem Tag zu
dir nehmen. Wieg sie genau ab, und dann iss und trink zu festgelegten Zeiten!
Hes 4,12 Bereite das Brot so zu wie Gerstenbrot, und back es vor aller Augen auf
Menschenkot!
Hes 4,13 Wenn ich nämlich die Israeliten verstoße und sie unter fremden Völkern
leben, werden sie Brot essen müssen, das nach dem Gesetz als unrein gilt.«
Hes 4,14 Entsetzt erwiderte ich: »Ach, Herr und Gott! Ich habe mich noch nie
verunreinigt! In meinem ganzen Leben habe ich nie das Fleisch von einem
verendeten oder zerrissenen Tier gegessen, nie habe ich unreines Fleisch in den
Mund genommen!«
Hes 4,15 Da antwortete der Herr: »Ich gestatte dir, das Brot auf dem Mist von
Rindern statt auf Menschenkot zu backen.«
Hes 4,16 Und er fügte hinzu: »Sterblicher Mensch, ich lasse in Jerusalem die
Brotvorräte zu Ende gehen. Dann müssen sie Brot und Wasser genau einteilen und
ständig in Angst und Sorge leben.
Hes 4,17 Ja, Brot und Wasser werden knapp in Jerusalem, die Einwohner sind
verzweifelt, einer wie der andere, und gehen elend zugrunde. So bestrafe ich sie
für ihre Schuld.«
Hes 5,1 Dann sprach der Herr: »Du sterblicher Mensch, nimm ein scharfes Schwert!
Benutz es als Schermesser, und schneide dir damit die Haare und den Bart ab!
Dann hol eine Waage, und wieg die Haare!
Hes 5,2 Ein Drittel sollst du mitten in Jerusalem verbrennen, wenn die Zeit der
Belagerung vorbei ist. Das zweite Drittel zerkleinere mit dem Schwert, und
verteile es rings um die Stadt, das letzte Drittel streu in den Wind! Denn ich
werde die Einwohner Jerusalems mit gezücktem Schwert vertreiben.
Hes 5,3 Behalte nur wenige Haare zurück, und binde sie in dein Gewand ein!
Hes 5,4 Aber auch von ihnen sollst du noch einige herausnehmen: Wirf sie ins
Feuer, und lass sie verbrennen! Das Feuer wird sich ausbreiten, und das ganze
Volk Israel kommt darin um.
Hes 5,5 Ich, der Herr, sage: Schaut euch Jerusalem an! Ich habe es zum
Mittelpunkt aller Völker und Länder gemacht,
Hes 5,6 aber seine Einwohner haben sich gegen mich aufgelehnt und meine
Weisungen in den Wind geschlagen. Darin haben sie alle Völker ringsum
übertroffen. Ja, sie verwerfen mein Gesetz, sie wollen nicht nach meinen Geboten
leben.
Hes 5,7 Nun kündige ich, der Herr, ihnen an: Weil ihr es noch schlimmer
getrieben habt als die Völker um euch her, weil ihr euch nicht nach meinen
Weisungen und Geboten, ja, nicht einmal nach Recht und Sitte der anderen Völker
gerichtet habt,
Hes 5,8 darum wird meine Strafe euch treffen. Vor den Augen aller Völker ziehe
ich euch zur Rechenschaft.
Hes 5,9 Weil ihr genau das tut, was ich verabscheue, werde ich euch so hart
bestrafen, wie ich es vorher noch nie getan habe und auch nie wieder tun werde.
Hes 5,10 Mitten in Jerusalem werden Väter und Kinder sich gegenseitig töten und
aufessen. Ich halte Gericht über euch und zerstreue die Überlebenden in alle
Winde.
Hes 5,11 Ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Weil ihr meinen heiligen
Tempel mit euren widerlichen Götzen und abscheulichen Taten verunreinigt habt,
werde ich euch vernichten. Keine Träne werde ich um euch vergießen, kein Mitleid
mit euch haben.
Hes 5,12 Ein Drittel von euch geht in der Stadt zugrunde - durch Seuchen oder
Hunger. Das zweite Drittel wird vor den Mauern Jerusalems mit dem Schwert
niedergemetzelt, und den Rest zerstreue ich in alle Winde - mit gezücktem
Schwert werde ich sie vertreiben.
Hes 5,13 Ich nehme Rache und lasse meinen Zorn an euch aus. Wenn er euch mit
voller Härte trifft, werdet ihr erkennen, dass ich, der Herr, euch mit ganzem
Ernst gewarnt habe.
Hes 5,14 [14/15] Dich, Jerusalem, mache ich zu einem Trümmerhaufen. Alle Völker
ringsum werden dich verhöhnen - ja, jeder, der an dir vorübergeht, hat dann nur
noch Hohn und Spott für dich übrig. Deine Nachbarvölker wenden sich schaudernd
ab und lassen sich warnen, wenn ich mit dir ins Gericht gehe und dich
verurteile. Dann trifft dich die ganze Härte meines Zornes. Darauf gebe ich, der
Herr, mein Wort.
Hes 5,16 [16/17] Ihr Einwohner von Jerusalem, euren Brotvorrat lasse ich zu Ende
gehen, der Hunger wird euch quälen wie tödliche Pfeile. Hungersnot und wilde
Tiere rauben euch die Kinder; Seuchen, Krieg und Gewalt richten euch zugrunde.
Mein Wort gilt!«
Hes 6,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 6,2 »Du sterblicher Mensch, blick in die Richtung, wo die Berge Israels
liegen, und kündige ihnen mein Strafgericht an!
Hes 6,3 Sag ihnen: Ihr Berge Israels, hört die Botschaft des Herrn! Er spricht
zu euch Bergen und Hügeln, zu euch Bachbetten und Tälern: Ich vernichte eure
Götzenopferstätten, ja, ich zerschlage sie mit dem Schwert.
Hes 6,4 Eure Altäre werden niedergerissen und die Räuchertische zerbrochen. Wer
vor den abscheulichen Götzenstatuen geopfert hat, wird dort umkommen.
Hes 6,5 Die Leichen werfe ich den Götterfiguren vor die Füße, und ihre Knochen
verstreue ich rings um die Altäre.
Hes 6,6 In ganz Israel liegen dann die Städte in Trümmern, und die Opferstätten
auf den Bergen werden zerstört. Von den Altären bleibt nur noch Schutt übrig,
die widerlichen Götzenstatuen liegen zerschmettert am Boden, und die
Räuchertische sind zerschlagen. Ja, all eure Bauwerke wird es nicht mehr geben!
Hes 6,7 Dann ist das ganze Land mit Leichen übersät, die Überlebenden aber
werden erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 6,8 Ich werde von euch Israeliten einige übrig lassen, die dem Schwert
entkommen und in fremde Länder verschleppt werden.
Hes 6,9 Wenn dies alles eintrifft, werdet ihr wieder an mich denken. Ihr werdet
begreifen, wie viel Leid ihr mir zugefügt habt, weil ihr mir untreu geworden und
anderen Göttern nachgelaufen seid. Ihr werdet euch selbst und euren grässlichen
Götzendienst verabscheuen.
Hes 6,10 Dann erkennt ihr, dass ich der Herr bin und dass ich euch dieses Unheil
nicht umsonst angedroht habe.«
Hes 6,11 Weiter sprach Gott, der Herr, zu mir: »Schlag die Hände zusammen,
stampf mit dem Fuß auf den Boden, und rufe: Unheil wird über das Volk Israel
hereinbrechen wegen seiner abscheulichen Taten! Sie werden durch Krieg, Hunger
und Seuchen umkommen.
Hes 6,12 Wer in der Verbannung lebt, stirbt an der Pest; wer in Israel wohnt,
fällt im Krieg; und wer dann noch übrig bleibt, wird verhungern. Ich lasse
meinen Zorn an Israel aus,
Hes 6,13 damit sie erkennen, dass ich der Herr bin. Dann liegen die Toten rings
um die Altäre zwischen den Götzenstatuen - überall dort, wo die Menschen ihren
abscheulichen Göttern Opfer darbrachten, um sie zufrieden zu stellen. Auf allen
Bergen und Hügeln liegen die Leichen, unter jedem dicht belaubten Baum. Dann
werden die Israeliten erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 6,14 Drohend erhebe ich meine Hand, um ihr Land zu zerstören. Ich mache es
zu einer menschenleeren, schrecklichen Einöde, von der Wüste Juda im Süden bis
nach Ribla im Norden. Dann werden sie erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 7,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 7,2 »Sterblicher Mensch, höre, was ich, der Herr, dem Volk Israel sage: Das
Ende kommt, es kommt für das ganze Land!
Hes 7,3 Israel, jetzt ist es aus und vorbei mit dir, ich lasse meinen Zorn an
dir aus und ziehe dich zur Rechenschaft. Ja, jede deiner Sünden zahle ich dir
heim.
Hes 7,4 Keine Träne werde ich um dich vergießen, kein Mitleid mit dir haben! Was
du gesät hast, erntest du - ja, deine Taten hinterlassen ihre Spuren. So wirst
du erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 7,5 [5/6] Ein Unglück jagt das andere, das Ende ist gekommen! Ja, euer Ende
ist da, niemand kann es mehr aufhalten. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Hes 7,7 Jetzt seid ihr an der Reihe, ihr Bewohner des Landes Israel. Die Zeit
ist da, nahe ist der Tag: Die Winzer in den Weinbergen sind bestürzt, sie haben
keinen Grund mehr zu jubeln.
Hes 7,8 Schon bald werdet ihr die ganze Gewalt meines Zornes spüren. Ich ziehe
euch zur Rechenschaft; jede eurer Sünden zahle ich euch heim.
Hes 7,9 Keine Träne werde ich um euch vergießen, kein Mitleid mit euch haben!
Was ihr gesät habt, erntet ihr - ja, eure abscheulichen Taten hinterlassen ihre
Spuren. Dann werdet ihr erkennen, dass ich, der Herr, Gericht halte.
Hes 7,10 Der Tag steht kurz bevor! Noch blühen Hochmut und Gewalt,
Hes 7,11 die Menschen begehen immer mehr Verbrechen und entfernen sich immer
weiter von mir. Doch von ihnen wird nichts übrig bleiben - nichts von ihrem
Reichtum, nichts von ihrer Pracht und ihrem Ruhm.
Hes 7,12 [12/13] Die Zeit ist gekommen, der Tag des Gerichts ist da! Wer jetzt
noch etwas kauft, soll sich gar nicht erst darüber freuen! Wer etwas verkaufen
muss, braucht nicht traurig zu sein. Er wird sein Hab und Gut sowieso verlieren,
selbst wenn er am Leben bleibt. Denn mein glühender Zorn trifft das ganze Volk,
keiner kann meine Strafe aufhalten. Weil alle schuldig sind, wird niemand sein
Leben retten können.
Hes 7,14 Sie blasen die Posaune und bieten ihre ganze Streitmacht auf - aber
keiner zieht mehr in den Krieg, denn schon vorher wird sie mein glühender Zorn
vernichten.
Hes 7,15 In den Straßen wird das Schwert unter ihnen wüten, und in den Häusern
werden sie durch Hunger und Seuchen umkommen. Wer auf dem Feld ist, wird von den
Feinden niedergestochen, und wer sich in der Stadt aufhält, den raffen Hunger
und Seuchen hinweg.
Hes 7,16 Wer entkommen kann, muss im Gebirge hausen. Jeder leidet unter seiner
Schuld und klagt wie eine verängstigte Taube.
Hes 7,17 Wie gelähmt lassen alle die Hände sinken, und ihre Knie schlottern.
Hes 7,18 Als Zeichen der Trauer tragen sie Gewänder aus Sacktuch, sie zittern am
ganzen Körper. Die Scham steht ihnen im Gesicht geschrieben; die Köpfe haben sie
sich kahl geschoren.
Hes 7,19 Silber und Gold werfen sie voller Ekel hinaus auf die Straßen, als wäre
es Abfall. Denn ihre Schätze können ihnen nicht helfen an dem Tag, wenn mein
Zorn losbricht. Ihren Hunger können sie damit nicht mehr stillen und ihren Bauch
nicht mit ihnen füllen. Gold und Silber haben sie dazu verleitet, sich gegen
mich aufzulehnen!
Hes 7,20 Sie waren stolz auf ihren kostbaren Schmuck und fertigten daraus ihre
abscheulichen Götterfiguren an. Darum müssen sie ihr Gold jetzt wegwerfen wie
Abfall.
Hes 7,21 Fremde Völker lasse ich über ihre Schätze herfallen, Gottlose werden
sie plündern und die Götzenstatuen entweihen.
Hes 7,22 Ich wende mich ab von meinem Volk, ja, ich lasse zu, dass mein
Heiligtum geschändet wird: Räuber werden in den Tempel eindringen
Hes 7,23 und ein großes Blutbad anrichten. Denn das ganze Land hat durch Mord
und Totschlag Schuld auf sich geladen, und in Jerusalem herrscht die Gewalt.
Hes 7,24 Die grausamsten Völker lasse ich heranrücken, damit sie die Häuser in
Besitz nehmen. Die Bewohner Israels waren stolz auf ihre Macht, doch nun werde
ich ihnen ihren Hochmut austreiben und alle ihre Heiligtümer entweihen.
Hes 7,25 Sie werden von Angst gepackt, sie suchen Frieden, aber es wird keinen
Frieden geben.
Hes 7,26 Unglück über Unglück bricht über sie herein, eine Schreckensnachricht
jagt die andere. Sie flehen die Propheten um Hilfe an, doch die haben keine
Visionen; die Priester können das Volk nicht mehr im Gesetz des Herrn
unterweisen, und die Ältesten wissen keinen Rat.
Hes 7,27 Der König trauert, die Fürsten sind völlig verzweifelt, alle Bewohner
des Landes zittern vor Angst. Ich gehe mit ihnen um, wie sie es verdient haben;
ich richte sie so erbarmungslos, wie sie andere gerichtet haben. Dann werden sie
erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 8,1 Im 6. Jahr der Verbannung unseres Volkes, am 5. Tag des 6. Monats, saß
ich in meinem Haus, und die führenden Männer von Juda waren bei mir. Da legte
Gott, der Herr, seine Hand auf mich
Hes 8,2 und gab mir eine Vision. Ich sah eine Gestalt, die der eines Mannes
glich. Unterhalb der Hüfte sah sie aus wie Feuer, oberhalb leuchtete sie wie
glänzendes Gold.
Hes 8,3 Sie streckte etwas wie eine Hand nach mir aus und packte mich bei den
Haaren. In der Vision hob mich der Geist Gottes weit über die Erde empor und
brachte mich nach Jerusalem in den inneren Tempelvorhof, zum Eingang des
Nordtors. Dort stand eine Götzenstatue, die den Zorn des Herrn herausforderte.
Hes 8,4 Ich erblickte den Gott Israels in seiner Macht und Herrlichkeit, so wie
ich ihn schon im Tal am Fluss Kebar gesehen hatte.
Hes 8,5 Er sprach zu mir: »Sterblicher Mensch, richte deinen Blick nach Norden!«
Ich schaute nach Norden und sah außerhalb des Tores einen Altar; im Toreingang
stand die Götzenstatue, über die der Herr so zornig war.
Hes 8,6 »Sterblicher Mensch«, sagte er zu mir, »siehst du, was das Volk Israel
hier tut? Es opfert anderen Göttern, um mich aus meinem Heiligtum zu vertreiben.
Doch warte - es kommt noch schlimmer!«
Hes 8,7 Er brachte mich zum Eingang des äußeren Tempelvorhofs, und dort
entdeckte ich ein Loch in der Wand.
Hes 8,8 Gott befahl mir: »Sterblicher Mensch, durchbrich die Wand!« Ich tat es
und fand eine Tür.
Hes 8,9 Dann forderte er mich auf: »Geh hinein und sieh, was für entsetzliche
Dinge sie dort treiben!«
Hes 8,10 Ich ging durch die Tür und sah: In die Wände ringsum waren Bilder von
Tieren eingeritzt, die das Volk Israel als Götter verehrte - Bilder von
Kriechtieren und anderem scheußlichen Getier.
Hes 8,11 Siebzig der führenden Männer Israels standen davor, unter ihnen auch
Jaasanja, der Sohn Schafans. Jeder hielt eine Räucherpfanne in der Hand, und
eine Duftwolke von Weihrauch stieg empor.
Hes 8,12 Der Herr sprach zu mir: »Hast du gesehen, was die führenden Männer des
Volkes Israel heimlich treiben? Jeder von ihnen hat in seinem Haus ein Zimmer
voller Götterbilder. Sie behaupten: ›Der Herr sieht uns nicht, er hat unser Land
verlassen!‹
Hes 8,13 Doch warte - es kommt noch schlimmer!«
Hes 8,14 Er brachte mich zum Nordtor des inneren Tempelvorhofs; dort saßen
Frauen, die den Tod des Gottes Tammus beweinten.
Hes 8,15 Der Herr fragte mich: »Hast du das gesehen, sterblicher Mensch? Aber es
kommt noch schlimmer!«
Hes 8,16 Er brachte mich in den inneren Tempelvorhof. Am Eingang zum Heiligtum,
zwischen der Vorhalle und dem Altar, standen etwa fünfundzwanzig Männer mit dem
Rücken zum Tempel und dem Gesicht nach Osten. Sie warfen sich vor der Sonne im
Osten nieder und beteten sie an.
Hes 8,17 Der Herr sagte zu mir: »Hast du das gesehen, sterblicher Mensch? Sind
den Leuten von Juda die widerlichen Dinge noch nicht genug, die sie hier
treiben? Das ganze Land haben sie mit Unrecht und Gewalt erfüllt und mich immer
wieder beleidigt. Sieh nur, wie sie sich bei ihren Opferfeiern Weinreben an die
Nase halten!
Hes 8,18 Darum lasse ich meinen Zorn an ihnen aus. Keine Träne werde ich um sie
vergießen, kein Mitleid mit ihnen haben! Auch wenn sie mir mit ihrem Geschrei in
den Ohren liegen - ich werde sie nicht erhören!«
Hes 9,1 Ich hörte, wie Gott mit lauter Stimme rief: »Kommt und vollstreckt das
Urteil über Jerusalem! Jeder soll seine Waffe in die Hand nehmen, um die Stadt
zu zerstören!«
Hes 9,2 Da kamen sechs Männer durch das nördliche Tempeltor, jeder von ihnen
hielt eine Mordwaffe in der Hand. Bei ihnen war ein Mann, der ein Gewand aus
Leinen trug. An seinem Gürtel hing etwas zum Schreiben. Die Männer kamen näher
und stellten sich neben den bronzenen Altar.
Hes 9,3 Die herrliche Erscheinung des Gottes Israels entfernte sich von den
Engeln, über denen sie thronte, und ließ sich an der Türschwelle des Tempels
nieder. Der Herr rief den Mann mit dem Leinengewand und dem Schreibzeug am
Gürtel zu sich
Hes 9,4 und befahl ihm: »Geh durch ganz Jerusalem, und zeichne ein Kreuz auf die
Stirn all der Menschen, die seufzen und klagen über die schrecklichen Dinge, die
in dieser Stadt getrieben werden!«
Hes 9,5 Ich hörte, wie er zu den anderen Männern sagte: »Folgt ihm überallhin,
und schlagt zu! Zeigt kein Mitleid, verschont niemanden!
Hes 9,6 Tötet die alten und die jungen Männer, die jungen Frauen, die Mütter und
die Kinder! Bringt sie alle ohne Ausnahme um! Doch rührt keinen von denen an,
die das Kreuz auf der Stirn haben! Beginnt in meinem Heiligtum!« Da töteten sie
die Führer des Volkes, die vor dem Tempel standen.
Hes 9,7 Dann sagte Gott zu den sechs Männern: »Bringt die Leichen in die Vorhöfe
des Tempels - ja, verunreinigt ihn damit! Dann geht in die Stadt!« Sie gingen
hinaus,
Hes 9,8 und während sie dort die Menschen niedermetzelten, blieb ich allein auf
dem Tempelvorhof zurück. Ich warf mich zu Boden und schrie: »Ach Herr, mein
Gott! Bist du so zornig über Jerusalem, dass du auch noch den letzten Rest
deines Volkes ausrotten willst?«
Hes 9,9 Da antwortete der Herr: »Die Leute von Israel und Juda hören nicht auf,
Schuld auf sich zu laden. Im ganzen Land haben sie Menschen umgebracht, und in
Jerusalem herrschen Unrecht und Gewalt. Sie behaupten: ›Der Herr hat das Land
verlassen, er sieht uns nicht!‹
Hes 9,10 Darum werde ich keine Träne um sie vergießen und kein Mitleid mit ihnen
haben. Sie bekommen von mir, was sie verdienen!«
Hes 9,11 Da kam der Mann mit dem Leinengewand und dem Schreibzeug am Gürtel
zurück und berichtete dem Herrn: »Ich habe getan, was du mir befohlen hast!«
Hes 10,1 Ich schaute auf das Gewölbe über den Köpfen der Cherub-Engel. Darüber
entdeckte ich etwas, das aussah wie ein Thron aus Saphir.
Hes 10,2 Der Herr sagte zu dem Mann, der das Gewand aus Leinen trug: »Geh zu den
Engeln oberhalb der Räder. Zwischen den Engeln findest du glühende Kohlen. Nimm
zwei Hände voll, und streu sie über die Stadt!« Da ging der Mann vor meinen
Augen in die Mitte zwischen die Engel.
Hes 10,3 Sie standen an der Südseite des Tempels, und eine Wolke erfüllte den
inneren Vorhof.
Hes 10,4 Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn erhob sich vom Thron über
den Engeln und ließ sich an der Schwelle des Tempels nieder. Der ganze Tempel
wurde von der Wolke erfüllt, und der Vorhof erstrahlte im Licht der Herrlichkeit
des Herrn.
Hes 10,5 Das Flügelrauschen der Engel war bis zum äußersten Vorhof zu hören. Es
klang wie die Stimme des allmächtigen Gottes.
Hes 10,6 Als nun der Herr dem Mann mit dem Leinengewand befohlen hatte: »Hol von
dem Feuer, das zwischen den Rädern bei den Engeln brennt!«, da ging er und
stellte sich neben ein Rad.
Hes 10,7 Einer der Cherub-Engel streckte seine Hand nach dem Feuer aus, das
zwischen ihnen brannte, nahm glühende Kohlen und legte sie in die Hände des
Mannes mit dem Leinengewand. Der ging damit hinaus.
Hes 10,8 Ich bemerkte, dass jeder Cherub-Engel unter seinen Flügeln etwas wie
eine menschliche Hand hatte.
Hes 10,9 Neben jedem Engel sah ich eines der vier Räder. Die Räder schimmerten
wie ein Türkis
Hes 10,10 und waren alle gleich gebaut: Mitten in jedes Rad war ein zweites im
rechten Winkel eingefügt.
Hes 10,11 Darum konnten sie in jede beliebige Richtung laufen und brauchten
dabei nicht zu wenden. Wohin das erste von ihnen lief, dorthin liefen die
anderen auch, ohne zu wenden.
Hes 10,12 [12/13] Der ganze Körper der Engel, ihr Rücken und ihre Flügel waren
überall mit Augen bedeckt. Auch die Räder, die »Wirbelwind« genannt wurden,
waren voller Augen.
Hes 10,14 Jeder Engel hatte vier Gesichter: das eines Engels, das eines
Menschen, das eines Löwen und das eines Adlers.
Hes 10,15 Es war dieselbe Erscheinung wie am Fluss Kebar. Wenn die Engel sich
erhoben
Hes 10,16 und fortbewegten, dann liefen auch die Räder mit; und wenn die Engel
ihre Flügel schwangen, um zu fliegen, dann waren die Räder immer an ihrer Seite.
Hes 10,17 Blieben die Engel stehen, dann standen auch die Räder still. Hoben
sich die Engel vom Boden, dann erhoben sich auch die Räder mit ihnen. Denn die
Engel lenkten die Räder, wohin sie wollten.
Hes 10,18 Die Erscheinung des Herrn in seiner Herrlichkeit verließ die Schwelle
des Tempels und nahm wieder den Platz über den Engeln ein.
Hes 10,19 Die Engel schwangen ihre Flügel und erhoben sich vor meinen Augen von
der Erde. Sie bewegten sich fort, und die Räder liefen mit ihnen. Vor dem
Eingang am Osttor des Tempels blieben sie stehen. Über ihnen thronte der Herr in
seiner Herrlichkeit.
Hes 10,20 Es waren dieselben Lebewesen, die ich unter dem Thron des Gottes
Israels am Fluss Kebar gesehen hatte; und ich erkannte, dass es Engel waren.
Hes 10,21 Jeder von ihnen hatte vier Gesichter und vier Flügel. Unter ihren
Flügeln erblickte ich etwas, das wie Menschenhände aussah.
Hes 10,22 Auch ihre Gesichter waren dieselben wie die am Fluss Kebar. Wohin die
Engel auch liefen, in jede Richtung blickte eines ihrer Gesichter.
Hes 11,1 Der Geist Gottes hob mich empor und brachte mich zum Osttor des
Tempels. Am Eingang standen fünfundzwanzig Männer; unter ihnen sah ich Jaasanja,
den Sohn Asurs, und Pelatja, den Sohn Benajas. Beide gehörten zu den Führern
Israels.
Hes 11,2 Gott sprach zu mir: »Sterblicher Mensch, das sind die Männer, die in
dieser Stadt böse Pläne schmieden und mit ihren Ratschlägen andere ins Unglück
stürzen.
Hes 11,3 Sie prahlen: ›Haben wir nicht erst vor kurzem die Häuser wieder
aufgebaut? Unsere Stadt ist wie ein Topf, und wir sind das gute Fleisch darin!‹
Hes 11,4 Darum teile ihnen mit, was ich zu sagen habe, sterblicher Mensch - ja,
kündige ihnen an, welches Unheil sie treffen wird!«
Hes 11,5 Der Geist des Herrn kam über mich und befahl mir: »Richte ihnen diese
Botschaft des Herrn aus: Ihr Israeliten, ich habe gehört, was ihr gesagt habt,
und ich kenne eure geheimsten Gedanken!
Hes 11,6 Ihr habt viele Menschen in dieser Stadt ermordet, überall in den
Straßen liegen die Leichen.
Hes 11,7 Darum sage ich, der Herr: Die Leichen, mit denen ihr die Stadt gefüllt
habt - sie sind das Fleisch! Die Stadt ist der Topf, euch aber werde ich daraus
vertreiben.
Hes 11,8 Ihr habt Angst vor dem Schwert, darum sollt ihr mit dem Schwert getötet
werden. Darauf könnt ihr euch verlassen!
Hes 11,9 Ich jage euch aus Jerusalem fort und gebe euch in die Gewalt fremder
Völker. Ich halte Gericht über euch
Hes 11,10 und lasse euch durch das Schwert umkommen. An der Grenze Israels werde
ich mein Urteil an euch vollstrecken; so müsst ihr erkennen, dass ich der Herr
bin.
Hes 11,11 Jerusalem wird für euch nicht der Topf sein, und ihr seid nicht das
gute Fleisch darin. Nein, an der Grenze Israels werdet ihr meinen Zorn zu spüren
bekommen.
Hes 11,12 So sollt ihr erkennen, dass ich euer Herr bin. Meine Weisungen habt
ihr in den Wind geschlagen und meine Gebote missachtet; stattdessen habt ihr
Recht und Sitte eurer Nachbarvölker angenommen!«
Hes 11,13 Während ich dies weissagte, fiel Pelatja, der Sohn Benajas, tot um.
Ich warf mich zu Boden und schrie laut: »Ach, allmächtiger Herr, willst du auch
den letzten Rest von Israel noch ausrotten?«
Hes 11,14 Der Herr sprach zu mir:
Hes 11,15 »Du sterblicher Mensch, die Einwohner von Jerusalem sagen über deine
Verwandten und über alle Israeliten, die nach Babylonien verschleppt worden
sind: ›Der Herr hat sie verstoßen, darum gehört das Land nun uns.‹
Hes 11,16 Denen, die so reden, sollst du ausrichten: So spricht Gott, der Herr:
Es ist wahr, ich habe sie weit weg zu anderen Völkern vertrieben und in alle
Länder zerstreut. Sie leben fern von meinem Tempel, aber mich können sie
trotzdem verehren.
Hes 11,17 Und ich, der Herr, werde sie wieder zurückholen aus allen Ländern, in
die sie verschleppt wurden. Dann gebe ich ihnen das Land Israel zurück.
Hes 11,18 Wenn sie hierher kommen, werden sie all die abscheulichen Götzen
beseitigen.
Hes 11,19 Ich will ihnen ein anderes Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme
das versteinerte Herz aus ihrer Brust und gebe ihnen ein lebendiges Herz.
Hes 11,20 Dann werden sie nach meinen Weisungen leben, meine Gebote wieder
achten und befolgen. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein.
Hes 11,21 Die aber, deren Herz an den widerlichen Götzen hängt, werde ich
bestrafen. Alles, was sie getan haben, fällt auf sie zurück. Mein Wort gilt!«
Hes 11,22 Dann schwangen die Engel ihre Flügel, und die Räder bewegten sich mit
ihnen. Darüber thronte der Gott Israels in seiner Macht und Hoheit.
Hes 11,23 Seine herrliche Erscheinung erhob sich aus der Stadt und ließ sich auf
dem Berg nieder, der östlich von Jerusalem liegt.
Hes 11,24 In meiner Vision hob Gottes Geist mich empor und brachte mich wieder
zu den Verschleppten nach Babylonien. Dann verschwanden die Bilder, die ich in
der Vision gesehen hatte.
Hes 11,25 Ich erzählte den Judäern alles, was der Herr mir gezeigt hatte.
Hes 12,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 12,2 »Sterblicher Mensch, du lebst in einem widerspenstigen Volk. Sie haben
Augen, sehen aber nichts; sie haben Ohren, doch sie wollen nicht hören, denn sie
lehnen sich gegen mich auf.
Hes 12,3 Du aber, sterblicher Mensch, pack dir ein Bündel, wie es Flüchtlinge
bei sich tragen! Verlass am helllichten Tag dein Zuhause, und mach dich auf den
Weg, so dass alle es sehen können! Vielleicht gehen diesem widerspenstigen Volk
dann die Augen auf.
Hes 12,4 Trag dein Flüchtlingsgepäck am Tag aus dem Haus, während sie dir
zuschauen. Am Abend sollst du dann fortziehen wie ein Verbannter:
Hes 12,5 Brich vor ihren Augen ein Loch in deine Hauswand, und zwäng dich
hindurch!
Hes 12,6 Nimm dein Bündel auf die Schultern, und zieh in der Dunkelheit fort!
Verhüll dein Gesicht, damit du das Land nicht mehr sehen kannst. So sollst du
dem Volk Israel zeigen, was sie erwartet!«
Hes 12,7 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte: Bei Tag trug ich mein
Flüchtlingsgepäck aus dem Haus, und am Abend brach ich mit der Hand ein Loch in
die Hauswand und kroch hinaus. Vor aller Augen packte ich das Bündel in der
Dunkelheit auf meine Schultern.
Hes 12,8 Am nächsten Morgen sprach der Herr zu mir:
Hes 12,9 »Sterblicher Mensch, die Israeliten, dieses widerspenstige Volk, haben
dich gefragt, was dein Verhalten zu bedeuten hat.
Hes 12,10 Ich, der Herr, lasse ihnen sagen: Diese Botschaft gilt dem König in
Jerusalem und allen Israeliten, die dort wohnen.
Hes 12,11 Mach ihnen klar, dass sie an dir sehen können, was ihnen bevorsteht.
Was du gezeigt hast, wird mit ihnen geschehen: Sie werden gefangen in die
Verbannung geführt.
Hes 12,12 Ihr König nimmt in der Dunkelheit sein Bündel auf die Schultern und
flieht durch ein Loch in der Stadtmauer, das für ihn herausgebrochen wurde. Er
verhüllt sein Gesicht, um das Land nicht mehr zu sehen.
Hes 12,13 Ich aber werfe mein Fangnetz über ihn, und er wird sich darin
verfangen. Ich bringe ihn zur Stadt Babylon, in das Land der Chaldäer; dort wird
er sterben, ohne die Stadt je gesehen zu haben.
Hes 12,14 Die Beamten an seinem Königshof, seine Ratgeber und seine Leibwache
werde ich in alle Winde zerstreuen. Ja, ich verfolge sie mit gezücktem Schwert,
Hes 12,15 ich vertreibe sie zu fremden Völkern und in fremde Länder. Dann werden
sie erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 12,16 Ich sorge dafür, dass nur wenige von ihnen Krieg, Hunger und Seuchen
überleben. Sie sollen den Völkern, bei denen sie wohnen, von den abscheulichen
Taten der Israeliten erzählen. So werden auch diese Völker erkennen, dass ich
der Herr bin.«
Hes 12,17 Der Herr sprach zu mir:
Hes 12,18 »Sterblicher Mensch, nur noch mit Zittern sollst du dein Brot essen,
und wenn du trinkst, sollst du beben vor Angst!
Hes 12,19 Sag deinem Volk in der Verbannung: So spricht Gott, der Herr: Die
Menschen, die in Jerusalem und in ganz Israel übrig geblieben sind, werden
voller Angst ihr Brot essen und zitternd vor Entsetzen ihr Wasser trinken. Denn
ihr Land wird verwüstet und seines ganzen Reichtums beraubt sein. So strafe ich
die Bewohner für Unrecht und Gewalt.
Hes 12,20 Die blühenden Städte liegen in Trümmern, und die fruchtbaren Felder
sind nur noch eine trostlose Wüste. So werdet ihr erkennen, dass ich der Herr
bin.«
Hes 12,21 Der Herr sprach zu mir:
Hes 12,22 »Sterblicher Mensch, welche Redensart geht da bei euch in Israel um?
Ihr sagt: ›Die Zeit vergeht, aber die Visionen der Propheten erfüllen sich nie!‹
Hes 12,23 Darum richte dem Volk aus, was ich, der Herr, ihnen zu sagen habe: Ich
werde dafür sorgen, dass man diese Redensart in Israel nicht mehr gebraucht! Sag
ihnen: Die Zeit ist gekommen, die Visionen erfüllen sich!
Hes 12,24 In Zukunft wird es in Israel keine falschen Propheten mehr geben, die
euch nach dem Munde reden und von Erscheinungen berichten, die sie gar nicht
gesehen haben.
Hes 12,25 Denn ich, der Herr, rede zu euch; und was ich verkünde, das trifft
ein! Es lässt nicht mehr lange auf sich warten. Noch zu euren Lebzeiten, ihr
widerspenstigen Israeliten, werden sich alle meine Voraussagen erfüllen. Darauf
gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Hes 12,26 Weiter sagte der Herr zu mir:
Hes 12,27 »Sterblicher Mensch, die Israeliten behaupten über dich: ›Seine
Visionen betreffen uns nicht, er weissagt für eine ferne Zukunft!‹
Hes 12,28 Darum richte ihnen aus: So spricht Gott, der Herr: Was ich voraussage,
lässt nicht mehr lange auf sich warten! Was ich verkünde, das trifft ein! Mein
Wort gilt!«
Hes 13,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 13,2 »Sterblicher Mensch, klag alle selbst ernannten Propheten in Israel an!
Sie sollen auf meine Botschaft hören!
Hes 13,3 Sag ihnen von mir, dem Herrn: Ich warne euch, ihr törichten Propheten,
die ihr euren eigenen Eingebungen folgt und von Visionen redet, die ihr gar
nicht gesehen habt!
Hes 13,4 Ihr fühlt euch bei Israels Untergang so wohl wie Füchse, die in Ruinen
hausen!
Hes 13,5 Keiner von euch bewacht die großen Lücken in Israels Befestigungsmauer,
keiner bessert sie aus, damit mein Volk gewappnet sein könnte für den Tag, an
dem ich, der Herr, Gericht halte.
Hes 13,6 Was ihr als Visionen ausgebt, ist eine Täuschung, und wenn ihr
weissagt, lügt ihr! Ihr verkündet: ›So spricht der Herr!‹, obwohl ich euch gar
nicht beauftragt habe - und dann erwartet ihr auch noch, dass ich eure
Voraussagen eintreffen lasse!
Hes 13,7 Eure Visionen führen die Menschen in die Irre, eure Weissagung ist
nichts als Lüge. Denn ihr behauptet, meine Worte zu verkünden, obwohl ich euch
gar keine Botschaft mitgeteilt habe.
Hes 13,8 Darum sage ich, der Herr: Weil ihr leere Worte macht und von
trügerischen Visionen erzählt, bekommt ihr es mit mir zu tun!
Hes 13,9 Drohend erhebe ich meine Hand, um euch zu strafen, ihr Lügenpropheten!
Ich schließe euch aus meinem Volk aus - in den Verzeichnissen der Bewohner
Israels wird man eure Namen nicht mehr finden. Nie mehr könnt ihr in euer Land
zurückkehren! So werdet ihr erkennen, dass ich Gott, der Herr, bin.
Hes 13,10 Ihr führt mein Volk in die Irre, denn ihr ruft: ›Wir werden glücklich
und in Frieden leben!‹ Doch es gibt keinen Frieden! Mein Volk hat eine dünne
Schutzwand aus losen Steinen aufgeschichtet, und ihr habt sie mit weißer Farbe
übertüncht, als sei sie eine feste Mauer.
Hes 13,11 Ihr Schönfärber! Eure Wand wird einstürzen! Es kommt ein Wolkenbruch,
Hagelkörner so groß wie Steine prasseln auf sie herab, und ein schwerer Sturm
peitscht dagegen.
Hes 13,12 Und siehe da - die Wand stürzt ein! Dann verspottet man euch: ›Wo ist
nun eure schöne Farbe geblieben?‹
Hes 13,13 Ich, der Herr, sage es noch einmal: Mein Zorn über euch ist gewaltig,
darum schicke ich Sturm, Regen und Hagel mit zerstörerischer Macht.
Hes 13,14 Ich reiße die Wand ein, die ihr so schön angemalt habt, ich lasse sie
zu Boden stürzen, ihr Fundament wird bloßgelegt. Und wenn sie einstürzt, werdet
ihr unter ihren Trümmern begraben. Dann sollt ihr erkennen, dass ich der Herr
bin.
Hes 13,15 So werde ich an der Wand und an euch Schönfärbern meinen Zorn
auslassen. Ja, ich spotte über euch: Die Wand ist weg und mit ihr alle, die sie
übermalt haben!
Hes 13,16 Ihr habt dem Volk von herrlichen Visionen erzählt und ihm Glück und
Frieden prophezeit, obwohl sein Untergang nahe ist! Darum wird keiner von euch
Propheten überleben. Darauf könnt ihr euch verlassen!«
Hes 13,17 Weiter sprach der Herr zu mir: »Sterblicher Mensch, tritt den selbst
ernannten Prophetinnen aus deinem Volk entgegen! Klage sie an, und richte ihnen
meine Worte aus:
Hes 13,18 Ich warne euch, ihr Frauen, die ihr Zauberbänder für die Handgelenke
anfertigt und magische Schleier für Leute jeder Größe näht, um Macht zu besitzen
über die Menschen! Meint ihr, ihr könntet in meinem Volk Menschenleben
auslöschen oder verschonen - je nachdem, was es euch für einen Nutzen bringt?
Hes 13,19 Mit euren Zaubereien raubt ihr mir die Ehre, und das für eine Hand
voll Gerste und einen Bissen Brot! Menschen, die nicht sterben sollten, liefert
ihr dem Tod aus und verschont solche, die es nicht verdienen, am Leben zu
bleiben. Mein Volk hört gerne Lügen, und ihr habt ihnen Lügen aufgetischt.
Hes 13,20 Darum sage ich, der Herr: Ich hasse eure Zauberbänder, mit denen ihr
die Menschen wie Vögel fangt! Ich reiße sie von euren Handgelenken und lasse
alle frei, die sich darin verfangen haben!
Hes 13,21 Ich zerfetze eure magischen Schleier und rette mein Volk aus eurer
Gewalt. Es soll keine leichte Beute mehr für euch sein! Dann werdet ihr
erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 13,22 Mit euren Lügenmärchen quält ihr aufrichtige Menschen, denen ich
Kummer ersparen wollte. Die Gottlosen aber ermutigt ihr und verhindert damit,
dass sie ihre üblen Machenschaften aufgeben und ihr Leben retten.
Hes 13,23 Doch nun ist es vorbei mit euren verlogenen Visionen und mit eurer
Wahrsagerei! Ich will mein Volk aus eurer Gewalt retten. Dann müsst ihr
erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 14,1 Einige Führer Israels kamen zu mir, weil sie Gott durch mich befragen
wollten. Sie setzten sich vor mich hin und warteten.
Hes 14,2 Da sprach der Herr zu mir:
Hes 14,3 »Sterblicher Mensch, diese Männer haben ihr Herz an ihre Götzen
gehängt. Sie haben nur noch ihre Götter im Sinn - und nun soll ich ihnen
antworten und helfen?
Hes 14,4 Richte ihnen aus: So spricht Gott, der Herr: Wenn jemand vom Volk
Israel Götzen anbetet, sich gegen mich auflehnt und dann auch noch zum Propheten
kommt, um mich zu befragen, werde ich, der Herr, ihm tatsächlich eine Antwort
geben - die Antwort, die er bei der Menge seiner Götzen verdient hat!
Hes 14,5 Ja, ich werde die Israeliten hart anfassen, weil sie sich von mir
abgewandt haben und ihre Götzen verehren.
Hes 14,6 Darum verkünde dem ganzen Volk, was ich, der Herr, ihnen sage: Kehrt
um, wendet euch ab von euren Göttern, und sagt euch los von eurem abscheulichen
Götzendienst!
Hes 14,7 Ich sage es noch einmal: Wenn jemand vom Volk Israel und von den
Fremden, die bei euch leben, sich von mir abwendet, seine Götzen anbetet und von
mir nichts mehr wissen will, wenn er dann noch zum Propheten kommt, um mich um
Rat zu fragen, werde ich selbst, der Herr, ihm die passende Antwort geben.
Hes 14,8 Ja, ein solcher Mensch bekommt es mit mir zu tun! Was ich ihm antue,
soll allen zur Warnung dienen; sein Unglück wird sprichwörtlich sein. Ich
verstoße ihn aus meinem Volk und vernichte ihn. Dann werdet ihr erkennen, dass
ich der Herr bin.
Hes 14,9 Lässt ein Prophet sich dazu hinreißen, dem Götzendiener eigenmächtig
ein Wort von mir zu verkünden, dann nur, weil ich, der Herr, ihn dazu verleitet
habe! Drohend strecke ich meine Hand auch gegen ihn aus, ich verstoße ihn aus
meinem Volk und vernichte ihn.
Hes 14,10 Also müssen beide - der Götzendiener, der fragt, und der Prophet, der
eigenmächtig antwortet - die gleiche Strafe tragen, denn ihre Schuld ist gleich
groß.
Hes 14,11 So warne ich das Volk Israel, damit sie mir nicht mehr den Rücken
kehren und sich nicht länger durch ihre Sünden verunreinigen. Sie werden mein
Volk sein, und ich werde ihr Gott sein. Das verspreche ich, der Herr!«
Hes 14,12 Der Herr sprach zu mir:
Hes 14,13 »Sterblicher Mensch, stell dir vor, ein Land bricht mir die Treue und
lehnt sich gegen mich auf, und ich schicke zur Strafe eine Hungersnot ins Land,
an der Menschen und Tiere zugrunde gehen.
Hes 14,14 Wenn dann in diesem Land die drei Männer Noah, Daniel und Hiob lebten,
könnten sie durch ihre Treue zu mir nur ihr eigenes Leben retten! Das schwöre
ich, der Herr.
Hes 14,15 Oder stell dir vor, ich lasse Raubtiere ein Land durchstreifen und die
Bewohner töten, und das Land wird zur trostlosen Wüste, weil aus Angst kein
Mensch mehr hindurchreist.
Hes 14,16 Wenn dann diese drei Männer darin lebten, könnten sie noch nicht
einmal ihre Söhne und Töchter retten, sondern nur sich selbst. Das Land aber
würde zur menschenleeren Wüste. Das schwöre ich, der Herr, so wahr ich lebe!
Hes 14,17 Oder stell dir vor, ich lasse Krieg in einem Land ausbrechen und
vernichte Mensch und Tier durch tödliche Waffen.
Hes 14,18 Wenn dann diese drei Männer darin lebten, könnten sie noch nicht
einmal ihre Söhne und Töchter retten, sondern nur sich selbst. Das schwöre ich,
der Herr, so wahr ich lebe!
Hes 14,19 Oder stell dir vor, ich schicke die Pest in ein Land und rotte in
meinem Zorn Mensch und Tier aus.
Hes 14,20 Wenn dann Noah, Daniel und Hiob darin lebten, könnten sie noch nicht
einmal ihre Söhne und Töchter retten, sondern nur sich selbst, weil sie mir treu
waren. Das schwöre ich, der Herr, so wahr ich lebe!
Hes 14,21 Und nun sage ich, der Herr: Selbst wenn ich meine vier schrecklichsten
Strafen - Krieg, Hunger, Raubtiere und Pest - auf einen Schlag über Jerusalem
hereinbrechen lasse und Mensch und Tier ausrotte,
Hes 14,22 so werden doch einige Menschen in der Stadt verschont bleiben.
Zusammen mit ihren Söhnen und Töchtern werden sie zu euch in die Verbannung
verschleppt. Wenn ihr dann ihr abscheuliches Tun und Treiben mit anschauen
müsst, werdet ihr einsehen, dass mein Gericht über Jerusalem die einzig gerechte
Strafe war.
Hes 14,23 Es wird euch trösten, wenn ihr seht, dass ich Jerusalem nicht ohne
Grund zerstört habe. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Hes 15,1 Der Herr fragte mich:
Hes 15,2 »Du sterblicher Mensch, was hat das Holz eines Weinstocks dem Holz der
Sträucher voraus, die zwischen den Bäumen im Wald wachsen?
Hes 15,3 Kann man irgendetwas daraus herstellen? Oder kann man es wenigstens als
Pflock an der Wand benutzen, um allerlei Werkzeuge daran aufzuhängen?
Hes 15,4 Nein! Das Holz einer Weinranke taugt einzig und allein als Brennholz!
Wenn die Flammen die beiden Enden der Ranke verzehrt haben und sie auch in der
Mitte schon versengt ist, kann man sie dann noch zu etwas gebrauchen?
Hes 15,5 Schon als sie noch nicht verbrannt war, konnte man nichts mit ihrem
Holz anfangen - wie viel weniger, wenn das Feuer sie nun verkohlt hat!
Hes 15,6 Darum sage ich, der Herr: Das Holz eines Weinstocks ist kein bisschen
wertvoller als das der Sträucher zwischen den Bäumen im Wald! Ich werfe es ins
Feuer - und genau dasselbe werde ich mit den Einwohnern Jerusalems tun!
Hes 15,7 Bisher sind sie dem Feuer noch knapp entronnen, jetzt aber werden sie
von ihm verzehrt. Wenn mein Strafgericht sie trifft, werdet ihr erkennen, dass
ich der Herr bin.
Hes 15,8 Das ganze Land mache ich zur menschenleeren Wüste, weil seine Bewohner
mir die Treue gebrochen haben. Darauf könnt ihr euch verlassen!«
Hes 16,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 16,2 »Sterblicher Mensch, mach den Einwohnern Jerusalems deutlich, was für
schreckliche Dinge sie getrieben haben!
Hes 16,3 Verkünde ihnen: So spricht Gott, der Herr: Jerusalem, du bist in Kanaan
zur Welt gekommen; dein Vater war ein Amoriter, deine Mutter eine Hetiterin.
Hes 16,4 Nach deiner Geburt wurde nicht einmal deine Nabelschnur abgeschnitten.
Niemand hat dich gewaschen und mit Salz abgerieben, niemand dich gewickelt.
Hes 16,5 Kein Mensch hatte Mitleid mit dir und erbarmte sich über dich. Noch am
Tag deiner Geburt warf man dich aufs freie Feld, weil jeder nur Verachtung für
dich übrig hatte.
Hes 16,6 Ich kam an dir vorüber und sah dich hilflos und blutverschmiert am
Boden liegen. Da sagte ich zu dir: ›Du sollst am Leben bleiben
Hes 16,7 und heranwachsen wie eine Blume auf dem Feld!‹ Du blühtest auf und
wurdest zu einer schönen Frau voller Anmut. Deine Brüste wuchsen, dein Haar war
voll und schön. Aber immer noch warst du völlig nackt.
Hes 16,8 Wieder kam ich an dir vorüber, und ich sah, dass du alt genug warst,
einen Mann zu lieben. Da breitete ich meinen Mantel über dich aus und bedeckte
deinen nackten Körper als Zeichen dafür, dass du meine Frau sein solltest. Ich,
der Herr, schwor dir Treue und schloss mit dir einen Bund fürs Leben. So wurdest
du meine Frau.
Hes 16,9 Ich badete dich, wusch dir das Blut ab und salbte dich mit duftenden
Ölen.
Hes 16,10 Ich zog dir ein buntes, kostbares Kleid und Sandalen aus bestem Leder
an. Du bekamst von mir ein Stirnband aus feinem Leinen und einen seidenen
Umhang.
Hes 16,11 Ich gab dir wertvollen Schmuck, legte dir Spangen an die Arme und eine
Kette um den Hals.
Hes 16,12 Deine Nase schmückte ich mit einem Ring, ich gab dir Ohrringe und
setzte dir eine prachtvolle Krone auf.
Hes 16,13 Du warst geschmückt mit Silber und Gold, du kleidetest dich in Leinen,
Seide und bunt gewebte Stoffe. Die feinsten Speisen bekamst du: Brot, gebacken
aus bestem Mehl, Honig und Öl. So wurdest du wunderschön und würdig, eine
Königin zu sein.
Hes 16,14 Bei allen Völkern erzählte man sich von deiner Schönheit; sie war
makellos und vollkommen durch den Schmuck, den ich, der Herr, dir geschenkt
hatte.
Hes 16,15 Aber du - du hast dir viel auf deine Schönheit eingebildet. Dass sie
überall gerühmt wurde, nutztest du reichlich aus: Jedem, der dir über den Weg
lief, hast du dich angeboten und dich ihm an den Hals geworfen.
Hes 16,16 Aus deinen bunten Kleidern machtest du dir ein Lager auf den Höhen, wo
den Götzen geopfert wird. Dort schliefst du mit jedem, den du bekommen konntest.
So etwas hätte niemals geschehen dürfen!
Hes 16,17 Du nahmst den Schmuck aus Silber und Gold, den ich dir geschenkt
hatte, und machtest dir männliche Götterfiguren daraus. Mit ihnen hast du mich
betrogen.
Hes 16,18 Deine bunt gewebten Kleider zogst du ihnen an und brachtest ihnen als
Opfer den Weihrauch und das Öl dar, die du von mir bekommen hattest.
Hes 16,19 Das Brot aus bestem Mehl, Honig und Öl, das ich dir gegeben hatte,
hast du ihnen geopfert, um sie für dich zu gewinnen. Das alles hast du getan;
dies bezeuge ich, der Herr.
Hes 16,20 Die Söhne und Töchter, die du mir geboren hattest, warfst du den
Götzen zum Fraß vor. War die Hurerei, die du getrieben hattest, dir noch zu
wenig?
Hes 16,21 Musstest du auch noch meine Kinder schlachten und als Opfer für andere
Götter verbrennen?
Hes 16,22 Während du den widerlichen Götzen Opfer darbrachtest und die Ehe mit
mir brachst, hast du keinen Gedanken an die Zeit verschwendet, in der du nackt
und hilflos in deinem Blut lagst.
Hes 16,23 Darum sage ich, der Herr: Es wird dir schlecht ergehen! Denn dein
schlimmes Treiben war dir noch nicht genug:
Hes 16,24 [24/25] An jedem öffentlichen Platz hast du dir ein Bett für deine
Hurerei errichtet, ja, an jeder Straßenecke bautest du deine Heiligtümer. Du
hast deine Schönheit missbraucht und deine Beine gespreizt für jeden, der
vorüberkam. Unaufhörlich triebst du deine schamlose Hurerei.
Hes 16,26 Du ließest dich mit den Ägyptern ein, deinen Nachbarn mit dem großen
Glied. Du schliefst mit ihnen, um mich zu kränken.
Hes 16,27 Darum hob ich drohend meine Hand und nahm dir einen Teil von dem weg,
was ich dir geschenkt hatte. Ich lieferte dich den gierigen Philisterinnen aus,
die dich hassen; doch sogar sie verabscheuten deine schamlose Hurerei.
Hes 16,28 Als Nächstes warfst du dich den Assyrern an den Hals, weil du immer
noch nicht genug hattest. Du schliefst mit ihnen, aber dein Verlangen war auch
dann noch nicht gestillt.
Hes 16,29 Du triebst es auch mit den Babyloniern, dem Händlervolk, doch selbst
danach hattest du noch nicht genug.
Hes 16,30 Ich, der Herr, sage dir: Wie sehr warst du von brennender Begierde
beherrscht, du hast es schlimmer getrieben als die schlimmste Hure!
Hes 16,31 An jeder Straßenecke hast du einen Altar für deine Liebesdienste
errichtet und an jedem öffentlichen Platz ein Bett für deine Hurerei
aufgestellt. Dabei benahmst du dich nicht einmal wie eine gewöhnliche Hure, denn
du lehntest jede Bezahlung ab.
Hes 16,32 Du Ehebrecherin! Andere Männer hast du deinem Ehemann vorgezogen!
Hes 16,33 Jeder Hure gibt man Geld, du aber hast deinen Liebhabern sogar noch
Geschenke gegeben und sie bestochen, damit sie von überall her kommen und mit
dir schlafen!
Hes 16,34 So machtest du genau das Gegenteil von dem, was andere Huren tun: Du
warfst dich jedem an den Hals, während dir keiner nachlief; niemand gab dir
Geld, im Gegenteil: Du bezahltest, damit man mit dir schlief. So weit ist es mit
dir gekommen!
Hes 16,35 Darum, du Hure, höre, was ich, der Herr, dir sage:
Hes 16,36 Du hast deinen Körper schamlos entblößt, um mit allen deinen
Liebhabern zu schlafen; du hast deinen abscheulichen Götzen gedient und für sie
deine Kinder geschlachtet.
Hes 16,37 Darum werde ich nun deine Liebhaber zusammenrufen - alle, die du
geliebt, und alle, die du verachtet hast. Von überall her lasse ich sie kommen,
damit sie gegen dich aussagen. Dann ziehe ich dir vor ihren Augen die Kleider
aus, damit sie deinen nackten Körper sehen.
Hes 16,38 Ich werde dich verurteilen, so wie man Mörderinnen und Ehebrecherinnen
verurteilt. Weil ich eifersüchtig und zornig bin, spreche ich dir das
Todesurteil.
Hes 16,39 Ich gebe dich in die Gewalt deiner Liebhaber; sie werden deine
Hurenaltäre und deine Heiligtümer zerstören. Sie reißen dir die Kleider vom
Leib, nehmen deinen prächtigen Schmuck weg und lassen dich nackt und hilflos
liegen.
Hes 16,40 Sie hetzen die Volksmenge gegen dich auf, die dich steinigt und mit
ihren Schwertern zerstückelt.
Hes 16,41 Deine Häuser brennen sie nieder und vollstrecken das Urteil an dir vor
den Augen vieler Frauen. So bereite ich deiner Hurerei ein Ende - dann kannst du
dir keinen Liebhaber mehr kaufen!
Hes 16,42 Wenn sich schließlich mein Zorn gelegt hat, ist auch meine Eifersucht
verflogen, und ich bin wieder ruhig und gelassen.
Hes 16,43 Keinen Gedanken hast du mehr verschwendet an die Zeit, wo du hilflos
warst und ich, der Herr, dir geholfen habe. Dadurch hast du mich zornig gemacht,
und jetzt bekommst du die Folgen deiner abscheulichen Taten zu spüren. Du hast
schon so viel Schuld auf dich geladen, warum musstest du auch noch die Ehe
brechen?
Hes 16,44 Man wird über dich einen Spottvers verbreiten: ›Wie die Mutter, so die
Tochter!‹
Hes 16,45 Ja, du bist eine echte Tochter deiner Mutter! Auch sie hat ihren Mann
und ihre Kinder verachtet! Du bist wie deine Schwestern, die von ihren Männern
und Kindern nichts mehr wissen wollten. Eure Mutter war eine Hetiterin und euer
Vater ein Amoriter.
Hes 16,46 Deine ältere Schwester ist Samaria mit ihren Töchtern, sie wohnt
nördlich von dir; im Süden wohnt deine jüngere Schwester Sodom mit ihren
Töchtern.
Hes 16,47 Es war dir noch nicht genug, ihrem schlechten Beispiel zu folgen und
die gleichen abscheulichen Dinge wie sie zu tun - nein, nach kurzer Zeit hast du
es in allem noch schlimmer getrieben als sie!
Hes 16,48 Darum schwöre ich, Gott, der Herr, so wahr ich lebe: Deine Schwester
Sodom und ihre Töchter haben nicht so viel Schuld auf sich geladen wie du und
deine Töchter!
Hes 16,49 Sie sahen hochmütig auf andere herab, sie lebten im Überfluss und in
sorgloser Ruhe, ohne den Armen und Hilflosen zu helfen.
Hes 16,50 Sie waren stolz und überheblich und taten vor meinen Augen, was ich
verabscheue. Als ich dies sah, habe ich sie verstoßen.
Hes 16,51 Und auch Samaria hat nicht halb so viele Sünden begangen wie du. Du
hast mehr widerliche Dinge getan als deine beiden Schwestern zusammen. Im
Vergleich zu dir sind die beiden geradezu unschuldig!
Hes 16,52 Darum musst du nun deine Schande tragen - du hast sie dir selbst
zuzuschreiben! Mit deinen abscheulichen Taten übertriffst du die Schuld deiner
Schwestern bei weitem. Neben dir sind sie geradezu unschuldig. Schäm dich und
trag deine Schande!«
Hes 16,53 »Doch ich wende das Schicksal Sodoms und Samarias mit ihren
Tochterstädten zum Guten, und auch dich, Jerusalem, werde ich wiederherstellen.
Hes 16,54 Dann wirst du deine Schande eingestehen und dich schämen für alles,
was du getan hast. Wenn Sodom und Samaria dies sehen, werden sie daraus Trost
schöpfen.
Hes 16,55 Was für sie gilt, soll auch mit dir geschehen, Jerusalem: Eure
Tochterstädte werden wieder aufgebaut, und ihr bekommt eure frühere Stellung
zurück.
Hes 16,56 Als du noch voller Hochmut auf alle anderen herabgesehen hast, warst
du dir zu schade, den Namen deiner Schwester Sodom in den Mund zu nehmen.
Hes 16,57 Doch dann kam deine Bosheit ans Licht, und jetzt verhöhnen dich alle
deine Nachbarinnen, die Edomiterinnen und die Philisterinnen. Sie haben nur
Verachtung für dich übrig.
Hes 16,58 So trage nun die Folgen deines schamlosen Treibens und deiner üblen
Machenschaften!
Hes 16,59 Ich, der Herr, sage dir: Ich habe dich so behandelt, wie du es
verdienst, denn du hast dein Treueversprechen nicht gehalten und unseren Bund
gebrochen.
Hes 16,60 Ich aber werde mich an den Bund erinnern, den ich mit dir in deiner
Jugend geschlossen habe. Einen neuen Bund will ich mit dir eingehen, der für
alle Zeiten bestehen bleibt.
Hes 16,61 Dann wirst du dich an das erinnern, was du früher getan hast. Du wirst
dich schämen, wenn ich dir die Herrschaft über deine beiden Schwestern gebe, so
dass sie für dich wie Töchter sind. Das geht weit über den Bund hinaus, den ich
damals mit dir geschlossen habe.
Hes 16,62 Ich selbst werde den Bund mit dir erneuern, und du wirst erkennen,
dass ich der Herr bin.
Hes 16,63 Alles, was du getan hast, werde ich dir vergeben; doch du wirst dich
immer wieder daran erinnern und dich schämen. Vor lauter Scham wirst du kein
Wort herausbringen. Das verspreche ich, der Herr.«
Hes 17,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 17,2 »Sterblicher Mensch, gib dem Volk Israel ein Rätsel auf, erzähl ihnen
ein Gleichnis!
Hes 17,3 Denn sie sollen erkennen, was ich, der Herr, ihnen zu sagen habe.
Erzähl ihnen: Ein großer Adler mit riesigen Flügeln und weiten Schwingen, mit
dichtem und buntem Gefieder flog auf den Libanon. Dort riss er den Wipfel einer
Zeder ab,
Hes 17,4 brachte den obersten Zweig in ein Land, in dem es viele Kaufleute gab,
und dort in eine Händlerstadt.
Hes 17,5 Dann holte er aus der Erde Israels ein Samenkorn und flog damit zu
einem fruchtbaren Feld an einem Fluss. Dort pflanzte der Adler das Samenkorn am
Ufer ein.
Hes 17,6 Aus ihm sollte ein breit wuchernder, aber niedrig wachsender Weinstock
werden. Seine Ranken sollte er dem Adler entgegenstrecken und seine Wurzeln tief
in die Erde wachsen lassen. So wurde aus dem Samenkorn ein Weinstock, der
kräftige Ranken und immer neue Triebe bildete.
Hes 17,7 Doch dann kam ein anderer großer Adler mit riesigen Flügeln und dichtem
Gefieder. Und siehe da: Der Weinstock drehte seine Wurzeln diesem Adler zu und
streckte ihm seine Ranken entgegen. Er hoffte, der Adler würde ihm Wasser geben
- mehr als das Feld, in das er gepflanzt worden war.
Hes 17,8 Dabei hatte er doch guten Boden und reichlich Wasser. Er hätte Zweige
treiben und Früchte tragen können und wäre zu einem prächtigen Weinstock
geworden.
Hes 17,9 Ich, der Herr, frage euch Israeliten: Wird der Weinstock jetzt noch
gedeihen? Wird man ihn nicht mitsamt den Wurzeln ausreißen und seine Trauben
abpflücken, so dass alle grünen Triebe verdorren? Dazu braucht man nicht viel
Kraft, und nicht viele Menschen müssen mit anpacken!
Hes 17,10 Der fruchtbare Boden hilft dann auch nichts mehr! Der Weinstock wird
dort vertrocknen, sobald der heiße Ostwind ihn trifft, ja, völlig verdorren wird
er.«
Hes 17,11 Weiter sprach der Herr zu mir:
Hes 17,12 »Frag das widerspenstige Volk, ob sie dieses Gleichnis verstehen.
Erklär es ihnen: Der babylonische König fiel mit seinem Heer in Jerusalem ein.
Er nahm den König von Juda und seine Beamten gefangen und verschleppte sie in
sein Land.
Hes 17,13 Mit einem Nachkommen der königlichen Familie schloss er ein Bündnis
und ließ ihn Treue schwören. Die mächtigen und einflussreichen Männer des Volkes
nahm er gefangen,
Hes 17,14 um das Land Juda mit dem neuen König klein und schwach zu halten. Er
wollte verhindern, dass man einen Aufstand gegen ihn anzettelte und den Treueeid
brach.
Hes 17,15 Aber der König von Juda lehnte sich gegen den König von Babylonien auf
und schickte Boten nach Ägypten, um von dort Pferde und Soldaten zu bekommen.
Wird ihm das gelingen? Soll er ungestraft davonkommen? Nein! Er kann sich nicht
über seinen Treueeid hinwegsetzen und dann ohne Strafe bleiben!
Hes 17,16 Ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Weil er seinen Schwur
gebrochen hat, wird er in Babylon sterben, am Hof des Königs, der ihm die
Herrschaft über Juda anvertraut hatte.
Hes 17,17 Auch das gewaltige Heer des Pharaos aus Ägypten wird ihm nicht zu
Hilfe kommen, wenn die Babylonier einen Belagerungswall um Jerusalem aufschütten
und Belagerungstürme bauen, um die Menschen dort zu vernichten.
Hes 17,18 Denn der König von Juda hat sein Versprechen nicht gehalten, obwohl er
sich mit Handschlag dazu verpflichtet hatte. Er wird nicht mit dem Leben
davonkommen.
Hes 17,19 Ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Weil er sich über den Bund
hinwegsetzt, den ich mit ihm geschlossen habe, weil er den Eid bricht, den er
mir geschworen hat, darum lasse ich ihn die Folgen tragen.
Hes 17,20 Ich werfe mein Netz über ihn, und er wird sich darin verfangen. Ich
bringe ihn nach Babylonien, und dort halte ich Gericht über ihn, weil er mir die
Treue gebrochen hat.
Hes 17,21 Seine Soldaten versuchen zu fliehen, doch die meisten von ihnen
fallen, und die Überlebenden werden in alle Winde zerstreut. Dann erkennt ihr,
dass ich euch nicht umsonst gewarnt habe.
Hes 17,22 Aber nun verkünde ich, der Herr: Ich selbst werde einen zarten Zweig
aus dem Wipfel einer hohen Zeder brechen und ihn auf einem hohen Berg
einpflanzen.
Hes 17,23 Ja, auf Israels höchstem Berg setze ich ihn in die Erde. Dort treibt
er neue Zweige, trägt Früchte und wird zu einer großen Zeder. Vögel aller Art
werden in seinen Zweigen wohnen und dort Schatten finden.
Hes 17,24 Dann werden alle Bäume in Israel erkennen, dass ich, der Herr, den
hohen Baum niedrig mache, den niedrigen aber hoch. Ich lasse den grünen Baum
verdorren, den dürren aber lasse ich grün werden. Darauf gebe ich, der Herr,
mein Wort, und ich halte mich daran.«
Hes 18,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 18,2 »Was denkt ihr euch dabei, wenn ihr Israeliten dieses Sprichwort
verwendet: ›Die Väter essen saure Trauben, und den Söhnen werden die Zähne davon
stumpf.‹ ?
Hes 18,3 Ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Keiner von euch wird dieses
Sprichwort jemals wieder gebrauchen!
Hes 18,4 Alle Menschen gehören mir - die Väter wie die Söhne! Nur wer Schuld auf
sich lädt, soll sterben!
Hes 18,5 Stell dir einen Menschen vor, der mir dient und für Recht und
Gerechtigkeit eintritt.
Hes 18,6 Die Götzen, die das Volk Israel verehrt, betet er nicht an. An den
Opfermahlzeiten, die ihnen zu Ehren auf den Bergen veranstaltet werden,
beteiligt er sich nicht. Er schläft nicht mit einer verheirateten Frau und auch
nicht mit einer, die ihre Tage hat.
Hes 18,7 Er unterdrückt und beraubt niemanden. Wenn er von einem Menschen, der
ihm etwas schuldet, ein Pfand nimmt, gibt er es auch wieder zurück. Den
Hungrigen gibt er zu essen, und er versorgt die mit Kleidung, die kaum etwas
anzuziehen haben.
Hes 18,8 Wenn er Geld verleiht, nimmt er keine Wucherzinsen. Er beteiligt sich
nicht am Unrecht und fällt ein gerechtes Urteil zwischen zwei Streitenden.
Hes 18,9 Er richtet sich nach meinen Geboten und befolgt gewissenhaft, was ich
angeordnet habe. Ein solcher Mensch kann vor mir, dem Herrn, bestehen. Er wird
leben. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Hes 18,10 Nun hat dieser Mann einen gewalttätigen Sohn, der andere Menschen
umbringt und alles das tut,
Hes 18,11 wovon sein Vater sich fern gehalten hat. Er beteiligt sich an den
Opfermahlzeiten, die auf den Bergen für die Götzen veranstaltet werden. Er
bricht die Ehe mit einer verheirateten Frau,
Hes 18,12 er unterdrückt und beraubt die Armen und Hilflosen. Das Pfand, das er
von einem Schuldner verlangt hat, gibt er nicht wieder zurück. Er betet die
Götzen an, obwohl ich dies verabscheue.
Hes 18,13 Wenn er Geld verleiht, nimmt er Wucherzinsen. Soll dieser Mann leben?
Nein, er muss getötet werden! Weil er diese widerlichen Dinge getan hat, ist er
selbst schuld an seinem Tod!
Hes 18,14 Nun stell dir vor, dieser zweite Mann hat wiederum einen Sohn. Der
sieht alle Sünden mit an, die sein Vater begeht, aber er folgt dem schlechten
Vorbild nicht.
Hes 18,15 Die Götzen, die das Volk Israel verehrt, betet er nicht an. An den
Opfermahlzeiten, die ihnen zu Ehren auf den Bergen veranstaltet werden,
beteiligt er sich nicht. Er schläft nicht mit einer verheirateten Frau,
Hes 18,16 er unterdrückt und beraubt niemanden. Wenn er von einem Menschen, der
ihm etwas schuldet, ein Pfand nimmt, gibt er es auch wieder zurück. Den
Hungrigen gibt er zu essen, und er versorgt die mit Kleidung, die kaum etwas
anzuziehen haben.
Hes 18,17 Er beteiligt sich nicht am Unrecht, und wenn er Geld verleiht, nimmt
er keine Wucherzinsen. Er befolgt, was ich angeordnet habe, und richtet sich
nach meinen Geboten. Dieser Sohn wird nicht wegen der Schuld seines Vaters
sterben - nein, er wird leben!
Hes 18,18 Sein Vater aber hat andere erpresst und beraubt. Dem ganzen Volk war
er ein schlechtes Vorbild. Darum muss er wegen seiner Schuld sterben!
Hes 18,19 Ihr aber fragt: ›Warum soll nicht auch der Sohn für die Schuld seines
Vaters bestraft werden?‹, und ich antworte euch: Weil er für Recht und
Gerechtigkeit eingetreten ist! Er hat auf alle meine Gebote geachtet und sie
befolgt, darum wird er am Leben bleiben.
Hes 18,20 Nur wer sündigt, muss sterben. Ein Sohn soll nicht für die Schuld
seines Vaters zur Rechenschaft gezogen werden und ein Vater nicht für die Schuld
seines Sohnes. Wer mir dient, kann vor mir bestehen, und wer mir den Rücken
kehrt, wird seine Strafe bekommen.
Hes 18,21 Wenn aber ein Mensch, der mich verachtet hat, sich von dem abwendet,
was er bisher getan hat, wenn er auf alle meine Weisungen achtet und für Recht
und Gerechtigkeit eintritt, dann wird er nicht sterben, sondern am Leben
bleiben.
Hes 18,22 Alle Schuld, die er vorher auf sich geladen hat, rechne ich ihm nicht
mehr an. Weil er mir nun dient, wird er leben.
Hes 18,23 Ich, der Herr, frage euch: Meint ihr, ich hätte Freude daran, dass der
Gottlose sterben muss? Nein, ich freue mich, wenn er von seinen falschen Wegen
umkehrt und am Leben bleibt!
Hes 18,24 Wenn aber ein Mensch, der mir gedient hat, von mir nichts mehr wissen
will, wenn er die gleichen bösen und abscheulichen Dinge treibt wie jemand, der
mich verachtet, sollte ich ihn dann etwa verschonen? Nein, alles Gute, was er
bisher getan hat, soll vor mir nichts mehr gelten! Weil er mir die Treue
gebrochen und Schuld auf sich geladen hat, wird er sterben.
Hes 18,25 Ihr aber behauptet: ›Was der Herr tut, ist nicht gerecht!‹ Hört doch,
ihr vom Volk Israel: Wer handelt ungerecht, ich oder ihr?
Hes 18,26 Wenn ein Mensch, der mir gedient hat, nichts mehr von mir wissen will,
dann muss er sterben, und zwar wegen seiner eigenen Schuld.
Hes 18,27 Wenn aber ein Mensch, der mich verachtet hat, sich von seinem
gottlosen Leben abwendet und von nun an für Recht und Gerechtigkeit eintritt,
dann rettet er sein Leben.
Hes 18,28 Ja, wenn er seine Schuld einsieht und die alten Wege verlässt, wird er
nicht sterben, sondern am Leben bleiben.
Hes 18,29 Und da behauptet ihr Israeliten: ›Der Herr handelt nicht gerecht!‹ Bin
wirklich ich ungerecht, oder seid nicht vielmehr ihr es?
Hes 18,30 Darum sage ich, der Herr: Ich gehe mit euch ins Gericht, ihr vom Volk
Israel; ich spreche jedem Einzelnen das Urteil, das er verdient hat. Kehrt um,
wendet euch ab von allem Unrecht, das ihr getan habt, damit ihr euch nicht
weiter in Schuld verstrickt!
Hes 18,31 Werft alles Böse von euch ab! Ändert euch von Grund auf, ja, reinigt
euer Herz! Warum wollt ihr sterben, ihr Israeliten?
Hes 18,32 Ich habe doch keine Freude daran, dass der Gottlose sterben muss.
Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort. Kehrt um von euren falschen Wegen, damit
ihr am Leben bleibt!«
Hes 19,1 »Du aber, Hesekiel, stimm ein Klagelied an über die führenden Männer
von Israel!
Hes 19,2 Das sollst du singen: ›Eine majestätische Löwin war deine Mutter! Sie
hatte ihr Lager bei kräftigen Löwen, und dort zog sie ihre Jungen auf.
Hes 19,3 Um einen jungen Löwen kümmerte sie sich besonders; er wurde stark und
lernte, auf Raubzüge zu gehen und Menschen zu fressen.
Hes 19,4 Ganze Völker erklärten ihm den Krieg, sie fingen ihn in einer Grube und
zerrten ihn an Haken nach Ägypten.
Hes 19,5 Die Löwin sah, dass die Hoffnung, die sie auf ihn gesetzt hatte,
umsonst war, und so zog sie ein anderes ihrer Jungen auf.
Hes 19,6 Auch dieser Löwe wurde stark und mächtig, er lernte, auf Raubzüge zu
gehen und Menschen zu fressen.
Hes 19,7 Er zerstörte Festungen und legte ganze Städte in Trümmer; die Bewohner
des Landes erstarrten vor Schreck, wenn sein Gebrüll ertönte.
Hes 19,8 Da versammelten sich die Völker ringsum, um gegen ihn zu kämpfen. Sie
fingen ihn in einer Grube und warfen ihr Fangnetz über ihn.
Hes 19,9 An Haken zerrten sie ihn in einen Käfig und brachten ihn zum König von
Babylonien. Dort hielt man ihn gefangen, denn seine Stimme sollte nicht mehr auf
den Bergen Israels zu hören sein.
Hes 19,10 Deine Mutter war wie ein Weinstock, der nahe am Fluss gepflanzt wurde.
Nie fehlte es ihm an Wasser, er hatte viele Ranken und trug reiche Frucht.
Hes 19,11 Seine Zweige wurden kräftig genug, um aus ihnen Zepter für Könige zu
machen. Der Weinstock wuchs hoch hinauf - bis zum dichten Laub der Bäume, die
ihn umgaben; weithin sichtbar war er durch seine Größe und seine vielen Ranken.
Hes 19,12 Doch schließlich riss man ihn im Zorn aus dem Boden und warf ihn fort.
Der heiße Ostwind trocknete ihn aus, seine Früchte wurden abgerissen. Sein
kräftiger Stamm verdorrte und wurde vom Feuer verzehrt.
Hes 19,13 Dann pflanzte man den Weinstock in die Wüste ein, in dürres und
trockenes Land.
Hes 19,14 Seine Zweige fingen Feuer, und alle seine Früchte wurden ein Raub der
Flammen. Kein kräftiger Zweig war mehr an ihm zu finden, aus dem man ein Zepter
anfertigen konnte.‹« Dies ist ein Klagelied, das immer wieder gesungen wird.
Hes 20,1 Im 7. Jahr unserer Verbannung in Babylonien, am 10. Tag des 5. Monats,
kamen einige führende Männer des Volkes Israel zu mir, um den Herrn zu befragen.
Sie setzten sich vor mich hin und warteten.
Hes 20,2 Da sprach der Herr zu mir:
Hes 20,3 »Sterblicher Mensch, richte den Führern Israels aus, was ich ihnen zu
sagen habe: Ihr seid gekommen, um mich zu befragen? Ich schwöre, so wahr ich
lebe, dass ich euch keine Antwort gebe!«
Hes 20,4 Dann fragte mich der Herr: »Bist du bereit, Gericht über sie zu halten,
sterblicher Mensch? Dann tu es! Erinnere sie daran, dass ihre Vorfahren ständig
getan haben, was ich verabscheue!
Hes 20,5 Sag ihnen: So spricht Gott, der Herr: Als ich die Israeliten zu meinem
Volk erwählte, erhob ich meine Hand zum Schwur und band mich durch ein
Versprechen an sie, die Nachkommen Jakobs. Während sie in Ägypten lebten,
offenbarte ich mich ihnen und schwor: ›Ich bin der Herr, euer Gott.
Hes 20,6 Ich verspreche, euch aus Ägypten herauszuführen und in ein Land zu
bringen, das ich für euch ausgesucht habe. Es ist ein Land, wo Milch und Honig
fließen, weitaus schöner als alle anderen.‹
Hes 20,7 Ich forderte sie auf: ›Werft eure abscheulichen Götterfiguren fort, die
ihr bisher angebetet habt! Macht euch nicht schuldig, verehrt nicht die Götter
Ägyptens! Denn ich, der Herr, bin euer Gott.‹
Hes 20,8 Aber sie lehnten sich gegen mich auf und wollten nicht auf mich hören.
Kein Einziger warf die widerlichen Götzen weg, die er angebetet hatte; das ganze
Volk verehrte weiterhin die anderen Götter. Da wollte ich meinen Zorn an ihnen
auslassen, noch in Ägypten sollten sie ihn zu spüren bekommen.
Hes 20,9 Aber ich tat es nicht, denn sonst wäre mein Name bei allen Völkern
ringsum in den Schmutz gezogen worden. Denn vor ihrer aller Augen hatte ich mich
als der Gott Israels offenbart und geschworen, mein Volk aus Ägypten zu
befreien.
Hes 20,10 Darum führte ich sie heraus und ließ sie in die Wüste ziehen.
Hes 20,11 Dort gab ich ihnen meine Gebote und Weisungen, die jedem Leben
bringen, der sie befolgt.
Hes 20,12 Ich setzte auch den Sabbat als Ruhetag ein; er war das Zeichen meines
Bundes mit ihnen. Daran sollten sie erkennen: Ich, der Herr, hatte sie als ein
Volk erwählt, das mir allein gehört.
Hes 20,13 Aber auch dort in der Wüste lehnten sich die Israeliten gegen mich
auf; sie hielten sich nicht an meine Gebote und schlugen meine Weisungen in den
Wind, die doch jedem Leben bringen, der sie befolgt. Auch den Sabbat achteten
sie nicht als Ruhetag. Da wollte ich meinen Zorn an ihnen auslassen und sie in
der Wüste vernichten.
Hes 20,14 Aber ich tat es nicht, denn sonst wäre mein Name zum Gespött geworden
bei allen Völkern, vor deren Augen ich die Israeliten aus Ägypten herausgeführt
hatte.
Hes 20,15 Ich erhob jedoch meine Hand zum Schwur und sagte: ›Ich werde euch
nicht in das verheißene Land führen, das reich und fruchtbar ist und weitaus
schöner als alle anderen Länder.
Hes 20,16 Denn ihr habt meine Weisungen in den Wind geschlagen, ihr habt nicht
nach meinen Geboten gelebt und den Ruhetag nicht eingehalten. Stattdessen seid
ihr euren Götzen nachgelaufen und habt sie angebetet.‹
Hes 20,17 Doch wieder hatte ich Mitleid mit ihnen, und darum rottete ich sie
dort in der Wüste nicht völlig aus.
Hes 20,18 Ihre Kinder warnte ich: ›Lebt nicht nach den Geboten und Ordnungen,
die eure Väter aufgestellt haben! Betet ihre Götzen nicht an, denn sonst ladet
ihr Schuld auf euch!
Hes 20,19 Ich bin doch der Herr, euer Gott. Richtet euch nach meinen Geboten,
achtet auf meine Ordnungen und befolgt sie.
Hes 20,20 Sorgt dafür, dass der Sabbat ein heiliger Ruhetag bleibt als Zeichen
für den Bund zwischen mir und euch. Dieser Tag soll euch daran erinnern, dass
ich der Herr, euer Gott, bin.‹
Hes 20,21 Doch auch die Kinder lehnten sich gegen mich auf. Sie hielten sich
nicht an meine Gebote, sie schlugen meine Weisungen in den Wind, die jedem Leben
bringen, der sie befolgt. Auch den Sabbat achteten sie nicht als heiligen Tag.
Da wollte ich meinen Zorn endgültig an ihnen auslassen und sie in der Wüste
vernichten.
Hes 20,22 Aber wieder hielt ich mich zurück und tat es nicht, denn sonst wäre
mein Name zum Gespött geworden bei allen Völkern, vor deren Augen ich die
Israeliten aus Ägypten herausgeführt hatte.
Hes 20,23 Ich erhob jedoch meine Hand zum Schwur und sagte: ›Ich werde euch
unter die Völker zerstreuen und in fremde Länder vertreiben.
Hes 20,24 Denn ihr habt nicht nach meinen Ordnungen gelebt, ihr habt meine
Gebote missachtet und den Ruhetag nicht eingehalten. Stattdessen habt ihr die
Götzen angebetet, die schon eure Vorfahren verehrten.‹
Hes 20,25 Dann gab ich ihnen Gebote, die nicht gut waren, und Ordnungen, die
kein Leben bringen.
Hes 20,26 Ich sorgte dafür, dass sie ihre ältesten Söhne als Opfer verbrannten
und so große Schuld auf sich luden. Ich hoffte, sie würden erschrecken und
erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 20,27 Weiter sprach der Herr zu mir: »Sterblicher Mensch, richte dem Volk
Israel noch etwas aus! Sag ihnen: Eure Vorfahren haben mich, den Herrn, verhöhnt
und sind mir untreu geworden:
Hes 20,28 Ich hatte geschworen, ihnen das Land zu geben. Doch als ich sie
dorthin geführt hatte, begannen sie, auf jedem Hügel und unter jedem dicht
belaubten Baum ihren Götzen zu opfern. Sie reizten mich mit ihren widerlichen
Opfergaben, sie verbrannten Tiere, um die Götzen für sich zu gewinnen, und
gossen für sie Wein als Trankopfer aus.
Hes 20,29 Ich stellte sie zur Rede: ›Was sind das für Hügel, auf die ihr da
lauft, um euren Götzen zu opfern?‹ Darum heißen diese Orte bis heute
›Opferhügel‹.
Hes 20,30 Ich, der Herr, frage euch Israeliten: Wollt ihr die gleiche Schuld auf
euch laden wie eure Vorfahren, die mir die Treue brachen und sich mit anderen
Göttern einließen?
Hes 20,31 Wenn ihr anderen Göttern Opfer bringt und für sie eure Kinder
verbrennt, dann ladet ihr bis zum heutigen Tag Schuld auf euch. Und da sollte
ich mich von euch befragen lassen, ihr vom Volk Israel? Ich, der Herr, schwöre,
so wahr ich lebe: Von mir bekommt ihr keine Antwort!«
Hes 20,32 »Was habt ihr euch da ausgedacht? Ihr habt gesagt: ›Wir wollen wie die
anderen Völker sein, die Holzstatuen und Steinsäulen anbeten!‹ Doch das wird
niemals geschehen!
Hes 20,33 [33/34] Ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Mit starker Hand und
mit erhobenem Arm werde ich über euch herrschen und meinen Zorn an euch
auslassen. Ich zeige euch meine Macht, wenn ich euch aus allen Ländern
heraushole, in die ihr zerstreut wurdet.
Hes 20,35 Ich bringe euch in die Wüste der Völker, und dort trete ich euch von
Angesicht zu Angesicht gegenüber, um euch zu richten.
Hes 20,36 Wie ich euren Vorfahren in der Wüste Ägyptens das Urteil gesprochen
habe, so werde ich auch euch verurteilen. Darauf könnt ihr euch verlassen!
Hes 20,37 Ich sorge dafür, dass ihr euch an den Bund haltet, den ich mit euch
geschlossen habe. Wie ein Hirte die Schafe unter seinem Stab hindurchziehen
lässt, um sie zu zählen und aufzuteilen, so gehe ich mit euch um:
Hes 20,38 Alle, die sich gegen mich aufgelehnt und mir die Treue gebrochen
haben, sondere ich aus. Zwar führe ich auch sie heraus aus den fremden Ländern,
in denen sie leben mussten, aber nach Israel werden sie nicht zurückkommen. Dann
werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 20,39 Ich sage euch Israeliten: Dient doch euren Götzen, wenn ihr unbedingt
wollt! Aber nachher werdet ihr ganz sicher auf mich hören und meinen heiligen
Namen nicht mehr in den Schmutz ziehen durch die Opfer, die ihr euren Götzen
bringt!
Hes 20,40 Denn in Israel, auf meinem heiligen Berg Zion, werdet ihr alle mir
dienen. Ich werde euch wieder annehmen und von euch fordern, dass ihr mir eure
Opfer darbringt, mit den besten eurer Früchte und allen anderen Gaben, die mir
geweiht sind.
Hes 20,41 Wenn ich euch aus den Ländern herausgeführt habe, in die ihr zerstreut
wurdet, und ihr in Israel versammelt seid, dann bringt ihr mir Brandopfer dar,
und ich nehme euch wieder in Liebe als mein Volk an. So sollen alle Völker
sehen, dass ich der heilige Gott bin.
Hes 20,42 Auch ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich euch nach
Israel zurückbringe, in das Land, das ich euren Vorfahren mit einem Eid
versprochen habe.
Hes 20,43 Dort erinnert ihr euch an alle Schuld, die ihr auf euch geladen habt.
Wegen eurer widerlichen Taten werdet ihr euch selbst verabscheuen.
Hes 20,44 Ich will euch wieder annehmen und euch nicht strafen, wie ihr es für
eure Sünden verdient hättet. Dies tue ich, damit mein Name geehrt wird. Ihr
sollt erkennen, dass ich der Herr bin. Mein Wort gilt!«
Hes 21,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 21,2 »Sterblicher Mensch, blick nach Süden, und kündige dem Wald im Süden
mein Gericht an!
Hes 21,3 Sag zu ihm: So spricht Gott, der Herr: Hör, was ich dir androhe! Ich
werde in dir ein Feuer ausbrechen lassen, das jeden Baum verzehrt, den grünen
wie den abgestorbenen. Seine lodernden Flammen werden nicht verlöschen. Das
Feuer soll vom Süden bis zum Norden brennen und die Gesichter aller Menschen
versengen, die dort leben.
Hes 21,4 Dann wird jeder erkennen, dass ich, der Herr, das Feuer entzündet habe.
Nie wird es verlöschen.«
Hes 21,5 Da entgegnete ich: »Ach Herr, mein Gott, muss ich das tun? Hier sagt
sowieso schon jeder von mir: ›Er redet nur in unverständlichen Gleichnissen!‹«
Hes 21,6 Der Herr sprach zu mir:
Hes 21,7 »Sterblicher Mensch, blick in Richtung Jerusalem, und kündige dem
Tempel dort mein Gericht an! Sag zum Land Israel:
Hes 21,8 [8/9] So spricht der Herr: Nun ist es mit meiner Geduld vorbei! Ich
ziehe mein Schwert und vernichte alle deine Bewohner, die Guten wie die Bösen.
Alle Menschen, vom Norden bis zum Süden, wird mein Schwert treffen!
Hes 21,10 Jeder soll sehen, dass ich, der Herr, mein Schwert gezogen habe, und
ich werde es so schnell nicht wieder wegstecken!
Hes 21,11 Und du, sterblicher Mensch, stöhne, dass die Israeliten es hören,
stöhne voller Verzweiflung, als würde dir das Herz brechen!
Hes 21,12 Wenn sie dich fragen: ›Warum stöhnst du?‹, dann antworte ihnen: ›Ich
habe eine schlechte Nachricht. Wer sie hört, vergeht vor Angst, wie gelähmt
lässt er die Hände sinken, sein Atem stockt, und die Knie schlottern. Die Zeit
ist gekommen, das Unglück bricht über euch herein. Darauf gibt euch Gott, der
Herr, sein Wort.‹«
Hes 21,13 Wieder sprach der Herr zu mir:
Hes 21,14 »Sterblicher Mensch, verkünde dem Volk meine Botschaft. Sag ihnen: So
spricht der Herr: Das Schwert wird gewetzt, das Schwert wird poliert,
Hes 21,15 [15/16] zum Morden geschärft, seine Klinge blitzt. Das Schwert ist
geschliffen, nun packt es die Faust. Seine Klinge ist scharf, nun gebt es dem
Henker! Mein Volk hat keinen Grund zur Freude, denn es missachtet jede Warnung
und jede Strafe.
Hes 21,17 [17/18] Ich, der Herr, habe die Israeliten geprüft. Jede Warnung
schlugen sie in den Wind, darum wird meine Strafe sie nun treffen. Und du,
sterblicher Mensch, schrei und brich in lautes Klagen aus! Schlag die Hände an
die Brust als Zeichen deiner Trauer! Denn das Schwert wird unter meinem Volk
wüten und alle seine Mächtigen treffen. Die Herrscher werden niedergestochen,
sie und mein ganzes Volk.
Hes 21,19 Und nun, sterblicher Mensch, schlag voller Zorn die Hände zusammen,
und droh dem Volk mein Gericht an: Das Schwert sticht zu mit doppelter Wucht,
ja, dreifach schlägt es zu. Diese Waffe bringt den Tod, alle werden von ihr
durchbohrt.
Hes 21,20 In den Toren Jerusalems liegen die Gefallenen, Angst und Schrecken
breiten sich aus. Unzählige sterben unter meinem Schwert, zum Morden ist es
geschärft, seine Klinge blitzt.
Hes 21,21 Stich zu, du Schwert, lass jeden deine Klinge spüren! Stich zu - nach
links, nach rechts, so wie die Hand dich gerade führt!
Hes 21,22 Und auch ich, der Herr, werde die Hände zusammenschlagen und meinen
Zorn an Israel auslassen. Darauf gebe ich mein Wort.«
Hes 21,23 Der Herr befahl mir:
Hes 21,24 »Sterblicher Mensch, zeichne die beiden Wege, auf denen der König von
Babylonien mit seinem Heer in den Krieg ziehen kann! Beide sollen in ein und
demselben Land beginnen. Dort, wo sie sich teilen, stell zwei Wegweiser auf, die
zu je einer Stadt führen:
Hes 21,25 der eine zur Ammoniterstadt Rabba, der andere nach Jerusalem, der
befestigten Stadt in Juda. So zeigst du die Richtung an, die der babylonische
König mit seinen Truppen einschlagen kann.
Hes 21,26 Denn er wird dort Halt machen, wo diese beiden Wege beginnen. Um zu
wissen, welchen er wählen soll, lässt er das Losorakel entscheiden. Er befragt
seine Götter und schaut, welche Form die Leber eines Opfertieres hat. Er
schüttelt die Pfeile in seinem Köcher,
Hes 21,27 holt mit der rechten Hand einen heraus und sieht, dass er die
Aufschrift ›Jerusalem‹ trägt. Darum zieht er mit seinen Soldaten nach Jerusalem,
und dort stimmen sie ein lautes Kriegsgeschrei an. Sie schütten einen
Belagerungswall auf, bauen Angriffsrampen rings um die Mauern und rennen gegen
die Tore mit Rammböcken an.
Hes 21,28 Die Menschen in Jerusalem glauben nicht, dass diese Orakelentscheidung
richtig sein kann, denn sie haben dem babylonischen König einen Treueeid
geschworen. Doch er bringt nun ihre ganze Schuld ans Licht und nimmt sie
gefangen.
Hes 21,29 Ich, der Herr, sage euch Israeliten: In aller Öffentlichkeit begeht
ihr eure Verbrechen, eure Auflehnung gegen mich ist allgemein bekannt. Ihr
selbst sorgt dafür, dass eure Schuld nicht vergessen wird! Darum gebe ich euch
jetzt in die Gewalt eurer Feinde, und sie werden grausam mit euch umgehen.
Hes 21,30 Du gottloser Herrscher von Israel, dem nichts heilig ist, jetzt ist
die Zeit für die endgültige Abrechnung gekommen!
Hes 21,31 Ich, der Herr, sage dir: Weg mit deinem Stirnband, weg mit deiner
Krone! Nichts bleibt, wie es ist: Der Mächtige wird gestürzt, der Machtlose
erhöht.
Hes 21,32 Zur Ruine mache ich Jerusalem, ja, ich lege es in Trümmer. Doch dies
wird nicht eher geschehen, bis der kommt, den ich dazu beauftragt habe. Ihm
werde ich das Gericht übergeben.«
Hes 21,33 Weiter sprach der Herr zu mir: »Sterblicher Mensch, kündige den
Ammonitern mein Gericht an, denn sie verhöhnen Israel. Richte ihnen diese
Botschaft aus: Zum Schlachten ist das Schwert gezückt, zum Töten hat man es
poliert. Nun wird es treffen wie ein Blitz.
Hes 21,34 Falsche Propheten erzählen euch nichts als Lügen; sie verkünden
Visionen von eurer Rettung. Doch das Schwert ist euch schon an den Hals gelegt -
ihr Verbrecher seid dem Tod geweiht! Jetzt ist die Zeit für die endgültige
Abrechnung gekommen.
Hes 21,35 Doch dann, König von Babylonien, steck das Schwert wieder in die
Scheide! Auch dich werde ich richten, ich strafe dich in deinem eigenen Land, wo
du geboren wurdest und zu Hause bist.
Hes 21,36 Meinen Zorn lasse ich an dir aus, er wird dich verzehren wie ein
Feuer. Ich gebe dich in die Gewalt grausamer Menschen, die Tod und Verderben
bringen.
Hes 21,37 Im Feuer lasse ich dich umkommen, in deinem eigenen Land wird dein
Blut fließen, und nichts wird mehr an dich erinnern. Das schwöre ich, der Herr.«
Hes 22,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 22,2 »Sterblicher Mensch, bist du bereit, ein Urteil zu sprechen über die
Stadt voller Bluttaten? Halte ihr all die abscheulichen Verbrechen vor Augen,
Hes 22,3 und sag: So spricht Gott, der Herr: Jerusalem, dein Untergang ist nahe,
du selbst hast ihn verschuldet! Mitten in der Stadt ist das Blut deiner
Einwohner vergossen worden, du hast dir deine eigenen Götter geschaffen und sie
angebetet.
Hes 22,4 Mit deinen blutigen Verbrechen und deinem Götzendienst hast du Schuld
auf dich geladen. Du hast das Gericht selbst herbeigeführt - dein Ende ist nahe!
Ich sorge dafür, dass du von allen Völkern verachtet wirst, ich gebe dich dem
Spott anderer Länder preis.
Hes 22,5 Jeder, ob nah oder fern, verhöhnt dich, dein ehemals hochangesehener
Name ist beschmutzt, deine Bestürzung ist groß.
Hes 22,6 Sieh doch, wie alle deine führenden Männer ihre Macht dazu benutzen,
Blut zu vergießen!
Hes 22,7 Deine Einwohner verachten Vater und Mutter. Sie beuten die Ausländer
aus und unterdrücken die schutzlosen Witwen und Waisen.
Hes 22,8 Alles, was mir heilig ist, wird in den Schmutz gezogen, und auch den
Sabbat achtet ihr nicht als heiligen Tag.
Hes 22,9 Ihr verleumdet andere, damit sie hingerichtet werden. Auf den Bergen
haltet ihr Opfermahlzeiten für eure Götter. Schlimme Schandtaten werden bei euch
verübt:
Hes 22,10 Der eine schläft mit der Frau seines Vaters, ein anderer verkehrt mit
einer Frau, während sie ihre Tage hat.
Hes 22,11 Man scheut sich nicht, mit der Frau eines anderen ins Bett zu gehen;
man lässt sich mit seiner Schwiegertochter ein und macht sich nichts daraus, mit
der eigenen Halbschwester zu schlafen.
Hes 22,12 Ihr nehmt Bestechungsgelder an und sprecht dann falsche Todesurteile.
Ihr fordert Wucherzinsen und erpresst andere Menschen. Mich aber, den Herrn,
habt ihr vergessen.
Hes 22,13 Darum drohe ich euch mit erhobener Faust, ich strafe euch für Mord und
Betrug.
Hes 22,14 Meint ihr wirklich, ihr könntet mir standhalten? Bildet ihr euch ein,
ihr würdet nicht den Mut verlieren, wenn ich mit euch abrechne? Ich, der Herr,
habe gesagt, dass ich euch richten werde, und ich stehe zu meinem Wort!
Hes 22,15 Ich zerstreue euch unter die Völker, ich bringe euch in fremde Länder,
um so eurem gottlosen Treiben ein Ende zu setzen!
Hes 22,16 Die anderen Völker werden euch deswegen verachten, und das habt ihr
euch selbst zuzuschreiben. Ihr sollt erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 22,17 Wieder sprach der Herr zu mir:
Hes 22,18 »Sterblicher Mensch, in meinen Augen gleichen die Israeliten dem
wertlosen Abfall, der übrig bleibt, wenn Silber im Schmelztiegel gereinigt wird.
Sie sind nichts als Schlacken aus Kupfer und Zinn, aus Eisen und Blei.
Hes 22,19 Ich, der Herr, sage ihnen: Ihr seid die Schlacke, die beim Schmelzen
zurückbleibt. Darum mache ich mit euch das einzig Richtige: Ich sammle euch in
Jerusalem
Hes 22,20 und werfe euch ins Feuer! So wie man einen Metallklumpen aus Silber,
Kupfer, Eisen, Blei und Zinn in den glühenden Tiegel wirft, damit alles zusammen
zerschmilzt, so sammle ich euch voller Zorn; ich werfe euch ins Feuer und bringe
euch zum Schmelzen.
Hes 22,21 [21/22] Ja, ich will euch sammeln und meinen Zorn an euch auslassen.
Ihr sollt seine Glut zu spüren bekommen und darin zerschmelzen wie Silber im
Ofen. Dann werdet ihr erkennen, dass ich, der Herr, euch im Zorn gestraft habe.«
Hes 22,23 Der Herr befahl mir:
Hes 22,24 »Sterblicher Mensch, richte dem Volk Israel diese Botschaft aus: Ihr
habt so viel Schuld auf euch geladen und mich so zornig gemacht, dass ich auf
euer Land keinen Regen mehr fallen ließ.
Hes 22,25 Eure führenden Männer sind wie brüllende, blutgierige Löwen. Sie
fallen über die Menschen her, reißen Geld und Gut an sich und machen viele
Frauen im Land zu Witwen.
Hes 22,26 Die Priester legen mein Gesetz aus, wie es ihnen gerade passt. Was ich
für heilig erklärt habe, das ziehen sie in den Schmutz. Sie machen keinen
Unterschied zwischen heilig und nicht heilig und erklären dem Volk nicht, was
rein und was unrein ist. Vom Sabbat, den ich ihnen gegeben habe, wollen sie
nichts wissen. Sie sind schuld daran, dass niemand mehr Ehrfurcht vor mir hat.
Hes 22,27 Die Richter sind wie hungrige Wölfe. Sie vergießen Blut und richten
aus Habgier Menschenleben zugrunde.
Hes 22,28 Und was sagen deine Propheten dazu? Sie beschönigen diese üblen
Machenschaften, so wie ein Maler eine hässliche Wand mit weißer Tünche
überstreicht. Sie reden von Visionen, die sie gar nicht gesehen haben, und
verkünden nichts als Lügen! Sie sagen: ›So spricht der Herr!‹, obwohl ich ihnen
gar keine Botschaft mitgeteilt habe.
Hes 22,29 Auch die einfachen Leute verstehen sich auf Raub und Erpressung. Sie
beuten die Armen und Schwachen aus, übervorteilen die Ausländer und tun ihnen
Gewalt an.
Hes 22,30 Ich suchte einen Mann, der für das Land einen Schutzwall baut und die
Lücken in den Mauern ausbessert, damit es gewappnet ist, wenn ich es zerstören
will. Doch ich fand keinen.
Hes 22,31 Darum lasse ich euch meinen Zorn spüren, er wird euch vernichten wie
ein Feuer. Das habt ihr euch selbst zuzuschreiben - ihr bekommt, was ihr
verdient. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Hes 23,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 23,2 »Sterblicher Mensch, höre die Geschichte von zwei Frauen, Töchter
derselben Mutter.
Hes 23,3 Schon in ihrer Jugend, als sie noch in Ägypten lebten, ließen sie sich
mit vielen Männern ein, die ihnen ihre Unschuld nahmen und ihre jungen Brüste
streichelten.
Hes 23,4 Die ältere heißt Ohola und die jüngere Oholiba. Ohola ist Samaria,
Oholiba ist Jerusalem. Sie wurden meine Frauen und brachten Söhne und Töchter
zur Welt.
Hes 23,5 Doch hinter meinem Rücken wurde Ohola mir untreu. Sie warf sich ihren
Liebhabern an den Hals, den kriegerischen Assyrern,
Hes 23,6 die sich in Purpur kleideten und angesehene Statthalter und
Befehlshaber waren. Alle waren schöne junge Männer, gute Reiter hoch zu Ross.
Hes 23,7 Mit den Söhnen der angesehensten Familien Assyriens betrog sie mich und
lud große Schuld auf sich, weil sie deren Götzen verehrte.
Hes 23,8 Auch die Ägypter wollte sie nicht aufgeben, die schon in ihrer Jugend
mit ihr geschlafen und ihre jungen Brüste gestreichelt hatten.
Hes 23,9 Darum gab ich sie in die Gewalt ihrer assyrischen Liebhaber, die sie ja
unbedingt haben wollte!
Hes 23,10 Sie vollstreckten das Urteil an ihr: Sie zogen ihr das Kleid hoch,
dass alle ihren nackten Körper sehen konnten, nahmen ihr die Söhne und Töchter
weg und töteten sie selbst mit dem Schwert. So wurde sie zum warnenden Beispiel
für alle Frauen.
Hes 23,11 Ihre Schwester Oholiba hatte alles mit angesehen, und trotzdem trieb
sie es noch schlimmer. Ihre Schamlosigkeit übertraf die ihrer Schwester bei
weitem.
Hes 23,12 Auch sie warf sich den Assyrern an den Hals, den prächtig gekleideten
Statthaltern und Befehlshabern, allesamt schöne junge Männer, gute Reiter hoch
zu Ross.
Hes 23,13 Ich sah, dass auch sie große Schuld auf sich lud; darin waren beide
Schwestern gleich.
Hes 23,14 Aber Oholiba trieb es noch schlimmer: Sie sah Bilder von Babyloniern,
mit roter Farbe an die Wand gemalt.
Hes 23,15 Um ihre Hüften trugen sie einen Lendenschurz, ihren Kopf bedeckte ein
wehender Turban. Es waren hervorragende Soldaten aus Babylonien, dem Land der
Chaldäer.
Hes 23,16 Beim Anblick dieser Bilder packte Oholiba die Gier, und sie schickte
Boten nach Babylon.
Hes 23,17 Da kamen die Babylonier zu ihrem Liebesnest, sie schliefen mit ihr und
machten sie dadurch unrein. Oholiba aber wandte sich sofort wieder von ihnen ab,
nachdem sie ihre Gier befriedigt hatte.
Hes 23,18 In aller Öffentlichkeit beging sie Ehebruch und zeigte ihren nackten
Körper jedem, der ihn sehen wollte. Darum trennte ich mich von ihr, so wie ich
es auch bei ihrer Schwester getan hatte.
Hes 23,19 Sie aber trieb es nur noch schlimmer, sie dachte zurück an ihre
Jugend, als sie sich mit den Ägyptern eingelassen hatte.
Hes 23,20 Wieder packte sie die Gier nach ihren früheren Liebhabern, deren Glied
so groß war wie das eines Esels und die so brünstig waren wie ein Hengst.
Hes 23,21 Ja, sie sehnte sich danach, wieder mit ihnen zu schlafen wie in ihrer
Jugend, als die Ägypter ihre jungen Brüste streichelten.
Hes 23,22 Darum höre, Oholiba, was ich, der Herr, dir sage: Deine früheren
Liebhaber, die du verlassen hast, hetze ich nun gegen dich auf. Von allen Seiten
werden sie auf dich einstürmen:
Hes 23,23 die Babylonier und Chaldäer, Männer von den Stämmen Pekod, Schoa und
Koa, und mit ihnen die Assyrer. Es sind schöne junge Männer, Statthalter und
Befehlshaber, die besten Soldaten und angesehensten Leute im Volk, gute Reiter
hoch zu Ross.
Hes 23,24 In Scharen fallen sie über dich her; ein Heer aus vielen Völkern
stürmt auf Kriegswagen heran. Sie umstellen dich, bewaffnet mit Langschilden,
Rundschilden und Helmen. Ich liefere dich ihrem Gericht aus, und sie werden dich
nach ihren Gesetzen verurteilen.
Hes 23,25 Weil ich eifersüchtig und zornig bin, sorge ich dafür, dass sie ihren
Zorn an dir auslassen: Deine Nase und deine Ohren schneiden sie dir ab, und
deine Nachkommen töten sie mit dem Schwert. Ja, alle deine Söhne und Töchter
nehmen sie dir weg, und dein ganzer Besitz wird ein Raub der Flammen.
Hes 23,26 Sie reißen dir die Kleider vom Leib und nehmen deinen kostbaren
Schmuck weg.
Hes 23,27 So mache ich deinem abscheulichen Tun und deiner Hurerei, die du schon
in Ägypten getrieben hast, ein Ende. Dann wirst du nicht mehr nach den Ägyptern
Ausschau halten - ja, du wirst nicht einmal mehr an sie denken.
Hes 23,28 Denn ich, der Herr, liefere dich deinen Liebhabern aus, von denen du
dich voller Hass abgewandt hast.
Hes 23,29 Hasserfüllt werden sie nun über dich herfallen und alles an sich
reißen, was du dir mühsam erworben hast. Dann lassen sie dich nackt zurück, dass
jeder deinen Körper sehen kann. Weil du es so schlimm getrieben und ständig die
Ehe gebrochen hast,
Hes 23,30 wird dies deine gerechte Strafe sein. Ja, anderen Völkern bist du
nachgelaufen, ihre Götter hast du angebetet und so große Schuld auf dich
geladen.
Hes 23,31 Du bist dem schlechten Beispiel deiner Schwester gefolgt, darum gebe
ich dir denselben Becher in die Hand, den sie trinken musste.
Hes 23,32 Ich, der Herr, kündige dir an: Gelächter und Spott wird dich treffen,
den Becher deiner Schwester musst du leeren. Viel passt dort hinein, denn er ist
tief und breit.
Hes 23,33 Er macht bekümmert und betrunken, der Becher voll Angst und
Zerstörung, den schon deine Schwester Samaria trinken musste.
Hes 23,34 Bis zur Neige trinke ihn, ja, schlürfe ihn aus bis zum letzten
bitteren Tropfen. Und mit seinen Scherben zerkratze deine Brüste! Ich, der Herr,
fordere dich dazu auf.
Hes 23,35 Du hast mich vergessen und mir den Rücken gekehrt, darum musst du nun
auch die Folgen deines Ehebruchs tragen!«
Hes 23,36 Weiter sprach der Herr zu mir: »Sterblicher Mensch, bist du bereit,
über Ohola und Oholiba Gericht zu halten? Dann tu es! Erinnere sie an all die
abscheulichen Dinge, die sie getrieben haben!
Hes 23,37 Ehebruch und Mord werfe ich ihnen vor: Sie haben mich mit ihren Götzen
betrogen und für sie die Kinder verbrannt, die sie mir geboren hatten.
Hes 23,38 Aber das genügte ihnen noch nicht: Meinen Tempel haben sie entweiht
und den Sabbat nicht als heiligen Tag geachtet.
Hes 23,39 Wenn sie ihre Kinder für die Götzen geschlachtet hatten, gingen sie
noch am selben Tag in meinen Tempel und entweihten ihn dadurch. Ja, so trieben
sie es in meinem Heiligtum!
Hes 23,40 Klag die beiden weiter an: Immer wieder habt ihr Boten in die Ferne
geschickt, um Männer anzulocken, die dann gerne kamen. Für sie habt ihr euch
herausgeputzt: Ihr habt ein Bad genommen, die Augen geschminkt und euch mit
Schmuck behängt.
Hes 23,41 Dann habt ihr euch auf euer prunkvolles Bett gesetzt. Einen Tisch mit
Weihrauch und duftendem Öl habt ihr vor euch aufgebaut, obwohl doch beides mir
gehören sollte.
Hes 23,42 Ihr umgabt euch mit einer lärmenden, ausgelassenen Menge; laut zechten
die unzähligen Männer, die aus der Wüste zu euch gekommen waren. Sie streiften
euch Armreife über die Hände und setzten euch prunkvolle Kronen auf den Kopf.
Hes 23,43 Ich dachte: Sie sind es gewohnt, die Ehe zu brechen, jetzt treiben sie
es schon wieder und haben auch noch Freude daran.
Hes 23,44 Die Männer gehen zu ihnen wie zu Huren. Immer wieder laufen sie zu
Ohola und Oholiba, diesen schamlosen Frauen.
Hes 23,45 Aber aufrichtige Männer werden ihnen das Urteil sprechen, nach den
Gesetzen für Ehebrecherinnen und Mörderinnen. Denn sie haben die Ehe gebrochen,
und an ihren Händen klebt Blut!
Hes 23,46 Ich, der Herr, befehle: Eine Menschenmenge soll sich versammeln, sie
misshandeln, ausrauben
Hes 23,47 und schließlich steinigen und mit Schwertern zerstückeln! Danach
sollen ihre Söhne und Töchter getötet und ihre Häuser verbrannt werden.
Hes 23,48 Ohola und Oholiba, ich mache eurer Hurerei ein Ende! Alle Frauen in
Israel sollen gewarnt sein, damit sie nicht genauso schamlos die Ehe brechen wie
ihr.
Hes 23,49 Man wird euch für eure Hurerei bestrafen, und ihr müsst für die Sünden
büßen, die ihr mit euren Götzen begangen habt. Dann werdet ihr erkennen, dass
ich Gott, der Herr, bin.«
Hes 24,1 Im 9. Jahr unserer Verbannung, am 10. Tag des 10. Monats, sprach der
Herr zu mir:
Hes 24,2 »Sterblicher Mensch, schreib dir das Datum des heutigen Tages auf, denn
gerade heute beginnt der König von Babylonien mit der Belagerung Jerusalems!
Hes 24,3 Und nun erzähl dem widerspenstigen Volk ein Gleichnis! Sag ihnen: So
spricht Gott, der Herr: Stell einen Topf auf die Kochstelle, und gieß Wasser
hinein!
Hes 24,4 Füll ihn mit dem besten Fleisch, mit Stücken von Lende und Schulter,
und gib Knochen voller Mark dazu!
Hes 24,5 Nimm nur die besten deiner Schafe. Unter dem Topf schichte Holz auf,
lass die Fleischstücke garen, zusammen mit den besten Knochen!
Hes 24,6 Ich, der Herr, sage: Lass dich warnen, du Stadt voller Bluttaten! Du
bist ein Topf mit Rost, der nicht mehr abgeht! Wahllos wird das Fleisch aus dir
herausgefischt, Stück für Stück, nichts bleibt zurück.
Hes 24,7 Zum Himmel schreit das Blut, das deine Einwohner vergossen haben, und
niemand in Jerusalem versuchte es zu sühnen.
Hes 24,8 Ich selbst habe dafür gesorgt, dass das Blut ungesühnt bleibt und zum
Himmel schreit. Denn daran soll sich mein Zorn entzünden, ich werde Rache
nehmen.
Hes 24,9 Ich, der Herr, sage dir: Es wird dir schlecht ergehen, du Stadt voller
Bluttaten! Auch ich schichte einen großen Holzstoß unter dir auf.
Hes 24,10 Ja, bringt große Mengen Holz herbei! Zündet das Feuer an, kocht das
Fleisch, bis die Brühe verdampft ist und die Knochen verkohlen!
Hes 24,11 Stellt den leeren Topf auf das Feuer, damit das Metall heiß wird und
glüht, ja, damit der ganze Rost wegschmilzt, der ihn beschmutzt!
Hes 24,12 Vergebliche Mühe! Selbst im Feuer geht der Rost nicht ab!
Hes 24,13 Jerusalem, durch dein schamloses Treiben hast du dich unrein gemacht,
und selbst als ich dich reinigen wollte, bliebst du lieber, wie du warst. Darum
wirst du nicht eher wieder rein werden, bis ich meinen Zorn an dir ausgelassen
habe!
Hes 24,14 Das schwöre ich, der Herr, und ich werde es auch tun. Ich sehe nicht
länger tatenlos zu. Keine Träne werde ich um dich vergießen, kein Mitleid mit
dir haben. Ich ziehe dich zur Rechenschaft für das, was du getan hast. Mein Wort
gilt!«
Hes 24,15 Weiter sprach der Herr zu mir:
Hes 24,16 »Sterblicher Mensch, ich werde dir durch einen plötzlichen Tod
wegnehmen, was du am meisten liebst: deine Frau. Doch du sollst nicht in lautes
Klagen ausbrechen und nicht weinen. Keine Träne sollst du vergießen!
Hes 24,17 Nur heimlich darfst du stöhnen, aber keine Totenklage für sie halten!
Lass dir deine Trauer nicht anmerken: Reiß dir nicht das Stirnband vom Kopf, und
zieh auch deine Sandalen nicht aus! Verhüll nicht dein Gesicht, und nimm keine
Trauermahlzeit ein!«
Hes 24,18 Noch am selben Abend starb meine Frau, und am nächsten Morgen verhielt
ich mich so, wie der Herr es mir befohlen hatte.
Hes 24,19 Da fragten mich die Leute: »Was hat dein seltsames Verhalten zu
bedeuten? Willst du es uns nicht erklären?«
Hes 24,20 Ich antwortete: »Der Herr hat mir befohlen,
Hes 24,21 euch Israeliten diese Botschaft weiterzugeben: So spricht Gott, der
Herr: Ihr seid stolz auf den Schutz, den euer Tempel euch bietet, ihr freut euch
über ihn und sehnt euch nach ihm zurück. Doch ich werde dafür sorgen, dass er
entweiht und zerstört wird. Eure Söhne und Töchter, die ihr in Jerusalem
zurückgelassen habt, fallen durchs Schwert.
Hes 24,22 Dann werdet ihr euch genauso verhalten wie Hesekiel. Euer Gesicht
werdet ihr nicht verhüllen und keine Trauermahlzeit zu euch nehmen.
Hes 24,23 Eure Stirnbänder und Sandalen werdet ihr anbehalten. Kein lautes
Klagen und Weinen wird man von euch hören. Vor Trauer über eure Sünden geht ihr
zugrunde, ihr könnt nur noch seufzen und stöhnen.
Hes 24,24 Hesekiel ist ein Mahnzeichen für euch. Es wird euch genauso gehen wie
ihm. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 24,25 Weiter sprach der Herr zu mir: »Sterblicher Mensch, ich werde den
Israeliten ihren Tempel entreißen, ihren Zufluchtsort, der ihr ganzer Stolz und
ihre ganze Freude ist. Ja, sie freuen sich über ihn und sehnen sich nach ihm
zurück. Doch ich werde ihn zerstören, und auch ihre Söhne und Töchter lasse ich
umkommen.
Hes 24,26 An jenem Tag wird ein Flüchtling, der überlebt hat, zu dir kommen und
dir davon berichten.
Hes 24,27 Wenn er bei dir eintrifft, wirst du wieder reden können. Du wirst mit
ihm sprechen und nicht länger stumm sein. So wirst du zu einem Mahnzeichen für
die Israeliten, damit sie erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 25,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 25,2 »Sterblicher Mensch, blick in die Richtung, wo die Ammoniter leben, und
kündige ihnen mein Gericht an!
Hes 25,3 Ruf ihnen zu: Hört, was Gott, der Herr, euch zu sagen hat: Ihr seid
voller Schadenfreude über mein entweihtes Heiligtum. Ihr verhöhnt Israel, weil
es verwüstet wurde, und lacht über die Judäer, die in der Verbannung leben.
Hes 25,4 Darum gebe ich euer Land den Stämmen aus dem Osten. Sie werden ihre
Zelte bei euch aufschlagen und ihre Siedlungen in eurem Land errichten. Sie
werden eure Früchte essen und eure Milch trinken.
Hes 25,5 Die Stadt Rabba mache ich zum Weideplatz für Kamele und alle eure
Siedlungen zum Lager für Schafe und Ziegen. Dann werdet ihr erkennen, dass ich
der Herr bin.
Hes 25,6 Hämisch lachend habt ihr zugesehen, wie Israel verwüstet wurde, vor
Schadenfreude habt ihr Luftsprünge gemacht und in die Hände geklatscht.
Hes 25,7 Darum erhebe ich drohend meine Hand, um euch zu strafen. Euer Land gebe
ich anderen Völkern als Beute, sie werden es plündern und verwüsten. Ich rotte
euer Volk aus - ihr sollt kein eigenes Land mehr besitzen. Dann werdet ihr
erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 25,8 So spricht Gott, der Herr: »Die Moabiter spotten und sagen: ›Seht doch,
das Volk Israel hat den anderen Völkern nichts voraus!‹
Hes 25,9 Darum werde ich die Berghänge der Moabiter leer fegen, indem ich die
Städte dort zerstöre. Ja, im ganzen Land wird es keine einzige Siedlung mehr
geben. Ich vernichte die Städte, die der Stolz der Moabiter waren:
Bet-Jeschimot, Baal-Meon und Kirjatajim.
Hes 25,10 Ihr Land gebe ich zusammen mit dem Land der Ammoniter den Stämmen aus
dem Osten. Die Ammoniter sollen bei allen Völkern vergessen sein,
Hes 25,11 und auch die Moabiter bekommen meine Strafe zu spüren. Dann werden sie
erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 25,12 So spricht Gott, der Herr: »Die Edomiter haben sich grausam an den
Judäern gerächt und große Schuld auf sich geladen.
Hes 25,13 Darum erhebe ich drohend meine Hand, um die Edomiter zu strafen.
Mensch und Vieh werde ich ausrotten, mit dem Schwert sollen sie niedergemetzelt
werden. Von Teman bis nach Dedan mache ich das Land zu einem Trümmerfeld.
Hes 25,14 Ich lasse mein Volk Israel an den Edomitern Rache nehmen, damit sie
meinen grimmigen Zorn zu spüren bekommen. Dann werden die Edomiter erkennen,
dass ich, der Herr, mich an ihnen gerächt habe. Darauf gebe ich mein Wort.«
Hes 25,15 So spricht Gott, der Herr: »Auch die Philister haben sich grausam an
meinem Volk gerächt. Voller Hass und Verachtung wollten sie ihre Erzfeinde
vernichten.
Hes 25,16 Darum erhebe ich drohend meine Hand, um die Philister zu strafen. Alle
Stämme, die in ihrem Land leben, rotte ich aus - auch die entlang der Küste.
Hes 25,17 Ich werde sie hart bestrafen und mich grausam rächen. Wenn ich Rache
nehme, werden sie erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 26,1 Im 11. Jahr unserer Verbannung, am 1. Tag des Monats, sprach der Herr
zu mir:
Hes 26,2 »Sterblicher Mensch, die Einwohner der Handelsstadt Tyrus verhöhnen
Jerusalem und rufen: ›Haha, das Tor zu den Völkern ist zerbrochen! Nun sind wir
die Herren, wir werden reich und bedeutend sein, denn Jerusalem ist nur noch ein
Trümmerhaufen!‹
Hes 26,3 Darum sage ich, der Herr: Jetzt rechne ich mit dir ab, Tyrus! Viele
Völker lasse ich gegen dich heranrücken, unaufhaltsam wie Meereswogen.
Hes 26,4 Sie zerstören deine Stadtmauern und reißen deine Türme ab. Ich fege das
Erdreich weg, bis nur noch der nackte Fels aus dem Meer ragt.
Hes 26,5 Du sollst ein unbewohnter Felsen werden, auf dem die Fischer ihre Netze
zum Trocknen auslegen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort. Feindliche Völker
plündern dich,
Hes 26,6 und mit ihren Schwertern bringen sie alle Einwohner deiner
Tochterstädte auf dem Festland um. Dann wirst du erkennen, dass ich der Herr
bin.
Hes 26,7 Ich lasse Nebukadnezar, den König von Babylonien, den größten aller
Herrscher, gegen dich kämpfen. Aus dem Norden wird er dich mit einem gewaltigen
Heer überfallen, mit einem großen Aufgebot an Pferden und Streitwagen.
Hes 26,8 Die Einwohner deiner Tochterstädte auf dem Festland tötet er mit dem
Schwert. Gegen deine Mauern schüttet er einen Wall auf, er baut Angriffsrampen
und errichtet Schutzdächer für sein Heer.
Hes 26,9 Seine Soldaten rennen mit ihren Rammböcken gegen deine Mauern an und
bringen sie zum Einstürzen, deine Türme reißen sie mit eisernen Werkzeugen
nieder.
Hes 26,10 Wenn sie auf ihren Pferden herangaloppieren, werden Staubwolken dich
bedecken. Deine Mauern erzittern vom Lärm der Reiter und Streitwagen, die durch
deine aufgebrochenen Tore hereinstürmen.
Hes 26,11 Die Pferde zertrampeln den Boden in deinen Gassen, die Reiter metzeln
alle deine Einwohner mit ihren Schwertern nieder. Die Steinsäulen, die du
verehrt hast und die dich schützen sollten, versinken in den Trümmern.
Hes 26,12 Die Feinde plündern deine Schätze und deine Handelsgüter. Sie brechen
deine Mauern ab und reißen deine prächtigen Häuser nieder. Die Steine, die
Balken und den ganzen Schutt werfen sie ins Meer.
Hes 26,13 Ich sorge dafür, dass deine lauten Lieder verstummen, und auch vom
Harfenspiel hört man nichts mehr.
Hes 26,14 Ich mache dich zu einem kahlen Felsen, auf dem die Fischer ihre Netze
zum Trocknen auslegen. Nie wieder sollst du aufgebaut werden! Darauf gebe ich,
der Herr, mein Wort, und ich werde es halten.
Hes 26,15 Die Inseln erbeben, wenn du mit lautem Getöse zusammenfällst. Ihre
Bewohner zittern, wenn sie die Schlachtrufe der Mörder und das Stöhnen der
Sterbenden hören.
Hes 26,16 Die Herrscher der Küstenvölker steigen von ihrem Thron herunter. Sie
legen ihre prächtigen Mäntel und ihre bunten Gewänder ab. Der Schreck lässt sie
nicht los, sie kauern voller Entsetzen auf der Erde und hören nicht mehr auf zu
zittern.
Hes 26,17 Dann stimmen sie ein Klagelied über dich an und singen: ›Ach, nun
liegst du in Trümmern, Festung an der Küste, ruhmreiche Stadt! Das Meer gehörte
dir, deine Nachbarn mussten sich vor dir fürchten.
Hes 26,18 Auf den Inseln ringsum herrscht Entsetzen, alle zittern vor Schreck
über dein grausames Ende.‹
Hes 26,19 Ich, der Herr, kündige dir an: Ich lege dich in Trümmer, es soll dir
nicht besser gehen als anderen Städten, die zerstört und verlassen sind. Aus den
Tiefen der Meere lasse ich Wasser heraufsteigen, und die Fluten werden dich
bedecken.
Hes 26,20 Ich stoße dich hinunter zu denen, die ins Grab gesunken sind, zu den
Völkern, die in grauer Vorzeit lebten. In den Tiefen unter der Erde musst du
hausen, mitten in den Ruinen aus längst vergangener Zeit. Dort im Totenreich
sollst du bleiben. Denn nie wieder wirst du bewohnt sein, nie wieder Macht
besitzen in der Welt der Lebenden.
Hes 26,21 Ja, ich bereite dir ein schreckliches Ende. Es wird dich nicht mehr
geben, und wer dich sucht, wird dich nie wieder finden. Darauf gebe ich, der
Herr, mein Wort.«
Hes 27,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 27,2 »Sterblicher Mensch, stimm ein Klagelied über Tyrus an!
Hes 27,3 Sag zu der Stadt, die den Zugang zum Meer beherrscht und mit vielen
Küstenvölkern Handel treibt: So spricht der Herr: Tyrus, du behauptest, ein
Schiff von vollendeter Schönheit zu sein.
Hes 27,4 Das Meer ist dein Zuhause, und die Schiffsbauer haben dich schön
gestaltet:
Hes 27,5 Deine Planken bauten sie mit Wacholderholz vom Hermon, den Mast
fertigten sie aus Zedern vom Libanon an.
Hes 27,6 Für deine Ruder nahmen sie Eichen aus Baschan, das Deck bauten sie mit
Zypressenholz aus Zypern und verkleideten es mit Elfenbein.
Hes 27,7 Aus Ägypten kam das Leinen für die Segel, die bunten Farben leuchteten
weithin. Für das Sonnensegel wurde violetter und roter Purpur aus Elischa
verwendet.
Hes 27,8 Die Bewohner von Sidon und Arwad waren deine Ruderer, weise Männer aus
deiner Mitte arbeiteten als Matrosen.
Hes 27,9 Wenn man ein Leck fand, besserten es die Ältesten und Weisen aus Byblos
aus. In deinem Hafen lagen Schiffe aus vielen Meeren; in den Straßen
versammelten sich die Seeleute, um Handel zu treiben.
Hes 27,10 Söldner aus Persien, Lydien und Libyen dienten in deinem Heer, ihre
Schilde und Helme verliehen dir Glanz.
Hes 27,11 Männer aus Arwad verteidigten deine Mauern zusammen mit deinen
Soldaten, und Gammaditer bewachten deine Türme; ihre Schilde hängten sie ringsum
an deinen Mauern auf. So war deine Schönheit vollkommen.
Hes 27,12 Du warst eine reiche Stadt; viele Güter konnte man bei dir kaufen.
Tarsis bot dir dafür Silber, Eisen, Zinn und Blei.
Hes 27,13 Händler aus Griechenland, aus Tubal und Meschech kauften bei dir und
brachten dir dafür Sklaven und Gegenstände aus Kupfer.
Hes 27,14 Die Bewohner von Bet-Togarma tauschten deine Waren gegen Zugpferde,
Reitpferde und Maultiere.
Hes 27,15 Die Kaufleute von Rhodos und vielen anderen Inseln brachten dir
Elefantenzähne und Ebenholz.
Hes 27,16 Die Edomiter kauften viele deiner reichen Güter und gaben dir dafür
roten Purpur, bunte Stoffe, feines Leinen und Edelsteine.
Hes 27,17 Juda und Israel tauschten deine Waren gegen Weizen, Hirse, Honig, Öl
und duftendes Harz.
Hes 27,18 Die Bewohner von Damaskus boten dir Wein aus Helbon und Wolle aus
Zahar und bekamen dafür zahlreiche Schätze aus deinem großen Besitz.
Hes 27,19 Die Leute von Wedan und Jawan aus dem Gebiet von Usal gaben dir
Gegenstände aus Eisen sowie Zimt und andere Gewürze.
Hes 27,20 Dedan tauschte deine Waren gegen Satteldecken ein.
Hes 27,21 Die Fürsten von Arabien und Kedar gaben dir Lämmer, Schaf- und
Ziegenböcke.
Hes 27,22 Die Kaufleute von Saba und Ragma brachten dir die besten Balsamöle,
allerlei Edelsteine und Gold.
Hes 27,23 Haran, Kanne, Eden, die Händler von Saba, Assyrien und ganz Medien -
sie alle trieben Handel mit dir.
Hes 27,24 Prächtige Gewänder boten sie dir, Mäntel aus violettem Purpur, bunte
Stoffe, mehrfarbige Teppiche und gedrehte, feste Seile.
Hes 27,25 Die Handelsschiffe von Tarsis kamen in großen Flotten zu dir und
brachten deine Waren überallhin. So wurdest du immer reicher - ein wunderschönes
Schiff mitten im Meer.
Hes 27,26 Deine Ruderer fuhren mit dir über das Wasser. Doch es dauert nicht
mehr lange, da wirst du mitten auf dem Meer vom Ostwind erfasst und zerbrochen!
Hes 27,27 Alles, was dir gehört, stürzt in die Fluten: deine Waren, deine
Seeleute und Matrosen, die Männer, die deine Lecks ausbessern, deine Kaufleute
und Soldaten.
Hes 27,28 Die Küsten erzittern, wenn sie das laute Geschrei deiner Matrosen
hören.
Hes 27,29 Alle Seeleute verlassen ihre Schiffe und bleiben voller Entsetzen an
Land.
Hes 27,30 Laut schreien und klagen sie über dich, streuen sich Staub auf den
Kopf und wälzen sich in Asche.
Hes 27,31 Die Haare schneiden sie sich ab und hüllen sich in Trauergewänder aus
grobem Sacktuch, sie weinen heftig und halten die Totenklage über dich.
Hes 27,32 Ja, sie stimmen ein Klagelied an: ›Wer wurde jemals so zerstört wie
Tyrus, dies prachtvolle Schiff mitten im Meer?
Hes 27,33 Als deine Kaufleute über die Meere segelten, haben sie vielen Völkern
Schätze gebracht. Deine Waren und dein Besitz schenkten den Königen großen
Reichtum.
Hes 27,34 Jetzt aber bist du zerbrochen und in den Tiefen des Meeres versunken.
Deine Güter und dein ganzer Reichtum - nichts ist mehr davon zu sehen!
Hes 27,35 Die Bewohner der Küstenländer sind verstört, ihren Königen stehen die
Haare zu Berge, das Entsetzen ist ihnen ins Gesicht geschrieben.
Hes 27,36 Völker, die vorher deine Waren kauften - sie alle verachten dich nun!
Ein Bild des Schreckens bist du geworden, es ist aus mit dir für alle Zeit.‹«
Hes 28,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 28,2 »Sterblicher Mensch, geh zum Fürsten von Tyrus, und richte ihm aus: Du
bist hochmütig und behauptest voller Stolz: ›Ich bin Gott und wohne wie ein Gott
auf meiner Insel mitten im Meer!‹ Doch auch wenn du dich selbst für einen Gott
hältst, bist du nur ein Mensch!
Hes 28,3 Zwar bist du weiser als Daniel, kein Geheimnis ist zu dunkel für dich.
Hes 28,4 Weisheit und Verstand haben dich sehr reich gemacht, deine
Schatzkammern sind voll mit Silber und Gold.
Hes 28,5 Durch kluge Geschäfte hast du deinen Besitz immer weiter vergrößert.
Doch all dies hat dich stolz und überheblich gemacht,
Hes 28,6 und nun glaubst du, genauso zu sein wie Gott. Darum sage ich, der Herr:
Hes 28,7 Die grausamsten Völker lasse ich über dich herfallen. Mit ihren
Schwertern werden sie deine ganze Pracht zerstören, alles, was du mit deiner
Weisheit erworben hast.
Hes 28,8 Sie werden dich töten, und das Meer wird dein Grab sein.
Hes 28,9 Wenn du deinen Mördern gegenüberstehst, wirst du dann immer noch
behaupten, Gott zu sein? Nein, im Angesicht des Todes wirst du merken, dass du
nur ein vergänglicher Mensch bist!
Hes 28,10 Durch die Hand von Fremden wirst du sterben wie ein unbeschnittener
Heide. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Hes 28,11 Weiter sprach der Herr zu mir:
Hes 28,12 »Sterblicher Mensch, stimm ein Klagelied an über das Unglück, das den
König von Tyrus erwartet! Richte ihm aus, was ich, der Herr, sage: Tyrus, deine
Schönheit war beispiellos, deine Weisheit vollkommen.
Hes 28,13 Du lebtest in Eden, dem Garten Gottes, und trugst Edelsteine jeder
Art: Beryll, Topas und Jaspis, Chrysolith, Karneol und Onyx, Saphir, Rubin und
Smaragd. Deine Ohrringe und Ketten waren aus Gold geschmiedet, ich schmückte
dich mit ihnen an dem Tag, als ich dich schuf.
Hes 28,14 Auf meinem heiligen Berg ließ ich dich wohnen, ein Cherub-Engel
schützte dich mit ausgebreiteten Flügeln, zwischen feurigen Steinen gingst du
umher.
Hes 28,15 Seit ich dich geschaffen habe, hast du getan, was gut und richtig ist,
doch nun bist du schuldig geworden.
Hes 28,16 Dein Handel blühte, und der Erfolg verführte dich zu üblen
Machenschaften und Gewalttaten. Darum vertrieb ich dich von meinem Berg, und der
Cherub-Engel stieß dich von den feurigen Steinen fort in den Untergang.
Hes 28,17 Deine Schönheit ist dir zu Kopf gestiegen, deine prachtvolle
Erscheinung ließ dich handeln wie ein Narr. Darum habe ich dich zu Boden
geworfen, ich habe dich erniedrigt vor den Augen anderer Könige; voller
Verachtung blicken sie auf dich herab.
Hes 28,18 Durch betrügerischen Handel hast du große Schuld auf dich geladen und
deine Heiligtümer entweiht. Darum ließ ich mitten in deiner Stadt ein Feuer
ausbrechen, das sie vollkommen niederbrannte. Wer sie jetzt sucht, findet nur
noch einen Haufen Asche.
Hes 28,19 Alle Völker, die sie kannten, sind entsetzt. Ein Bild des Schreckens
ist sie geworden, es ist aus mit ihr für alle Zeit!«
Hes 28,20 Der Herr forderte mich auf:
Hes 28,21 »Sterblicher Mensch, blick in die Richtung, wo die Stadt Sidon liegt,
und kündige ihr mein Gericht an!
Hes 28,22 Ich, der Herr, sage: Du bekommst es mit mir zu tun, Sidon! Wenn ich
Gericht über dich halte, werden alle sehen, dass ich ein heiliger Gott bin.
Überall wird man mich rühmen für das Urteil, das ich an dir vollstrecken werde.
Jeder soll erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 28,23 In deinen Häusern wird die Pest ausbrechen, und in deinen Straßen wird
Blut fließen. Von allen Seiten bedrängen dich deine Feinde, und viele deiner
Einwohner werden mit dem Schwert erstochen. Dann erkennst du, dass ich der Herr
bin.«
Hes 28,24 »Jetzt noch verachten die feindlichen Nachbarvölker die Israeliten und
fügen ihnen Schmerzen zu wie Dornen und Stacheln. In Zukunft aber werden die
Israeliten vor ihnen Ruhe haben. Dann werden sie erkennen, dass ich der Herr
bin.
Hes 28,25 Ich verspreche, sie aus allen Völkern zurückzubringen, unter die sie
jetzt noch zerstreut sind. Dann werden auch ihre Feinde sehen, dass ich der
heilige Gott bin. Mein Volk wird wieder in dem Land wohnen, das ich vor langer
Zeit meinem Diener Jakob gegeben habe.
Hes 28,26 Dann können sie wieder in Ruhe und Sicherheit leben, Häuser bauen und
Weinberge anlegen. Doch ihre Nachbarvölker, die nur Verachtung für sie übrig
hatten, werde ich richten. So wird mein Volk erkennen, dass ich, der Herr, ihr
Gott bin.«
Hes 29,1 Im 10. Jahr unserer Verbannung, am 12. Tag des 10. Monats, sprach der
Herr zu mir:
Hes 29,2 »Sterblicher Mensch, blick in die Richtung, wo der Pharao, der König
von Ägypten, lebt, und kündige ihm und ganz Ägypten mein Gericht an!
Hes 29,3 Ich, der Herr, sage ihm: Pharao, König von Ägypten, du bekommst meine
Macht zu spüren! Du gleichst einem großen Krokodil, das mitten im Nil liegt und
sagt: ›Der Fluss gehört mir, ich selbst habe ihn geschaffen.‹
Hes 29,4 Doch ich werde Haken durch deine Kinnlade schlagen und dich aus dem
Wasser ziehen mitsamt den Fischen, die sich in deinem Schuppenpanzer verfangen.
Hes 29,5 Ich schleudere euch alle in die Wüste und lasse euch im Sand liegen.
Niemand wird euch begraben, ihr werdet ein Fraß sein für die wilden Tiere und
die Vögel.
Hes 29,6 Dann werden alle Bewohner deines Landes erkennen, dass ich der Herr
bin. Ägypten, du hast die Israeliten glauben lassen, eine Stütze für sie zu
sein. Doch in Wahrheit bist du nur ein dünner Stab aus Schilfrohr:
Hes 29,7 Wenn sie sich auf dich stützen, zerbrichst du, lässt sie hinfallen und
durchbohrst ihnen die Schulter!
Hes 29,8 Darum sage ich, der Herr: Ich sorge dafür, dass deine Feinde dich
angreifen und Mensch und Vieh mit dem Schwert durchbohren.
Hes 29,9 Sie werden deine Städte in Trümmer legen und das ganze Land zu einer
menschenleeren Wüste machen. Dann wirst du erkennen, dass ich der Herr bin.
Ägypten, du behauptest: ›Der Nil gehört mir, ich selbst habe ihn geschaffen!‹
Hes 29,10 Darum bekommst du meine Macht zu spüren, und auch den Fluss trifft
mein Zorn. Das ganze Land mache ich zu einem Trümmerfeld, zu einer
menschenleeren Wüste, von Migdol im Norden bis nach Syene im Süden und bis an
die äthiopische Grenze.
Hes 29,11 Vierzig Jahre lang wird niemand diese Wüste durchqueren - weder
Menschen noch Tiere werden dort leben.
Hes 29,12 Ägypten, du wirst schlimmer verwüstet als jedes andere Land auf der
Welt. Dafür sorge ich! Vierzig Jahre lang werden deine Städte Ruinenfelder sein,
größer als die aller anderen zerstörten Städte. Ich werde deine Bewohner in alle
Länder zerstreuen.
Hes 29,13 Nach vierzig Jahren aber werde ich, der Herr, die Ägypter wieder aus
den Völkern zurückbringen, bei denen sie gelebt haben.
Hes 29,14 In Oberägypten sollen sie wohnen, wo sie ursprünglich herstammen. Dort
werden sie ein kleines Königreich bilden,
Hes 29,15 unbedeutender als alle anderen Königreiche. Ich sorge dafür, dass ihre
Zahl gering bleibt, damit sie nie mehr über andere Länder herrschen können.
Hes 29,16 Nie wieder sollen sie Israel dazu verführen, ihr Vertrauen auf Ägypten
zu setzen. Denn als Israel sich mit ihnen einließ, hat es große Schuld auf sich
geladen. Die Ägypter werden erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 29,17 Im 27. Jahr unserer Verbannung, am 1. Tag des 1. Monats, sprach der
Herr zu mir:
Hes 29,18 »Sterblicher Mensch, Nebukadnezar, der König von Babylonien, ließ
seine Soldaten hart arbeiten, als er die Stadt Tyrus belagerte. Sie mussten so
schwere Lasten schleppen, dass ihre Köpfe kahl gescheuert und ihre Schultern
zerschunden waren. Aber in Tyrus gab es weder für ihn noch für sein Heer genug
Beute als Lohn für ihre Mühe.
Hes 29,19 Darum sage ich, der Herr: Ich gebe Nebukadnezar das Land Ägypten. Er
wird die Schätze wegtragen, das Land ausplündern und reiche Beute machen, mit
der er seine Soldaten bezahlen kann.
Hes 29,20 Weil Nebukadnezar in meinem Auftrag gehandelt hat, überlasse ich ihm
Ägypten als Lohn für seine Mühe. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Hes 29,21 Wenn dies geschieht, werde ich Israel wieder neue Macht verleihen. Und
dir, Hesekiel, gebe ich den Mut, zum Volk zu sprechen. Dann werden sie erkennen,
dass ich der Herr bin.«
Hes 30,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 30,2 »Sterblicher Mensch, verkünde meine Worte, gib weiter, was ich, der
Herr, zu sagen habe: Jammert und schreit, denn es kommt ein Tag des Schreckens!
Hes 30,3 Er ist schon nah, dunkle Wolken ziehen auf, denn ich, der Herr, werde
Gericht halten über die Völker!
Hes 30,4 Mein Schwert trifft Ägypten und metzelt die Menschen dort nieder. Alle
Schätze des Landes werden geplündert und die Städte bis auf die Grundmauern
niedergerissen. Die Äthiopier zittern vor Entsetzen,
Hes 30,5 denn das Schwert durchbohrt auch die Söldner aus ihrem Land, zusammen
mit denen aus Libyen, Lydien und Kub. Mit den Ägyptern werden auch die Soldaten
des Volkes sterben, mit dem ich einen Bund geschlossen habe.
Hes 30,6 Ich, der Herr, gebe mein Wort: Alle, die Ägypten geholfen haben, werden
getötet. Dann sind der Stolz und die Macht dieses Landes gebrochen; überall
liegen die Gefallenen, von Migdol im Norden bis nach Syene im Süden.
Hes 30,7 Ägypten wird verwüstet werden wie noch nie ein Land auf der Welt, seine
Städte werden zerstört sein wie keine andere Stadt.
Hes 30,8 Wenn ich das Land niederbrenne und alle seine Helfer zerschmettere,
werden die Ägypter erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 30,9 An jenem Tag sende ich Boten in Schiffen nilaufwärts zu den Äthiopiern,
die sich so sicher fühlen. Wenn sie vom Untergang Ägyptens hören, zittern sie
vor Entsetzen. Ja, dieser Tag wird bald kommen!
Hes 30,10 Ich, der Herr, mache der Macht und dem Reichtum Ägyptens ein Ende
durch Nebukadnezar, den König von Babylonien.
Hes 30,11 Unter seinem Befehl wird sein grausames Heer das Land verwüsten und
die Menschen mit Schwertern durchbohren. Dann ist alles mit Leichen übersät.
Hes 30,12 Die Nilarme lasse ich vertrocknen, und ganz Ägypten gebe ich in die
Hand von Feinden, die kein Erbarmen kennen. Sie werden das Land und all seinen
Reichtum zerstören.
Hes 30,13 Ich, der Herr, gebe mein Wort: Ich beseitige die Götzen Ägyptens, ich
vernichte die falschen Götter von Memfis. Es wird auch keine Herrscher mehr
geben, im Land geht die Angst um.
Hes 30,14 Ich werde Oberägypten verwüsten, Zoan verbrennen und Gericht über
Theben halten.
Hes 30,15 Sin, die stärkste Festung Ägyptens, bekommt meinen Zorn zu spüren, den
ganzen Reichtum von Theben vernichte ich.
Hes 30,16 Ägypten wird ein Raub der Flammen, Sin windet sich in Krämpfen, Theben
wird erstürmt, und Memfis wird am helllichten Tag von Feinden angegriffen.
Hes 30,17 Die jungen Männer von Heliopolis und Bubastis fallen im Krieg, und die
Einwohner dieser Städte müssen in die Gefangenschaft gehen.
Hes 30,18 In Tachpanhes zerbreche ich die Kraft Ägyptens, ich bereite der Macht,
auf die das Land so stolz ist, ein Ende. Dunkle Wolken ziehen auf, die Nacht
bricht herein, und die Einwohner aller Städte werden verschleppt.
Hes 30,19 So vollstrecke ich mein Urteil an den Ägyptern, und sie werden
erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 30,20 Im 11. Jahr unserer Verbannung, am 7. Tag des 1. Monats, sprach der
Herr zu mir:
Hes 30,21 »Sterblicher Mensch, ich habe dem Pharao, dem König von Ägypten, den
Arm gebrochen. Niemand hat ihn verbunden oder in eine Schlinge gelegt, er wird
nicht heilen und nie wieder stark genug sein, ein Schwert zu halten.
Hes 30,22 Ich, der Herr, sage: Der Pharao bekommt meine Macht zu spüren! Ich
breche ihm beide Arme - den gesunden und den gebrochenen - und schlage ihm das
Schwert aus der Hand.
Hes 30,23 Die Ägypter jage ich fort und zerstreue sie in alle Länder.
Hes 30,24 Die Arme des Königs von Babylonien aber mache ich stark und gebe ihm
mein Schwert in die Hand. Mit gebrochenen Armen wird der Pharao sich vor seinem
Feind winden und stöhnen wie ein tödlich Verwundeter.
Hes 30,25 Ja, ich breche seine Macht, den König von Babylonien aber mache ich
stark. Wenn ich mein Schwert in seine Hand gebe und er Ägypten damit schlägt,
dann werden die Menschen dort erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 30,26 In alle Himmelsrichtungen werde ich die Ägypter zerstreuen, damit sie
mich als Herrn achten.«
Hes 31,1 Im 11. Jahr unserer Verbannung, am 1. Tag des 3. Monats, sprach der
Herr zu mir:
Hes 31,2 »Sterblicher Mensch, sag zum Pharao, dem König von Ägypten, und zu
seinem ganzen Volk: Groß ist deine Macht, womit kann ich dich vergleichen?
Hes 31,3 Eine Zypresse bist du, eine Zeder auf dem Libanon. Ihre schönen Zweige
spenden Schatten; hoch ist sie gewachsen, ihr Wipfel ragt bis in die Wolken
empor.
Hes 31,4 Das Erdreich versorgt sie mit Wasser, das Meer in der Tiefe lässt sie
in die Höhe wachsen; es speist auch die Quellen, die überall im Wald entspringen
und die Bäume bewässern.
Hes 31,5 Weil sie so viel Wasser hat, ist sie größer als alle anderen Bäume; sie
besitzt eine prächtige Krone mit vielen langen Ästen.
Hes 31,6 In ihren Zweigen nisten die Vögel, in ihrem Schutz werfen die wilden
Tiere ihre Jungen, in ihrem Schatten wohnen viele Völker.
Hes 31,7 Sie ist ein wunderschöner Baum, hoch gewachsen und mit langen Zweigen,
denn ihre Wurzeln bekommen reichlich Wasser.
Hes 31,8 Keine Zeder ist so schön wie sie, keine Zypresse oder Platane hat so
mächtige Äste, selbst die Bäume in meinem Garten halten einem Vergleich mit ihr
nicht stand.
Hes 31,9 Ich, der Herr, habe sie schön gemacht und ihr viele Zweige gegeben.
Alle Bäume in Eden blicken voller Neid zu ihr auf.
Hes 31,10 Doch weil sie so hoch gewachsen ist und ihr Wipfel bis in die Wolken
ragt, ist sie stolz und überheblich geworden. Darum sage ich, der Herr:
Hes 31,11 Ich gebe sie in die Gewalt des mächtigsten aller Könige; er wird sie
so behandeln, wie sie es verdient hat. Sie wollte von mir nichts mehr wissen,
und so wende auch ich mich von ihr ab.
Hes 31,12 Die grausamsten Völker werden sie fällen und zu Boden werfen. Ihre
Zweige fallen auf die Berge und in die Täler, ihre Äste zerbrechen und bleiben
in den Schluchten liegen. Die Völker, die in ihrem Schatten gewohnt haben,
ziehen fort und lassen sie im Stich.
Hes 31,13 Auf ihrem gefällten Stamm sitzen die Vögel, die wilden Tiere hausen
zwischen ihren toten Ästen.
Hes 31,14 In Zukunft soll kein Baum, der am Wasser steht, wieder so hoch
wachsen, keiner soll seinen Wipfel bis in die Wolken strecken und sich über
andere erheben. Jeder hohe Baum wird gefällt, er muss hinunter in die Totenwelt,
genau wie die Menschen.
Hes 31,15 Wenn ich, der Herr, die Zeder in die Totenwelt hinabstürze, trauert
das Meer in der Tiefe, die Flüsse fließen nicht mehr, und die Quellen versiegen.
Ich sorge dafür, dass der Libanon sich in Trauer hüllt und die Bäume im Wald
zittern und beben.
Hes 31,16 Wenn sie dorthin fällt, wo die Toten ruhen, gibt es ein solches
Getöse, dass die Völker erschrecken. Die Bäume aus meinem Garten und die besten,
gut bewässerten Bäume des Libanon erwarten sie schon und freuen sich über ihren
Sturz.
Hes 31,17 Denn sie sind schon dort angekommen, zusammen mit den Menschen, die im
Krieg gefallen sind. Alle, die im Schatten der Zeder gewohnt haben, sind bereits
in der Totenwelt versammelt.
Hes 31,18 Ägypten, noch bist du groß und wunderschön, kein Baum im Garten Eden
hält einem Vergleich mit dir stand. Doch zusammen mit den anderen Bäumen wirst
du hinabstürzen ins Totenreich. Dort liegst du mitten unter den unbeschnittenen
Heiden, die im Krieg gefallen sind. Ja, so wird es dem Pharao und seinem ganzen
Volk ergehen! Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Hes 32,1 Im 12. Jahr unserer Verbannung, am 1. Tag des 12. Monats, sprach der
Herr zu mir:
Hes 32,2 »Sterblicher Mensch, stimm ein Klagelied an über den Pharao, den König
von Ägypten. Richte ihm aus: Du denkst, du bist so stark wie ein junger Löwe,
mächtiger als alle Völker. Doch du gleichst eher einem Krokodil im großen Fluss!
Du bläst ins Wasser, dass es sprudelt, und mit deinen Füßen wühlst du es auf,
ja, jeden Fluss lässt du trüb werden.
Hes 32,3 Aber ich, der Herr, schicke viele Völker zu dir. Sie werden dich mit
einem Netz fangen und aus dem Wasser ziehen.
Hes 32,4 Dann schleudere ich dich aufs freie Feld; die Vögel sollen sich auf dir
niederlassen und die wilden Tiere dich zerreißen.
Hes 32,5 Deine Leiche wird die Berge bedecken und die Täler ausfüllen,
Hes 32,6 dein Blut wird von den Bergen herunterfließen, das Land tränken und die
Flüsse anschwellen lassen.
Hes 32,7 Wenn ich dich vernichte, werde ich den Himmel verfinstern und die
Sterne auslöschen. Schwarze Wolken verdunkeln dann die Sonne, und der Mond
scheint nicht mehr.
Hes 32,8 Ja, alle Lichter am Himmel lösche ich aus, deinetwegen bringe ich
Finsternis über das ganze Land. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Hes 32,9 Die Nachricht über deinen Untergang lasse ich in Ländern bekannt
werden, von denen du noch nie etwas gehört hast. Viele Völker packt das
Entsetzen.
Hes 32,10 Mein Gericht über dich jagt ihnen Angst und Schrecken ein. Wenn ich
mein Schwert schwinge, stehen den Königen die Haare zu Berge. Dein Schicksal
erschreckt sie so, dass sie um ihr eigenes Leben fürchten.
Hes 32,11 Ich, der Herr, sage dir: Das Schwert des babylonischen Königs wird
dich treffen.
Hes 32,12 Die grausamsten Völker fallen über dich her, töten die Bewohner deines
Landes und zerstören deinen ganzen Reichtum. Dann hat dein Hochmut ein Ende.
Hes 32,13 An jeder Wasserstelle töte ich dein Vieh. So können in Zukunft weder
Mensch noch Tier das Wasser verschmutzen.
Hes 32,14 Ich sorge dafür, dass deine Gewässer sauber sind und der Nil ruhig
dahinfließt. Darauf kannst du dich verlassen!
Hes 32,15 Wenn ich dein Land zu einer menschenleeren Wüste mache und seiner
Schönheit beraube, wenn ich alle seine Bewohner strafe, dann werden sie
erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 32,16 Dies ist ein Trauerlied, und in allen Völkern werden die Frauen es
singen, um das Schicksal des reichen und mächtigen Ägypten zu beklagen. Darauf
gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Hes 32,17 Im 12. Jahr unserer Verbannung, am 15. Tag des Monats, sprach der Herr
zu mir:
Hes 32,18 »Sterblicher Mensch, halte die Totenklage über Ägypten und seine ganze
Pracht! Schick das Land hinunter ins Totenreich, wo schon andere mächtige Völker
hausen!
Hes 32,19 Sag zu Ägypten: Deine ganze Pracht - wo ist sie geblieben? Was hast du
anderen Völkern jetzt noch voraus? Du musst hinunter ins Totenreich, mitten
unter die unbeschnittenen Heiden!
Hes 32,20 Ja, die Ägypter werden vernichtet wie all die anderen, die im Krieg
gefallen sind. Das Schwert ist schon gezückt! Bringt das ganze ägyptische Volk
herbei!
Hes 32,21 Im Reich der Toten warten schon große Herrscher auf sie, um sie und
ihre Helfer zu verspotten: ›Nun seid auch ihr hier angekommen, nun haust ihr
unter den unbeschnittenen Heiden - wie alle, die im Kampf getötet wurden!‹
Hes 32,22 Auch der König von Assyrien ruht dort unten mit seinem ganzen Volk;
sie alle sind im Krieg umgekommen.
Hes 32,23 Ihre Gräber liegen an der tiefsten Stelle der Totenwelt, rund um das
Grab ihres Königs. Einst haben sie den Lebenden Angst und Schrecken eingejagt,
doch nun hat das Schwert sie durchbohrt.
Hes 32,24 [24/25] Auch der König von Elam liegt im Reich der Toten, und sein
Volk ruht rings um sein Grab. Im Krieg sind sie getötet worden und dann in die
Totenwelt gekommen. Da liegen sie nun, diese unbeschnittenen Heiden! Früher
haben sie andere Völker eingeschüchtert, doch nun ruhen sie dort unten, ihr
König in der Mitte und sie rund um sein Grab. Nun tragen auch sie die Schande,
im Krieg gefallen zu sein.
Hes 32,26 Auch der Herrscher von Meschech-Tubal wartet dort unten, zusammen mit
seinem ganzen Volk. Sie sind mit dem Schwert erstochen worden, und nun liegen
diese unbeschnittenen Heiden im Reich der Toten. Einst haben sie die Lebenden in
Angst und Schrecken versetzt, doch jetzt ruhen sie rund um das Grab ihres
Königs.
Hes 32,27 Sie wurden nicht ehrenvoll bestattet wie die Helden aus vergangenen
Zeiten, die mit all ihren Waffen in die Totenwelt kamen, die mit ihrem Schwert
unter dem Kopf und von ihrem Schild bedeckt begraben wurden. Einst waren diese
Helden von allen gefürchtet.
Hes 32,28 Auch du, Ägypten, wirst nun zerschmettert und musst hinunter zu den
Heiden, die im Krieg gefallen sind.
Hes 32,29 Der König und die Fürsten von Edom erwarten dich. Zu Lebzeiten waren
sie mutige und kampferprobte Männer. Doch nun ruhen auch sie in der Welt der
Toten bei den unbeschnittenen Heiden, die im Krieg gefallen sind.
Hes 32,30 Auch die Könige aus dem Norden und die Phönizier begrüßen dich. Einst
haben sie anderen Völkern große Angst eingejagt, weil sie unerschrockene
Soldaten waren. Nun ruhen diese unbeschnittenen Heiden unter den Gefallenen und
tragen die Schande, besiegt und getötet worden zu sein.
Hes 32,31 All diesen Königen und Völkern wird der Pharao in der Totenwelt
begegnen, und das wird ihn trösten über den Untergang seines Volkes. Denn bald
fällt er im Krieg und seine Soldaten mit ihm. Darauf gebe ich, der Herr, mein
Wort.
Hes 32,32 Ich ließ es zu, dass er anderen Völkern Angst und Schrecken einjagte,
doch jetzt muss er ins Totenreich zu den unbeschnittenen Heiden, die im Krieg
ihr Leben ließen. Das ist das Ende des Pharaos und seines ganzen Volkes. Ich,
der Herr, verspreche es.«
Hes 33,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 33,2 »Sterblicher Mensch, rede zu deinem Volk, und richte ihm aus, was ich
zu sagen habe: Wenn ich in einem Land Krieg ausbrechen lasse, ernennt das Volk
gewöhnlich einen Wächter.
Hes 33,3 Er bläst das Horn und warnt die Menschen, sobald er den Feind kommen
sieht.
Hes 33,4 Wenn nun jemand das Horn hört, sich aber nicht darum kümmert, wird der
Feind ihn überraschen und töten. Er selbst ist dann schuld an seinem Tod,
Hes 33,5 denn er hat das Hornsignal nicht beachtet und muss die Folgen selbst
tragen. Lässt er sich jedoch warnen, dann rettet er sein Leben.
Hes 33,6 Nun stell dir vor, dass der Wächter den Feind kommen sieht, aber
trotzdem nicht das Horn bläst und das Volk nicht warnt. Wenn dann jemand
umgebracht wird, so ist dies zwar eine Strafe für seine Schuld, aber den Wächter
werde ich für seinen Tod zur Verantwortung ziehen.
Hes 33,7 Dich, sterblicher Mensch, habe ich zum Wächter für das Volk Israel
bestimmt. Du sollst meine Botschaft an die Menschen weitergeben und sie warnen.
Hes 33,8 Wenn ich einem Menschen, der sich von mir abgewandt hat, den Tod
androhe, dann sollst du ihn warnen und zur Umkehr bewegen. Tust du dies nicht,
dann wird er sterben wegen seiner Schuld, aber dich ziehe ich für seinen Tod zur
Verantwortung.
Hes 33,9 Wenn er sich jedoch nicht von seinen falschen Wegen abbringen lässt,
obwohl du ihn gewarnt hast, dann wird er wegen seiner Schuld sterben. Du aber
hast dein Leben gerettet.«
Hes 33,10 »Sterblicher Mensch, sprich zu den Israeliten: Ihr klagt: ›Wir haben
Gott den Rücken gekehrt, unsere Schuld lastet schwer auf uns. Wir siechen dahin.
Wie sollen wir jetzt noch weiterleben?‹
Hes 33,11 Doch ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Ich habe keine Freude
daran, dass der Gottlose sterben muss. Nein, ich freue mich, wenn er von seinen
falschen Wegen umkehrt und am Leben bleibt. Kehrt um, verlasst die alten Wege!
Ihr Israeliten, warum wollt ihr sterben?
Hes 33,12 Weiter sollst du, sterblicher Mensch, ihnen sagen: Wenn jemand mir
treu gewesen ist und sich nun von mir abwendet, so wird seine frühere Treue ihn
nicht retten. Und wenn ein Mensch, der von mir nichts wissen wollte, von seinen
falschen Wegen umkehrt, wird er nicht zu Fall kommen.
Hes 33,13 Wenn jemand mir gehorcht und ich ihm ein langes Leben verspreche, wenn
er dann in falscher Sicherheit glaubt, Unrecht tun zu können, dann soll alles
Gute, was er bisher getan hat, vor mir nichts mehr gelten. Weil er Schuld auf
sich geladen hat, wird er sterben.
Hes 33,14 Wenn ich einem Menschen, der mich verachtet, den Tod androhe, und er
wendet sich ab von dem, was er bisher getan hat, wenn er nun für Recht und
Gerechtigkeit eintritt,
Hes 33,15 seinem Schuldner das Pfand zurückgibt, erstattet, was er gestohlen
hat, und kein Unrecht mehr begeht, sondern die Gebote befolgt, die zum Leben
führen - dann muss er nicht sterben.
Hes 33,16 Die Schuld, die er früher auf sich geladen hat, rechne ich ihm nicht
mehr an. Weil er nun für Recht und Gerechtigkeit eintritt, wird er am Leben
bleiben.
Hes 33,17 Ihr Israeliten aber sagt: ›Was der Herr tut, ist nicht gerecht!‹ Dabei
seid ihr es, die Unrecht begehen!
Hes 33,18 Wenn ein Mensch, der mir gedient hat, von mir nichts mehr wissen will,
dann muss er sterben.
Hes 33,19 Wenn ein Mensch, der mich verachtet hat, sich von seinem gottlosen
Leben abwendet und von nun an für Recht und Gerechtigkeit eintritt, dann rettet
er sein Leben.
Hes 33,20 Und da behauptet ihr Israeliten: ›Der Herr handelt nicht gerecht!‹ Ich
gehe mit euch ins Gericht, ihr vom Volk Israel, ich spreche jedem Einzelnen das
Urteil, das er verdient hat.«
Hes 33,21 Im 12. Jahr unserer Verbannung, am 5. Tag des 10. Monats, kam ein Mann
zu mir, der aus Jerusalem geflohen war, und sagte: »Jerusalem ist erobert
worden!«
Hes 33,22 Am Abend vorher hatte der Herr seine Hand auf mich gelegt, so dass ich
nicht mehr sprechen konnte. Als nun der Mann am Morgen bei mir ankam, gab der
Herr mir die Sprache zurück. Meine Zunge wurde gelöst, und ich konnte wieder
reden.
Hes 33,23 Der Herr sprach zu mir:
Hes 33,24 »Sterblicher Mensch, die Leute in den zerstörten Städten Israels
sagen: ›Abraham war nur ein Einzelner, und doch gab Gott ihm unser Land zum
Besitz. Wir aber sind viele, darum wird uns das Land erst recht gehören!‹
Hes 33,25 Richte ihnen diese Botschaft von mir aus: Ihr esst Fleisch, das nicht
ausgeblutet ist, ihr betet Götzen an und bringt andere Menschen um. Und da
behauptet ihr, das Land würde euch gehören?
Hes 33,26 Ihr vertraut auf eure Waffen und tut, was ich verabscheue. Ihr geht
mit den Frauen anderer Männer ins Bett. Und ausgerechnet euch sollte ich das
Land geben?
Hes 33,27 Nein! Ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Alle, die in den
zerstörten Städten wohnen, werden mit dem Schwert getötet. Wer auf dem Land
lebt, den werden die wilden Tiere zerreißen und fressen. Wer in Bergfestungen
und Höhlen geflohen ist, der stirbt an der Pest.
Hes 33,28 Ich mache das Land zu einer menschenleeren Wüste, vor der es den
Leuten graut. Eure Macht, auf die ihr so stolz seid, wird ein Ende haben. Die
Berge Israels werden zur Wildnis, durch die niemand mehr zu gehen wagt.
Hes 33,29 Weil ihr tut, was ich verabscheue, verwandle ich euer Land in eine
trostlose, schreckliche Wüste. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 33,30 »Sterblicher Mensch, die Israeliten reden über dich, wenn sie bei
ihren Häusern zusammenstehen. Sie fordern einander auf: ›Kommt, lasst uns zum
Propheten gehen und hören, was der Herr ihm mitgeteilt hat!‹
Hes 33,31 Dann kommen sie in großen Scharen, setzen sich vor dich hin und hören,
was du ihnen sagst. Doch sie richten sich nicht danach. Sie tun so, als würden
sie deine Worte begierig aufnehmen, aber insgeheim sind sie nur auf unrechten
Gewinn aus.
Hes 33,32 Du bist für sie wie einer, der Liebeslieder singt, eine schöne Stimme
hat und gut auf der Harfe spielt. Sie hören deine Botschaft, aber sie handeln
nicht danach.
Hes 33,33 Doch wenn eintrifft, was du ihnen angekündigt hast - und es wird ganz
sicher eintreffen -, dann erkennen sie, dass ein Prophet unter ihnen gelebt
hat.«
Hes 34,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 34,2 »Sterblicher Mensch, richte den führenden Männern Israels diese
Botschaft aus! So spricht Gott, der Herr: Lasst euch warnen, ihr Führer Israels!
Ihr solltet für mein Volk wie Hirten sein, die ihre Herde auf eine gute Weide
führen. Aber ihr sorgt nur für euch selbst.
Hes 34,3 Ihr trinkt die Milch der Schafe, aus ihrer Wolle webt ihr euch
Kleidung, und die fetten Tiere schlachtet ihr. Aber um eure Herde kümmert ihr
euch nicht!
Hes 34,4 Die schwachen Tiere füttert ihr nicht, die kranken pflegt ihr nicht
gesund; wenn sich ein Tier ein Bein bricht, verbindet ihr es nicht. Hat sich ein
Schaf von der Herde entfernt, holt ihr es nicht zurück; und wenn eines verloren
gegangen ist, macht ihr euch nicht auf die Suche. Stattdessen herrscht ihr mit
Härte und Gewalt.
Hes 34,5 Weil die Schafe keinen Hirten hatten, liefen sie auseinander und wurden
von wilden Tieren zerrissen.
Hes 34,6 Viele zogen über die hohen Hügel und Berge. Nun sind sie über das ganze
Land verstreut, niemand sucht nach ihnen und kümmert sich um sie.
Hes 34,7 Darum, ihr Hirten, hört meine Botschaft:
Hes 34,8 Ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Ihr hättet besser auf mich
gehört! Meine Schafe wurden geraubt und von wilden Tieren zerrissen, weil kein
Hirte für sie sorgte. Anstatt euch um die Herde zu kümmern, habt ihr nur an euch
selbst gedacht.
Hes 34,9 Darum hört meine Worte, ihr Hirten!
Hes 34,10 Ihr bekommt es mit mir zu tun! Ich ziehe euch zur Rechenschaft, denn
ihr tragt die Schuld, dass meine Schafe leiden. Ihr sollt nicht länger ihre
Hirten sein. Ich lasse nicht mehr zu, dass ihr nur für euch selbst sorgt; ich
rette die Schafe aus euren Klauen, damit ihr sie nicht mehr auffressen könnt!«
Hes 34,11 So spricht Gott, der Herr: »Von nun an will ich mich selbst um meine
Schafe kümmern und für sie sorgen.
Hes 34,12 Wie ein Hirte seine Herde zusammenbringt, die sich in alle Richtungen
zerstreut hat, so werde auch ich meine Schafe wieder sammeln. Von überall her
hole ich sie zurück, von allen Orten, wohin sie an jenem dunklen, schrecklichen
Tag vertrieben wurden.
Hes 34,13 Aus fremden Völkern und Ländern führe ich sie heraus und bringe sie
wieder in ihr Land. Dort lasse ich sie weiden, in den Bergen, an den Flüssen und
in den Tälern.
Hes 34,14 Ja, ich gebe ihnen gute und saftige Weideplätze in den Bergen Israels.
Hes 34,15 Ich selbst werde ihr Hirte sein, damit sie in Ruhe und Sicherheit
leben können. Das verspreche ich, der Herr.
Hes 34,16 Ich suche die verloren gegangenen Schafe und bringe alle zurück, die
sich von der Herde entfernt haben. Wenn sich eines der Tiere ein Bein bricht,
will ich es verbinden, und die kranken pflege ich gesund. Die fetten und starken
Tiere aber lasse ich nicht aus den Augen! Denn ich bin ein Hirte, der gut und
gerecht mit den Schafen umgeht.
Hes 34,17 Ihr Israeliten - ihr seid meine Schafe, und ich, der Herr, werde von
nun an dafür sorgen, dass jeder gerecht behandelt wird. Zu den starken Böcken
sage ich:
Hes 34,18 Ist es euch noch nicht genug, dass ihr die guten Weideplätze abgrast
und als Erste das klare Wasser trinkt? Müsst ihr auch noch den Rest der Wiese
zertrampeln und im Wasser mit euren Hufen den Schlamm aufwühlen?
Hes 34,19 Sollen die Schafe etwa das Gras fressen, das ihr zertrampelt habt?
Sollen sie von dem verschmutzten Wasser trinken?
Hes 34,20 Ich, der Herr, bin ein gerechter Hirte, ich richte zwischen euch
starken und den schwachen Schafen.
Hes 34,21 Ihr habt die Schwachen mit euren Schultern von der Weide gedrängt und
sie mit euren Hörnern von der Herde weggetrieben.
Hes 34,22 Doch ich rette meine Schafe vor euch und eurer rohen Gewalt. Jedes
meiner Schafe wird gerecht von mir behandelt.«
Hes 34,23 »Ich will meiner Herde einen einzigen Hirten geben. Er wird sie auf
die Weide führen und für sie sorgen wie früher mein Diener David.
Hes 34,24 Ich, der Herr, werde ihr Gott sein, und der Mann, der meinem Diener
David gleicht, wird ihr König sein. Darauf gebe ich mein Wort.
Hes 34,25 Ich schließe einen Bund mit den Israeliten und verspreche ihnen Ruhe
und Frieden. Die wilden Tiere verjage ich aus dem Land; dann können die Menschen
sogar ohne Angst in der Wüste leben und in den Wäldern schlafen.
Hes 34,26 Ich segne sie und mache das Land rund um den Tempelberg fruchtbar. Zur
rechten Zeit lasse ich Regen fallen,
Hes 34,27 damit die Bäume viele Früchte tragen und die Felder reichen Ertrag
bringen. Ja, mein Volk wird vollkommen sicher in seinem Land wohnen. Ich
zerbreche das harte Joch, das auf ihnen lastet, und rette sie aus der Gewalt
ihrer Feinde, die sie jetzt noch versklaven. Dann werden sie erkennen, dass ich
der Herr bin.
Hes 34,28 Für andere Völker sollen sie keine Beute mehr sein, und die wilden
Tiere werden sie nicht mehr zerreißen und fressen. Sie wohnen in Ruhe und
Sicherheit, niemand darf ihnen noch Angst einjagen.
Hes 34,29 Ihr Land mache ich zu einem fruchtbaren Garten, der weithin berühmt
ist. Sie müssen nicht länger hungern, und kein feindliches Volk wird sie
verspotten.
Hes 34,30 Dann werden sie erkennen, dass ich, ihr Gott, ihnen beistehe und dass
sie, die Israeliten, mein Volk sind. Mein Wort gilt!
Hes 34,31 Ja, ihr seid meine Herde, und ich bin der Herr, euer Gott; ich führe
euch auf gute Weide. Das verspreche ich euch!«
Hes 35,1 Der Herr sprach zu mir:
Hes 35,2 »Sterblicher Mensch, blick in die Richtung, wo das Bergland Seïr liegt,
und kündige ihm mein Gericht an:
Hes 35,3 So spricht Gott, der Herr: Nun bekommst du meine Macht zu spüren, Land
der Edomiter! Ich mache dich zu einer menschenleeren Wüste, zu einem Bild des
Schreckens.
Hes 35,4 Deine Städte verwandle ich in Trümmerhaufen, du wirst vollkommen
zerstört. Dann wirst du erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 35,5 Stets warst du ein erbitterter Feind der Israeliten; am Tag ihres
Untergangs, als mein Strafgericht über sie hereinbrach, hast du geholfen, sie
mit dem Schwert zu töten.
Hes 35,6 Darum schwöre ich, der Herr, so wahr ich lebe: Der Tod ist dein
Schicksal, du kannst ihm nicht entrinnen! Weil du nicht gezögert hast, Blut zu
vergießen, wird nun auch dein Blut vergossen!
Hes 35,7 Ich mache dich zu einer schrecklichen, trostlosen Wüste und rotte jeden
aus, der dein Gebiet durchzieht.
Hes 35,8 Dann sind deine Berge mit Leichen übersät; auf den Hügeln, in den
Tälern und Flussbetten liegen die Gefallenen.
Hes 35,9 Ich verwüste dich für alle Zeiten, in deinen Städten wird kein Mensch
mehr wohnen. So werden deine Bewohner erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 35,10 Du hast behauptet: ›Israel und Juda gehören mir, ich werde sie
besitzen!‹ Doch du vergisst, dass diese beiden Völker allein mir gehören!
Hes 35,11 So wahr ich, der Herr, lebe: Alles, was du in deinem grenzenlosen Hass
und Neid den Israeliten angetan hast, wird nun dich selbst treffen! Voller Zorn
hast du ihnen großen Schaden zugefügt. Darum bricht mein Strafgericht über dich
herein, und mein Volk wird erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 35,12 Du wirst schon noch merken, dass ich deine Spottreden über die Berge
Israels genau gehört habe. Voller Hohn hast du gesagt: ›Israels Bergland ist
verwüstet! Nun können wir es an uns reißen!‹
Hes 35,13 Ich habe auch gehört, wie du mich mit frechen und überheblichen Worten
verhöhnt hast.
Hes 35,14 Darum sage ich, der Herr: Ich mache dich zu einer Wüste, und die ganze
Welt wird sich darüber freuen.
Hes 35,15 Wie groß war deine Schadenfreude, als das Land der Israeliten, das ich
ihnen gegeben hatte, von ihren Feinden verwüstet wurde! Darum sorge ich dafür,
dass dich das gleiche Schicksal trifft: Eine trostlose Wüste sollst du werden,
Land der Edomiter! Deine Bewohner werden erkennen, dass ich der Herr bin!«
Hes 36,1 »Sterblicher Mensch, sprich zu den Bergen Israels: Hört die Botschaft
des Herrn!
Hes 36,2 Eure Feinde haben euch verspottet und gesagt: ›Diese Berge, die es
schon seit alter Zeit gibt, gehören jetzt uns!‹
Hes 36,3 Man hat euch verwüstet und von allen Seiten bedroht, ihr seid in der
Gewalt fremder Völker. Sie zerreißen sich das Maul über euch und haben nur Spott
für euch übrig.
Hes 36,4 Darum hört, was ich, der Herr, zu sagen habe: Ihr Berge und Hügel, ihr
Bäche und Täler, ihr Trümmerfelder und menschenleeren Städte, die ihr geplündert
und verspottet wurdet:
Hes 36,5 Im Zorn habe ich mein Urteil gesprochen über eure Feinde, ja, besonders
über die Edomiter. Denn voller Verachtung und Schadenfreude haben sie mein Land
an sich gerissen und das Weideland erbeutet.
Hes 36,6 Ihr Berge und Hügel in Israel, ihr Bäche und Täler, hört meine
Botschaft. Ich, der Herr, schwöre: Weil die anderen Völker euch verachten,
bekommen sie meinen glühenden Zorn zu spüren.
Hes 36,7 Meine Hand erhebe ich zum Schwur und verspreche: Die Völker rings um
euch werden nun selbst verachtet.
Hes 36,8 Aber auf euch, ihr Berge Israels, sollen wieder Bäume wachsen, die
Zweige treiben und Früchte tragen. Denn bald wird mein Volk in sein Land
zurückkehren.
Hes 36,9 Ich bin auf eurer Seite und sorge dafür, dass ihr wieder bebaut und
besät werdet.
Hes 36,10 Die Israeliten werden ein großes Volk sein, sie lassen sich in den
Städten nieder und bauen alles wieder auf, was in Trümmern liegt.
Hes 36,11 Menschen und Tiere werden sich vermehren, stärker als je zuvor. Dann
werdet ihr bewohnt sein wie in früheren Zeiten, und ich werde euch so viel Gutes
erweisen wie nie zuvor. So werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
Hes 36,12 Ich bringe die Israeliten wieder zurück. Sie werden euch in Besitz
nehmen und für immer dort wohnen. Nie mehr sollt ihr ihnen die Nachkommen
wegnehmen.
Hes 36,13 Ja, Land Israel, du hast den Ruf, ein Menschenfresser zu sein, der
seinem Volk die Kinder raubt.
Hes 36,14 Doch von nun an wirst du deine Bewohner nicht mehr verschlingen und
die Menschen nicht mehr kinderlos machen. Das verspreche ich, der Herr.
Hes 36,15 Ich sorge dafür, dass du den Hohn und Spott anderer Völker nicht
länger ertragen musst. Land Israel, nie mehr wirst du deinen Bewohnern den Tod
bringen. Mein Wort gilt!«
Hes 36,16 Der Herr sprach zu mir:
Hes 36,17 »Sterblicher Mensch, als mein Volk noch in Israel lebte, hat ihre
große Schuld das ganze Land unrein gemacht. Durch ihre Taten glichen sie in
meinen Augen einer Frau, die durch ihre Blutung nicht rein ist.
Hes 36,18 Sie haben Menschen umgebracht und andere Götter verehrt. Darum traf
sie mein Zorn in seiner ganzen Härte:
Hes 36,19 Wegen ihrer Schuld hielt ich Gericht über sie; ich vertrieb sie zu
anderen Völkern, in fernen Ländern mussten sie wohnen.
Hes 36,20 Doch wohin sie auch kamen, brachten sie Schande über meinen heiligen
Namen. Die Menschen, die ihnen begegneten, sagten: ›Sie sind das Volk des Herrn,
und dennoch konnte er nicht verhindern, dass sie aus seinem Land vertrieben
wurden.‹
Hes 36,21 Ich sah, wie meine Ehre auf dem Spiel stand, denn die Israeliten
brachten mich bei den anderen Völkern in Verruf.
Hes 36,22 Darum richte ihnen diese Botschaft aus: Was ich für euch tun werde,
geschieht nicht um euretwillen. Meine Ehre will ich retten, die ihr vor den
Augen anderer Völker in den Schmutz gezogen habt.
Hes 36,23 Ja, weil viele Völker mich verachten, will ich ihnen meine Macht und
Herrlichkeit zeigen. Dann sollen sie erkennen, dass ich der Herr bin. Alle
werden meine Heiligkeit sehen, wenn ich euch helfe. Das verspreche ich!
Hes 36,24 Ich hole euch zurück aus fernen Ländern und fremden Völkern und bringe
euch in euer eigenes Land.
Hes 36,25 Mit reinem Wasser wasche ich eure Schuld von euch ab. Dem
Götzendienst, der euch unrein gemacht hat, bereite ich ein Ende.
Hes 36,26 Ich will euch ein anderes Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme
das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz.
Hes 36,27 Mit meinem Geist erfülle ich euch, damit ihr nach meinen Weisungen
lebt, meine Gebote achtet und sie befolgt.
Hes 36,28 Dann wohnt ihr wieder in dem Land, das ich euren Vorfahren gegeben
habe. Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein.
Hes 36,29 Ich befreie euch von eurer Schuld, die euch unrein machte. Das
Getreide lasse ich wieder wachsen, damit ihr nie mehr Hunger leiden müsst.
Hes 36,30 Die Bäume sollen wieder Früchte tragen und die Felder reichen Ertrag
bringen. Nie mehr werden die anderen Völker euch verspotten, weil ihr nichts zu
essen habt.
Hes 36,31 Dann sollt ihr euch daran erinnern, wie falsch eure Wege und wie
schlecht eure Taten waren. Wegen eurer Schuld und eurem Götzendienst werdet ihr
euch selbst verabscheuen.
Hes 36,32 Ich, der Herr, sage euch Israeliten: Nicht um euretwillen erweise ich
euch so viel Gutes. Ihr müsst euch schämen für alles, was ihr getan habt!
Hes 36,33 Doch ich verspreche euch: Wenn ich euch von all eurer Schuld befreit
habe, sollt ihr wieder in euren Städten wohnen. Dann könnt ihr die Häuser, die
in Trümmern liegen, neu aufbauen.
Hes 36,34 Jeder, der jetzt durch euer Land zieht, kann sehen, wie verwüstet und
öde es ist. Doch dann sollen eure Felder wieder bestellt werden.
Hes 36,35 Man wird sagen: ›Das verwüstete Land ist zum Garten Eden geworden! Die
Städte waren einst niedergerissen, zerstört und vereinsamt - nun stehen sie
wieder und sind bewohnt!‹
Hes 36,36 Eure Nachbarvölker, die mein Strafgericht überlebt haben, werden
erkennen, dass ich, der Herr, die verwüsteten Städte wieder aufbaue und die
brachliegenden Felder bepflanze. Das habe ich versprochen, und ich werde es auch
tun.
Hes 36,37 Und noch eine weitere Bitte werde ich euch in dieser Zeit erfüllen:
Ich lasse euch so zahlreich werden wie eine große Herde.
Hes 36,38 So wie es früher an einem hohen Festtag in Jerusalem von Opfertieren
wimmelte, sollen eure verlassenen Städte wieder bevölkert werden und voller
Leben sein. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.«
Hes 37,1 Der Herr legte seine Hand auf mich, und sein Geist hob mich empor und
brachte mich in ein weites Tal, das mit Totengebeinen übersät war.
Hes 37,2 Dann führte er mich durch die ganze Ebene, und ich sah dort unzählige
Knochen verstreut liegen. Sie waren völlig vertrocknet.
Hes 37,3 Der Herr fragte mich: »Sterblicher Mensch, können diese Gebeine je
wieder lebendig werden?« Ich antwortete: »Herr, mein Gott, das weißt du allein!«
Hes 37,4 Da sagte er zu mir: »Sprich zu diesen dürren Knochen, und fordere sie
auf: Hört, was der Herr euch sagt:
Hes 37,5 Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache euch wieder lebendig!
Hes 37,6 Ich lasse Sehnen und Fleisch um euch wachsen und überziehe euch mit
Haut. Meinen Atem hauche ich euch ein, damit ihr wieder lebendig werdet. Dann
erkennt ihr, dass ich der Herr bin.«
Hes 37,7 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Noch während ich redete,
hörte ich ein lautes Geräusch und sah, wie die Knochen zusammenrückten, jeder an
seine Stelle.
Hes 37,8 Sehnen und Fleisch wuchsen um sie herum, und darüber bildete sich Haut.
Aber noch war kein Leben in den Körpern.
Hes 37,9 Da sprach der Herr zu mir: »Sterblicher Mensch, ruf den Lebensgeist,
und befiehl ihm, was ich dir sage. Er soll aus den vier Himmelsrichtungen kommen
und diese toten Menschen anhauchen, damit sie wieder zum Leben erwachen!«
Hes 37,10 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Da erfüllte der Lebensgeist
die toten Körper, sie wurden lebendig und standen auf. Sie waren zahlreich wie
ein unüberschaubares Heer.
Hes 37,11 Der Herr sprach zu mir: »Sterblicher Mensch, die Israeliten gleichen
diesen verdorrten Gebeinen. Sie klagen: ›Wir sind völlig ausgezehrt und haben
keine Hoffnung mehr, uns bleibt nur der Tod!‹
Hes 37,12 Darum sag ihnen: Hört die Botschaft des Herrn! Ich, der Herr, öffne
eure Gräber und hole euch heraus, denn ihr seid mein Volk.
Hes 37,13 Wenn ich euch wieder lebendig mache, werdet ihr erkennen, dass ich der
Herr bin.
Hes 37,14 Ich erfülle euch mit meinem Geist, schenke euch noch einmal das Leben
und lasse euch wieder in eurem Land wohnen. Ihr werdet sehen, dass ich meine
Versprechen halte. Mein Wort gilt!«
Hes 37,15 Der Herr sprach zu mir:
Hes 37,16 »Sterblicher Mensch, nimm dir ein Stück Holz, und schreib darauf: ›Das
Südreich Juda und die mit ihm verbündeten Israeliten.‹ Dann hol ein anderes
Stück Holz, und schreib: ›Das Nordreich Ephraim und das übrige Volk Israel.‹
Hes 37,17 Halte die Enden beider Hölzer so aneinander, dass sie wie ein einziger
Stab aussehen.
Hes 37,18 Wenn die Israeliten dich fragen, was das zu bedeuten hat,
Hes 37,19 dann antworte ihnen: So spricht der Herr: Ich nehme den Herrscherstab
des Nordreichs, der im Besitz des Stammes Ephraim ist, und füge ihn mit dem
Herrscherstab des Südreichs zusammen. Aus den beiden mache ich einen einzigen
Stab, den ich in meiner Hand halte.
Hes 37,20 Du aber zeig dem Volk die Hölzer,
Hes 37,21 und richte ihnen aus: Gott, der Herr, lässt euch sagen: Ich hole die
Israeliten aus fernen Ländern und fremden Völkern heraus, von überall her sammle
ich sie und bringe sie in ihr Land zurück.
Hes 37,22 Sie sollen wieder ein vereintes Volk sein, das im Bergland Israel zu
Hause ist. Ein einziger König wird über sie herrschen, und nie mehr soll ihr
Land in zwei Reiche geteilt sein.
Hes 37,23 Sie werden nicht länger ihre abscheulichen Götzen verehren und nicht
weiter Schuld auf sich laden. Früher haben sie mir die Treue gebrochen und mich
verachtet, doch nun will ich sie retten und ihnen vergeben. Sie werden mein Volk
sein, und ich werde ihr Gott sein.
Hes 37,24 Alle Israeliten werden einen gemeinsamen Hirten haben, einen König,
der wie mein Diener David ist. Dann richten sie sich wieder nach meinen Geboten,
sie achten auf meine Weisungen und leben danach.
Hes 37,25 Das Land, das ich früher meinem Diener Jakob gegeben habe, nehmen sie
erneut in Besitz. Schon ihre Vorfahren haben dort gelebt, und nun werden sie und
ihre Nachkommen sich für immer dort niederlassen. Ihr König wird über sie
herrschen wie einst mein Diener David.
Hes 37,26 Ich schließe mit ihnen einen Bund und verspreche ihnen ewigen Frieden.
Zu einem großen Volk lasse ich sie werden, und mein Heiligtum soll für alle
Zeiten in ihrem Land stehen.
Hes 37,27 Ich wohne bei ihnen, ich bin ihr Gott, und sie sind mein Volk.
Hes 37,28 Mein Tempel soll für immer in ihrem Land bleiben; dann werden die
anderen Völker erkennen, dass ich, der Herr, Israel als mein Volk erwählt habe.«
Hes 38,1 Der Herr befahl mir:
Hes 38,2 »Sterblicher Mensch, sprich zu Gog, dem Herrscher über die Völker
Meschech und Tubal im Land Magog.
Hes 38,3 Richte ihm aus, was ich, der Herr, zu sagen habe: Gog, Herrscher über
Meschech und Tubal, du bekommst es mit mir zu tun!
Hes 38,4 Ich bohre Haken durch deine Kinnlade und zwinge dich zu gehen, wohin
ich will. Mitsamt deinem ganzen Heer führe ich dich aus deinem Land heraus.
Riesig ist es, dieses Heer, mit unzähligen Reitern und Pferden; die Soldaten
sind prächtig gekleidet und mit Schilden und Schwertern bewaffnet.
Hes 38,5 Söldner aus Persien, Äthiopien und Libyen begleiten euch, gut gerüstet
mit Schilden und Helmen.
Hes 38,6 Die Männer aus den Ländern Gomer und Bet-Togarma im Norden sind dabei,
und auch aus vielen anderen Völkern kommen die Soldaten dazu.
Hes 38,7 So halte dich nun bereit, rüste dein ganzes Heer zum Kampf, und sei du
der Befehlshaber!
Hes 38,8 Wenn viele Jahre vergangen sind, werde ich dich auffordern, ein fremdes
Land zu überfallen. Dieses Land hat gerade einen Krieg überstanden, und seine
Bewohner sind aus der Verbannung heimgekehrt. Es ist das Bergland Israel. Lange
Zeit war es ein Trümmerfeld, doch nun leben die Menschen dort wieder in Ruhe und
Sicherheit.
Hes 38,9 Du wirst mit deinem Heer heranziehen wie ein gewaltiges Unwetter, deine
Truppen bedecken das ganze Land wie eine riesige Wolke.
Hes 38,10 Ich, der Herr, kündige dir an: In jener Zeit schmiedest du einen bösen
Plan.
Hes 38,11 Du nimmst dir vor, dieses wehrlose Land anzugreifen, dessen Bewohner
in Ruhe und Sicherheit leben. Ihre Städte haben keine Mauern und keine
verriegelten Tore.
Hes 38,12 Du willst dich an den Israeliten bereichern und viel Beute machen. Die
Städte, die einst in Trümmern lagen, dann aber wieder bewohnt sind, willst du
erobern und dir das ganze Volk unterwerfen. Es ist aus fremden Ländern
zurückgekehrt, es hat große Viehherden und viele Reichtümer erworben und wohnt
nun im bedeutendsten Land der Welt.
Hes 38,13 Die Händler aus Saba, Dedan und Tarsis werden dich fragen: ›Hast du
deine Truppen versammelt, um auf Raubzug zu gehen und zu plündern? Willst du
Silber und Gold an dich reißen, Viehherden und anderen Besitz erbeuten?‹
Hes 38,14 Sterblicher Mensch, richte dem Herrscher Gog aus, was ich, der Herr,
ihm zu sagen habe: In jener Zeit, wenn mein Volk Israel sich sicher fühlt, wirst
du aufbrechen
Hes 38,15 aus deinem Land im Norden, zusammen mit einem großen und mächtigen
Heer. Deine Soldaten kommen aus vielen Völkern, sie reiten auf Pferden
Hes 38,16 und fallen in mein Land Israel ein, sie bedecken es wie eine riesige
Wolke. Am Ende der Zeit wird dies geschehen. In meinem Auftrag sollst du mein
Land überfallen, damit die anderen Völker meine Macht erkennen. Wenn sie sehen,
was ich durch dich vollbringe, begreifen sie, dass ich ein heiliger Gott bin.
Hes 38,17 Du bist der Herrscher, dessen Kommen ich schon vor langer Zeit
angekündigt habe. Durch meine Diener, die Propheten, ließ ich voraussagen, dass
du Israel angreifen würdest.«
Hes 38,18 »Ich, der Herr, kündige an: An dem Tag, wenn Gog mit seinem Heer in
Israel einfällt, wird mein Zorn losbrechen.
Hes 38,19 Schon jetzt bin ich zornig und schwöre: An diesem Tag soll im ganzen
Land die Erde beben.
Hes 38,20 Alle werden vor mir zittern: die Menschen und auch die wilden Tiere,
die Fische, Vögel und Kriechtiere. Berge brechen auseinander, Felswände stürzen
ein, Mauern fallen in sich zusammen.
Hes 38,21 Ich, der Herr, lasse auf den Bergen Israels einen Kampf ausbrechen, in
dem Gogs Soldaten sich gegenseitig mit dem Schwert töten.
Hes 38,22 Ja, ich werde ihn richten mitsamt seinem ganzen Heer und allen, die
auf seiner Seite gekämpft haben: Viele von ihnen fallen in der Schlacht oder
sterben an der Pest. Ich lasse Wolkenbrüche und Hagel, Feuer und Schwefel auf
sie niederfallen.
Hes 38,23 Vor den Augen aller Völker werde ich zeigen, dass ich ein mächtiger
und heiliger Gott bin. Dann müssen sie mich als Herrn anerkennen.
Hes 39,1 Sterblicher Mensch, richte Gog, dem Herrscher über Meschech und Tubal,
aus, was ich ihm zu sagen habe: Jetzt bekommst du es mit mir, dem Herrn, zu tun!
Hes 39,2 Ich zwinge dich zu gehen, wohin ich will; vom äußersten Norden lasse
ich dich mit deinen Soldaten ins Bergland Israel ziehen.
Hes 39,3 Dort schlage ich dir den Bogen aus der linken Hand und die Pfeile aus
der rechten.
Hes 39,4 [4/5] In den Bergen Israels wirst du in der Schlacht fallen, und mit
dir alle deine Soldaten aus anderen Völkern. Auf dem freien Feld liegen eure
Leichen herum, sie sind ein Fraß für Raubvögel aller Art und für wilde Tiere.
Darauf könnt ihr euch verlassen!
Hes 39,6 Ich lasse Feuer ausbrechen in den Städten Magogs und in den
Küstenländern, deren Bewohner sich so sicher fühlen. Dann müssen sie mich als
Herrn anerkennen.
Hes 39,7 Meinem Volk Israel zeige ich, dass ich der heilige Gott bin; mein Name
soll nie mehr in den Schmutz gezogen werden. So erkennen die Völker, dass ich
der Herr bin, der heilige Gott Israels.
Hes 39,8 Schon oft habe ich dies angekündigt, und es wird sich auch erfüllen.
Mein Wort gilt!«
Hes 39,9 »Die Einwohner der Städte Israels werden aufs Schlachtfeld gehen und
dort die Waffen ihrer Feinde einsammeln. Mit den Schilden, Bogen und Pfeilen,
den Keulen und Lanzen können sie sieben Jahre lang Feuer machen.
Hes 39,10 Sie brauchen kein Holz mehr auf den Feldern zu suchen, und im Wald
müssen sie keine Bäume fällen. Denn die Waffen ihrer Feinde sind Brennholz
genug! Nun werden sie diejenigen plündern und berauben, die das Gleiche mit
ihnen tun wollten. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.
Hes 39,11 In jener Zeit bestimme ich einen Ort, wo Gog begraben werden soll: Es
ist das Tal Abarim (›Tal der Durchreisenden‹) östlich vom Toten Meer. Mit Gog
wird auch sein ganzes Heer dort bestattet, darum kann man das Tal nicht mehr
betreten. Von da an heißt es Tal Hamon Gog (›Tal der Truppen Gogs‹).
Hes 39,12 Sieben Monate werden die Israeliten brauchen, um alle Leichen dort zu
begraben, damit das Land nicht länger unrein ist.
Hes 39,13 Das ganze Volk wird dabei helfen. Dann wird man Israel rühmen, weil
ich, der Herr, meine Herrlichkeit offenbart habe. Das verspreche ich.
Hes 39,14 Nach diesen sieben Monaten werden die Israeliten Männer damit
beauftragen, durch das ganze Land zu ziehen. Sie sollen alle Gefallenen finden,
die noch nicht begraben wurden. Denn auch sie müssen bestattet werden, damit das
Land nicht länger unrein ist.
Hes 39,15 Wenn diese Männer nun irgendwo eine Leiche finden, sollen sie die
Stelle kennzeichnen, damit die Totengräber die Leiche im Tal Hamon Gog bestatten
können.
Hes 39,16 Auf diese Weise wird das ganze Land wieder rein. Auch eine Stadt in
Israel wird nach den gefallenen Soldaten Gogs ›Hamona‹ genannt werden.«
Hes 39,17 Der Herr sprach zu mir: »Sterblicher Mensch, rufe alle Vögel und die
wilden Tiere herbei: Kommt von überall her, versammelt euch im Bergland Israel!
Denn dort bereite ich ein großes Opfermahl für euch zu, kommt, fresst Fleisch
und trinkt Blut!
Hes 39,18 Ja, fresst das Fleisch von kampferprobten Soldaten, und trinkt das
Blut von mächtigen Herrschern! Sie alle werden geschlachtet wie Opfertiere, wie
die Schafböcke, Lämmer und Ziegenböcke, die Stiere und die gemästeten Rinder aus
Baschan.
Hes 39,19 Fresst euch satt an ihrem Fett, berauscht euch am Blut der Opfertiere,
die ich für euch geschlachtet habe!
Hes 39,20 An meinem Tisch könnt ihr essen, so viel ihr wollt, von Pferden,
Reitern und Soldaten. Mein Wort gilt!«
Hes 39,21 »Wenn ich Gericht halte über Gog und sein Heer, wenn ich mein Urteil
an ihm vollstrecke, werden die anderen Völker meine Macht und Hoheit sehen.
Hes 39,22 Und auch die Israeliten werden erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott,
bin. Nie mehr werden sie das vergessen.
Hes 39,23 Dann begreifen die anderen Völker, dass die Israeliten wegen ihrer
Schuld in die Verbannung gehen mussten. Weil sie mir untreu geworden sind, habe
auch ich mich von ihnen abgewandt und sie in die Gewalt ihrer Feinde gegeben.
Viele von ihnen sind im Krieg umgekommen.
Hes 39,24 Ja, wegen ihres Götzendienstes und ihrer Verbrechen habe ich sie
verlassen und sie so behandelt, wie sie es verdienten.
Hes 39,25 Doch jetzt kündige ich, der Herr, etwas Neues an: Ich wende das
Schicksal meines Volkes zum Guten und habe Erbarmen mit ihnen, den Nachkommen
Jakobs. Mit ganzer Kraft setze ich mich dafür ein, dass ich wieder als der
heilige Gott verehrt werde.
Hes 39,26 Wenn die Israeliten sicher und in Frieden in ihrem Land leben, dann
werden sie sich schämen, weil sie mir untreu waren.
Hes 39,27 Ich bringe sie zurück aus den Ländern ihrer Feinde, und so zeige ich
den anderen Völkern, dass ich ein heiliger Gott bin.
Hes 39,28 Nach langer Zeit der Verbannung lasse ich mein Volk wieder in seinem
Land wohnen, keiner von ihnen bleibt zurück. Dann werden sie erkennen, dass ich
der Herr, ihr Gott, bin.
Hes 39,29 Ich erfülle sie mit meinem Geist und wende mich nie mehr von ihnen ab.
Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Hes 40,1 Im 25. Jahr der Verbannung unseres Volkes, am 10. Tag des
Neujahrmonats, vierzehn Jahre nach der Zerstörung Jerusalems, legte der Herr
seine Hand auf mich.
Hes 40,2 In einer Vision führte er mich in das Land Israel, auf einen hohen Berg
nahe Jerusalem. Auf seiner Südseite entdeckte ich etliche Bauten, die wie eine
Stadt aussahen.
Hes 40,3 Der Herr brachte mich zum Stadttor, und dort stand ein Mann, dessen
Körper wie Bronze schimmerte. In der Hand hielt er eine Schnur aus Leinen und
eine Messlatte.
Hes 40,4 Er sagte zu mir: »Sterblicher Mensch, hör mir gut zu, und sieh dir
genau an, was ich dir zeigen werde. Achte auf alles, denn du bist hierher
gebracht worden, damit ich es dir offenbare. Was du siehst, sollst du dem Volk
Israel berichten!«
Hes 40,5 Ich sah eine Mauer, die rings um den Tempelbezirk führte. Der Mann maß
die Mauer aus; sie war genau eine Messlatte dick und ebenso hoch. Die Messlatte
hatte eine Länge von gut 3 Metern.
Hes 40,6 Dann stieg der Mann die Stufen zum Osttor hinauf und maß die vordere
Schwelle des Tores aus; sie war etwas mehr als 3 Meter tief.
Hes 40,7 [7-10] Innen hatte das Torgebäude auf beiden Seiten drei Kammern. Jede
war gut 3 Meter lang und ebenso breit. Die Mauern zwischen den Kammern waren 2,5
Meter dick. Die hintere Torschwelle war - wie die vordere - etwas mehr als 3
Meter tief. Sie ging in eine Vorhalle über, die 4 Meter lang war. Die
Mauerstücke rechts und links an ihrem Ausgang waren beide 1 Meter dick.
Hes 40,11 [11/12] Die sechs Kammern im Torgewölbe waren zum Torinneren hin durch
eine Mauer von 0,5 Metern Höhe abgegrenzt. Als Nächstes maß der Mann die Breite
der Toröffnung. Sie betrug 6,5 Meter und innerhalb der Torangeln 5 Meter.
Hes 40,13 Dann maß er die volle Breite des gesamten Torgebäudes, vom Dachansatz
einer Kammer bis zum Dachansatz der gegenüberliegenden. Es waren 12,5 Meter.
Hes 40,14 Die Vorhalle war 10 Meter breit. Durch sie gelangte man in den äußeren
Tempelvorhof.
Hes 40,15 Das ganze Torgebäude war von der vordersten Toröffnung bis zur
Ausgangstür der Vorhalle 25 Meter lang.
Hes 40,16 Die Kammern besaßen vergitterte Fenster an den Außen- und Innenwänden,
und auch die Vorhalle hatte rundherum Fenster. Die Mauerstücke am Torausgang
waren mit Palmwedeln verziert.
Hes 40,17 [17/18] Dann führte der Mann mich in den äußeren Vorhof. Dieser war
entlang der Mauer mit Pflastersteinen ausgelegt. Das Pflaster reichte von der
Innenseite der Mauer so weit in den Hof hinein, dass es mit dem Ausgang des
Tores abschloss. Es lag tiefer als der restliche Boden des Vorhofs. Auf dem
Pflaster waren ringsum dreißig Kammern angeordnet.
Hes 40,19 Als Nächstes maß der Mann den Abstand zwischen dem Osttor - durch das
wir in den äußeren Vorhof gekommen waren - und dem höher gelegenen Tor des
inneren Vorhofs. Sie lagen sich genau gegenüber. Der Abstand betrug 50 Meter.
Danach gingen wir zur Nordseite der äußeren Tempelmauer.
Hes 40,20 Auch dort gab es ein Tor, das in den äußeren Vorhof führte. Der Mann
maß seine Länge und Breite.
Hes 40,21 Im Torgebäude befanden sich ebenfalls auf jeder Seite drei Kammern,
die genauso groß waren wie die des Osttors. Auch die Vorhalle und das Mauerwerk
an ihrem Ausgang hatten die gleichen Maße. Insgesamt war das Torgebäude 25 Meter
lang und 12,5 Meter breit.
Hes 40,22 Vorhalle, Fenster und Palmwedel sahen genauso aus wie die des ersten
Tores. Auf sieben Stufen stieg man zu ihm hinauf. Auch beim Nordtor führte die
Vorhalle in den äußeren Vorhof.
Hes 40,23 Wie beim Osttor befand sich genau gegenüber ein höher gelegenes Tor,
durch das man in den inneren Vorhof gelangte. Der Mann maß den Abstand zwischen
beiden, und es waren auch hier 50 Meter.
Hes 40,24 Danach führte er mich an die Südmauer des äußeren Vorhofs. Dort gab es
ebenfalls ein Tor. Seine Vorhalle und das Mauerwerk an ihrem Ausgang hatten die
gleichen Maße wie die der anderen Tore.
Hes 40,25 Auch die Fenster im Torgebäude und in der Vorhalle entsprachen den
vorigen Fenstern. Insgesamt war der Bau 25 Meter lang und 12,5 Meter breit.
Hes 40,26 Sieben Stufen führten zu ihm hinauf, und die Vorhalle lag zum äußeren
Vorhof hin. Die Mauerstücke rechts und links an ihrem Ausgang waren beide mit je
einem Palmwedel verziert.
Hes 40,27 Auch diesem Tor lag ein Tor gegenüber, das zum inneren Vorhof führte.
Der Mann maß den Abstand aus; es waren wiederum 50 Meter.
Hes 40,28 Dann ging der Mann mit mir durch das Südtor in den inneren
Tempelvorhof und maß das Tor aus. Es war genauso groß wie die anderen Tore.
Hes 40,29 [29/30] Seine Kammern, die Vorhalle und das Mauerwerk an ihrem Ausgang
hatten die gleichen Maße. Auch hier waren im Torgebäude und in der Vorhalle
ringsherum Fenster eingelassen. Der Bau war 25 Meter lang und 12,5 Meter breit.
Hes 40,31 Die beiden Mauerstücke waren mit Palmwedeln verziert. Die Vorhalle lag
zum äußeren Vorhof hin, und der Aufgang zu ihr bestand aus acht Stufen.
Hes 40,32 Als Nächstes führte mich der Mann durch das Osttor in den inneren
Vorhof und maß es aus. Es war genauso groß wie die anderen Tore.
Hes 40,33 Seine Kammern, die Vorhalle und das Mauerwerk an ihrem Ausgang hatten
die gleichen Maße. Auch hier waren im Torgebäude und in der Vorhalle ringsum
Fenster eingelassen. Der Bau war 25 Meter lang und 12,5 Meter breit.
Hes 40,34 Die beiden Mauerstücke waren mit Palmwedeln verziert. Die Vorhalle des
Tores lag zum äußeren Vorhof hin, und der Aufgang bestand aus acht Stufen.
Hes 40,35 Dann brachte der Mann mich zum Nordtor und maß es aus. Auch dieses sah
genauso aus wie die anderen Tore des inneren Vorhofs.
Hes 40,36 Seine Kammern, die Vorhalle und das Mauerwerk an ihrem Ausgang hatten
die gleichen Maße. Auch hier besaßen Torgebäude und Vorhalle ringsum Fenster.
Der Bau war 25 Meter lang und 12,5 Meter breit.
Hes 40,37 Die beiden Mauerstücke waren mit Palmwedeln verziert. Die Vorhalle des
Tores lag zum äußeren Vorhof hin, und der Aufgang bestand aus acht Stufen.
Hes 40,38 Am Eingang zum Nordtor war eine Kammer angebaut. Hier wurden die
Eingeweide und Schenkel der Tiere gereinigt, die für das Brandopfer bestimmt
waren. Durch die Tür dieses Raumes kam man in die Vorhalle des Tores.
Hes 40,39 Dort standen auf jeder Seite zwei Tische. Auf ihnen sollten die Tiere
für die Brand-, Sünd- und Schuldopfer geschlachtet werden.
Hes 40,40 An den beiden Außenwänden der Vorhalle, rechts und links vom
Toreingang, waren ebenfalls je zwei Tische aufgestellt.
Hes 40,41 So standen auf jeder Seite des Tores vier Tische, auf denen
geschlachtet wurde; insgesamt waren es acht.
Hes 40,42 Die vier Tische in der Vorhalle bestanden aus Quadersteinen. Sie waren
0,75 Meter lang, ebenso breit und 0,5 Meter hoch. Auf ihnen legte man alles
bereit, was man brauchte, um die Tiere für die Brandopfer und alle übrigen Opfer
zu schlachten.
Hes 40,43 Auch das Fleisch der Tiere wurde dort aufbewahrt. In die Wände des
Tores waren ringsum Haken eingeschlagen, die eine Handbreit aus der Wand ragten.
Hes 40,44 Dann gingen wir in den inneren Vorhof. Neben dem Nordtor und dem
Südtor lag je ein Raum, der sich zum inneren Vorhof hin öffnete; der am Nordtor
war nach Süden offen, der am Südtor nach Norden.
Hes 40,45 Der Mann sagte zu mir: »Der Raum neben dem Nordtor ist für die
Priester bestimmt, die den Tempeldienst versehen.
Hes 40,46 Im Raum neben dem Südtor halten sich die Priester auf, die am Altar
die Opfer darbringen. Sie alle sind Nachkommen Zadoks, als Einzige aus dem Stamm
Levi dürfen sie dem Herrn in seinem Tempel dienen.«
Hes 40,47 Als Nächstes maß der Mann den inneren Vorhof aus. Er war 50 Meter lang
und ebenso breit. Vor dem Tempel stand ein Altar.
Hes 40,48 Der Mann führte mich in die Vorhalle des Tempels. Das Mauerwerk rechts
und links von ihrem Eingang war je 2,5 Meter dick. Der Toreingang hatte eine
Breite von 7 Metern; zusätzlich nahmen die Mauerstücke links und rechts davon je
1,5 Meter ein.
Hes 40,49 Die ganze Vorhalle war 10 Meter breit und 6 Meter lang. Zehn Stufen
führten zu ihr hinauf. Neben den Mauerstücken auf beiden Seiten des Eingangs
stand je eine Säule.
Hes 41,1 Dann führte mich der Mann in das Tempelgebäude und maß die beiden
Mauerstücke rechts und links vom Eingang aus. Sie waren 3 Meter dick.
Hes 41,2 Der Eingang selbst war 5 Meter breit, die Mauerstücke auf beiden Seiten
je 2,5 Meter. Als Nächstes nahm der Mann Maß vom Tempelraum; er war 20 Meter
lang und 10 Meter breit.
Hes 41,3 Danach ging der Mann in den hintersten Raum und maß das Mauerwerk am
Eingang aus; es war auf beiden Seiten 1 Meter dick. Der Eingang selbst war 3
Meter breit, das Mauerwerk auf jeder Seite neben dem Eingang 3,5 Meter.
Hes 41,4 Der Mann nahm Maß von diesem Raum: Seine Länge und Breite betrugen 10
Meter, er war also ebenso breit wie der erste Tempelraum. Der Mann sagte zu mir:
»Dies ist das Allerheiligste.«
Hes 41,5 Dann maß er die Seitenwände des Tempels aus; sie waren 3 Meter dick.
Rings um das Gebäude gab es einen Anbau, der 2 Meter breit war.
Hes 41,6 Er bestand aus drei Stockwerken, auf denen sich insgesamt dreißig
Kammern befanden. Die tragenden Querbalken der Stockwerke ruhten auf
Mauervorsprüngen an der Außenseite der Tempelwand. So mussten die Balken nicht
in der eigentlichen Tempelmauer verankert werden.
Hes 41,7 Die Mauervorsprünge entstanden dadurch, dass die Tempelmauer mit jedem
höher gelegenen Stockwerk etwas zurücktrat. Eine Außentreppe führte vom
untersten Stockwerk über das mittlere zum oberen hinauf.
Hes 41,8 [8-11] Die Außenwand des Anbaus war 2,5 Meter dick. Ich sah, dass der
Tempel und sein Anbau auf einer Plattform standen, die 3 Meter hoch war. Sie war
breiter als das ganze Gebäude und verlief ringsum als eine Terrasse von 2,5
Metern Breite. An der Nordseite und an der Südseite des Anbaus befand sich je
eine Tür zur Terrasse. Die Plattform war von einem unbebauten Streifen umgeben,
der eine Breite von 10 Metern hatte.
Hes 41,12 Hinter dem Tempel, in westlicher Richtung, stand in einem
abgesonderten Bereich ein weiteres Gebäude. Es war 35 Meter lang und 45 Meter
breit, seine Außenmauern waren 2,5 Meter dick.
Hes 41,13 Dann maß der Mann den ganzen Tempelbezirk aus. Der Tempel war 50 Meter
lang. Von seiner Rückseite über den unbebauten Streifen bis zur Rückseite des
anderen Gebäudes waren es ebenfalls 50 Meter.
Hes 41,14 Auch der innere Vorhof auf der Ostseite des Tempels war 50 Meter
breit. Diese 50 Meter setzten sich zusammen aus der Breite des Tempeleingangs
und des unbebauten Streifens rechts und links davon.
Hes 41,15 So war auch das Gebäude auf der Rückseite des Tempels genau 50 Meter
breit, die Terrassenbauten auf seinen beiden Seiten eingeschlossen. Die Vorhalle
des Tempels, der Tempelraum und das Allerheiligste
Hes 41,16 waren innen mit Holz getäfelt, vom Fußboden bis hinauf zu den
Fenstern. Diese hatten dreifach abgestufte Rahmen und konnten geschlossen
werden.
Hes 41,17 Alle Innenwände waren in gleich große Felder eingeteilt, auch oberhalb
der Türen.
Hes 41,18 In diese Felder waren abwechselnd Cherub-Engel und Palmwedel
eingeschnitzt. Alle Engel hatten zwei Gesichter:
Hes 41,19 [19/20] Dem Palmwedel auf der einen Seite wandten sie das Gesicht
eines Menschen zu, dem Palmwedel auf der anderen Seite das eines Löwen. Diese
Bilder waren auf allen Wänden zu sehen, vom Fußboden bis oberhalb der Türen.
Hes 41,21 Die Eingangstür zum Heiligtum hatte einen vierfach abgestuften Rahmen.
Vor dem Allerheiligsten stand etwas,
Hes 41,22 das aussah wie ein Altar aus Holz. Er war 1,5 Meter hoch, 1 Meter lang
und ebenso breit. Seine Ecken, sein Sockel und seine Wände waren aus Holz. Der
Mann, der ihn mir gezeigt hatte, sagte zu mir: »Das ist der Tisch, der vor dem
Herrn steht.«
Hes 41,23 Am Eingang zum Heiligtum und zum Allerheiligsten gab es je eine Tür
mit zwei Flügeln.
Hes 41,24 Jeder der beiden Flügel war aus zwei drehbaren Teilen zusammengesetzt.
Hes 41,25 Auch auf diesen Türen sah man - genau wie an den Wänden -
Schnitzereien von Cherub-Engeln und Palmwedeln. Über dem Eingang der
Tempelvorhalle befand sich ein Vordach aus Holz.
Hes 41,26 Auch in die Wände der Vorhalle waren Fenster mit Rahmen eingesetzt.
Wie in den Tempelwänden gab es hier Ornamente mit Palmwedeln, ebenso am
hölzernen Vordach.
Hes 42,1 Dann führte der Mann mich wieder in den äußeren Tempelvorhof. An der
Nordseite des Gebäudes, das hinter dem Tempel lag, befand sich ein weiterer Bau
mit verschiedenen Räumen. Er war genauso lang wie das Gebäude und der unbebaute
Streifen davor,
Hes 42,2 nämlich 50 Meter. Seine Breite betrug 25 Meter.
Hes 42,3 Mit seiner Südwand grenzte der Bau an das Gebäude auf der Rückseite des
Tempels und den unbebauten Platz davor. Seine Nordseite lag quer zu dem
Pflaster, das entlang der Mauer des äußeren Vorhofs verlief. Der Bau hatte drei
Stockwerke, die terrassenartig angelegt waren.
Hes 42,4 An der Nordseite verlief ein 5 Meter breiter Gang. Dort befanden sich
auch die Eingänge des Gebäudes. An der Südseite führte ein 50 Meter langer Gang
bis in den inneren Vorhof.
Hes 42,5 [5/6] Weil der Bau terrassenförmig angelegt war, trat mit jedem
höhergelegenen Stockwerk die Außenmauer mehr zurück. Daher wurden die Kammern
von unten nach oben immer kleiner. Es gab in diesem Bau keine Säulen wie in den
anderen Gebäuden des Tempelvorhofs.
Hes 42,7 [7/8] Der Gang an der Nordseite war zur Hälfte durch eine Mauer
abgegrenzt, die 25 Meter in den äußeren Vorhof hineinragte. Die restlichen 25
Meter des Ganges verliefen an einer Kammer entlang, die an der Mauer des äußeren
Tempelvorhofs lag. Insgesamt war der Gang durch 50 Meter Mauerwerk abgeschirmt.
Hes 42,9 So gelangte man von Osten her in das Gebäude, wenn man vom äußeren
Vorhof kam.
Hes 42,10 An der Südseite des Gebäudes hinter dem Tempel lag ebenfalls ein Bau,
der an die Mauer des äußeren Tempelvorhofs grenzte. Er war genauso lang wie das
Gebäude und der unbebaute Streifen davor.
Hes 42,11 Auch hier gab es zwei Gänge. Die Kammern sahen genau gleich aus wie
die im Bau auf der Nordseite, sie hatten die gleichen Maße und genauso viele
Eingänge,
Hes 42,12 die nun aber nach Süden hin lagen. Auch hier gelangte man - entlang
der Schutzmauer - von Osten in das Gebäude, wenn man vom äußeren Vorhof kam.
Hes 42,13 Der Mann sagte zu mir: »Diese beiden Bauten, die nördlich und südlich
an den freien Raum und das Gebäude hinter dem Tempel grenzen, sind dem Herrn
geweiht. In ihren Räumen sollen die Priester, die dem Herrn in seinem Tempel
dienen, von den heiligen Opfergaben essen. Dorthin bringen sie die Speiseopfer,
die Sünd- und Schuldopfer.
Hes 42,14 Wenn die Priester ihren Dienst im Heiligtum verrichtet haben, dürfen
sie nicht sofort wieder zu den Menschen im äußeren Vorhof hinausgehen. Vorher
müssen sie ihre heiligen Gewänder, die sie im Tempel getragen haben, in diesen
Räumen ablegen und andere Kleider anziehen. Erst dann können sie zu den Leuten
hinausgehen.«
Hes 42,15 Nachdem der Mann den ganzen inneren Tempelbezirk ausgemessen hatte,
führte er mich durch das Osttor wieder hinaus und nahm Maß von der Außenmauer.
Hes 42,16 [16-20] Mit der Messlatte bestimmte er die Länge aller vier Seiten. Er
begann an der Ostseite, dann ging er zur Nordseite, zur Südseite und Westseite.
Alle vier hatten jeweils eine Länge von 250 Metern. Die Mauer trennte den
Tempelbezirk, der dem Herrn geweiht war, vom übrigen Land.
Hes 43,1 Der Mann führte mich wieder zum Osttor des Tempelbezirks.
Hes 43,2 Plötzlich erblickte ich den Gott Israels in seiner Herrlichkeit. Er kam
von Osten her nach Jerusalem. Das ganze Land erstrahlte in seinem Glanz, und ich
hörte ein Rauschen, ein Brausen wie von gewaltigen Wassermassen.
Hes 43,3 Der Herr erschien mir so wie damals, als er nach Jerusalem kam, um die
Stadt zu zerstören. Ich erblickte seine Macht und Herrlichkeit, die ich schon am
Fluss Kebar gesehen hatte. Da fiel ich vor ihm nieder und berührte mit meinem
Gesicht den Boden.
Hes 43,4 Der Herr zog durch das Osttor in den Tempel ein.
Hes 43,5 Dann hob der Geist Gottes mich empor und brachte mich in den inneren
Vorhof. Ich sah, wie der ganze Tempel von der herrlichen Erscheinung des Herrn
erfüllt wurde.
Hes 43,6 Der Mann, der mich geführt hatte, stand neben mir, und ich hörte eine
Stimme aus dem Tempel zu mir sprechen:
Hes 43,7 »Sterblicher Mensch, hier steht mein Thron und mein Fußschemel. Für
alle Zeiten will ich mitten unter meinem Volk wohnen. Nie wieder werden die
Israeliten meinen heiligen Namen in den Schmutz ziehen, nie mehr werden sie
anderen Göttern opfern und ihre Könige neben dem Tempel bestatten.
Hes 43,8 Früher haben Israels Herrscher ihre Paläste direkt an meinen Tempel
angebaut, Schwelle an Schwelle und Tür an Tür. Nur eine Wand trennte sie von
mir. Durch ihren abscheulichen Götzendienst beschmutzten sie meinen heiligen
Namen, darum habe ich die Israeliten voller Zorn vernichtet.
Hes 43,9 Doch jetzt werden sie ein für alle Mal ihren Götzendienst aufgeben und
die Leichen ihrer Könige von meinem Tempel fern halten. Dann will ich für immer
unter ihnen wohnen.«
Hes 43,10 Weiter sagte die Stimme zu mir: »Sterblicher Mensch, erzähle den
Israeliten von diesem Tempel! Wenn sie erkennen, wie gewaltig er ist, werden sie
sich schämen für alle Sünden, die sie begangen haben.
Hes 43,11 Was sie getan haben, wird ihnen leid tun. Dann zeichne ihnen den
Tempel auf, und zeig ihnen, wie er von innen aussieht. Beschreib die Ausgänge
und Eingänge, und erklär ihnen alle Weisungen und Ordnungen, die ich für den
Tempel gegeben habe. Schreib alles auf, damit sie sich daran halten können.
Hes 43,12 Und nun gebe ich dir die wichtigste Anweisung: Der ganze Tempelbezirk
auf dem Gipfel dieses Berges soll allein mir geweiht sein. Dies ist das
wichtigste Gesetz für den Tempel.«
Hes 43,13 Rings um den Altar in der Mitte des inneren Vorhofs verlief ein
Graben, der etwas mehr als 0,5 Meter tief und ebenso breit war. Rund um den
Graben gab es eine Abgrenzung von gut 25 Zentimetern Höhe. Der Altar selbst
bestand aus drei übereinander liegenden Blöcken. Der unterste Sockel
Hes 43,14 [14/15] war vom Rand des Grabens an gut 1 Meter hoch. Dann trat der
Altarrand etwas mehr als 0,5 Meter zurück. Der nächste Sockel war größer, seine
Höhe betrug über 2 Meter. Auf ihm stand der dritte Sockel, der Opferherd. Auch
dieser war gut 2 Meter hoch, aber auf jeder Seite über 0,5 Meter schmaler als
der zweite Sockel. Vier Hörner ragten von seinen Ecken aus in die Höhe.
Hes 43,16 Der Opferherd war quadratisch, seine Länge und seine Breite betrugen
über 6 Meter.
Hes 43,17 Auch der darunter liegende mittlere Sockel hatte die Form eines
Quadrats, er war gut 7 Meter lang und ebenso breit. Der Graben rings um den
Altar war etwas mehr als 0,5 Meter breit und die Abgrenzung rundherum gut 25
Zentimeter hoch. An der Ostseite führten Stufen zum Altar hinauf.
Hes 43,18 Gott, der Herr, sprach zu mir: »Sterblicher Mensch, wenn dieser Altar
fertig gestellt ist, sollen dort Brandopfer dargebracht werden, und man soll ihn
mit Blut besprengen. Dies ist meine Anweisung dazu:
Hes 43,19 Nur die Priester aus dem Stamm Levi, die zu den Nachkommen Zadoks
gehören, dürfen mir in meinem Tempel dienen. Gib ihnen einen jungen Stier, damit
sie ihn schlachten und als Sündopfer darbringen. Ich, der Herr, will es so.
Hes 43,20 Du sollst die vier Hörner des Altars, die vier Ecken seiner Sockel und
die Abgrenzung um den Graben mit dem Blut des Stieres bestreichen. So reinigst
du den Altar von aller Schuld, die auf ihm lastet.
Hes 43,21 Danach lass den jungen Stier zu einem bestimmten Platz außerhalb des
Tempelbezirks bringen. Dort muss er verbrannt werden.
Hes 43,22 Am nächsten Tag sollst du einen fehlerlosen Ziegenbock als Sündopfer
darbringen. Wie beim ersten Opfer muss der Altar von aller Schuld, die auf ihm
lastet, gereinigt werden.
Hes 43,23 Wenn du dies getan hast, suche einen jungen Stier und einen jungen
Schafbock aus, beide ohne jeden Fehler.
Hes 43,24 Die Priester sollen die Tiere mit Salz bestreuen und sie dann mir, dem
Herrn, als Brandopfer darbringen.
Hes 43,25 Sieben Tage lang sollst du täglich einen Ziegenbock, einen jungen
Stier und einen Schafbock opfern. Alle Tiere müssen fehlerlos sein.
Hes 43,26 In diesen sieben Tagen sollt ihr den Altar einweihen und ihn von aller
Schuld reinigen, die auf ihm lastet.
Hes 43,27 Vom achten Tag an können die Priester eure regelmäßigen Brandopfer und
Dankopfer auf dem Altar darbringen. Dann nehme ich, der Herr, euch wieder in
Liebe als mein Volk an. Darauf gebe ich mein Wort!«
Hes 44,1 Der Mann, der mich geführt hatte, ging nun mit mir vom inneren Vorhof
wieder zurück zum Osttor der äußeren Tempelmauer. Es war verschlossen.
Hes 44,2 Da sagte der Herr zu mir: »Dieses Tor soll für immer verschlossen
bleiben und nie wieder geöffnet werden. Kein Mensch soll jemals die Schwelle
überschreiten, denn durch dieses Tor bin ich, der Herr, der Gott Israels, wieder
in mein Heiligtum zurückgekehrt.
Hes 44,3 Nur der Herrscher, der mein Volk regieren wird, darf im Torgebäude
seinen Anteil vom Opfer essen, das mir, dem Herrn, dargebracht wird. Er soll das
Gebäude durch die Vorhalle an der Innenseite betreten und es auf demselben Weg
wieder verlassen.«
Hes 44,4 Dann führte mich der Mann durch das Nordtor wieder in den inneren
Vorhof vor den Tempeleingang. Ich sah, wie der ganze Tempel von der herrlichen
Erscheinung des Herrn erfüllt wurde. Da fiel ich vor ihm nieder und berührte mit
meinem Gesicht den Boden.
Hes 44,5 Der Herr sprach zu mir: »Sterblicher Mensch, hör mir gut zu, und sieh
dir genau an, was ich dir zeige! Achte auf meine Worte, und vergiss keine der
Weisungen, die ich dir für mein Heiligtum gebe! Ich habe viele Ordnungen für den
Tempel festgelegt. Merk dir genau, wer dort hineingehen darf und wer nicht.
Hes 44,6 Noch immer lehnt sich mein Volk gegen mich auf. Darum richte ihnen
diese Botschaft von mir aus: Ihr Israeliten, hört auf mit eurem abscheulichen
Treiben!
Hes 44,7 Unbeschnittene Heiden, die mich nicht kennen, lasst ihr in meinen
Tempel gehen - gerade dann, wenn ihr mir das Fett und das Blut eurer Opfertiere
darbringt! So entweiht ihr diese heilige Stätte. Ihr tut, was ich verabscheue,
und brecht den Bund, den ich mit euch geschlossen habe.
Hes 44,8 Den Dienst in meinem Heiligtum wollt ihr nicht verrichten. Nein, diese
Aufgabe habt ihr Männern aus fremden Völkern überlassen!
Hes 44,9 Darum sage ich, der Herr: In Zukunft darf niemand aus einem anderen
Volk, der unbeschnitten ist und mich nicht kennt, mein Heiligtum betreten. Das
gilt auch für die Fremden, die bei euch Israeliten leben.
Hes 44,10 Als mein Volk sich von mir abwandte und anderen Göttern diente, da
haben sogar die Leviten mir den Rücken gekehrt. Nun sollen sie die Folgen
tragen:
Hes 44,11 In Zukunft dürfen sie in meinem Tempel nicht mehr jeden Dienst
verrichten. Sie sollen die Eingänge bewachen und die Tiere schlachten, die das
Volk mir als Brand- und Schlachtopfer darbringen will. So müssen sie dem ganzen
Volk dienen.
Hes 44,12 Bis heute haben sie die Israeliten dazu verleitet, andere Götter zu
verehren und sich gegen mich aufzulehnen. Darum habe ich, der Herr, meine Hand
erhoben und geschworen, sie dafür zu strafen.
Hes 44,13 Von nun an dürfen sie mir nicht mehr als Priester dienen, nie mehr
sollen sie mit dem in Berührung kommen, was ich für besonders heilig erklärt
habe. Diese Schande müssen sie tragen, weil sie getan haben, was ich
verabscheue.
Hes 44,14 Ich lasse sie nur noch die niedrigsten Dienste im Tempel verrichten.«
Hes 44,15 »Eine Ausnahme aber soll es geben: Alle Leviten, die zu den Nachkommen
Zadoks gehören, dürfen mir weiterhin im Heiligtum als Priester dienen. Denn als
die Israeliten sich von mir abwandten, da haben sie den Tempeldienst
gewissenhaft ausgeführt. Darum sollen sie mir das Fett und das Blut der
Opfertiere darbringen. Das sage ich, der Herr.
Hes 44,16 Sie allein dürfen mein Heiligtum betreten, die Opfer auf dem Altar
darbringen und mir im Tempel dienen.
Hes 44,17 Dazu gebe ich diese Anweisungen: Bevor sie durch die Tore in den
inneren Vorhof kommen, sollen sie Kleider aus Leinen anziehen. Wolle dürfen sie
nicht tragen, wenn sie im inneren Vorhof oder im Tempel ihren Dienst ausüben.
Hes 44,18 Ihre Turbane und Hosen müssen aus Leinen sein, denn sie dürfen keine
Kleidung tragen, in der sie schwitzen.
Hes 44,19 Bevor sie wieder in den äußeren Vorhof zu den Menschen hinausgehen,
müssen sie die Gewänder ausziehen, die sie im Tempel getragen haben. In den
heiligen Räumen, die für die Priester bestimmt sind, sollen sie andere Kleider
anziehen. Denn das Volk darf nicht mit ihren heiligen Gewändern in Berührung
kommen.
Hes 44,20 Die Priester sollen sich weder den Kopf kahl scheren noch die Haare
lang wachsen lassen. Ihre Haare sollen kurz geschnitten sein.
Hes 44,21 Bevor sie den inneren Tempelvorhof betreten, dürfen sie keinen Wein
trinken.
Hes 44,22 Ein Priester darf keine geschiedene Frau heiraten. Er soll eine
Israelitin zur Frau nehmen, die noch nie mit einem Mann geschlafen hat. Eine
Witwe darf er nur heiraten, wenn ihr früherer Mann ein Priester war.
Hes 44,23 Die Priester sollen meinem Volk den Unterschied zwischen heilig und
nicht heilig erklären und ihm zeigen, was rein und was unrein ist.
Hes 44,24 Wenn es einen Rechtsstreit gibt, sollen sie Gericht halten und nach
meinen Gesetzen das Urteil sprechen. Bei allen Festen müssen sie die Weisungen
und Ordnungen beachten, die ich dafür gegeben habe. Sie sollen dafür sorgen,
dass der Sabbat als heiliger Tag geachtet wird.
Hes 44,25 Kein Priester darf einen Toten berühren, denn sonst würde er sich
verunreinigen. Nur wenn seine Eltern, seine Kinder, sein Bruder oder seine
unverheiratete Schwester gestorben sind, darf er die Leiche berühren.
Hes 44,26 Wenn er sieben Tage danach wieder rein geworden ist, soll er noch
weitere sieben Tage warten.
Hes 44,27 Erst dann darf er den inneren Vorhof betreten. Bevor er mir aber in
meinem Heiligtum dienen kann, muss er mir ein Sündopfer darbringen. Ich, der
Herr, will es so.
Hes 44,28 Die Priester dürfen nichts erben und keinen Grundbesitz haben. Denn
ich, der Herr, sorge für sie. Was sie brauchen, bekommen sie von mir.
Hes 44,29 Vom Speiseopfer, vom Sünd- und vom Schuldopfer dürfen sie essen.
Alles, was mir geweiht wurde, gehört ihnen.
Hes 44,30 Das Beste von den ersten Erträgen der Ernte ist ihr Anteil, ebenso die
ersten Brote, die ihr Israeliten nach der neuen Ernte backt. Auch von allen
anderen Opfergaben, die ihr mir bringt, bekommen die Priester ihren Anteil. Wenn
ihr euch daran haltet, werde ich eure Familien segnen.
Hes 44,31 Die Priester dürfen kein Fleisch von einem Vogel oder einem anderen
Tier essen, das verendet ist oder von Raubtieren gerissen wurde.«
Hes 45,1 Weiter sagte der Herr zu mir: »Wenn ihr den Stämmen Israels durch das
Los ihr Land zuteilt, sollt ihr für mich ein Gebiet zurückbehalten. In seinem
ganzen Umfang soll es mir geweiht sein und darum als heilig gelten. Es muss 12,5
Kilometer lang und 10 Kilometer breit sein.
Hes 45,2 [2/3] Von diesem Gebiet sollt ihr genau die Hälfte - 12,5 mal 5
Kilometer - abteilen. Darin wird mein Tempel mit dem Allerheiligsten stehen. Er
muss umgeben sein von einem 250 Meter langen und ebenso breiten Bezirk, um den
wiederum ein Streifen brachliegendes Land von 25 Metern Breite führt.
Hes 45,4 Das 12,5 mal 5 Kilometer große Gebiet ist heilig und wird den Priestern
überlassen. Sie dürfen in der Nähe des Tempels ihre Häuser bauen, weil sie mir,
dem Herrn, in meinem Heiligtum dienen.
Hes 45,5 Die andere Hälfte des Gebiets, das ihr für mich zurückbehalten sollt,
ist für die Leviten bestimmt, die am Tempel ihren Dienst versehen. Auf diesem
Stück von 12,5 Kilometern Länge und 5 Kilometern Breite dürfen sie ihre Städte
errichten.
Hes 45,6 An das mir geweihte Gebiet grenzt im Süden das Umland der Stadt
Jerusalem. Es ist 12,5 Kilometer lang und 2,5 Kilometer breit. Hier dürfen
Menschen aus ganz Israel Grundbesitz erwerben.«
Hes 45,7 »Auch eure Herrscher sollen eigenes Land bekommen. Es grenzt auf der
Ost- und Westseite an das mir geweihte Gebiet und an den Bezirk um Jerusalem; es
ist daher genauso breit wie die beiden zusammen. Das Land des Herrschers
erstreckt sich so weit nach Westen und nach Osten, wie die Gebiete eurer Stämme
reichen.
Hes 45,8 Dies und nicht mehr ist der Grundbesitz eurer Herrscher. Sie sollen das
restliche Land den Stämmen überlassen und euch nicht länger unterdrücken.«
Hes 45,9 »Ich, der Herr, sage zu den Herrschern Israels: Schluss mit euren
Betrügereien! Beseitigt Gewalt und Unterdrückung! Tretet ein für Recht und
Gerechtigkeit! Hört auf, mein Volk von seinem Grund und Boden zu vertreiben! Das
befehle ich, der Herr!
Hes 45,10 Wenn ihr Israeliten etwas abwiegt, dann benutzt Waagen, die richtig
eingestellt sind! Eure Maße und Gewichte sollen nicht gefälscht sein.
Hes 45,11 Das Getreidemaß Efa soll genauso viel umfassen wie das Bat, das
Hohlmaß für Flüssiges. Beide, Efa und Bat, müssen ein Zehntel eines Homer
betragen. Das Homer ist die Norm für alle anderen Hohlmaße.
Hes 45,12 Bei den Gewichten soll ein Schekel 20 Gera entsprechen und eine Mine
60 Schekeln.
Hes 45,13 Für die regelmäßigen Opfer sollt ihr folgende Abgaben festsetzen: von
Weizen und Gerste jeweils den 60. Teil
Hes 45,14 und vom Öl den 100. Teil. Das Maß für Öl ist das Bat; 10 Bat
entsprechen einem Homer oder einem Kor.
Hes 45,15 Aus euren Herden sollt ihr von 200 Tieren eines aussuchen. Diese
Abgaben sind für die Speise-, Brand- und Dankopfer bestimmt, mit denen eure
Schuld gesühnt werden soll. Ich, der Herr, will es so.
Hes 45,16 Alle Israeliten müssen diese Abgaben an den Herrscher des Landes
entrichten.
Hes 45,17 Euer Herrscher soll an allen Feiertagen, bei Neumondfeiern, am Sabbat
und bei allen Festen für die Opfer sorgen. Er ist dafür verantwortlich, dass mir
die Brandopfer, die Speise- und Trankopfer, die Sündopfer und die Dankopfer
dargebracht werden. Dann werde ich euch Israeliten eure Schuld vergeben.«
Hes 45,18 »Ich, der Herr, sage euch: Am 1. Tag des 1. Monats sollt ihr einen
fehlerlosen jungen Stier aussuchen. Bringt ihn mir am Heiligtum als Opfer dar,
um es von aller Schuld zu reinigen.
Hes 45,19 Der Priester soll mit dem Blut des Stieres die Türrahmen des Tempels,
die vier Ecken der Altarsockel und die Türrahmen der Tore bestreichen, die zum
inneren Vorhof führen.
Hes 45,20 Das Gleiche sollt ihr nochmals am 7. Tag des 1. Monats tun, damit all
denen vergeben wird, die unbeabsichtigt oder unwissentlich gesündigt haben. So
reinigt ihr den Tempel von aller Schuld.
Hes 45,21 Am 14. Tag des 1. Monats soll das Passahfest beginnen. Feiert es
sieben Tage lang, und esst in dieser Zeit nur Brot, das ohne Sauerteig gebacken
wurde!
Hes 45,22 Am ersten Tag soll euer Herrscher für sich selbst und für das ganze
Volk einen Stier als Sündopfer darbringen.
Hes 45,23 Während der sieben Tage des Festes muss er täglich sieben junge Stiere
und sieben Schafböcke, die ohne jeden Fehler sind, als Opfer für mich verbrennen
und mir einen Ziegenbock als Sündopfer darbringen.
Hes 45,24 Als Speiseopfer kommen zu jedem Stier und jedem Schafbock zwölf
Kilogramm Mehl und vier Liter Öl.
Hes 45,25 Am 15. Tag des 7. Monats beginnt das Laubhüttenfest. Sieben Tage lang
soll euer Herrscher täglich die gleichen Opfer darbringen wie beim Passahfest:
die Sündopfer, Brandopfer, Speiseopfer und das Öl.«
Hes 46,1 »Ich, der Herr, sage: Das Tor, das von Osten her in den inneren Vorhof
führt, muss an den sechs Werktagen verschlossen bleiben. Nur am Sabbat und am
Neumondtag darf es geöffnet werden.
Hes 46,2 Dann soll der Herrscher vom äußeren Vorhof her das Torgebäude durch die
Vorhalle betreten. Beim Türrahmen am Ausgang des Tores bleibt er stehen, um von
dort aus zuzusehen, wie die Priester sein Brandopfer und sein Dankopfer
darbringen. Er wirft sich an der Schwelle des Tores vor mir nieder und betet
mich an. Anschließend verlässt er das Torgebäude wieder. Bis zum Abend soll es
nicht verschlossen werden.
Hes 46,3 Auch die Israeliten sollen mich am Sabbat und am Neumondtag anbeten und
sich im äußeren Vorhof am Eingang des Osttors vor mir niederwerfen.
Hes 46,4 Für das Brandopfer am Sabbat, das der Herrscher mir darbringt, nimmt er
sechs Lämmer und einen fehlerlosen Schafbock.
Hes 46,5 Als Speiseopfer gehören zusätzlich zu dem Schafbock zwölf Kilogramm
Mehl und vier Liter Öl; bei den Lämmern kann der Herrscher so viel dazugeben,
wie er möchte.
Hes 46,6 Am Neumondtag soll er einen jungen Stier, sechs Lämmer und einen
Schafbock für mich verbrennen lassen. Alle Tiere müssen ohne jeden Fehler sein.
Hes 46,7 Zusätzlich zu dem jungen Stier und dem Schafbock soll er mir als
Speiseopfer jeweils zwölf Kilogramm Mehl und vier Liter Öl darbringen; bei den
Lämmern kann er selbst bestimmen, wie viel er dazugibt.
Hes 46,8 Der Herrscher soll das Torgebäude durch die Vorhalle betreten und es
auf demselben Weg wieder verlassen.
Hes 46,9 An den Festtagen sollen die Israeliten in den äußeren Tempelvorhof
kommen, um mich, den Herrn, anzubeten. Niemand darf durch das Tor wieder
hinausgehen, durch das er gekommen ist. Alle müssen durch das gegenüberliegende
Tor den Vorhof verlassen. Wer durchs Nordtor hineinkam, muss durchs Südtor
wieder hinaus; und wer durchs Südtor den Vorhof betrat, soll ihn durchs Nordtor
verlassen.
Hes 46,10 Der Herrscher muss gemeinsam mit den Israeliten in den äußeren Vorhof
kommen und auch zusammen mit ihnen wieder hinausgehen.
Hes 46,11 An den Festtagen und während der großen Feste des Jahres sollen
zusätzlich zu dem Stier und dem Schafbock je zwölf Kilogramm Mehl und vier Liter
Öl als Speiseopfer dargebracht werden. Bei den Lämmern kann der Herrscher so
viel dazugeben, wie er möchte.
Hes 46,12 Wenn er mir ein freiwilliges Opfer darbringen will - ein Brand- oder
Dankopfer -, dann soll das Osttor zum inneren Vorhof für ihn geöffnet werden. Er
kann ins Torgebäude hineingehen und die Opfer dann auf dieselbe Art und Weise
darbringen lassen wie am Sabbat. Anschließend muss er das Torgebäude wieder
verlassen, und man soll es hinter ihm verschließen.
Hes 46,13 Jeden Morgen sollen die Israeliten ein Lamm für mich verbrennen, das
ein Jahr alt ist und keinerlei Fehler hat.
Hes 46,14 Dazu kommt ein Speiseopfer: zwei Kilogramm Mehl und gut ein Liter Öl,
das auf das Mehl gegossen wird. Diese Ordnung für das Speiseopfer, das mir, dem
Herrn, dargebracht wird, bleibt für immer gültig.
Hes 46,15 Jeden Morgen sollen das Lamm, das Mehl und das Öl für mich verbrannt
werden.«
Hes 46,16 »Ich, der Herr, sage: Wenn der Herrscher Israels seinen Söhnen ein
Stück Land von seinem Grund und Boden überlässt, dann ist es von da an ihr
Erbbesitz.
Hes 46,17 Gibt er aber einem seiner Untergebenen ein Stück Land, gehört es
diesem nur bis zum nächsten Erlassjahr. Dann fällt es wieder an den Herrscher
zurück. Nur seine Söhne dürfen für immer behalten, was er ihnen gegeben hat. So
bleibt der Grundbesitz in der Familie.
Hes 46,18 Der Herrscher darf aber kein Land für sich beanspruchen, das den
Israeliten gehört. Das Volk soll nicht von seinem Grund und Boden vertrieben
werden. Nur was er selbst besitzt, darf er seinen Söhnen vererben. Denn mein
Volk darf nicht von seinem eigenen Land verdrängt werden.«
Hes 46,19 Der Mann, der mich bisher geführt hatte, brachte mich zu dem Gang, der
seitlich vom Nordtor des inneren Vorhofs begann. Wir gingen westwärts und kamen
in das nördlich gelegene Gebäude mit den heiligen Priesterräumen. Ganz hinten,
an der Außenmauer des Tempelbezirks, gab es einen besonderen Raum.
Hes 46,20 Der Mann sagte zu mir: »Hier kochen die Priester das Fleisch, das sie
als Anteil am Sünd- und Schuldopfer bekommen. Hier backen sie auch Brot aus dem
Mehl für das Speiseopfer. Nichts von dem, was für die Opfer bestimmt war, darf
übrig bleiben und in den äußeren Vorhof hinausgebracht werden. Denn das Volk
soll nicht mit den heiligen Opfergaben in Berührung kommen.«
Hes 46,21 Danach ging der Mann wieder mit mir in den äußeren Vorhof und führte
mich nacheinander zu den vier Ecken der äußeren Tempelmauer. In jeder gab es
einen abgegrenzten Bereich,
Hes 46,22 der 20 Meter lang und 15 Meter breit war. Alle vier Bereiche hatten
genau die gleichen Maße.
Hes 46,23 Die Abgrenzung bestand aus einer Steinmauer mit Feuerstellen an der
Innenseite.
Hes 46,24 Der Mann sagte zu mir: »Hier sind die Küchen, in denen die Leviten,
die ihren Dienst im Tempel versehen, das Fleisch für die Opfermahlzeit des
Volkes kochen.«
Hes 47,1 Dann führte mich der Mann noch einmal zum Eingang des Tempelgebäudes,
der nach Osten lag. Dort sah ich Wasser unter der Schwelle hervorquellen. Erst
floss es an der Vorderseite des Tempels entlang in südlicher Richtung, dann am
Altar vorbei nach Osten.
Hes 47,2 Der Mann verließ mit mir den Tempelbezirk durch das Nordtor des äußeren
Vorhofs, und wir gingen an der Außenmauer entlang bis zum Osttor. Ich sah, wie
das Wasser an der Südseite des Torgebäudes hervorkam.
Hes 47,3 Wir folgten dem Wasserlauf in östlicher Richtung; nachdem der Mann mit
seiner Messlatte 500 Meter ausgemessen hatte, ließ er mich an dieser Stelle
durch das Wasser gehen. Es war nur knöcheltief.
Hes 47,4 Wieder maß er 500 Meter aus, und jetzt reichte es mir schon bis an die
Knie. Nach weiteren 500 Metern stand ich bis zur Hüfte im Wasser.
Hes 47,5 Ein letztes Mal folgte ich dem Mann 500 Meter, und nun war das Wasser
zu einem tiefen Fluss geworden, durch den ich nicht mehr gehen konnte. Man
konnte nur noch hindurchschwimmen.
Hes 47,6 Der Mann fragte mich: »Hast du das gesehen, sterblicher Mensch?« Dann
brachte er mich wieder ans Ufer zurück.
Hes 47,7 Ich sah, dass auf beiden Seiten des Flusses sehr viele Bäume standen.
Hes 47,8 Der Mann sagte zu mir: »Dieser Fluss fließt weiter nach Osten in das
Gebiet oberhalb der Jordanebene, dann durchquert er die Ebene und mündet
schließlich ins Tote Meer. Dort verwandelt er das Salzwasser in gesundes
Süßwasser.
Hes 47,9 Wohin der Fluss kommt, da wird es bald wieder Tiere in großer Zahl und
viele Fische geben. Ja, durch ihn wird das Wasser des Toten Meeres gesund, so
dass es darin von Tieren wimmelt.
Hes 47,10 Am Ufer des Meeres leben dann Fischer, von En-Gedi bis En-Eglajim
breiten sie ihre Netze zum Trocknen aus. Fische aller Art wird es wieder dort
geben, so zahlreich wie im Mittelmeer.
Hes 47,11 Nur in den Sümpfen und Teichen rund um das Tote Meer wird kein
Süßwasser sein. Aus ihnen soll auch in Zukunft Salz gewonnen werden.
Hes 47,12 An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen. Ihre
Blätter verwelken nie, und sie tragen für immer reiche Frucht. Denn der Fluss,
der ihren Wurzeln Wasser gibt, kommt aus dem Heiligtum. Monat für Monat bringen
sie neue, wohlschmeckende Früchte hervor, und ihre Blätter heilen die Menschen
von ihren Krankheiten.«
Hes 47,13 Dann sprach der Herr zu mir: »Ich will dir die Grenzen des Landes
beschreiben, das ihr unter die zwölf Stämme aufteilen sollt. Dabei stehen den
Nachkommen Josefs zwei Gebiete zu.
Hes 47,14 Euren Vorfahren habe ich geschworen, ihnen dieses Land zu schenken.
Darum sollt ihr es für immer behalten und an eure Nachkommen weitervererben.
Teilt es so unter euch auf, dass jeder Stamm sein eigenes Gebiet erhält!
Hes 47,15 Die Nordgrenze des Landes verläuft vom Mittelmeer ostwärts in Richtung
der Städte Hetlon, Hamat und Zedad,
Hes 47,16 dann weiter nach Berota und Sibrajim, das an der Grenze zwischen dem
Herrschaftsbereich von Damaskus und dem von Hamat liegt. Dann führt sie zur
Stadt Hazar-Enan am Rand des Haurangebirges.
Hes 47,17 Nördlich dieser Linie vom Mittelmeer bis nach Hazar-Enan liegt der
Herrschaftsbereich von Damaskus und von Hamat.
Hes 47,18 Die Ostgrenze beginnt dort, wo das Gebiet von Damaskus an das
Haurangebirge grenzt. Von dort an bildet der Jordan die Grenze zwischen dem Land
Israel im Westen und der Landschaft Gilead im Osten, bis hinunter zur Stadt
Tamar am Toten Meer.
Hes 47,19 Die Südgrenze verläuft von Tamar bis zu den Quellen von
Meribat-Kadesch und von dort weiter zu dem Bach, der die Grenze nach Ägypten
bildet und ins Mittelmeer mündet.
Hes 47,20 Die Westgrenze bildet das Mittelmeer bis hinauf nach Hamat.
Hes 47,21 Teilt dieses Land unter eure Stämme auf.
Hes 47,22 Ihr sollt es für immer besitzen und an eure Nachkommen weitervererben.
Jede Familie bekommt ihren Anteil durch das Los zugewiesen; dabei sollen die
Fremden, die unter euch leben, genauso berücksichtigt werden. Wenn das Land der
einzelnen Stämme aufgeteilt wird, dann behandelt die Fremden und ihre Familien
wie Israeliten. Sie sollen euch in allem gleichgestellt sein.
Hes 47,23 In dem Stammesgebiet, wo sie wohnen, steht ihnen ihr eigener Anteil
zu. Ich, der Herr, will es so.«
Hes 48,1 »Die nördliche Grenze Israels verläuft vom Mittelmeer ostwärts in
Richtung der Stadt Hetlon, dann weiter über Hamat bis nach Hazar-Enan. Nördlich
dieser Linie liegt der Herrschaftsbereich von Damaskus, direkt neben dem von
Hamat. Jeder Stamm bekommt seinen eigenen Grundbesitz zugewiesen. Im
nördlichsten Teil des Landes liegt das Gebiet des Stammes Dan, das sich von der
West- bis zur Ostgrenze erstreckt.
Hes 48,2 [2-7] Darauf folgen in südlicher Richtung die Stämme Asser, Naftali,
Manasse, Ephraim, Ruben und Juda. Auch ihr Land reicht jeweils von der West- bis
zur Ostgrenze.
Hes 48,8 Südlich an den Grundbesitz von Juda grenzt das Gebiet, das ihr für mich
zurückbehalten sollt. Es erstreckt sich - wie auch die Stammesgebiete - vom
Mittelmeer bis zur Ostgrenze des Landes; von Norden nach Süden ist es 12,5
Kilometer breit. In seiner Mitte steht das Heiligtum.
Hes 48,9 Der Teil, der mir besonders geweiht ist, hat von Westen nach Osten eine
Länge von 12,5 Kilometern und von Norden nach Süden eine Breite von 10
Kilometern.
Hes 48,10 [10-12] Die eine Hälfte dieses heiligen Bezirks steht den Priestern,
den Nachkommen Zadoks, zu. Denn sie haben sich nicht wie die Leviten von mir
abgewandt, als die Israeliten mir den Rücken kehrten. Sie allein sind mir treu
geblieben und haben den Tempeldienst gewissenhaft ausgeübt. Darum bekommen sie
von dem mir geweihten Land den Teil, der besonders heilig ist, weil dort der
Tempel steht. Dieser Bereich ist 12,5 Kilometer lang und 5 Kilometer breit.
Hes 48,13 Die Leviten erhalten die andere Hälfte des heiligen Gebiets. Es ist
wie das Stück der Priester 12,5 Kilometer lang und 5 Kilometer breit.
Hes 48,14 Der ganze Bezirk, der mir, dem Herrn, gehört, ist der beste Teil des
Landes. Weil er heilig ist, dürft ihr ihn nicht verkaufen oder gegen ein anderes
Gebiet eintauschen. Er soll nicht an einen anderen Besitzer übergehen.
Hes 48,15 Südlich des heiligen Bezirks, auf dem der Tempel steht, bleibt noch
ein 2,5 mal 12,5 Kilometer großes Gebiet übrig. Es gilt nicht als heilig. Hier
können sich die Einwohner Jerusalems ansiedeln und Weideplätze für ihre Herden
anlegen. Die Stadt Jerusalem soll in der Mitte dieses Bereichs liegen.
Hes 48,16 Ihr Grundriss ist quadratisch mit einer Seitenlänge von 2,25
Kilometern.
Hes 48,17 Rundherum verläuft ein Streifen Weideland von 125 Metern Breite.
Hes 48,18 Daran grenzt nach Westen und nach Osten je ein 5 Kilometer langes
Gebiet. Die Nordseite des gesamten Bereichs ist genauso lang wie der mir
geweihte Bezirk und schließt sich direkt daran an. Hier können alle, die in
Jerusalem arbeiten, Felder bebauen und die Ernte einbringen.
Hes 48,19 Wer in der Stadt wohnt, darf dort die Felder bestellen, ganz gleich,
aus welchem Stamm er kommt.
Hes 48,20 Der ganze Bezirk, den ihr für mich zurückbehaltet, soll zusammen mit
dem Gebiet um Jerusalem ein Quadrat von 12,5 mal 12,5 Kilometern bilden.
Hes 48,21 [21/22] Westlich und östlich an das mir geweihte Land und an das
Gebiet um Jerusalem grenzt der Grundbesitz des Herrschers. Er ist von Norden
nach Süden 12,5 Kilometer breit - genauso wie die beiden heiligen Bezirke und
das Stadtgebiet von Jerusalem zusammen. Nach Westen erstreckt er sich bis zum
Mittelmeer und nach Osten bis zum Jordan, wie die Gebiete der Stämme. Er nimmt
den ganzen Bereich zwischen dem Gebiet Judas im Norden und dem Grundbesitz
Benjamins im Süden ein, ausgenommen das Mittelstück, das für die Priester und
die Leviten bestimmt ist und auf dem die Stadt Jerusalem und der Tempel stehen.
Hes 48,23 [23-27] Daran schließen sich in südlicher Richtung - jeweils von der
Westgrenze bis zur Ostgrenze - die Gebiete der Stämme Benjamin, Simeon,
Issaschar, Sebulon und Gad an.
Hes 48,28 Südlich des Grundbesitzes von Gad verläuft die Grenze Israels von
Tamar zu den Quellen von Meribat-Kadesch und von dort weiter zu dem Bach, der
die Grenze nach Ägypten bildet und ins Mittelmeer mündet.
Hes 48,29 Teilt den einzelnen Stämmen ihr Gebiet durch das Los zu. Sie sollen es
für immer besitzen und an ihre Nachkommen weitervererben. Ich, der Herr, will es
so.«
Hes 48,30 [30-35] »Rings um Jerusalem verläuft eine Mauer, sie ist auf jeder
Seite 2,25 Kilometer lang und hat einen Gesamtumfang von 9 Kilometern. In die
Stadt führen zwölf Tore, die nach den Stämmen Israels benannt sind. Auf jeder
Seite gibt es drei Tore: nach Norden das Ruben-Tor, das Juda-Tor und das
Levi-Tor, nach Osten das Josef-Tor, das Benjamin-Tor und das Dan-Tor, nach Süden
das Simeon-Tor, das Issaschar-Tor und das Sebulon-Tor und nach Westen das
Gad-Tor, das Asser-Tor und das Naftali-Tor. Von nun an soll die Stadt den Namen
tragen: ›Hier wohnt der Herr.‹«
Dan 1,1 Im 3. Regierungsjahr Jojakims, des Königs von Juda, zog der babylonische
König Nebukadnezar mit seinem Heer nach Jerusalem und belagerte die Stadt.
Dan 1,2 Der Herr ließ König Jojakim in seine Hände fallen, ebenso einen Teil der
wertvollen Tempelgegenstände. Nebukadnezar brachte sie in sein Land und bewahrte
sie in der Schatzkammer im Tempel seines Gottes auf.
Dan 1,3 Dann befahl er seinem obersten Hofbeamten Aschpenas: »Wähle einige junge
Israeliten aus dem judäischen Königshaus und den vornehmen Familien aus!
Dan 1,4 Sie sollen gut aussehen und gesund sein. Außerdem müssen sie Weisheit
und Bildung mitbringen und eine rasche Auffassungsgabe besitzen; dann sind sie
zum Dienst an meinem Hof geeignet. Sie sollen unsere Sprache schreiben und
sprechen lernen!
Dan 1,5 Gib ihnen jeden Tag Speise und Wein von der königlichen Tafel, sie
sollen das Gleiche essen und trinken wie ich. Nach dreijähriger Ausbildung
können sie in meinen Dienst treten.«
Dan 1,6 Unter den Judäern, die ausgesucht wurden, waren Daniel, Hananja,
Mischaël und Asarja.
Dan 1,7 Der oberste Hofbeamte gab ihnen babylonische Namen: Daniel nannte er
Beltschazar, Hananja Schadrach, Mischaël Meschach und Asarja Abed-Nego.
Dan 1,8 Daniel nahm sich fest vor, niemals von der Speise des Königs zu essen
und von seinem Wein zu trinken; denn sonst hätte er das Gesetz Gottes
missachtet, das bestimmte Speisen für unrein erklärt. Darum bat er Aschpenas,
auf die königlichen Speisen und den Wein verzichten zu dürfen.
Dan 1,9 Gott sorgte dafür, dass Aschpenas Daniel wohlgesinnt war und Verständnis
für ihn zeigte.
Dan 1,10 Trotzdem hatte der Mann Bedenken: »Ich habe Angst vor meinem Herrn, dem
König. Er hat festgelegt, was ihr essen und trinken sollt. Wenn er merkt, dass
ihr nicht so gesund ausseht wie die anderen jungen Männer, lässt er mich
köpfen!«
Dan 1,11 Da wandte sich Daniel an den Aufseher, den der oberste Hofbeamte über
ihn und seine drei Freunde eingesetzt hatte:
Dan 1,12 »Versuch es doch zehn Tage lang, uns nur Gemüse und Wasser zu geben.
Dan 1,13 Danach vergleiche unser Aussehen mit dem der anderen jungen Männer, die
von der Tafel des Königs essen. Und dann entscheide, was du in Zukunft mit uns
tun willst.«
Dan 1,14 Der Aufseher willigte ein und erfüllte ihren Wunsch.
Dan 1,15 Nach zehn Tagen sahen Daniel und seine Freunde sogar gesünder und
kräftiger aus als alle anderen, die von den königlichen Speisen bekamen.
Dan 1,16 Darum gab der Aufseher ihnen von nun an immer Gemüse, von der Tafel des
Königs brauchten sie nichts zu nehmen.
Dan 1,17 Gott schenkte den vier jungen Männern außergewöhnliche Weisheit und
Erkenntnis; schon bald waren sie mit dem gesamten Wissen Babyloniens vertraut.
Daniel konnte außerdem Visionen und Träume deuten.
Dan 1,18 Nach Ablauf der drei Jahre befahl König Nebukadnezar, ihm alle jungen
Israeliten vorzustellen. Der oberste Hofbeamte brachte sie zum König,
Dan 1,19 und dieser sprach mit ihnen. Dabei wurde ihm klar, dass Daniel,
Hananja, Mischaël und Asarja alle anderen in den Schatten stellten. Von nun an
waren sie seine Berater.
Dan 1,20 Immer wenn der König vor schwierigen Entscheidungen stand und auf ein
sicheres Urteil angewiesen war, fragte er die vier Freunde um Rat. Denn er hatte
erkannt, dass sie allen Wahrsagern und Geisterbeschwörern seines Landes weit
überlegen waren.
Dan 1,21 Daniel blieb am Königshof bis zum 1. Regierungsjahr des Königs Kyrus.
Dan 2,1 In seinem 2. Regierungsjahr hatte König Nebukadnezar einen Traum, der
ihm solche Sorgen machte, dass er nicht mehr einschlafen konnte.
Dan 2,2 Da ließ er seine Berater rufen, alle Wahrsager, Geisterbeschwörer,
Zauberer und Sterndeuter, damit sie ihm seinen Traum erklärten. Als sie sich
beim König versammelt hatten,
Dan 2,3 begann er: »Ich habe etwas geträumt, das mir sehr zu schaffen macht. Nun
möchte ich wissen, was es damit auf sich hat.«
Dan 2,4 Da antworteten die Sterndeuter auf Aramäisch: »Lang lebe der König!
Erzähl uns, deinen ergebenen Dienern, den Traum, dann wollen wir ihn deuten!«
Dan 2,5 Aber der König entgegnete: »Nein, erzählt ihr mir, was ich geträumt
habe, und erklärt es mir! Wenn ihr das nicht könnt, lasse ich euch in Stücke
hauen und eure Häuser in Schutt und Asche legen. Niemand bringt mich davon ab.
Dan 2,6 Doch wenn ihr meinen Traum herausbekommt und ihn deuten könnt, beschenke
ich euch reich und lasse euch große Ehre zuteil werden. Beschreibt ihn mir also,
und erklärt ihn!«
Dan 2,7 Die Männer baten noch einmal: »Der König möge ihn uns beschreiben; dann
werden wir bestimmt sagen können, welche Botschaft er enthält.«
Dan 2,8 Da warf der König ihnen vor: »Ihr wollt euch doch nur herausreden und
Zeit gewinnen, weil ihr wisst, dass ich meine Drohung wahr mache.
Dan 2,9 Wenn ihr mir nicht sagt, was ich geträumt habe, lasse ich euer
Todesurteil vollstrecken. Ich durchschaue eure Pläne: Ihr wollt mir eine
Traumdeutung vorsetzen, die nichts als Lug und Trug ist. So meint ihr, mich
hinhalten zu können, bis mein Zorn sich gelegt hat. Doch ich bleibe dabei:
Erzählt mir den Traum, denn so erkenne ich, dass ihr mir auch die Wahrheit sagt,
wenn ihr ihn erklärt.«
Dan 2,10 Die Sterndeuter antworteten: »Kein Mensch auf der ganzen Welt kann
diesen Wunsch erfüllen. Noch nie hat ein König, und sei er noch so mächtig, so
etwas von einem Wahrsager, Geisterbeschwörer oder Sterndeuter verlangt.
Dan 2,11 Was du uns da zumutest, ist für Menschen nicht möglich. Nur die Götter
können dir, o König, deinen Traum offenbaren! Doch sie wohnen nicht bei uns
sterblichen Menschen.«
Dan 2,12 Da verlor Nebukadnezar die Beherrschung. Voller Zorn ordnete er an,
sämtliche königlichen Berater hinzurichten.
Dan 2,13 Überall gab man den Befehl bekannt: »Alle Gelehrten sollen getötet
werden!« Auch nach Daniel und seinen Freunden wurde gesucht.
Dan 2,14 Als Daniel davon erfuhr, wandte er sich an Arjoch, den Befehlshaber der
königlichen Leibwache, der schon die Hinrichtungen vorbereitete. Er überlegte
jedes Wort genau und fragte ruhig:
Dan 2,15 »Warum hat Nebukadnezar einen solch harten Befehl erteilt?« Arjoch
erzählte ihm, wie es dazu gekommen war.
Dan 2,16 Sofort ging Daniel zum König und bat ihn: »Gib mir etwas Zeit, dann
werde ich dir deinen Traum deuten.«
Dan 2,17 Zu Hause erzählte er alles seinen Freunden Hananja, Mischaël und
Asarja.
Dan 2,18 »Bittet den Gott des Himmels um Gnade«, sagte er zu ihnen, »fleht zu
ihm, dass er mir anvertraut, was sich hinter diesem Geheimnis verbirgt! Sonst
werden wir zusammen mit den anderen Beratern des Königs umgebracht!«
Dan 2,19 In der Nacht hatte Daniel eine Vision und erfuhr, was der Traum
bedeutete. Da pries er den Gott des Himmels:
Dan 2,20 »Gelobt sei Gott, jetzt und in alle Ewigkeit! Ihm allein gehören Macht
und Weisheit.
Dan 2,21 Er ist der Herr der Zeit und bestimmt, was wann geschieht; er setzt
Könige ab und überlässt anderen ihren Thron. Den Weisen schenkt er ihre Weisheit
und den Verständigen ihren Verstand!
Dan 2,22 Er enthüllt die unergründlichsten Geheimnisse und weiß, was im Dunkeln
verborgen ist, denn er selbst ist vom Licht umgeben.
Dan 2,23 Ja, ich lobe und preise dich, du Gott meiner Vorfahren! Denn du hast
mir Weisheit und Kraft geschenkt. Du hast unsere Gebete erhört und mir den Traum
des Königs enthüllt!«
Dan 2,24 Nun ging Daniel zu Arjoch und bat ihn: »Lass die königlichen Berater
nicht umbringen! Führ mich zu Nebukadnezar, denn ich kann ihm sagen, was er
geträumt hat und was es bedeutet.«
Dan 2,25 Arjoch brachte Daniel auf dem schnellsten Weg zum König und berichtete:
»Ich habe unter den Verbannten aus Judäa einen Mann gefunden, der dem König
seinen Traum erklären will!«
Dan 2,26 Nebukadnezar wandte sich an Daniel, der Beltschazar genannt wurde:
»Kannst du mir denn wirklich sagen, was ich im Traum gesehen habe und was es
bedeutet?«
Dan 2,27 »Mein König«, erwiderte Daniel, »hinter dein Geheimnis kann keiner
deiner Berater kommen, weder Geisterbeschwörer noch Wahrsager, noch Sterndeuter.
Dan 2,28 Aber es gibt einen Gott im Himmel, der das Verborgene ans Licht bringt.
Dieser Gott hat dich, König Nebukadnezar, in die fernste Zukunft blicken lassen.
Und jetzt sage ich dir, welche Vision du im Traum hattest:
Dan 2,29 Als du auf deinem Bett lagst, warst du in Gedanken versunken. Dich
beschäftigte, was in der Zeit nach deiner Herrschaft kommen würde. Und der Gott,
der Geheimnisse enthüllt, hat dich in die Zukunft schauen lassen.
Dan 2,30 Wenn ich dir nun den Traum erzählen kann, dann nicht, weil ich klüger
wäre als andere Menschen. Nein, Gott hat es mir offenbart, damit du, mein König,
eine Antwort auf das bekommst, was dich so beunruhigt.
Dan 2,31 In deiner Vision sahst du eine riesige Statue vor dir. Von ihr ging ein
greller Glanz aus, und ihre ganze Erscheinung jagte dir Angst ein.
Dan 2,32 Der Kopf war aus reinem Gold, die Brust und die Arme waren aus Silber,
Bauch und Hüften aus Bronze,
Dan 2,33 die Beine aus Eisen und die Füße teils aus Eisen, teils aus Ton.
Dan 2,34 Während du noch schautest, löste sich plötzlich ohne menschliches Zutun
ein Stein von einem Berg. Er traf die Füße aus Eisen und Ton und zermalmte sie.
Dan 2,35 Die ganze Statue brach in sich zusammen; Ton, Eisen, Bronze, Silber und
Gold zerfielen zu Staub, den der Wind wegblies wie die Spreu von einem
Dreschplatz. Nichts war mehr davon zu sehen! Der Stein aber, der die Statue
zertrümmert hatte, wuchs zu einem riesigen Berg und breitete sich über die ganze
Erde aus.
Dan 2,36 Das war der Traum. Nun werde ich dir, mein König, erklären, was er
bedeutet:
Dan 2,37 Du bist der mächtigste König, größer als alle anderen. Dir hat der Gott
des Himmels die Herrschaft anvertraut und dir Macht, Stärke und Ruhm geschenkt.
Dan 2,38 Alle Menschen, ja, sogar die wilden Tiere und die Vögel hat er in deine
Hand gegeben. Er hat dich dazu bestimmt, über sie alle zu regieren. Du bist der
Kopf aus Gold.
Dan 2,39 Das Reich, das nach dir kommt, wird schwächer sein als deines. Das
dritte, das bronzene, wird die ganze Welt beherrschen.
Dan 2,40 Das vierte ist hart wie Eisen. Es zerschlägt alle anderen Reiche, so
wie hartes, schweres Eisen alles zermalmt.
Dan 2,41 [41/42] Doch du hast gesehen, dass die Füße und Zehen der Statue teils
aus Eisen, teils aus Ton waren. Dies bedeutet: Das Reich ist geteilt. Die eine
Hälfte ist stark wie Eisen, die andere brüchig wie Ton.
Dan 2,43 Die Herrscher wollen ihre Familien durch Heiraten miteinander
verbinden, doch ihr Bündnis hält nicht, genauso wenig wie Eisen und Ton
aneinander haften bleiben.
Dan 2,44 Noch während die Könige dieses Reiches an der Macht sind, wird der Gott
des Himmels sein Reich aufbauen, das nie zugrunde geht. Kein anderes Volk kann
ihm jemals die Herrschaft streitig machen. Ja, es bringt alle anderen Reiche zum
Verschwinden und wird selbst für immer fortbestehen.
Dan 2,45 Das, mein König, war der Stein, der ohne menschliches Zutun vom Berg
losbrach und die Statue aus Ton, Eisen, Bronze, Silber und Gold zertrümmerte.
Ein mächtiger Gott hat dich in die Zukunft sehen lassen. Ich habe dir deinen
Traum genau beschrieben, und meine Deutung trifft zu.«
Dan 2,46 Da warf König Nebukadnezar sich vor Daniel nieder. Er befahl, man solle
ihm Opfer darbringen und Weihrauch für ihn verbrennen.
Dan 2,47 Zu Daniel sagte er: »Es gibt keinen Zweifel: Euer Gott ist der größte
aller Götter und der Herr über alle Könige! Er bringt Verborgenes ans Licht,
sonst hättest du dieses Geheimnis nie aufdecken können.«
Dan 2,48 Nebukadnezar gab Daniel eine hohe Stellung am Hof und beschenkte ihn
großzügig. Er setzte ihn als Statthalter über die ganze Provinz Babylon ein und
ernannte ihn zu seinem obersten Berater.
Dan 2,49 Auf Daniels Wunsch betraute er Schadrach, Meschach und Abed-Nego mit
der Verwaltung der Provinz Babylon. Daniel selbst blieb am Hof des Königs.
Dan 3,1 König Nebukadnezar ließ eine goldene Statue von dreißig Metern Höhe und
drei Metern Breite anfertigen und in der Ebene Dura in der Provinz Babylon
aufstellen.
Dan 3,2 Dann lud er zur Einweihung alle führenden Beamten seines Reiches ein,
die Statthalter und ihre Stellvertreter, die königlichen Berater, die
Schatzmeister und Richter, die hohen Würdenträger und alle anderen Beamten der
Provinzen.
Dan 3,3 Sie kamen und versammelten sich vor dem Standbild.
Dan 3,4 Dann rief ein Herold mit lauter Stimme: »Ihr Männer aus allen Völkern,
Ländern und Sprachen! Der König befiehlt euch:
Dan 3,5 Sobald ihr den Klang der Hörner und Flöten, der Zithern und Harfen, der
Lauten, Pfeifen und aller anderen Instrumente hört, sollt ihr euch niederwerfen
und die goldene Statue anbeten, die König Nebukadnezar aufstellen ließ.
Dan 3,6 Wer es nicht tut, wird bei lebendigem Leib im Ofen verbrannt!«
Dan 3,7 Als die Musik einsetzte, warfen sich alle zu Boden und beteten die
goldene Statue an.
Dan 3,8 Einige Sterndeuter aber verklagten die Juden bei Nebukadnezar.
Dan 3,9 Sie sagten zu ihm: »Lang lebe der König!
Dan 3,10 Du, o König, hast doch angeordnet, dass jeder sich beim Klang der
Instrumente niederwerfen und die Statue anbeten muss.
Dan 3,11 Wer dies nicht tut, soll in den Ofen geworfen werden.
Dan 3,12 Nun sind hier einige Juden, denen du die Verwaltung der Provinz Babylon
anvertraut hast: Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Diese Männer haben sich über
deinen Befehl hinweggesetzt. Sie dienen deinen Göttern nicht, und sie weigern
sich, deine goldene Statue anzubeten.«
Dan 3,13 Da packte den König der Zorn, und voller Wut ließ er die drei kommen.
Als sie vor ihm standen,
Dan 3,14 stellte er sie zur Rede: »Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ist es
wahr, dass ihr meinen Göttern keine Ehre erweist? Warum wollt ihr euch nicht vor
meiner Statue niederwerfen?
Dan 3,15 Ich gebe euch eine letzte Gelegenheit: Wenn jetzt die Musik ertönt und
ihr niederfallt, lasse ich noch einmal Gnade vor Recht ergehen. Wenn ihr euch
aber meinem Befehl widersetzt, werdet ihr auf der Stelle in den Ofen geworfen.
Glaubt ihr, dass euch dann noch ein Gott aus meiner Gewalt retten kann?«
Dan 3,16 Schadrach, Meschach und Abed-Nego jedoch entgegneten: »Wir werden gar
nicht erst versuchen, uns vor dir zu verteidigen.
Dan 3,17 Unser Gott, dem wir dienen, kann uns aus dem Feuer und aus deiner
Gewalt retten.
Dan 3,18 Aber auch wenn er es nicht tut, musst du wissen, o König, dass wir nie
deine Götter anbeten oder uns vor der goldenen Statue niederwerfen werden.«
Dan 3,19 Da verlor Nebukadnezar die Beherrschung, und sein Gesicht verzerrte
sich vor Wut. Er ordnete an, den Ofen siebenmal stärker als gewöhnlich zu
heizen.
Dan 3,20 Dann befahl er seinen kräftigsten Soldaten, die drei Freunde zu fesseln
und hineinzuwerfen.
Dan 3,21 Sofort band man die Männer und stieß sie mitsamt ihren Kleidern, mit
den Hosen, Mänteln und Mützen, die sie trugen, in den Ofen.
Dan 3,22 Weil der König befohlen hatte, ihn besonders stark zu heizen, schlugen
die Flammen heraus und töteten die Soldaten, die Schadrach, Meschach und
Abed-Nego hineingeworfen hatten.
Dan 3,23 Die drei aber fielen gefesselt mitten ins Feuer.
Dan 3,24 Plötzlich sprang Nebukadnezar entsetzt auf und fragte seine Beamten:
»Haben wir nicht drei Männer gefesselt in den Ofen geworfen?« »Ja, sicher!«,
antworteten sie.
Dan 3,25 »Warum sehe ich dann aber vier Männer ohne Fesseln im Feuer
umhergehen?«, rief der König. »Sie sind unversehrt, und der vierte sieht aus wie
ein Sohn der Götter!«
Dan 3,26 Nebukadnezar trat näher an die Öffnung des Ofens heran und schrie:
»Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ihr Diener des höchsten Gottes, kommt
heraus!« Da kamen die drei aus dem Ofen.
Dan 3,27 Die Statthalter und ihre Stellvertreter, die Verwalter und alle
obersten Beamten eilten herbei und sahen, dass das Feuer den Männern nichts
hatte anhaben können. Nicht ein Haar auf ihrem Kopf war versengt. Ihre Kleider
waren völlig unbeschädigt, sie rochen nicht einmal nach Rauch.
Dan 3,28 Da rief Nebukadnezar: »Gelobt sei der Gott Schadrachs, Meschachs und
Abed-Negos! Er hat seinen Engel gesandt, um diese Männer zu retten, die ihm
dienen und sich auf ihn verlassen. Sie haben mein Gebot übertreten und ihr Leben
aufs Spiel gesetzt, weil sie keinen anderen Gott anbeten und verehren wollten.
Dan 3,29 Deshalb erlasse ich einen Befehl für alle Völker und Länder, gleich
welcher Sprache: Wer über den Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos etwas
Verächtliches sagt, wird in Stücke gehauen, und sein Haus wird in Schutt und
Asche gelegt! Denn es gibt keinen anderen Gott, der auf eine solche Weise retten
könnte!«
Dan 3,30 Dann gab der König den drei Männern eine noch machtvollere Stellung in
der Provinz Babylon.
Dan 3,31 Dies ist die Botschaft, die König Nebukadnezar an die Menschen aller
Völker und Länder sendet, ganz gleich, welche Sprache sie sprechen: Ich grüße
euch und wünsche euch Frieden!
Dan 3,32 In diesem Brief möchte ich euch von den unfassbaren Wundern erzählen,
die der höchste Gott an mir getan hat.
Dan 3,33 Groß und gewaltig sind seine Taten! Sein Reich bleibt für immer
bestehen, seine Herrschaft hört niemals auf.
Dan 4,1 Ich, Nebukadnezar, lebte glücklich und zufrieden im königlichen Palast.
Dan 4,2 Doch eines Tages, als ich auf meinem Bett lag und schlief, hatte ich
einen schrecklichen Traum. Was ich in ihm sah, jagte mir große Angst ein.
Dan 4,3 Da ließ ich alle weisen Berater rufen. Sie sollten mir diesen Alptraum
deuten.
Dan 4,4 Als die Wahrsager, Geisterbeschwörer, Sterndeuter und Magier vor mir
standen, schilderte ich ihnen meinen Traum. Doch keiner konnte mir erklären,
welche Botschaft er enthielt.
Dan 4,5 Zuletzt trat Daniel vor mich, der nach meinem Gott Bel den Namen
Beltschazar bekommen hatte. In ihm wohnt der Geist der heiligen Götter. Auch ihm
erzählte ich meinen Traum:
Dan 4,6 »Beltschazar«, sagte ich, »dich habe ich über alle Wahrsager gesetzt,
weil ich weiß, dass der Geist der heiligen Götter in dir wohnt. Kein Geheimnis
ist für dich zu schwer. Sag mir doch, was die Bilder bedeuten, die ich im Traum
gesehen habe!
Dan 4,7 Ich träumte, in der Mitte der Erde stehe ein Baum von gewaltiger Höhe.
Dan 4,8 Er wuchs und wurde immer größer, bis sein Wipfel den Himmel berührte.
Noch vom äußersten Ende der Erde aus konnte man ihn sehen.
Dan 4,9 Er besaß prächtige Blätter und trug viele Früchte. Den wilden Tieren bot
er Schatten und Schutz, in seinen Zweigen nisteten die Vögel. Alle Menschen und
Tiere ernährten sich von seinen Früchten.
Dan 4,10 Während ich den Baum betrachtete, kam plötzlich vom Himmel ein Engel
Gottes herab.
Dan 4,11 Er rief laut: ›Fällt den Baum, und hackt seine Äste ab! Reißt die
Blätter herunter, und verstreut die Früchte überall! Die Tiere, die in seinem
Schatten leben, und die Vögel, die in seinen Zweigen nisten, jagt in die Flucht!
Dan 4,12 Den Wurzelstock aber lasst stehen, und bindet ihn mit Ketten aus Eisen
und Bronze auf der Wiese fest. Der Mensch, den dieser Wurzelstock darstellt,
soll vom Tau durchnässt werden und sich wie ein Tier von Gras ernähren.
Dan 4,13 Er wird keine menschlichen Wesenszüge mehr besitzen, sondern einem Tier
gleichen. Sieben Zeiträume lang soll dies dauern!
Dan 4,14 So haben es die heiligen Engel beschlossen, damit die Menschen
erkennen: Der höchste Gott ist Herr über alle Königreiche der Welt. Er vertraut
die Herrschaft an, wem er will, selbst dem unbedeutendsten Menschen.‹
Dan 4,15 Das alles habe ich geträumt. Und nun erkläre mir, was es bedeutet,
Beltschazar! Alle meine Berater sind unfähig dazu. Doch du kannst es, weil der
Geist der heiligen Götter in dir wohnt.«
Dan 4,16 Daniel, den man Beltschazar nannte, stand eine Zeit lang wie betäubt
da, so erschreckte ihn das Gehörte. Da sagte ich zu ihm: »Beltschazar, mein
Traum und seine Deutung braucht dir keine Angst einzujagen!« Daniel erwiderte:
»Mein Herr und König, ich wünschte, die Botschaft würde deinen Feinden gelten,
allen, die dich hassen!
Dan 4,17 Du hast einen Baum gesehen, der immer größer wurde, bis sein Wipfel
schließlich den Himmel berührte. Noch vom äußersten Ende der Erde aus konnte man
ihn erkennen.
Dan 4,18 Er besaß prächtige Blätter und trug viele Früchte. Den wilden Tieren
bot er Schatten, in seinen Zweigen nisteten die Vögel.
Dan 4,19 Dieser Baum bist du, mein König! Mächtig und bedeutend bist du
geworden! Deine Größe reicht bis zum Himmel, und deine Herrschaft erstreckt sich
bis zum Ende der Erde.
Dan 4,20 Dann hast du gesehen, wie ein Engel Gottes vom Himmel herabkam und
rief: ›Fällt den Baum, und haut ihn in Stücke; den Wurzelstock aber lasst
stehen, und bindet ihn mit Ketten aus Eisen und Bronze auf der Wiese fest! Der
Mensch, den dieser Wurzelstock darstellt, soll vom Tau durchnässt und den Tieren
gleich werden! Sieben Zeiträume lang wird dies dauern.‹
Dan 4,21 Höre, mein König, was der höchste Gott über dich beschlossen hat:
Dan 4,22 Man wird dich aus der menschlichen Gemeinschaft ausstoßen, und du musst
unter den Tieren hausen. Du wirst Gras fressen wie ein Rind und nass werden vom
Tau. Erst wenn sieben Zeiträume vergangen sind, wirst du erkennen: Der höchste
Gott ist Herr über alle Königreiche der Welt. Er vertraut die Herrschaft an, wem
er will.
Dan 4,23 Du hast gehört, wie der Engel befahl, den Wurzelstock stehen zu lassen.
Dies bedeutet: Du darfst wieder als König regieren, wenn du Gott als Herrscher
anerkennst.
Dan 4,24 Nimm meinen Rat an, o König! Sag dich von allem Unrecht los, und tu
Gutes! Hilf den Wehrlosen! Dann wird es dir auch in Zukunft gut gehen.«
Dan 4,25 Alles traf so ein, wie Daniel es vorausgesagt hatte:
Dan 4,26 Ein Jahr später ging ich auf dem Dach meines Palasts auf und ab.
Dan 4,27 Dabei dachte ich: »Da zu meinen Füßen liegt Babylon, die herrliche
Stadt! Mir zu Ehren zeigt sie ihre ganze Pracht. Ich habe sie zu meiner Residenz
ausgebaut, denn ich bin ein großer und mächtiger König!«
Dan 4,28 Noch während ich dies dachte, hörte ich eine Stimme vom Himmel: »König
Nebukadnezar, lass dir sagen: Deine Herrschaft ist zu Ende!
Dan 4,29 Die Menschen werden dich verstoßen, unter wilden Tieren musst du hausen
und Gras fressen wie ein Rind. Erst wenn sieben Zeiträume vergangen sind, wirst
du erkennen: Der höchste Gott ist Herr über alle Königreiche der Welt, er
vertraut die Herrschaft an, wem er will.«
Dan 4,30 Diese Ankündigung erfüllte sich sofort: Ich wurde aus der menschlichen
Gemeinschaft verstoßen und fraß Gras wie ein Rind. Ich wurde vom Tau durchnässt,
mein Haar war bald so lang wie Adlerfedern und meine Nägel wie Vogelkrallen.
Dan 4,31 Als die lange Zeit schließlich zu Ende ging, schaute ich hilfesuchend
zum Himmel, und da erlangte ich meinen Verstand wieder. Ich pries den höchsten
Gott, ich lobte den, der ewig lebt. Seine Herrschaft hört niemals auf, sein
Reich bleibt für alle Zeiten bestehen.
Dan 4,32 Die Bewohner dieser Erde sind nichts im Vergleich zu ihm. Alle
Menschen, ja, sogar die Sterne am Himmel müssen sich seinem Willen beugen!
Niemand darf sich ihm widersetzen und ihn fragen: »Was tust du da?«
Dan 4,33 Als ich wieder bei Verstand war, erhielt ich meine königliche Würde,
Ehre und Anerkennung zurück. Meine obersten Beamten und die führenden Männer
meines Reiches kamen zu mir und setzten mich wieder als König ein. Ich wurde
noch berühmter und angesehener als zuvor.
Dan 4,34 Nun lobe und preise ich, Nebukadnezar, den König, der im Himmel
regiert. Ihm gebe ich die Ehre! Er ist zuverlässig und gerecht in allem, was er
tut. Wer aber stolz und überheblich ist, den stürzt er.
Dan 5,1 König Belsazar gab ein rauschendes Fest für die tausend führenden Männer
seines Reiches. Der Wein floss in Strömen.
Dan 5,2 Im Rausch ließ Belsazar die goldenen und silbernen Gefäße holen, die
sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem geraubt hatte. Alle sollten
daraus trinken: er selbst, seine Gäste, seine Frauen und Nebenfrauen.
Dan 5,3 Man brachte die geraubten Gefäße, und alle tranken daraus.
Dan 5,4 Dabei rühmten sie die babylonischen Götter aus Gold, Silber, Bronze,
Eisen, Holz und Stein.
Dan 5,5 Plötzlich erschien an der getünchten Wand des Festsaals eine Hand.
Gerade dort, wo das Licht des Leuchters auf die Wand fiel, schrieb sie einige
Worte nieder. Als Belsazar die Hand sah,
Dan 5,6 wurde er vor Schreck kreidebleich. Er begann am ganzen Leib zu zittern.
Dan 5,7 »Holt die Geisterbeschwörer, die Sterndeuter und die anderen
Wahrsager!«, rief er laut. Als sie da waren, versprach er ihnen: »Wer die
Schrift an der Wand lesen und mir sagen kann, was sie bedeutet, erhält eine hohe
Auszeichnung: Er darf purpurfarbene Gewänder tragen wie ein König, er bekommt
eine goldene Kette um den Hals, und ich ernenne ihn zum drittmächtigsten Mann im
ganzen Reich!«
Dan 5,8 Die Berater des Königs traten näher, aber keiner von ihnen konnte die
Schrift entziffern oder gar deuten.
Dan 5,9 Belsazar wurde immer bleicher, die Angst schnürte ihm die Kehle zu. Auch
alle führenden Männer, die er um sich versammelt hatte, packte das Entsetzen.
Dan 5,10 Die Unruhe im Festsaal drang bis ans Ohr der Mutter Belsazars. Sie kam
herein und sagte: »Lang lebe der König! Warum bist du so bleich vor Angst? Du
brauchst dich nicht zu fürchten, denn ich weiß einen Rat.
Dan 5,11 Es gibt in deinem Reich einen Mann, in dem der Geist der heiligen
Götter wohnt. Schon zur Zeit deines Vaters Nebukadnezar bewies er so große
Einsicht und Weisheit, wie sie eigentlich nur Götter haben, die verborgene Dinge
ans Licht bringen können. Dein Vater hatte ihn zum obersten aller Wahrsager,
Geisterbeschwörer, Sterndeuter und Magier gemacht.
Dan 5,12 Lass ihn jetzt rufen! Sein Name ist Daniel, dein Vater nannte ihn
Beltschazar. Dieser Mann besitzt außergewöhnliche Weisheit und kann Träume
deuten. Er löst jedes Rätsel und wird mit den größten Schwierigkeiten fertig. Er
soll dir die Schrift deuten.«
Dan 5,13 Sofort ließ der König Daniel zu sich kommen. »Du also bist Daniel«,
begann er, »einer der Gefangenen, die mein Vater aus Judäa hergebracht hat.
Dan 5,14 Man sagt, der Geist der heiligen Götter wohne in dir. Du sollst
verborgene Dinge ans Licht bringen können und ungewöhnlich klug und weise sein.
Dan 5,15 Eben habe ich meine Gelehrten, die mich beraten, und die
Geisterbeschwörer kommen lassen. Sie sollten diese Schrift lesen und mir sagen,
was sie bedeutet. Aber sie können es nicht.
Dan 5,16 Von dir jedoch habe ich gehört, dass du hinter jedes Geheimnis kommst
und mit den größten Schwierigkeiten fertig wirst. Wenn du es schaffst, diese
Schrift zu entziffern und mir zu deuten, werde ich dich mit allen Würden
auszeichnen: Du darfst purpurfarbene Gewänder tragen wie ein König, bekommst
eine goldene Kette um den Hals und wirst der drittmächtigste Mann im Reich.«
Dan 5,17 Daniel erwiderte: »Eine Belohnung möchte ich nicht annehmen. Du kannst
sie ruhig einem anderen geben. Ich werde dir die Schrift auch so vorlesen und
deuten.
Dan 5,18 Mein König! Gott, der Allerhöchste, hatte deinen Vater Nebukadnezar zu
einem mächtigen Herrscher gemacht. Er war in der ganzen Welt berühmt und
hochangesehen.
Dan 5,19 Die Menschen aller Länder, Völker und Sprachen zitterten vor ihm. Er
verbreitete Angst und Schrecken, denn er konnte nach Belieben töten oder am
Leben lassen. Von seiner Gunst hing es ab, ob jemand ein hohes Amt erhielt oder
es verlor.
Dan 5,20 So wurde er immer hochmütiger. Doch sein Stolz und seine Vermessenheit
brachten ihn zu Fall. Alle Macht und Anerkennung wurde ihm genommen.
Dan 5,21 Man verstieß ihn aus der menschlichen Gemeinschaft, er verlor seinen
Verstand und wurde wie ein Tier. Bei den wilden Eseln hauste er, fraß Gras wie
ein Rind, und der Tau durchnässte ihn. Das dauerte so lange, bis er einsah: Der
höchste Gott ist Herr über alle Reiche der Welt, er vertraut die Herrschaft an,
wem er will.
Dan 5,22 Aber du, Belsazar, hast daraus nichts gelernt, obwohl du als sein Sohn
alles wusstest. Du bist genauso überheblich wie er.
Dan 5,23 In deinem Hochmut hast du den Herrn des Himmels missachtet und dir die
heiligen Gefäße holen lassen, die aus seinem Tempel stammen. Dann hast du mit
den führenden Männern, mit deinen Frauen und Nebenfrauen Wein daraus getrunken
und Loblieder auf deine Götter angestimmt. Dabei können diese Götzen weder sehen
noch hören; sie begreifen nichts, weil sie aus Silber und Gold, aus Bronze und
Eisen, aus Holz und Stein gemacht sind. Aber den Gott, der dein ganzes Leben in
seiner Hand hat und deine Schritte lenkt - ihn willst du nicht ehren!
Dan 5,24 Deshalb ließ er die Hand erscheinen und diese Worte an die Wand
schreiben.
Dan 5,25 Sie lauten: ›Mene mene tekel u-parsin.‹
Dan 5,26 ›Mene‹ bedeutet ›gezählt‹ : Die Tage deiner Herrschaft sind gezählt,
Gott setzt ihnen ein Ende!
Dan 5,27 ›Tekel‹ heißt ›gewogen‹ : Gott hat dich gewogen und für zu leicht
befunden. Du kannst nicht vor ihm bestehen.
Dan 5,28 ›U-parsin‹ bedeutet ›und geteilt‹ : Dein Reich wird unter die Meder und
Perser aufgeteilt.«
Dan 5,29 Nachdem Daniel dies gesagt hatte, befahl Belsazar, ihn mit einem
Purpurgewand zu bekleiden und ihm eine Goldkette um den Hals zu legen. Er machte
öffentlich bekannt, dass Daniel von nun an der drittmächtigste Mann im Reich
sei.
Dan 5,30 Noch in derselben Nacht wurde Belsazar, der König von Babylonien,
umgebracht.
Dan 6,1 Nach Belsazars Tod wurde der Meder Darius König von Babylonien; er war
62 Jahre alt.
Dan 6,2 Darius beschloss, hundertzwanzig Statthalter über die Provinzen seines
Reiches einzusetzen.
Dan 6,3 Sie waren drei hohen Beamten am Hof unterstellt, denen sie Rechenschaft
geben mussten. Die drei vertraten die Interessen des Königs. Einer von ihnen war
Daniel.
Dan 6,4 Bald stellte sich heraus, dass Daniel weitaus klüger und begabter war
als die anderen Beamten und die Statthalter. Der König dachte sogar daran, ihm
die Verwaltung des ganzen Reiches zu übertragen.
Dan 6,5 Da suchten die anderen führenden Männer nach einem Grund, um Daniel
anklagen zu können. Er übte sein Amt jedoch so gewissenhaft aus, dass sie ihm
nicht das kleinste Vergehen nachweisen konnten; er war weder nachlässig noch
bestechlich.
Dan 6,6 Da sagten sie sich: »Wir haben nichts gegen Daniel in der Hand, es sei
denn, wir finden in seinem Glauben etwas Anstößiges!«
Dan 6,7 Sie eilten zum König und begrüßten ihn: »Lang lebe König Darius!
Dan 6,8 Wir kommen von einer gemeinsamen Beratung aller obersten Beamten,
Verwalter, Statthalter und deren Stellvertreter. Wir schlagen dir vor, dass du
folgende Anordnung erlässt und alles tust, um sie durchzusetzen: Wer in den
kommenden dreißig Tagen eine Bitte an irgendeinen Gott oder Menschen richtet
außer an dich, o König, soll in die Löwengrube geworfen werden.
Dan 6,9 Damit das Verbot nach dem Gesetz der Meder und Perser von keinem
widerrufen werden kann, sollte es in einer Urkunde festgehalten werden.«
Dan 6,10 Da ließ Darius den Erlass niederschreiben, und das Verbot trat in
Kraft.
Dan 6,11 Als Daniel davon erfuhr, ging er in sein Haus. Das obere Stockwerk
hatte Fenster in Richtung Jerusalem, die offen standen. Hier kniete er nieder,
betete zu seinem Gott und dankte ihm, wie er es auch sonst dreimal am Tag tat.
Dan 6,12 Plötzlich stürmten seine Feinde herein und ertappten ihn dabei, wie er
Gott anflehte.
Dan 6,13 Sofort gingen sie zum König und fragten: »Hast du nicht ausdrücklich
befohlen, jeden den Löwen zum Fraß vorzuwerfen, der in den kommenden dreißig
Tagen eine Bitte an irgendeinen Gott oder Menschen richtet außer an dich, o
König?« »Ja«, antwortete Darius, »und nach dem Gesetz der Meder und Perser kann
keiner diesen Erlass widerrufen.«
Dan 6,14 Da erzählten sie: »Daniel, einer der Verbannten aus Judäa, macht sich
überhaupt nichts aus deinem Verbot. Er setzt sich darüber hinweg, obwohl du
selbst es erlassen hast! Dreimal am Tag betet er zu seinem Gott!«
Dan 6,15 Als der König das hörte, war er bestürzt. Den ganzen Tag dachte er
darüber nach, wie er Daniel retten könnte, aber bis zum Sonnenuntergang hatte er
immer noch keine Lösung gefunden.
Dan 6,16 Da kamen die Männer wieder zum König gelaufen und erinnerten ihn noch
einmal daran, dass nach dem Gesetz der Meder und Perser kein königlicher Erlass
abgeändert werden dürfe.
Dan 6,17 Darius befahl schließlich, Daniel zu verhaften und in die Löwengrube zu
werfen. Er sagte zu Daniel: »Dein Gott, dem du so treu dienst, möge dich
retten!«
Dan 6,18 Dann wurde ein Stein auf die Öffnung der Grube gewälzt. Der König
versiegelte ihn mit seinem Siegelring, und die führenden Männer taten dasselbe,
damit niemand mehr Daniel herausholen konnte.
Dan 6,19 Danach zog sich Darius in seinen Palast zurück. Er fastete die ganze
Nacht, verzichtete auf jede Unterhaltung und konnte nicht schlafen.
Dan 6,20 Im Morgengrauen stand er auf und lief schnell zur Löwengrube.
Dan 6,21 Schon von weitem rief er ängstlich: »Daniel, du Diener des lebendigen
Gottes! Hat dein Gott, dem du unaufhörlich dienst, dich vor den Löwen retten
können?«
Dan 6,22 Da hörte er Daniel antworten: »Lang lebe der König!
Dan 6,23 Mein Gott hat seinen Engel gesandt. Er hat den Rachen der Löwen
verschlossen, darum konnten sie mir nichts anhaben. Denn Gott weiß, dass ich
unschuldig bin, und auch dir gegenüber, mein König, habe ich kein Unrecht
begangen.«
Dan 6,24 Darius war glücklich und erleichtert. Sofort befahl er, Daniel aus der
Löwengrube zu holen. Man fand nicht die geringste Verletzung an ihm, denn er
hatte auf seinen Gott vertraut.
Dan 6,25 Auf Befehl des Königs wurden die Männer, die Daniel verklagt hatten,
zusammen mit ihren Frauen und Kindern den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Noch ehe
sie den Boden der Grube berührt hatten, fielen die Tiere schon über sie her und
zermalmten ihnen alle Knochen.
Dan 6,26 Dann sandte König Darius eine Botschaft an die Menschen aller Völker,
Länder und Sprachen. Sie lautete: »Ich grüße euch und wünsche euch Frieden!
Dan 6,27 Hiermit ordne ich an, in meinem ganzen Reich dem Gott Daniels Ehrfurcht
zu erweisen! Denn er ist der lebendige Gott, der in alle Ewigkeit regiert. Sein
Reich geht niemals unter, seine Herrschaft bleibt für immer bestehen.
Dan 6,28 Er rettet und befreit, er vollbringt Wunder und zeigt seine große Macht
im Himmel und auf der Erde. Daniel hat er vor den Löwen gerettet.«
Dan 6,29 Während der Regierungszeit des Darius und auch unter der Herrschaft des
persischen Königs Kyrus genoss Daniel hohes Ansehen.
Dan 7,1 Im 1. Regierungsjahr des babylonischen Königs Belsazar hatte Daniel
nachts im Traum eine Vision. Er schrieb alles nieder, was er gesehen hatte,
Dan 7,2 und so beginnt sein Bericht: Ich, Daniel, sah, wie aus allen vier
Himmelsrichtungen ein starker Wind kam und das Meer aufwühlte.
Dan 7,3 Vier große Tiere stiegen aus dem Wasser empor; sie waren alle
verschieden.
Dan 7,4 Das erste sah aus wie ein Löwe, es hatte jedoch Adlerflügel. Während ich
es betrachtete, wurden ihm plötzlich die Flügel abgerissen, es wurde
aufgerichtet und wie ein Mensch auf zwei Füße gestellt. Dann bekam es das Herz
eines Menschen.
Dan 7,5 Das zweite Tier sah aus wie ein Bär und hatte sich mit einer Seite
aufgerichtet. Zwischen den Zähnen hielt es drei Rippenknochen fest. Man rief ihm
zu: »Los, steh auf und friss Fleisch, soviel du kannst!«
Dan 7,6 Dann sah ich das nächste Tier erscheinen. Es glich einem Panther, hatte
aber vier Vogelflügel auf dem Rücken und vier Köpfe. Ihm wurde große Macht
gegeben.
Dan 7,7 Zuletzt sah ich in der Vision ein viertes Tier. Sein Anblick war
grauenerregend, und es strotzte vor Kraft. Was es mit seinen gewaltigen Zähnen
aus Eisen nicht zermalmte, das zertrat es mit den Füßen. Von den anderen Tieren
unterschied es sich völlig. Es hatte zehn Hörner.
Dan 7,8 Als ich die Hörner genau betrachtete, sah ich ein weiteres, kleines Horn
zwischen ihnen hervorwachsen. Drei Hörner wurden herausgerissen, um ihm Platz zu
machen. Ich bemerkte, dass dieses Horn Menschenaugen besaß und ein Maul, das
große Reden schwang.
Dan 7,9 Während ich noch schaute, wurden Thronsessel aufgestellt. Ein
hochbetagter Mann setzte sich auf einen von ihnen. Sein Gewand war weiß wie
Schnee und sein Haar so hell wie reine Wolle. Sein Thron stand auf Rädern aus
Feuer und war von Flammen umgeben,
Dan 7,10 ja, ein ganzer Feuerstrom ging von ihm aus! Unzählige Engel standen vor
ihm und dienten ihm. Nun trat ein Gericht zusammen, und Bücher wurden geöffnet.
Dan 7,11 Ich schaute wieder auf das Horn, das so selbstgefällig daherredete.
Plötzlich wurde das Tier, zu dem es gehörte, getötet und ins lodernde Feuer
geworfen.
Dan 7,12 Die anderen drei Tiere hatten ihre Macht schon eingebüßt, sie durften
aber weiterleben bis zu der Zeit, die Gott bestimmen würde.
Dan 7,13 Doch ich sah noch mehr in meiner Vision: Mit den Wolken am Himmel kam
einer, der aussah wie ein Mensch. Man führte ihn zu dem alten Mann,
Dan 7,14 der ihm Macht, Ehre und königliche Würde verlieh. Die Menschen aller
Länder, Völker und Sprachen dienten ihm. Für immer und ewig wird er herrschen,
sein Reich wird niemals zerstört!
Dan 7,15 Was ich in der Vision gesehen hatte, erschreckte und beunruhigte mich.
Dan 7,16 Deshalb ging ich zu einem der Engel, die in der Nähe standen, und bat
ihn: »Sag mir, was dies alles zu bedeuten hat.« Er erklärte:
Dan 7,17 »Die vier Tiere sind vier Königreiche, die große Macht erlangen werden.
Dan 7,18 Aber schließlich wird das heilige Volk Gottes, des Allerhöchsten, die
Herrschaft empfangen und sie für alle Zeiten behalten.«
Dan 7,19 Ich wollte gern noch mehr über das vierte Tier erfahren, das sich von
den anderen völlig unterschied und grauenhaft aussah. Was es mit seinen
gewaltigen Zähnen aus Eisen nicht zermalmte und mit seinen Krallen aus Bronze
nicht zerriss, das zertrat es mit den Füßen.
Dan 7,20 Besonders wollte ich wissen, was die zehn Hörner auf seinem Kopf zu
bedeuten hatten und das kleine Horn, das plötzlich hervorgewachsen war und drei
andere verdrängt hatte. Es besaß Menschenaugen und ein Maul, das große Reden
schwang, und es war furchterregender als die übrigen Hörner.
Dan 7,21 Ich sah, wie dieses Horn Krieg gegen das heilige Volk Gottes führte und
es besiegte.
Dan 7,22 Aber dann griff der alte Mann ein. Er übertrug dem heiligen Volk
Gottes, des Allerhöchsten, die Vollmacht, Gericht zu halten. Nun war die Zeit
gekommen, in der sie die Herrschaft ausüben konnten.
Dan 7,23 Der Engel, den ich nach der Bedeutung des Traumes gefragt hatte,
erklärte mir: »Das vierte Tier bedeutet ein viertes Reich, das sich von allen
früheren unterscheidet. Es wird die anderen Völker verschlingen, zermalmen und
niedertreten.
Dan 7,24 Die zehn Hörner sind zehn Könige, die aus diesem Reich hervorgehen
werden. Nach ihnen jedoch kommt ein Herrscher an die Macht, der ganz anders ist
als seine Vorgänger. Er wird drei Könige stürzen.
Dan 7,25 Sogar Gott, den Allerhöchsten, wird er herausfordern und das heilige
Volk Gottes bezwingen. Mit allen Mitteln versucht er, die heiligen Feste
abzuschaffen und das Recht zu verändern. Gottes Volk wird für einen Zeitraum,
dann für zwei Zeiträume und nochmals für einen halben Zeitraum seiner Gewalt
ausgeliefert sein.
Dan 7,26 Dann jedoch tritt das Gericht im Himmel zusammen. Es wird diesen
Herrscher stürzen und ein für alle Mal vernichten.
Dan 7,27 Schließlich wird Gott, der Allerhöchste, seinem Volk die Herrschaft
über die anderen Königreiche der Erde anvertrauen und ihm große Macht verleihen.
Gottes Reich aber bleibt für immer bestehen, alle Mächtigen werden ihm dienen
und gehorchen.«
Dan 7,28 Bis hierher ging mein Traum. Ich war wie betäubt und wurde
kreidebleich. Noch lange dachte ich über das nach, was ich gesehen hatte.
Dan 8,1 Im 3. Regierungsjahr König Belsazars hatte ich, Daniel, eine zweite
Vision:
Dan 8,2 Dabei sah ich mich selbst in der königlichen Residenz Susa in der
Provinz Elam. Ich stand am Ulai-Kanal,
Dan 8,3 und als ich mich umschaute, entdeckte ich am Ufer einen Schafbock. Er
hatte zwei lange Hörner; das eine war größer als das andere, obwohl es erst
später gewachsen war.
Dan 8,4 Ich sah, wie der Schafbock mit seinen Hörnern nach Westen, Norden und
Süden Stöße austeilte. Kein Tier konnte sich ihm widersetzen, und wenn er eines
in seiner Gewalt hatte, konnte niemand mehr helfen. Er tat, was er wollte, und
wurde immer mächtiger.
Dan 8,5 Während ich noch darüber nachdachte, was dies zu bedeuten hatte, kam
plötzlich ein Ziegenbock vom Westen her über die ganze Erde. Er lief so schnell,
dass er kaum den Boden berührte. Zwischen den Augen hatte er ein auffällig
starkes Horn.
Dan 8,6 Als er bei dem Schafbock angelangt war, den ich am Kanal gesehen hatte,
stürzte er sich mit voller Wucht auf ihn
Dan 8,7 und traf ihn in seiner Flanke. Die zwei kämpften erbittert, bis der
Ziegenbock seinem Feind beide Hörner abbrach. Der Schafbock hatte keine Kraft
mehr, sich zu wehren, er wurde zu Boden geworfen und zertrampelt. Niemand kam
ihm zu Hilfe.
Dan 8,8 Jetzt wurde der Ziegenbock noch mächtiger. Doch als er überaus kräftig
geworden war, brach das große Horn ab. An seiner Stelle kamen vier gewaltige
Hörner zum Vorschein, die in alle vier Himmelsrichtungen wuchsen.
Dan 8,9 Aus einem von ihnen brach noch ein weiteres Horn hervor. Zuerst war es
sehr klein, aber dann wuchs es immer mehr nach Süden, nach Osten und in Richtung
Israel.
Dan 8,10 Ja, es erreichte sogar die Sterne am Himmel, warf einige von ihnen auf
die Erde hinunter und zertrat sie.
Dan 8,11 Selbst den Herrn des Himmels forderte es heraus, denn es verbot die
regelmäßigen Opfer, die ihm dargebracht wurden, und entweihte seinen Tempel.
Dan 8,12 Es setzte ein ganzes Heer ein, das die täglichen Opfer mit Gewalt
unterbinden sollte. So trat es die Wahrheit mit Füßen, und was immer es
unternahm, gelang ihm.
Dan 8,13 Dann hörte ich, wie ein Engel einen anderen fragte: »Wann wird man Gott
wieder Opfer darbringen können? Soll sich das Horn weiter ungehindert gegen Gott
auflehnen und schreckliche Verwüstungen anrichten? Es fordert den Herrn des
Himmels heraus und hat sein Heiligtum zerstört. Wie lange soll das noch so
bleiben?«
Dan 8,14 Der andere Engel antwortete: »Erst nach 2300 Tagen wird das Heiligtum
wieder neu geweiht werden.«
Dan 8,15 Ich dachte noch über das Gesehene nach, als plötzlich jemand vor mir
stand, der wie ein Mann aussah.
Dan 8,16 Gleichzeitig hörte ich, wie eine Stimme vom Ulai-Kanal ihm zurief:
»Gabriel, erkläre du ihm die Vision!«
Dan 8,17 Der Engel trat ganz nahe an mich heran. Ich erschrak und fiel vor ihm
zu Boden. Er aber sagte zu mir: »Du Mensch, hör genau zu: Dir wurde vor Augen
geführt, was die kommenden Generationen erleben werden.«
Dan 8,18 Während er so zu mir sprach, lag ich wie betäubt am Boden mit dem
Gesicht nach unten. Doch der Engel berührte mich und half mir wieder auf die
Beine.
Dan 8,19 Dann sagte er: »Ich will dir erklären, was sich ereignet, wenn Gottes
Zorn losbricht. Die Zeit dafür ist schon festgelegt.
Dan 8,20 Der Schafbock mit den beiden Hörnern ist das Reich der Meder und Perser
mit ihren Herrschern.
Dan 8,21 Der zottige Ziegenbock ist das Reich der Griechen, und das große Horn
zwischen den Augen des Bocks der erste König dieses Reiches.
Dan 8,22 Du hast gesehen, wie das Horn abbrach und an seiner Stelle vier andere
nachwuchsen. Dies bedeutet, dass aus dem einen Königreich vier andere entstehen
werden. Sie werden aber nicht so mächtig sein wie das erste.
Dan 8,23 Am Ende ihrer Herrschaft wird die Gottlosigkeit überhand nehmen und das
Maß der Schuld voll sein. Dann kommt ein rücksichtsloser und hinterhältiger
König
Dan 8,24 und erlangt große Macht, wenn auch nicht aus eigener Kraft.
Schreckliches Verderben richtet er an, und was er unternimmt, das hat Erfolg. Er
schaltet mächtige Herrscher aus, sogar Gottes heiliges Volk stürzt er ins
Verderben.
Dan 8,25 Weil er so schlau und gerissen ist, gelingt es ihm, die Menschen zu
täuschen. In seinem Größenwahn bringt er viele ohne jede Warnung um. Selbst dem
höchsten Herrn stellt er sich entgegen, doch schließlich wird er ohne
menschliches Zutun vernichtet.
Dan 8,26 Hör zu, Daniel! Alles, was du über die 2300 Tage erfahren hast, wird
eintreffen. Behalte die Vision genau im Gedächtnis! Denn es dauert noch lange,
bis sie sich ganz erfüllt hat.«
Dan 8,27 Danach war ich völlig erschöpft und tagelang krank. Als es mir besser
ging, nahm ich meinen Dienst beim König wieder auf. Doch ich war erschüttert
über die Vision, und ich verstand sie nicht.
Dan 9,1 Der Meder Darius, der Sohn des Xerxes, war König von Babylonien
geworden.
Dan 9,2 In seinem 1. Regierungsjahr forschte ich in den heiligen Schriften. Ich
las dort, wie der Herr dem Propheten Jeremia ankündigte, dass Jerusalem siebzig
Jahre in Trümmern liegen würde.
Dan 9,3 Da flehte ich zum Herrn, meinem Gott, ich fastete, zog ein Trauergewand
aus Sacktuch an und streute Asche auf meinen Kopf.
Dan 9,4 Ich bekannte dem Herrn die Schuld unseres Volkes: »Ach Herr, du
mächtiger und ehrfurchtgebietender Gott! Du hältst deinen Bund mit uns und
erweist Gnade denen, die dich lieben und nach deinen Geboten leben.
Dan 9,5 Doch wir haben gegen dich gesündigt und großes Unrecht begangen! Was du
wolltest, war uns gleichgültig! Ja, wir haben uns gegen dich aufgelehnt und
deine Gebote und Weisungen umgangen.
Dan 9,6 Die Mahnungen der Propheten schlugen wir in den Wind, dabei haben sie in
deinem Auftrag zu unseren Vorfahren, unseren Königen, den führenden Männern und
zum ganzen Volk gesprochen.
Dan 9,7 Du, Herr, hast recht gehandelt, wir haben es verdient, dass du uns so
schwer bestraft und in andere Länder vertrieben hast. Wir alle müssen uns
schämen: die Bewohner von Juda und Jerusalem und auch wir in der Fremde. Unser
ganzes Volk hat dir die Treue gebrochen.
Dan 9,8 Herr, wir haben schwere Schuld auf uns geladen: unsere Könige, die
führenden Männer und auch unsere Vorfahren. Dafür schämen wir uns in Grund und
Boden.
Dan 9,9 Doch du, Herr, unser Gott, bist barmherzig und vergibst uns, obwohl wir
von dir nichts mehr wissen wollten.
Dan 9,10 Wir haben uns taub gestellt, wir haben nicht auf die Propheten gehört,
die uns aufforderten, nach deinen Geboten zu leben.
Dan 9,11 Ganz Israel hat deine Weisungen missachtet und deine Worte in den Wind
geschlagen. Deshalb hat uns nun dein Fluch getroffen, den du im Gesetzbuch
deines Dieners Mose allen angedroht hast, die sich gegen dich auflehnen.
Dan 9,12 Noch nie ist über ein Volk ein solches Unheil hereingebrochen, wie es
die Menschen in Jerusalem jetzt erleben. Du hast deine Drohungen gegen uns und
unsere führenden Männer wahr gemacht!
Dan 9,13 Ja, du hast uns ins Unglück gestürzt, wie es im Gesetzbuch des Mose
angekündigt ist. Und wir haben auch nichts unternommen, um dich wieder gnädig zu
stimmen. Wir sind nicht von unseren falschen Wegen umgekehrt zu dir, dem wahren
Gott.
Dan 9,14 Darum lässt du uns nun die Folgen tragen. Wir haben die gerechte Strafe
bekommen, Herr, unser Gott, denn wir wollten nicht auf dich hören.
Dan 9,15 Herr, wir haben gesündigt und dir den Rücken gekehrt. Du bist unser
Gott, du hast uns, dein Volk, durch deine große Macht aus Ägypten befreit. Bis
zum heutigen Tag machst du deinen Namen überall bekannt.
Dan 9,16 Immer wieder hast du gezeigt, dass du dich an deine Zusagen hältst. Sei
nicht länger zornig über deine Stadt Jerusalem und über deinen heiligen Berg
Zion! Schon unsere Vorfahren haben große Schuld auf sich geladen, und auch wir
haben weiter gegen dich gesündigt. Jetzt ist Jerusalem und unser ganzes Volk zum
Gespött aller Nachbarvölker geworden.
Dan 9,17 Herr, höre doch jetzt, wenn ich zu dir flehe! Unser Gott, erbarm dich
über dein verwüstetes Heiligtum! Es geht um deine Ehre!
Dan 9,18 Erhöre mich, du, mein Gott, und sieh, wie es um uns steht: Die Stadt,
die deinen Namen trägt, liegt in Trümmern. Wir flehen zu dir, nicht weil wir
deine Hilfe verdient hätten, sondern weil du uns schon so oft gnädig gewesen
bist.
Dan 9,19 Herr, vergib uns! Greif ein und handle! Zögere nicht, denn deine Ehre
steht auf dem Spiel! Es geht um deine Stadt und dein Volk.«
Dan 9,20 So betete ich und bekannte dem Herrn meine Schuld und die Schuld meines
Volkes. Ich flehte ihn an, sein Heiligtum auf dem Berg Zion wieder aufbauen zu
lassen.
Dan 9,21 Noch während ich betete, eilte der Engel Gabriel herbei, den ich schon
früher in meiner Vision gesehen hatte. Es war gerade die Zeit des Abendopfers.
Dan 9,22 »Daniel«, sagte er zu mir, »ich bin gekommen, um deine Fragen zu
beantworten.
Dan 9,23 Schon als du anfingst zu beten, sandte Gott mich zu dir, denn er liebt
dich. Achte nun auf das, was ich dir offenbaren will:
Dan 9,24 Siebzig mal sieben Jahre müssen vergehen, bis Gott seine Absicht mit
deinem Volk und mit der heiligen Stadt erreicht hat: Zu dieser Zeit bereitet er
der Auflehnung gegen ihn ein Ende, die Macht der Sünde wird gebrochen, und die
Schuld ist gesühnt. Dann werden Menschen für immer vor Gott bestehen können, die
Visionen und Voraussagen der Propheten erfüllen sich, und das Allerheiligste im
Tempel wird wieder neu geweiht.
Dan 9,25 Nun hör gut zu, damit du meine Worte verstehst: Zwischen dem Befehl,
Jerusalem wieder aufzubauen, und dem Auftreten eines von Gott erwählten
Herrschers liegen sieben mal sieben Jahre. Zweiundsechzig mal sieben Jahre lang
werden in Jerusalem Straßen und Befestigungsgräben gebaut, doch es wird eine
Zeit großer Bedrängnis sein.
Dan 9,26 Nach den zweiundsechzig mal sieben Jahren wird ein von Gott
Auserwählter hingerichtet, ohne dass er irgendwo Hilfe findet. Dann zerstört das
Heer eines fremden Machthabers die Stadt und den Tempel wie eine reißende Flut.
Bis zum Ende herrschen Krieg und Verwüstung, denn so hat es Gott beschlossen.
Dan 9,27 Der Machthaber wird vielen Menschen einen Bund aufzwingen, der sieben
Jahre lang gelten wird. Nach der Hälfte dieser Zeit verbietet er den Opferdienst
am Tempel und stellt dort eine abscheuliche Götzenstatue auf. Doch auch dieser
grausame Herrscher wird untergehen, denn Gott hat sein Urteil über ihn
gesprochen.«
Dan 10,1 Im 3. Regierungsjahr des persischen Königs Kyrus empfing Daniel, der
Beltschazar genannt wurde, eine Botschaft von Gott. Sie kündigt eine Zeit großer
Not an und wird sich ganz sicher erfüllen. In einer Vision wurde Daniel diese
Botschaft erklärt.
Dan 10,2 Er berichtet: Damals trauerte ich drei Wochen lang,
Dan 10,3 ich verzichtete auf alle erlesenen Speisen und auf Fleisch, trank
keinen Wein und verwendete keine wohlriechenden Salböle.
Dan 10,4 Am 24. Tag des 1. Monats stand ich am Ufer des Tigris.
Dan 10,5 Als ich aufblickte, sah ich einen Mann, der ein weißes Leinengewand mit
einem Gürtel aus feinstem Gold trug.
Dan 10,6 Sein Leib funkelte wie ein Edelstein, sein Gesicht leuchtete wie ein
Blitz, und die Augen glichen brennenden Fackeln. Die Arme und Beine schimmerten
wie polierte Bronze, und seine Stimme war so laut wie die Rufe einer großen
Menschenmenge.
Dan 10,7 Ich war der Einzige, der die Erscheinung wahrnahm. Meine Begleiter
konnten sie nicht sehen, doch sie bekamen plötzlich große Angst, liefen davon
und versteckten sich.
Dan 10,8 So blieb ich allein zurück und spürte, wie mich beim Anblick der
beeindruckenden Gestalt die Kräfte verließen. Ich wurde kreidebleich und konnte
mich kaum noch auf den Beinen halten.
Dan 10,9 Da fing der Mann an zu sprechen, und kaum hörte ich seine gewaltige
Stimme, da verlor ich die Besinnung, fiel um und blieb mit dem Gesicht am Boden
liegen.
Dan 10,10 Doch eine Hand berührte mich und rüttelte mich wach. Ich konnte auf
die Knie gehen und mich mit den Händen abstützen.
Dan 10,11 Der Mann sprach zu mir: »Gott liebt dich, Daniel! Steh auf und achte
auf meine Worte, denn Gott hat mich zu dir geschickt.« Zitternd stand ich auf.
Dan 10,12 »Hab keine Angst!«, ermutigte er mich. »Du wolltest gern erkennen, was
Gott tun will, und hast dich vor ihm gedemütigt. Schon an dem Tag, als du
anfingst zu beten, hat er dich erhört. Darum bin ich nun zu dir gekommen.
Dan 10,13 Aber der Engelfürst des Perserreichs stellte sich mir entgegen und
hielt mich einundzwanzig Tage lang auf. Doch dann kam mir Michael zu Hilfe,
einer der höchsten Engelfürsten. Ihm konnte ich den Kampf um das Reich der
Perser überlassen.
Dan 10,14 Ich bin jetzt hier, um dir zu erzählen, wie es mit deinem Volk
weitergeht. Denn was du nun von mir erfährst, wird sich in ferner Zukunft
erfüllen.«
Dan 10,15 Als er so zu mir redete, blickte ich zu Boden und brachte kein Wort
mehr heraus.
Dan 10,16 Der Engel, der aussah wie ein Mensch, berührte meine Lippen, und ich
konnte wieder sprechen. Ich sagte zu ihm: »Mein Herr, deine Erscheinung lässt
mich zittern wie eine Frau in den Wehen, sie hat mir alle Kraft genommen!
Dan 10,17 Ich stehe vor dir wie ein Sklave vor seinem Herrn. Wie könnte ich es
wagen, überhaupt ein Wort an dich zu richten? Dazu fehlt mir der Mut, und meine
Kehle ist wie zugeschnürt.«
Dan 10,18 Der Engel, der wie ein Mensch aussah, berührte mich noch einmal und
gab mir dadurch Kraft.
Dan 10,19 »Hab keine Angst!«, sagte er. »Gott liebt dich, er meint es gut mit
dir. Sei jetzt stark und mutig!« Während er mit mir sprach, kehrte meine Kraft
zurück, und ich antwortete: »Mein Herr, weil du mich gestärkt hast, kann ich
hören, was du mir sagen möchtest.«
Dan 10,20 Er entgegnete: »Weißt du überhaupt, warum ich zu dir gekommen bin?
Bald schon muss ich wieder umkehren, um den Kampf mit dem Engelfürsten der
Perser zu Ende zu führen. Wenn ich ihn besiegt habe, wird der Engelfürst von
Griechenland mich angreifen.
Dan 10,21 [21/1] Gegen diese beiden steht mir allein Michael bei, der Engelfürst
eures Volkes. Denn im 1. Regierungsjahr des Mederkönigs Darius habe ich ihm
Hilfe und Schutz gegeben. Doch bevor ich zurückgehe, will ich dir die Botschaft
anvertrauen, die im Buch der Wahrheit aufgeschrieben ist.«
Dan 11,2 »Was ich dir nun offenbare, wird ganz bestimmt eintreffen: Drei weitere
Könige werden in Persien regieren, bis ein vierter die Herrschaft übernimmt, der
seine Vorgänger an Glanz und Reichtum weit übertrifft. Auf dem Gipfel seiner
Macht bietet er alle Kräfte gegen Griechenland auf.
Dan 11,3 Nach ihm kommt ein bedeutender König, der so mächtig ist, dass er alles
erreichen kann, was er geplant hat.
Dan 11,4 Doch auf dem Höhepunkt seiner Macht zerfällt sein Reich in vier Teile,
die im Norden, Süden, Osten und Westen liegen und viel schwächer sind als das
vorige. Keiner der königlichen Nachkommen kann weiterregieren, das Königshaus
geht unter, und andere reißen die Macht an sich.
Dan 11,5 Der König des Südreichs gewinnt an Einfluss, doch einer seiner
Heerführer wird noch bedeutender als er und errichtet im Norden ein noch
größeres Reich.
Dan 11,6 Nach einigen Jahren verbünden sich die beiden Reiche miteinander, und
um den Frieden zu festigen, heiratet die Tochter des Königs im Süden den König
im Norden. Doch sie kann ihren Einfluss nicht behaupten, und das Bündnis
zerbricht. Sie kommt um, ebenso ihr Mann, ihr Vater und ihr Gefolge.
Dan 11,7 Ein Verwandter von ihr wird anstelle ihres Vaters König. Er zieht gegen
den König des Nordens in den Krieg, besiegt ihn und dringt in seine befestigte
Hauptstadt ein.
Dan 11,8 Die Götterstatuen und die wertvollen Gegenstände aus Silber und Gold
nimmt er nach Ägypten mit. Danach wird er den König im Norden einige Jahre nicht
mehr angreifen.
Dan 11,9 Dieser jedoch fällt in das Südreich ein, zieht sich aber sofort wieder
zurück.
Dan 11,10 Seine Söhne werden sich erneut zum Krieg rüsten und viele große Heere
aufbieten, die wie eine zerstörerische Flut über die Feinde hereinbrechen. Immer
wieder greifen sie an und dringen schließlich bis zur Festung des Königs im
Süden vor.
Dan 11,11 Dieser wiederum wird voller Zorn seine Truppen sammeln, gegen seinen
Feind kämpfen und ihn trotz seiner Übermacht besiegen.
Dan 11,12 Zehntausende aus dem nördlichen Reich werden dabei umkommen. Dieser
Erfolg macht den König des Südens selbstsicher und überheblich. Doch er kann
seine Macht nicht lange behaupten.
Dan 11,13 Denn der Herrscher aus dem Norden stellt einige Jahre später noch
größere Truppen auf, bis an die Zähne bewaffnet, und greift mit ihnen an.
Dan 11,14 Auch viele andere werden sich in jener Zeit gegen den König des Südens
auflehnen. Eine Vision erfüllt sich: Menschen aus deinem eigenen Volk, die vor
Gewalttaten nicht zurückschrecken, schließen sich den Aufständischen an. Aber
sie werden scheitern.
Dan 11,15 Der König aus dem Norden wird mit seinen Soldaten anrücken, eine
befestigte Stadt belagern und sie einnehmen. Das Heer aus dem Süden kann ihm
nicht standhalten, sogar die Elitetruppen müssen die Waffen strecken.
Dan 11,16 Niemand leistet dem nördlichen Herrscher mehr Widerstand, er kann tun
und lassen, was er will. Auch in Israel macht er sich breit und verwüstet das
Land.
Dan 11,17 Er will durch ein Bündnis die Herrschaft über das Südreich erlangen,
damit es ihm nicht mehr gefährlich werden kann. Deshalb gibt er dem König des
Südens eine seiner Töchter zur Frau. Doch sein Plan wird scheitern.
Dan 11,18 Darauf greift er die Küstenländer und Inseln an und bringt viele in
seine Gewalt. Doch ein fremder Heerführer stellt sich ihm entgegen und macht
seinem Größenwahn ein Ende.
Dan 11,19 Darauf zieht sich der König des Nordens in die befestigten Städte
seines eigenen Landes zurück. Aber dort wird er gestürzt, und schon bald gerät
er in Vergessenheit.
Dan 11,20 Sein Nachfolger wird einen Bevollmächtigten durchs Reich schicken, um
Steuern einzutreiben und so den Reichtum seines Landes zu vergrößern. Aber schon
nach kurzer Zeit wird der König sterben; er fällt jedoch weder im Krieg, noch
wird er aus Rache ermordet.«
Dan 11,21 »An die Stelle des verstorbenen Königs wird ein skrupelloser Mann
treten. Er ist zwar nicht für die Thronfolge bestimmt, reißt aber durch Intrigen
die Herrschaft an sich.
Dan 11,22 Wenn feindliche Heere in sein Land einfallen, löscht er sie aus. Ja,
sogar einen verbündeten Fürsten lässt er umbringen.
Dan 11,23 Zuerst schließt er ein Bündnis mit ihm, doch dann hintergeht er ihn
auf übelste Weise. Obwohl den König nur wenige unterstützen, gelangt er an den
Gipfel der Macht.
Dan 11,24 Er fällt in die reichen Gegenden einer Provinz ein, während sich die
Bewohner in Sicherheit wiegen, er plündert sie aus und verteilt die Beute an
seine Anhänger. Kein Herrscher vor ihm hat es je so schlimm getrieben! Auch die
befestigten Städte will er in seine Gewalt bekommen, doch dazu bleibt ihm nicht
mehr viel Zeit.
Dan 11,25 Entschlossen und zielbewusst führt er ein großes Heer gegen den König
des Südens in den Kampf. Dieser rüstet sich mit einer noch gewaltigeren Armee
zum Krieg, doch er kann seinen Feinden nicht standhalten, denn er wird das Opfer
einer Verschwörung:
Dan 11,26 Seine engsten Vertrauten bringen seine Pläne zum Scheitern, viele
Soldaten fallen in der Schlacht, und die Überlebenden fliehen in alle
Richtungen.
Dan 11,27 Die beiden Könige verhandeln miteinander, und jeder ist nur darauf
aus, den anderen hinters Licht zu führen. Doch keiner von ihnen hat Erfolg, denn
die Zeit dafür ist noch nicht gekommen.
Dan 11,28 Zunächst kehrt der König aus dem Norden mit reicher Beute in sein Land
zurück. Unterwegs greift er das Volk an, mit dem Gott einen Bund geschlossen
hat.
Dan 11,29 Später versucht er wieder, das Südreich zu erobern. Doch diesmal wird
es ihm anders ergehen als bei seinem ersten Feldzug:
Dan 11,30 Schiffe aus einem Land im Mittelmeer bedrohen ihn, er verliert den Mut
und tritt den Rückzug an. Seine Wut darüber lässt er an dem Volk aus, das zum
heiligen Gott gehört. Er zieht alle auf seine Seite, die bereit sind, den Bund
mit Gott zu brechen.
Dan 11,31 Seine Truppen entweihen den Tempel auf dem Berg, schaffen die
täglichen Opfer ab und stellen eine abscheuliche Götzenstatue auf.
Dan 11,32 Alle, denen Gottes Bund mit Israel schon immer gleichgültig war,
verführt er mit schönen Worten dazu, sich endgültig von Gott abzuwenden. Die
anderen aber, die Gott treu sein wollen, bleiben standhaft.
Dan 11,33 Weise und Verständige aus dem Volk werden vielen den richtigen Weg
zeigen. Darum wird man sie eine Zeit lang verfolgen; man nimmt sie gefangen,
tötet sie mit dem Schwert, raubt ihren Besitz und brennt ihre Häuser nieder.
Dan 11,34 Sie erfahren zwar auch Hilfe, aber viele schließen sich ihnen nur zum
Schein an.
Dan 11,35 Dass die Weisen und Verständigen so hart verfolgt werden, dient ihrer
Läuterung. Gott will sie durch diese schwere Zeit prüfen, damit ihr Glaube sich
bewährt. Dies dauert so lange, wie Gott es bestimmt hat.
Dan 11,36 Der König kann tun und lassen, was er will. Ja, er ist so vermessen,
sich über die Götter zu erheben; sogar Gott, den Höchsten, verhöhnt und
verspottet er. Doch er wird dies nur so lange tun, bis Gott ihn voller Zorn
bestraft, denn niemand kann Gottes Pläne durchkreuzen.
Dan 11,37 Der König macht sich nichts aus den Göttern seiner Vorfahren. Nicht
einmal der Lieblingsgott der Frauen oder irgendein anderer bedeutet ihm etwas,
denn er bildet sich ein, mächtiger als sie alle zu sein.
Dan 11,38 Er dient lieber dem Gott der Festungen, den seine Vorfahren nie
gekannt haben, und bringt ihm Gold und Silber dar, Edelsteine und andere
wertvolle Gaben.
Dan 11,39 Im Namen dieses fremden Gottes bezwingt er selbst die stärksten
Festungen. Wer ihn als Herrscher anerkennt, den überhäuft er mit großen Ehren,
er teilt ihm Land zu und lässt ihn über viele Menschen regieren.
Dan 11,40 Schließlich aber kommt das Ende: Der König des Südens fällt mit seinen
Truppen über das Nordreich her, doch der König des Nordens geht mit Streitwagen,
Reitern und vielen Schiffen zum Gegenangriff über. Er stößt in die Länder des
Südens vor und überrollt sie wie eine verheerende Flut.
Dan 11,41 Dabei erobert er auch Israel und bringt viele Länder in seine Gewalt.
Nur die Edomiter, die Moabiter und der größte Teil der Ammoniter kommen noch
einmal davon.
Dan 11,42 Für Ägypten jedoch gibt es bei diesem Feldzug keine Rettung mehr.
Dan 11,43 Der König des Nordens raubt die Schätze des Landes, sein Gold und sein
Silber. Und selbst Libyer und Äthiopier führt er in seinem Siegeszug mit.
Dan 11,44 Dann aber werden ihm Gerüchte aus dem Osten und Norden zugetragen, die
ihn beunruhigen. Voller Zorn tritt er den Rückzug an, um seine Feinde ein für
alle Mal zu vernichten.
Dan 11,45 Er schlägt seine Kriegszelte zwischen dem Meer und dem Berg Zion auf.
Doch dann wird sein Ende kommen, und niemand kann ihm mehr helfen.«
Dan 12,1 »In jener Zeit tritt Michael, der große Engelfürst, für dein Volk ein,
so wie er es schon immer getan hat. Es wird eine so große Not herrschen wie noch
nie seit Menschengedenken. Aber alle aus deinem Volk werden gerettet, deren Name
in Gottes Buch aufgeschrieben ist.
Dan 12,2 Viele von denen, die in der Erde ruhen, werden erwachen, die einen
werden für immer leben, die anderen erleiden für immer Spott und Schande.
Dan 12,3 Die Weisen und Verständigen aber werden leuchten wie die Sonne am
Himmel. Und diejenigen, die vielen Menschen den richtigen Weg gezeigt haben,
leuchten für immer und ewig wie die Sterne.
Dan 12,4 Du aber, Daniel, bewahr diese Botschaft sorgfältig auf! Schreib all
diese Worte in ein Buch, und versiegle es, bis es am Ende der Zeit geöffnet
wird. Viele werden es erforschen und zu immer größerer Erkenntnis gelangen.«
Dan 12,5 Dann sah ich zwei Männer am Fluss stehen, jeder an einem Ufer.
Dan 12,6 Einer von ihnen fragte den Engel, der ein Gewand aus Leinen trug und
über dem Wasser schwebte: »Wie lange dauert es noch, bis diese erstaunlichen
Ereignisse vorüber sind?«
Dan 12,7 Der Engel erhob beide Hände zum Himmel und schwor bei Gott, der ewig
lebt: »Es dauert noch einen Zeitraum, dann zwei Zeiträume und einen halben
Zeitraum. Wenn die Kraft des heiligen Volkes Gottes gebrochen ist, dann kommt
alles zu seinem Ziel!«
Dan 12,8 Ich hörte zwar, was der Engel sagte, aber ich konnte es nicht
begreifen. Deshalb fragte ich: »Mein Herr, wie wird das Ende aussehen?«
Dan 12,9 Er antwortete: »Geh jetzt, Daniel! Bewahr diese Botschaft sorgfältig
auf! Das Buch soll versiegelt bleiben, bis das Ende kommt.
Dan 12,10 Gott wird viele Menschen auf die Probe stellen, er wird sie läutern,
damit ihr Glaube sich bewährt. Doch alle, die von Gott nichts wissen wollen,
werden sich weiterhin gegen ihn auflehnen. Sie werden diese Botschaft nicht
verstehen, die Weisen aber werden sie begreifen.
Dan 12,11 Von dem Zeitpunkt an, wenn man die regelmäßigen Opfer abschafft und
eine abscheuliche Götzenstatue aufstellt, wird es 1290 Tage dauern.
Dan 12,12 Glücklich ist, wer aushält, bis 1335 Tage vorüber sind!
Dan 12,13 Du aber geh deinen Weg bis zum Ende! Du wirst in der Erde ruhen, doch
später wirst du auferstehen und das himmlische Erbe empfangen, das am Ende der
Zeit auf dich wartet.«
Hos 1,1 In diesem Buch sind die Worte des Herrn an Hosea, den Sohn Beeris,
aufgeschrieben. Damals regierten in Juda nacheinander die Könige Usija, Jotam,
Ahas und Hiskia. In Israel herrschte König Jerobeam, der Sohn Joaschs.
Hos 1,2 Als der Herr zum ersten Mal zu Hosea sprach, befahl er ihm: »Such dir
eine Hure, und mache sie zu deiner Frau! Du sollst Kinder haben, die von einer
Hure geboren wurden. Denn mein Volk ist wie eine Hure: Es ist mir untreu und
läuft fremden Göttern nach.«
Hos 1,3 Hosea heiratete Gomer, die Tochter Diblajims. Sie wurde schwanger und
brachte einen Jungen zur Welt.
Hos 1,4 »Nenne deinen Sohn Jesreel«, sagte der Herr zu Hosea, »denn bald werde
ich das Blutbad rächen, das König Jehu in Jesreel angerichtet hat. Ich werde
seine Nachkommen bestrafen und dem Königreich Israel ein Ende machen.
Hos 1,5 In der Ebene Jesreel werde ich das gesamte Heer Israels auslöschen.«
Hos 1,6 Gomer wurde danach wieder schwanger und brachte ein Mädchen zur Welt. Da
sprach der Herr zu Hosea: »Nenne das Kind Lo-Ruhama! Denn ich habe kein Erbarmen
mehr mit den Israeliten und werde ihre Schuld nicht länger vergeben!
Hos 1,7 Aber mit den Judäern will ich Mitleid haben: Ich werde sie retten, denn
ich bin der Herr, ihr Gott. Ich werde aber nicht für sie Krieg führen und ihnen
nicht mit Bogen und Schwert, mit Pferden und Reitern helfen.«
Hos 1,8 Als Gomer ihre Tochter Lo-Ruhama nicht mehr stillte, wurde sie ein
drittes Mal schwanger und brachte einen Jungen zur Welt.
Hos 1,9 Da sagte der Herr: »Er soll Lo-Ammi heißen. Denn ihr seid nicht mehr
mein Volk, und ich bin nicht mehr für euch da.
Hos 2,1 Doch es kommt die Zeit, da werden die Israeliten so zahlreich sein wie
der Sand am Meer; man wird sie nicht zählen können. Ich habe ihnen gesagt: Ihr
seid nicht mein Volk. Dann aber werden sie ›Kinder des lebendigen Gottes‹
heißen.
Hos 2,2 Alle Männer aus Juda und Israel werden sich versammeln und ein
gemeinsames Oberhaupt wählen. Sie werden das ganze Land in Besitz nehmen. Was
für ein großer Tag wird das sein, wenn meine Saat aufgeht!
Hos 2,3 Dann sollt ihr euren Schwestern und Brüdern in meinem Auftrag verkünden:
›Ihr seid mein Volk, ich habe Erbarmen mit euch.‹«
Hos 2,4 »Klagt euer Land an, ihr Israeliten! Bringt euer Volk vor Gericht! Schon
lange ist eure Mutter Israel nicht mehr meine Frau, und darum will auch ich
nicht länger ihr Mann sein! Sie soll die Zeichen einer Hure von ihrem Gesicht
und ihren Brüsten entfernen.
Hos 2,5 Sonst werde ich sie nackt ausziehen und hilflos machen wie bei ihrer
Geburt. Ihr Land mache ich zur Wüste, zu einer dürren Einöde, ja, ich will sie
verdursten lassen!
Hos 2,6 Auch mit ihren Kindern werde ich kein Mitleid haben, denn sie sind
Hurenkinder.
Hos 2,7 Ihre Mutter hat sich mit fremden Männern eingelassen. Sie ging mit ihnen
ins Bett und dachte: ›Es lohnt sich, bei meinen Liebhabern zu bleiben, denn sie
geben mir, was ich brauche: Brot und Wasser, Wolle und Flachs, Öl und Wein.‹
Hos 2,8 Darum versperre ich ihr den Weg mit Mauern und lasse ihn mit
Dornengestrüpp überwuchern, so dass sie nicht mehr weiter weiß.
Hos 2,9 Vergeblich läuft sie hinter ihren Liebhabern her. Sie wird sie suchen,
aber nicht finden. Zuletzt wird sie sich besinnen: ›Ich will nach Hause
zurückkehren, zu meinem ersten Mann; denn bei ihm ging es mir besser.‹
Hos 2,10 Sie hat nicht erkannt, dass ich es war, der ihr Getreide, Most und Öl
gegeben hat. Mit Silber und Gold habe ich sie überschüttet, sie aber hat alles
ihrem Götzen Baal zu Füßen gelegt.
Hos 2,11 Zur Erntezeit werde ich dafür sorgen, dass sie kein Getreide und keinen
Wein bekommt. Auch Wolle und Flachs nehme ich ihr weg, damit sie sich keine
Kleider nähen kann.
Hos 2,12 Vor den Augen ihrer Liebhaber ziehe ich sie nackt aus und stelle sie
öffentlich zur Schau; niemand kann sie davor bewahren.
Hos 2,13 Ihren Freudenfesten mache ich ein Ende, sie wird keinen Neumond oder
Sabbat und kein anderes großes Fest mehr feiern.
Hos 2,14 Ihre Weinstöcke werde ich zerstören und ihre Feigenbäume fällen. Denn
sie hat gesagt: ›Das habe ich von meinen Freunden für meine Liebesdienste
bekommen.‹ Alles, was sie gepflanzt hat, lasse ich von Gestrüpp überwuchern; und
den Rest werden die wilden Tiere fressen.
Hos 2,15 Denn sie hat mich vergessen. Statt für mich hat sie für ihre Götzen
Feste gefeiert und ihnen Opfer dargebracht. Sie hat sich mit Ringen und Ketten
geschmückt und ist ihren Liebhabern nachgelaufen. Deshalb werde ich sie
bestrafen. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Hos 2,16 »Doch dann werde ich versuchen, sie wiederzugewinnen: Ich will sie in
die Wüste bringen und in aller Liebe mit ihr reden.
Hos 2,17 Dort wird sie auf meine Worte hören. Sie wird mich lieben wie damals in
ihrer Jugend, als sie Ägypten verließ. Dann will ich ihr die Weinberge
zurückgeben; das Achortal, das Unglückstal, soll für sie ein Tor der Hoffnung
sein.
Hos 2,18 Ja, ich, der Herr, verspreche: An diesem Tag wird sie nicht mehr zu mir
sagen: ›Mein Baal‹, sondern sie wird mich wieder ihren Mann nennen.
Hos 2,19 Den Namen Baal werde ich aus ihrem Mund nicht mehr hören, nie wieder
wird sie die Namen anderer Götter erwähnen.
Hos 2,20 Ich will einen Bund schließen mit den wilden Tieren, den Vögeln und den
Kriechtieren, damit sie ihr keinen Schaden zufügen. Ich werde die Kriege beenden
und alle Bogen und Schwerter zerbrechen. Das alles werde ich tun, damit sie in
Frieden und Sicherheit leben kann.
Hos 2,21 Die Ehe, die ich an diesem Tag mit dir, Israel, schließe, wird ewig
bestehen. Ich schenke dir Liebe und Barmherzigkeit, ich schütze dich und helfe
dir;
Hos 2,22 immer werde ich treu sein und dich nie verlassen. Daran wirst du
erkennen, dass ich der Herr bin!
Hos 2,23 In jener Zeit werde ich die Bitten Israels erhören. Aus dem Himmel
lasse ich Regen auf die Erde fallen,
Hos 2,24 und die Erde wird Getreide, Weintrauben und Oliven hervorbringen. Dann
wird Israel genug zu essen haben und satt werden.
Hos 2,25 Ich werde dafür sorgen, dass mein Volk sich wieder in seinem Land
ansiedeln kann. Es wurde als eine Nation bezeichnet, ›die kein Erbarmen findet‹;
doch die Zeit kommt, in der ich mich über mein Volk erbarmen werde. Es war einst
›Nicht mein Volk‹; nun aber sage ich zu ihm: ›Du bist mein Volk‹, und Israel
wird antworten: ›Du bist mein Gott!‹«
Hos 3,1 Der Herr sprach zu mir: »Obwohl deine Frau deine Liebe nicht erwidert
hat, sondern ständig die Ehe bricht, sollst du sie wieder bei dir aufnehmen und
sie lieb haben. Denn auch ich liebe die Israeliten, obwohl sie anderen Göttern
nachlaufen und deren Opfermahlzeiten essen.«
Hos 3,2 Da kaufte ich meine Frau für fünfzehn Silberstücke und viereinhalb
Zentner Gerste zurück
Hos 3,3 und sagte zu ihr: »Du wirst jetzt bei mir bleiben und dich mit keinem
anderen Mann mehr einlassen. Aber ich werde lange Zeit nicht mit dir schlafen.«
Hos 3,4 Genau so wird es Israel ergehen: Lange Zeit werden sie ohne König und
Fürsten sein, es wird keine Schlachtopfer und keine heiligen Steinmale geben,
auch keine Götterfiguren und Priestergewänder.
Hos 3,5 Und dann wird Israel zurückkommen und den Herrn, seinen Gott, suchen.
Das ganze Volk wird einen Nachkommen Davids als König anerkennen. Zitternd
werden sie in dieser letzten Zeit zum Herrn zurückkehren und ihre Hoffnung ganz
auf seine Güte setzen.
Hos 4,1 Ihr Israeliten, hört, was der Herr euch zu sagen hat! Der Herr führt
einen Rechtsstreit gegen die Bewohner des Landes. Denn Treue und Liebe sind
ihnen fremd, sie wollen den Herrn nicht als ihren Gott anerkennen.
Hos 4,2 Sie betrügen und lügen, sie morden, stehlen und brechen die Ehe, sie
begehen eine Bluttat nach der anderen.
Hos 4,3 Darum wird das Land vertrocknen, und alles, was dort lebt, wird
verdursten. Die Tiere auf dem Feld, die Vögel am Himmel und sogar die Fische im
Meer - sie alle gehen zugrunde.
Hos 4,4 Der Herr sagt: »Es soll nicht irgendeiner angeklagt, nicht irgendwer
verurteilt werden! Euch, ihr Priester, euch klage ich an!
Hos 4,5 Am helllichten Tag werde ich euch zu Fall bringen, und die Propheten,
die gemeinsame Sache mit euch machen, werde ich über Nacht stürzen. Selbst eure
Mütter lasse ich umkommen!
Hos 4,6 Mein Volk läuft ins Verderben, weil es den richtigen Weg nicht kennt.
Denn ihr Priester wollt nichts mehr von der Wahrheit wissen. Deshalb will ich
auch nichts mehr von euch wissen! Ihr sollt nicht länger meine Priester sein.
Weil ihr meine Weisungen vergessen habt, darum werde ich eure Kinder vergessen.
Hos 4,7 Je zahlreicher die Priester wurden, desto mehr haben sie sich gegen mich
aufgelehnt. Darum werde ich ihnen ihr angesehenes Amt wegnehmen, und sie werden
sich vor allen Leuten schämen müssen.
Hos 4,8 Sie hoffen, dass mein Volk viele Sünden begeht, denn dann können sie
sich am Fleisch der Sündopfertiere satt essen.
Hos 4,9 Darum soll es ihnen gehen wie den anderen Israeliten: Ich werde sie für
ihren Eigensinn bestrafen, ich werde ihnen das Böse, das sie tun, heimzahlen!
Hos 4,10 Soviel sie auch essen, sie sollen nicht satt werden. Und mit wie vielen
Frauen sie sich auch einlassen, sie werden doch keine Kinder haben. Denn mich,
den Herrn, haben sie verlassen, sie haben mir den Rücken gekehrt!
Hos 4,11 Hurerei, Wein und Most vernebeln ihnen den Verstand.
Hos 4,12 Mein Volk geht zu heiligen Bäumen, um sich Rat zu holen. Sie erwarten
Auskunft und Hilfe, indem sie mit Holzstäben das Orakel befragen. Besessen von
ihrer Hurerei und Treulosigkeit, sind sie auf Abwege geraten; von mir, ihrem
Gott, wollen sie nichts mehr wissen.
Hos 4,13 Oben auf den Hügeln bringen sie Räucheropfer dar und halten
Opfermahlzeiten, sie feiern im wohltuenden Schatten von Eichen, Storaxbäumen und
Terebinthen. Darum werden ihre Töchter und Schwiegertöchter zu Huren und
Ehebrecherinnen.
Hos 4,14 Doch ich werde nicht sie für ihre Hurerei und ihren Ehebruch bestrafen.
Denn es sind die Priester, die ein schlechtes Beispiel geben: Gerade sie laufen
den Huren nach und feiern Opfermahlzeiten mit den Prostituierten am Tempel. So
stürzen sie das Volk, das es nicht besser weiß, ins Verderben.
Hos 4,15 Doch auch wenn Israel mir untreu ist, soll Juda sich nicht schuldig
machen. Ihr Judäer, geht nicht in die Heiligtümer von Gilgal oder Bet-Awen!
Schwört nicht: ›So wahr der Herr lebt‹ !
Hos 4,16 Das Volk Israel ist widerspenstig wie eine störrische Kuh. Soll ich sie
etwa auf freiem Feld weiden lassen wie ein sanftes Lamm?
Hos 4,17 Ephraim hat sich fremden Göttern verschrieben. Sollen sie machen, was
sie wollen!
Hos 4,18 Sie halten Saufgelage ab und vergnügen sich schamlos mit ihren Huren.
Und anstatt sich zu schämen, sind sie auch noch stolz darauf!
Hos 4,19 Sie treiben umher wie ein Blatt im Wind und rennen mit ihrem
Götzendienst ins Verderben.«
Hos 5,1 «Ihr Priester, passt gut auf! Auch der König mit seinem Hofstaat und
alle anderen Israeliten sollen aufmerksam zuhören! Ihr habt die Aufgabe, das
Recht zu wahren! Doch ihr seid wie eine tödliche Falle in Mizpa, wie ein Netz,
mit dem man auf dem Berg Tabor Vögel fängt!
Hos 5,2 Den Bund, den ich mit euch geschlossen habe, habt ihr verraten. Aber nun
habt ihr eure Gottlosigkeit zu weit getrieben! Darum werde ich euch alle
bestrafen!
Hos 5,3 Denn ich kenne Ephraim gut. Nichts, was dort geschieht, bleibt meinen
Augen verborgen. Ephraim ist fremden Göttern nachgelaufen, Israel hat schwere
Schuld auf sich geladen.
Hos 5,4 Sie sind so in ihre Schuld verstrickt, dass sie nicht mehr zu mir
umkehren können. Sie haben nur noch ihren Götzendienst im Sinn, sie erkennen
nicht, dass ich der Herr bin!
Hos 5,5 Durch ihren Hochmut sprechen sie sich selbst das Urteil, ihre Schuld
stürzt sie ins Verderben. Auch den Bewohnern von Juda wird es nicht anders
ergehen.
Hos 5,6 Sie werden dann Schafe und Rinder opfern, um mich, den Herrn, gnädig zu
stimmen; aber ich werde sie allein lassen, so dass sie mich nicht finden können.
Hos 5,7 Sie haben mir, dem Herrn, die Treue gebrochen und mit ihren Huren Kinder
gezeugt. Darum werden sie in kürzester Zeit vernichtet - mit allem, was ihnen
gehört.«
Hos 5,8 »Stoßt ins Horn in Gibea, und blast die Trompeten in Rama! Stimmt lautes
Kriegsgeschrei an in Bet-Awen! Denn der Feind ist euch auf den Fersen, ihr vom
Stamm Benjamin!
Hos 5,9 Ich vollstrecke mein Urteil an Israel und mache es zur Wüste. Alles, was
ich den Stämmen Israels angedroht habe, wird wahr!
Hos 5,10 Auch auf die führenden Männer Judas wird mein Zorn niedergehen wie ein
Gewitterregen! Denn sie verrücken die Grenzen und reißen so fremdes Land an
sich.
Hos 5,11 Ja, Ephraim wird unterdrückt und aller Rechte beraubt, denn es hat dort
Hilfe gesucht, wo es keine Hilfe gibt!
Hos 5,12 Ich, der Herr, bereite Ephraim Schmerzen wie eine eiternde Wunde, und
ich quäle Juda wie ein bösartiges Geschwür.
Hos 5,13 Als Ephraim und Juda merkten, wie schlimm es um sie stand, suchte
Ephraim Hilfe beim König von Assyrien. Doch dieser kriegerische König kann euch
nicht gesund machen und von euren eitrigen Geschwüren heilen!
Hos 5,14 Denn ich, der Herr, greife Ephraim und Juda an wie ein junger,
hungriger Löwe; ich zerreiße sie und schleppe sie als Beute fort, und niemand
kann sie retten.
Hos 5,15 Ich werde sie allein lassen, bis sie ihre Schuld einsehen und nach mir
fragen. In ihrer Not werden sie wieder meine Nähe suchen und sagen:
Hos 6,1 ›Kommt, wir wollen zum Herrn umkehren! Er hat uns verletzt, also wird er
uns auch wieder heilen; er hat uns geschlagen, darum wird er auch unsere Wunden
verbinden!
Hos 6,2 Nach drei Tagen wird er uns wieder aufrichten und uns neues Leben
schenken. Dann können wir immer in seiner Nähe sein.
Hos 6,3 Alles wollen wir tun, um ihn, den Herrn, zu erkennen! So sicher, wie
morgens die Sonne aufgeht und im Herbst und Frühjahr der Regen die Erde tränkt,
so gewiss wird er kommen und uns helfen.‹
Hos 6,4 Ach, Ephraim und Juda, was soll ich bloß mit euch machen? Eure Treue ist
so flüchtig wie ein Nebelschleier am Morgen, eure Liebe zu mir verschwindet so
schnell wie Tau unter der Sonne!
Hos 6,5 Darum habe ich durch die Propheten mein Gericht angedroht und versucht,
euch mit harten Worten zur Umkehr zu bewegen. Was ich für richtig und gut halte,
habe ich deutlich gesagt, es ist klar wie der helle Tag.
Hos 6,6 Wenn jemand mir treu ist, so ist mir das lieber als ein Schlachtopfer.
Und wenn jemand mich erkennen will, freut mich das mehr als jedes Brandopfer!«
Hos 6,7 »Die Israeliten sind mir untreu geworden, schon damals in der Stadt
Adam. Und seitdem haben sie immer wieder den Bund gebrochen, den ich einst mit
ihnen geschlossen habe.
Hos 6,8 Gilead ist eine Stadt voller Verbrecher, überall fließt Blut.
Hos 6,9 Die Priester rotten sich zusammen; auf dem Weg, der nach Sichem führt,
lauern sie den Reisenden auf und ermorden sie. Vor keiner Schandtat schrecken
sie zurück.
Hos 6,10 Ich, der Herr, habe Abscheuliches in Israel gesehen: Israel ist fremden
Göttern nachgelaufen und hat Schuld auf sich geladen.
Hos 6,11 Doch auch Juda ist reif für das Gericht! Wenn ich das Schicksal Israels
wenden
Hos 7,1 und mein Volk heilen will, dann kommt ans Licht, dass Israel schwere
Schuld auf sich geladen hat und die Leute von Samaria nur Böses im Schilde
führen. Sie sind Betrüger; Diebe brechen in die Häuser ein, und Räuberbanden
ziehen plündernd durch das Land.
Hos 7,2 Sie machen sich nicht klar, dass ich kein einziges ihrer Verbrechen
vergesse. Sie müssen die Folgen ihrer Bosheit tragen, denn ich werde mich an
alles erinnern!
Hos 7,3 Mit hinterlistigen Plänen verschaffen sie sich Ansehen beim König, und
mit Lügen schmeicheln sie sich bei den Fürsten ein.
Hos 7,4 Doch sie halten niemandem die Treue. Ihr Hass glüht wie ein Ofen, den
der Bäcker angeheizt hat und den man nicht mehr nachzuheizen braucht, selbst
wenn man den Teig noch kneten und gehen lassen muss.
Hos 7,5 Am Krönungstag ihres Königs machen sie ihn und seine Hofbeamten
betrunken, der viele Wein raubt diesen Schwätzern den Verstand.
Hos 7,6 Die Verräter warten, bis ihre Zeit gekommen ist, sie fiebern dem
Augenblick entgegen, in dem sie losschlagen. Doch sie lassen sich die ganze
Nacht hindurch nichts anmerken. Am Morgen aber wird die schwelende Glut zur
lodernden Flamme:
Hos 7,7 Sie fallen über den König und seine engsten Berater her. So kommt ein
König nach dem anderen ums Leben, aber noch nie hat einer von ihnen zu mir, dem
Herrn, um Hilfe gerufen!
Hos 7,8 Ephraim vermischt sich mit fremden Völkern. Wie ein Brotfladen, der
nicht gewendet wird, auf einem glühenden Stein verschmort, so geht Israel
zugrunde.
Hos 7,9 Die Völker, die Ephraim zu Hilfe gerufen hat, rauben ihm alle Kraft,
aber er achtet nicht darauf. Sein Haar wird grau, doch er merkt es nicht.
Hos 7,10 So spricht Israel sich in seinem Hochmut selbst das Urteil. Denn mich,
den Herrn, ihren Gott, suchen sie nicht, sie wollen trotz allem nicht zu mir
umkehren!
Hos 7,11 Ephraim ist leichtgläubig und dumm wie eine Taube. Erst rufen sie die
Ägypter zu Hilfe, dann wollen sie mit den Assyrern ein Bündnis schließen!
Hos 7,12 Weil sie hierhin und dorthin laufen, will ich ein Netz aufspannen - wie
ein Vogelfänger. Ja, ich fange sie ein und bestrafe sie, wie ich es ihnen
angedroht habe!
Hos 7,13 Es wird ihnen schlecht ergehen! Sie sollen bloß nicht meinen, sie
könnten mir entkommen! Ihr Land wird verwüstet, weil sie mich verlassen haben.
Warum sollte ich sie noch retten? Sie verbreiten ja doch nur Lügen über mich.
Hos 7,14 Sie liegen im Bett und heulen, aber niemals rufen sie ernsthaft nach
mir. Sie ritzen sich die Haut ein, damit die Ernte gut ausfällt, und entfernen
sich immer weiter von mir.
Hos 7,15 Ich, der Herr, habe sie ermahnt, ich habe ihnen Kraft gegeben, doch sie
denken sich stets neue Bosheiten gegen mich aus.
Hos 7,16 Sie wenden sich an alle möglichen Helfer, nur nicht an mich! Sie sind
wie ein schlaffer Bogen, mit dem man nicht schießen kann. Ihre führenden Männer
werden im Krieg fallen, weil sie Hass und Lüge verbreiten. In ganz Ägypten wird
man über sie spotten!«
Hos 8,1 »Blast das Horn, und schlagt Alarm! Der Feind stürzt sich wie ein Adler
auf mein Land. Denn seine Bewohner haben den Bund gebrochen, den ich mit ihnen
geschlossen habe. Bewusst haben sie meine Weisungen und Gebote verletzt.
Hos 8,2 Sie schreien zwar zu mir um Hilfe und berufen sich darauf, dass sie mein
Volk sind,
Hos 8,3 doch sie verachten, was in meinen Augen gut und richtig ist. Darum gebe
ich sie in die Gewalt ihrer Feinde.
Hos 8,4 Eigenmächtig haben sie Könige und Hofbeamte eingesetzt, ohne mich, den
Herrn, zu fragen. Aus ihrem Silber und Gold gießen sie Götterstatuen - genauso
gut könnten sie es wegwerfen!
Hos 8,5 Ich verachte euer goldenes Kalb, ihr Leute von Samaria! Ihr ahnt nicht,
wie zornig ich auf euch bin! Wann werdet ihr es wohl schaffen, euch von diesem
Schandmal zu befreien?
Hos 8,6 Was soll diese Götzenstatue in Israel? Ein Handwerker hat sie gemacht,
darum ist sie kein Gott! Man wird sie in Stücke hauen!
Hos 8,7 Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wenn das Getreide nicht wächst, gibt es
auch kein Mehl. Und selbst wenn sich ein paar Ähren fänden, würden Fremde sie
verzehren!
Hos 8,8 Ja, Israel ist verloren, verachtet bei den Völkern ringsum. Das Volk ist
wie ein nutzloses Gefäß, das niemand mehr braucht.
Hos 8,9 Sie haben die Assyrer um Hilfe gebeten und ihnen Geschenke gebracht.
Sogar ein Wildesel bleibt für sich allein und unabhängig, aber die Leute von
Ephraim versuchen, sich Freunde zu kaufen.
Hos 8,10 Sie können verschenken, soviel sie wollen. Ich werde sie allesamt in
die Fänge des assyrischen Königs treiben, und sie werden sich schon bald unter
der Last winden, die er ihnen auferlegt.
Hos 8,11 Die Leute von Ephraim haben einen Altar nach dem anderen errichtet.
Doch anstatt mir zu dienen, laden sie weiter Schuld auf sich. Je mehr Altäre es
gibt, desto größer wird ihre Sünde!
Hos 8,12 Zehntausendmal könnte ich ihnen meine Gebote aufschreiben - sie blieben
ihnen fremd!
Hos 8,13 Sie bringen mir Schlachtopfer dar und essen sich beim Opfermahl satt.
An solchen Opfern habe ich, der Herr, keine Freude! Ich merke mir alles, was sie
tun, und werde sie hart bestrafen: Sie müssen zurück nach Ägypten!
Hos 8,14 Ich habe sie zu dem gemacht, was sie sind. Und trotzdem haben sie mich
vergessen! Israel baut prächtige Paläste, und Juda errichtet immer neue
Festungen. Doch ich, der Herr, werde ihre Städte und Prachtbauten niederbrennen
und vernichten!«
Hos 9,1 Du hast keinen Grund zur Freude, Israel! Du wirst nicht länger jubeln
und Feste feiern wie die Völker ringsum! Denn du hast deinen Gott verlassen und
läufst anderen Göttern nach, ja, du verkaufst dich an sie und feierst ihnen zu
Ehren Erntefeste auf den Tennen.
Hos 9,2 Doch Getreide und Wein werden zu Ende gehen, und auch Most wird es nicht
mehr geben.
Hos 9,3 [3/4] Ihr werdet nicht in diesem Land bleiben, das der Herr euch gegeben
hat: Ihr Leute von Ephraim werdet nach Ägypten zurückkehren oder nach Assyrien
verschleppt werden. Dort werdet ihr dem Herrn keine Trank- oder Schlachtopfer
mehr darbringen, denn ihr könnt nicht mehr zum Tempel des Herrn kommen. Alles,
was ihr dort esst, ist unrein und wird euch unrein machen - wie Brot, das in
Gegenwart eines Toten gegessen wird. Ihr könnt es nur noch selbst verzehren.
Hos 9,5 Wie wollt ihr dann eure Feste zu Ehren des Herrn feiern?
Hos 9,6 Diejenigen von euch, die das verwüstete Land verlassen und nach Ägypten
fliehen, werden dort sterben und in Memfis begraben. Euer kostbares Silber wird
von Unkraut überwuchert, und Dorngestrüpp wächst in euren Zelten.
Hos 9,7 Nun ist es so weit: Der Herr vollstreckt das Urteil! Jetzt werdet ihr
Israeliten für eure Taten bestraft. Ihr werdet es sehen! Ihr sagt: »Der Prophet
ist ein dummer Schwätzer, ja, der Mann des Geistes ist verrückt!« Weil ich eure
große Schuld beim Namen nenne, bin ich euer Todfeind geworden.
Hos 9,8 Doch Gott hat mich zu einem Propheten gemacht, damit ich euch warne. Ihr
aber versucht, mich wie einen Vogel in die Falle zu locken! Wo ich gehe und
stehe, seid ihr hinter mir her, sogar im Haus meines Gottes.
Hos 9,9 Ihr seid durch und durch verdorben, wie damals die Leute von Gibea. Doch
der Herr lässt euch nicht ungestraft davonkommen, sondern wird euch für eure
Schuld zur Rechenschaft ziehen!
Hos 9,10 Der Herr sagt: »Als ich dem Volk Israel zum ersten Mal begegnete, da
war es, als hätte ich Trauben in der Wüste gefunden. Eure Vorfahren waren für
mich wie die ersten köstlichen Früchte des Feigenbaumes. Doch bald liefen sie
dem Gott Baal-Peor nach und verehrten diesen abscheulichen Götzen, ja, sie
wurden genau wie er!
Hos 9,11 Die Leute von Ephraim sind wie Vögel, die hin und her flattern. Darum
wird ihre Macht so schnell schwinden, wie Vögel davonfliegen. Keine
israelitische Frau wird mehr schwanger werden und ein Kind zur Welt bringen.
Hos 9,12 Die Kinder, die sie schon großgezogen haben, lasse ich sterben. Kein
einziges wird übrig bleiben. Und auch ihnen wird es schlecht ergehen, wenn ich
sie allein lasse.
Hos 9,13 Ich hatte Ephraim wie eine junge Palme auf fruchtbarem Boden
angepflanzt. Doch nun werden ihre Söhne im Krieg fallen.«
Hos 9,14 Ach Herr, wenn du sie schon zur Rechenschaft ziehen musst, dann strafe
sie damit, dass sie unfruchtbar werden und nie wieder ein Kind stillen können.
Hos 9,15 Der Herr sagt: »In Gilgal hat sich gezeigt, wie verdorben sie sind, ja,
dort habe ich angefangen, sie für ihre Bosheit und ihre Verbrechen zu hassen.
Darum vertreibe ich sie jetzt aus meinem Land, ich will sie nicht mehr lieben!
Denn die führenden Männer des Volkes haben sich zu allen Zeiten gegen mich
aufgelehnt.
Hos 9,16 Ephraim ist wie ein toter Baum, seine Wurzeln sind vertrocknet, seine
Zweige ohne Früchte. Und selbst wenn diesem Volk noch Kinder geboren werden,
töte ich sie, ja, ich vernichte, was ihnen lieb und teuer ist!«
Hos 9,17 Mein Gott wird die Leute von Ephraim verstoßen, weil sie nicht auf ihn
hören. Als Flüchtlinge müssen sie bei fremden Völkern leben!
Hos 10,1 Israel war wie ein prächtiger Weinstock mit vielen Früchten. Ja, die
Israeliten hatten es gut! Je besser es ihnen ging, desto mehr Altäre bauten sie.
Je größer der Wohlstand im Land wurde, desto schöner verzierten sie die heiligen
Steinsäulen.
Hos 10,2 Sie haben nicht mehr von ganzem Herzen dem Herrn gedient. Darum müssen
sie nun die Folgen tragen: Der Herr reißt ihre Altäre nieder und zerschlägt ihre
heiligen Steinsäulen!
Hos 10,3 Bald werden sie sagen: »Wir haben keinen König mehr, weil wir keine
Ehrfurcht vor dem Herrn hatten. Doch was könnte ein König jetzt noch für uns
tun?«
Hos 10,4 Ja, sie haben Recht, denn die Könige haben nur leere Reden geschwungen,
falsche Eide geschworen und eigenmächtig Bündnisse geschlossen! Im ganzen Land
lassen sie das Unrecht wuchern wie giftiges Unkraut im Getreidefeld.
Hos 10,5 Die Einwohner von Samaria werden sich Sorgen machen um das goldene Kalb
von Bet-Awen. Das Volk wird trauern, und die Götzenpriester werden jammern, wenn
es von dort weggeführt wird.
Hos 10,6 Ja, das goldene Kalb wird nach Assyrien gebracht - als Geschenk für den
assyrischen König. Dann verspottet man die Leute von Ephraim, weil sie sich so
verrechnet haben.
Hos 10,7 Samaria, die Stadt des Königs, wird zerstört, und der König wird von
den Feinden weggeführt, so hilflos, wie ein Zweig den Fluss hinuntertreibt.
Hos 10,8 Die Opferplätze, wo die Israeliten schwere Schuld auf sich geladen
haben, werden verwüstet, die Altäre von Dornen und Disteln überwuchert. Wer
überlebt, wird sich wünschen, dass die Berge und Hügel zusammenstürzen und ihn
unter sich begraben.
Hos 10,9 Der Herr sagt: »Seit damals in Gibea ladet ihr immer wieder Schuld auf
euch, ihr Israeliten! Bis heute hat sich das nicht geändert. Ihr seid
widerspenstig und lehnt euch ständig gegen mich auf, deshalb wird man dort in
Gibea gegen euch Krieg führen!
Hos 10,10 Ich selbst werde euch zur Rechenschaft ziehen, ich werde fremde Völker
zusammenrufen, die euch für eure große Schuld bestrafen!
Hos 10,11 Mein Volk glich einer jungen Kuh, die gewohnt war, Getreide zu
dreschen; sie tat es gern. Als ich an ihr vorüberkam und ihren starken Nacken
sah, wollte ich sie ins Joch spannen: Juda sollte pflügen, Israel eggen.
Hos 10,12 Ich sagte zu ihnen: ›Was ihr sät, das werdet ihr ernten. Haltet euch
an meinen Bund, dann werde auch ich euch treu bleiben. Fangt ganz neu an wie ein
Bauer, der ein brachliegendes Feld zum ersten Mal wieder bestellt! Denn die Zeit
ist da, mich, den Herrn, zu suchen. Dann werde ich zu euch kommen und dafür
sorgen, dass es in eurem Land gerecht zugeht und ihr in Frieden lebt.‹
Hos 10,13 Doch ihr habt Unrecht gesät und Unheil geerntet! Ihr seid Lügen
aufgesessen und müsst nun die Folgen tragen! Ihr seid eure eigenen Wege gegangen
und habt auf euer großes Heer vertraut.
Hos 10,14 Darum wird euer Volk in einen Krieg verwickelt, und alle eure
Festungen werden dem Erdboden gleichgemacht. Es wird euch gehen wie der Stadt
Bet-Arbeel, die Schalman im Krieg verwüstete: Kleine Kinder wurden an Felsen
zerschmettert, und auch ihre Mütter wurden getötet.
Hos 10,15 Das gleiche Schicksal lasse ich über euch kommen, ihr Israeliten! Denn
ihr seid durch und durch verdorben. An diesem Tag wird der König von Israel
vernichtet, noch bevor die Sonne aufgegangen ist.«
Hos 11,1 Der Herr sagt: »Als Israel jung war, begann ich, es zu lieben. Israel,
meinen Sohn, rief ich aus Ägypten.
Hos 11,2 Schon oft habe ich die Israeliten gerufen, doch stets sind sie mir
davongelaufen. Sie haben den Götzen geopfert und vor ihren Götterfiguren
Räucheropfer angezündet.
Hos 11,3 Ich war es, der Ephraim das Laufen lehrte, ich nahm ihn immer wieder
auf meine Arme. Aber die Menschen in Israel haben nicht erkannt, dass alles
Gute, das ihnen geschah, von mir kam.
Hos 11,4 Mit Freundlichkeit und Liebe wollte ich sie gewinnen. Ich habe ihnen
ihre Last leicht gemacht - wie ein Bauer, der seinem Ochsen das Joch hochhebt,
damit er besser fressen kann, ja, der sich bückt, um ihn selbst zu füttern.
Hos 11,5 Trotzdem weigern sie sich, zu mir umzukehren. Sie bitten lieber die
Ägypter um Hilfe. Deshalb soll nun der assyrische König über sie herrschen!
Hos 11,6 In ihren Städten wird das Schwert wüten, und die Orakelpriester, die
falsche Ratschläge geben, werden sterben.
Hos 11,7 Mein Volk ist mir untreu, und davon lässt es sich nicht abbringen! Sie
rufen zu ihren Götzen, doch die können ihnen nicht helfen.
Hos 11,8 Ach, wie könnte ich dich im Stich lassen, Ephraim? Wie könnte ich dich
aufgeben, Israel? Sollte ich dich vernichten wie die Städte Adma und Zebojim?
Nein, es bricht mir das Herz, ich kann es nicht; ich habe Mitleid mit dir!
Hos 11,9 Mein Zorn wird dich nicht wieder treffen, ich will dich nicht noch
einmal vernichten, Ephraim. Denn ich bin Gott und kein Mensch. Ich bin der
Heilige, der bei euch wohnt. Ich komme nicht, um euch im Zorn zu töten.
Hos 11,10 Alle werde ich zurückbringen, die aus diesem Land verschleppt wurden.
Ich werde ihnen vorangehen und brüllen wie ein Löwe. Sie werden mir folgen und
mit Zittern zurückkehren - über das Meer im Westen,
Hos 11,11 aus Ägypten und Assyrien. Sie werden kommen wie Tauben, die
herbeifliegen. Dann lasse ich sie wieder in ihren Häusern wohnen. Das verspreche
ich, der Herr!«
Hos 12,1 Der Herr sagt: »Die Israeliten belügen und betrügen mich fortwährend;
und die Bewohner von Juda sind mir, ihrem heiligen Gott, immer noch untreu,
obwohl ich ihnen stets treu geblieben bin!«
Hos 12,2 Was die Leute von Ephraim tun, ist so sinnlos und dumm, wie den Wind
einzufangen oder dem heißen Ostwind nachzujagen. Ihre Lügen und Verbrechen
mehren sich Tag für Tag. Sie schließen ein Bündnis mit den Assyrern, und
gleichzeitig schenken sie den Ägyptern kostbares Öl.
Hos 12,3 Auch die Bewohner von Juda wird der Herr zur Verantwortung ziehen! Denn
die Nachkommen Jakobs gehen ihre eigenen Wege und tun, was sie wollen. Doch nun
müssen sie die Folgen tragen!
Hos 12,4 Schon ihr Stammvater Jakob hat im Mutterleib seinen Zwillingsbruder
betrogen. Als er ein Mann war, kämpfte er mit Gott;
Hos 12,5 ja, er kämpfte mit dem Engel Gottes und besiegte ihn mit Weinen und
Flehen. In Bethel begegnete ihm dann der Herr und sprach mit ihm.
Hos 12,6 Der allmächtige Gott, dessen Name »der Herr« ist, sagte zu ihm:
Hos 12,7 »Eines Tages wirst du mit meiner Hilfe hierher zurückkehren. Halte mir
die Treue, tu, was in meinen Augen richtig ist! Verlass dich voll und ganz auf
mich, deinen Gott!«
Hos 12,8 Der Herr sagt: »Israel gleicht einem Händler, der mit falschen
Gewichten die Leute betrügt und sich freut, wenn er andere übervorteilen kann.
Hos 12,9 Die Leute von Ephraim sagen: ›Wir sind reich geworden und haben ein
Vermögen gemacht. Keiner kann uns nachweisen, dass wir dabei Unrecht getan und
Schuld auf uns geladen hätten.‹
Hos 12,10 Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus Ägypten befreit hat. Nun
sorge ich dafür, dass ihr wieder in Zelten leben müsst - wie damals, als ich
euch das erste Mal begegnete.
Hos 12,11 Immer wieder habe ich durch die Propheten zu euch geredet. Ich gab
ihnen viele Visionen und ließ sie Gleichnisse erzählen.«
Hos 12,12 Schon damals in Gilead haben die Israeliten großes Unheil angerichtet
und dadurch ihre Vernichtung heraufbeschworen! In Gilgal haben sie Stiere
geopfert, darum werden ihre Altäre zerstört, ja, sie werden wie die Steinhaufen
am Ackerrand!
Hos 12,13 Israels Stammvater Jakob floh ins Gebiet der Aramäer, er machte sich
zum Sklaven und hütete Schafe, um eine Frau zu bekommen.
Hos 12,14 Aber der Herr hütete Israel durch einen Propheten; er befreite sein
Volk durch ihn aus der Sklaverei in Ägypten und brachte es in dieses Land.
Hos 12,15 Trotzdem haben die Leute von Ephraim den Herrn beleidigt und
verspottet. Nun müssen sie die Folgen tragen, denn der Herr wird ihnen all ihre
Bosheiten und blutigen Verbrechen heimzahlen.
Hos 13,1 Der Herr sagt: »Es gab eine Zeit, da waren die Bewohner von Ephraim
mächtig und stark. Wenn sie redeten, packte alle die Angst. Doch dann ließen sie
sich mit dem Götzen Baal ein und gingen zugrunde.
Hos 13,2 Trotzdem haben sie noch nicht genug, sondern treiben es nur noch
schlimmer: Aus Silber gießen sie Götterfiguren, wie es ihnen gefällt. Sie sagen:
›Wer Gott opfern will, muss die Stierfiguren küssen!‹ Ihre Götter sind
Menschenwerk, von Handwerkern hergestellt.
Hos 13,3 Darum werden sie so schnell verschwinden wie eine Wolke am Morgen, wie
der Tau unter der Sonne, wie Spreu, die der Wind von der Tenne weht, und wie
Rauch, der aus der Dachluke aufsteigt.
Hos 13,4 Ich bin der Herr, euer Gott, ich habe euch aus Ägypten befreit. Mich
allein habt ihr als euren Gott kennen gelernt, und nur ich kann euch helfen!
Hos 13,5 In der glühenden Hitze der Wüste habe ich euch begleitet und bewahrt.
Hos 13,6 Ich habe euch gutes Land gegeben, und ihr seid stets satt geworden.
Doch je besser es euch ging, desto überheblicher wurdet ihr. Mich, den Herrn,
habt ihr vergessen!
Hos 13,7 Darum falle ich euch an wie ein Löwe. Wie ein Leopard liege ich am Weg
auf der Lauer.
Hos 13,8 Ich greife euch an wie eine Bärin, der man die Jungen geraubt hat. Ich
reiße euch in Stücke, ja, ich verschlinge euch wie eine Löwin! Was übrig bleibt,
werden die wilden Tiere fressen.
Hos 13,9 Ihr Leute von Israel, ihr stellt euch gegen mich, obwohl ich allein
euch helfen kann. Weil ihr dies tut, geht ihr zugrunde!
Hos 13,10 Wo ist nun euer König, der euch schützt und eure Städte vor dem
Untergang bewahrt? Wo sind die führenden Männer eures Volkes? Ihr wolltet doch
einen König haben und Männer, die euch regieren!
Hos 13,11 Voller Zorn habe ich euch einen König gegeben, und voller Zorn habe
ich ihn wieder weggenommen.
Hos 13,12 Ephraim hat gegen mich gesündigt. Nie will ich die große Schuld meines
Volkes vergessen!
Hos 13,13 Israel ist wie ein Kind im Mutterleib, das sich vor der Geburt so
dreht, dass es nicht zur Welt kommen kann.
Hos 13,14 Soll ich sie vor dem Tod retten? Soll ich sie aus der Gewalt des
Totenreichs befreien? Nein! Der Tod soll sie dahinraffen, das Totenreich sie
gefangen nehmen! Ich werde kein Mitleid mehr mit ihnen haben.
Hos 13,15 Noch ist Ephraim wie ein fruchtbarer Garten unter seinen
Bruderstämmen, doch der Feind wird kommen und ihn vernichten. Wie ein starker
Ostwind, der aus der glühend heißen Wüste weht, die Brunnen austrocknet und die
Quellen versiegen lässt, so wird der Feind über Ephraim herfallen. Er plündert
die Schätze und raubt die kostbarsten Gegenstände. Dafür sorge ich, der Herr!
Hos 14,1 Die Einwohner von Samaria werden bestraft, weil sie sich gegen mich,
ihren Gott, gestellt haben. Die Männer werden im Krieg fallen, die Kinder werden
am Felsen zerschmettert, den schwangeren Frauen wird der Bauch aufgeschlitzt.«
Hos 14,2 Ihr Israeliten, kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn ihr habt euch
selbst ins Unglück gestürzt.
Hos 14,3 Kommt zurück zum Herrn, sprecht mit ihm und sagt: »Vergib uns alle
Schuld! Und nimm an, was wir dir bringen. Es ist das Beste, was wir geben können
- kein Schlachtopfer, sondern unser Versprechen:
Hos 14,4 Wir verlassen uns nicht mehr auf die Assyrer, wir setzen unser
Vertrauen auch nicht auf Pferde und Reiter. Wir werden nie wieder das, was wir
mit eigenen Händen gemacht haben, als unseren Gott verehren! Denn nur du hilfst
den Menschen, die nirgendwo Schutz finden.«
Hos 14,5 Dann wird der Herr sagen: »Ich will meinem Volk helfen, sich nie mehr
von mir abzuwenden! Von Herzen gern begegne ich ihnen wieder mit Liebe und bin
nicht länger zornig auf sie.
Hos 14,6 Ich gebe ihnen neues Leben, so wie der Tau die Blumen zum Blühen
bringt. Ja, Israel wird blühen wie eine Lilie, und seine Wurzeln werden stark
sein wie die Wurzeln der Bäume auf dem Libanon.
Hos 14,7 Mein Volk wird wie ein prächtiger Ölbaum sein, dessen Zweige weit
austreiben, wie eine duftende Zeder auf dem Libanon.
Hos 14,8 Die Israeliten werden unter meinem Schutz leben, sie werden wieder
Getreide anbauen. Ja, mein Volk wird aufblühen wie die berühmten Weinstöcke an
den Hängen des Libanon.
Hos 14,9 Ihr Israeliten, was habe ich mit den Götzen zu schaffen? Ich, der Herr,
bin immer bei euch und antworte euch, wenn ihr mit mir redet. Ich bin wie ein
prächtiger Wacholderstrauch; nur bei mir findet ihr, was ihr zum Leben braucht!«
Hos 14,10 Wer klug und weise ist, der hört auf alle diese Worte und nimmt sie
sich zu Herzen. Denn der Herr zeigt uns den richtigen Weg. Wer ihm vertraut,
kommt ans Ziel, doch wer sich vom Herrn abwendet, stürzt ins Verderben.
Joel 1,1 Dies ist die Botschaft, die Joel, der Sohn Petuëls, vom Herrn empfing:
Joel 1,2 Hört zu, ihr Anführer des Volkes, passt gut auf, ihr Bewohner dieses
Landes! Hat sich jemals etwas so Schreckliches zu euren Lebzeiten oder zur Zeit
eurer Vorfahren ereignet?
Joel 1,3 Erzählt euren Kindern davon, damit sie es ihren eigenen Kindern
weitersagen, und diese sollen den folgenden Generationen darüber berichten:
Joel 1,4 Riesige Heuschreckenschwärme sind über unser Land hergefallen und haben
alles kahl gefressen. Was die einen übrig ließen, haben die anderen vertilgt.
Joel 1,5 Kommt endlich zu euch, ihr Betrunkenen! Jammert und weint, ihr
fröhlichen Zecher, denn mit dem Weintrinken ist es nun vorbei!
Joel 1,6 Ein ganzes Heer von Heuschrecken hat sich in Israel breit gemacht, sie
sind mächtig und nicht zu zählen. Ihre Zähne sind so scharf wie die der Löwen!
Joel 1,7 Nun sind unsere Weinstöcke kahl und die Feigenbäume abgestorben. Die
Heuschrecken haben die Rinde abgenagt bis auf das nackte, weiße Holz.
Joel 1,8 Weint und klagt wie eine junge Frau, deren Bräutigam plötzlich
gestorben ist!
Joel 1,9 [9/10] Die Felder sind eine trostlose Wüste, der Boden ist
ausgetrocknet. Es gibt kein Getreide, keinen Most und kein Öl, darum werden im
Tempel keine Speise- und Trankopfer dargebracht. Trauer erfüllt die Priester,
die Diener des Herrn.
Joel 1,11 Seid entsetzt, ihr Bauern! Klagt und weint, ihr Winzer! Ihr könnt
keinen Weizen und keine Gerste mehr ernten.
Joel 1,12 Die Weinstöcke und Feigenbäume sind nur noch kahles Gestrüpp;
Granatbäume, Dattelpalmen, Apfelbäume und alle anderen Pflanzen sind verdorrt
und vertrocknet. Niemand kann sich da noch freuen.
Joel 1,13 Legt Trauergewänder an, ihr Priester am Altar des Herrn! Jammert und
klagt! Zieht auch in der Nacht die Trauerkleidung nicht aus, denn am Tempel gibt
es nichts zu opfern, keine Speise- und keine Trankopfer mehr.
Joel 1,14 Ruft die Menschen zum Fasten auf! Sie sollen sich alle versammeln und
dem Herrn ihre Schuld bekennen! Die führenden Männer und das ganze Volk sollen
zum Tempel des Herrn, eures Gottes, kommen und laut zu ihm um Hilfe schreien!
Joel 1,15 Was für ein Unheil wartet auf uns! Der Tag ist nah, an dem der Herr,
der allmächtige Gott, Gericht hält und uns ins Verderben stürzt.
Joel 1,16 Wir haben nichts mehr zu essen, vor unseren Augen wurde die Ernte
vernichtet. Nun herrschen auch im Haus unseres Gottes kein Jubel und keine
Freude mehr.
Joel 1,17 Die Saatkörner liegen ausgedörrt in der Erde, die Vorratsspeicher
stehen leer, die Scheunen verfallen, weil alles Korn vertrocknet ist.
Joel 1,18 Das Vieh schreit nach Futter, die Rinder irren umher, denn sie finden
keine Weide mehr; auch die Schafe verenden elend.
Joel 1,19 Zu dir, Herr, rufe ich! Ein Feuer hat das Gras verzehrt und die Bäume
versengt.
Joel 1,20 Die Tiere in der Steppe sehnen sich nach Wasser, sie schreien zu dir
um Hilfe! Die Bäche sind versiegt und die Weideplätze ausgedörrt.
Joel 2,1 Blast das Horn auf dem Zion, schlagt Alarm auf dem heiligen Berg! Ja,
zittert, ihr Bewohner des Landes! Denn der Tag, an dem der Zorn des Herrn
losbricht, lässt nicht mehr lange auf sich warten.
Joel 2,2 Voll Dunkelheit und Finsternis ist dieser Tag, düster und
wolkenverhangen. Ein riesiges Heer hat sich auf den Hügeln um Jerusalem
niedergelassen, es breitet sich auf den Bergen aus wie das Morgenrot. Nie ist so
etwas je da gewesen, und es wird auch nie wieder geschehen, solange es Menschen
gibt.
Joel 2,3 Feuer lodert vor diesen Truppen her, und wenn sie weg sind, steht alles
in Flammen. Bevor sie über das Land herfallen, ist es ein blühendes Paradies,
doch kaum sind sie hindurchgezogen, bleibt nur noch eine trostlose Wüste zurück.
Es gibt kein Entrinnen vor ihnen!
Joel 2,4 Sie sehen aus wie Pferde, sie stürmen daher wie Schlachtrosse.
Joel 2,5 Wenn sie über die Gipfel der Berge kommen, klingt es wie herandonnernde
Streitwagen, wie ein prasselndes Feuer, das auf den Feldern die Stoppeln
verzehrt. Sie sind ein gewaltiges Heer, bestens gerüstet zum Kampf.
Joel 2,6 Bei ihrem Anblick zittern die Menschen, der Schreck steht ihnen ins
Gesicht geschrieben.
Joel 2,7 Unerschrocken stürmen die Angreifer heran und klettern wie Soldaten auf
die Mauern. Niemand kann sie aufhalten, unentwegt ziehen sie voran.
Joel 2,8 Keiner kommt dem anderen in die Quere, denn sie alle kennen ihren
Platz. Sie entgehen den Waffen der Feinde und preschen vorwärts, ihre Truppen
nehmen kein Ende.
Joel 2,9 Dann fallen sie über die Stadt her, erstürmen die Mauern und dringen
durch die Fenster in die Häuser ein wie Diebe in der Nacht.
Joel 2,10 Die Erde bebt und der Himmel zittert, wenn sie erscheinen, Sonne und
Mond werden finster, das Licht der Sterne erlischt.
Joel 2,11 Der Herr selbst führt dieses Heer an, mit mächtiger Stimme befiehlt
er, und die riesigen Truppen gehorchen ihm. Schrecklich ist der Tag, an dem der
Herr Gericht hält! Wer kann ihn überstehen?
Joel 2,12 So spricht der Herr: »Auch jetzt noch könnt ihr zu mir zurückkommen!
Tut es von ganzem Herzen, fastet, weint und klagt!
Joel 2,13 Ja, kehrt von ganzem Herzen zu mir um! Zerreißt nicht nur eure Kleider
als Zeichen der Trauer!« Kommt zurück zum Herrn, eurem Gott, denn er ist gnädig
und barmherzig, seine Geduld ist groß und seine Liebe grenzenlos. Er ist bereit,
euch zu vergeben und euch nicht zu bestrafen.
Joel 2,14 Vielleicht wendet er das angekündigte Unheil ab und segnet euch aufs
Neue! Dann schenkt er euch wieder eine gute Ernte, und ihr könnt dem Herrn,
eurem Gott, Speise- und Trankopfer darbringen.
Joel 2,15 Blast das Horn auf dem Berg Zion! Ruft die Menschen zum Fasten auf!
Sie sollen sich alle versammeln, um dem Herrn ihre Schuld zu bekennen.
Joel 2,16 Das ganze Volk soll kommen und sich darauf vorbereiten, dem heiligen
Gott zu begegnen! Ruft alle herbei, vom Säugling bis zum Greis! Selbst Braut und
Bräutigam müssen ihr Haus verlassen und kommen!
Joel 2,17 Ihr Priester, ihr Diener des Herrn, weint im Tempelvorhof und betet:
»Herr, hab Erbarmen mit deinem Volk! Wir gehören doch zu dir! Lass nicht zu,
dass fremde Völker uns verspotten! Warum sollen sie uns verhöhnen und rufen: ›Wo
bleibt er nun, ihr Gott?‹«
Joel 2,18 Der Herr wird sich wieder mit großer Liebe um sein Land kümmern und
Mitleid mit seinem Volk haben.
Joel 2,19 Er wird ihnen versprechen: »Ich schenke euch wieder so viel Getreide,
Wein und Öl, dass ihr genug zu essen habt. Ich setze euch nicht länger dem Hohn
und Spott anderer Völker aus!
Joel 2,20 Den Feind aus dem Norden jage ich fort von euch, ich treibe ihn in die
Wüste. Seine vordersten Truppen stürze ich ins Tote Meer und die letzten ins
Mittelmeer. Überall wird es dann nach verwesten Leichen stinken. So strafe ich
euren Feind für seine Überheblichkeit.«
Joel 2,21 Ihr Felder, seid nicht länger bekümmert, freut euch und jubelt! Der
Herr hat ein großes Wunder getan!
Joel 2,22 Ihr Tiere in der Steppe, habt keine Angst mehr! Eure Weideplätze sind
wieder grün, die Bäume hängen voller Früchte, Feigenbaum und Weinstock bringen
reiche Ernte.
Joel 2,23 Auch ihr, die ihr auf dem Berg Zion wohnt, freut euch und jubelt über
den Herrn, euren Gott! Wie treu hält er seine Zusagen! Er schenkt euch wieder
erfrischenden Regen im Herbst und im Frühling, so wie er es früher getan hat.
Joel 2,24 Auf den Dreschplätzen häuft sich das Getreide, und aus der Kelter
fließen Most und Öl in Strömen.
Joel 2,25 Der Herr lässt euch sagen: »Das ganze Heer von Heuschrecken, das über
euch hergefallen ist, war von mir gesandt. Jetzt aber will ich euch in reichem
Maß zurückgeben, was diese gefräßigen Tiere Jahr für Jahr vernichtet haben.
Joel 2,26 Dann habt ihr genug zu essen und lobt mich, den Herrn, euren Gott,
weil ich große Wunder für euch vollbracht habe. Ja, nie mehr soll mein Volk
verhöhnt werden!
Joel 2,27 Ihr werdet erkennen, dass ich mitten unter euch wohne und dass ich
allein euer Gott bin und sonst keiner! Nie mehr lasse ich mein Volk verspotten!«
Joel 3,1 »In späterer Zeit will ich, der Herr, alle Menschen mit meinem Geist
erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, die
alten Männer werden bedeutungsvolle Träume haben und die jungen Männer Visionen;
Joel 3,2 ja, sogar euren Sklaven und Sklavinnen gebe ich in jenen Tagen meinen
Geist.
Joel 3,3 Am Himmel und auf der Erde werdet ihr Wunderzeichen sehen: Blut, Feuer
und Rauch.
Joel 3,4 Die Sonne wird sich verfinstern und der Mond blutrot scheinen, bevor
der furchterregende Tag kommt, an dem ich Gericht halte.
Joel 3,5 Wer dann meinen Namen anruft, soll gerettet werden!« So erfüllt sich
die Zusage des Herrn: »Auf dem Berg Zion in Jerusalem findet man Rettung!« Alle,
die der Herr auserwählt hat, werden mit dem Leben davonkommen.
Joel 4,1 »In jener Zeit«, sagt der Herr, »werde ich das Schicksal Judas und
Jerusalems wieder zum Guten wenden.
Joel 4,2 Dann führe ich alle Völker in das Tal, das man Joschafat nennt. Dort
gehe ich mit ihnen ins Gericht für das, was sie Israel angetan haben, dem Volk,
das zu mir gehört! Sie haben die Israeliten in fremde Länder verschleppt und
mein Land unter sich aufgeteilt.
Joel 4,3 Sie warfen das Los, um zu bestimmen, wer welche Gefangenen bekommen
sollte. Ein israelitischer Junge war der Preis für eine Nacht mit einer Hure,
und mit den Mädchen bezahlten sie den Wein für ein Trinkgelage.
Joel 4,4 Ihr Bewohner von Tyrus und Sidon und ihr aus dem Gebiet der Philister,
wollt ihr etwas gegen mich unternehmen? Wollt ihr euch an mir rächen oder mich
bestrafen? Nein, ich werde mich an euch rächen für das, was ihr mir angetan
habt! Bald ist es so weit!
Joel 4,5 Denn ihr habt mein Silber und Gold geraubt und meine kostbarsten
Schätze in eure Tempel gebracht.
Joel 4,6 Die jungen Männer aus Juda und Jerusalem habt ihr verschleppt und an
die Griechen verkauft, weit weg von ihrer Heimat.
Joel 4,7 Doch ich hole sie von dort wieder zurück! Dann wird mit euch dasselbe
geschehen, was ihr ihnen angetan habt:
Joel 4,8 Ich sorge dafür, dass eure Söhne und Töchter an die Judäer verkauft
werden, und diese werden sie den Bewohnern von Saba geben, die in weiter Ferne
wohnen. Darauf könnt ihr euch verlassen!
Joel 4,9 Ruft alle Völker auf: ›Bereitet euch auf den Krieg vor! Lasst eure
besten Soldaten antreten, alle wehrfähigen Männer sollen in den Kampf ziehen!
Joel 4,10 Schmiedet aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Winzermessern
Speerspitzen! Selbst die Schwachen unter euch sollen mutig und unerschrocken
sein!
Joel 4,11 Beeilt euch, ihr Völker rings um Israel, versammelt euch im Tal!‹« Ja,
Herr, bring du deine starken Kämpfer dorthin!
Joel 4,12 »Alle Völker sollen aufbrechen und ins Tal Joschafat ziehen. Dort
werde ich, der Herr, auf dem Thron sitzen und mit ihnen ins Gericht gehen.
Joel 4,13 Greift zur Sichel, die Zeit der Ernte ist da! Tretet die Weinkelter,
denn sie ist bis zum Rand mit Trauben gefüllt. Das Maß ist voll! Welch schwere
Schuld haben die Völker auf sich geladen!«
Joel 4,14 Eine riesige Menschenmenge hat sich im Tal versammelt, wo die
Entscheidung fallen wird. Der Tag, an dem der Herr sein Urteil spricht, ist
nahe.
Joel 4,15 Sonne und Mond werden finster, das Licht der Sterne erlischt.
Joel 4,16 Mächtig wie das Brüllen eines Löwen erklingt die Stimme des Herrn vom
Berg Zion in Jerusalem, Himmel und Erde erbeben!»Aber für die Menschen meines
Volkes bin ich, der Herr, wie eine starke Festung, in der sie Zuflucht finden!
Joel 4,17 Ihr werdet erkennen, dass ich euer Gott bin. Ich wohne auf dem Zion,
meinem heiligen Berg. Ganz Jerusalem wird mir geweiht sein, nie wieder werden
fremde Völker es erobern!
Joel 4,18 Zu jener Zeit fließen Milch und Most von den Bergen herab, und die
Bäche Judas führen das ganze Jahr über Wasser. Am Tempel entspringt eine Quelle,
die selbst das trockene Schittimtal noch bewässert.
Joel 4,19 Ägypten aber wird zu einer dürren Wüste und Edom zur trostlosen
Steppe, denn die Bewohner haben schwere Verbrechen begangen: Ohne Grund haben
sie die Judäer umgebracht.
Joel 4,20 [20/21] Ich werde dieses unschuldig vergossene Blut rächen, so gewiss
ich auf dem Berg Zion wohne! Aber Juda soll für immer bewohnt bleiben, und
Jerusalem wird bestehen, solange es Menschen gibt!«
Am 1,1 In diesem Buch sind die Worte des Amos niedergeschrieben, eines
Schafhirten aus dem Dorf Tekoa. Der Herr ließ ihn sehen, was er mit Israel
vorhatte. Amos verkündete seine Botschaft zwei Jahre vor dem großen Erdbeben,
als in Juda König Usija regierte und in Israel Jerobeam, der Sohn Joaschs.
Am 1,2 Amos rief dem Volk zu: Mächtig wie das Brüllen eines Löwen ertönt die
Stimme des Herrn vom Berg Zion in Jerusalem. Da vertrocknen die saftigen Weiden
der Hirten, und die Wälder auf dem Gipfel des Karmel verdorren.
Am 1,3 So spricht der Herr: »Die Machthaber von Damaskus begehen ein
abscheuliches Verbrechen nach dem anderen. Sie haben die Bewohner Gileads
grausam misshandelt und zu Tode gequält. Das werde ich nicht ungestraft lassen!
Am 1,4 Ich brenne die Paläste nieder, die König Hasaël und König Ben-Hadad
errichtet haben.
Am 1,5 Ich zerschmettere die Riegel an den Stadttoren von Damaskus und töte die
Herrscher von Bikat-Awen und Bet-Eden. Die Bevölkerung von Syrien wird nach Kir
verschleppt. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Am 1,6 So spricht der Herr: »Die Machthaber der Philisterstadt Gaza begehen ein
abscheuliches Verbrechen nach dem anderen. Sie haben die Einwohner ganzer Dörfer
gefangen genommen und an die Edomiter verkauft. Das werde ich nicht ungestraft
lassen!
Am 1,7 Ich brenne die Stadtmauern von Gaza nieder, seine Paläste werden ein Raub
der Flammen.
Am 1,8 Die Herrscher von Aschdod und Aschkelon bringe ich um, und auch die Stadt
Ekron bekommt meine Macht zu spüren. Die Philister, die dann noch übrig
geblieben sind, finden den Tod. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Am 1,9 So spricht der Herr: »Die Machthaber von Tyrus begehen ein abscheuliches
Verbrechen nach dem anderen. Sie haben ihr Bündnis mit Israel gebrochen und die
Einwohner ganzer Dörfer an die Edomiter verkauft. Das werde ich nicht ungestraft
lassen!
Am 1,10 Ich brenne die Stadtmauern von Tyrus nieder, seine Paläste werden ein
Raub der Flammen.«
Am 1,11 So spricht der Herr: »Die Machthaber von Edom begehen ein abscheuliches
Verbrechen nach dem anderen. Sie haben die Israeliten, ihr Brudervolk,
erbarmungslos bekämpft und unschuldiges Blut vergossen. Ihr Hass kennt keine
Grenzen, ständig führen sie Krieg gegen mein Volk. Das werde ich nicht
ungestraft lassen!
Am 1,12 Das ganze Land und auch die Paläste der Hauptstadt Bozra werden ein Raub
der Flammen.«
Am 1,13 So spricht der Herr: »Die Machthaber von Ammon begehen ein abscheuliches
Verbrechen nach dem anderen. Sie führten Krieg, um ihre Herrschaft auszudehnen,
sie ließen sogar schwangeren Frauen im Gebiet Gilead den Bauch aufschlitzen. Das
werde ich nicht ungestraft lassen!
Am 1,14 Die Mauern ihrer Hauptstadt Rabba lege ich in Schutt und Asche, ihre
Paläste werden ein Raub der Flammen. Dann ertönt überall das Kriegsgeschrei, und
verheerende Stürme richten großes Unheil an.
Am 1,15 Der König der Ammoniter und alle führenden Männer werden in die
Verbannung geschickt. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Am 2,1 So spricht der Herr: »Die Machthaber von Moab begehen ein abscheuliches
Verbrechen nach dem anderen. Sie haben die Gebeine des Königs von Edom
verbrannt. Das werde ich nicht ungestraft lassen!
Am 2,2 Das ganze Land und auch die Paläste von Kerijot werden ein Raub der
Flammen. Die Feinde blasen zum Angriff, sie stimmen das Kriegsgeschrei an, und
die Moabiter fallen in einer heftigen Schlacht.
Am 2,3 Den Herrscher von Moab bringe ich um, mitsamt den führenden Männern.
Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Am 2,4 So spricht der Herr: »Die Machthaber von Juda begehen ein abscheuliches
Verbrechen nach dem anderen. Sie treten mein Gesetz mit Füßen und leben nicht
nach meinen Geboten. Sie ließen sich von den falschen Göttern verführen, denen
schon ihre Vorfahren nachgelaufen sind. Das werde ich nicht ungestraft lassen!
Am 2,5 Ich brenne die Stadtmauern von Jerusalem nieder, seine Paläste werden ein
Raub der Flammen.«
Am 2,6 So spricht der Herr: »Die Israeliten begehen ein abscheuliches Verbrechen
nach dem anderen. Das werde ich nicht ungestraft lassen! Ehrbare Menschen, die
ihnen Geld schulden, verkaufen sie in die Sklaverei, ja, sie verkaufen einen
Armen schon, wenn er ein Paar Schuhe nicht bezahlen kann!
Am 2,7 Wenn einer fast nichts mehr besitzt, nehmen sie ihm auch noch das Letzte,
was er hat, und dem Schwachen verhelfen sie nicht zu seinem Recht. Vater und
Sohn gehen zu derselben Hure und ziehen damit meinen heiligen Namen in den
Schmutz.
Am 2,8 Neben jedem Altar machen sie sich weiche Polster aus den Kleidern, die
sie den Armen als Pfand wegnehmen. Im Tempel ihres Gottes saufen sie Wein, den
sie für nicht bezahlte Schulden gefordert haben!
Am 2,9 Dabei war ich es doch, der die Amoriter vernichtet hat, um ihr Land den
Israeliten zu geben! Sie waren so groß wie Zedern und so stark wie Eichen, aber
ich habe sie mitsamt den Wurzeln ausgerissen.
Am 2,10 Ja, ich habe euch aus Ägypten befreit und vierzig Jahre lang durch die
Wüste geleitet, bis ihr das Land der Amoriter in Besitz nehmen konntet.
Am 2,11 Einige von euch habe ich als Propheten erwählt und junge Männer berufen,
sich mir zum Dienst zu weihen. Ich, der Herr, frage euch Israeliten: Habe ich
dies alles nicht getan?
Am 2,12 Ihr aber habt alle, die sich mir geweiht hatten, gezwungen, ihr Gelübde
zu brechen und Wein zu trinken. Den Propheten habt ihr verboten, euch meine
Botschaft weiterzusagen.
Am 2,13 Darum werde ich euch eine Last aufbürden, unter der ihr hin- und
herschwankt wie ein zu voller Erntewagen!
Am 2,14 Sogar der Schnellste unter euch kann dann nicht mehr entfliehen, dem
Stärksten hilft seine Kraft nicht mehr, und der beste Soldat verliert sein
Leben.
Am 2,15 Die Bogenschützen werden überrannt, die besten Läufer und schnellsten
Reiter auf der Flucht getötet.
Am 2,16 Selbst der mutigste Soldat lässt an jenem Tag die Waffen fallen und
rennt um sein Leben. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!
Am 3,1 Ihr Israeliten, hört, was ich, der Herr, euch zu sagen habe! Es gilt
eurem ganzen Volk, das ich damals aus Ägypten befreit habe.
Am 3,2 Unter allen Völkern der Erde seid ihr das einzige, das ich als mein
Eigentum erwählt habe. Deshalb ziehe ich euch nun dafür zur Rechenschaft, dass
ihr euch von mir abgewandt habt.«
Am 3,3 Gehen etwa zwei Menschen miteinander denselben Weg, ohne sich vorher
verabredet zu haben?
Am 3,4 Brüllt der Löwe im Wald, wenn er kein Tier reißen will? Knurrt ein junger
Löwe in seinem Versteck, ohne dass er etwas erbeutet hat?
Am 3,5 Wird ein Vogel gefangen, wenn das Netz nicht gespannt wurde? Schnappt
eine Falle zu, obwohl kein Tier hineingelaufen ist?
Am 3,6 Wenn in einer Stadt Alarm geblasen wird, erschrecken dann nicht ihre
Einwohner? Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht geschickt
hat?
Am 3,7 Gott, der Herr, tut nichts, ohne es vorher seinen Dienern, den Propheten,
anzuvertrauen.
Am 3,8 Wenn der Löwe brüllt - wer bekommt da keine Angst? Wenn Gott, der Herr,
für die Menschen eine Botschaft hat - welcher Prophet wollte sich da weigern,
sie weiterzusagen?
Am 3,9 »Sagt den Mächtigen in den Palästen von Aschdod und Ägypten: Versammelt
euch auf den Bergen rings um Samaria und schaut euch an, wie es in dieser Stadt
zugeht! Dort herrschen unerträgliche Missstände: Die Schwachen werden
unterdrückt,
Am 3,10 und niemand übt Gerechtigkeit. Die führenden Männer schrecken vor keiner
Gewalttat zurück, um fremde Güter an sich zu reißen. Damit füllen sie dann ihre
Paläste.
Am 3,11 Darum sage ich, der Herr, zu den Einwohnern Samarias: Die Feinde werden
das Land überfallen und euch von allen Seiten belagern. Sie reißen eure
Bollwerke nieder und plündern eure schönen Häuser aus.
Am 3,12 Ja, ich versichere euch: Auf Rettung könnt ihr nicht hoffen. Oder hat
ein Hirte etwa sein Schaf gerettet, wenn er gerade noch zwei Schenkelknochen und
einen Zipfel von seinem Ohr aus dem Rachen eines Löwen zieht? Genauso wenig wird
von euch Israeliten übrig bleiben, die ihr in Samaria auf euren Polstern sitzt
und euch auf Betten mit feinen Damastbezügen räkelt!
Am 3,13 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sage zu den anderen Völkern: Tretet
als Zeugen gegen die Nachkommen Jakobs auf!
Am 3,14 An dem Tag, an dem ich die Israeliten zur Rechenschaft ziehe, zerstöre
ich auch die Altäre im Heiligtum von Bethel. Ihre Hörner werden abgeschlagen und
fallen zu Boden.
Am 3,15 Die herrlichen Sommer- und Winterhäuser verwandle ich in Trümmerhaufen;
die elfenbeinverzierten Paläste reiße ich nieder, ja, alle Häuser lasse ich vom
Erdboden verschwinden! Mein Wort gilt!«
Am 4,1 Hört zu, ihr Frauen Samarias, die ihr wohlgenährt seid wie die Kühe auf
den saftigen Weiden von Baschan: Ihr unterdrückt die Hilflosen und knechtet die
Armen. Ihr verlangt von euren Männern: »Besorgt uns etwas zu trinken!«
Am 4,2 Der Herr schwört euch bei seinem heiligen Namen: »Es kommt der Tag, da
wird man euch alle aus den Häusern herausholen, so wie man Fische mit Angelhaken
aus dem Wasser zieht!
Am 4,3 Eine nach der anderen jagt man durch die Breschen in der Stadtmauer fort
und treibt euch in Richtung des Berges Hermon. Darauf könnt ihr euch verlassen!«
Am 4,4 So spricht der Herr: »Ihr Israeliten, geht ruhig weiterhin zum Heiligtum
nach Bethel, und sündigt gegen mich! Lauft nur nach Gilgal, und ladet noch mehr
Schuld auf euch! Bringt doch jeden Morgen eure Opfer dar! Liefert alle drei Tage
den zehnten Teil eurer Erträge ab!
Am 4,5 Mischt Sauerteig in eure Dankopfer, und lasst den Rauch zu mir
aufsteigen! Erzählt es überall, wenn ihr mir freiwillige Gaben darbringt! So
habt ihr es doch gern!
Am 4,6 Ich, der Herr, ließ bei euch eine Hungersnot ausbrechen, in euren Städten
und Dörfern gab es nichts mehr zu essen. Und doch seid ihr nicht zu mir
zurückgekommen!
Am 4,7 Drei Monate vor der Ernte schickte ich euch keinen Regen mehr. Auf die
eine Stadt ließ ich es regnen, auf die andere fiel kein einziger Tropfen. Ein
Feld bekam genug Feuchtigkeit, das andere blieb trocken, und alles verdorrte.
Am 4,8 Wenn es in einer Stadt noch etwas zu trinken gab, schleppten sich die
Einwohner mehrerer Städte dorthin, dem Verdursten nahe; aber es reichte nicht
für alle. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen!
Am 4,9 Ich, der Herr, habe euer Getreide durch Dürre und Pilzbefall vernichtet;
ich ließ eure Gärten und Weinberge vertrocknen, und die Heuschrecken fraßen eure
Feigen- und Olivenbäume kahl. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen!
Am 4,10 Ich schickte euch die Pest, wie sie in Ägypten gewütet hat. In den
Kriegen trieb ich eure jungen Männer in den Tod, und eure Pferde gab ich dem
Feind zur Beute. In euren Feldlagern stank es nach verwesenden Leichen. Und doch
seid ihr nicht zu mir zurückgekommen!
Am 4,11 Ich, der Herr, ließ Unheil über euch hereinbrechen wie über Sodom und
Gomorra. Nur wenige kamen davon, so wie ein Holzscheit, das gerade noch aus dem
Feuer gerissen wird. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen!
Am 4,12 Darum müsst ihr Israeliten jetzt die Folgen tragen - ihr habt keine
Wahl. Macht euch bereit, eurem Gott zu begegnen!«
Am 4,13 Ja, Gott ist der Herr, der die Berge formte und den Wind schuf, er lässt
die Menschen wissen, was er tun will. Morgengrauen und tiefste Nacht sind sein
Werk, er schreitet über die höchsten Gipfel der Berge. »Herr, allmächtiger Gott«
wird er genannt!
Am 5,1 Ihr Israeliten, hört die Totenklage, die ich über euch anstimme:
Am 5,2 »Gefallen ist die Jungfrau Israel, und keiner hilft ihr auf. Leblos liegt
sie am Boden, nie mehr wird sie sich erheben.«
Am 5,3 So spricht Gott, der Herr: »Wenn aus einer eurer Städte tausend Männer in
den Krieg ziehen, kehren nur hundert zurück, und wenn hundert in den Kampf
gehen, bleiben nur zehn übrig!
Am 5,4 Ich, der Herr, fordere euch Israeliten auf: Kommt endlich zu mir zurück,
dann bleibt ihr am Leben!
Am 5,5 Geht nicht mehr nach Beerscheba, um mich dort anzubeten, besucht auch
nicht mehr die Heiligtümer in Gilgal und Bethel. Denn die Einwohner Gilgals
werden in die Gefangenschaft geführt, und Bethel wird zum Unglücksort.«
Am 5,6 Ja, kehrt zum Herrn zurück, dann werdet ihr leben! Sonst bekommt ihr
Nachkommen Josefs seinen Zorn zu spüren. Er wütet wie ein loderndes Feuer, das
sich immer weiter ausbreitet, und wenn es Bethel erreicht hat, kann niemand es
dort löschen.
Am 5,7 Ihr treibt mit der Gerechtigkeit Schindluder, ihr tretet das Recht mit
Füßen!
Am 5,8 Gott hat das Siebengestirn und den Orion geschaffen. Licht verwandelt er
in Finsternis, nach der Nacht lässt er einen neuen Tag anbrechen. Er ruft das
Wasser aus dem Meer, und es ergießt sich auf die Erde. »Herr« wird er genannt!
Am 5,9 Ganz plötzlich vernichtet er die Mächtigen und macht ihre Festungen dem
Erdboden gleich.
Am 5,10 »Ihr hasst jeden, der vor Gericht für das Recht eintritt, und wer die
Wahrheit sagt, den verabscheut ihr.
Am 5,11 Von den Ärmsten nehmt ihr Pachtgeld und verlangt auch noch
Getreideabgaben. Darum werdet ihr nicht mehr in euren prachtvollen Häusern aus
behauenen Steinen wohnen, und den Wein aus euren schönen Weingärten werdet ihr
nicht trinken.
Am 5,12 Ja, ich weiß, wie viele Verbrechen ihr begangen habt und wie groß eure
Schuld ist. Ehrliche Menschen bringt ihr in Bedrängnis, ihr nehmt
Bestechungsgelder an und lasst die Armen vor Gericht nicht zu ihrem Recht
kommen.
Am 5,13 Wer klug ist, der schweigt in dieser schlimmen Zeit.«
Am 5,14 Setzt euch für das Gute ein, allem Bösen aber kehrt den Rücken! Dann
bleibt ihr am Leben, und der Herr, der allmächtige Gott, steht euch bei, so wie
ihr es ja immer behauptet.
Am 5,15 Ja, hasst das Böse, liebt das Gute! Verhelft vor Gericht jedem zu seinem
Recht! Vielleicht erbarmt sich der Herr, der allmächtige Gott, doch noch über
euch Nachkommen Josefs, und ihr werdet überleben.
Am 5,16 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Auf allen Plätzen und
Straßen wird man lautes Klagen und Trauerlieder hören. Sogar die Bauern holt man
vom Feld, damit sie ebenso wie die Klageweiber die Toten beweinen.
Am 5,17 In den Weinbergen trauern die Menschen laut um die Gestorbenen. Denn
ich, der Herr, werde durchs Land schreiten und euch zur Rechenschaft ziehen.
Mein Wort gilt!«
Am 5,18 Ihr wünscht euch: »Wenn nur der Tag schon da wäre, an dem der Herr
eingreift!« Glaubt ihr eigentlich, dass dieser Tag euch Licht bringen wird?
Nein, in tiefste Dunkelheit werdet ihr gestoßen!
Am 5,19 Es ergeht euch wie einem Mann, der vor dem Löwen flieht und dabei einem
Bären in den Weg läuft. Selbst wenn er da noch mit heiler Haut davonkommt und
sich zu Hause erschöpft an die Wand stützt - dann beißt ihn dort eine Schlange
in die Hand!
Am 5,20 Ja, der Tag des Herrn bringt euch kein Licht, sondern Dunkelheit,
schwarz wie die Nacht wird er sein!
Am 5,21 Der Herr sagt: »Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie
mir, eure Opferfeste verabscheue ich.
Am 5,22 Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere
mästet, um sie mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig.
Am 5,23 Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem
Harfengeklimper.
Am 5,24 Setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein! Das Recht soll das Land
durchströmen wie ein nie versiegender Fluss.
Am 5,25 Ihr Israeliten, als ihr vierzig Jahre in der Wüste umhergezogen seid,
habt ihr mir da Schlachtopfer und Speiseopfer dargebracht?
Am 5,26 Habt ihr nicht schon damals die Figuren eurer Sternengötter Sakkut und
Kewan herumgetragen, die ihr euch selbst gemacht habt?
Am 5,27 Darum lasse ich euch in die Gefangenschaft ziehen, noch über Damaskus
hinaus! Mein Wort gilt, denn ich bin der Herr, der allmächtige Gott!«
Am 6,1 Stolz und sorglos lebt ihr auf dem Berg Zion und auf dem Berg von
Samaria. Dort wähnt ihr euch sicher. Ihr bildet euch etwas darauf ein, zum
bedeutendsten Volk zu gehören und angesehene Männer zu sein, auf deren Rat ganz
Israel hört. Doch es wird euch schlecht ergehen!
Am 6,2 Ihr sagt zum Volk: »Geht doch einmal hinüber zur Stadt Kalne, dann weiter
nach Hamat und von dort zur Philisterstadt Gat! Sind Israel und Juda nicht
angesehener als sie? Ist unser Gebiet nicht größer als ihres?«
Am 6,3 Ihr denkt, euch könnte nichts Böses geschehen, mit Unrecht und Gewalt
wollt ihr eure Macht festigen.
Am 6,4 Ihr räkelt euch auf weich gepolsterten, elfenbeinverzierten Betten und
esst das beste Fleisch von Lämmern und Kälbern.
Am 6,5 Zu den Klängen der Harfe schmettert ihr eure Lieder und meint, ihr
könntet wie David musizieren.
Am 6,6 Den Wein trinkt ihr aus schweren Pokalen und salbt euch nur mit den
feinsten Ölen - aber dass euer Volk dem Untergang entgegengeht, kümmert euch
überhaupt nicht!
Am 6,7 Darum werdet ihr die Ersten sein, die in die Verbannung gehen. Dann ist
es aus mit euren Trinkgelagen auf weichen Betten!
Am 6,8 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Ich hasse den Hochmut der
Nachkommen Jakobs, ich verabscheue ihre prachtvollen Häuser! Darum liefere ich
Samaria mit allen seinen Einwohnern den Feinden aus. Das schwöre ich, der Herr,
so wahr ich lebe!
Am 6,9 Und wenn in einem Haus zehn Menschen überlebt haben, müssen sie doch noch
sterben!
Am 6,10 Kommt dann ein Verwandter von ihnen, um die Leichen aus dem Haus zu
holen, findet er vielleicht noch einen Überlebenden, der sich ins hinterste
Zimmer verkrochen hat. Er fragt ihn: ›Ist noch jemand bei dir?‹, und bekommt zur
Antwort: ›Nein, niemand mehr!‹ Dann flüstert der Verwandte: ›Pass auf, erwähne
nicht den Namen des Herrn, sonst bringt er auch dich noch um!‹
Am 6,11 Denn ich, der Herr, befehle, dass die großen Prunkbauten in Trümmer
gelegt und die kleinen Wohnhäuser niedergerissen werden.
Am 6,12 Kann man etwa mit Pferden über Felsblöcke galoppieren oder mit Rindern
die Felsen umpflügen? Ihr aber verwandelt das Recht in Unrecht - eure Urteile
sind ein tödliches Gift! Anstatt der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen,
verbreitet ihr nichts als Angst und Schrecken.
Am 6,13 Ihr freut euch, weil ihr Lo-Dabar eingenommen habt, und prahlt: ›Aus
eigener Kraft haben wir Karnajim zurückerobert!‹
Am 6,14 Jetzt aber sage ich, der Herr, der allmächtige Gott: Ich lasse ein Volk
über euch herfallen, das euch besiegen und die Bevölkerung im ganzen Land
unterdrücken wird - von Hamat im Norden bis zum Bach bei der Wüste im Süden!«
Am 7,1 Gott, der Herr, gab mir eine Vision: Ich sah, wie er Heuschreckenschwärme
erschuf. Gerade hatte man das erste Heu eingebracht, das für die königlichen
Stallungen bestimmt war, und das Gras wuchs allmählich wieder nach.
Am 7,2 Da fielen die Heuschrecken über die Pflanzen im ganzen Land her. Als sie
alles abgefressen hatten, rief ich: »Ach Herr, Gott, vergib doch! Wie sollen die
Nachkommen Jakobs sonst überleben? Sie sind ja ein so kleines Volk!«
Am 7,3 Da hatte der Herr Erbarmen mit ihnen und sagte: »Was du dort gesehen
hast, wird nicht eintreffen!«
Am 7,4 Dann gab Gott, der Herr, mir eine weitere Vision: Ich sah, wie er Feuer
herbeirief, um sein Volk zu bestrafen. Zuerst verzehrte es das Wasser im Meer,
dann bedeckten die Flammen das ganze Land.
Am 7,5 Da rief ich: »Ach Herr, Gott, bitte hör auf! Wie sollen die Nachkommen
Jakobs sonst überleben? Sie sind ja ein so kleines Volk!«
Am 7,6 Da hatte der Herr wieder Erbarmen mit ihnen und sagte: »Auch was du dort
gesehen hast, wird nicht eintreffen.«
Am 7,7 Dann ließ der Herr mich sehen, wie er auf einer Mauer stand, die mit
Hilfe eines Lots gebaut worden war. Er hielt ein Bleilot in der Hand
Am 7,8 und fragte mich: »Amos, was siehst du?« »Ein Bleilot«, antwortete ich. Da
sagte er: »Ich lege jetzt dieses Lot an mein Volk Israel, in Zukunft gehe ich
nicht mehr über ihre Sünden hinweg.
Am 7,9 Ich verwüste die Orte auf den Hügeln, wo die Nachkommen Isaaks ihre
Götter verehren; ja, alle Heiligtümer Israels verwandle ich in Trümmerhaufen.
Mein Schwert trifft das Königshaus Jerobeams!«
Am 7,10 Amazja, der oberste Priester in Bethel, sandte einen Boten zu Jerobeam,
dem König von Israel, und ließ ihm ausrichten: »Amos zettelt mitten in Israel
einen Aufstand gegen dich an! Seine Reden sind unerträglich!
Am 7,11 Er hat behauptet: ›Jerobeam wird durchs Schwert umkommen, und das Volk
Israel wird aus dem Land vertrieben und in die Verbannung geführt.‹«
Am 7,12 Zu Amos sagte Amazja: »Du Prophet, verschwinde von hier, und geh heim
nach Juda! Dort kannst du weiter weissagen und dich dafür bezahlen lassen.
Am 7,13 Aber hier in Bethel ist Schluss damit! Denn hier steht der Tempel des
Königs, das wichtigste Heiligtum Israels.«
Am 7,14 Amos erwiderte: »Ich bin kein Prophet, der sich bezahlen lässt, und ich
komme auch aus keiner Prophetenschule. Ich bin Viehhirte und pflanze
Maulbeerfeigenbäume an.
Am 7,15 Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und mir befohlen: ›Geh
zu meinem Volk Israel, und richte ihm meine Botschaft aus!‹
Am 7,16 Und nun willst du mir verbieten, den Auftrag Gottes zu erfüllen und zu
den Israeliten, den Nachkommen Isaaks, zu sprechen? Hör, was der Herr dir
ankündigt:
Am 7,17 ›Deine Frau soll in dieser Stadt zur Hure werden, deine Söhne und
Töchter werden im Krieg getötet, dein Grundbesitz wird an andere verteilt, und
du selbst wirst in einem heidnischen Land sterben! Denn die Israeliten werden
von hier verschleppt werden. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!‹«
Am 8,1 Noch etwas ließ Gott, der Herr, mich sehen: einen Korb mit reifem Obst.
Am 8,2 Er fragte mich: »Amos, was siehst du?« Ich antwortete: »Einen Korb mit
reifem Obst.« Da sprach der Herr zu mir: »Ja, und so ist auch mein Volk: reif
für das Gericht! Von jetzt an sehe ich nicht mehr über ihre Sünden hinweg!
Am 8,3 Wenn meine Strafe sie trifft, dann werden sich die fröhlichen Gesänge,
die jetzt noch im Königspalast erklingen, in Trauerlieder verwandeln. Wohin man
auch blickt, liegen die Leichen herum, und überall herrscht Totenstille. Mein
Wort gilt!«
Am 8,4 Hört zu, die ihr die Armen unterdrückt und die Wehrlosen zugrunde
richtet!
Am 8,5 [5/6] Ihr sagt: »Wann ist das Neumondfest endlich vorbei? Wann ist die
Sabbatruhe bloß vorüber, damit wir die Kornspeicher wieder öffnen und Getreide
verkaufen können? Dann verkleinern wir das Getreidemaß und machen die Gewichte
auf der Waage schwerer, wo die Käufer ihr Silbergeld abwiegen. Auch die Waage
selbst stellen wir falsch ein. Bestimmt können wir sogar noch den Getreideabfall
verkaufen!« Ihr macht die Armen schon zu Sklaven, wenn sie euch nur ein Paar
Schuhe nicht bezahlen können.
Am 8,7 Der Herr aber hat bei seiner Ehre geschworen: »Niemals werde ich
vergeben, was sie getan haben!
Am 8,8 Ja, ihretwegen soll die Erde beben, sie wird sich heben und senken wie
der Nil in Ägypten, und die Menschen werden um ihre Toten trauern.
Am 8,9 Ich, der Herr, kündige euch an: An jenem Tag lasse ich die Sonne schon am
Mittag untergehen, und die Dunkelheit bricht am helllichten Tag über das Land
herein.
Am 8,10 Eure Freudenfeste lasse ich zu Leichenfeiern werden und eure fröhlichen
Lieder zu Totenklagen. Als Zeichen eurer Trauer werdet ihr euch Tücher aus
grobem Sacktuch um die Hüften binden und euch die Köpfe kahl scheren. Ihr werdet
so verzweifelt sein wie jemand, dessen einziger Sohn gestorben ist. Es wird ein
bitterer Tag für euch sein, wenn das Ende kommt!«
Am 8,11 »Ich, der Herr, sage euch: Es kommt die Zeit, da schicke ich euch eine
Hungersnot. Aber nicht nach Brot werdet ihr hungern und nicht nach Wasser
verlangen. Nein, nach einem Wort von mir werdet ihr euch sehnen!
Am 8,12 Dann irren die Menschen ruhelos durchs Land, vom Toten Meer bis zum
Mittelmeer, vom Norden bis zum Osten. Doch ihre Suche wird vergeblich sein: Ich,
der Herr, antworte ihnen nicht.
Am 8,13 Auch die schönen Mädchen und die jungen Männer werden an jenem Tag vor
Durst zusammenbrechen.
Am 8,14 Sie werden fallen und nicht mehr aufstehen, denn sie schwören bei dem
widerlichen Götzen von Samaria und bekräftigen ihren Eid mit den Worten: ›So
gewiss dein Gott lebt, Heiligtum in Dan!‹ oder: ›So gewiss die Wallfahrt nach
Beerscheba uns Gottes Segen sichert!‹«
Am 9,1 Ich sah den Herrn am Altar stehen; er befahl: »Schlag auf die Kapitelle
der Tempelsäulen, dass die Türschwellen erbeben! Zerschmettere die Säulen, damit
die Trümmer den Leuten auf den Kopf fallen! Und wer das überlebt, den lasse ich
vom Schwert durchbohren. Keiner wird fliehen können, niemand wird entkommen und
sich retten.
Am 9,2 Auch wenn sie in die Totenwelt eindringen und sich verstecken könnten -
ich würde sie sogar von dort zurückholen! Und wenn sie in den Himmel
hinaufsteigen könnten, würde ich sie herunterstürzen.
Am 9,3 Wollten sie auf den Gipfel des Karmel fliehen, würde ich sie auch dort
finden und zurückholen. Könnten sie sich auf dem Meeresboden verbergen, würde
ich der Meeresschlange befehlen, sie mit einem Biss zu töten.
Am 9,4 Und wenn sie unter den Gefangenen wären, die in ein fremdes Land
verschleppt werden, würde ich sie auch dort noch mit dem Schwert umbringen! Denn
bei mir finden sie keine Hilfe mehr, ich schicke ihnen nur noch Tod und
Verderben.«
Am 9,5 Der Herr ist der allmächtige Gott! Berührt er die Erde, so fängt sie an
zu schwanken. Sie hebt und senkt sich wie der Nil in Ägypten, und die Menschen
trauern um ihre Toten.
Am 9,6 Im Himmel hat er die Stufen zu seinem Thron gebaut und auf der Erde die
Fundamente für das Himmelsgewölbe gelegt. Er lässt das Wasser aus dem Meer
aufsteigen und die Erde überfluten. Sein Name ist »der Herr«!
Am 9,7 So spricht der Herr: »Glaubt ihr Israeliten wirklich, ihr wärt besser als
die Äthiopier? Es ist wahr: Ich habe euch aus Ägypten befreit. Aber genauso habe
ich die Philister aus Kreta herausgeführt und die Syrer aus Kir.
Am 9,8 Ich, der Herr, sehe ganz genau, wie ihr Israeliten in eurem Land gegen
mich sündigt. Darum lasse ich euch vom Erdboden verschwinden! Doch ich will euch
Nachkommen Jakobs nicht völlig ausrotten. Das verspreche ich, der Herr!
Am 9,9 Ich zerstreue euch unter alle Völker. So wie in einem Sieb die Steine
hängen bleiben,
Am 9,10 so siebe ich die Schuldigen aus, sie, die jetzt noch selbstgefällig
sagen: ›Menschen wie uns lässt der Herr nichts zustoßen. Kein Unglück wird uns
treffen.‹ Gerade sie werden vom Schwert durchbohrt!«
Am 9,11 So spricht der Herr: »Es kommt der Tag, an dem ich das Reich König
Davids wieder aufbauen werde. Jetzt gleicht es zwar einem zerstörten Haus, doch
dann richte ich die umgestürzten Wände wieder auf und schließe die Risse in der
Mauer.
Am 9,12 Die Israeliten werden in Besitz nehmen, was vom Gebiet der Edomiter
übrig geblieben ist. Auch über die Nachbarvölker, die einst mir gehört haben,
werden sie ihre Herrschaft ausdehnen.
Am 9,13 Es kommt die Zeit, da wird es eine sehr reiche Ernte geben: Die Arbeiter
mähen noch das Getreide ab, wenn der Bauer schon kommt, um den Acker wieder zu
pflügen. Man tritt die Trauben noch in der Kelter, obwohl die Zeit der Aussaat
schon wieder begonnen hat. Ja, es wird so viele Trauben geben, dass ihr Saft die
Berge und Hügel herabfließt!
Am 9,14 Ich werde das Schicksal meines Volkes wieder zum Guten wenden. Die
Israeliten bauen die verwüsteten Städte wieder auf und wohnen darin, sie
pflanzen Weinberge und trinken Wein, sie legen Gärten an und ernähren sich
davon.
Am 9,15 Ich werde sie wieder in ihr Land einpflanzen, und niemand kann sie mehr
herausreißen. Denn dieses Land habe ich, der Herr, ihr Gott, ihnen gegeben. Mein
Wort gilt!«
Obd 1,1 Dies ist die Vision Obadjas: Gott, der Herr, hat uns gezeigt, welches
Urteil er über Edom gefällt hat. Er sendet einen Boten zu den Völkern, der ruft:
»Kommt, wir führen Krieg gegen die Edomiter! Zieht in den Kampf!«
Obd 1,2 So spricht der Herr zu Edom: »Ich mache dich zu einem kleinen und
unbedeutenden Volk, das von den anderen Völkern verachtet wird.
Obd 1,3 Durch deinen Stolz hast du dich selbst betrogen. Hoch oben im Bergland
wohnst du, in unzugänglichen Tälern hast du dich niedergelassen und meinst: ›Von
hier kann mich niemand hinunterstürzen!‹
Obd 1,4 Aber ich werfe dich doch in die Tiefe, auch wenn du dein Nest so hoch
bauen könntest wie der Adler, ja, selbst wenn du es zwischen die Sterne am
Himmel setzen würdest! Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!
Obd 1,5 Wenn Diebe im Schutz der Nacht einbrechen, nehmen sie nur mit, so viel
sie tragen können. Wenn die Winzer den Weinberg abernten, lassen sie eine
Nachlese übrig. Du aber bist rettungslos verloren!
Obd 1,6 Die Feinde werden dein ganzes Land ausplündern und jeden Schlupfwinkel
aufspüren.
Obd 1,7 Die Völker, mit denen du verbündet warst, jagen dich aus deinem Land,
deine eigenen Freunde treiben ein falsches Spiel mit dir und fallen dir in den
Rücken. Die vorher noch am selben Tisch mit dir saßen, stellen dir eine Falle
und sagen: ›Die Edomiter merken es ja doch nicht!‹
Obd 1,8 Es kommt der Tag, an dem für euch kluge Leute im Bergland von Edom die
letzte Stunde schlägt. Dafür sorge ich, der Herr! Dann seid ihr mit eurer
Weisheit am Ende!
Obd 1,9 Eure mutigen Soldaten in der Festung Teman werden vor Angst zittern,
denn auch der letzte Nachkomme Edoms wird ermordet.
Obd 1,10 Ihr Edomiter habt euer Brudervolk, die Nachkommen Jakobs, grausam
misshandelt. Diese Schande lastet auf euch, und darum werdet ihr für immer
vernichtet.
Obd 1,11 Als fremde Truppen durch die Tore von Jerusalem eindrangen, als sie die
Einwohner durch das Los unter sich verteilten und ihr Hab und Gut wegschleppten,
da tatet ihr so, als ginge euch das gar nichts an. Ja, ihr habt sogar mit den
Feinden gemeinsame Sache gemacht!
Obd 1,12 Ihr hättet damals nicht so schadenfroh das Unglück der Judäer mit
ansehen dürfen! Warum habt ihr euch über ihr Leid lustig gemacht und gespottet,
als sie in Not waren und getötet wurden?
Obd 1,13 An diesem Tag seid ihr auch noch in die eroberte Stadt eingedrungen und
habt euch angesehen, wie sie litten! Den letzten Besitz meines Volkes habt ihr
an euch gerissen.
Obd 1,14 Und wenn einige von ihnen fliehen konnten, habt ihr ihnen heimtückisch
an Wegkreuzungen und Engpässen aufgelauert, um sie an ihre Verfolger
auszuliefern!
Obd 1,15 Der Tag, an dem ich, der Herr, allen Völkern ihr Urteil spreche, steht
schon vor der Tür. Dann ziehe ich auch euch Edomiter zur Rechenschaft. Man wird
euch genau das antun, was ihr euren Brüdern von Juda angetan habt!«
Obd 1,16 »Ihr Einwohner von Jerusalem musstet auf meinem heiligen Berg aus dem
Becher meines Zorns trinken. Genauso werden die anderen Völker daraus trinken,
und sie werden ihn bis zur Neige leeren müssen. Nach ihrem Untergang wird nichts
mehr an sie erinnern.
Obd 1,17 Aber auf dem Berg Zion findet man Rettung, denn dort wohne ich, der
Herr! Die Nachkommen Jakobs werden das Land wieder in Besitz nehmen.
Obd 1,18 Wie loderndes Feuer Stroh verzehrt, so werden die Judäer und Israeliten
die Edomiter vernichten. Keiner von den Nachkommen Esaus wird mit dem Leben
davonkommen. So habe ich, der Herr, es beschlossen!
Obd 1,19 Die Judäer aus der Steppe im Süden werden das edomitische Bergland
erobern, die aus dem westlichen Hügelland das Gebiet der Philister und die
Übrigen das Gebiet von Ephraim und die Gegend um Samaria. Der Stamm Benjamin
nimmt das Bergland von Gilead in Besitz.
Obd 1,20 Den Verschleppten aus Israel wird das Land der Kanaaniter bis nach
Zarpat im Norden gehören, während die Einwohner Jerusalems, die nach Sefarad
verbannt wurden, die Städte im Süden Judas einnehmen werden.
Obd 1,21 Befreier werden nach Jerusalem auf den Berg Zion kommen und über das
Bergland der Edomiter herrschen. Ich, der Herr, aber werde König sein!«
Jona 1,1 Der Herr sprach zu Jona, dem Sohn Amittais:
Jona 1,2 »Geh in die große und mächtige Stadt Ninive, und kündige ihren
Einwohnern an, dass ich sie strafen werde. Denn ich kenne ihre Bosheit.«
Jona 1,3 Jona machte sich auf den Weg - aber in die entgegengesetzte Richtung!
Er floh vor dem Herrn und kam zunächst in die Hafenstadt Jafo. Dort fand er ein
Schiff, das gerade nach Tarsis segeln sollte. Er bezahlte das Geld für die
Überfahrt und ging an Bord.
Jona 1,4 Doch als sie auf dem Meer waren, ließ der Herr einen starken Sturm
aufkommen. Das Unwetter tobte so heftig, dass das Schiff auseinander zu brechen
drohte.
Jona 1,5 Angst packte die Seeleute, und jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe.
Sie warfen Ladung über Bord, damit das Schiff leichter wurde. Jona war unter
Deck in den hintersten Raum gegangen, hatte sich hingelegt und schlief fest.
Jona 1,6 Da kam der Kapitän zu ihm und rief: »Was liegst du hier herum und
schläfst? Los, steh auf, und ruf zu deinem Gott um Hilfe! Vielleicht erbarmt er
sich und lässt uns nicht umkommen!«
Jona 1,7 Die Seeleute sagten zueinander: »Schnell, lasst uns das Los werfen! Wir
müssen herausfinden, wer an unserem Unglück schuld ist!« Das Los fiel auf Jona,
Jona 1,8 und so stellten sie ihn zur Rede: »Komm, sag uns, warum uns dieses
Unglück getroffen hat! Was machst du hier? Aus welchem Land kommst du, und zu
welchem Volk gehörst du?«
Jona 1,9 Jona antwortete: »Ich bin ein Hebräer und verehre den Herrn, den Gott
des Himmels, der das Land und das Meer geschaffen hat.«
Jona 1,10 Dann verriet er ihnen, dass er vor Gott auf der Flucht war. Die
Seeleute bekamen noch mehr Angst und machten Jona Vorwürfe: »Warum hast du das
getan?
Jona 1,11 Was sollen wir jetzt mit dir machen, damit das Meer uns nicht länger
bedroht?« Denn die Wellen türmten sich immer höher auf.
Jona 1,12 Da sagte Jona: »Werft mich ins Meer! Dann wird es sich beruhigen und
euch verschonen. Ich weiß: Dieses Unwetter ist nur durch meine Schuld über euch
gekommen.«
Jona 1,13 Die Seeleute ruderten mit aller Kraft, um doch noch an Land zu
gelangen. Aber sie schafften es nicht, weil der Sturm immer heftiger tobte.
Jona 1,14 Da schrien sie zum Herrn: »Ach Herr, lass uns nicht umkommen, wenn wir
jetzt das Leben dieses Mannes opfern müssen! Bestrafe uns nicht wie Mörder, die
unschuldiges Blut vergießen! Denn du hast es ja so gewollt.«
Jona 1,15 Sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Sofort legte sich der Sturm.
Jona 1,16 Die Männer erschraken und fürchteten sich vor dem Herrn. Sie brachten
ihm ein Schlachtopfer dar und schworen, auch in Zukunft auf ihn zu hören.
Jona 2,1 Der Herr ließ einen großen Fisch kommen, der Jona verschlang. Drei Tage
und drei Nächte war Jona im Bauch des Fisches.
Jona 2,2 Dort betete er zum Herrn, seinem Gott:
Jona 2,3 »Ich schrie zum Herrn, als ich nicht mehr aus noch ein wusste, und er
half mir aus meiner Not. Ich war dem Tode nah, doch du, Herr, hast meinen
Hilferuf gehört!
Jona 2,4 In die Tiefe hattest du mich geworfen, mitten ins Meer, rings um mich
türmten sich die Wellen auf; die Fluten rissen mich mit und spülten mich fort.
Jona 2,5 Ich dachte schon: ›Jetzt hast du mich für immer verstoßen. Werde ich
deinen heiligen Tempel je wiedersehen?‹
Jona 2,6 Ja, die Strudel zogen mich in die Tiefe, bis ich fast ertrank, Seetang
schlang sich mir um den Kopf,
Jona 2,7 bis zu den Fundamenten der Berge sank ich hinab in ein Land, dessen
Tore sich auf ewig hinter mir schließen sollten. Aber du, Herr, mein Gott, hast
mich vor dem sicheren Tod bewahrt und mir das Leben neu geschenkt!
Jona 2,8 Als ich schon alle Hoffnung aufgegeben hatte, dachte ich an dich, und
du hörtest mein Gebet in deinem heiligen Tempel.
Jona 2,9 Wer sein Heil bei anderen Göttern sucht, die ja doch nicht helfen
können, verspielt die Gnade, die er bei dir finden kann.
Jona 2,10 Ich aber will dir danken, denn ein solches Opfer ehrt dich. Was ich
dir versprochen habe, will ich erfüllen. Ja, der Herr allein kann retten!«
Jona 2,11 Da befahl der Herr dem Fisch, Jona am Meeresufer auszuspeien.
Jona 3,1 Zum zweiten Mal sprach der Herr zu Jona:
Jona 3,2 »Geh in die große und mächtige Stadt Ninive, und verkünde den Menschen
dort die Botschaft, die ich dir auftrage!«
Jona 3,3 Diesmal machte sich Jona auf den Weg nach Ninive, wie der Herr es ihm
befohlen hatte. Die Stadt war so groß, dass man drei Tage brauchte, um sie zu
durchqueren.
Jona 3,4 Jona ging in die Stadt hinein, und nachdem er einen Tag lang gelaufen
war, rief er: »Noch vierzig Tage, dann legt Gott Ninive in Schutt und Asche!«
Jona 3,5 Da glaubten die Einwohner von Ninive an Gott. Sie beschlossen zu
fasten, und alle, von den einflussreichsten bis zu den einfachen Leuten, zogen
als Zeichen ihrer Reue Kleider aus Sacktuch an.
Jona 3,6 Auch dem König von Ninive war Jonas Botschaft ausgerichtet worden. Er
stieg von seinem Thron und legte sein Herrschergewand ab. Stattdessen zog er
Trauerkleider an und setzte sich in die Asche.
Jona 3,7 In der ganzen Stadt ließ er ausrufen: »Hört, was der König und die
führenden Männer anordnen: ›Niemand darf etwas essen oder trinken, weder die
Menschen noch die Rinder und Schafe.
Jona 3,8 Menschen und Tiere sollen Trauertücher tragen und laut zu Gott
schreien. Jeder muss von seinen falschen Wegen umkehren! Keiner darf dem anderen
mehr Unrecht tun!
Jona 3,9 Vielleicht lässt sich Gott noch umstimmen und hat Erbarmen mit uns;
vielleicht wendet er seinen Zorn von uns ab, und wir kommen mit dem Leben
davon.‹«
Jona 3,10 Gott sah, dass die Menschen von ihren falschen Wegen umkehrten. Da
ließ er das angedrohte Unheil nicht über sie hereinbrechen.
Jona 4,1 Jona aber ärgerte sich sehr darüber, voller Zorn
Jona 4,2 betete er: »Ach Herr, habe ich das nicht gleich geahnt, als ich noch zu
Hause war? Darum wollte ich ja auch so rasch wie möglich nach Tarsis fliehen!
Ich wusste es doch: Du bist ein gnädiger und barmherziger Gott. Deine Geduld ist
groß, deine Liebe kennt kein Ende. Du lässt dich umstimmen und strafst dann doch
nicht.
Jona 4,3 Herr, lass mich sterben, das ist besser als weiterzuleben!«
Jona 4,4 Aber der Herr erwiderte: »Ist es recht von dir, so wütend zu sein?«
Jona 4,5 Jona verließ Ninive. Östlich der Stadt machte er sich ein Laubdach und
setzte sich in dessen Schatten nieder. Er wollte beobachten, was mit der Stadt
geschehen würde.
Jona 4,6 Da ließ der Herr eine Rizinusstaude über Jona emporwachsen. Sie sollte
ihm noch mehr Schatten geben und seinen Missmut vertreiben. Jona freute sich
sehr über die Pflanze.
Jona 4,7 Doch am nächsten Morgen kurz vor Sonnenaufgang ließ Gott einen Wurm die
Wurzeln des Rizinus zerfressen, und die Staude wurde welk und dürr.
Jona 4,8 Als die Sonne aufging, schickte Gott einen glühend heißen Ostwind. Die
Sonne brannte Jona so auf den Kopf, dass er erschöpft zusammenbrach. Er wünschte
sich zu sterben und seufzte: »Tot sein ist besser als weiterleben!«
Jona 4,9 Da fragte ihn Gott: »Ist es recht von dir, wegen dieser Rizinusstaude
so zornig zu sein?« Jona antwortete: »Mit vollem Recht bin ich wütend, am
liebsten wäre ich tot!«
Jona 4,10 Der Herr erwiderte: »Du hast dich mit dieser Staude keinen Augenblick
abmühen müssen, nichts brauchtest du für sie zu tun. In einer Nacht ist sie
gewachsen, und in der nächsten ging sie zugrunde. Trotzdem hättest du sie gerne
verschont.
Jona 4,11 Ich aber sollte Ninive nicht verschonen, diese große Stadt, in der
mehr als 120000 Menschen leben, die Gut und Böse nicht unterscheiden können, und
dazu noch so viele Tiere?«
Mi 1,1 In diesem Buch sind die Botschaften aufgeschrieben, die Micha aus
Moreschet vom Herrn empfing. Während der Regierungszeit der judäischen Könige
Jotam, Ahas und Hiskia ließ der Herr ihn sehen, was mit Samaria und Jerusalem
geschehen würde:
Mi 1,2 Hört zu, all ihr Völker! Gebt Acht, ihr Bewohner der Erde! Gott, der
Herr, tritt als Zeuge gegen euch auf, er kommt aus seinem heiligen Tempel.
Mi 1,3 Von dort, wo er wohnt, steigt er herab und schreitet über die Gipfel der
Erde.
Mi 1,4 Unter seinen Schritten schmelzen die Berge wie Wachs im Feuer, sie
fließen in die Ebene, wie Wasser den Abhang hinabschießt. In den Tälern brechen
tiefe Spalten auf.
Mi 1,5 Dies geschieht, weil die Israeliten, die Nachkommen Jakobs, gegen den
Herrn gesündigt haben und ihm den Rücken kehren. Wer ist verantwortlich für
Israels Schuld? Seine Hauptstadt Samaria! Und wer hat Juda zum Götzendienst auf
den Hügeln verführt? Seine Hauptstadt Jerusalem!
Mi 1,6 Darum sagt der Herr: »Ich werde Samaria bis auf die Grundmauern
niederreißen und die Trümmer ins Tal hinunterwerfen. Dort, wo die Stadt lag,
wird man dann Weinberge anlegen!
Mi 1,7 Alle Götzenstatuen von Samaria lasse ich in Stücke hauen. Die kostbaren
Gegenstände, die man vom Lohn der Tempelhuren angeschafft hat, werden ein Raub
der Flammen, und die Plünderer bezahlen mit der Beute ihre Huren. Ja, wo jetzt
noch die Götzenstatuen stehen, wird dann eine trostlose Wüste sein!«
Mi 1,8 Darum klage und weine ich, voller Trauer gehe ich barfuß und ohne
Obergewand umher. Ich heule wie ein Schakal, schreie wie ein Strauß.
Mi 1,9 Denn die Wunden Samarias sind unheilbar, und auch Juda wird nicht
verschont. Ja, selbst Jerusalem, die Hauptstadt meines Volkes, ist bedroht!
Mi 1,10 Erzählt den Philistern in Gat nichts davon, zeigt ihnen nicht eure
Tränen! Wälzt euch vor Schmerzen im Staub von Bet-Leafra!
Mi 1,11 Flieht nackt in Schimpf und Schande, ihr Einwohner von Schafir! Ihr von
Zaanan, ihr werdet es nicht einmal mehr wagen, eure Stadt zu verlassen! Bet-Ezel
bietet euch keinen Schutz mehr, man hört dort nur noch lautes Klagen über den
Untergang.
Mi 1,12 Die Einwohner von Marot zittern vor Angst und hoffen, noch einmal
davonzukommen, denn der Herr lässt die Feinde schon bis vor die Tore Jerusalems
heranrücken.
Mi 1,13 Spannt die Pferde an und flieht, ihr Leute von Lachisch! Ihr habt
Jerusalem zur Sünde verführt, ihr seid genauso gottlos wie das Nordreich Israel!
Mi 1,14 Darum müsst ihr auch Moreschet im Gebiet von Gat hergeben. Auf die Stadt
Achsib hatten die Könige Israels ihre Hoffnung gesetzt. Doch sie werden
enttäuscht wie von einem Bach, dessen Wasser im Sommer versiegt.
Mi 1,15 Ihr Einwohner von Marescha, eure Stadt wird noch einmal dem Eroberer zum
Opfer fallen, den der Herr euch schickt! Dann wird der König von Israel sich in
der Adullamhöhle verstecken.
Mi 1,16 Schneide dir in Trauer die Haare ab, Juda, bis du kahl bist wie ein
Geier! Denn deine Bewohner, deine geliebten Kinder, werden in ein fremdes Land
verschleppt!
Mi 2,1 Wehe denen, die finstere Pläne schmieden, wenn sie nachts wachliegen!
Gleich am frühen Morgen setzen sie alles in die Tat um, weil sie die Macht dazu
haben.
Mi 2,2 Wenn ihnen ein Stück Land gefällt, dann reißen sie es an sich; sehen sie
ein schönes Haus, dann gehört es schon bald ihnen. Mit Gewalt rauben sie ganzen
Familien Haus und Erbe.
Mi 2,3 Darum kündigt der Herr ihnen an: »Nun werde ich finstere Pläne gegen euch
schmieden. Ihr könnt euren Hals nicht mehr aus der Schlinge ziehen, nie mehr
werdet ihr euren Kopf so hoch tragen! Euch erwarten schlimme Zeiten!
Mi 2,4 Es kommt der Tag, da wird man ein Spottlied auf euch anstimmen und dabei
euer Klagen nachahmen: ›Wir sind vernichtet, Gott gab den Feinden unser Land.
Alles haben sie genommen und unsere Felder unter sich verteilt!‹
Mi 2,5 Wenn die Israeliten das Land später wieder zurückbekommen, geht ihr leer
aus. Niemand aus dem Volk des Herrn tritt dann noch für euch ein!«
Mi 2,6 »Schluss mit dem Gerede!«, empören sich die falschen Propheten. »Keiner
darf so daherschwätzen! Nein, uns wird kein Unglück treffen.
Mi 2,7 Spricht man etwa so zu uns Nachkommen Jakobs? Kann der Herr wirklich
seine Geduld mit uns verlieren? So kennen wir ihn doch gar nicht!« Doch der Herr
antwortet: »Ich rede nur zu dem freundlich, der so lebt, wie es mir gefällt!
Mi 2,8 Aber mein Volk lehnt sich schon lange gegen mich auf. Wenn die Soldaten
vom Krieg heimkehren und nichts ahnend an euch vorübergehen, plündert ihr sie
aus und nehmt ihnen sogar den Mantel weg!
Mi 2,9 Die Frauen vertreibt ihr aus ihrem Zuhause, und die Kinder beraubt ihr
für immer ihrer Heimat in Israel, die ich ihnen gegeben habe.
Mi 2,10 Fort mit euch! Weg von hier! Ihr seid in diesem Land sowieso nicht mehr
sicher! Denn wegen eurer Sünden ist es dem Untergang geweiht.
Mi 2,11 Ich weiß sehr wohl, was für Propheten ihr euch wünscht: solche, die euch
nach dem Mund reden, die das Blaue vom Himmel herunterlügen und euch ankündigen,
Wein und Most würden in Strömen fließen!«
Mi 2,12 »Ich, der Herr, hole euch Nachkommen Jakobs, die ihr den Untergang
Israels überlebt habt, wieder zurück. Wie ein Hirte seine Schafe in den
schützenden Stall bringt, so versammle ich euch alle wieder in eurem Land. Dann
wird es dort von Menschen wimmeln!
Mi 2,13 Ein Befreier geht euch voran, um euch den Weg aus der Gefangenschaft zu
bahnen. Die Stadttore werdet ihr durchbrechen und in die Freiheit ziehen, und
ich selbst gehe als euer König an der Spitze.«
Mi 3,1 Hört her, ihr führenden Männer Israels, ihr Nachkommen Jakobs! Eigentlich
solltet ihr doch das Recht kennen.
Mi 3,2 [2/3] Aber ihr hasst das Gute und liebt das Böse. Ihr geht mit den
Menschen um wie ein Schlachter, der dem Vieh die Haut abzieht, das Fleisch von
den Knochen reißt, die Knochen zerhackt und sie zusammen mit dem Fleisch in den
Kessel wirft.
Mi 3,4 Es kommt ein Tag, da werdet ihr zum Herrn um Hilfe schreien, aber er wird
euch nicht mehr anhören. Er will nichts mehr mit euch zu tun haben wegen all
eurer Verbrechen.
Mi 3,5 Auch für euch Propheten hat der Herr eine Botschaft: »Ihr führt mein Volk
in die Irre! Glück und Frieden sagt ihr denen voraus, die euch zu essen geben.
Doch wer euch keine Geschenke gibt, dem droht ihr mit Gottes Strafgericht.
Mi 3,6 Darum wird die finsterste Nacht über euch hereinbrechen, so dass ihr
nicht mehr in die Zukunft schauen könnt. Die Sonne wird nicht mehr für euch
scheinen, selbst am helllichten Tag tappt ihr im Dunkeln. So könnt ihr nicht
mehr voraussagen, was kommen wird.
Mi 3,7 Mit eurer Wahrsagerei und euren Prophezeiungen ist es dann endgültig
vorbei, ihr müsst euch in Grund und Boden schämen! Denn ich beantworte eure
Fragen nicht mehr. Ihr könnt nur noch vor Trauer euer Gesicht verhüllen.«
Mi 3,8 Mich aber hat der Herr mit seinem Geist erfüllt. Er gibt mir die Kraft,
mutig für das Recht einzutreten. Offen werfe ich den Israeliten ihre Vergehen
vor, die Sünden der Nachkommen Jakobs nenne ich beim Namen.
Mi 3,9 Hört, ihr führenden Männer Israels! Ihr beugt das Recht, bedenkenlos
setzt ihr euch darüber hinweg.
Mi 3,10 In Jerusalem baut ihr eure Häuser und geht dabei über Leichen.
Mi 3,11 Die Richter sind bestechlich, die Priester lassen sich gut bezahlen, und
auch die Propheten schlagen Geld aus ihrer Wahrsagerei. Doch alle berufen sich
auf den Herrn und behaupten: »Der Herr ist auf unserer Seite, uns kann nichts
zustoßen.«
Mi 3,12 Darum wird der Berg Zion zu einem umgepflügten Acker werden, die Stadt
Jerusalem zu einem Trümmerhaufen, und auf dem Tempelberg wird das Dornengestrüpp
wuchern!
Mi 4,1 Am Ende der Zeit wird der Berg, auf dem der Tempel des Herrn steht, alle
anderen Berge und Hügel weit überragen. Menschen aller Nationen strömen dann
herbei.
Mi 4,2 Viele Völker ziehen los und rufen einander zu: »Kommt, wir wollen auf den
Berg des Herrn steigen, zum Tempel des Gottes Israels! Dort wird er uns sein
Gesetz lehren, damit wir so leben, wie er es will!« Denn vom Berg Zion aus wird
der Herr seine Weisungen geben, in Jerusalem wird er der ganzen Welt seine
Gebote verkünden.
Mi 4,3 Gott selbst schlichtet den Streit zwischen den Völkern, und den mächtigen
Nationen in weiter Ferne spricht er Recht. Dann schmieden sie ihre Schwerter zu
Pflugscharen um und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr das andere
angreifen; niemand lernt mehr, Krieg zu führen.
Mi 4,4 Jeder kann ungestört unter seinem Feigenbaum und in seinem Weingarten
sitzen, ohne dass ihn jemand aufschreckt. Das verspricht der Herr, der
allmächtige Gott!
Mi 4,5 Jedes Volk dient seinem eigenen Gott, wir Israeliten aber gehören für
immer dem Herrn, unserem Gott.
Mi 4,6 So spricht der Herr: »Es kommt der Tag, da werde ich mein Volk, das ich
so schwer bestraft habe, wieder in seine Heimat bringen, so wie ein Hirte seine
Schafe zurückholt, die sich verlaufen haben und verletzt sind.
Mi 4,7 Ja, ich sorge dafür, dass die Verletzten überleben und die Schwachen
wieder zu einem mächtigen Volk werden! Dann herrsche ich selbst auf dem Berg
Zion für alle Zeiten als ihr König.
Mi 4,8 Du Festung auf dem Hügel von Jerusalem, in dir wird einst wieder ein
König wohnen, so wie es früher war; er wird über dich wie ein Hirte wachen.«
Mi 4,9 Warum schreist du so laut, Jerusalem? Ist kein König mehr in der Stadt?
Sind alle deine Ratgeber umgekommen? Warum windest du dich vor Schmerzen wie
eine Frau in den Wehen?
Mi 4,10 Ja, du hast allen Grund zu schreien und dich vor Schmerzen zu krümmen!
Denn du wirst aus der Stadt vertrieben und musst draußen auf den Feldern hausen,
bis man dich nach Babylon verschleppt. Doch dort wirst du Rettung finden, der
Herr befreit dich aus der Gewalt deiner Feinde.
Mi 4,11 Soldaten aus vielen Völkern haben dich, Jerusalem, jetzt umzingelt. Sie
wollen deinen Tempel entweihen und sich an deinem Untergang weiden.
Mi 4,12 Aber sie ahnen ja nicht, was der Herr vorhat: Er will sie hier
versammeln, wie man Garben zum Dreschen auf der Tenne bereitlegt.
Mi 4,13 Der Herr befiehlt: »Komm, Jerusalem, schlag auf sie ein! Ich mache dich
so stark wie einen Stier mit Hörnern aus Eisen und Hufen aus Bronze. Du wirst
die vielen Völker zermalmen und wirst alles, was sie dir geraubt haben, von
neuem mir weihen. Ja, alle ihre Schätze sollen mir, dem Herrn der ganzen Welt,
gehören!«
Mi 4,14 Ritzt euch vor Trauer die Haut blutig, ihr Menschen in der belagerten
Stadt! Feindliche Soldaten werden euch einkesseln und dem Herrscher Israels mit
dem Stock ins Gesicht schlagen.
Mi 5,1 Aber zu Bethlehem im Gebiet der Sippe Efrat sagt der Herr: »Du bist zwar
eine der kleinsten Städte Judas, doch aus dir kommt der Mann, der mein Volk
Israel führen wird. Sein Ursprung liegt weit zurück, in fernster Vergangenheit.«
Mi 5,2 Bis zu der Zeit, wo er geboren wird, lässt der Herr die Menschen seines
Volkes den Feinden in die Hände fallen; doch dann werden die Überlebenden zu den
anderen Israeliten in ihr Land zurückkehren.
Mi 5,3 Wie ein Hirte seine Herde weidet, so wird der neue König regieren. Gott,
der höchste Herr, hat ihn dazu beauftragt und gibt ihm die Kraft. Dann kann das
Volk endlich in Sicherheit leben, denn selbst in den fernsten Ländern der Erde
wird er als Herrscher anerkannt.
Mi 5,4 Er bringt Frieden! Wenn die Assyrer unser Land überfallen und in unsere
Festungen eindringen wollen, bieten wir viele mächtige Führer gegen sie auf.
Mi 5,5 Mit ihren Schwertern werden sie Assyrien, das Land Nimrods, bezwingen und
seine Festungen zerstören. Ja, unser neuer König wird uns vor den Assyrern
retten, wenn sie unser Land überfallen und erobern wollen!
Mi 5,6 Die Nachkommen Jakobs, die überlebt haben und unter den anderen Völkern
wohnen, sind für sie wie Tau und Regen, die das Land erfrischen und von Gott
ohne Zutun der Menschen geschickt werden.
Mi 5,7 Die Nachkommen Jakobs, die überlebt haben und unter den anderen Völkern
wohnen, sind für sie wie der Löwe unter den Tieren des Waldes, wie ein junger
Löwe in einer Schafherde. Er fällt über die Tiere her und zerreißt sie, niemand
kann sie aus seinen Klauen retten.
Mi 5,8 Ja, Israel, hol zum Schlag aus gegen deine Feinde, und töte sie!
Mi 5,9 So spricht der Herr: »Der Tag wird kommen, an dem ich eure Schlachtrosse
ausrotte und eure Streitwagen in Stücke schlage.
Mi 5,10 Ich zerstöre eure Städte und reiße eure Festungen nieder.
Mi 5,11 Die Zaubergegenstände schlage ich euch aus der Hand, es wird bei euch
keine Wahrsager mehr geben!
Mi 5,12 Ich zerschmettere eure Götzenstatuen und die den Göttern geweihten
Steinsäulen. Dann könnt ihr nicht mehr Gegenstände anbeten, die ihr selbst
gemacht habt!
Mi 5,13 Die Pfähle zu Ehren der Göttin Aschera reiße ich heraus, und eure Städte
mache ich dem Erdboden gleich.
Mi 5,14 Ich ziehe jetzt alle Völker zur Rechenschaft, die nicht auf mich gehört
haben. Denn damit haben sie meinen Zorn herausgefordert.«
Mi 6,1 Hört, wozu der Herr sein Volk auffordert: »Klagt mich doch an! Berge und
Hügel sollen eure Zeugen sein!«
Mi 6,2 Ihr Berge und ihr Fundamente der Erde, hört, welche Anklage der Herr nun
gegen sein Volk erhebt! Jetzt geht er mit Israel ins Gericht.
Mi 6,3 Er fragt: »Was habe ich dir bloß angetan, mein Volk? Habe ich vielleicht
zu viel von dir gefordert? Sag es nur!
Mi 6,4 Habe ich dich nicht sogar aus der Sklaverei in Ägypten befreit und dir
Mose, Aaron und Mirjam als Führer gegeben?
Mi 6,5 Mein Volk, erinnere dich doch, welche finsteren Pläne Balak, der König
von Moab, gegen dich schmiedete und was ihm Bileam, der Sohn Beors, antwortete!
Denk daran, wie du den Jordan bei Schittim überquertest und nach Gilgal
weiterzogst! Dann wirst du erkennen, was ich, der Herr, für dich getan habe. Auf
meine Zusagen kannst du dich verlassen!«
Mi 6,6 Das Volk fragt: »Wie können wir dem Herrn, dem großen Gott, begegnen?
Sollen wir einjährige Rinder als Opfer für ihn verbrennen, wenn wir ihn anbeten
wollen?
Mi 6,7 Hat er Gefallen daran, wenn wir ihm Tausende von Schafböcken und ganze
Ströme von Olivenöl darbringen? Oder sollen wir ihm sogar unsere ältesten Söhne
opfern, um unsere Schuld wieder gutzumachen?«
Mi 6,8 Nein! Der Herr hat euch doch längst gesagt, was gut ist! Er fordert von
euch nur eines: Haltet euch an das Recht, begegnet anderen mit Güte, und lebt in
Ehrfurcht vor eurem Gott!
Mi 6,9 Hört, was der Herr der Stadt Jerusalem zuruft! Es gibt nur eine Rettung:
Nehmt seine Worte ernst! Hört, was für eine schwere Strafe auf euch wartet! Der
Herr selbst hat sie über euch verhängt:
Mi 6,10 »Soll ich noch länger zusehen, wie gewissenlose Menschen in ihren
Häusern Schätze ansammeln, die sie nur durch Betrug bekommen haben? Sie tun, was
ich verabscheue, und verwenden ihre gefälschten Maße!
Mi 6,11 Wie kann ich sie freisprechen, wenn sie andere mit ihren falschen Waagen
und Gewichtssteinen hinters Licht führen?
Mi 6,12 Die Reichen in der Stadt beuten die Menschen aus und unterdrücken sie,
ja, alle Einwohner Jerusalems lügen und betrügen!
Mi 6,13 Weil ihr so viel Schuld auf euch geladen habt, werde ich euch hart
bestrafen und eure Stadt verwüsten.
Mi 6,14 Bald könnt ihr euch nicht mehr satt essen und müsst hungern. Was ihr
beiseite schafft, könnt ihr doch nicht retten, und was ihr noch in Sicherheit
bringt, verliert ihr im Krieg.
Mi 6,15 Ihr werdet die Saat ausstreuen, aber keine Ernte einbringen, die Oliven
auspressen, aber euch nicht mehr mit dem Öl salben, Wein keltern, ihn aber nicht
mehr genießen.
Mi 6,16 Bis heute folgt ihr dem schlechten Vorbild der Könige Omri und Ahab.
Alles, was sie taten, habt ihr ihnen nachgemacht! Darum lasse ich eure Stadt zu
einem Ort des Grauens werden und euch zur Zielscheibe des Spotts; überall wird
man euch verhöhnen und verachten.«
Mi 7,1 Ich bin verzweifelt wie einer, der im Herbst nach der Ernte hungrig durch
die Weinberge streift oder im Frühsommer nach Feigen sucht und alles abgeerntet
findet.
Mi 7,2 Im ganzen Land gibt es keine rechtschaffenen Menschen mehr, keiner fragt
mehr nach Gott. Einer lauert dem anderen auf und legt ihn herein, so wie der
Jäger sein Wild ins Fangnetz treibt. Sie gehen sogar über Leichen.
Mi 7,3 Sie haben nur Böses im Sinn, und darin sind sie wahre Meister. Die
führenden Männer lassen sich bestechen, die Richter sind käuflich, und die
Mächtigen entscheiden aus reiner Willkür. So arbeiten sie alle Hand in Hand.
Mi 7,4 Selbst die Besten und Ehrlichsten unter ihnen sind wie Dornhecken, sie
richten nur Schaden an. Aber der Tag kommt, an dem euch die Strafe trifft - die
Propheten haben es euch angekündigt. Dann werdet ihr mit eurer Weisheit am Ende
sein!
Mi 7,5 Trau keinem einzigen Menschen mehr, nicht einmal dem besten Freund! Sei
verschwiegen wie ein Grab, auch bei der Frau in deinen Armen!
Mi 7,6 Denn der Sohn achtet den Vater nicht mehr, die Tochter lehnt sich gegen
die Mutter auf und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. Die
schlimmsten Feinde sind in der eigenen Familie!
Mi 7,7 Doch ich verlasse mich auf den Herrn, ich warte auf seine Hilfe. Ja, mein
Gott wird mich erhören!
Mi 7,8 Freut euch nur nicht zu früh, ihr Feinde! Wir liegen zwar am Boden, doch
wir stehen wieder auf. Wir sitzen im Finstern, aber der Herr ist unser Licht.
Mi 7,9 Gegen ihn haben wir gesündigt und müssen nun seinen Zorn ertragen. Doch
er wird wieder für uns kämpfen und uns zu unserem Recht verhelfen. Er führt uns
von neuem hinaus ins Licht. Wir werden erleben, wie er für uns eintritt!
Mi 7,10 Wenn unsere Feinde das sehen, müssen sie sich in Grund und Boden
schämen. Spöttisch riefen sie uns zu: »Wo bleibt denn der Herr, euer Gott?« Aber
dann werden wir über sie triumphieren, man wird sie zertreten wie Kot auf der
Straße!
Mi 7,11 Jerusalem, es kommt die Zeit, in der deine Mauern wieder aufgebaut
werden und dein Herrschaftsgebiet sich weit ausdehnt.
Mi 7,12 In jenen Tagen werden die Menschen zu dir strömen: von Assyrien, aus den
Städten Ägyptens und vom Gebiet am Euphrat, ja, von weit entfernten Küsten und
Gebirgen.
Mi 7,13 Die ganze Erde aber wird zur Wüste wegen der Schuld ihrer Bewohner.
Mi 7,14 Herr, kümmere dich doch um dein Volk wie ein Hirte um seine Herde, denn
wir gehören dir! Unsere Siedlungen liegen beengt in einsamen Waldgebieten, doch
um uns her dehnt sich fruchtbares Land, auf dem sogar Obst gedeiht. Bring uns,
deine Herde, wieder wie in vergangenen Zeiten auf die saftigen Weiden von
Baschan und Gilead.
Mi 7,15 Vollbringe Wunder für uns wie damals, als unsere Vorfahren aus Ägypten
zogen.
Mi 7,16 Dann müssen die anderen Völker beschämt zusehen und können trotz ihrer
Macht nichts dagegen tun. Sprachlos werden sie sein, es wird ihnen Hören und
Sehen vergehen!
Mi 7,17 Sie sollen Staub lecken wie Schlangen und Würmer. Zitternd vor Angst
werden sie aus ihren Festungen kriechen und sich vor dir, dem Herrn, unserem
Gott, beugen. Ja, vor dir werden sie sich fürchten!
Mi 7,18 Wo ist ein Gott wie du, Herr? Du vergibst denen, die von deinem Volk
übrig geblieben sind, und verzeihst ihnen ihre Schuld. Du bleibst nicht für
immer zornig, sondern lässt Gnade vor Recht ergehen, daran hast du Gefallen!
Mi 7,19 Ja, der Herr wird wieder Erbarmen mit uns haben und unsere Schuld
auslöschen. Er wirft unsere Sünden ins tiefste Meer.
Mi 7,20 Herr, du wirst uns, den Nachkommen Abrahams und Jakobs, von neuem deine
Treue und Gnade erweisen, wie du es unseren Vorfahren geschworen hast.
Nah 1,1 In diesem Buch ist aufgeschrieben, was Gott der Stadt Ninive ankündigte.
In einer Vision gab er seine Botschaft Nahum aus dem Dorf Elkosch weiter.
Nah 1,2 Gott, der Herr, duldet keine anderen Götter neben sich. Wenn sein Zorn
losbricht, rächt er sich an seinen Feinden. Seine Widersacher zieht er zur
Rechenschaft, alle, die ihn hassen, bekommen seinen Zorn zu spüren.
Nah 1,3 Der Herr ist geduldig, aber er besitzt auch große Macht und lässt
niemanden ungestraft davonkommen. Wenn er daherschreitet, brechen Stürme und
Unwetter los, die mächtigen Wolken sind nur der Staub, den seine Füße
aufwirbeln.
Nah 1,4 Wenn er das Meer bedroht, trocknet es aus, ganze Flüsse lässt er
versiegen. Die saftigen Weiden von Baschan welken dahin, die Bäume auf dem
Karmel werden dürr, und der Libanon mit seinem Blütenmeer liegt da wie eine
trostlose Wüste.
Nah 1,5 Die Berge und Hügel wanken, wenn der Herr erscheint, die Erde bebt, und
die Menschen zittern vor Angst.
Nah 1,6 Wer könnte ihm noch die Stirn bieten, wenn sein Zorn losbricht wie ein
verheerendes Feuer? Sogar Felsen bringt er zum Bersten!
Nah 1,7 Doch mit Güte begegnet der Herr allen, die ihm vertrauen; er kennt sie
und schenkt ihnen Zuflucht in der Not.
Nah 1,8 Aber die Stadt seiner Feinde zerstört er, wie eine reißende Flut
schwemmt er sie fort. Ja, Finsternis wird alle verschlingen, die den Herrn
verachten!
Nah 1,9 Was schmiedet ihr noch Pläne gegen den Herrn? Er wird euch mit einem
einzigen Schlag vernichten - ein zweites Mal könnt ihr euch nicht gegen ihn
auflehnen!
Nah 1,10 Ihr seid nichts als unnützes Dornengestrüpp, das ins Feuer geworfen
wird und lichterloh brennt wie dürres Stroh!
Nah 1,11 Aus dir, Ninive, kam ein Herrscher, der finstere Pläne gegen den Herrn
schmiedete und nur Unheil ausbrütete.
Nah 1,12 Doch jetzt spricht der Herr zu Jerusalem: »Wenn deine Feinde wieder
anrücken und all ihre Truppen aufbieten, sollen sie niedergemäht werden wie die
Halme auf einem Feld. Ich habe dich hart bestraft, doch nun ist es genug damit.
Nah 1,13 Ich will das schwere Joch, das auf dir lastet, zerbrechen und deine
Fesseln zerreißen!«
Nah 1,14 Zum assyrischen König aber sagt der Herr: »Für mich bist du schon so
gut wie tot; ich habe dir das Grab geschaufelt. Du wirst keine Nachkommen mehr
haben, und aus deinem Tempel werfe ich die Götzenstatuen hinaus.«
Nah 2,1 Seht! Ein Bote läuft über die Berge nach Jerusalem. Er bringt die frohe
Nachricht: »Wir haben endlich Frieden! Feiert wieder eure Feste, ihr Menschen
von Juda! Erfüllt die Versprechen, die ihr Gott gegeben habt! Der furchtbare
Feind, der alles verwüstet hat, wird nie mehr über euer Land herfallen, denn
jetzt ist er endgültig besiegt.«
Nah 2,2 Schon rücken deine Eroberer heran, Ninive! Sie werden dich dem Erdboden
gleichmachen. Bewach deine Festungen nur gut, stell überall Posten auf! Leg
deine Waffen an, und hol Verstärkung!
Nah 2,3 Früher hast du Israel ausgeplündert und seine Weinberge verwüstet. Doch
jetzt lässt der Herr ganz Israel wieder in seinem alten Glanz erstehen.
Nah 2,4 Da ist dein Feind, Ninive! Die Soldaten tragen blutrote Schilde, und
ihre Kleidung leuchtet scharlachrot. Die eisernen Streitwagen funkeln wie
brennende Fackeln, die Kämpfer schwingen ihre Lanzen.
Nah 2,5 Jetzt rasen die Wagen über die Straßen, auf den freien Plätzen überholen
sie einander. Wie Flammen leuchten sie auf, sie sind schnell wie der Blitz!
Nah 2,6 Der assyrische König ruft seine besten Offiziere; sie laufen los und
stolpern, sie rennen zur Stadtmauer von Ninive. Schon verschanzen die Feinde
sich hinter Schutzdächern, um die Stadt zu stürmen.
Nah 2,7 Am Fluss brechen sie die Schleusentore auf; die Angst packt alle am
Königshof.
Nah 2,8 Dann reißen die Feinde der Königin die Kleider vom Leib und führen sie
gefangen weg. Ihre Dienerinnen klagen wie Tauben und schlagen sich verzweifelt
an die Brust.
Nah 2,9 Alle fliehen aus Ninive, wie Wasser aus einem Teich abläuft. »Halt!
Bleibt doch!«, ruft man ihnen hinterher, aber niemand dreht sich um.
Nah 2,10 Plündert, ihr Soldaten! Nehmt euch Silber und Gold, denn die Stadt ist
voll davon; ihr findet die kostbarsten Schätze!
Nah 2,11 Sie lassen nichts mehr zurück, Ninive ist verwüstet, Totenstille
herrscht. Die Überlebenden haben allen Mut verloren, ihre Knie zittern, sie
krümmen sich vor Schmerz und sind totenbleich.
Nah 2,12 Was ist jetzt aus der Stadt Ninive geworden? Ihre Einwohner lebten
sicher und ungestört wie Löwen, die ihre Jungen in der Höhle füttern.
Nah 2,13 Der Löwe zerriss die anderen Tiere und brachte sie seinen Jungen und
den Löwinnen zum Fraß. Ja, er füllte die Höhle bis oben hin mit Beute!
Nah 2,14 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Jetzt rechne ich mit dir
ab, Ninive! Deine Streitwagen lasse ich in Flammen aufgehen, deine jungen Löwen
- deine Soldaten - werden vom Schwert niedergemetzelt. Du wirst keine Beute mehr
nach Hause schleppen, und nie mehr wirst du Boten aussenden, die anderen Völkern
Befehle geben!«
Nah 3,1 Wehe dieser Stadt, die ein Blutbad nach dem anderen anrichtet, in der
Betrug und Gewalt herrschen. Schon immer war sie auf Raub aus und wollte nie
damit aufhören.
Nah 3,2 Da! Peitschengeknall und Räderrasseln! Pferde galoppieren, Streitwagen
rasen dahin!
Nah 3,3 Die Reiter preschen vorwärts, Schwerter glänzen, Speere blitzen auf. Das
Schlachtfeld ist übersät mit Gefallenen, man stolpert über Leichen, so dicht
liegen sie; niemand kann sie mehr zählen!
Nah 3,4 Das ist die Strafe für Ninive, diese Hure, die mit ihren Reizen ganze
Völker verführte und sie mit ihren Zauberkünsten umgarnte!
Nah 3,5 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Jetzt ziehe ich dich zur
Rechenschaft! Ich reiße dir den Rock hoch bis übers Gesicht, dass du vor den
Völkern nackt dastehst und dich zu Tode schämen musst.
Nah 3,6 Mit stinkendem Dreck bewerfe ich dich, keine Schande bleibt dir erspart;
ja, ich stelle dich öffentlich zur Schau!
Nah 3,7 Dann wird jeder, der dich sieht, davonlaufen und entsetzt rufen: ›Ninive
ist eine einzige Wüste!‹ Wer wird da noch um dich trauern? Wo soll ich einen
Tröster für dich finden?
Nah 3,8 Meinst du vielleicht, dir werde es besser ergehen als der Stadt Theben?
Sie war durch den breiten Nil und seine Arme ringsum geschützt.
Nah 3,9 Ein starkes Heer aus Äthiopien und ganz Ägypten bot sie zu ihrer
Verteidigung auf, Soldaten aus Put und Libyen kamen ihr zu Hilfe.
Nah 3,10 Trotzdem verschleppten die Feinde ihre Einwohner in die Verbannung und
zerschmetterten kleine Kinder auf der Straße; sie teilten die führenden Männer
durch das Los unter sich auf und führten sie in Ketten ab.
Nah 3,11 Auch deine Einwohner, Ninive, werden umhertaumeln, als seien sie
betrunken; vergeblich werden sie Schutz suchen, wenn der Feind über sie
herfällt.
Nah 3,12 Deine Festungen sind wie Feigenbäume mit Frühfeigen darauf: Man braucht
sie nur zu schütteln, schon fallen einem die Früchte in den Mund.
Nah 3,13 Deine Elitetruppen können sich nicht mehr wehren, die Feinde dringen
ungehindert ins Land ein und legen deine Festungen in Schutt und Asche.
Nah 3,14 Ja, sammle dir nur Wasservorräte für die Zeit der Belagerung, verstärk
deine Verteidigungsanlagen, stampf den Lehm, forme Ziegelsteine!
Nah 3,15 Trotzdem werden deine Feinde dich in Brand stecken und mit Schwertern
deine Einwohner niedermetzeln. Selbst wenn du deine Truppen verstärkst und ein
Heer aufbietest, so groß wie ein Heuschreckenschwarm: die über dich herfallen,
sind noch viel mächtiger und werden alles vernichten!
Nah 3,16 Deine Händler sind zahlreicher als die Sterne am Himmel; doch plötzlich
werden sie verschwunden sein - wie Heuschrecken, die aus der Puppe schlüpfen und
wegfliegen.
Nah 3,17 Deine Würdenträger und Beamten gleichen Heuschreckenschwärmen, die sich
in einer kalten Nacht auf einer Mauer niederlassen: Kaum geht die Sonne auf, so
fliegen sie davon, und niemand weiß, wo sie geblieben sind.
Nah 3,18 Du König von Assyrien, deine führenden Männer sind tot, deine Mächtigen
liegen am Boden! Die Soldaten, die in den Bergen kämpften, sind davongelaufen
wie eine Herde ohne Hirte.
Nah 3,19 Deine Wunde ist tödlich; niemand kann deine Verletzungen heilen. Und
wer von deinem Untergang erfährt, klatscht vor Freude in die Hände; denn weit
und breit gibt es keinen, den du nicht grausam gequält hast!«
Hab 1,1 Dies ist die Botschaft, die der Prophet Habakuk in einer Vision vom
Herrn empfing.
Hab 1,2 Herr, wie lange schon schreie ich zu dir um Hilfe! Aber du hörst mich
nicht. »Überall herrscht die Gewalt!«, rufe ich dir zu, doch von dir kommt keine
Rettung.
Hab 1,3 Warum muss ich so viel Unrecht mit ansehen, und warum schaust du untätig
zu, wie die Menschen einander das Leben zur Hölle machen? Unterdrückung und
Gewalt, wohin ich blicke, Zank und Streit nehmen kein Ende!
Hab 1,4 Niemand nimmt mehr das Gesetz ernst - wie soll da noch ein gerechtes
Urteil gefällt werden? Der Gottlose treibt den Unschuldigen in die Enge, Recht
wird in Unrecht verdreht.
Hab 1,5 »Seht euch einmal unter den Völkern um! Ja, schaut genau hin, und ihr
werdet aus dem Staunen nicht mehr herauskommen! Was ich noch zu euren Lebzeiten
geschehen lasse, würdet ihr nicht für möglich halten, wenn andere es euch
erzählten.
Hab 1,6 Ich lasse die Babylonier zu großer Macht gelangen, dieses grausame und
kriegerische Volk. Ihre Truppen durchstreifen die ganze Welt und erobern ein
Land nach dem anderen.
Hab 1,7 Sie verbreiten Furcht und Schrecken, sie herrschen mit Gewalt und
schaffen sich ihr eigenes Recht.
Hab 1,8 Ihre Pferde sind schneller als Panther und wilder als Wölfe auf der
Jagd. Aus weiter Ferne stürmen ihre Reiter heran; sie fliegen herbei wie Adler,
die sich auf ihre Beute stürzen.
Hab 1,9 Ihr einziges Ziel ist Blutvergießen, unaufhaltsam rasen sie vorwärts.
Sie nehmen ihre Feinde gefangen, wie man Sand zusammenschaufelt.
Hab 1,10 Dann machen sie sich über die Könige lustig und treiben mit den
angesehenen Männern ihren Spott. Über die Festungen ihrer Gegner lachen sie nur,
sie schütten einen Belagerungswall auf und erobern sie.
Hab 1,11 Dann ziehen sie weiter, wie ein Wirbelwind jagen sie davon und richten
schreckliche Verwüstungen an. Ihre eigene Stärke ist ihr Gott!«
Hab 1,12 O Herr, mein Gott, bist du nicht von jeher unser heiliger Gott gewesen?
Du wirst uns doch nicht sterben lassen, denn du bist für uns wie ein schützender
Fels. Die Babylonier hast du dazu bestimmt, deine Strafe an uns zu vollstrecken.
Hab 1,13 Du bist zu heilig, um Böses mit ansehen zu können; du erträgst es
nicht, wenn Menschen misshandelt werden. Warum siehst du dann zu, wie unsere
Feinde heimtückisch über uns herfallen? Warum schweigst du, wenn diese
Verbrecher andere vernichten, die doch viel rechtschaffener sind als sie?
Hab 1,14 Du lässt sie mit uns umgehen wie mit Fischen und anderen Meerestieren,
Hab 1,15 die man mit Angeln und Netzen fängt. Voller Freude jubeln sie über den
guten Fang.
Hab 1,16 Sie bringen ihren Netzen Opfer dar und verbrennen Weihrauch für sie,
denn ihnen verdanken sie die reiche Beute.
Hab 1,17 Wie lange noch dürfen die Feinde das Schwert ziehen und ganze Völker
erbarmungslos niedermetzeln?
Hab 2,1 Jetzt will ich meinen Platz auf dem Turm an der Stadtmauer einnehmen.
Dort halte ich wie ein Wachposten Ausschau und warte gespannt darauf, was der
Herr mir auf meine Klage antworten wird.
Hab 2,2 Der Herr sprach zu mir: »Was ich dir in dieser Vision sage, das schreibe
in deutlicher Schrift auf Tafeln! Jeder soll es lesen können.
Hab 2,3 Denn was ich dir jetzt offenbare, wird nicht sofort eintreffen, sondern
erst zur festgesetzten Zeit. Es wird sich ganz bestimmt erfüllen, darauf kannst
du dich verlassen. Warte geduldig, selbst wenn es noch eine Weile dauert! Dies
ist die Botschaft:
Hab 2,4 Nur der wird Gottes Anerkennung finden und leben, der ihm vertraut. Wer
aber hochmütig und unaufrichtig ist, verfehlt sein Ziel.
Hab 2,5 Wer sich auf seine Reichtümer verlässt, betrügt sich selbst. Der
Hochmütige und Anmaßende wird elend zugrunde gehen, auch wenn er sein Maul so
weit aufreißt wie das Totenreich und so unersättlich ist wie der Tod, ja, selbst
wenn er jetzt noch ein Volk nach dem anderen verschlingt.«
Hab 2,6 Die Völker werden ein Lied anstimmen über ihren Feind, mit Sprichwörtern
und Rätseln werden sie auf ihn anspielen. Sie rufen: »Du bist verloren! Denn du
hast fremden Besitz an dich gerissen. Wie lange soll das noch so weitergehen? Du
bereicherst dich, indem du Pfand von anderen forderst.
Hab 2,7 Doch ehe du dich versiehst, werden sie alles mit Zinsen von dir
zurückfordern. Du wirst vor ihnen zittern - so wird der Räuber selbst zur Beute!
Hab 2,8 Wie du ganze Völker ausgeraubt hast, so rauben sie dich dann aus. Sie
zahlen dir heim, dass du Menschen umgebracht und all ihre Städte und Länder
verwüstet hast.
Hab 2,9 Du bist verloren! Denn ständig willst du deinen Besitz vergrößern, und
dabei ist dir jedes Mittel recht. Doch letzten Endes stürzt du dich und deine
Nachkommen damit nur ins Unglück. Du fühlst dich sicher und unbezwingbar wie ein
Adler in seinem Nest hoch oben.
Hab 2,10 Du hast beschlossen, viele Völker auszurotten, doch damit hast du dein
Leben verwirkt! Es wird deinem Königshaus den Untergang bringen!
Hab 2,11 Sogar die Steine in der Mauer schreien deinetwegen um Hilfe, und die
Sparren im Gebälk stimmen in die Klage ein.
Hab 2,12 Du bist verloren! Denn als du deine Stadt bautest, hast du viel Blut
vergossen; deine Festung ist auf Unrecht gegründet.
Hab 2,13 Aber der Herr, der allmächtige Gott, hat das letzte Wort: Was Völker
mühsam errichtet haben, hat keinen Bestand - ihre Bauwerke werden verbrennen!
Hab 2,14 Wie das Wasser die Meere füllt, so wird die Erde einmal erfüllt sein
von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn.
Hab 2,15 Du bist verloren! Denn du hast deinen Nachbarvölkern einen Becher mit
giftigem, betäubendem Getränk gegeben. Sie taumelten wie Betrunkene, und du hast
ihre Schande genossen.
Hab 2,16 Bald aber wirst du selbst vor Scham vergehen; dann ist es vorbei mit
all deiner Herrlichkeit. Der Herr wird dir den Becher reichen, der mit seinem
Zorn gefüllt ist. Du musst ihn austrinken und wirst selbst stürzen. So wird auch
deine Ehre in den Schmutz gezogen.
Hab 2,17 Du hast den Libanon abgeholzt und sein Wild ausgerottet. Das kommt dich
teuer zu stehen! Du hast Menschen umgebracht und all ihre Städte und Länder
verwüstet; dafür wirst du büßen müssen.«
Hab 2,18 Kann eine Götterfigur, die ein Mensch geschnitzt oder gegossen hat, ihm
etwa helfen? Sie ist ein glatter Betrug! Wie kann jemand einem stummen Götzen
vertrauen, den er selbst gemacht hat?
Hab 2,19 »Du bist verloren! Denn du sagst zu einem Stück Holz: ›Wach auf!‹ und
zu einem toten Stein: ›Werde lebendig!‹ Kann denn ein solcher Götze einen guten
Rat erteilen? Er ist mit Gold und Silber überzogen, aber er hat kein Leben in
sich!
Hab 2,20 Der Herr dagegen wohnt in seinem heiligen Tempel. Seid still vor ihm,
ihr Menschen auf der ganzen Welt!«
Hab 3,1 Ein Gebet des Propheten Habakuk:
Hab 3,2 Herr, ich habe deine Botschaft gehört. Dein Plan erfüllt mich mit
Ehrfurcht. Führe ihn aus, so bald es geht, vollende dein Werk, damit wir es noch
erleben! Auch wenn du im Zorn handelst - hab Erbarmen!
Hab 3,3 Gott kommt von Teman her, vom Bergland Paran zieht er heran, der heilige
Gott. Sein Glanz strahlt über den Himmel, sein Ruhm erfüllt die ganze Erde.
Hab 3,4 Wie das Sonnenlicht bricht seine Herrlichkeit hervor, um ihn leuchtet es
hell, und in den Strahlen verbirgt sich seine Macht!
Hab 3,5 Vor ihm her geht die Pest, und wo er vorbeigezogen ist, greift die
Seuche um sich.
Hab 3,6 Wo immer sein Fuß hintritt, bebt die Erde; trifft sein Blick die Völker,
so schrecken sie zusammen. Berge aus uralter Zeit bersten auseinander, Hügel,
die ewig schon bestehen, sinken in sich zusammen; so schreitet er wie früher
über unsere Erde.
Hab 3,7 Ich sehe die Zelte der Kuschiter zittern, und auch die der Midianiter
geraten ins Wanken.
Hab 3,8 Wem gilt dein Zorn, Herr? Den großen Strömen oder den Fluten des Meeres?
Gegen wen ziehst du mit deinen Pferden in den Krieg, wohin rasen deine
siegreichen Streitwagen?
Hab 3,9 Jetzt holst du den Bogen zum Kampf hervor, du hast geschworen, dass
deine Pfeile treffen! Du spaltest die Erde, bis Ströme hervorbrechen.
Hab 3,10 Bei deinem Anblick erbeben die Berge, dichter Regen prasselt nieder,
das Meer braust, seine Wogen türmen sich auf.
Hab 3,11 Sonne und Mond verfinstern sich, wenn deine leuchtenden Pfeile fliegen
und dein Speer am Himmel aufblitzt.
Hab 3,12 Ja, voller Zorn schreitest du über die Erde und schlägst die Völker,
wie man Weizen drischt.
Hab 3,13 Doch du bist gekommen, um dein Volk zu retten, du stehst dem König bei,
den du eingesetzt hast! Vom Palast des Unterdrückers reißt du das Dach herab,
nur noch ein paar Grundmauern bleiben übrig.
Hab 3,14 Seine Heerführer wollen unsere Truppen vernichten. Schon stürmen sie
heran und freuen sich darauf, uns Wehrlose in einen Hinterhalt zu locken und zu
töten wie ein Löwe seine Beute. Doch du durchbohrst sie mit ihren eigenen
Pfeilen!
Hab 3,15 Für deine Pferde bahnst du dir einen Weg mitten durchs Meer, auch wenn
seine Fluten noch so hoch steigen.
Hab 3,16 Als mir der Herr dies alles zeigte, fing ich am ganzen Leib an zu
zittern. Seine Worte ließen meine Lippen beben, der Schreck fuhr mir in die
Glieder, ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Jetzt warte ich
sehnsüchtig auf den Tag, an dem das Unheil über dieses Volk hereinbricht, das
uns angegriffen hat.
Hab 3,17 Noch trägt der Feigenbaum keine Blüten, und der Weinstock bringt keinen
Ertrag, noch kann man keine Oliven ernten, und auf unseren Feldern wächst kein
Getreide; noch fehlen Schafe und Ziegen auf den Weiden, und auch die Viehställe
stehen leer.
Hab 3,18 Und doch will ich jubeln, weil Gott mir hilft, der Herr selbst ist der
Grund meiner Freude!
Hab 3,19 Ja, Gott, der Herr, macht mich stark; er beflügelt meine Schritte, wie
eine Gazelle kann ich über die Berge springen. Dieses Lied soll mit
Saiteninstrumenten begleitet werden.
Zef 1,1 Während der Regierungszeit König Josias von Juda, des Sohnes Amons,
empfing Zefanja eine Botschaft vom Herrn. Zefanjas Vater hieß Kuschi, seine
weiteren Vorfahren waren Gedalja, Amarja und Hiskia.
Zef 1,2 So spricht der Herr: »Mit Stumpf und Stiel werde ich alles ausrotten,
was auf der Erde lebt:
Zef 1,3 Menschen und Vieh, die Vögel am Himmel und die Fische im Meer. Die
Menschen, die von mir nichts wissen wollen, lasse ich vom Erdboden verschwinden
und mit ihnen alles, was sie zur Auflehnung gegen mich verleitet hat.
Zef 1,4 Auch Juda und die Einwohner Jerusalems bekommen meine Strafe zu spüren.
Ihrem Götzendienst mache ich ein Ende, mit den Priestern Baals und aller anderen
Götzen ist es dann endgültig vorbei.
Zef 1,5 Ich vernichte alle, die auf den Dächern ihrer Häuser die Sterne anbeten,
und ich ziehe jene zur Rechenschaft, die sich zwar vor mir niederwerfen und
einen Eid in meinem Namen ablegen, gleichzeitig aber auf den Götzen Milkom
schwören.
Zef 1,6 Alle sollen umkommen, die mir den Rücken kehren und denen ich
gleichgültig geworden bin, ja, alle, die mit mir nichts zu tun haben wollen.«
Zef 1,7 Seid jetzt still vor Gott, dem Herrn! Der Tag, an dem er Gericht hält,
steht vor der Tür. Der Herr bereitet schon das Schlachtopfer vor und lädt seine
Gäste zum Opfermahl ein.
Zef 1,8 Er sagt: »An diesem Tag ziehe ich die führenden Männer des Landes und
die Königsfamilie zur Rechenschaft. Alle, die ausländische Kleidung tragen,
müssen sich vor mir verantworten.
Zef 1,9 Ich übe Vergeltung an denen, die aus Ehrfurcht vor den Götzen niemals
auf die Türschwelle treten, wenn sie in ein Haus gehen. Ich bestrafe alle, die
durch Gewalt und Betrug für ihre Herren Schätze anhäufen.
Zef 1,10 An diesem Tag wird man vom Fischtor her Hilferufe hören, Angstschreie
aus der Neustadt und Schlachtenlärm von den Hügeln. Darauf gebe ich, der Herr,
mein Wort.
Zef 1,11 Ja, klagt nur, ihr Händler aus der Unterstadt, denn ich vernichte alle
Kaufleute, die dort ihr Silber abwiegen!
Zef 1,12 Dann durchsuche ich Jerusalem mit der Lampe und spüre alle auf, die
gleichgültig in den Tag hineinleben. Sie gleichen einem Wein, der lange lagert
und nie umgegossen wird. Sie denken: ›Mit Gott brauchen wir nicht zu rechnen,
von ihm kommt weder Gutes noch Böses.‹
Zef 1,13 Ihr Besitz wird geplündert, und ihre schönen Häuser werden zu Ruinen.
Wer ein neues Haus gebaut hat, wird nie darin wohnen; wer einen neuen Weinberg
angelegt hat, wird nicht einen Tropfen Wein davon trinken.«
Zef 1,14 Der große Tag des Herrn steht vor der Tür. Er kommt näher, immer näher.
Hört! Gellende Schreie dringen vom Schlachtfeld! Es ist ein schrecklicher Tag,
Zef 1,15 an dem sich Gottes ganzer Zorn entlädt, ein Tag voll Angst und
Schrecken. Verheerende Unwetter brechen herein, schwarze Wolken verdunkeln den
Himmel, und tiefe Finsternis breitet sich aus.
Zef 1,16 An diesem Tag erfüllen Kampfgeschrei und Hörnersignale die Luft: Man
bläst zum Sturm auf die Städte mit ihren hohen Mauern und Türmen.
Zef 1,17 So spricht der Herr: »Ich versetze die Menschen in so große Angst, dass
sie nicht mehr aus noch ein wissen und wie Blinde umhertappen. Ihr Blut wird
vergossen, so wie man Dreck ausschüttet, ihre zerfetzten Glieder werden
fortgeworfen wie Kot. Das alles geschieht, weil sie gegen mich, den Herrn,
gesündigt haben.
Zef 1,18 Wenn sich an diesem Tag mein Zorn entlädt, hilft ihnen kein Silber und
kein Gold mehr: Mein Zorn bricht plötzlich los wie ein Feuer und verwüstet das
ganze Land. Alle seine Bewohner lasse ich vom Erdboden verschwinden.«
Zef 2,1 Denkt doch einmal über euch nach! Kommt endlich zur Besinnung! Ihr seid
ein Volk, das keine Scham mehr kennt.
Zef 2,2 Kehrt um, bevor das eintrifft, was der Herr sich vorgenommen hat! Es
wird höchste Zeit für euch! Bald ist der Tag da, an dem der glühende Zorn des
Herrn euch trifft und ihr umkommt!
Zef 2,3 Ihr anderen aber, die ihr dem Herrn dient und nach seinen Geboten lebt:
Bleibt bei ihm, und strebt nach Gerechtigkeit und Demut! Vielleicht werdet ihr
verschont, wenn sich der Zorn des Herrn über sein Volk entlädt.
Zef 2,4 Gaza wird zu einer menschenleeren Stadt, Aschkelon wird verwüstet. Die
Feinde verschleppen die Einwohner von Aschdod am helllichten Tag, und auch Ekron
machen sie dem Erdboden gleich.
Zef 2,5 Ihr seid verloren, ihr Philister aus Kreta, ihr Bewohner der Küste. Der
Herr lässt euch diese Botschaft ausrichten: »Kanaan, du Land der Philister, ich
werde dich verwüsten! Keiner deiner Bewohner bleibt mehr übrig.
Zef 2,6 Der ganze Küstenstreifen wird nur noch als Weideland dienen. Hirten
treiben ihre Schaf- und Ziegenherden zu den Zisternen,
Zef 2,7 und abends schlagen sie in den Ruinen von Aschkelon ihr Lager auf. Das
ganze Land der Philister gehört dann den Überlebenden von Juda.« Ja, Gott, der
Herr, wird sich über die Judäer erbarmen und ihr Schicksal wieder zum Guten
wenden!
Zef 2,8 Der Herr sagt: »Ich habe gehört, wie die Moabiter mein Volk verspotten
und verhöhnen. Die Ammoniter prahlen damit, dass sie Israels Gebiet erobern
werden.
Zef 2,9 Darum schwöre ich, der Herr der ganzen Welt, der Gott Israels, so wahr
ich lebe: Moab und Ammon wird es wie Sodom und Gomorra ergehen: Für alle Zeiten
soll ihr Gebiet zu einer großen Wüste mit vielen Salzgruben werden, von Unkraut
überwuchert. Die Überlebenden meines Volkes werden die Moabiter und Ammoniter
ausplündern und ihr Land in Besitz nehmen.«
Zef 2,10 Denn diese Völker waren stolz und überheblich, sie haben sich über das
Volk des Herrn, des allmächtigen Gottes, lustig gemacht.
Zef 2,11 Angst und Schrecken wird sie packen, wenn er allen Göttern der Erde ein
Ende bereitet. Schließlich wird jedes Volk in seinem Land den Herrn anbeten,
selbst die Bewohner der fernsten Inseln.
Zef 2,12 »Auch euch, ihr Äthiopier, wird mein Schwert umbringen«, sagt der Herr.
Zef 2,13 Ebenso wird der Herr Assyrien im Norden vernichten. Er wird die
Hauptstadt Ninive in Trümmer legen, sie so menschenleer machen wie die Steppe.
Zef 2,14 Mitten in der Stadt lagern dann ganze Herden von Tieren, Wüstenkauz und
Eule hausen nachts zwischen den zerborstenen Säulen. Aus den Fenstern krächzen
Vögel, die Türschwellen sind mit Trümmern übersät, und die Täfelung aus
Zedernholz liegt abgerissen auf dem Boden.
Zef 2,15 Das also wird aus der stolzen Stadt, deren Einwohner sich in Sicherheit
wähnten und dachten: »Es gibt keine Stadt wie unsere!« Zur Wüste wird sie, zum
Lagerplatz für wilde Tiere! Wer an ihr vorbeigeht, verhöhnt sie oder schüttelt
entsetzt den Kopf.
Zef 3,1 Schreckliches Unheil droht der Stadt, die sich dem Herrn widersetzt, der
Stadt voller Bosheit und Gewalt!
Zef 3,2 Auf keine Warnung hört sie, keine Zurechtweisung nimmt sie ernst. Mit
ihrem Gott will sie nichts zu tun haben; sie denkt nicht daran, dem Herrn zu
vertrauen.
Zef 3,3 Ihre führenden Männer sind wie Löwen, die nach Beute brüllen; ihre
Richter gleichen hungrigen Wölfen, die von ihrem Raub nichts bis zum nächsten
Morgen übrig lassen.
Zef 3,4 Die Propheten sind leichtfertige Betrüger, die Priester entweihen das
Heiligtum und legen Gottes Gesetz gerade so aus, wie es ihnen passt.
Zef 3,5 Dabei wohnt der Herr doch mitten unter ihnen! Auf ihn ist Verlass, er
tut nichts Unrechtes. Seine Rechtsordnung gilt noch immer, Tag für Tag weist er
die Menschen darauf hin. Aber die Leute in Jerusalem kennen keine Scham; sie tun
genau das, was Gottes Willen widerspricht.
Zef 3,6 Der Herr sagt: »Ich habe ganze Völker vernichtet und ihre Festungen
niedergerissen. Die Städte sind zerstört und menschenleer, niemand geht mehr
durch die Straßen.
Zef 3,7 Ich dachte: Diese Warnung werdet ihr doch nicht in den Wind schlagen!
Jetzt werdet ihr endlich Ehrfurcht vor mir haben! Ich hoffte, ich müsste eure
Heimat nicht verwüsten und die verdiente Strafe nicht an euch vollstrecken. Doch
ihr habt es nur noch schlimmer getrieben!
Zef 3,8 Darum müsst ihr euch jetzt darauf gefasst machen, dass ich mich auf euch
stürze wie ein Raubtier auf seine Beute. Mein Entschluss steht fest! Ich lasse
fremde Völker und Nationen über euch herfallen. Mein ganzer Zorn wird sich über
euch ergießen wie glühende Lava, ja, wie ein Feuersturm wird er das Land
verwüsten. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!«
Zef 3,9 »Dann aber werde ich dafür sorgen, dass die anderen Völker nie mehr ihre
Götzen anrufen. Sie alle werden nur noch zu mir, dem Herrn, beten und mir
dienen.
Zef 3,10 Sogar noch aus dem fernen Äthiopien werden sie mein zerstreutes Volk
wie eine Opfergabe herbeibringen.
Zef 3,11 An jenem Tag braucht ihr euch nicht mehr dafür zu schämen, dass ihr mir
die Treue gebrochen und so viel Unheil angerichtet habt. Denn ich werde die
selbstgerechten Prahler aus eurer Mitte entfernen. Auf meinem heiligen Berg wird
es niemanden mehr geben, der überheblich ist.
Zef 3,12 Dann leben in Israel nur noch bescheidene und demütige Menschen, die
ihr ganzes Vertrauen auf mich, den Herrn, setzen.
Zef 3,13 Sie hüten sich vor neuem Unrecht, von Lügen und Betrug wollen sie
nichts mehr wissen. Es geht ihnen so gut wie einer Schafherde auf saftiger
Weide, nie mehr versetzt ein Feind sie in Angst und Schrecken.«
Zef 3,14 Freut euch, ihr Israeliten, jubelt laut, ihr Menschen auf dem Berg
Zion! Singt und jauchzt aus vollem Herzen, ihr Einwohner Jerusalems!
Zef 3,15 Der Herr hat das Urteil gegen euch aufgehoben; eure Feinde hat er
hinweggefegt. Nun lebt er selbst als König Israels mitten unter euch. Kein
Unglück wird euch mehr treffen.
Zef 3,16 An jenem Tag wird man der Stadt auf dem Berg Zion zurufen: »Habt keine
Angst, ihr Einwohner Jerusalems, lasst die Hände nicht mutlos sinken!
Zef 3,17 Der Herr, euer Gott, ist in eurer Mitte; er ist stark und hilft euch!
Von ganzem Herzen freut er sich über euch. Weil er euch liebt, redet er nicht
länger über eure Schuld. Ja, er jubelt, wenn er an euch denkt!«
Zef 3,18 So spricht der Herr: »Ich bringe alle nach Hause, die traurig sind,
weil sie in der Fremde leben müssen und die großen Feste in Jerusalem nicht
mitfeiern können. Was für eine Schande ist das für sie!
Zef 3,19 Doch wenn die Zeit reif ist, werde ich mit euren Unterdrückern
abrechnen! Ich bringe dich, mein vertriebenes Volk, nach Hause, auch diejenigen,
die nicht mehr richtig gehen können. Gerade in den Ländern, in denen ihr jetzt
noch gedemütigt werdet, wird man euch dann achten und euch rühmen.
Zef 3,20 Ja, in jener Zeit werde ich euch sammeln und in euer Land
zurückbringen. Ich wende euer Schicksal zum Guten und verschaffe euch hohes
Ansehen bei allen Völkern der Erde. Das verspreche ich, der Herr!«
Hag 1,1 Im 2. Regierungsjahr des Königs Darius, am 1. Tag des 6. Monats, empfing
der Prophet Haggai vom Herrn eine Botschaft für Serubbabel und Jeschua.
Serubbabel, der Sohn Schealtiëls, war der königliche Bevollmächtigte für die
persische Provinz Judäa, und Jeschua, der Sohn Jozadaks, war Hoherpriester.
Hag 1,2 [2/3] Im Auftrag des Herrn sollte Haggai verkünden: »So spricht der
Herr, der allmächtige Gott: Dieses Volk behauptet, die Zeit sei noch nicht
gekommen, den Tempel des Herrn wieder aufzubauen.
Hag 1,4 Aber warum ist es für euch selbst an der Zeit, in Häusern mit getäfelten
Wänden zu wohnen, während mein Haus noch in Trümmern liegt?
Hag 1,5 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, fordere euch auf: Denkt doch einmal
darüber nach, wie es euch geht!
Hag 1,6 Ihr habt viel Saat ausgesät, aber wenig geerntet. Ihr esst und werdet
nicht satt, ihr trinkt und bleibt durstig. Was ihr anzieht, wärmt euch nicht,
und das sauer verdiente Geld rinnt euch nur so durch die Finger.
Hag 1,7 Darum sage ich, der Herr, der allmächtige Gott: Begreift doch endlich,
warum es euch so schlecht geht!
Hag 1,8 Geht ins Gebirge, schafft Holz herbei, und baut den Tempel wieder auf!
Das gefällt mir, so ehrt ihr mich, den Herrn.
Hag 1,9 Ihr habt eine große Ernte erwartet, aber es wurde so wenig daraus! Und
was ihr noch heimbrachtet, das blies ich fort. Habt ihr immer noch nicht
gemerkt, warum ich, der allmächtige Gott, so mit euch umgehe? Dies alles
geschieht, weil mein Tempel verwüstet bleibt und jeder von euch nur darauf aus
ist, sein eigenes Haus fertig zu bauen.
Hag 1,10 Darum fällt über Nacht nicht einmal mehr Tau auf eure Äcker, und sie
bringen nur noch magere Erträge.
Hag 1,11 Darum habe ich diese Dürre über euer Land kommen lassen, über die Berge
und Kornfelder, über die Weingärten und Olivenhaine, über alles, was ihr
abernten wolltet. Die Hungersnot hat euch und euer Vieh getroffen. Ihr plagt
euch ab mit der Arbeit, aber die Mühe lohnt sich nicht.«
Hag 1,12 Serubbabel, der Sohn Schealtiëls, der Hohepriester Jeschua, der Sohn
Jozadaks, und das ganze Volk nahmen sich zu Herzen, was Haggai ihnen verkündete.
Sie erkannten, dass Gott den Propheten zu ihnen geschickt hatte, und bekamen
große Ehrfurcht vor dem Herrn.
Hag 1,13 Da ließ der Herr ihnen durch seinen Boten Haggai sagen: »Ich bin bei
euch! Das verspreche ich, der Herr!«
Hag 1,14 [14/15] So sorgte Gott dafür, dass Serubbabel, der königliche
Bevollmächtigte für Judäa, der Hohepriester Jeschua und alle anderen aus dem
Volk an die Arbeit gingen. Im 2. Regierungsjahr von König Darius, am 24. Tag des
6. Monats, begannen sie, den Tempel ihres Herrn, des allmächtigen Gottes, wieder
aufzubauen.
Hag 2,1 Im selben Regierungsjahr des Königs Darius, am 21. Tag des 7. Monats,
empfing Haggai vom Herrn diese Botschaft:
Hag 2,2 »Sag dem königlichen Bevollmächtigten Serubbabel, dem Hohenpriester
Jeschua und dem ganzen Volk:
Hag 2,3 Wer von euch kann sich noch daran erinnern, wie prächtig der Tempel vor
seiner Zerstörung war? Was ihr jetzt an seiner Stelle entstehen seht, ist im
Vergleich dazu nichts.
Hag 2,4 Aber ich, der Herr, sage: Lasst den Mut nicht sinken, Serubbabel und
Jeschua! Und ihr Menschen von Juda, seid stark, und arbeitet weiter! Denn ich,
der Herr, der allmächtige Gott, stehe euch bei.
Hag 2,5 Ich halte, was ich euren Vorfahren versprochen habe, als sie aus Ägypten
zogen. Mein Geist bleibt bei euch. Habt also keine Angst!
Hag 2,6 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sage euch: Schon bald werde ich
noch einmal die ganze Welt erschüttern, Himmel und Erde, Land und Meer;
Hag 2,7 alle Völker werden davon betroffen sein. Sie bringen ihre Reichtümer
hierher zum Tempel. Ja, ich sorge dafür, dass der Tempel wieder mit kostbaren
Schätzen ausgestattet wird.
Hag 2,8 Denn mir, dem allmächtigen Gott, gehört alles Silber und Gold.
Hag 2,9 Der neue Tempel wird den früheren weit in den Schatten stellen, so
prachtvoll wird er sein! Dann geht von dieser Stätte Frieden aus. Das verspreche
ich, der Herr, der allmächtige Gott!«
Hag 2,10 Im 2. Regierungsjahr des Königs Darius, am 24. Tag des 9. Monats,
empfing Haggai eine weitere Botschaft vom Herrn:
Hag 2,11 »So spricht der Herr, der allmächtige Gott: Bitte die Priester um eine
Weisung. Frage sie:
Hag 2,12 ›Wenn ein Mann in seinem Gewand ein Stück Fleisch, das dem Herrn
geweiht ist, bei sich trägt und mit dem Gewand Brot oder etwas Gekochtes, Wein,
Öl oder ein anderes Nahrungsmittel berührt - wird dieses dann ebenfalls
heilig?‹« Haggai fragte die Priester und bekam zur Antwort: »Nein.«
Hag 2,13 Dann fragte er weiter: »Wenn aber jemand durch die Berührung mit einer
Leiche unrein wurde und dann eines dieser Nahrungsmittel berührt - wird in
diesem Fall das Berührte genauso unrein?« Die Priester antworteten: »Ja.«
Hag 2,14 Da sagte Haggai: »So spricht der Herr: Genauso steht es auch mit euch!
Ihr seid für mich wie ein fremdes Volk. Alles, was ihr tut, alle Opfer, die ihr
mir darbringt, sind in meinen Augen unrein!
Hag 2,15 Doch von heute an sollt ihr den Blick nach vorne in die Zukunft
richten. Bevor ihr begonnen habt, die Mauern meines Tempels wieder aufzubauen,
Hag 2,16 wolltet ihr von einem Feld zwanzig Sack Getreide ernten, aber es wurden
nur zehn. Ein Weinberg sollte fünfzig Krüge Wein bringen, aber schließlich waren
es nur zwanzig.
Hag 2,17 Ich schickte euch Hagel, ließ euer Getreide verdorren und verschimmeln,
und eure Mühe war vergeblich. Trotzdem seid ihr nicht zu mir, dem Herrn,
zurückgekommen.
Hag 2,18 Doch heute, am 24. Tag des 9. Monats, wurde das Fundament für meinen
Tempel fertig; ab jetzt dürft ihr hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.
Hag 2,19 Liegt nicht euer Saatgut noch in den Vorratsspeichern? Haben eure
Weinberge, eure Feigen-, Granatapfel- und Olivenbäume noch keine Erträge
gebracht? Von heute an will ich euch und euer Land wieder segnen!«
Hag 2,20 Am selben Tag empfing Haggai noch eine zweite Botschaft vom Herrn:
Hag 2,21 »Sag zu Serubbabel, dem königlichen Bevollmächtigten für die persische
Provinz Judäa: Ich werde den Himmel und die Erde erschüttern.
Hag 2,22 Die Throne der Könige stoße ich um und breche die Macht der Völker. Ich
stürze die Streitwagen mitsamt ihren Wagenlenkern um, zu Boden sinken Pferde und
Reiter, und ein Soldat sticht den anderen nieder.
Hag 2,23 An jenem Tag mache ich dich, Serubbabel, Sohn Schealtiëls, zu meinem
Bevollmächtigten. Du bist für mich wie mein Siegelring, denn ich habe dich
erwählt. Darauf gebe ich, der Herr, der allmächtige Gott, mein Wort!«
Sach 1,1 Im 2. Regierungsjahr des Königs Darius, im 8. Monat, sprach der Herr
zum Propheten Sacharja, einem Sohn Berechjas und Enkel Iddos:
Sach 1,2 [2/3] »Sag den Einwohnern von Jerusalem: Schon über eure Vorfahren war
ich voller Zorn. Jetzt fordere ich, der Herr, der allmächtige Gott, euch auf:
Kehrt um, kommt zu mir zurück! Dann wende auch ich mich euch wieder zu.
Sach 1,4 Seid nicht wie eure Vorfahren, die nicht auf mich hören wollten, als
ich ihnen durch die Propheten verkündete: ›Kehrt um von eurem falschen Weg; hört
endlich auf, Böses zu tun!‹
Sach 1,5 Nun leben eure Vorfahren längst nicht mehr, und auch die Propheten sind
gestorben.
Sach 1,6 Doch eure Vorfahren haben die Voraussagen der Propheten in Erfüllung
gehen sehen. Da kehrten sie von ihrem falschen Weg um und gaben zu: ›Der Herr,
der allmächtige Gott, hat uns für unsere Taten bestraft, genau wie er es
angedroht hatte.‹«
Sach 1,7 Im 2. Regierungsjahr des Königs Darius, am 24. Tag des 11. Monats, des
Monats Schebat, empfing der Prophet Sacharja, der Sohn Berechjas und Enkel
Iddos, eine Botschaft von Gott.
Sach 1,8 In jener Nacht hatte ich eine Vision: Ich sah einen Mann auf einem
rotbraunen Pferd reiten. Er hielt bei den Myrtensträuchern im Tal. Hinter ihm
sah ich noch andere Reiter auf rotbraunen, fuchsroten und weißen Pferden.
Sach 1,9 »Wer sind diese Reiter?«, fragte ich den Engel, der mir dies alles
zeigte. Er antwortete: »Das sollst du gleich erfahren.«
Sach 1,10 Da sagte der Mann bei den Myrtensträuchern: »Diese Reiter hat Gott
ausgesandt, um durch alle Länder der Welt zu ziehen.«
Sach 1,11 Nun wandten sich die Reiter an den Engel des Herrn, der bei den
Myrtensträuchern stand, und berichteten: »Wir haben die ganze Erde durchstreift.
Nichts rührt sich, alle Völker verhalten sich ruhig.«
Sach 1,12 Da rief der Engel des Herrn: »Herr, allmächtiger Gott! Wie lange soll
das noch so weitergehen? Wann endlich hast du Erbarmen mit den Menschen in
Jerusalem und in den anderen Städten Judas? Schon siebzig Jahre lang lastet dein
Zorn auf ihnen!«
Sach 1,13 Der Herr antwortete dem Engel, mit dem ich geredet hatte. Er tröstete
ihn und machte ihm Mut.
Sach 1,14 Dann wandte sich der Engel wieder an mich und befahl: »Verkünde den
Menschen: So spricht der Herr, der allmächtige Gott: ›Ich setze mich wieder mit
ganzer Kraft für Jerusalem und für den Berg Zion ein.
Sach 1,15 Doch die Völker, die sich jetzt so sicher fühlen, werden meinen
glühenden Zorn zu spüren bekommen. Sie sollten mein Volk auf meinen Befehl hin
bestrafen, doch sie haben ihm eigenmächtig den Untergang bereitet.
Sach 1,16 Ich habe Erbarmen mit Jerusalem und wende mich ihm aufs Neue zu. Mein
Tempel soll wieder aufgebaut werden, ja, die ganze Stadt soll neu erstehen. Das
verspreche ich, der Herr, der allmächtige Gott!‹
Sach 1,17 Und auch das sollst du verkünden: ›In den Städten meines Volkes soll
es an nichts fehlen; sie werden mehr haben, als sie brauchen. Zion werde ich
trösten, Jerusalem soll wieder meine Stadt sein. Mein Wort gilt, denn ich bin
der Herr, der allmächtige Gott!‹«
Sach 2,1 Als ich aufschaute, sah ich vier Hörner.
Sach 2,2 Ich fragte den Engel, mit dem ich gesprochen hatte: »Was bedeuten diese
Hörner?« Er antwortete: »Das sind die Mächte, die Juda, Israel und Jerusalem
besiegt und die Bevölkerung in fremde Länder vertrieben haben.«
Sach 2,3 Dann ließ mich der Herr vier Schmiede sehen.
Sach 2,4 »Was haben diese Männer vor?«, fragte ich. Der Engel erwiderte: »Sie
sollen die Hörner abschlagen, denn diese haben Juda erbarmungslos verwüstet und
seine Bewohner verschleppt. Sie sollen die Völker, die Juda überfallen haben, in
Furcht und Schrecken versetzen und sie unterwerfen.«
Sach 2,5 Als Nächstes sah ich einen Mann mit einer Messschnur in der Hand.
Sach 2,6 »Wohin gehst du?«, fragte ich ihn. Er antwortete: »Ich gehe nach
Jerusalem, um auszumessen, wie groß die Stadt werden soll.«
Sach 2,7 Da trat der Engel vor, der bis jetzt mit mir gesprochen hatte. Ein
anderer Engel kam ihm entgegen
Sach 2,8 und gab ihm den Auftrag: »Lauf und sag dem jungen Mann mit der
Messschnur: Jerusalem soll keine Mauer mehr haben, damit der Platz für die
vielen Menschen und Tiere ausreicht.
Sach 2,9 Der Herr verspricht: ›Ich selbst werde die Stadt ringsum wie eine Mauer
aus Feuer schützen. Mit meiner ganzen Macht und Herrlichkeit will ich wieder
mitten in Jerusalem wohnen.‹«
Sach 2,10 Der Herr sagt: »Schnell! Flieht aus dem Land im Norden! Ich, der Herr,
hatte euch in alle Himmelsrichtungen zerstreut.
Sach 2,11 Doch jetzt beeilt euch, ihr Israeliten in Babylonien, rettet euch!«
Sach 2,12 Um seine Macht und Herrlichkeit zu zeigen, hat mich der Herr, der
allmächtige Gott, zu den Völkern gesandt, die euch ausgeplündert haben. Er sagt:
»Wer euch Juden unterdrückt, der verletzt, was mir am kostbarsten ist.
Sach 2,13 Darum erhebe ich jetzt meine Hand und schlage eure Feinde nieder. Dann
werdet ihr, die ihr bisher ihre Sklaven wart, sie ausplündern.« Wenn das
eintrifft, werdet ihr erkennen, dass der Herr, der allmächtige Gott, mich
gesandt hat.
Sach 2,14 Er ruft: »Freut euch und jubelt, ihr Einwohner Jerusalems! Denn ich
werde kommen und für immer bei euch bleiben!
Sach 2,15 An jenem Tag werden sich viele Völker mir zuwenden. Dann gehören auch
sie zu meinem Volk, und ich wohne mitten unter euch.« Wenn das geschieht, werdet
ihr erkennen, dass der Herr, der allmächtige Gott, mich zu euch gesandt hat.
Sach 2,16 In seinem heiligen Land gehört Juda dann in besonderer Weise dem
Herrn, und Jerusalem ist wieder seine auserwählte Stadt.
Sach 2,17 Seid still vor dem Herrn, ihr Menschen! Denn er kommt aus seiner
heiligen Wohnung!
Sach 3,1 Dann ließ der Herr mich den Hohenpriester Jeschua sehen. Er stand vor
dem Engel des Herrn, und rechts von ihm stand der Satan und wollte ihn anklagen.
Sach 3,2 Aber der Engel sagte zu ihm: »Der Herr wird dir das Wort verbieten,
Satan, er wird dich zurechtweisen. Jerusalem ist seine auserwählte Stadt, und er
hat Jeschua gerettet, so wie man ein brennendes Holzscheit aus dem Feuer reißt.«
Sach 3,3 Jeschua stand in schmutzigen Kleidern vor dem Engel.
Sach 3,4 »Zieht ihm die verschmutzten Kleider aus!«, befahl der Engel den
anderen Engeln, die dem Herrn dienten. Zu Jeschua sagte er: »Ich befreie dich
von aller Schuld und lasse dir festliche Kleider anziehen.«
Sach 3,5 Dann befahl er: »Setzt ihm einen sauberen Turban auf!« Die Engel
führten seinen Befehl aus und zogen Jeschua auch frische Kleider an. Der Engel
des Herrn stand dabei
Sach 3,6 und sagte feierlich zum Hohenpriester Jeschua:
Sach 3,7 »So spricht der Herr, der allmächtige Gott: ›Wenn du so lebst, wie es
mir gefällt, und wenn du dich an meine Weisungen hältst, dann darfst du auch
weiterhin als oberster Priester die Dienste in meinem Tempel und in den Vorhöfen
beaufsichtigen. Ich gewähre dir zusammen mit den Engeln, die mir dienen, freien
Zutritt zu meinem Thron.
Sach 3,8 Höre, Jeschua, Hoherpriester! Du und die anderen Priester, die mit dir
zusammen den Dienst tun, ihr seid ein Zeichen für euer ganzes Volk. Ich werde
den Nachkommen Davids, der mir dient, zu euch allen schicken.
Sach 3,9 Seht, vor Jeschua habe ich einen Stein hingelegt. Auf diesem einen
Stein sind sieben Augen. Ich, der Herr, der allmächtige Gott, werde auf ihm eine
Inschrift einmeißeln. An einem einzigen Tag befreie ich die Menschen dieses
Landes von ihrer Schuld.
Sach 3,10 Dann werdet ihr euch gegenseitig einladen, ihr werdet unter den
Zweigen eurer Feigenbäume und Weinstöcke beieinander sitzen. Das verspreche ich,
der Herr, der allmächtige Gott!‹«
Sach 4,1 Der Engel, der mir alles erklärte, kam zu mir. Er rüttelte mich auf,
als ob er mich aus dem Schlaf wecken wollte.
Sach 4,2 Dann fragte er: »Was siehst du?« Ich antwortete: »Einen Leuchter aus
reinem Gold, darauf eine Ölschale und sieben Lampen mit jeweils sieben Dochten.
Sach 4,3 Rechts und links von dem Leuchter steht je ein Ölbaum.
Sach 4,4 Aber was soll dies alles bedeuten?«
Sach 4,5 Der Engel erwiderte: »Das weißt du wirklich nicht?« Ich verneinte, und
er sagte:
Sach 4,10 »Die sieben Lampen sind die Augen des Herrn, die alles sehen, was in
der Welt geschieht.«
Sach 4,11 [11/12] Ich fragte weiter: »Was bedeuten die zwei Ölbäume rechts und
links vom Leuchter und die beiden Zweige neben den zwei goldenen Röhren, die das
Olivenöl vom Baum herableiten?«
Sach 4,13 Der Engel entgegnete: »Weißt du es wirklich nicht?« Als ich wieder
verneinte,
Sach 4,14 erklärte er mir: »Das sind die beiden Männer, die der Herr der ganzen
Welt mit Öl gesalbt hat. Er hat sie dazu erwählt, ihm zu dienen.«
Sach 4,6 Der Herr beauftragte mich, Serubbabel diese Botschaft mitzuteilen: »Was
du vorhast, wird dir nicht durch die Macht eines Heeres und nicht durch
menschliche Kraft gelingen: Nein, mein Geist wird es bewirken! Das verspreche
ich, der Herr, der allmächtige Gott.
Sach 4,7 Ein Berg von Hindernissen wird sich vor dir auftürmen, aber ich räume
sie aus dem Weg. Wenn der Tempel wieder aufgebaut ist, wirst du den Schlussstein
einsetzen - unter dem Jubel des Volkes!«
Sach 4,8 Weiter sprach der Herr zu mir:
Sach 4,9 [9/10] »Serubbabel hat den Grundstein zu diesem Tempel gelegt, und er
wird den Bau auch eigenhändig vollenden! Wer anfangs enttäuscht war, dass der
Bau nicht voranging, der wird sich noch von Herzen freuen, wenn er den
Schlussstein in Serubbabels Hand sieht!« Dann werdet ihr erkennen, dass der
Herr, der allmächtige Gott, mich zu euch gesandt hat.
Sach 5,1 Als ich wieder aufblickte, sah ich eine Buchrolle durch die Luft
fliegen.
Sach 5,2 Der Engel fragte mich: »Was siehst du?« Ich antwortete: »Eine
Buchrolle, die durch die Luft fliegt; sie ist etwa zehn Meter lang und fünf
Meter breit!«
Sach 5,3 Da sagte er zu mir: »Auf dieser Rolle steht ein Fluch, der das ganze
Land treffen wird. Bisher sind alle ungestraft geblieben, die gestohlen oder
Meineide geschworen haben. Doch das hat jetzt ein Ende!
Sach 5,4 Der Herr, der allmächtige Gott, kündigt euch an: ›Ich schicke diesen
Fluch in die Häuser der Diebe und zu allen, die bei meinem Namen falsch
schwören. Er lastet auf ihren Häusern, er zerfrisst die Balken und Steine, bis
alles in sich zusammenfällt.‹«
Sach 5,5 Der Engel, mit dem ich gesprochen hatte, trat zu mir und forderte mich
auf: »Schau hin! Sieh, was dort erscheint!«
Sach 5,6 »Was ist das?« fragte ich. Er antwortete: »Ein Fass. Alle Leute im
ganzen Land sind begierig auf das, was darin steckt!«
Sach 5,7 Plötzlich hob sich der runde Bleideckel, und eine Frau kam zum
Vorschein.
Sach 5,8 Der Engel sagte: »Das ist die Auflehnung gegen Gott!« Er drängte die
Frau wieder in das Fass zurück und schlug den Bleideckel zu.
Sach 5,9 Als ich nach oben schaute, sah ich zwei Frauen mit Storchenflügeln; der
Wind trug sie her. Sie ergriffen das Fass und flogen mit ihm davon.
Sach 5,10 Ich fragte den Engel: »Wohin bringen sie das Fass?«
Sach 5,11 Er antwortete: »Ins Land Schinar. Dort baut man der Frau einen Tempel;
und wenn er fertig ist, stellt man das Fass darin auf und verehrt die Frau.«
Sach 6,1 Als ich wieder aufschaute, sah ich vier Wagen zwischen zwei Bergen aus
Bronze hervorkommen.
Sach 6,2 Der erste wurde von rotbraunen Pferden gezogen, der zweite von
schwarzen,
Sach 6,3 der dritte von weißen und der vierte von gescheckten. Sie alle waren
kräftige Tiere.
Sach 6,4 »Was soll das bedeuten?«, fragte ich den Engel, der mir alles erklärte.
Sach 6,5 Er antwortete: »Diese Gespanne werden in alle Himmelsrichtungen ziehen.
Sie haben vom Herrn der ganzen Welt einen Auftrag bekommen.
Sach 6,6 Die schwarzen Pferde ziehen nach Norden, die weißen nach Westen und die
gescheckten nach Süden.«
Sach 6,7 Ungeduldig warteten die Pferde auf den Befehl zum Aufbruch. Als der
Herr sagte: »Lauft los! Durchstreift die ganze Erde!«, da galoppierten sie
davon.
Sach 6,8 Mir aber rief der Engel zu: »Achte auf das Gespann, das nach Norden
aufgebrochen ist! Es zieht ins Land des Nordens, um dort den Zorn des Herrn zu
stillen.«
Sach 6,9 Der Herr gab mir einen Auftrag:
Sach 6,10 »Geh noch heute ins Haus Josias, des Sohnes Zefanjas! Dort sind
Heldai, Tobija und Jedaja aus Babylonien eingetroffen, Abgesandte der Juden, die
dort noch leben. Nimm die Gaben in Empfang, die sie mitgebracht haben!
Sach 6,11 Lass aus dem Silber und Gold eine Krone anfertigen, setze sie dem
Hohenpriester Jeschua, dem Sohn Jozadaks, auf,
Sach 6,12 und sag ihm: ›So spricht der Herr, der allmächtige Gott: Ein Mann wird
kommen, der aus diesem Volk hervorgeht. Er ist ein Nachkomme Davids und wird
meinen Tempel wieder aufbauen.
Sach 6,13 Ja, er wird ihn bauen, und er wird hohes Ansehen genießen, wenn er den
Thron besteigt, um über sein Volk zu herrschen. Der Hohepriester wird an seiner
Seite sein, und beide werden in allen Entscheidungen übereinstimmen.
Sach 6,14 Die Krone soll in meinem Tempel aufbewahrt werden, zur Erinnerung an
Heldai, Tobija, Jedaja und an die Gastfreundschaft Josias.
Sach 6,15 Aus weiter Ferne werden Menschen kommen und beim Bau des Tempels
mithelfen.‹« Dann erkennt ihr, dass der Herr, der allmächtige Gott, mich zu euch
gesandt hat. Dies alles wird eintreffen, wenn ihr in allem auf den Herrn hört.
Sach 7,1 Im 4. Regierungsjahr des Königs Darius, am 4. Tag des 9. Monats, des
Monats Kislew, empfing Sacharja eine Botschaft vom Herrn.
Sach 7,2 An diesem Tag trafen Gesandte aus Bethel in Jerusalem ein: Sarezer und
Regem-Melech mit seinen Begleitern. Sie sollten dem Herrn ein Opfer darbringen
und zu ihm beten.
Sach 7,3 Außerdem sollten sie die Priester am Tempel des Herrn, des allmächtigen
Gottes, und die Propheten fragen: »Sollen wir auch weiterhin wegen des
zerstörten Tempels im 5. Monat einen Fasten- und Trauertag einhalten, wie wir es
nun schon so viele Jahre tun?«
Sach 7,4 Da sprach der Herr, der allmächtige Gott, zu mir:
Sach 7,5 »Sag dem ganzen Volk im Land und den Priestern: Schon siebzig Jahre
lang fastet und trauert ihr im 5. und im 7. Monat. Doch habt ihr das wirklich
für mich getan?
Sach 7,6 Und wenn ihr esst und trinkt, tut ihr das nicht auch nur euch selbst
zuliebe?
Sach 7,7 Schon vor dieser Zeit sprach ich durch die Propheten zu euch. Damals
lebte euer Volk noch ruhig und sicher in Jerusalem und den umliegenden Dörfern,
in der Steppe im Süden und im westlichen Hügelland.
Sach 7,8 [8-10] Durch die Propheten schärfte ich ihnen ein: ›Fällt gerechte
Urteile! Geht liebevoll und barmherzig miteinander um! Die Witwen und Waisen,
die Armen und die Ausländer sollt ihr nicht unterdrücken! Schmiedet keine bösen
Pläne gegeneinander! Das befehle ich, der Herr, der allmächtige Gott!‹
Sach 7,11 Doch eure Vorfahren wollten mir nicht einmal zuhören. Sie kehrten mir
den Rücken und stellten sich taub.
Sach 7,12 Starrköpfig schlugen sie meine Weisungen in den Wind, die ich, der
allmächtige Gott, ihnen durch meine geisterfüllten Propheten gegeben hatte. So
forderten sie meinen Zorn heraus. Darum entlud sich auch mein ganzer Zorn über
sie.
Sach 7,13 Weil sie mich nicht anhörten, als ich sie rief, darum hörte ich auch
nicht mehr auf sie, als sie zu mir um Hilfe schrien.
Sach 7,14 Ich vertrieb sie in alle Welt und ließ ihr Land veröden, als sie fort
waren. Niemand wollte mehr auch nur hindurchziehen. So hatten sie selbst ihr
schönes Land zu einer trostlosen Wüste gemacht.«
Sach 8,1 Der Herr, der allmächtige Gott, sprach zu mir:
Sach 8,2 »Ich setze mich wieder entschlossen und mit ganzer Kraft für Jerusalem
ein. Doch die Feinde dieser Stadt trifft mein glühender Zorn. Darauf gebe ich,
der Herr, der allmächtige Gott, mein Wort.
Sach 8,3 Ich kehre auf den Berg Zion zurück und wohne wieder mitten in
Jerusalem. Dann wird Jerusalem ›die Stadt der Treue‹ heißen und der Berg, auf
dem ich wohne, ›der heilige Berg‹.
Sach 8,4 Auf den Plätzen der Stadt werden wieder alte Menschen sitzen, die beim
Gehen den Stock zu Hilfe nehmen,
Sach 8,5 und die Straßen werden voll sein von spielenden Kindern.
Sach 8,6 Traut ihr mir, dem allmächtigen Gott, etwa dies alles nicht zu? Es wird
so kommen, auch wenn ihr, der Rest meines Volkes, euch das nicht vorstellen
könnt!
Sach 8,7 Ich werde die Menschen meines Volkes retten; aus der ganzen Welt, vom
Osten und vom Westen, hole ich sie
Sach 8,8 und bringe sie nach Jerusalem zurück. Dort sollen sie dann wohnen. Sie
werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein. Für immer stehe ich zu
ihnen, sie können sich fest auf meine Zusagen verlassen!
Sach 8,9 Fasst neuen Mut! Auch für euch heute gilt, was die Propheten bei der
Grundsteinlegung für den neuen Tempel verkündeten.
Sach 8,10 Bis dahin brachte eure Arbeit keinen Ertrag. Weder Mensch noch Vieh
bekamen den Lohn für ihre Mühe. Wer die Stadt verließ, war nicht sicher vor dem
Feind, ja, ich hetzte die Menschen gegeneinander auf.
Sach 8,11 Doch von jetzt an will ich euch, die ihr von meinem Volk noch übrig
geblieben seid, ganz anders begegnen:
Sach 8,12 In eurem Land wird Frieden herrschen, die Weinstöcke und Felder
bringen reichen Ertrag, und genug Regen fällt auf das Land. Euch, den
Überlebenden meines Volkes, soll dies alles zugute kommen.
Sach 8,13 Ihr Menschen von Israel und Juda: Wenn die Bewohner anderer Länder
jemanden verfluchen wollten, dann wünschten sie ihm dasselbe Schicksal, das euch
getroffen hatte. Doch das wird sich jetzt ändern. Ich werde euch retten, und
dann werden die Menschen aus anderen Völkern zueinander sagen: ›Möge es dir so
gut gehen wie den Judäern und den Israeliten!‹ Darum habt keine Angst, und fasst
neuen Mut!
Sach 8,14 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sage euch: Als eure Vorfahren
meinen Zorn herausforderten, beschloss ich, Unheil über sie zu bringen, und
nichts konnte mich umstimmen.
Sach 8,15 Doch jetzt bin ich genauso fest entschlossen, den Bewohnern von
Jerusalem und Juda Gutes zu tun. Habt also keine Angst!
Sach 8,16 Aber ihr müsst euch auch ändern: Belügt einander nicht! Fällt im
Gericht Urteile, die gerecht sind und Frieden stiften!
Sach 8,17 Seid nicht darauf aus, einander zu schaden, und schwört keine
Meineide! Denn all dies hasse ich, der Herr!«
Sach 8,18 Weiter sprach der Herr, der allmächtige Gott, zu mir:
Sach 8,19 »Bisher habt ihr Judäer im 4., 5., 7. und 10. Monat Fastentage
eingehalten und getrauert. Doch von nun an werdet ihr an diesen Tagen
Freudenfeste feiern und laut jubeln. Liebt die Wahrheit und den Frieden!
Sach 8,20 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, kündige euch an: Es kommt die
Zeit, da werden viele Menschen aus anderen Völkern und aus großen Städten
Sach 8,21 einander auffordern: ›Kommt, wir wollen nach Jerusalem gehen und den
Herrn, den allmächtigen Gott, anbeten und um Gnade anflehen.‹
Sach 8,22 Ja, viele mächtige Völker werden nach Jerusalem ziehen und mich um
meinen Segen bitten!
Sach 8,23 In jener Zeit schließen sich zehn Männer aus den verschiedensten
Völkern einem Juden an. Sie halten ihn an seinem Gewand fest und bitten: ›Wir
wollen mit dir gehen! Wir haben gehört, dass Gott auf eurer Seite ist.‹«
Sach 9,1 Dies ist eine Botschaft des Herrn: Sie lastet schwer auf dem Land
Hadrach und auf Damaskus. Denn dem Herrn gehören nicht nur die Stämme Israels,
sondern auch die anderen Völker.
Sach 9,2 Hamat, das an Damaskus grenzt, ist sein Eigentum, ebenso die Städte
Tyrus und Sidon, deren Einwohner so überaus klug sind.
Sach 9,3 Tyrus hat sich selbst zu einer mächtigen Festung ausgebaut, es hat
ganze Berge von Gold und Silber zusammengetragen.
Sach 9,4 Aber der Herr wird Tyrus erobern: Er wirft die Festungsmauern ins Meer
und lässt die Stadt in Flammen aufgehen.
Sach 9,5 Wenn das die Einwohner von Aschkelon, Gaza und Ekron erfahren, packt
sie die Angst, denn sie haben jede Hoffnung auf einen starken Verbündeten
verloren. Gaza verliert seinen König, Aschkelon wird zu einer unbewohnten Stadt,
Sach 9,6 und in Aschdod siedeln sich Fremde aus allen Völkern an. Der Herr sagt:
»Ich selbst werde den Hochmut der Philister brechen.
Sach 9,7 Dann ist es vorbei mit ihrem abscheulichen Götzendienst: Ich reiße
ihnen die blutigen Fleischstücke ihrer Opfertiere aus dem Mund! Doch die
überlebenden Philister werden zu meinem Volk gehören. Sie gelten als Sippe im
Stamm Juda. Ekron wird in mein Volk aufgenommen wie damals die Jebusiter.
Sach 9,8 Ich selbst wache über mein Volk, damit keine fremden Truppen mehr in
sein Land einfallen. Kein Gewaltherrscher wird es mehr erobern. Denn von nun an
schütze ich selbst mein Volk!«
Sach 9,9 »Freut euch, ihr Menschen auf dem Berg Zion, jubelt laut, ihr Einwohner
von Jerusalem! Euer König kommt zu euch! Er ist gerecht und bringt euch Rettung.
Und doch kommt er nicht stolz daher, sondern reitet auf einem Esel, ja, auf dem
Fohlen einer Eselin.
Sach 9,10 In Jerusalem und im ganzen Land beseitige ich, der Herr, die
Streitwagen, die Kriegspferde und alle Waffen. Euer König stiftet Frieden unter
den Völkern, seine Macht reicht von einem Meer zum anderen, vom Euphrat bis zum
Ende der Erde.«
Sach 9,11 »Noch werden viele Menschen eures Volkes in der Verbannung
festgehalten. Doch ich werde sie aus ihren Gefängnissen befreien, denn ich habe
einen Bund mit euch geschlossen; mit dem Blut von Opfertieren wurde er
besiegelt.
Sach 9,12 Kehrt heim, ihr Gefangenen, in die Stadt, die euch Schutz bietet! Ihr
habt nicht vergeblich gehofft! Ich verspreche euch: Ihr werdet doppelt
entschädigt für das, was ihr erlitten habt!
Sach 9,13 Die Männer von Juda sind wie ein Bogen in meiner Hand, die Männer von
Ephraim sind die Pfeile, und ihr aus Jerusalem seid das Schwert, das ich gegen
die Truppen der Griechen schwinge.«
Sach 9,14 Ja, der Herr zeigt seinem Volk seine ganze Macht: Er schießt seine
Pfeile ab wie Blitze, er bläst das Horn zum Angriff und jagt daher im Sturm aus
dem Süden.
Sach 9,15 Der Herr, der allmächtige Gott, beschützt die Israeliten. Die Steine
aus seiner Schleuder strecken die Feinde zu Boden. Sie sind mit Blut überströmt
wie die Ecken des Altars, über die das Opferblut ausgegossen wird.
Sach 9,16 An jenem Tag wird Gott, der Herr, sein Volk retten. Er sorgt für sie
wie ein Hirte für seine Herde. Wie funkelnde Edelsteine in einer Königskrone
schmücken sie sein Land!
Sach 9,17 Ja, Israel wird schön und einzigartig sein. Das Land bringt reiche
Ernten an Getreide und Wein, und die jungen Leute sind gesund und kräftig.
Sach 10,1 Bittet den Herrn, dass er es im Frühjahr regnen lässt! Denn er allein
kann die Wolken schicken. Dann wächst die Saat auf unseren Feldern, und wir
haben genug Brot zu essen.
Sach 10,2 Eure Hausgötzen aber können euch nicht helfen. Die Wahrsager haben
euch belogen. Ihre Träume waren nichts als Lug und Trug, ihre tröstenden Worte
nur Schall und Rauch. Weil eure Vorfahren ihr Vertrauen auf solche Menschen
setzten, mussten sie in die Verbannung ziehen. Sie waren schutzlos wie eine
Schafherde ohne Hirten.
Sach 10,3 So spricht der Herr: »Ich bin voller Zorn über die Hirten meines
Volkes. Auch die Leitböcke der Herde ziehe ich zur Rechenschaft. Ich, der
allmächtige Gott, wende mich wieder meiner Herde zu, dem Volk von Juda. Ich
mache es zu meinem prächtigen Kriegspferd, mit dem ich in den Kampf ziehe.
Sach 10,4 Aus Juda kommen die zukünftigen Führer meines Volkes; man nennt sie
›Eckstein‹, ›Zeltpflock‹ und ›Kriegsbogen‹.
Sach 10,5 Sie werden wie Helden kämpfen und die Feinde in den Kot der Straße
treten, denn ich bin auf ihrer Seite. Die feindlichen Reiter mit ihren Pferden
werden vernichtet!
Sach 10,6 Ja, ich mache Juda wieder mächtig, ich rette die Israeliten, die
Nachkommen Josefs. Ich habe Erbarmen mit ihnen und bringe sie wieder zurück in
ihre Heimat. Es wird dann so sein, als hätte ich sie nie verstoßen. Denn ich bin
der Herr, ihr Gott, ich erhöre ihre Gebete!
Sach 10,7 Auch die Männer von Ephraim werden kämpfen wie Helden. Sie werden
fröhlich sein, als hätten sie Wein getrunken. Auch ihre Kinder werden sich
freuen, wenn sie es sehen, und mich, den Herrn, preisen!
Sach 10,8 Ich sammle mein Volk, ich rufe sie alle zusammen und befreie sie aus
der Gefangenschaft. Sie sollen wieder so zahlreich werden wie früher.
Sach 10,9 Wie man Samen aussät, so habe ich sie unter die anderen Völker
zerstreut. Doch wenn sie sich in den fremden Ländern wieder an mich erinnern,
werden sie und ihre Kinder am Leben bleiben; ja, sie dürfen nach Israel
heimkehren.
Sach 10,10 Ich hole sie aus Ägypten und Assyrien zurück und bringe sie ins
Gebiet von Gilead und zum Libanon. Doch nicht einmal dort wird der Platz für sie
alle ausreichen.
Sach 10,11 Ich helfe den Heimkehrenden aus ihrer Not, die Wogen des Meeres
dränge ich zurück, und den Nil lasse ich austrocknen. Ich breche den Stolz
Assyriens und die Macht Ägyptens!
Sach 10,12 Aber mein Volk mache ich stark. Sie gehören zu mir, darum werden sie
leben! Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.«
Sach 11,1 Öffne deine Tore, Libanon, damit Feuer deine Zedern verzehrt!
Sach 11,2 Klagt, ihr Zypressen, denn die Zedern sind umgestürzt, die mächtigen
Bäume sind zerstört! Klagt, ihr Eichen vom Baschangebirge, denn der dichte,
undurchdringliche Wald ist dahin!
Sach 11,3 Hört, wie die Hirten klagen, weil ihre Herden vernichtet sind! Hört,
wie der Löwe brüllt, denn sein Versteck, das Dickicht am Jordan, gibt es nicht
mehr!
Sach 11,4 Der Herr, mein Gott, sagte zu mir: »Hüte die Schafe, die zum
Schlachten bestimmt sind!
Sach 11,5 Ihre Besitzer haben sie nur gekauft, um sie zu töten, und empfinden
nicht einmal Schuld; oder sie verkaufen sie und sagen: ›Gott sei Dank, jetzt
sind wir reich.‹ Selbst die Hirten haben kein Erbarmen mit der Herde.
Sach 11,6 Darum habe auch ich, der Herr, kein Erbarmen mehr mit den Bewohnern
dieses Landes. Ich liefere jeden Einzelnen der Willkür seiner Mitmenschen und
des Königs aus. Das ganze Land werden sie ins Unglück stürzen, und ich werde
ihnen nicht helfen!«
Sach 11,7 Da hütete ich die wehrlosen Schafe, die zum Schlachten bestimmt waren.
Ich nahm mir zwei Hirtenstäbe: Den einen nannte ich »Freundschaft«, den anderen
»Gemeinschaft«; damit hütete ich die Schafe.
Sach 11,8 Drei schlechte Hirten jagte ich noch im selben Monat davon. Doch die
Schafe wollten von mir nichts wissen, und ich verlor die Geduld mit ihnen.
Sach 11,9 Darum sagte ich: »Ich will euch nicht mehr weiden. Wer sterben will,
soll sterben; wer umkommen will, soll umkommen; und die Übrigen werden sich
gegenseitig auffressen.«
Sach 11,10 Ich nahm den Hirtenstab mit dem Namen »Freundschaft« und zerbrach
ihn. So hob ich das Bündnis auf, das ich zugunsten der Israeliten mit allen
Völkern ringsum geschlossen hatte.
Sach 11,11 Nun hatte es keine Geltung mehr. Die wehrlosen Schafe erkannten an
diesem Zeichen, dass ich im Auftrag des Herrn gehandelt hatte.
Sach 11,12 Und ich sagte zu den Herdenbesitzern: »Wenn es euch recht ist, gebt
mir jetzt meinen Lohn; wenn nicht, dann lasst es bleiben!« Sie zahlten mir
dreißig Silberstücke aus.
Sach 11,13 Da sagte der Herr zu mir: »Das ist also die stolze Summe, die ich
ihnen wert bin! Wirf das Geld dem Schmelzer vor die Füße!« Ich nahm die dreißig
Silberstücke und warf sie im Tempel dem Kunsthandwerker hin, damit er sie
einschmelzen sollte.
Sach 11,14 Dann zerbrach ich den zweiten Hirtenstab, den ich »Gemeinschaft«
genannt hatte, und hob so den Bund zwischen Juda und Israel auf.
Sach 11,15 Nun sprach der Herr zu mir: »Tritt noch einmal als Hirte auf, diesmal
aber als nichtsnutziger!
Sach 11,16 Denn einen solchen Hirten werde ich über mein Volk einsetzen: Er
sucht nicht nach den verirrten Schafen, ihr Blöken lässt ihn kalt. Die
verletzten pflegt er nicht, und er kümmert sich erst recht nicht um die
gesunden. Die fettesten Tiere schlachtet er für sich selbst; zuvor schneidet er
ihnen die Klauen auf, damit sie ihm nicht weglaufen können.
Sach 11,17 Wehe dem nichtsnutzigen Hirten, der die Schafe im Stich lässt! Der
rechte Arm soll ihm abgeschlagen, das rechte Auge ausgestochen werden! Ja, sein
Arm soll verkrüppelt sein und sein Auge erblindet!«
Sach 12,1 Dies ist die Botschaft des Herrn über Israel: So spricht der Herr, der
den Himmel ausgespannt hat wie ein Zelt, der die Erde auf ein festes Fundament
gegründet und den Geist des Menschen geschaffen hat:
Sach 12,2 »Ich mache Jerusalem für die Völker ringsum zu einer Schale voller
Wein: Wenn sie daraus trinken, werden sie taumeln wie Betrunkene. Sie wollen
Jerusalem und ganz Juda erobern.
Sach 12,3 Doch an jenem Tag wird Jerusalem für sie wie ein viel zu schwerer
Stein sein: Wer ihn hochhebt, verletzt sich dabei. Alle Völker der Erde werden
sich gegen Jerusalem verbünden,
Sach 12,4 doch an jenem Tag lasse ich ihre Pferde scheuen und die Reiter
wahnsinnig werden. Ja, die Pferde der Feinde schlage ich mit Blindheit. Ich
wache darüber, dass den Bewohnern von Juda kein Leid geschieht.
Sach 12,5 Ihre führenden Männer werden denken: ›Die Einwohner von Jerusalem sind
sehr stark, denn sie vertrauen dem Herrn, dem allmächtigen Gott.‹
Sach 12,6 An jenem Tag mache ich die Soldaten von Juda für ihre Feinde zum
Feuer, das trockenes Holz verbrennt und Stroh in Flammen aufgehen lässt. So
werden sie die feindlichen Völker ringsum vernichten. Jerusalem aber mit seinen
Einwohnern bleibt unversehrt.
Sach 12,7 Ich, der Herr, lasse zuerst die Männer von Juda siegen, denn die
Nachkommen Davids und die Einwohner Jerusalems sollen sich nicht über ihre
Landsleute erheben.
Sach 12,8 Doch dann werde ich auch den Menschen in Jerusalem beistehen und sie
vor den Feinden beschützen. Die Mutlosen werden kämpfen wie David, und die
Nachkommen Davids werden in meinem Auftrag das Volk führen, so wie der Engel des
Herrn, der vor den Israeliten herzog.
Sach 12,9 An jenem Tag vernichte ich alle Völker, die Jerusalem angreifen.«
Sach 12,10 »Ich werde die Nachkommen Davids und die Einwohner Jerusalems mit
meinem Geist erfüllen, und sie werden mich um Gnade anflehen. Voller Reue werden
sie auf den sehen, den sie durchbohrt haben, und die Totenklage für ihn halten,
so wie man um den einzigen Sohn trauert, ja, sie weinen um ihn wie um den
ältesten Sohn.
Sach 12,11 In Jerusalem wird man so laut klagen wie über Hadad-Rimmon in der
Ebene von Megiddo.
Sach 12,12 [12-14] Das ganze Land wird trauern, jede Sippe für sich, Männer und
Frauen getrennt: die Sippe David, die Sippe Nathan, die Sippe Levi, die Sippe
Schimi und alle übrigen Sippen im Land.«
Sach 13,1 Der Herr sagt: »An jenem Tag wird in Jerusalem eine Quelle
entspringen. Ihr Wasser wird die Nachkommen Davids und die Einwohner Jerusalems
von aller Schuld reinwaschen, die sie auf sich geladen haben.
Sach 13,2 Ich, der allmächtige Gott, vernichte dann alle Götzen im Land, ihre
Namen sollen in Vergessenheit geraten. Auch die falschen Propheten, die - von
einem fremden Geist besessen - in meinem Namen Lügen verbreiten, dulde ich in
diesem Land nicht mehr!
Sach 13,3 Und wenn sich doch noch jemand als Prophet ausgibt, werden sein Vater
und seine Mutter zu ihm sagen: ›Du hast dein Leben verwirkt! Deine Prophetie war
nichts als Lüge, und dabei hast du dich auch noch auf den Herrn berufen.‹ Ja,
seine eigenen Eltern werden ihn umbringen, weil er sich als Prophet ausgegeben
hat.
Sach 13,4 An jenem Tag werden die falschen Propheten sich hüten, den Menschen
von ihren Visionen zu erzählen. Keiner von ihnen zieht mehr einen Mantel aus
Ziegenhaar an, denn sie wollen nicht mehr als Propheten gelten.
Sach 13,5 Wird einer zur Rede gestellt, dann beteuert er: ›Ich bin kein Prophet,
ich bin ein Bauer. Von Jugend an habe ich nichts anderes gemacht.‹
Sach 13,6 Wenn jemand ihn fragt: ›Woher kommen dann die Striemen auf deiner
Brust?‹, wird er antworten: ›Ich habe mich mit meinen Freunden geprügelt.‹«
Sach 13,7 So spricht der Herr, der allmächtige Gott: »Schwert, schlag zu! Töte
den Hirten, den Mann, der mir nahe steht, damit die Schafe auseinander laufen!
Ja, das Schwert soll auch das Volk treffen:
Sach 13,8 Im ganzen Land werden zwei Drittel der Menschen umkommen, nur ein
Drittel bleibt übrig.
Sach 13,9 Doch auch dieser Rest muss die Feuerprobe bestehen. Ich werde die
Menschen läutern wie Silber im Ofen, wie Gold im Feuer. Sie werden zu mir um
Hilfe rufen, und ich werde sie erhören! Dann sage ich zu ihnen: ›Ihr seid mein
Volk!‹, und sie antworten: ›Du, Herr, bist unser Gott!‹«
Sach 14,1 Es kommt der Tag, an dem der Herr über Jerusalem Gericht hält. Dann
teilen eure Feinde mitten in der Stadt die Beute untereinander auf.
Sach 14,2 Ja, der Herr lässt alle Völker vereint gegen Jerusalem in den Krieg
ziehen. Sie werden die Stadt erobern, die Häuser plündern und die Frauen
vergewaltigen. Die Hälfte der Einwohner wird verschleppt; der Rest darf weiter
in der Stadt leben.
Sach 14,3 Doch dann wird der Herr selbst gegen diese Völker in den Kampf ziehen,
so wie er es schon früher getan hat.
Sach 14,4 Er wird auf dem Ölberg im Osten von Jerusalem stehen; dann spaltet
sich der Berg von Osten nach Westen, so dass zwischen seiner Nordhälfte und
seiner Südhälfte ein breites Tal entsteht.
Sach 14,5 In dieses Tal, das bis nach Azal reicht, werdet ihr fliehen, so wie
eure Vorfahren zur Zeit des judäischen Königs Usija vor dem Erdbeben geflohen
sind. Dann aber wird der Herr, mein Gott, in Jerusalem einziehen und alle seine
Engel mit ihm.
Sach 14,6 An jenem Tag gibt es weder Sonnenlicht noch Kälte oder Frost.
Sach 14,7 Dann ist es immer taghell, denn der Wechsel von Tag und Nacht hört
auf. Der Herr allein weiß, wann dies geschieht.
Sach 14,8 In Jerusalem wird eine Quelle mit frischem Wasser entspringen; es
fließt zur einen Hälfte ins Tote Meer, zur anderen ins Mittelmeer. Auch im
Sommer versiegt die Quelle nicht.
Sach 14,9 Der Herr wird König sein über die ganze Erde. Neben ihm wird es keinen
anderen Gott mehr geben; nur noch ihn werden die Menschen als Herrn anrufen.
Sach 14,10 Das ganze Land von Geba im Norden bis Rimmon südlich von Jerusalem
verwandelt sich in eine Ebene. Nur Jerusalem bleibt erhöht und überragt das
Land. Das Stadtgebiet erstreckt sich dann vom Benjamintor bis zum früheren
Ecktor und vom Hananelturm bis zu den königlichen Weinkeltern.
Sach 14,11 Die Einwohner werden in Sicherheit leben; nie mehr wird der Herr sie
bestrafen!
Sach 14,12 Aber die Völker, die gegen Jerusalem in den Kampf gezogen sind, wird
der Herr mit einer furchtbaren Krankheit schlagen: Bei lebendigem Leib wird das
Fleisch an ihrem Körper verfaulen; ihre Augen und Zungen werden verwesen.
Sach 14,13 An jenem Tag stiftet der Herr große Verwirrung unter den Feinden, so
dass einer über den anderen herfällt.
Sach 14,14 Männer aus ganz Juda werden helfen, Jerusalem zu verteidigen. Bei
ihren Nachbarvölkern machen sie reiche Beute: Gold, Silber und kostbare Kleider.
Sach 14,15 Im Lager der Feinde werden auch Pferde, Maultiere, Kamele, Esel und
alle anderen Tiere an der schrecklichen Seuche erkranken.
Sach 14,16 Dennoch werden von den Feinden, die gegen Jerusalem gekämpft haben,
einige überleben. Sie werden jedes Jahr nach Jerusalem ziehen, um dort das
Laubhüttenfest mitzufeiern und den allmächtigen Gott als ihren Herrn und König
anzubeten.
Sach 14,17 Wenn aber irgendein Volk nicht nach Jerusalem kommt und den Herrn
verehrt, wird auf sein Land kein Regen fallen.
Sach 14,18 [18/19] Dies gilt für die Ägypter wie für alle übrigen Völker: Sie
alle wird Gottes Strafgericht treffen, wenn sie das Laubhüttenfest in Jerusalem
nicht mitfeiern.
Sach 14,20 An jenem Tag wird auf den Schellen am Zaumzeug der Pferde eingeritzt
sein: »Dem Herrn geweiht.« Die Kochtöpfe im Tempel werden dann genauso heilig
sein wie die Opferschalen, die am Altar verwendet werden.
Sach 14,21 Ja, jeder Kochtopf in Jerusalem und in ganz Juda ist dann dem Herrn,
dem allmächtigen Gott, geweiht: Die Menschen, die zum Tempel kommen, können in
diesen Töpfen das Opferfleisch zubereiten. An jenem Tag wird es keine Händler
mehr geben am Tempel des Herrn, des allmächtigen Gottes!
Mal 1,1 Dies ist die Botschaft des Herrn, die er Israel durch Maleachi verkünden
ließ:
Mal 1,2 »Ich habe euch immer geliebt«, sagt der Herr zu euch, doch ihr erwidert:
»Woran hätten wir denn deine Liebe zu uns erkennen können?« Darauf antwortet der
Herr: »Waren nicht Esau und Jakob Brüder? Trotzdem habe ich nur Jakob geliebt,
Mal 1,3 aber Esau gehasst. Das Bergland von Edom, die Heimat der Nachkommen
Esaus, machte ich zur Wüste, und jetzt hausen die Schakale dort.
Mal 1,4 Wenn die Edomiter sagen: ›Unsere Städte liegen in Trümmern, aber wir
bauen sie wieder auf‹, dann entgegne ich, der Herr, der allmächtige Gott: ›Baut
nur - ich werde alles wieder einreißen!‹ Ja, man wird ihr Gebiet ›Land der
Gesetzlosen‹ nennen und sie selbst ›Volk, auf dem für alle Zeiten Gottes Fluch
lastet‹.
Mal 1,5 Ihr Israeliten werdet dies miterleben und dann sagen: ›Der Herr zeigt
seine Macht weit über Israels Grenzen hinaus!‹«
Mal 1,6 Ihr Priester, der Herr, der allmächtige Gott, klagt euch an: »Ein Sohn
ehrt seinen Vater und ein Diener seinen Herrn. Ihr nennt mich euren Vater, doch
wo bleibt die Ehre, die mir zusteht? Ihr nennt mich euren Herrn, doch ich finde
keine Ehrfurcht bei euch. Ihr habt keine Achtung vor mir, und da fragt ihr auch
noch: ›Wie kommst du darauf, dass wir dich nicht achten?‹
Mal 1,7 Auf meinem Altar bringt ihr Opfergaben dar, die ich für unrein erklärt
habe. Und wieder fragt ihr: ›Wieso waren unsere Gaben unrein?‹ Ihr meint, am
Altar braucht ihr es nicht so genau zu nehmen.
Mal 1,8 Wenn ihr mir als Opfer ein blindes Tier darbringt, denkt ihr: ›Das ist
nicht so schlimm!‹ Und wenn es ein lahmes oder krankes ist, meint ihr: ›Das
macht nichts!‹ Bietet ein solches Tier doch einmal eurem Statthalter an! Ich,
der allmächtige Gott, frage euch: Glaubt ihr wirklich, er würde zufrieden mit
euch sein und die Gabe freundlich annehmen?
Mal 1,9 Aber mich, euren Gott, wollt ihr mit solchen Opfern besänftigen und
gnädig stimmen! Ihr meint doch nicht im Ernst, ich würde euch deswegen wieder
annehmen?
Mal 1,10 Wenn doch nur einer von euch die Tempeltore zuschließen würde! Dann
könntet ihr nicht mehr hineingehen und auf meinem Altar Opfer darbringen, die
ich nicht annehme. Ich habe genug von euch, und auf eure Gaben verzichte ich!
Das sage ich, der allmächtige Gott.
Mal 1,11 Auf der ganzen Welt werde ich verehrt, an allen Orten bringen mir die
Menschen Opfergaben dar, die mir gefallen, und lassen den Rauch zu mir
aufsteigen. Ja, alle Völker ehren mich, den allmächtigen Gott.
Mal 1,12 Nur ihr zieht meinen Namen in den Schmutz, denn ihr sagt: ›Beim Altar
des Herrn müssen wir es nicht so genau nehmen. Was wir dort opfern, muss nicht
das Beste sein.‹
Mal 1,13 Und dann jammert ihr auch noch über euren Dienst im Tempel, nur
widerwillig facht ihr die Glut auf dem Altar an! Lahme und kranke, ja, sogar
gestohlene Tiere bringt ihr als Opfer herbei. Soll ich, der Herr, mich etwa
darüber auch noch freuen?
Mal 1,14 Mein Fluch trifft jeden Betrüger, der mir ein fehlerhaftes Tier opfert,
obwohl er mir ein makelloses, männliches aus seiner Herde versprochen hat. Denn
ich bin ein großer König, ich bin der Herr, der allmächtige Gott, und alle
Völker haben Ehrfurcht vor mir!
Mal 2,1 Ich warne euch, ihr Priester:
Mal 2,2 Nehmt euch meine Worte zu Herzen, und ehrt mich! Sonst wird euch mein
Fluch treffen. Ja, ich verfluche die Gaben, mit denen ich euch gesegnet habe.
Aber ihr lasst euch ja nicht warnen; deshalb habe ich, der allmächtige Gott,
euch schon bestraft.
Mal 2,3 Auch eure Nachkommen ziehe ich zur Rechenschaft. Ich schleudere euch den
Kot eurer Opfertiere ins Gesicht, und dann wird man euch selbst auf den
Misthaufen werfen.
Mal 2,4 So werdet ihr erkennen, dass ich, der allmächtige Gott, euch zu Recht
gewarnt habe. Denn mein Bund mit dem Stamm Levi soll weiter gelten.
Mal 2,5 Ich versprach ihnen Leben und Wohlergehen und hielt mich an meine
Zusage. Damals achteten mich die Leviten und hatten große Ehrfurcht vor mir.
Mal 2,6 Dem Volk gaben sie meine Weisungen unverfälscht weiter. Was sie sagten,
entsprach immer dem Recht und der Wahrheit. Sie waren aufrichtig und lebten so,
wie es mir gefällt, und vielen halfen sie, von ihren falschen Wegen umzukehren.
Mal 2,7 Ein Priester soll den Israeliten zeigen, wie man mich, den Herrn,
erkennt. Er soll ihnen meine Weisungen weitergeben, denn ich, der allmächtige
Gott, habe ihn zu meinem Boten ernannt.
Mal 2,8 Ihr aber seid vom richtigen Weg abgewichen, eure falschen Weisungen
haben viele Menschen zu Fall gebracht. So habt ihr den Bund gebrochen, den ich,
der allmächtige Gott, mit den Nachkommen Levis geschlossen habe.
Mal 2,9 Ihr gebt den Leuten meine Weisungen nicht weiter, sondern redet ihnen
nach dem Mund. Darum will ich euch vor dem ganzen Volk erniedrigen, ja, alle
werden euch verachten!«
Mal 2,10 Haben wir Israeliten nicht alle denselben Vater? Hat nicht der eine
Gott uns alle geschaffen? Warum handeln wir dann so treulos aneinander und
brechen den Bund, den der Herr mit unseren Vorfahren geschlossen hat?
Mal 2,11 Ja, das Volk von Juda hat dem Herrn die Treue gebrochen. In Jerusalem
und im ganzen Land haben Männer etwas Abscheuliches getan: Sie haben Gottes
geliebtes Heiligtum entweiht und Frauen aus fremden Völkern geheiratet, die
andere Götter anbeten.
Mal 2,12 Der Herr wird diese Männer mitsamt ihren Familien aus der Gemeinschaft
seines Volkes ausschließen, auch wenn sie ihn, den allmächtigen Gott, mit
Opfergaben gnädig stimmen wollen.
Mal 2,13 Noch etwas wirft der Herr euch vor: Ihr weint und stöhnt, ihr tränkt
den Altar des Herrn mit Tränen, weil der Herr von euren Opfern nichts mehr
wissen will und sie nicht annimmt.
Mal 2,14 Ihr fragt nach dem Grund? Die Antwort lautet: Der Herr hat genau
gesehen, wie ihr Männer eure Frauen verstoßen habt, mit denen ihr seit eurer
Jugend verheiratet wart. Ihr habt ihnen die Treue gebrochen, obwohl sie immer an
eurer Seite waren und zu eurem Volk gehören, mit dem der Herr einen Bund
geschlossen hat.
Mal 2,15 Hat der Herr euch nicht zu einem Leib und einem Geist vereint? Und
warum hat er das getan? Er wollte, dass eure Nachkommen zu seinem Volk gehören.
Darum nehmt euch in Acht, und haltet euch an den Treueeid, den ihr einst euren
Frauen geschworen habt.
Mal 2,16 Denn der Herr, der allmächtige Gott Israels, sagt: »Ich hasse
Ehescheidung. Ich verabscheue es, wenn ein Mann seiner Frau so etwas antut.
Darum nehmt euch in Acht, und brecht euren Frauen nicht die Treue!«
Mal 2,17 Euer Gerede wird dem Herrn lästig. »Was für ein Gerede?«, fragt ihr.
Nun, ihr behauptet: »Wer Unrecht tut, gefällt dem Herrn; ihn nimmt er an!« Oder
ihr fragt: »Wo bleibt denn Gott? Warum greift er nicht ein und sorgt für Recht?«
Mal 3,1 Der Herr, der allmächtige Gott, antwortet: »Ich schicke meinen Boten
voraus, der mein Kommen ankündigt und die Menschen darauf vorbereitet. Noch
wartet ihr auf mich, den Herrn, ihr wünscht euch meinen Boten herbei, der meinen
Bund mit euch bestätigt. Er ist schon unterwegs! Ganz plötzlich werde ich, der
Herr, in meinen Tempel einziehen.
Mal 3,2 Doch wer kann mein Kommen ertragen? Wer kann vor mir bestehen? Ich werde
für euch wie Feuer im Schmelzofen sein und wie scharfe Lauge im Waschtrog.
Mal 3,3 So wie man Gold und Silber schmilzt, um es zu läutern, so werde ich die
Nachkommen Levis von ihrer Schuld reinigen. Dann werden sie mir wieder Opfer
darbringen, die mir gefallen.
Mal 3,4 Ja, so wie früher, wie in längst vergangenen Zeiten, werde ich mich
wieder über die Opfer freuen, die mir die Menschen in Juda und Jerusalem
darbringen.
Mal 3,5 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sage: Ich werde über euch Gericht
halten und als Zeuge auftreten gegen die Zauberer und Ehebrecher, gegen alle,
die Meineide schwören, die ihre Arbeiter um den gerechten Lohn bringen, die
Witwen, Waisen und Ausländer unterdrücken, ja, gegen alle, die keine Ehrfurcht
vor mir haben.«
Mal 3,6 »Ich, der Herr, habe mich nicht geändert. Ihr aber habt euch auch nicht
geändert, ihr seid genau wie euer Stammvater Jakob
Mal 3,7 und alle eure Vorfahren: Ihr missachtet meine Weisungen, sie sind euch
gleichgültig. Kehrt um zu mir! Dann werde auch ich mich euch wieder zuwenden!
Das verspreche ich, der Herr, der allmächtige Gott. Ihr aber fragt: ›Warum
sollen wir umkehren, was haben wir denn getan?‹ Ich antworte euch:
Mal 3,8 Findet ihr es etwa richtig, wenn ein Mensch Gott betrügt? Ihr betrügt
mich doch die ganze Zeit! Ihr entgegnet: ›Womit haben wir dich denn betrogen?‹
Ihr habt mir den zehnten Teil eurer Ernte nicht gegeben, und ihr habt den
Priestern ihren Anteil an den Opfergaben verweigert.
Mal 3,9 Das ganze Volk betrügt mich, deshalb habe ich euch verflucht.
Mal 3,10 Ich, der allmächtige Gott, fordere euch nun auf: Bringt den zehnten
Teil eurer Ernte in vollem Umfang zu meinem Tempel, damit in den Vorratsräumen
kein Mangel herrscht! Stellt mich doch auf die Probe, und seht, ob ich meine
Zusage halte! Denn ich verspreche euch, dass ich dann die Schleusen des Himmels
wieder öffne und euch mit allem überreich beschenke.
Mal 3,11 Ich lasse keine Heuschreckenschwärme mehr eure Felder und Weinberge
kahl fressen und euch die Ernte verderben.
Mal 3,12 Dann werden alle Völker euch glücklich preisen, weil ihr in einem so
herrlichen Land lebt! Darauf gebe ich, der Herr, der allmächtige Gott, mein
Wort!«
Mal 3,13 »Ihr Israeliten redet überheblich und anmaßend über mich, den Herrn.
Doch ihr fragt: ›Was sagen wir denn über dich?‹
Mal 3,14 Ihr behauptet: ›Es bringt nichts, Gott zu dienen. Was haben wir davon,
wenn wir uns nach seinen Weisungen richten und ihm zeigen, dass wir unsere Taten
bereuen?
Mal 3,15 Wie gut haben es die Menschen, die sich gegen den Herrn auflehnen! Seit
sie ihm den Rücken gekehrt haben, geht es ihnen viel besser. Sie kommen
ungestraft davon, obwohl sie Gott frech die Stirn bieten!‹«
Mal 3,16 Dann aber redeten diejenigen miteinander, die noch Ehrfurcht vor dem
Herrn hatten, und der Herr hörte ihnen zu. In einem Buch ließ er die Namen aller
aufschreiben, die ihn achten und seinen Namen nicht in den Schmutz ziehen.
Mal 3,17 Der Herr, der allmächtige Gott, sagt: »An dem Tag, wenn ich mein Urteil
spreche, werden diese Menschen zu mir gehören. Ich will sie verschonen, so wie
ein Vater seinen Sohn verschont, der zu ihm gehalten hat.
Mal 3,18 Dann werdet ihr den Unterschied sehen zwischen einem Menschen, der mir
die Treue hält, und einem Gottlosen; ihr werdet erkennen, welche Folgen es hat,
ob jemand mir dient oder nicht.
Mal 3,19 Ja, es kommt der Tag, an dem mein Zorn wie ein Feuer im Ofen sein wird
und alle wie Stroh verbrennt, die sich frech gegen mich auflehnen. Nichts bleibt
dann mehr von ihnen übrig! Darauf gebe ich, der Herr, der allmächtige Gott, mein
Wort!
Mal 3,20 Für euch aber, die ihr mir die Treue gehalten habt, wird an jenem Tag
die Rettung kommen, wie am Morgen die Sonne aufgeht. Ihr werdet endlich Hilfe
finden und vor Freude springen wie Kälber, die aus dem Stall hinaus auf die
Weide dürfen!
Mal 3,21 An dem Tag, wenn ich Gericht halte, werdet ihr die Gottlosen zertreten
wie Staub unter euren Füßen! Das verspreche ich, der Herr, der allmächtige Gott.
Mal 3,22 Denkt immer an das Gesetz meines Dieners Mose! Richtet euch nach den
Weisungen und Ordnungen, die ich ihm am Berg Horeb für das Volk Israel gab!
Mal 3,23 Noch bevor der große und schreckliche Tag kommt, an dem ich mein Urteil
vollstrecke, sende ich den Propheten Elia zu euch.
Mal 3,24 Er wird Eltern und Kinder wieder miteinander versöhnen, damit ich nicht
das ganze Volk vernichten muss, wenn ich komme.«
Mt 1,1 Dieses Buch berichtet die Geschichte von Jesus Christus. Er ist Davids
und Abrahams Nachkomme.
Mt 1,2 Abraham war der Vater Isaaks. Von Isaak stammten in direkter Linie ab:
Jakob (der Vater von Juda und seinen Brüdern) -
Mt 1,3 Juda - Perez (Perez und Serach waren die Söhne Tamars) - Hezron -
Mt 1,4 Ram - Amminadab - Nachschon -
Mt 1,5 Salmon - Boas (Sohn der Rahab) - Obed (Sohn der Ruth) - Isai -
Mt 1,6 König David - Salomo (seine Mutter war Urias Frau) -
Mt 1,7 Rehabeam - Abija - Asa -
Mt 1,8 Joschafat - Joram - Usija -
Mt 1,9 Jotam - Ahas - Hiskia -
Mt 1,10 Manasse - Amon - Josia -
Mt 1,11 Jojachin und seine Brüder (geboren zur Zeit der babylonischen
Gefangenschaft) -
Mt 1,12 Schealtiël (geboren nach der babylonischen Gefangenschaft) - Serubbabel
-
Mt 1,13 Abihud - Eljakim - Asor -
Mt 1,14 Zadok - Achim - Eliud -
Mt 1,15 Eleasar - Mattan - Jakob.
Mt 1,16 Jakob war der Vater Josefs. Josef war der Mann Marias. Sie brachte Jesus
zur Welt, der Christus genannt wird.
Mt 1,17 Von Abraham bis zu König David sind es also vierzehn Generationen. Auch
von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind es vierzehn Generationen,
und von dieser Zeit bis zu Christus noch einmal vierzehn.
Mt 1,18 Und so wurde Jesus Christus geboren: Seine Mutter Maria war mit Josef
verlobt. Noch vor der Ehe erwartete Maria - durch den Heiligen Geist - ein Kind.
Mt 1,19 Josef wollte nach Gottes Geboten handeln, aber auch Maria nicht
öffentlich bloßstellen. So überlegte er, die Verlobung stillschweigend
aufzulösen.
Mt 1,20 Noch während er nachdachte, erschien ihm im Traum ein Engel Gottes und
sagte: »Josef, du Nachkomme Davids, zögere nicht, Maria zu heiraten! Denn das
Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Mt 1,21 Sie wird einen Sohn bekommen, den sollst du Jesus nennen. Denn er wird
die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien.«
Mt 1,22 Dies alles geschah, damit sich erfüllte, was der Herr durch seinen
Propheten vorhergesagt hatte:
Mt 1,23 »Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Den wird
man Immanuel nennen.« Das bedeutet: »Gott ist mit uns!«
Mt 1,24 Als Josef erwachte, tat er, was ihm der Engel befohlen hatte, und
heiratete Maria.
Mt 1,25 Er schlief aber nicht mit ihr bis zur Geburt ihres Sohnes. Josef gab ihm
den Namen Jesus.
Mt 2,1 Jesus wurde in Bethlehem geboren, einer kleinen Stadt in Judäa. Herodes
war damals König. Einige Sterndeuter kamen aus dem Orient nach Jerusalem und
erkundigten sich:
Mt 2,2 »Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen
sehen und sind aus dem Osten hierher gekommen, um ihm die Ehre zu erweisen.«
Mt 2,3 Als König Herodes das hörte, war er bestürzt und mit ihm alle Einwohner
Jerusalems.
Mt 2,4 Er rief die Hohenpriester und Schriftgelehrten zusammen und fragte sie:
»Wo soll dieser versprochene Retter geboren werden?«
Mt 2,5 Sie antworteten: »In Bethlehem, im Land Judäa. So heißt es schon im Buch
des Propheten:
Mt 2,6 ›Bethlehem, du bist keineswegs die unbedeutendste Stadt im Land Judäa.
Denn aus dir kommt der Herrscher, der mein Volk Israel führen wird.‹«
Mt 2,7 Da rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und fragte sie, wann sie
zum ersten Mal den Stern gesehen hätten. Anschließend schickte er sie nach
Bethlehem und bat sie:
Mt 2,8 »Sucht nach dem Kind, und gebt mir Nachricht, wenn ihr es gefunden habt.
Ich will dann auch hingehen und ihm Ehre erweisen.«
Mt 2,9 Nach diesem Gespräch gingen die Sterndeuter nach Bethlehem. Der Stern,
den sie im Osten gesehen hatten, führte sie. Er blieb über dem Haus stehen, in
dem das Kind war.
Mt 2,10 Da kannte ihre Freude keine Grenzen.
Mt 2,11 Sie gingen in das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden,
knieten vor ihm nieder und ehrten es wie einen König. Dann packten sie ihre
Schätze aus und beschenkten das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Mt 2,12 Im Traum befahl ihnen Gott, nicht mehr zu Herodes zurückzugehen. Deshalb
wählten sie für ihre Heimreise einen anderen Weg.
Mt 2,13 Nachdem die Sterndeuter fortgezogen waren, erschien ein Engel Gottes
Josef im Traum und befahl ihm: »Steh schnell auf, und flieh mit dem Kind und
seiner Mutter nach Ägypten! Bleibt so lange dort, bis ich euch zurückrufe, denn
Herodes sucht das Kind und will es umbringen.«
Mt 2,14 Da brach Josef noch in der Nacht mit Maria und dem Kind nach Ägypten
auf.
Mt 2,15 Dort blieben sie bis zum Tod von Herodes. So erfüllte sich, was der Herr
durch seinen Propheten angekündigt hatte: »Ich habe meinen Sohn aus Ägypten
gerufen.«
Mt 2,16 Herodes war außer sich vor Zorn, als er merkte, dass ihn die Sterndeuter
hintergangen hatten. Er ließ alle Jungen unter zwei Jahren in Bethlehem und
Umgebung umbringen. Denn nach den Angaben der Sterndeuter musste das Kind in
diesem Alter sein.
Mt 2,17 So erfüllte sich die Vorhersage des Propheten Jeremia:
Mt 2,18 »Schreie der Angst hört man in der Stadt Rama, das Klagen nimmt kein
Ende. Rahel weint um ihre Kinder, sie will sich nicht trösten lassen, denn ihre
Kinder wurden ihr genommen.«
Mt 2,19 Als Herodes gestorben war, erschien Josef wieder ein Engel Gottes im
Traum und sagte zu ihm:
Mt 2,20 »Steh auf und kehre mit dem Kind und seiner Mutter heim ins Land Israel!
Die Leute, die das Kind töten wollten, sind gestorben.«
Mt 2,21 Da ging Josef mit Maria und dem Kind nach Israel zurück.
Mt 2,22 Als er aber erfuhr, dass Archelaus, der Sohn des Herodes, König von
Judäa geworden war, bekam er Angst. Gott gab ihm im Traum die Anweisung, in die
Provinz Galiläa zu ziehen.
Mt 2,23 So kamen sie in die Stadt Nazareth und ließen sich dort nieder. Dadurch
erfüllte sich, was die Propheten über Christus vorhergesagt hatten: »Man wird
ihn den Nazarener nennen.«
Mt 3,1 In dieser Zeit fing Johannes der Täufer an, in der judäischen Wüste zu
predigen.
Mt 3,2 Er rief: »Kehrt um zu Gott! Denn jetzt beginnt seine neue Welt.«
Mt 3,3 Der Prophet Jesaja hatte die Aufgabe des Johannes so beschrieben: »Ein
Bote wird in der Wüste rufen: ›Macht den Weg frei für den Herrn! Räumt alle
Hindernisse weg!‹«
Mt 3,4 Johannes trug ein aus Kamelhaar gewebtes Gewand, das von einem
Lederriemen zusammengehalten wurde. Er ernährte sich von Heuschrecken und wildem
Honig.
Mt 3,5 Viele Menschen aus Jerusalem, aus dem Jordantal und aus der ganzen
Provinz Judäa kamen zu ihm.
Mt 3,6 Sie bekannten ihre Sünden und ließen sich von ihm im Jordan taufen.
Mt 3,7 Als er aber sah, dass auch viele Pharisäer und Sadduzäer kamen, um sich
taufen zu lassen, wies er sie ab: »Ihr Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet,
dass ihr dem kommenden Gericht Gottes entrinnen werdet?
Mt 3,8 Zeigt erst einmal durch Taten, dass ihr wirklich zu Gott umkehren wollt!
Mt 3,9 Bildet euch nur nicht ein, ihr könntet euch damit herausreden: ›Abraham
ist unser Vater!‹ Ich sage euch: Gott kann selbst aus diesen Steinen hier
Nachkommen Abrahams hervorbringen.
Mt 3,10 Schon ist die Axt erhoben, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen.
Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer
geworfen.
Mt 3,11 Wer umkehrt zu Gott, den taufe ich mit Wasser. Aber nach mir wird einer
kommen, der viel mächtiger ist als ich. Ich bin nicht einmal würdig, ihm die
Schuhe nachzutragen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Mt 3,12 Schon hat er die Schaufel in seiner Hand, mit der er die Spreu vom
Weizen trennt. Den Weizen wird er in seine Scheunen bringen, die Spreu aber wird
er verbrennen, und niemand kann dieses Feuer löschen.«
Mt 3,13 Auch Jesus kam aus seiner Heimat in Galiläa an den Jordan, um sich von
Johannes taufen zu lassen.
Mt 3,14 Aber Johannes versuchte, ihn davon abzubringen: »Ich müsste eigentlich
von dir getauft werden, und du kommst zu mir?«
Mt 3,15 Jesus erwiderte: »Lass es so geschehen, denn wir müssen alles tun, was
Gott will.« Da gab Johannes nach.
Mt 3,16 Gleich nach der Taufe stieg Jesus wieder aus dem Wasser. Der Himmel
öffnete sich über ihm, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich
herabkommen.
Mt 3,17 Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: »Dies ist mein geliebter
Sohn, der meine ganze Freude ist.«
Mt 4,1 Danach wurde Jesus vom Geist Gottes in die Wüste geführt, wo er den
Versuchungen des Teufels ausgesetzt sein sollte.
Mt 4,2 Vierzig Tage und Nächte lang aß er nichts. Der Hunger quälte ihn.
Mt 4,3 Da kam der Teufel und stellte ihn auf die Probe. Er forderte ihn heraus:
»Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot!«
Mt 4,4 Aber Jesus wehrte ab: »Nein, denn es steht in der Heiligen Schrift: ›Der
Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was Gott ihm zusagt!‹«
Mt 4,5 Da nahm ihn der Teufel mit nach Jerusalem und stellte ihn auf die höchste
Stelle des Tempels.
Mt 4,6 »Spring hinunter!«, forderte er Jesus auf. »Du bist doch Gottes Sohn! Und
in der Heiligen Schrift steht: ›Gott wird seine Engel schicken. Sie werden dich
auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen!‹«
Mt 4,7 Jesus entgegnete ihm: »Es steht aber auch in der Schrift: ›Du sollst
Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern!‹«
Mt 4,8 Nun führte ihn der Teufel auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche
der Welt mit ihrer ganzen Pracht.
Mt 4,9 »Das alles gebe ich dir, wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest«,
sagte er.
Mt 4,10 Aber Jesus wies ihn ab: »Weg mit dir, Satan, denn es steht in der
Heiligen Schrift: ›Bete allein Gott, deinen Herrn, an und diene nur ihm!‹«
Mt 4,11 Da verschwand der Teufel, und die Engel Gottes kamen und sorgten für
Jesus.
Mt 4,12 Als Jesus hörte, dass man Johannes den Täufer verhaftet hatte, zog er
sich nach Galiläa zurück.
Mt 4,13 Er verließ Nazareth und wohnte in Kapernaum am See Genezareth, im Gebiet
von Sebulon und Naftali.
Mt 4,14 Das geschah, damit sich erfüllte, was Gott durch den Propheten Jesaja
gesagt hatte:
Mt 4,15 »Du Land Sebulon und Naftali, Land am See und jenseits des Jordan, du
gottloses Galiläa, höre zu!
Mt 4,16 Das Volk, das in der Finsternis wohnt, sieht ein großes Licht. Hell
strahlt es auf über denen, die im Schatten des Todes leben und ohne Hoffnung
sind.«
Mt 4,17 Von da an begann Jesus zu predigen: »Kehrt um zu Gott! Denn jetzt
beginnt seine neue Welt!«
Mt 4,18 Als Jesus am See Genezareth entlangging, sah er zwei Brüder: Simon, der
später Petrus genannt wurde, und seinen Bruder Andreas. Sie waren Fischer und
warfen gerade ihre Netze aus.
Mt 4,19 Da forderte Jesus sie auf: »Kommt mit mir! Ich will euch zeigen, wie ihr
Menschen für Gott gewinnen könnt.«
Mt 4,20 Sofort ließen die beiden Männer ihre Netze liegen und gingen mit ihm.
Mt 4,21 Nicht weit davon entfernt begegnete Jesus am Strand zwei anderen
Fischern, den Brüdern Jakobus und Johannes. Sie saßen mit ihrem Vater Zebedäus
im Boot und flickten Netze. Auch sie forderte Jesus auf, mit ihm zu gehen.
Mt 4,22 Da verließen sie das Boot und ihren Vater und gingen mit Jesus.
Mt 4,23 Jesus wanderte durch das Land Galiläa, predigte in den Synagogen und
verkündete überall die rettende Botschaft, dass Gottes neue Welt nun begonnen
hatte. Er heilte alle Arten von Krankheiten und Leiden.
Mt 4,24 Bald wurde überall von ihm gesprochen, selbst in Syrien. Man brachte
viele Kranke zu ihm, die große Qualen litten: Besessene, Menschen, die Anfälle
bekamen, und Gelähmte. Jesus heilte sie alle.
Mt 4,25 Eine große Menschenmenge folgte ihm, wohin er auch ging. Leute aus
Galiläa, aus dem Gebiet der Zehn Städte, aus Jerusalem und dem ganzen Gebiet von
Judäa liefen ihm nach. Selbst von der anderen Seite des Jordan kamen sie.
Mt 5,1 Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich,
und seine Jünger traten zu ihm.
Mt 5,2 Da begann er, sie zu unterweisen:
Mt 5,3 »Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen
gehört die neue Welt Gottes.
Mt 5,4 Glücklich sind die Trauernden, denn sie werden Trost finden.
Mt 5,5 Glücklich sind die Friedfertigen, denn sie werden die ganze Erde
besitzen.
Mt 5,6 Glücklich sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie
sollen satt werden.
Mt 5,7 Glücklich sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.
Mt 5,8 Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.
Mt 5,9 Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder
nennen.
Mt 5,10 Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben.
Denn ihnen gehört Gottes neue Welt.
Mt 5,11 Glücklich könnt ihr sein, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet
werdet, weil ihr mir nachfolgt.
Mt 5,12 Ja, freut euch und jubelt, denn im Himmel werdet ihr dafür reich belohnt
werden! Genauso haben sie die Propheten früher auch verfolgt.«
Mt 5,13 »Ihr seid für die Welt wie Salz. Wenn das Salz aber fade geworden ist,
wodurch soll es seine Würzkraft wiedergewinnen? Es ist nutzlos geworden, man
schüttet es weg, und die Leute treten darauf herum.
Mt 5,14 Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt. Eine Stadt, die hoch auf dem
Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
Mt 5,15 Man zündet ja auch keine Öllampe an und stellt sie unter einen Eimer. Im
Gegenteil: Man stellt sie so auf, dass sie allen im Haus Licht gibt.
Mt 5,16 Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Sie werden eure
guten Taten sehen und euren Vater im Himmel dafür loben.«
Mt 5,17 »Meint nur nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Worte der
Propheten aufzuheben. Ich werde vielmehr beides bekräftigen und erfüllen.
Mt 5,18 Denn das sage ich euch: Auch der kleinste Buchstabe im Gesetz Gottes
behält seine Gültigkeit, solange Himmel und Erde bestehen.
Mt 5,19 Wenn jemand auch nur das geringste Gebot Gottes für ungültig erklärt
oder andere dazu verleitet, der wird in Gottes neuer Welt nichts bedeuten. Wer
aber anderen Gottes Gebote weitersagt und sich selbst danach richtet, der wird
in Gottes neuer Welt großes Ansehen haben.
Mt 5,20 Ich warne euch: Wenn ihr das Gesetz Gottes nicht besser erfüllt als die
Pharisäer und Schriftgelehrten, kommt ihr nicht in Gottes neue Welt.«
Mt 5,21 »Wie ihr wisst, wurde unseren Vorfahren gesagt: ›Du sollst nicht töten!
Wer aber einen Mord begeht, muss vor ein Gericht.‹
Mt 5,22 Doch ich sage euch: Schon wer auf seinen Bruder zornig ist, den erwartet
das Gericht. Wer zu seinem Bruder sagt: ›Du Idiot!‹, der wird vom Obersten
Gericht verurteilt werden, und wer ihn verflucht, dem ist das Feuer der Hölle
sicher.
Mt 5,23 Wenn du eine Opfergabe zum Altar bringst und dir fällt plötzlich ein,
dass dein Bruder dir etwas vorzuwerfen hat,
Mt 5,24 dann lass dein Opfer am Altar zurück, geh zu deinem Bruder und versöhne
dich mit ihm. Erst danach bring Gott dein Opfer dar.
Mt 5,25 Setz alles daran, dich noch auf dem Weg zum Gericht mit deinem Gegner zu
einigen. Sonst wird der Richter dich verurteilen, und der Gerichtsdiener wird
dich ins Gefängnis stecken.
Mt 5,26 Und ich sage dir: Von dort wirst du nicht eher wieder herauskommen, bis
du auch den letzten Rest deiner Schuld bezahlt hast.«
Mt 5,27 »Ihr wisst, dass es im Gesetz heißt: ›Du sollst nicht die Ehe brechen!‹
Mt 5,28 Ich sage euch aber: Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken
ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen.
Mt 5,29 Wenn dich also dein rechtes Auge zur Sünde verführt, dann reiß es heraus
und wirf es weg! Besser, du verlierst eins deiner Glieder, als dass du
unversehrt in die Hölle geworfen wirst.
Mt 5,30 Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, so hack sie ab und
wirf sie weg! Es ist besser, verstümmelt zu sein, als unversehrt in die Hölle
geworfen zu werden.«
Mt 5,31 »Bisher hieß es: ›Wer sich von seiner Frau trennen will, soll ihr eine
Scheidungsurkunde geben.‹
Mt 5,32 Ich sage euch aber: Wer sich von seiner Frau trennt, obwohl sie ihn
nicht betrogen hat, der treibt sie zum Ehebruch. Und wer eine geschiedene Frau
heiratet, der begeht Ehebruch.«
Mt 5,33 »Ihr kennt auch diese Anweisung des Gesetzes: ›Du sollst keinen Meineid
schwören und alles halten, was du vor Gott versprochen hast.‹
Mt 5,34 Ich sage euch aber: Schwört überhaupt nicht! Schwört weder beim Himmel -
denn er ist Gottes Thron -
Mt 5,35 noch bei der Erde - denn sie ist der Schemel, auf dem seine Füße ruhen.
Beruft euch auch nicht auf Jerusalem, denn sie ist die Stadt Gottes.
Mt 5,36 Verbürge dich auch nicht mit deinem Kopf für etwas, denn du kannst ja
nicht einmal ein einziges Haar weiß oder schwarz wachsen lassen.
Mt 5,37 Sag einfach ›Ja‹ oder ›Nein‹. Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, dass
du dich vom Bösen bestimmen lässt.«
Mt 5,38 »Es heißt auch: ›Auge um Auge, Zahn um Zahn!‹
Mt 5,39 Ich sage euch aber: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut!
Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin!
Mt 5,40 Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so
gib ihm auch noch den Mantel!
Mt 5,41 Und wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh
zwei Meilen mit ihm!
Mt 5,42 Gib jedem, der dich um etwas bittet, und weise keinen ab, der etwas von
dir leihen will.
Mt 5,43 Es heißt bei euch: ›Liebt eure Freunde und hasst eure Feinde!‹
Mt 5,44 Ich sage aber: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen!
Mt 5,45 So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt
seine Sonne für Böse wie für Gute scheinen, und er lässt es regnen für Fromme
und Gottlose.
Mt 5,46 Wollt ihr etwa noch dafür belohnt werden, dass ihr die Menschen liebt,
die euch auch lieben? Das tun sogar die Zolleinnehmer, die sonst nur auf ihren
Vorteil aus sind!
Mt 5,47 Wenn ihr nur euren Freunden liebevoll begegnet, ist das etwas
Besonderes? Das tun auch die, die von Gott nichts wissen.
Mt 5,48 Ihr aber sollt so vollkommen sein wie euer Vater im Himmel.«
Mt 6,1 »Hütet euch davor, nur deshalb Gutes zu tun, damit die Leute euch
bewundern. Sonst könnt ihr von eurem Vater im Himmel keinen Lohn mehr erwarten.
Mt 6,2 Wenn du einem Armen etwas gibst, dann posaune es nicht hinaus wie die
Heuchler. Sie reden davon in den Synagogen und an jeder Straßenecke, um von
allen gelobt zu werden. Das sage ich euch: Diese Leute haben sich ihren Lohn
schon selber ausbezahlt.
Mt 6,3 Wenn du jemandem hilfst, dann soll deine linke Hand nicht wissen, was die
rechte tut;
Mt 6,4 niemand soll davon erfahren. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird dich dafür belohnen.«
Mt 6,5 »Betet nicht wie die Heuchler! Sie beten gern in den Synagogen und an den
Straßenecken, um gesehen zu werden. Ich sage euch: Diese Leute haben sich ihren
Lohn schon selber ausbezahlt!
Mt 6,6 Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu,
und bete zu deinem Vater. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird
dich dafür belohnen.
Mt 6,7 Leiere nicht endlose Gebete herunter wie Leute, die Gott nicht kennen.
Sie meinen, sie würden bei Gott etwas erreichen, wenn sie nur viele Worte
machen.
Mt 6,8 Folgt nicht ihrem schlechten Beispiel, denn euer Vater weiß genau, was
ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet.
Mt 6,9 Ihr sollt deshalb so beten: ›Unser Vater im Himmel! Dein heiliger Name
soll geehrt werden.
Mt 6,10 Lass deine neue Welt beginnen. Dein Wille geschehe hier auf der Erde,
wie er im Himmel geschieht.
Mt 6,11 Gib uns auch heute wieder, was wir zum Leben brauchen.
Mt 6,12 Vergib uns unsere Schuld, wie wir denen vergeben, die uns Unrecht getan
haben.
Mt 6,13 Lass uns nicht in Versuchung geraten, dir untreu zu werden, und befreie
uns vom Bösen. Denn dir gehören Herrschaft, Macht und Ehre für alle Zeiten.
Amen!‹
Mt 6,14 Euer Vater im Himmel wird euch vergeben, wenn ihr den Menschen vergebt,
die euch Unrecht getan haben.
Mt 6,15 Wenn ihr ihnen aber nicht vergeben wollt, dann wird Gott auch eure
Schuld nicht vergeben.«
Mt 6,16 »Wenn ihr fastet, dann schaut nicht so drein wie die Heuchler! Sie
setzen eine wehleidige Miene auf, damit jeder merkt, dass sie fasten. Ich sage
euch: Diese Leute haben sich ihren Lohn schon selber ausbezahlt!
Mt 6,17 Wenn du fastest, dann pflege dein Äußeres so,
Mt 6,18 dass keiner etwas von deinem Verzicht merkt - außer deinem Vater im
Himmel. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich belohnen.«
Mt 6,19 »Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Ihr wisst, wie schnell Motten
und Rost sie zerfressen oder Diebe sie stehlen!
Mt 6,20 Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, die unvergänglich sind und die
kein Dieb mitnehmen kann.
Mt 6,21 Wo nämlich eure Schätze sind, da wird auch euer Herz sein.«
Mt 6,22 »Das Auge gibt dir Licht. Wenn deine Augen das Licht einlassen, wirst du
auch im Licht leben.
Mt 6,23 Verschließen sich deine Augen dem Licht, lebst du in Dunkelheit. Wenn
aber das Licht in deinem Innern erloschen ist, wie tief ist dann die
Finsternis!«
Mt 6,24 »Niemand kann zwei Herren gleichzeitig dienen. Wer dem einen richtig
dienen will, wird sich um die Wünsche des anderen nicht kümmern können. Er wird
sich für den einen einsetzen und den anderen vernachlässigen. Auch ihr könnt
nicht gleichzeitig für Gott und das Geld leben.
Mt 6,25 Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euren Lebensunterhalt,
um Essen, Trinken und Kleidung. Leben bedeutet mehr als Essen und Trinken, und
der Mensch ist wichtiger als seine Kleidung.
Mt 6,26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nichts, sie ernten nichts und sammeln
auch keine Vorräte. Euer Vater im Himmel versorgt sie. Meint ihr nicht, dass ihr
ihm viel wichtiger seid?
Mt 6,27 Und wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr doch euer Leben um
keinen Augenblick verlängern.
Mt 6,28 Weshalb macht ihr euch so viele Sorgen um eure Kleidung? Seht euch an,
wie die Lilien auf den Wiesen blühen! Sie können weder spinnen noch weben.
Mt 6,29 Ich sage euch, selbst König Salomo war in seiner ganzen Herrlichkeit
nicht so prächtig gekleidet wie eine dieser Blumen.
Mt 6,30 Wenn Gott sogar das Gras so schön wachsen lässt, das heute auf der Wiese
grünt, morgen aber schon verbrannt wird, wie könnte er euch dann vergessen?
Vertraut ihr Gott so wenig?
Mt 6,31 Zerbrecht euch also nicht mehr den Kopf mit Fragen wie: ›Werden wir
genug zu essen haben? Und was werden wir trinken? Was sollen wir anziehen?‹
Mt 6,32 Mit solchen Dingen beschäftigen sich nur Menschen, die Gott nicht
kennen. Euer Vater im Himmel weiß doch genau, dass ihr dies alles braucht.
Mt 6,33 Sorgt euch vor allem um Gottes neue Welt, und lebt nach Gottes Willen!
Dann wird er euch mit allem anderen versorgen.
Mt 6,34 Deshalb sorgt euch nicht um morgen - der nächste Tag wird für sich
selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Lasten hat.«
Mt 7,1 »Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt.
Mt 7,2 Denn so wie ihr jetzt andere verurteilt, werdet auch ihr verurteilt
werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird man euch selber
messen.
Mt 7,3 Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Bruders, aber den
Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?
Mt 7,4 Du sagst: ›Mein Bruder, komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge
ziehen!‹ Dabei hast du selbst einen Balken im Auge!
Mt 7,5 Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du
klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.
Mt 7,6 Werft, was heilig ist, nicht vor die Hunde! Sie werden euch angreifen und
in Stücke reißen. Und werft eure Perlen nicht vor die Säue! Sie werden die
Perlen nur zertreten!«
Mt 7,7 »Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden!
Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet!
Mt 7,8 Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft,
dem wird geöffnet.
Mt 7,9 Würde jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück
Brot bittet?
Mt 7,10 Oder eine giftige Schlange, wenn es um einen Fisch bittet?
Mt 7,11 Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel
mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten!
Mt 7,12 So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie
auch. Denn das ist die Botschaft des Gesetzes und der Propheten.«
Mt 7,13 »Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und
ebenso der Weg dorthin! Viele Menschen gehen ihn.
Mt 7,14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dorthin ist
schmal. Deshalb finden ihn nur wenige.«
Mt 7,15 »Nehmt euch in Acht vor denen, die in Gottes Namen auftreten und falsche
Lehren verbreiten! Sie tarnen sich als sanfte Schafe, aber in Wirklichkeit sind
sie reißende Wölfe.
Mt 7,16 Wie man einen Baum an seiner Frucht erkennt, so erkennt man sie an dem,
was sie tun. Weintrauben kann man nicht von Dornbüschen und Feigen nicht von
Disteln ernten.
Mt 7,17 Ein guter Baum bringt gute Früchte und ein kranker Baum schlechte.
Mt 7,18 Ein guter Baum wird keine schlechten Früchte tragen und ein kranker Baum
keine guten.
Mt 7,19 Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und
verbrannt.
Mt 7,20 Ebenso werdet ihr die falschen Propheten an ihren Taten erkennen.«
Mt 7,21 »Nicht, wer mich dauernd ›Herr‹ nennt, wird in Gottes neue Welt kommen,
sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.
Mt 7,22 Am Tag des Gerichts werden zwar viele sagen: ›Aber Herr, wir haben doch
als deine Propheten das weitergesagt, was du selbst uns aufgetragen hast! Wir
haben doch in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mächtige Taten vollbracht!‹
Mt 7,23 Aber ich werde ihnen antworten: ›Ich kenne euch nicht, denn ihr habt
nicht nach meinem Willen gelebt. Geht mir aus den Augen!‹«
Mt 7,24 »Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit
einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut.
Mt 7,25 Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am
Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut
ist.
Mt 7,26 Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so
unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut.
Mt 7,27 Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der
Sturm um das Haus tobt, wird es aus allen Fugen geraten und krachend
einstürzen.«
Mt 7,28 Als Jesus seine Rede beendet hatte, waren die Zuhörer von seinen Worten
tief beeindruckt.
Mt 7,29 Denn anders als ihre Schriftgelehrten sprach Jesus mit einer Vollmacht,
die Gott ihm verliehen hatte.
Mt 8,1 Eine große Menschenmenge folgte Jesus, als er vom Berg herabstieg.
Mt 8,2 Da kam ein Aussätziger und fiel vor Jesus nieder: »Herr, wenn du willst,
kannst du mich heilen!«
Mt 8,3 Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: »Ich will es tun!
Sei gesund!« Im selben Augenblick war der Mann von seiner Krankheit geheilt.
Mt 8,4 Da befahl ihm Jesus: »Sag niemandem etwas, sondern geh sofort zum
Priester, und lass dich von ihm untersuchen. Bring das Opfer dar, wie es Mose
vorgeschrieben hat. So werden die Priester sehen, dass ich im Auftrag Gottes
handle.«
Mt 8,5 Als Jesus in Kapernaum eintraf, kam ein römischer Hauptmann zu ihm
Mt 8,6 und sagte: »Herr, heile meinen Diener! Er liegt gelähmt im Bett und
leidet entsetzlich.«
Mt 8,7 Jesus antwortete: »Ich will mitkommen und ihn heilen.«
Mt 8,8 Der Hauptmann erwiderte: »Herr, ich bin nicht wert, dich in meinem Haus
zu empfangen. Sag nur ein einziges Wort, dann wird mein Diener gesund.
Mt 8,9 Auch ich habe Vorgesetzte, denen ich gehorchen muss, und ich erteile
selbst Befehle an meine Soldaten. Wenn ich zu einem sage: ›Geh!‹, dann geht er.
Befehle ich einem anderen: ›Komm!‹, dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Diener
sage: ›Tu dies!‹, dann führt er meinen Auftrag aus.«
Mt 8,10 Als Jesus das hörte, wunderte er sich sehr. Er sagte zu den Menschen,
die ihm gefolgt waren: »Eins ist sicher: Unter allen Juden in Israel bin ich
keinem Menschen mit einem so festen Glauben begegnet.
Mt 8,11 Und ich sage euch: Viele Menschen aus aller Welt werden kommen und mit
Abraham, Isaak und Jakob im Himmel das Freudenfest feiern.
Mt 8,12 Aber die ursprünglich für Gottes neue Welt bestimmt waren, werden in die
tiefste Finsternis hinausgestoßen, wo es nur Heulen und ohnmächtiges Jammern
geben wird.«
Mt 8,13 Dann sagte Jesus zu dem Hauptmann: »Geh wieder nach Hause! Was du
geglaubt hast, ist Wirklichkeit geworden.« Zur selben Zeit wurde der Diener
gesund.
Mt 8,14 Als Jesus in das Haus des Petrus kam, lag dessen Schwiegermutter mit
hohem Fieber im Bett.
Mt 8,15 Jesus ergriff ihre Hand, und sofort war das Fieber verschwunden. Sie
konnte sogar aufstehen und für ihre Gäste sorgen.
Mt 8,16 Am selben Abend brachte man viele von Dämonen beherrschte Menschen zu
Jesus. Er brauchte nur ein Wort zu sagen, und die Besessenen wurden frei und
alle Kranken geheilt.
Mt 8,17 Dies geschah, damit sich die Vorhersage des Propheten Jesaja erfüllte:
»Er nahm unsere Leiden auf sich und heilte unsere Krankheiten.«
Mt 8,18 Als Jesus merkte, dass die Menschenmenge um ihn immer größer wurde, ließ
er sich von seinen Jüngern über den See an das andere Ufer rudern.
Mt 8,19 Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: »Lehrer, ich will mit dir
gehen, ganz gleich wohin!«
Mt 8,20 Jesus antwortete ihm: »Die Füchse haben ihren Bau, die Vögel ihre
Nester; aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann.«
Mt 8,21 Einer, der zu seinen Jüngern gehörte, bat Jesus: »Herr, ich will erst
noch meinen Vater bestatten, aber dann möchte ich mit dir ziehen.«
Mt 8,22 Doch Jesus erwiderte: »Komm jetzt mit mir, und überlass es den Toten,
ihre Toten zu begraben!«
Mt 8,23 Danach stieg Jesus in ein Boot und fuhr mit seinen Jüngern weg.
Mt 8,24 Mitten auf dem See brach plötzlich ein gewaltiger Sturm los, so dass die
Wellen ins Boot schlugen. Aber Jesus schlief.
Mt 8,25 Da weckten ihn die Jünger und riefen voller Angst: »Herr, hilf uns, wir
gehen unter!«
Mt 8,26 Jesus antwortete: »Warum habt ihr Angst? Habt ihr denn kein Vertrauen zu
mir?« Dann stand er auf und bedrohte den Wind und die Wellen. Sofort legte sich
der Sturm, und es wurde ganz still.
Mt 8,27 Alle fragten sich voller Staunen: »Was ist das für ein Mensch? Selbst
Wind und Wellen gehorchen ihm!«
Mt 8,28 Als Jesus am anderen Seeufer die Gegend um Gadara erreichte, liefen ihm
zwei Männer entgegen, die von Dämonen beherrscht wurden. Sie hausten in
Grabhöhlen und waren so gefährlich, dass sich niemand in ihre Nähe wagte.
Mt 8,29 Sie fingen an zu schreien: »Was willst du von uns, du Sohn Gottes? Bist
du gekommen, um uns schon jetzt zu quälen?«
Mt 8,30 In einiger Entfernung wurde eine große Schweineherde gehütet.
Mt 8,31 Die Dämonen baten ihn: »Wenn du uns schon austreibst, dann lass uns
wenigstens in diese Schweineherde fahren!«
Mt 8,32 Jesus befahl ihnen: »Ja, fort mit euch!« Da ließen die Dämonen die
Männer frei, bemächtigten sich der Schweine, und die ganze Herde stürzte den
Abhang hinunter und ertrank im See.
Mt 8,33 Verstört flohen die Hirten in die Stadt und erzählten, wie die
Besessenen befreit worden waren.
Mt 8,34 Nun liefen alle Leute aus der Stadt Jesus entgegen. Sie baten ihn, ihre
Gegend wieder zu verlassen.
Mt 9,1 Jesus stieg in ein Boot und fuhr über den See zurück nach Kapernaum, wo
er wohnte.
Mt 9,2 Dort brachten sie auf einer Trage einen Gelähmten zu ihm. Als Jesus ihren
festen Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: »Hab keine Angst, mein Sohn!
Deine Sünden sind dir vergeben.«
Mt 9,3 »Dieser Gotteslästerer!«, dachten sich einige Schriftgelehrte.
Mt 9,4 Jesus durchschaute sie und fragte: »Warum habt ihr so böse Gedanken?
Mt 9,5 Ist es leichter zu sagen: ›Dir sind deine Sünden vergeben!‹ oder diesen
Gelähmten zu heilen?
Mt 9,6 Aber ich will euch zeigen, dass der Menschensohn die Macht hat, hier auf
der Erde Sünden zu vergeben!« Und er forderte den Gelähmten auf: »Steh auf, nimm
deine Trage und geh nach Hause!«
Mt 9,7 Da stand der Mann auf und ging nach Hause.
Mt 9,8 Als die Leute das sahen, erschraken sie. Sie lobten Gott, der den
Menschen so große Macht gegeben hatte.
Mt 9,9 Als Jesus durch die Stadt ging, sah er den Zolleinnehmer Matthäus am Zoll
sitzen. Jesus forderte ihn auf: »Komm, geh mit mir!« Sofort stand Matthäus auf
und folgte ihm.
Mt 9,10 Später war Jesus mit seinen Jüngern bei Matthäus zu Gast. Matthäus hatte
viele Zolleinnehmer eingeladen und andere Leute mit schlechtem Ruf.
Mt 9,11 »Weshalb gibt sich euer Lehrer mit solchem Gesindel ab?«, fragten die
Pharisäer seine Jünger.
Mt 9,12 Jesus hörte das und antwortete: »Die Gesunden brauchen keinen Arzt,
sondern die Kranken!
Mt 9,13 Begreift doch endlich, was Gott meint, wenn er sagt: ›Nicht auf eure
Opfer oder Gaben kommt es mir an, sondern darauf, dass ihr barmherzig seid.‹ Ich
bin gekommen, um Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, die ohne ihn
leben - und nicht solche, die sich sowieso an seine Gebote halten.«
Mt 9,14 Eines Tages kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und erkundigten sich:
»Warum fasten deine Jünger eigentlich nicht wie wir und die Pharisäer?«
Mt 9,15 Jesus fragte: »Sollen die Hochzeitsgäste denn traurig sein, solange der
Bräutigam noch bei ihnen ist? Die Zeit kommt früh genug, dass der Bräutigam
ihnen genommen wird. Dann werden sie fasten.
Mt 9,16 Niemand flickt ein altes Kleid mit neuem Stoff. Der alte Stoff würde an
der Flickstelle doch wieder reißen, und das Loch würde nur noch größer.
Mt 9,17 Ebenso füllt niemand jungen, gärenden Wein in alte, brüchige Schläuche.
Sonst platzen sie, der Wein läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. Nein,
jungen Wein füllt man in neue Schläuche! Nur so bleibt beides erhalten.«
Mt 9,18 Als Jesus noch mit ihnen redete, kam ein Vorsteher der jüdischen
Gemeinde zu ihm, warf sich vor ihm nieder und sagte: »Meine Tochter ist gerade
gestorben. Aber du kannst sie wieder lebendig machen. Komm doch und leg deine
Hände auf sie!«
Mt 9,19 Während Jesus mit seinen Jüngern zum Haus des Mannes ging,
Mt 9,20 berührte eine Frau, die seit zwölf Jahren an schweren Blutungen litt,
von hinten heimlich eine Quaste seines Gewandes.
Mt 9,21 Denn sie dachte: »Wenn ich wenigstens seine Kleider berühren kann, werde
ich bestimmt gesund.«
Mt 9,22 Jesus drehte sich um, sah sie an und sagte: »Sei unbesorgt, meine
Tochter! Dein Glaube hat dir geholfen.« Im selben Augenblick war die Frau
gesund.
Mt 9,23 Jesus kam zum Haus des Synagogenvorstehers. Als er den Tumult der Leute
sah und die Trauermusik hörte, sagte er:
Mt 9,24 »Geht alle hinaus! Das Mädchen ist nicht tot, es schläft nur.« Da
lachten sie ihn aus.
Mt 9,25 Als die Leute endlich hinausgetrieben waren, trat Jesus in das Zimmer
des Mädchens und nahm die Hand des Kindes. Da stand das Mädchen auf und war
gesund.
Mt 9,26 Die Nachricht davon verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der ganzen
Gegend.
Mt 9,27 Als Jesus weiterging, liefen ihm zwei Blinde nach und schrien: »Du Sohn
Davids! Hilf uns doch!«
Mt 9,28 Sie folgten ihm bis in das Haus, in dem er wohnte. Jesus fragte sie:
»Glaubt ihr denn, dass ich euch helfen kann?« »Ja, Herr!«, antworteten sie.
Mt 9,29 Da berührte er ihre Augen und sagte: »Was ihr mir zutraut, das soll sich
erfüllen.«
Mt 9,30 Sofort konnten sie sehen. Jesus aber befahl ihnen nachdrücklich:
»Niemand darf von eurer Heilung erfahren.«
Mt 9,31 Trotzdem gingen sie los und erzählten in der ganzen Gegend von Jesus.
Mt 9,32 Als die beiden gegangen waren, brachte man einen Stummen zu ihm, der von
einem bösen Geist beherrscht wurde.
Mt 9,33 Jesus trieb diesen Dämon aus, und sofort konnte der Mann reden. Darüber
wunderten sich die Leute sehr und riefen: »So etwas haben wir in Israel noch nie
erlebt!«
Mt 9,34 Aber die Pharisäer redeten ihnen ein: »Er hat seine Macht vom Obersten
aller Dämonen bekommen, darum kann er die Menschen von bösen Geistern befreien.«
Mt 9,35 Danach zog Jesus durch die Städte und Dörfer. Er sprach in den Synagogen
und verkündete überall im Land die rettende Botschaft von Gottes neuer Welt.
Wohin er auch kam, heilte er alle Krankheiten und Leiden.
Mt 9,36 Als er die vielen Menschen sah, hatte er großes Mitleid mit ihnen. Sie
waren hilflos und verängstigt wie eine Schafherde ohne Hirte.
Mt 9,37 »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter«, sagte Jesus zu
seinen Jüngern.
Mt 9,38 »Darum bittet den Herrn, dass er noch mehr Arbeiter aussendet, die seine
Ernte einbringen!«
Mt 10,1 In dieser Zeit rief Jesus seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die
Macht, böse Geister auszutreiben und die Kranken und Leidenden zu heilen.
Mt 10,2 Das sind die Namen der zwölf Apostel: Simon, den man auch Petrus nannte,
und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder
Johannes;
Mt 10,3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der ehemalige
Zolleinnehmer; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus;
Mt 10,4 Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer, und Judas Iskariot, der Jesus
später verriet.
Mt 10,5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und gab ihnen folgenden Auftrag: »Geht
nicht zu den Nichtjuden oder in die Städte der Samariter,
Mt 10,6 sondern geht nur zu den Menschen aus dem Volk Israel, die sich von Gott
entfernt haben. Sie sind wie Schafe, die ohne ihren Hirten verloren sind.
Mt 10,7 Ihnen sollt ihr diese Nachricht bringen: ›Jetzt beginnt Gottes neue
Welt!‹
Mt 10,8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige gesund und treibt Dämonen
aus! Tut alles, ohne etwas dafür zu verlangen, denn ihr habt auch die Kraft dazu
ohne Gegenleistung bekommen.
Mt 10,9 Nehmt kein Geld mit auf die Reise, weder Goldstücke noch Silber- oder
Kupfermünzen,
Mt 10,10 auch keine Tasche, kein zweites Hemd, keine Schuhe und keinen
Wanderstock. Denn weil ihr den Menschen dient, sollen sie für euch sorgen.
Mt 10,11 Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, dann sucht jemanden, der
würdig ist, euch aufzunehmen. Dort bleibt, bis ihr weiterzieht.
Mt 10,12 Wenn ihr in ein Haus eintretet, dann sagt: ›Friede sei mit euch!‹
Mt 10,13 Wenn seine Bewohner euch und eure Botschaft annehmen, so wird der
Friede, den ihr bringt, in diesem Haus bleiben. Tun sie dies nicht, so wird der
Friede nicht bei ihnen sein.
Mt 10,14 Wenn ihr in einer Stadt oder in einem Haus nicht willkommen seid und
man eure Botschaft nicht hören will, so geht fort und schüttelt den Staub von
euren Füßen als Zeichen dafür, dass ihr die Stadt dem Urteil Gottes überlasst.
Mt 10,15 Ich sage euch: Den Einwohnern von Sodom und Gomorra wird es am Tag des
Gerichts besser ergehen als den Menschen einer solchen Stadt.«
Mt 10,16 »Hört mir zu: Ich schicke euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid
klug wie Schlangen, aber ohne Verschlagenheit wie Tauben.
Mt 10,17 Nehmt euch in Acht vor den Menschen! Denn sie werden euch vor die
Gerichte zerren, und in den Synagogen wird man euch auspeitschen.
Mt 10,18 Nur weil ihr zu mir gehört, werdet ihr vor Machthabern und Königen
verhört werden. Dort werdet ihr meine Botschaft bezeugen, denn sie und alle
Völker müssen von mir erfahren.
Mt 10,19 Wenn sie euch vor Gericht bringen, braucht ihr euch nicht darum zu
sorgen, was ihr aussagen sollt! Denn zur rechten Zeit wird Gott euch das rechte
Wort geben.
Mt 10,20 Nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen, sondern der
Geist eures Vaters im Himmel wird durch euch sprechen.
Mt 10,21 In dieser Zeit wird ein Bruder den anderen dem Henker ausliefern. Väter
werden ihre eigenen Kinder anzeigen. Kinder werden gegen ihre Eltern vorgehen
und sie hinrichten lassen.
Mt 10,22 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt. Aber wer bis
zum Ende durchhält, wird gerettet.
Mt 10,23 Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, dann flieht in eine andere.
Ich versichere euch: Noch ehe ihr meinen Auftrag in allen Städten Israels
ausgeführt habt, wird der Menschensohn kommen.
Mt 10,24 Ein Schüler steht nicht über seinem Lehrer, und ein Diener hat es nicht
besser als sein Herr.
Mt 10,25 Sie können zufrieden sein, wenn es ihnen genauso geht wie ihren Lehrern
und Herren. Wenn sie aber den Herrn des Hauses schon Obersten Teufel genannt
haben, was werden sie erst zu seinen Angehörigen sagen?«
Mt 10,26 »Fürchtet euch nicht vor denen, die euch bedrohen. Denn jetzt kommt
bald die Zeit, in der das Verborgene ans Licht kommt und alle Geheimnisse
enthüllt werden.
Mt 10,27 Was ich euch im Dunkeln sage, das gebt am helllichten Tag weiter! Was
ich euch ins Ohr flüstere, das ruft vor aller Welt laut hinaus!
Mt 10,28 Habt keine Angst vor den Menschen, die zwar den Körper, aber nicht die
Seele töten können! Fürchtet vielmehr Gott, der Leib und Seele in der Hölle
vernichten kann.
Mt 10,29 Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach? Man kann zwei von ihnen
für einen Spottpreis kaufen! Trotzdem fällt keiner tot zur Erde, wenn es euer
Vater nicht will.
Mt 10,30 Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
Mt 10,31 Darum habt keine Angst! Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer
Spatzenschwarm.
Mt 10,32 Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde ich mich auch
vor meinem Vater im Himmel bekennen.
Mt 10,33 Wer aber vor den Menschen nicht zu mir steht, zu dem werde ich auch vor
meinem Vater im Himmel nicht stehen.«
Mt 10,34 »Meint nur nicht, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu
bringen. Nein, ich bringe Kampf!
Mt 10,35 Ich werde Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Schwiegertochter und
Schwiegermutter gegeneinander aufbringen.
Mt 10,36 Die schlimmsten Feinde werden in der eigenen Familie sein.
Mt 10,37 Wer seinen Vater oder seine Mutter, seinen Sohn oder seine Tochter mehr
liebt als mich, der ist es nicht wert, mein Jünger zu sein.
Mt 10,38 Und wer nicht bereit ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir
nachzufolgen, der kann nicht zu mir gehören.
Mt 10,39 Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer es aber für
mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen.«
Mt 10,40 »Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der
nimmt Gott auf, der mich gesandt hat.
Mt 10,41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil Gott diesen beauftragt hat, der wird
auch wie ein Prophet belohnt werden. Und wer einen Menschen aufnimmt, weil
dieser nach Gottes Willen lebt, wird denselben Lohn wie dieser empfangen.
Mt 10,42 Wer einen meiner unbedeutendsten Jünger auch nur mit einem Schluck
kaltem Wasser erfrischt, weil dieser zu mir gehört, der wird seinen Lohn
erhalten. Darauf könnt ihr euch verlassen!«
Mt 11,1 Nachdem Jesus seinen zwölf Jüngern diese Anweisungen gegeben hatte, zog
er weiter, um die Menschen in den Städten des Landes zu lehren und ihnen die
rettende Botschaft zu verkünden.
Mt 11,2 Johannes der Täufer saß zu der Zeit im Gefängnis und hörte dort von den
Taten Jesu Christi. Er schickte seine Jünger mit der Frage zu Jesus:
Mt 11,3 »Bist du wirklich der Retter, der kommen soll, oder müssen wir auf einen
anderen warten?«
Mt 11,4 Jesus antwortete: »Geht zu Johannes zurück und erzählt ihm, was ihr hört
und seht:
Mt 11,5 Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören,
Tote werden wieder lebendig, und den Armen wird die rettende Botschaft
verkündet.
Mt 11,6 Und sagt ihm: Glücklich ist jeder, der nicht an mir Anstoß nimmt.«
Mt 11,7 Als die Jünger des Johannes gegangen waren, wandte sich Jesus an die
Menschen, die sich um ihn versammelt hatten, und fragte: »Was habt ihr von
Johannes erwartet, als ihr zu ihm in die Wüste hinausgegangen seid? Wolltet ihr
ein Schilfrohr sehen, das bei jedem Windhauch hin- und herschwankt?
Mt 11,8 Oder wolltet ihr einen Mann in vornehmer Kleidung sehen? Dann hättet ihr
in die Königspaläste gehen müssen!
Mt 11,9 Oder wolltet ihr einem Propheten begegnen? Ja, Johannes ist ein Prophet,
und mehr als das.
Mt 11,10 Er ist der Mann, von dem es in der Heiligen Schrift heißt: ›Ich sende
meinen Boten dir voraus, der dein Kommen ankündigt und die Menschen darauf
vorbereitet.‹
Mt 11,11 Ja, ich versichere euch: Von allen Menschen, die je geboren wurden, ist
keiner bedeutender als Johannes der Täufer. Trotzdem ist der Geringste in Gottes
neuer Welt größer als er.
Mt 11,12 Seit Johannes der Täufer da ist, beginnt Gottes neue Welt, wenn auch
andere das mit Gewalt verhindern wollen.
Mt 11,13 Das ganze Gesetz und die Propheten bis hin zu Johannes haben darauf
hingewiesen.
Mt 11,14 Wenn ihr es begreifen könnt: Johannes ist Elia, dessen Kommen
angekündigt wurde.
Mt 11,15 Hört genau auf das, was ich euch sage.«
Mt 11,16 »Wie soll ich die Menschen von heute beschreiben? Sie sind wie
spielende Kinder auf der Straße, die ihren Freunden zurufen:
Mt 11,17 ›Wir haben Hochzeitslieder gespielt, und ihr habt nicht getanzt. Dann
haben wir Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint.‹
Mt 11,18 Johannes fastete oft und trank keinen Wein. Da habt ihr gesagt: ›Der
ist ja von einem bösen Geist besessen!‹
Mt 11,19 Nun ist der Menschensohn gekommen, isst und trinkt wie jeder andere,
und ihr beschimpft ihn: ›Er frisst und säuft, und seine Freunde sind die
Zolleinnehmer und anderes Gesindel!‹ Doch wie Recht die Weisheit Gottes hat,
erweist sich in dem, was sie bewirkt.«
Mt 11,20 Dann drohte Jesus den Städten, in denen er die meisten Wunder getan
hatte und die trotzdem nicht zu Gott umgekehrt waren:
Mt 11,21 »Weh euch, ihr Einwohner von Chorazin und Betsaida! Wenn die Wunder,
die ich bei euch getan habe, in den nichtjüdischen Städten Tyrus oder Sidon
geschehen wären, ihre Einwohner hätten längst Trauerkleider angezogen, sich
Asche auf den Kopf gestreut und wären zu Gott umgekehrt!
Mt 11,22 Das kann ich euch versichern: Am Tag des Gerichts wird es Tyrus und
Sidon besser ergehen als euch!
Mt 11,23 Und du, Kapernaum, wirst du etwa zum Himmel erhoben werden? Nein, zur
Hölle wirst du fahren! Wenn die Taten, die du erlebt hast, in Sodom geschehen
wären, die Stadt würde noch heute stehen.
Mt 11,24 Darauf kannst du dich verlassen: Es wird Sodom am Gerichtstag besser
ergehen als dir!«
Mt 11,25 Jesus betete: »Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich danke dir,
dass du die Wahrheit vor den Klugen und Gebildeten verbirgst und sie den
Unwissenden enthüllst.
Mt 11,26 Ja, Vater, so entspricht es deinem Willen.
Mt 11,27 Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Nur der Vater kennt den Sohn.
Und nur der Sohn kennt den Vater und jeder, dem der Sohn ihn zeigt.
Mt 11,28 Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet!
Ich werde euch Ruhe geben.
Mt 11,29 Lasst euch von mir in den Dienst nehmen, und lernt von mir! Ich meine
es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Bei mir findet ihr Ruhe für euer
Leben.
Mt 11,30 Mir zu dienen ist keine Bürde für euch, meine Last ist leicht.«
Mt 12,1 An einem Sabbat ging Jesus mit seinen Jüngern durch die Getreidefelder.
Die Jünger waren hungrig und rissen Ähren ab, um die Körner zu essen.
Mt 12,2 Als das die Pharisäer sahen, beschwerten sie sich bei Jesus: »Sieh dir
das an! Es ist doch verboten, am Sabbat Getreide zu ernten!«
Mt 12,3 Aber Jesus antwortete ihnen: »Habt ihr denn nie gelesen, was David und
seine Männer getan haben? Als sie hungrig waren,
Mt 12,4 gingen sie in das Haus Gottes und aßen von dem Brot, das Gott geweiht
war und das nur die Priester essen durften.
Mt 12,5 Habt ihr nicht außerdem im Gesetz gelesen, dass die Priester auch am
Sabbat im Tempel arbeiten und so die Sabbatvorschriften übertreten? Trotzdem
sind sie frei von Schuld.
Mt 12,6 Ich will euch nur das eine sagen: Hier ist einer, der ist mehr als der
Tempel.
Mt 12,7 Wenn ihr verstanden hättet, was das bedeutet: ›Nicht auf eure Opfer oder
Gaben kommt es mir an, sondern darauf, dass ihr barmherzig seid!‹, dann würdet
ihr nicht Unschuldige verurteilen.
Mt 12,8 Denn der Menschensohn hat das Recht zu entscheiden, was am Sabbat
erlaubt ist und was nicht.«
Mt 12,9 Nach diesen Worten ging er weiter und kam in ihre Synagoge.
Mt 12,10 Dort war ein Mann mit einer verkrüppelten Hand. Die Pharisäer fragten
ihn: »Erlaubt das Gesetz Gottes, am Sabbat zu heilen?« Sie suchten damit einen
Vorwand, um Anklage gegen ihn zu erheben.
Mt 12,11 Jesus antwortete: »Wenn jemand von euch nur ein einziges Schaf besitzt,
und das fällt am Sabbat in den Brunnen, wird er es nicht sofort herausholen?
Mt 12,12 Und ein Mensch ist doch viel mehr wert als ein Schaf! Also ist es
erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun.«
Mt 12,13 Dann forderte er den Mann auf: »Streck deine Hand aus!« Er streckte sie
aus, und die Hand war gesund.
Mt 12,14 Da verließen die Pharisäer die Synagoge und berieten, wie sie Jesus
töten könnten.
Mt 12,15 Jesus wusste, was die Pharisäer vorhatten, und ging weg. Viele Menschen
folgten ihm, und er heilte alle Kranken.
Mt 12,16 Er verbot ihnen jedoch, darüber zu reden.
Mt 12,17 So sollte sich erfüllen, was der Prophet Jesaja vorausgesagt hatte:
Mt 12,18 »Dies ist mein Knecht, den ich erwählt habe. Ich liebe ihn und freue
mich über ihn. Ich werde ihm meinen Geist geben, und er wird die Völker vor die
Entscheidung stellen.
Mt 12,19 Er kämpft und streitet nicht. Seine Stimme wird auf der Straße nicht zu
hören sein.
Mt 12,20 Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden
Docht nicht auslöschen. Er wird das Recht zum Sieg führen.
Mt 12,21 Deshalb ist er die Hoffnung der ganzen Welt.«
Mt 12,22 Danach brachte man einen Mann zu ihm, der blind und stumm war, weil ein
böser Geist ihn beherrschte. Jesus heilte ihn, und er konnte wieder reden und
sehen.
Mt 12,23 In großer Aufregung riefen da die Menschen: »Ist dieser Jesus
vielleicht doch der versprochene Retter, der Sohn Davids?«
Mt 12,24 Als die Pharisäer das hörten, sagten sie: »Er kann nur deshalb die
Dämonen austreiben, weil ihm der Teufel, der Oberste aller Dämonen, die Macht
dazu gibt.«
Mt 12,25 Jesus kannte ihre Gedanken und entgegnete: »Ein Staat, in dem
verschiedene Herrscher um die Macht kämpfen, steht vor dem Untergang. Eine Stadt
oder eine Familie, in der man ständig in Zank und Streit lebt, hat keinen
Bestand.
Mt 12,26 Wenn der Satan sich selbst vertreiben würde, dann bekämpfte er sich ja
selbst und zerstörte damit sein eigenes Reich.
Mt 12,27 Wenn ihr behauptet, ich würde die Dämonen durch die Kraft des Obersten
Teufels austreiben, welche Kraft nutzen dann eure eigenen Leute, um böse Geister
auszutreiben? Sie selbst werden euch das Urteil sprechen.
Mt 12,28 Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so beginnt
Gottes neue Welt jetzt - mitten unter euch!
Mt 12,29 Denn wer könnte in das Haus eines starken Mannes eindringen und ihn
berauben? Man müsste ihn erst fesseln, und dann könnte man sein Haus plündern.
Mt 12,30 Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer sich nicht für mich
einsetzt, der führt die Menschen in die Irre!
Mt 12,31 Darum sage ich euch: Jede Sünde, ja sogar Gotteslästerung, kann
vergeben werden. Wer aber den Heiligen Geist verlästert, der wird keine
Vergebung finden.
Mt 12,32 Wer den Menschensohn beschimpft, dem kann vergeben werden. Wer aber den
Heiligen Geist beschimpft, der wird niemals Vergebung finden, weder jetzt noch
in der zukünftigen Welt.«
Mt 12,33 »Wie der Baum, so die Frucht! Ein guter Baum trägt gute Früchte, ein
schlechter Baum trägt schlechte Früchte.
Mt 12,34 Ihr Schlangenbrut! Wie könnt ihr durch und durch bösen Leute überhaupt
etwas Gutes reden? Wovon das Herz erfüllt ist, das spricht der Mund aus!
Mt 12,35 Wenn ein guter Mensch spricht, zeigt sich, was an Gutem in ihm ist. Ein
Mensch mit einem bösen Herzen ist innerlich voller Gift, und alle merken es,
wenn er redet.
Mt 12,36 Ich sage euch das, weil ihr am Gerichtstag Rechenschaft ablegen müsst
über jedes unnütze Wort, das ihr geredet habt.
Mt 12,37 Eure Worte sind der Maßstab, nach dem ihr freigesprochen oder
verurteilt werdet.«
Mt 12,38 Einige Schriftgelehrte und Pharisäer traten an Jesus heran und sagten:
»Vollbringe vor unseren Augen ein Wunder als Beweis dafür, dass Gott dich
gesandt hat!«
Mt 12,39 Jesus antwortete ihnen: »Nur böse, gottlose Menschen können dafür noch
Beweise verlangen. Ihr werdet aber nur das gleiche Wunder zu sehen bekommen, das
am Propheten Jona geschah.
Mt 12,40 Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches. Ebenso
wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in den Tiefen der Erde sein.
Mt 12,41 Die Einwohner von Ninive werden euch am Gerichtstag verurteilen, denn
nach Jonas Predigt kehrten sie um zu Gott. Der hier vor euch steht, ist aber
größer als Jona!
Mt 12,42 Die Königin aus dem Süden wird am Gerichtstag Gottes als Zeugin gegen
dieses Volk auftreten und es verurteilen. Denn sie kam von weit her, um von der
Weisheit des Königs Salomo zu lernen. Der aber hier vor euch steht, ist größer
als Salomo!«
Mt 12,43 »Wenn ein Dämon ausgetrieben wird, irrt er in öden Gegenden umher auf
der Suche nach einem neuen Opfer. Findet er keins,
Mt 12,44 entschließt er sich: ›Ich will dorthin zurückkehren, woher ich gekommen
bin.‹ Wenn er zurückkommt und seine frühere Wohnung sauber und geschmückt, aber
leer vorfindet,
Mt 12,45 dann sucht er sich sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als
er selbst. Zusammen ergreifen sie Besitz von dem Menschen, der nun schlimmer
dran ist als vorher. Genauso wird es auch diesem gottlosen Volk ergehen.«
Mt 12,46 Als Jesus noch in dem überfüllten Haus redete, kamen seine Mutter und
seine Geschwister und wollten ihn sprechen.
Mt 12,47 Einer der Anwesenden richtete es Jesus aus.
Mt 12,48 Doch der fragte: »Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Geschwister?«
Mt 12,49 Dann zeigte er auf seine Jünger: »Seht diese dort, sie sind meine
Mutter und meine Geschwister.
Mt 12,50 Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mein Bruder,
meine Schwester und meine Mutter.«
Mt 13,1 Am selben Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Seeufer.
Mt 13,2 Bald hatte sich eine große Menschenmenge um ihn versammelt. Darum stieg
er in ein Boot und redete von dort zu den Menschen am Ufer.
Mt 13,3 Was er ihnen von Gott zu sagen hatte, erklärte er ihnen durch
Gleichnisse. »Ein Bauer säte Getreide aus.
Mt 13,4 Dabei fielen ein paar Saatkörner auf den Weg. Sofort kamen die Vögel und
pickten sie auf.
Mt 13,5 Andere Körner fielen auf felsigen Boden, wo nur wenig Erde war. Dort
ging die Saat zwar schnell auf,
Mt 13,6 aber als die Sonne heiß brannte, vertrockneten die Pflänzchen, weil ihre
Wurzeln in der dünnen Erdschicht zu wenig Nahrung fanden.
Mt 13,7 Einige Körner fielen zwischen die Disteln, doch diese hatten die junge
Saat bald überwuchert, so dass sie schließlich erstickte.
Mt 13,8 Die übrige Saat aber fiel auf fruchtbaren Boden und brachte das
Dreißigfache, das Sechzigfache, ja sogar das Hundertfache der Aussaat als
Ertrag.
Mt 13,9 Hört genau auf das, was ich euch sage!«
Mt 13,10 Später kamen seine Jünger und fragten ihn: »Weshalb verwendest du
solche Gleichnisse, wenn du zu den Leuten redest?«
Mt 13,11 Jesus antwortete: »Euch lässt Gott die Geheimnisse seiner neuen Welt
verstehen, anderen sind sie verborgen.
Mt 13,12 Denn wer viel hat, der bekommt noch mehr dazu, ja, er wird mehr als
genug haben! Wer aber nichts hat, dem wird selbst noch das Wenige, das er hat,
genommen.
Mt 13,13 Deshalb rede ich in Gleichnissen. Denn sie sehen, aber sie erkennen
nicht; sie hören, aber sie verstehen es nicht.
Mt 13,14 Damit erfüllt sich an ihnen, was der Prophet Jesaja vorausgesagt hat:
›Ihr werdet hören und nicht verstehen, sehen und nicht erkennen.
Mt 13,15 Denn das Herz dieses Volkes ist hart und gleichgültig. Sie sind
schwerhörig und verschließen die Augen. Deshalb sehen und hören sie nicht. Sie
sind nicht einsichtig und wollen nicht zu mir umkehren, darum kann ich ihnen
nicht helfen und sie heilen.‹
Mt 13,16 Aber ihr könnt glücklich sein, denn eure Augen können sehen und eure
Ohren können hören.
Mt 13,17 Ich sage euch: Viele Propheten und Menschen, die Gott dienten, hätten
gern gesehen, was ihr seht, und gehört, was ihr hört, aber die Zeit war noch
nicht da.«
Mt 13,18 »Ich will euch nun das Gleichnis von dem Bauern erklären, der Getreide
aussäte.
Mt 13,19 Wer die Botschaft von Gottes neuer Welt hört, sie aber nicht versteht,
bei dem kommt der Satan und reißt die Saat aus seinem Herzen. Damit ist der
gemeint, bei dem die Körner auf den Weg fielen.
Mt 13,20 Wie felsiger Boden ist ein Mensch, der die Botschaft hört und mit
großer Begeisterung annimmt.
Mt 13,21 Aber sein Glaube hat keine starke Wurzel und deshalb keinen Bestand.
Wenn dieser Mensch wegen seines Glaubens in Schwierigkeiten gerät oder gar
verfolgt wird, wendet er sich wieder von Gott ab.
Mt 13,22 Der von Disteln überwucherte Boden entspricht einem Menschen, der die
Botschaft zwar hört, aber die Sorgen des Alltags und die Verführung durch den
Wohlstand ersticken Gottes Botschaft, so dass keine Frucht wachsen kann.
Mt 13,23 Aber es gibt auch fruchtbaren Boden: den Menschen, der Gottes Botschaft
hört und versteht, so dass er Frucht bringt, dreißig-, sechzig- oder
hundertfach.«
Mt 13,24 Jesus erzählte ein anderes Gleichnis: »Die neue Welt Gottes kann man
vergleichen mit einem Bauern und der guten Saat, die er auf sein Feld säte.
Mt 13,25 Eines Nachts, als alles schlief, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen
den Weizen und schlich sich davon.
Mt 13,26 Als nun die Saat heranwuchs, ging auch das Unkraut auf.
Mt 13,27 Da kamen die Arbeiter des Bauern und fragten ihn: ›Hast du denn nicht
gute Saat auf dein Feld gesät? Woher kommt dann das Unkraut?‹
Mt 13,28 ›Das muss mein Feind gewesen sein‹, antwortete der Bauer. ›Sollen wir
das Unkraut ausreißen?‹, fragten die Arbeiter.
Mt 13,29 ›Nein, dabei würdet ihr ja den Weizen mit ausreißen.
Mt 13,30 Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Dann werde ich den Erntearbeitern
befehlen: Sammelt zuerst das Unkraut ein, bindet es zusammen und verbrennt es!
Den Weizen aber bringt in meine Scheune!‹«
Mt 13,31 Noch ein anderes Gleichnis erzählte ihnen Jesus: »Mit der neuen Welt
Gottes ist es wie mit einem Senfkorn, das auf ein Feld gesät wird.
Mt 13,32 Es ist der kleinste Same, den es gibt. Aber wenn er aufgeht und wächst,
wird er größer als andere Sträucher, ja, er wird zu einem Baum, in dessen
Zweigen die Vögel ihre Nester bauen.
Mt 13,33 Man kann Gottes neue Welt auch mit einem Sauerteig vergleichen, den
eine Frau unter eine große Menge Mehl mischt, bis alles durchsäuert ist.«
Mt 13,34 Jesus benutzte immer wieder solche Gleichnisse, wenn er zu den Menschen
sprach. In keiner seiner Predigten fehlten sie.
Mt 13,35 So sollte sich das Prophetenwort erfüllen: »Ich werde in Gleichnissen
zu ihnen reden. Geheimnisse, die seit Weltbeginn verborgen waren, will ich ihnen
enthüllen.«
Mt 13,36 Dann schickte Jesus die vielen Menschen fort und ging ins Haus. Später
baten ihn seine Jünger: »Erklär uns doch das Gleichnis vom Unkraut auf dem
Acker.«
Mt 13,37 Jesus antwortete: »Der Menschensohn selbst ist der Bauer, der die gute
Saat aussät.
Mt 13,38 Der Acker ist die Welt, die Saat sind die Menschen, die zu Gottes neuer
Welt gehören, und das Unkraut sind die Leute, die dem Satan gehorchen.
Mt 13,39 Der Feind, der das Unkraut zwischen den Weizen sät, ist der Teufel. Die
Ernte ist das Ende der Welt, und die Erntearbeiter sind die Engel.
Mt 13,40 Wie das Unkraut vom Weizen getrennt und verbrannt wird, so wird es auch
am Ende der Welt sein:
Mt 13,41 Der Menschensohn wird seine Engel senden. Sie werden aus der neuen Welt
Gottes alle, die Unrecht tun und andere zur Sünde verführen, aussondern
Mt 13,42 und sie in den brennenden Ofen werfen. Dort wird nur Heulen und
ohnmächtiges Jammern zu hören sein.
Mt 13,43 Aber alle, die Gottes Willen tun, werden in der neuen Welt ihres Vaters
leuchten wie die Sonne. Hört genau auf das, was ich euch sage!«
Mt 13,44 »Die neue Welt Gottes ist wie ein verborgener Schatz, den ein Mann in
einem Acker entdeckte und wieder vergrub. In seiner Freude verkaufte er sein
gesamtes Hab und Gut und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz.
Mt 13,45 Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Kaufmann, der auf der
Suche nach kostbaren Perlen ist.
Mt 13,46 Er entdeckt eine Perle von unschätzbarem Wert. Deshalb verkauft er
alles, was er hat, und kauft dafür die Perle.«
Mt 13,47 »Man kann Gottes neue Welt auch mit einem Netz vergleichen, das ins
Meer geworfen wird und in dem viele verschiedene Fische gefangen werden.
Mt 13,48 Wenn das Netz voll ist, zieht man es an Land, setzt sich hin und
sortiert die guten Fische in Körbe. Die ungenießbaren aber werden weggeworfen.
Mt 13,49 So wird es auch am Ende der Welt sein. Die Engel werden kommen und die
gottlosen Menschen von denen trennen, die so leben, wie Gott es will.
Mt 13,50 Sie werden die Gottlosen in den brennenden Ofen werfen. Dort wird nur
Heulen und ohnmächtiges Jammern zu hören sein.
Mt 13,51 Versteht ihr das alles?« »Ja«, erwiderten sie.
Mt 13,52 Jesus fügte hinzu: »Jeder Schriftgelehrte, der zur neuen Welt Gottes
gehört und davon reden kann, ist wie ein Hausherr, der aus seiner Vorratskammer
Altes und Neues hervorholt.«
Mt 13,53 Nachdem Jesus diese Gleichnisse erzählt hatte, verließ er die Gegend,
Mt 13,54 kehrte in seinen Heimatort Nazareth zurück und sprach dort in der
Synagoge. Alle staunten über ihn und fragten: »Woher hat er diese Weisheit und
die Macht, Wunder zu tun?
Mt 13,55 Er ist doch der Sohn eines Zimmermanns, und wir kennen Maria, seine
Mutter, und seine Brüder Jakobus, Josef, Simon und Judas.
Mt 13,56 Und auch seine Schwestern leben alle unter uns. Woher hat er das alles
nur?«
Mt 13,57 Sie ärgerten sich über ihn. Da sagte Jesus: »Nirgendwo gilt ein Prophet
weniger als in seiner Heimat und in seiner eigenen Familie.«
Mt 13,58 Weil die Menschen in Nazareth nicht an Jesus glaubten, tat er dort nur
wenige Wunder.
Mt 14,1 Als Herodes, der Herrscher über Galiläa, hörte, was man über Jesus
redete,
Mt 14,2 sagte er zu seinen Dienern: »Das muss Johannes der Täufer sein. Er ist
von den Toten auferstanden! Deshalb kann er solche Wunder tun.«
Mt 14,3 Herodes hatte Johannes nämlich verhaften und im Gefängnis in Ketten
legen lassen. Denn der König hatte Herodias, die Frau seines eigenen Bruders
Philippus, geheiratet,
Mt 14,4 und daraufhin hatte Johannes ihm vorgeworfen: »Es ist nicht richtig,
dass du die Frau deines Bruders geheiratet hast!«
Mt 14,5 Herodes hätte Johannes am liebsten umgebracht; aber er wagte es nicht,
weil er sich vor dem Volk fürchtete, das in Johannes einen Propheten sah.
Mt 14,6 Als nun Herodes Geburtstag feierte, tanzte die Tochter der Herodias vor
den Gästen. Herodes war so begeistert,
Mt 14,7 dass er ihr mit einem Schwur versprach: »Bitte mich, um was du willst;
ich will es dir geben!«
Mt 14,8 Von ihrer Mutter angestiftet, bat sie den König: »Dann lass mir sofort
den Kopf Johannes des Täufers auf einem Teller herbringen.«
Mt 14,9 Der König war bestürzt. Aber weil er sein Versprechen vor allen Gästen
gegeben hatte, befahl er,
Mt 14,10 Johannes im Gefängnis zu enthaupten.
Mt 14,11 Man brachte den Kopf auf einem Teller, überreichte ihn dem Mädchen, und
die gab ihn ihrer Mutter.
Mt 14,12 Die Jünger des Johannes holten seinen Leichnam und bestatteten ihn.
Dann berichteten sie Jesus, was geschehen war.
Mt 14,13 Als Jesus dies hörte, fuhr er mit einem Boot in eine entlegene Gegend.
Er wollte allein sein. Aber die Leute merkten, wohin er gehen wollte, und
folgten ihm in Scharen von überall her auf dem Landweg.
Mt 14,14 Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, hatte er
Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken.
Mt 14,15 Gegen Abend kamen die Jünger zu ihm und sagten: »Es ist spät geworden.
Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und dort etwas zu essen
kaufen können! Hier gibt es doch nichts!«
Mt 14,16 Aber Jesus antwortete: »Das ist nicht nötig. Gebt ihr ihnen zu essen!«
Mt 14,17 »Wir haben ja nur fünf Brote und zwei Fische«, wandten seine Jünger
ein.
Mt 14,18 »Dann bringt sie her!«, sagte Jesus.
Mt 14,19 Er forderte die Leute auf, sich ins Gras zu setzen. Er nahm die fünf
Brote und die beiden Fische, sah zum Himmel auf und dankte Gott. Dann teilte er
das Brot, reichte es seinen Jüngern, und die Jünger gaben es an die Menge
weiter.
Mt 14,20 Alle aßen sich satt. Als man anschließend die Reste einsammelte, da
waren es noch zwölf volle Körbe.
Mt 14,21 Etwa fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, außerdem
noch viele Frauen und Kinder.
Mt 14,22 Gleich danach befahl Jesus seinen Jüngern, in ihr Boot zu steigen und
an das andere Ufer des Sees vorauszufahren. Er selbst blieb zurück, um die Leute
zu verabschieden.
Mt 14,23 Dann ging er allein auf einen Berg, um zu beten. Es wurde Nacht.
Mt 14,24 Das Boot war noch weit draußen auf dem See, da brach ein schwerer Sturm
los. Die Jünger konnten kaum noch steuern.
Mt 14,25 In den frühen Morgenstunden kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen.
Mt 14,26 Als die Jünger ihn sahen, schrien sie vor Entsetzen, denn sie hielten
ihn für ein Gespenst.
Mt 14,27 Aber Jesus sprach sie sofort an: »Habt keine Angst! Ich bin es doch,
fürchtet euch nicht!«
Mt 14,28 Da rief Petrus: »Herr, wenn du es wirklich bist, lass mich auf dem
Wasser zu dir kommen.«
Mt 14,29 »Komm her!«, antwortete Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging Jesus
auf dem Wasser entgegen.
Mt 14,30 Als Petrus aber die hohen Wellen sah, erschrak er, und im selben
Augenblick begann er zu sinken. »Herr, hilf mir!«, schrie er.
Mt 14,31 Jesus streckte ihm die Hand entgegen, ergriff ihn und sagte: »Hast du
so wenig Glauben, Petrus? Vertrau mir doch!«
Mt 14,32 Sie stiegen ins Boot, und der Sturm legte sich.
Mt 14,33 Da fielen sie alle vor Jesus nieder und riefen: »Du bist wirklich der
Sohn Gottes!«
Mt 14,34 Nach ihrer Überfahrt legten sie in Genezareth an.
Mt 14,35 Als die Leute Jesus erkannten, schickten sie Boten in die benachbarten
Orte, und man brachte alle Kranken zu ihm.
Mt 14,36 Diese baten Jesus, wenigstens ein Stück seiner Kleidung berühren zu
dürfen; und alle, die das taten, wurden gesund.
Mt 15,1 Kurz darauf kamen einige Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu
Jesus und fragten ihn:
Mt 15,2 »Weshalb befolgen deine Jünger unsere überlieferten Speisevorschriften
nicht? Sie waschen sich nicht einmal vor dem Essen die Hände.«
Mt 15,3 Jesus fragte zurück: »Und weshalb brecht ihr mit euren Vorschriften die
Gebote Gottes?
Mt 15,4 So lautet ein Gebot Gottes: ›Ehre deinen Vater und deine Mutter! Wer
seinen Vater und seine Mutter verflucht, der soll sterben.‹
Mt 15,5 Ihr aber behauptet: Wenn jemand seinen hilfsbedürftigen Eltern erklärt:
›Ich kann euch nicht helfen, weil ich mein Vermögen dem Tempel vermacht habe‹,
dann hat er nicht gegen Gottes Gebot verstoßen.
Mt 15,6 Damit setzt ihr durch eure Vorschriften das Gebot Gottes außer Kraft.
Mt 15,7 Ihr scheinheiligen Heuchler! Wie Recht hat Jesaja, wenn er von euch
schreibt:
Mt 15,8 ›Diese Leute ehren Gott mit den Lippen, aber mit dem Herzen sind sie
nicht dabei.
Mt 15,9 Ihr Gottesdienst ist wertlos, weil sie ihre menschlichen Gesetze als
Gebote Gottes ausgeben.‹«
Mt 15,10 Dann rief Jesus die Menschenmenge zu sich: »Hört, was ich euch sage,
und begreift doch:
Mt 15,11 Nicht was ein Mensch zu sich nimmt, macht ihn unrein, sondern das, was
er von sich gibt.«
Mt 15,12 Da traten die Jünger näher zu ihm und sagten: »Weißt du, dass du damit
die Pharisäer verärgert hast?«
Mt 15,13 Jesus antwortete: »Jede Pflanze, die nicht von meinem himmlischen Vater
gepflanzt worden ist, wird ausgerissen.
Mt 15,14 Lasst euch nicht einschüchtern! Sie wollen Blinde führen, sind aber
selbst blind. Wenn nun ein Blinder einen anderen Blinden führen will, werden
beide in den Abgrund stürzen!«
Mt 15,15 Da sagte Petrus: »Erklär uns doch noch einmal, was einen Menschen
unrein macht!«
Mt 15,16 Jesus fragte: »Selbst ihr habt es immer noch nicht begriffen?
Mt 15,17 Wisst ihr denn nicht, dass alles, was ein Mensch zu sich nimmt, zuerst
in den Magen kommt und dann ausgeschieden wird?
Mt 15,18 Aber die bösen Worte, die ein Mensch von sich gibt, kommen aus seinem
Herzen, und nur sie lassen ihn unrein werden!
Mt 15,19 Aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken wie: Mord, Ehebruch, sexuelle
Zügellosigkeit, Diebstahl, Lüge und Verleumdung.
Mt 15,20 Durch sie wird der Mensch vor Gott unrein, nicht dadurch, dass man mit
ungewaschenen Händen isst.«
Mt 15,21 Danach verließ Jesus diese Gegend und wanderte bis in das Gebiet der
Städte Tyrus und Sidon.
Mt 15,22 Dort begegnete ihm eine kanaanitische Frau, die in der Nähe wohnte. Sie
flehte ihn an: »Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird
von einem bösen Geist furchtbar gequält.«
Mt 15,23 Aber Jesus beachtete sie nicht. Seine Jünger drängten ihn: »Erfüll doch
ihre Bitte! Sie schreit sonst dauernd hinter uns her.«
Mt 15,24 Da sagte er zu der Frau: »Ich habe nur den Auftrag, den Israeliten zu
helfen, die sich von Gott abgewandt haben und wie verlorene Schafe umherirren.«
Mt 15,25 Sie kam aber noch näher, warf sich vor ihm nieder und bettelte: »Herr,
hilf mir!« Aber Jesus antwortete wieder:
Mt 15,26 »Es ist nicht richtig, wenn man den Kindern das Brot wegnimmt und es
den Hunden vorwirft.«
Mt 15,27 »Ja, Herr«, erwiderte die Frau, »aber die kleinen Hunde bekommen doch
auch die Krümel, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.«
Mt 15,28 Jesus antwortete ihr: »Dein Glaube ist groß. Was du erwartest, soll
geschehen.« Im selben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.
Mt 15,29 Jesus kehrte an den See Genezareth zurück. Er stieg auf einen Berg und
setzte sich dort hin.
Mt 15,30 Eine große Menschenmenge kam zu Jesus. Unter ihnen waren Gelähmte,
Blinde, Verkrüppelte, Stumme und viele andere Kranke. Man brachte sie zu Jesus,
und er heilte sie alle.
Mt 15,31 Die Menschen konnten es kaum fassen, als sie sahen, wie Stumme reden,
Gelähmte gehen und Blinde sehen konnten. Und sie lobten den Gott Israels.
Mt 15,32 Danach rief Jesus seine Jünger zu sich und sagte: »Die Leute tun mir
leid. Sie sind jetzt schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Ich
will sie nicht hungrig wegschicken, sie würden den weiten Weg nach Hause nicht
schaffen.«
Mt 15,33 Aber die Jünger antworteten: »Woher sollen wir hier in dieser
verlassenen Gegend genügend Brot bekommen, damit so viele Menschen satt werden?«
Mt 15,34 Jesus fragte: »Wie viele Brote habt ihr denn?« Sie antworteten: »Sieben
Brote und ein paar kleine Fische!«
Mt 15,35 Da forderte Jesus die Menschen auf, sich zum Essen niederzulassen.
Mt 15,36 Nun nahm er die sieben Brote und die Fische. Er dankte Gott für das
Essen, teilte die Brote und Fische und gab sie den Jüngern, die sie an die Leute
weiterreichten.
Mt 15,37 [37/38] Jeder aß, bis er satt war; etwa viertausend Männer waren dabei,
die Frauen und Kinder nicht mitgerechnet. Anschließend sammelten die Jünger die
Reste ein: Sieben Körbe voll waren noch übrig geblieben.
Mt 15,39 Jetzt erst schickte Jesus die Leute nach Hause. Er selbst aber bestieg
ein Boot und setzte nach Magadan über.
Mt 16,1 Eines Tages kamen Pharisäer und Sadduzäer, um Jesus auf die Probe zu
stellen. Sie verlangten von ihm einen eindeutigen Beweis für seinen göttlichen
Auftrag.
Mt 16,2 [2/3] Jesus sagte ihnen: »Ihr könnt das Wetter aus den Zeichen am Himmel
vorhersagen: Abendrot zeigt gutes Wetter für den nächsten Tag an, Morgenröte
bedeutet schlechtes Wetter. Aber was heute vor euren Augen geschieht, das könnt
ihr nicht richtig beurteilen!
Mt 16,4 Dieses böse, gottlose Volk verlangt einen Beweis. Doch sie werden kein
anderes Wunder zu sehen bekommen als das, was an dem Propheten Jona geschah.«
Mit diesen Worten ließ Jesus sie stehen und ging weg.
Mt 16,5 Als sie an das andere Seeufer gekommen waren, stellten seine Jünger
fest, dass sie vergessen hatten, Brot mitzunehmen.
Mt 16,6 Da warnte sie Jesus: »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und
Sadduzäer!«
Mt 16,7 Die Jünger überlegten, was er wohl damit meinte: »Das sagt er bestimmt,
weil wir das Brot vergessen haben.«
Mt 16,8 Jesus merkte, worüber sie sprachen, und fragte: »Weshalb macht ihr euch
gleich Sorgen, wenn einmal nichts zu essen da ist? Traut ihr mir so wenig zu?
Mt 16,9 Werdet ihr denn nie zur Einsicht kommen? Habt ihr vergessen, dass ich
fünftausend Menschen mit fünf Broten gesättigt habe? Und wie viele Körbe habt
ihr mit Resten gefüllt?
Mt 16,10 Oder denkt an die sieben Brote, die ich an viertausend Menschen
verteilt habe! Und wie viel ist damals übrig geblieben!
Mt 16,11 Wie kommt ihr auf den Gedanken, dass ich vom Essen rede, wenn ich euch
sage: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer?«
Mt 16,12 Erst jetzt begriffen sie, dass Jesus mit dem Sauerteig die falschen
Lehren der Pharisäer und Sadduzäer gemeint hatte.
Mt 16,13 Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine
Jünger: »Für wen halten die Leute den Menschensohn?«
Mt 16,14 Die Jünger erwiderten: »Einige meinen, du seist Johannes der Täufer.
Andere halten dich für Elia, für Jeremia oder einen anderen Propheten.«
Mt 16,15 »Und für wen haltet ihr mich?«, fragte er sie.
Mt 16,16 Da antwortete Petrus: »Du bist Christus, der von Gott gesandte Retter,
der Sohn des lebendigen Gottes!«
Mt 16,17 »Du kannst wirklich glücklich sein, Simon, Sohn des Jona!«, sagte
Jesus. »Diese Erkenntnis hat dir mein Vater im Himmel gegeben; von sich aus
kommt ein Mensch nicht zu dieser Einsicht.
Mt 16,18 Ich sage dir: Du bist Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde
bauen, und selbst die Macht des Todes wird sie nicht besiegen können.
Mt 16,19 Ich will dir die Schlüssel zu Gottes neuer Welt geben. Was du auf der
Erde binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein. Und was du auf der
Erde lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöst sein.«
Mt 16,20 Darauf verbot er seinen Jüngern streng, den Leuten zu sagen, dass er
der Christus sei.
Mt 16,21 Während dieser Zeit sprach Jesus mit seinen Jüngern zum ersten Mal von
seinem Tod: »Wir müssen nach Jerusalem gehen. Dort werden mich die führenden
Männer des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten foltern und töten.
Aber am dritten Tag werde ich von den Toten auferstehen.«
Mt 16,22 Da nahm Petrus ihn zur Seite, um ihn von diesen Gedanken abzubringen:
»Herr, das möge Gott verhindern! So etwas darf dir nicht zustoßen!«
Mt 16,23 Aber Jesus wandte sich von ihm ab und rief: »Weg mit dir, Satan! Du
willst mich hindern, meinen Auftrag zu erfüllen. Du verstehst Gottes Gedanken
nicht, weil du nur menschlich denkst!«
Mt 16,24 Danach sprach Jesus zu seinen Jüngern: »Wer mir nachfolgen will, darf
nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz auf
sich nehmen und mir nachfolgen.
Mt 16,25 Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein
Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen.
Mt 16,26 Denn was gewinnt ein Mensch, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er selbst
aber dabei Schaden nimmt? Er kann sein Leben ja nicht wieder zurückkaufen!
Mt 16,27 Denn der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines
Vaters kommen und jeden nach seinen Taten richten.
Mt 16,28 Und ich sage euch: Einige von euch, die hier stehen, werden nicht
sterben, bevor sie den Menschensohn in seiner Königsherrschaft haben kommen
sehen.«
Mt 17,1 Sechs Tage später ging Jesus mit Petrus, Jakobus und dessen Bruder
Johannes auf einen hohen Berg. Sie waren dort ganz allein.
Mt 17,2 Da wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt: Sein Gesicht leuchtete wie
die Sonne, und seine Kleider strahlten hell.
Mt 17,3 Dann erschienen Mose und Elia und redeten mit Jesus.
Mt 17,4 Petrus rief: »Herr, hier gefällt es uns! Wenn du willst, werden wir drei
Hütten bauen, für dich, für Mose und für Elia.«
Mt 17,5 Noch während er so redete, hüllte sie eine leuchtende Wolke ein, und aus
der Wolke hörten sie eine Stimme: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine
Freude habe. Auf ihn sollt ihr hören.«
Mt 17,6 Bei diesen Worten fielen die Jünger erschrocken zu Boden.
Mt 17,7 Aber Jesus kam zu ihnen, berührte sie und sagte: »Steht auf! Fürchtet
euch nicht!«
Mt 17,8 Und als sie aufsahen, waren sie mit Jesus allein.
Mt 17,9 Während sie den Berg hinabstiegen, befahl ihnen Jesus: »Erzählt keinem,
was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!«
Mt 17,10 Da fragten ihn seine Jünger: »Weshalb behaupten die Schriftgelehrten,
dass zuerst Elia kommen muss?«
Mt 17,11 Jesus antwortete ihnen: »Sie haben Recht! Zuerst kommt Elia, um alles
vorzubereiten.
Mt 17,12 Doch ich sage euch: Er ist bereits gekommen, aber man hat ihn nicht
erkannt. Sie haben mit ihm gemacht, was sie wollten. Und auch der Menschensohn
wird durch sie leiden müssen.«
Mt 17,13 Nun erkannten die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.
Mt 17,14 Als sie zu der Menschenmenge zurückgekehrt waren, kam ein Mann zu
Jesus, fiel vor ihm nieder
Mt 17,15 und sagte: »Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er leidet unter
schweren Anfällen. Oft stürzt er dabei sogar ins Feuer oder ins Wasser.
Mt 17,16 Ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihm nicht
helfen.«
Mt 17,17 Jesus rief: »Warum vertraut ihr Gott so wenig? Warum hört ihr nicht auf
ihn? Wie lange muss ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bringt das Kind
her zu mir!«
Mt 17,18 Jesus bedrohte den bösen Geist. Sofort ließ er von dem Kranken ab, und
der Junge war wieder gesund.
Mt 17,19 Als sie später unter sich waren, fragten die Jünger Jesus: »Weshalb
konnten wir diesen Dämon nicht austreiben?«
Mt 17,20 »Weil ihr nicht wirklich glaubt«, antwortete Jesus. »Wenn euer Glaube
nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Berg sagen: ›Rücke von
hier dorthin!‹, und es würde geschehen. Nichts wäre euch unmöglich!
Mt 17,21 Solche Geister können nur durch Gebet und Fasten vertrieben werden.«
Mt 17,22 Eines Tages, als Jesus sich mit seinen Jüngern in Galiläa aufhielt,
sagte er zu ihnen: »Der Menschensohn wird bald in der Gewalt der Menschen sein.
Mt 17,23 Sie werden ihn töten. Aber am dritten Tag wird er auferstehen.« Da
wurden seine Jünger sehr traurig.
Mt 17,24 Bei ihrer Ankunft in Kapernaum kamen die Steuereinnehmer des Tempels zu
Petrus und fragten: »Zahlt euer Lehrer keine Tempelsteuer?«
Mt 17,25 »Natürlich tut er das«, antwortete Petrus und ging in das Haus, um mit
Jesus darüber zu reden. Doch Jesus kam ihm zuvor: »Was meinst du, Petrus, von
wem fordern die Könige Abgaben und Steuern, von ihren eigenen Söhnen oder von
ihren Untertanen?«
Mt 17,26 »Von den Untertanen natürlich«, antwortete Petrus. Jesus erwiderte:
»Dann sind die eigenen Söhne also steuerfrei.
Mt 17,27 Doch wir wollen ihnen keinen Anlass geben, uns anzuklagen, darum geh an
den See und wirf die Angel aus. Dem ersten Fisch, den du fängst, öffne das Maul.
Du wirst darin eine Münze finden, die für deine und meine Abgabe ausreicht.
Bezahle damit die Tempelsteuer!«
Mt 18,1 In dieser Zeit fragten die Jünger Jesus: »Wer ist wohl der Wichtigste in
Gottes neuer Welt?«
Mt 18,2 Jesus rief ein kleines Kind, stellte es in die Mitte
Mt 18,3 und sprach: »Das will ich euch sagen: Wenn ihr euch nicht ändert und so
werdet wie die Kinder, kommt ihr nie in Gottes neue Welt.
Mt 18,4 Wer aber so klein und demütig sein kann wie ein Kind, der ist der Größte
in Gottes neuer Welt.
Mt 18,5 Und wer solch ein Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf.«
Mt 18,6 »Wer in einem Menschen den Glauben, wie ihn ein Kind hat, zerstört, für
den wäre es noch das Beste, mit einem Mühlstein um den Hals ins tiefe Meer
geworfen zu werden.
Mt 18,7 Wehe der Welt, denn sie verführt zum Unglauben! Solche Versuchungen
können ja nicht ausbleiben. Aber wehe dem, der daran schuld ist!
Mt 18,8 Deshalb: Wenn deine Hand oder dein Fuß dich zum Bösen verführen, hack
sie ab und wirf sie weg. Es ist besser, du gehst verkrüppelt und lahm ins ewige
Leben als mit gesunden Händen und Füßen ins ewige Feuer.
Mt 18,9 Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, dann reiß es heraus und wirf es
weg. Es ist besser, einäugig das ewige Leben zu erhalten, als mit beiden Augen
ins Feuer der Hölle geworfen zu werden.«
Mt 18,10 »Hütet euch davor, hochmütig auf die herabzusehen, die euch gering
erscheinen. Denn ich sage euch: Ihre Engel haben immer Zugang zu meinem Vater im
Himmel.
Mt 18,12 Was meint ihr: Wenn ein Mann hundert Schafe hat und eins läuft ihm
davon, was wird er tun? Lässt er nicht die neunundneunzig in den Bergen zurück,
um das verirrte Schaf zu suchen?
Mt 18,13 Und ich versichere euch: Wenn er es endlich gefunden hat, freut er sich
über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verlaufen
hatten.
Mt 18,14 Ebenso will mein Vater nicht, dass auch nur einer, und sei es der
Geringste, verloren geht.«
Mt 18,15 »Wenn dein Bruder Schuld auf sich geladen hat, dann geh zu ihm und sag
ihm, was er falsch gemacht hat. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder
zurückgewonnen.
Mt 18,16 Will er davon nichts wissen, nimm einen oder zwei andere mit, denn
durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen wird die Sache eindeutig bestätigt.
Mt 18,17 Wenn dein Bruder auch dann nicht hören will, bring den Fall vor die
Gemeinde. Nimmt er selbst das Urteil der Gemeinde nicht an, dann behandle ihn
wie einen, der von Gott nichts wissen will und ihn verachtet.
Mt 18,18 Ich versichere euch: Was ihr auf der Erde binden werdet, das soll auch
im Himmel gebunden sein. Und was ihr auf der Erde lösen werdet, das soll auch im
Himmel gelöst sein.
Mt 18,19 Aber auch das sage ich euch: Wenn zwei von euch hier auf der Erde
meinen Vater im Himmel um etwas bitten wollen und darin übereinstimmen, dann
wird er es ihnen geben.
Mt 18,20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich in ihrer
Mitte.«
Mt 18,21 Da fragte Petrus: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn
er mir Unrecht tut? Ist siebenmal denn nicht genug?«
Mt 18,22 »Nein«, antwortete Jesus. »Nicht nur siebenmal, sondern siebzig mal
siebenmal.
Mt 18,23 Man kann die neue Welt Gottes mit einem König vergleichen, der mit
seinen Verwaltern abrechnen wollte.
Mt 18,24 Zu ihnen gehörte ein Mann, der ihm einen Millionenbetrag schuldete.
Mt 18,25 Aber er konnte diese Schuld nicht bezahlen. Deshalb wollte der König
ihn, seine Frau, seine Kinder und seinen gesamten Besitz verkaufen lassen, um
wenigstens einen Teil seines Geldes zu bekommen.
Mt 18,26 Doch der Mann fiel vor dem König nieder und flehte ihn an: ›Herr, hab
noch etwas Geduld! Ich will ja alles bezahlen.‹
Mt 18,27 Da hatte der König Mitleid. Er gab ihn frei und erließ ihm seine
Schulden.
Mt 18,28 Kaum war der Mann frei, ging er zu einem der anderen Verwalter, der ihm
einen kleinen Betrag schuldete, packte ihn, würgte ihn und schrie: ›Bezahl jetzt
endlich deine Schulden!‹
Mt 18,29 Da fiel der andere vor ihm nieder und bettelte: ›Hab noch etwas Geduld!
Ich will ja alles bezahlen.‹
Mt 18,30 Aber der Verwalter wollte nicht warten und ließ ihn ins Gefängnis
werfen, bis er alles bezahlt hätte.
Mt 18,31 Als nun die anderen sahen, was sich da ereignet hatte, waren sie empört
und berichteten es dem König.
Mt 18,32 Da ließ der König den Verwalter zu sich kommen und sagte: ›Was bist du
doch für ein hartherziger Mensch! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil
du mich darum gebeten hast.
Mt 18,33 Hättest du da nicht auch mit meinem anderen Verwalter Erbarmen haben
können, so wie ich mit dir?‹
Mt 18,34 Zornig übergab er ihn den Folterknechten. Sie sollten ihn erst dann
wieder freilassen, wenn er alle seine Schulden zurückgezahlt hätte.
Mt 18,35 Auf die gleiche Art wird mein Vater im Himmel euch behandeln, wenn ihr
euch weigert, eurem Bruder wirklich zu vergeben.«
Mt 19,1 Nachdem Jesus das gesagt hatte, verließ er Galiläa und kam in das Gebiet
von Judäa östlich des Jordan.
Mt 19,2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, und er heilte ihre Kranken.
Mt 19,3 Da kamen einige Pharisäer zu Jesus, weil sie ihm eine Falle stellen
wollten. Sie fragten ihn: »Darf sich ein Mann von seiner Frau aus jedem
beliebigen Grund scheiden lassen?«
Mt 19,4 Jesus antwortete: »Lest ihr denn die Heilige Schrift nicht? Da heißt es
doch, dass Gott am Anfang Mann und Frau schuf und sagte:
Mt 19,5 ›Ein Mann verlässt seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner
Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.‹
Mt 19,6 Sie sind also eins und nicht länger zwei voneinander getrennte Menschen.
Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.«
Mt 19,7 »Doch weshalb«, fragten sie weiter, »hat Mose dann vorgeschrieben, dass
der Mann seiner Frau eine Scheidungsurkunde gibt, wenn er sich von ihr trennt?«
Mt 19,8 Jesus antwortete: »Mose erlaubte es, weil er euer hartes Herz kannte.
Ursprünglich ist es aber anders gewesen.
Mt 19,9 Ich sage euch: Jeder, der sich von seiner Frau trennt und eine andere
heiratet, bricht die Ehe, es sei denn, seine Frau hat ihn betrogen.«
Mt 19,10 Da meinten seine Jünger: »Wenn das mit der Ehe so ist, dann heiratet
man besser gar nicht!«
Mt 19,11 Jesus antwortete: »Nicht jeder kann begreifen, was ich jetzt sage,
sondern nur die, denen Gott das Verständnis dafür gibt.
Mt 19,12 Manche sind von Geburt an zeugungsunfähig; andere werden es durch
menschlichen Eingriff. Und es gibt Menschen, die verzichten auf die Ehe, um Gott
besser dienen zu können. Wer es versteht, der richte sich danach!«
Mt 19,13 Eines Tages brachte man Kinder zu Jesus, damit er sie segnete und für
sie betete. Aber die Jünger wollten sie wegschicken.
Mt 19,14 Doch Jesus sagte: »Lasst die Kinder zu mir kommen und haltet sie nicht
zurück, denn für Menschen wie sie ist Gottes neue Welt bestimmt.«
Mt 19,15 Er legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Danach zog er weiter.
Mt 19,16 Ein junger Mann kam mit der Frage zu Jesus: »Lehrer, was muss ich Gutes
tun, um das ewige Leben zu bekommen?«
Mt 19,17 Jesus entgegnete: »Wieso fragst du mich nach dem Guten? Es gibt nur
einen, der gut ist, und das ist Gott. Du kannst ewiges Leben bekommen, wenn du
Gottes Gebote befolgst.«
Mt 19,18 »Welche denn?«, fragte der Mann, und Jesus antwortete: »Du sollst nicht
töten! Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen! Sag nichts
Unwahres über deinen Mitmenschen!
Mt 19,19 Ehre deinen Vater und deine Mutter, und liebe deinen Mitmenschen wie
dich selbst.«
Mt 19,20 »Daran habe ich mich immer gehalten! Was muss ich denn noch tun?«,
wollte der junge Mann wissen.
Mt 19,21 Jesus antwortete: »Wenn du vollkommen sein willst, dann verkauf, was du
hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum
gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm, und folge mir nach.«
Mt 19,22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg, denn er war sehr
reich.
Mt 19,23 Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Eins ist sicher: Ein Reicher hat es
sehr schwer, in Gottes neue Welt zu kommen.
Mt 19,24 Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes
neue Welt kommt.«
Mt 19,25 Darüber waren die Jünger entsetzt und fragten sich: »Wer kann dann
überhaupt gerettet werden?«
Mt 19,26 Jesus sah sie an und sagte: »Für Menschen ist es unmöglich, aber für
Gott ist alles möglich!«
Mt 19,27 Jetzt fragte Petrus: »Aber wie ist es nun mit uns? Wir haben doch alles
aufgegeben und sind mit dir gegangen. Was bekommen wir dafür?«
Mt 19,28 Jesus antwortete: »Das sollt ihr wissen, die ihr mit mir geht: Wenn der
Menschensohn auf dem Thron der Herrlichkeit sitzen und über Gottes neue Welt
herrschen wird, werdet ihr ebenfalls auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf
Stämme Israels richten.
Mt 19,29 Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Frau,
seine Kinder oder seinen Besitz zurücklässt, um mir zu folgen, wird dies alles
hundertfach zurückerhalten und das ewige Leben empfangen.
Mt 19,30 Viele, die jetzt einen großen Namen haben, werden dann unbedeutend
sein. Und andere, die heute die Letzten sind, werden dort zu den Ersten
gehören.«
Mt 20,1 »Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der
frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb.
Mt 20,2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in
seinem Weinberg arbeiten.
Mt 20,3 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah
dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren.
Mt 20,4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen
angemessenen Lohn.
Mt 20,5 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr
Arbeiter ein.
Mt 20,6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute
untätig herumstehen. Er fragte sie: ›Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?‹
Mt 20,7 ›Uns wollte niemand haben‹, antworteten sie. ›Geht doch und helft auch
noch in meinem Weinberg mit!‹, forderte er sie auf.
Mt 20,8 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: ›Ruf die Leute zusammen, und
zahl ihnen den Lohn aus! Fang beim Letzten an, und hör beim Ersten auf!‹
Mt 20,9 Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam
den vollen Tageslohn.
Mt 20,10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie
erhielten alle nur den vereinbarten Tageslohn.
Mt 20,11 Da beschwerten sie sich beim Weinbauern:
Mt 20,12 ›Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen
dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne
abgerackert!‹
Mt 20,13 ›Mein Freund‹, entgegnete der Weinbauer einem von ihnen, ›dir geschieht
doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt?
Mt 20,14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genauso viel zahlen wie
dir.
Mt 20,15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will!
Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?‹
Mt 20,16 Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die
Letzten.«
Mt 20,17 Auf dem Weg nach Jerusalem nahm Jesus seine Jünger beiseite und sagte
ihnen:
Mt 20,18 »Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den
Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Man wird ihn zum Tode
verurteilen
Mt 20,19 und denen übergeben, die Gott nicht kennen. Die werden ihn verspotten,
auspeitschen und ans Kreuz schlagen. Aber am dritten Tag wird er von den Toten
auferstehen.«
Mt 20,20 Da kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen Jakobus und Johannes zu
Jesus. Sie warf sich vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten.
Mt 20,21 »Was willst du?«, fragte er. Sie antwortete: »Wenn deine Herrschaft
begonnen hat, dann gib meinen beiden Söhnen die Ehrenplätze rechts und links
neben dir!«
Mt 20,22 Jesus entgegnete: »Ihr wisst ja gar nicht, was ihr da verlangt. Könnt
ihr denn auch das schwere Leiden tragen, das auf mich wartet?« »Ja, das können
wir!«, antworteten sie.
Mt 20,23 Darauf erwiderte ihnen Jesus: »Ihr werdet tatsächlich leiden müssen,
aber trotzdem kann ich nicht bestimmen, wer einmal die Plätze rechts und links
neben mir einnehmen wird. Das hat bereits mein Vater entschieden.«
Mt 20,24 Als die anderen zehn Jünger von dem Wunsch der beiden Brüder hörten,
waren sie empört.
Mt 20,25 Da rief Jesus alle zusammen und sagte: »Ihr wisst, wie die Machthaber
der Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos
aus.
Mt 20,26 Aber so darf es bei euch nicht sein. Wer groß sein will, der soll den
anderen dienen,
Mt 20,27 und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.
Mt 20,28 Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen.
Er kam, um zu dienen und sein Leben hinzugeben, damit viele Menschen aus der
Gewalt des Bösen befreit werden.«
Mt 20,29 Als Jesus und seine Jünger die Stadt Jericho verließen, zog eine große
Menschenmenge mit ihnen.
Mt 20,30 Zwei blinde Männer saßen an der Straße. Als sie hörten, dass Jesus
vorüberkam, riefen sie: »Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns!«
Mt 20,31 Die Leute fuhren sie an: »Haltet den Mund!« Aber die Blinden schrien
nur noch lauter: »Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns!«
Mt 20,32 Da blieb Jesus stehen, rief sie zu sich und fragte: »Was soll ich für
euch tun?«
Mt 20,33 »Herr«, flehten ihn die Blinden an, »wir möchten sehen können!«
Mt 20,34 Jesus hatte Mitleid mit ihnen und berührte ihre Augen. Im selben
Augenblick konnten sie sehen, und sie gingen mit ihm.
Mt 21,1 Nachdem Jesus mit seinen Jüngern in die Nähe von Jerusalem gekommen war,
erreichten sie Betfage am Ölberg. Jesus schickte zwei Jünger mit dem Auftrag
voraus:
Mt 21,2 »Geht in das Dorf da vorne! Gleich am Eingang werdet ihr eine Eselin mit
ihrem Fohlen finden, die dort angebunden sind. Bindet sie los und bringt sie zu
mir.
Mt 21,3 Sollte euch jemand fragen, was ihr vorhabt, dann sagt einfach: ›Der Herr
braucht sie.‹ Man wird euch keine Schwierigkeiten machen.«
Mt 21,4 Damit sollte sich das Prophetenwort erfüllen:
Mt 21,5 »Sagt dem Volk von Jerusalem: ›Dein König kommt zu dir. Und doch kommt
er nicht stolz daher, sondern reitet auf einem Esel, ja, auf dem Fohlen einer
Eselin.‹«
Mt 21,6 Die beiden Jünger führten aus, was Jesus ihnen gesagt hatte.
Mt 21,7 Sie brachten die Tiere zu ihm, legten ihre Mäntel über sie, und Jesus
setzte sich darauf.
Mt 21,8 Viele Leute breiteten ihre Kleider als Teppich vor ihm aus, andere
rissen Zweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg.
Mt 21,9 Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen und riefen: »Gelobt sei
der Sohn Davids, ja, gepriesen sei, der im Auftrag des Herrn kommt! Gelobt sei
Gott im Himmel!«
Mt 21,10 Als er so in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in helle
Aufregung. »Wer ist dieser Mann?«, fragten die Leute.
Mt 21,11 »Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa«, riefen die
Menschen, die ihn begleiteten.
Mt 21,12 Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer hinaus,
stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um
Mt 21,13 und rief: »Ihr wisst doch, was Gott in der Heiligen Schrift sagt: ›Mein
Haus soll ein Ort des Gebets sein‹, ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus
gemacht!«
Mt 21,14 Da kamen auch schon Blinde und Gelähmte zu ihm, und er heilte sie im
Tempel.
Mt 21,15 Als die Hohenpriester und die Schriftgelehrten seine Wundertaten sahen
und als sie hörten, wie die Kinder sogar im Tempel riefen: »Gelobt sei der Sohn
Davids!«, wurden sie wütend
Mt 21,16 und fragten Jesus: »Hörst du denn nicht, was die Kinder da schreien?«
»Ja, ich höre es«, antwortete Jesus. »Habt ihr nie gelesen: ›Aus dem Mund der
kleinen Kinder erklingt dein Lob‹?«
Mt 21,17 Damit ließ er sie stehen und ging aus der Stadt nach Betanien, um dort
zu übernachten.
Mt 21,18 Als Jesus am nächsten Morgen nach Jerusalem zurückkehrte, bekam er
Hunger.
Mt 21,19 Da sah er am Wegrand einen Feigenbaum. Er ging hin, fand aber nichts
als Blätter an ihm. Da sagte Jesus zu dem Baum: »Du sollst in Zukunft nie wieder
Feigen tragen!« Im selben Augenblick verdorrte der Baum.
Mt 21,20 Erstaunt fragten die Jünger: »Wie kommt es, dass der Feigenbaum so
schnell vertrocknet ist?«
Mt 21,21 Jesus erwiderte: »Wenn ihr wirklich glaubt und nicht zweifelt, könnt
ihr nicht nur dies tun, sondern noch größere Wunder. Ihr könnt sogar zu diesem
Berg sagen: ›Hebe dich von der Stelle, und stürze dich ins Meer!‹, und es wird
geschehen.
Mt 21,22 Ihr werdet alles bekommen, wenn ihr im festen Glauben darum bittet.«
Mt 21,23 Dann ging Jesus in den Tempel und sprach zu den Menschen. Sofort
stellten ihn die Hohenpriester und die führenden Männer des Volkes zur Rede:
»Woher nimmst du dir das Recht, hier so aufzutreten? Wer gab dir die Vollmacht
dazu?«
Mt 21,24 Jesus erwiderte: »Ich will euch eine Gegenfrage stellen. Wenn ihr die
beantwortet, werde ich euch sagen, wer mir die Vollmacht gegeben hat.
Mt 21,25 War Johannes der Täufer von Gott beauftragt zu taufen oder nicht?« Sie
überlegten: »Wenn wir antworten: ›Gott hat ihn gesandt‹, dann wird er fragen:
›Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‹
Mt 21,26 Wenn wir aber bestreiten, dass Gott ihn gesandt hat, bekommen wir Ärger
mit dem Volk. Denn alle sind davon überzeugt, dass Johannes ein Prophet war.«
Mt 21,27 So antworteten sie schließlich: »Wir wissen es nicht!« Worauf Jesus
entgegnete: »Dann sage ich euch auch nicht, wer mir die Vollmacht gegeben hat.«
Mt 21,28 »Was sagt ihr dazu: Ein Mann hatte zwei Söhne. Er bat den ersten: ›Mein
Sohn, arbeite heute in unserem Weinberg!‹
Mt 21,29 ›Ich will aber nicht!‹, entgegnete dieser. Später tat es ihm leid, und
er ging doch an die Arbeit.
Mt 21,30 Auch den zweiten Sohn forderte der Vater auf, im Weinberg zu arbeiten.
›Ja, Herr‹, antwortete der. Doch er ging nicht hin.
Mt 21,31 Wer von den beiden Söhnen hat nun getan, was der Vater wollte?« Sie
antworteten: »Der erste natürlich!« Da sagte Jesus: »Eins ist sicher: Die
betrügerischen Zolleinnehmer und Huren kommen eher in Gottes neue Welt als ihr.
Mt 21,32 Johannes der Täufer zeigte euch den Weg zu Gott und forderte euch auf,
zu Gott umzukehren. Aber ihr wolltet nichts von ihm wissen. Die Betrüger und
Huren dagegen folgten seinem Ruf. Und obwohl ihr das gesehen habt, kamt ihr
nicht zur Besinnung und wolltet ihm immer noch nicht glauben.«
Mt 21,33 »Hört ein anderes Gleichnis: Ein Grundbesitzer legte einen Weinberg an,
zäunte ihn ein, stellte eine Weinpresse auf und baute einen Wachturm. Dann
verpachtete er den Weinberg an einige Weinbauern und reiste ins Ausland.
Mt 21,34 Als die Zeit der Weinlese kam, beauftragte er seine Knechte, den
vereinbarten Anteil an der Ernte abzuholen.
Mt 21,35 Die Weinbauern aber schlugen den einen nieder, töteten den anderen und
steinigten den dritten.
Mt 21,36 Da beauftragte der Grundbesitzer andere Knechte, eine noch größere
Anzahl. Aber ihnen erging es nicht besser.
Mt 21,37 Schließlich sandte er seinen Sohn, weil er sich sagte: Vor meinem Sohn
werden sie Achtung haben!
Mt 21,38 Als die Weinbauern aber den Sohn kommen sahen, sagten sie zueinander:
›Jetzt kommt der Erbe! Den bringen wir um, und dann gehört der Weinberg
endgültig uns.‹
Mt 21,39 Sie jagten ihn aus dem Weinberg und schlugen ihn tot.
Mt 21,40 Was - meint ihr - wird der Besitzer mit diesen Weinbauern machen, wenn
er zurückkehrt?«
Mt 21,41 Sie antworteten: »Er wird diese Verbrecher umbringen und den Weinberg
an solche Weinbauern verpachten, die ihm seinen Anteil abliefern.«
Mt 21,42 »Richtig«, sagte Jesus; »ihr wisst doch, was in der Heiligen Schrift
steht: ›Der Stein, den die Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie ihn für
unbrauchbar hielten, ist nun zum Grundstein des ganzen Hauses geworden. Was
keiner für möglich gehalten hat, das tut der Herr vor unseren Augen.‹
Mt 21,43 Deshalb sage ich euch: Die neue Welt Gottes wird euch weggenommen und
einem Volk gegeben werden, das Gott gehorcht.
Mt 21,44 Ja, wer auf diesen Stein fällt, wird sich zu Tode stürzen, und auf wen
der Stein fällt, der wird zermalmt.«
Mt 21,45 Als die Hohenpriester und die Pharisäer merkten, dass Jesus in diesem
Gleichnis von ihnen gesprochen hatte,
Mt 21,46 hätten sie ihn am liebsten auf der Stelle festgenommen. Aber sie hatten
Angst vor dem Volk, das Jesus für einen Propheten hielt.
Mt 22,1 Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis:
Mt 22,2 »Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem König, der für seinen
Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitete.
Mt 22,3 Viele wurden zur Hochzeit eingeladen. Als die Vorbereitungen beendet
waren, schickte er seine Diener, um die Gäste abzuholen. Aber keiner wollte
kommen.
Mt 22,4 Er ließ sie durch andere Diener nochmals bitten: ›Es ist alles fertig,
die Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet. Das Fest kann beginnen. Kommt!‹
Mt 22,5 Aber den geladenen Gästen war das gleichgültig. Sie gingen weiter ihrer
Arbeit nach. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft.
Mt 22,6 Einige wurden sogar handgreiflich, misshandelten und töteten die Diener
des Königs.
Mt 22,7 Voller Zorn sandte der König seine Truppen aus, ließ die Mörder
umbringen und ihre Stadt in Brand stecken.
Mt 22,8 Dann sagte er zu seinen Dienern: ›Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet,
aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, an diesem Fest teilzunehmen.
Mt 22,9 Geht jetzt auf die Straßen und ladet alle ein, die euch über den Weg
laufen!‹
Mt 22,10 Das taten die Boten und brachten alle mit, die sie fanden: böse und
gute Menschen. So füllte sich der Festsaal mit Gästen.
Mt 22,11 Als der König kam, um seine Gäste zu begrüßen, bemerkte er einen Mann,
der nicht festlich angezogen war.
Mt 22,12 ›Mein Freund, wie bist du hier ohne Festgewand hereingekommen?‹, fragte
er ihn. Darauf konnte der Mann nichts antworten.
Mt 22,13 Da befahl der König: ›Fesselt ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus
in die Finsternis! Dort wird es nur Heulen und ohnmächtiges Jammern geben.‹
Mt 22,14 Denn viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt.«
Mt 22,15 Nun begannen die Pharisäer zu beraten, wie sie Jesus mit seinen eigenen
Worten in eine Falle locken könnten.
Mt 22,16 Sie schickten ein paar von ihren Leuten und einige Anhänger des Königs
Herodes zu ihm. Die fragten ihn scheinheilig: »Lehrer, wir wissen, dass es dir
allein um die Wahrheit geht. Du sagst uns frei heraus, wie wir nach Gottes
Willen leben sollen. Du redest den Leuten nicht nach dem Mund - ganz gleich, wie
viel Ansehen sie besitzen.
Mt 22,17 Deshalb sage uns: Ist es eigentlich Gottes Wille, dass wir dem
römischen Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?«
Mt 22,18 Jesus durchschaute ihre Hinterhältigkeit. »Ihr Heuchler!«, rief er.
»Warum wollt ihr mir eine Falle stellen?
Mt 22,19 Zeigt mir ein Geldstück!« Sie gaben ihm eine römische Münze.
Mt 22,20 Er fragte sie: »Wessen Bild und Name ist hier eingeprägt?«
Mt 22,21 Sie antworteten: »Das Bild und der Name des Kaisers.« »Nun, dann gebt
dem Kaiser, was ihm zusteht, und gebt Gott, was ihm gehört!«
Mt 22,22 Diese Antwort überraschte sie. Sie ließen Jesus in Ruhe und gingen weg.
Mt 22,23 Am selben Tag kamen einige Sadduzäer zu Jesus. Diese Leute behaupten,
es gebe keine Auferstehung der Toten. Sie fragten ihn:
Mt 22,24 »Lehrer, Mose hat bestimmt: Wenn ein verheirateter Mann stirbt und
keine Kinder hat, dann muss sein Bruder die Witwe heiraten. Der erste ihrer
Söhne soll als Sohn des Verstorbenen gelten.
Mt 22,25 Nun lebten da unter uns sieben Brüder. Der erste heiratete und starb.
Weil er keine Nachkommen hatte, heiratete sein Bruder die Witwe.
Mt 22,26 Auch der zweite Bruder starb, und der nächste Bruder nahm sie zur Frau.
So ging es weiter, bis die Frau mit allen sieben verheiratet gewesen war.
Mt 22,27 Schließlich starb auch sie.
Mt 22,28 Wessen Frau wird sie nun nach der Auferstehung sein? Schließlich waren
ja alle sieben Brüder mit ihr verheiratet.«
Mt 22,29 Jesus antwortete: »Ihr irrt euch, denn ihr kennt weder die Heilige
Schrift noch die Macht Gottes.
Mt 22,30 Wenn die Toten auferstehen, werden sie nicht wie hier auf der Erde
verheiratet sein, sondern wie die Engel Gottes im Himmel leben.
Mt 22,31 Was nun die Auferstehung der Toten überhaupt betrifft: Habt ihr nicht
in der Heiligen Schrift gelesen, wie Gott sagt:
Mt 22,32 ›Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs‹? Er ist doch nicht ein
Gott der Toten, sondern der Lebenden!«
Mt 22,33 Diese Worte Jesu hinterließen einen tiefen Eindruck bei allen Zuhörern.
Mt 22,34 [34/35] Als die Pharisäer hörten, wie Jesus die Sadduzäer zum Schweigen
gebracht hatte, dachten sie sich eine neue Frage aus, um ihm eine Falle zu
stellen. Ein Schriftgelehrter fragte ihn:
Mt 22,36 »Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz Gottes?«
Mt 22,37 Jesus antwortete ihm: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von
ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!‹
Mt 22,38 Das ist das erste und wichtigste Gebot.
Mt 22,39 Ebenso wichtig ist aber das zweite: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich
selbst!‹
Mt 22,40 Alle anderen Gebote und alle Forderungen der Propheten sind in diesen
Geboten enthalten.«
Mt 22,41 Bei dieser Gelegenheit fragte Jesus die Pharisäer:
Mt 22,42 »Was denkt ihr über den Christus, der zu euch als Retter kommen soll?
Wessen Sohn ist er?« Sie antworteten: »Er ist der Sohn Davids.«
Mt 22,43 Da entgegnete Jesus: »Warum aber hat ihn David, geleitet vom Geist
Gottes, ›Herr‹ genannt? Denn David sagte:
Mt 22,44 ›Gott sprach zu meinem Herrn: Setze dich auf den Ehrenplatz an meiner
rechten Seite, bis ich dir alle deine Feinde unterworfen habe!‹
Mt 22,45 Wenn David ihn also ›Herr‹ nennt, wie kann er dann Davids ›Sohn‹ sein?«
Mt 22,46 Darauf wussten sie keine Antwort. Und von da an wagte niemand mehr, ihm
weitere Fragen zu stellen.
Mt 23,1 Dann sprach Jesus zu der Volksmenge und zu seinen Jüngern:
Mt 23,2 »Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind dazu eingesetzt, euch das
Gesetz des Mose auszulegen.
Mt 23,3 Richtet euch nach ihren Vorschriften! Folgt aber nicht ihrem Beispiel!
Denn sie selber tun nicht, was sie von den anderen verlangen.
Mt 23,4 Sie bürden den Menschen unerträgliche Lasten auf, doch sie selbst rühren
keinen Finger, um diese Lasten zu tragen.
Mt 23,5 Mit allem, was sie tun, stellen sie sich zur Schau. Am Arm tragen sie
breite Gebetsriemen und an den Gewändern riesige Quasten.
Mt 23,6 Bei euren Festen wollen sie die Ehrenplätze bekommen, und auch in der
Synagoge sitzen sie stets in der ersten Reihe.
Mt 23,7 Es gefällt ihnen, wenn man sie auf der Straße ehrfurchtsvoll grüßt und
›Meister‹ nennt.
Mt 23,8 Lasst ihr euch nicht so anreden! Nur Gott ist euer Meister, ihr seid
untereinander alle Geschwister.
Mt 23,9 Niemanden auf der Erde sollt ihr ›Vater‹ nennen, denn nur einer ist euer
Vater: Gott im Himmel.
Mt 23,10 Ihr sollt euch auch nicht Lehrer nennen lassen, weil ihr nur einen
Lehrer habt: Christus.
Mt 23,11 Wer unter euch groß sein will, der soll allen anderen dienen.
Mt 23,12 Alle, die sich selbst ehren, werden gedemütigt werden. Wer sich aber
selbst erniedrigt, wird geehrt werden.«
Mt 23,13 »Wehe euch, ihr Pharisäer und Schriftgelehrten! Ihr seid Heuchler!
Durch euch wird anderen der Zugang in die neue Welt Gottes versperrt. Ihr selbst
geht nicht hinein, und die hinein wollen, hindert ihr daran.
Mt 23,15 Wehe euch, ihr Scheinheiligen! Ihr reist über das Meer und durchquert
jede Wüste, um nur einen einzigen Nichtjuden dafür zu gewinnen, eure Gesetze
anzuerkennen. Aber wenn ihr einen gefunden habt, dann wird er durch euch ein
Kind der Hölle, das euch an Bosheit noch übertrifft.
Mt 23,16 Wehe euch! Ihr seid selbst blind und wollt doch andere führen. So
behauptet ihr: ›Beim Tempel Gottes schwören, das hat nichts zu bedeuten. Aber
wer beim Gold im Tempel schwört, der muss seinen Eid halten.‹
Mt 23,17 Ihr blinden Narren! Was zählt mehr: das Gold oder der Tempel, durch den
das Gold erst geheiligt wird?
Mt 23,18 Ihr sagt: ›Ein Eid, beim Altar geschworen, hat keine Bedeutung. Wer
aber bei dem Opfer auf dem Altar schwört, der muss sein Versprechen halten.‹
Mt 23,19 Ihr Verblendeten! Was zählt denn mehr: die Gabe auf dem Altar oder der
Altar, der die Gabe erst zum Opfer werden lässt?
Mt 23,20 Wer beim Altar schwört, schwört bei allem, was darauf liegt.
Mt 23,21 Wer beim Tempel schwört, der ruft Gott zum Zeugen an, der dort wohnt.
Mt 23,22 Und wer beim Himmel schwört, schwört bei dem Thron Gottes und damit bei
Gott selbst, der auf diesem Thron sitzt.
Mt 23,23 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Scheinheiligen!
Sogar von Küchenkräutern wie Minze, Dill und Kümmel gebt ihr Gott den zehnten
Teil. Aber die viel wichtigeren Forderungen Gottes nach Gerechtigkeit,
Barmherzigkeit und Glauben sind euch gleichgültig. Doch gerade darum geht es
hier: Das Wesentliche tun und das andere nicht unterlassen.
Mt 23,24 Ihr aber entfernt jede kleine Mücke aus eurem Essen, doch ganze Kamele
schluckt ihr bedenkenlos hinunter. Andere wollt ihr führen und seid doch selber
blind!
Mt 23,25 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr
poliert eure Becher und Schüsseln außen auf Hochglanz, so wie das Gesetz es
erfordert. Doch gefüllt sind sie mit dem, was ihr in eurer maßlosen Gier anderen
abgenommen habt.
Mt 23,26 Ihr blinden Verführer, reinigt eure Becher erst einmal von innen, dann
werden sie auch außen sauber sein.
Mt 23,27 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr seid wie die
gepflegten Grabstätten: von außen sauber und geschmückt, aber innen ist alles
voll stinkender Verwesung.
Mt 23,28 Ihr steht vor den Leuten als solche da, die Gott ehren, aber in
Wirklichkeit seid ihr voller Bosheit und Heuchelei.
Mt 23,29 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Scheinheiligen! Den
Propheten baut ihr Denkmäler, und die Gräber derer, die nach Gottes Willen
lebten, schmückt ihr.
Mt 23,30 Dazu behauptet ihr noch: ›Wenn wir damals gelebt hätten, wir hätten die
Propheten nicht umgebracht wie unsere Vorfahren.‹
Mt 23,31 Damit gebt ihr also zu, dass ihr die Nachkommen der Prophetenmörder
seid.
Mt 23,32 Ja, ihr treibt es sogar noch schlimmer als sie.
Mt 23,33 Ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr Gottes Gericht und der Hölle
entrinnen?
Mt 23,34 Ich werde euch Propheten, weise Männer und Lehrer schicken, die euch
die Heilige Schrift erklären. Einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen.
Andere werdet ihr in den Synagogen auspeitschen und sie von Stadt zu Stadt
verfolgen.
Mt 23,35 Dadurch seid ihr am Tod aller dieser Menschen schuldig, die nach Gottes
Willen lebten; angefangen bei Abel bis zu Secharja, dem Sohn des Berechja, den
ihr zwischen Tempel und Brandopferaltar ermordet habt.
Mt 23,36 Das sage ich euch: Das Strafgericht für all diese Schuld wird noch über
diese Generation hereinbrechen.«
Mt 23,37 »Jerusalem! O Jerusalem! Du tötest die Propheten und erschlägst die
Boten, die Gott zu dir schickt. Wie oft schon wollte ich deine Bewohner um mich
sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt! Aber ihr habt es
nicht gewollt!
Mt 23,38 Und nun? Von eurem Tempel werden nur noch Trümmer bleiben!
Mt 23,39 Und ich sage euch: Mich werdet ihr erst dann wiedersehen, wenn ihr
rufen werdet: ›Gelobt sei, der im Namen des Herrn zu uns kommt!‹«
Mt 24,1 Als Jesus den Tempel verließ, kamen seine Jünger und wollten ihm die
riesigen Ausmaße der Tempelanlage zeigen.
Mt 24,2 Da sagte Jesus zu ihnen: »Ja, seht es euch genau an! Aber ich kann euch
versichern: Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben. Alles wird nur noch
ein großer Trümmerhaufen sein.«
Mt 24,3 »Wann wird das geschehen?«, fragten ihn später seine Jünger, als er mit
ihnen am Abhang des Ölbergs saß. »Welche Ereignisse werden dein Kommen und das
Ende der Welt ankündigen?«
Mt 24,4 Jesus antwortete: »Lasst euch von keinem Menschen täuschen und
verführen!
Mt 24,5 Denn viele werden auftreten und von sich behaupten: ›Ich bin Christus!‹
Und sie werden viele Menschen in die Irre führen.
Mt 24,6 Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, achtet darauf, aber erschreckt
nicht! Das muss geschehen, doch es bedeutet noch nicht das Ende.
Mt 24,7 Die Völker und Königreiche der Erde werden Kriege gegeneinander führen.
In vielen Teilen der Welt wird es Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben geben.
Mt 24,8 Das ist aber erst der Anfang - so wie die ersten Wehen bei einer Geburt.
Mt 24,9 Dann werdet ihr gefoltert, getötet und in der ganzen Welt gehasst
werden, weil ihr zu mir gehört.
Mt 24,10 Manche werden sich vom Glauben abwenden, einander verraten und hassen.
Mt 24,11 Falsche Propheten werden auftreten und viele verführen.
Mt 24,12 Und weil Gottes Gebote missachtet werden, setzt sich das Böse überall
durch. Die Liebe wird bei vielen Menschen erlöschen.
Mt 24,13 Aber wer bis ans Ende durchhält, wird gerettet.
Mt 24,14 Die rettende Botschaft von Gottes neuer Welt wird auf der ganzen Erde
verkündet werden, damit alle Völker sie hören. Dann erst wird das Ende kommen.
Mt 24,15 Der Prophet Daniel redet von einer ›abscheulichen Götzenstatue‹.
Versucht zu verstehen, was das Geschriebene bedeutet. Wenn ihr diese
Götzenstatue im Tempel stehen seht,
Mt 24,16 dann sollen alle Bewohner Judäas ins Gebirge fliehen.
Mt 24,17 Wer sich gerade auf dem Dach seines Hauses aufhält, soll nicht erst im
Haus sein Gepäck für die Flucht zusammensuchen.
Mt 24,18 Wer auf dem Feld arbeitet, soll nicht erst nach Hause laufen, um seinen
Mantel zu holen.
Mt 24,19 Besonders hart trifft es Schwangere und Mütter mit Säuglingen.
Mt 24,20 Betet deshalb, dass ihr nicht im Winter oder am Sabbat fliehen müsst!
Mt 24,21 Denn es wird eine Zeit der Not kommen, wie sie die Welt in ihrer ganzen
Geschichte noch nicht erlebt hat und wie sie auch nie wieder eintreten wird.
Mt 24,22 Wenn diese Leidenszeit nicht verkürzt würde, könnte niemand gerettet
werden! Aber den Auserwählten Gottes zuliebe wird diese Zeit begrenzt.«
Mt 24,23 »Wenn dann jemand zu euch sagt: ›Hier ist der Christus!‹ oder: ›Dort
ist er!‹, glaubt ihm nicht!
Mt 24,24 Viele werden sich nämlich als ›Christus‹ ausgeben, und es werden
falsche Propheten auftreten. Sie vollbringen große Zeichen und Wunder, um - wenn
möglich - sogar die Auserwählten Gottes irrezuführen.
Mt 24,25 Deshalb bleibt wachsam! Ich habe euch gewarnt!
Mt 24,26 Wenn euch jemand erzählt: ›Der Retter ist draußen in der Wüste‹, so
geht nicht hin. Wenn er sich irgendwo verborgen halten soll, glaubt es nicht.
Mt 24,27 Denn der Menschensohn kommt für alle sichtbar - wie ein Blitz, der von
Ost nach West am Himmel aufzuckt.
Mt 24,28 Dies wird so gewiss geschehen, wie sich die Geier um ein verendetes
Tier scharen.«
Mt 24,29 »Unmittelbar nach dieser großen Schreckenszeit wird sich die Sonne
verfinstern und der Mond nicht mehr scheinen. Die Sterne werden aus ihrer Bahn
geschleudert, und die Kräfte des Weltalls geraten durcheinander.
Mt 24,30 Dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen. Die
Menschen auf der ganzen Erde werden vor Entsetzen jammern und heulen. Alle sehen
dann, wie der Menschensohn in großer Macht und Herrlichkeit in den Wolken des
Himmels kommt.
Mt 24,31 Mit gewaltigem Posaunenschall wird er seine Engel aussenden, und sie
werden seine Auserwählten aus allen Teilen der Welt zu ihm bringen.«
Mt 24,32 »Der Feigenbaum soll euch dafür ein Beispiel sein: Wenn seine Zweige
saftig werden und Blätter treiben, dann wisst ihr, dass es bald Sommer ist.
Mt 24,33 Wenn nun all diese Ereignisse eintreffen, könnt ihr sicher sein: Das
Kommen des Menschensohnes steht unmittelbar bevor.
Mt 24,34 Ja, ich sage euch: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor das alles
geschieht.
Mt 24,35 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber gelten für immer.
Mt 24,36 Niemand weiß, wann das Ende kommen wird, weder die Engel im Himmel noch
der Sohn. Den Tag und die Stunde kennt nur der Vater.
Mt 24,37 Wenn der Menschensohn kommt, wird es auf der Erde zugehen wie zur Zeit
Noahs,
Mt 24,38 als die große Flut hereinbrach. Damals dachten die Menschen auch nur an
Essen, Trinken und Heiraten. Selbst als Noah in die Arche stieg,
Mt 24,39 glaubten die Leute nicht an das Unheil, bis die Flut sie alle mit sich
riss. So wird es auch beim Kommen des Menschensohnes sein.
Mt 24,40 Zwei Männer werden auf dem Feld arbeiten. Der eine wird angenommen, und
der andere bleibt zurück.
Mt 24,41 Zwei Frauen werden Getreide mahlen; die eine wird angenommen, die
andere bleibt zurück.
Mt 24,42 Deshalb seid jederzeit bereit! Denn ihr wisst nicht, wann euer Herr
kommen wird.
Mt 24,43 Eins ist sicher: Wenn der Hausherr wüsste, wann ein Dieb bei ihm
einbrechen will, würde er wach bleiben und sich vor dem Einbrecher schützen.
Mt 24,44 Seid also zu jeder Zeit bereit, denn der Menschensohn wird gerade dann
kommen, wenn ihr am wenigsten damit rechnet!«
Mt 24,45 »Wie verhält sich denn ein kluger und zuverlässiger Verwalter?«, fragte
Jesus die Jünger. »Sein Herr hat ihm die Verantwortung für alle Mitarbeiter
übertragen; er soll sie zu jeder Zeit mit allem Nötigen versorgen.
Mt 24,46 Dieser Verwalter darf sich glücklich nennen, wenn sein Herr ihn bei der
Rückkehr gewissenhaft bei der Arbeit findet.
Mt 24,47 Das sage ich euch: Einem so zuverlässigen Mann wird er die
Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen.
Mt 24,48 Wenn aber ein Verwalter unzuverlässig ist und im Stillen denkt: ›Ach
was, es dauert bestimmt noch lange, bis mein Herr kommt‹,
Mt 24,49 und er fängt an, seine Mitarbeiter zu schlagen und Trinkgelage zu
veranstalten,
Mt 24,50 dann wird die Rückkehr seines Herrn ihn völlig überraschen. Sein Herr
kommt, wenn er nicht damit rechnet.
Mt 24,51 Er wird den unzuverlässigen Verwalter hart bestrafen und ihm den Lohn
geben, den die Heuchler verdienen. Er wird ihn hinausstoßen, dorthin, wo es nur
Weinen und ohnmächtiges Jammern gibt.«
Mt 25,1 »Wenn der Menschensohn seine Herrschaft antritt, wird es sein wie bei
zehn Mädchen, die bei einer Hochzeit als Brautjungfern mit ihren Lampen den
Bräutigam abholen sollten.
Mt 25,2 [2-4] Nur fünf von ihnen waren so klug, sich ausreichend mit Öl für ihre
Lampen zu versorgen. Die anderen dachten überhaupt nicht daran, genügend Öl
mitzunehmen.
Mt 25,5 Als sich die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde und
schliefen ein.
Mt 25,6 Plötzlich um Mitternacht wurden sie mit dem Ruf geweckt: ›Der Bräutigam
kommt! Steht auf und geht ihm entgegen!‹
Mt 25,7 Da sprangen die Mädchen auf und bereiteten ihre Lampen vor.
Mt 25,8 Die fünf, die nicht genügend Öl hatten, baten die anderen: ›Gebt uns
etwas von eurem Öl! Unsere Lampen gehen aus.‹
Mt 25,9 Aber die Klugen antworteten: ›Unser Öl reicht gerade für uns selbst.
Geht doch in den Laden, und kauft euch welches!‹
Mt 25,10 Da gingen sie los. In der Zwischenzeit kam der Bräutigam, und die
Mädchen, die genügend Öl für ihre Lampen hatten, begleiteten ihn in den
Festsaal. Dann wurde die Tür verschlossen.
Mt 25,11 Später kamen auch die fünf anderen. Sie standen draußen und riefen:
›Herr, mach uns die Tür auf!‹
Mt 25,12 Aber er erwiderte: ›Was wollt ihr denn? Ich kenne euch nicht!‹
Mt 25,13 Deshalb seid wach und haltet euch bereit! Denn ihr wisst weder an
welchem Tag noch zu welchem Zeitpunkt der Menschensohn kommen wird.«
Mt 25,14 »Es wird dann so sein wie bei dem Mann, der ins Ausland reisen wollte.
Er rief alle seine Verwalter zusammen und beauftragte sie, während seiner
Abwesenheit mit seinem Vermögen zu arbeiten.
Mt 25,15 Dem einen gab er fünf Zentner Silberstücke, einem anderen zwei und dem
dritten einen Zentner, jedem nach seinen Fähigkeiten. Danach reiste er ab.
Mt 25,16 Der Mann mit den fünf Zentnern Silberstücke war so erfolgreich bei
seinen Geschäften, dass er die Summe verdoppeln konnte.
Mt 25,17 Auch der die zwei Zentner bekommen hatte, verdiente zwei hinzu.
Mt 25,18 Der dritte aber vergrub sein Geld an einem sicheren Ort.
Mt 25,19 Nach langer Zeit kehrte der Herr von seiner Reise zurück und forderte
seine Verwalter auf, mit ihm abzurechnen.
Mt 25,20 Der Mann, der fünf Zentner Silbergeld erhalten hatte, brachte zehn
Zentner. Er sagte: ›Herr, fünf Zentner hast du mir gegeben. Hier, ich habe fünf
dazuverdient.‹
Mt 25,21 Da lobte ihn sein Herr: ›Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen
Dingen bist du treu gewesen, darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen.
Ich lade dich zu meinem Fest ein!‹
Mt 25,22 Danach kam der Mann mit den zwei Zentnern. Er berichtete: ›Herr, auch
ich habe den Betrag verdoppeln können.‹
Mt 25,23 Da lobte ihn der Herr: ›Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen
Dingen bist du treu gewesen, darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen.
Ich lade dich zu meinem Fest ein!‹
Mt 25,24 Schließlich kam der mit dem einen Zentner Silberstücke und erklärte:
›Ich kenne dich als strengen Herrn und dachte: Du erntest, was andere gesät
haben; du nimmst dir, was ich verdient habe.
Mt 25,25 Aus Angst habe ich das Geld sicher aufbewahrt. Hier hast du es wieder
zurück!‹
Mt 25,26 Zornig antwortete ihm darauf sein Herr: ›Auf dich ist kein Verlass, und
faul bist du auch noch! Wenn du schon der Meinung bist, dass ich ernte, was
andere gesät haben, und mir nehme, was du verdient hast,
Mt 25,27 hättest du zumindest mein Vermögen bei einer Bank anlegen können! Dort
hätte es wenigstens Zinsen gebracht!
Mt 25,28 Nehmt ihm das Geld weg, und gebt es dem, der die fünf Zentner hatte!
Mt 25,29 Denn wer viel hat, der bekommt noch mehr dazu, ja, er wird mehr als
genug haben! Wer aber nichts hat, dem wird selbst noch das Wenige, das er hat,
genommen.
Mt 25,30 Und jetzt werft diesen Nichtsnutz hinaus in die Finsternis, wo es nur
Weinen und ohnmächtiges Jammern gibt!‹«
Mt 25,31 »Wenn der Menschensohn in seiner ganzen Herrlichkeit, begleitet von
allen Engeln, kommt, dann wird er auf dem Thron Gottes sitzen.
Mt 25,32 Alle Völker werden vor ihm erscheinen, und er wird die Menschen in zwei
Gruppen teilen, so wie ein Hirte die Schafe von den Böcken trennt.
Mt 25,33 Rechts werden die Schafe und links die Böcke stehen.
Mt 25,34 Dann wird der König zu denen an seiner rechten Seite sagen: ›Kommt her!
Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt die neue Welt Gottes in Besitz, die er seit
Erschaffung der Welt für euch als Erbe bereithält!
Mt 25,35 Denn als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben. Als ich Durst
hatte, bekam ich von euch etwas zu trinken. Ich war ein Fremder bei euch, und
ihr habt mich aufgenommen.
Mt 25,36 Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr
habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.‹
Mt 25,37 Dann werden sie, die nach Gottes Willen gelebt haben, fragen: ›Herr,
wann bist du denn hungrig gewesen und wir haben dir zu essen gegeben? Oder
durstig und wir gaben dir zu trinken?
Mt 25,38 Wann haben wir dir Gastfreundschaft gewährt, und wann bist du nackt
gewesen und wir haben dir Kleider gebracht?
Mt 25,39 Wann warst du denn krank oder im Gefängnis und wir haben dich besucht?‹
Mt 25,40 Der König wird ihnen dann antworten: ›Das will ich euch sagen. Was ihr
für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan!‹
Mt 25,41 Zu denen an seiner linken Seite aber wird er sagen: ›Geht mir aus den
Augen, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer, das für den Teufel und seine Helfer
bestimmt ist!
Mt 25,42 Denn ich war hungrig, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich
war durstig, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben.
Mt 25,43 Ich war ein Fremder unter euch, aber ihr habt mich nicht aufgenommen.
Ich war nackt, aber ihr wolltet mir nichts zum Anziehen geben. Ich war krank und
im Gefängnis, aber ihr habt mich nicht besucht.‹
Mt 25,44 Dann werden auch sie ihn fragen: ›Herr, wann haben wir dich denn
hungrig oder durstig, ohne Unterkunft, nackt, krank oder im Gefängnis gesehen
und dir nicht geholfen?‹
Mt 25,45 Darauf wird ihnen der König antworten: ›Lasst es euch gesagt sein: Die
Hilfe, die ihr meinen geringsten Brüdern verweigert habt, die habt ihr mir
verweigert.‹
Mt 25,46 Und sie werden der ewigen Strafe ausgeliefert sein. Aber die Gottes
Willen getan haben, erwartet unvergängliches Leben.«
Mt 26,1 Als Jesus diese Rede beendet hatte, sagte er zu seinen Jüngern:
Mt 26,2 »Ihr wisst, dass übermorgen das Passahfest beginnt. Dann wird der
Menschensohn an die Menschen ausgeliefert und ans Kreuz genagelt werden.«
Mt 26,3 Zu derselben Zeit versammelten sich die Hohenpriester und die führenden
Männer des Volkes im Palast des Hohenpriesters Kaiphas.
Mt 26,4 Sie berieten darüber, wie sie Jesus heimlich festnehmen und umbringen
lassen könnten.
Mt 26,5 Sie waren sich aber einig: »Es darf auf keinen Fall während der Festtage
geschehen, damit es nicht zu Unruhen im Volk kommt.«
Mt 26,6 Jesus war in Betanien Gast bei Simon, der früher einmal aussätzig
gewesen war.
Mt 26,7 Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. In ihren Händen hielt sie ein
Fläschchen kostbares Öl, mit dem sie seinen Kopf salbte.
Mt 26,8 Als die Jünger das sahen, regten sie sich auf: »Das ist ja die reinste
Verschwendung!
Mt 26,9 Dieses Öl ist ein Vermögen wert! Man hätte es verkaufen und das Geld den
Armen geben sollen.«
Mt 26,10 Als Jesus ihren Ärger bemerkte, sagte er: »Warum kränkt ihr die Frau?
Sie hat etwas Gutes für mich getan.
Mt 26,11 Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben, ich dagegen bin
nicht mehr lange bei euch.
Mt 26,12 Mit diesem Salböl hat sie meinen Körper für mein Begräbnis vorbereitet.
Mt 26,13 Und ich sage euch: Überall in der Welt, wo Gottes rettende Botschaft
verkündet wird, wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie
getan hat.«
Mt 26,14 Anschließend ging einer der zwölf Jünger, Judas Iskariot, zu den
Hohenpriestern
Mt 26,15 und fragte: »Was zahlt ihr mir, wenn ich euch Jesus verrate?« Sie gaben
ihm dreißig Silbermünzen.
Mt 26,16 Von da an suchte Judas eine günstige Gelegenheit, um Jesus zu verraten.
Mt 26,17 Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote kamen die Jünger zu
Jesus und fragten: »Wo sollen wir für dich das Passahmahl vorbereiten?«
Mt 26,18 Jesus nannte den Jüngern einen Namen und befahl: »Geht in die Stadt zu
diesem Mann, und teilt ihm mit: Unser Lehrer sagt: ›Meine Zeit ist gekommen. Ich
will mit meinen Jüngern in deinem Haus das Passahmahl feiern.‹«
Mt 26,19 Die Jünger führten den Auftrag aus und bereiteten alles vor.
Mt 26,20 Am Abend dieses Tages nahm Jesus mit den zwölf Jüngern am Tisch Platz.
Mt 26,21 Beim Essen erklärte er ihnen: »Ich sage euch: Einer von euch wird mich
verraten!«
Mt 26,22 Bestürzt fragte einer nach dem andern: »Meinst du etwa mich, Herr?«
Mt 26,23 Jesus antwortete: »Der mit mir das Brot in die Schüssel taucht, der ist
es.
Mt 26,24 Der Menschensohn muss zwar sterben, wie es in der Heiligen Schrift
vorausgesagt ist. Aber wehe seinem Verräter! Er wäre besser nie geboren worden.«
Mt 26,25 Judas fragte wie die anderen auch: »Meister, du meinst doch nicht etwa
mich?« Da antwortete ihm Jesus: »Doch, du bist es!«
Mt 26,26 Während sie aßen, nahm Jesus Brot, sprach das Dankgebet, teilte das
Brot und gab jedem seiner Jünger ein Stück davon: »Nehmt und esst! Das ist mein
Leib.«
Mt 26,27 Anschließend nahm er einen Becher Wein, dankte Gott und reichte ihn
seinen Jüngern: »Trinkt alle daraus!
Mt 26,28 Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen
besiegelt wird. Es wird zur Vergebung ihrer Sünden vergossen.
Mt 26,29 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich
ihn wieder in der neuen Welt meines Vaters mit euch trinken werde.«
Mt 26,30 Nachdem sie das Danklied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den
Ölberg.
Mt 26,31 Unterwegs sagte Jesus zu seinen Jüngern: »In dieser Nacht werdet ihr
euch alle von mir abwenden. Denn es steht geschrieben: ›Ich werde der Herde den
Hirten nehmen, und die Schafe werden auseinander laufen.‹
Mt 26,32 Aber nach meiner Auferstehung werde ich nach Galiläa gehen, und dort
werdet ihr mich wiedersehen.«
Mt 26,33 Da beteuerte Petrus: »Wenn dich auch alle anderen verlassen - ich halte
zu dir!«
Mt 26,34 Doch Jesus erwiderte ihm: »Ich sage dir: Heute Nacht, noch ehe der Hahn
kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.«
Mt 26,35 »Selbst wenn ich mit dir sterben müsste, würde ich das nicht tun!«,
rief Petrus. Auch die anderen Jünger beteuerten dies.
Mt 26,36 Dann ging Jesus mit seinen Jüngern in einen Garten, der Gethsemane
heißt. Dort bat er sie: »Setzt euch hier hin, und wartet auf mich! Ich will ein
Stück weiter gehen und beten.«
Mt 26,37 Petrus, Jakobus und Johannes nahm er mit. Tiefe Traurigkeit und Angst
überfielen Jesus,
Mt 26,38 und er sagte zu ihnen: »Ich zerbreche beinahe unter der Last, die ich
zu tragen habe. Bleibt bei mir, und wacht mit mir!«
Mt 26,39 Jesus ging ein paar Schritte weiter, warf sich nieder und betete: »Mein
Vater, wenn es möglich ist, so bewahre mich vor diesem Leiden! Aber nicht was
ich will, sondern was du willst, soll geschehen.«
Mt 26,40 Dann kam er zu den drei Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen
waren. Er weckte Petrus und rief: »Könnt ihr denn nicht eine einzige Stunde mit
mir wachen?
Mt 26,41 Bleibt wach und betet, damit ihr der Versuchung widerstehen könnt. Ich
weiß, ihr wollt das Beste, aber aus eigener Kraft könnt ihr es nicht erreichen.«
Mt 26,42 Noch einmal ging er ein Stück weg, um zu beten: »Mein Vater, wenn mir
dieses Leiden nicht erspart bleiben kann, bin ich bereit, deinen Willen zu
erfüllen!«
Mt 26,43 Als er zurückkam, schliefen die Jünger schon wieder; die Augen waren
ihnen zugefallen.
Mt 26,44 Er kehrte um und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten.
Mt 26,45 Dann kam er zu seinen Jüngern zurück und sagte: »Ihr schlaft immer noch
und ruht euch aus? Aber jetzt ist die Stunde gekommen: Der Menschensohn wird den
gottlosen Menschen ausgeliefert.
Mt 26,46 Steht auf, lasst uns gehen! Der Verräter ist schon da.«
Mt 26,47 Noch während Jesus sprach, kam Judas, einer von seinen Jüngern,
zusammen mit vielen Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren.
Die Hohenpriester und die führenden Männer des Volkes hatten sie geschickt.
Mt 26,48 Judas hatte mit ihnen vereinbart: »Der Mann, den ich küssen werde, der
ist es. Den müsst ihr festnehmen!«
Mt 26,49 Er ging auf Jesus zu und sagte: »Sei gegrüßt, Meister!« Dann küsste er
ihn.
Mt 26,50 Jesus sah ihn an: »Mein Freund! Warum bist du gekommen?« Sofort packten
ihn die Männer und nahmen ihn fest.
Mt 26,51 Aber einer der Jünger, die bei Jesus waren, wollte das verhindern. Er
zog sein Schwert, schlug auf einen der Diener des Hohenpriesters ein und hieb
ihm ein Ohr ab.
Mt 26,52 Doch Jesus befahl ihm: »Steck dein Schwert weg! Wer Gewalt anwendet,
wird durch Gewalt umkommen.
Mt 26,53 Ist dir denn nicht klar, dass ich meinen Vater um ein ganzes Heer von
Engeln bitten könnte? Er würde sie mir sofort schicken.
Mt 26,54 Wie sollte sich aber dann erfüllen, was in der Heiligen Schrift
vorausgesagt ist? Es muss alles so geschehen!«
Mt 26,55 Danach wandte sich Jesus an die Männer, die ihn festgenommen hatten:
»Bin ich denn ein Verbrecher, dass ihr euch mit Schwertern und Knüppeln
bewaffnet habt, um mich zu verhaften? Jeden Tag habe ich öffentlich im Tempel
gesprochen. Warum habt ihr mich nicht dort festgenommen?
Mt 26,56 Aber auch dies geschieht, damit sich die Vorhersagen der Propheten
erfüllen.« Entsetzt verließen ihn alle Jünger und flohen.
Mt 26,57 Die Männer, die Jesus festgenommen hatten, brachten ihn zu Kaiphas, dem
Hohenpriester und Vorsitzenden des Hohen Rates. Bei ihm waren die
Schriftgelehrten und die führenden Männer des Volkes versammelt.
Mt 26,58 In sicherem Abstand folgte ihnen Petrus bis in den Innenhof des
Palastes. Dort setzte er sich zu den Dienern, um zu beobachten, was mit Jesus
geschehen würde.
Mt 26,59 Die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugen, die durch ihre
falschen Aussagen Jesus so belasten sollten, dass man ihn zum Tode verurteilen
konnte.
Mt 26,60 Aber es gelang ihnen nicht, obwohl viele Zeugen falsche Anschuldigungen
vorbrachten. Schließlich erklärten zwei Männer:
Mt 26,61 »Dieser Mensch hat behauptet: ›Ich kann den Tempel Gottes abreißen und
in drei Tagen wieder aufbauen.‹«
Mt 26,62 Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus: »Warum antwortest du
nicht? Hast du nichts gegen diese Anschuldigungen zu sagen?«
Mt 26,63 Aber Jesus schwieg. Darauf sagte der Hohepriester: »Ich nehme dich vor
dem lebendigen Gott unter Eid: Sag uns, bist du Christus, der Sohn Gottes?«
Mt 26,64 »Ja, du sagst es«, antwortete Jesus, »und ich versichere euch: Von
jetzt an werdet ihr den Menschensohn an der rechten Seite Gottes sitzen und auf
den Wolken des Himmels kommen sehen.«
Mt 26,65 Empört zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: »Das ist
Gotteslästerung! Wozu brauchen wir noch weitere Zeugen? Ihr habt seine
Gotteslästerung ja selbst gehört!
Mt 26,66 Wie lautet euer Urteil?« Sie schrien: »Er ist schuldig! Er muss
sterben!«
Mt 26,67 Dann spuckten sie Jesus ins Gesicht, schlugen mit den Fäusten auf ihn
ein und verhöhnten ihn:
Mt 26,68 »Na, du Messias! Du bist doch ein Prophet! Sag uns, wer hat dich
geschlagen?«
Mt 26,69 Petrus war immer noch im Hof. Da trat eine Dienerin auf ihn zu und
sagte: »Du gehörst doch auch zu Jesus, diesem Galiläer!«
Mt 26,70 Aber Petrus bestritt das laut: »Ich weiß nicht, wovon du redest.«
Mt 26,71 Als er danach in den Vorhof hinausging, bemerkte ihn eine andere
Dienerin und sagte vor allen Leuten: »Der da gehört auch zu diesem Jesus von
Nazareth!«
Mt 26,72 Doch Petrus behauptete wieder, und diesmal schwor er sogar: »Ich kenne
den Mann gar nicht!«
Mt 26,73 Kurze Zeit später kamen einige von den Leuten, die im Hof standen, und
sagten zu Petrus: »Natürlich gehörst du zu seinen Freunden! Dein Dialekt verrät
dich.«
Mt 26,74 Da rief Petrus: »Ich schwöre euch: Ich kenne diesen Menschen nicht!
Gott soll mich verfluchen, wenn ich lüge!« In diesem Augenblick krähte ein Hahn,
Mt 26,75 und Petrus fielen die Worte ein, die Jesus gesagt hatte: »Ehe der Hahn
kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.« Da ging Petrus hinaus
und weinte voller Verzweiflung.
Mt 27,1 Am frühen Morgen fassten alle Hohenpriester und führenden Männer des
Volkes den Beschluss, Jesus töten zu lassen.
Mt 27,2 Sie ließen ihn fesseln und übergaben ihn Pilatus, dem römischen
Statthalter.
Mt 27,3 Als Judas, der Verräter, sah, dass Jesus zum Tode verurteilt werden
sollte, bereute er bitter, was er getan hatte. Er brachte den Hohenpriestern und
den führenden Männern des Volkes die dreißig Silbermünzen zurück.
Mt 27,4 »Ich habe eine große Schuld auf mich geladen und einen Unschuldigen
verraten!«, bekannte er. »Was geht uns das an?«, gaben sie ihm zur Antwort. »Das
ist deine Sache!«
Mt 27,5 Da nahm Judas das Geld und warf es in den Tempel. Dann lief er fort und
erhängte sich.
Mt 27,6 Die Hohenpriester sammelten die Münzen ein, waren aber der Meinung:
»Dieses Geld dürfen wir nicht in den Tempelschatz legen, weil Blut daran klebt!«
Mt 27,7 Nachdem sie die Sache besprochen hatten, beschlossen sie, eine Tongrube
zu kaufen als Friedhof für die Fremden.
Mt 27,8 Noch heute heißt dieser Friedhof »Blutacker«.
Mt 27,9 Auf diese Weise erfüllte sich das Wort des Propheten Jeremia: »Sie
nahmen die dreißig Silbermünzen - so viel war er dem Volk Israel wert -
Mt 27,10 und kauften das Land von den Töpfern, wie der Herr es mir befohlen
hatte.«
Mt 27,11 Jesus wurde zu dem römischen Statthalter Pilatus gebracht. Der fragte
ihn: »Bist du der König der Juden?« Jesus antwortete: »Ja, du sagst es!«
Mt 27,12 Als nun die Hohenpriester und die führenden Männer des Volkes alle
möglichen Anklagen gegen ihn vorbrachten, schwieg Jesus.
Mt 27,13 »Hörst du denn nicht, wie schwer sie dich beschuldigen?«, fragte
Pilatus.
Mt 27,14 Aber Jesus erwiderte kein Wort. Darüber wunderte sich Pilatus sehr.
Mt 27,15 Der Statthalter begnadigte jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen,
den sich das Volk selbst auswählen durfte.
Mt 27,16 In diesem Jahr saß ein berüchtigter Verbrecher im Gefängnis. Er hieß
Barabbas.
Mt 27,17 Als sich nun die Menschenmenge vor dem Haus des Pilatus versammelt
hatte, fragte er sie: »Wen soll ich diesmal begnadigen? Barabbas oder Jesus,
euren Messias?«
Mt 27,18 Denn Pilatus wusste genau, dass die führenden Männer des jüdischen
Volkes das Verfahren gegen Jesus nur aus Neid angezettelt hatten.
Mt 27,19 Während Pilatus die Gerichtsverhandlung leitete, schickte ihm seine
Frau eine Nachricht: »Unternimm nichts gegen diesen Mann. Er ist unschuldig! Ich
habe seinetwegen in der letzten Nacht einen furchtbaren Traum gehabt.«
Mt 27,20 Inzwischen aber hatten die Hohenpriester und die führenden Männer des
Volkes die Menge aufgewiegelt. Sie sollten von Pilatus verlangen, Barabbas zu
begnadigen und Jesus umzubringen.
Mt 27,21 Als der Statthalter nun seine Frage wiederholte: »Wen von den beiden
soll ich freilassen?«, schrie die Menge: »Barabbas!«
Mt 27,22 »Und was soll mit Jesus geschehen, eurem Messias?« Da brüllten sie
alle: »Ans Kreuz mit ihm!«
Mt 27,23 »Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?«, fragte Pilatus. Doch
ununterbrochen schrie die Menge: »Ans Kreuz mit ihm!«
Mt 27,24 Als Pilatus sah, dass er so nichts erreichte und dass der Tumult nur
immer größer wurde, ließ er eine Schüssel mit Wasser bringen. Für alle sichtbar
wusch er sich die Hände und sagte: »Ich bin am Blut dieses Menschen nicht
schuldig. Die Verantwortung dafür tragt ihr!«
Mt 27,25 Die Menge schrie zurück: »Ja, wir und unsere Kinder, wir tragen die
Folgen!«
Mt 27,26 Da gab Pilatus ihnen Barabbas frei. Jesus ließ er auspeitschen und zur
Kreuzigung abführen.
Mt 27,27 Die Soldaten brachten Jesus in den Hof des Statthalterpalasts und
riefen die ganze Truppe zusammen.
Mt 27,28 Dann zogen sie ihm die Kleider aus und hängten ihm einen scharlachroten
Mantel um.
Mt 27,29 Aus Dornenzweigen flochten sie eine Krone und drückten sie ihm auf den
Kopf. Sie gaben ihm einen Stock in die rechte Hand, knieten vor ihm nieder und
riefen höhnisch: »Es lebe der König der Juden!«
Mt 27,30 Sie spuckten ihn an und schlugen ihm mit dem Stock auf den Kopf.
Mt 27,31 Nachdem sie ihn so verspottet hatten, zogen sie ihm den roten Mantel
wieder aus und gaben ihm seine eigenen Kleider zurück. Dann führten sie Jesus ab
zur Kreuzigung.
Mt 27,32 Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen ein Mann aus Kyrene,
der Simon hieß. Ihn zwangen sie, das Kreuz zu tragen, an das Jesus gehängt
werden sollte.
Mt 27,33 So zogen sie aus der Stadt hinaus nach Golgatha, was »Schädelstätte«
heißt.
Mt 27,34 Dort gaben die Soldaten Jesus Wein mit einem bitteren Zusatz zur
Betäubung. Als Jesus das merkte, wollte er nichts davon trinken.
Mt 27,35 Dann nagelten sie ihn an das Kreuz. Seine Kleider verlosten sie unter
sich.
Mt 27,36 Sie setzten sich neben das Kreuz und bewachten Jesus.
Mt 27,37 Über seinem Kopf brachten sie ein Schild an, auf dem stand, weshalb man
ihn verurteilt hatte: »Das ist Jesus, der König der Juden!«
Mt 27,38 Mit Jesus wurden zwei Verbrecher gekreuzigt, der eine rechts, der
andere links von ihm.
Mt 27,39 Die Leute, die am Kreuz vorübergingen, beschimpften ihn und schüttelten
spöttisch den Kopf:
Mt 27,40 »Den Tempel wolltest du zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen?
Dann rette dich doch selber! Komm vom Kreuz herunter, wenn du wirklich der Sohn
Gottes bist!«
Mt 27,41 Auch die Hohenpriester, Schriftgelehrten und führenden Männer des
Volkes verhöhnten Jesus:
Mt 27,42 »Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen. Wenn
er wirklich der König Israels ist, soll er doch vom Kreuz heruntersteigen. Dann
wollen wir an ihn glauben!
Mt 27,43 Er hat sich doch immer auf Gott verlassen; jetzt wollen wir sehen, ob
Gott ihn wirklich liebt und ihm hilft. Hat er nicht gesagt: ›Ich bin Gottes
Sohn‹ ?«
Mt 27,44 Ebenso beschimpften ihn die beiden Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt
worden waren.
Mt 27,45 Am Mittag wurde es plötzlich im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis
dauerte drei Stunden.
Mt 27,46 Gegen drei Uhr rief Jesus laut: »Eli, Eli, lema sabachtani?« Das heißt:
»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
Mt 27,47 Einige von den Umstehenden aber meinten: »Er ruft den Propheten Elia.«
Mt 27,48 Einer von ihnen nahm schnell einen Schwamm, tauchte ihn in Essig und
steckte ihn auf einen Stab, um Jesus davon trinken zu lassen.
Mt 27,49 Aber die anderen sagten: »Lass doch! Wir wollen sehen, ob Elia kommt
und ihm hilft.«
Mt 27,50 Da schrie Jesus noch einmal laut auf und starb.
Mt 27,51 Im selben Augenblick zerriss im Tempel der Vorhang vor dem
Allerheiligsten von oben bis unten. Die Erde bebte, und die Felsen zerbarsten.
Mt 27,52 Gräber öffneten sich, und viele Verstorbene, die nach Gottes Willen
gelebt hatten, erwachten vom Tod.
Mt 27,53 Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, gingen in die
Stadt und erschienen dort vielen Leuten.
Mt 27,54 Der römische Hauptmann und die Soldaten, die Jesus bewachten,
erschraken sehr bei diesem Erdbeben und allem, was sich sonst ereignete. Sie
sagten: »Dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen!«
Mt 27,55 Viele Frauen aus Galiläa waren mit Jesus zusammen nach Jerusalem
gekommen. Sie hatten für ihn gesorgt, und jetzt beobachteten sie das Geschehen
aus der Ferne.
Mt 27,56 Unter ihnen waren Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus
und Joses, sowie die Mutter der beiden Zebedäussöhne Jakobus und Johannes.
Mt 27,57 Am Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa. Er hieß Josef und war ein
Jünger Jesu.
Mt 27,58 Er ging zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam Jesu. Pilatus befahl,
diese Bitte zu erfüllen.
Mt 27,59 Josef nahm den Toten, wickelte ihn in ein neues Leinentuch
Mt 27,60 und legte ihn in das Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte
hauen lassen. Dann wälzte er einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und
ging fort.
Mt 27,61 Maria aus Magdala und die andere Maria waren auch dabei. Sie blieben
beim Grab sitzen.
Mt 27,62 Am nächsten Tag, es war der Sabbat, kamen die Hohenpriester und
Pharisäer zu Pilatus
Mt 27,63 und sagten: »Herr, uns ist eingefallen, dass dieser Verführer einmal
behauptet hat: ›Drei Tage nach meinem Tod werde ich auferweckt werden!‹
Mt 27,64 Lass darum das Grab bis zum dritten Tag bewachen, sonst stehlen seine
Jünger noch den Leichnam und erzählen jedem, Jesus sei von den Toten
auferstanden. Das aber wäre ein noch größerer Betrug.«
Mt 27,65 »Ich will euch eine Wache geben«, antwortete Pilatus. »Tut, was ihr für
richtig haltet, und sichert das Grab!«
Mt 27,66 Da versiegelten sie den Stein und stellten Wachposten auf.
Mt 28,1 Als der Sabbat vorüber war, am frühen Sonntagmorgen bei Sonnenaufgang,
gingen Maria aus Magdala und die andere Maria hinaus an das Grab.
Mt 28,2 Plötzlich fing die Erde an zu beben, und ein Engel Gottes kam vom Himmel
herab, wälzte den Stein vor dem Grab beiseite und setzte sich darauf.
Mt 28,3 Er leuchtete hell wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee.
Mt 28,4 Die Wachposten stürzten vor Schrecken zu Boden und blieben wie tot
liegen.
Mt 28,5 Der Engel wandte sich an die Frauen: »Fürchtet euch nicht! Ich weiß,
dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
Mt 28,6 Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden, wie er es vorhergesagt hat.
Kommt und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat.
Mt 28,7 Dann beeilt euch, geht zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass Jesus von
den Toten auferstanden ist. Er wird euch nach Galiläa vorausgehen, und dort
werdet ihr ihn sehen. Diese Botschaft soll ich euch ausrichten.«
Mt 28,8 Erschrocken liefen die Frauen vom Grab weg. Gleichzeitig erfüllte sie
unbeschreibliche Freude. Sie wollten sofort den Jüngern alles berichten, was sie
erlebt hatten.
Mt 28,9 Sie waren noch nicht weit gekommen, als Jesus plötzlich vor ihnen stand.
»Seid gegrüßt!«, sagte er. Da fielen sie vor ihm nieder und umklammerten seine
Füße.
Mt 28,10 Jesus beruhigte sie: »Fürchtet euch nicht! Geht, sagt meinen Brüdern,
sie sollen nach Galiläa kommen! Dort werden sie mich sehen.«
Mt 28,11 Nachdem die Frauen das Grab verlassen hatten, liefen einige der
Wachsoldaten zu den Hohenpriestern in die Stadt und berichteten, was geschehen
war.
Mt 28,12 Diese berieten mit den führenden Männern des Volkes, was sie nun tun
sollten. Schließlich gaben sie den Soldaten viel Geld
Mt 28,13 und befahlen ihnen: »Erzählt überall: ›In der Nacht, als wir schliefen,
sind seine Jünger gekommen und haben den Toten gestohlen.‹«
Mt 28,14 Auch versprachen sie ihnen: »Wenn der Statthalter dahinter kommt,
werden wir dafür sorgen, dass euch nichts geschieht.«
Mt 28,15 Die Soldaten nahmen das Geld und hielten sich an den Befehl. So hat
sich diese Geschichte bei den Juden weiter verbreitet und findet noch heute
Glauben.
Mt 28,16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa zu dem Berg, den Jesus ihnen genannt
hatte.
Mt 28,17 Als sie ihn dort sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber
zweifelten, ob es wirklich Jesus war.
Mt 28,18 Da ging Jesus auf seine Jünger zu und sprach: »Ich habe von Gott alle
Macht im Himmel und auf der Erde erhalten.
Mt 28,19 Geht hinaus in die ganze Welt, und ruft alle Menschen dazu auf, mir
nachzufolgen! Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes!
Mt 28,20 Lehrt sie, so zu leben, wie ich es euch aufgetragen habe. Ihr dürft
sicher sein: Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist!«
Mk 1,1 [1/2] Dies ist die rettende Botschaft von Jesus Christus, dem Sohn
Gottes. Alles begann so, wie es der Prophet Jesaja vorausgesagt hatte: »Gott
spricht: ›Ich sende meinen Boten dir voraus, der dein Kommen ankündigt und die
Menschen darauf vorbereitet.‹«
Mk 1,3 »Ein Bote wird in der Wüste rufen: ›Macht den Weg frei für den Herrn!
Räumt alle Hindernisse weg!‹«
Mk 1,4 Dieser Bote war Johannes der Täufer. Er lebte in der Wüste, taufte und
verkündete den Menschen, die zu ihm kamen: »Kehrt um zu Gott, und lasst euch von
mir taufen! Dann wird er euch eure Sünden vergeben.«
Mk 1,5 Viele Menschen aus der ganzen Provinz Judäa und aus Jerusalem kamen zu
ihm. Sie bekannten ihre Sünden und ließen sich von ihm im Jordan taufen.
Mk 1,6 Johannes trug ein aus Kamelhaar gewebtes Gewand, das von einem
Lederriemen zusammengehalten wurde. Er ernährte sich von Heuschrecken und wildem
Honig.
Mk 1,7 Johannes rief den Leuten zu: »Nach mir wird ein anderer kommen, der viel
mächtiger ist als ich. Ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen.
Mk 1,8 Ich taufe euch mit Wasser, aber er wird euch mit dem Heiligen Geist
taufen.«
Mk 1,9 In dieser Zeit kam Jesus aus Nazareth, das in der Provinz Galiläa liegt,
an den Jordan und ließ sich dort von Johannes taufen.
Mk 1,10 Als Jesus nach der Taufe aus dem Wasser gestiegen war, sah er, wie sich
der Himmel über ihm öffnete und der Geist Gottes wie eine Taube auf ihn
herabkam.
Mk 1,11 Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: »Du bist mein geliebter
Sohn, der meine ganze Freude ist.«
Mk 1,12 Kurz darauf führte der Geist Gottes Jesus in die Wüste.
Mk 1,13 Vierzig Tage war er dort den Versuchungen des Satans ausgesetzt. Er
lebte unter wilden Tieren, und die Engel Gottes dienten ihm.
Mk 1,14 Nachdem Johannes der Täufer von König Herodes verhaftet worden war, kam
Jesus in die Provinz Galiläa, um dort Gottes Botschaft zu verkünden:
Mk 1,15 »Jetzt ist die Zeit gekommen, in der Gottes neue Welt beginnt. Kehrt um
zu Gott, und glaubt an die rettende Botschaft!«
Mk 1,16 Als Jesus am See Genezareth entlangging, sah er die beiden Brüder Simon
und Andreas. Sie waren Fischer und warfen gerade ihre Netze aus.
Mk 1,17 Da forderte Jesus sie auf: »Kommt mit mir! Ich will euch zeigen, wie ihr
Menschen für Gott gewinnen könnt.«
Mk 1,18 Sofort ließen die beiden Männer ihre Netze liegen und gingen mit ihm.
Mk 1,19 Nicht weit davon entfernt begegnete Jesus den Söhnen des Zebedäus,
Johannes und Jakobus. Sie saßen im Boot und flickten ihre Netze.
Mk 1,20 Auch sie forderte er auf, mit ihm zu gehen. Da verließen sie ihren Vater
mit seinen Arbeitern und gingen mit Jesus.
Mk 1,21 Nun kamen sie in die Stadt Kapernaum. Am nächsten Sabbat besuchte Jesus
die Synagoge und sprach dort zu den Menschen.
Mk 1,22 Die Zuhörer waren sehr beeindruckt von dem, was er lehrte. Denn anders
als ihre Schriftgelehrten redete Jesus mit einer Vollmacht, die Gott ihm
verliehen hatte.
Mk 1,23 In der Synagoge war ein Mann, der von einem bösen Geist beherrscht
wurde. Der schrie:
Mk 1,24 »Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist doch nur gekommen,
um uns zu vernichten. Ich weiß, dass du von Gott kommst und zu Gott gehörst!«
Mk 1,25 Jesus befahl dem Dämon: »Schweig und verlass diesen Menschen!«
Mk 1,26 Da zerrte der Dämon den Mann hin und her und verließ ihn mit einem
lauten Schrei.
Mk 1,27 Darüber erschraken alle in der Synagoge und fragten sich: »Was ist das
nur für eine Lehre? Und welche Macht dieser Jesus hat! Seinen Befehlen müssen
sogar die bösen Geister gehorchen!«
Mk 1,28 In Windeseile wurde in ganz Galiläa bekannt, was Jesus getan hatte.
Mk 1,29 Nachdem Jesus die Synagoge verlassen hatte, ging er mit Jakobus und
Johannes in Simons Haus, in dem auch Andreas wohnte.
Mk 1,30 Dort erfuhr er, dass Simons Schwiegermutter mit hohem Fieber im Bett
lag.
Mk 1,31 Er ging zu ihr, nahm ihre Hand und richtete sie auf. Sofort war das
Fieber verschwunden. Sie konnte sogar aufstehen und für ihre Gäste sorgen.
Mk 1,32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man viele Kranke und
von Dämonen beherrschte Menschen herbei.
Mk 1,33 Fast alle Bewohner der Stadt versammelten sich vor Simons Haus.
Mk 1,34 Jesus heilte viele von ihren Krankheiten und zwang die Dämonen, ihre
Opfer freizugeben. Dabei verbot er den bösen Geistern, von ihm zu reden, denn
sie wussten genau, wer er war.
Mk 1,35 Am nächsten Morgen stand Jesus vor Tagesanbruch auf und zog sich an eine
einsam gelegene Stelle zurück, um dort allein zu beten.
Mk 1,36 Petrus und die anderen suchten ihn.
Mk 1,37 Als sie ihn gefunden hatten, sagten sie: »Alle Leute fragen nach dir!«
Mk 1,38 Aber er antwortete: »Wir müssen auch noch in die anderen Dörfer gehen,
um dort die rettende Botschaft zu verkünden. Das ist meine Aufgabe.«
Mk 1,39 Jesus reiste durch die ganze Provinz Galiläa, predigte in den Synagogen
und befreite viele aus der Gewalt dämonischer Mächte.
Mk 1,40 Einmal kam ein Aussätziger zu Jesus. Er fiel vor ihm nieder und bat:
»Wenn du willst, kannst du mich heilen.«
Mk 1,41 Jesus hatte Mitleid mit dem Mann. Deshalb streckte er die Hand aus,
berührte ihn und sagte: »Ich will es tun! Sei gesund!«
Mk 1,42 Im selben Augenblick war der Aussatz verschwunden und der Mann geheilt.
Mk 1,43 [43/44] »Sag niemandem etwas«, schärfte Jesus ihm ein, »sondern geh
sofort zum Priester, und lass dich von ihm untersuchen. Bring das Opfer für
deine Heilung dar, wie es Mose vorgeschrieben hat. So werden die Priester sehen,
dass ich im Auftrag Gottes handle.«
Mk 1,45 Doch der Mann erzählte überall, wie er geheilt worden war, so dass Jesus
nicht länger in der Stadt bleiben konnte. Er musste sich in eine einsame Gegend
zurückziehen. Aber auch dorthin kamen von überall die Leute zu ihm.
Mk 2,1 Nach einigen Tagen kehrte Jesus nach Kapernaum zurück. Es sprach sich
schnell herum, dass er wieder im Haus des Simon war.
Mk 2,2 Viele Menschen strömten zusammen, so dass nicht einmal mehr vor der Tür
Platz war. Ihnen allen verkündete Jesus Gottes Botschaft.
Mk 2,3 Da kamen vier Männer, die einen Gelähmten trugen.
Mk 2,4 Weil sie wegen der vielen Menschen nicht bis zu Jesus kommen konnten,
deckten sie über ihm das Dach ab. Durch diese Öffnung ließen sie den Gelähmten
auf seiner Trage hinunter.
Mk 2,5 Als Jesus ihren festen Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: »Mein
Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!«
Mk 2,6 Aber einige der anwesenden Schriftgelehrten dachten:
Mk 2,7 »Das ist Gotteslästerung! Was bildet der sich ein! Nur Gott allein kann
Sünden vergeben.«
Mk 2,8 Jesus durchschaute sie und fragte: »Wie könnt ihr nur so etwas denken!
Mk 2,9 Ist es leichter zu sagen: ›Dir sind deine Sünden vergeben‹ oder diesen
Gelähmten zu heilen?
Mk 2,10 Aber ich will euch zeigen, dass der Menschensohn die Macht hat, hier auf
der Erde Sünden zu vergeben.« Und er forderte den Gelähmten auf:
Mk 2,11 »Steh auf, nimm deine Trage, und geh nach Hause!«
Mk 2,12 Da stand der Mann auf, nahm seine Trage und ging vor aller Augen hinaus.
Fassungslos sahen ihm die Menschen nach und riefen: »So etwas haben wir noch nie
erlebt!« Und alle lobten Gott.
Mk 2,13 Jesus ging an das Ufer des Sees Genezareth und sprach zu den vielen
Menschen, die sich dort versammelt hatten.
Mk 2,14 Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen.
Jesus forderte ihn auf: »Komm, geh mit mir!« Sofort stand Levi auf und folgte
ihm.
Mk 2,15 Später war Jesus mit seinen Jüngern bei Levi zu Gast. Levi hatte viele
Zolleinnehmer eingeladen und andere Leute mit schlechtem Ruf. Viele von ihnen
waren zu Freunden Jesu geworden.
Mk 2,16 Als aber einige Schriftgelehrte, die zur Partei der Pharisäer gehörten,
Jesus in dieser Gesellschaft essen sahen, fragten sie seine Jünger: »Wie kann
sich euer Jesus bloß mit solchem Gesindel einlassen!«
Mk 2,17 Jesus hörte das und antwortete: »Die Gesunden brauchen keinen Arzt,
sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um Menschen in die Gemeinschaft mit Gott
zu rufen, die ohne ihn leben - und nicht solche, die sich sowieso an seine
Gebote halten.«
Mk 2,18 Die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten regelmäßig. Deshalb
kamen einige von ihnen zu Jesus und fragten: »Warum fasten deine Jünger
eigentlich nicht wie die Jünger des Johannes und alle Pharisäer?«
Mk 2,19 Jesus antwortete ihnen: »Sollen die Hochzeitsgäste etwa fasten, wenn der
Bräutigam bei ihnen ist? Nein, sie werden feiern, solange er da ist!
Mk 2,20 Die Zeit kommt ohnehin früh genug, dass der Bräutigam ihnen genommen
wird. Dann werden sie fasten.
Mk 2,21 Niemand flickt ein altes Kleid mit neuem Stoff. Der alte Stoff würde an
der Flickstelle doch wieder reißen, und das Loch würde nur noch größer.
Mk 2,22 Ebenso füllt niemand jungen, gärenden Wein in alte, brüchige Schläuche.
Sonst platzen sie, der Wein läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. Nein,
jungen Wein füllt man in neue Schläuche!«
Mk 2,23 An einem Sabbat ging Jesus mit seinen Jüngern durch die Getreidefelder.
Unterwegs rissen die Jünger Ähren ab und aßen die Körner.
Mk 2,24 Da beschwerten sich die Pharisäer bei Jesus: »Sieh dir das an! Es ist
doch verboten, am Sabbat Getreide zu ernten.«
Mk 2,25 [25/26] Aber Jesus antwortete ihnen: »Habt ihr denn nie gelesen, was
David und seine Männer getan haben - damals, als Abjatar Hoherpriester war? Als
sie hungrig waren, gingen sie in das Haus Gottes und aßen von dem Brot, das Gott
geweiht war und das nur die Priester essen durften.
Mk 2,27 Der Sabbat wurde doch für den Menschen geschaffen und nicht der Mensch
für den Sabbat.
Mk 2,28 Deshalb hat der Menschensohn auch das Recht zu entscheiden, was am
Sabbat erlaubt ist und was nicht.«
Mk 3,1 Als Jesus wie gewohnt zur Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer
verkrüppelten Hand.
Mk 3,2 Seine Gegner warteten gespannt darauf, wie Jesus sich verhalten würde.
Sollte er es nämlich wagen, auch am Sabbat zu heilen, so könnten sie Anklage
gegen ihn erheben.
Mk 3,3 Jesus rief den Mann mit der verkrüppelten Hand zu sich: »Steh auf und
komm hierher, damit alle dich sehen können!«
Mk 3,4 Dann fragte er die Anwesenden: »Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses?
Soll man das Leben eines Menschen retten, oder soll man ihn zugrunde gehen
lassen?« Doch er bekam keine Antwort.
Mk 3,5 Zornig sah Jesus einen nach dem anderen an, traurig über ihre
Hartherzigkeit. Zu dem Mann aber sagte er: »Streck deine Hand aus!« Er streckte
sie aus, und die Hand war gesund.
Mk 3,6 Da verließen die Pharisäer die Synagoge und trafen sich mit den Freunden
und Anhängern des Königs Herodes. Sie berieten miteinander, wie sie Jesus töten
könnten.
Mk 3,7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern wieder an das Ufer des Sees Genezareth
zurück. Aber die Menschen liefen ihm in Scharen aus ganz Galiläa nach. Sogar aus
Judäa,
Mk 3,8 Jerusalem, Idumäa, von der anderen Seite des Jordan und aus Tyrus und
Sidon waren sie gekommen, weil sie von seinen Taten gehört hatten.
Mk 3,9 Als immer mehr Menschen dazukamen, beauftragte er seine Jünger, ein Boot
bereitzuhalten, wenn ihn die Menschen zu sehr bedrängen sollten.
Mk 3,10 Jesus heilte viele Kranke. Darum drängten sich die Leute um ihn. Sie
wollten wenigstens seine Kleider berühren, um dadurch gesund zu werden.
Mk 3,11 Von Dämonen Beherrschte stürzten vor ihm nieder und schrien: »Du bist
der Sohn Gottes!«
Mk 3,12 Aber Jesus befahl ihnen zu schweigen.
Mk 3,13 Danach stieg Jesus auf einen Berg. Einige Männer hatte er aufgefordert
mitzukommen; und sie waren mit ihm gegangen.
Mk 3,14 [14/15] Zwölf von ihnen erwählte er zu Aposteln. Sie sollten ständig bei
ihm bleiben und von ihm lernen. Er wollte sie mit dem Auftrag aussenden, die
Botschaft von Gott zu predigen und Menschen von der Macht der Dämonen zu
befreien.
Mk 3,16 Diese zwölf Männer waren: Simon, dem Jesus den Namen Petrus gab;
Mk 3,17 Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus - Jesus nannte sie
»Donnersöhne« -,
Mk 3,18 Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn
des Alphäus, Thaddäus, Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer,
Mk 3,19 und Judas Iskariot, der Jesus später verriet.
Mk 3,20 Dann kehrte Jesus in das Haus des Simon zurück. Sogleich liefen wieder
so viele Menschen zu ihm, dass er und seine Jünger nicht einmal Zeit zum Essen
hatten.
Mk 3,21 Als seine Angehörigen das erfuhren, wollten sie ihn unbedingt mit nach
Hause nehmen. »Er hat den Verstand verloren!«, sagten sie.
Mk 3,22 Einige der Schriftgelehrten aus Jerusalem behaupteten sogar: »Er hat
sich dem Obersten Teufel verschrieben. Nur weil er vom Herrscher über alle
Dämonen die Macht bekommen hat, kann er Dämonen austreiben.«
Mk 3,23 Jesus aber rief die Leute zu sich und fragte sie: »Warum sollte denn
Satan sich selbst vertreiben?
Mk 3,24 Ein Staat wird untergehen, wenn in ihm verschiedene Herrscher um die
Macht kämpfen.
Mk 3,25 Eine Familie, die ständig in Zank und Streit lebt, bricht auseinander.
Mk 3,26 Wenn der Satan also sich selbst bekämpfte, hätte er keine Macht mehr.
Das wäre sein Untergang.
Mk 3,27 Niemand kann in das Haus eines starken Mannes eindringen und ihn
berauben. Erst wenn er gefesselt ist, kann man sein Haus plündern.
Mk 3,28 Das eine will ich euch sagen: Jede Sünde und jede Gotteslästerung kann
den Menschen vergeben werden.
Mk 3,29 Wer aber den Heiligen Geist verlästert, der wird niemals Vergebung
finden; seine Sünde lastet für immer auf ihm.«
Mk 3,30 Das sagte er zu den Schriftgelehrten, weil sie behauptet hatten: »Er ist
von einem bösen Geist besessen.«
Mk 3,31 [31/32] Noch während Jesus sprach, kamen seine Mutter und seine
Geschwister. Aber weil so viele Menschen bei ihm waren, kamen sie nicht an ihn
heran. Deshalb baten sie, Jesus auszurichten: »Deine Mutter, deine Brüder und
deine Schwestern warten draußen. Sie wollen mit dir reden!«
Mk 3,33 Er gab zur Antwort: »Wer ist meine Mutter, und wer sind meine
Geschwister?«
Mk 3,34 Dann sah er seine Zuhörer an und sagte: »Seht diese dort, sie sind meine
Mutter und meine Geschwister.
Mk 3,35 Wer Gottes Willen tut, ist für mich Bruder, Schwester und Mutter!«
Mk 4,1 Wieder kam eine große Menschenmenge zusammen, als Jesus am See sprach.
Darum stieg er in ein Boot und redete von dort zu den Menschen am Ufer.
Mk 4,2 Was er ihnen von Gott zu sagen hatte, erklärte er ihnen durch
Gleichnisse:
Mk 4,3 »Hört mir zu! Ein Bauer säte Getreide aus.
Mk 4,4 Dabei fielen ein paar Saatkörner auf den Weg. Sofort kamen die Vögel und
pickten sie auf.
Mk 4,5 [5/6] Andere Körner fielen auf felsigen Boden, wo nur wenig Erde war.
Dort ging die Saat zwar schnell auf; aber als die Sonne heiß brannte,
vertrockneten die Pflänzchen, weil ihre Wurzeln in der dünnen Erdschicht zu
wenig Nahrung fanden.
Mk 4,7 Einige Körner fielen zwischen die Disteln, doch diese hatten die junge
Saat bald überwuchert, so dass sie schließlich erstickte.
Mk 4,8 Die übrige Saat aber fiel auf fruchtbaren Boden, wuchs heran und brachte
das Dreißigfache, das Sechzigfache, ja sogar das Hundertfache der Aussaat als
Ertrag.
Mk 4,9 Hört genau auf das, was ich euch sage!«
Mk 4,10 Später, als Jesus mit seinen zwölf Jüngern und den anderen Begleitern
allein war, fragten sie ihn: »Warum erzählst du solche Gleichnisse?«
Mk 4,11 Er antwortete: »Euch lässt Gott die Geheimnisse seiner neuen Welt
verstehen. Zu allen anderen aber rede ich durch Gleichnisse.
Mk 4,12 Denn ›sie sollen sehen, aber nicht erkennen; sie sollen hören, aber
nicht verstehen. Sonst würden sie zu Gott umkehren, und ihre Sünde würde ihnen
vergeben.‹«
Mk 4,13 Dann sagte er zu seinen Jüngern: »Aber ich sehe, dass auch ihr diesen
einfachen Vergleich nicht verstanden habt. Wie wollt ihr dann all die anderen
begreifen?
Mk 4,14 Was der Bauer im Gleichnis aussät, ist die Botschaft Gottes.
Mk 4,15 Die Menschen, bei denen die Saat auf den Weg fällt, haben die Botschaft
zwar gehört. Aber dann kommt der Satan und nimmt ihnen alles wieder weg.
Mk 4,16 Wie felsiger Boden sind die Menschen, die zwar die Botschaft hören und
mit großer Begeisterung annehmen.
Mk 4,17 Aber ihr Glaube hat keine starke Wurzel und deshalb keinen Bestand. Wenn
diese Menschen wegen ihres Glaubens in Schwierigkeiten geraten oder gar verfolgt
werden, wenden sie sich wieder von Gott ab.
Mk 4,18 Der von Disteln überwucherte Boden entspricht den Menschen, die zwar die
Botschaft hören,
Mk 4,19 aber die Sorgen des Alltags, die Verführung durch den Wohlstand und die
Gier nach all den Dingen dieses Lebens ersticken Gottes Botschaft, so dass keine
Frucht wachsen kann.
Mk 4,20 Aber es gibt auch fruchtbaren Boden: Menschen, die Gottes Botschaft
hören und annehmen, so dass sie Frucht bringen, dreißig-, sechzig- oder
hundertfach.«
Mk 4,21 Dann fragte Jesus die Zuhörer: »Zündet man etwa eine Öllampe an, um sie
dann unter einen Eimer oder unters Bett zu stellen? Im Gegenteil! Eine brennende
Lampe stellt man so auf, dass sie den ganzen Raum erhellt.
Mk 4,22 Alles, was jetzt noch verborgen ist, wird einmal ans Licht kommen, und
was jetzt noch ein Geheimnis ist, wird jeder verstehen.
Mk 4,23 Denkt genau darüber nach, was ich euch gesagt habe, und richtet euch
danach!
Mk 4,24 Eins steht fest: Mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr
selbst gemessen werden. Von euch wird man sogar noch mehr erwarten.
Mk 4,25 Denn wer viel hat, der bekommt noch mehr dazu. Wer aber nichts hat, dem
wird selbst noch das Wenige, das er hat, genommen.«
Mk 4,26 Jesus erklärte weiter: »Die neue Welt Gottes kann man vergleichen mit
einem Bauern und der Saat, die er auf sein Feld sät.
Mk 4,27 Nach der Arbeit geht er nach Hause, schläft, steht wieder auf, und das
tagaus, tagein. Im Laufe der Zeit wächst die Saat ohne sein Zutun heran.
Mk 4,28 Denn die Erde lässt die Frucht aufgehen und wachsen. Zuerst kommt der
Halm, dann die Ähre und endlich als Frucht die Körner.
Mk 4,29 Wenn aus der Saat das reife Getreide geworden ist, lässt der Bauer es
abmähen, denn die Erntezeit ist da.«
Mk 4,30 Schließlich fragte Jesus: »Womit sollen wir die neue Welt Gottes noch
vergleichen? Welches Bild könnte euch helfen, sie zu verstehen?
Mk 4,31 Mit Gottes neuer Welt ist es wie mit einem Senfkorn, das auf ein Feld
gesät wird. Es ist der kleinste Same, den es gibt.
Mk 4,32 Wenn er aber in den Boden gesät wird, wächst er schnell heran und wird
größer als andere Sträucher. Er bekommt starke Zweige, in denen die Vögel sogar
ihre Nester bauen können.«
Mk 4,33 Jesus benutzte sehr oft Beispiele, damit die Menschen seine Botschaft
besser verstehen konnten.
Mk 4,34 Immer wieder gebrauchte er solche Gleichnisse. Wenn er aber später mit
seinen Jüngern allein war, erklärte er ihnen die Bedeutung.
Mk 4,35 Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Lasst uns über den
See ans andere Ufer fahren!«
Mk 4,36 Sie schickten die Menschen weg und ruderten mit dem Boot, in dem Jesus
saß, auf den See hinaus. Einige andere Boote folgten ihnen.
Mk 4,37 Da brach ein gewaltiger Sturm los. Hohe Wellen schlugen ins Boot, es
lief voll Wasser und drohte zu sinken.
Mk 4,38 Jesus aber schlief hinten im Boot auf einem Kissen. Da rüttelten ihn die
Jünger wach und schrien voller Angst: »Herr, wir gehen unter! Merkst du das
nicht?«
Mk 4,39 Sofort stand Jesus auf, bedrohte den Wind und rief in das Toben des
Sees: »Sei still und schweig!« Da legte sich der Sturm, und es wurde ganz still.
Mk 4,40 »Warum hattet ihr solche Angst?«, fragte Jesus seine Jünger. »Habt ihr
denn gar kein Vertrauen zu mir?«
Mk 4,41 Voller Entsetzen flüsterten die Jünger einander zu: »Was ist das für ein
Mensch! Selbst Wind und Wellen gehorchen ihm!«
Mk 5,1 Als sie auf der anderen Seite des Sees die Gegend um Gadara erreichten
Mk 5,2 und Jesus aus dem Boot stieg, lief ihnen ein Mann entgegen. Dieser Mensch
wurde von Dämonen beherrscht
Mk 5,3 und hauste in Grabhöhlen. Er war so wild, dass er nicht einmal mit Ketten
gebändigt werden konnte.
Mk 5,4 Sooft man ihn auch fesselte und in Ketten legte, jedes Mal riss er sich
wieder los. Niemand konnte ihn überwältigen.
Mk 5,5 Tag und Nacht hielt er sich in den Grabhöhlen auf oder irrte in den
Bergen umher. Dabei tobte er und schlug mit Steinen auf sich ein.
Mk 5,6 Kaum hatte er Jesus gesehen, warf er sich vor ihm nieder
Mk 5,7 und schrie laut: »Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des
Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht!«
Mk 5,8 Jesus hatte nämlich dem Dämon befohlen: »Verlass diesen Menschen, du
teuflischer Geist!«
Mk 5,9 Da fragte ihn Jesus: »Wie heißt du?« Der Dämon antwortete: »Mein Name ist
Legion, denn viele von uns beherrschen diesen Menschen.«
Mk 5,10 Immer wieder bat er Jesus: »Vertreibe uns nicht aus dieser Gegend!«
Mk 5,11 Nicht weit entfernt an einem Abhang wurde eine große Herde Schweine
gehütet.
Mk 5,12 »Lass uns in diese Schweine fahren«, bettelten die Dämonen.
Mk 5,13 Jesus erlaubte es ihnen. Jetzt ließen die bösen Geister den Mann frei
und bemächtigten sich der Schweine. Die ganze Herde - ungefähr zweitausend Tiere
- stürzte den Abhang hinunter in den See und ertrank.
Mk 5,14 Verstört flohen die Hirten in die Stadt und in die umliegenden Dörfer
und berichteten, was geschehen war. Von überall her kamen die Leute gelaufen, um
sich selbst zu überzeugen.
Mk 5,15 Sie sahen den Mann, den die vielen Dämonen gequält hatten. Er war
ordentlich angezogen und saß ganz ruhig neben Jesus. Da wurde ihnen unheimlich
zumute.
Mk 5,16 Diejenigen aber, die alles mit angesehen hatten, erzählten, wie der
Besessene geheilt wurde und was mit den Schweinen geschehen war.
Mk 5,17 Daraufhin baten die Leute Jesus, er möge ihre Gegend wieder verlassen.
Mk 5,18 Jesus wollte gerade in das Boot steigen, als ihn der Geheilte bat, bei
ihm bleiben zu dürfen.
Mk 5,19 Aber Jesus erlaubte es ihm nicht. Er sagte: »Geh nach Hause zu deiner
Familie und berichte, welch großes Wunder der Herr an dir getan hat und wie
barmherzig er zu dir gewesen ist!«
Mk 5,20 Da wanderte der Mann durch das Gebiet der Zehn Städte und erzählte
jedem, was für ein Wunder Jesus an ihm getan hatte. Und alle staunten.
Mk 5,21 Kaum war Jesus ans andere Ufer zurückgekehrt, als sich dort wieder eine
große Menschenmenge um ihn versammelte.
Mk 5,22 Da kam Jaïrus, ein Vorsteher der jüdischen Gemeinde, und warf sich vor
Jesus nieder.
Mk 5,23 Er flehte ihn an: »Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die
Hände auf, damit sie wieder gesund wird!«
Mk 5,24 Jesus ging mit Jaïrus, dicht gefolgt von einer großen Menschenmenge.
Mk 5,25 Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken
Blutungen litt.
Mk 5,26 Sie hatte sich schon von vielen Ärzten behandeln lassen und dabei ihr
ganzes Vermögen ausgegeben. Aber niemand hatte ihr helfen können. Ihr Leiden war
eher schlimmer geworden.
Mk 5,27 Dann hatte sie davon gehört, dass Jesus Kranke heilte. Deshalb drängte
sie sich durch die Menge an Jesus heran und berührte von hinten sein Gewand.
Mk 5,28 Dabei dachte sie: »Wenn ich wenigstens seine Kleider berühren kann,
werde ich bestimmt gesund.«
Mk 5,29 Und tatsächlich: Die Blutung hörte auf. Sie merkte sofort, dass sie von
ihrem Leiden befreit war.
Mk 5,30 Aber auch Jesus spürte, dass heilende Kraft von ihm ausgegangen war.
Deshalb drehte er sich um und fragte: »Wer hat mich angefasst?«
Mk 5,31 Seine Jünger antworteten: »Die Leute bedrängen dich von allen Seiten,
und da fragst du, wer dich angefasst hat?«
Mk 5,32 Aber Jesus blickte sich weiter um und versuchte herauszufinden, wer ihn
berührt hatte.
Mk 5,33 Die Frau war erschrocken und zitterte am ganzen Leib, denn sie wusste
ja, was an ihr geschehen war. Sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm alles.
Mk 5,34 Jesus sprach zu ihr: »Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Gehe
in Frieden. Du bist geheilt.«
Mk 5,35 Noch während er mit der Frau redete, kamen einige Leute aus dem Haus des
Jaïrus gelaufen und riefen: »Deine Tochter ist gestorben. Es hat keinen Zweck
mehr, den Meister zu holen.«
Mk 5,36 Jesus hörte das und sagte zu Jaïrus: »Verzweifle nicht! Vertrau mir ganz
und gar!«
Mk 5,37 Er wies die Menschen zurück, die ihm folgen wollten. Nur Petrus und die
Brüder Jakobus und Johannes durften ihn begleiten.
Mk 5,38 Als sie im Haus des Jaïrus ankamen, sah Jesus die vielen Menschen und
hörte ihr Weinen und Jammern.
Mk 5,39 »Weshalb macht ihr solchen Lärm?«, fragte er sie. »Warum weint ihr? Das
Kind ist nicht tot, es schläft nur.«
Mk 5,40 Da lachten sie ihn aus. Jesus schickte sie alle weg; nur die Eltern und
seine drei Jünger gingen mit zum Bett des Mädchens.
Mk 5,41 Dann fasste er die Tochter des Jaïrus an der Hand und sagte: »Talita
kum!« Das heißt übersetzt: »Mädchen, steh auf!«
Mk 5,42 Da stand das zwölfjährige Kind auf und ging im Zimmer umher. Ihre Eltern
waren fassungslos. Sie wussten nicht, was sie sagen sollten.
Mk 5,43 Jesus verbot ihnen aber nachdrücklich, anderen davon zu erzählen. »Und
nun gebt dem Kind etwas zu essen!«, sagte er.
Mk 6,1 Bald darauf verließ Jesus diese Gegend und kehrte mit den Jüngern in
seinen Heimatort Nazareth zurück.
Mk 6,2 Am Sabbat ging er in die Synagoge, um dort zu lehren. Die Leute, die ihm
zuhörten, staunten über ihn und fragten: »Wie ist so etwas nur möglich? Woher
hat er diese Weisheit? Wer gibt ihm die Macht, solche Wunder zu tun?
Mk 6,3 Er ist doch der Zimmermann, Marias Sohn. Wir kennen seine Brüder Jakobus,
Joses, Judas und Simon. Und auch seine Schwestern leben alle unter uns.« Sie
ärgerten sich über ihn.
Mk 6,4 Da sagte Jesus: »Nirgendwo gilt ein Prophet weniger als in seiner Heimat,
bei seinen Verwandten und in seiner eigenen Familie.«
Mk 6,5 So konnte er dort keine Wunder tun. Nur einigen Kranken legte er die
Hände auf, und sie wurden gesund.
Mk 6,6 Er wunderte sich über den Unglauben der Leute. Darum ging er in andere
Dörfer und sprach dort überall zu den Menschen.
Mk 6,7 Jesus rief seine zwölf Jünger zu sich und erteilte ihnen den Auftrag,
jeweils zu zweit durch das ganze Land zu ziehen. Er gab ihnen die Vollmacht,
böse Geister auszutreiben.
Mk 6,8 Dann befahl er ihnen: »Nehmt nichts mit außer einem Wanderstab! Ihr sollt
kein Essen, keine Tasche und kein Geld bei euch haben.
Mk 6,9 Nur Schuhe dürft ihr tragen, aber kein zweites Hemd mitnehmen.
Mk 6,10 Wenn ihr in ein Haus kommt, dann bleibt dort, bis ihr weiterzieht.
Mk 6,11 Seid ihr aber in einer Stadt nicht willkommen, und will man eure
Botschaft nicht hören, so geht fort und schüttelt den Staub von euren Füßen als
Zeichen dafür, dass ihr die Stadt dem Urteil Gottes überlasst!«
Mk 6,12 Dann zogen die Jünger los und forderten die Menschen auf: »Kehrt um zu
Gott!«
Mk 6,13 Sie befreiten Menschen, die von bösen Geistern beherrscht waren, und
salbten viele Kranke mit Öl. So wurden die Kranken gesund.
Mk 6,14 Überall sprach man von Jesus und dem, was er tat. Auch König Herodes
hörte davon. Einige Leute sagten: »Johannes der Täufer ist von den Toten
auferstanden. Deshalb kann er solche Wunder tun.«
Mk 6,15 Andere meinten: »Er ist der Prophet Elia.« Wieder andere behaupteten:
»Er ist ein Prophet, wie Gott sie schon früher geschickt hat.«
Mk 6,16 Aber Herodes hatte Angst, weil er überzeugt war: »Es ist Johannes, den
ich enthaupten ließ. Er ist wieder lebendig geworden.«
Mk 6,17 Herodes hatte Johannes nämlich verhaften und im Gefängnis in Ketten
legen lassen. Denn der König hatte Herodias, die Frau seines eigenen Bruders
Philippus, geheiratet,
Mk 6,18 und daraufhin hatte Johannes ihm vorgeworfen: »Es ist nicht richtig,
dass du die Frau deines Bruders geheiratet hast!«
Mk 6,19 Darum hasste ihn Herodias. Sie wollte Johannes umbringen lassen, aber
Herodes war dagegen.
Mk 6,20 Er fürchtete sich nämlich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein
Mann war, der Gott ehrte und ganz zu ihm gehörte. Er hatte Johannes zwar ins
Gefängnis sperren lassen, aber er hörte ihm doch gern zu, auch wenn ihn seine
Worte sehr beunruhigten.
Mk 6,21 Endlich aber kam die Stunde der Herodias. Herodes hatte zu seinem
Geburtstag seine Hofleute, Offiziere und die führenden Männer von Galiläa
eingeladen.
Mk 6,22 Bei diesem Festessen tanzte die Tochter der Herodias. Herodes und seine
Gäste waren begeistert. Der König versprach ihr deshalb: »Bitte mich, um was du
willst; ich will es dir geben.
Mk 6,23 Ich schwöre, dir alles zu geben, was du willst, und wenn es die Hälfte
meines Königreichs wäre.«
Mk 6,24 Sie ging zu ihrer Mutter: »Was soll ich mir denn vom König wünschen?«
»Verlange von ihm, dass er Johannes den Täufer enthaupten lässt!«, antwortete
die Mutter.
Mk 6,25 Darauf lief die Tochter zu Herodes zurück und forderte: »Ich will, dass
du mir sofort den Kopf von Johannes dem Täufer auf einem Teller bringen lässt!«
Mk 6,26 Der König war bestürzt. Aber weil er sein Versprechen vor allen Gästen
gegeben hatte, konnte er die Bitte nicht abschlagen.
Mk 6,27 So befahl er, Johannes töten zu lassen. Der Henker enthauptete Johannes
Mk 6,28 und brachte auf einem Teller den Kopf des Toten. Er überreichte ihn dem
Mädchen, und die gab ihn ihrer Mutter.
Mk 6,29 Als die Jünger des Johannes davon erfuhren, holten sie den Leichnam und
bestatteten ihn.
Mk 6,30 Die zwölf Jünger kehrten zu Jesus zurück und erzählten ihm, was sie auf
ihrer Reise getan und den Menschen verkündet hatten.
Mk 6,31 »Geht jetzt an einen einsamen, stillen Platz!«, sagte Jesus zu ihnen.
»Ihr habt Ruhe nötig!« Es waren nämlich so viele Menschen bei ihnen, dass sie
nicht einmal Zeit zum Essen fanden.
Mk 6,32 Deshalb fuhren sie mit dem Boot an eine einsame Stelle.
Mk 6,33 Aber das hatten viele Leute beobachtet. Aus allen Dörfern liefen sie
dorthin und kamen sogar noch vor Jesus und seinen Jüngern an.
Mk 6,34 Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, hatte er
großes Mitleid mit ihnen; sie waren wie eine Schafherde ohne Hirte. Deshalb nahm
er sich viel Zeit, ihnen Gottes Botschaft zu erklären.
Mk 6,35 [35/36] Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: »Es wird bald
dunkel. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer oder auf die Höfe in der
Umgebung gehen und etwas zu essen kaufen können. Hier gibt es doch nichts.«
Mk 6,37 Aber Jesus forderte sie auf: »Gebt ihr ihnen zu essen!« »Was können wir
ihnen denn geben?«, fragten die Jünger verwundert. »Sollen wir etwa für 200
Silberstücke Brot kaufen, um sie alle zu verpflegen?«
Mk 6,38 »Wie viel Brot habt ihr denn bei euch?«, erkundigte sich Jesus. »Seht
einmal nach!« Kurz darauf kamen sie zurück und berichteten: »Fünf Brote und zwei
Fische haben wir.«
Mk 6,39 Da ordnete Jesus an, dass sich die Leute in Gruppen ins Gras setzen
sollten.
Mk 6,40 So bildeten sie Gruppen von jeweils fünfzig oder hundert Personen.
Mk 6,41 Jetzt nahm Jesus die fünf Brote und die beiden Fische, sah zum Himmel
auf und dankte Gott. Er teilte das Brot, reichte es seinen Jüngern, und die
Jünger gaben es an die Menge weiter. Ebenso ließ er auch die Fische verteilen.
Mk 6,42 Alle aßen sich satt.
Mk 6,43 Als man anschließend die Reste einsammelte, waren es noch zwölf volle
Körbe mit Brot. Auch von den Fischen war noch etwas übrig.
Mk 6,44 An der Mahlzeit hatten fünftausend Männer teilgenommen.
Mk 6,45 Gleich danach befahl Jesus seinen Jüngern, in ihr Boot zu steigen und
über den See nach Betsaida zu fahren. Er selbst blieb zurück, um die Leute zu
verabschieden.
Mk 6,46 Dann ging er allein auf einen Berg, um zu beten.
Mk 6,47 Es wurde Nacht, und die Jünger waren noch weit draußen auf dem See.
Mk 6,48 Jesus sah, dass sie kaum noch das Boot steuern konnten, weil sie gegen
einen schweren Sturm anzukämpfen hatten. In den frühen Morgenstunden kam er auf
dem Wasser zu ihnen. Er war schon beinahe an ihnen vorüber,
Mk 6,49 als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen. Sie schrien vor
Entsetzen, denn sie hielten ihn für ein Gespenst.
Mk 6,50 Alle sahen ihn und waren zu Tode erschrocken. Aber Jesus sprach sie
sofort an: »Habt keine Angst! Ich bin es doch! Fürchtet euch nicht!«
Mk 6,51 Er stieg zu ihnen ins Boot, und gleich legte sich der Sturm. Die Jünger
aber waren fassungslos und wussten nicht, was sie sagen sollten.
Mk 6,52 Selbst nach dem Wunder mit den Broten hatten sie noch immer nicht
begriffen, wer Jesus eigentlich war. Im Grunde ihres Herzens waren sie für seine
Botschaft verschlossen.
Mk 6,53 Nach ihrer Überfahrt legten sie in Genezareth an.
Mk 6,54 Als sie das Boot verließen, erkannten die Leute Jesus sofort.
Mk 6,55 Von überall holten sie die Kranken, um sie auf ihren Tragen dahin zu
bringen, wo sie Jesus gerade vermuteten.
Mk 6,56 Wohin er auch immer kam, in den Dörfern, Städten und draußen auf den
Höfen, trug man die Kranken auf die Plätze und Straßen. Die Kranken baten Jesus,
wenigstens ein Stück seiner Kleidung berühren zu dürfen; und alle, die das
taten, wurden gesund.
Mk 7,1 Eines Tages kamen Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu Jesus.
Mk 7,2 [2/3] Dabei entdeckten sie, dass einige seiner Jünger die jüdischen
Speisevorschriften nicht beachteten. Die Pharisäer und alle Juden essen nämlich
erst, wenn sie sich die Hände sorgfältig gewaschen haben, so wie es den
Überlieferungen ihrer Gesetzeslehrer entspricht.
Mk 7,4 Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie erst, nachdem sie sich nach
bestimmten Vorschriften gewaschen haben. Es gibt noch viele solcher
Vorschriften, die sie streng beachten, zum Beispiel bei der Reinigung von
Trinkbechern, Krügen und Töpfen.
Mk 7,5 Deshalb also fragten die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus: »Warum
beachten deine Jünger unsere alten Vorschriften nicht und essen mit
ungewaschenen Händen?«
Mk 7,6 Jesus antwortete: »Wie Recht hat Jesaja, wenn er von euch Heuchlern
schreibt: ›Diese Leute ehren Gott mit den Lippen, aber mit dem Herzen sind sie
nicht dabei.
Mk 7,7 Ihr Gottesdienst ist wertlos, weil sie ihre menschlichen Gesetze als
Gebote Gottes ausgeben.‹
Mk 7,8 [8/9] Ja, ihr beachtet Gottes Gebote nicht, sondern ersetzt sie durch
eure Vorschriften! Dabei geht ihr sehr geschickt vor.
Mk 7,10 So hat euch Mose das Gebot gegeben: ›Ehre deinen Vater und deine
Mutter!‹ Und: ›Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, der soll sterben!‹
Mk 7,11 Ihr aber behauptet: Wenn jemand seinen hilfsbedürftigen Eltern erklärt:
›Ich kann euch nicht helfen, weil ich mein Vermögen dem Tempel vermacht habe‹,
dann hat er nicht gegen Gottes Gebot verstoßen.
Mk 7,12 In Wirklichkeit habt ihr damit aber nur erreicht, dass niemand mehr
seinem Vater oder seiner Mutter helfen kann.
Mk 7,13 Ihr setzt also durch eure Vorschriften das Gebot Gottes außer Kraft. Und
das ist nur ein Beispiel für viele.«
Mk 7,14 Dann rief Jesus die Menschenmenge zu sich. »Hört, was ich euch sage, und
begreift doch:
Mk 7,15 Nicht, was ein Mensch zu sich nimmt, macht ihn unrein, sondern das, was
er von sich gibt.
Mk 7,16 Denkt genau darüber nach, was ich euch gesagt habe, und richtet euch
danach!«
Mk 7,17 Danach ging Jesus in ein Haus und war mit seinen Jüngern allein. Hier
fragten sie ihn, was er mit dieser Rede gemeint hatte.
Mk 7,18 »Selbst ihr habt es immer noch nicht begriffen?«, erwiderte Jesus.
»Wisst ihr nicht, dass alles, was ein Mensch zu sich nimmt, ihn nicht
verunreinigen kann?
Mk 7,19 Denn was ihr esst, geht nicht in euer Herz hinein; es kommt in den Magen
und wird dann wieder ausgeschieden.« Damit wollte Jesus sagen, dass im Grunde
jede Nahrung rein ist.
Mk 7,20 Und er fügte noch hinzu: »Was aus dem Inneren des Menschen kommt, das
lässt ihn unrein werden.
Mk 7,21 Denn aus dem Inneren, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen
Gedanken wie: sexuelle Zügellosigkeit, Diebstahl, Mord,
Mk 7,22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Betrügerei, ausschweifendes Leben, Neid,
Verleumdung, Überheblichkeit und Unbesonnenheit.
Mk 7,23 Das kommt von innen heraus, und das macht die Menschen vor Gott unrein.«
Mk 7,24 Jesus ging nun mit seinen Jüngern in die Nähe der Hafenstadt Tyrus. Dort
zog er sich in ein Haus zurück, denn er wollte unerkannt bleiben. Aber es sprach
sich schnell herum, dass er gekommen war.
Mk 7,25 Davon hatte auch eine Frau gehört, deren Tochter von einem bösen Geist
beherrscht wurde. Sie kam zu Jesus, warf sich vor ihm nieder
Mk 7,26 und bat ihn, ihr Kind aus der Gewalt des Dämons zu befreien. Die Frau
war keine Jüdin; sie wohnte in Phönizien.
Mk 7,27 Jesus antwortete ihr: »Zuerst müssen die Kinder versorgt werden, die
Israeliten. Es ist nicht richtig, wenn man den Kindern das Brot wegnimmt und es
den Hunden vorwirft.«
Mk 7,28 »Ja, Herr«, erwiderte die Frau, »aber die kleinen Hunde bekommen doch
auch die Krümel, die den Kindern vom Tisch fallen.«
Mk 7,29 »Du hast Recht«, antwortete Jesus, »ich will deiner Tochter helfen. Geh
nach Hause! Der böse Geist hat dein Kind bereits verlassen.«
Mk 7,30 Und tatsächlich: Als die Frau nach Hause kam, lag ihre Tochter friedlich
im Bett. Der Dämon hatte keine Macht mehr über sie.
Mk 7,31 Von Tyrus aus ging Jesus in die Stadt Sidon und von dort wieder an den
See von Galiläa in das Gebiet der Zehn Städte.
Mk 7,32 Dort wurde ein Taubstummer zu ihm gebracht, damit er dem Mann die Hände
auflegte und ihn heilte.
Mk 7,33 Jesus führte den Kranken von der Menschenmenge weg. Er legte seine
Finger in die Ohren des Mannes, berührte dessen Zunge mit Speichel,
Mk 7,34 sah auf zum Himmel, seufzte und sprach: »Öffne dich!«
Mk 7,35 Im selben Augenblick konnte der Taubstumme hören und sprechen.
Mk 7,36 Jesus verbot den Leuten, darüber zu reden. Aber je mehr er es
untersagte, desto mehr erzählten sie alles herum.
Mk 7,37 Denn für die Leute war es unfassbar, was sie gesehen hatten. »Es ist
einfach großartig, was er tut!«, verbreiteten sie überall. »Selbst Taube können
wieder hören, und Stumme sprechen!«
Mk 8,1 In diesen Tagen war wieder einmal eine große Menschenmenge versammelt.
Schließlich hatten die Leute nichts mehr zu essen. Jesus rief seine Jünger zu
sich und sagte:
Mk 8,2 »Die Leute tun mir leid, sie sind jetzt schon drei Tage bei mir und haben
nichts mehr zu essen.
Mk 8,3 Ich kann sie doch nicht hungrig fortschicken. Viele würden den weiten Weg
nach Hause nicht schaffen.«
Mk 8,4 Die Jünger fragten ratlos: »Aber woher sollen wir hier in dieser
verlassenen Gegend genügend Brot bekommen, damit sie alle satt werden?«
Mk 8,5 »Wie viele Brote habt ihr denn?«, wollte Jesus wissen. Sie antworteten:
»Sieben!«
Mk 8,6 Da forderte Jesus die Menschen auf, sich zum Essen niederzulassen. Er
nahm die sieben Brote und dankte Gott dafür. Dann teilte er sie und gab sie den
Jüngern, die sie an die Leute weiterreichten.
Mk 8,7 Sie hatten auch noch einige kleine Fische bei sich. Wieder dankte Jesus
Gott dafür und ließ dann die Fische verteilen.
Mk 8,8 Nachdem sie alle satt waren, wurden die Reste eingesammelt: sieben Körbe
voll.
Mk 8,9 Etwa viertausend Menschen hatten sich satt gegessen. Danach gingen sie
alle in ihre Heimatorte zurück.
Mk 8,10 Jesus stieg mit seinen Jüngern in ein Boot und kam in die Gegend von
Dalmanuta.
Mk 8,11 Hier fingen einige Pharisäer mit Jesus ein Streitgespräch an und wollten
ihn auf die Probe stellen. Sie verlangten nämlich von ihm ein Wunder Gottes als
Beweis dafür, dass er wirklich in Gottes Namen handelte.
Mk 8,12 Jesus seufzte und entgegnete ihnen: »Wie viele Beweise wollt ihr denn
noch haben? Eins steht fest: Leute wie ihr werden von Gott kein Wunder zu sehen
bekommen.«
Mk 8,13 So ließ er sie stehen, stieg wieder in das Boot und fuhr ans andere
Seeufer.
Mk 8,14 Seine Jünger hatten vergessen, Brot mitzunehmen, so dass für alle nur
ein Brot da war. Während sie über den See fuhren,
Mk 8,15 warnte Jesus seine Jünger: »Hütet euch vor dem Sauerteig des Herodes und
der Pharisäer!«
Mk 8,16 Die Jünger überlegten, was er wohl damit meinte: »Das sagt er bestimmt,
weil wir das Brot vergessen haben.«
Mk 8,17 Jesus merkte, worüber sie sprachen, und fragte: »Weshalb macht ihr euch
gleich Sorgen, wenn einmal nicht genug zu essen da ist? Werdet ihr denn nie
verstehen, was ich meine? Könnt ihr gar nichts begreifen? Ist euer Herz denn
noch immer so hart und unempfänglich?
Mk 8,18 Ihr habt doch Augen. Warum seht ihr nicht? Und ihr habt Ohren. Warum
hört ihr nicht? Habt ihr vergessen,
Mk 8,19 dass ich fünftausend Menschen mit fünf Broten gesättigt habe? Wie viel
Körbe habt ihr mit Resten gefüllt?« Sie antworteten: »Zwölf.«
Mk 8,20 »Oder denkt an die sieben Brote, die ich an viertausend Menschen
verteilt habe! Wie viel blieb damals übrig?« Sie antworteten: »Sieben Körbe
voll.«
Mk 8,21 »Und da habt ihr immer noch nichts begriffen?«, fragte sie Jesus.
Mk 8,22 In Betsaida brachten die Leute einen Blinden zu Jesus. Sie baten ihn,
den Mann zu heilen.
Mk 8,23 Jesus nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn zum Dorf hinaus. Dann
strich er etwas Speichel auf seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte:
»Kannst du etwas sehen?«
Mk 8,24 Der Mann blickte auf. »Ja«, sagte er, »ich sehe Menschen herumlaufen.
Aber ich kann sie nicht klar erkennen. Es könnten genauso gut Bäume sein.«
Mk 8,25 Da legte Jesus ihm noch einmal die Hände auf die Augen. Jetzt sah der
Mann deutlich; alles konnte er genau erkennen. Er war geheilt.
Mk 8,26 Aber Jesus befahl ihm: »Geh nicht erst in das Dorf zurück, sondern geh
gleich nach Hause!«
Mk 8,27 Jesus und seine Jünger kamen nun in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Auf
dem Weg dorthin fragte er seine Jünger: »Für wen halten mich die Leute
eigentlich?«
Mk 8,28 Die Jünger erwiderten: »Einige meinen, du seist Johannes der Täufer.
Andere halten dich für Elia oder für einen der Propheten.«
Mk 8,29 »Und für wen haltet ihr mich?«, fragte er sie. Da antwortete Petrus: »Du
bist Christus, der von Gott gesandte Retter.«
Mk 8,30 Jesus befahl seinen Jüngern, mit niemandem darüber zu reden.
Mk 8,31 An diesem Tag sprach Jesus zum ersten Mal von seinem Tod: »Der
Menschensohn muss viel leiden. Die führenden Männer des Volkes, die
Hohenpriester und die Schriftgelehrten werden ihn verurteilen und töten. Aber
nach drei Tagen wird er von den Toten auferstehen.«
Mk 8,32 So offen sprach Jesus mit seinen Jüngern. Da nahm ihn Petrus beiseite,
um ihn von diesen Gedanken abzubringen.
Mk 8,33 Aber Jesus wandte sich von ihm ab, schaute die anderen Jünger an und
rief: »Weg mit dir, Satan! Du verstehst Gottes Gedanken nicht, weil du nur
menschlich denkst!«
Mk 8,34 »Hört her!«, rief Jesus seinen Jüngern und den Menschen zu, die bei ihm
waren. »Wer mir nachfolgen will, der darf nicht mehr sich selbst in den
Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.
Mk 8,35 Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein
Leben für mich und für Gottes rettende Botschaft einsetzt, der wird es für immer
gewinnen.
Mk 8,36 Denn was gewinnt ein Mensch, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er selbst
aber dabei Schaden nimmt?
Mk 8,37 Er kann sein Leben ja nicht wieder zurückkaufen!
Mk 8,38 Wer sich hier vor den gottlosen Menschen schämt, sich zu mir und meiner
Botschaft zu bekennen, den wird auch der Menschensohn nicht kennen, wenn er mit
den heiligen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen wird.«
Mk 9,1 Dann sagte Jesus zu seinen Zuhörern: »Das sage ich euch: Einige von euch,
die hier stehen, werden nicht sterben, bevor die neue Welt Gottes in ihrer
ganzen Kraft sichtbar wird.«
Mk 9,2 Sechs Tage später ging Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen
hohen Berg. Sie waren dort ganz allein. Da wurde Jesus vor ihren Augen
verwandelt:
Mk 9,3 Seine Kleider glänzten so weiß, wie kein Mensch auf der Erde sie bleichen
könnte.
Mk 9,4 Dann erschienen Elia und Mose und redeten mit Jesus.
Mk 9,5 Petrus rief: »Meister, hier gefällt es uns! Wir wollen gleich drei Hütten
bauen, für dich, für Mose und für Elia.«
Mk 9,6 Er wusste aber nicht, was er da redete, denn die drei Jünger waren völlig
verwirrt.
Mk 9,7 Da fiel der Schatten einer Wolke auf sie, und aus der Wolke hörten sie
eine Stimme: »Dies ist mein geliebter Sohn! Auf ihn sollt ihr hören!«
Mk 9,8 Als sich die Jünger umsahen, waren sie plötzlich mit Jesus allein.
Mk 9,9 Während sie den Berg hinabstiegen, befahl ihnen Jesus: »Erzählt keinem,
was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!«
Mk 9,10 So behielten sie es für sich. Aber als sie allein waren, sprachen sie
darüber, was Jesus wohl damit meinte: »von den Toten auferstehen«.
Mk 9,11 Deshalb fragten sie Jesus: »Warum behaupten die Schriftgelehrten, dass
zuerst Elia kommen muss?«
Mk 9,12 Jesus antwortete ihnen: »Sie haben Recht! Zuerst kommt Elia, um alles
vorzubereiten. Und was sagt die Heilige Schrift über den Menschensohn? Dass er
viel leiden muss und von allen verachtet wird!
Mk 9,13 Das eine will ich euch sagen: Elia ist schon gekommen. Sie haben mit ihm
gemacht, was sie wollten. Genau das steht schon in der Schrift.«
Mk 9,14 Bei ihrer Rückkehr fanden sie die anderen Jünger zusammen mit einigen
Schriftgelehrten mitten in einer großen Volksmenge. Die Schriftgelehrten hatten
die Jünger in ein Streitgespräch verwickelt.
Mk 9,15 Als die Leute Jesus sahen, liefen sie ihm aufgeregt entgegen und
begrüßten ihn.
Mk 9,16 »Worüber streitet ihr euch denn?«, fragte er sie.
Mk 9,17 Einer aus der Menge antwortete: »Lehrer, ich habe meinen Sohn
hergebracht, damit du ihn heilst. Er kann nicht sprechen, weil er von einem
bösen Geist beherrscht wird.
Mk 9,18 Wenn dieser Geist Gewalt über ihn gewinnt, wirft er ihn zu Boden. Dann
tritt dem Jungen Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und bleibt
schließlich bewusstlos liegen. Ich habe schon deine Jünger angefleht, den bösen
Geist auszutreiben; aber sie waren machtlos.«
Mk 9,19 Da rief Jesus: »Warum vertraut ihr Gott so wenig? Wie lange muss ich
noch bei euch sein und euch ertragen? Bringt das Kind her zu mir!«
Mk 9,20 Sie brachten es. Als aber der böse Geist Jesus erkannte, zerrte er den
Jungen hin und her. Der stürzte zu Boden, wälzte sich umher, und der Schaum
stand ihm vor dem Mund.
Mk 9,21 »Wie lange leidet er schon darunter?«, fragte Jesus den Vater. Der
antwortete: »Von Kindheit an.
Mk 9,22 Schon oft hat ihn der böse Geist in ein Feuer oder ins Wasser geworfen,
um ihn umzubringen. Hab doch Erbarmen mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!«
Mk 9,23 »Wenn ich kann?«, fragte Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir
vertraust.«
Mk 9,24 Verzweifelt rief der Mann: »Ich vertraue dir ja - hilf mir doch gegen
meinen Zweifel!«
Mk 9,25 Als Jesus sah, dass die Menschenmenge immer größer wurde, bedrohte er
den bösen Geist: »Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass dieses
Kind, und kehre nie wieder zu ihm zurück.«
Mk 9,26 Da stieß der Dämon einen Schrei aus, zerrte den Jungen heftig hin und
her und verließ ihn. Der Junge lag regungslos da, so dass die meisten sagten:
»Er ist tot!«
Mk 9,27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen.
Mk 9,28 Als Jesus mit seinen Jüngern ins Haus gegangen war, fragten sie ihn:
»Weshalb konnten wir diesen Dämon nicht austreiben?«
Mk 9,29 Jesus antwortete: »Solche Geister können nur durch Gebet und Fasten
vertrieben werden.«
Mk 9,30 [30/31] Jesus verließ mit seinen Jüngern diese Gegend und zog durch
Galiläa. Weil er seinen Jüngern noch viel zu sagen hatte, wollte er mit ihnen
allein bleiben. »Der Menschensohn wird bald in der Gewalt der Menschen sein«,
sagte Jesus. »Sie werden ihn töten. Aber wenn sie ihn umgebracht haben, wird er
nach drei Tagen wieder auferstehen.«
Mk 9,32 Doch die Jünger verstanden kein Wort und trauten sich auch nicht, ihn zu
fragen.
Mk 9,33 Sie kamen nach Kapernaum. Als sie im Haus waren, fragte Jesus die
Jünger: »Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?«
Mk 9,34 Doch sie schwiegen verlegen; denn sie hatten sich darüber gestritten,
wer von ihnen der Wichtigste sei.
Mk 9,35 Jesus setzte sich, rief die zwölf Jünger zu sich und sagte: »Wer der
Erste sein will, der soll sich allen anderen unterordnen und ihnen dienen.«
Mk 9,36 Er rief ein kleines Kind, stellte es in die Mitte und umarmte es. Dann
sagte er:
Mk 9,37 »Wer solch ein Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer
mich aufnimmt, der nimmt damit Gott selbst auf, weil Gott mich gesandt hat.«
Mk 9,38 Johannes sagte zu Jesus: »Lehrer, wir haben einen Mann gesehen, der in
deinem Namen Dämonen austrieb. Aber wir haben es ihm verboten, weil er ja gar
nicht mit uns geht.«
Mk 9,39 »Das hättet ihr nicht tun sollen!«, erwiderte Jesus. »Wer in meinem
Namen Wunder vollbringt, wird nicht gleichzeitig schlecht von mir reden.
Mk 9,40 Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
Mk 9,41 Erfrischt euch ein Mensch mit einem Schluck Wasser, weil ihr zu Christus
gehört, so wird er seinen Lohn erhalten. Darauf könnt ihr euch verlassen!«
Mk 9,42 »Wer in einem Menschen den Glauben, wie ihn ein Kind hat, zerstört, für
den wäre es noch das Beste, mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen zu
werden.
Mk 9,43 Wenn deine Hand dich zum Bösen verführt, dann hack sie ab! Es ist
besser, du gehst verstümmelt in das ewige Leben als mit beiden Händen in das
unauslöschliche Feuer der Hölle.
Mk 9,45 Wenn dich dein Fuß auf Abwege führt, dann hack ihn ab! Es ist besser für
dich, mit nur einem Fuß zum ewigen Leben zu kommen, als mit beiden Füßen
geradewegs in die Hölle zu marschieren.
Mk 9,47 Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, dann reiß es heraus. Es ist viel
besser, einäugig in Gottes neue Welt zu gelangen, als mit zwei gesunden Augen
schließlich ins Feuer der Hölle geworfen zu werden.
Mk 9,48 Dort wird die Qual nicht enden und das Feuer nicht verlöschen.
Mk 9,49 Niemand kann sich dem Feuer der Prüfung Gottes entziehen. Es gehört zum
Leben so wie das Salz zum Opfer.
Mk 9,50 Salz ist gut und notwendig, solange es wirkt. Wenn es aber fade geworden
ist, wodurch soll es seine Würzkraft wiedergewinnen? Deshalb achtet darauf, dass
man an euch die Wirkung des Salzes sieht. Haltet Frieden untereinander.«
Mk 10,1 Dann zog Jesus von Kapernaum nach Judäa und in die Gegend östlich des
Jordan. Wie überall strömten auch hier die Menschen zusammen, und wie immer
sprach er zu ihnen.
Mk 10,2 Da kamen einige Pharisäer zu Jesus, weil sie ihm eine Falle stellen
wollten. Sie fragten ihn: »Darf sich ein Mann von seiner Frau scheiden lassen?«
Mk 10,3 Jesus fragte zurück: »Was hat Mose denn im Gesetz vorgeschrieben?«
Mk 10,4 Sie antworteten: »Mose hat gesagt: ›Wenn sich ein Mann von seiner Frau
trennt, soll er ihr eine Scheidungsurkunde geben.‹«
Mk 10,5 Jesus entgegnete: »Das war nur ein Zugeständnis an euer hartes Herz.
Mk 10,6 Aber Gott hat die Menschen von Anfang an als Mann und Frau geschaffen.
Mk 10,7 ›Darum verlässt ein Mann seine Eltern und verbindet sich so eng mit
seiner Frau,
Mk 10,8 dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.‹ Sie sind also eins und
nicht länger zwei voneinander getrennte Menschen.
Mk 10,9 Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.«
Mk 10,10 Als sie wieder im Haus waren, wollten seine Jünger noch mehr darüber
hören.
Mk 10,11 Jesus sagte ihnen: »Wenn sich ein Mann von seiner Frau trennt und eine
andere heiratet, dann ist das Ehebruch.
Mk 10,12 Auch eine Frau bricht die Ehe, wenn sie sich von ihrem Mann trennt und
wieder heiratet.«
Mk 10,13 Einige Eltern brachten ihre Kinder zu Jesus, damit er sie segnete. Die
Jünger aber wollten sie wegschicken.
Mk 10,14 Als Jesus das merkte, wurde er zornig: »Lasst die Kinder zu mir kommen,
und haltet sie nicht zurück, denn für Menschen wie sie ist Gottes neue Welt
bestimmt.
Mk 10,15 Hört, was ich euch sage: Wer sich die neue Welt Gottes nicht wie ein
Kind schenken lässt, dem bleibt sie verschlossen.«
Mk 10,16 Dann nahm er die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und
segnete sie.
Mk 10,17 Als Jesus weitergehen wollte, lief ein Mann auf ihn zu, warf sich vor
ihm auf die Knie und fragte: »Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben
zu bekommen?«
Mk 10,18 Jesus entgegnete: »Weshalb nennst du mich gut? Es gibt nur einen, der
gut ist, und das ist Gott.
Mk 10,19 Du kennst doch seine Gebote: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht die
Ehe brechen! Du sollst nicht stehlen! Sag nichts Unwahres über deinen
Mitmenschen! Du sollst nicht betrügen! Ehre deinen Vater und deine Mutter!«
Mk 10,20 »Lehrer«, antwortete der junge Mann, »an diese Gebote habe ich mich von
Jugend an gehalten.«
Mk 10,21 Jesus sah ihn voller Liebe an: »Etwas fehlt dir noch: Verkaufe alles,
was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum
gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!«
Mk 10,22 Über diese Forderung war der Mann tief betroffen. Traurig ging er weg,
denn er war sehr reich.
Mk 10,23 Da schaute Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: »Wie schwer ist es
doch für die Reichen, in Gottes neue Welt zu kommen!«
Mk 10,24 Er sah, wie entsetzt seine Jünger über diese Worte waren. Deshalb
betonte er noch einmal: »Ja, wie schwer ist es doch, in die neue Welt Gottes zu
gelangen!
Mk 10,25 Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes
neue Welt kommt!«
Mk 10,26 Darüber erschraken die Jünger noch mehr, und sie fragten sich: »Wer
kann dann überhaupt gerettet werden?«
Mk 10,27 Jesus sah sie an und sagte: »Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht
für Gott. Für ihn ist alles möglich!«
Mk 10,28 Jetzt fragte Petrus: »Aber wie ist es nun mit uns? Wir haben doch alles
aufgegeben und sind mit dir gegangen!«
Mk 10,29 Jesus antwortete: »Das sollt ihr wissen: Jeder, der sein Haus, seine
Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz zurücklässt, um mir
zu folgen und die rettende Botschaft von Gott weiterzusagen,
Mk 10,30 der wird schon hier alles hundertfach zurückerhalten: Häuser,
Geschwister, Eltern, Kinder und Besitz. All dies wird ihm - wenn auch mitten
unter Verfolgungen - hier auf dieser Erde gehören und außerdem in der
zukünftigen Welt das ewige Leben.
Mk 10,31 Viele, die jetzt einen großen Namen haben, werden dann unbedeutend
sein. Und andere, die heute die Letzten sind, werden dort zu den Ersten
gehören.«
Mk 10,32 Auf dem Weg nach Jerusalem ging Jesus seinen Jüngern voran. Voller
Angst und Sorge folgten sie ihm. Unterwegs nahm Jesus seine zwölf Jünger
beiseite und sprach noch einmal darüber, was ihn erwartete.
Mk 10,33 »Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den
Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Man wird ihn zum Tode
verurteilen und denen übergeben, die Gott nicht kennen.
Mk 10,34 Die werden ihn verspotten, anspucken, auspeitschen und töten. Aber nach
drei Tagen wird er von den Toten auferstehen.«
Mk 10,35 Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gingen zu Jesus und
sagten: »Lehrer, wirst du uns eine Bitte erfüllen?«
Mk 10,36 »Was wollt ihr?«, fragte Jesus.
Mk 10,37 »Wenn deine Herrschaft begonnen hat, möchten wir gern die Ehrenplätze
rechts und links neben dir einnehmen.«
Mk 10,38 Jesus entgegnete: »Ihr wisst ja gar nicht, was ihr da verlangt! Könnt
ihr denn auch das schwere Leiden tragen, das auf mich wartet? Könnt ihr euer
Leben hingeben, so wie ich es hingeben muss?«
Mk 10,39 »Ja, das können wir!«, antworteten sie. Darauf erwiderte ihnen Jesus:
»Ihr werdet tatsächlich leiden und euer Leben hingeben müssen.
Mk 10,40 Aber trotzdem kann ich nicht bestimmen, wer einmal die Plätze rechts
und links neben mir einnehmen wird. Das hat bereits Gott entschieden.«
Mk 10,41 Als die anderen zehn Jünger von dem Wunsch des Johannes und Jakobus
hörten, waren sie empört.
Mk 10,42 Da rief Jesus alle zusammen und sagte: »Ihr wisst, wie die Machthaber
der Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos
aus.
Mk 10,43 Aber so darf es bei euch nicht sein! Wer groß sein will, der soll den
anderen dienen,
Mk 10,44 und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.
Mk 10,45 Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen.
Er kam, um zu dienen und sein Leben hinzugeben, damit viele Menschen aus der
Gewalt des Bösen befreit werden.«
Mk 10,46 Dann kamen Jesus und seine Jünger nach Jericho. Als sie die Stadt
wieder verlassen wollten, folgte ihnen eine große Menschenmenge. Am Weg saß ein
Blinder und bettelte. Es war Bartimäus, der Sohn des Timäus.
Mk 10,47 Als er hörte, dass Jesus von Nazareth vorbeikam, begann er laut zu
rufen: »Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!«
Mk 10,48 Die Leute fuhren ihn an: »Halt den Mund!« Aber er schrie nur noch
lauter: »Du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!«
Mk 10,49 Da blieb Jesus stehen: »Ruft ihn her zu mir.« Ein paar von den Leuten
liefen zu dem Blinden und sagten zu ihm: »Nur Mut! Komm mit! Jesus ruft dich.«
Mk 10,50 Bartimäus ließ sein Gewand zu Boden fallen, sprang auf und kam zu
Jesus.
Mk 10,51 »Was soll ich für dich tun?«, fragte ihn Jesus. »Meister«, flehte ihn
der Blinde an, »ich möchte sehen können!«
Mk 10,52 Darauf antwortete Jesus: »Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.« Im selben
Augenblick konnte der Blinde sehen, und er ging mit Jesus.
Mk 11,1 Jesus und seine Jünger kamen in die Nähe von Jerusalem. Sie erreichten
Betfage und Betanien, zwei Ortschaften, die am Ölberg liegen. Jesus schickte
zwei Jünger voraus
Mk 11,2 mit dem Auftrag: »Geht in das Dorf da vorne! Gleich am Eingang werdet
ihr einen jungen Esel finden, der dort angebunden ist. Auf ihm ist noch nie
jemand geritten. Bindet ihn los und bringt ihn her.
Mk 11,3 Sollte jemand fragen, was ihr da macht, dann sagt einfach: ›Unser Herr
braucht das Tier, aber er wird es bald wieder zurückschicken.‹«
Mk 11,4 Sie gingen hin und fanden den Esel draußen auf der Straße an ein Hoftor
angebunden. Sie banden ihn los;
Mk 11,5 aber einige Leute, die dabeistanden, fragten: »Was macht ihr denn da?
Was wollt ihr mit dem Esel?«
Mk 11,6 Sie antworteten so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte. Da ließ man sie
gewähren.
Mk 11,7 Die Jünger brachten den jungen Esel, legten ihre Mäntel auf das Tier,
und Jesus setzte sich darauf.
Mk 11,8 Viele Leute breiteten ihre Kleider als Teppich vor ihm aus, andere
rissen Zweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg.
Mk 11,9 Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen und riefen: »Gelobt sei
Gott, und gepriesen sei, der in seinem Auftrag kommt!
Mk 11,10 Jetzt ist Davids Reich endlich da! Gelobt sei Gott im Himmel!«
Mk 11,11 So zog Jesus in Jerusalem ein. Er ging in den Tempel und sah sich dort
aufmerksam um. Am Abend kehrte er mit seinen Jüngern nach Betanien zurück.
Mk 11,12 Am nächsten Morgen, als sie Betanien verließen, hatte Jesus Hunger.
Mk 11,13 Schon von weitem sah er einen Feigenbaum mit vielen Blättern. Er ging
hin, um sich ein paar Feigen zu pflücken. Aber er fand nichts als Blätter, denn
zu dieser Jahreszeit gab es noch keine Feigen.
Mk 11,14 Da hörten die Jünger, wie Jesus zu dem Baum sagte: »Nie wieder soll
jemand von dir eine Frucht essen!«
Mk 11,15 Sie kamen nach Jerusalem, und Jesus ging in den Tempel. Dort jagte er
alle Händler und Käufer hinaus; die Tische der Geldwechsler und die Stände der
Taubenhändler stieß er um.
Mk 11,16 Er duldete noch nicht einmal, dass jemand irgendetwas durch den
Tempelvorhof trug.
Mk 11,17 »Ihr wisst doch, was Gott in der Heiligen Schrift sagt«, rief Jesus der
Menschenmenge zu: »›Mein Haus soll für alle Völker ein Ort des Gebets sein‹, ihr
aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.«
Mk 11,18 Nachdem die Hohenpriester und Schriftgelehrten von diesen Ereignissen
gehört hatten, stand ihr Entschluss fest, Jesus umzubringen. Sie fürchteten
seinen Einfluss, denn seine Worte hinterließen tiefen Eindruck bei den Menschen.
Mk 11,19 Am Abend verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt.
Mk 11,20 Als sie am nächsten Morgen wieder an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen
sie, dass er völlig abgestorben war.
Mk 11,21 Petrus erinnerte sich und sagte: »Meister, sieh doch! Der Baum, den du
verflucht hast, ist vertrocknet.«
Mk 11,22 Da antwortete Jesus: »Ihr müsst Gott ganz vertrauen!
Mk 11,23 Denn das ist sicher: Wenn ihr glaubt und nicht im Geringsten daran
zweifelt, dass es wirklich geschieht, könnt ihr zu diesem Berg hier sagen: ›Hebe
dich von der Stelle, und stürze dich ins Meer!‹, und es wird geschehen.
Mk 11,24 Ja, ich sage euch: Um was ihr auch bittet - glaubt fest, dass ihr es
schon bekommen habt, und Gott wird es euch geben!
Mk 11,25 Aber wenn ihr ihn um etwas bittet, sollt ihr vorher den Menschen
vergeben, mit denen ihr nicht zurechtkommt. Dann wird euch der Vater im Himmel
eure Schuld auch vergeben.«
Mk 11,27 Sie gingen wieder nach Jerusalem. Als Jesus im Tempel war, kamen die
Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die führenden Männer des Volkes zu Jesus
Mk 11,28 und stellten ihn zur Rede: »Woher nimmst du dir das Recht, hier so
aufzutreten? Wer gab dir die Vollmacht dazu?«
Mk 11,29 Jesus erwiderte: »Ich will euch eine Gegenfrage stellen. Wenn ihr die
beantwortet, werde ich euch sagen, wer mir die Vollmacht gegeben hat.
Mk 11,30 War Johannes der Täufer von Gott beauftragt zu taufen oder nicht? Was
meint ihr?«
Mk 11,31 Sie überlegten: »Wenn wir antworten: ›Gott hat ihn gesandt‹, dann wird
er fragen: ›Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‹
Mk 11,32 Wenn wir aber bestreiten, dass Gott ihn gesandt hat, bekommen wir Ärger
mit dem Volk. Denn alle sind davon überzeugt, dass Johannes ein Prophet war.«
Mk 11,33 So antworteten sie schließlich: »Wir wissen es nicht!« Worauf Jesus
entgegnete: »Dann sage ich euch auch nicht, wer mir die Vollmacht gegeben hat.«
Mk 12,1 Wenn Jesus zu den Menschen redete, gebrauchte er oft Gleichnisse. So
erzählte er: »Ein Mann legte einen Weinberg an, zäunte ihn ein, stellte eine
Weinpresse auf und baute einen Wachturm. Dann verpachtete er den Weinberg an
einige Weinbauern und reiste ins Ausland.
Mk 12,2 Zur Zeit der Weinlese beauftragte er einen Knecht, den vereinbarten
Anteil an der Ernte abzuholen.
Mk 12,3 Aber die Weinbauern schlugen den Knecht nieder und jagten ihn mit leeren
Händen davon.
Mk 12,4 Da schickte der Besitzer einen zweiten Boten. Auch den beschimpften sie
und schlugen ihm den Kopf blutig.
Mk 12,5 Den dritten Boten des Weinbergbesitzers brachten sie um. Immer wieder
versuchte der Besitzer, zu seinem Ernteanteil zu kommen. Doch alle, die in
seinem Auftrag kamen, wurden verprügelt oder sogar getötet.
Mk 12,6 Nun blieb nur noch einer übrig: sein einziger Sohn, den er sehr liebte.
Ihn schickte er zuletzt. ›Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben‹, sagte er
sich.
Mk 12,7 Aber die Weinbauern waren sich einig: ›Jetzt kommt der Erbe! Den bringen
wir um, und dann gehört der Weinberg endgültig uns.‹
Mk 12,8 Sie ergriffen ihn, schlugen ihn tot und warfen ihn vor den Weinberg.
Mk 12,9 Was - meint ihr - wird der Besitzer des Weinbergs jetzt wohl tun? Er
wird selbst kommen, die Weinbauern töten und seinen Weinberg an andere
verpachten.
Mk 12,10 Habt ihr nicht in der Heiligen Schrift gelesen: ›Der Stein, den die
Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist nun zum
Grundstein des ganzen Hauses geworden.
Mk 12,11 Was keiner für möglich gehalten hat, das tut der Herr vor unseren
Augen‹?«
Mk 12,12 Am liebsten hätten die Hohenpriester, Schriftgelehrten und führenden
Männer des Volkes Jesus gleich festgenommen. Sie hatten verstanden, dass er in
diesem Gleichnis von ihnen gesprochen hatte. Aber sie wagten sich nicht an ihn
heran, weil sie vor dem Volk Angst hatten. So ließen sie ihn in Ruhe und gingen
weg.
Mk 12,13 Danach schickten sie einige Pharisäer und Anhänger des Königs Herodes
zu Jesus, um ihn mit seinen eigenen Worten in eine Falle zu locken.
Mk 12,14 »Lehrer«, sagten sie scheinheilig, »wir wissen, dass es dir allein um
die Wahrheit geht. Du redest den Leuten nicht nach dem Mund - ganz gleich, wie
viel Ansehen sie besitzen. Nein, du sagst uns frei heraus, wie wir nach Gottes
Willen leben sollen. Deshalb verrate uns: Ist es eigentlich Gottes Wille, dass
wir dem römischen Kaiser Steuern zahlen? Sollen wir bezahlen oder nicht?«
Mk 12,15 Jesus durchschaute ihre Falschheit und sagte: »Warum wollt ihr mir eine
Falle stellen? Zeigt mir ein Geldstück!«
Mk 12,16 Sie gaben ihm eine römische Münze. Er fragte sie: »Wessen Bild und Name
ist hier eingeprägt?« Sie antworteten: »Das Bild und der Name des Kaisers!«
Mk 12,17 »Nun, dann gebt dem Kaiser, was ihm zusteht, und gebt Gott, was ihm
gehört.« Seine Zuhörer waren überrascht: Diese Antwort hatten sie nicht
erwartet.
Mk 12,18 Später kamen einige Sadduzäer zu Jesus. Diese Leute behaupten, es gebe
keine Auferstehung der Toten. Sie fragten ihn:
Mk 12,19 »Lehrer, Mose hat uns im Gesetz gesagt: ›Wenn ein verheirateter Mann
stirbt und seine Frau ohne Kinder hinterlässt, muss sein Bruder die Witwe
heiraten. Der erste ihrer Söhne soll als Sohn des Verstorbenen gelten.‹
Mk 12,20 Nun gab es da sieben Brüder. Der erste heiratete und starb ohne
Nachkommen.
Mk 12,21 Da heiratete der zweite Bruder die Witwe. Auch er starb kinderlos, und
der nächste Bruder nahm sie zur Frau.
Mk 12,22 So ging es weiter, bis die Frau mit allen sieben verheiratet gewesen
war, ohne dass sie Kinder bekommen hätte. Schließlich starb auch die Frau.
Mk 12,23 Wessen Frau wird sie nun nach der Auferstehung sein? Schließlich waren
ja alle sieben Brüder mit ihr verheiratet.«
Mk 12,24 Jesus antwortete: »Ihr irrt euch, denn ihr kennt weder die Heilige
Schrift noch die Macht Gottes.
Mk 12,25 Wenn die Toten auferstehen, werden sie nicht wie hier auf der Erde
verheiratet sein, sondern wie die Engel im Himmel leben.
Mk 12,26 Was nun die Auferstehung der Toten überhaupt betrifft: Habt ihr nicht
im Buch des Mose gelesen, wie Gott am brennenden Dornbusch zu ihm sagte: ›Ich
bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs‹ ?
Mk 12,27 Er ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Ihr seid
völlig im Irrtum!«
Mk 12,28 Ein Schriftgelehrter hatte zugehört und war von der Antwort
beeindruckt, die Jesus den Sadduzäern gegeben hatte. Deshalb fragte er ihn:
»Welches von allen Geboten Gottes ist das wichtigste?«
Mk 12,29 Jesus antwortete: »Dies ist das wichtigste Gebot: ›Hört, ihr
Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein.
Mk 12,30 Ihn sollt ihr von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem
ganzen Verstand und mit all eurer Kraft.‹
Mk 12,31 Ebenso wichtig ist das andere Gebot: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich
selbst!‹ Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.«
Mk 12,32 Darauf meinte der Schriftgelehrte: »Lehrer, du hast Recht. Es gibt nur
einen Gott und keinen anderen neben ihm.
Mk 12,33 Ihn sollen wir lieben von ganzem Herzen, mit unserem ganzen Verstand,
mit ganzer Hingabe und mit aller Kraft. Und auch unsere Mitmenschen sollen wir
so lieben wie uns selbst. Das ist mehr als alle Opfer, die wir Gott bringen
könnten.«
Mk 12,34 Jesus erkannte, dass dieser Mann ihn verstanden hatte. Deshalb sagte er
zu ihm: »Du bist nicht weit von Gottes neuer Welt entfernt.« Danach wagte
niemand mehr, Jesus weitere Fragen zu stellen.
Mk 12,35 Als Jesus später im Tempel redete, stellte er die Frage: »Wie können
eure Schriftgelehrten behaupten, Christus sei ein Nachkomme von König David?
Mk 12,36 David selbst hat doch, geleitet vom Heiligen Geist, gesagt: ›Gott
sprach zu meinem Herrn: Setze dich auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite,
bis ich dir alle deine Feinde unterworfen habe.‹
Mk 12,37 Wenn David ihn also ›Herr‹ nennt, wie kann er dann Davids ›Sohn‹ sein?«
Alle im Tempel hörten ihm gespannt zu.
Mk 12,38 Jesus redete weiter zu ihnen: »Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie
laufen gern in langen Gewändern herum und genießen es, wenn die Leute sie auf
der Straße ehrfurchtsvoll grüßen.
Mk 12,39 In der Synagoge sitzen sie stets in der ersten Reihe, und es gefällt
ihnen, wenn sie bei euren Festen die Ehrenplätze bekommen.
Mk 12,40 Gierig reißen sie den Besitz der Witwen an sich; dabei tarnen sie ihre
bösen Absichten mit langen Gebeten. Gottes Strafe wird sie besonders hart
treffen.«
Mk 12,41 Jesus setzte sich nun in die Nähe des Opferkastens im Tempel und
beobachtete die Leute, die ihre Gaben einwarfen. Viele Reiche spendeten hohe
Beträge.
Mk 12,42 Dann aber kam eine arme Witwe und warf zwei der kleinsten Münzen in den
Opferkasten.
Mk 12,43 Jesus rief seine Jünger zu sich und sagte: »Eines ist sicher: Diese
arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen.
Mk 12,44 Die Reichen haben nur etwas von ihrem Überfluss gegeben, aber diese
Frau ist arm und gab alles, was sie hatte - sogar das, was sie dringend zum
Leben gebraucht hätte.«
Mk 13,1 Als Jesus den Tempel verließ, zeigte einer seiner Jünger begeistert auf
die Tempelbauten: »Lehrer, sieh dir diese Steine und diese gewaltigen Bauwerke
an!«
Mk 13,2 Jesus erwiderte: »Ja, sieh es dir genau an! Kein Stein wird hier auf dem
anderen bleiben. Alles wird nur noch ein großer Trümmerhaufen sein.«
Mk 13,3 Als Jesus am Abhang des Ölbergs saß und zum Tempel auf der anderen Seite
des Tales hinübersah, kamen Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas zu ihm und
fragten:
Mk 13,4 »Wann wird das alles geschehen? An welchen Ereignissen werden wir das
Ende erkennen?«
Mk 13,5 Jesus antwortete: »Lasst euch von keinem Menschen täuschen und
verführen!
Mk 13,6 Denn viele werden auftreten und von sich behaupten: ›Ich bin Christus!‹
Und sie werden viele Menschen in die Irre führen.
Mk 13,7 Ihr werdet von Kriegen und Unruhen hören. Erschreckt nicht! Das muss
geschehen, doch es bedeutet noch nicht das Ende.
Mk 13,8 Die Völker und Königreiche der Erde werden Kriege gegeneinander führen.
In vielen Teilen der Welt wird es Erdbeben und Hungersnöte geben. Das ist aber
erst der Anfang - so wie die ersten Wehen bei einer Geburt.
Mk 13,9 Seid wachsam! Man wird euch vor die Gerichte zerren, und in den
Synagogen wird man euch auspeitschen. Nur weil ihr zu mir gehört, werdet ihr vor
Machthabern und Königen verhört werden. Dort werdet ihr meine Botschaft
bezeugen.
Mk 13,10 Das muss so geschehen, denn alle Völker sollen die rettende Botschaft
hören, bevor das Ende kommt.
Mk 13,11 Wenn sie euch verhaften und vor Gericht bringen, braucht ihr euch nicht
darum zu sorgen, was ihr aussagen sollt! Denn zur rechten Zeit wird Gott euch
das rechte Wort geben. Nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen,
sondern der Heilige Geist wird durch euch sprechen.
Mk 13,12 In dieser Zeit wird ein Bruder den anderen dem Henker ausliefern. Väter
werden ihre eigenen Kinder anzeigen. Kinder werden gegen ihre Eltern vorgehen
und sie hinrichten lassen.
Mk 13,13 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt. Aber wer bis
zum Ende durchhält, wird gerettet.
Mk 13,14 Die Heilige Schrift redet von einer ›abscheulichen Götzenstatue‹.
Versucht zu verstehen, was das Geschriebene bedeutet! Wenn ihr diese
Götzenstatue dort stehen seht, wo sie nicht hingehört - im Tempel -, dann sollen
alle Bewohner Judäas ins Gebirge fliehen.
Mk 13,15 Wer sich gerade auf dem Dach seines Hauses aufhält, soll nicht erst im
Haus sein Gepäck für die Flucht zusammensuchen.
Mk 13,16 Wer auf dem Feld arbeitet, soll nicht erst nach Hause laufen, um seinen
Mantel zu holen.
Mk 13,17 Besonders hart trifft es Schwangere und Mütter mit Säuglingen.
Mk 13,18 Betet deshalb, dass ihr nicht im Winter fliehen müsst.
Mk 13,19 Denn es wird eine Zeit der Not kommen, wie sie die Welt seit der
Schöpfung nicht erlebt hat und wie sie auch nie wieder eintreten wird.
Mk 13,20 Wenn diese Leidenszeit nicht verkürzt würde, könnte niemand gerettet
werden. Aber seinen Auserwählten zuliebe hat Gott diese Zeit begrenzt.
Mk 13,21 Wenn dann jemand zu euch sagt: ›Hier ist der Christus!‹ oder: ›Dort ist
er!‹, glaubt ihm nicht!
Mk 13,22 Viele werden sich nämlich als ›Christus‹ ausgeben, und es werden
falsche Propheten auftreten. Sie werden Zeichen und Wunder vollbringen, um -
wenn möglich - sogar die Auserwählten Gottes irrezuführen.
Mk 13,23 Deshalb bleibt wachsam! Ich habe euch gewarnt!«
Mk 13,24 »Nach dieser großen Schreckenszeit wird sich die Sonne verfinstern und
der Mond nicht mehr scheinen.
Mk 13,25 Die Sterne werden aus ihrer Bahn geschleudert, und die Kräfte des
Weltalls geraten durcheinander.
Mk 13,26 Alle sehen dann, wie der Menschensohn in großer Macht und Herrlichkeit
in den Wolken des Himmels kommt.
Mk 13,27 Er wird seine Engel aussenden, und sie werden seine Auserwählten aus
allen Teilen der Welt zu ihm bringen.
Mk 13,28 Der Feigenbaum soll euch dafür ein Beispiel sein: Wenn seine Zweige
saftig werden und Blätter treiben, dann wisst ihr, dass es bald Sommer ist.
Mk 13,29 Wenn nun all diese Ereignisse eintreffen, könnt ihr sicher sein: Das
Kommen des Menschensohnes steht unmittelbar bevor.
Mk 13,30 Ja, ich sage euch: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor das alles
geschieht!
Mk 13,31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber gelten für immer.«
Mk 13,32 »Niemand weiß, wann das Ende kommen wird, weder die Engel im Himmel
noch der Sohn. Den Tag und die Stunde kennt nur der Vater.
Mk 13,33 Darum werdet nicht nachlässig und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht,
wann es so weit ist.
Mk 13,34 Es ist genau wie bei einem Mann, der auf Reisen geht. Bevor er sein
Haus verlässt, weist er jedem seiner Knechte eine bestimmte Arbeit zu und
befiehlt dem Pförtner, wachsam zu sein.
Mk 13,35 Genauso sollt auch ihr wach bleiben. Ihr wisst ja nicht, wann der Herr
kommen wird, ob am Abend oder um Mitternacht, im Morgengrauen oder nach
Sonnenaufgang.
Mk 13,36 Deshalb sollt ihr zu jeder Stunde auf seine Ankunft vorbereitet sein
und nicht etwa schlafen.
Mk 13,37 Was ich euch sage, gilt auch für alle anderen Menschen: Ihr müsst immer
wach und bereit sein!«
Mk 14,1 Es waren nur noch zwei Tage bis zum Passahfest und zum Fest der
ungesäuerten Brote. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten nach einer
günstigen Gelegenheit, bei der sie Jesus heimlich festnehmen und umbringen
lassen konnten.
Mk 14,2 Sie waren sich aber einig: »Es darf auf keinen Fall während der Festtage
geschehen, damit es nicht zu Unruhen im Volk kommt!«
Mk 14,3 Jesus war in Betanien Gast bei Simon, der früher einmal aussätzig
gewesen war. Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. In ihren Händen hielt
sie ein Fläschchen mit reinem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und
salbte mit dem Öl den Kopf Jesu.
Mk 14,4 Darüber regten sich einige Gäste auf: »Das ist ja die reinste
Verschwendung!
Mk 14,5 Dieses Öl ist mindestens 300 Silberstücke wert. Das Geld hätte man
lieber den Armen geben sollen!« So machten sie der Frau Vorwürfe.
Mk 14,6 Aber Jesus sagte: »Lasst sie in Ruhe! Warum kränkt ihr sie? Sie hat
etwas Gutes für mich getan.
Mk 14,7 Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben. Ihnen könnt ihr
jederzeit helfen. Ich dagegen bin nicht mehr lange bei euch.
Mk 14,8 Diese Frau hat getan, was sie konnte. Mit diesem Salböl hat sie meinen
Körper für mein Begräbnis vorbereitet.
Mk 14,9 Und ich sage euch: Überall in der Welt, wo Gottes rettende Botschaft
verkündet wird, da wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie
getan hat!«
Mk 14,10 Anschließend ging Judas Iskariot, einer von den zwölf Jüngern, zu den
Hohenpriestern, weil er Jesus an sie verraten wollte.
Mk 14,11 Die Hohenpriester freuten sich darüber und versprachen ihm eine
Belohnung. Von da an suchte Judas eine günstige Gelegenheit, um Jesus zu
verraten.
Mk 14,12 Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm
geschlachtet wurde, fragten die Jünger Jesus: »Wo sollen wir für dich das
Passahmahl vorbereiten?«
Mk 14,13 »Geht in die Stadt«, beauftragte Jesus zwei von ihnen. »Dort wird euch
ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Diesem Mann folgt,
Mk 14,14 bis er in ein Haus geht. Dem Besitzer des Hauses sollt ihr sagen:
›Unser Lehrer lässt fragen: Wo ist der Raum, in dem er mit seinen Jüngern das
Passahmahl feiern kann?‹
Mk 14,15 Er wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der mit Polstern
ausgestattet und für das Festmahl hergerichtet ist. Bereitet dort alles Weitere
vor.«
Mk 14,16 Die beiden Jünger gingen in die Stadt und trafen alles so an, wie Jesus
es ihnen gesagt hatte. Dann bereiteten sie das Passahmahl vor.
Mk 14,17 Am Abend kam Jesus mit den zwölf Jüngern.
Mk 14,18 Beim Essen erklärte er ihnen: »Ich sage euch: Einer von euch, der jetzt
mit mir isst, wird mich verraten!«
Mk 14,19 Bestürzt fragte einer nach dem andern: »Meinst du etwa mich?«
Mk 14,20 Jesus antwortete: »Es ist einer von euch Zwölfen, der mit mir das Brot
in die Schüssel taucht.
Mk 14,21 Der Menschensohn muss zwar sterben, wie es in der Heiligen Schrift
vorausgesagt ist; aber wehe seinem Verräter! Er wäre besser nie geboren worden.«
Mk 14,22 Während sie aßen, nahm Jesus Brot, sprach das Dankgebet, teilte das
Brot und gab jedem seiner Jünger ein Stück davon: »Nehmt und esst! Das ist mein
Leib!«
Mk 14,23 Anschließend nahm er einen Becher Wein, dankte Gott und reichte den
Becher seinen Jüngern. Sie tranken alle daraus.
Mk 14,24 Jesus sagte: »Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott
und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung ihrer Sünden vergossen.
Mk 14,25 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich
ihn wieder mit euch in der neuen Welt Gottes trinken werde.«
Mk 14,26 Nachdem sie das Danklied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den
Ölberg.
Mk 14,27 Unterwegs sagte Jesus zu den Jüngern: »Ihr werdet euch alle bald von
mir abwenden. Denn es steht geschrieben: ›Ich werde der Herde den Hirten nehmen,
und die Schafe werden auseinander laufen.‹
Mk 14,28 Aber nach meiner Auferstehung werde ich nach Galiläa gehen, und dort
werdet ihr mich wiedersehen.«
Mk 14,29 Da beteuerte Petrus: »Wenn dich auch alle anderen verlassen - ich halte
zu dir!«
Mk 14,30 »Petrus«, erwiderte ihm Jesus, »ich sage dir: Heute Nacht, noch ehe der
Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.«
Mk 14,31 »Ausgeschlossen!«, rief Petrus. »Selbst wenn ich mit dir sterben
müsste, würde ich das nicht tun!« Auch die anderen Jünger beteuerten dies.
Mk 14,32 Dann ging Jesus mit seinen Jüngern in einen Garten, der Gethsemane
heißt. Dort bat er sie: »Setzt euch hier hin, und wartet auf mich, bis ich
gebetet habe!«
Mk 14,33 Petrus, Jakobus und Johannes nahm er mit. Tiefe Traurigkeit und Angst
überfielen Jesus,
Mk 14,34 und er sagte zu ihnen: »Ich zerbreche beinahe unter der Last, die ich
zu tragen habe. Bleibt bei mir, und wacht mit mir!«
Mk 14,35 Jesus ging ein paar Schritte weiter, warf sich nieder und betete: »Mein
Vater, wenn es möglich ist, so erspare mir diese schwere Stunde,
Mk 14,36 und bewahre mich vor diesem Leiden! Dir ist alles möglich. Aber nicht
was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.«
Mk 14,37 Dann kam er zu den drei Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen
waren. Er weckte Petrus. »Simon«, rief er, »schläfst du? Kannst du denn nicht
eine einzige Stunde mit mir wachen?
Mk 14,38 Bleibt wach und betet, damit ihr der Versuchung widerstehen könnt. Ich
weiß, ihr wollt nur das Beste, aber aus eigener Kraft könnt ihr es nicht
erreichen.«
Mk 14,39 Noch einmal ging er ein Stück weg und bat Gott mit den gleichen Worten
um Hilfe.
Mk 14,40 Als er zurückkam, schliefen die Jünger schon wieder. Die Augen waren
ihnen zugefallen, und sie wussten vor Müdigkeit nicht, was sie Jesus sagen
sollten.
Mk 14,41 Als er zum dritten Mal zu ihnen zurückkehrte, rief er: »Ihr schlaft
immer noch und ruht euch aus? Genug jetzt! Die Stunde ist gekommen: Der
Menschensohn wird den gottlosen Menschen ausgeliefert.
Mk 14,42 Steht auf, lasst uns gehen! Der Verräter ist schon da!«
Mk 14,43 Noch während Jesus sprach, kam Judas, einer von seinen Jüngern,
zusammen mit vielen Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren.
Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und die führenden Männer des Volkes hatten
sie geschickt.
Mk 14,44 Judas hatte mit ihnen vereinbart: »Der Mann, den ich küssen werde, der
ist es! Den müsst ihr festnehmen.«
Mk 14,45 Er ging auf Jesus zu und sagte: »Sei gegrüßt, Meister!« Dann küsste er
ihn.
Mk 14,46 Sofort packten die bewaffneten Männer Jesus und nahmen ihn fest.
Mk 14,47 Aber einer von den Männern, die bei Jesus waren, wollte das verhindern.
Er zog sein Schwert, schlug auf einen der Diener des Hohenpriesters ein und hieb
ihm ein Ohr ab.
Mk 14,48 Jesus fragte die Leute, die ihn festgenommen hatten: »Bin ich denn ein
Verbrecher, dass ihr euch mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet habt, um mich zu
verhaften?
Mk 14,49 Jeden Tag habe ich öffentlich im Tempel gesprochen. Warum habt ihr mich
nicht dort festgenommen? Aber auch dies geschieht, damit sich die Vorhersagen
der Heiligen Schrift erfüllen.«
Mk 14,50 Entsetzt verließen ihn alle Jünger und flohen.
Mk 14,51 Nur ein junger Mann, der ein leichtes Untergewand aus Leinen trug,
folgte Jesus. Als die Männer versuchten, auch ihn festzunehmen,
Mk 14,52 riss er sich los. Sie blieben mit dem Gewand in den Händen zurück, und
der junge Mann konnte nackt entkommen.
Mk 14,53 Gleich darauf brachte man Jesus zu dem Hohenpriester, der in dieser
Zeit den Vorsitz des Hohen Rates hatte. Bei ihm waren alle Hohenpriester,
Schriftgelehrten und führenden Männer des Volkes versammelt.
Mk 14,54 In sicherem Abstand folgte Petrus den Männern bis in den Innenhof des
Palastes. Dort setzte er sich zu den Dienern und wärmte sich am Feuer.
Mk 14,55 Die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugen, die durch
falsche Aussagen Jesus so belasten sollten, dass man ihn zum Tode verurteilen
konnte. Aber es gelang ihnen nicht.
Mk 14,56 Viele Zeugen brachten zwar falsche Anschuldigungen vor, doch ihre
Aussagen widersprachen sich.
Mk 14,57 Schließlich erklärten einige Männer:
Mk 14,58 »Wir haben gehört, wie dieser Jesus behauptete: ›Ich will den von
Menschen gebauten Tempel abreißen und dafür in drei Tagen einen anderen
aufbauen, der nicht von Menschen errichtet ist.‹«
Mk 14,59 Doch auch ihre Aussagen waren voller Widersprüche.
Mk 14,60 Jetzt erhob sich der Hohepriester, stellte sich mitten unter die
Versammelten und fragte Jesus: »Warum antwortest du nicht? Hast du nichts gegen
diese Anschuldigungen zu sagen?«
Mk 14,61 Aber Jesus schwieg. Da stellte ihm der Hohepriester eine weitere Frage:
»Bist du Christus, der Sohn Gottes?«
Mk 14,62 »Ja, der bin ich«, antwortete Jesus. »Ihr werdet den Menschensohn an
der rechten Seite Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.«
Mk 14,63 Empört zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: »Das genügt! Wozu
brauchen wir noch weitere Zeugen?
Mk 14,64 Ihr habt ja seine Gotteslästerung selbst gehört. Wie lautet euer
Urteil?« Einstimmig beschlossen sie: »Er muss sterben.«
Mk 14,65 Einige von ihnen spuckten Jesus ins Gesicht, verbanden ihm die Augen
und schlugen mit den Fäusten auf ihn ein. »Na, du Prophet«, verhöhnten sie ihn,
»sag uns, wer hat dich geschlagen?« Auch die Männer, die Jesus abführten,
schlugen ihn.
Mk 14,66 [66/67] Petrus war immer noch unten im Hof. Eine Dienerin des
Hohenpriesters sah ihn am Feuer sitzen und sagte: »Du gehörst doch auch zu
diesem Jesus von Nazareth!«
Mk 14,68 Doch Petrus behauptete: »Ich weiß nicht, wovon du redest!« Schnell ging
er hinaus in den Vorhof. Da krähte ein Hahn.
Mk 14,69 Aber auch hier erkannte ihn die Dienerin und sagte vor allen Leuten:
»Das ist auch einer von denen, die bei Jesus waren!«
Mk 14,70 Wieder bestritt Petrus es heftig. Doch nach einer Weile sagten auch die
Umstehenden: »Natürlich gehörst du zu seinen Freunden; du kommst doch auch aus
Galiläa!«
Mk 14,71 Da rief Petrus: »Ich schwöre euch: Ich kenne diesen Menschen überhaupt
nicht, von dem ihr da redet! Gott soll mich verfluchen, wenn ich lüge!«
Mk 14,72 In diesem Augenblick krähte der Hahn zum zweiten Mal, und Petrus fielen
die Worte ein, die Jesus gesagt hatte: »Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du
dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.« Da fing Petrus an zu weinen.
Mk 15,1 Am frühen Morgen schlossen die Hohenpriester, die führenden Männer des
Volkes, die Schriftgelehrten und der ganze Hohe Rat ihre Beratungen ab und
trafen ihre Entscheidung. Jesus wurde gefesselt zu Pilatus, dem römischen
Statthalter, gebracht.
Mk 15,2 Pilatus fragte ihn: »Bist du der König der Juden?« »Ja, du sagst es«,
antwortete Jesus.
Mk 15,3 Die Hohenpriester brachten noch andere schwere Anklagen gegen ihn vor.
Mk 15,4 »Antworte doch!«, forderte ihn Pilatus auf. »Hörst du denn nicht, wie
schwer sie dich beschuldigen?«
Mk 15,5 Aber Jesus sagte kein Wort. Darüber wunderte sich Pilatus sehr.
Mk 15,6 Jedes Jahr zum Passahfest begnadigte Pilatus einen Gefangenen, den das
Volk selbst auswählen durfte.
Mk 15,7 Zu dieser Zeit saß ein Mann namens Barabbas im Gefängnis. Er war
zusammen mit den Anführern eines Aufstandes festgenommen worden, die einen Mord
begangen hatten.
Mk 15,8 Vor dem Palast des Pilatus forderte jetzt eine große Menschenmenge die
Freilassung eines Gefangenen.
Mk 15,9 Pilatus rief ihnen zu: »Soll ich euch den ›König der Juden‹ freigeben?«
Mk 15,10 Denn er wusste genau, dass die Hohenpriester das Verfahren gegen Jesus
nur aus Neid angezettelt hatten.
Mk 15,11 Aber die Hohenpriester hetzten das Volk auf, die Freilassung des
Barabbas zu verlangen.
Mk 15,12 Pilatus fragte zurück: »Und was soll mit dem Mann geschehen, den ihr
euren König nennt?«
Mk 15,13 Da brüllten sie alle: »Ans Kreuz mit ihm!«
Mk 15,14 »Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?«, fragte Pilatus. Doch
ununterbrochen schrie die Menge: »Ans Kreuz mit ihm!«
Mk 15,15 Weil Pilatus die aufgebrachte Volksmenge zufrieden stellen wollte, gab
er Barabbas frei. Jesus aber ließ er auspeitschen und zur Kreuzigung abführen.
Mk 15,16 Die Soldaten brachten Jesus in den Hof des Statthalterpalastes und
riefen die ganze Truppe zusammen.
Mk 15,17 Sie zogen ihm einen purpurroten Mantel an, flochten eine Krone aus
Dornenzweigen und drückten sie ihm auf den Kopf.
Mk 15,18 Dann grüßten sie ihn voller Hohn: »Es lebe der König der Juden!«
Mk 15,19 Mit einem Stock schlugen sie Jesus auf den Kopf, spuckten ihn an und
knieten vor ihm nieder, um ihn wie einen König zu ehren.
Mk 15,20 Nachdem sie ihn so verspottet hatten, zogen sie ihm den roten Mantel
wieder aus und gaben ihm seine eigenen Kleider zurück. Dann führten sie Jesus ab
zur Kreuzigung.
Mk 15,21 Unterwegs begegnete ihnen Simon aus Kyrene, der Vater von Alexander und
Rufus. Simon kam gerade von seinem Feld zurück. Die Soldaten zwangen ihn, das
Kreuz zu tragen, an das Jesus gehängt werden sollte.
Mk 15,22 Sie brachten Jesus nach Golgatha; das bedeutet »Schädelstätte«.
Mk 15,23 Dort wollten die Soldaten ihm Wein mit Myrrhe zur Betäubung geben. Aber
Jesus wollte nichts davon trinken.
Mk 15,24 Dann nagelten sie ihn an das Kreuz. Seine Kleider verlosten sie unter
sich.
Mk 15,25 Es war neun Uhr morgens, als sie ihn kreuzigten.
Mk 15,26 Über ihm wurde ein Schild angebracht, auf dem man lesen konnte, weshalb
er verurteilt worden war. Darauf stand: »Der König der Juden!«
Mk 15,27 Mit Jesus wurden zwei Verbrecher gekreuzigt, einer rechts, der andere
links von ihm.
Mk 15,29 Die Leute, die am Kreuz vorübergingen, beschimpften ihn und schüttelten
spöttisch den Kopf: »So! Den Tempel wolltest du zerstören und in drei Tagen
wieder aufbauen?
Mk 15,30 Dann rette dich doch selber, und komm vom Kreuz herunter!«
Mk 15,31 Auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten verhöhnten Jesus: »Anderen
hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen!
Mk 15,32 Dieser Christus, dieser König von Israel, soll er doch vom Kreuz
heruntersteigen! Dann wollen wir an ihn glauben!« Ebenso beschimpften ihn die
beiden Männer, die mit ihm gekreuzigt worden waren.
Mk 15,33 Am Mittag wurde es plötzlich im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis
dauerte drei Stunden.
Mk 15,34 Gegen drei Uhr rief Jesus laut: »Eloï, Eloï, lema sabachtani?« Das
heißt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
Mk 15,35 Einige von den Umstehenden aber meinten: »Er ruft den Propheten Elia.«
Mk 15,36 Einer von ihnen tauchte schnell einen Schwamm in Essig und steckte ihn
auf einen Stab, um Jesus davon trinken zu lassen. »Wir wollen doch sehen, ob
Elia kommt und ihn herunterholt!«, sagte er.
Mk 15,37 Aber Jesus schrie laut auf und starb.
Mk 15,38 Im selben Augenblick zerriss im Tempel der Vorhang vor dem
Allerheiligsten von oben bis unten.
Mk 15,39 Der römische Hauptmann, der neben dem Kreuz stand und mit angesehen
hatte, wie Jesus starb, rief: »Dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen!«
Mk 15,40 Einige Frauen hatten das Geschehen aus der Ferne beobachtet. Unter
ihnen waren Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus dem Jüngeren und
von Joses, sowie Salome.
Mk 15,41 Sie waren schon in Galiläa bei Jesus gewesen und hatten für ihn
gesorgt. Zusammen mit vielen anderen waren sie mit Jesus nach Jerusalem
gekommen.
Mk 15,42 [42/43] Am Abend ging Josef aus Arimathäa, ein geachtetes Mitglied des
Hohen Rates, zu Pilatus. Josef wartete auf das Kommen der neuen Welt Gottes.
Weil am nächsten Tag Sabbat war, entschloss er sich, Pilatus schon jetzt um den
Leichnam Jesu zu bitten.
Mk 15,44 Pilatus wollte nicht glauben, dass Jesus schon gestorben war. Darum
rief er den Hauptmann und erkundigte sich: »Lebt Jesus tatsächlich nicht mehr?«
Mk 15,45 Als der Hauptmann das bestätigte, überließ er Josef aus Arimathäa den
Leichnam.
Mk 15,46 Josef kaufte ein feines Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn
in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann
wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes.
Mk 15,47 Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Joses, beobachteten, wohin
er Jesus legte.
Mk 16,1 Nachdem der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Salome und
Maria, die Mutter von Jakobus, wohlriechende Öle, um den Toten zu salben.
Mk 16,2 Früh am ersten Wochentag, gerade als die Sonne aufging, kamen die Frauen
zum Grab.
Mk 16,3 Schon unterwegs hatten sie sich besorgt gefragt: »Wer wird uns nur den
schweren Stein vor der Grabkammer zur Seite rollen?«
Mk 16,4 Umso erstaunter waren sie, als sie merkten, dass der Stein nicht mehr
vor dem Grab lag.
Mk 16,5 Sie betraten die Grabkammer, und da sahen sie auf der rechten Seite
einen jungen Mann sitzen, der ein langes weißes Gewand trug. Die Frauen
erschraken sehr.
Mk 16,6 Aber der Mann sagte zu ihnen: »Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus von
Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden. Seht
her, an dieser Stelle hat er gelegen.
Mk 16,7 Und nun geht zu seinen Jüngern und zu Petrus, und sagt ihnen, dass Jesus
euch nach Galiläa vorausgehen wird. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch
versprochen hat.«
Mk 16,8 Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Angst und Entsetzen
hatte sie erfasst. Sie redeten mit niemandem darüber, so erschrocken waren sie.
Mk 16,9 Jesus war frühmorgens am ersten Tag der Woche von den Toten auferstanden
und erschien zuerst der Maria aus Magdala, die er von sieben Dämonen befreit
hatte.
Mk 16,10 Sie lief zu den Jüngern, die um Jesus trauerten und weinten,
Mk 16,11 und berichtete ihnen: »Jesus lebt! Ich habe ihn gesehen!« Aber die
Jünger glaubten ihr nicht.
Mk 16,12 Danach erschien Jesus zwei von ihnen in einer anderen Gestalt, als sie
unterwegs waren.
Mk 16,13 Sie kamen voller Aufregung nach Jerusalem zurück, um es den anderen zu
berichten. Aber auch ihnen glaubten die Jünger nicht.
Mk 16,14 Wenig später erschien Jesus den elf Jüngern, während sie gemeinsam
aßen. Er wies sie zurecht, weil sie in ihrem Unglauben und Starrsinn nicht
einmal denen glauben wollten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.
Mk 16,15 Dann sagte er zu ihnen: »Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet
allen Menschen die rettende Botschaft.
Mk 16,16 Denn wer glaubt und getauft ist, der wird gerettet werden. Wer aber
nicht glaubt, der wird verurteilt werden.
Mk 16,17 Die Glaubenden aber werde ich durch folgende Wunder bestätigen: In
meinem Namen werden sie Dämonen austreiben und in unbekannten Sprachen reden.
Mk 16,18 Gefährliche Schlangen und tödliches Gift werden ihnen nicht schaden,
und Kranke, denen sie die Hände auflegen, werden gesund.«
Mk 16,19 Nachdem Jesus, der Herr, das gesagt hatte, wurde er in den Himmel
aufgenommen und nahm den Platz an Gottes rechter Seite ein.
Mk 16,20 Die Jünger aber zogen hinaus und verkündeten überall die rettende
Botschaft. Der Herr war mit ihnen und bestätigte ihr Wort durch Zeichen seiner
Macht.
Lk 1,1 Lieber Theophilus! Schon viele haben versucht, all das aufzuschreiben,
was bei uns geschehen ist,
Lk 1,2 so, wie es die Augenzeugen berichtet haben, die von Anfang an dabei
waren. Ihnen hat Gott den Auftrag gegeben, die rettende Botschaft weiterzusagen.
Lk 1,3 Nun habe auch ich mich sehr darum bemüht, alles von Anfang an genau zu
erfahren. Ich will es dir, lieber Theophilus, jetzt der Reihe nach berichten.
Lk 1,4 Du wirst merken, dass alles, was man dich gelehrt hat, richtig und wahr
ist.
Lk 1,5 Als Herodes König von Judäa war, lebte dort der Priester Zacharias. Er
gehörte zur Dienstgruppe Abija. Seine Frau Elisabeth stammte aus der Familie
Aarons.
Lk 1,6 Beide lebten so, wie es Gott gefällt. Sie hielten sich genau an seine
Gebote und Ordnungen.
Lk 1,7 Sie hatten keine Kinder, denn Elisabeth konnte keine bekommen, und beide
waren inzwischen alt geworden.
Lk 1,8 Wieder einmal hatte die Gruppe Abija Tempeldienst.
Lk 1,9 Wie üblich wurde ausgelost, wer zur Ehre Gottes im Tempel den Weihrauch
anzünden sollte. Das Los fiel auf Zacharias.
Lk 1,10 Er betrat den Tempel, während die Volksmenge draußen betete.
Lk 1,11 Plötzlich stand auf der rechten Seite des Räucheropferaltars ein Engel
des Herrn.
Lk 1,12 Zacharias erschrak und fürchtete sich.
Lk 1,13 Doch der Engel sagte zu ihm: »Fürchte dich nicht, Zacharias! Gott hat
dein Gebet erhört. Deine Frau Elisabeth wird bald einen Sohn bekommen. Gib ihm
den Namen Johannes!
Lk 1,14 Du wirst über dieses Kind froh und glücklich sein, und auch viele andere
werden sich über seine Geburt freuen.
Lk 1,15 Gott wird ihm eine große Aufgabe übertragen. Er wird weder Wein noch
andere berauschende Getränke zu sich nehmen. Schon vor seiner Geburt wird er mit
dem Heiligen Geist erfüllt sein,
Lk 1,16 und er wird viele in Israel zu Gott, ihrem Herrn, zurückbringen.
Lk 1,17 Entschlossen und stark wie der Prophet Elia wird er das Kommen des
Messias vorbereiten: Er wird Eltern und Kinder wieder miteinander versöhnen, und
die Ungehorsamen werden wieder Gottes Willen erfüllen. So wird er das ganze Volk
darauf vorbereiten, den Herrn zu empfangen.«
Lk 1,18 »Wie ist so etwas möglich?«, fragte Zacharias erstaunt den Engel. »Ich
bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist alt!«
Lk 1,19 Der Engel antwortete: »Ich bin Gabriel und stehe unmittelbar vor Gott
als sein Diener. Er gab mir den Auftrag, dir diese gute Nachricht zu
überbringen.
Lk 1,20 Aber weil du mir nicht geglaubt hast, sollst du stumm sein, bis
geschieht, was ich gesagt habe. Dann wirst du sehen, dass alles wahr ist.«
Lk 1,21 Inzwischen wartete die Menschenmenge draußen auf Zacharias. Alle
wunderten sich, dass er so lange im Tempel blieb.
Lk 1,22 Als er endlich herauskam, konnte er nicht mehr reden. Daran erkannten
sie, dass er im Tempel etwas Außergewöhnliches gesehen haben musste. Zacharias
konnte sich nur noch mit Handzeichen verständigen; er blieb stumm.
Lk 1,23 Als die Zeit seines Tempeldienstes vorüber war, ging er nach Hause.
Lk 1,24 Nur wenig später wurde seine Frau Elisabeth schwanger. Sie blieb fünf
Monate lang in ihrem Haus.
Lk 1,25 »Endlich hat der Herr an mich gedacht und mir geholfen«, sagte sie. »Nun
kann mich niemand mehr verachten, weil ich keine Kinder habe.«
Lk 1,26 Elisabeth war im sechsten Monat schwanger, als Gott den Engel Gabriel zu
einer jungen Frau nach Nazareth schickte, einer Stadt in Galiläa.
Lk 1,27 Die junge Frau hieß Maria und war mit Josef, einem Nachkommen König
Davids, verlobt.
Lk 1,28 Der Engel kam zu ihr und sagte: »Sei gegrüßt, Maria! Gott ist mit dir!
Er hat dich unter allen Frauen auserwählt.«
Lk 1,29 Maria fragte sich erschrocken, was diese seltsamen Worte bedeuten
könnten.
Lk 1,30 »Hab keine Angst, Maria«, redete der Engel weiter. »Gott hat dich zu
etwas Besonderem auserwählt.
Lk 1,31 Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Jesus soll er
heißen.
Lk 1,32 Er wird mächtig sein, und man wird ihn Gottes Sohn nennen. Gott, der
Herr, wird ihm die Königsherrschaft Davids übergeben,
Lk 1,33 und er wird die Nachkommen Jakobs für immer regieren. Seine Herrschaft
wird niemals enden.«
Lk 1,34 »Wie kann das geschehen?«, fragte Maria den Engel. »Ich bin doch gar
nicht verheiratet.«
Lk 1,35 Der Engel antwortete ihr: »Der Heilige Geist wird über dich kommen, und
die Kraft Gottes wird sich an dir zeigen. Darum wird dieses Kind auch heilig
sein und Sohn Gottes genannt werden.
Lk 1,36 Selbst Elisabeth, deine Verwandte, von der man sagte, dass sie keine
Kinder bekommen kann, ist jetzt im sechsten Monat schwanger. Sie wird in ihrem
hohen Alter einen Sohn zur Welt bringen.
Lk 1,37 Gott hat es ihr zugesagt, und was Gott sagt, das geschieht!«
Lk 1,38 »Ich will mich dem Herrn ganz zur Verfügung stellen«, antwortete Maria.
»Alles soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast.« Darauf verließ sie der
Engel.
Lk 1,39 Maria entschloss sich, so schnell wie möglich Elisabeth zu besuchen, die
mit ihrem Mann Zacharias in einer kleinen Stadt in den Bergen Judäas wohnte.
Lk 1,40 Sie betrat das Haus und begrüßte Elisabeth.
Lk 1,41 Als Elisabeth die Stimme Marias hörte, bewegte sich das Kind in ihr, und
- erfüllt vom Heiligen Geist -
Lk 1,42 rief sie: »Dich hat Gott gesegnet, mehr als alle anderen Frauen, dich
und dein Kind!
Lk 1,43 Womit habe ich verdient, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt!
Lk 1,44 Als ich deine Stimme hörte, hüpfte das Kind in mir vor Freude.
Lk 1,45 Wie glücklich kannst du sein, weil du geglaubt hast! Was Gott dir
angekündigt hat, wird geschehen.«
Lk 1,46 Da begann Maria, Gott zu loben: »Von ganzem Herzen preise ich den Herrn.
Lk 1,47 Ich bin glücklich über Gott, meinen Retter.
Lk 1,48 Mich, die ich gering und unbedeutend bin, hat er zu Großem berufen. Zu
allen Zeiten wird man mich glücklich preisen,
Lk 1,49 denn Gott hat große Dinge an mir getan, er, der mächtig und heilig ist!
Lk 1,50 Die Barmherzigkeit des Herrn bleibt für immer und ewig, sie gilt allen
Menschen, die ihn ehren.
Lk 1,51 Er streckt seinen starken Arm aus und fegt die Hochmütigen mit ihren
stolzen Plänen hinweg.
Lk 1,52 Er stürzt Herrscher von ihrem Thron, und Unterdrückte richtet er auf.
Lk 1,53 Die Hungrigen beschenkt er mit Gütern, und die Reichen schickt er mit
leeren Händen weg.
Lk 1,54 Seine Barmherzigkeit hat er uns, seinen Dienern, zugesagt, ja, er wird
seinem Volk Israel helfen.
Lk 1,55 Er hat es unseren Vorfahren versprochen, Abraham und seinen Nachkommen
hat er es für immer zugesagt.«
Lk 1,56 Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth und kehrte dann nach Hause
zurück.
Lk 1,57 Für Elisabeth kam die Stunde der Geburt, und sie brachte einen Sohn zur
Welt.
Lk 1,58 Als Nachbarn und Verwandte hörten, dass Gott so barmherzig zu ihr
gewesen war, freuten sie sich mit ihr.
Lk 1,59 Nach acht Tagen wurde das Kind zur Beschneidung gebracht. Dabei sollte
es nach seinem Vater Zacharias genannt werden.
Lk 1,60 Doch Elisabeth widersprach: »Nein, er soll Johannes heißen!«
Lk 1,61 »Aber keiner in deiner Verwandtschaft heißt so!«, wandten die anderen
ein.
Lk 1,62 Sie winkten dem Vater und fragten ihn: »Wie soll dein Sohn heißen?«
Lk 1,63 Zacharias ließ sich eine Tafel geben und schrieb darauf: »Sein Name ist
Johannes.« Darüber wunderten sich alle.
Lk 1,64 Im selben Augenblick konnte Zacharias wieder sprechen, und er lobte
Gott.
Lk 1,65 Im ganzen Bergland von Judäa verbreitete sich die Nachricht. Und
überall, wo man davon hörte, erschraken die Leute.
Lk 1,66 Nachdenklich fragten sie sich: »Was wird aus diesem Kind noch werden?«
Denn alle sahen, dass Gott etwas Besonderes mit ihm vorhatte.
Lk 1,67 Erfüllt vom Heiligen Geist, verkündete Zacharias, der Vater von
Johannes, was Gott ihm eingegeben hatte:
Lk 1,68 »Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Er ist zu unserem Volk gekommen
und hat es befreit.
Lk 1,69 Aus dem Königshaus seines Dieners David hat er uns den starken Retter
geschickt.
Lk 1,70 So hatten es seine heiligen Propheten schon vor langer Zeit verkündet:
Lk 1,71 Er wird uns von unseren Feinden erretten und aus der Hand aller
Menschen, die uns hassen.
Lk 1,72 Gott war mit unseren Vorfahren barmherzig. Er vergisst seinen heiligen
Bund nicht,
Lk 1,73 den Eid, den er unserem Vater Abraham geschworen hat und der auch uns
gilt.
Lk 1,74 [74/75] Er befreit uns aus der Hand unserer Feinde, damit wir ihm ohne
Furcht unser Leben lang dienen, als Menschen, die ihm gehören und nach seinem
Willen leben.
Lk 1,76 Und dich, mein Sohn, wird man einen Propheten des Höchsten nennen. Du
wirst vor dem Herrn hergehen und sein Kommen vorbereiten.
Lk 1,77 Seinem Volk wirst du zeigen, dass es durch die Vergebung seiner Sünden
gerettet wird.
Lk 1,78 Gott vergibt uns, weil seine Barmherzigkeit so groß ist. Aus der Höhe
kommt sein Licht zu uns.
Lk 1,79 Dieses Licht wird allen Menschen leuchten, die in Nacht und Todesfurcht
leben; es wird uns auf den Weg des Friedens führen.«
Lk 1,80 Johannes wuchs heran und wurde zu einem verständigen und klugen Mann. Er
zog sich in die Einsamkeit der Wüste zurück bis zu dem Tag, an dem er öffentlich
vor dem Volk Israel auftrat.
Lk 2,1 In dieser Zeit befahl Kaiser Augustus, alle Bewohner des römischen
Reiches in Listen einzutragen.
Lk 2,2 Eine solche Volkszählung hatte es noch nie gegeben. Sie wurde
durchgeführt, als Quirinius Statthalter in Syrien war.
Lk 2,3 Jeder musste in seine Heimatstadt gehen, um sich dort eintragen zu
lassen.
Lk 2,4 So reiste Josef von Nazareth in Galiläa nach Bethlehem in Judäa. Denn er
war ein Nachkomme Davids und in Bethlehem geboren.
Lk 2,5 Josef musste sich dort einschreiben lassen, zusammen mit seiner Verlobten
Maria, die ein Kind erwartete.
Lk 2,6 In Bethlehem kam für Maria die Stunde der Geburt.
Lk 2,7 Sie brachte ihr erstes Kind, einen Sohn, zur Welt. Sie wickelte ihn in
Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe im Stall, denn im Gasthaus hatten sie
keinen Platz bekommen.
Lk 2,8 In dieser Nacht bewachten draußen auf dem Feld einige Hirten ihre Herden.
Lk 2,9 Plötzlich trat ein Engel Gottes zu ihnen, und Gottes Licht umstrahlte
sie. Die Hirten erschraken sehr,
Lk 2,10 aber der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine
Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllt:
Lk 2,11 Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der
lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr.
Lk 2,12 Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt,
in einer Futterkrippe!«
Lk 2,13 Auf einmal waren sie von unzähligen Engeln umgeben, die Gott lobten:
Lk 2,14 »Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet
sich den Menschen in Liebe zu.«
Lk 2,15 Nachdem die Engel in den Himmel zurückgekehrt waren, beschlossen die
Hirten: »Kommt, wir gehen nach Bethlehem. Wir wollen sehen, was dort geschehen
ist und was der Herr uns verkünden ließ.«
Lk 2,16 Sie machten sich sofort auf den Weg und fanden Maria und Josef und das
Kind, das in der Futterkrippe lag.
Lk 2,17 Als sie es sahen, erzählten die Hirten, was ihnen der Engel über das
Kind gesagt hatte.
Lk 2,18 Und alle, die ihren Bericht hörten, waren darüber sehr erstaunt.
Lk 2,19 Maria aber merkte sich jedes Wort und dachte immer wieder darüber nach.
Lk 2,20 Schließlich kehrten die Hirten zu ihren Herden zurück. Sie lobten und
dankten Gott für das, was sie in dieser Nacht erlebt hatten. Es war alles so
gewesen, wie der Engel es ihnen gesagt hatte.
Lk 2,21 Nach acht Tagen wurde das Kind beschnitten und erhielt den Namen Jesus;
den hatte der Engel genannt, noch ehe Maria das Kind empfangen hatte.
Lk 2,22 Als die Zeit vorüber war, in der laut dem Gesetz des Mose eine Frau nach
der Geburt als unrein gilt, brachten Josef und Maria das Kind nach Jerusalem, um
es Gott zu weihen.
Lk 2,23 Denn im Gesetz heißt es: »Jeder erste Sohn der Familie und jedes
erstgeborene männliche Tier sollen dem Herrn gehören.«
Lk 2,24 Gleichzeitig brachten sie auch das vorgeschriebene Reinigungsopfer für
Maria dar: Man musste zwei Turteltauben oder zwei andere Tauben opfern.
Lk 2,25 In Jerusalem wohnte ein Mann namens Simeon. Er lebte nach Gottes Willen,
hatte Ehrfurcht vor ihm und wartete voller Sehnsucht auf den Retter Israels.
Simeon war erfüllt vom Heiligen Geist.
Lk 2,26 Durch ihn wusste er, dass er nicht sterben würde, bevor er Christus, den
Retter, gesehen hätte.
Lk 2,27 Vom Heiligen Geist geführt, war er an diesem Tag in den Tempel gegangen.
Als Maria und Josef das Kind hereinbrachten, um es - wie im Gesetz
vorgeschrieben - Gott zu weihen,
Lk 2,28 nahm Simeon es in seine Arme und lobte Gott:
Lk 2,29 »Herr, du hast dein Wort gehalten, jetzt kann ich in Frieden sterben.
Lk 2,30 Ich habe es mit eigenen Augen gesehen: Du hast uns Rettung gebracht,
Lk 2,31 die ganze Welt wird es erfahren.
Lk 2,32 Dein Licht erleuchtet alle Völker, und deinem Volk Israel bringt es
Größe und Herrlichkeit.«
Lk 2,33 Maria und Josef wunderten sich über seine Worte.
Lk 2,34 Simeon segnete sie und sagte dann zu Maria: »Gott hat dieses Kind dazu
auserwählt, die Israeliten vor die Entscheidung zu stellen: An ihm wird sich
entscheiden, ob man zu Fall kommt oder gerettet wird. Viele werden sich ihm
widersetzen
Lk 2,35 und so ihre geheimsten Gedanken offen legen. Der Schmerz darüber wird
dir wie ein Schwert durchs Herz dringen.«
Lk 2,36 An diesem Tag hielt sich auch die alte Prophetin Hanna im Tempel auf,
eine Tochter Phanuëls aus dem Stamm Asser. Sie war nur sieben Jahre verheiratet
gewesen,
Lk 2,37 seit langer Zeit Witwe und nun eine alte Frau von vierundachtzig Jahren.
Hanna verließ den Tempel nur noch selten. Um Gott zu dienen, betete und fastete
sie Tag und Nacht.
Lk 2,38 Während Simeon noch mit Maria und Josef sprach, trat sie hinzu und
begann ebenfalls, Gott zu loben. Allen, die auf die Befreiung Jerusalems
warteten, erzählte sie von diesem Kind.
Lk 2,39 Nachdem Josef und Maria alle Vorschriften des Gesetzes erfüllt hatten,
kehrten sie nach Nazareth in Galiläa zurück.
Lk 2,40 Das Kind wuchs heran, erfüllt mit göttlicher Weisheit, und Gottes Segen
ruhte auf ihm.
Lk 2,41 Jahr für Jahr besuchten Josef und Maria das Passahfest in Jerusalem.
Lk 2,42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie wie gewohnt dorthin.
Lk 2,43 [43/44] Nach den Festtagen machten sich die Eltern wieder auf den
Heimweg. Doch ohne dass sie es bemerkten, blieb Jesus in Jerusalem. Am ersten
Tag ihrer Rückreise vermissten sie ihn nicht, weil sie dachten: Er wird mit
Verwandten oder Freunden gegangen sein.
Lk 2,45 Als sie ihn aber dort nicht fanden, kehrten sie besorgt um und suchten
ihn überall in Jerusalem.
Lk 2,46 Endlich, nach drei Tagen, entdeckten sie Jesus im Tempel. Er saß bei den
Schriftgelehrten, hörte ihnen aufmerksam zu und stellte Fragen.
Lk 2,47 Alle wunderten sich über sein Verständnis und seine Antworten.
Lk 2,48 Die Eltern waren fassungslos, als sie ihn dort fanden. »Kind«, fragte
ihn Maria, »wie konntest du uns nur so etwas antun? Dein Vater und ich haben
dich überall verzweifelt gesucht!«
Lk 2,49 »Warum habt ihr mich gesucht?«, erwiderte Jesus. »Habt ihr denn nicht
gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?«
Lk 2,50 Doch sie begriffen nicht, was er damit meinte.
Lk 2,51 Dann kehrten sie gemeinsam nach Nazareth zurück, und Jesus war seinen
Eltern gehorsam. Seine Mutter aber dachte immer wieder über die Worte nach, die
er gesagt hatte.
Lk 2,52 So wuchs Jesus heran. Sein Wissen und sein Verständnis nahmen zu, und er
war geliebt von Gott und den Menschen.
Lk 3,1 Es war im 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius. Pontius Pilatus
verwaltete als Statthalter die Provinz Judäa; Herodes herrschte über Galiläa,
sein Bruder Philippus über Ituräa und Trachonitis, und Lysanias regierte in
Abilene;
Lk 3,2 Hannas und später Kaiphas waren die Hohenpriester. In dieser Zeit sprach
Gott zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, der in der Wüste lebte.
Lk 3,3 Johannes verließ die Wüste und zog durch das ganze Gebiet am Jordan.
Überall forderte er die Leute auf: »Kehrt um zu Gott, und lasst euch von mir
taufen. Dann wird euch Gott eure Sünden vergeben!«
Lk 3,4 So erfüllte sich, was im Buch des Propheten Jesaja steht: »Ein Bote wird
in der Wüste rufen: ›Macht den Weg frei für den Herrn! Räumt alle Hindernisse
weg!
Lk 3,5 Jedes Tal soll aufgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden, krumme
Wege sollen begradigt und holprige Wege eben werden!
Lk 3,6 Dann werden alle Menschen sehen, wie Gott Rettung bringt!‹«
Lk 3,7 Die Menschen kamen in Scharen zu Johannes, um sich von ihm taufen zu
lassen. Aber er ging mit ihnen hart ins Gericht: »Ihr Schlangenbrut! Wer hat
euch eingeredet, dass ihr dem kommenden Zorn Gottes entrinnen werdet?
Lk 3,8 Zeigt erst einmal durch Taten, dass ihr wirklich zu Gott umkehren wollt!
Bildet euch nur nicht ein, ihr könntet euch damit herausreden: ›Abraham ist
unser Vater!‹ Ich sage euch: Gott kann selbst aus diesen Steinen hier Nachkommen
Abrahams hervorbringen.
Lk 3,9 Schon ist die Axt erhoben, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder
Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.«
Lk 3,10 Da wollten die Leute wissen: »Was sollen wir denn tun?«
Lk 3,11 Johannes antwortete: »Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der
keins besitzt. Und wer etwas zu essen hat, soll seine Mahlzeit mit Hungrigen
teilen.«
Lk 3,12 Es kamen auch Zolleinnehmer, die sich taufen lassen wollten. Sie
fragten: »Und wir? Wie sollen wir uns verhalten?«
Lk 3,13 Johannes wies sie an: »Verlangt nur so viel Zollgebühren, wie ihr
fordern dürft!«
Lk 3,14 »Und was sollen wir tun?«, erkundigten sich einige Soldaten. »Plündert
nicht, und erpresst niemand! Seid zufrieden mit eurem Sold«, antwortete ihnen
Johannes.
Lk 3,15 Die Leute ahnten, dass bald etwas geschehen würde, und sie fragten sich,
ob nicht Johannes der Christus, der ersehnte Retter, sei.
Lk 3,16 Doch Johannes erklärte öffentlich: »Ich taufe euch mit Wasser, aber nach
mir wird ein anderer kommen, der viel mächtiger ist als ich. Ich bin nicht
einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist
und mit Feuer taufen.
Lk 3,17 Schon hat er die Schaufel in der Hand, mit der er die Spreu vom Weizen
trennt. Den Weizen wird er in seine Scheunen bringen, die Spreu aber wird er
verbrennen, und niemand kann dieses Feuer löschen.«
Lk 3,18 Johannes verkündete den Menschen die rettende Botschaft Gottes und
ermahnte sie auf vielerlei Weise.
Lk 3,19 Mit scharfen Worten wies er auch Herodes zurecht, den Herrscher von
Galiläa. Herodes lebte mit Herodias, der Frau seines Bruders, zusammen. Er
schreckte vor keinem Verbrechen zurück.
Lk 3,20 Schließlich ging er so weit, dass er Johannes ins Gefängnis werfen ließ.
Lk 3,21 Als Johannes wieder einmal viele Menschen taufte, kam auch Jesus und
ließ sich taufen. Während er betete, öffnete sich der Himmel,
Lk 3,22 und der Heilige Geist kam, wie eine Taube, sichtbar auf ihn herab.
Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: »Du bist mein geliebter Sohn, der
meine ganze Freude ist.«
Lk 3,23 Jesus trat zum ersten Mal öffentlich auf, als er ungefähr dreißig Jahre
alt war. Die Leute kannten ihn als den Sohn Josefs. Josefs Vater war Eli, und
dessen Vorfahren waren:
Lk 3,24 Mattat - Levi - Melchi - Jannai - Josef -
Lk 3,25 Mattitja - Amos - Nahum - Hesli - Naggai -
Lk 3,26 Mahat - Mattitja - Schimi - Josech - Joda -
Lk 3,27 Johanan - Resa - Serubbabel - Schealtiël - Neri -
Lk 3,28 Melchi - Addi - Kosam - Elmadam - Er -
Lk 3,29 Joschua - Eliëser - Jorim - Mattat - Levi -
Lk 3,30 Simeon - Juda - Josef - Jonam - Eljakim -
Lk 3,31 Melea - Menna - Mattata - Nathan - David -
Lk 3,32 Isai - Obed - Boas - Salmon - Nachschon -
Lk 3,33 Amminadab - Admin - Arni - Hezron - Perez - Juda -
Lk 3,34 Jakob - Isaak - Abraham - Terach - Nahor -
Lk 3,35 Serug - Regu - Peleg - Eber - Schelach -
Lk 3,36 Kenan - Arpachschad - Sem - Noah - Lamech -
Lk 3,37 Metuschelach - Henoch - Jered - Mahalalel - Kenan -
Lk 3,38 Enosch - Set. Set war ein Sohn Adams, und Adam stammte von Gott.
Lk 4,1 Erfüllt vom Heiligen Geist, kam Jesus vom Jordan zurück. Der Geist Gottes
führte ihn in die Wüste, wo er sich vierzig Tage aufhielt.
Lk 4,2 Dort war er den Versuchungen des Teufels ausgesetzt. Jesus aß nichts
während dieser ganzen Zeit, und schließlich quälte ihn der Hunger.
Lk 4,3 Da forderte ihn der Teufel heraus: »Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach
doch aus diesem Stein Brot!«
Lk 4,4 Aber Jesus wehrte ab: »Nein, denn es steht in der Heiligen Schrift: ›Der
Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was Gott ihm zusagt!‹«
Lk 4,5 Dann führte ihn der Teufel auf einen hohen Berg, zeigte ihm in einem
einzigen Augenblick alle Reiche der Welt
Lk 4,6 und bot sie Jesus an: »Alle Macht über diese Welt und ihre ganze Pracht
will ich dir geben; denn mir gehört die Welt, und ich schenke sie, wem ich will.
Lk 4,7 Wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest, wird das alles dir
gehören.«
Lk 4,8 Wieder wehrte Jesus ab: »Nein! Denn es steht in der Heiligen Schrift:
›Bete allein Gott, deinen Herrn, an und diene nur ihm!‹«
Lk 4,9 Jetzt nahm ihn der Teufel mit nach Jerusalem und stellte ihn auf die
höchste Stelle des Tempels. »Spring hinunter!«, forderte er Jesus auf. »Du bist
doch Gottes Sohn!
Lk 4,10 Und in der Heiligen Schrift steht: ›Gott wird seine Engel schicken, um
dich zu beschützen.
Lk 4,11 Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an
einem Stein verletzen!‹«
Lk 4,12 Aber Jesus wies ihn auch diesmal zurück: »Es steht aber auch in der
Schrift: ›Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern!‹«
Lk 4,13 Da gab der Teufel es auf, Jesus weiter auf die Probe zu stellen, und
verließ ihn für einige Zeit.
Lk 4,14 Mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt, kehrte Jesus nach Galiläa
zurück. Schon bald sprach man überall von ihm.
Lk 4,15 Er lehrte die Menschen in den Synagogen, und alle redeten mit größter
Hochachtung von ihm.
Lk 4,16 Eines Tages kam Jesus wieder in seine Heimatstadt Nazareth. Am Sabbat
ging er wie gewohnt in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Heiligen
Schrift vorzulesen,
Lk 4,17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Jesus öffnete sie,
suchte eine bestimmte Stelle und las vor:
Lk 4,18 »Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen hat. Er hat mich
gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Ich rufe Freiheit aus für die
Gefangenen, den Blinden sage ich, dass sie sehen werden, und den Unterdrückten,
dass sie bald von jeder Gewalt befreit sein sollen.
Lk 4,19 Ich rufe ihnen zu: Jetzt erlässt Gott eure Schuld.«
Lk 4,20 Jesus rollte die Buchrolle zusammen, gab sie dem Synagogendiener zurück
und setzte sich. Alle blickten ihn erwartungsvoll an.
Lk 4,21 Er begann: »Heute hat sich diese Voraussage des Propheten erfüllt.«
Lk 4,22 Während er sprach, konnte ihm die ganze Gemeinde nur zustimmen. Sie
staunten alle darüber, wie Jesus Gottes rettende Gnade verkündete, und fragten
sich ungläubig: »Ist das nicht der Sohn Josefs, unseres Zimmermanns?«
Lk 4,23 Jesus redete weiter: »Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten:
›Arzt, hilf dir selbst! In Kapernaum hast du große Wunder getan. Zeig auch hier,
was du kannst!‹
Lk 4,24 Aber ihr wisst doch: Ein Prophet gilt nichts in seiner Heimatstadt.
Lk 4,25 Denkt an Elia! Damals gab es genug Witwen in Israel, die Hilfe
brauchten; denn es hatte dreieinhalb Jahre nicht geregnet, und alle Menschen im
Land hungerten.
Lk 4,26 Aber nicht zu ihnen wurde Elia geschickt, sondern zu einer
nichtjüdischen Witwe in Zarpat bei Sidon.
Lk 4,27 Oder erinnert euch an den Propheten Elisa! Es gab unzählige Aussätzige
in Israel, aber von ihnen wurde keiner geheilt. Naaman, der Syrer, war der
Einzige.«
Lk 4,28 Das war den Zuhörern zu viel.
Lk 4,29 Wütend sprangen sie auf und schleppten Jesus aus der Stadt hinaus bis zu
dem Steilhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war. Dort wollten sie ihn
hinunterstoßen.
Lk 4,30 Doch Jesus ging ruhig durch die aufgebrachte Volksmenge weg, ohne dass
jemand ihn aufhielt.
Lk 4,31 Jesus kam nach Kapernaum in Galiläa und sprach dort am Sabbat zu den
Menschen.
Lk 4,32 Die Zuhörer waren sehr beeindruckt von dem, was er lehrte; denn Jesus
redete mit einer Vollmacht, die Gott ihm verliehen hatte.
Lk 4,33 In der Synagoge war ein Mann, der von einem Dämon beherrscht wurde.
Lk 4,34 Der schrie laut: »Hör auf! Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du
bist doch nur gekommen, um uns zu vernichten. Ich weiß, dass du von Gott kommst
und zu Gott gehörst!«
Lk 4,35 Jesus befahl dem Dämon: »Schweig und verlass diesen Menschen!« Da
schleuderte der Dämon den Mann mitten unter sie auf den Boden und verließ ihn,
ohne ihm weiter zu schaden.
Lk 4,36 Darüber erschraken alle in der Synagoge und sagten: »Wie redet denn
dieser Mann? In der Kraft Gottes befiehlt er den bösen Geistern, und sie müssen
gehorchen!«
Lk 4,37 Bald sprach man in der ganzen Gegend über das, was Jesus getan hatte.
Lk 4,38 Nachdem Jesus die Synagoge verlassen hatte, ging er in Simons Haus.
Dessen Schwiegermutter hatte hohes Fieber. Man bat Jesus, ihr zu helfen.
Lk 4,39 Er trat an ihr Bett, beugte sich über sie und befahl dem Fieber zu
weichen. Sofort war sie gesund. Sie stand auf und sorgte für ihre Gäste.
Lk 4,40 Später, nach Sonnenuntergang, brachten viele Familien ihre Kranken zu
Jesus. Er legte ihnen die Hände auf und heilte sie alle.
Lk 4,41 Viele befreite er auch von Dämonen, die laut schrien: »Du bist der Sohn
Gottes!« Aber er bedrohte sie und befahl ihnen zu schweigen; denn sie wussten,
dass er Christus, der von Gott gesandte Retter, war.
Lk 4,42 Am nächsten Morgen verließ Jesus das Haus und zog sich in eine einsame
Gegend zurück. Aber die Leute suchten ihn überall, und als sie ihn endlich
gefunden hatten, wollten sie ihn festhalten. Er sollte bei ihnen bleiben.
Lk 4,43 Doch er wies sie ab: »Ich muss die rettende Botschaft von Gottes neuer
Welt auch in alle anderen Städte bringen. Das ist mein Auftrag.«
Lk 4,44 Er ging weiter und predigte in den Synagogen von Galiläa.
Lk 5,1 Eines Tages drängte sich am See Genezareth eine große Menschenmenge um
Jesus. Alle wollten hören, was er von Gott erzählte.
Lk 5,2 Am Ufer lagen zwei leere Boote. Die Fischer hatten sie verlassen und
arbeiteten an ihren Netzen.
Lk 5,3 Da stieg Jesus in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück auf
den See hinauszurudern. Vom Boot aus sprach Jesus dann zu den Menschen.
Lk 5,4 Anschließend sagte er zu Simon: »Fahrt jetzt weiter hinaus auf den See,
und werft eure Netze aus!«
Lk 5,5 »Herr«, erwiderte Simon, »wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts
gefangen. Aber weil du es sagst, will ich es wagen.«
Lk 5,6 Sie warfen ihre Netze aus und fingen so viele Fische, dass die Netze zu
reißen anfingen.
Lk 5,7 Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, ihnen zu helfen. Bald
waren beide Boote bis zum Rand beladen, so dass sie beinahe sanken.
Lk 5,8 Als Simon Petrus das sah, fiel er erschrocken vor Jesus nieder und rief:
»Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!«
Lk 5,9 Er und alle anderen Fischer waren fassungslos über diesen Fang,
Lk 5,10 auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die Simon bei der
Arbeit geholfen hatten. Aber Jesus sagte zu Simon: »Fürchte dich nicht! Du wirst
jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.«
Lk 5,11 Sie brachten die Boote an Land, verließen alles und gingen mit Jesus.
Lk 5,12 In einer der Städte traf Jesus einen Mann, der am ganzen Körper
aussätzig war. Als er Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder und flehte ihn an:
»Herr, wenn du willst, kannst du mich heilen!«
Lk 5,13 Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: »Ich will es tun!
Sei gesund!« Im selben Augenblick war der Mann von seiner Krankheit geheilt.
Lk 5,14 Jesus befahl ihm, nicht über seine Heilung zu reden. »Geh sofort zum
Priester, und lass dich von ihm untersuchen«, forderte er ihn auf. »Bring ein
Opfer dar für deine Heilung, wie Mose es vorgeschrieben hat. So werden die
Priester sehen, dass ich im Auftrag Gottes handle.«
Lk 5,15 Aber das Verbot Jesu änderte nichts daran, dass immer mehr Menschen von
seinen Wundern sprachen. In Scharen drängten sie sich um ihn. Sie wollten ihn
hören und von ihren Krankheiten geheilt werden.
Lk 5,16 Jesus aber zog sich zurück, um in der Einsamkeit zu beten.
Lk 5,17 Als Jesus eines Tages Gottes Botschaft erklärte, saßen unter den
Zuhörern auch Pharisäer und Schriftgelehrte. Sie waren aus allen Orten Galiläas
und Judäas und sogar aus Jerusalem gekommen. Gott gab Jesus die Kraft, Kranke zu
heilen.
Lk 5,18 Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Trage. Sie
versuchten, sich durch die Menge zu drängen und den Kranken zu Jesus zu bringen.
Lk 5,19 Aber sie kamen an den vielen Menschen nicht vorbei. Kurz entschlossen
stiegen sie auf das Dach, deckten die Ziegel ab und ließen den Mann auf seiner
Trage durch die Öffnung zu Jesus hinunter.
Lk 5,20 Als Jesus ihren festen Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: »Deine
Sünden sind dir vergeben!«
Lk 5,21 »Was bildet sich dieser Mensch eigentlich ein?«, entrüsteten sich da die
Pharisäer und Schriftgelehrten. »Das ist Gotteslästerung! Nur Gott kann Sünden
vergeben!«
Lk 5,22 Jesus durchschaute sie und fragte: »Wie könnt ihr nur so etwas denken?
Lk 5,23 Ist es leichter zu sagen: ›Dir sind deine Sünden vergeben‹, oder diesen
Gelähmten zu heilen?
Lk 5,24 Aber ich will euch zeigen, dass der Menschensohn die Macht hat, schon
hier auf der Erde Sünden zu vergeben.« Und er forderte den Gelähmten auf: »Steh
auf, nimm deine Trage und geh nach Hause!«
Lk 5,25 Da stand der Mann vor aller Augen auf, nahm seine Trage, ging nach Hause
und dankte dabei Gott.
Lk 5,26 Fassungslos und von Furcht erfüllt sahen ihm die Leute nach. Doch dann
fingen sie an, Gott zu loben, und riefen: »Wir haben heute Unglaubliches
gesehen!«
Lk 5,27 Als Jesus weiterzog, sah er den Zolleinnehmer Levi am Zoll sitzen. Jesus
forderte ihn auf: »Komm, geh mit mir!«
Lk 5,28 Ohne zu zögern, verließ Levi alles und ging mit ihm.
Lk 5,29 Kurz darauf gab er für Jesus in seinem Haus ein großes Fest und lud dazu
viele Zolleinnehmer und seine anderen Freunde ein. Jesus und die Jünger aßen mit
ihnen zusammen.
Lk 5,30 Da empörten sich die Pharisäer und Schriftgelehrten: »Weshalb gebt ihr
euch mit solchem Gesindel ab?«, sagten sie zu den Jüngern.
Lk 5,31 Jesus antwortete ihnen: »Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die
Kranken!
Lk 5,32 Ich bin gekommen, um Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, die
ohne ihn leben - und nicht solche, die sich sowieso an seine Gebote halten.«
Lk 5,33 Wieder einmal kamen die Pharisäer zu Jesus und stellten ihm eine Frage:
»Die Jünger von Johannes dem Täufer fasten und beten viel, und unsere Jünger
halten es auch so. Warum aber essen und trinken deine Jünger, ohne sich um die
Fastentage zu kümmern?«
Lk 5,34 Da antwortete Jesus: »Wollt ihr vielleicht die Hochzeitsgäste hungern
lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?
Lk 5,35 Die Zeit kommt früh genug, dass der Bräutigam ihnen genommen wird. Dann
werden sie fasten.«
Lk 5,36 Noch mit einem anderen Beispiel ging er auf ihre Frage ein: »Niemand
zerreißt ein neues Kleid, um damit ein altes zu flicken. Nicht nur, dass es um
das neue Kleid zu schade wäre; sondern der neue Flicken passt auch gar nicht zum
alten Kleid.
Lk 5,37 Ebenso füllt niemand jungen, gärenden Wein in alte, brüchige Schläuche.
Sonst platzen sie, der Wein läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar.
Lk 5,38 Nein, jungen Wein füllt man in neue Schläuche.
Lk 5,39 Wer aber gern alten Wein trinkt, der will vom jungen Wein nichts wissen.
›Der alte Wein ist immer noch der beste‹, wird er sagen.«
Lk 6,1 An einem Sabbat ging Jesus mit seinen Jüngern durch die Getreidefelder.
Die Jünger rissen einzelne Ähren ab, zerrieben sie zwischen den Händen und aßen
die Körner.
Lk 6,2 Da beschwerten sich die Pharisäer: »Was tut ihr da? Es ist doch verboten,
am Sabbat Getreide zu ernten!«
Lk 6,3 Darauf antwortete Jesus: »Habt ihr denn nie gelesen, was David und seine
Männer getan haben? Als sie hungrig waren,
Lk 6,4 gingen sie in das Haus Gottes und aßen von dem Brot, das Gott geweiht war
und das nur die Priester essen durften.
Lk 6,5 Umso mehr hat der Menschensohn das Recht zu entscheiden, was am Sabbat
erlaubt ist und was nicht.«
Lk 6,6 Als Jesus an einem anderen Sabbat in der Synagoge sprach, war dort ein
Mann, dessen rechte Hand verkrüppelt war.
Lk 6,7 Die Schriftgelehrten und Pharisäer warteten gespannt darauf, wie Jesus
sich verhalten würde. Sollte er es nämlich wagen, auch am Sabbat zu heilen, so
könnten sie Anklage gegen ihn erheben.
Lk 6,8 Jesus wusste, was sie dachten. Er rief den Mann mit der verkrüppelten
Hand zu sich: »Steh auf und komm hierher, damit dich alle sehen können!« Der
Mann kam nach vorn.
Lk 6,9 Nun wandte sich Jesus an die Anwesenden: »Ich will euch etwas fragen:
Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses? Soll man das Leben eines Menschen
retten, oder soll man ihn zugrunde gehen lassen?«
Lk 6,10 Jesus sah einen nach dem anderen an. Schließlich sagte er zu dem Mann:
»Streck deine Hand aus!« Er streckte sie aus, und die Hand war gesund.
Lk 6,11 Die Pharisäer und Schriftgelehrten aber waren wütend. Sie berieten
miteinander, was sie gegen Jesus unternehmen könnten.
Lk 6,12 In dieser Zeit stieg Jesus auf einen Berg, um zu beten. Er betete die
ganze Nacht.
Lk 6,13 Als es hell wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte zwölf von
ihnen aus, die er Apostel nannte.
Lk 6,14 Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und Simons Bruder Andreas;
dann Jakobus und Johannes, Philippus, Bartholomäus,
Lk 6,15 Matthäus, Thomas und Jakobus, der Sohn des Alphäus; sowie Simon, der
ehemalige Freiheitskämpfer,
Lk 6,16 Judas, der Sohn von Jakobus, und Judas Iskariot, der Jesus später
verriet.
Lk 6,17 Als Jesus mit seinen Jüngern den Berg hinuntergestiegen war, kamen sie
zu einem großen freien Platz. Hier hatte sich eine riesige Menschenmenge
versammelt, darunter eine große Anzahl seiner Jünger. Die Leute kamen sogar aus
Judäa, aus Jerusalem und aus den Hafenstädten Tyrus und Sidon.
Lk 6,18 Sie waren gekommen, um Jesus zu hören und von ihren Krankheiten geheilt
zu werden. Alle, die von bösen Geistern beherrscht waren, wurden befreit.
Lk 6,19 Jeder versuchte, Jesus zu berühren; denn von ihm ging eine Kraft aus,
die sie alle heilte.
Lk 6,20 Jesus sah seine Jünger an und sagte: »Glücklich seid ihr Armen, denn
euch gehört die neue Welt Gottes.
Lk 6,21 Glücklich seid ihr, die ihr jetzt hungern müsst, denn Gott wird euren
Hunger stillen. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen!
Lk 6,22 Glücklich seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer
Gemeinschaft ausschließen; wenn sie euch verachten und Schlechtes über euch
erzählen, nur weil ihr zu mir gehört.
Lk 6,23 Dann freut euch! Ja, ihr könnt jubeln, denn im Himmel werdet ihr dafür
reich belohnt werden. So wie es euch ergeht, ist es auch schon den Propheten
ergangen.
Lk 6,24 Doch wehe euch, ihr Reichen! Ihr habt euer Glück schon auf Erden
genossen.
Lk 6,25 Wehe euch, ihr Satten! Ihr werdet Hunger leiden. Wehe euch, die ihr
jetzt sorglos lacht! Ihr werdet trauern und weinen.
Lk 6,26 Wehe euch, die ihr jetzt von allen umschmeichelt werdet, denn die
falschen Propheten waren schon immer beliebt.«
Lk 6,27 »Euch allen sage ich: Liebt eure Feinde und tut denen Gutes, die euch
hassen.
Lk 6,28 Segnet die Menschen, die euch Böses wünschen, und betet für alle, die
euch beleidigen.
Lk 6,29 Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch
noch hin. Wenn dir einer den Mantel wegnimmt, dann weigere dich nicht, ihm auch
noch das Hemd zu geben.
Lk 6,30 Gib jedem, der dich um etwas bittet, und fordere nicht zurück, was man
dir genommen hat.
Lk 6,31 So wie ihr von anderen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.
Lk 6,32 Oder wollt ihr dafür belohnt werden, dass ihr die Menschen liebt, die
euch auch lieben? Das tun selbst die Leute, die von Gott nichts wissen wollen.
Lk 6,33 Ist es etwas Besonderes, denen Gutes zu tun, die auch zu euch gut sind?
Das können auch Menschen, die Gott ablehnen.
Lk 6,34 Was ist schon dabei, Leuten Geld zu leihen, von denen man genau weiß,
dass sie es zurückzahlen? Dazu braucht man nichts von Gott zu wissen.
Lk 6,35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und den Menschen Gutes tun. Ihr sollt
ihnen helfen, ohne einen Dank oder eine Gegenleistung zu erwarten. Dann werdet
ihr reich belohnt werden: Ihr werdet Kinder des höchsten Gottes sein. Denn auch
er ist gütig zu Undankbaren und Bösen.«
Lk 6,36 »Seid so barmherzig wie euer Vater im Himmel!
Lk 6,37 Richtet nicht über andere, dann werdet ihr auch nicht gerichtet werden!
Verurteilt keinen Menschen, dann werdet auch ihr nicht verurteilt! Wenn ihr
bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird auch euch vergeben werden.
Lk 6,38 Gebt, was ihr habt, dann werdet ihr so reich beschenkt werden, dass ihr
gar nicht alles aufnehmen könnt. Mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird
man auch euch messen.«
Lk 6,39 Wenn Jesus zu den Menschen sprach, gebrauchte er immer wieder
Gleichnisse: »Wie kann ein Blinder einen anderen Blinden führen? Werden sie
nicht beide in den Abgrund stürzen?
Lk 6,40 Ein Schüler steht nicht über seinem Lehrer. Im besten Fall kann er
werden wie sein Lehrer, wenn er alles von ihm gelernt hat.
Lk 6,41 Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Bruders, aber den
Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
Lk 6,42 Du sagst: ›Mein Bruder, komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge
ziehen!‹ Dabei erkennst du nicht, dass du selbst einen Balken in deinem Auge
hast. Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du
klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.«
Lk 6,43 »Ein guter Baum trägt keine schlechten Früchte und ein kranker Baum
keine guten.
Lk 6,44 So erkennt man jeden Baum an seinen Früchten. Von Dornbüschen kann man
keine Feigen ernten und von Gestrüpp keine Weintrauben.
Lk 6,45 Wenn ein guter Mensch spricht, zeigt sich, was an Gutem in seinem Herzen
ist. Ein Mensch mit einem bösen Herzen ist innerlich voller Gift, und alle
merken es, wenn er redet. Denn wovon das Herz erfüllt ist, das spricht der Mund
aus!«
Lk 6,46 »Warum nennt ihr mich dauernd ›Herr!‹, wenn ihr doch nicht tut, was ich
euch sage?
Lk 6,47 Wisst ihr, mit wem ich einen Menschen vergleiche, der meine Worte hört
und danach handelt?
Lk 6,48 Er ist wie ein Mann, der sich ein Haus bauen wollte. Zuerst hob er eine
Baugrube aus, dann baute er die Fundamente seines Hauses auf felsigen Grund. Als
ein Unwetter kam und die Fluten gegen das Haus brandeten, konnten sie keinen
Schaden anrichten, denn das Haus war auf Felsengrund gebaut.
Lk 6,49 Wer sich meine Worte allerdings nur anhört und nicht danach lebt, der
ist wie einer, der beim Bauen auf das Fundament verzichtet und sein Haus auf
weichen Boden baut. Bei einem Unwetter unterspülen die Fluten sein Haus, es
gerät aus allen Fugen und stürzt krachend ein.«
Lk 7,1 Nachdem Jesus zu der Menschenmenge geredet hatte, ging er nach Kapernaum.
Lk 7,2 In dieser Stadt lag der Diener eines römischen Hauptmanns im Sterben.
Weil der Hauptmann seinen Diener sehr schätzte,
Lk 7,3 schickte er einige angesehene Juden zu Jesus, von dessen Ankunft er
gehört hatte. Sie sollten ihn bitten, mitzukommen und seinen Diener zu heilen.
Lk 7,4 So kamen sie zu Jesus und redeten eindringlich auf ihn ein: »Du musst
diesem Mann unbedingt helfen!
Lk 7,5 Er liebt unser Volk und hat den Bau der Synagoge bezahlt.«
Lk 7,6 Jesus ging mit ihnen. Aber noch ehe sie das Haus erreicht hatten,
schickte ihm der Hauptmann einige Freunde entgegen und ließ ihm sagen: »Herr,
ich möchte nicht, dass du selbst in mein Haus kommst; denn ich bin es nicht
wert, dich zu empfangen.
Lk 7,7 Deshalb bin ich auch nicht persönlich zu dir gekommen. Sag nur ein
einziges Wort, dann wird mein Diener gesund.
Lk 7,8 Auch ich habe Vorgesetzte, denen ich gehorchen muss, und ich erteile
selbst Befehle an meine Soldaten. Wenn ich zu einem sage: ›Geh!‹, dann geht er.
Befehle ich einem anderen: ›Komm!‹, dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Diener
sage: ›Tu dies!‹, dann führt er meinen Auftrag aus.«
Lk 7,9 Als Jesus das hörte, wunderte er sich sehr über ihn. Er wandte sich der
Menschenmenge zu, die ihm gefolgt war, und sagte: »Eins ist sicher: Unter allen
Juden in Israel bin ich keinem Menschen mit einem so festen Glauben begegnet.«
Lk 7,10 Als die Freunde des Hauptmanns in das Haus zurückkamen, war der Diener
gesund.
Lk 7,11 Kurz darauf kam Jesus mit seinen Jüngern in die Stadt Nain. Wieder
folgte ihm eine große Menschenmenge.
Lk 7,12 Als er sich dem Stadttor näherte, kam ihm ein Trauerzug entgegen. Der
Verstorbene war der einzige Sohn einer Witwe. Viele Trauergäste aus der Stadt
begleiteten die Frau.
Lk 7,13 Als Jesus, der Herr, sie sah, war er von ihrem Leid tief bewegt. »Weine
nicht!«, tröstete er sie.
Lk 7,14 Er ging zu der Bahre und legte seine Hand darauf. Die Träger blieben
stehen. Jesus sagte zu dem toten Jungen: »Ich befehle dir: Steh auf!«
Lk 7,15 Da setzte sich der Junge auf und begann zu sprechen. So gab Jesus der
Mutter ihr Kind zurück.
Lk 7,16 Alle erschraken über das, was sie gesehen hatten. Dann aber lobten sie
Gott und sagten: »Gott hat uns einen mächtigen Propheten geschickt, er wendet
sich seinem Volk wieder zu.«
Lk 7,17 Bald wusste jeder in ganz Judäa und in den angrenzenden Gebieten, was
Jesus getan hatte.
Lk 7,18 Von den Taten Jesu erfuhr auch Johannes der Täufer durch seine Jünger.
Lk 7,19 Er schickte zwei von ihnen mit der Frage zu Jesus: »Bist du wirklich der
Retter, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?«
Lk 7,20 Die beiden kamen zu Jesus und sagten: »Johannes lässt dich fragen: ›Bist
du der Retter, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?‹«
Lk 7,21 Jesus heilte gerade viele von ihren Krankheiten und Leiden. Er befreite
Menschen, die von Dämonen geplagt wurden, und den Blinden schenkte er das
Augenlicht wieder.
Lk 7,22 Deshalb antwortete er den Jüngern des Johannes: »Geht zu Johannes zurück
und erzählt ihm, was ihr gehört und gesehen habt: Blinde sehen, Gelähmte gehen,
Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote werden wieder lebendig, und den
Armen wird die rettende Botschaft verkündet!
Lk 7,23 Und sagt ihm: Glücklich ist jeder, der nicht an mir Anstoß nimmt!«
Lk 7,24 Als die Jünger des Johannes gegangen waren, wandte sich Jesus an die
Menschen, die sich um ihn versammelt hatten, und fragte: »Was habt ihr von
Johannes erwartet, als ihr zu ihm in die Wüste hinausgegangen seid? Wolltet ihr
ein Schilfrohr sehen, das bei jedem Windhauch hin- und herschwankt?
Lk 7,25 Oder wolltet ihr einen Mann in vornehmer Kleidung sehen, der in Saus und
Braus lebt? Dann hättet ihr in die Königspaläste gehen müssen.
Lk 7,26 Oder wolltet ihr einem Propheten begegnen? Ja, Johannes ist ein Prophet,
und mehr als das.
Lk 7,27 Er ist der Mann, von dem es in der Heiligen Schrift heißt: ›Ich sende
meinen Boten dir voraus, der dein Kommen ankündigt und die Menschen darauf
vorbereitet.‹
Lk 7,28 Ja, ich versichere euch: Von allen Menschen, die je geboren wurden, ist
keiner bedeutender als Johannes der Täufer. Trotzdem ist der Geringste in Gottes
neuer Welt größer als er.
Lk 7,29 Alle, die Johannes zuhörten, selbst die von allen verachteten
Zolleinnehmer, unterwarfen sich dem Urteil Gottes und ließen sich von Johannes
taufen.
Lk 7,30 Nur die Pharisäer und Schriftgelehrten lehnten hochmütig Gottes Hilfe
ab. Sie ließen sich nicht von Johannes taufen.«
Lk 7,31 »Wie soll ich die Menschen von heute beschreiben? Wem gleichen sie?
Lk 7,32 Sie sind wie spielende Kinder auf der Straße, die ihren Freunden
zurufen: ›Wir haben Hochzeitslieder gespielt, und ihr habt nicht getanzt. Danach
haben wir Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint!‹
Lk 7,33 Johannes der Täufer fastete oft und trank keinen Wein. Da habt ihr
gesagt: ›Der ist ja von einem bösen Geist besessen!‹
Lk 7,34 Nun ist der Menschensohn gekommen, isst und trinkt wie jeder andere, und
ihr beschimpft ihn: ›Er frisst und säuft, und seine Freunde sind die
Zolleinnehmer und anderes Gesindel!‹
Lk 7,35 Doch wie Recht die Weisheit Gottes hat, zeigt sich an denen, die sie
annehmen.«
Lk 7,36 Einmal wurde Jesus von einem Pharisäer zum Essen eingeladen. Er ging in
das Haus dieses Mannes und setzte sich an den Tisch.
Lk 7,37 Da kam eine Prostituierte herein, die in dieser Stadt lebte. Sie hatte
erfahren, dass Jesus bei dem Pharisäer eingeladen war. In ihrer Hand trug sie
ein Fläschchen mit wertvollem Salböl.
Lk 7,38 Die Frau ging zu Jesus, kniete bei ihm nieder und weinte so sehr, dass
seine Füße von ihren Tränen nass wurden. Mit ihrem Haar trocknete sie die Füße,
küsste sie und goss das Öl darüber.
Lk 7,39 Der Pharisäer hatte das alles beobachtet und dachte: »Wenn dieser Mann
wirklich ein Prophet wäre, müsste er doch wissen, was für eine Frau ihn da
berührt. Sie ist doch eine stadtbekannte Hure!«
Lk 7,40 »Simon, ich will dir etwas erzählen«, unterbrach ihn Jesus in seinen
Gedanken. »Ja, ich höre zu, Lehrer«, antwortete Simon.
Lk 7,41 »Ein reicher Mann hatte zwei Leuten Geld geliehen. Der eine Mann
schuldete ihm fünfhundert Silberstücke, der andere fünfzig.
Lk 7,42 Weil sie das Geld aber nicht zurückzahlen konnten, schenkte er es
beiden. Welcher der beiden Männer wird ihm nun am meisten dankbar sein?«
Lk 7,43 Simon antwortete: »Bestimmt der, dem er die größte Schuld erlassen hat.«
»Du hast Recht!«, bestätigte ihm Jesus.
Lk 7,44 Dann blickte er die Frau an und sagte: »Sieh diese Frau, Simon! Ich kam
in dein Haus, und du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, was doch sonst
selbstverständlich ist. Aber sie hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen und
mit ihrem Haar getrocknet.
Lk 7,45 Du hast mich nicht mit einem Kuss begrüßt. Aber seit ich hier bin, hat
diese Frau immer wieder meine Füße geküsst.
Lk 7,46 Du hast meine Stirn nicht mit Öl gesalbt, während sie dieses kostbare Öl
sogar über meine Füße gegossen hat.
Lk 7,47 Ich sage dir: Ihre große Schuld ist ihr vergeben; und darum hat sie mir
so viel Liebe gezeigt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt auch wenig.«
Lk 7,48 Zu der Frau sagte Jesus: »Deine Sünden sind dir vergeben.«
Lk 7,49 Da tuschelten die anderen Gäste untereinander: »Was ist das nur für ein
Mensch! Kann der denn Sünden vergeben?«
Lk 7,50 Jesus aber sagte zu der Frau: »Dein Glaube hat dich gerettet! Geh in
Frieden.«
Lk 8,1 Bald darauf zog Jesus durch viele Städte und Dörfer. Überall sprach er zu
den Menschen und verkündete die rettende Botschaft von Gottes neuer Welt. Dabei
begleiteten ihn seine zwölf Jünger
Lk 8,2 und einige Frauen, die er von bösen Geistern befreit und von ihren
Krankheiten geheilt hatte. Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala, die er von
sieben Dämonen befreit hatte,
Lk 8,3 Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten von König Herodes, Susanna
und viele andere. Sie waren vermögend und sorgten für Jesus und seine Jünger.
Lk 8,4 Als wieder einmal eine große Menschenmenge aus allen Städten
zusammengekommen war, erzählte Jesus dieses Gleichnis:
Lk 8,5 »Ein Bauer säte Getreide aus. Dabei fielen ein paar Saatkörner auf den
Weg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt.
Lk 8,6 Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen auf, aber weil es
nicht feucht genug war, vertrockneten sie.
Lk 8,7 Einige Körner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald
erstickte.
Lk 8,8 Die übrige Saat aber fiel auf fruchtbaren Boden. Das Getreide wuchs heran
und brachte das Hundertfache der Aussaat als Ertrag. Hört genau auf das, was ich
euch sage!«
Lk 8,9 Später fragten ihn seine Jünger, was er mit diesem Gleichnis sagen
wollte.
Lk 8,10 Jesus antwortete ihnen: »Euch lässt Gott die Geheimnisse seiner neuen
Welt verstehen. Zu allen anderen aber rede ich in Gleichnissen. Denn sie sollen
sehen, aber nicht erkennen, sie sollen hören, aber nicht verstehen.
Lk 8,11 Euch aber will ich das Gleichnis erklären: Die Saat ist Gottes
Botschaft.
Lk 8,12 Der Mensch, bei dem die Saat auf den Weg fällt, hat die Botschaft zwar
gehört. Aber dann kommt der Teufel und nimmt ihm die Botschaft aus dem Herzen,
damit dieser Mensch nicht glaubt und gerettet wird.
Lk 8,13 Wie felsiger Boden ist ein Mensch, der die Botschaft hört und mit großer
Begeisterung annimmt. Aber sein Glaube hat keine starke Wurzel. Eine Zeit lang
vertraut dieser Mensch Gott, doch wenn er wegen seines Glaubens in
Schwierigkeiten gerät, wendet er sich wieder von Gott ab.
Lk 8,14 Der von Disteln überwucherte Boden entspricht einem Menschen, der die
Botschaft zwar hört, bei dem aber alles beim Alten bleibt. Denn die Sorgen des
Alltags, die Verführung durch den Wohlstand und die Jagd nach den Freuden dieses
Lebens ersticken Gottes Botschaft, so dass keine Frucht reifen kann.
Lk 8,15 Aber es gibt auch fruchtbaren Boden: den Menschen, der Gottes Botschaft
bereitwillig und aufrichtig annimmt. Er bewahrt sie im Herzen und lässt sich
durch nichts beirren, bis sein Glaube schließlich reiche Frucht bringt.«
Lk 8,16 »Niemand zündet eine Öllampe an und versteckt sie dann unter einem Eimer
oder stellt sie unters Bett. Im Gegenteil! Man stellt die Lampe so auf, dass
jeder, der hereinkommt, das Licht sieht.
Lk 8,17 Alles, was jetzt noch verborgen ist, wird einmal ans Licht kommen, und
was jetzt noch ein Geheimnis ist, wird jeder verstehen.
Lk 8,18 Entscheidend ist, wie ihr mir zuhört. Denn wer viel hat, der bekommt
noch mehr dazu. Wer aber nichts hat, dem wird selbst noch das Wenige, was er zu
haben meint, genommen.«
Lk 8,19 Einmal wollten Jesu Mutter und seine Geschwister ihn sprechen. Aber es
drängten sich so viele Menschen um ihn, dass sie nicht bis zu ihm durchkommen
konnten.
Lk 8,20 Sie ließen ihm ausrichten: »Deine Mutter und deine Geschwister stehen
draußen und wollen mit dir reden.«
Lk 8,21 Aber Jesus antwortete: »Meine Mutter und meine Geschwister - das sind
alle, die Gottes Botschaft hören und danach leben.«
Lk 8,22 Eines Tages stiegen Jesus und seine Jünger in ein Boot, und er forderte
sie auf: »Lasst uns über den See ans andere Ufer fahren!« Sie ruderten los.
Lk 8,23 Unterwegs schlief Jesus ein. Mitten auf dem See brach plötzlich ein
gewaltiger Sturm los, und die Wellen schlugen ins Boot. In höchster Not
Lk 8,24 rüttelten die Jünger Jesus wach: »Herr!«, schrien sie, »Herr, wir gehen
unter!« Jesus stand auf und bedrohte den Wind und die Wellen. Da legte sich der
Sturm, und es wurde ganz still.
Lk 8,25 »Wo ist denn euer Glaube?«, wollte Jesus von ihnen wissen. Entsetzt und
erstaunt fragten sich die Jünger untereinander: »Was ist das für ein Mensch?
Selbst Wind und Wellen gehorchen ihm, wenn er es befiehlt!«
Lk 8,26 Dann erreichten sie die Gegend von Gadara auf der anderen Seite des Sees
Genezareth.
Lk 8,27 Als Jesus aus dem Boot stieg, lief ihm aus der Stadt ein Mann entgegen,
der von Dämonen beherrscht wurde. Schon seit langer Zeit trug er keine Kleider
mehr und blieb auch in keiner Wohnung, sondern er hauste in Grabhöhlen.
Lk 8,28 Kaum hatte er Jesus gesehen, fing er an zu schreien. Er warf sich vor
ihm nieder und rief laut: »Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des
Höchsten? Ich flehe dich an, quäle mich nicht!«
Lk 8,29 Jesus hatte nämlich dem Dämon befohlen, den Mann endlich freizulassen.
Immer wieder hatte der böse Geist den Mann überwältigt. Obwohl man ihn an Händen
und Füßen fesselte und einsperrte, konnte er seine Ketten zerreißen und wurde
von dem Dämon in die Wüste getrieben.
Lk 8,30 »Wie heißt du?«, fragte ihn Jesus. »Legion«, war die Antwort. Denn der
Mann war von vielen Dämonen besessen.
Lk 8,31 Sie baten Jesus: »Befiehl uns nicht, in die Hölle zu fahren!«
Lk 8,32 Nicht weit entfernt an einem Abhang wurde eine große Herde Schweine
gehütet. In diese Schweine wollten die Dämonen fahren, und Jesus erlaubte es
ihnen.
Lk 8,33 Nun ließen die Dämonen den Mann frei und bemächtigten sich der Schweine.
Da stürzte die ganze Herde den Abhang hinunter in den See und ertrank.
Lk 8,34 Verstört flohen die Hirten in die Stadt und in die umliegenden Dörfer
und berichteten, was sich ereignet hatte.
Lk 8,35 Von überall her kamen die Leute gelaufen, um sich selbst zu überzeugen.
Sie sahen den Mann, den Jesus gerade von den Dämonen befreit hatte. Er war
ordentlich angezogen und saß ganz ruhig neben Jesus. Da wurde ihnen unheimlich
zumute.
Lk 8,36 Diejenigen aber, die alles mit angesehen hatten, erzählten, wie der
besessene Mann von Jesus geheilt worden war.
Lk 8,37 Daraufhin baten die Leute aus Gadara Jesus, er möge ihre Gegend doch
wieder verlassen, denn sie fürchteten sich sehr. Jesus stieg in das Boot, um
zurückzufahren.
Lk 8,38 Der geheilte Mann bat darum, bei ihm bleiben zu dürfen. Aber Jesus
beauftragte ihn:
Lk 8,39 »Geh nach Hause und berichte, welch großes Wunder Gott an dir getan
hat.« Da ging der Mann und erzählte in der ganzen Stadt, was für ein Wunder
Jesus an ihm getan hatte.
Lk 8,40 Ungeduldig wartete auf der anderen Seite des Sees eine große
Menschenmenge auf Jesus.
Lk 8,41 Da kam Jaïrus, ein Vorsteher der jüdischen Gemeinde, warf sich vor Jesus
nieder und flehte ihn an, in sein Haus zu kommen;
Lk 8,42 denn sein einziges Kind, ein zwölfjähriges Mädchen, lag im Sterben.
Jesus ging mit ihm, dicht gefolgt von einer großen Menschenmenge.
Lk 8,43 Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken
Blutungen litt. Niemand hatte ihr helfen können, obwohl sie schon von vielen
Ärzten behandelt worden war und dafür ihr ganzes Geld ausgegeben hatte.
Lk 8,44 Als sie bis zu Jesus gekommen war, berührte sie von hinten eine Quaste
seines Gewandes. Im selben Augenblick hörten die Blutungen auf.
Lk 8,45 »Wer hat mich angefasst?«, fragte Jesus. Aber niemand wollte es gewesen
sein, und Petrus meinte: »Meister, die Leute bedrängen dich von allen Seiten,
und da fragst du, wer dich angefasst hat?«
Lk 8,46 Jesus erwiderte: »Jemand hat mich ganz bewusst berührt. Ich habe
gespürt, wie heilende Kraft von mir ausgegangen ist!«
Lk 8,47 Als die Frau erkannte, dass Jesus alles bemerkt hatte, fiel sie zitternd
vor ihm auf die Knie. Vor allen Leuten erzählte sie, weshalb sie ihn berührt
hatte und wie sie sofort geheilt worden war.
Lk 8,48 »Meine Tochter«, sagte Jesus zu ihr, »dein Glaube hat dir geholfen. Geh
in Frieden!«
Lk 8,49 Noch während er mit der Frau redete, kam jemand aus dem Haus des Jaïrus
gelaufen und rief: »Deine Tochter ist gestorben. Es hat keinen Zweck mehr, den
Meister zu holen.«
Lk 8,50 Jesus hörte das und sagte zu dem Vater: »Verzweifle nicht! Vertrau mir
ganz und gar, und deine Tochter wird gerettet!«
Lk 8,51 Als sie das Haus erreichten, erlaubte er nur Petrus, Johannes, Jakobus
und den Eltern des Mädchens, mit hineinzugehen.
Lk 8,52 Alle klagten und weinten um die Tote, aber Jesus sagte: »Hört auf zu
weinen! Das Kind ist nicht tot, es schläft nur!«
Lk 8,53 Da lachten sie ihn aus, denn jeder wusste, dass das Mädchen tot war.
Lk 8,54 Jesus schickte sie alle weg. Dann fasste er die Tote bei der Hand und
rief: »Kind, steh auf!«
Lk 8,55 Da wurde das Mädchen wieder lebendig, stand auf, und Jesus ließ ihr
etwas zu essen bringen.
Lk 8,56 Die Eltern konnten kaum fassen, was sie erlebt hatten. Doch Jesus
schärfte ihnen ein, mit niemandem darüber zu reden.
Lk 9,1 Jesus rief seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen die Kraft und die
Macht, alle Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen.
Lk 9,2 Er beauftragte sie, überall die Botschaft von Gottes neuer Welt zu
verkünden und die Kranken gesund zu machen.
Lk 9,3 »Nehmt nichts mit auf die Reise«, befahl er ihnen, »weder Wanderstab noch
Tasche, weder Essen noch Geld, nicht einmal ein zweites Hemd.
Lk 9,4 Wenn ihr in ein Haus kommt, dann bleibt dort, bis ihr weiterzieht.
Lk 9,5 Seid ihr aber in einer Stadt nicht willkommen, dann geht fort und
schüttelt den Staub von euren Füßen als Zeichen dafür, dass ihr die Stadt dem
Urteil Gottes überlasst.«
Lk 9,6 Die Jünger zogen los und wanderten von Ort zu Ort. Überall verkündeten
sie die rettende Botschaft und heilten die Kranken.
Lk 9,7 Herodes, der Herrscher über Galiläa, war ratlos, als er erfuhr, was Jesus
tat; denn einige behaupteten: »Johannes der Täufer ist von den Toten
auferstanden.«
Lk 9,8 Andere wieder meinten, Elia sei erschienen oder einer von den alten
Propheten sei zurückgekehrt.
Lk 9,9 »Johannes habe ich enthaupten lassen!«, überlegte Herodes. »Aber wer ist
dieser Mann, von dem so erstaunliche Dinge berichtet werden?« Darum wollte er
Jesus unbedingt kennen lernen.
Lk 9,10 Die zwölf Jünger kehrten zu Jesus zurück und erzählten ihm, was sie auf
ihrer Reise getan hatten. Jesus nahm sie mit in die Stadt Betsaida. Dort wollte
er mit ihnen allein sein.
Lk 9,11 Die Menschen erfuhren aber schnell, wo Jesus war, und folgten ihm in
Scharen. Er schickte sie nicht fort, sondern sprach zu ihnen über die neue Welt
Gottes und heilte die Kranken.
Lk 9,12 Es war spät geworden. Da kamen die zwölf Jünger zu Jesus und sagten: »Es
wird Zeit, dass die Leute gehen, damit sie in den umliegenden Dörfern und Höfen
übernachten und etwas zu essen kaufen können. Hier gibt es doch nichts!«
Lk 9,13 »Gebt ihr ihnen zu essen!«, forderte Jesus sie auf. »Aber wir haben nur
fünf Brote und zwei Fische!«, entgegneten die Jünger. »Oder sollen wir etwa für
all die Leute Essen besorgen?«
Lk 9,14 Es hatten sich etwa fünftausend Männer um Jesus versammelt. »Sagt ihnen,
sie sollen sich in Gruppen von je fünfzig Personen setzen!«, ordnete Jesus an.
Lk 9,15 Und so geschah es.
Lk 9,16 Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf und
segnete sie. Er teilte Brot und Fische, reichte sie seinen Jüngern, und die
Jünger gaben sie an die Menge weiter.
Lk 9,17 Alle aßen sich satt. Als man anschließend die Reste einsammelte, da
waren es noch zwölf volle Körbe.
Lk 9,18 Eines Tages war Jesus allein und betete. Nur seine Jünger waren bei ihm.
Da fragte er sie: »Für wen halten mich die Leute eigentlich?«
Lk 9,19 Die Jünger erwiderten: »Einige halten dich für Johannes den Täufer oder
den Propheten Elia, andere meinen, einer der alten Propheten sei auferstanden.«
Lk 9,20 »Und für wen haltet ihr mich?«, fragte er sie. Da antwortete Petrus: »Du
bist Christus, der von Gott gesandte Retter!«
Lk 9,21 Jesus befahl seinen Jüngern nachdrücklich, mit niemandem darüber zu
reden.
Lk 9,22 Dann sagte er: »Der Menschensohn muss viel leiden. Die führenden Männer
des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten werden ihn verurteilen und
töten. Aber drei Tage später wird Gott ihn wieder auferwecken.«
Lk 9,23 Danach wandte sich Jesus an alle: »Wer mir nachfolgen will, darf nicht
mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz täglich auf
sich nehmen und mir nachfolgen.
Lk 9,24 Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein
Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen.
Lk 9,25 Denn was gewinnt ein Mensch, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er aber
dabei sich selbst verliert oder Schaden nimmt?
Lk 9,26 Wer sich schämt, sich zu mir und meiner Botschaft zu bekennen, den wird
auch der Menschensohn nicht kennen, wenn er in seiner Macht und in der
Herrlichkeit des Vaters und der heiligen Engel kommen wird.
Lk 9,27 Das sage ich euch: Einige von denen, die hier stehen, werden nicht
sterben, bevor die neue Welt Gottes sichtbar wird.«
Lk 9,28 Acht Tage später stieg Jesus mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen
Berg, um zu beten.
Lk 9,29 Als Jesus betete, veränderte sich sein Gesicht, und seine Kleider
strahlten hell.
Lk 9,30 Plötzlich standen zwei Männer da und redeten mit ihm: Mose und Elia.
Lk 9,31 Auch sie waren von hellem Licht umgeben und sprachen mit Jesus über
seinen Tod, den er nach Gottes Plan in Jerusalem erleiden sollte.
Lk 9,32 Petrus und die beiden anderen Jünger waren eingeschlafen. Als sie
aufwachten, sahen sie Jesus von Licht umstrahlt und die zwei Männer bei ihm.
Lk 9,33 Schließlich wollten die zwei Männer gehen. Da rief Petrus: »Meister,
hier gefällt es uns. Wir wollen drei Hütten bauen, für dich, für Mose und für
Elia!« Petrus wusste aber gar nicht, was er da redete.
Lk 9,34 Während er sprach, fiel der Schatten einer Wolke auf sie. Die Wolke
hüllte sie ein, und sie fürchteten sich;
Lk 9,35 dann hörten sie eine Stimme: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt
ihr hören!«
Lk 9,36 Dann war Jesus wieder allein. Die Jünger sprachen lange Zeit nicht über
das, was sie erlebt hatten.
Lk 9,37 Als sie am nächsten Tag vom Berg herabstiegen, kamen ihnen viele
Menschen entgegen.
Lk 9,38 Ein Mann war dabei, der Jesus anflehte: »Bitte, Lehrer, sieh dir meinen
Sohn an, mein einziges Kind!
Lk 9,39 Oft packt ihn ein Dämon! Dann schreit der Junge und windet sich in
Krämpfen, bis der Schaum vor seinem Mund steht. Es gibt kaum eine Stunde, in der
er nicht gequält wird.
Lk 9,40 Ich habe schon deine Jünger gebeten, den bösen Geist auszutreiben, aber
sie waren machtlos.«
Lk 9,41 Da rief Jesus: »Warum vertraut ihr Gott so wenig? Warum hört ihr nicht
auf ihn? Wie lange muss ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen
Sohn her!«
Lk 9,42 Als sie ihn zu ihm brachten, riss und zerrte der Dämon den Jungen hin
und her. Jesus bedrohte den bösen Geist, heilte den Jungen und gab ihn seinem
Vater wieder.
Lk 9,43 Alle waren erstaunt und erschrocken über die Macht und Herrlichkeit
Gottes. Während die Leute noch fassungslos über diese Tat staunten, sagte Jesus
zu seinen Jüngern:
Lk 9,44 »Vergesst nicht, was ich euch sage: Der Menschensohn wird bald in der
Gewalt der Menschen sein.«
Lk 9,45 Aber die Jünger verstanden Jesus nicht. Die Bedeutung seiner Worte war
ihnen verborgen, und sie trauten sich auch nicht, ihn zu fragen.
Lk 9,46 Eines Tages verhandelten die Jünger darüber, welcher von ihnen der
Wichtigste sei.
Lk 9,47 Jesus merkte, was sie beschäftigte. Er rief ein Kind, stellte es neben
sich
Lk 9,48 und sagte: »Wer solch ein Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf.
Und wer mich aufnimmt, der nimmt damit Gott selbst auf, weil Gott mich gesandt
hat. Wer der Geringste unter euch allen ist, der ist wirklich groß.«
Lk 9,49 »Meister«, berichtete Johannes, »wir haben einen Mann gesehen, der in
deinem Namen Dämonen austrieb. Aber weil er nicht zu uns gehört, haben wir es
ihm verboten.«
Lk 9,50 »Das hättet ihr nicht tun sollen«, erwiderte Jesus. »Denn wer nicht
gegen euch ist, der ist für euch.«
Lk 9,51 Als die Zeit nah war, dass Jesus wieder zu Gott zurückkehren sollte,
brach er nach Jerusalem auf.
Lk 9,52 Unterwegs schickte er Boten voraus, die in einem Dorf in Samarien für
eine Unterkunft sorgen sollten.
Lk 9,53 Aber weil Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, wollte ihn keiner
aufnehmen.
Lk 9,54 Als seine Jünger Jakobus und Johannes das hörten, waren sie empört:
»Herr, das brauchst du dir doch nicht gefallen zu lassen! Wenn du willst, lassen
wir Feuer vom Himmel fallen wie damals Elia, damit sie alle verbrennen!«
Lk 9,55 Doch Jesus wies sie scharf zurecht,
Lk 9,56 und sie gingen in ein anderes Dorf.
Lk 9,57 Unterwegs wurde Jesus von einem Mann angesprochen: »Herr, ich will mit
dir gehen, ganz gleich wohin.«
Lk 9,58 Jesus antwortete ihm: »Die Füchse haben ihren Bau, die Vögel ihre
Nester, aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann.«
Lk 9,59 Einen anderen forderte Jesus auf: »Komm mit mir!« Er erwiderte: »Ja,
Herr, aber vorher lass mich noch meinen Vater bestatten.«
Lk 9,60 Da antwortete Jesus: Ȇberlass es den Toten, ihre Toten zu begraben. Du
aber sollst die Botschaft von Gottes neuer Welt verkünden.«
Lk 9,61 Noch einer sagte zu Jesus: »Ich will mit dir gehen, Herr. Sobald ich
mich von meiner Familie verabschiedet habe, komme ich mit.«
Lk 9,62 Ihm antwortete Jesus: »Wer beim Pflügen nach hinten blickt, den kann
Gott in seiner neuen Welt nicht brauchen.«
Lk 10,1 Danach wählte Jesus siebzig weitere Jünger aus und schickte sie immer zu
zweit in die Städte und Dörfer, in die er später selbst kommen wollte.
Lk 10,2 Er sagte zu ihnen: »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige
Arbeiter. Deshalb bittet den Herrn, dass er noch mehr Arbeiter aussendet, die
seine Ernte einbringen.
Lk 10,3 Geht nun! Ich schicke euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
Lk 10,4 Nehmt kein Geld, keine Tasche, keine Schuhe mit, und wenn ihr unterwegs
Leute trefft, dann führt keine langen Gespräche!
Lk 10,5 Wenn ihr in ein Haus eintretet, dann sagt: ›Friede sei mit euch allen!‹
Lk 10,6 Wollen die Menschen Gottes Frieden annehmen, wird der Friede, den ihr
ihnen bringt, bei ihnen bleiben. Lehnt man aber eure Friedensbotschaft ab, dann
wird auch Gottes Friede nicht in diesem Haus sein.
Lk 10,7 Deshalb bleibt dort, wo man euch aufnimmt, esst und trinkt, was man euch
anbietet. Denn weil ihr den Menschen dient, sollen sie für euch sorgen. Bleibt
in dem einen Haus, und geht in kein anderes.
Lk 10,8 Wenn ihr in eine Stadt kommt, in der euch die Leute bereitwillig
aufnehmen, dann esst, was man euch anbietet.
Lk 10,9 Heilt die Kranken, und sagt allen Menschen: ›Jetzt beginnt Gottes neue
Welt bei euch.‹
Lk 10,10 Will man aber irgendwo nichts von euch wissen, dann verlasst diese
Stadt und sagt den Einwohnern:
Lk 10,11 ›Ihr habt euch selbst das Urteil gesprochen. Sogar den Staub eurer
Straßen schütteln wir von unseren Füßen. Doch merkt euch das eine: Gottes neue
Welt hat begonnen!‹
Lk 10,12 Ich sage euch: Den Einwohnern von Sodom wird es am Tag des Gerichts
besser ergehen als den Menschen einer solchen Stadt.
Lk 10,13 Weh euch, ihr Einwohner von Chorazin und Betsaida! Wenn die Wunder, die
ich bei euch getan habe, in den nichtjüdischen Städten Tyrus und Sidon geschehen
wären, ihre Einwohner hätten längst Trauerkleider angezogen, sich Asche auf den
Kopf gestreut und wären zu Gott umgekehrt.
Lk 10,14 Am Tag des Gerichts wird es Tyrus und Sidon besser ergehen als euch.
Lk 10,15 Und du, Kapernaum, wirst du etwa zum Himmel erhoben werden? Nein, zur
Hölle wirst du fahren!
Lk 10,16 Wer auf euch hört, der hört auf mich. Und wer euch ablehnt, der lehnt
mich ab. Aber wer mich ablehnt, der lehnt damit auch Gott ab, der mich gesandt
hat.«
Lk 10,17 Als die siebzig Jünger zurückgekehrt waren, berichteten sie voller
Freude: »Herr, sogar die Dämonen mussten uns gehorchen, wenn wir deinen Namen
nannten!«
Lk 10,18 Jesus antwortete: »Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.
Lk 10,19 Ich habe euch die Macht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten
und die Gewalt des Feindes zu brechen. Nichts wird euch schaden.
Lk 10,20 Doch freut euch nicht so sehr, dass euch die Dämonen gehorchen müssen;
freut euch vielmehr darüber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind!«
Lk 10,21 Erfüllt vom Heiligen Geist, betete Jesus nun voller Freude: »Mein
Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich danke dir, dass du die Wahrheit vor den
Klugen und Gebildeten verbirgst und sie den Unwissenden enthüllst. Ja, Vater, so
entspricht es deinem Willen.
Lk 10,22 Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Nur der Vater kennt den Sohn.
Und nur der Sohn kennt den Vater und jeder, dem der Sohn ihn zeigt.«
Lk 10,23 Zu seinen Jüngern sagte Jesus dann: »Ihr könnt glücklich sein, dass ihr
dies alles seht und erlebt.
Lk 10,24 Ich sage euch: Viele Propheten und Könige hätten gern gesehen, was ihr
seht, und gehört, was ihr hört. Aber die Zeit war noch nicht da.«
Lk 10,25 Da stand ein Schriftgelehrter auf, um Jesus eine Falle zu stellen.
»Lehrer«, fragte er scheinheilig, »was muss ich tun, um das ewige Leben zu
bekommen?«
Lk 10,26 Jesus erwiderte: »Was steht denn darüber im Gesetz Gottes? Was liest du
dort?«
Lk 10,27 Der Schriftgelehrte antwortete: »Du sollst den Herrn, deinen Gott,
lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit all deiner Kraft und mit
deinem ganzen Verstand. Und auch deinen Mitmenschen sollst du so lieben wie dich
selbst.«
Lk 10,28 »Richtig!«, erwiderte Jesus. »Tu das, und du wirst ewig leben.«
Lk 10,29 Aber der Mann gab sich damit nicht zufrieden und fragte weiter: »Wer
gehört denn eigentlich zu meinen Mitmenschen?«
Lk 10,30 Jesus antwortete ihm mit einer Geschichte: »Ein Mann wanderte von
Jerusalem nach Jericho. Unterwegs wurde er von Räubern überfallen. Sie schlugen
ihn zusammen, raubten ihn aus und ließen ihn halb tot liegen. Dann machten sie
sich davon.
Lk 10,31 Zufällig kam bald darauf ein Priester vorbei. Er sah den Mann liegen
und ging schnell auf der anderen Straßenseite weiter.
Lk 10,32 Genauso verhielt sich ein Tempeldiener. Er sah zwar den verletzten
Mann, aber er blieb nicht stehen, sondern machte einen großen Bogen um ihn.
Lk 10,33 Dann kam einer der verachteten Samariter vorbei. Als er den Verletzten
sah, hatte er Mitleid mit ihm.
Lk 10,34 Er beugte sich zu ihm hinunter, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein
und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier und brachte ihn in den
nächsten Gasthof, wo er den Kranken besser pflegen und versorgen konnte.
Lk 10,35 Als er am nächsten Tag weiterreisen musste, gab er dem Wirt zwei
Silberstücke und bat ihn: ›Pflege den Mann gesund! Sollte das Geld nicht
reichen, werde ich dir den Rest auf meiner Rückreise bezahlen!‹
Lk 10,36 Was meinst du?«, fragte Jesus jetzt den Schriftgelehrten. »Welcher von
den dreien hat an dem Überfallenen als Mitmensch gehandelt?«
Lk 10,37 Der Schriftgelehrte erwiderte: »Natürlich der Mann, der ihm geholfen
hat.« »Dann geh und folge seinem Beispiel!«, forderte Jesus ihn auf.
Lk 10,38 Jesus kam mit seinen Jüngern in ein Dorf, wo sie bei einer Frau
aufgenommen wurden, die Marta hieß.
Lk 10,39 Maria, ihre Schwester, setzte sich zu Jesu Füßen hin und hörte ihm
aufmerksam zu.
Lk 10,40 Marta aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt.
Schließlich kam sie zu Jesus und fragte: »Herr, siehst du nicht, dass meine
Schwester mir die ganze Arbeit überlässt? Kannst du ihr nicht sagen, dass sie
mir helfen soll?«
Lk 10,41 Doch Jesus antwortete ihr: »Marta, Marta, du bist um so vieles besorgt
und machst dir so viel Mühe.
Lk 10,42 Nur eines aber ist wirklich wichtig und gut! Maria hat sich für dieses
eine entschieden, und das kann ihr niemand mehr nehmen.«
Lk 11,1 Eines Tages, als Jesus gebetet hatte, bat ihn einer seiner Jünger:
»Herr, sag uns doch, wie wir richtig beten sollen. Auch Johannes hat dies seine
Jünger gelehrt.«
Lk 11,2 Jesus antwortete ihnen: »So sollt ihr beten: ›Unser Vater im Himmel!
Dein heiliger Name soll geehrt werden. Lass deine neue Welt beginnen.
Lk 11,3 Gib uns auch heute wieder, was wir zum Leben brauchen.
Lk 11,4 Vergib uns unsere Schuld, wie wir denen vergeben, die uns Unrecht getan
haben. Lass uns nicht in Versuchung geraten, dir untreu zu werden.‹«
Lk 11,5 Dann sagte Jesus zu den Jüngern: »Stellt euch vor, einer von euch hat
einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet
ihn: ›Leih mir doch bitte drei Brote.
Lk 11,6 Ich habe unerwartet Besuch bekommen und nichts im Haus, was ich ihm
anbieten könnte.‹
Lk 11,7 Vielleicht würde der Freund dann antworten: ›Stör mich nicht! Ich habe
die Tür schon abgeschlossen und liege im Bett. Außerdem könnten die Kinder in
meinem Bett aufwachen. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.‹
Lk 11,8 Das eine ist sicher: Wenn er schon nicht aufstehen und dem Mann etwas
geben will, weil er sein Freund ist, so wird er schließlich doch aus seinem Bett
steigen und ihm alles Nötige geben, weil der andere so unverschämt ist und ihm
einfach keine Ruhe lässt.
Lk 11,9 Darum sage ich euch: Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr
werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet!
Lk 11,10 Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft,
dem wird geöffnet.
Lk 11,11 Welcher Vater würde seinem Sohn denn eine Schlange geben, wenn er ihn
um einen Fisch bittet,
Lk 11,12 oder einen Skorpion, wenn er ein Ei haben möchte?
Lk 11,13 Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel
mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum
bitten.«
Lk 11,14 Einmal trieb Jesus einen Dämon aus, der einen Mann stumm gemacht hatte.
Als der Dämon ihn verlassen hatte, konnte der Mann wieder sprechen. Die Leute,
die das beobachteten, staunten;
Lk 11,15 aber es gab auch einige, die sagten: »Er kann nur deshalb die Dämonen
austreiben, weil ihm der Oberste Teufel, der über die Dämonen herrscht, die
Macht dazu gibt.«
Lk 11,16 Andere wieder, die Jesus eine Falle stellen wollten, verlangten von ihm
ein Wunder Gottes als Beweis dafür, dass er wirklich in Gottes Namen handelte.
Lk 11,17 Jesus kannte ihre Gedanken und sagte: »Ein Staat, in dem verschiedene
Herrscher um die Macht kämpfen, steht vor dem Untergang; und eine Familie, die
ständig in Zank und Streit lebt, bricht auseinander.
Lk 11,18 Wenn nun der Satan sich selbst bekämpfte, zerstörte er damit nicht sein
eigenes Reich? Ihr behauptet, ich würde die Dämonen durch die Kraft des Obersten
Teufels austreiben.
Lk 11,19 Wenn das tatsächlich so wäre: Welche Kraft nutzen dann eure eigenen
Leute, um böse Geister auszutreiben? Sie selbst werden euch das Urteil sprechen.
Lk 11,20 Wenn ich aber die Dämonen durch Gottes Macht austreibe, so beginnt
Gottes neue Welt jetzt - mitten unter euch!
Lk 11,21 Solange ein starker Mann gut bewaffnet ist und sein Haus bewacht, kann
ihm niemand etwas rauben;
Lk 11,22 es sei denn, er wird von einem Stärkeren angegriffen und überwältigt.
Dieser nimmt ihm die Waffen weg, auf die er vertraute, und reißt seinen ganzen
Besitz an sich.
Lk 11,23 Ich sage euch: Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer sich
nicht für mich einsetzt, der führt die Menschen in die Irre.«
Lk 11,24 »Wenn ein Dämon ausgetrieben wird, irrt er in öden Gegenden umher auf
der Suche nach einem neuen Opfer. Findet er keins, entschließt er sich: ›Ich
will dorthin zurückkehren, woher ich gekommen bin.‹
Lk 11,25 Wenn er zurückkommt und seine frühere Wohnung sauber und geschmückt
vorfindet,
Lk 11,26 dann sucht er sich sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als
er selbst. Zusammen ergreifen sie Besitz von dem Menschen, der nun schlimmer
dran ist als vorher.«
Lk 11,27 Während Jesus das sagte, rief plötzlich eine Frau aus der
Menschenmenge: »Wie glücklich muss die Frau sein, die dich geboren und gestillt
hat!«
Lk 11,28 Darauf erwiderte Jesus: »Ja, aber noch glücklicher sind die Menschen,
die Gottes Botschaft hören und danach leben.«
Lk 11,29 Von allen Seiten drängten sich die Leute um Jesus. Da sagte er zu
ihnen: »Die Menschen von heute sind voller Bosheit. Sie verlangen einen Beweis
dafür, dass Gott mich gesandt hat; aber sie werden nur das Wunder zu sehen
bekommen, das am Propheten Jona geschah.
Lk 11,30 So wie Jona für die Leute von Ninive ein Zeichen Gottes wurde, so wird
es auch der Menschensohn für euch sein.
Lk 11,31 Die Königin aus dem Süden wird am Gerichtstag Gottes als Zeugin gegen
dieses Volk auftreten und es verurteilen. Denn sie kam von weit her, um von der
Weisheit des Königs Salomo zu lernen. Der aber hier vor euch steht, ist größer
als Salomo!
Lk 11,32 Auch die Einwohner von Ninive werden euch am Gerichtstag verurteilen,
denn nach Jonas Predigt kehrten sie um zu Gott. Der hier vor euch steht, ist
aber größer als Jona.«
Lk 11,33 »Niemand zündet eine Öllampe an und versteckt sie dann oder stellt sie
unter einen Eimer. Im Gegenteil! Man stellt die Lampe so auf, dass jeder, der
hereinkommt, das Licht sieht.
Lk 11,34 Das Auge gibt dir Licht. Wenn deine Augen das Licht einlassen, wirst du
auch im Licht leben. Verschließen sich deine Augen dem Licht, lebst du in
Dunkelheit.
Lk 11,35 Deshalb achte darauf, dass das Licht in deinem Innern nicht erlischt!
Lk 11,36 Wenn du es einlässt und keine Finsternis in dir ist, dann lebst du im
Licht - so, als würdest du von einer hellen Lampe angestrahlt.«
Lk 11,37 Jesus sprach noch mit seinen Zuhörern, als er von einem Pharisäer zum
Mittagessen eingeladen wurde. Er ging mit und nahm am Tisch Platz.
Lk 11,38 Entrüstet bemerkte der Gastgeber, dass sich Jesus vor dem Essen nicht
die Hände gewaschen hatte, wie es bei den Juden vorgeschrieben war.
Lk 11,39 Da sagte Jesus, der Herr, zu ihm: »Ihr Pharisäer poliert eure Becher
und Schüsseln außen auf Hochglanz, so wie das Gesetz es erfordert. Doch gefüllt
sind sie mit dem, was ihr in eurer maßlosen Gier anderen abgenommen habt.
Lk 11,40 Ihr Dummköpfe! Ihr wisst doch ganz genau, dass Gott beides geschaffen
hat - Äußeres und Inneres.
Lk 11,41 Eure Schüsseln und Becher sind voll. Gebt das, was darin ist, den
Armen, dann seid ihr auch vor Gott rein!
Lk 11,42 Wehe euch, ihr Pharisäer! Sogar von Küchenkräutern wie Minze und Raute
und auch von allen anderen Gewürzen gebt ihr Gott den zehnten Teil. Aber
Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott sind euch gleichgültig! Doch gerade darum
geht es hier: Das Wesentliche tun und das andere nicht unterlassen!
Lk 11,43 Ich warne euch, ihr Pharisäer! In der Synagoge sitzt ihr stets in der
ersten Reihe, und es gefällt euch, wenn man euch auf der Straße ehrfurchtsvoll
grüßt.
Lk 11,44 Wehe euch, ihr Pharisäer! Wer mit euch zu tun hat, der weiß nicht, dass
er sich verunreinigt. Denn ihr seid wie Gräber, die vom Gras überwuchert sind
und über die man geht, ohne es zu wissen.«
Lk 11,45 »Lehrer«, rief einer der Schriftgelehrten dazwischen, »damit
beschimpfst du auch uns!«
Lk 11,46 Jesus erwiderte: »Ja, ich warne auch euch, ihr Schriftgelehrten! Ihr
bürdet den Menschen unerträgliche Lasten auf, doch ihr selbst rührt keinen
Finger, um diese Lasten zu tragen.
Lk 11,47 Wehe euch! Ihr baut Denkmäler für die Propheten, die von euren
Vorfahren umgebracht wurden.
Lk 11,48 Doch damit bestätigt ihr nur, dass ihr nicht anders seid als eure
Vorfahren. Sie haben die Propheten getötet, und ihr vollendet ihr Werk durch
Denkmäler.
Lk 11,49 Deshalb hat Gott in seiner Weisheit gesagt: Ich werde ihnen Propheten
und Apostel schicken; doch sie werden einige von ihnen töten und die anderen
verfolgen!
Lk 11,50 Ihr werdet zur Rechenschaft gezogen für den Mord an allen Propheten,
seit die Welt besteht:
Lk 11,51 angefangen bei Abel bis hin zu Secharja, den ihr zwischen
Brandopferaltar und Tempel ermordet habt. Ja, noch diese Generation wird dafür
die Verantwortung tragen müssen.
Lk 11,52 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten! Denn durch eure Lehren verhindert ihr,
dass die Menschen den Weg zur Wahrheit finden. Ihr selbst seid nicht in Gottes
neue Welt hineingegangen, und ihr versperrt auch noch allen, die hineinwollen,
den Zugang.«
Lk 11,53 Seit dieser Zeit verfolgten die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus.
Sie stellten ihm hinterhältige Fragen
Lk 11,54 und warteten nur darauf, dass sie ihn mit seinen eigenen Worten in eine
Falle locken könnten.
Lk 12,1 Hunderte, ja Tausende strömten zusammen, und das Gedränge wurde
bedrohlich. Doch Jesus sprach zunächst nur zu seinen Jüngern: »Hütet euch vor
den Pharisäern und ihrer Scheinheiligkeit, denn sie ist wie ein Sauerteig, der
das ganze Brot durchsäuert.
Lk 12,2 Jetzt kommt bald die Zeit, in der das Verborgene ans Licht kommt und
alle Geheimnisse enthüllt werden.
Lk 12,3 Was ihr im Geheimen redet, werden alle erfahren, und was ihr hinter
vorgehaltener Hand flüstert, wird alle Welt zu hören bekommen.
Lk 12,4 Meine Freunde! Habt keine Angst vor den Menschen, die euch zwar töten
können, aber nicht mehr.
Lk 12,5 Fürchtet vielmehr Gott, denn er kann euch töten und in die Hölle werfen.
Ja, fürchtet ihn allein!
Lk 12,6 Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach? Man kann fünf von ihnen
für einen Spottpreis kaufen. Und doch vergisst Gott keinen einzigen von ihnen.
Lk 12,7 Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Darum habt
keine Angst! Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm!
Lk 12,8 Das sage ich euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird
sich auch der Menschensohn vor den Engeln bekennen.
Lk 12,9 Wer aber vor den Menschen nicht zu mir steht, zu dem wird auch der
Menschensohn vor den Engeln Gottes nicht stehen.
Lk 12,10 Wer den Menschensohn beschimpft, dem kann vergeben werden. Wer aber den
Heiligen Geist beschimpft, der wird niemals Vergebung finden.
Lk 12,11 Wenn ihr in den Synagogen vor Richtern und Machthabern verhört werdet,
dann sorgt euch nicht darum, was ihr sagen oder wie ihr euch verteidigen sollt!
Lk 12,12 Denn der Heilige Geist wird euch zur rechten Zeit das rechte Wort
geben.«
Lk 12,13 Da rief einer aus der Menge: »Lehrer, sag doch meinem Bruder, er soll
unser Erbe gerecht mit mir teilen.«
Lk 12,14 Aber Jesus wies ihn zurück: »Bin ich etwa euer Richter oder euer
Vermittler in Erbstreitigkeiten?«
Lk 12,15 Dann wandte er sich an alle: »Hütet euch vor der Habgier! Wenn jemand
auch noch so viel Geld hat, das Leben kann er sich damit nicht kaufen.«
Lk 12,16 An einem Beispiel erklärte er seinen Zuhörern, was er damit meinte:
»Ein reicher Gutsbesitzer hatte eine besonders gute Ernte.
Lk 12,17 Er überlegte: ›Wo soll ich bloß alles unterbringen? Meine Scheunen sind
voll; da geht nichts mehr rein.‹
Lk 12,18 Er beschloss: ›Ich werde die alten Scheunen abreißen und neue bauen, so
groß, dass ich das ganze Getreide, ja alles, was ich habe, darin unterbringen
kann.
Lk 12,19 Dann will ich mich zur Ruhe setzen. Ich habe für lange Zeit ausgesorgt.
Jetzt lasse ich es mir gut gehen. Ich will gut essen und trinken und mein Leben
genießen!‹
Lk 12,20 Aber Gott sagte zu ihm: ›Du Narr! Noch in dieser Nacht wirst du
sterben. Wer bekommt dann deinen ganzen Reichtum, den du angehäuft hast?‹
Lk 12,21 So wird es allen gehen, die auf der Erde Reichtümer sammeln, aber mit
leeren Händen vor Gott stehen.«
Lk 12,22 Jesus sagte zu seinen Jüngern: »Macht euch keine Sorgen um euren
Lebensunterhalt, um Essen und Kleidung.
Lk 12,23 Leben bedeutet mehr als Essen und Trinken, und der Mensch ist wichtiger
als seine Kleidung.
Lk 12,24 Seht euch die Raben an! Sie säen nichts und ernten nichts, sie haben
keine Vorratskammern und keine Scheunen; aber Gott versorgt sie doch. Meint ihr
nicht, dass ihr ihm viel wichtiger seid?
Lk 12,25 Und wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr doch euer Leben um
keinen Augenblick verlängern.
Lk 12,26 Wenn ihr aber nicht einmal das könnt, was sorgt ihr euch um all die
anderen Dinge?
Lk 12,27 Seht euch an, wie die Lilien blühen! Sie können weder spinnen noch
weben. Ich sage euch, selbst König Salomo war in seiner ganzen Herrlichkeit
nicht so prächtig gekleidet wie eine dieser Blumen.
Lk 12,28 Wenn Gott sogar das Gras so schön wachsen lässt, das heute auf der
Wiese grünt, morgen aber schon verbrannt wird, wie könnte er euch dann
vergessen? Vertraut ihr Gott so wenig?
Lk 12,29 Zerbrecht euch also nicht mehr den Kopf darüber, was ihr essen und
trinken sollt!
Lk 12,30 Mit solchen Dingen beschäftigen sich nur Menschen, die Gott nicht
kennen. Euer Vater im Himmel weiß doch genau, dass ihr dies alles braucht.
Lk 12,31 Sorgt euch vor allem um Gottes neue Welt, dann wird er euch mit allem
anderen versorgen.
Lk 12,32 Du kleine Herde, du brauchst keine Angst vor der Zukunft zu haben! Denn
dir will der Vater sein Königreich schenken.
Lk 12,33 Verkauft euren Besitz, und gebt das Geld den Armen! Sammelt euch auf
diese Weise einen Vorrat, der nicht alt wird und niemals verderben kann, einen
Schatz im Himmel. Diesen Schatz kann kein Dieb stehlen und keine Motte
zerfressen.
Lk 12,34 Wo eure Schätze sind, da wird auch euer Herz sein.«
Lk 12,35 [35/36] »Ihr sollt so leben wie Diener, die darauf warten, dass ihr
Herr von einer Hochzeit zurückkommt. Seid wie sie dienstbereit, und lasst eure
Lampen angezündet. Wenn ihr Herr zurückkommt und klopft, können sie ihm schnell
öffnen.
Lk 12,37 Ja, freuen können sich alle, die der Herr bei seiner Rückkehr noch wach
antrifft! Ich sage euch: Der Herr wird sie bitten, am Tisch Platz zu nehmen, und
er selbst wird sich eine Schürze umbinden und sie bedienen.
Lk 12,38 Vielleicht kommt er spät am Abend, vielleicht auch erst um Mitternacht.
Aber wenn er kommt und seine Diener bereit antrifft, werden sie allen Grund zur
Freude haben.
Lk 12,39 Eins ist sicher: Wenn der Hausherr wüsste, wann ein Dieb bei ihm
einbrechen will, würde er wach bleiben und sich vor dem Einbrecher schützen.
Lk 12,40 Seid also zu jeder Zeit bereit, denn der Menschensohn wird gerade dann
kommen, wenn ihr am wenigsten damit rechnet.«
Lk 12,41 Da fragte ihn Petrus: »Herr, gelten diese Worte nur für uns, oder
meinst du alle Menschen damit?«
Lk 12,42 Jesus, der Herr, entgegnete: »Wie verhält sich denn ein kluger und
zuverlässiger Verwalter? Sein Herr hat ihm die Verantwortung für alle
Mitarbeiter übertragen; er soll sie zu jeder Zeit mit allem Nötigen versorgen.
Lk 12,43 Dieser Verwalter darf sich glücklich nennen, wenn sein Herr ihn bei der
Rückkehr gewissenhaft bei der Arbeit findet.
Lk 12,44 Das sage ich euch: Einem so zuverlässigen Mann wird er die
Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen.
Lk 12,45 Wenn aber ein Verwalter unzuverlässig ist und im Stillen denkt: ›Ach
was, es dauert bestimmt noch lange, bis mein Herr kommt‹, und er fängt an, seine
Mitarbeiter zu schlagen, zu schlemmen und sich zu betrinken,
Lk 12,46 dann wird die Rückkehr seines Herrn ihn völlig überraschen. Sein Herr
kommt, wenn er nicht damit rechnet. Er wird den unzuverlässigen Verwalter hart
bestrafen und ihm den Lohn geben, den die Gottlosen verdienen.
Lk 12,47 Der Verwalter, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber bewusst
nicht danach richtet, wird schwer bestraft werden.
Lk 12,48 Wer dagegen falsch handelt, ohne es zu wissen, wird mit einer
leichteren Strafe davonkommen. So wird von jedem, der viel bekommen hat, auch
viel erwartet; denn wem viel anvertraut wurde, von dem verlangt man umso mehr.«
Lk 12,49 »Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer zu entfachen. Wie froh
wäre ich, es würde schon brennen!
Lk 12,50 Vorher muss ich aber noch Schweres erleiden. Es ist für mich eine große
Last, bis alles vollbracht ist.
Lk 12,51 Meint nur nicht, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu
bringen! Nein, ich bringe Auseinandersetzung.
Lk 12,52 Von jetzt an wird man sich in einer Familie um meinetwillen miteinander
entzweien:
Lk 12,53 der Vater mit dem Sohn und der Sohn mit dem Vater, die Mutter mit der
Tochter und die Tochter mit der Mutter; die Schwiegermutter mit der
Schwiegertochter und die Schwiegertochter mit der Schwiegermutter.«
Lk 12,54 Dann redete Jesus wieder zu allen: »Wenn die Wolken von Westen kommen,
sagt ihr: ›Es gibt Regen‹, und das stimmt auch.
Lk 12,55 Wenn der Wind von Süden weht, sagt ihr: ›Es wird heiß‹, und ihr habt
Recht.
Lk 12,56 Ihr Heuchler! Das Wetter könnt ihr aus den Zeichen am Himmel
vorhersagen. Warum könnt ihr dann nicht beurteilen, was heute vor euren Augen
geschieht?
Lk 12,57 Warum weigert ihr euch zu erkennen, was gut und richtig ist?
Lk 12,58 Wenn man dich vor Gericht stellt, dann setz alles daran, dich noch auf
dem Weg dorthin mit deinem Gegner zu einigen. Sonst wird dich der Richter
verurteilen, und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis stecken.
Lk 12,59 Und ich sage dir: Von dort wirst du nicht eher wieder herauskommen, bis
du auch den letzten Rest deiner Schuld bezahlt hast.«
Lk 13,1 Zu dieser Zeit berichtete man Jesus, dass Pilatus einige Männer aus
Galiläa während des Opferdienstes im Tempel hatte niedermetzeln lassen. So hatte
sich ihr Blut mit dem der Opfertiere vermischt.
Lk 13,2 Jesus sagte: »Ihr denkt jetzt vielleicht, diese Galiläer seien
schlimmere Sünder gewesen als ihre Landsleute, weil sie so grausam ermordet
wurden.
Lk 13,3 Ihr irrt euch! Wenn ihr euch nicht zu Gott hinwendet, dann werdet ihr
genauso umkommen.
Lk 13,4 Erinnert euch an die achtzehn Leute, die starben, als der Turm von
Siloah einstürzte. Glaubt ihr wirklich, dass ihre Schuld größer war als die
aller anderen Leute in Jerusalem?
Lk 13,5 Nein! Wenn ihr nicht zu Gott umkehrt, wird es euch ebenso ergehen.«
Lk 13,6 Und dann erzählte Jesus ihnen dieses Gleichnis: »Ein Mann pflanzte in
seinen Weinberg einen Feigenbaum. Jahr für Jahr sah er nach, ob der Baum Früchte
trug. Aber vergeblich!
Lk 13,7 Endlich rief er seinen Gärtner: ›Schon drei Jahre habe ich gewartet,
aber noch nie hing an dem Baum auch nur eine einzige Feige. Hau ihn um. Er nimmt
nur Platz weg.‹
Lk 13,8 Aber der Gärtner bat: ›Lass ihn noch ein Jahr stehen! Ich will diesen
Baum gut düngen und sorgfältig pflegen.
Lk 13,9 Wenn er dann Früchte trägt, ist es gut; sonst kannst du ihn umhauen.‹«
Lk 13,10 Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge.
Lk 13,11 Eine Frau hörte ihm zu, die ein böser Geist krank gemacht hatte: Seit
achtzehn Jahren saß sie gebeugt da und konnte sich nicht mehr aufrichten.
Lk 13,12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich: »Frau, du sollst von deinem
Leiden erlöst sein!«
Lk 13,13 Er legte seine Hände auf sie. Da richtete sie sich auf und dankte Gott
von ganzem Herzen.
Lk 13,14 Aber der Vorsteher der Synagoge entrüstete sich darüber, dass Jesus die
Frau am Sabbat geheilt hatte. Er sagte zu den Versammelten: »Die Woche hat sechs
Arbeitstage. An denen könnt ihr kommen und euch heilen lassen, aber nicht
ausgerechnet am Sabbat!«
Lk 13,15 Doch Jesus, der Herr, erwiderte ihm: »Ihr Heuchler! Ihr bindet doch
eure Ochsen und Esel auch am Sabbat los und führt sie zur Tränke.
Lk 13,16 Und mir verbietet ihr, diese Frau am Sabbat aus der Gefangenschaft
Satans zu befreien! Achtzehn Jahre lang war sie krank. Gehört sie nicht auch zu
Gottes auserwähltem Volk?«
Lk 13,17 Darauf konnten seine Gegner nichts erwidern. Aber alle anderen freuten
sich über die wunderbaren Taten Jesu.
Lk 13,18 Jesus fragte seine Zuhörer: »Womit kann ich die neue Welt Gottes
vergleichen?
Lk 13,19 Sie ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten aussät. Aus dem
kleinen Samenkorn wird ein großer Baum, in dem die Vögel ihre Nester bauen.«
Lk 13,20 Jesus fragte noch einmal: »Womit soll ich Gottes neue Welt vergleichen?
Lk 13,21 Sie ist wie ein Sauerteig, den eine Frau unter eine große Menge Mehl
mischt, bis alles durchsäuert ist.«
Lk 13,22 Jesus zog durch die Städte und Dörfer des Landes und sprach dort zu den
Menschen. Auf dem Weg nach Jerusalem
Lk 13,23 fragte ihn ein Mann: »Herr, stimmt es wirklich, dass nur wenige
Menschen gerettet werden?« Jesus antwortete ihm:
Lk 13,24 »Das Tor zu Gottes neuer Welt ist schmal! Ihr müsst schon alles
daransetzen, wenn ihr hineinkommen wollt. Viele versuchen es, aber nur wenigen
wird es gelingen.
Lk 13,25 Hat der Hausherr erst einmal das Tor verschlossen, werdet ihr draußen
stehen. So viel ihr dann auch klopft und bettelt: ›Herr, mach uns doch auf!‹ -
es ist umsonst! Er wird euch antworten: ›Was wollt ihr von mir, ich kenne euch
nicht!‹
Lk 13,26 Ihr werdet rufen: ›Aber wir haben doch mit dir gegessen und getrunken!
Du hast bei uns gepredigt!‹
Lk 13,27 Doch der Herr wird euch erwidern: ›Ich habe doch schon einmal gesagt,
dass ich euch nicht kenne. Menschen, die Unrecht tun, haben hier nichts
verloren. Geht endlich weg!‹
Lk 13,28 Wenn ihr dann draußen seid und seht, dass Abraham, Isaak, Jakob und
alle Propheten in der neuen Welt Gottes sind, dann werdet ihr verzweifelt heulen
und schreien.
Lk 13,29 Aus der ganzen Welt, aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die
Menschen in Gottes neue Welt, zu Gottes Fest kommen.
Lk 13,30 Vergesst nicht: Viele, die hier nichts gelten, werden dort hoch geehrt
sein, aber viele, die hier einen großen Namen haben, werden dort unbekannt
sein.«
Lk 13,31 Kurze Zeit später kamen einige Pharisäer zu Jesus. Sie warnten ihn:
»Wenn dir dein Leben lieb ist, dann sieh zu, dass du schnell von hier
fortkommst. König Herodes will dich töten lassen!«
Lk 13,32 Jesus antwortete: »Sagt diesem Fuchs: ›Heute und morgen treibe ich
Dämonen aus und heile Kranke. Aber am dritten Tag werde ich mein Ziel erreicht
haben.‹
Lk 13,33 Ja, heute, morgen und übermorgen bin ich noch unterwegs. Wo anders als
in Jerusalem könnte denn ein Prophet umgebracht werden?
Lk 13,34 Jerusalem! O Jerusalem! Du tötest die Propheten und erschlägst die
Boten, die Gott zu dir schickt. Wie oft schon wollte ich deine Bewohner um mich
sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt! Aber ihr habt es
nicht gewollt.
Lk 13,35 Und nun? Gott wird euren Tempel verlassen, und ich sage euch: Mich
werdet ihr erst dann wiedersehen, wenn ihr rufen werdet: ›Gelobt sei, der im
Namen des Herrn zu uns kommt!‹«
Lk 14,1 An einem Sabbat war Jesus bei einem angesehenen Pharisäer zu Gast.
Scharf wurde er von allen Anwesenden beobachtet.
Lk 14,2 Vor ihm stand ein Mann, der an Wassersucht erkrankt war.
Lk 14,3 Jesus fragte die Schriftgelehrten und Pharisäer: »Erlaubt es das Gesetz,
einen Menschen am Sabbat zu heilen, oder nicht?«
Lk 14,4 Als sie ihm keine Antwort gaben, fasste Jesus den Kranken bei der Hand,
heilte ihn und ließ ihn nach Hause gehen.
Lk 14,5 Dann fragte er die Gäste: »Was macht ihr, wenn euer Kind oder ein Ochse
am Sabbat in den Brunnen fällt? Zieht ihr sie nicht sofort heraus?«
Lk 14,6 Darauf konnten sie nichts antworten.
Lk 14,7 Als Jesus bemerkte, wie sich die Gäste nach den besten Plätzen drängten,
nahm er dies als Beispiel und sagte:
Lk 14,8 »Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen wirst, dann setz dich nicht gleich
oben auf den besten Platz. Es könnte ja noch jemand kommen, der angesehener ist
als du.
Lk 14,9 Mit ihm käme dann der Gastgeber zu dir: ›Der Platz war für diesen Mann
hier bestimmt!‹ Vor allen Gästen müsstest du dich an das Ende des Tisches
setzen.
Lk 14,10 Wäre es nicht besser, du setzt dich gleich dorthin? Wenn dich dann der
Gastgeber begrüßt, wird er vielleicht zu dir sagen: ›Mein Freund, für dich habe
ich einen besseren Platz!‹ Du wirst damit vor allen Gästen geehrt.
Lk 14,11 Jeder, der sich selbst ehrt, wird gedemütigt werden; aber wer sich
selbst erniedrigt, wird geehrt werden.«
Lk 14,12 Schließlich sagte Jesus zu seinem Gastgeber: »Zu einem Essen solltest
du nicht deine Freunde, Geschwister, Verwandten oder die reichen Nachbarn
einladen. Sie werden dir danken und dich wieder einladen. Dann hast du deine
Belohnung schon gehabt.
Lk 14,13 Bitte lieber die Armen, Verkrüppelten, Gelähmten und Blinden an deinen
Tisch.
Lk 14,14 Dann wirst du glücklich sein, denn du hast Menschen geholfen, die sich
dir nicht erkenntlich zeigen können. Gott wird dich dafür belohnen, wenn er die
von den Toten auferweckt, die nach seinem Willen gelebt haben.«
Lk 14,15 Als einer von den Gästen das hörte, rief er: »Was für ein Glück muss
das sein, in der neuen Welt Gottes zum Fest eingeladen zu werden!«
Lk 14,16 Jesus antwortete mit einer Geschichte: »Ein Mann bereitete ein großes
Festessen vor, zu dem er viele Gäste einlud.
Lk 14,17 Als alles fertig war, schickte er seinen Boten zu den Eingeladenen:
›Alles ist vorbereitet, kommt!‹
Lk 14,18 Aber niemand kam. Jeder hatte auf einmal Ausreden. Einer sagte: ›Ich
habe ein Grundstück gekauft, das muss ich unbedingt besichtigen. Bitte
entschuldige mich!‹
Lk 14,19 Ein anderer: ›Es geht leider nicht. Ich habe mir fünf Gespanne Ochsen
angeschafft. Die muss ich jetzt ansehen!‹
Lk 14,20 Ein dritter entschuldigte sich: ›Ich habe gerade geheiratet. Du wirst
verstehen, dass ich nicht kommen kann.‹
Lk 14,21 Der Bote kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Der wurde
sehr zornig: ›Geh gleich auf die Straßen, auf alle Plätze der Stadt, und hole
die Bettler, Verkrüppelten, Gelähmten und Blinden herein!‹
Lk 14,22 Der Bote kam zurück und berichtete: ›Es sind viele gekommen, aber noch
immer sind Plätze frei!‹
Lk 14,23 ›Geh auf die Landstraßen‹, befahl der Herr, ›und wer auch immer dir
über den Weg läuft, den bring her! Alle sind eingeladen. Mein Haus soll voll
werden.
Lk 14,24 Aber von denen, die ich zuerst eingeladen habe, wird keiner auch nur
einen einzigen Bissen bekommen.‹«
Lk 14,25 Wie schon oft wurde Jesus von einer großen Menschenmenge begleitet. Er
wandte sich zu ihnen um und sagte:
Lk 14,26 »Wenn einer mit mir gehen will, so muss ich für ihn wichtiger sein als
seine Eltern, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das
eigene Leben. Sonst kann er nicht mein Jünger sein.
Lk 14,27 Wer nicht bereit ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir
nachzufolgen, der kann nicht zu mir gehören.
Lk 14,28 Stellt euch vor, jemand möchte einen Turm bauen. Wird er dann nicht
vorher die Kosten überschlagen?
Lk 14,29 Er wird doch nicht einfach anfangen und riskieren, dass er bereits nach
dem Bau des Fundaments aufhören muss. Die Leute würden ihn auslachen
Lk 14,30 und sagen: ›Einen Turm wollte er bauen! Aber sein Geld reichte nur für
das Fundament!‹
Lk 14,31 Oder stellt euch vor, ein König muss gegen einen anderen König in den
Krieg ziehen: Wird er dann nicht vorher mit seinen Beratern überlegen, ob seine
Armee mit zehntausend Mann die feindlichen Truppen schlagen kann, die mit
zwanzigtausend Mann anrücken?
Lk 14,32 Wenn nicht, dann wird er, solange die Feinde noch weit entfernt sind,
Unterhändler schicken, um über einen Frieden zu verhandeln.
Lk 14,33 Überlegt auch ihr vorher, ob ihr wirklich bereit seid, alles für mich
aufzugeben und mir nachzufolgen. Sonst könnt ihr nicht meine Jünger sein.
Lk 14,34 Salz ist lebensnotwendig. Wenn aber das Salz fade geworden ist, wodurch
soll es seine Würzkraft wiedergewinnen?
Lk 14,35 Es taugt nicht einmal als Dünger. Man muss es wegwerfen. Hört genau auf
das, was ich euch sage!«
Lk 15,1 Viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute kamen immer wieder zu
Jesus, um ihn zu hören.
Lk 15,2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich und schimpften: »Mit
welchem Gesindel gibt der sich da ab! Er setzt sich sogar mit ihnen an einen
Tisch!«
Lk 15,3 Da erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis:
Lk 15,4 »Wenn ein Mensch hundert Schafe hat und eins geht verloren, was wird er
tun? Lässt er nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück, um das verlorene
Schaf so lange zu suchen, bis er es gefunden hat?
Lk 15,5 Dann wird er es glücklich auf seinen Schultern nach Hause tragen
Lk 15,6 und seinen Freunden und Nachbarn zurufen: ›Kommt her, freut euch mit
mir, ich habe mein Schaf wiedergefunden!‹
Lk 15,7 Ich sage euch: So wird man sich auch im Himmel freuen über einen Sünder,
der zu Gott umkehrt - mehr als über neunundneunzig andere, die nach Gottes
Willen leben und nicht zu ihm umkehren müssen.
Lk 15,8 Oder nehmt ein anderes Beispiel: Eine Frau hat zehn Silbermünzen
gespart. Als ihr eines Tages eine fehlt, zündet sie sofort eine Lampe an, stellt
das ganze Haus auf den Kopf und sucht in allen Ecken.
Lk 15,9 Endlich hat sie die Münze gefunden. Sie ruft ihre Freundinnen und
Nachbarinnen zusammen und erzählt: ›Ich habe mein Geld wieder! Freut euch mit
mir!‹
Lk 15,10 Genau so freuen sich auch die Engel Gottes, wenn ein einziger Sünder zu
Gott umkehrt.«
Lk 15,11 »Ein Mann hatte zwei Söhne«, erzählte Jesus.
Lk 15,12 »Eines Tages sagte der jüngere zu ihm: ›Vater, ich will jetzt schon
meinen Anteil am Erbe ausbezahlt haben.‹ Da teilte der Vater sein Vermögen unter
ihnen auf.
Lk 15,13 Nur wenige Tage später packte der jüngere Sohn alles zusammen, verließ
seinen Vater und reiste ins Ausland. Dort leistete er sich, was immer er wollte.
Er verschleuderte sein Geld,
Lk 15,14 bis er schließlich nichts mehr besaß. In dieser Zeit brach eine große
Hungersnot aus. Es ging ihm sehr schlecht.
Lk 15,15 In seiner Verzweiflung bettelte er so lange bei einem Bauern, bis der
ihn zum Schweinehüten auf die Felder schickte.
Lk 15,16 Oft quälte ihn der Hunger so, dass er sogar über das Schweinefutter
froh gewesen wäre. Aber nicht einmal davon erhielt er etwas.
Lk 15,17 Da kam er zur Besinnung: ›Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als
genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger.
Lk 15,18 Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig
geworden an Gott und an dir.
Lk 15,19 Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.
Aber kann ich nicht als Arbeiter bei dir bleiben?‹
Lk 15,20 Er machte sich auf den Weg und ging zurück zu seinem Vater. Der
erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um
den Hals und küsste ihn.
Lk 15,21 Doch der Sohn sagte: ›Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an
dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.‹
Lk 15,22 Sein Vater aber befahl den Knechten: ›Beeilt euch! Holt das schönste
Gewand im Haus, und gebt es meinem Sohn. Bringt auch einen Ring und Sandalen für
ihn!
Lk 15,23 Schlachtet das Mastkalb! Wir wollen essen und feiern!
Lk 15,24 Mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er
wiedergefunden.‹ Und sie begannen ein fröhliches Fest.
Lk 15,25 Inzwischen kam der ältere Sohn nach Hause. Er hatte auf dem Feld
gearbeitet und hörte schon von weitem die Tanzmusik.
Lk 15,26 Erstaunt fragte er einen Knecht: ›Was wird denn hier gefeiert?‹
Lk 15,27 ›Dein Bruder ist wieder da‹, antwortete er ihm. ›Dein Vater hat sich
darüber so gefreut, dass er das Mastkalb schlachten ließ. Jetzt feiern sie ein
großes Fest.‹
Lk 15,28 Der ältere Bruder wurde wütend und wollte nicht ins Haus gehen. Da kam
sein Vater zu ihm heraus und bat: ›Komm und freu dich mit uns!‹
Lk 15,29 Doch er entgegnete ihm bitter: ›All diese Jahre habe ich mich für dich
geschunden. Alles habe ich getan, was du von mir verlangt hast. Aber nie hast du
mir auch nur eine junge Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden einmal
richtig hätte feiern können.
Lk 15,30 Und jetzt, wo dein Sohn zurückkommt, der dein Geld mit Huren
durchgebracht hat, jetzt lässt du sogar das Mastkalb schlachten!‹
Lk 15,31 Sein Vater redete ihm zu: ›Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen.
Was ich habe, gehört auch dir.
Lk 15,32 Darum komm, wir haben allen Grund zu feiern. Denn dein Bruder war tot,
jetzt hat er ein neues Leben begonnen. Er war verloren, jetzt ist er
wiedergefunden!‹«
Lk 16,1 Danach erzählte Jesus seinen Jüngern folgende Geschichte: »Ein reicher
Mann hatte einen Verwalter. Als ihm erzählt wurde, dass dieser seinen Besitz
verschleuderte,
Lk 16,2 stellte er ihn zur Rede: ›Was muss ich von dir hören? Bring mir deine
Abrechnung! Du bist entlassen!‹
Lk 16,3 Der Verwalter überlegte: ›Was mache ich jetzt? Meinen Posten bin ich
los. Ein Feld umgraben kann ich nicht, und zum Betteln bin ich zu stolz.
Lk 16,4 Aber ich weiß, was ich tue. Ich mache mir Freunde, die mir weiterhelfen,
wenn ich arbeitslos bin.‹
Lk 16,5 Er ließ alle Männer zu sich rufen, die bei seinem Herrn Schulden hatten.
Den ersten fragte er: ›Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?‹
Lk 16,6 Der Mann antwortete: ›Ich muss ihm hundert Fässer Olivenöl geben.‹ ›Hier
ist dein Schuldschein!‹, erklärte ihm der Verwalter. ›Trag fünfzig ein!‹
Lk 16,7 ›Und wie hoch sind deine Schulden?‹, fragte er einen anderen. ›Ich
schulde deinem Herrn hundert Säcke Weizen.‹ ›Hier, nimm den Schuldschein und
schreib achtzig!‹, forderte er ihn auf.«
Lk 16,8 Jesus, der Herr, lobte das vorausplanende Handeln des gerissenen
Verwalters. Denn im Umgang mit ihresgleichen sind die Menschen dieser Welt
klüger und geschickter als die, die sich zu Gott bekennen.
Lk 16,9 Jesus erklärte seinen Jüngern: »Ich sage euch: So klug wie dieser
ungerechte Verwalter sollt auch ihr das Geld einsetzen. Macht euch Freunde
damit! Dann werdet ihr, wenn euch das Geld nichts mehr nützen kann, einen Platz
im Himmel bekommen.
Lk 16,10 Doch bedenkt: Nur wer im Kleinen ehrlich ist, wird es auch im Großen
sein. Wenn ihr bei kleinen Dingen unzuverlässig seid, werdet ihr es auch bei
großen sein.
Lk 16,11 Geht ihr also schon mit Geld unehrlich um, wer wird euch dann die
Reichtümer des Himmels anvertrauen wollen?
Lk 16,12 Verwaltet ihr das Geld anderer Leute nachlässig, wer wird euch dann das
schenken, was euch gehören soll?«
Lk 16,13 »Niemand kann zwei Herren gleichzeitig dienen. Wer dem einen richtig
dienen will, wird sich um die Wünsche des anderen nicht kümmern können. Er wird
sich für den einen einsetzen und den anderen vernachlässigen. Auch ihr könnt
nicht gleichzeitig für Gott und das Geld leben.«
Lk 16,14 Die geldgierigen Pharisäer spotteten über diese Worte.
Lk 16,15 Deshalb sagte Jesus zu ihnen: »Ihr legt großen Wert darauf, dass alle
Menschen euch für untadelig halten. Aber Gott kennt euer Herz. Er verabscheut,
womit ihr die Menschen beeindrucken wollt.«
Lk 16,16 Weiter sagte Jesus: »Bis Johannes der Täufer kam, waren das Gesetz des
Mose und die Lehren der Propheten die Maßstäbe für alles Handeln. Seit seinem
Auftreten wird die rettende Botschaft von Gottes neuer Welt verkündet, und alle
wollen unbedingt hinein.
Lk 16,17 Doch denkt daran: Eher vergehen Himmel und Erde, als dass auch nur ein
einziger Buchstabe vom Gesetz Gottes ungültig wird.
Lk 16,18 Wer sich also von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet,
der begeht Ehebruch; und wer eine geschiedene Frau heiratet, der begeht auch
Ehebruch.«
Lk 16,19 »Da lebte einmal ein reicher Mann«, erzählte Jesus. »Er war immer sehr
vornehm gekleidet und konnte sich Tag für Tag jeden Luxus leisten.
Lk 16,20 Vor dem Portal seines Hauses aber lag Lazarus, bettelarm und schwer
krank. Sein Körper war über und über mit Geschwüren bedeckt.
Lk 16,21 Während er dort um die Abfälle aus der Küche bettelte, kamen die Hunde
und beleckten seine offenen Wunden.
Lk 16,22 Lazarus starb, und die Engel brachten ihn in den Himmel; dort durfte er
den Ehrenplatz an Abrahams Seite einnehmen. Auch der reiche Mann starb und wurde
begraben.
Lk 16,23 Als er im Totenreich unter Qualen erwachte, blickte er auf und erkannte
in weiter Ferne Abraham, der Lazarus bei sich hatte.
Lk 16,24 ›Vater Abraham‹, rief der Reiche laut, ›hab Mitleid mit mir! Schick mir
doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine
Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!‹
Lk 16,25 Aber Abraham erwiderte: ›Mein Sohn, erinnere dich! Du hast in deinem
Leben alles gehabt, Lazarus hatte nichts. Jetzt geht es ihm gut, und du musst
leiden.
Lk 16,26 Außerdem liegt zwischen uns ein tiefer Abgrund. Niemand kann von der
einen Seite zur anderen kommen, selbst wenn er es wollte.‹
Lk 16,27 ›Vater Abraham‹, bat jetzt der Reiche, ›dann schick Lazarus doch
wenigstens in das Haus meines Vaters
Lk 16,28 zu meinen fünf Brüdern. Er soll sie warnen, damit sie nach ihrem Tod
nicht auch an diesen qualvollen Ort kommen.‹
Lk 16,29 Aber Abraham entgegnete: ›Deine Brüder sollen auf das hören, was sie
bei Mose und den Propheten lesen können.‹
Lk 16,30 Der Reiche widersprach: ›Nein, Vater Abraham, erst wenn einer von den
Toten zu ihnen käme, würden sie ihr Leben ändern.‹
Lk 16,31 Doch Abraham blieb dabei: ›Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten
hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten
aufersteht.‹«
Lk 17,1 »Es wird immer wieder Versuchungen geben, die euch vom Glauben abbringen
wollen«, warnte Jesus seine Jünger. »Aber wehe dem, der daran schuld ist!
Lk 17,2 Denn wer in einem Menschen den Glauben, wie ihn ein Kind hat, zerstört,
für den wäre es noch das Beste, mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer
geworfen zu werden.
Lk 17,3 Nehmt euch in Acht! Wenn dein Bruder Schuld auf sich geladen hat, dann
sag ihm, was er falsch gemacht hat. Tut es ihm leid, dann vergib ihm!
Lk 17,4 Und wenn er dir siebenmal am Tag Unrecht tut und dich immer wieder um
Vergebung bittet: Vergib ihm!«
Lk 17,5 Die Jünger baten Jesus, den Herrn: »Hilf uns, dass unser Glaube größer
wird!«
Lk 17,6 Darauf antwortete er: »Selbst wenn euer Glaube so winzig wäre wie ein
Senfkorn, könntet ihr diesem Maulbeerbaum befehlen: ›Reiß dich aus der Erde und
verpflanze dich ins Meer!‹ - es würde sofort geschehen.«
Lk 17,7 »Wie ist das bei euch?«, fragte Jesus seine Zuhörer. »Wenn euer Knecht
vom Feld oder von der Herde heimkommt, sagt ihr dann zu ihm: ›Komm, setz dich an
den Tisch und iss‹ ?
Lk 17,8 Oder werdet ihr ihm nicht erst den Auftrag geben: ›Zieh dich um, mach
mir etwas zu essen und deck den Tisch! Wenn ich gegessen habe, dann kannst du
auch essen und trinken.‹
Lk 17,9 Kann der Knecht dafür einen besonderen Dank erwarten? Ich meine nicht!
Es gehört doch schließlich zu seiner Arbeit.
Lk 17,10 Das gilt auch für euch. Wenn ihr in meinem Dienst alles getan habt, was
ich euch aufgetragen habe, dann sollt ihr sagen: ›Wir sind einfache Knechte und
haben nur unseren Auftrag ausgeführt!‹«
Lk 17,11 Auf dem Weg nach Jerusalem kamen Jesus und seine Jünger durch das
Grenzgebiet zwischen Galiläa und Samarien.
Lk 17,12 In einem Dorf begegneten ihnen zehn Aussätzige. Im vorgeschriebenen
Abstand blieben sie stehen
Lk 17,13 und riefen: »Jesus, Meister! Hab doch Erbarmen mit uns!«
Lk 17,14 Er sah sie an und forderte sie auf: »Geht zu den Priestern und zeigt
ihnen, dass ihr geheilt seid!« Auf dem Weg dorthin wurden sie gesund.
Lk 17,15 Einer von ihnen lief zu Jesus zurück, als er merkte, dass er geheilt
war. Laut lobte er Gott.
Lk 17,16 Er warf sich vor Jesus nieder und dankte ihm. Es war ein Mann aus
Samarien.
Lk 17,17 Jesus fragte: »Habe ich nicht zehn Männer geheilt? Wo sind denn die
anderen neun?
Lk 17,18 Weshalb kommt nur einer zurück, noch dazu ein Fremder, um sich bei Gott
zu bedanken?«
Lk 17,19 Zu dem Samariter aber sagte er: »Steh wieder auf! Dein Glaube hat dir
geholfen.«
Lk 17,20 Die Pharisäer wollten von Jesus wissen: »Wann wird denn die neue Welt
Gottes kommen?« Er antwortete ihnen: »Die neue Welt Gottes kann man nicht sehen
wie ein irdisches Reich.
Lk 17,21 Niemand wird euch sagen können: ›Hier ist sie!‹ oder ›Dort ist sie!‹
Die neue Welt Gottes ist schon jetzt da - mitten unter euch.«
Lk 17,22 Zu seinen Jüngern aber sagte er: »Die Zeit wird kommen, wo ihr alles
dafür geben würdet, auch nur einen einzigen Tag die Herrlichkeit des
Menschensohnes mitzuerleben. Aber dieser Wunsch wird sich nicht erfüllen.
Lk 17,23 Man wird euch zwar einreden wollen: ›Hier ist er!‹ oder ›Dort ist er!‹
Geht niemals dorthin, und lauft solchen Leuten nicht nach!
Lk 17,24 Denn der Menschensohn kommt für alle sichtbar - wie ein Blitz, der den
ganzen Horizont erhellt.
Lk 17,25 Aber vorher muss der Menschensohn noch viel leiden und es erdulden,
dass ihn die Menschen dieser Zeit von sich stoßen.«
Lk 17,26 »Wenn der Menschensohn kommt, wird es auf der Erde zugehen wie zur Zeit
Noahs.
Lk 17,27 Damals dachten die Menschen auch nur an Essen, Trinken und Heiraten. So
ging es, bis Noah in die Arche stieg. Dann kam die Flut, und keiner von ihnen
überlebte.
Lk 17,28 Es wird genauso sein wie zu Lots Zeiten. Die Menschen kümmerten sich
nur ums Essen und Trinken, Kaufen und Verkaufen, Pflanzen und Bauen.
Lk 17,29 So ging es bis zu dem Tag, an dem Lot die Stadt Sodom verließ. Da
regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen in den Flammen um.
Lk 17,30 Genauso wird es sein, wenn der Menschensohn erscheint.
Lk 17,31 Wer sich dann gerade auf dem Dach seines Hauses aufhält, der soll nicht
mehr ins Haus laufen, um seine Sachen zu holen. Wer auf dem Feld arbeitet, soll
nicht mehr in sein Haus zurückkehren.
Lk 17,32 Denkt daran, was mit Lots Frau geschah!
Lk 17,33 Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein
Leben verliert, der wird es für immer gewinnen.«
Lk 17,34 »Ich sage euch: Zwei schlafen in jener Nacht in einem Bett, einer wird
angenommen, und der andere bleibt zurück.
Lk 17,35 Zwei Frauen werden gemeinsam Getreide mahlen. Die eine wird angenommen,
und die andere bleibt zurück.«
Lk 17,37 »Herr, wo wird sich das ereignen?«, fragten die Jünger. Da antwortete
ihnen Jesus: »Das werdet ihr schon sehen. Auch die Geier erkennen, wo ein
verendetes Tier liegt, und sammeln sich dort.«
Lk 18,1 Wie wichtig es ist, Gott unermüdlich um alles zu bitten, machte Jesus
durch ein Gleichnis deutlich:
Lk 18,2 »In einer Stadt lebte ein Richter, dem Gott und die Menschen
gleichgültig waren.
Lk 18,3 Tag für Tag bestürmte ihn eine Witwe mit ihrer Not: ›Verhilf mir doch
endlich zu meinem Recht!‹
Lk 18,4 Immer wieder stieß sie bei ihm auf taube Ohren, aber schließlich sagte
er sich: ›Mir sind zwar Gott und die Menschen gleichgültig,
Lk 18,5 aber diese Frau lässt mir einfach keine Ruhe. Ich muss ihr zu ihrem
Recht verhelfen, sonst wird sie am Ende noch handgreiflich.‹«
Lk 18,6 Und Jesus, der Herr, fügte hinzu: »Ihr habt gehört, was dieser
ungerechte Richter gesagt hat.
Lk 18,7 Meint ihr, Gott wird seinen Auserwählten nicht zum Recht verhelfen, wenn
sie ihn Tag und Nacht darum bitten? Wird er sie etwa lange warten lassen? Nein!
Lk 18,8 Ich versichere euch: Er wird ihnen schnellstens helfen. Die Frage ist:
Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde überhaupt noch Menschen
finden, die diesen Glauben haben?«
Lk 18,9 Jesus erzählte ein weiteres Gleichnis. Er hatte dabei besonders die
Menschen im Blick, die selbstgerecht sind und auf andere herabsehen.
Lk 18,10 »Zwei Männer gingen in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein
Pharisäer, der andere ein Zolleinnehmer.
Lk 18,11 Selbstsicher stand der Pharisäer dort und betete: ›Ich danke dir, Gott,
dass ich nicht so bin wie andere Leute: kein Räuber, kein Gottloser, kein
Ehebrecher und schon gar nicht wie dieser Zolleinnehmer da hinten.
Lk 18,12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe von allen meinen Einkünften den
zehnten Teil für Gott.‹
Lk 18,13 Der Zolleinnehmer dagegen blieb verlegen am Eingang stehen und wagte
kaum aufzusehen. Schuldbewusst betete er: ›Gott, vergib mir, ich weiß, dass ich
ein Sünder bin!‹
Lk 18,14 Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach
Hause, nicht aber der Pharisäer. Denn wer sich selbst ehrt, wird gedemütigt
werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird geehrt werden.«
Lk 18,15 Einige Eltern brachten ihre Kinder zu Jesus, damit er sie segnete. Als
die Jünger das sahen, wollten sie die Leute wegschicken.
Lk 18,16 Doch Jesus rief die Kinder zu sich und sagte: »Lasst die Kinder zu mir
kommen, und haltet sie nicht zurück! Denn für Menschen wie sie ist Gottes neue
Welt bestimmt.
Lk 18,17 Hört, was ich euch sage: Wer sich die neue Welt Gottes nicht wie ein
Kind schenken lässt, dem bleibt sie verschlossen.«
Lk 18,18 Jesus wurde von einem angesehenen und reichen Mann gefragt: »Guter
Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«
Lk 18,19 Jesus entgegnete: »Weshalb nennst du mich gut? Es gibt nur einen, der
gut ist, und das ist Gott.
Lk 18,20 Du kennst doch seine Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst
nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Sag nichts Unwahres über deinen
Mitmenschen! Ehre deinen Vater und deine Mutter!«
Lk 18,21 Der Mann antwortete: »An diese Gebote habe ich mich von Jugend an
gehalten.«
Lk 18,22 »Aber etwas fehlt dir noch«, sagte Jesus. »Verkauf alles, was du hast,
und verteil das Geld an die Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum
gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!«
Lk 18,23 Als der Mann das hörte, wurde er traurig, denn er war sehr reich.
Lk 18,24 Jesus merkte es und sagte: »Wie schwer ist es doch für die Reichen, in
Gottes neue Welt zu kommen!
Lk 18,25 Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes
neue Welt kommt.«
Lk 18,26 »Wer kann dann überhaupt gerettet werden?«, fragten ihn seine Zuhörer
entsetzt.
Lk 18,27 Er antwortete: »Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott.«
Lk 18,28 Jetzt fragte Petrus: »Aber wie ist es nun mit uns? Wir haben doch alles
aufgegeben und sind mit dir gegangen!«
Lk 18,29 Jesus antwortete: »Das sollt ihr wissen: Jeder, der sein Haus, seine
Eltern, seine Geschwister, seine Frau oder seine Kinder zurücklässt, um sich für
Gottes neue Welt einzusetzen,
Lk 18,30 der wird dafür reich belohnt werden: hier schon, in dieser Welt, und
erst recht in der zukünftigen Welt mit dem ewigen Leben.«
Lk 18,31 Jesus nahm seine zwölf Jünger beiseite und sagte ihnen: »Wir gehen
jetzt nach Jerusalem. Dort wird sich alles erfüllen, was die Propheten über den
Menschensohn geschrieben haben.
Lk 18,32 Man wird ihn denen übergeben, die Gott nicht kennen. Die werden ihn
verspotten, beschimpfen, anspucken und
Lk 18,33 schließlich auspeitschen und töten. Aber am dritten Tag wird er von den
Toten auferstehen.«
Lk 18,34 Die Jünger begriffen nichts. Was Jesus damit sagen wollte, blieb ihnen
verborgen, und sie verstanden es nicht.
Lk 18,35 Jesus und seine Jünger waren unterwegs nach Jericho. In der Nähe der
Stadt saß ein Blinder am Straßenrand und bettelte.
Lk 18,36 Er hörte den Lärm der vorbeiziehenden Menge und fragte neugierig: »Was
ist da los?«
Lk 18,37 Einige riefen ihm zu: »Jesus von Nazareth kommt nach Jericho!«
Lk 18,38 Als er das hörte, schrie er laut: »Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen
mit mir!«
Lk 18,39 Die Leute fuhren ihn an: »Halt den Mund!« Er aber schrie nur noch
lauter: »Du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!«
Lk 18,40 Jesus blieb stehen und ließ den Mann zu sich führen.
Lk 18,41 Dann fragte er ihn: »Was soll ich für dich tun?« »Herr«, flehte ihn der
Blinde an, »ich möchte sehen können!«
Lk 18,42 »Du sollst wieder sehen!«, sagte Jesus zu ihm. »Dein Glaube hat dir
geholfen.«
Lk 18,43 Im selben Augenblick konnte der Blinde sehen. Er ging mit Jesus und
lobte Gott. Zusammen mit ihm lobten und dankten alle, die seine Heilung
miterlebt hatten.
Lk 19,1 Jesus zog mit seinen Jüngern durch Jericho.
Lk 19,2 Dort lebte ein sehr reicher Mann namens Zachäus, der oberste
Zolleinnehmer.
Lk 19,3 Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die
Menschenmenge machte ihm keinen Platz.
Lk 19,4 Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerbaum, der
am Weg stand. Von hier aus konnte er alles überblicken.
Lk 19,5 Als Jesus dort vorbeikam, entdeckte er ihn. »Zachäus, komm schnell
herab!«, rief Jesus. »Ich möchte heute dein Gast sein!«
Lk 19,6 Eilig stieg Zachäus vom Baum herunter und nahm Jesus voller Freude mit
in sein Haus.
Lk 19,7 Die anderen Leute empörten sich über Jesus: »Wie kann er das nur tun? Er
lädt sich bei einem Gauner und Betrüger ein!«
Lk 19,8 Zachäus aber sagte zu Jesus: »Herr, ich werde die Hälfte meines
Vermögens an die Armen verteilen, und wem ich am Zoll zu viel abgenommen habe,
dem gebe ich es vierfach zurück.«
Lk 19,9 Da sagte Jesus zu ihm: »Heute hat Gott dir und allen, die in deinem Haus
leben, Rettung gebracht. Denn auch du bist ein Nachkomme Abrahams.
Lk 19,10 Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten.«
Lk 19,11 Die Leute hörten Jesus aufmerksam zu. Sie meinten, Gottes neue Welt
würde sichtbar kommen, sobald Jesus in Jerusalem eintraf. Darum erzählte er
ihnen noch ein Gleichnis:
Lk 19,12 »Ein Fürst trat eine weite Reise an. Er sollte zum König gekrönt werden
und dann wieder in sein Land zurückkehren.
Lk 19,13 Bevor er abreiste, rief er zehn seiner Knechte zu sich, gab jedem ein
Pfund Silberstücke und sagte: ›Setzt dieses Geld gewinnbringend ein! Ich komme
bald zurück!‹
Lk 19,14 Viele Bürger seines Landes aber hassten ihn. Sie schickten eine
Gesandtschaft hinter ihm her mit der Erklärung: ›Diesen Mann werden wir nicht
als König anerkennen!‹
Lk 19,15 Trotzdem wurde er gekrönt und kam als König in sein Land zurück. Er
befahl die Knechte zu sich, denen er das Geld gegeben hatte, und wollte wissen:
›Was habt ihr damit gemacht?‹
Lk 19,16 Der erste berichtete: ›Herr, ich habe das Zehnfache deines Geldes als
Gewinn erwirtschaftet.‹
Lk 19,17 ›Ausgezeichnet!‹, rief der König. ›Das hast du gut gemacht! Du hast
dich in dieser kleinen Aufgabe bewährt. Ich vertraue dir die Verwaltung von zehn
Städten an.‹
Lk 19,18 Darauf trat der nächste Mann vor und berichtete: ›Herr, ich habe das
Fünffache an Silberstücken hinzugewonnen.‹
Lk 19,19 ›Gut!‹, antwortete sein Herr. ›Du wirst Verwalter über fünf Städte.‹
Lk 19,20 Nun trat ein anderer Knecht vor und sagte: ›Herr, hier hast du dein
Geld zurück. Ich habe es in ein Tuch eingewickelt und aufbewahrt!
Lk 19,21 Ich fürchte dich als strengen Herrn. Denn du nimmst, was dir nicht
gehört, und du erntest, was andere gesät haben.‹
Lk 19,22 Da rief der König zornig: ›Du richtest dich mit deinen eigenen Worten,
du Nichtsnutz! Wenn du weißt, dass ich ein strenger Herr bin, dass ich nehme,
was mir nicht gehört, und ernte, wo ich nicht angebaut habe,
Lk 19,23 warum hast du das Geld dann nicht zur Bank gebracht? Dann hätte ich
wenigstens Zinsen dafür bekommen!‹
Lk 19,24 Er forderte die Umstehenden auf: ›Nehmt ihm das Geld ab und gebt es dem
Mann, der zehn Pfund Silberstücke erwirtschaftet hat.‹
Lk 19,25 ›Aber Herr‹, widersprachen seine Leute, ›der hat doch schon genug!‹
Lk 19,26 Da sagte ihnen der König: ›Ich versichere euch: Wer viel hat, der
bekommt noch mehr dazu. Wer aber nichts hat, dem wird selbst noch das Wenige,
das er hat, genommen!
Lk 19,27 Doch jetzt holt meine Feinde her, die mich nicht als König anerkennen
wollten: Sie sollen vor meinen Augen hingerichtet werden!‹«
Lk 19,28 Nachdem Jesus diese Geschichte erzählt hatte, brach er nach Jerusalem
auf.
Lk 19,29 In der Nähe der Dörfer Betfage und Betanien, die beide am Ölberg
liegen, schickte er zwei seiner Jünger voraus mit dem Auftrag:
Lk 19,30 »Geht in das Dorf da vorne! Gleich am Eingang werdet ihr einen jungen
Esel finden, der dort angebunden ist. Auf ihm ist noch nie jemand geritten.
Bindet ihn los und bringt ihn her!
Lk 19,31 Sollte jemand fragen, was ihr da macht, dann sagt einfach: ›Der Herr
braucht ihn.‹«
Lk 19,32 Die Jünger fanden den Esel, wie Jesus es ihnen beschrieben hatte.
Lk 19,33 Als sie ihn losbanden, fragten die Besitzer: »Was macht ihr denn da?«
Lk 19,34 Sie antworteten: »Der Herr braucht ihn.«
Lk 19,35 Dann brachten sie den Esel zu Jesus. Einige legten dem Tier ihre Mäntel
auf den Rücken, bevor sich Jesus darauf setzte.
Lk 19,36 Auf dem Weg nach Jerusalem breiteten die Menschen ihre Kleider als
Teppich vor Jesus aus.
Lk 19,37 Als sie auf der Höhe des Ölbergs angekommen waren, jubelten und sangen
die Menschen. Sie dankten Gott für die vielen Wunder, die Jesus getan hatte.
Lk 19,38 Laut sangen sie: »Gelobt sei der König, der im Auftrag des Herrn kommt!
Gott hat Frieden mit uns geschlossen. Lob und Ehre dem Allerhöchsten!«
Lk 19,39 Empört riefen da einige Pharisäer aus der Menge: »Lehrer, verbiete das
deinen Jüngern!«
Lk 19,40 Er antwortete ihnen nur: »Glaubt mir: Wenn sie schweigen, dann werden
die Steine am Weg schreien.«
Lk 19,41 Als Jesus die Stadt Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über sie.
Lk 19,42 »Wenn du doch nur erkannt hättest, was dir Frieden bringt!«, rief er.
»Aber jetzt bist du mit Blindheit geschlagen.
Lk 19,43 Der Tag wird kommen, an dem deine Feinde einen Wall um deine Mauern
aufschütten und dich von allen Seiten belagern.
Lk 19,44 Deine Mauern werden fallen und alle Bewohner getötet werden. Kein Stein
wird auf dem anderen bleiben. Warum hast du die Gelegenheit nicht genutzt, die
Gott dir geboten hat?«
Lk 19,45 Kaum hatte Jesus den Tempel betreten, da begann er, die Händler
hinauszujagen,
Lk 19,46 und rief: »Ihr wisst doch, was Gott in der Heiligen Schrift sagt: ›Mein
Haus soll ein Ort des Gebets sein‹, ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus
gemacht!«
Lk 19,47 Jeden Tag sprach er im Tempel zu den Menschen, obwohl die
Hohenpriester, die Schriftgelehrten und führenden Männer des Volkes nach einer
passenden Gelegenheit suchten, ihn umzubringen.
Lk 19,48 Noch konnten sie nichts gegen ihn unternehmen, denn die Menschen
folgten Jesus überall hin und achteten auf jedes seiner Worte.
Lk 20,1 An einem dieser Tage sprach Jesus wieder im Tempel zu den Menschen und
verkündete ihnen die rettende Botschaft. Da stellten ihn die Hohenpriester, die
Schriftgelehrten und führenden Männer des Volkes zur Rede.
Lk 20,2 »Woher nimmst du dir das Recht, hier so aufzutreten?«, wollten sie von
ihm wissen. »Wer hat dir die Vollmacht dazu gegeben?«
Lk 20,3 Jesus erwiderte: »Ich will euch eine Gegenfrage stellen.
Lk 20,4 War Johannes der Täufer von Gott beauftragt zu taufen oder nicht?«
Lk 20,5 Sie überlegten: »Wenn wir antworten, ›Gott hat ihn gesandt‹, dann wird
er fragen: ›Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‹
Lk 20,6 Wenn wir aber bestreiten, dass Gott ihn gesandt hat, dann steinigt uns
das Volk; denn alle sind davon überzeugt, dass Johannes ein Prophet war.«
Lk 20,7 So antworteten sie schließlich: »Wir wissen es nicht.«
Lk 20,8 Worauf Jesus entgegnete: »Dann sage ich euch auch nicht, wer mir die
Vollmacht gegeben hat.«
Lk 20,9 Nun erzählte Jesus seinen Zuhörern ein Gleichnis: »Ein Mann legte einen
Weinberg an. Er verpachtete ihn an einige Weinbauern und reiste für längere Zeit
ins Ausland.
Lk 20,10 Zur Zeit der Weinlese beauftragte er einen Knecht, den vereinbarten
Anteil an der Ernte abzuholen. Aber die Weinbauern schlugen den Knecht nieder
und jagten ihn mit leeren Händen davon.
Lk 20,11 Da schickte der Besitzer einen zweiten Boten. Aber auch ihn schlugen
und beschimpften die Weinbauern und jagten ihn weg.
Lk 20,12 Er sandte einen dritten. Auch den schlugen sie blutig und vertrieben
ihn.
Lk 20,13 ›Was soll ich machen?‹, fragte sich der Besitzer. ›Ich werde meinen
einzigen Sohn, den ich sehr liebe, zum Weinberg schicken. Vor ihm werden sie
Achtung haben!‹
Lk 20,14 Als die Weinbauern aber den Sohn kommen sahen, sagten sie zueinander:
›Jetzt kommt der Erbe. Den bringen wir um, und dann gehört der Weinberg
endgültig uns!‹
Lk 20,15 Sie jagten ihn aus dem Weinberg und schlugen ihn tot. Was - meint ihr -
wird der Besitzer des Weinbergs mit diesen Weinbauern machen?
Lk 20,16 Er wird selbst kommen, sie töten und seinen Weinberg an andere
verpachten!« »So etwas darf niemals geschehen!«, riefen die Zuhörer entsetzt.
Lk 20,17 Da sah Jesus sie an und fragte: »Was bedeutet denn dieser Satz aus der
Heiligen Schrift: ›Der Stein, den die Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie
ihn für unbrauchbar hielten, ist zum Grundstein des ganzen Hauses geworden‹?«
Lk 20,18 Und er fügte hinzu: »Wer auf diesen Stein fällt, wird sich zu Tode
stürzen, und auf wen der Stein fällt, der wird zermalmt.«
Lk 20,19 Am liebsten hätten die Hohenpriester und Schriftgelehrten Jesus gleich
festgenommen. Sie hatten verstanden, dass er in diesem Gleichnis von ihnen
gesprochen hatte. Aber sie wagten sich nicht an ihn heran, weil sie vor dem Volk
Angst hatten.
Lk 20,20 Die Hohenpriester und Schriftgelehrten ließen Jesus bespitzeln. Sie
schickten einige Männer zu ihm, die vorgeben sollten, ihnen läge die Erfüllung
des Gesetzes besonders am Herzen. Sie sollten ihn mit seinen eigenen Worten in
die Falle locken, damit man ihn an den römischen Statthalter ausliefern konnte.
Lk 20,21 Die Leute kamen also zu Jesus und fragten ihn scheinheilig: »Lehrer,
wir wissen, dass es dir bei allem, was du sagst, allein um die Wahrheit geht. Du
fragst nicht danach, welches Ansehen die Leute besitzen, sondern sagst uns frei
heraus, wie wir nach Gottes Willen leben sollen.
Lk 20,22 Deshalb sage uns: Ist es eigentlich Gottes Wille, dass wir dem
römischen Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?«
Lk 20,23 Jesus durchschaute ihre Hinterhältigkeit und sagte:
Lk 20,24 »Zeigt mir ein Geldstück! Wessen Bild und Name ist hier eingeprägt?«
Sie antworteten: »Das Bild und der Name des Kaisers!«
Lk 20,25 »Nun, dann gebt dem Kaiser, was ihm zusteht«, antwortete Jesus, »und
gebt Gott, was ihm gehört!«
Lk 20,26 So war es ihnen nicht gelungen, Jesus vor allen Leuten in eine Falle zu
locken. Sie waren von seiner Antwort so überrascht, dass sie schwiegen.
Lk 20,27 Später kamen einige Sadduzäer zu Jesus. Diese Leute behaupten, es gebe
keine Auferstehung der Toten.
Lk 20,28 Sie sagten zu ihm: »Lehrer, Mose hat uns im Gesetz gesagt: ›Wenn ein
verheirateter Mann stirbt und seine Frau ohne Kinder hinterlässt, muss sein
Bruder die Witwe heiraten. Der erste ihrer Söhne soll als Sohn des Verstorbenen
gelten.‹
Lk 20,29 Nun gab es da sieben Brüder. Der älteste heiratete und starb kinderlos.
Lk 20,30 Darauf heiratete sein Bruder die Witwe, aber auch in dieser Ehe wurden
keine Kinder geboren.
Lk 20,31 So ging es weiter, bis alle sieben mit ihr verheiratet gewesen waren.
Kinder aber hatten sie nicht bekommen.
Lk 20,32 Schließlich starb auch die Frau.
Lk 20,33 Wessen Frau wird sie nun nach der Auferstehung sein? Schließlich waren
ja alle sieben Brüder mit ihr verheiratet!«
Lk 20,34 Jesus antwortete: »Die Ehe gibt es nur in dieser Welt.
Lk 20,35 Wer aber von den Toten aufersteht und in die zukünftige Welt kommen
darf, der wird nicht mehr verheiratet sein.
Lk 20,36 Er wird auch nicht mehr sterben wie die Menschen hier auf der Erde,
sondern wie die Engel ewig leben und zu den Kindern Gottes gehören. Denn er ist
vom Tod zu einem neuen Leben auferstanden.
Lk 20,37 Schon Mose hat angedeutet, dass es eine Auferstehung gibt. Er
beschreibt, wie der Herr ihm im brennenden Dornbusch erschien, und er nennt ihn
den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Lk 20,38 Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Für ihn
sind sie alle lebendig.«
Lk 20,39 Einige Schriftgelehrte stimmten ihm zu: »Das hast du gut gesagt,
Lehrer.«
Lk 20,40 Jetzt wagte niemand mehr, weitere Fragen zu stellen.
Lk 20,41 Dann stellte Jesus ihnen eine Frage: »Wie können die Schriftgelehrten
behaupten, Christus sei ein Nachkomme von König David?
Lk 20,42 David selbst schreibt doch in den Psalmen: ›Gott sprach zu meinem
Herrn: Setze dich auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite,
Lk 20,43 bis ich dir alle deine Feinde unterworfen habe, bis du deinen Fuß auf
ihren Nacken setzt.‹
Lk 20,44 Wenn David ihn also ›Herr‹ nennt, wie kann er dann Davids ›Sohn‹ sein?«
Lk 20,45 Vor allen Leuten, die sich um sie versammelt hatten, forderte Jesus
seine Jünger auf:
Lk 20,46 »Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie laufen gern in langen
Gewändern herum und genießen es, wenn die Leute sie auf der Straße
ehrfurchtsvoll grüßen. In der Synagoge sitzen sie stets in der ersten Reihe, und
es gefällt ihnen, wenn sie bei euren Festen die Ehrenplätze bekommen.
Lk 20,47 Gierig reißen sie den Besitz der Witwen an sich; dabei tarnen sie ihre
bösen Absichten mit langen Gebeten. Gottes Strafe wird sie besonders hart
treffen.«
Lk 21,1 Während Jesus das sagte, konnte er beobachten, wie die Reichen ihre
Gaben in den Opferkasten im Tempel legten.
Lk 21,2 Er sah aber auch eine arme Witwe, die zwei der kleinsten Münzen
hineinwarf.
Lk 21,3 »Eins ist sicher«, meinte Jesus, »diese arme Witwe hat mehr gegeben als
alle anderen.
Lk 21,4 Die Reichen haben nur etwas von ihrem Überfluss gegeben; aber diese Frau
ist arm und gab alles, was sie hatte - sogar das, was sie dringend zum Leben
gebraucht hätte.«
Lk 21,5 Einige sprachen begeistert von der Schönheit des Tempels, den wertvollen
Steinen und den kostbaren Weihegeschenken.
Lk 21,6 Aber Jesus erwiderte: »Ja, seht es euch genau an! Es kommt die Zeit, in
der hier kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Alles wird nur noch ein großer
Trümmerhaufen sein.«
Lk 21,7 Erschrocken wollten die Jünger wissen: »Lehrer, wann wird das geschehen?
Woran erkennen wir, dass diese Dinge stattfinden werden?«
Lk 21,8 Jesus antwortete: »Lasst euch von keinem Menschen täuschen und
verführen! Denn viele werden auftreten und von sich behaupten: ›Ich bin
Christus!‹ Und sie werden verkünden: ›Jetzt ist die Zeit gekommen!‹ Glaubt ihnen
nicht!
Lk 21,9 Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, erschreckt nicht! Das muss
geschehen, doch es bedeutet noch nicht das Ende.«
Lk 21,10 Dann sagte er zu ihnen: »Die Völker und Königreiche der Erde werden
Kriege gegeneinander führen.
Lk 21,11 In vielen Teilen der Welt wird es Erdbeben, Hungersnöte und Seuchen
geben. Unerklärliche Erscheinungen am Himmel werden alle Menschen in Angst und
Schrecken versetzen.
Lk 21,12 Bevor das alles geschieht, wird man euch verfolgen. Nur weil ihr zu mir
gehört, werden sie euch festnehmen und in den Synagogen vor Gericht stellen.
Dann werden sie euch ins Gefängnis werfen, ja, vor Machthabern und Königen
werdet ihr verhört werden.
Lk 21,13 Aber dadurch habt ihr Gelegenheit, meine Botschaft zu bezeugen.
Lk 21,14 Prägt es euch ein: Ihr sollt nicht schon vorher darüber nachgrübeln,
wie ihr euch vor Gericht verteidigen könnt.
Lk 21,15 Ich selber werde euch Weisheit geben und euch zeigen, was ihr sagen
sollt. Dann werden eure Gegner nichts mehr erwidern können.
Lk 21,16 Selbst eure nächsten Angehörigen, eure Eltern, Geschwister und Freunde
werden euch verraten und euch verhaften lassen. Einige von euch wird man töten.
Lk 21,17 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr zu mir gehört.
Lk 21,18 Aber ohne Gottes Willen wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Lk 21,19 Bleibt standhaft, dann gewinnt ihr das ewige Leben.«
Lk 21,20 »Wenn die Feinde Israels Jerusalem belagern, dauert es nicht mehr
lange, bis diese Stadt zerstört wird.
Lk 21,21 Dann sollen alle Bewohner Judäas ins Gebirge fliehen. Wer in Jerusalem
wohnt, verlasse die Stadt so schnell wie möglich, und wer auf dem Land ist,
suche in ihr keinen Schutz.
Lk 21,22 Die Tage des göttlichen Gerichts sind gekommen. Jetzt erfüllt sich, was
in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist.
Lk 21,23 Besonders hart trifft es Schwangere und Mütter mit Säuglingen. Denn
überall wird große Not herrschen, wenn Gottes Zorn über sein Volk losbricht.
Lk 21,24 Die Menschen werden niedergemetzelt oder als Gefangene in die ganze
Welt verschleppt. Jerusalem aber wird besetzt und zerstört sein, bis Gott die
Herrschaft der nichtjüdischen Völker beendet.«
Lk 21,25 »Zu dieser Zeit werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen Unheil
verkünden. Die Menschen fürchten sich und wissen nicht mehr weiter, weil
Sturmfluten und Katastrophen über sie hereinbrechen.
Lk 21,26 Ungewissheit und Angst treiben sie zur Verzweiflung. Sogar die Kräfte
des Weltalls geraten durcheinander.
Lk 21,27 Doch dann werden alle Völker sehen, wie der Menschensohn in den Wolken
mit großer Macht und Herrlichkeit kommt.
Lk 21,28 Deshalb: Wenn sich dies alles ereignet, dann seid zuversichtlich - mit
festem Blick und erhobenem Haupt! Denn eure Befreiung steht vor der Tür.«
Lk 21,29 Dann erzählte Jesus ein Gleichnis: »Seht euch den Feigenbaum an oder
die anderen Bäume.
Lk 21,30 Wenn ihre Zweige Blätter treiben, dann wisst ihr, dass es bald Sommer
ist.
Lk 21,31 So könnt ihr sicher sein, dass Gottes neue Welt nahe ist, wenn all
diese Ereignisse eintreffen.
Lk 21,32 Ja, ich sage euch: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor das alles
geschieht.
Lk 21,33 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber gelten für immer.«
Lk 21,34 »Passt auf, dass ihr euch nicht durch ein ausschweifendes Leben und
Trunkenheit und auch nicht durch die Sorgen des Alltags vom Ziel ablenken lasst!
Sonst wird dieser Tag euch überraschen
Lk 21,35 so wie eine Falle, die plötzlich zuschnappt. Denn er wird für alle
Menschen auf dieser Welt völlig unerwartet kommen.
Lk 21,36 Bleibt wachsam und betet zu jeder Zeit, damit ihr dem entfliehen könnt,
was auf euch zukommt. Dann könnt ihr ohne Furcht vor den Menschensohn treten.«
Lk 21,37 Täglich ging Jesus in den Tempel, um dort zu lehren. Abends verließ er
die Stadt und verbrachte die Nächte am Ölberg.
Lk 21,38 Wenn er am frühen Morgen wieder in den Tempel kam, warteten schon viele
Menschen auf ihn, um ihn zu hören.
Lk 22,1 Es waren nur noch wenige Tage bis zum Fest der ungesäuerten Brote, das
auch Passahfest genannt wird.
Lk 22,2 Nach wie vor suchten die Hohenpriester und Schriftgelehrten nach einer
Gelegenheit, Jesus umzubringen; sie fürchteten aber, damit im Volk einen Aufruhr
auszulösen.
Lk 22,3 Zu der Zeit ergriff der Satan Besitz von Judas Iskariot, einem der zwölf
Jünger Jesu.
Lk 22,4 Judas ging zu den Hohenpriestern und den Offizieren der Tempelwache und
beriet mit ihnen, wie er Jesus an sie verraten könnte.
Lk 22,5 Hocherfreut versprachen die Hohenpriester ihm eine Belohnung.
Lk 22,6 Sie wurden sich einig, und Judas suchte nach einer Gelegenheit, Jesus
ohne Aufsehen an seine Feinde zu verraten.
Lk 22,7 Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm
geschlachtet werden musste,
Lk 22,8 gab Jesus seinen Jüngern Petrus und Johannes den Auftrag: »Bereitet
alles vor, damit wir gemeinsam das Passahmahl essen können.«
Lk 22,9 »Wo sollen wir denn das Fest feiern?«, fragten sie.
Lk 22,10 Er antwortete: »Wenn ihr nach Jerusalem kommt, wird euch ein Mann
begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Geht ihm nach bis zu dem Haus, das er
betritt.
Lk 22,11 Sagt dem Hausherrn: ›Unser Lehrer lässt fragen: Wo ist der Raum, in dem
er mit seinen Jüngern das Passahmahl feiern kann?‹
Lk 22,12 Er wird euch im Obergeschoss einen großen Raum zeigen, der mit Polstern
ausgestattet ist. Dort bereitet das Essen zu.«
Lk 22,13 Die beiden Jünger gingen in die Stadt und trafen alles so an, wie Jesus
es ihnen gesagt hatte. Dann bereiteten sie das Passahmahl vor.
Lk 22,14 Als die Stunde für das Passahmahl da war, nahm Jesus mit den Aposteln
an der Festtafel Platz.
Lk 22,15 »Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, mit euch das Passahmahl zu
essen, bevor ich leiden muss«, sagte er.
Lk 22,16 »Ihr sollt wissen: Ich werde das Passahmahl erst wieder in der neuen
Welt Gottes mit euch feiern. Dann hat sich erfüllt, wofür das Fest jetzt nur ein
Zeichen ist.«
Lk 22,17 Jesus nahm einen Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte:
»Nehmt den Becher und trinkt alle daraus.
Lk 22,18 Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis die neue Welt
Gottes gekommen ist.«
Lk 22,19 Dann nahm er Brot. Er dankte Gott dafür, teilte es und gab es ihnen mit
den Worten: »Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Feiert dieses Mahl
immer wieder, und denkt daran, was ich für euch getan habe, sooft ihr dieses
Brot esst.«
Lk 22,20 Nach dem Essen nahm er den Becher mit Wein, reichte ihn den Jüngern und
sagte: »Dies ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen
besiegelt wird. Es wird für euch zur Vergebung der Sünden vergossen.
Lk 22,21 Aber eins muss ich euch sagen: Bei uns an diesem Tisch ist der Mann,
der mich verraten wird.
Lk 22,22 Es ist der Wille Gottes, dass der Menschensohn sterben muss. Aber wehe
seinem Verräter!«
Lk 22,23 Bestürzt fragte einer den anderen: »Wer von uns könnte so etwas tun?«
Lk 22,24 Die Jünger stritten sich darüber, wer unter ihnen der Wichtigste sei.
Lk 22,25 Da sagte ihnen Jesus: »In dieser Welt unterdrücken die Herrscher ihre
Völker, und rücksichtslose Machthaber lassen sich als Wohltäter feiern.
Lk 22,26 Aber so darf es bei euch nicht sein. Der Erste unter euch soll sich
allen anderen unterordnen, und wer euch führen will, muss allen dienen.
Lk 22,27 Wer ist denn der Herr? Wer sich bedienen lässt oder wer dient? Doch
wohl derjenige, der sich bedienen lässt! Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
Lk 22,28 Ihr seid mir in diesen Tagen der Gefahr und der Versuchung treu
geblieben.
Lk 22,29 Deshalb verspreche ich euch: Ihr werdet mit mir zusammen in meinem
Reich herrschen, das mein Vater mir übergeben hat.
Lk 22,30 Mit mir sollt ihr am selben Tisch essen und trinken. Ihr werdet auf
Thronen sitzen und mit mir über die zwölf Stämme Israels Gericht halten.«
Lk 22,31 Zu Petrus gewandt, sagte Jesus: »Simon, Simon! Der Satan ist hinter
euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Lk 22,32 Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst.
Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder!«
Lk 22,33 »Herr«, fuhr Petrus auf, »ich bin jederzeit bereit, mit dir ins
Gefängnis zu gehen und sogar für dich zu sterben.«
Lk 22,34 Doch Jesus erwiderte: »Petrus, ich sage dir: Noch ehe morgen früh der
Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.«
Lk 22,35 Jesus fragte seine Jünger: »Als ich euch damals ohne Geld, Tasche und
Sandalen aussandte, habt ihr da Not leiden müssen?« »Nein, niemals!«, beteuerten
sie.
Lk 22,36 »Jetzt aber nehmt euer Geld und Gepäck«, forderte er sie auf. »Wer kein
Schwert besitzt, soll seinen Mantel verkaufen und sich eins beschaffen.
Lk 22,37 Denn jetzt ist die Zeit da, in der sich auch dieses Wort an mir
erfüllen muss: ›Man wird ihn wie einen Verbrecher behandeln.‹ Alles, was in der
Heiligen Schrift von mir geschrieben steht, geht nun in Erfüllung.«
Lk 22,38 »Herr«, riefen die Jünger, »wir haben hier zwei Schwerter.« Doch Jesus
unterbrach sie: »Genug damit!«
Lk 22,39 Nach dem Festmahl verließ Jesus die Stadt und ging wie gewohnt zum
Ölberg hinaus. Seine Jünger begleiteten ihn.
Lk 22,40 Dort angekommen sagte er zu ihnen: »Betet darum, dass ihr der kommenden
Versuchung widerstehen könnt!«
Lk 22,41 Nicht weit von seinen Jüngern entfernt kniete Jesus nieder
Lk 22,42 und betete: »Vater, wenn es möglich ist, bewahre mich vor diesem
Leiden. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.«
Lk 22,43 Da erschien ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft.
Lk 22,44 Jesus litt Todesängste und betete so eindringlich, dass sein Schweiß
wie Blut auf die Erde tropfte.
Lk 22,45 Als er dann zu seinen Jüngern zurückkehrte, schliefen sie, erschöpft
von ihren Sorgen und ihrer Trauer.
Lk 22,46 Jesus rüttelte sie wach: »Wie könnt ihr jetzt nur schlafen! Steht auf
und betet, damit ihr der Versuchung widersteht!«
Lk 22,47 Noch während Jesus sprach, kam eine große Gruppe Männer auf sie zu. Sie
wurden von Judas, einem der zwölf Jünger, angeführt. Judas ging zu Jesus, um ihn
mit einem Kuss zu begrüßen.
Lk 22,48 Aber Jesus fragte ihn: »Judas, willst du den Menschensohn mit einem
Kuss verraten?«
Lk 22,49 Jetzt hatten auch die anderen Jünger begriffen, was vor sich ging.
Aufgeregt riefen sie: »Herr, sollen wir dich mit dem Schwert verteidigen?«
Lk 22,50 Einer von ihnen zog gleich das Schwert, schlug auf einen der Diener des
Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab.
Lk 22,51 Aber Jesus befahl: »Hört auf damit!« Er berührte das Ohr des Mannes und
heilte ihn.
Lk 22,52 Dann fragte Jesus die Hohenpriester, die Offiziere der Tempelwache und
die führenden Männer des Volkes, die alle mitgekommen waren: »Bin ich denn ein
Verbrecher, dass ihr euch mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet habt, um mich zu
verhaften?
Lk 22,53 Jeden Tag war ich im Tempel. Warum habt ihr mich nicht dort
festgenommen? Aber jetzt ist eure Stunde da. Jetzt hat die Finsternis Macht.«
Lk 22,54 Die Soldaten verhafteten Jesus und führten ihn zum Palast des
Hohenpriesters. Petrus folgte ihnen in sicherem Abstand.
Lk 22,55 Im Hof des Palastes zündeten sie ein Feuer an, um sich zu wärmen.
Petrus setzte sich zu ihnen.
Lk 22,56 Im Schein des Feuers bemerkte ihn eine Dienerin und sah ihn prüfend an.
»Der Mann da war auch bei Jesus!«, rief sie.
Lk 22,57 Doch heftig widersprach Petrus: »Das ist unmöglich! Ich kenne ihn
überhaupt nicht!«
Lk 22,58 Kurz darauf sah ihn ein anderer und meinte: »Natürlich, du bist doch
einer von seinen Freunden!« »Ausgeschlossen! Ich doch nicht!«, wehrte Petrus ab.
Lk 22,59 Nach etwa einer Stunde behauptete plötzlich wieder einer: »Der hier
gehörte zu den Männern, die bei Jesus waren; man hört doch gleich, dass er auch
aus Galiläa kommt.«
Lk 22,60 Aber aufgebracht stieß Petrus hervor: »Wovon redest du? Was meinst du
eigentlich?« In diesem Augenblick krähte ein Hahn.
Lk 22,61 Jesus wandte sich um und sah seinen Jünger an. Da fielen Petrus die
Worte ein, die Jesus gesagt hatte: »Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal
geleugnet haben, mich zu kennen.«
Lk 22,62 Da ging Petrus hinaus und weinte voller Verzweiflung.
Lk 22,63 Die Soldaten, die Jesus bewachten, verhöhnten und schlugen ihn.
Lk 22,64 Sie verbanden ihm die Augen und spotteten: »Na, du Prophet! Sag uns,
wer hat dich gerade geschlagen?«
Lk 22,65 In dieser Weise quälten sie ihn noch lange.
Lk 22,66 Bei Tagesanbruch kamen die Mitglieder des Hohen Rates zusammen: die
führenden Männer des Volkes, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten.
Lk 22,67 Sie fragten Jesus: »Bist du nun der Christus, der Befreier, der uns
versprochen wurde, oder bist du es nicht?« Er erwiderte: »Ihr glaubt ja doch
nicht, was ich euch sage,
Lk 22,68 und wenn ich euch etwas frage, dann antwortet ihr mir nicht.
Lk 22,69 Doch von nun an wird der Menschensohn auf dem Platz an der rechten
Seite Gottes sitzen.«
Lk 22,70 Empört schrien alle: »Willst du damit etwa sagen, dass du der Sohn
Gottes bist?« Jesus antwortete: »Ihr habt Recht, ich bin es!«
Lk 22,71 »Wozu brauchen wir da noch Zeugen?«, riefen jetzt die Ankläger
einstimmig. »Alle haben seine Gotteslästerung gehört!«
Lk 23,1 Nun erhoben sich die Mitglieder des Hohen Rates und ließen Jesus zum
römischen Statthalter Pilatus bringen.
Lk 23,2 Dort beschuldigten sie ihn: »Dieser Mensch hetzt unser Volk auf. Er
redet den Leuten ein, dass sie dem Kaiser keine Steuern zahlen sollen. Und er
behauptet von sich, er sei der Christus, ein König, den Gott geschickt hat.«
Lk 23,3 »Stimmt das?«, fragte Pilatus den Angeklagten. »Bist du wirklich der
König der Juden?« Jesus antwortete: »Ja, du sagst es!«
Lk 23,4 Pilatus erklärte den Hohenpriestern und der ganzen Volksmenge: »Dieser
Mann ist doch kein Verbrecher!«
Lk 23,5 Aber sie widersprachen heftig: »In ganz Judäa hetzt er die Menschen
durch seine Lehre auf. Schon in Galiläa hat er damit angefangen, und nun ist er
bis hierher nach Jerusalem gekommen!«
Lk 23,6 Pilatus fragte: »Ist der Mann denn aus Galiläa?«
Lk 23,7 Als sie es bestätigten, befahl er, Jesus zu König Herodes zu bringen,
der die Provinz Galiläa regierte und sich während des Passahfestes auch in
Jerusalem aufhielt.
Lk 23,8 Herodes freute sich, Jesus zu sehen. Er wollte ihn schon lange kennen
lernen. Denn er hatte viel von ihm gehört und hoffte, Jesus würde ihm ein Wunder
vorführen.
Lk 23,9 Der König stellte Frage um Frage, aber Jesus gab ihm keine einzige
Antwort.
Lk 23,10 Umso mehr redeten die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die
mitgekommen waren und ihn immer heftiger beschuldigten.
Lk 23,11 Auch Herodes und seine Soldaten ließen Jesus ihre Verachtung spüren und
verspotteten ihn. Sie hängten ihm einen Königsmantel um und schickten ihn wieder
zu Pilatus.
Lk 23,12 Herodes und Pilatus waren vorher erbitterte Feinde gewesen. Aber an
diesem Tag wurden sie Freunde.
Lk 23,13 Vor den Hohenpriestern, den führenden Männern des Volkes und der
versammelten Menge
Lk 23,14 verkündete Pilatus: »Ihr habt diesen Mann zu mir gebracht und ihn
beschuldigt, dass er die Menschen aufhetzt. Ich habe ihn vor euch verhört und
bin zu dem Urteil gekommen: Dieser Mann ist unschuldig!
Lk 23,15 Herodes ist derselben Meinung. Deswegen hat er ihn hierher
zurückgeschickt. Der Angeklagte hat nichts getan, was mit dem Tod bestraft
werden müsste.
Lk 23,16 Ich werde ihn auspeitschen lassen, dann soll er frei sein.«
Lk 23,17 Pilatus begnadigte ohnehin in jedem Jahr am Passahfest einen
Gefangenen.
Lk 23,18 Da brach ein Sturm der Entrüstung los. Wie aus einem Munde schrie das
Volk: »Weg mit diesem Jesus! Lass Barabbas frei!«
Lk 23,19 Barabbas saß im Gefängnis, weil er sich an einem Aufstand in Jerusalem
beteiligt hatte und wegen Mordes angeklagt war.
Lk 23,20 Noch einmal versuchte Pilatus, die Menge zu überzeugen; denn er wollte
Jesus gern freilassen.
Lk 23,21 Aber sie schrien nur noch lauter: »Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz!«
Lk 23,22 Pilatus versuchte es zum dritten Mal: »Was für ein Verbrechen hat er
denn begangen? Ich finde nichts, worauf die Todesstrafe steht! Ich werde ihn
also auspeitschen lassen. Dann soll er frei sein.«
Lk 23,23 Aber die aufgehetzte Menge brüllte immer lauter: »Kreuzige ihn!«, bis
Pilatus ihrem Schreien nachgab
Lk 23,24 und ihre Forderung erfüllte.
Lk 23,25 Barabbas ließ er frei, den Mann, der das Volk aufgehetzt hatte und
wegen Mordes angeklagt war. Jesus aber verurteilte er zum Tod am Kreuz, wie sie
es gefordert hatten.
Lk 23,26 Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen Simon, der gerade
vom Feld kam. Er stammte aus Kyrene in Nordafrika. Ihn zwangen sie, mitzugehen
und für Jesus das Kreuz zu tragen.
Lk 23,27 Unzählige Menschen folgten Jesus auf dem Weg zur Hinrichtung. In der
Menge waren viele Frauen, die laut klagten und um Jesus weinten.
Lk 23,28 Ihnen rief Jesus zu: »Weint nicht über mich, ihr Frauen von Jerusalem!
Weint über euch und eure Kinder!
Lk 23,29 Die Zeit wird kommen, in der man sagt: ›Glücklich sind die Frauen, die
keine Kinder bekommen können. Ja, freuen können sich alle, die niemals ein Kind
geboren und gestillt haben!‹
Lk 23,30 Die Menschen werden sich danach sehnen, dass die Berge über ihnen
zusammenstürzen und die Hügel auf sie fallen, damit ihr Leid ein Ende hat.
Lk 23,31 Wenn schon das grüne Holz Feuer fängt, wie schnell brennt dann das
trockene Holz lichterloh!«
Lk 23,32 Mit Jesus wurden zwei Verbrecher vor die Stadt geführt
Lk 23,33 zu der Stelle, die man »Schädelstätte« nennt. Dort wurde Jesus ans
Kreuz genagelt und mit ihm die beiden Verbrecher, der eine rechts, der andere
links von ihm.
Lk 23,34 Jesus betete: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie
tun!« Unter dem Kreuz verlosten die Soldaten seine Kleider untereinander.
Lk 23,35 Neugierig stand die Menge dabei. Und die führenden Männer des Volkes
verhöhnten Jesus: »Anderen hat er geholfen! Wenn er wirklich Christus, der von
Gott gesandte Befreier, ist, dann soll er sich jetzt doch selber helfen!«
Lk 23,36 Auch die Soldaten verspotteten ihn. Sie gaben ihm Essig zu trinken
Lk 23,37 und riefen ihm zu: »Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich
doch selbst!«
Lk 23,38 Oben am Kreuz brachten sie ein Schild an. Damit jeder es lesen konnte,
stand dort auf Griechisch, Hebräisch und Lateinisch: »Dies ist der König der
Juden!«
Lk 23,39 Auch einer der Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren,
lästerte: »Bist du nun der Christus? Dann hilf dir selbst und uns!«
Lk 23,40 Aber der am anderen Kreuz wies ihn zurecht: »Fürchtest du Gott nicht
einmal jetzt, kurz vor dem Tod?
Lk 23,41 Wir werden hier zu Recht bestraft. Wir haben den Tod verdient. Der hier
aber ist unschuldig; er hat nichts Böses getan.«
Lk 23,42 Zu Jesus sagte er: »Denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst!«
Lk 23,43 Da antwortete ihm Jesus: »Ich versichere dir: Noch heute wirst du mit
mir im Paradies sein.«
Lk 23,44 Am Mittag wurde es plötzlich im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis
dauerte drei Stunden.
Lk 23,45 Dann zerriss im Tempel der Vorhang vor dem Allerheiligsten von oben bis
unten.
Lk 23,46 Jesus schrie noch einmal laut auf: »Vater, in deine Hände gebe ich
meinen Geist!« Dann starb er.
Lk 23,47 Der römische Hauptmann, der die Hinrichtung beaufsichtigt hatte, lobte
Gott und sagte: »Dieser Mann war wirklich unschuldig!«
Lk 23,48 Betroffen kehrten die Menschen, die ein Schauspiel erleben wollten, in
die Stadt zurück.
Lk 23,49 Die Freunde Jesu und die Frauen, die mit ihm aus Galiläa gekommen
waren, hatten aus einiger Entfernung alles mit angesehen.
Lk 23,50 [50-52] Josef, ein Mann aus Arimathäa, einer Stadt in Judäa, ging zu
Pilatus und bat ihn, den toten Jesus begraben zu dürfen. Er war Mitglied des
Hohen Rates und ein guter Mensch, der nach Gottes Willen lebte und auf das
Kommen der neuen Welt Gottes wartete. Er hatte nicht zugestimmt, als der Hohe
Rat Jesus zum Tode verurteilt hatte.
Lk 23,53 Er nahm Jesus vom Kreuz, wickelte den Toten in ein feines Leinentuch
und legte ihn in ein neu angelegtes Grab, das in einen Felsen gehauen war.
Lk 23,54 Das alles geschah am späten Freitagnachmittag, unmittelbar vor Beginn
des Sabbats.
Lk 23,55 Mit Josef gingen auch die Frauen, die Jesus aus Galiläa gefolgt waren.
Sie sahen zu, wie man den Toten in das Grab legte.
Lk 23,56 Dann kehrten sie in die Stadt zurück, um dort wohlriechende Öle und
Salben für die Einbalsamierung vorzubereiten. Am Sabbat ruhten sie aus, wie es
das jüdische Gesetz verlangt.
Lk 24,1 Ganz früh am Sonntagmorgen gingen die Frauen mit den wohlriechenden
Ölen, die sie zubereitet hatten, zum Grab.
Lk 24,2 Der Stein, mit dem man es verschlossen hatte, war zur Seite gerollt.
Lk 24,3 Als sie die Grabhöhle betraten, fanden sie den Leichnam Jesu, des Herrn,
nicht.
Lk 24,4 Verwirrt überlegten sie, was sie jetzt tun sollten. Da traten zwei
Männer in glänzend weißen Kleidern zu ihnen.
Lk 24,5 Die Frauen erschraken und wagten nicht, die beiden anzusehen. »Warum
sucht ihr den Lebenden bei den Toten?«, fragten die Männer.
Lk 24,6 »Er ist nicht hier; er ist auferstanden! Denkt doch daran, was er euch
in Galiläa gesagt hat:
Lk 24,7 ›Der Menschensohn muss den gottlosen Menschen ausgeliefert werden. Sie
werden ihn kreuzigen, aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.‹«
Lk 24,8 Da erinnerten sich die Frauen an diese Worte Jesu.
Lk 24,9 Sie liefen in die Stadt zurück, um den elf Jüngern und den anderen
Freunden Jesu zu berichten, was sie erlebt hatten.
Lk 24,10 Zu diesen Frauen gehörten Maria aus Magdala, Johanna, Maria, die Mutter
von Jakobus, und noch etliche andere.
Lk 24,11 Aber die Jünger hielten ihren Bericht für leeres Gerede und glaubten
den Frauen kein Wort.
Lk 24,12 Doch Petrus sprang auf und lief zum Grab. Als er hineinschaute, fand er
außer den Leinentüchern nichts. Verwundert ging er in die Stadt zurück.
Lk 24,13 Am selben Tag wanderten zwei Jünger nach Emmaus, einem Dorf ungefähr
zehn Kilometer von Jerusalem entfernt.
Lk 24,14 Unterwegs redeten sie über die Ereignisse der vergangenen Tage.
Lk 24,15 Während sie miteinander sprachen und nachdachten, kam Jesus und ging
mit ihnen.
Lk 24,16 Aber sie - wie mit Blindheit geschlagen - erkannten ihn nicht.
Lk 24,17 »Worüber unterhaltet ihr euch?«, fragte sie Jesus. Die Jünger blieben
traurig stehen,
Lk 24,18 und verwundert bemerkte Kleopas, einer von den beiden: »Ich glaube, du
bist der Einzige in Jerusalem, der nichts von den Ereignissen der letzten Tage
gehört hat.«
Lk 24,19 »Was ist denn geschehen?«, wollte Jesus wissen. »Hast du etwa nichts
von Jesus gehört, dem Mann aus Nazareth?«, antworteten die Jünger. »Er war ein
Prophet, den Gott geschickt hatte. Jeder im Volk konnte das an seinen Worten und
Taten erkennen.
Lk 24,20 Aber unsere Hohenpriester und die führenden Männer des Volkes haben ihn
an die Römer ausgeliefert. Er wurde zum Tode verurteilt und dann ans Kreuz
geschlagen.
Lk 24,21 Dabei hatten wir gehofft, dass er der von Gott versprochene Retter ist,
der Israel befreit. Das war vor drei Tagen.
Lk 24,22 Heute Morgen wurden wir sehr beunruhigt durch einige Frauen, die zu uns
gehören. Schon vor Sonnenaufgang waren sie zum Grab gegangen;
Lk 24,23 aber der Leichnam Jesu war nicht mehr da. Die Frauen erzählten, ihnen
seien Engel erschienen, die sagten: ›Jesus lebt!‹
Lk 24,24 Einige von uns sind gleich zum Grab gelaufen. Es war tatsächlich leer,
wie die Frauen berichtet hatten. Aber Jesus haben sie nicht gesehen.«
Lk 24,25 Darauf sagte Jesus zu ihnen: »Wie wenig versteht ihr doch! Warum
begreift und glaubt ihr nicht, was die Propheten gesagt haben?
Lk 24,26 Musste Christus nicht all dies erleiden, bevor Gott ihn zum Herrn über
alles einsetzt?«
Lk 24,27 Dann erklärte Jesus, was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wird -
von den Büchern Mose angefangen bis zu den Propheten.
Lk 24,28 Inzwischen waren sie kurz vor Emmaus, und Jesus tat so, als wolle er
weitergehen.
Lk 24,29 Deshalb drängten ihn die Jünger: »Bleib doch über Nacht bei uns! Es
wird ja schon dunkel.« So ging er mit ihnen ins Haus.
Lk 24,30 Als sie sich zum Essen niedergelassen hatten, nahm Jesus das Brot,
dankte dafür, teilte es in Stücke und gab es ihnen.
Lk 24,31 Da plötzlich erkannten sie ihn. Doch er verschwand vor ihren Augen.
Lk 24,32 Sie sagten zueinander: »Hat es uns nicht tief berührt, als er unterwegs
mit uns sprach und uns die Heilige Schrift erklärte?«
Lk 24,33 Ohne Zeit zu verlieren, liefen sie sofort nach Jerusalem zurück. Dort
waren die elf Jünger und andere Freunde Jesu zusammen.
Lk 24,34 Von ihnen wurden sie mit den Worten begrüßt: »Der Herr ist tatsächlich
auferstanden! Simon Petrus hat ihn gesehen!«
Lk 24,35 Nun erzählten die beiden, was auf dem Weg nach Emmaus geschehen war und
dass sie ihren Herrn daran erkannt hatten, wie er das Brot austeilte.
Lk 24,36 Noch während sie berichteten, stand Jesus plötzlich mitten im Kreis der
Jünger. »Friede sei mit euch!«, begrüßte er sie.
Lk 24,37 Die Jünger erschraken furchtbar. Sie dachten, ein Geist stünde vor
ihnen.
Lk 24,38 »Warum habt ihr Angst?«, fragte Jesus. »Wieso zweifelt ihr daran, dass
ich es bin?
Lk 24,39 Seht doch die Wunden an meinen Händen und Füßen! Ich bin es wirklich.
Hier, fasst mich an und überzeugt euch, dass ich kein Geist bin. Geister sind
doch nicht aus Fleisch und Blut!«
Lk 24,40 Und er zeigte ihnen seine Hände und Füße.
Lk 24,41 Aber vor lauter Freude konnten sie es noch immer nicht fassen, dass
Jesus vor ihnen stand. Endlich fragte er sie: »Habt ihr etwas zu essen hier?«
Lk 24,42 Sie brachten ihm ein Stück gebratenen Fisch,
Lk 24,43 den er vor ihren Augen aß.
Lk 24,44 Dann sagte er zu ihnen: »Erinnert euch daran, dass ich euch oft
angekündigt habe: ›Alles muss sich erfüllen, was bei Mose, bei den Propheten und
in den Psalmen über mich steht.‹«
Lk 24,45 Nun erklärte er ihnen die Worte der Heiligen Schrift.
Lk 24,46 Er sagte: »Es steht doch dort geschrieben: Der Messias muss leiden und
sterben, und er wird am dritten Tag von den Toten auferstehen.
Lk 24,47 Alle Völker sollen diese Botschaft hören: Gott wird jedem, der zu ihm
umkehrt, die Schuld vergeben. Das soll zuerst in Jerusalem verkündet werden.
Lk 24,48 Ihr selbst habt miterlebt, dass Gottes Zusagen in Erfüllung gegangen
sind. Ihr seid meine Zeugen.
Lk 24,49 Ich werde euch den Heiligen Geist geben, den mein Vater euch
versprochen hat. Bleibt hier in Jerusalem, bis ihr diese Kraft von oben
empfangen habt!«
Lk 24,50 Jesus führte seine Jünger von Jerusalem nach Betanien. Er segnete sie
mit erhobenen Händen.
Lk 24,51 Noch während er sie segnete, entfernte er sich von ihnen und wurde zum
Himmel emporgehoben.
Lk 24,52 Die Jünger fielen vor ihm nieder. Danach kehrten sie voller Freude nach
Jerusalem zurück.
Lk 24,53 Sie gingen immer wieder in den Tempel, um Gott zu loben und zu danken.
Joh 1,1 Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott
selbst.
Joh 1,2 Von Anfang an war es bei Gott.
Joh 1,3 Alles wurde durch das Wort geschaffen, und nichts ist ohne das Wort
geworden.
Joh 1,4 Von ihm kam alles Leben, und sein Leben war das Licht für alle Menschen.
Joh 1,5 Es leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis wehrte sich gegen das
Licht.
Joh 1,6 Gott schickte einen Boten, einen Mann, der Johannes hieß.
Joh 1,7 Er sollte die Menschen auf das Licht hinweisen, damit alle durch seine
Botschaft an den glauben, der das Licht ist.
Joh 1,8 Johannes selbst war nicht das Licht. Er sollte die Menschen nur auf das
kommende Licht vorbereiten.
Joh 1,9 Der das wahre Licht ist, kam in die Welt, um für alle Menschen das Licht
zu bringen.
Joh 1,10 Doch obwohl er unter ihnen lebte und die Welt durch ihn geschaffen
wurde, erkannten ihn die Menschen nicht.
Joh 1,11 Er kam in seine Welt, aber die Menschen nahmen ihn nicht auf.
Joh 1,12 Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht,
Kinder Gottes zu werden.
Joh 1,13 Das wurden sie nicht, weil sie zu einem auserwählten Volk gehörten,
auch nicht durch menschliche Zeugung und Geburt. Dieses neue Leben gab ihnen
allein Gott.
Joh 1,14 Das Wort wurde Mensch und lebte unter uns. Wir selbst haben seine
göttliche Herrlichkeit gesehen, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In
ihm sind Gottes vergebende Liebe und Treue zu uns gekommen.
Joh 1,15 Johannes wies immer wieder auf ihn hin. »Diesen habe ich gemeint«, rief
er, »wenn ich sagte: ›Es wird einer kommen, der viel bedeutender ist als ich.
Denn er war schon da, bevor ich geboren wurde!‹«
Joh 1,16 Aus seinem göttlichen Reichtum hat er uns immer und immer wieder mit
seiner grenzenlosen Liebe beschenkt.
Joh 1,17 Durch Mose gab uns Gott das Gesetz mit seinen Forderungen. Aber durch
Jesus Christus schenkte er uns seine vergebende Liebe und Treue.
Joh 1,18 Kein Mensch hat jemals Gott gesehen. Doch sein einziger Sohn, der in
enger Gemeinschaft mit dem Vater lebt, hat uns gezeigt, wer Gott ist.
Joh 1,19 Die führenden Männer der Juden in Jerusalem schickten einige Priester
und Leviten zu Johannes. Sie fragten ihn: »Wer bist du?«
Joh 1,20 Da bekannte Johannes und ließ keinen Zweifel offen: »Ich bin nicht
Christus, auf den wir alle warten.«
Joh 1,21 »Wer bist du dann?«, fragten sie weiter. »Bist du vielleicht Elia?«
Johannes verneinte auch das. »Bist du der Prophet, den Mose uns angekündigt
hat?« »Nein!«, entgegnete Johannes.
Joh 1,22 »Dann sag uns doch, wer du bist. Welche Antwort sollen wir denen geben,
die uns hergeschickt haben?«
Joh 1,23 Da sagte Johannes: »Der Prophet Jesaja hat es schon angekündigt: ›Ich
bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Räumt die Hindernisse aus dem Weg, denn
der Herr will kommen!‹«
Joh 1,24 Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.
Joh 1,25 Sie fragen Johannes nun: »Wenn du nicht Christus, nicht Elia und auch
nicht der von Mose angekündigte Prophet bist, mit welchem Recht taufst du dann?«
Joh 1,26 Darauf erwiderte Johannes: »Ich taufe mit Wasser. Aber mitten unter
euch lebt schon der, auf den wir warten. Ihr kennt ihn nur noch nicht.
Joh 1,27 Er kommt nach mir - und ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhe
auszuziehen.«
Joh 1,28 Dieses Gespräch führten sie in Betanien, einem Dorf östlich des Jordan,
wo Johannes taufte.
Joh 1,29 Als Johannes am nächsten Tag bemerkte, dass Jesus zu ihm kam, rief er:
»Seht, das ist Gottes Opferlamm, das die Sünde aller Menschen wegnimmt.
Joh 1,30 Dieser Mann ist es, von dem ich gesagt habe: ›Es wird einer kommen, der
weit über mir steht. Denn er war schon vor mir da!‹
Joh 1,31 Auch ich wusste vorher nicht, wer er ist. Aber damit das Volk Israel
auf ihn vorbereitet wird, taufe ich hier mit Wasser.«
Joh 1,32 Und Johannes berichtete weiter: »Ich sah den Geist Gottes wie eine
Taube vom Himmel herabkommen und bei ihm bleiben.
Joh 1,33 Wer er ist, wusste ich vorher noch nicht«, wiederholte Johannes, »aber
Gott, der mir den Auftrag gab, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: ›Du wirst
sehen, wie der Geist auf einen Menschen herabkommt und bei ihm bleibt. Dann
weißt du, dass er es ist, der mit dem Heiligen Geist tauft.‹
Joh 1,34 Und weil ich das gesehen habe, kann ich euch bezeugen: Dieser Mann ist
Gottes Sohn!«
Joh 1,35 Johannes der Täufer und zwei seiner Jünger waren am nächsten Tag wieder
an dieser Stelle,
Joh 1,36 als Jesus vorüberging. Da zeigte Johannes auf ihn und sagte: »Seht,
dies ist Gottes Opferlamm!«
Joh 1,37 Als die beiden Jünger das hörten, folgten sie Jesus.
Joh 1,38 Jesus drehte sich zu ihnen um, sah sie kommen und fragte: »Was sucht
ihr?« Sie antworteten: »Wo wohnst du, Meister?«
Joh 1,39 »Kommt mit und seht selbst, wo ich wohne!«, sagte Jesus. Es war
ungefähr vier Uhr nachmittags, als sie mit Jesus gingen; und sie blieben bei ihm
bis zum Abend.
Joh 1,40 Einer der beiden, die Jesus auf das Wort des Johannes hin gefolgt
waren, hieß Andreas. Er war der Bruder von Simon Petrus.
Joh 1,41 Wenig später traf er seinen Bruder Simon und erzählte ihm: »Wir haben
den Messias gefunden, den von Gott versprochenen Retter!«
Joh 1,42 Dann nahm Andreas seinen Bruder mit zu Jesus. Der sah ihn an und sagte:
»Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Petrus heißen!«
Joh 1,43 Als Jesus am nächsten Tag nach Galiläa gehen wollte, traf er unterwegs
Philippus. Auch ihn forderte er auf: »Folge mir!«
Joh 1,44 Philippus stammte wie Andreas und Petrus aus Betsaida.
Joh 1,45 Kurze Zeit später begegnete Philippus Nathanael und erzählte ihm:
»Endlich haben wir den gefunden, von dem Mose und die Propheten sprechen. Er
heißt Jesus und ist der Sohn von Josef aus Nazareth.«
Joh 1,46 »Nazareth?«, entgegnete Nathanael. »Was kann von da schon Gutes
kommen!« Doch Philippus antwortete ihm: »Du musst ihn selbst kennen lernen. Komm
mit!«
Joh 1,47 Als Jesus Nathanael erblickte, sagte er: »Hier kommt ein aufrichtiger
Mensch, ein wahrer Israelit!«
Joh 1,48 Nathanael staunte: »Woher kennst du mich?« Jesus erwiderte: »Noch bevor
Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.«
Joh 1,49 »Meister, du bist wirklich Gottes Sohn!«, rief Nathanael. »Du bist der
König Israels!«
Joh 1,50 Jesus sagte: »Das glaubst du, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich
unter dem Feigenbaum sah. Aber du wirst größere Dinge zu sehen bekommen.«
Joh 1,51 Und er fuhr fort: »Ich sage euch die Wahrheit: Ihr werdet den Himmel
offen und die Engel Gottes hinauf- und herabsteigen sehen zwischen Gott und dem
Menschensohn!«
Joh 2,1 Zwei Tage später wurde in dem Dorf Kana in Galiläa eine Hochzeit
gefeiert. Maria, die Mutter Jesu, war dort,
Joh 2,2 und auch Jesus hatte man mit seinen Jüngern eingeladen.
Joh 2,3 Während des Festes ging der Wein aus. Maria sagte zu ihrem Sohn: »Es ist
kein Wein mehr da!«
Joh 2,4 Doch Jesus antwortete ihr: »Schreib mir nicht vor, was ich zu tun habe!
Meine Zeit ist noch nicht gekommen!«
Joh 2,5 Da sagte seine Mutter zu den Dienern: »Was immer er euch befiehlt, das
tut!«
Joh 2,6 Nun gab es im Haus sechs steinerne Wasserkrüge. Man benutzte sie für die
Waschungen, die das jüdische Gesetz verlangt. Jeder von ihnen fasste achtzig bis
hundertzwanzig Liter.
Joh 2,7 Jesus forderte die Diener auf: »Füllt diese Krüge mit Wasser!« Sie
füllten die Gefäße bis zum Rand.
Joh 2,8 Dann ordnete er an: »Nun bringt dem Mann, der für das Festmahl
verantwortlich ist, eine Kostprobe davon!«
Joh 2,9 Dieser probierte den Wein, der vorher Wasser gewesen war. Er wusste
allerdings nicht, woher der Wein kam. Nur die Diener wussten Bescheid. Da rief
er den Bräutigam zu sich
Joh 2,10 und warf ihm vor: »Jeder bietet doch zuerst den besten Wein an! Und
erst später, wenn alle Gäste schon betrunken sind, kommt der billigere Wein auf
den Tisch. Aber du hast den besten Wein bis jetzt zurückgehalten!«
Joh 2,11 Dieses Wunder geschah in Kana. Dort in Galiläa zeigte Jesus zum ersten
Mal seine göttliche Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.
Joh 2,12 Danach ging er für einige Tage mit seiner Mutter, seinen Brüdern und
seinen Jüngern nach Kapernaum.
Joh 2,13 Kurz vor dem jüdischen Passahfest reiste Jesus nach Jerusalem.
Joh 2,14 Dort sah er im Tempel viele Händler, die Ochsen, Schafe und Tauben als
Opfertiere verkauften. Auch Geldwechsler saßen hinter ihren Tischen.
Joh 2,15 Jesus knüpfte aus Stricken eine Peitsche und jagte die Händler mit all
ihren Schafen und Ochsen aus dem Tempel. Er schleuderte das Geld der Wechsler
auf den Boden und warf ihre Tische um.
Joh 2,16 Den Taubenhändlern befahl er: »Schafft das alles hinaus! Das Haus
meines Vaters ist doch keine Markthalle!«
Joh 2,17 Seine Jünger aber mussten an das Wort in der Heiligen Schrift denken:
»Der Eifer für deinen Tempel wird mich vernichten!«
Joh 2,18 Die führenden Männer der Juden stellten Jesus daraufhin zur Rede:
»Woher nimmst du dir das Recht, die Leute hinauszuwerfen? Wenn du dabei im
Auftrag Gottes handelst, dann musst du uns einen eindeutigen Beweis dafür
geben!«
Joh 2,19 Jesus antwortete ihnen: »Zerstört diesen Tempel! In drei Tagen werde
ich ihn wieder aufbauen.«
Joh 2,20 »Was?«, riefen sie. »Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel
gebaut, und du willst das in drei Tagen schaffen?«
Joh 2,21 Mit dem Tempel aber meinte Jesus seinen Leib.
Joh 2,22 Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger an
diese Worte. Sie vertrauten der Heiligen Schrift und glaubten, was Jesus ihnen
gesagt hatte.
Joh 2,23 Während des Passahfestes in Jerusalem erlebten viele Menschen die
Wunder, die Jesus vollbrachte, und glaubten deshalb an ihn.
Joh 2,24 Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, weil er sie genau kannte.
Joh 2,25 Ihm brauchte niemand etwas über die Menschen zu sagen, denn er wusste,
was in jedem Menschen vor sich geht.
Joh 3,1 Einer von den Männern des Hohen Rates war der Pharisäer Nikodemus.
Joh 3,2 Mitten in der Nacht kam er heimlich zu Jesus: »Meister«, sagte er, »wir
wissen, dass Gott dich als Lehrer zu uns gesandt hat. Denn niemand kann die
Wunder tun, die du vollbringst, wenn Gott ihn nicht dazu befähigt.«
Joh 3,3 Darauf erwiderte Jesus: »Ich will dir etwas sagen, Nikodemus: Wer nicht
neu geboren wird, kann nicht in Gottes neue Welt kommen.«
Joh 3,4 Verständnislos fragte der Pharisäer: »Wie kann ein Erwachsener neu
geboren werden? Er kann doch nicht wieder in den Mutterleib zurück und noch
einmal auf die Welt kommen!«
Joh 3,5 »Ich sage dir die Wahrheit!«, entgegnete Jesus. »Nur wer durch Wasser
und durch Gottes Geist neu geboren wird, kann in Gottes neue Welt kommen!
Joh 3,6 Ein Mensch kann immer nur menschliches Leben zur Welt bringen. Wer aber
durch Gottes Geist geboren wird, bekommt neues Leben.
Joh 3,7 Wundere dich deshalb nicht, wenn ich dir gesagt habe: Ihr müsst neu
geboren werden.
Joh 3,8 Es ist damit wie beim Wind: Er weht, wie er will. Du hörst ihn, aber du
kannst nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht. So ist es auch mit der
Geburt aus Gottes Geist.«
Joh 3,9 Nikodemus ließ nicht locker: »Aber wie soll das nur vor sich gehen?«
Joh 3,10 Jesus erwiderte: »Du bist doch ein anerkannter Gelehrter in Israel und
müsstest das eigentlich verstehen!
Joh 3,11 Glaube mir: Wir reden nur von dem, was wir genau kennen. Und was wir
bezeugen, das haben wir auch gesehen. Trotzdem nehmt ihr unser Wort nicht an.
Joh 3,12 Ihr glaubt mir ja nicht einmal, wenn ich von ganz alltäglichen Dingen
rede! Wie also werdet ihr mir dann glauben, wenn ich euch erkläre, was im Himmel
geschieht?
Joh 3,13 Es gibt nur einen, der zum Himmel hinaufsteigt: der Menschensohn, der
vom Himmel herabgekommen ist.
Joh 3,14 Du weißt doch, wie Mose in der Wüste eine Schlange aus Bronze an einem
Pfahl aufrichtete, damit jeder, der sie ansah, am Leben blieb. Genauso muss auch
der Menschensohn erhöht werden.
Joh 3,15 Jeder, der ihm vertraut, wird das ewige Leben haben.
Joh 3,16 Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen
Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen,
sondern das ewige Leben haben.
Joh 3,17 Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie
Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.
Joh 3,18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an
den einzigen Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil
schon gesprochen.
Joh 3,19 Und so vollzieht sich das Urteil: Das Licht ist in die Welt gekommen,
aber die Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht. Denn alles, was sie
tun, ist böse.
Joh 3,20 Wer Böses tut, scheut das Licht und bleibt lieber im Dunkeln, damit
niemand seine Taten sehen kann.
Joh 3,21 Wer aber die Wahrheit Gottes liebt und das tut, was er will, der tritt
ins Licht! An ihm zeigt sich: Gott selber bestimmt sein Handeln.«
Joh 3,22 Danach kam Jesus mit seinen Jüngern in die Provinz Judäa. Dort blieb er
einige Zeit, um zu taufen.
Joh 3,23 Auch Johannes taufte bei Änon, in der Nähe von Salim, weil es dort
genügend Wasser gab. Immer wieder kamen Menschen zu Johannes, um sich von ihm
taufen zu lassen.
Joh 3,24 Denn damals war er noch nicht im Gefängnis.
Joh 3,25 Eines Tages kam es zwischen einigen Jüngern des Johannes und einem
Juden zum Streit darüber, welche Taufe wichtiger sei.
Joh 3,26 Gemeinsam gingen sie schließlich zu Johannes und berichteten ihm:
»Meister, der Mann, der damals am anderen Jordanufer zu dir kam und von dem du
gesagt hast, dass er der von Gott versprochene Retter ist, der tauft jetzt
selber. Alle Leute gehen zu ihm, anstatt zu uns zu kommen.«
Joh 3,27 Doch Johannes erwiderte: »Kein Mensch kann auch nur das Geringste tun,
wenn es ihm nicht von Gott gegeben wird.
Joh 3,28 Ihr selbst könnt doch bezeugen, dass ich immer wieder gesagt habe: ›Ich
bin nicht Christus, der von Gott gesandte Retter. Ich soll ihn nur ankündigen,
mehr nicht.‹
Joh 3,29 Die Braut gehört schließlich zum Bräutigam! Der Freund des Bräutigams
freut sich mit ihm, auch wenn er nur daneben steht. So geht es mir jetzt. Meine
Freude ist grenzenlos.
Joh 3,30 Christus soll immer wichtiger werden, und ich will immer mehr in den
Hintergrund treten.
Joh 3,31 Er ist vom Himmel gekommen und steht deshalb über allen. Wir aber
gehören zur Erde und können nur von irdischen Dingen reden. Christus kommt vom
Himmel
Joh 3,32 und kann bezeugen, was er dort gesehen und gehört hat. Trotzdem glaubt
ihm keiner!
Joh 3,33 Wer aber auf seine Botschaft hört, der bestätigt damit: Gott ist
zuverlässig und wahrhaftig.
Joh 3,34 Christus ist von Gott zu uns gesandt. Er redet Gottes Worte, weil
Gottes Geist ihn ganz und gar erfüllt.
Joh 3,35 Der Vater liebt den Sohn und hat ihm alle Macht gegeben.
Joh 3,36 Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber nicht
auf ihn hört, wird nie zum Leben gelangen, sondern Gottes Zorn wird für immer
auf ihm lasten.«
Joh 4,1 [1/2] Den Pharisäern war zu Ohren gekommen, dass Jesus noch mehr
Nachfolger gewann und taufte als Johannes - obwohl er nicht einmal selber
taufte, sondern nur seine Jünger. Als Jesus, der Herr, das erfuhr,
Joh 4,3 verließ er Judäa und kehrte nach Galiläa zurück.
Joh 4,4 Sein Weg führte ihn auch durch Samarien,
Joh 4,5 unter anderem nach Sychar. Dieser Ort liegt in der Nähe des Feldes, das
Jakob seinem Sohn Josef geschenkt hatte.
Joh 4,6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Müde von der langen Wanderung setzte
sich Jesus an den Brunnen. Es war gerade Mittagszeit.
Joh 4,7 Da kam eine Samariterin aus der nahe gelegenen Stadt zum Brunnen, um
Wasser zu holen. Jesus bat sie: »Gib mir etwas zu trinken!«
Joh 4,8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um etwas zu essen
einzukaufen.
Joh 4,9 Die Frau war überrascht, denn normalerweise wollten die Juden nichts mit
den Samaritern zu tun haben. Sie sagte: »Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du
mich um Wasser? Schließlich bin ich eine samaritische Frau!«
Joh 4,10 Jesus antwortete ihr: »Wenn du wüsstest, was Gott dir geben will und
wer dich hier um Wasser bittet, würdest du mich um das Wasser bitten, das du
wirklich zum Leben brauchst. Und ich würde es dir geben.«
Joh 4,11 »Aber Herr«, meinte da die Frau, »du hast doch gar nichts, womit du
Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief! Wo willst du denn das Wasser
für mich hernehmen?
Joh 4,12 Kannst du etwa mehr als Jakob, unser Stammvater, der diesen Brunnen
gegraben hat? Er selbst, seine Kinder und sein Vieh haben schon daraus
getrunken.«
Joh 4,13 Jesus erwiderte: »Wer dieses Wasser trinkt, wird bald wieder durstig
sein.
Joh 4,14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder
Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer Quelle, die bis ins ewige
Leben hinein fließt.«
Joh 4,15 »Dann gib mir dieses Wasser, Herr«, bat die Frau, »damit ich nie mehr
durstig bin und nicht immer wieder herkommen und Wasser holen muss!«
Joh 4,16 Jesus entgegnete: »Geh und ruf deinen Mann. Dann kommt beide hierher!«
Joh 4,17 »Ich bin nicht verheiratet«, wandte die Frau ein. »Das stimmt«,
erwiderte Jesus, »verheiratet bist du nicht.
Joh 4,18 Fünf Männer hast du gehabt, und der, mit dem du jetzt zusammenlebst,
ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.«
Joh 4,19 Erstaunt sagte die Frau: »Ich sehe, Herr, du bist ein Prophet!
Joh 4,20 Kannst du mir dann eine Frage beantworten? Unsere Vorfahren haben Gott
auf diesem Berg dort angebetet. Warum also behauptet ihr Juden, man könne Gott
nur in Jerusalem anbeten?«
Joh 4,21 Jesus antwortete: »Glaub mir, die Zeit wird kommen, in der ihr Gott,
den Vater, weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet.
Joh 4,22 Ihr wisst ja nicht einmal, wen ihr anbetet. Wir aber wissen, zu wem wir
beten. Denn das Heil der Welt kommt von den Juden.
Joh 4,23 Doch es kommt die Zeit - ja, sie ist schon da -, in der die Menschen
den Vater überall anbeten werden, weil sie von seinem Geist und seiner Wahrheit
erfüllt sind. Von diesen Menschen will der Vater angebetet werden.
Joh 4,24 Denn Gott ist Geist. Und wer Gott anbeten will, muss von seinem Geist
erfüllt sein und in seiner Wahrheit leben.«
Joh 4,25 Die Frau entgegnete: »Ja, ich weiß, dass einmal der Messias kommen
soll, der auch Christus genannt wird. Er wird uns schon alles erklären.«
Joh 4,26 Da sagte Jesus: »Du sprichst mit ihm. Ich bin der Messias.«
Joh 4,27 Als seine Jünger aus der Stadt zurückkamen, wunderten sie sich, dass er
mit einer Frau redete. Aber keiner fragte ihn: »Was willst du von ihr? Warum
sprichst du mit ihr?«
Joh 4,28 Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, lief in die Stadt und rief
allen Leuten zu:
Joh 4,29 »Kommt mit! Ich habe einen Mann getroffen, der alles von mir weiß!
Vielleicht ist er der Messias!«
Joh 4,30 Neugierig liefen die Leute aus der Stadt zu Jesus.
Joh 4,31 Inzwischen hatten ihm seine Jünger zugeredet: »Meister, iss doch
etwas!«
Joh 4,32 Aber er sagte zu ihnen: »Ich habe eine Speise, von der ihr nichts
wisst.«
Joh 4,33 »Hat ihm wohl jemand etwas zu essen gebracht?«, fragten sich die Jünger
untereinander.
Joh 4,34 Aber Jesus erklärte ihnen: »Ich lebe davon, dass ich Gottes Willen
erfülle und sein Werk zu Ende führe. Dazu hat er mich in diese Welt gesandt.
Joh 4,35 Habt ihr nicht selbst gesagt: ›In vier Monaten beginnt die Ernte‹ ?
Macht doch eure Augen auf und seht euch um! Das Getreide ist schon reif für die
Ernte.
Joh 4,36 Wer sie einbringt, bekommt schon jetzt seinen Lohn und sammelt Frucht
für das ewige Leben. Beide sollen sich über die Ernte freuen: wer gesät hat und
wer die Ernte einbringt.
Joh 4,37 Hier trifft das Sprichwort zu: ›Einer sät, der andere erntet.‹
Joh 4,38 Ich habe euch auf ein Feld geschickt, das ihr nicht bestellt habt,
damit ihr dort ernten sollt. Andere haben sich vor euch abgemüht, und ihr erntet
die Früchte ihrer Arbeit.«
Joh 4,39 Viele Leute aus Sychar glaubten allein deshalb an Jesus, weil die Frau
überall erzählt hatte: »Dieser Mann weiß alles, was ich getan habe.«
Joh 4,40 Als sie nun zu Jesus kamen, baten sie ihn, länger bei ihnen zu bleiben,
und er blieb noch zwei Tage.
Joh 4,41 So konnten ihn alle hören, und schließlich glaubten noch viel mehr
Menschen an ihn.
Joh 4,42 Sie sagten zu der Frau: »Jetzt glauben wir nicht nur deshalb an Jesus,
weil du uns von ihm erzählt hast. Wir haben ihn jetzt selbst gehört und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt!«
Joh 4,43 Zwei Tage später zog Jesus weiter nach Galiläa,
Joh 4,44 obwohl er selbst einmal gesagt hatte, dass ein Prophet in seiner Heimat
nichts gilt.
Joh 4,45 Diesmal aber nahmen ihn die Galiläer freundlich auf. Sie waren während
des Passahfestes in Jerusalem gewesen und hatten dort alles miterlebt, was er
getan hatte.
Joh 4,46 Auf seinem Weg durch Galiläa kam Jesus auch wieder nach Kana, wo er
Wasser in Wein verwandelt hatte. In Kapernaum lebte ein königlicher Beamter,
dessen Sohn sehr krank war.
Joh 4,47 Als dieser Mann hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa zurückgekehrt
war, ging er zu ihm und bat: »Komm schnell in mein Haus, und heile meinen
todkranken Sohn!«
Joh 4,48 »Wenn ihr nicht immer neue Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht«,
hielt Jesus ihm entgegen.
Joh 4,49 Aber der Beamte flehte ihn an: »Herr, komm doch schnell, sonst stirbt
mein Kind!«
Joh 4,50 »Geh nach Hause«, sagte Jesus, »dein Sohn ist gesund!« Der Mann glaubte
ihm und ging nach Hause.
Joh 4,51 Noch während er unterwegs war, kamen ihm einige seiner Diener entgegen.
»Dein Kind ist gesund!«, riefen sie.
Joh 4,52 Der Vater erkundigte sich: »Seit wann geht es ihm besser?« Sie
antworteten: »Gestern Mittag gegen ein Uhr hatte er plötzlich kein Fieber mehr.«
Joh 4,53 Da erinnerte sich der Vater, dass Jesus genau in dieser Stunde gesagt
hatte: »Dein Sohn ist gesund!« Seitdem glaubte dieser Mann mit allen, die in
seinem Haus lebten, an Jesus.
Joh 4,54 Dies war das zweite Wunder in Galiläa, das Jesus wirkte, nachdem er aus
Judäa zurückgekehrt war.
Joh 5,1 Bald darauf feierten die Juden ein Fest in Jerusalem, und auch Jesus
ging hin.
Joh 5,2 In der Stadt befindet sich nicht weit vom Schaftor entfernt der Teich
Betesda, wie er auf Hebräisch genannt wird. Er ist von fünf Säulenhallen
umgeben.
Joh 5,3 Viele Kranke, Blinde, Gelähmte und Gebrechliche lagen in diesen Hallen
und warteten darauf, dass sich Wellen auf dem Wasser zeigten.
Joh 5,4 Von Zeit zu Zeit bewegte nämlich ein Engel Gottes das Wasser. Wer dann
als Erster in den Teich kam, der wurde gesund; ganz gleich, welches Leiden er
hatte.
Joh 5,5 Einer von den Menschen, die dort lagen, war schon seit achtunddreißig
Jahren krank.
Joh 5,6 Als Jesus ihn sah und erfuhr, dass er schon so lange an seiner Krankheit
litt, fragte er ihn: »Willst du gesund werden?«
Joh 5,7 »Ach Herr«, entgegnete der Kranke, »ich habe niemanden, der mir in den
Teich hilft, wenn sich das Wasser bewegt. Versuche ich es aber allein, komme ich
immer zu spät.«
Joh 5,8 Da forderte ihn Jesus auf: »Steh auf, roll deine Matte zusammen und
geh!«
Joh 5,9 Im selben Augenblick war der Mann geheilt. Er nahm seine Matte und ging
seines Weges. Das geschah an einem Sabbat.
Joh 5,10 Einige der Juden, die den Geheilten sahen, hielten ihm vor: »Heute ist
doch Sabbat! Da darf man keine Matte tragen!«
Joh 5,11 »Aber der Mann, der mich heilte, hat es mir ausdrücklich befohlen«,
antwortete er ihnen.
Joh 5,12 »Wer hat dir so etwas befohlen?«, fragten sie nun.
Joh 5,13 Doch das wusste der Mann nicht, denn Jesus hatte den Teich wegen der
großen Menschenmenge bereits wieder verlassen.
Joh 5,14 Später traf Jesus den Geheilten im Tempel und sagte zu ihm: »Du bist
gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit du nicht etwas Schlimmeres als deine
Krankheit erlebst!«
Joh 5,15 Da ging der Mann zu den Juden und berichtete: »Es war Jesus, der mich
geheilt hat!«
Joh 5,16 Von da an lauerten die Juden Jesus auf, weil er sogar am Sabbat Kranke
heilte.
Joh 5,17 Aber Jesus sagte ihnen: »Zu jeder Zeit tut mein Vater Gutes, und ich
folge nur seinem Beispiel.«
Joh 5,18 Nach dieser Antwort waren die Juden erst recht entschlossen, ihn
umzubringen. Denn Jesus hatte nicht nur ihre Sabbatvorschriften missachtet,
sondern sogar Gott seinen Vater genannt und sich dadurch Gott gleichgestellt.
Joh 5,19 Zu dieser Anschuldigung der Juden sagte Jesus: »Ich sage euch die
Wahrheit: Von sich aus kann der Sohn gar nichts tun, sondern er tut nur das, was
er auch den Vater tun sieht. Was aber der Vater tut, das tut auch der Sohn!
Joh 5,20 Denn weil der Vater den Sohn liebt, zeigt er ihm alles, was er selbst
tut. Und er wird ihn noch viel größere Wunder tun lassen, so dass ihr staunen
werdet.
Joh 5,21 So wie der Vater Tote auferweckt und ihnen neues Leben gibt, so hat
auch der Sohn die Macht dazu, neues Leben zu geben, wem er will.
Joh 5,22 Denn nicht der Vater spricht das Urteil über die Menschen, er hat das
Richteramt vielmehr dem Sohn übertragen,
Joh 5,23 damit alle den Sohn ehren, genauso wie den Vater. Wer aber den Sohn
nicht als Herrn anerkennen will, der verachtet auch die Herrschaft des Vaters,
der ja den Sohn gesandt hat.
Joh 5,24 Ich sage euch die Wahrheit: Wer meine Botschaft hört und an den glaubt,
der mich gesandt hat, der wird ewig leben. Ihn wird das Urteil Gottes nicht
treffen, denn er hat die Grenze vom Tod zum Leben schon überschritten.
Joh 5,25 Ich versichere euch: Die Zeit wird kommen, ja, sie hat schon begonnen,
in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und wer diesen Ruf
hört, der wird leben.
Joh 5,26 Denn in Gott ist das Leben, und nach Gottes Willen hat auch der Sohn
dieses Leben in sich.
Joh 5,27 Er hat ihm die Macht gegeben, die ganze Menschheit zu richten, weil er
der Menschensohn ist.
Joh 5,28 Wundert euch nicht darüber! Der Tag wird kommen, an dem die Toten in
ihren Gräbern die Stimme des Sohnes hören werden.
Joh 5,29 Dann werden alle Menschen auferstehen: Die Gutes getan haben, werden
ewig leben, die aber Böses getan haben, werden verurteilt.
Joh 5,30 Dabei kann ich nicht eigenmächtig handeln, sondern ich entscheide so,
wie Gott es mir sagt. Deswegen ist mein Urteil auch gerecht. Denn ich
verwirkliche nicht meinen eigenen Willen, sondern erfülle den Willen Gottes, der
mich gesandt hat.«
Joh 5,31 »Wenn ich mein eigener Zeuge wäre, würde das nicht gelten.
Joh 5,32 Aber ich habe einen Zeugen. Und ich weiß, dass alles wahr ist, was er
über mich sagt.
Joh 5,33 Ihr seid zwar zu Johannes dem Täufer gegangen, um die Wahrheit über
mich zu hören, und er hat sie euch gesagt.
Joh 5,34 Doch ich brauche keine Zeugenaussage von Menschen. Nur um euretwillen
nenne ich Johannes als Zeugen, damit ihr errettet werdet.
Joh 5,35 Johannes war ein strahlendes Licht, ihr aber habt euch damit zufrieden
gegeben, euch eine Zeit lang daran zu freuen.
Joh 5,36 Doch ich habe noch wichtigere Zeugen als Johannes: die Taten nämlich,
die ich im Auftrag meines Vaters vollbringe. Sie beweisen, dass der Vater mich
gesandt hat.
Joh 5,37 Gott selbst, der mich gesandt hat, ist also mein Zeuge. Aber ihr habt
noch niemals seine Stimme gehört, habt ihn nie gesehen.
Joh 5,38 Ihr lebt nicht nach dem, was er gesagt hat; sonst würdet ihr den nicht
ablehnen, den Gott zu euch gesandt hat.
Joh 5,39 Ihr lest die Heilige Schrift gründlich, um ewiges Leben zu finden. Und
tatsächlich weist sie auf mich hin.
Joh 5,40 Dennoch wollt ihr nicht zu mir kommen, um ewiges Leben zu haben.
Joh 5,41 Ich suche nicht die Anerkennung von Menschen!
Joh 5,42 Ich kenne euch und weiß genau, dass ihr Gottes Liebe nicht in euch
habt.
Joh 5,43 Mein Vater hat mich zu euch geschickt, doch ihr lehnt mich ab. Wenn
aber jemand in eigenem Auftrag zu euch kommt, den werdet ihr aufnehmen.
Joh 5,44 Kein Wunder, dass ihr nicht glauben könnt! Denn ihr seid doch nur
darauf aus, voreinander etwas zu gelten. Aber euch ist völlig gleichgültig, ob
ihr vor dem einzigen Gott bestehen könnt.
Joh 5,45 Es ist gar nicht nötig, dass ich euch vor dem Vater anklage: Mose wird
euer Ankläger sein - genau der, auf den ihr eure ganze Hoffnung setzt!
Joh 5,46 Denn in Wirklichkeit glaubt ihr Mose gar nicht; sonst würdet ihr auch
mir glauben. Schließlich hat doch Mose von mir geschrieben.
Joh 5,47 Wenn ihr aber nicht einmal glaubt, was er geschrieben hat, wie könnt
ihr dann glauben, was ich euch sage?«
Joh 6,1 Danach kam Jesus an das andere Ufer des Galiläischen Meeres, das man
auch See von Tiberias nennt.
Joh 6,2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie gesehen hatten, wie er
Kranke heilte.
Joh 6,3 Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf eine Anhöhe, und dort setzten
sie sich.
Joh 6,4 Das jüdische Passahfest stand kurz bevor.
Joh 6,5 Als Jesus die vielen Menschen kommen sah, fragte er Philippus: »Wo
können wir für alle diese Leute Brot kaufen?«
Joh 6,6 Er fragte dies, um zu sehen, ob Philippus ihm vertraute; denn er wusste,
wie er die Menschen versorgen würde.
Joh 6,7 Philippus überlegte: »Wir müssten 200 Silberstücke ausgeben, wenn wir
für jeden auch nur ein kleines Stückchen Brot kaufen wollten.«
Joh 6,8 Da brachte Andreas, der Bruder von Simon Petrus, ein Kind zu ihnen:
Joh 6,9 »Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische
mitgebracht. Aber was ist das schon für so viele Menschen!«
Joh 6,10 Jetzt forderte Jesus die Jünger auf: »Sagt den Leuten, dass sie sich
hinsetzen sollen!« Etwa fünftausend Männer lagerten sich auf dem Boden, der dort
von dichtem Gras bewachsen war.
Joh 6,11 Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie
an die Menschen austeilen, ebenso die beiden Fische. Jeder bekam so viel, wie er
wollte.
Joh 6,12 Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Sammelt die Reste
ein, damit nichts verdirbt!«
Joh 6,13 Und die Jünger füllten noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von
den fünf Gerstenbroten übrig geblieben.
Joh 6,14 Als die Leute begriffen, was Jesus getan hatte, riefen sie begeistert:
»Das ist wirklich der Prophet, auf den wir so lange gewartet haben!«
Joh 6,15 Jesus merkte, dass sie ihn jetzt unbedingt festhalten und zu ihrem
König ausrufen wollten. Deshalb zog er sich in die Berge zurück, er ganz allein.
Joh 6,16 Am Abend gingen seine Jünger hinunter an den See.
Joh 6,17 Sie stiegen in ein Boot, um nach Kapernaum überzusetzen. Die Nacht
brach herein, und Jesus war nicht bei ihnen.
Joh 6,18 Ein heftiger Sturm kam auf und schlug hohe Wellen.
Joh 6,19 Die Jünger waren schon vier bis fünf Kilometer vom Ufer entfernt, als
sie plötzlich Jesus sahen. Er ging über das Wasser auf ihr Boot zu. Da packte
sie die Angst.
Joh 6,20 Doch Jesus rief ihnen zu: »Fürchtet euch nicht! Ich bin es!«
Joh 6,21 Sie wollten ihn noch in ihr Boot nehmen; aber da hatten sie schon die
Anlegestelle am Ufer erreicht.
Joh 6,22 Am nächsten Morgen erinnerten sich die Menschen, die auf der anderen
Seite des Sees geblieben waren, dass nur ein Boot am Ufer gelegen hatte. Sie
hatten gesehen, dass die Jünger mit diesem Boot weggefahren waren, Jesus aber
nicht bei ihnen gewesen war.
Joh 6,23 Inzwischen legten mehrere Schiffe aus Tiberias nahe bei der Stelle an,
wo die Menschenmenge nach dem Dankgebet des Herrn das Brot gegessen hatte.
Joh 6,24 Weil nun Jesus und seine Jünger nirgends zu finden waren, stiegen alle
in diese Schiffe und fuhren hinüber nach Kapernaum, um ihn dort zu suchen.
Joh 6,25 Als sie Jesus auf der anderen Seite des Sees gefunden hatten, fragten
sie ihn: »Meister, wann bist du denn hierher gekommen?«
Joh 6,26 Jesus antwortete ihnen: »Ich weiß, weshalb ihr zu mir kommt: doch nur,
weil ihr von mir Brot bekommen habt und satt geworden seid; nicht weil ihr
verstanden hättet, was dieses Wunder bedeutet!
Joh 6,27 Bemüht euch doch nicht nur um das vergängliche Brot, das ihr zum
täglichen Leben braucht! Setzt alles dafür ein, die Nahrung zu bekommen, die bis
ins ewige Leben reicht. Diese wird der Menschensohn euch geben. Denn Gott, der
Vater, hat ihn dazu bestimmt und ihm die Macht gegeben.«
Joh 6,28 Da fragten sie ihn: »Was sollen wir tun, um Gottes Willen zu erfüllen?«
Joh 6,29 Er erwiderte: »Nur eins erwartet Gott von euch: Ihr sollt an den
glauben, den er gesandt hat.«
Joh 6,30 »Wenn wir an dich glauben sollen«, wandten sie ein, »musst du uns schon
beweisen, dass du im Auftrag Gottes handelst! Kannst du nicht ein Wunder tun?
Vielleicht so eines wie damals,
Joh 6,31 als unsere Vorfahren in der Wüste jeden Tag Brot aßen? Es heißt doch in
der Heiligen Schrift: ›Er gab ihnen Brot vom Himmel.‹«
Joh 6,32 Jesus entgegnete: »Ich versichere euch: Nicht Mose gab euch das Brot
vom Himmel! Das wahre Brot vom Himmel gibt euch jetzt mein Vater.
Joh 6,33 Und nur dieses Brot, das vom Himmel kommt, schenkt der Welt das Leben.«
Joh 6,34 »Herr, gib uns jeden Tag dieses Brot!«, baten ihn alle.
Joh 6,35 »Ich bin das Brot des Lebens«, sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt,
wird niemals wieder Hunger leiden, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst
haben.
Joh 6,36 Doch ich habe euch ja schon einmal gesagt: Ihr glaubt nicht an mich,
obwohl ihr mich mit euren eigenen Augen seht.
Joh 6,37 Alle Menschen, die mir der Vater gibt, werden zu mir kommen, und keinen
von ihnen werde ich zurückstoßen.
Joh 6,38 Denn ich bin nicht vom Himmel gekommen, um zu tun, was ich will,
sondern um den Willen des Vaters zu erfüllen, der mich gesandt hat.
Joh 6,39 Und das ist Gottes Wille: Kein Einziger von denen, die er mir
anvertraut hat, soll verloren gehen. Ich werde sie alle am letzten Tag zum Leben
erwecken.
Joh 6,40 Denn nach dem Willen meines Vaters wird jeder, der den Sohn sieht und
an ihn glaubt, für immer leben. Ich werde ihn am letzten Tag vom Tod
auferwecken.«
Joh 6,41 Weil Jesus behauptet hatte: »Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen
ist«, riefen die Juden empört:
Joh 6,42 »Was? Das ist doch Jesus, Josefs Sohn. Wir kennen schließlich seine
Eltern. Wie kann er behaupten: ›Ich bin vom Himmel gekommen‹ ?«
Joh 6,43 Jesus antwortete auf ihre Vorwürfe: »Warum empört ihr euch so?
Joh 6,44 Keiner kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat,
ihn zu mir bringt. Und alle diese Menschen, die er mir gibt, will ich am letzten
Tag zum Leben erwecken.
Joh 6,45 Bei den Propheten heißt es: ›Alle werden von Gott lernen!‹ Wer also auf
den Vater hört und von ihm lernt, der kommt zu mir.
Joh 6,46 Das bedeutet aber nicht, dass jemals ein Mensch den Vater gesehen hat.
Nur einer hat ihn wirklich gesehen: der eine, der von Gott gekommen ist.
Joh 6,47 Ich sage euch die Wahrheit: Wer an mich glaubt, der hat jetzt schon das
ewige Leben!
Joh 6,48 Ich selbst bin das Brot, das euch dieses Leben gibt!
Joh 6,49 Eure Vorfahren haben in der Wüste das Manna, das Brot vom Himmel,
gegessen und sind doch alle gestorben.
Joh 6,50 Aber hier ist das wahre Brot, das vom Himmel kommt. Wer davon isst,
wird nicht sterben.
Joh 6,51 Ich bin dieses Brot, das von Gott gekommen ist und euch das Leben gibt.
Jeder, der dieses Brot isst, wird ewig leben. Dieses Brot ist mein Leib, den ich
hingeben werde, damit die Welt leben kann.«
Joh 6,52 Nach diesen Worten Jesu kam es unter den Juden zu einer heftigen
Auseinandersetzung. »Will dieser Mensch uns etwa seinen Leib zu essen geben?«,
fragten sie.
Joh 6,53 Darauf erwiderte Jesus: »Das eine steht unumstößlich fest: Wenn ihr den
Leib des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr kein
Leben in euch.
Joh 6,54 Nur wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben,
und ihn werde ich am letzten Tag auferwecken.
Joh 6,55 Denn mein Leib ist die lebensnotwendige Nahrung und mein Blut der Leben
spendende Trank.
Joh 6,56 Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich
bleibe in ihm.
Joh 6,57 Ich lebe durch die Kraft des lebendigen Gottes, der mich gesandt hat.
Ebenso wird jeder, der meinen Leib isst, durch mich leben.
Joh 6,58 Nun wisst ihr, was ich mit dem Brot meine, das vom Himmel zu euch
gekommen ist! Eure Vorfahren haben zwar auch in der Wüste Brot vom Himmel
gegessen, aber sie sind trotzdem gestorben. Doch wer dieses Brot isst, wird für
immer leben.«
Joh 6,59 Dies alles sagte Jesus in der Synagoge von Kapernaum.
Joh 6,60 Viele von denen, die ihm bisher gefolgt waren, hörten es und sagten:
»Das ist eine Zumutung! Wer will sich so etwas anhören?«
Joh 6,61 Jesus wusste, dass selbst seine Jünger entrüstet waren, und fragte sie
deshalb: »Nehmt ihr schon daran Anstoß?
Joh 6,62 Was werdet ihr erst sagen, wenn ihr seht, wie der Menschensohn dahin
zurückkehrt, woher er gekommen ist?
Joh 6,63 Gottes Geist allein schafft Leben. Ein Mensch kann dies nicht. Die
Worte aber, die ich euch gesagt habe, sind aus Gottes Geist; deshalb bringen sie
euch das Leben.
Joh 6,64 Aber einige von euch glauben mir trotzdem nicht.« Jesus wusste nämlich
von Anfang an, wer nicht an ihn glaubte und wer ihn später verraten würde.
Joh 6,65 »Deshalb«, so erklärte er weiter, »habe ich euch gesagt: Keiner kann zu
mir kommen, wenn ihn nicht der Vater zu mir führt!«
Joh 6,66 Nach dieser Rede wandten sich viele, die ihm gefolgt waren, von Jesus
ab und gingen nicht mehr mit ihm.
Joh 6,67 Da fragte Jesus seine zwölf Jünger: »Wollt ihr auch weggehen und mich
verlassen?«
Joh 6,68 »Herr, zu wem sollten wir denn gehen?«, antwortete Simon Petrus. »Nur
deine Worte schenken ewiges Leben.
Joh 6,69 Wir glauben und haben erkannt, dass du von Gott kommst und zu Gott
gehörst.«
Joh 6,70 Da sagte Jesus: »Ich selbst habe euch zwölf ausgewählt - und doch:
Einer von euch ist ein Teufel!«
Joh 6,71 Damit meinte er Judas, den Sohn von Simon Iskariot, einen seiner zwölf
Jünger. Und Judas war es dann auch, der Jesus später verriet.
Joh 7,1 Danach zog Jesus weiter durch Galiläa. In Judäa wollte er sich nicht
aufhalten, weil die führenden Männer der Juden dort seinen Tod beschlossen
hatten.
Joh 7,2 Kurz vor dem Laubhüttenfest aber
Joh 7,3 forderten ihn seine Brüder auf, mit ihnen nach Judäa zu gehen: »Komm mit
und zeig deinen Anhängern dort, welche Wunder du tun kannst!
Joh 7,4 Kein Mensch versteckt sich, wenn er bekannt werden will. Wenn du schon
Wunder vollbringst, dann zeige sie auch vor aller Welt!«
Joh 7,5 So konnten seine Brüder nur reden, weil sie nicht an ihn glaubten.
Joh 7,6 Jesus antwortete ihnen: »Jetzt kann ich noch nicht dorthin gehen, weil
meine Zeit noch nicht gekommen ist. Ihr könnt gehen und tun, was ihr wollt.
Joh 7,7 Denn die Welt hat ja keinen Grund, euch zu hassen. Aber mich hasst sie,
weil ich ihr böses Tun beim Namen nenne.
Joh 7,8 Geht ihr nur zum Fest! Ich komme nicht mit. Denn die Zeit zum Handeln
ist für mich noch nicht da.«
Joh 7,9 Das sagte er zu seinen Brüdern und blieb in Galiläa.
Joh 7,10 Nachdem seine Brüder nach Jerusalem gereist waren, ging auch Jesus
heimlich dorthin.
Joh 7,11 Die führenden Männer des jüdischen Volkes suchten ihn während des
Festes und fragten überall: »Wo ist denn dieser Jesus?«
Joh 7,12 Auch unter den Festbesuchern wurde viel über ihn gesprochen. Einige
hielten ihn für einen guten Menschen, andere wieder behaupteten: »Er verführt
das Volk!«
Joh 7,13 Aber keiner hatte den Mut, frei und offen seine Meinung über ihn zu
sagen. Alle fürchteten sich vor den führenden Männern des jüdischen Volkes.
Joh 7,14 Als das Fest zur Hälfte vorüber war, ging Jesus in den Tempel und
lehrte dort öffentlich.
Joh 7,15 Die Juden staunten: »Wie kann jemand so viel aus der Heiligen Schrift
wissen, obwohl er keinen Lehrer gehabt hat?«
Joh 7,16 Jesus beantwortete ihre Frage: »Was ich euch sage, sind nicht meine
eigenen Gedanken. Es sind die Worte Gottes, der mich gesandt hat.
Joh 7,17 Wer von euch bereit ist, Gottes Willen zu tun, der wird erkennen, ob
diese Worte von Gott kommen oder ob es meine eigenen Gedanken sind.
Joh 7,18 Wer seine eigene Lehre verbreitet, dem geht es um das eigene Ansehen.
Wer aber Anerkennung und Ehre für den sucht, der ihn gesandt hat, der ist
vertrauenswürdig und tut nichts, was seinem Auftrag widerspricht.
Joh 7,19 Mose hat euch das Gesetz gegeben; aber keiner von euch lebt nach diesem
Gesetz! Mit welchem Recht also wollt ihr mich töten?«
Joh 7,20 Da empörte sich die Menge: »Du bist ja besessen! Wer will dich denn
umbringen?«
Joh 7,21 Jesus entgegnete: »Ihr ärgert euch darüber, dass ich hier am Sabbat
einen Menschen geheilt habe!
Joh 7,22 [22/23] Mose hat angeordnet, dass eure Kinder am achten Tag beschnitten
werden sollen. Nach dieser Vorschrift haben sich bereits eure Stammväter vor
Mose gerichtet. Auch eure Söhne werden am achten Tag beschnitten, selbst wenn es
ein Sabbat ist, damit das Gesetz des Mose nicht übertreten wird. Weshalb also
seid ihr so empört darüber, dass ich einen Menschen am Sabbat geheilt habe?
Joh 7,24 Richtet nicht nach dem äußeren Schein, sondern urteilt gerecht!«
Joh 7,25 Da meinten einige Leute von Jerusalem: »Ist das nicht der Mann, den sie
töten wollen?
Joh 7,26 Jetzt redet er hier in aller Öffentlichkeit, und keiner verbietet es
ihm. Sollten unsere führenden Männer nun etwa davon überzeugt sein, dass er der
Messias ist?
Joh 7,27 Aber er kann es doch gar nicht sein! Schließlich kennen wir seine
Herkunft. Woher aber der Messias kommt, wird niemand wissen.«
Joh 7,28 Darauf rief Jesus im Tempel, so dass es alle hören konnten: »Kennt ihr
mich wirklich, und wisst ihr, woher ich komme? Ich bin nicht im eigenen Auftrag
gekommen. Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig und zuverlässig. Ihr kennt ihn
nicht,
Joh 7,29 aber ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und er mich zu euch gesandt
hat.«
Joh 7,30 Nach diesen Worten hätten sie ihn am liebsten festgenommen; doch keiner
wagte es. Denn Gottes Zeit dafür war noch nicht da.
Joh 7,31 Viele seiner Zuhörer im Tempel aber glaubten an Jesus und sagten: »Was
erwartet ihr eigentlich noch von diesem Mann? Mehr Wunder, als er schon getan
hat, kann doch auch der Messias nicht tun.«
Joh 7,32 Als die Pharisäer hörten, was die Leute über Jesus redeten, beschlossen
sie zusammen mit den Hohenpriestern, Jesus von der Tempelwache festnehmen zu
lassen.
Joh 7,33 Währenddessen sagte Jesus zu der Volksmenge: »Ich bleibe nur noch kurze
Zeit bei euch. Danach kehre ich zu dem zurück, der mich gesandt hat.
Joh 7,34 Ihr werdet mich überall suchen, aber nicht mehr finden. Wo ich dann
sein werde, könnt ihr nicht hinkommen.«
Joh 7,35 »Wo will er denn hin?«, fragten die Juden verwirrt. »Will er etwa außer
Landes gehen und den Griechen seine Lehre bringen?
Joh 7,36 Was meint er, wenn er sagt: ›Ihr werdet mich suchen und nicht finden‹
und: ›Wo ich dann sein werde, könnt ihr nicht hinkommen‹ ?«
Joh 7,37 Am letzten Tag, dem Höhepunkt des großen Festes, trat Jesus wieder vor
die Menschenmenge und rief laut: »Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und
trinken!
Joh 7,38 Wer mir vertraut, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von ihm
wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.«
Joh 7,39 Damit meinte er den Heiligen Geist, den alle bekommen würden, die Jesus
vertrauen. Den Geist bekamen sie erst, nachdem Jesus in Gottes Herrlichkeit
zurückgekehrt war.
Joh 7,40 Nach diesen Worten waren einige davon überzeugt: »Er ist der Prophet,
den Mose uns angekündigt hat.«
Joh 7,41 Andere wieder sagten: »Nein, er ist der Christus!« Eine dritte Gruppe
schließlich meinte: »Das kann gar nicht sein! Er kommt doch aus Galiläa,
Joh 7,42 und in der Heiligen Schrift heißt es schließlich eindeutig, der
Christus soll von David abstammen und wie David aus Bethlehem kommen.«
Joh 7,43 So waren die Meinungen über Jesus sehr geteilt.
Joh 7,44 Einige hätten ihn gern festgenommen; aber keiner wagte es, gegen ihn
vorzugehen.
Joh 7,45 So kehrte die Tempelwache zu den Hohenpriestern und Pharisäern zurück,
ohne Jesus festgenommen zu haben. »Weshalb bringt ihr ihn nicht mit?«, stellten
sie die Soldaten zur Rede.
Joh 7,46 Die Soldaten entschuldigten sich: »Noch nie hat ein Mensch so geredet
wie dieser Mann!«
Joh 7,47 Da wurden die Pharisäer ärgerlich: »Habt ihr euch also auch von ihm
beschwatzen lassen?
Joh 7,48 Gibt es etwa unter uns führenden Männern auch nur einen einzigen, der
diesem Menschen glaubt?
Joh 7,49 Nur dieses verfluchte Volk läuft ihm nach, das keine Ahnung vom Gesetz
hat.«
Joh 7,50 Doch Nikodemus, der auch zu den Pharisäern gehörte und Jesus früher
einmal heimlich aufgesucht hatte, widersprach ihnen:
Joh 7,51 »Seit wann verurteilt denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn
verhört und ihm seine Schuld nachgewiesen hat?«
Joh 7,52 Da fragten ihn die Pharisäer: »Bist du etwa auch aus Galiläa? Du
brauchst nur in der Heiligen Schrift nachzulesen. Dann weißt du: Kein Prophet
kommt aus Galiläa!«
Joh 7,53 Ohne sich geeinigt zu haben, gingen sie nach Hause.
Joh 8,1 Jesus verließ die Stadt und ging zum Ölberg.
Joh 8,2 Aber schon früh am nächsten Morgen war er wieder im Tempel. Viele
Menschen drängten sich um ihn. Er setzte sich und lehrte sie.
Joh 8,3 Da schleppten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau heran, die
beim Ehebruch überrascht worden war, stießen sie in die Mitte
Joh 8,4 und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau wurde auf frischer Tat beim
Ehebruch ertappt.
Joh 8,5 Im Gesetz hat Mose uns befohlen, eine solche Frau zu steinigen. Was
meinst du dazu?«
Joh 8,6 Sie fragten dies, um Jesus auf die Probe zu stellen und ihn dann
anklagen zu können. Aber Jesus bückte sich nur und schrieb mit dem Finger auf
die Erde.
Joh 8,7 Als sie nicht locker ließen, richtete er sich auf und sagte: »Wer von
euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!«
Joh 8,8 Dann bückte er sich wieder und schrieb weiter auf die Erde.
Joh 8,9 Als die Menschen das hörten, gingen sie einer nach dem anderen davon -
die älteren zuerst. Schließlich war Jesus mit der Frau allein.
Joh 8,10 Da stand er auf und fragte sie: »Wo sind jetzt deine Ankläger? Hat dich
denn keiner verurteilt?«
Joh 8,11 »Nein, Herr«, antwortete sie. »Dann verurteile ich dich auch nicht«,
entgegnete ihr Jesus. »Geh, aber sündige nun nicht mehr!«
Joh 8,12 Ein anderes Mal sagte Jesus zu den Menschen: »Ich bin das Licht für die
Welt. Wer mir nachfolgt, irrt nicht mehr in der Dunkelheit umher, sondern folgt
dem Licht, das ihn zum Leben führt.«
Joh 8,13 Da unterbrachen ihn die Pharisäer: »Du bist doch wieder nur dein
eigener Zeuge. Das beweist noch lange nicht, dass du die Wahrheit sagst.«
Joh 8,14 Jesus erwiderte ihnen: »Auch wenn ich hier als mein eigener Zeuge
auftrete, sage ich die Wahrheit. Denn ich weiß, woher ich komme und wohin ich
gehe; aber ihr wisst das alles nicht.
Joh 8,15 Ihr urteilt über mich nach dem äußeren Schein. Ich urteile über
niemanden so.
Joh 8,16 Wenn ich aber über jemanden das Urteil spreche, dann ist mein Urteil
gerecht. Denn ich richte nicht allein, sondern der Vater, der mich gesandt hat,
spricht das Urteil.
Joh 8,17 Nach eurem Gesetz ist vor Gericht eine Aussage glaubwürdig, wenn es
dafür mindestens zwei Zeugen gibt.
Joh 8,18 Nun, ich selbst trete für mich als Zeuge auf, und mein Vater, der mich
gesandt hat, ist auch mein Zeuge.«
Joh 8,19 »Wo ist denn dein Vater?«, fragten sie daraufhin. Jesus antwortete:
»Ihr wisst ja nicht einmal, wer ich bin; deshalb kennt ihr meinen Vater erst
recht nicht. Wenn ihr mich kennen würdet, wüsstet ihr auch, wer mein Vater ist.«
Joh 8,20 Das alles sagte Jesus an der Stelle des Tempels, wo das Geldopfer
gesammelt wurde. Aber niemand nahm ihn fest, denn die Zeit dafür war noch nicht
gekommen.
Joh 8,21 Später sagte Jesus noch einmal zu ihnen: »Ich gehe fort. Ihr werdet
mich dann verzweifelt suchen, aber ihr werdet in euren Sünden umkommen. Ihr
könnt nicht dorthin gehen, wo ich sein werde.«
Joh 8,22 »Will er sich etwa das Leben nehmen?«, fragten sich die Juden. »Oder
was heißt das: ›Ihr könnt nicht dorthin gehen, wo ich sein werde‹ ?«
Joh 8,23 Dazu sagte ihnen Jesus: »Ihr seid von hier unten; ich komme von oben.
Ihr gehört zu dieser Welt; ich gehöre nicht zu dieser Welt.
Joh 8,24 Deshalb habe ich gesagt: Ihr werdet in euren Sünden umkommen. Wenn ihr
nicht glaubt, dass ich es bin, gibt es keine Rettung für euch.«
Joh 8,25 »Dann sag uns, wer du bist!«, forderten sie ihn auf. Jesus erwiderte:
»Darüber habe ich doch von Anfang an mit euch geredet.«
Joh 8,26 »Ich hätte euch viel vorzuwerfen und viel an euch zu verurteilen.
Trotzdem sage ich euch nur, was ich von dem gehört habe, der mich gesandt hat.
Er ist wahrhaftig und zuverlässig.«
Joh 8,27 Aber sie verstanden noch immer nicht, dass Jesus von Gott, seinem
Vater, sprach.
Joh 8,28 Deshalb erklärte er ihnen: »Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt,
werdet ihr erkennen, wer ich bin, und einsehen, dass ich nichts von mir aus tue,
sondern weitergebe, was mir mein Vater gesagt hat.
Joh 8,29 Er, der mich gesandt hat, ist bei mir und lässt mich nie allein, weil
ich immer das tue, was ihm gefällt.«
Joh 8,30 Nach diesen Worten glaubten viele an Jesus.
Joh 8,31 Zu den Juden, die nun an ihn glaubten, sagte Jesus: »Wenn ihr an meinen
Worten festhaltet und das tut, was ich euch gesagt habe, dann gehört ihr
wirklich zu mir.
Joh 8,32 Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien!«
Joh 8,33 »Aber wir sind Nachkommen Abrahams und niemals Sklaven gewesen«,
wandten sie ein. »Wovon sollen wir eigentlich befreit werden?«
Joh 8,34 Jesus erwiderte ihnen: »Ich sage euch die Wahrheit: Jeder, der sündigt,
ist ein Gefangener der Sünde.
Joh 8,35 Ein Sklave kann sich nicht darauf verlassen, dass er immer in dem Haus
bleibt, in dem er arbeitet. Dieses Recht hat nur der Sohn der Familie.
Joh 8,36 Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei.
Joh 8,37 Ich weiß natürlich auch, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Und
trotzdem wollt ihr mich töten, weil ihr meine Worte nicht zu Herzen nehmt.
Joh 8,38 Ich spreche von dem, was ich bei meinem Vater gesehen habe. Und ihr
tut, was ihr von eurem Vater gehört habt.«
Joh 8,39 »Unser Vater ist Abraham«, erklärten sie. »Nein«, widersprach ihnen
Jesus, »wenn er es wirklich wäre, würdet ihr auch so handeln wie er.
Joh 8,40 Weil ich euch die Wahrheit sage, die ich von Gott gehört habe, wollt
ihr mich töten. Das hätte Abraham nie getan.
Joh 8,41 Nein, ihr handelt genau wie euer wirklicher Vater.« »Wir sind doch
schließlich nicht im Ehebruch gezeugt worden«, wandten sie ein. »Wir haben nur
einen Vater: Gott selbst!«
Joh 8,42 Doch Jesus entgegnete ihnen: »Wenn es tatsächlich so wäre, dann würdet
ihr mich lieben; denn ich komme ja von Gott zu euch; in seinem Auftrag und nicht
aus eigenem Entschluss.
Joh 8,43 Aber ich will euch sagen, weshalb ihr mich nicht versteht: weil ihr
meine Worte überhaupt nicht hören könnt!
Joh 8,44 Denn ihr seid Kinder des Teufels. Und deshalb handelt ihr so, wie es
eurem Vater gefällt. Der war schon von Anfang an ein Mörder, wollte mit der
Wahrheit nichts zu tun haben und war ihr schlimmster Feind. Sein ganzes Wesen
ist Lüge, er ist der Lügner schlechthin - ja, der Vater jeder Lüge.
Joh 8,45 Mir aber glaubt ihr nicht, weil ich die Wahrheit sage.
Joh 8,46 Oder kann mir einer von euch auch nur eine einzige Sünde nachweisen?
Wenn ich euch die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir dann nicht?
Joh 8,47 Wer Gott zum Vater hat, der hört, was Gott sagt. Ihr aber habt Gott
nicht zum Vater, und deshalb hört ihr auch seine Worte nicht.«
Joh 8,48 »Also hatten wir doch Recht«, schimpften die Juden. »Du bist ein
Samariter, von bösen Geistern besessen!«
Joh 8,49 »Nein«, antwortete Jesus, »ich habe keinen bösen Geist, sondern ich
ehre meinen Vater. Aber ihr zieht meine Ehre in den Schmutz.
Joh 8,50 Trotzdem suche ich nicht meine eigene Ehre. Gott will, dass ihr mich
anerkennt. Er wird auch das Urteil über euch sprechen.
Joh 8,51 Ich sage euch die Wahrheit: Wer meine Botschaft annimmt und danach
lebt, wird niemals sterben.«
Joh 8,52 Verärgert riefen die Juden: »Jetzt hast du dich verraten: Du wirst von
einem Dämon beherrscht! Selbst Abraham und die Propheten sind gestorben. Und da
willst du behaupten: ›Wer nach meiner Botschaft lebt, wird niemals sterben.‹ ?
Joh 8,53 Bist du etwa mehr als unser Vater Abraham, der doch auch gestorben ist?
Oder willst du mehr sein als die Propheten, die schließlich alle sterben
mussten? Was bildest du dir eigentlich ein?«
Joh 8,54 Jesus entgegnete: »Würde ich mich selbst loben, könntet ihr mir zu
Recht misstrauen. Aber mich ehrt mein Vater. Ihr nennt ihn zwar euren Gott.
Joh 8,55 Doch ihr kennt ihn überhaupt nicht. Ich kenne ihn. Wenn ich sagen
würde, ich kenne ihn nicht, dann wäre ich ein Lügner wie ihr. Doch ich kenne ihn
und erfülle seinen Auftrag.
Joh 8,56 Euer Vater Abraham freute sich auf den Tag, an dem ich kommen würde. Er
hat mein Kommen gesehen und war froh darüber.«
Joh 8,57 »Was?«, fragten die Juden befremdet. »Du bist noch nicht einmal fünfzig
Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?«
Joh 8,58 Jesus entgegnete ihnen: »Ich sage euch die Wahrheit: Lange bevor
Abraham überhaupt geboren wurde, war ich da.«
Joh 8,59 Zornig griffen sie nach Steinen, um Jesus zu töten. Aber er entkam
ihnen und verließ den Tempel.
Joh 9,1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war.
Joh 9,2 »Meister«, fragten die Jünger, »wer ist schuld daran, dass dieser Mann
blind ist? Hat er selbst Schuld auf sich geladen oder seine Eltern?«
Joh 9,3 »Weder noch«, antwortete Jesus. »Vielmehr soll an ihm die Macht Gottes
sichtbar werden.
Joh 9,4 Ich muss die Aufgaben, die Gott mir gegeben hat, erfüllen, solange es
Tag ist. Bald kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.
Joh 9,5 Doch solange ich in der Welt bin, werde ich für diese Welt das Licht
sein.«
Joh 9,6 Er spuckte auf die Erde, rührte mit dem Speichel einen Brei an und
strich ihn auf die Augen des Blinden.
Joh 9,7 Dann forderte er ihn auf: »Geh jetzt zum Teich Siloah, und wasch dich
dort.« (Siloah heißt: »Der Gesandte.«) Der Blinde ging hin, wusch sich, und als
er zurückkam, konnte er sehen.
Joh 9,8 Seine Nachbarn und andere Leute, die ihn als blinden Bettler kannten,
fragten erstaunt: »Ist das nicht der Mann, der immer an der Straße saß und
bettelte?«
Joh 9,9 Einige meinten: »Er ist es.« Aber andere konnten es einfach nicht
glauben und behaupteten: »Das ist unmöglich! Er sieht ihm nur sehr ähnlich.«
»Doch, ich bin es«, bestätigte der Mann selbst.
Joh 9,10 Da fragten sie ihn: »Wie kommt es, dass du plötzlich sehen kannst?«
Joh 9,11 Er berichtete: »Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich
ihn auf meine Augen. Dann schickte er mich zum Teich Siloah. Dort sollte ich den
Brei abwaschen. Das habe ich getan, und jetzt kann ich sehen!«
Joh 9,12 »Wo ist denn dieser Jesus?«, fragten sie weiter. »Das weiß ich nicht«,
gab er ihnen zur Antwort.
Joh 9,13 Sie brachten den von seiner Blindheit geheilten Mann zu den Pharisäern.
Joh 9,14 Es war nämlich gerade Sabbat, als Jesus den Brei gemacht und den
Blinden geheilt hatte.
Joh 9,15 Die Pharisäer fragten ihn: »Wie kommt es, dass du jetzt sehen kannst?«
Der Mann erzählte: »Jesus strich einen Brei auf meine Augen. Ich habe mich dann
gewaschen, und nun kann ich sehen.«
Joh 9,16 Einige der Pharisäer meinten: »Von Gott kann dieser Mann nicht kommen,
denn er hält sich nicht an die Sabbatgebote.« Andere aber wandten ein: »Wie kann
ein sündiger Mensch solche Taten vollbringen?« So gingen ihre Meinungen
auseinander.
Joh 9,17 Dann erkundigten sich die Pharisäer noch einmal bei dem Mann, der blind
gewesen war: »Durch ihn kannst du jetzt also sehen? Was meinst denn du, wer
dieser Mann ist?« »Er ist ein von Gott gesandter Prophet«, antwortete er.
Joh 9,18 Doch die Pharisäer wollten nicht glauben, dass er überhaupt blind
gewesen war. Sie ließen deshalb seine Eltern holen
Joh 9,19 und verhörten sie: »Ist das euer Sohn? Stimmt es, dass er von Geburt an
blind war? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?«
Joh 9,20 Die Eltern antworteten: »Ja, das ist unser Sohn, und er war von Geburt
an blind. Das wissen wir genau.
Joh 9,21 Aber wie es kommt, dass er sehen kann, wissen wir nicht. Wir haben auch
keine Ahnung, wer ihn geheilt hat. Fragt ihn doch selbst! Er ist alt genug und
kann euch am besten Auskunft geben.«
Joh 9,22 Diese ausweichende Antwort gaben die Eltern, weil sie vor den führenden
Männern der Juden Angst hatten. Denn die hatten beschlossen, jeden aus der
Synagoge auszuschließen, der Jesus als den versprochenen Retter anerkannte.
Joh 9,23 Nur deshalb hatten die Eltern gesagt: »Er ist alt genug. Fragt ihn
selbst.«
Joh 9,24 Die Pharisäer verhörten den Geheilten zum zweiten Mal. Sie versuchten,
ihn einzuschüchtern: »Bekenne dich zu Gott, und sag die Wahrheit! Wir wissen,
dass dieser Jesus ein sündiger Mensch ist.«
Joh 9,25 »Ob er ein Sünder ist oder nicht, das weiß ich nicht«, antwortete der
Mann. »Ich weiß nur eins: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen!«
Joh 9,26 »Aber was hat er denn gemacht? Wie hat er dich geheilt?«, versuchten
sie erneut herauszubekommen.
Joh 9,27 Verärgert erwiderte der Mann: »Das habe ich euch doch schon gesagt,
habt ihr nicht zugehört? Warum soll ich alles noch einmal erzählen? Wollt ihr
etwa auch seine Jünger werden?«
Joh 9,28 Da wurden sie zornig und schrien ihn an: »Du bist sein Jünger! Wir sind
Moses Jünger.
Joh 9,29 Von Mose wissen wir, dass Gott zu ihm geredet hat. Aber von diesem
Menschen wissen wir noch nicht einmal, wo er herkommt.«
Joh 9,30 »Das ist ja merkwürdig!«, entgegnete der Mann. »Er hat mich von meiner
Blindheit geheilt, und ihr wisst nicht, woher er kommt?
Joh 9,31 Wir wissen doch alle, dass Gott die Gebete der Sünder nicht erhört.
Aber wer nach seinem Willen lebt, den erhört er.
Joh 9,32 Noch nie, seit die Welt besteht, hat jemand einem von Geburt an Blinden
das Augenlicht geschenkt.
Joh 9,33 Wenn dieser Mann nicht von Gott käme, könnte er das doch gar nicht
tun.«
Joh 9,34 Wütend schrien sie ihn an: »Du bist doch schon von Geburt an ein Sünder
und willst uns belehren?« Dann schlossen sie ihn aus der jüdischen Gemeinschaft
aus.
Joh 9,35 Jesus hörte, dass sie den Geheilten aus der Synagoge ausgeschlossen
hatten. Als er den Mann wieder traf, fragte er ihn: »Glaubst du an den
Menschensohn?«
Joh 9,36 »Sag mir, wer es ist, damit ich an ihn glauben kann!«, erwiderte der
Geheilte.
Joh 9,37 »Du hast ihn schon gesehen, und in diesem Augenblick spricht er mit
dir!«, gab sich Jesus zu erkennen.
Joh 9,38 »Ja, Herr«, rief jetzt der Mann, »ich glaube!« Und er warf sich vor
Jesus nieder.
Joh 9,39 Jesus sagte: »Ich bin in diese Welt gekommen, damit sich an mir die
Geister scheiden. Blinde sollen sehen können; aber alle Sehenden sollen blind
werden.«
Joh 9,40 Einige Pharisäer standen dabei und fragten ihn: »Soll das etwa heißen,
dass wir blind sind?«
Joh 9,41 Jesus antwortete: »Wärt ihr tatsächlich blind, dann träfe euch keine
Schuld. Aber ihr sagt ja: ›Wir sehen.‹ Deshalb kann euch niemand eure Schuld
abnehmen.«
Joh 10,1 Weiter sagte Jesus: »Ich sage euch die Wahrheit: Wer nicht durch die
Tür in den Schafstall geht, sondern heimlich einsteigt, der ist ein Dieb und
Räuber.
Joh 10,2 Der Hirte geht durch die Tür zu seinen Schafen.
Joh 10,3 Ihm öffnet der Wächter die Tür, und die Schafe erkennen ihn schon an
seiner Stimme. Dann ruft der Hirte jedes mit seinem Namen und führt sie auf die
Weide.
Joh 10,4 Wenn seine Schafe den Stall verlassen haben, geht er vor ihnen her, und
die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.
Joh 10,5 Einem Fremden würden sie niemals folgen. Ihm laufen sie davon, weil sie
seine Stimme nicht kennen.«
Joh 10,6 Die Leute, denen Jesus dieses Gleichnis erzählte, verstanden nicht, was
er damit meinte.
Joh 10,7 Deshalb erklärte er ihnen: »Ich sage euch die Wahrheit: Ich selbst bin
die Tür, die zu den Schafen führt.
Joh 10,8 Alle, die sich vor mir als eure Hirten ausgaben, waren Diebe und
Räuber. Aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
Joh 10,9 Ich allein bin die Tür. Wer durch mich zu meiner Herde kommt, der wird
gerettet werden. Er kann durch diese Tür ein- und ausgehen, und er wird saftig
grüne Weiden finden.
Joh 10,10 Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich
aber bringe Leben - und dies im Überfluss.
Joh 10,11 Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die
Schafe ein.
Joh 10,12 Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur
wegen des Geldes als Hirte arbeitet. Er wird fliehen, wenn der Wolf kommt, und
die Schafe sich selbst überlassen. Der Wolf wird über die Schafe herfallen und
die Herde auseinander jagen.
Joh 10,13 Einem solchen Mann liegt nichts an den Schafen.
Joh 10,14 Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen
mich;
Joh 10,15 genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe
mein Leben für die Schafe.
Joh 10,16 Zu meiner Herde gehören auch Schafe, die jetzt noch in anderen Ställen
sind. Auch sie muss ich herführen, und sie werden wie die übrigen meiner Stimme
folgen. Dann wird es nur noch eine Herde und einen Hirten geben.
Joh 10,17 Der Vater liebt mich, weil ich mein Leben hingebe, um es neu zu
empfangen.
Joh 10,18 Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig. Ich habe die
Macht und die Freiheit, es zu geben und zu nehmen. Das ist der Auftrag, den mir
mein Vater gegeben hat.«
Joh 10,19 Da fingen die Juden wieder an, sich über Jesus zu streiten.
Joh 10,20 Die meisten sagten: »Er ist von einem bösen Geist besessen! Er ist
wahnsinnig! Weshalb hört ihr ihm überhaupt noch zu?«
Joh 10,21 Andere aber meinten: »So spricht doch kein Besessener! Kann denn ein
böser Geist einen Blinden heilen?«
Joh 10,22 Es war Winter. In Jerusalem feierte man das Fest der Tempelweihe.
Joh 10,23 Jesus hielt sich gerade im Tempel auf, in der Halle Salomos,
Joh 10,24 als die Juden ihn umringten und fragten: »Wie lange lässt du uns noch
im Ungewissen? Wenn du Christus bist, dann sag uns das ganz offen!«
Joh 10,25 »Ich habe es euch schon gesagt, aber ihr wollt mir ja nicht glauben«,
antwortete Jesus. »All das, was ich im Auftrag meines Vaters getan habe, sollte
als Beweis genügen.
Joh 10,26 Aber ihr glaubt mir nicht, denn ihr gehört nicht zu meiner Herde. Das
habe ich euch bereits gesagt.
Joh 10,27 Meine Schafe erkennen meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen
meinem Ruf.
Joh 10,28 Ihnen gebe ich das ewige Leben, und sie werden niemals umkommen.
Niemand kann sie aus meiner Hand reißen.
Joh 10,29 Mein Vater hat sie mir gegeben, und er ist stärker als alle anderen
Mächte. Deshalb kann sie auch keiner der Hand meines Vaters entreißen.
Joh 10,30 Ich und der Vater sind eins.«
Joh 10,31 Wütend griffen da die Juden wieder nach Steinen, um ihn zu töten.
Joh 10,32 Jesus aber sagte: »In Gottes Auftrag habe ich viele gute Taten
vollbracht. Für welche wollt ihr mich töten?«
Joh 10,33 »Nicht wegen einer guten Tat sollst du sterben«, antworteten sie,
»sondern weil du nicht aufhörst, Gott zu lästern. Du bist nur ein Mensch und
behauptest trotzdem, Gott zu sein!«
Joh 10,34 Jesus entgegnete: »Heißt es nicht in eurem Gesetz: ›Ich habe zu euch
gesagt: Ihr seid Götter‹?
Joh 10,35 Gott nennt die schon Götter, an die er sein Wort richtet. Und ihr
wollt doch nicht etwa die Heilige Schrift für ungültig erklären?
Joh 10,36 Wie könnt ihr den, der von Gott selbst auserwählt und in die Welt
gesandt wurde, als Gotteslästerer beschimpfen, nur weil er sagt: ›Ich bin Gottes
Sohn‹ ?
Joh 10,37 Wenn ich nicht das tue, was mein Vater will, braucht ihr mir nicht zu
glauben.
Joh 10,38 Tue ich es aber, dann glaubt doch wenigstens diesen Taten, wenn ihr
schon mir nicht glauben wollt! Dann werdet ihr endlich erkennen und glauben,
dass der Vater in mir ist und ich im Vater bin!«
Joh 10,39 Da versuchten sie wieder, Jesus festzunehmen, aber er konnte ihnen
entkommen.
Joh 10,40 Er ging auf die andere Seite des Jordan zurück und hielt sich dort
auf, wo Johannes früher getauft hatte.
Joh 10,41 Viele Menschen folgten ihm. »Johannes hat zwar keine Wunder getan«,
meinten sie untereinander, »aber alles, was er von diesem Mann gesagt hat, ist
wahr!«
Joh 10,42 So glaubten dort viele an Jesus.
Joh 11,1 Ein Mann namens Lazarus, der in Betanien wohnte, war schwer erkrankt.
Im selben Dorf wohnten auch seine Schwestern Maria und Marta.
Joh 11,2 Maria war es gewesen, die mit kostbarem Salböl die Füße des Herrn
übergossen und sie mit ihrem Haar getrocknet hatte. Weil ihr Bruder Lazarus so
krank war,
Joh 11,3 ließen die beiden Schwestern Jesus mitteilen: »Herr, dein Freund
Lazarus ist schwer erkrankt!«
Joh 11,4 Als Jesus das hörte, sagte er: »Diese Krankheit führt letztlich nicht
zum Tod, sondern durch sie soll die Macht Gottes sichtbar werden, und auch der
Sohn Gottes wird dadurch geehrt.«
Joh 11,5 Jesus liebte Marta, ihre Schwester Maria und Lazarus.
Joh 11,6 Aber obwohl er nun wusste, dass Lazarus schwer krank war, wartete er
noch zwei Tage.
Joh 11,7 Erst danach sagte er zu seinen Jüngern: »Wir wollen wieder nach Judäa
gehen.«
Joh 11,8 Doch seine Jünger wandten ein: »Meister, vor kurzem haben die Leute in
Judäa versucht, dich umzubringen. Und jetzt willst du wieder dorthin?«
Joh 11,9 Jesus antwortete: »Zwölf Stunden am Tag ist es hell. Wer sicher laufen
will, muss diese Zeit nutzen; denn nur bei Tageslicht sieht er den Weg.
Joh 11,10 Wer nachts unterwegs ist, stolpert in der Dunkelheit, weil das Licht
nicht bei ihm ist.«
Joh 11,11 Nachdem er das seinen Jüngern gesagt hatte, meinte er: »Unser Freund
Lazarus ist eingeschlafen, aber ich will hingehen und ihn aufwecken!«
Joh 11,12 Die Jünger erwiderten: »Wenn er schläft, wird er bald wieder gesund
sein.«
Joh 11,13 Sie glaubten nämlich, Jesus hätte vom gewöhnlichen Schlaf gesprochen,
aber er redete vom Tod des Lazarus.
Joh 11,14 Deshalb sagte Jesus ihnen offen: »Lazarus ist tot!
Joh 11,15 Doch euretwegen bin ich froh, dass ich nicht bei ihm gewesen bin. Denn
nun könnt ihr lernen, was Glauben heißt. Wir wollen jetzt gemeinsam zu ihm
gehen!«
Joh 11,16 Thomas, den man auch den Zwilling nannte, sagte zu den anderen
Jüngern: »Ja, lasst uns mit Jesus nach Judäa gehen und dort mit ihm sterben.«
Joh 11,17 Als sie in Betanien ankamen, lag Lazarus schon vier Tage im Grab.
Joh 11,18 Betanien ist weniger als drei Kilometer von Jerusalem entfernt.
Joh 11,19 Deswegen waren viele Juden zu Maria und Marta gekommen, um die beiden
zu trösten.
Joh 11,20 Als Marta hörte, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen war, lief sie ihm
entgegen. Maria aber blieb zu Hause.
Joh 11,21 Marta sagte zu Jesus: »Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder
noch leben.
Joh 11,22 Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir alles geben wird, worum du ihn
bittest.«
Joh 11,23 »Dein Bruder wird auferstehen!«, versicherte ihr Jesus.
Joh 11,24 »Ja, ich weiß«, sagte Marta, »am letzten Tag, am Tag der
Auferstehung.«
Joh 11,25 Darauf erwiderte ihr Jesus: »Ich bin die Auferstehung, und ich bin das
Leben. Wer mir vertraut, der wird leben, selbst wenn er stirbt.
Joh 11,26 Und wer lebt und mir vertraut, wird niemals sterben. Glaubst du das?«
Joh 11,27 »Ja, Herr«, antwortete ihm Marta. »Ich glaube, dass du Christus bist,
der Sohn Gottes, auf den wir so lange gewartet haben.«
Joh 11,28 Jetzt lief Marta zu ihrer Schwester Maria. Ohne dass die übrigen
Trauergäste es merkten, flüsterte sie ihr zu: »Unser Lehrer ist da und will dich
sprechen!«
Joh 11,29 Maria stand sofort auf und lief ihm entgegen.
Joh 11,30 Jesus hatte das Dorf noch nicht erreicht, sondern war dort geblieben,
wo Marta ihn getroffen hatte.
Joh 11,31 Als Maria aufsprang und eilig das Haus verließ, meinten die Juden, die
Maria trösten wollten: »Sie will am Grab weinen.« Darum standen sie auf und
folgten ihr.
Joh 11,32 Aber Maria lief zu Jesus. Sie fiel vor ihm nieder und rief: »Herr,
wenn du da gewesen wärst, würde mein Bruder noch leben!«
Joh 11,33 Jesus sah, wie sie und die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt
und erschüttert.
Joh 11,34 »Wo habt ihr ihn hingelegt?«, fragte er. Sie antworteten: »Komm, Herr,
wir zeigen es dir!«
Joh 11,35 Auch Jesus kamen die Tränen.
Joh 11,36 »Seht«, sagten die Juden, »er muss ihn sehr lieb gehabt haben!«
Joh 11,37 Doch einige meinten: »Einen Blinden hat er sehend gemacht. Hätte er
nicht verhindern können, dass Lazarus starb?«
Joh 11,38 Da war Jesus erneut tief bewegt. Er trat an das Grab. Es war eine
Höhle, die man mit einem großen Stein verschlossen hatte.
Joh 11,39 »Hebt den Stein weg!«, befahl Jesus. Aber Marta, die Schwester des
Verstorbenen, sagte: »Herr, der Geruch wird unerträglich sein! Er ist doch schon
vier Tage tot!«
Joh 11,40 »Habe ich dir nicht gesagt«, entgegnete ihr Jesus, »du wirst die
Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du nur glaubst?«
Joh 11,41 Sie schoben den Stein weg. Jesus sah zum Himmel auf und betete:
»Vater, ich danke dir, dass du mein Gebet erhört hast!
Joh 11,42 Ich weiß, dass du mich immer erhörst, aber ich sage es wegen der
vielen Menschen, die hier stehen. Sie sollen alles miterleben und glauben, dass
du mich gesandt hast.«
Joh 11,43 Dann rief er laut: »Lazarus, komm heraus!«
Joh 11,44 Und Lazarus kam heraus. Hände und Füße waren mit Grabtüchern
umwickelt, und auch sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. »Nehmt ihm die
Tücher ab«, forderte Jesus die Leute auf, »und lasst ihn gehen.«
Joh 11,45 Viele von den Juden, die bei Maria gewesen waren, glaubten an Jesus,
nachdem sie gesehen hatten, was er tat.
Joh 11,46 Aber einige liefen schnell zu den Pharisäern und berichteten ihnen
alles.
Joh 11,47 Darauf beriefen die Hohenpriester und Pharisäer eine Sitzung des Hohen
Rates ein. Sie fragten sich: »Was sollen wir bloß tun? Dieser Jesus vollbringt
viele Wunder,
Joh 11,48 und wenn wir nichts gegen ihn unternehmen, wird bald das ganze Volk an
ihn glauben. Dann werden die Römer eingreifen, und schließlich haben wir keinen
Tempel mehr und auch keine Macht über das Volk.«
Joh 11,49 Einer von ihnen, Kaiphas, der in diesem Jahr Hoherpriester war, sagte:
»Ihr begreift gar nichts!
Joh 11,50 Überlegt doch einmal: Für uns alle ist es besser, wenn einer für das
Volk stirbt, als dass ein ganzes Volk zugrunde geht.«
Joh 11,51 Kaiphas sprach damit etwas aus, was nicht aus ihm selbst kam. Er war
in diesem Jahr Hoherpriester, und Gott hatte ihm diese Worte in den Mund gelegt.
Denn Jesus sollte für das Volk sterben -
Joh 11,52 aber nicht allein für das jüdische Volk. Alle Kinder Gottes aus allen
Völkern sollten durch ihn zusammengeführt werden.
Joh 11,53 Von dem Tag an waren die führenden Männer der Juden fest entschlossen,
Jesus zu töten.
Joh 11,54 Deshalb vermied es Jesus, sich in der Öffentlichkeit sehen zu lassen.
Er zog sich nach Ephraim zurück, eine Stadt am Rand der Wüste. Dort blieb er mit
seinen Jüngern.
Joh 11,55 Es war kurz vor dem jüdischen Passahfest. Aus dem ganzen Land zogen
die Leute nach Jerusalem, um schon vor Beginn des Festes die
Reinigungsvorschriften zu erfüllen.
Joh 11,56 Sie alle wollten Jesus gern sehen und suchten ihn. Als sie im Tempel
zusammenstanden, fragte einer den anderen: »Was meint ihr, wird er wohl zum Fest
kommen?«
Joh 11,57 Inzwischen hatten die Hohenpriester und Pharisäer nämlich den Befehl
erlassen, dass jeder Jesus sofort anzeigen musste, der seinen Aufenthaltsort
kannte; denn sie wollten ihn unbedingt festnehmen.
Joh 12,1 Sechs Tage vor Beginn des Passahfestes kam Jesus wieder nach Betanien,
wo er Lazarus von den Toten auferweckt hatte.
Joh 12,2 Jesus zu Ehren hatte man dort ein Festmahl vorbereitet. Marta half beim
Bedienen, während Lazarus unter den Gästen war, die mit Jesus aßen.
Joh 12,3 Da nahm Maria ein Fläschchen mit reinem, kostbarem Nardenöl, goss es
über die Füße Jesu und trocknete sie mit ihrem Haar. Der Duft des Öls erfüllte
das ganze Haus.
Joh 12,4 Aber einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet,
meinte entrüstet:
Joh 12,5 »Das Öl hätte man besser für dreihundert Silberstücke verkauft und das
Geld den Armen gegeben.«
Joh 12,6 In Wirklichkeit ging es ihm aber nicht um die Armen, sondern um das
Geld. Er verwaltete die gemeinsame Kasse und hatte schon oft etwas für sich
selbst daraus genommen.
Joh 12,7 Jesus erwiderte: »Lass sie doch! Maria hat damit nur die Salbung für
mein Begräbnis vorweggenommen.
Joh 12,8 Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben, ich dagegen bin
nicht mehr lange bei euch.«
Joh 12,9 Als sich herumgesprochen hatte, wo Jesus war, liefen viele Menschen
nach Betanien. Sie kamen nicht nur, um Jesus zu sehen, sondern auch wegen
Lazarus, den Jesus von den Toten auferweckt hatte.
Joh 12,10 Da beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten;
Joh 12,11 denn seinetwegen glaubten viele Juden an Jesus.
Joh 12,12 Am nächsten Tag verbreitete sich unter der Volksmenge, die zum
Passahfest gekommen war, die Nachricht: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem.
Joh 12,13 Da nahmen die Menschen Palmenzweige, liefen Jesus entgegen und riefen
ihm begeistert zu: »Gepriesen sei Gott! Gelobt sei, der in Gottes Auftrag kommt,
der König von Israel!«
Joh 12,14 Jesus ritt auf einem Eselfohlen in die Stadt. Damit erfüllte sich das
Prophetenwort:
Joh 12,15 »Fürchte dich nicht, du Stadt auf dem Berg Zion! Dein König kommt! Er
reitet auf einem Eselfohlen.«
Joh 12,16 Doch das verstanden seine Jünger damals noch nicht. Erst nachdem Jesus
in Gottes Herrlichkeit zurückgekehrt war, begriffen sie, dass sich an diesem Tag
die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllt hatte.
Joh 12,17 Alle, die dabei gewesen waren, als Jesus Lazarus aus dem Grab gerufen
und wieder zum Leben erweckt hatte, hatten es weitererzählt.
Joh 12,18 Deswegen liefen Jesus auch so viele Menschen entgegen. Sie wollten den
Mann sehen, der solche Wunder vollbrachte.
Joh 12,19 Nur die Pharisäer warfen sich gegenseitig vor: »Nun seht ihr, dass ihr
so nichts erreicht! Alle Welt rennt ihm hinterher!«
Joh 12,20 Unter den Festbesuchern waren auch einige Griechen.
Joh 12,21 Sie kamen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten
ihn: »Herr, wir möchten Jesus kennen lernen!«
Joh 12,22 Philippus sprach mit Andreas darüber, dann gingen sie gemeinsam zu
Jesus.
Joh 12,23 Er sagte ihnen: »Die Stunde ist gekommen. Jetzt soll der Menschensohn
gerühmt und geehrt werden.
Joh 12,24 Ich sage euch die Wahrheit: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden
kommt und stirbt, bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und
bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt.
Joh 12,25 Wer an seinem Leben festhält, wird es verlieren. Wer aber sein Leben
loslässt, wird es für alle Ewigkeit gewinnen.
Joh 12,26 Wer mir dienen will, der soll mir folgen. Denn wo ich bin, soll er
auch sein. Und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.«
Joh 12,27 »Jetzt habe ich große Angst. Soll ich deshalb beten: Vater, bewahre
mich vor dem, was bald auf mich zukommt? Nein, denn ich bin in die Welt
gekommen, um diese Stunde zu durchleiden.
Joh 12,28 Vater, lass deinen Namen gerühmt und geehrt werden!« Da erklang eine
Stimme vom Himmel: »Das habe ich bisher schon getan, und ich werde ihn wieder zu
großer Ehre bringen!«
Joh 12,29 Die Menschen um Jesus hatten die Stimme gehört und meinten: »Es hat
gedonnert!« Andere behaupteten: »Ein Engel hat mit ihm geredet.«
Joh 12,30 Doch Jesus entgegnete: »Diese Stimme hat euch gegolten, nicht mir.
Joh 12,31 Jetzt wird über diese Welt Gericht gehalten; jetzt wird der Teufel,
der Herrscher dieser Welt, entmachtet.
Joh 12,32 Wenn ich aber erhöht sein werde, werde ich dafür sorgen, dass alle bei
mir sind.«
Joh 12,33 Auf diese Weise deutete Jesus seinen Tod am Kreuz an.
Joh 12,34 Viele der Versammelten wandten ein: »Aus dem Gesetz wissen wir doch,
dass Christus für immer bei uns bleiben wird. Wie kannst du dann sagen: ›Der
Menschensohn muss erhöht werden‹ ? Wer ist eigentlich dieser Menschensohn?«
Joh 12,35 Jesus erwiderte: »Das Licht ist nur noch kurze Zeit bei euch. Nutzt
diese Zeit, macht euch auf den Weg, bevor euch die Dunkelheit überfällt. Wer im
Dunkeln geht, kann weder Weg noch Ziel erkennen.
Joh 12,36 Vertraut euch dem Licht an, solange ihr es habt, dann werdet ihr im
Licht leben.«Nach diesen Worten verließ Jesus die Menge und versteckte sich vor
den Leuten.
Joh 12,37 Trotz aller Wunder, die er getan hatte, glaubten die Menschen nicht an
ihn.
Joh 12,38 So sollte sich erfüllen, was der Prophet Jesaja vorhergesagt hatte:
»Herr, wer glaubt denn unserer Botschaft? Wer erkennt, dass Gott es ist, der
diese mächtigen Taten vollbringt?«
Joh 12,39 Jesaja hat auch den Grund genannt, weshalb sie nicht glauben konnten:
Joh 12,40 »Gott hat ihre Augen geblendet und ihre Herzen verschlossen. Deshalb
sehen sie nicht und sind nicht einsichtig. Sie wollen nicht zu mir umkehren,
darum kann ich ihnen nicht helfen und sie heilen.«
Joh 12,41 Jesaja konnte so reden, weil er die Herrlichkeit des Christus gesehen
hatte.
Joh 12,42 Und doch gab es unter den führenden Männern des Volkes viele, die an
Jesus glaubten. Aber aus Angst vor den Pharisäern bekannten sie sich nicht
öffentlich zu ihm. Denn sie wollten nicht aus der Gemeinschaft des jüdischen
Volkes ausgeschlossen werden.
Joh 12,43 Ihnen bedeutete die Zustimmung der Menschen mehr als das Ansehen bei
Gott.
Joh 12,44 Laut verkündete Jesus: »Wer an mich glaubt, der glaubt in Wahrheit an
den, der mich gesandt hat.
Joh 12,45 Und wenn ihr mich seht, dann seht ihr den, der mich gesandt hat!
Joh 12,46 Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich
glaubt, nicht länger in der Dunkelheit leben muss.
Joh 12,47 Wenn jemand auf meine Botschaft hört und nicht danach handelt, so
werde ich ihn nicht verurteilen. Denn ich bin nicht als Richter der Welt
gekommen, sondern als ihr Retter.
Joh 12,48 Wer mich ablehnt und nicht nach meiner Botschaft lebt, der hat schon
seinen Richter gefunden. Was ich verkündet habe, wird ihn am Tag des Gerichts
verurteilen.
Joh 12,49 Denn ich habe nicht eigenmächtig zu euch geredet. Der Vater hat mich
gesandt und mir gesagt, was ich reden und verkünden soll.
Joh 12,50 Und das ist gewiss: Was er mir aufgetragen hat, euch zu sagen, führt
euch zum ewigen Leben! Deshalb gebe ich euch alles so weiter, wie der Vater es
mir gesagt hat.«
Joh 13,1 Am Vorabend des Passahfestes wusste Jesus, dass nun die Zeit gekommen
war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zurückzukehren. Er hatte die Menschen
geliebt, die zu ihm gehörten, und er hörte nicht auf, sie zu lieben.
Joh 13,2 An diesem Abend aß Jesus zusammen mit seinen Jüngern. Der Teufel hatte
Judas, den Sohn von Simon Iskariot, schon zum Verrat an Jesus verführt.
Joh 13,3 Jesus aber wusste, dass der Vater ihm alles in die Hand gegeben hatte,
dass er von Gott gekommen war und zu ihm zurückkehren würde.
Joh 13,4 Da stand er vom Tisch auf, legte sein Obergewand ab und band sich ein
Tuch aus Leinen um.
Joh 13,5 Er goss Wasser in eine Schüssel und begann, seinen Jüngern die Füße zu
waschen und mit dem Tuch abzutrocknen.
Joh 13,6 Als er zu Simon Petrus kam, wehrte dieser ab: »Herr, wie kommst du
dazu, mir die Füße zu waschen!«
Joh 13,7 Jesus antwortete ihm: »Das verstehst du jetzt noch nicht. Aber später
wirst du es verstehen.«
Joh 13,8 Doch Petrus blieb dabei: »Niemals sollst du mir die Füße waschen!«
Worauf Jesus erwiderte: »Wenn ich dir nicht die Füße wasche, gehörst du nicht zu
mir.«
Joh 13,9 Da sagte Petrus: »Herr, dann wasch mir nicht nur die Füße, sondern auch
die Hände und das Gesicht!«
Joh 13,10 Jesus antwortete: »Wer gebadet hat, der ist ganz rein. Ihm braucht man
nur noch den Straßenstaub von den Füßen zu waschen. Ihr seid alle rein - außer
einem.«
Joh 13,11 Jesus wusste nämlich, wer ihn verraten würde. Deshalb sagte er: »Ihr
seid nicht alle rein.«
Joh 13,12 Nachdem Jesus ihnen die Füße gewaschen hatte, zog er sein Obergewand
wieder an, kehrte zu seinem Platz am Tisch zurück und fragte seine Jünger:
»Versteht ihr, was ich eben getan habe?
Joh 13,13 Ihr nennt mich Meister und Herr. Das ist auch richtig so, denn ich bin
es.
Joh 13,14 Wie ich, euer Meister und Herr, euch jetzt die Füße gewaschen habe, so
sollt auch ihr euch gegenseitig die Füße waschen.
Joh 13,15 Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt.
Handelt ebenso!
Joh 13,16 Ich sage euch die Wahrheit: Ein Diener steht niemals höher als sein
Herr, und ein Botschafter untersteht dem, der ihn gesandt hat.
Joh 13,17 Wenn ihr das begreift und danach handelt, wird man euch glücklich
schätzen.
Joh 13,18 Jetzt spreche ich nicht von euch allen; denn ich weiß, welche ich als
meine Jünger ausgewählt habe. Aber was in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist,
muss sich erfüllen: ›Einer, der mit mir zusammen das Brot isst, tritt mich mit
Füßen.‹
Joh 13,19 Schon jetzt kündige ich es euch an, damit ihr auch dann, wenn es
geschieht, ganz sicher wisst: Ich bin der, den Gott gesandt hat.
Joh 13,20 Ich sage euch die Wahrheit: Wer einen Menschen aufnimmt, den ich
senden werde, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt den Vater
auf, der mich gesandt hat.«
Joh 13,21 Nachdem Jesus dies gesagt hatte, war er sehr erschüttert und
bestätigte: »Ja, es ist wahr: Einer von euch wird mich verraten!«
Joh 13,22 Die Jünger sahen sich fragend an und rätselten, wen er meinte.
Joh 13,23 Ganz nah bei Jesus hatte der Jünger seinen Platz, den Jesus am meisten
liebte.
Joh 13,24 Petrus winkte ihn zur Seite und sagte: »Frag du ihn, wen er meint!«
Joh 13,25 Da beugte der Jünger sich zu Jesus hinüber und fragte leise: »Herr,
wer von uns ist es?«
Joh 13,26 Jesus antwortete ihm: »Es ist der, dem ich das Brot geben werde, das
ich jetzt in die Schüssel eintauche.« Darauf tauchte er das Brot ein und gab es
Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
Joh 13,27 Von diesem Augenblick an hatte Satan den Judas ganz in seiner Gewalt.
»Beeil dich, Judas! Erledige bald, was du tun willst!«, forderte Jesus ihn auf.
Joh 13,28 Keiner von den anderen am Tisch verstand, was Jesus mit diesen Worten
meinte.
Joh 13,29 Manche dachten, Jesus hätte Judas hinausgeschickt, um alles Nötige für
das Fest einzukaufen oder den Armen etwas zu geben. Denn Judas verwaltete das
Geld Jesu und seiner Jünger.
Joh 13,30 Nachdem Judas das Brot genommen hatte, eilte er hinaus in die Nacht.
Joh 13,31 Als Judas fort war, sagte Jesus: »Jetzt zeigt Gott, wer der
Menschensohn wirklich ist, und dadurch wird auch die Herrlichkeit Gottes
sichtbar.
Joh 13,32 Wenn der Menschensohn erst Gottes Herrlichkeit gezeigt hat, dann wird
auch Gott die Herrlichkeit des Menschensohnes sichtbar machen. Und das geschieht
bald!
Joh 13,33 Denn bei euch, meine lieben Kinder, werde ich nur noch kurze Zeit
sein. Ihr werdet mich suchen. Doch was ich den Juden gesagt habe, muss ich jetzt
auch euch sagen: Wohin ich gehen werde, dahin könnt ihr mir nicht folgen.
Joh 13,34 Heute gebe ich euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch
geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben.
Joh 13,35 An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger
seid.«
Joh 13,36 Da fragte ihn Petrus: »Herr, wohin gehst du?« Jesus antwortete ihm:
»Diesmal kannst du nicht mit mir kommen. Aber du wirst mir später folgen.«
Joh 13,37 »Lass mich doch jetzt bei dir bleiben«, bat ihn Petrus und beteuerte:
»Ich wäre sogar bereit, für dich zu sterben!«
Joh 13,38 Da antwortete Jesus: »Du willst für mich sterben? Petrus, ich
versichere dir: Ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet
haben, mich zu kennen!«
Joh 14,1 »Seid nicht bestürzt, und habt keine Angst!«, ermutigte Jesus seine
Jünger. »Vertraut Gott, und vertraut mir!
Joh 14,2 Denn im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Sonst hätte ich
euch nicht gesagt: Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten.
Joh 14,3 Und wenn alles bereit ist, werde ich kommen und euch zu mir holen. Dann
werdet auch ihr dort sein, wo ich bin.
Joh 14,4 Den Weg dorthin kennt ihr ja.«
Joh 14,5 »Nein, Herr«, widersprach ihm Thomas, »wir wissen nicht einmal, wohin
du gehst! Wie sollen wir dann den Weg dorthin finden?«
Joh 14,6 Jesus antwortete: »Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin
das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen.
Joh 14,7 Kennt ihr mich, dann kennt ihr auch meinen Vater. Von jetzt an kennt
ihr ihn; ja, ihr habt ihn schon gesehen!«
Joh 14,8 Da bat Philippus: »Herr, zeig uns den Vater, dann sind wir zufrieden!«
Joh 14,9 Jesus entgegnete ihm: »Ich bin nun schon so lange bei euch, und du
kennst mich noch immer nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat auch den
Vater gesehen. Wie also kannst du bitten: ›Zeig uns den Vater‹ ?
Joh 14,10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Was
ich euch sage, habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Mein Vater, der in mir
lebt, handelt durch mich.
Joh 14,11 Glaubt mir doch, dass der Vater und ich eins sind. Und wenn ihr schon
meinen Worten nicht glaubt, dann glaubt doch wenigstens meinen Taten!
Joh 14,12 Ich sage euch die Wahrheit: Wer an mich glaubt, wird die gleichen
Taten vollbringen wie ich - ja, sogar noch größere; denn ich gehe zum Vater.
Joh 14,13 Worum ihr in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun, damit
durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters sichtbar wird.
Joh 14,14 Was ihr also in meinem Namen erbitten werdet, das werde ich tun.«
Joh 14,15 »Wenn ihr mich liebt, werdet ihr so leben, wie ich es euch gesagt
habe.
Joh 14,16 Dann werde ich den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle einen
Helfer gibt, der für immer bei euch bleibt.
Joh 14,17 Dies ist der Geist der Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht aufnehmen,
denn sie ist blind für ihn und erkennt ihn deshalb nicht. Aber ihr kennt ihn,
denn er wird bei euch bleiben und in euch leben.
Joh 14,18 Nein, ich lasse euch nicht allein zurück. Ich komme wieder zu euch.
Joh 14,19 Schon bald werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein, und niemand wird
mich mehr sehen. Nur ihr, ihr werdet mich sehen. Und weil ich lebe, werdet auch
ihr leben.
Joh 14,20 Dann werdet ihr erkennen, dass ich eins bin mit meinem Vater und dass
ihr in mir seid und ich in euch bin.
Joh 14,21 Wer meine Gebote annimmt und danach lebt, der liebt mich. Und wer mich
liebt, den wird mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und mich ihm zu
erkennen geben.«
Joh 14,22 Da fragte ihn Judas (nicht Judas Iskariot): »Herr, weshalb willst du
dich nur uns, deinen Jüngern, zu erkennen geben, warum nicht der ganzen Welt?«
Joh 14,23 Ihm antwortete Jesus: »Wer mich liebt, richtet sich nach dem, was ich
ihm gesagt habe. Auch mein Vater wird ihn lieben, und wir beide werden zu ihm
kommen und immer bei ihm bleiben.
Joh 14,24 Wer mich aber nicht liebt, der lebt auch nicht nach dem, was ich sage.
Meine Worte kommen nicht von mir, sondern von meinem Vater, der mich gesandt
hat.
Joh 14,25 Ich sage euch dies alles, solange ich noch bei euch bin.
Joh 14,26 Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle als Helfer
senden wird, er wird euch an all das erinnern, was ich euch gesagt habe, und
euch meine Worte erklären.
Joh 14,27 Auch wenn ich nicht bei euch bleibe, sollt ihr doch Frieden haben.
Meinen Frieden gebe ich euch; einen Frieden, den euch niemand auf der Welt geben
kann. Seid deshalb ohne Sorge und Furcht!
Joh 14,28 Ihr habt gehört, was ich euch gesagt habe: Ich gehe jetzt, aber ich
komme wieder. Wenn ihr mich wirklich lieben würdet, dann würdet ihr euch darüber
freuen, dass ich jetzt zum Vater gehe; denn er ist größer als ich.
Joh 14,29 Ich sage euch das alles, bevor es geschieht, damit ihr an mich glaubt,
wenn es eintrifft.
Joh 14,30 Ich habe nicht mehr viel Zeit, mit euch zu reden, denn der Teufel, der
Herrscher dieser Welt, hat sich schon auf den Weg gemacht. Er hat zwar keine
Macht über mich,
Joh 14,31 aber die Welt soll erfahren, dass ich den Vater liebe. Deswegen werde
ich das ausführen, was Gott mir aufgetragen hat. Und nun kommt, wir wollen
gehen!«
Joh 15,1 »Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.
Joh 15,2 Alle Reben am Weinstock, die keine Trauben tragen, schneidet er ab.
Aber die Frucht tragenden Reben beschneidet er sorgfältig, damit sie noch mehr
Frucht bringen.
Joh 15,3 Ihr seid schon gute Reben, weil ihr meine Botschaft gehört habt.
Joh 15,4 Bleibt fest mit mir verbunden, und ich werde ebenso mit euch verbunden
bleiben! Denn so wie eine Rebe nur am Weinstock Früchte tragen kann, so werdet
auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir verbunden bleibt.
Joh 15,5 Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer bei mir bleibt, so
wie ich bei ihm bleibe, der trägt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts
ausrichten.
Joh 15,6 Wer ohne mich lebt, wird wie eine unfruchtbare Rebe abgeschnitten und
weggeworfen. Die verdorrten Reben werden gesammelt, ins Feuer geworfen und
verbrannt.
Joh 15,7 Wenn ihr aber fest mit mir verbunden bleibt und euch meine Worte zu
Herzen nehmt, dürft ihr von Gott erbitten, was ihr wollt; ihr werdet es
erhalten.
Joh 15,8 Wenn ihr viel Frucht bringt und euch so als meine Jünger erweist, wird
die Herrlichkeit meines Vaters sichtbar.
Joh 15,9 Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe!
Joh 15,10 Wenn ihr nach meinen Geboten lebt, wird meine Liebe euch umschließen.
Auch ich richte mich nach den Geboten meines Vaters und lebe in seiner Liebe.
Joh 15,11 Das alles sage ich euch, damit meine Freude euch ganz erfüllt und eure
Freude dadurch vollkommen wird.
Joh 15,12 Und so lautet mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.
Joh 15,13 Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt.
Joh 15,14 Und ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch aufgetragen
habe.
Joh 15,15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn einem Knecht sagt der Herr
nicht, was er vorhat. Ihr aber seid meine Freunde; denn ich habe euch alles
anvertraut, was ich vom Vater gehört habe.
Joh 15,16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich euch, damit ihr euch auf den
Weg macht und Frucht bringt, die bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben,
worum ihr ihn in meinem Namen bittet.
Joh 15,17 Ich sage euch noch einmal: Liebt einander!«
Joh 15,18 »Wenn die Menschen euch hassen, dann vergesst nicht, dass man mich
schon vor euch gehasst hat.
Joh 15,19 Diese Welt würde euch lieben, wenn ihr zu ihr gehören würdet. Doch ihr
gehört nicht mehr dazu. Ich selbst habe euch aus der Welt herausgerufen. Darum
hasst sie euch.
Joh 15,20 Erinnert euch daran, dass ich gesagt habe: ›Ein Knecht steht niemals
höher als sein Herr!‹ Deshalb werden sie euch verfolgen, wie sie mich verfolgt
haben. Und wenn sie auf das gehört haben, was ich gesagt habe, werden sie auch
auf euch hören.
Joh 15,21 Das alles wird mit euch geschehen, weil ihr zu mir gehört; denn die
Welt kennt Gott nicht, der mich gesandt hat.
Joh 15,22 Wäre ich nicht in diese Welt gekommen und hätte die Menschen alles
über Gott gelehrt, wären sie nicht schuldig. Aber jetzt gibt es keine
Entschuldigung mehr dafür, dass sie Gott den Rücken kehren.
Joh 15,23 Denn wer mich hasst, der hasst auch meinen Vater.
Joh 15,24 Wenn ich nicht vor aller Augen Gottes Wunder vollbracht hätte, die
kein anderer tun kann, wären sie ohne Schuld. Aber nun haben sie alles
miterlebt, und trotzdem hassen sie mich und auch meinen Vater.
Joh 15,25 Dies geschieht, damit sich die Voraussage der Heiligen Schrift
erfüllt: ›Sie hassen mich ohne jeden Grund!‹
Joh 15,26 Wenn ich beim Vater bin, will ich euch jemanden senden, der euch zur
Seite stehen wird, den Geist der Wahrheit. Er wird vom Vater kommen und
bezeugen, wer ich bin.
Joh 15,27 Und auch ihr werdet meine Zeugen sein, denn ihr seid von Anfang an bei
mir gewesen.«
Joh 16,1 »Ich sage euch das alles, damit ihr nicht an mir zu zweifeln beginnt
und aufgebt.
Joh 16,2 Denn man wird euch aus der Gemeinschaft des jüdischen Volkes
ausschließen. Ja, es wird so weit kommen, dass man meint, Gott einen Dienst zu
erweisen, wenn man euch tötet.
Joh 16,3 Zu all dem werden Menschen fähig sein, weil sie meinen Vater und mich
nicht kennen.«
Joh 16,4 »Ich sage euch das, damit ihr nicht überrascht seid, wenn dies alles
eintrifft. Bisher war es nicht nötig, davon zu reden, weil ich ja bei euch war.
Joh 16,5 Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat. Keiner von euch fragt
mich, wohin ich gehe,
Joh 16,6 denn ihr seid voller Trauer über das, was ich euch gesagt habe.
Joh 16,7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist besser für euch, wenn ich gehe.
Sonst käme der nicht, der euch an meiner Stelle helfen soll. Wenn ich nicht mehr
bei euch bin, werde ich ihn zu euch senden.
Joh 16,8 Und ist er erst gekommen, wird er den Menschen die Augen für ihre Sünde
öffnen, für Gottes Gerechtigkeit und sein Gericht.
Joh 16,9 Ihre Sünde ist, dass sie nicht an mich glauben.
Joh 16,10 Gottes Gerechtigkeit zeigt sich darin, dass er sich zu mir bekennt und
ich zum Vater gehe, wenn ihr mich dann auch nicht mehr sehen werdet.
Joh 16,11 Und Gottes Gericht werden die Menschen daran erkennen, dass der
Teufel, der Herrscher dieser Welt, bereits verurteilt ist.
Joh 16,12 Ich hätte euch noch viel mehr zu sagen, aber jetzt würde es euch
überfordern.
Joh 16,13 Wenn aber der Geist der Wahrheit kommt, hilft er euch dabei, die
Wahrheit vollständig zu erfassen. Denn er redet nicht in seinem eigenen Auftrag,
sondern wird nur das sagen, was er gehört hat. Auch was euch in Zukunft
erwartet, wird er euch verkünden.
Joh 16,14 So wird er meine Herrlichkeit sichtbar machen; denn alles, was er euch
zeigt, kommt von mir.
Joh 16,15 Was der Vater hat, gehört auch mir. Deshalb kann ich mit Recht sagen:
Alles, was er euch zeigt, kommt von mir.«
Joh 16,16 »Ich werde nur noch kurze Zeit bei euch sein. Bald nach meinem
Weggehen aber werdet ihr mich wiedersehen.«
Joh 16,17 »Was meint er bloß damit?«, fragten sich die Jünger. »Was heißt: ›Ich
werde nur noch kurze Zeit bei euch sein! Aber bald darauf werdet ihr mich
wiedersehen‹ ? Und was bedeutet es, wenn er sagt: ›Ich gehe zum Vater‹ ?
Joh 16,18 Und was meint er mit ›nur noch kurze Zeit‹ ? Wir verstehen das nicht.«
Joh 16,19 Jesus merkte, dass sie ihn fragen wollten, und sagte: »Macht ihr euch
darüber Gedanken, dass ich angekündigt habe: ›Ich werde nur noch kurze Zeit bei
euch sein, aber bald darauf werdet ihr mich wiedersehen‹ ?
Joh 16,20 Ich sage euch die Wahrheit: Ihr werdet weinen und klagen, und die
Menschen in dieser Welt werden sich darüber freuen. Ihr werdet traurig sein,
doch eure Traurigkeit soll sich in Freude verwandeln!
Joh 16,21 Es wird so sein wie bei einer Frau, die ein Kind bekommt: Sie hat
große Schmerzen, doch sobald ihr Kind geboren ist, sind Angst und Schmerzen
vergessen. Sie ist nur noch glücklich darüber, dass ihr Kind zur Welt gekommen
ist.
Joh 16,22 Auch ihr seid jetzt sehr traurig, aber ich werde euch wiedersehen.
Dann werdet ihr froh und glücklich sein, und diese Freude kann euch niemand mehr
nehmen.
Joh 16,23 Am Tag unseres Wiedersehens werden all eure Fragen beantwortet sein.
Ich sage euch die Wahrheit: Wenn ihr den Vater um etwas bittet und euch dabei
auf mich beruft, wird er es euch geben.
Joh 16,24 Bisher habt ihr in meinem Namen nichts von Gott erbeten. Bittet ihn,
und er wird es euch geben. Dann wird eure Freude vollkommen sein.«
Joh 16,25 »Bisher habe ich alles, was ich euch sagen wollte, anhand von
Beispielen erklärt. Aber schon bald wird das nicht mehr nötig sein. Dann werde
ich euch ohne Bilder und Umschreibungen zeigen, wer der Vater ist.
Joh 16,26 Von diesem Tag an werdet ihr euch auf mich berufen, wenn ihr zu ihm
betet. Und dann muss ich den Vater nicht mehr bitten, euer Gebet zu erhören.
Joh 16,27 Denn der Vater liebt euch, weil ihr mich liebt und daran glaubt, dass
ich von Gott gekommen bin.
Joh 16,28 Ja, ich war beim Vater und bin in die Welt gekommen, und jetzt
verlasse ich sie wieder, um zum Vater zurückzukehren.«
Joh 16,29 Seine Jünger erwiderten: »Jetzt redest du klar und deutlich zu uns,
ohne Gleichnisse und Bilder.
Joh 16,30 Wir haben nun erkannt, dass du alles weißt, noch ehe wir dich fragen.
Darum glauben wir dir, dass du von Gott gekommen bist.«
Joh 16,31 »Glaubt ihr wirklich?«, fragte Jesus.
Joh 16,32 »Ihr sollt nämlich wissen: Die Zeit wird kommen - ja, sie ist schon da
-, in der man euch auseinander treibt. Ihr werdet euch in Sicherheit bringen und
mich allein lassen. Aber auch dann werde ich nicht allein sein, denn der Vater
ist bei mir.
Joh 16,33 Dies alles habe ich euch gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt. In
der Welt habt ihr Angst, aber lasst euch nicht entmutigen: Ich habe die Welt
besiegt.«
Joh 17,1 Nach diesen Worten sah Jesus zum Himmel auf und betete: »Vater, die
Zeit ist gekommen! Lass jetzt die Herrlichkeit deines Sohnes erkennbar werden,
damit dein Sohn deine Herrlichkeit sichtbar macht.
Joh 17,2 Du hast ihm Macht über die Menschen gegeben, damit er allen ewiges
Leben schenkt, die du ihm anvertraut hast.
Joh 17,3 Und das allein ist ewiges Leben: dich, den einen wahren Gott, zu
erkennen, und Jesus Christus, den du gesandt hast.
Joh 17,4 Ich habe hier auf der Erde den Menschen gezeigt, wie herrlich du bist.
Ich habe deinen Auftrag erfüllt.
Joh 17,5 Und nun, Vater, gib mir wieder Anteil an der Herrlichkeit, die ich bei
dir hatte, bevor die Welt erschaffen wurde.
Joh 17,6 Ich habe den Menschen gezeigt, wer du bist, und zwar allen, die du aus
der Welt herausgerufen und mir anvertraut hast. Dir gehörten sie schon immer,
und du hast sie mir gegeben. Sie haben sich deine Worte zu Herzen genommen,
Joh 17,7 und jetzt wissen sie, dass alles, was ich habe, von dir ist.
Joh 17,8 Denn was du mir gesagt hast, habe ich ihnen weitergegeben. Sie haben
deine Botschaft angenommen und erkannt, dass ich von dir herkomme; sie glauben
daran, dass du mich gesandt hast.
Joh 17,9 Für sie bitte ich dich jetzt: für die Menschen, die du mir anvertraut
hast und die zu dir gehören; nicht für die ganze Welt.
Joh 17,10 Denn alles, was ich habe, das gehört dir, und was du hast, das gehört
auch mir. An ihnen zeigt sich meine Herrlichkeit.
Joh 17,11 Ich verlasse jetzt die Welt und komme zu dir. Sie aber bleiben zurück.
Heiliger Vater, erhalte sie in der Gemeinschaft mit dir, damit sie eins werden
wie wir.
Joh 17,12 Solange ich bei ihnen war, habe ich sie in der Gemeinschaft mit dir
erhalten, alle, die du mir anvertraut hast. Ich habe sie bewahrt, und keiner von
ihnen ist verloren gegangen - außer dem einen, der verloren gehen musste, damit
sich die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllte.
Joh 17,13 Jetzt komme ich zu dir zurück. Aber dies alles wollte ich noch sagen,
solange ich bei ihnen bin, damit meine Freude auch sie ganz erfüllt.
Joh 17,14 Ich habe ihnen deine Botschaft weitergegeben, und die Welt hasst sie
deswegen, weil sie ebenso wie ich nicht zu ihr gehören.
Joh 17,15 Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt zu nehmen, aber schütze sie vor
der Macht des Bösen!
Joh 17,16 Sie gehören ebenso wenig zur Welt wie ich.
Joh 17,17 Lass ihnen deine Wahrheit leuchten, damit sie in immer engerer
Gemeinschaft mit dir leben! Dein Wort ist die Wahrheit!
Joh 17,18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie in die Welt.
Joh 17,19 Für sie gebe ich mein Leben hin, damit ihr Leben ganz dir gehört.
Joh 17,20 Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch ihre
Worte von mir hören werden und an mich glauben.
Joh 17,21 Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist.
So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest
miteinander verbunden sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt
hast.
Joh 17,22 Deshalb habe ich ihnen auch die Herrlichkeit gegeben, die du mir
anvertraut hast, damit sie die gleiche enge Gemeinschaft haben wie wir.
Joh 17,23 Ich bleibe in ihnen, und du bleibst in mir. Genau so sollen auch sie
ganz eins sein. Und die Welt wird erkennen, dass du mich gesandt hast und dass
du meine Jünger liebst, wie du mich liebst.
Joh 17,24 Vater, ich möchte, dass alle, die du mir gegeben hast, bei mir
bleiben. Sie sollen an meiner Herrlichkeit teilhaben. Du hast mir die
Herrlichkeit gegeben; denn du hast mich geliebt, längst bevor die Welt
geschaffen wurde.
Joh 17,25 Guter und treuer Vater! Wenn die Welt dich auch nicht kennt, ich kenne
dich, und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Joh 17,26 Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist. Das werde ich auch weiter tun,
damit deine Liebe zu mir auch sie erfüllt, ja, damit ich selbst in ihnen lebe.«
Joh 18,1 Nach diesem Gebet überquerte Jesus mit seinen Jüngern den Bach Kidron.
Auf der anderen Seite lag ein Garten. Dorthin ging Jesus mit seinen Jüngern.
Joh 18,2 Judas, der Verräter, kannte diese Stelle, denn Jesus hatte sich oft mit
seinen Jüngern dort aufgehalten.
Joh 18,3 Nun erschien Judas mit einem Trupp römischer Soldaten und Männern, die
ihm die Hohenpriester und Pharisäer mitgegeben hatten. Sie trugen Fackeln und
Lampen und waren bewaffnet.
Joh 18,4 Jesus wusste, was jetzt geschehen würde. Er ging ihnen entgegen und
fragte: »Wen sucht ihr?«
Joh 18,5 »Jesus von Nazareth«, war die Antwort. »Ich bin es!«, erklärte Jesus.
Judas, sein Verräter, stand mitten unter den Soldaten.
Joh 18,6 Als Jesus klar und offen sagte: »Ich bin es«, wichen die Bewaffneten
erschrocken zurück und fielen zu Boden.
Joh 18,7 Jesus fragte noch einmal: »Wen sucht ihr denn?« »Jesus von Nazareth!«,
antworteten sie wieder.
Joh 18,8 »Ich habe euch doch schon gesagt, dass ich es bin«, entgegnete Jesus.
»Wenn ihr also nur mich sucht, dann lasst die anderen hier gehen!«
Joh 18,9 Damit sollte sich erfüllen, was Jesus früher gesagt hatte: »Ich habe
keinen von denen verloren, die du mir anvertraut hast.«
Joh 18,10 Simon Petrus hatte ein Schwert dabei. Plötzlich zog er es und schlug
damit Malchus, einem Diener des Hohenpriesters, das rechte Ohr ab.
Joh 18,11 Aber Jesus befahl Petrus: »Steck dein Schwert weg! Soll ich denn dem
Leiden aus dem Weg gehen, das ich nach dem Willen meines Vaters auf mich nehmen
muss?«
Joh 18,12 Der römische Offizier befahl seinen Soldaten und den Dienern des
Hohenpriesters, Jesus festzunehmen und zu fesseln.
Joh 18,13 Dann brachten sie ihn zu Hannas, dem Schwiegervater von Kaiphas, der
in diesem Jahr Hoherpriester war.
Joh 18,14 Kaiphas hatte früher den führenden Männern der Juden geraten: »Es ist
für uns alle besser, wenn dieser eine Mann für das ganze Volk stirbt!«
Joh 18,15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus, als er abgeführt
wurde. Weil dieser andere Jünger mit dem Hohenpriester bekannt war, ließ man ihn
bis in den Innenhof des Palastes gehen.
Joh 18,16 Petrus blieb draußen vor dem Tor. Da kam der andere Jünger wieder
zurück, redete mit der Pförtnerin und verschaffte Petrus Zutritt.
Joh 18,17 Schon die Pförtnerin fragte Petrus: »Gehörst du nicht auch zu den
Jüngern dieses Mannes?« »Nein, ich nicht!«, antwortete er.
Joh 18,18 Die Wachmannschaft und die Diener des Hohenpriesters hatten ein
Kohlenfeuer angezündet. Sie standen um das Feuer herum und wärmten sich, denn es
war kalt. Petrus ging zu ihnen, um sich auch zu wärmen.
Joh 18,19 Drinnen im Palast begann das Verhör. Der Hohepriester Hannas fragte
Jesus nach seinen Jüngern und nach seiner Lehre.
Joh 18,20 Jesus antwortete: »Was ich gelehrt habe, ist überall bekannt. Denn ich
habe in aller Öffentlichkeit gepredigt, in den Synagogen und im Tempel, wo es
jeder hören konnte. Niemals habe ich im Geheimen etwas anderes gelehrt.
Joh 18,21 Weshalb fragst du mich also? Frag doch alle, die mich gehört haben!
Sie wissen, was ich gesagt habe.«
Joh 18,22 Da schlug ihm einer von den Wächtern, die neben ihm standen, ins
Gesicht und rief: »Redet man so mit dem Hohenpriester?«
Joh 18,23 Jesus antwortete ihm: »Wenn ich etwas Böses gesagt habe, dann weise es
mir nach! Habe ich aber die Wahrheit gesagt, weshalb schlägst du mich?«
Joh 18,24 Da ließ Hannas Jesus in Fesseln zum Hohenpriester Kaiphas bringen.
Joh 18,25 Petrus stand noch immer am Feuer und wärmte sich. Da fragte ihn
jemand: »Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern?« »Nein, ich bin es nicht«,
widersprach er.
Joh 18,26 Aber ein Diener des Hohenpriesters, ein Verwandter des Mannes, dem
Petrus das Ohr abgehauen hatte, meinte: »Ich habe dich doch im Garten bei ihm
gesehen!«
Joh 18,27 Wieder stritt Petrus ab, Jesus zu kennen. Und im selben Augenblick
krähte ein Hahn.
Joh 18,28 In den frühen Morgenstunden brachten sie Jesus von Kaiphas zum Palast
des Statthalters. Die Juden selbst betraten dieses Gebäude nicht, denn sie
wollten nicht unrein werden. Dann hätten sie nicht das Passahmahl essen dürfen.
Joh 18,29 Deshalb ging Pilatus zu ihnen hinaus und fragte: »Welche Anklage
erhebt ihr gegen diesen Mann? Was hat er getan?«
Joh 18,30 Sie antworteten: »Wenn er kein Verbrecher wäre, hätten wir ihn nicht
zu dir gebracht.«
Joh 18,31 »Dann nehmt ihn mit, und verurteilt ihn nach eurem Gesetz!«,
entgegnete Pilatus. »Aber wir dürfen doch niemanden hinrichten«, wandten sie
ein.
Joh 18,32 So sollten sich die Worte Jesu erfüllen, mit denen er vorausgesagt
hatte, wie er sterben würde.
Joh 18,33 Pilatus kam nun in den Gerichtssaal zurück, ließ Jesus vorführen und
fragte ihn: »Bist du der König der Juden?«
Joh 18,34 Jesus entgegnete: »Fragst du als römischer Statthalter, oder stecken
die Juden dahinter?«
Joh 18,35 »Bin ich etwa ein Jude?«, fragte Pilatus. »Die führenden Männer deines
eigenen Volkes und die Hohenpriester haben dich hergebracht, damit ich dich
verurteile. Was also hast du getan?«
Joh 18,36 Jesus antwortete: »Mein Königreich gehört nicht zu dieser Welt. Wäre
ich ein weltlicher Herrscher, dann hätten meine Leute für mich gekämpft, damit
ich nicht in die Hände der Juden falle. Aber mein Reich ist von ganz anderer
Art.«
Joh 18,37 Da fragte ihn Pilatus: »Dann bist du also doch ein König?« Jesus
antwortete: »Ja, du hast Recht. Ich bin ein König. Und dazu bin ich Mensch
geworden und in diese Welt gekommen, um ihr die Wahrheit zu bezeugen. Wer bereit
ist, auf die Wahrheit zu hören, der hört auf mich.«
Joh 18,38 »Wahrheit? Was ist das überhaupt?«, erwiderte Pilatus. Dann ging er zu
den Juden hinaus und sagte ihnen: »Meiner Meinung nach ist der Mann unschuldig.
Joh 18,39 Ich will euch wie üblich auch in diesem Jahr am Passahfest einen
Gefangenen freigeben. Wenn ihr wollt, lasse ich diesen König der Juden frei.«
Joh 18,40 Aber sie schrien laut: »Nein! Nicht den! Wir wollen Barabbas!«
Barabbas aber war ein Verbrecher.
Joh 19,1 Da befahl Pilatus, Jesus abzuführen und ihn auszupeitschen.
Joh 19,2 Die Soldaten flochten eine Krone aus Dornenzweigen und setzten sie ihm
auf den Kopf. Dann hängten sie ihm einen purpurroten Mantel um,
Joh 19,3 stellten sich vor ihn hin und spotteten: »Sei gegrüßt, du König der
Juden!« Und sie schlugen ihm ins Gesicht.
Joh 19,4 Pilatus ging erneut zu den Juden hinaus und sagte: »Ich will ihn euch
noch einmal vorführen, damit ihr erkennt, dass er unschuldig ist!«
Joh 19,5 Dann kam Jesus heraus. Er trug die Dornenkrone und den roten Mantel.
Und Pilatus forderte die Menge auf: »Seht ihn euch an, was für ein Mensch!«
Joh 19,6 Aber kaum hatten die Hohenpriester und die Tempeldiener Jesus erblickt,
fingen sie an zu schreien: »Ans Kreuz! Ans Kreuz mit ihm!« Daraufhin rief
Pilatus: »Dann nehmt ihr ihn doch selbst und kreuzigt ihn! Denn ich bin
überzeugt: Er ist unschuldig!«
Joh 19,7 Die Juden entgegneten: »Wir haben ein Gesetz, an das wir uns halten;
und nach dem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich als Sohn Gottes
ausgegeben.«
Joh 19,8 Als Pilatus das hörte, bekam er noch mehr Angst.
Joh 19,9 Er ging wieder in den Palast zurück und fragte Jesus: »Woher kommst
du?« Doch Jesus antwortete nichts.
Joh 19,10 »Redest du nicht mehr mit mir?«, fragte Pilatus. »Hast du vergessen,
dass es in meiner Macht steht, dich freizugeben oder dich ans Kreuz nageln zu
lassen?«
Joh 19,11 Jetzt antwortete Jesus: »Du hättest keine Macht über mich, wäre sie
dir nicht von Gott gegeben. Deswegen haben die Leute größere Schuld auf sich
geladen, die mich dir ausgeliefert haben.«
Joh 19,12 Da versuchte Pilatus noch einmal, Jesus freizulassen. Aber die Juden
schrien: »Wenn du den laufen lässt, bist du kein Freund des Kaisers; denn wer
sich selbst zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf.«
Joh 19,13 Als Pilatus das hörte, ließ er Jesus hinausführen. Er selbst setzte
sich auf den Richterstuhl, an die Stelle, die man »Steinpflaster« nannte, auf
Hebräisch: »Gabbata«.
Joh 19,14 Es war um die Mittagszeit, am Tag vor dem Passahfest, an dem alle mit
Vorbereitungen beschäftigt waren. Pilatus sagte zu den Juden: »Hier ist euer
König!«
Joh 19,15 »Weg mit ihm!«, brüllten sie. »Ans Kreuz mit ihm!« »Soll ich wirklich
euren König kreuzigen lassen?«, fragte Pilatus noch einmal. Die Hohenpriester
riefen: »Wir haben keinen König, nur den Kaiser!«
Joh 19,16 Da gab Pilatus nach und befahl, Jesus zu kreuzigen. Die Soldaten
packten Jesus und führten ihn aus Jerusalem hinaus.
Joh 19,17 Sein Kreuz musste er selbst tragen, vom Richtplatz bis hin zur
»Schädelstätte«. Auf Hebräisch heißt dieser Ort »Golgatha«.
Joh 19,18 Dort schlugen sie ihn ans Kreuz. Rechts und links von ihm wurden zwei
andere Männer gekreuzigt.
Joh 19,19 Pilatus ließ ein Schild an das Kreuz Jesu nageln, auf dem die Worte
standen: »Jesus von Nazareth, der König der Juden!«
Joh 19,20 Die Stelle, an der Jesus gekreuzigt worden war, lag nahe bei der
Stadt. Und so lasen viele Juden diese Inschrift, die in hebräischer,
lateinischer und griechischer Sprache abgefasst war.
Joh 19,21 Da kamen die Hohenpriester zu Pilatus und verlangten von ihm: »Lass
das ändern. Es darf nicht heißen: ›Der König der Juden‹, sondern: ›Er hat
behauptet: Ich bin der König der Juden.‹«
Joh 19,22 Pilatus aber weigerte sich: »Es bleibt genau so stehen, wie ich es
geschrieben habe!«
Joh 19,23 Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider
unter sich auf, so dass jeder der vier Soldaten etwas davon bekam. Das
Untergewand war in einem Stück gewebt, ohne jede Naht.
Joh 19,24 Deshalb beschlossen sie: »Dieses Untergewand wollen wir nicht
aufteilen. Wir werden darum losen.« Damit sollte sich die Vorhersage der
Heiligen Schrift erfüllen: »Meine Kleider haben sie unter sich aufgeteilt und um
mein Gewand gelost.« Genauso geschah es auch.
Joh 19,25 Unter dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre
Schwester, außerdem Maria, die Frau von Klopas, und Maria aus Magdala.
Joh 19,26 Als Jesus nun seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er lieb
hatte, sagte er zu ihr: »Er soll jetzt dein Sohn sein!«
Joh 19,27 Und zu dem Jünger sagte er: »Sie ist jetzt deine Mutter.« Da nahm der
Jünger sie zu sich in sein Haus.
Joh 19,28 Jesus wusste, dass nun sein Auftrag erfüllt war. Er sagte: »Ich habe
Durst!« Damit sollte sich die Vorhersage der Heiligen Schrift erfüllen.
Joh 19,29 In der Nähe stand ein Krug mit Essigwasser. Die Soldaten tauchten
einen Schwamm hinein, steckten ihn auf einen Ysopstängel und hielten Jesus den
Schwamm an den Mund.
Joh 19,30 Als Jesus davon getrunken hatte, rief er: »Es ist vollbracht!« Dann
ließ er den Kopf sinken und starb.
Joh 19,31 Das alles geschah am Tag vor dem Passahfest. Damit die Toten nicht an
diesem hohen Feiertag am Kreuz hängen blieben, gingen die führenden Männer der
Juden zu Pilatus und baten ihn, er solle den Gekreuzigten die Beine brechen und
sie vom Kreuz abnehmen lassen.
Joh 19,32 Pilatus schickte Soldaten, und sie brachen den beiden mit Jesus
gekreuzigten Verbrechern die Beine.
Joh 19,33 Als sie zu Jesus kamen, stellten sie fest, dass er bereits tot war.
Deshalb brachen sie ihm nicht die Beine.
Joh 19,34 Aber einer der Soldaten stieß ihm eine Lanze in die Seite. Sofort
flossen Blut und Wasser aus der Wunde.
Joh 19,35 Dies alles bezeugt ein Mann, der es mit eigenen Augen gesehen hat.
Sein Bericht ist zuverlässig und wahr; ihm könnt ihr glauben.
Joh 19,36 Auch das ist geschehen, damit das Wort der Heiligen Schrift in
Erfüllung geht: »Kein Knochen soll ihm zerbrochen werden.«
Joh 19,37 Ebenso erfüllte sich die andere Voraussage: »Sie werden auf den sehen,
den sie durchbohrt haben.«
Joh 19,38 Nachdem das alles geschehen war, bat Josef aus Arimathäa um die
Erlaubnis, den toten Jesus vom Kreuz abnehmen zu dürfen. Er glaubte insgeheim an
Jesus, doch hatte er das bisher aus Angst vor den Juden verschwiegen. Pilatus
erlaubte es ihm, und so ging er zum Kreuz und nahm den Leichnam ab.
Joh 19,39 Auch Nikodemus, der Jesus einmal nachts aufgesucht hatte, kam und
brachte etwa dreißig Kilogramm einer Mischung aus Myrrhe und Aloe.
Joh 19,40 Mit diesen wohlriechenden Salbölen wickelten sie den Leichnam Jesu in
Leinentücher ein. So war es beim Begräbnis von Juden üblich.
Joh 19,41 In der Nähe der Hinrichtungsstätte lag ein Garten. Dort gab es ein in
den Fels gehauenes, noch nicht benutztes Grab.
Joh 19,42 In dieses nahe gelegene Grab legten sie Jesus, denn sie hatten es
eilig, weil bald der Sabbat begann.
Joh 20,1 Am ersten Tag nach dem Sabbat, noch vor Sonnenaufgang, ging Maria aus
Magdala zum Grab. Da sah sie, dass der Stein nicht mehr vor dem Eingang des
Grabes lag.
Joh 20,2 Sofort lief sie zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus
liebte. Aufgeregt berichtete sie ihnen: »Sie haben den Herrn aus dem Grab
geholt, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben!«
Joh 20,3 Da beeilten sich Petrus und der andere Jünger, um möglichst schnell zum
Grab zu kommen.
Joh 20,4 Gemeinsam liefen sie los, aber der andere war schneller als Petrus und
kam zuerst am Grab an.
Joh 20,5 Ohne hineinzugehen, schaute er in die Grabkammer und sah die
Leinentücher dort liegen.
Joh 20,6 Dann kam auch Simon Petrus. Er ging in das Grab hinein und sah
ebenfalls die Leinentücher
Joh 20,7 zusammen mit dem Tuch, das den Kopf Jesu bedeckt hatte. Es lag nicht
zwischen den Leinentüchern, sondern zusammengefaltet an der Seite.
Joh 20,8 Jetzt ging auch der andere Jünger, der zuerst angekommen war, in die
Grabkammer. Er sah sich darin um, und nun glaubte er, dass Jesus von den Toten
auferstanden war.
Joh 20,9 Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie die Heilige Schrift noch nicht
verstanden, in der es heißt, dass Jesus von den Toten auferstehen wird.
Joh 20,10 Die Jünger gingen nach Hause zurück.
Joh 20,11 Inzwischen war auch Maria zum Grab zurückgekehrt und blieb voll Trauer
davor stehen. Weinend schaute sie in die Kammer
Joh 20,12 und sah plötzlich zwei weiß gekleidete Engel an der Stelle sitzen, wo
Jesus gelegen hatte; einen am Kopfende, den anderen am Fußende.
Joh 20,13 »Warum weinst du?«, fragten die Engel. »Sie haben meinen Herrn
weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben«, antwortete Maria
aus Magdala.
Joh 20,14 Als Maria sich umblickte, sah sie Jesus vor sich stehen. Aber sie
erkannte ihn nicht.
Joh 20,15 Er fragte sie: »Warum weinst du, und wen suchst du?« Maria hielt Jesus
für den Gärtner und fragte deshalb: »Hast du ihn weggenommen? Dann sag mir doch,
wohin du ihn gebracht hast. Ich will ihn holen.«
Joh 20,16 »Maria!«, sagte Jesus nun. Sie wandte sich ihm zu und rief: »Rabbuni!«
Das ist Hebräisch und heißt: »Mein Meister.«
Joh 20,17 Jesus sagte: »Halte mich nicht fest! Denn ich bin noch nicht zu meinem
Vater zurückgekehrt. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe zurück
zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!«
Joh 20,18 Maria aus Magdala lief nun zu den Jüngern und berichtete ihnen: »Ich
habe den Herrn gesehen!« Und sie erzählte alles, was ihr Jesus gesagt hatte.
Joh 20,19 An diesem Sonntagabend hatten sich alle Jünger versammelt. Aus Angst
vor den Juden ließen sie die Türen fest verschlossen. Plötzlich war Jesus bei
ihnen. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie: »Friede sei mit euch!«
Joh 20,20 Dann zeigte er ihnen die Wunden in seinen Händen und an seiner Seite.
Als die Jünger ihren Herrn sahen, freuten sie sich sehr.
Joh 20,21 Und Jesus sagte noch einmal: »Friede sei mit euch! Wie mich der Vater
gesandt hat, so sende ich euch!«
Joh 20,22 Dann hauchte er sie an und sprach: »Empfangt den Heiligen Geist!
Joh 20,23 Wem ihr die Sünde erlasst, dem ist sie erlassen. Und wem ihr die
Schuld nicht vergebt, der bleibt schuldig.«
Joh 20,24 Thomas, einer der zwölf Jünger, der auch Zwilling genannt wurde, war
nicht dabei.
Joh 20,25 Deshalb erzählten die Jünger ihm später: »Wir haben den Herrn
gesehen!« Doch Thomas zweifelte: »Das glaube ich nicht! Ich glaube es erst, wenn
ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie
fühlen, und meine Hand will ich in die Wunde an seiner Seite legen.«
Joh 20,26 Acht Tage später hatten sich die Jünger wieder versammelt. Diesmal war
Thomas bei ihnen. Und obwohl sie die Türen wieder abgeschlossen hatten, stand
Jesus auf einmal in ihrer Mitte und grüßte sie: »Friede sei mit euch!«
Joh 20,27 Dann wandte er sich an Thomas: »Leg deinen Finger auf meine
durchbohrten Hände! Gib mir deine Hand und leg sie in die Wunde an meiner Seite!
Zweifle nicht länger, sondern glaube!«
Joh 20,28 Thomas antwortete: »Mein Herr und mein Gott!«
Joh 20,29 Jesus sagte zu ihm: »Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Wie
glücklich können erst die sein, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!«
Joh 20,30 Die Jünger erlebten noch viele andere Wunder Jesu, die nicht in diesem
Buch geschildert werden.
Joh 20,31 Aber die hier aufgezeichneten Berichte wurden geschrieben, damit ihr
glaubt, dass Jesus der versprochene Retter und der Sohn Gottes ist. Wenn ihr ihm
vertraut, habt ihr durch ihn das ewige Leben.
Joh 21,1 Später erschien Jesus seinen Jüngern noch einmal am See von Tiberias.
Das geschah so:
Joh 21,2 Simon Petrus, Thomas, der Zwilling genannt wurde, Nathanael aus Kana in
Galiläa, die beiden Söhne des Zebedäus und zwei andere Jünger waren dort
zusammen.
Joh 21,3 Simon Petrus sagte: »Ich gehe jetzt fischen!« »Wir kommen mit«, meinten
die anderen. Sie stiegen ins Boot und fuhren hinaus auf den See. Aber während
der ganzen Nacht fingen sie keinen einzigen Fisch.
Joh 21,4 Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger erkannten ihn
nicht.
Joh 21,5 Jesus rief ihnen zu: »Kinder, habt ihr ein paar Fische zu essen?«
»Nein«, antworteten sie.
Joh 21,6 Da forderte er sie auf: »Werft das Netz auf der rechten Seite des
Bootes aus, dann werdet ihr einen guten Fang machen!« Sie folgten seinem Rat und
fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht mehr einholen konnten.
Joh 21,7 Jetzt sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: »Das ist der
Herr!« Kaum hatte Simon Petrus das gehört, zog er sein Obergewand an, das er
während der Arbeit abgelegt hatte, sprang ins Wasser und schwamm an das Ufer.
Joh 21,8 Die anderen Jünger waren noch etwa hundert Meter vom Ufer entfernt. Sie
folgten Petrus mit dem Boot und zogen das gefüllte Netz hinter sich her.
Joh 21,9 Als sie aus dem Boot stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer, auf dem Fische
brieten. Auch Brot lag bereit.
Joh 21,10 Jesus bat die Jünger: »Bringt ein paar von den Fischen her, die ihr
gerade gefangen habt!«
Joh 21,11 Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. Es war gefüllt
mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen. Und obwohl es so viele waren, zerriss
das Netz nicht.
Joh 21,12 »Kommt her und esst!«, sagte Jesus. Keiner von den Jüngern wagte zu
fragen: »Wer bist du?« Aber sie alle wussten: Es ist der Herr.
Joh 21,13 Jesus ging auf sie zu, nahm das Brot und verteilte es an sie, ebenso
die Fische.
Joh 21,14 Dies war das dritte Mal, dass Jesus sich seinen Jüngern zeigte,
nachdem er von den Toten auferstanden war.
Joh 21,15 Nach dem Essen fragte Jesus Simon Petrus: »Simon, Sohn des Johannes,
liebst du mich mehr als die anderen hier?« »Ja, Herr«, antwortete ihm Petrus,
»du weißt, dass ich dich lieb habe.« »Dann hüte meine Lämmer«, sagte Jesus.
Joh 21,16 Jesus wiederholte seine Frage: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du
mich?« »Ja, Herr, du weißt doch, dass ich dich liebe«, antwortete Petrus noch
einmal. Erneut sagte Jesus: »Dann hüte meine Schafe!«
Joh 21,17 Und zum dritten Mal fragte Jesus: »Simon, Sohn des Johannes, hast du
mich wirklich lieb?« Jetzt wurde Petrus traurig, weil Jesus ihm nun zum dritten
Mal diese Frage stellte. Deshalb antwortete er: »Herr, du weißt alles. Du weißt
doch auch, wie sehr ich dich liebe!« Darauf sagte Jesus: »Dann hüte meine
Schafe!
Joh 21,18 Ich sage dir die Wahrheit: Als du jung warst, hast du dir selbst den
Gürtel umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Im Alter aber wirst du
deine Hände ausstrecken; ein anderer wird dir den Gürtel darumbinden und dich
dorthin führen, wo du nicht hingehen willst.«
Joh 21,19 Damit deutete Jesus an, durch welchen Tod Petrus einmal Gott ehren
würde. Dann forderte Jesus ihn auf: »Folge mir nach!«
Joh 21,20 Petrus wandte sich um und sah hinter sich den Jünger, den Jesus
liebte. Es war derselbe, der beim letzten Abendessen seinen Platz ganz nah bei
Jesus gehabt und ihn gefragt hatte: »Herr, wer von uns wird dich verraten?«
Joh 21,21 Petrus fragte nun: »Herr, was wird denn aus ihm?«
Joh 21,22 Jesus erwiderte: »Wenn ich will, dass er so lange lebt, bis ich
wiederkomme, was geht es dich an? Folge du mir nach!«
Joh 21,23 So entstand unter denen, die sich zu Jesus bekannten, das Gerücht:
»Dieser Jünger wird nicht sterben.« Aber das hatte Jesus nicht gesagt, sondern:
»Wenn ich will, dass er so lange lebt, bis ich wiederkomme, was geht es dich
an?«
Joh 21,24 Eben dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und hier aufgeschrieben
hat. Und wir wissen, dass alles, was er bezeugt, wahr ist.
Joh 21,25 Noch vieles mehr hat Jesus getan. Aber wollte man das alles eins nach
dem anderen aufschreiben - mir scheint, es wäre wohl auf der ganzen Welt nicht
genügend Platz für die vielen Bücher, die dann noch geschrieben werden müssten.
Apg 1,1 Lieber Theophilus! In meinem ersten Bericht habe ich von allem
geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat; und zwar von Anfang an
Apg 1,2 bis zu seiner Rückkehr zu Gott. Bevor aber Jesus in den Himmel
aufgenommen wurde, gab er den Männern, die er als seine Apostel berufen hatte,
durch den Heiligen Geist Anweisungen für die Zukunft.
Apg 1,3 Diesen Männern hat er sich auch nach seinem Leiden und Sterben gezeigt
und damit bewiesen, dass er tatsächlich auferstanden ist. Vierzig Tage lang
sahen sie ihn, und er sprach mit ihnen über Gottes neue Welt.
Apg 1,4 Als sie an einem dieser Tage miteinander aßen, sagte Jesus zu seinen
Jüngern: »Verlasst Jerusalem nicht! Bleibt so lange hier, bis in Erfüllung
gegangen ist, was euch der Vater durch mich versprochen hat.
Apg 1,5 Denn Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber werdet bald mit dem
Heiligen Geist getauft werden.«
Apg 1,6 Bei dieser Gelegenheit fragten sie ihn: »Herr, wirst du jetzt Israel
wieder zu einem freien und mächtigen Reich machen?«
Apg 1,7 Darauf antwortete Jesus: »Die Zeit dafür hat allein Gott der Vater
bestimmt. Euch steht es nicht zu, das zu wissen.
Apg 1,8 Aber ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine
Zeugen sein in Jerusalem und Judäa, in Samarien und auf der ganzen Erde.«
Apg 1,9 Nachdem er das gesagt hatte, nahm Gott ihn zu sich. Eine Wolke verhüllte
ihn vor ihren Augen, und sie sahen ihn nicht mehr.
Apg 1,10 Noch während sie überrascht nach oben blickten, standen auf einmal zwei
weiß gekleidete Männer bei ihnen.
Apg 1,11 »Ihr Galiläer«, sprachen sie die Jünger an, »was steht ihr hier und
seht zum Himmel? Gott hat Jesus aus eurer Mitte zu sich in den Himmel genommen;
aber eines Tages wird er genauso zurückkehren.«
Apg 1,12 Da gingen sie vom Ölberg nach Jerusalem zurück, das ungefähr einen
Kilometer entfernt liegt.
Apg 1,13 Sie kamen im oberen Stockwerk des Hauses zusammen, wo sie sich von nun
an trafen. Es waren Petrus, Johannes, Jakobus, Andreas, Philippus, Thomas,
Bartholomäus, Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon, der ehemalige
Freiheitskämpfer, und Judas, der Sohn des Jakobus.
Apg 1,14 Zu ihnen gehörten auch einige Frauen, unter anderem Maria, die Mutter
Jesu, und außerdem seine Brüder. Sie alle trafen sich regelmäßig an diesem Ort,
um gemeinsam zu beten.
Apg 1,15 An einem dieser Tage waren etwa hundertzwanzig Menschen dort
zusammengekommen. Da stand Petrus auf und sagte:
Apg 1,16 »Liebe Brüder! Die Voraussage der Heiligen Schrift über Judas, der
Jesus an seine Feinde verriet, musste sich erfüllen. Es ist so gekommen, wie es
der Heilige Geist durch David vorhergesagt hat.
Apg 1,17 Judas gehörte zu uns, auch ihn hatte Jesus zu seinem Dienst berufen.
Apg 1,18 Doch Judas wurde zum Verräter. Von dem Geld, das er dafür bekam, kaufte
er sich ein Stück Land. Aber er hat ein schreckliches Ende gefunden: Kopfüber
stürzte er zu Tode, sein Körper wurde zerschmettert, so dass die Eingeweide
heraustraten.
Apg 1,19 Das weiß jeder in Jerusalem, und deshalb nennt man diesen Acker auf
Aramäisch ›Hakeldamach‹, das heißt ›Blutacker‹.
Apg 1,20 Schon in den Psalmen steht: ›Sein Besitz wird veröden, und niemand wird
darin wohnen!‹ An einer anderen Stelle heißt es: ›Seine Aufgabe soll ein anderer
übernehmen.‹
Apg 1,21 Deshalb muss für Judas ein Nachfolger gefunden werden. Es muss ein Mann
sein, der die ganze Zeit bei Jesus war;
Apg 1,22 angefangen von dem Tag, an dem Jesus von Johannes getauft wurde, bis zu
dem Tag, an dem Gott ihn zu sich nahm. Denn zusammen mit uns soll er bezeugen,
dass Jesus auferstanden ist.«
Apg 1,23 Sie stellten zwei Männer zur Wahl: Josef Justus, der auch Barsabbas
genannt wurde, und Matthias.
Apg 1,24 Dann beteten sie alle: »Herr, du kennst jeden Menschen ganz genau. Zeig
uns, welcher von diesen beiden nach deinem Willen
Apg 1,25 den Dienst und das Apostelamt des Judas übernehmen soll. Denn Judas hat
seinen Auftrag nicht erfüllt. Er ist jetzt an dem Platz, der ihm zukommt.«
Apg 1,26 Danach losten sie, und das Los fiel auf Matthias. Seit dieser Zeit
gehörte er zu den zwölf Aposteln.
Apg 2,1 Zum Beginn des jüdischen Pfingstfestes waren alle Jünger wieder
beieinander.
Apg 2,2 Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm
und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich versammelt hatten.
Apg 2,3 Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf jedem
Einzelnen von ihnen niederließ.
Apg 2,4 So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten in fremden
Sprachen, jeder so, wie der Geist es ihm eingab.
Apg 2,5 Zum Fest waren viele fromme Juden aus aller Welt nach Jerusalem
gekommen.
Apg 2,6 Als sie das Brausen hörten, liefen sie von allen Seiten herbei.
Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden.
Apg 2,7 »Wie ist das möglich?«, riefen sie außer sich. »Alle diese Leute sind
doch aus Galiläa,
Apg 2,8 und nun hören wir sie in unserer Muttersprache reden;
Apg 2,9 ganz gleich, ob wir Parther, Meder oder Elamiter sind. Andere von uns
kommen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,
Apg 2,10 aus Phrygien, Pamphylien und aus Ägypten, aus der Gegend von Kyrene in
Libyen und selbst aus Rom. Wir sind Juden oder Anhänger des jüdischen Glaubens,
Apg 2,11 Kreter und Araber. Doch jeder von uns hört diese Männer in seiner
eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden!«
Apg 2,12 Bestürzt und ratlos fragte einer den anderen: »Was soll das bedeuten?«
Apg 2,13 Einige aber spotteten: »Die haben doch nur zu viel getrunken!«
Apg 2,14 Da erhob sich Petrus mit den anderen elf Aposteln und rief der Menge
zu: »Hört her, ihr jüdischen Männer und ihr Einwohner von Jerusalem. Ich will
euch erklären, was hier geschieht.
Apg 2,15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie einige von euch meinen. Es ist
ja erst neun Uhr morgens.
Apg 2,16 Nein, hier erfüllt sich, was Gott durch den Propheten Joel vorausgesagt
hat. Bei ihm heißt es:
Apg 2,17 ›In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich die Menschen mit meinem
Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden,
eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer bedeutungsvolle
Träume.
Apg 2,18 Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich meinen Geist geben,
und sie werden in meinem Auftrag prophetisch reden.
Apg 2,19 Am Himmel und auf der Erde werdet ihr Wunderzeichen sehen: Blut, Feuer
und Rauch.
Apg 2,20 Die Sonne wird sich verfinstern und der Mond blutrot scheinen, bevor
der große Tag kommt, an dem ich Gericht halte.
Apg 2,21 Wer dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.‹
Apg 2,22 Hört her, ihr Männer Israels! Wie ihr alle wisst, hat Jesus von
Nazareth in Gottes Auftrag mitten unter euch mächtige Taten, Zeichen und Wunder
gewirkt. Ja, Gott selbst hat durch ihn gehandelt und so seinen Auftrag
bestätigt.
Apg 2,23 Aber Jesus wurde durch Verrat an euch ausgeliefert, und ihr habt ihn
mit Hilfe der heidnischen Römer ans Kreuz genagelt und umgebracht. Doch genau so
war es von Gott gewollt und vorausbestimmt.
Apg 2,24 Diesen Jesus hat Gott auferweckt und damit die Macht des Todes
gebrochen. Wie hätte auch der Tod über ihn Gewalt behalten können!
Apg 2,25 David sprach schon von Jesus, als er sagte: ›Ich sehe immer auf den
Herrn. Er steht mir zur Seite, damit ich nicht falle.
Apg 2,26 Darüber freue ich mich so sehr, dass ich es nicht für mich behalten
kann. Selbst wenn ich sterbe, hoffe ich auf dich, Herr!
Apg 2,27 Denn du wirst mich nicht dem Tod und der Verwesung überlassen, ich
gehöre ja zu dir.
Apg 2,28 Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit
Freude, denn du bist bei mir.‹
Apg 2,29 Liebe Brüder! Lasst mich ganz offen zu euch sprechen: Unser Vorfahre
David ist gestorben, und er wurde begraben. Sein Grab kann man heute noch sehen.
Apg 2,30 Gott hatte David aber zugesagt, einer seiner Nachkommen werde als König
regieren. Weil David ein Prophet war,
Apg 2,31 hat er die Auferstehung des Christus vorausgesehen. Von ihm sagte er:
Er wird nicht bei den Toten bleiben, und sein Leib wird nicht verwesen.
Apg 2,32 Das ist mit Jesus geschehen: Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Wir
alle können es bezeugen.
Apg 2,33 Nun hat Gott ihn zum Herrscher eingesetzt und ihm den Ehrenplatz an
seiner rechten Seite gegeben. Jesus empfing vom Vater den Heiligen Geist, wie es
vorausgesagt war, und gab ihn uns. Ihr seht und hört jetzt selbst, dass es in
Erfüllung gegangen ist.
Apg 2,34 Nicht David ist zum Himmel aufgefahren, denn er sagt: ›Gott, der Herr,
sprach zu meinem Herrn: Setze dich auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite,
Apg 2,35 bis ich dir alle deine Feinde unterworfen habe, bis du deinen Fuß auf
ihren Nacken setzt.‹
Apg 2,36 Ganz Israel soll wissen: Gott hat Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum
Herrn und Retter gemacht.«
Apg 2,37 Als die Leute das hörten, waren sie von dieser Botschaft tief
betroffen. Sie fragten Petrus und die anderen Apostel: »Brüder, was sollen wir
tun?«
Apg 2,38 »Kehrt um zu Gott!«, forderte Petrus sie auf. »Jeder von euch soll sich
auf den Namen Jesu Christi taufen lassen, damit euch Gott eure Sünden vergibt
und ihr den Heiligen Geist empfangt.
Apg 2,39 Das alles ist euch, euren Nachkommen und den Menschen in aller Welt
zugesagt, die der Herr, unser Gott, in seinen Dienst berufen wird.«
Apg 2,40 Petrus sprach noch lange mit ihnen und forderte sie eindringlich auf:
»Lasst euch retten vor dem Gericht Gottes, das über diese gottlose Generation
hereinbrechen wird.«
Apg 2,41 Viele Zuhörer glaubten, was Petrus ihnen sagte, und ließen sich taufen.
Etwa dreitausend Menschen wurden an diesem Tag in die Gemeinde aufgenommen.
Apg 2,42 Alle in der Gemeinde ließen sich regelmäßig von den Aposteln im Glauben
unterweisen und lebten in enger Gemeinschaft, feierten das Abendmahl und beteten
miteinander.
Apg 2,43 Eine tiefe Ehrfurcht vor Gott erfüllte sie alle. Er wirkte durch die
Apostel viele Zeichen und Wunder.
Apg 2,44 Die Gläubigen lebten wie in einer großen Familie. Was sie besaßen,
gehörte ihnen gemeinsam.
Apg 2,45 Wer ein Grundstück oder anderen Besitz hatte, verkaufte ihn und half
mit dem Geld denen, die in Not waren.
Apg 2,46 Täglich kamen sie im Tempel zusammen und feierten in den Häusern das
Abendmahl. In großer Freude und mit aufrichtigem Herzen trafen sie sich zu
gemeinsamen Mahlzeiten.
Apg 2,47 Sie lobten Gott und waren im ganzen Volk geachtet und anerkannt. Die
Gemeinde wuchs mit jedem Tag, weil Gott viele Menschen rettete.
Apg 3,1 An einem Nachmittag gegen drei Uhr gingen Petrus und Johannes wie
gewohnt zum Tempel. Sie wollten dort am gemeinsamen Gebet teilnehmen.
Apg 3,2 Zur selben Zeit brachte man einen Gelähmten und setzte ihn an eine der
Tempeltüren, an das so genannte Schöne Tor. Der Mann war seit seiner Geburt
krank und bettelte dort wie an jedem Tag.
Apg 3,3 Als Petrus und Johannes den Tempel betreten wollten, bat er auch sie um
Geld.
Apg 3,4 Sie blieben stehen, richteten den Blick auf ihn, und Petrus sagte:
»Schau uns an!«
Apg 3,5 Erwartungsvoll sah der Mann auf: Würde er etwas von ihnen bekommen?
Apg 3,6 Doch Petrus sagte: »Geld habe ich nicht. Aber was ich habe, will ich dir
geben. Im Namen Jesu Christi von Nazareth: Steh auf und geh!«
Apg 3,7 Dabei fasste er den Gelähmten an der rechten Hand und richtete ihn auf.
In demselben Augenblick konnte der Kranke Füße und Gelenke gebrauchen.
Apg 3,8 Er sprang auf, lief einige Schritte hin und her und ging dann mit Petrus
und Johannes in den Tempel. Außer sich vor Freude rannte er umher, sprang in die
Luft und lobte Gott.
Apg 3,9 So sahen ihn die anderen Tempelbesucher.
Apg 3,10 Sie erkannten, dass es der Bettler war, der immer an dem Schönen Tor
des Tempels gesessen hatte. Fassungslos starrten sie den Geheilten an. Wieso
konnte er jetzt laufen?
Apg 3,11 Alle drängten aufgeregt in die Halle Salomos. Dort umringten sie
Petrus, Johannes und den Geheilten, der nicht von der Seite der Apostel wich.
Apg 3,12 Als Petrus die vielen Menschen sah, sprach er zu ihnen: »Ihr Männer aus
Israel! Warum wundert ihr euch? Und weshalb staunt ihr uns an? Glaubt ihr denn,
wir hätten diesen Gelähmten aus eigener Kraft geheilt oder weil wir so fromm
sind?
Apg 3,13 Nein, es ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer
Vorfahren, der uns mit dieser Wundertat die Macht und Ehre seines Gesandten
Jesus gezeigt hat. Diesen Jesus habt ihr verraten und verleugnet, obwohl Pilatus
entschlossen war, ihn freizulassen.
Apg 3,14 Für den, der ganz zu Gott gehörte und ohne jede Schuld war, habt ihr
das Todesurteil verlangt, aber den Mörder habt ihr begnadigt.
Apg 3,15 Ihr habt den getötet, von dem alles Leben kommt. Aber Gott hat ihn von
den Toten auferweckt. Das können wir bezeugen.
Apg 3,16 Das Vertrauen auf Jesus hat diesen Mann hier geheilt. Ihr alle kennt
ihn und wisst, dass er gelähmt war. Doch nun ist er gesund geworden, weil er an
Jesus geglaubt hat.
Apg 3,17 Ich weiß, liebe Brüder, euch war nicht klar, was ihr damals getan habt,
und auch eure führenden Männer wussten es nicht.
Apg 3,18 Doch so hat Gott erfüllt, was er durch alle Propheten angekündigt
hatte: Der versprochene Retter musste leiden.
Apg 3,19 Jetzt aber kehrt um und wendet euch Gott zu, damit er euch die Sünden
vergibt. Dann wird auch die Zeit kommen, in der Gott sich euch freundlich
zuwendet.
Apg 3,20 Er wird euch Jesus senden, den Retter, den er für euch bestimmt hat.
Apg 3,21 Jetzt herrscht Jesus unsichtbar im Himmel, aber die Zeit wird kommen,
in der alles neu wird. Davon hat Gott schon immer durch seine auserwählten
Propheten gesprochen.
Apg 3,22 Bereits Mose hat gesagt: ›Einen Propheten wie mich wird der Herr, euer
Gott, zu euch senden, einen Mann aus eurem Volk. Ihr sollt alles befolgen, was
er euch sagt.
Apg 3,23 Wer aber nicht auf ihn hört, der soll aus dem Volk verstoßen werden.‹
Apg 3,24 Ebenso haben Samuel und alle Propheten nach ihm diese Tage angekündigt.
Apg 3,25 Was diese Männer gesagt haben, gilt auch für euch. Ihr habt Anteil an
dem Bund, den Gott mit euren Vorfahren geschlossen hat. Denn Gott sprach zu
Abraham: ›Durch deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden.‹
Apg 3,26 Gott hat Jesus zu euch geschickt und ihn beauftragt, euch zu segnen. Er
wird euch helfen, umzukehren und euer Leben zu ändern.«
Apg 4,1 Noch während Petrus und die anderen Apostel zu den Leuten sprachen,
kamen einige Priester, der Hauptmann der Tempelwache und ein paar Sadduzäer auf
sie zu.
Apg 4,2 Sie waren empört, weil Petrus und Johannes in aller Öffentlichkeit
lehrten, dass es eine Auferstehung der Toten gebe, wie an Jesus deutlich
geworden sei.
Apg 4,3 Sie ließen die beiden Apostel verhaften und über Nacht ins Gefängnis
sperren, weil es inzwischen Abend geworden war.
Apg 4,4 Aber viele von den Zuhörern begannen durch die Predigt der Apostel an
Jesus zu glauben, so dass nun etwa fünftausend Männer zur Gemeinde gehörten.
Apg 4,5 Am nächsten Morgen versammelte sich der Hohe Rat in Jerusalem. Dazu
gehörten die führenden Männer der Stadt, die Schriftgelehrten und
Apg 4,6 der Hohepriester Hannas, außerdem Kaiphas, Johannes, Alexander und
andere aus der Verwandtschaft des Hohenpriesters.
Apg 4,7 Sie ließen Petrus und Johannes hereinbringen und fragten sie: »Wer hat
euch für das, was ihr getan habt, den Auftrag und die Vollmacht gegeben?«
Apg 4,8 Erfüllt vom Heiligen Geist antwortete ihnen Petrus: »Ihr führenden
Männer und Ältesten unseres Volkes!
Apg 4,9 Wir werden heute vor Gericht gestellt, weil wir einem Kranken geholfen
haben. Auf die Frage, wie der Mann hier gesund geworden ist,
Apg 4,10 gibt es nur eine Antwort, und die wollen wir euch und dem ganzen Volk
Israel gern geben: Dass dieser Mann geheilt wurde, geschah allein im Namen Jesu
Christi von Nazareth. Er ist es, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den
Toten auferweckte.
Apg 4,11 Jesus ist der Stein, von dem in der Heiligen Schrift gesprochen wird:
›Ihr Bauleute habt ihn als unbrauchbar weggeworfen. Nun aber ist er zum
Grundstein des ganzen Hauses geworden.‹
Apg 4,12 Nur Jesus kann den Menschen Rettung bringen. Nichts und niemand sonst
auf der ganzen Welt rettet sie.«
Apg 4,13 Die Mitglieder des Hohen Rates wunderten sich darüber, wie mutig Petrus
und Johannes redeten; wussten sie doch, dass es einfache Leute ohne besondere
Bildung waren. Aber sie erkannten die beiden als Jünger Jesu wieder;
Apg 4,14 und die Heilung selbst konnten sie nicht bestreiten, denn der Geheilte
stand vor ihnen.
Apg 4,15 Deshalb ließen sie zunächst einmal die Angeklagten aus dem Sitzungssaal
führen.
Apg 4,16 »Was sollen wir nur mit diesen Leuten anfangen?«, fragten sie sich.
»Dass sie in Jerusalem ein Wunder gewirkt haben, können wir nicht bestreiten.
Schließlich haben das viele mit eigenen Augen gesehen.
Apg 4,17 Damit ihr Einfluss auf das Volk aber nicht noch größer wird, sollten
wir ihnen streng verbieten, jemals wieder zu predigen und sich dabei auf diesen
Jesus zu berufen.«
Apg 4,18 Nachdem sie die Apostel wieder in den Sitzungssaal gerufen hatten,
verboten sie ihnen nachdrücklich, noch einmal als Lehrer aufzutreten und in der
Öffentlichkeit von Jesus zu reden.
Apg 4,19 Aber Petrus und Johannes antworteten nur: »Urteilt selbst: Ist es vor
Gott recht, euch mehr zu gehorchen als ihm?
Apg 4,20 Wir können unmöglich verschweigen, was wir gesehen und gehört haben!«
Apg 4,21 Da verwarnte der Hohe Rat die Apostel noch einmal, ließ sie jedoch
frei, weil er Unruhe im Volk befürchtete. Denn alle Menschen in Jerusalem lobten
Gott, der durch Petrus und Johannes ein solches Wunder vollbracht hatte.
Apg 4,22 Immerhin war der Mann, an dem dieses Wunder geschah, über vierzig Jahre
lang gelähmt gewesen.
Apg 4,23 Kaum waren Petrus und Johannes frei, gingen sie zu der versammelten
Gemeinde und berichteten, was ihnen die Hohenpriester und die führenden Männer
des Volkes angedroht hatten.
Apg 4,24 Da beteten alle gemeinsam zu Gott: »Herr, du hast den Himmel, die Erde
und das Meer erschaffen und dazu alles, was lebt.
Apg 4,25 Es sind deine Worte, die unser Vater David, dein Diener, durch den
Heiligen Geist gesprochen hat: ›Warum geraten die Völker in Aufruhr? Weshalb
schmieden sie Pläne, die doch zu nichts führen?
Apg 4,26 Die Mächtigen dieser Welt rebellieren. Sie verschwören sich gegen Gott
und den König, den er eingesetzt hat.‹
Apg 4,27 Genau das ist in dieser Stadt geschehen. Sie haben sich verbündet:
Herodes und Pontius Pilatus, Menschen aus anderen Völkern und ganz Israel. Sie
sind eins geworden im Kampf gegen Jesus, deinen heiligen Sohn, den du erwählt
und gesandt hast.
Apg 4,28 Doch sie erfüllen nur, was du in deiner Macht schon seit langem
beschlossen hast.
Apg 4,29 Und nun, Herr, höre ihre Drohungen! Hilf allen, die an dich glauben,
deine Botschaft ohne Angst weiterzusagen.
Apg 4,30 Zeig deine Macht! Lass Heilungen, Zeichen und Wunder geschehen durch
den Namen deines heiligen Sohnes Jesus, den du gesandt hast!«
Apg 4,31 Als sie gebetet hatten, bebte das Haus, in dem sie zusammengekommen
waren. Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten furchtlos
die Botschaft Gottes.
Apg 4,32 Alle in der Gemeinde waren ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete
sein Eigentum als privaten Besitz, sondern alles gehörte ihnen gemeinsam.
Apg 4,33 Mit großer Überzeugungskraft berichteten die Apostel von der
Auferstehung Jesu, und alle erlebten Gottes Güte.
Apg 4,34 Keinem in der Gemeinde fehlte etwas; denn wer Häuser oder Äcker besaß,
verkaufte seinen Besitz
Apg 4,35 und übergab das Geld den Aposteln. Die verteilten es an die
Bedürftigen.
Apg 4,36 Zur Gemeinde gehörte auch der Levit Josef aus Zypern. Die Apostel
nannten ihn Barnabas, das heißt »der Tröster«.
Apg 4,37 Josef verkaufte seinen Acker und gab das Geld den Aposteln.
Apg 5,1 Ein Mann namens Hananias verkaufte zusammen mit seiner Frau Saphira ein
Grundstück.
Apg 5,2 Sie beschlossen aber, heimlich einen Teil des Geldes für sich zu
behalten. Den Rest brachte Hananias zu den Aposteln.
Apg 5,3 Aber Petrus durchschaute ihn. »Hananias«, fragte er, »warum hast du es
zugelassen, dass der Satan von dir Besitz ergreift? Warum hast du den Heiligen
Geist betrogen und einen Teil des Geldes unterschlagen?
Apg 5,4 Niemand hat dich gezwungen, das Land zu verkaufen. Es war dein Eigentum.
Sogar das Geld hättest du behalten können. Wie konntest du nur so etwas tun! Du
hast nicht Menschen betrogen, sondern Gott selbst.«
Apg 5,5 Nach diesen Worten brach Hananias tot zusammen. Alle, die davon hörten,
waren entsetzt.
Apg 5,6 Einige junge Männer bedeckten den Toten mit einem Tuch und trugen ihn
hinaus, um ihn zu begraben.
Apg 5,7 Etwa drei Stunden später kam seine Frau Saphira. Sie wusste noch nicht,
was geschehen war.
Apg 5,8 Petrus fragte sie: »Ist das hier die ganze Summe gewesen, die ihr für
euren Acker bekommen habt?« »Ja«, antwortete sie, »das war alles.«
Apg 5,9 Da erwiderte Petrus: »Warum habt ihr beiden beschlossen, den Geist des
Herrn herauszufordern? Sieh doch, die Männer, die deinen Mann begraben haben,
kommen gerade zurück. Sie werden auch dich hinaustragen.«
Apg 5,10 Im selben Augenblick fiel Saphira tot zu Boden. Als die jungen Männer
hereinkamen und sahen, dass sie tot war, trugen sie Saphira hinaus und begruben
sie neben ihrem Mann.
Apg 5,11 Die ganze Gemeinde aber und alle, die davon hörten, erschraken
zutiefst.
Apg 5,12 In Gottes Auftrag vollbrachten die Apostel viele Zeichen und Wunder.
Die ganze Gemeinde traf sich immer wieder im Tempel in der Halle Salomos, fest
vereint im Glauben.
Apg 5,13 Die anderen, die nicht zur Gemeinde gehörten, wagten nicht, sich ihnen
anzuschließen; sie sprachen aber mit Hochachtung von ihnen.
Apg 5,14 Immer mehr glaubten an Jesus, den Herrn, viele Männer und Frauen.
Apg 5,15 Sogar die Kranken auf Betten und Bahren trug man an die Straße, damit
wenigstens der Schatten des vorübergehenden Petrus auf sie fiel.
Apg 5,16 Selbst aus den umliegenden Städten Jerusalems strömten die Menschen
herbei. Sie brachten ihre Kranken und von Dämonen Besessenen, und alle wurden
gesund.
Apg 5,17 Der Hohepriester aber und seine Freunde aus der Partei der Sadduzäer
waren neidisch auf die ständig wachsende Gemeinde Christi und beschlossen
deshalb, nicht länger tatenlos zuzusehen.
Apg 5,18 Kurzerhand ließen sie die Apostel festnehmen und ins Gefängnis werfen.
Apg 5,19 Aber in der Nacht öffnete ein Engel des Herrn die Gefängnistüren und
führte die Apostel hinaus.
Apg 5,20 »Geht in den Tempel«, sagte er, »und verkündet dort allen die Botschaft
vom neuen Leben durch Jesus!«
Apg 5,21 Also gingen die Apostel frühmorgens in den Tempel und lehrten dort in
aller Öffentlichkeit. Zur selben Zeit berief der Hohepriester mit seinen
Gesinnungsgenossen den Hohen Rat und alle führenden Männer des Volkes zu einer
Sitzung ein. Dann ließen sie die Apostel zum Verhör holen.
Apg 5,22 Aber die waren nicht mehr im Gefängnis. So kehrten die Beauftragten des
Hohenpriesters zurück und meldeten:
Apg 5,23 »Die Gefangenen sind fort. Die Türen des Gefängnisses waren sorgfältig
verschlossen, und die Wachen standen davor. Aber als wir die Türen öffneten, war
niemand in der Zelle.«
Apg 5,24 Der Befehlshaber der Tempelwache und der Hohepriester waren ratlos. Wie
sollte das alles noch enden?
Apg 5,25 In diesem Augenblick kam jemand mit der Nachricht herein: »Die Männer,
die ihr ins Gefängnis geworfen habt, sind schon wieder im Tempel und lehren
dort!«
Apg 5,26 Sofort zog der Befehlshaber der Tempelwache mit seinen Männern zum
Tempel und holte die Apostel. Allerdings wendeten sie keine Gewalt an, weil sie
sonst fürchten mussten, vom Volk gesteinigt zu werden.
Apg 5,27 Die Apostel wurden in den Gerichtssaal vor den Hohen Rat gebracht, wo
der Hohepriester sie verhörte.
Apg 5,28 »Haben wir euch nicht streng verboten, jemals wieder von diesem Jesus
zu reden?«, begann er. »Und doch spricht inzwischen ganz Jerusalem davon. Ihr
wollt uns sogar für den Tod dieses Menschen verantwortlich machen!«
Apg 5,29 Petrus und die anderen Apostel erwiderten: »Man muss Gott mehr
gehorchen als den Menschen!
Apg 5,30 Der Gott unserer Vorfahren hat Jesus, den ihr ans Kreuz geschlagen und
getötet habt, von den Toten auferweckt.
Apg 5,31 Gott hat ihn durch seine Macht zum Herrscher und Retter erhoben, damit
das Volk Israel zu Gott umkehren kann und ihm seine Sünden vergeben werden.
Apg 5,32 Das werden wir immer bezeugen und auch der Heilige Geist, den Gott
allen gibt, die ihm gehorchen.«
Apg 5,33 Diese Worte versetzten die Mitglieder des Hohen Rates in maßlose Wut,
und sie beschlossen, die Apostel töten zu lassen.
Apg 5,34 Da stand Gamaliel auf, ein Pharisäer und hoch angesehener
Schriftgelehrter. Er ließ die Apostel für kurze Zeit hinausbringen;
Apg 5,35 dann wandte er sich an die Versammelten: »Ihr Männer von Israel, seid
vorsichtig und überlegt euch genau, was ihr gegen diese Leute unternehmt.
Apg 5,36 Schon früher glaubten manche Männer, etwas Besonderes zu sein, wie
Theudas zum Beispiel. Etwa vierhundert Männer konnte er als Anhänger gewinnen.
Aber er wurde getötet, und von seinen Leuten ist keiner mehr zu finden. Niemand
spricht mehr von ihnen.
Apg 5,37 Zur Zeit der Volkszählung unternahm Judas aus Galiläa einen Aufstand.
Viele Leute schlossen sich ihm an. Aber auch er kam um, und von seiner Bewegung
spricht kein Mensch mehr.
Apg 5,38 Deshalb rate ich euch: Lasst diese Männer in Ruhe! Wenn es ihre eigenen
Ideen und Taten sind, für die sie sich einsetzen, werden sie scheitern.
Apg 5,39 Steht aber Gott dahinter, könnt ihr ohnehin nichts dagegen unternehmen.
Oder wollt ihr als Leute dastehen, die gegen Gott kämpfen?« Das überzeugte alle.
Apg 5,40 Man rief die Apostel wieder herein, ließ sie auspeitschen und verbot
ihnen noch einmal, von Jesus zu reden. Dann wurden sie freigelassen.
Apg 5,41 Die Apostel aber verließen den Hohen Rat voller Freude darüber, dass
Gott sie dazu auserwählt hatte, für Jesus Verachtung und Schmerzen zu ertragen.
Apg 5,42 Sie lehrten weiter jeden Tag öffentlich im Tempel und auch in Häusern
und verkündeten, dass Jesus der Christus ist, der schon lange erwartete Retter.
Apg 6,1 In dieser Zeit wuchs die Gemeinde rasch. Dabei kam es zu Schwierigkeiten
zwischen den Juden, die griechisch sprachen, und denen mit hebräischer
Muttersprache. Die griechischen Juden beklagten sich darüber, dass ihre Witwen
bei der täglichen Versorgung benachteiligt würden.
Apg 6,2 Deshalb riefen die zwölf Apostel die ganze Gemeinde zusammen. »Es ist
nicht richtig«, sagten sie, »dass wir Lebensmittel verteilen müssen, statt
Gottes Botschaft zu verkünden.
Apg 6,3 Darum, liebe Brüder und Schwestern, sucht in der Gemeinde nach sieben
Männern mit gutem Ruf, die ihr Leben ganz vom Heiligen Geist bestimmen lassen
und wissen, was zu tun ist. Sie sollen diese Aufgabe übernehmen.
Apg 6,4 Wir selbst aber wollen nach wie vor alle Zeit dafür einsetzen, zu beten
und Gottes Botschaft zu verkünden.«
Apg 6,5 Mit diesem Vorschlag waren alle einverstanden. Zuerst wählten sie
Stephanus, einen Mann mit festem Glauben und erfüllt mit dem Heiligen Geist;
danach Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus von
Antiochia; er war früher einmal zum jüdischen Glauben übergetreten.
Apg 6,6 Diese sieben Männer wurden vor die Apostel gestellt, die für sie beteten
und ihnen segnend die Hände auflegten.
Apg 6,7 Die Botschaft Gottes aber wurde immer mehr Menschen verkündet. Vor allem
in Jerusalem wuchs die Zahl der Gläubigen ständig. Unter ihnen waren viele
jüdische Priester, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten.
Apg 6,8 Stephanus vollbrachte öffentlich durch Gottes Gnade und Kraft große
Zeichen und Wunder.
Apg 6,9 Eines Tages verwickelten ihn Anhänger einer jüdischen Gemeinde, die sich
die »Freigelassenen« nannten, in ein Streitgespräch. Auch Leute aus Kyrene,
Alexandria, Zilizien und der Provinz Asia beteiligten sich daran.
Apg 6,10 Aber keiner von ihnen hatte der Weisheit und dem Geist des Stephanus
etwas entgegenzusetzen.
Apg 6,11 Deshalb hetzten sie ein paar Leute auf, die behaupten sollten: »Er hat
Gott und Mose beleidigt. Wir haben es selbst gehört.«
Apg 6,12 Dadurch gelang es ihnen, das Volk, seine führenden Männer und die
Schriftgelehrten so aufzuwiegeln, dass sie über Stephanus herfielen und ihn vor
den Hohen Rat schleppten.
Apg 6,13 Dort traten Zeugen gegen Stephanus auf, die man vorher bestochen hatte.
»Dieser Mensch«, so behaupteten sie, »zieht fortwährend den heiligen Tempel und
das Gesetz Gottes in den Dreck.
Apg 6,14 Wir haben selbst gehört, dass er gesagt hat: ›Jesus von Nazareth wird
den Tempel zerstören und die Ordnungen ändern, die Mose uns gegeben hat.‹«
Apg 6,15 Die Mitglieder des Hohen Rates blickten gespannt auf Stephanus, und
jedem fiel auf, dass sein Gesicht aussah wie das eines Engels.
Apg 7,1 Der Hohepriester fragte Stephanus: »Stimmt es, was die Männer hier von
dir behaupten?«
Apg 7,2 Stephanus antwortete: »Hört mich an, liebe Brüder und Väter! Gott, dem
alle Ehre zukommt, erschien unserem Vater Abraham in Mesopotamien, noch ehe
Abraham nach Haran gezogen war.
Apg 7,3 Gott forderte ihn auf: ›Verlass deine Heimat und deine Verwandten, und
zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!‹
Apg 7,4 So verließ Abraham das Land der Chaldäer und wohnte in Haran, bis sein
Vater starb. Dann brachte Gott ihn hierher, wo ihr jetzt wohnt.
Apg 7,5 Zwar gab Gott ihm keinen Fußbreit eigenes Land, doch sagte er ihm zu,
dass ihm und seinen Nachkommen alles Land gehören würde. Zu der Zeit aber hatte
Abraham noch keine Kinder!
Apg 7,6 Gott sagte zu ihm: ›Deine Nachkommen werden in einem fremden Land
heimatlos sein. Vierhundert Jahre wird man sie ausbeuten, und sie werden viel
leiden müssen.‹
Apg 7,7 Aber Gott versprach Abraham auch: ›Ich werde das Volk bestrafen, das
euch so lange unterdrückt hat. Dann werden deine Nachkommen das fremde Land
verlassen und mir hier dienen.‹
Apg 7,8 Damals schloss Gott mit Abraham den Bund, dessen Zeichen die
Beschneidung ist. Als später Isaak geboren wurde, beschnitt ihn sein Vater
Abraham am achten Tag nach der Geburt. Auch Isaak und sein Sohn Jakob hielten an
dieser Ordnung fest, ebenso Jakobs zwölf Söhne, unsere Stammväter.
Apg 7,9 Weil aber Jakobs Söhne auf ihren Bruder Josef neidisch waren, verkauften
sie ihn als Sklaven nach Ägypten. Doch Gott verließ Josef nicht,
Apg 7,10 sondern half ihm jedes Mal, wenn er in Not geriet. Josef konnte die
Gunst des ägyptischen Königs, des Pharaos, gewinnen. Wegen der ungewöhnlichen
Weisheit, die Gott ihm gegeben hatte, wurde Josef vom Pharao schließlich zum
Verwalter über ganz Ägypten und den Königshof eingesetzt.
Apg 7,11 Dann aber brach in Ägypten und Kanaan eine Hungersnot aus. Die Not war
so groß, dass auch unsere Vorfahren nichts mehr zu essen hatten.
Apg 7,12 Als Jakob erfuhr, dass es in Ägypten noch Getreide gab, schickte er
seine Söhne in dieses Land.
Apg 7,13 Bei ihrer zweiten Reise nach Ägypten gab sich Josef seinen Brüdern zu
erkennen. Nun erfuhr der Pharao noch mehr über Josefs Familie.
Apg 7,14 Josef ließ seinen Vater Jakob und alle seine Verwandten nach Ägypten
kommen, insgesamt fünfundsiebzig Menschen.
Apg 7,15 So kam Jakob nach Ägypten. Er und alle unsere Vorfahren lebten dort bis
zu ihrem Tod.
Apg 7,16 Später wurden ihre Gebeine nach Sichem überführt und in dem Grab
beigesetzt, das Abraham von den Nachkommen Hamors erworben hatte.
Apg 7,17 Dann kam die Zeit, in der Gott das Versprechen erfüllen wollte, das er
Abraham gegeben hatte. Die Nachkommen Josefs und seiner Brüder waren in Ägypten
zu einem großen Volk geworden.
Apg 7,18 Ein neuer Pharao kam an die Macht, der von Josef nichts mehr wusste.
Apg 7,19 Grausam und voller Hinterlist unterdrückte er unser Volk. Er zwang
unsere Vorfahren, ihre neugeborenen Kinder auszusetzen, damit sie starben.
Apg 7,20 In dieser Zeit wurde Mose geboren; er war ein sehr schönes Kind. Drei
Monate lang versteckten ihn seine Eltern in ihrem Haus.
Apg 7,21 Als er dann doch ausgesetzt werden musste, fand ihn die Tochter des
Pharaos. Sie nahm ihn bei sich auf und erzog ihn wie ihren eigenen Sohn.
Apg 7,22 Mose wurde in allen Wissenschaften der Ägypter gründlich ausgebildet,
und alles, was er sagte oder tat, brachte ihm hohes Ansehen.
Apg 7,23 Als Mose vierzig Jahre alt war, beschloss er, sich um seine Brüder, die
Israeliten, zu kümmern.
Apg 7,24 Eines Tages musste er mit ansehen, wie ein Israelit von einem Ägypter
misshandelt wurde. Ohne zu zögern, griff er ein und schlug den Ägypter tot.
Apg 7,25 Mose meinte, seine Landsleute müssten jetzt erkennen, dass Gott ihn zur
Befreiung seines Volkes geschickt hatte. Doch sie erkannten es nicht.
Apg 7,26 Am nächsten Tag sah Mose, wie sich zwei Israeliten stritten. Er
versuchte, den Streit zu schlichten, und sagte zu ihnen: ›Ihr gehört doch zu ein
und demselben Volk, warum schlagt ihr euch?‹
Apg 7,27 Aber der mit dem Streit angefangen hatte, stieß ihn zurück und schrie:
›Wer hat dich eigentlich zu unserem Herrn und Richter gemacht?
Apg 7,28 Willst du mich etwa auch umbringen, wie du gestern den Ägypter getötet
hast?‹
Apg 7,29 Mose erschrak über diese Worte. Er verließ Ägypten und floh nach
Midian, wo er als Ausländer lebte. Dort bekam seine Frau zwei Söhne.
Apg 7,30 Vierzig Jahre vergingen. Da erschien ihm in der Wüste am Berg Sinai ein
Engel im Feuer eines brennenden Dornbusches.
Apg 7,31 Mose sah die Flamme und wunderte sich über die seltsame Erscheinung.
Als er aber näher herantrat, um genau hinzuschauen, hörte er die Stimme des
Herrn:
Apg 7,32 ›Ich bin der Gott deiner Vorfahren, der Gott Abrahams, Isaaks und
Jakobs.‹ Mose zitterte vor Angst und wagte nicht hinzusehen.
Apg 7,33 Aber der Herr sprach weiter zu ihm: ›Zieh deine Sandalen aus; denn du
stehst auf heiligem Boden.
Apg 7,34 Ich habe gesehen, wie mein Volk in Ägypten leiden muss, und sein Weinen
und Klagen habe ich gehört. Nun bin ich gekommen, um es zu befreien. Geh deshalb
zurück nach Ägypten!‹
Apg 7,35 Gott sandte also gerade den Mann als Anführer und Befreier zu den
Israeliten, den sie mit den Worten abgewiesen hatten: ›Wer hat dich zu unserem
Herrn und Richter gemacht?‹ Ihn erwählte Gott durch den Engel im brennenden
Dornbusch zu ihrem Befreier,
Apg 7,36 und Mose führte unser Volk aus Ägypten. Überall vollbrachte er Zeichen
und Wunder: in Ägypten, am Roten Meer und während der vierzig Jahre in der
Wüste.
Apg 7,37 Mose war es auch, der zum Volk Israel sagte: ›Einmal wird euch der
Herr, euer Gott, einen Propheten wie mich senden, einen Mann aus eurem Volk.‹
Apg 7,38 Dieser Mose wurde zum Vermittler zwischen unserem Volk und dem Engel,
der ihm auf dem Berg Sinai das Gesetz Gottes gab. Mose sollte uns Gottes
Weisungen übermitteln, die allen das Leben bringen.
Apg 7,39 Aber unsere Vorfahren wollten nicht auf ihn hören. Sie trauerten dem
Leben in Ägypten nach und lehnten sich sogar gegen Mose auf, als er auf dem Berg
Sinai war.
Apg 7,40 Von seinem Bruder Aaron verlangten sie: ›Mach uns Götzenfiguren. Wir
wollen sie vor uns hertragen, damit sie uns führen. Mose hat uns zwar aus
Ägypten herausgeführt. Aber jetzt weiß niemand von uns, was aus ihm geworden
ist.‹
Apg 7,41 Sie machten sich ein Stierkalb, das ihr Gott sein sollte. Als es fertig
war, freuten sie sich über ihren Götzen und brachten ihm ihre Opfer.
Apg 7,42 Da wandte sich Gott von ihnen ab und überließ sie ihrem Schicksal. So
kam es, dass sie zur Sonne, dem Mond und den Sternen beteten, wie es im Buch der
Propheten steht: ›Ihr Israeliten, als ihr vierzig Jahre in der Wüste
umhergezogen seid, habt ihr mir da Opfertiere und Schlachtopfer dargebracht?
Apg 7,43 Nein, ihr habt das Zelt des Götzen Moloch und den Stern des Götzen
Räfan vor euch hergetragen. Diese Götter habt ihr euch selbst gemacht, um sie
anzubeten. Deshalb werde ich euch in die Gefangenschaft führen, noch weit über
Babylon hinaus.‹
Apg 7,44 Während ihrer ganzen Wanderung durch die Wüste trugen unsere Vorfahren
ein Zelt mit sich, das ihnen als Tempel diente. Gott selbst hatte ihnen
befohlen, ein solches Zelt zu bauen, und zwar genau so, wie er es Mose gezeigt
hatte.
Apg 7,45 Die folgende Generation übernahm das Zelt. Und als Josua später das
Land eroberte, aus dem die heidnischen Völker von Gott vertrieben wurden, nahmen
die Israeliten das Zelt mit in ihre neue Heimat. Dort blieb es noch bis zur Zeit
des Königs David.
Apg 7,46 Diesem König wandte sich Gott immer wieder in Liebe zu. David war es
auch, der den Gott Israels bat, ihm einen Tempel bauen zu dürfen.
Apg 7,47 Doch erst Salomo verwirklichte diesen Plan.
Apg 7,48 Aber der höchste Gott wohnt ohnehin nicht in Häusern, die ihm Menschen
bauen. So sagt schon der Prophet Jesaja:
Apg 7,49 ›Der Himmel ist mein Thron und die Erde mein Fußschemel. Und da wollt
ihr mir, dem Herrn, ein Haus bauen? An welchem Ort soll ich mich denn
niederlassen?
Apg 7,50 Ich habe doch Himmel und Erde geschaffen!‹«
Apg 7,51 »Ihr seid wirklich unbelehrbar!«, fuhr Stephanus fort. »Ihr habt eure
Ohren für Gottes Botschaft verschlossen, und auch euer Herz gehört ihm nicht.
Wie eure Vorfahren widersetzt ihr euch ständig dem Heiligen Geist.
Apg 7,52 Nennt mir einen einzigen Propheten, den eure Vorfahren nicht verfolgt
haben. Sie haben alle umgebracht, die vom Kommen eures Retters sprachen. Ihr
aber seid die Verräter und Mörder dieses Unschuldigen!
Apg 7,53 Gott hat euch durch seine Engel das Gesetz gegeben, aber ihr habt euch
nie danach gerichtet.«
Apg 7,54 Über diese Worte des Stephanus gerieten seine Zuhörer in maßlose Wut.
Apg 7,55 Stephanus aber blickte, erfüllt vom Heiligen Geist, zum Himmel auf und
sah dort Gott in seiner Herrlichkeit und Jesus an seiner rechten Seite.
Apg 7,56 »Ich sehe den Himmel offen!«, rief Stephanus, »und Jesus, den
Menschensohn, auf dem Ehrenplatz an der rechten Seite Gottes stehen!«
Apg 7,57 Jetzt schrien sie ihn nieder, hielten sich die Ohren zu, um seine Worte
nicht länger hören zu müssen, und stürzten sich auf ihn.
Apg 7,58 Sie zerrten ihn aus der Stadt und steinigten ihn. Die Zeugen, die an
der Steinigung beteiligt waren, legten ihre Obergewänder ab und gaben sie einem
jungen Mann, der Saulus hieß.
Apg 7,59 Als sie Stephanus steinigten, betete er laut: »Herr Jesus, nimm meinen
Geist zu dir!«
Apg 7,60 Er kniete nieder und rief: »Herr, vergib ihnen diese Schuld!« Mit
diesen Worten starb er.
Apg 8,1 Saulus war mit der Steinigung des Stephanus einverstanden. Noch am
selben Tag setzte eine schwere Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem ein. Alle
außer den Aposteln flohen in die Landbezirke Judäas und Samariens.
Apg 8,2 Stephanus wurde von einigen frommen Männern begraben, die für ihn die
Totenklage hielten.
Apg 8,3 Saulus aber setzte alles daran, die Gemeinde Jesu auszurotten. Er
schleppte Männer und Frauen aus ihren Häusern und ließ sie ins Gefängnis werfen.
Apg 8,4 Doch die aus Jerusalem geflohenen Gläubigen verkündeten überall die
Worte und Taten Jesu.
Apg 8,5 Einer von ihnen war Philippus. Er kam in die Stadt Samaria und sprach
dort von Christus.
Apg 8,6 Die Einwohner hörten ihm bereitwillig zu und sahen die Wunder, die er
wirkte.
Apg 8,7 Böse Geister wurden ausgetrieben und ließen mit lautem Geschrei von
ihren Opfern ab. Ebenso heilte Philippus viele Menschen, die gelähmt waren und
andere körperliche Gebrechen hatten.
Apg 8,8 Darüber herrschte große Freude in Samaria.
Apg 8,9 In Samaria lebte auch Simon, ein Mann, der seit vielen Jahren Zauberei
getrieben und durch seine Künste viele in Erstaunen versetzt hatte. Er
behauptete, etwas Besonderes zu sein.
Apg 8,10 Alle Leute, die seine Zauberei miterlebt hatten, waren seine
begeisterten Anhänger und sagten: »In diesem Mann wirkt Gottes große Kraft!«
Apg 8,11 Sie standen ganz in seinem Bann, weil er sie jahrelang mit seinen
Zauberkünsten beeinflusst hatte.
Apg 8,12 Aber nun glaubten viele an die rettende Botschaft von Gottes neuer Welt
und von Jesus Christus, wie Philippus es ihnen verkündet hatte. Männer und
Frauen ließen sich taufen,
Apg 8,13 unter ihnen auch der Zauberer Simon. Nach seiner Taufe begleitete er
Philippus überallhin und sah dabei voller Staunen die großen Zeichen und Wunder,
die geschahen.
Apg 8,14 Als nun die Apostel in Jerusalem davon hörten, dass die Leute in
Samaria Gottes Botschaft angenommen hatten, schickten sie Petrus und Johannes
dorthin.
Apg 8,15 Die beiden Apostel kamen nach Samaria und beteten für die Gläubigen,
dass Gott ihnen seinen Heiligen Geist schenken möge.
Apg 8,16 Denn bisher hatte keiner von ihnen den Geist empfangen, obwohl sie auf
den Namen des Herrn Jesus getauft worden waren.
Apg 8,17 Als ihnen aber die Apostel die Hände auflegten, empfingen sie den
Heiligen Geist.
Apg 8,18 Simon hatte gesehen, dass den Gläubigen der Heilige Geist gegeben
wurde, als die Apostel ihnen die Hände auflegten. Da bot er Petrus und Johannes
Geld an
Apg 8,19 und sagte: »Verhelft auch mir dazu, dass jeder, dem ich die Hände
auflege, den Heiligen Geist bekommt.«
Apg 8,20 Doch Petrus wies ihn zurecht: »Fahr zur Hölle mit deinem Geld! Denkst
du wirklich, dass man Gottes Geschenk kaufen kann?
Apg 8,21 Für dich gibt es Gottes Gaben nicht, denn du bist ihm gegenüber nicht
aufrichtig.
Apg 8,22 Bereu deine Bosheit, und kehr um zu Gott! Bitte ihn, dass er dir diese
abscheulichen Gedanken vergibt.
Apg 8,23 Denn ich sehe, dass du voller Gift und Galle bist. Du bist in deiner
Schuld gefangen.«
Apg 8,24 Da rief Simon erschrocken: »Betet für mich, damit mir erspart bleibt,
was ihr mir angedroht habt!«
Apg 8,25 Nachdem sie in Samaria gepredigt hatten, dass Jesus der Herr ist,
kehrten Petrus und Johannes nach Jerusalem zurück. Unterwegs verkündeten sie
auch in vielen Dörfern Samariens die rettende Botschaft von Jesus.
Apg 8,26 Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf: »Geh in Richtung Süden, und
zwar auf die einsame Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt.«
Apg 8,27 [27/28] Philippus machte sich sofort auf den Weg. Zur selben Zeit war
auf dieser Straße auch ein Mann aus Äthiopien mit seinem Wagen unterwegs. Er war
ein Hofbeamter der Königin von Äthiopien, die den Titel Kandake führte, und
verwaltete ihr Vermögen. Eben kehrte er von Jerusalem zurück, wo er als Pilger
im Tempel Gott angebetet hatte. Während der Fahrt las er im Buch des Propheten
Jesaja.
Apg 8,29 Da sprach der Heilige Geist zu Philippus: »Geh zu diesem Wagen, und
bleib in seiner Nähe.«
Apg 8,30 Philippus lief hin und hörte, dass der Mann laut aus dem Buch Jesaja
las. Er fragte den Äthiopier: »Verstehst du eigentlich, was du da liest?«
Apg 8,31 »Nein«, erwiderte der Mann, »wie soll ich das denn verstehen, wenn es
mir niemand erklärt!« Er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu
setzen.
Apg 8,32 Gerade hatte er die Sätze gelesen: »Wie ein Schaf, das geschlachtet
werden soll, hat man ihn abgeführt. Und wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, wenn
es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen.
Apg 8,33 Er wurde gedemütigt, nicht einmal ein gerechtes Urteil war er seinen
Peinigern wert. Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Denn man
hat sein Leben auf dieser Erde vernichtet.«
Apg 8,34 Der Äthiopier fragte Philippus: »Von wem spricht hier der Prophet? Von
sich selbst oder von einem anderen?«
Apg 8,35 Da begann Philippus, ihm die rettende Botschaft von Jesus anhand dieses
Prophetenwortes zu erklären.
Apg 8,36 Als sie bald darauf an einer Wasserstelle vorüberfuhren, sagte der
äthiopische Hofbeamte: »Dort ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich jetzt
gleich getauft werde?«
Apg 8,38 Er ließ den Wagen halten. Gemeinsam stiegen sie ins Wasser, und
Philippus taufte ihn.
Apg 8,39 Nachdem sie aus dem Wasser gestiegen waren, entrückte der Geist des
Herrn den Philippus. Der Äthiopier sah ihn nicht mehr, aber er reiste mit frohem
Herzen weiter.
Apg 8,40 Philippus wurde danach in Aschdod gesehen. Von dort aus zog er von
Stadt zu Stadt und predigte überall die rettende Botschaft von Jesus, selbst im
entfernten Cäsarea.
Apg 9,1 Saulus verfolgte noch immer mit grenzenlosem Hass alle, die an den Herrn
glaubten, und drohte ihnen an, sie hinrichten zu lassen.
Apg 9,2 Er ging zum Hohenpriester und ließ sich von ihm Briefe für die jüdischen
Gemeinden in Damaskus mitgeben. Sie ermächtigten ihn, auch in diesem Gebiet die
Gläubigen aufzuspüren und sie - ganz gleich, ob Männer oder Frauen - als
Gefangene nach Jerusalem zu bringen.
Apg 9,3 Kurz vor Damaskus umgab Saulus plötzlich ein blendendes Licht vom
Himmel.
Apg 9,4 Er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: »Saul, Saul, warum verfolgst
du mich?«
Apg 9,5 »Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus. »Ich bin Jesus, den du verfolgst!«,
antwortete die Stimme.
Apg 9,6 »Steh auf und geh in die Stadt. Dort wird man dir sagen, was du tun
sollst.«
Apg 9,7 Die Begleiter des Saulus standen sprachlos da, denn sie hatten zwar die
Stimme gehört, aber niemanden gesehen.
Apg 9,8 Als Saulus aufstand und die Augen öffnete, konnte er nicht mehr sehen.
Da nahmen sie ihn an der Hand und führten ihn nach Damaskus.
Apg 9,9 Drei Tage lang war er blind und wollte weder essen noch trinken.
Apg 9,10 In Damaskus wohnte ein Jünger Jesu, der Hananias hieß. Dem erschien der
Herr in einer Vision. »Hananias«, sagte er zu ihm. »Ja, Herr, hier bin ich«,
erwiderte der Mann.
Apg 9,11 Der Herr forderte ihn auf: »Geh zur Geraden Straße in das Haus des
Judas, und frag dort nach einem Saulus von Tarsus. Er betet gerade
Apg 9,12 und hat in einer Vision einen Mann gesehen, der Hananias heißt. Dieser
kam zu ihm und legte ihm die Hände auf, damit er wieder sehen kann.«
Apg 9,13 »Aber Herr«, wandte Hananias ein, »ich habe schon von so vielen gehört,
wie grausam dieser Saulus deine Gemeinde in Jerusalem verfolgt.
Apg 9,14 Außerdem haben wir erfahren, dass er eine Vollmacht der Hohenpriester
hat, auch hier alle gefangen zu nehmen, die an dich glauben.«
Apg 9,15 Doch der Herr sprach zu Hananias: »Geh nur! Ich habe diesen Mann dazu
auserwählt, mich bei allen Völkern und Herrschern der Erde, aber auch bei den
Israeliten bekannt zu machen.
Apg 9,16 Dabei wird er erfahren, wie viel er um meinetwillen leiden muss.«
Apg 9,17 Hananias gehorchte. Er ging in das Haus des Judas, fand dort Saulus und
legte ihm die Hände auf. »Lieber Bruder Saulus«, sagte er, »Jesus, der Herr, der
dir unterwegs erschienen ist, hat mich zu dir geschickt, damit du mit dem
Heiligen Geist erfüllt wirst und wieder sehen kannst.«
Apg 9,18 Im selben Moment fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen, und er
konnte wieder sehen. Er stand auf und ließ sich taufen.
Apg 9,19 Nachdem er gegessen hatte, erholte er sich schnell. Einige Tage blieb
Saulus bei der Gemeinde in Damaskus.
Apg 9,20 Gleich nach seiner Taufe begann er, in den Synagogen zu predigen und zu
verkünden, dass Jesus der Sohn Gottes ist.
Apg 9,21 Seine Zuhörer waren fassungslos. Ungläubig fragten sie: »Ist das nicht
der, von dem alle in Jerusalem, die sich zu Jesus bekennen, so erbarmungslos
verfolgt wurden? Und ist er nicht hierher gekommen, um auch die Gläubigen in
Damaskus zu verhaften und an die Hohenpriester in Jerusalem auszuliefern?«
Apg 9,22 Saulus aber konnte immer überzeugender beweisen, dass Jesus der
versprochene Retter ist, so dass die Juden in Damaskus schließlich keine
Einwände mehr vorbringen konnten.
Apg 9,23 Deshalb beschlossen sie nach einiger Zeit, Saulus zu töten.
Apg 9,24 Der aber erfuhr von ihren Plänen; Tag und Nacht bewachten sie die
Stadttore, damit er ihnen nicht entkam.
Apg 9,25 Da ließen einige aus der Gemeinde ihn nachts in einem Korb die
Stadtmauer hinunter.
Apg 9,26 Nachdem Saulus in Jerusalem angekommen war, versuchte er, sich dort der
Gemeinde anzuschließen. Aber alle hatten Angst vor ihm, weil sie nicht glauben
konnten, dass er sich wirklich zu Jesus bekannte.
Apg 9,27 Endlich nahm sich Barnabas seiner an. Er brachte ihn zu den Aposteln
und berichtete dort, wie Saulus auf der Reise nach Damaskus den Herrn gesehen
hatte. Er erzählte, dass Jesus zu Saulus geredet und dieser dann in Damaskus
furchtlos im Auftrag Jesu die rettende Botschaft verkündet hatte.
Apg 9,28 Nun erst wurde Saulus von der Gemeinde in Jerusalem herzlich
aufgenommen. Er ging bei ihnen aus und ein und predigte unerschrocken im Namen
des Herrn.
Apg 9,29 Mit den Griechisch sprechenden Juden führte er Streitgespräche. Bald
trachteten auch sie ihm nach dem Leben.
Apg 9,30 Als die anderen Gläubigen davon erfuhren, brachten sie Saulus nach
Cäsarea. Von dort reiste er in seine Heimatstadt Tarsus.
Apg 9,31 Die Gemeinden in Judäa, Galiläa und Samarien hatten nun Frieden. Sie
wuchsen und lebten in Ehrfurcht vor Gott. Durch das Wirken des Heiligen Geistes
schlossen sich immer mehr Menschen diesen Gemeinden an.
Apg 9,32 Auf einer seiner vielen Reisen durch das ganze Land kam Petrus auch zu
der Gemeinde in der Stadt Lydda.
Apg 9,33 Dort traf er Äneas, einen Mann, der schon acht Jahre lang gelähmt im
Bett lag.
Apg 9,34 Petrus sagte zu ihm: Ȁneas, Jesus Christus heilt dich. Steh auf, und
pack deine Sachen zusammen!« Tatsächlich stand der Gelähmte auf und konnte
gehen.
Apg 9,35 Als die Einwohner von Lydda und den umliegenden Orten in der
Scharon-Ebene den Geheilten sahen, begannen sie, an Jesus, den Herrn, zu
glauben.
Apg 9,36 In der Stadt Joppe lebte eine Frau, die sich zu Jesus bekannte. Sie
hieß Tabita. Der Name bedeutet »Gazelle«. Tabita tat viel Gutes und half den
Armen.
Apg 9,37 Als Petrus in Lydda war, wurde sie plötzlich krank und starb. Man wusch
die Tote und bahrte sie in einer Dachkammer auf.
Apg 9,38 Joppe liegt nicht weit von Lydda. Die Gemeinde in Joppe schickte
deshalb zwei Männer mit der dringenden Bitte zu Petrus: »Komm, so schnell du
kannst, zu uns nach Joppe!«
Apg 9,39 Petrus ging sofort mit ihnen. Als er angekommen war, führte man ihn in
die Kammer, in der die Tote lag. Dort hatten sich viele Witwen eingefunden,
denen Tabita in ihrer Not geholfen hatte. Weinend zeigten sie Petrus Kleider und
Röcke, die Tabita ihnen genäht hatte.
Apg 9,40 Doch Petrus schickte sie alle hinaus. Er kniete nieder und betete. Dann
sagte er zu der Toten: »Tabita, steh auf!« Sofort öffnete sie die Augen, sah
Petrus an und richtete sich auf.
Apg 9,41 Petrus gab ihr die Hand und half ihr aufzustehen. Dann rief er die
Gläubigen und die Witwen herein, die mit eigenen Augen sehen konnten, dass
Tabita lebendig vor ihnen stand.
Apg 9,42 Bald wusste ganz Joppe, was geschehen war, und viele glaubten deswegen
an den Herrn.
Apg 9,43 Petrus blieb danach noch längere Zeit in Joppe im Haus des Gerbers
Simon.
Apg 10,1 In Cäsarea lebte damals ein römischer Hauptmann, der Kornelius hieß und
das Italienische Regiment führte.
Apg 10,2 Er war ein Mann, der Gott ehrte und sich mit allen, die in seinem Haus
lebten, zu ihm bekannte. Er tat viel für die Armen und betete regelmäßig zu
Gott.
Apg 10,3 Dieser Mann hatte gegen drei Uhr nachmittags eine Vision. Er sah
deutlich, wie ein Engel Gottes bei ihm eintrat. »Kornelius!«, rief der Engel.
Apg 10,4 Erschrocken sah Kornelius auf und fragte: »Was willst du, Herr?« Da
antwortete ihm der Engel: »Gott hat deine Gebete gehört und kennt deine guten
Taten.
Apg 10,5 [5/6] Deshalb schick ein paar Leute nach Joppe. Sie sollen sich dort
nach einem Simon Petrus erkundigen, der am Meer im Haus des Gerbers Simon wohnt.
Dieser Simon Petrus soll zu dir kommen!«
Apg 10,7 Gleich nachdem der Engel gegangen war, rief Kornelius zwei seiner
Diener zu sich, außerdem einen Soldaten, der wie Kornelius dem jüdischen Glauben
nahe stand und zu seinem persönlichen Schutz eingesetzt war.
Apg 10,8 Ihnen berichtete er alles und sandte sie nach Joppe.
Apg 10,9 Als sich die Boten am folgenden Tag schon der Stadt Joppe näherten,
stieg Petrus auf das flache Dach des Hauses, um dort ungestört zu beten. Es war
gerade um die Mittagszeit,
Apg 10,10 und Petrus hatte Hunger. Während man sein Essen zubereitete, hatte er
eine Vision:
Apg 10,11 Petrus sah etwas vom Himmel herabkommen. Es sah aus wie ein großes
Leinentuch, das - an seinen vier Ecken zusammengehalten - auf die Erde
heruntergelassen wurde.
Apg 10,12 In dem Tuch waren alle möglichen Arten von vierfüßigen Tieren und
Kriechtieren, aber auch von Vögeln. Alle diese Tiere sind für Juden »unrein« und
dürfen deshalb nicht gegessen werden.
Apg 10,13 Dann hörte Petrus eine Stimme, die ihn aufforderte: »Petrus, steh auf,
schlachte diese Tiere und iss davon!«
Apg 10,14 »Niemals, Herr!«, entgegnete Petrus. »Noch nie in meinem Leben habe
ich etwas Unreines oder Verbotenes gegessen.«
Apg 10,15 Da rief die Stimme zum zweiten Mal: »Wenn Gott etwas für rein erklärt,
dann nenne du es nicht unrein.«
Apg 10,16 Das geschah dreimal. Dann wurde das Tuch wieder in den Himmel gehoben.
Apg 10,17 Petrus verstand nicht, was diese Erscheinung bedeuten sollte. Aber
während er noch überlegte, klopften die Boten des Kornelius an die Haustür.
Apg 10,18 »Wohnt hier ein Mann, der Simon Petrus heißt?«, erkundigten sie sich.
Apg 10,19 Petrus dachte noch immer über die Vision nach, als der Heilige Geist
zu ihm sprach: »Es sind drei Männer zu dir gekommen.
Apg 10,20 Geh hinunter und reise mit ihnen. Du brauchst keine Bedenken zu haben,
denn ich habe sie gesandt.«
Apg 10,21 Petrus ging hinunter. »Ich bin der, den ihr sucht«, sagte er. »Warum
seid ihr hierher gekommen?«
Apg 10,22 Sie erwiderten: »Der Hauptmann Kornelius schickt uns. Er ist ein guter
Mann, der Gott ehrt und von allen Juden hoch geachtet wird. Durch einen heiligen
Engel erhielt er von Gott den Auftrag, dich in sein Haus einzuladen und darauf
zu hören, was du ihm zu sagen hast.«
Apg 10,23 Petrus ließ die Männer in das Haus eintreten, und sie übernachteten
dort. Bereits am nächsten Tag aber ging er mit ihnen nach Cäsarea, wobei ihn
einige aus der Gemeinde von Joppe begleiteten.
Apg 10,24 Als sie am folgenden Tag dort ankamen, wurden sie schon von Kornelius
erwartet. Alle seine Verwandten und Freunde waren bei ihm.
Apg 10,25 Noch bevor Petrus das Haus betreten hatte, kam ihm Kornelius entgegen
und fiel ehrerbietig vor ihm auf die Knie.
Apg 10,26 Doch Petrus wehrte ab: »Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch!«, und
half ihm wieder auf.
Apg 10,27 Während sie noch miteinander redeten, betraten sie das Haus. Petrus
sah die vielen Menschen, die auf ihn warteten.
Apg 10,28 »Ihr wisst ebenso wie ich«, begann er, »dass es einem Juden streng
verboten ist, in das Haus eines Nichtjuden zu gehen oder sich auch nur mit ihm
zu treffen. Aber Gott hat mir gezeigt: Ich darf keinen Menschen für unrein
halten und ihm darum die Gemeinschaft verweigern.
Apg 10,29 Deshalb bin ich auch gleich zu euch gekommen, als ihr mich gerufen
habt. Aber was wollt ihr nun von mir?«
Apg 10,30 Kornelius antwortete: »Vor vier Tagen betete ich nachmittags in meinem
Haus. Es war drei Uhr, ungefähr dieselbe Zeit wie heute. Da stand plötzlich ein
Mann in einem leuchtenden Gewand vor mir
Apg 10,31 und sagte: ›Kornelius, Gott hat deine Gebete gehört. Er weiß, wie oft
du den Armen geholfen hast.
Apg 10,32 Deshalb beauftragt er dich, Leute nach Joppe zu schicken, die Simon
Petrus zu dir bringen sollen. Er wohnt am Meer im Haus des Gerbers Simon.‹
Apg 10,33 Ich habe meine Boten sofort zu dir geschickt, und ich freue mich, dass
du gekommen bist. Nun sind wir alle hier in Gottes Gegenwart versammelt und
wollen hören, was du uns im Auftrag des Herrn zu sagen hast.«
Apg 10,34 Da begann Petrus zu sprechen: »Jetzt erst habe ich richtig verstanden,
dass Gott niemanden wegen seiner Herkunft bevorzugt oder benachteiligt.
Apg 10,35 Alle Menschen sind ihm willkommen, ganz gleich, aus welchem Volk sie
stammen, wenn sie nur Ehrfurcht vor ihm haben und so leben, wie es ihm gefällt.
Apg 10,36 Ihr kennt die Friedensbotschaft Gottes, die er dem Volk Israel durch
Jesus Christus mitgeteilt hat, und er ist ja der Herr über alle.
Apg 10,37 Ihr wisst auch, was in Judäa geschehen ist, nachdem Johannes der
Täufer die Menschen in Galiläa dazu aufgerufen hatte, zu Gott umzukehren und
sich taufen zu lassen.
Apg 10,38 Jesus aus Nazareth ist von Ort zu Ort gezogen. Er hat überall Gutes
getan und alle befreit, die der Teufel gefangen hielt, denn Gott selbst hatte
ihm seine Macht und den Heiligen Geist gegeben. Gott stand ihm bei.
Apg 10,39 Wir Apostel sind Augenzeugen für alles, was er in Israel und in
Jerusalem unter den Juden getan hat. Diesen Jesus haben sie an das Kreuz
genagelt und getötet.
Apg 10,40 Aber schon drei Tage später hat Gott ihn wieder zum Leben erweckt.
Danach ist er als Auferstandener erschienen,
Apg 10,41 zwar nicht dem ganzen Volk, aber uns, seinen Jüngern, die Gott als
Zeugen bestimmt hatte. Ja, wir haben nach seiner Auferstehung sogar mit ihm
gegessen und getrunken.
Apg 10,42 Jesus gab uns den Auftrag, allen Menschen zu sagen und zu bezeugen,
dass Gott ihn als Richter über die Lebenden und die Toten eingesetzt hat.
Apg 10,43 Schon die Propheten haben in ihren Schriften vorausgesagt, dass durch
Jesus allen Menschen die Sünden vergeben werden, wenn sie an ihn glauben.«
Apg 10,44 Petrus hatte seine Rede noch nicht beendet, da wurden alle, die
zuhörten, mit dem Heiligen Geist erfüllt.
Apg 10,45 Die Juden aus der Gemeinde in Joppe, die mit Petrus gekommen waren,
konnten es kaum fassen, dass Gott auch Nichtjuden den Heiligen Geist schenkte.
Apg 10,46 Denn sie hörten, wie die Menschen in fremden Sprachen redeten und Gott
lobten. Petrus aber sagte:
Apg 10,47 »Wer könnte ihnen jetzt noch die Taufe verweigern, wo sie genau wie
wir den Heiligen Geist empfangen haben?«
Apg 10,48 Und er ließ alle auf den Namen Jesu Christi taufen. Danach baten sie
Petrus, er möge noch einige Tage bei ihnen bleiben.
Apg 11,1 Bald darauf erfuhren die Apostel und die anderen Gläubigen in Judäa,
dass nun auch Nichtjuden Gottes Botschaft angenommen hatten.
Apg 11,2 Als Petrus nach Jerusalem zurückkehrte, warfen ihm die jüdischen
Gemeindeglieder vor:
Apg 11,3 »Du hast das Haus von Nichtjuden betreten und sogar mit ihnen
gegessen!«
Apg 11,4 Nun berichtete ihnen Petrus der Reihe nach, was geschehen war:
Apg 11,5 »In der Stadt Joppe zeigte mir Gott während des Gebets ein riesiges
Tuch, das an seinen vier Ecken vom Himmel herabgelassen wurde.
Apg 11,6 Als ich genau hinsah, entdeckte ich die unterschiedlichsten Arten von
vierfüßigen und wilden Tieren, von Kriechtieren und Vögeln.
Apg 11,7 Ich hörte eine Stimme, die mich aufforderte: ›Petrus, steh auf,
schlachte diese Tiere und iss davon!‹
Apg 11,8 ›Niemals, Herr‹, widersprach ich. ›Bisher habe ich noch nie etwas
gegessen, was im Gesetz des Mose als unrein bezeichnet wird und verboten ist.‹
Apg 11,9 Aber die Stimme vom Himmel sprach noch einmal: ›Wenn Gott etwas für
rein erklärt hat, dann nenne du es nicht unrein.‹
Apg 11,10 Dreimal wiederholte sich dieser Vorgang. Dann wurde das Tuch wieder in
den Himmel gehoben.
Apg 11,11 Genau in diesem Augenblick standen drei Männer vor dem Haus, in dem
ich wohnte. Sie kamen aus Cäsarea und waren zu mir geschickt worden.
Apg 11,12 Der Heilige Geist befahl mir, ohne Bedenken mit diesen Männern zu
gehen, und diese sechs Brüder hier aus der Gemeinde in Joppe begleiteten mich.
Bald trafen wir im Haus des Mannes ein, der die Boten geschickt hatte.
Apg 11,13 Er berichtete uns, dass ihm ein Engel erschienen war, der ihm befohlen
hatte: ›Schick Boten nach Joppe und lass Simon Petrus holen.
Apg 11,14 Der wird dir sagen, wie du mit allen, die zu dir gehören, gerettet
werden kannst.‹
Apg 11,15 Ich war noch gar nicht lange bei ihnen und hatte gerade zu reden
angefangen, da kam der Heilige Geist auf sie, genauso wie es bei uns am
Pfingsttag gewesen war.
Apg 11,16 In diesem Augenblick fiel mir ein, was uns der Herr einmal gesagt
hatte: ›Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist
getauft werden.‹
Apg 11,17 Gott schenkte diesen Nichtjuden dieselbe Gabe wie vorher uns, als wir
begannen, an den Herrn Jesus Christus zu glauben. Wer bin ich, dass ich Gott
daran hätte hindern können?«
Apg 11,18 Diese Worte überzeugten sie. Sie lobten Gott und verkündeten: »Gott
hat allen Menschen den Weg zur Umkehr gezeigt, den einzigen Weg, der zum Leben
führt.«
Apg 11,19 Die Gläubigen, die wegen der beginnenden Verfolgung nach dem Tod des
Stephanus aus Jerusalem geflohen waren, kamen bis nach Phönizien, Zypern und
Antiochia. Sie erzählten aber nur den Juden von Jesus.
Apg 11,20 Lediglich ein paar Männer aus Zypern und Kyrene, die jetzt in
Antiochia lebten, verkündeten auch den Griechen die rettende Botschaft von
Jesus, dem Herrn.
Apg 11,21 Der Herr aber war mit ihnen, und so begannen viele Menschen dort an
ihn zu glauben.
Apg 11,22 Als die Gemeinde in Jerusalem davon erfuhr, schickte sie Barnabas nach
Antiochia.
Apg 11,23 Der kam in die Stadt und erkannte voller Freude, was Gott getan hatte.
Barnabas ermutigte die Gläubigen, fest und entschlossen in ihrem Glauben an den
Herrn zu bleiben.
Apg 11,24 Er war ein vorbildlicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist und stark im
Glauben. So begannen damals viele Menschen Jesus, dem Herrn, zu vertrauen.
Apg 11,25 Von Antiochia reiste Barnabas nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen.
Apg 11,26 Er traf ihn, und gemeinsam gingen sie nach Antiochia zurück. Dort
blieben beide ein ganzes Jahr, um viele Menschen im Glauben zu unterweisen. In
Antiochia wurden die Nachfolger Jesu auch zum ersten Mal »Christen« genannt.
Apg 11,27 In diesen Tagen kamen Propheten aus Jerusalem nach Antiochia.
Apg 11,28 Während des Gottesdienstes sagte einer von ihnen - er hieß Agabus -
eine große Hungersnot voraus. Sie würde sich über die ganze Welt erstrecken. So
hatte es ihm der Heilige Geist gezeigt. Tatsächlich trat diese Hungersnot
während der Regierungszeit des Kaisers Klaudius ein.
Apg 11,29 Deshalb beschloss die Gemeinde in Antiochia, den Christen in Judäa zu
helfen. Jeder in der Gemeinde gab, so viel er nur konnte,
Apg 11,30 und das Geld wurde dann von Barnabas und Saulus den Leitern der
Gemeinde in Jerusalem überbracht.
Apg 12,1 In dieser Zeit ließ König Herodes einige Christen in Jerusalem
verhaften und foltern.
Apg 12,2 Jakobus, der Bruder des Johannes, wurde enthauptet.
Apg 12,3 Als Herodes merkte, dass er dadurch bei den führenden Männern der Juden
Ansehen gewann, ließ er noch während des Festes der ungesäuerten Brote Petrus
gefangen nehmen.
Apg 12,4 Man warf den Apostel ins Gefängnis. Dort bewachten ihn ununterbrochen
vier Soldaten, die alle sechs Stunden abgelöst wurden. Herodes wollte nach dem
Passahfest Petrus öffentlich den Prozess machen.
Apg 12,5 Aber die Gemeinde in Jerusalem hörte nicht auf, Gott um Hilfe für den
Gefangenen zu bitten.
Apg 12,6 In der letzten Nacht vor dem Prozess schlief Petrus angekettet zwischen
zwei Soldaten, während zwei andere vor der Zelle Wache hielten.
Apg 12,7 Plötzlich betrat ein Engel des Herrn die Zelle, und Licht erfüllte den
Raum. Der Engel weckte Petrus, indem er ihn anstieß, und sagte zu ihm: »Steh
schnell auf!« Sofort fielen Petrus die Ketten von den Handgelenken.
Apg 12,8 »Binde deinen Gürtel um, und zieh deine Sandalen an«, befahl ihm der
Engel. »Nimm deinen Mantel, und folge mir!«
Apg 12,9 Petrus ging hinter dem Engel aus der Zelle. Aber die ganze Zeit über
konnte er nicht glauben, dass all dies wirklich geschah. Er meinte, er hätte
eine Vision.
Apg 12,10 Doch sie passierten die erste Wache, die zweite und kamen schließlich
an das schwere Eisentor, das zur Stadt führte. Es öffnete sich vor ihnen. Nun
hatten sie das Gefängnis verlassen und bogen in eine schmale Straße ein. Da
verschwand der Engel,
Apg 12,11 und erst jetzt begriff Petrus: »Der Herr hat mir tatsächlich seinen
Engel geschickt, um mich aus der Gewalt des Herodes zu retten. Die Juden werden
vergeblich auf meine Hinrichtung warten.«
Apg 12,12 Petrus überlegte und ging dann zu dem Haus, in dem Maria wohnte, die
Mutter von Johannes Markus. Dort hatten sich viele Christen aus der Gemeinde
zusammengefunden, um zu beten.
Apg 12,13 Als Petrus an die Haustür klopfte, kam ein Mädchen, das Rhode hieß,
und wollte hören, wer da war.
Apg 12,14 Sie erkannte Petrus sofort an der Stimme, vergaß aber vor lauter
Freude die Tür zu öffnen und lief ins Haus zurück. »Petrus steht draußen vor der
Tür!«, rief sie.
Apg 12,15 »Du musst dich irren!«, meinten die anderen. Aber sie blieb bei ihrer
Behauptung. Jetzt vermuteten einige: »Vielleicht ist es sein Engel!«
Apg 12,16 Petrus hörte nicht auf, an die Tür zu klopfen. Als sie ihm endlich
öffneten und Petrus erkannten, gerieten sie vor Freude außer sich.
Apg 12,17 Mit einer Handbewegung brachte er sie zur Ruhe, und dann berichtete
er, wie ihn der Herr aus dem Gefängnis befreit hatte. »Sagt das auch Jakobus und
den anderen«, bat er zum Schluss. Dann trennten sie sich, und Petrus verließ
Jerusalem, um sich in Sicherheit zu bringen.
Apg 12,18 Am nächsten Morgen entdeckten die Soldaten voller Entsetzen, dass
Petrus nicht mehr da war. Sie konnten es sich einfach nicht erklären.
Apg 12,19 Als Herodes den Gefangenen vorführen lassen wollte, er aber nirgendwo
zu finden war, ließ der König die Wachen verhören und hinrichten. Anschließend
verließ Herodes Judäa und blieb längere Zeit in Cäsarea.
Apg 12,20 In dieser Zeit lag Herodes im Streit mit den Städten Tyrus und Sidon.
Um den König zum Frieden zu bewegen, schickten die Städte eine Abordnung zu ihm.
Dieser Abordnung gelang es, Blastus, den Verwalter der königlichen Schatzkammer,
für sich zu gewinnen. So hofften sie, zu einer Einigung zu gelangen, denn sie
waren auf die Lieferung von Lebensmitteln aus dem Herrschaftsbereich des Herodes
angewiesen.
Apg 12,21 Nach dem Abschluss der Verhandlungen zog Herodes sein königliches
Prachtgewand an und hielt von seinem Thron aus eine öffentliche Ansprache.
Apg 12,22 Begeistert jubelte ihm das Volk zu: »So spricht nur Gott und kein
Mensch!«
Apg 12,23 Im selben Augenblick strafte ein Engel des Herrn den König, weil er
sich als Gott verehren ließ. Er wurde von Würmern zerfressen und starb unter
Qualen.
Apg 12,24 An Gottes Botschaft aber glaubten immer mehr Menschen.
Apg 12,25 Barnabas und Saulus hatten inzwischen ihre Aufgabe in Jerusalem
erfüllt und kehrten zusammen mit Johannes Markus nach Antiochia zurück.
Apg 13,1 In der Gemeinde von Antiochia gab es mehrere Propheten und Lehrer:
Barnabas, Simeon, genannt »der Schwarze«, Luzius von Kyrene, Manaën, der
zusammen mit dem Herrscher Herodes erzogen worden war, und Saulus.
Apg 13,2 Als diese Männer während einer Zeit des Fastens gemeinsam beteten,
sprach der Heilige Geist zu ihnen: »Gebt Barnabas und Saulus für die Aufgabe
frei, zu der ich sie berufen habe!«
Apg 13,3 Da fasteten und beteten sie, legten Barnabas und Saulus die Hände auf
und sandten sie zum Missionsdienst aus.
Apg 13,4 Auf diese Weise vom Heiligen Geist selbst ausgesandt, kamen Barnabas
und Saulus zuerst nach Seleuzia und von dort mit einem Schiff nach Zypern.
Apg 13,5 Gleich nachdem sie in der Stadt Salamis angekommen waren, verkündeten
sie in den Synagogen die Botschaft Gottes. Johannes Markus hatten sie als
Gehilfen bei sich.
Apg 13,6 So kamen sie an das andere Ende der Insel, bis nach Paphos. Dort trafen
sie einen Juden, der sich mit Zauberei abgab. Er hieß Barjesus und war ein
falscher Prophet.
Apg 13,7 Dieser Jude war mit dem römischen Statthalter Sergius Paulus
befreundet, einem klugen und sehr verständigen Mann. Der Statthalter lud
Barnabas und Saulus zu sich ein, weil er von ihnen Gottes Botschaft hören
wollte.
Apg 13,8 Aber Elymas, wie der Name des Zauberers auf Griechisch hieß, wollte mit
allen Mitteln verhindern, dass der Statthalter zum Glauben an Christus kam.
Apg 13,9 Saulus aber, der sich auch Paulus nannte, sah den Zauberer
durchdringend an und, erfüllt vom Heiligen Geist,
Apg 13,10 sagte er: »Du Sohn der Hölle, voller List und Bosheit! Du bist ein
Feind von allem, was gut ist und Gott gefällt. Wann endlich wirst du aufhören,
Gottes Wahrheit in Lüge zu verdrehen?
Apg 13,11 Der Herr wird dich dafür strafen: Du sollst blind werden und einige
Zeit die Sonne nicht sehen können.« In demselben Augenblick erblindete der Mann.
Er tappte hilflos umher und brauchte jemanden, der ihn an der Hand führte.
Apg 13,12 Der Statthalter hatte dies alles mit angesehen und begann, an den
Herrn zu glauben. Er war beeindruckt von dem, was Paulus ihn über Jesus lehrte.
Apg 13,13 Danach verließen Paulus und seine Gefährten Paphos. Mit einem Schiff
fuhren sie nach Perge in Pamphylien, wo sich Johannes Markus von ihnen trennte
und nach Jerusalem zurückkehrte.
Apg 13,14 Barnabas und Paulus zogen allein weiter nach Antiochia in Pisidien. Am
Sabbat gingen sie dort in die Synagoge.
Apg 13,15 Nach der üblichen Lesung aus den Büchern des Mose und der Propheten
ließen ihnen die Synagogenvorsteher ausrichten: »Liebe Brüder, wenn ihr etwas
lehren wollt, was der Gemeinde nützt, dann redet nur!«
Apg 13,16 Da erhob sich Paulus, bat mit einer Handbewegung um Ruhe und begann:
»Ihr Männer Israels, aber auch ihr andern alle, die ihr an den Gott Israels
glaubt, hört mir zu!
Apg 13,17 Der Gott des Volkes Israel hat unsere Vorfahren auserwählt und sie in
Ägypten zu einem großen Volk werden lassen. Mit großer Macht führte er unser
Volk von dort weg.
Apg 13,18 Vierzig Jahre lang erhielt er sie auf ihrem Weg durch die Wüste.
Apg 13,19 Und als Gott sieben Völker in Kanaan vernichtet hatte, konnten sie
dieses Land in Besitz nehmen.
Apg 13,20 Dies geschah etwa 450 Jahre, nachdem unsere Vorfahren nach Ägypten
gekommen waren. Nun erwählte Gott Männer, die das Volk führen sollten; der
letzte war Samuel, ein Prophet Gottes.
Apg 13,21 Als das Volk einen König haben wollte, gab Gott ihnen Saul, den Sohn
Kischs aus dem Stamm Benjamin. Saul regierte vierzig Jahre.
Apg 13,22 Dann wandte sich Gott von ihm ab und erwählte David zum König über
Israel, von dem er sagte: ›Ich habe David, den Sohn Isais, gefunden, einen Mann,
der mir Freude macht. Bei allem, was er tut, wird er auf mich hören.‹
Apg 13,23 Ein Nachkomme Davids ist Jesus, der von Gott versprochene Retter
Israels.
Apg 13,24 Er kam, nachdem Johannes das ganze Volk Israel aufgerufen hatte, zu
Gott umzukehren und sich taufen zu lassen.
Apg 13,25 Johannes hatte seinen Auftrag erfüllt, als er sagte: ›Ich bin nicht
der, für den ihr mich haltet. Aber nach mir wird einer kommen, und ich bin nicht
einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen.‹
Apg 13,26 Euch, liebe Brüder, die ihr von Abraham abstammt, und euch, die ihr an
Gott glaubt und ihn ehrt, gilt diese rettende Botschaft.
Apg 13,27 Die Einwohner Jerusalems und ihre führenden Männer haben nicht
verstanden, wer Jesus ist. Sie haben ihn verurteilt, und damit erfüllten sie die
Vorhersagen der Propheten, die jeden Sabbat vorgelesen werden.
Apg 13,28 Denn obwohl sie Jesus nicht das geringste Vergehen nachweisen konnten,
verlangten sie von Pilatus, ihn hinzurichten.
Apg 13,29 Als sie alles getan hatten, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt
ist, nahmen sie ihn vom Kreuz herunter und legten ihn in ein Grab.
Apg 13,30 Aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.
Apg 13,31 Danach ist Jesus noch viele Tage seinen Jüngern erschienen, die mit
ihm von Galiläa nach Jerusalem gekommen waren. Sie sind jetzt vor dem Volk
Israel die Zeugen für seine Auferstehung.
Apg 13,32 Euch verkünden wir nun diese rettende Botschaft: Die Zusage, die Gott
unseren Vorfahren gab,
Apg 13,33 hat er für uns jetzt erfüllt, indem er Jesus von den Toten
auferweckte. So heißt es im zweiten Psalm: ›Du bist mein Sohn. Heute setze ich
dich zum König ein.‹
Apg 13,34 Dass er Jesus von den Toten auferwecken und nicht verwesen lassen
würde, hat er in der Heiligen Schrift vorausgesagt: ›Ich will euch die Gnade
erweisen, die ich David versprochen habe.‹
Apg 13,35 An einer anderen Stelle heißt es noch deutlicher: ›Du wirst den, der
zu dir gehört, nicht der Verwesung überlassen.‹
Apg 13,36 Das bezog sich nicht etwa auf David. Der starb, nachdem er den
Menschen seiner Zeit nach Gottes Willen gedient hatte. Er wurde bei seinen
Vorfahren begraben und verweste.
Apg 13,37 Aber der, den Gott von den Toten auferweckt hat, der ist nicht
verwest.
Apg 13,38 So sollt ihr nun wissen, liebe Brüder, dass es Jesus ist, durch den
ihr Vergebung der Sünden erlangt.
Apg 13,39 Jeder, der an ihn glaubt, wird frei von seinen Sünden. Das Gesetz des
Mose konnte ihn davon nicht lossprechen.
Apg 13,40 Seht euch also vor, dass auf euch nicht zutrifft, was in den Propheten
geschrieben steht:
Apg 13,41 ›Ihr Verächter der Wahrheit! Wacht auf aus eurer Gleichgültigkeit und
erschreckt zu Tode. Was ich noch zu euren Lebzeiten geschehen lasse, würdet ihr
nicht für möglich halten, wenn andere es euch erzählten.‹«
Apg 13,42 Als Paulus und Barnabas den Gottesdienst verließen, wurden sie
gebeten, am nächsten Sabbat wiederzukommen, um noch einmal über das Gesagte zu
sprechen.
Apg 13,43 Viele Juden, aber auch andere, die zum Judentum übergetreten waren,
begleiteten Paulus und Barnabas. Die Apostel ermahnten alle diese Menschen,
Gottes Gnade anzunehmen und immer an ihr festzuhalten.
Apg 13,44 Am folgenden Sabbat waren fast alle Einwohner der Stadt
zusammengekommen, um die Botschaft Gottes zu hören.
Apg 13,45 Als die Juden die vielen Menschen in der Synagoge sahen, wurden sie
neidisch. Sie widersprachen Paulus und spotteten.
Apg 13,46 Doch Paulus und Barnabas ließen sich nicht beirren. Ruhig und fest
erklärten sie: »Zuerst musste euch Juden die Botschaft Gottes verkündet werden.
Ihr aber wolltet sie nicht hören und habt damit selbst gezeigt, dass ihr
unwürdig seid, das ewige Leben zu empfangen. Darum wenden wir uns jetzt an die
nichtjüdischen Völker.
Apg 13,47 Denn der Herr hat uns befohlen: ›Ich habe dich zum Licht für alle
Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung bringst.‹«
Apg 13,48 Als die Nichtjuden das hörten, freuten sie sich sehr und lobten Gott
für seine Botschaft. Und alle, die zum ewigen Leben bestimmt waren, begannen zu
glauben.
Apg 13,49 So wurde die Botschaft des Herrn in der ganzen Umgebung bekannt.
Apg 13,50 Den Juden aber gelang es, fromme, angesehene Frauen und einflussreiche
Männer der Stadt gegen Paulus und Barnabas aufzuhetzen und beide aus der Stadt
zu vertreiben.
Apg 13,51 Da schüttelten sie den Staub von ihren Füßen als Zeichen dafür, dass
sie die Stadt Gottes Urteil überließen, und reisten weiter nach Ikonion.
Apg 13,52 Die in Antiochia gebliebenen Jünger aber waren erfüllt vom Heiligen
Geist und voller Freude.
Apg 14,1 In Ikonion gingen Paulus und Barnabas zuerst wieder in die Synagoge und
predigten dort so überzeugend, dass viele - Juden wie Griechen - zu glauben
begannen.
Apg 14,2 Aber die Juden, die von Gottes Botschaft nichts wissen wollten,
verleumdeten die junge Gemeinde bei der nichtjüdischen Bevölkerung.
Apg 14,3 Trotzdem blieben Paulus und Barnabas längere Zeit dort und predigten
furchtlos in aller Öffentlichkeit, denn sie vertrauten auf die Hilfe des Herrn.
Er bestätigte die Botschaft von seiner Liebe durch Zeichen und Wunder, die durch
Paulus und Barnabas geschahen.
Apg 14,4 Die Meinung der Bevölkerung war geteilt. Manche hielten zu den
führenden Männern der Juden, andere zu den Aposteln.
Apg 14,5 Dann aber schlossen sich die jüdischen und nichtjüdischen Gegner der
Apostel zusammen. Gemeinsam mit den führenden Männern der Stadt wollten sie
Paulus und Barnabas misshandeln und steinigen.
Apg 14,6 Als die Apostel davon erfuhren, flohen sie in die Provinz Lykaonien, in
die Städte Lystra und Derbe.
Apg 14,7 Dort und in der ganzen Umgebung verkündeten sie die rettende Botschaft
von Jesus Christus.
Apg 14,8 In Lystra lebte ein Mann, dessen Füße von Geburt an gelähmt und
kraftlos waren. Noch nie hatte er einen Schritt gehen können.
Apg 14,9 Dieser Mann hörte Paulus reden. Paulus wurde auf ihn aufmerksam und
sah, dass der Mann glaubte, er könne geheilt werden.
Apg 14,10 Laut rief er ihm zu: »Steh auf, stell dich auf deine Füße!« Da sprang
der Mann auf und konnte gehen.
Apg 14,11 Als die Leute erkannten, was Paulus getan hatte, riefen sie in ihrer
Muttersprache: »Die Götter sind als Menschen zu uns herabgekommen!«
Apg 14,12 Sie nannten Barnabas »Zeus« und Paulus »Hermes«, weil er der
Wortführer war.
Apg 14,13 Der Priester des Zeustempels vor den Toren der Stadt brachte Stiere
und Kränze zum Stadttor, um den Aposteln vor dem ganzen Volk ein Opfer zu
bringen.
Apg 14,14 Als Paulus und Barnabas begriffen, was die Leute vorhatten, zerrissen
sie ihre Kleider, liefen unter die Menge und riefen entsetzt:
Apg 14,15 »Was macht ihr da, Männer! Wir sind nur Menschen aus Fleisch und Blut
wie ihr. Mit unserer Predigt wollen wir doch gerade erreichen, dass ihr euch von
diesen toten Götzen abwendet und an den lebendigen Gott glaubt. Er hat das
Weltall, die Erde, das Meer und alles, was darin ist, erschaffen!
Apg 14,16 Bisher hat er die Völker ihre eigenen Wege gehen lassen.
Apg 14,17 Aber er zeigte ihnen immer wieder, dass er lebt; denn er hat euch viel
Gutes getan. Ihm verdankt ihr den Regen und die guten Ernten; er gibt euch zu
essen und macht euch glücklich.«
Apg 14,18 Mit diesen Worten konnten Paulus und Barnabas die Leute nur mit Mühe
davon abhalten, ihnen zu opfern.
Apg 14,19 Dann aber kamen Juden aus Antiochia und Ikonion. Sie hetzten die
Volksmenge gegen die Apostel so sehr auf, dass Paulus gesteinigt wurde. Weil die
Leute Paulus für tot hielten, schleiften sie ihn zur Stadt hinaus.
Apg 14,20 Doch als die Jünger ihn umringten, kam Paulus wieder zu sich, stand
auf und ging in die Stadt zurück. Am folgenden Tag zog er mit Barnabas weiter
nach Derbe.
Apg 14,21 Nachdem Paulus und Barnabas in Derbe die rettende Botschaft gepredigt
hatten und viele dort Christen geworden waren, kehrten die beiden Apostel nach
Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
Apg 14,22 Dort ermutigten sie die jungen Christen, im Glauben festzubleiben, und
erinnerten sie noch einmal: »Der Weg in Gottes neue Welt führt durch viel Leid.«
Apg 14,23 Paulus und Barnabas setzten in jeder Gemeinde Leiter ein. Für sie
fasteten und beteten die Apostel und stellten sie unter den Schutz des Herrn,
auf den sie ihr Vertrauen gesetzt hatten.
Apg 14,24 Dann reisten sie durch die Provinzen Pisidien und Pamphylien
Apg 14,25 und verkündeten in der Stadt Perge die rettende Botschaft. Von der
Hafenstadt Attalia aus
Apg 14,26 segelten sie wieder nach Antiochia. Dort hatte man sie am Beginn ihrer
Reise der Gnade Gottes anvertraut und ihnen den Auftrag gegeben, den sie nun
ausgeführt hatten.
Apg 14,27 Unmittelbar nach ihrer Ankunft riefen sie die Gemeinde zusammen und
berichteten, was Gott durch sie getan hatte und wie er auch den Nichtjuden den
Weg zum Glauben gezeigt hatte.
Apg 14,28 Paulus und Barnabas blieben längere Zeit bei den Christen in
Antiochia.
Apg 15,1 Eines Tages kamen Gläubige aus Judäa in die Gemeinde von Antiochia. Sie
lehrten öffentlich: »Wer sich nicht beschneiden lässt, so wie es im Gesetz des
Mose vorgeschrieben ist, kann nicht gerettet werden.«
Apg 15,2 Paulus und Barnabas widersprachen, und es kam zu einer heftigen
Auseinandersetzung. Schließlich beschlossen die Christen in Antiochia, dass
Paulus und Barnabas mit einigen anderen aus der Gemeinde zu den Aposteln und
Gemeindeleitern nach Jerusalem gehen sollten, um diese Streitfrage zu klären.
Apg 15,3 Nachdem die Gemeinde sie verabschiedet hatte, zogen sie durch die
Provinzen Phönizien und Samarien. Überall berichteten sie, wie auch die
Nichtjuden zu Gott umgekehrt waren, und alle freuten sich darüber.
Apg 15,4 In Jerusalem wurden sie von der Gemeinde, den Aposteln und den Leitern
herzlich aufgenommen. Dort erzählten sie ebenfalls, was Gott durch sie unter den
Nichtjuden getan hatte.
Apg 15,5 Aber auch hier verlangten einige der Gläubigen, die früher zu den
Pharisäern gehört hatten: »Man muss die Nichtjuden beschneiden und von ihnen
verlangen, dass sie das Gesetz des Mose befolgen.«
Apg 15,6 Daraufhin setzten sich die Apostel und die Leiter zusammen, um diese
Frage zu klären.
Apg 15,7 Nach heftigen Wortwechseln stand schließlich Petrus auf und sagte:
»Liebe Brüder! Ihr wisst doch, dass Gott mir schon vor langer Zeit aufgetragen
hat, die rettende Botschaft auch denen zu verkünden, die keine Juden sind, denn
auch sie sollen Gott vertrauen.
Apg 15,8 Und Gott, der jedem von uns ins Herz sieht, hat sich zu ihnen bekannt,
als er den Nichtjuden genauso wie uns den Heiligen Geist gab.
Apg 15,9 Ja, Gott machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen: Er befreite
sie von aller Schuld, als sie an ihn glaubten.
Apg 15,10 Warum wollt ihr jetzt Gott herausfordern und diesen Brüdern eine Last
aufbürden, die weder wir noch unsere Vorfahren tragen konnten?
Apg 15,11 Wir glauben, dass wir allein durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet
werden. Dasselbe gilt auch für die Nichtjuden.«
Apg 15,12 Alle schwiegen und hörten Barnabas und Paulus gespannt zu, als sie
berichteten, wie viele Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Nichtjuden
getan hatte.
Apg 15,13 Dann stand Jakobus auf: »Liebe Brüder!«, sagte er.
Apg 15,14 »Simon Petrus hat eben erzählt, wie Gott selbst begonnen hat, unter
den Nichtjuden ein Volk zu sammeln, das ihm gehört.
Apg 15,15 Das sagen ja schon die Propheten, denn es heißt bei ihnen:
Apg 15,16 ›Danach werde ich, der Herr, mich meinem Volk wieder zuwenden und das
Reich König Davids wieder aufbauen. Jetzt gleicht es zwar einem zerstörten Haus,
doch dann richte ich die umgestürzten Wände wieder auf.
Apg 15,17 Alle Überlebenden sollen mich suchen, auch alle Nichtjuden, die zu mir
gehören. Ja, ich, der Herr,
Apg 15,18 habe das alles schon lange beschlossen!‹
Apg 15,19 Ich meine deshalb«, erklärte Jakobus, »wir sollten den Nichtjuden, die
zu Gott umgekehrt sind, keine unnötigen Lasten aufbürden und ihnen nicht die
jüdischen Gesetze aufzwingen.
Apg 15,20 Wir sollten von ihnen allerdings verlangen, kein Fleisch zu essen, das
Götzen geopfert worden ist, keine verbotenen sexuellen Beziehungen einzugehen,
kein Fleisch von Tieren zu essen, die nicht völlig ausbluteten, oder gar das
Blut selber zu verzehren.
Apg 15,21 Denn diese Gebote des Mose sind seit alter Zeit überall bekannt. Sie
werden an jedem Sabbat in allen Synagogen vorgelesen.«
Apg 15,22 Am Ende der Beratungen beschlossen die Apostel und die Leiter zusammen
mit der ganzen Gemeinde, einige Männer auszuwählen und sie mit Paulus und
Barnabas nach Antiochia zu schicken. Man wählte Judas, der auch Barsabbas
genannt wurde, und Silas. Beide waren führende Männer in der Gemeinde.
Apg 15,23 Man gab ihnen folgenden Brief mit: »Wir, die Apostel und
Gemeindeleiter in Jerusalem, senden brüderliche Grüße an alle Christen in
Antiochia, Syrien und Zilizien, die nicht aus dem Judentum stammen.
Apg 15,24 Wir haben gehört, dass euch einige Leute aus unserer Gemeinde - ohne
von uns beauftragt zu sein - durch ihre Lehren beunruhigt und verunsichert
haben.
Apg 15,25 Deshalb beschlossen wir einstimmig, zwei Männer aus unserer Gemeinde
auszuwählen und sie zu euch zu senden, zusammen mit unseren lieben Brüdern
Barnabas und Paulus,
Apg 15,26 die ihr Leben für unseren Herrn Jesus Christus eingesetzt haben.
Apg 15,27 Unsere Abgesandten Judas und Silas werden selbst noch berichten, was
wir in der strittigen Frage entschieden haben.
Apg 15,28 Geleitet durch den Heiligen Geist kamen wir zu dem Entschluss, euch
außer den folgenden Regeln keine weitere Last aufzuerlegen:
Apg 15,29 Ihr sollt kein Fleisch von Tieren essen, die den Götzen geopfert
wurden, außerdem kein Fleisch von Tieren, die nicht völlig ausbluteten, und ihr
sollt auch kein Blut verzehren. Hütet euch vor verbotenen sexuellen Beziehungen.
Wenn ihr danach handelt, verhaltet ihr euch richtig. Herzliche Grüße an euch
alle.«
Apg 15,30 Judas und Silas wurden von der Gemeinde verabschiedet und gingen nach
Antiochia. Dort beriefen sie eine Gemeindeversammlung ein und übergaben das
Schreiben.
Apg 15,31 Als man es vorgelesen hatte, freute sich die ganze Gemeinde über diese
Ermutigung.
Apg 15,32 Judas und Silas - beide hatten prophetische Gaben - stärkten und
ermutigten die Christen durch ihre Predigten.
Apg 15,33 Begleitet von den besten Wünschen der Gemeinde kehrten sie erst einige
Zeit später nach Jerusalem zurück.
Apg 15,35 Paulus und Barnabas blieben noch länger in Antiochia. Sie verkündeten
und lehrten zusammen mit vielen anderen die Botschaft des Herrn.
Apg 15,36 Nach einiger Zeit forderte Paulus Barnabas auf: »Lass uns noch einmal
alle die Orte aufsuchen, in denen wir die rettende Botschaft verkündet haben,
damit wir sehen, wie es unseren Brüdern und Schwestern dort geht.«
Apg 15,37 Barnabas wollte auch Johannes Markus mitnehmen.
Apg 15,38 Aber Paulus war dagegen, weil Johannes Markus sie damals in Pamphylien
im Stich gelassen hatte.
Apg 15,39 Sie stritten so heftig miteinander, dass sie sich schließlich
trennten. Während Barnabas mit Markus nach Zypern hinüberfuhr,
Apg 15,40 wählte Paulus als seinen Reisebegleiter Silas. Die Gemeinde vertraute
ihn der Gnade Gottes an, und so begann er seine Reise.
Apg 15,41 Zunächst zog er durch Syrien sowie durch Zilizien und ermutigte dort
die Gemeinden im Glauben.
Apg 16,1 Nachdem Paulus die Stadt Derbe besucht hatte, erreichte er schließlich
Lystra. Dort traf er Timotheus, einen jungen Christen. Seine Mutter, auch eine
Christin, war jüdischer Abstammung, sein Vater ein Grieche.
Apg 16,2 In der Gemeinde von Lystra und Ikonion war Timotheus als zuverlässig
bekannt und geschätzt.
Apg 16,3 Ihn nahm Paulus als weiteren Begleiter mit auf die Reise. Um auf die
jüdischen Christen in diesem Gebiet Rücksicht zu nehmen, ließ Paulus ihn
beschneiden. Denn alle wussten, dass der Vater des Timotheus ein Grieche war.
Apg 16,4 In jeder Stadt, durch die sie reisten, berichteten sie den Gemeinden
über den Beschluss der Apostel und Gemeindeleiter von Jerusalem; alle Christen
sollten sich danach richten.
Apg 16,5 So wurden die Gemeinden im Glauben immer fester, und die Zahl der
Gemeindeglieder nahm täglich zu.
Apg 16,6 Nach ihrem Aufenthalt in Lystra zogen sie durch die Provinzen Phrygien
und Galatien. Aber der Heilige Geist ließ sie erkennen, dass sie in der Provinz
Asia Gottes Botschaft noch nicht verkünden sollten.
Apg 16,7 Auch als sie in die Nähe von Mysien kamen und weiter nach Norden in die
Provinz Bithynien reisen wollten, erlaubte es ihnen der Geist Jesu nicht.
Apg 16,8 So zogen sie an Mysien vorbei und erreichten die Hafenstadt Troas.
Apg 16,9 Dort sprach Gott nachts in einer Vision zu Paulus. Der Apostel sah
einen Mann aus Mazedonien, der ihn bat: »Komm nach Mazedonien herüber und hilf
uns!«
Apg 16,10 Da war uns klar, dass Gott uns gerufen hatte, in Mazedonien die
rettende Botschaft zu verkünden. Wir suchten sofort nach einer Gelegenheit zur
Überfahrt.
Apg 16,11 Wir gingen in Troas an Bord eines Schiffes und segelten auf dem
kürzesten Weg zur Insel Samothrake, am nächsten Tag weiter nach Neapolis,
Apg 16,12 und von dort gingen wir nach Philippi, der bedeutendsten römischen
Garnisonsstadt in diesem Teil Mazedoniens. Hier blieben wir einige Tage.
Apg 16,13 Am Sabbat verließen wir die Stadt und kamen an das Flussufer, wo sich
- wie wir annahmen - eine kleine jüdische Gemeinde zum Gebet versammelte. Wir
setzten uns und sprachen mit den Frauen, die sich dort eingefunden hatten.
Apg 16,14 Zu ihnen gehörte Lydia, die zum jüdischen Glauben übergetreten war.
Sie stammte aus Thyatira und handelte mit Purpurstoffen. Der Herr selbst ließ
sie erkennen, dass Paulus die Wahrheit verkündete.
Apg 16,15 Mit allen, die in ihrem Haus lebten, ließ sie sich taufen. Danach
forderte sie uns auf: »Wenn ihr davon überzeugt seid, dass ich an den Herrn
glaube, dann kommt und wohnt in meinem Haus.« Sie gab nicht eher Ruhe, bis wir
einwilligten.
Apg 16,16 Auf dem Weg zur Gebetsstätte begegnete uns eines Tages eine Sklavin,
die von einem Dämon besessen war. Sie konnte die Zukunft voraussagen und brachte
auf diese Weise ihren Besitzern viel Geld ein.
Apg 16,17 Die Frau lief hinter Paulus und uns anderen her und schrie: »Diese
Männer sind Diener des höchsten Gottes und zeigen euch den Weg zum Heil!«
Apg 16,18 Das wiederholte sich an mehreren Tagen, bis Paulus es nicht mehr
ertragen konnte. Er wandte sich zu der Frau um und befahl dem Dämon: »Im Namen
Jesu Christi, verlasse diese Frau!« In demselben Augenblick verließ der Dämon
die Sklavin.
Apg 16,19 Als aber ihre Besitzer merkten, dass sie mit ihr nichts mehr verdienen
konnten, packten sie Paulus und Silas und schleppten die Apostel auf den
Marktplatz zur Stadtbehörde.
Apg 16,20 »Diese Männer bringen unsere Stadt in Aufruhr«, beschuldigte man sie
vor den obersten Beamten der Stadt. »Es sind Juden!
Apg 16,21 Sie wollen hier Sitten einführen, die gegen das römische Recht
verstoßen!«
Apg 16,22 Da stellte sich die aufgehetzte Menschenmenge drohend gegen Paulus und
Silas, und die obersten Beamten der Stadt ließen den beiden die Kleider vom Leib
reißen und sie auspeitschen.
Apg 16,23 Nachdem sie so misshandelt worden waren, warf man sie ins Gefängnis
und gab dem Aufseher die Anweisung, die Gefangenen besonders scharf zu bewachen.
Apg 16,24 Also sperrte er sie in die sicherste Zelle und schloss zusätzlich ihre
Füße in einen Holzblock ein.
Apg 16,25 Gegen Mitternacht beteten Paulus und Silas. Sie lobten Gott laut, und
die übrigen Gefangenen hörten ihnen zu.
Apg 16,26 Da erschütterte plötzlich ein gewaltiges Erdbeben das ganze Gefängnis
bis in die Grundmauern; alle Türen sprangen auf, und die Ketten der Gefangenen
zerbrachen.
Apg 16,27 Aus dem Schlaf gerissen sah der Gefängnisaufseher, dass die
Zellentüren offen standen. Voller Schrecken zog er sein Schwert und wollte sich
töten, denn er dachte, die Gefangenen seien geflohen.
Apg 16,28 »Töte dich nicht!«, rief da Paulus laut. »Wir sind alle hier.«
Apg 16,29 Der Gefängnisaufseher ließ sich ein Licht geben und stürzte in die
Zelle, wo er sich zitternd vor Paulus und Silas niederwarf.
Apg 16,30 Dann führte er die beiden hinaus und fragte sie: »Ihr Herren, was muss
ich tun, um gerettet zu werden?«
Apg 16,31 »Glaube an den Herrn Jesus, dann werden du und alle, die in deinem
Haus leben, gerettet«, erwiderten Paulus und Silas.
Apg 16,32 Sie verkündeten ihm und allen in seinem Haus die rettende Botschaft
Gottes.
Apg 16,33 Der Gefängnisaufseher kümmerte sich noch in derselben Stunde um Paulus
und Silas, er reinigte ihre Wunden und ließ sich mit allen, die zu ihm gehörten,
taufen.
Apg 16,34 Dann führte er sie hinauf in sein Haus und bewirtete sie. Er freute
sich zusammen mit allen, die bei ihm lebten, dass sie zum Glauben an Gott
gefunden hatten.
Apg 16,35 Bei Tagesanbruch schickten die obersten Beamten die Gerichtsdiener mit
dem Befehl zu ihm: »Lass die Leute gehen!«
Apg 16,36 Der Gefängnisaufseher teilte das Paulus mit: »Die führenden Männer
lassen euch sagen, dass ihr frei seid. Ihr könnt jetzt unbesorgt die Stadt
verlassen.«
Apg 16,37 Doch Paulus widersprach: »Sie haben uns in aller Öffentlichkeit
geschlagen und ohne jedes Gerichtsverfahren ins Gefängnis geworfen, obwohl wir
römische Bürger sind. Und jetzt wollen sie uns auf bequeme Weise loswerden! Aber
damit bin ich nicht einverstanden. Die Männer, die dafür verantwortlich sind,
sollen persönlich kommen und uns aus dem Gefängnis führen.«
Apg 16,38 Mit dieser Nachricht kehrten die Gerichtsdiener zurück. Als die
führenden Männer hörten, dass Paulus und Silas römische Bürger waren, erschraken
sie
Apg 16,39 und liefen sofort zum Gefängnis. Unter vielen Entschuldigungen
geleiteten sie Paulus und Silas hinaus und baten die beiden höflich, die Stadt
zu verlassen.
Apg 16,40 Sie aber gingen zunächst in das Haus der Lydia. Dort hatte sich die
ganze Gemeinde versammelt. Nachdem die Apostel sie ermutigt hatten, im Glauben
festzubleiben, verabschiedeten sie sich und verließen die Stadt.
Apg 17,1 Paulus und Silas reisten über Amphipolis und Apollonia nach
Thessalonich. In dieser Stadt gab es eine Synagoge.
Apg 17,2 Wie gewohnt ging Paulus zunächst dorthin und sprach an drei Sabbaten zu
den Leuten. Er las ihnen aus den Heiligen Schriften vor
Apg 17,3 und zeigte ihnen, dass der versprochene Retter leiden und sterben und
danach von den Toten auferstehen musste. »Und dieser versprochene Retter«, so
betonte er, »ist der Jesus, von dem ich euch berichtet habe.«
Apg 17,4 Einige Juden ließen sich überzeugen und unterstützten Paulus und Silas.
Dazu kamen noch viele Griechen, die zum jüdischen Glauben übergetreten waren,
sowie eine große Zahl der vornehmsten und angesehensten Frauen der Stadt.
Apg 17,5 Dies weckte Neid und Eifersucht bei den Juden. Mit Hilfe gewalttätiger
Männer, die sie von der Straße holten, zettelten sie einen Tumult an und
brachten die ganze Stadt in Aufruhr. Dann zogen sie vor das Haus des Jason, in
dem Paulus und Silas wohnten, drangen dort ein und wollten die beiden vor die
aufgebrachte Menge zerren.
Apg 17,6 Die Apostel waren aber nicht im Haus, und deshalb schleppte man Jason
und einige andere Christen vor die führenden Männer der Stadt. »Diese Kerle, die
das ganze Land aufwiegeln«, schrien sie, »sind jetzt auch hierher gekommen
Apg 17,7 und haben sich bei Jason einquartiert. Sie verstoßen gegen die Gesetze
des Kaisers und behaupten, ein anderer sei König, nämlich Jesus.«
Apg 17,8 Die Volksmenge und die führenden Männer waren außer sich.
Apg 17,9 Erst nachdem Jason und die anderen Christen eine Kaution bezahlt
hatten, ließ man sie wieder frei.
Apg 17,10 Noch in derselben Nacht sorgte die Gemeinde in Thessalonich dafür,
dass Paulus und Silas nach Beröa abreisen konnten. Auch dort gingen die beiden
gleich wieder in die Synagoge.
Apg 17,11 Die Juden in Beröa waren eher bereit, Gottes Botschaft anzunehmen, als
die in Thessalonich. Sie hörten sich aufmerksam an, was Paulus und Silas
lehrten, und forschten täglich nach, ob dies mit der Heiligen Schrift
übereinstimmte.
Apg 17,12 Viele von ihnen begannen zu glauben, außer den Juden auch zahlreiche
angesehene griechische Frauen und Männer.
Apg 17,13 Bald darauf erfuhren die Juden in Thessalonich, dass Paulus auch in
Beröa Gottes Botschaft verkündete. Deshalb kamen sie dorthin und wiegelten auch
hier die Leute auf.
Apg 17,14 Doch die Christen in Beröa schickten Paulus sofort aus der Stadt und
begleiteten ihn auf dem Weg zur Küste. Silas und Timotheus blieben zurück.
Apg 17,15 Die Brüder, die Paulus begleiteten, brachten ihn bis nach Athen, dann
kehrten sie nach Beröa zurück. Paulus ließ durch sie ausrichten, dass Silas und
Timotheus so schnell wie möglich nachkommen sollten.
Apg 17,16 Während Paulus in Athen auf Silas und Timotheus wartete, wurde er
zornig über die vielen Götterstatuen in der Stadt.
Apg 17,17 Er sprach in der Synagoge zu den Juden und den Griechen, die zum
jüdischen Glauben übergetreten waren. Außerdem predigte er an jedem Tag auf dem
Marktplatz zu den Menschen, die gerade vorbeikamen.
Apg 17,18 Bei einer solchen Gelegenheit kam es zu einem Streitgespräch mit
einigen Philosophen, und zwar mit Epikureern und Stoikern. Einige von ihnen
meinten: »Dieser Mann ist doch ein Schwätzer!«, andere sagten: »Er scheint von
fremden Göttern zu erzählen.« Denn Paulus hatte von Jesus und seiner
Auferstehung gesprochen.
Apg 17,19 Weil die Philosophen mehr über die neue Lehre erfahren wollten, nahmen
sie den Apostel mit vor den Areopag, den Gerichtshof von Athen.
Apg 17,20 »Was wir von dir hören, ist alles neu und fremd für uns«, erklärten
sie Paulus. »Wir möchten gern mehr davon wissen.«
Apg 17,21 Denn sowohl die Athener als auch die Fremden in dieser Stadt
beschäftigten sich am liebsten damit, Neuigkeiten zu erfahren und
weiterzuerzählen.
Apg 17,22 Da stellte sich Paulus vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren,
und rief: »Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren Göttern mit großer
Hingabe dient;
Apg 17,23 denn ich habe in eurer Stadt viele Heiligtümer gesehen. Auf einem
Altar stand: ›Dem unbekannten Gott.‹ Von diesem Gott, den ihr verehrt, ohne ihn
zu kennen, spreche ich.
Apg 17,24 Es ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen
hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen
gebaut haben.
Apg 17,25 Er braucht auch nicht die Hilfe und Unterstützung irgendeines
Menschen. Er, der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist,
Apg 17,26 er hat den einen Menschen geschaffen, von dem alle Völker auf der
ganzen Erde abstammen. Er hat auch bestimmt, wie lange und wo jeder Einzelne von
ihnen leben soll.
Apg 17,27 Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Menschen ihn suchen.
Sie sollen ihn spüren und finden können. Und wirklich, er ist jedem von uns ja
so nahe!
Apg 17,28 Durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles,
was wir sind. So wie es einige eurer Dichter gesagt haben: ›Wir sind seine
Kinder.‹
Apg 17,29 Weil wir nun von Gott abstammen, ist es doch unsinnig zu glauben, dass
wir Gott in Statuen aus Gold, Silber oder behauenen Steinen darstellen könnten.
Diese sind doch nur Gebilde unserer Kunst und unserer Vorstellungen.
Apg 17,30 Bisher haben die Menschen das nicht erkannt, und Gott hatte Geduld mit
ihnen. Aber jetzt befiehlt er allen Menschen auf der ganzen Welt, zu ihm
umzukehren.
Apg 17,31 Denn der Tag ist schon festgesetzt, an dem Gott alle Menschen richten
wird; ja, er wird ein gerechtes Urteil sprechen durch den einen Mann, den er
selbst dazu bestimmt hat. Das hat Gott bewiesen, indem er ihn von den Toten
auferweckte.«
Apg 17,32 Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, begannen einige zu
spotten, andere aber meinten: »Darüber wollen wir später noch mehr hören.«
Apg 17,33 Paulus verließ jetzt die Versammlung.
Apg 17,34 Einige Leute, die durch seine Rede zu glauben begonnen hatten, gingen
mit ihm. Darunter waren Dionysius, ein Mitglied des Gerichtshofes, eine Frau,
die Damaris hieß, und manche andere.
Apg 18,1 Bald darauf verließ Paulus Athen und reiste nach Korinth.
Apg 18,2 Dort lernte er den Juden Aquila kennen, der aus der Provinz Pontus
stammte. Er war vor kurzem mit seiner Frau Priszilla aus Italien nach Korinth
übergesiedelt, weil Kaiser Klaudius alle Juden aus Rom ausgewiesen hatte.
Apg 18,3 Paulus wohnte bei ihnen, und schließlich arbeiteten sie zusammen, denn
beide waren wie Paulus von Beruf Zeltmacher.
Apg 18,4 Paulus lehrte an jedem Sabbat in der Synagoge, und was er sagte,
überzeugte Juden wie Griechen.
Apg 18,5 Als dann Silas und Timotheus aus Mazedonien eintrafen, nutzte Paulus
seine ganze Zeit, um Gottes Botschaft zu verkünden und den Juden zu bezeugen,
dass Jesus der von Gott versprochene Retter ist.
Apg 18,6 Doch die Juden widersprachen ihm und spotteten über seine Lehre. Da
schüttelte Paulus den Staub von seinen Kleidern als Zeichen dafür, dass er sie
Gottes Urteil überließ. »Ich bin nicht schuld an eurem Tod und Verderben«, sagte
er. »Von jetzt an werde ich den nichtjüdischen Völkern Gottes Botschaft
verkünden.«
Apg 18,7 Danach wohnte er bei Titius Justus. Dieser Mann glaubte an Gott, obwohl
er kein Jude war. Sein Haus stand direkt neben der Synagoge.
Apg 18,8 Schließlich kam sogar Krispus, der Vorsteher der Synagoge, zum Glauben
an den Herrn, zusammen mit allen, die in seinem Haus lebten. Und noch viele
Korinther, die Paulus gehört hatten, begannen zu glauben und ließen sich taufen.
Apg 18,9 Eines Nachts sprach der Herr in einer Vision zu Paulus: »Hab keine
Angst! Predige weiter und schweige nicht!
Apg 18,10 Ich bin bei dir, und niemand soll es wagen, dir etwas anzutun. Denn
viele Menschen in dieser Stadt werden an mich glauben.«
Apg 18,11 So blieb Paulus noch anderthalb Jahre in Korinth. Er unterwies dort
die Menschen und erklärte ihnen die Botschaft Gottes.
Apg 18,12 Als aber Gallio Statthalter von Achaja wurde, schlossen sich die Juden
zusammen und verklagten Paulus. Sie brachten ihn vor Gericht
Apg 18,13 und beschuldigten ihn: »Dieser Mann verführt die Leute, Gott in einer
Weise zu dienen, die im Widerspruch zum Gesetz steht.«
Apg 18,14 Noch ehe Paulus etwas erwidern konnte, wandte sich Gallio an die
Juden: »Wenn es sich um ein Verbrechen oder sonst ein schweres Vergehen
handelte, müsste ich euch Juden anhören.
Apg 18,15 Weil ihr aber über Lehrfragen, irgendwelche Personen und religiösen
Gesetze streitet, müsst ihr euch schon selbst einigen. Ich jedenfalls werde
darüber nicht entscheiden.«
Apg 18,16 Damit wies er die Ankläger aus dem Gerichtssaal.
Apg 18,17 Jetzt fielen die Zuhörer über den neuen Synagogenleiter Sosthenes her
und verprügelten ihn noch im Gerichtssaal. Doch Gallio kümmerte sich überhaupt
nicht darum.
Apg 18,18 Paulus blieb noch einige Zeit in Korinth. Dann verabschiedete er sich
von den Christen, und zusammen mit Priszilla und Aquila fuhr er mit dem Schiff
in Richtung Syrien. Vorher hatte er in Kenchreä ein Gelübde abgelegt und sich
deswegen - wie es bei den Juden üblich war - die Haare abschneiden lassen.
Apg 18,19 Nach ihrer Ankunft in Ephesus blieben Priszilla und Aquila in der
Stadt, während Paulus in die Synagoge ging. Dort sprach er mit den Juden.
Apg 18,20 Und obwohl sie ihn baten, länger bei ihnen zu bleiben,
Apg 18,21 verabschiedete er sich mit den Worten: »Wenn Gott es will, werde ich
später wiederkommen.« Dann verließ er Ephesus auf einem Schiff.
Apg 18,22 Von Cäsarea aus ging er nach Jerusalem. Dort besuchte er die Gemeinde,
um schließlich nach Antiochia weiterzuziehen.
Apg 18,23 Aber auch hier blieb er nicht lange, sondern durchquerte ganz Galatien
und Phrygien. Er besuchte alle Gemeinden und ermutigte sie, in ihrem Glauben
festzubleiben.
Apg 18,24 In der Zwischenzeit war Apollos, ein Jude aus Alexandria, nach Ephesus
gekommen. Er kannte sich in der Heiligen Schrift gut aus und war ein gewandter
Redner.
Apg 18,25 Von der christlichen Botschaft hatte er schon gehört, und er sprach
voller Begeisterung von Jesus. Zuverlässig lehrte er, was Jesus gesagt und getan
hatte. Dennoch kannte er lediglich die Taufe des Johannes.
Apg 18,26 Dieser Apollos begann unerschrocken in der Synagoge zu predigen. Unter
seinen Zuhörern waren auch Priszilla und Aquila. Sie nahmen ihn als Gast in
ihrem Haus auf, um ihm dort Gottes Weg zur Erlösung genauer zu erklären.
Apg 18,27 Als Apollos plante, in die griechische Provinz Achaja zu reisen, gaben
ihm die Christen von Ephesus ein Empfehlungsschreiben an die Gemeinde in Korinth
mit, in dem sie darum baten, ihn dort freundlich aufzunehmen. In Achaja war
Apollos mit seiner Begabung den Christen eine große Hilfe.
Apg 18,28 Denn in öffentlich geführten Streitgesprächen widerlegte er die
Einwände der Juden und wies anhand der Heiligen Schrift nach, dass Jesus der
versprochene Retter ist.
Apg 19,1 Während Apollos in Korinth war, reiste Paulus durch das kleinasiatische
Hochland und kam nach Ephesus. Dort traf er einige Jünger.
Apg 19,2 Er fragte sie: »Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr begonnen
habt zu glauben?« - »Nein«, erwiderten sie, »wir haben noch nicht einmal gehört,
dass es einen Heiligen Geist gibt.«
Apg 19,3 »Welche Taufe habt ihr denn empfangen?«, wollte Paulus jetzt wissen.
»Die Taufe des Johannes«, war die Antwort.
Apg 19,4 Da erklärte Paulus: »Wer sich von Johannes taufen ließ, bekannte damit,
dass er zu Gott umkehren will. Johannes hat aber immer gesagt, dass man an den
glauben muss, der nach ihm kommt, nämlich Jesus.«
Apg 19,5 Nachdem sie das gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn
Jesus taufen.
Apg 19,6 Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, empfingen sie den Heiligen
Geist. Sie beteten in anderen Sprachen und redeten, was Gott ihnen eingab.
Apg 19,7 Es waren etwa zwölf Männer.
Apg 19,8 Paulus ging darauf in die Synagoge. Drei Monate lang predigte er dort
unerschrocken von Gottes neuer Welt und überzeugte viele Menschen.
Apg 19,9 Es gab aber auch einige, die davon nichts wissen wollten und
schließlich in aller Öffentlichkeit über die rettende Botschaft spotteten. Da
verließ Paulus mit den anderen Christen die Synagoge. Von nun an predigte er
täglich im Lehrsaal eines Mannes, der Tyrannus hieß.
Apg 19,10 Das tat er zwei Jahre lang, so dass alle in der Provinz Asia, Juden
wie Griechen, die Botschaft des Herrn hörten.
Apg 19,11 Gott ließ durch Paulus erstaunliche Wunder geschehen.
Apg 19,12 Die Leute legten sogar Tücher, mit denen Paulus sich den Schweiß
abgewischt hatte, und Kleidungsstücke von ihm auf die Kranken. Dadurch wurden
sie gesund, und die Dämonen verließen sie.
Apg 19,13 Im ganzen Land gab es jüdische Geisterbeschwörer, die umherzogen und
böse Geister austrieben. Einige von ihnen versuchten Dämonen dadurch
auszutreiben, dass sie über den Besessenen den Namen Jesu aussprachen. Sie
sagten: »Wir beschwören euch bei dem Jesus, den Paulus predigt!«
Apg 19,14 So trieben es auch die sieben Söhne des jüdischen Hohenpriesters
Skevas.
Apg 19,15 Doch der Dämon verhöhnte sie: »Jesus kenne ich, und von Paulus habe
ich gehört. Aber wer seid ihr?«
Apg 19,16 Dann stürzte sich der Besessene auf sie, warf sie zu Boden und
überwältigte sie, so dass sie schließlich alle nackt und verwundet aus dem Haus
fliehen mussten.
Apg 19,17 Bald wusste ganz Ephesus - Juden wie Griechen - von diesem Vorfall.
Alle waren zutiefst erschrocken, und der Name des Herrn Jesus wurde nun überall
gelobt.
Apg 19,18 Zahlreiche Christen bekannten jetzt offen, was sie früher getan
hatten.
Apg 19,19 Viele von ihnen brachten ihre Zauberbücher und verbrannten sie in
aller Öffentlichkeit. Man schätzte den Wert auf 50000 Silberstücke.
Apg 19,20 So erwies die Botschaft des Herrn ihre Macht, und immer mehr Menschen
glaubten daran.
Apg 19,21 Danach beschloss Paulus, über Mazedonien und Achaja nach Jerusalem zu
reisen und von dort aus nach Rom.
Apg 19,22 Er schickte zwei seiner Mitarbeiter, Timotheus und Erastus, voraus
nach Mazedonien, während er selber noch einige Zeit in der Provinz Asia blieb.
Apg 19,23 Etwa zur selben Zeit kam es in Ephesus zu heftigen Unruhen wegen der
Lehre, die Paulus verkündete.
Apg 19,24 In der Stadt lebte ein Silberschmied mit Namen Demetrius, der kleine
Nachbildungen des Tempels der griechischen Göttin Artemis herstellte. Nicht nur
er selber, sondern auch die anderen Kunsthandwerker in der Stadt verdienten sehr
gut daran.
Apg 19,25 Eines Tages rief Demetrius diese Künstler und alle, die für sie
arbeiteten, zusammen und sagte: »Ihr wisst ebenso gut wie ich, dass unser
Wohlstand von den kleinen Nachbildungen des Tempels abhängt.
Apg 19,26 Wie ihr sicher schon gehört habt, behauptet nun dieser Paulus, von
Menschen angefertigte Götter seien nichts wert. Das verbreitet er nicht nur in
Ephesus, sondern in der ganzen Provinz Asia, und viele Leute glauben ihm schon.
Apg 19,27 Aber es geht ja nicht nur darum, dass unsere Arbeit nicht mehr
anerkannt wird! Auch der Tempel der herrlichen Göttin Artemis, die man nicht nur
in Kleinasien, sondern in der ganzen Welt verehrt, wird bedeutungslos werden;
ja, sie selbst wird in Vergessenheit geraten!«
Apg 19,28 Wutentbrannt schrien jetzt die Zuhörer: »Groß ist die Artemis der
Epheser!«
Apg 19,29 In kürzester Zeit war die Bevölkerung der ganzen Stadt auf den Beinen.
Das Volk rottete sich zusammen und drängte ins Amphitheater. Dorthin schleppten
sie auch die beiden Mazedonier Gajus und Aristarch, die Paulus begleitet hatten.
Apg 19,30 Paulus wollte nun selbst im Amphitheater Rede und Antwort stehen, aber
die anderen Christen ließen das nicht zu.
Apg 19,31 Auch einige hohe Beamte der Provinzverwaltung, die Paulus schätzten,
warnten ihn eindringlich davor, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Apg 19,32 Bei der versammelten Volksmenge herrschte das größte Durcheinander;
der eine schrie dies, der andere das. Die meisten wussten nicht einmal, warum
sie sich überhaupt versammelt hatten.
Apg 19,33 Die Juden drängten Alexander nach vorn. Er sollte bezeugen, dass sie
mit der Sache nichts zu tun hätten. Alexander versuchte, die Menschen mit einer
Handbewegung zum Schweigen zu bringen.
Apg 19,34 Doch als sie merkten, dass er Jude war, schrien sie zwei Stunden lang
in Sprechchören: »Groß ist die Artemis der Epheser!«
Apg 19,35 Schließlich gelang es einem der höchsten Beamten der Stadt, die Menge
zu beruhigen und sich verständlich zu machen. »Leute von Ephesus!«, rief er.
»Jeder hier weiß doch, dass unsere Stadt die Hüterin des Tempels der großen
Artemis ist und ihres vom Himmel gefallenen Bildes.
Apg 19,36 Das ist eine Tatsache, und dem wird niemand widersprechen. Deshalb
bleibt ruhig, und tut nichts Unüberlegtes.
Apg 19,37 Ihr habt diese Männer hierher geschleppt, obwohl sie weder den Tempel
beraubt noch über unsere Göttin gelästert haben.
Apg 19,38 Sollten Demetrius und die anderen Kunsthandwerker irgendwelche
Anklagen gegen sie vorbringen wollen, so gibt es dafür ordentliche Gerichte und
Behörden. Sollen sie dort ihren Streit austragen!
Apg 19,39 Und wenn ihr noch andere Anliegen habt, die über die Anklage des
Demetrius hinausgehen, dann müssen sie in der ordentlichen Volksversammlung
vorgebracht werden.
Apg 19,40 Ich fürchte nämlich, dass uns die römische Regierung sonst wegen
dieses Aufruhrs zur Rechenschaft ziehen wird, und wir können wirklich keinen
triftigen Grund dafür nennen.« Danach löste er die Versammlung auf.
Apg 20,1 Nachdem der Tumult vorüber war, rief Paulus die ganze Gemeinde
zusammen, um sie zu ermutigen und sich von ihr zu verabschieden. Dann begann er
seine Reise nach Mazedonien.
Apg 20,2 Unterwegs besuchte er alle Gemeinden und nahm sich viel Zeit, sie im
Glauben zu stärken. So erreichte er Griechenland,
Apg 20,3 wo er drei Monate lang blieb. Er bereitete sich gerade auf die
Überfahrt nach Syrien vor, als er davon erfuhr, dass die Juden ihn auf dieser
Reise umbringen wollten. Deshalb entschloss er sich, auf dem Landweg über
Mazedonien zurückzukehren.
Apg 20,4 Mit ihm reisten Sopater aus Beröa, der Sohn des Pyrrhus, Aristarch und
Sekundus aus Thessalonich, Gajus aus Derbe und Timotheus; außerdem Tychikus und
Trophimus, die aus der Provinz Asia stammten.
Apg 20,5 Sie waren schon vorausgereist und warteten in Troas auf uns.
Apg 20,6 Wir anderen verließen nach dem Fest der ungesäuerten Brote Philippi und
erreichten mit einem Schiff in fünf Tagen Troas. Dort blieben wir eine Woche.
Apg 20,7 Am Sonntagabend kamen wir zusammen, um das Abendmahl zu feiern, und
Paulus predigte. Weil er schon am nächsten Tag weiterreisen wollte, nahm er sich
viel Zeit und sprach bis Mitternacht.
Apg 20,8 Der Raum im Obergeschoss, in dem wir uns befanden, war durch viele
Öllampen erhellt.
Apg 20,9 Ein junger Mann - er hieß Eutychus - saß auf der Fensterbank. Während
der langen Predigt des Paulus wurde er vom Schlaf überwältigt. Dabei verlor er
das Gleichgewicht und fiel durch das offene Fenster drei Stockwerke tief. Als
die Männer ihn aufhoben, war er tot.
Apg 20,10 Paulus lief hinunter, beugte sich über den Toten und nahm ihn in seine
Arme. Dann sagte er zu den Leuten: »Seid ruhig! Er lebt.«
Apg 20,11 Paulus ging wieder hinauf; er brach das Brot, und sie feierten
gemeinsam das Abendmahl. Er sprach noch lange mit ihnen, bevor er sie dann bei
Tagesanbruch verließ.
Apg 20,12 Eutychus brachten sie unversehrt nach Hause, und alle waren glücklich
darüber, dass er wieder am Leben war.
Apg 20,13 Wir anderen hatten inzwischen ein Schiff bestiegen und waren nach
Assos gesegelt. Paulus hatte darauf bestanden, bis dorthin zu Fuß zu gehen.
Apg 20,14 In Assos nahmen wir ihn dann an Bord und segelten weiter nach
Mitylene.
Apg 20,15 Am nächsten Tag kamen wir bis in die Nähe von Chios, tags darauf
legten wir in Samos an, und einen Tag später erreichten wir Milet.
Apg 20,16 Um keine Zeit zu verlieren, hatte sich Paulus entschlossen, nicht nach
Ephesus zu reisen. Wenn irgend möglich, wollte er nämlich zum Pfingstfest in
Jerusalem sein.
Apg 20,17 Von Milet aus schickte Paulus einen Boten mit der Nachricht nach
Ephesus, dass er gern mit den Leitern der Gemeinde sprechen würde.
Apg 20,18 Als sie alle gekommen waren, sagte er zu ihnen: »Ihr wisst, wie ich
mich in der Provinz Asia vom ersten Tag an bis heute bei euch verhalten habe.
Apg 20,19 Ohne an mich selbst zu denken, habe ich dem Herrn gedient, oft unter
Tränen und obwohl die Juden mich verfolgten.
Apg 20,20 Ihr wisst auch, dass ich nichts verschwiegen habe. Ich habe euch alles
gepredigt und gelehrt, was eurer Rettung dient - öffentlich, aber auch in euren
Häusern.
Apg 20,21 Juden wie Griechen habe ich klargemacht, dass sie zu Gott umkehren und
an unseren Herrn Jesus Christus glauben sollen.
Apg 20,22 Jetzt folge ich dem Willen des Heiligen Geistes, wenn ich nach
Jerusalem gehe. Was dort mit mir geschehen wird, weiß ich nicht.
Apg 20,23 Nur dies eine weiß ich, dass mich Gefangenschaft und Leiden erwarten.
Denn so sagt es mir der Heilige Geist in allen Gemeinden, die ich besuche.
Apg 20,24 Aber mein Leben ist mir nicht wichtig. Vielmehr will ich den Auftrag
ausführen, den mir Jesus Christus gegeben hat: die rettende Botschaft von Gottes
Gnade und Liebe zu verkünden.
Apg 20,25 Ich weiß, dass keiner von euch, denen ich von Gottes neuer Welt
gepredigt und bei denen ich gelebt habe, mich wiedersehen wird.
Apg 20,26 Deshalb erkläre ich euch heute: Ich bin nicht schuld daran, wenn einer
von euch verloren geht.
Apg 20,27 Denn ich habe nichts verschwiegen, sondern euch den ganzen Plan Gottes
zur Rettung der Welt verkündet.
Apg 20,28 Von jetzt an müsst ihr auf euch selbst achten und auf die ganze
Gemeinde, für die euch der Heilige Geist als Hirten einsetzte. Ihr sollt die
Gemeinde Gottes hüten, die er sich durch das Blut seines Sohnes erworben hat.
Apg 20,29 Denn ich weiß: Wenn ich nicht mehr da bin, werden falsche Lehrer wie
reißende Wölfe über euch herfallen, und sie werden die Herde nicht schonen.
Apg 20,30 Sogar unter euch wird es Männer geben, die nur deshalb die Wahrheit
verfälschen, weil sie Menschen für sich gewinnen wollen.
Apg 20,31 Seid also wachsam! Denkt daran, dass ich drei Jahre lang unermüdlich
jedem von euch Tag und Nacht, manchmal sogar unter Tränen, den rechten Weg
gewiesen habe.
Apg 20,32 Und nun vertraue ich euch Gottes Schutz an und der Botschaft von
seiner Gnade. Sie allein hat die Macht, euren Glauben wachsen zu lassen und euch
das Erbe zu geben, das Gott denen zugesagt hat, die zu ihm gehören.
Apg 20,33 Niemals habe ich von euch Geld oder Kleidung verlangt.
Apg 20,34 Ihr wisst selbst, dass ich den Lebensunterhalt für mich und meine
Begleiter mit meinen eigenen Händen verdient habe.
Apg 20,35 Damit wollte ich euch zeigen, wie man arbeiten muss, um den Armen zu
helfen und das zu erfüllen, was unser Herr Jesus selbst gesagt hat: Geben macht
glücklicher als Nehmen.«
Apg 20,36 Nun knieten alle nieder, und Paulus betete mit ihnen.
Apg 20,37 Sie küssten und umarmten Paulus zum Abschied; viele weinten laut,
Apg 20,38 weil er ihnen gesagt hatte, sie würden ihn nicht wiedersehen. Dann
begleiteten sie ihn zum Schiff.
Apg 21,1 Als wir uns schweren Herzens von den Gemeindeleitern aus Ephesus
verabschiedet hatten, segelte unser Schiff direkt nach Kos. Am folgenden Tag
erreichten wir Rhodos und dann Patara.
Apg 21,2 Dort gingen wir an Bord eines anderen Schiffes, das nach Phönizien
segeln sollte.
Apg 21,3 Bald sahen wir in der Ferne die Insel Zypern, segelten aber südlich an
ihr vorbei zur syrischen Hafenstadt Tyrus, wo die Ladung des Schiffes gelöscht
wurde.
Apg 21,4 In Tyrus besuchten wir die Gemeinde und blieben eine Woche dort. Diese
Christen warnten Paulus mehrmals davor, nach Jerusalem zu reisen, denn so hatte
es ihnen der Heilige Geist aufgetragen.
Apg 21,5 Aber am Ende der Woche gingen wir dann doch zu unserem Schiff. Dabei
begleiteten uns alle - samt Frauen und Kindern - bis vor die Stadt. Am Strand
knieten wir nieder und beteten.
Apg 21,6 Nachdem wir uns verabschiedet hatten, gingen wir an Bord des Schiffes,
und sie kehrten in die Stadt zurück.
Apg 21,7 Von Tyrus kamen wir dann nach Ptolemaïs. Auch dort besuchten wir die
Christen, blieben aber nur einen Tag bei ihnen.
Apg 21,8 Von Ptolemaïs ging es zu Fuß weiter nach Cäsarea. Dort wohnten wir im
Haus des Evangelisten Philippus, einem der sieben Diakone.
Apg 21,9 Die vier Töchter des Philippus waren unverheiratet geblieben und
redeten in Gottes Auftrag prophetisch.
Apg 21,10 Wir waren schon einige Tage bei Philippus, als Agabus aus Judäa kam.
Er war ein Prophet.
Apg 21,11 Mit dem Gürtel des Paulus fesselte er sich Hände und Füße. Dann
erklärte er: »Der Heilige Geist sagt: Genauso wird der Besitzer dieses Gürtels
in Jerusalem von den Juden gefesselt und an Menschen ausgeliefert werden, die
Gott nicht kennen.«
Apg 21,12 Da bestürmten wir und die anderen Christen der Gemeinde Paulus, nicht
nach Jerusalem zu gehen.
Apg 21,13 Er aber antwortete nur: »Warum weint ihr und macht mir das Herz
schwer? Ich bin nicht nur bereit, mich in Jerusalem fesseln und ins Gefängnis
werfen zu lassen, ich bin auch bereit, dort für Jesus, den Herrn, zu sterben.«
Apg 21,14 Weil er sich nicht umstimmen ließ, bedrängten wir ihn schließlich
nicht länger und sagten: »Der Wille des Herrn soll geschehen!«
Apg 21,15 Bald darauf reisten wir nach Jerusalem.
Apg 21,16 Einige Brüder aus Cäsarea begleiteten uns. Sie führten uns zu Mnason,
der aus Zypern stammte und einer der ersten Christen war. In seinem Haus sollten
wir übernachten.
Apg 21,17 Von der Gemeinde in Jerusalem wurden wir herzlich aufgenommen.
Apg 21,18 Am Tag nach unserer Ankunft ging Paulus zu Jakobus; auch alle Leiter
der Gemeinde hatten sich bei ihm versammelt.
Apg 21,19 Paulus begrüßte sie alle und berichtete ausführlich, was Gott durch
seine Arbeit unter den Nichtjuden getan hatte.
Apg 21,20 Darüber waren alle froh; sie lobten und dankten Gott. Dann aber sagten
sie: »Du weißt, lieber Bruder, dass Tausende von Juden zum Glauben an Jesus
gekommen sind, und jeder von ihnen befolgt streng die Gesetze des Mose.
Apg 21,21 Man hat nun von dir berichtet, du würdest die Juden außerhalb Israels
lehren, nicht mehr nach dem Gesetz zu leben. Sie sollten zum Beispiel ihre
Kinder nicht mehr beschneiden lassen und die Ordnungen unseres Volkes
missachten.
Apg 21,22 Was sollen wir jetzt tun? Sie werden auf jeden Fall erfahren, dass du
in Jerusalem bist.
Apg 21,23 Wir möchten dir deshalb Folgendes raten: Hier sind vier Männer, die
ein Gelübde einlösen müssen.
Apg 21,24 Schließe dich ihnen an, und erfülle alle vom Gesetz geforderten
Reinigungsvorschriften, wozu ja auch gehört, dass sie sich die Haare schneiden
lassen. Wenn du dafür die Kosten übernimmst, werden alle sehen, dass an den
Gerüchten über dich nichts Wahres ist und du gewissenhaft das Gesetz befolgst.
Apg 21,25 Wie die nichtjüdischen Christen leben sollen, haben wir ja schriftlich
geregelt. Wir haben damals entschieden, dass sie kein Fleisch von Tieren essen
dürfen, die Götzen geopfert wurden; sie sollen kein Blut verzehren und kein
Fleisch von Tieren, die nicht völlig ausbluteten. Außerdem sollen sie keine
verbotenen sexuellen Beziehungen eingehen.«
Apg 21,26 [26/27] Paulus nahm ihren Vorschlag an. Am nächsten Tag erfüllte er
die Reinigungsvorschriften und ging dann zusammen mit den Männern in den Tempel.
Dort meldeten sie dem Priester, dass sie ihr Gelübde erfüllt hatten. Nach der
vorgeschriebenen Zeit von sieben Tagen sollte dann für jeden von ihnen ein Opfer
dargebracht werden. Die sieben Tage waren fast vorüber, als einige Juden aus der
Provinz Asia Paulus im Tempel wiedererkannten. Sie wiegelten das Volk gegen ihn
auf, packten ihn
Apg 21,28 und schrien: »Helft uns, ihr Männer aus Israel! Das ist er, der
überall gegen unser Volk, gegen das Gesetz und gegen diesen Tempel hetzt! Und
nicht genug damit! Er hat sogar Griechen in den Tempel gebracht und dadurch
diese heilige Stätte entweiht!«
Apg 21,29 Sie hatten nämlich Paulus zusammen mit dem Griechen Trophimus aus
Ephesus in der Stadt gesehen, und nun vermuteten sie, Paulus habe ihn auch mit
in den Tempel genommen.
Apg 21,30 Ganz Jerusalem geriet in Aufruhr. Die Menschen liefen zusammen, sie
griffen Paulus und zerrten ihn aus dem Tempel, dessen Türen man eilig schloss.
Apg 21,31 Die Menge war nahe daran, Paulus umzubringen, als dem Kommandanten der
römischen Garnison gemeldet wurde: »Die ganze Stadt ist in Aufruhr!«
Apg 21,32 Mit einem Trupp Soldaten und einigen Offizieren lief er sofort zum
Tempelplatz. Als die Menge den Kommandanten und die Soldaten sah, hörte sie auf,
Paulus zu schlagen.
Apg 21,33 Der Kommandant nahm Paulus fest und ließ ihn mit zwei Ketten fesseln.
Anschließend fragte er die aufgebrachte Menge, wer dieser Mann sei und was er
getan habe.
Apg 21,34 Aber die einen schrien dies, die anderen das, und der Tumult war so
groß, dass er letztlich überhaupt nichts erfuhr. Deshalb befahl der Kommandant,
Paulus in die Festung zu bringen.
Apg 21,35 Auf den Treppenstufen dorthin mussten die Soldaten Paulus tragen, um
ihn vor der wütenden Menge zu schützen.
Apg 21,36 Die Leute tobten: »Weg mit dem! Bringt ihn um!«
Apg 21,37 Als man Paulus gerade in die Festung bringen wollte, sagte er zu dem
Kommandanten: »Kann ich kurz mit dir sprechen?« - »Du sprichst Griechisch?«,
fragte dieser überrascht.
Apg 21,38 »Dann bist du also nicht der Ägypter, der vor einiger Zeit in der
Wüste viertausend bewaffnete Rebellen um sich sammelte und einen Aufstand
anzettelte?«
Apg 21,39 »Nein«, erwiderte Paulus, »ich bin ein Jude aus Tarsus und ein Bürger
dieser bekannten Stadt in Zilizien. Bitte erlaube mir, zu den Leuten zu reden.«
Apg 21,40 Der Kommandant willigte ein. Paulus blieb auf der obersten
Treppenstufe stehen und gab dem Volk mit der Hand ein Zeichen, dass er etwas
sagen wollte. Nachdem sie sich beruhigt hatten, sprach er auf Hebräisch zu
ihnen:
Apg 22,1 »Ihr Männer, liebe Brüder und Väter! Hört euch an, was ich zu meiner
Verteidigung sagen möchte.«
Apg 22,2 Als die Juden merkten, dass Paulus auf Hebräisch zu ihnen redete,
wurden sie noch stiller, und er konnte ungehindert weitersprechen:
Apg 22,3 »Ich bin Jude, geboren in Tarsus, einer Stadt in Zilizien. Erzogen
wurde ich hier in Jerusalem. Als Schüler Gamaliels habe ich gelernt, streng nach
dem Gesetz unserer Vorfahren zu leben. Ebenso wie ihr wollte ich nichts anderes,
als Gottes Gebote erfüllen.
Apg 22,4 Deshalb habe ich die neue Lehre der Christen auch bis auf den Tod
bekämpft. Männer und Frauen ließ ich festnehmen und ins Gefängnis werfen.
Apg 22,5 Das können der Hohepriester und der ganze Hohe Rat bezeugen. Von ihnen
bekam ich Empfehlungsschreiben für die jüdische Gemeinde in Damaskus. Sie gaben
mir die Vollmacht, die Christen in jener Stadt gefesselt hierher nach Jerusalem
zu bringen und zu bestrafen.
Apg 22,6 Als ich auf meiner Reise Damaskus schon fast erreicht hatte, umgab mich
zur Mittagszeit plötzlich vom Himmel her ein strahlend helles Licht.
Apg 22,7 Ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme: ›Saul, Saul, warum verfolgst
du mich?‹
Apg 22,8 Voller Schrecken fragte ich: ›Wer bist du, Herr?‹, und hörte als
Antwort: ›Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst.‹
Apg 22,9 Meine Begleiter sahen genauso wie ich das Licht, aber sie hörten nicht,
was gesagt wurde.
Apg 22,10 ›Was soll ich tun, Herr?‹, fragte ich nun, und der Herr antwortete
mir: ›Steh auf! Geh nach Damaskus. Dort wird man dir sagen, welche Aufgabe du
übernehmen sollst.‹
Apg 22,11 Von dem hellen Licht war ich so geblendet, dass ich nicht mehr sehen
konnte und meine Begleiter mich nach Damaskus führen mussten.
Apg 22,12 Dort lebte ein Mann, der Hananias hieß. Er war fromm und erfüllte die
Gebote des Gesetzes so genau, dass er bei allen Juden in Damaskus hoch angesehen
war.
Apg 22,13 Dieser Mann kam zu mir und sagte: ›Lieber Bruder Saul, du sollst
wieder sehen können!‹ Sofort wurden meine Augen geöffnet, und ich sah ihn vor
mir stehen.
Apg 22,14 Dann erklärte er mir: ›Der Gott unserer Vorfahren hat dich erwählt,
seinen Willen zu erkennen, seinen Sohn zu sehen und ihn zu hören.
Apg 22,15 So wirst du vor allen Menschen sein Zeuge sein, weil du ihn selber
gesehen und gehört hast.
Apg 22,16 Zögere also nicht länger! Lass dich taufen und von deinen Sünden
reinigen, indem du zu Jesus, dem Herrn, betest.‹
Apg 22,17 Später kehrte ich nach Jerusalem zurück. Eines Tages betete ich im
Tempel. Da erschien mir der Herr in einer Vision
Apg 22,18 und sagte: ›Beeil dich und verlasse Jerusalem so schnell wie möglich,
denn niemand wird dir glauben, was du von mir sagst.‹
Apg 22,19 ›Herr‹, antwortete ich, ›jeder hier weiß, dass ich alle, die an dich
glaubten, ins Gefängnis werfen und in den Synagogen auspeitschen ließ.
Apg 22,20 Als dein Zeuge Stephanus getötet wurde, stand ich dabei; ich hatte in
die Steinigung eingewilligt und bewachte die Kleider seiner Mörder.‹
Apg 22,21 Doch der Herr befahl: ›Geh, denn ich will dich weit weg zu den Völkern
senden, die mich nicht kennen.‹«
Apg 22,22 Bis dahin hatten alle Paulus ruhig angehört. Doch nun begannen sie zu
toben: »Weg mit ihm! Er darf nicht länger leben!«
Apg 22,23 Voller Empörung zerrissen sie ihre Kleider und wüteten, dass der Staub
hoch aufwirbelte.
Apg 22,24 Da ließ der Kommandant Paulus in die Festung bringen und befahl, ihn
auszupeitschen und zu verhören. Auf diese Weise wollte er erfahren, weshalb die
Menge so erregt den Tod des Paulus forderte.
Apg 22,25 Man hatte den Apostel bereits zum Auspeitschen festgebunden, als
Paulus den dabeistehenden Offizier fragte: »Seit wann ist es bei euch erlaubt,
einen römischen Bürger auszupeitschen, noch dazu ohne Urteil?«
Apg 22,26 Der Offizier lief zum Kommandanten: »Der Mann ist ein römischer
Bürger! Was willst du jetzt tun?«
Apg 22,27 Da ging der Kommandant selbst zu Paulus und fragte ihn: »Stimmt es,
dass du ein römischer Bürger bist?« - »Ja, das stimmt«, erwiderte Paulus.
Apg 22,28 Der Kommandant erklärte: »Ich habe für dieses Bürgerrecht ein Vermögen
gezahlt.« »Ich aber wurde schon als römischer Bürger geboren«, erwiderte Paulus.
Apg 22,29 Sofort banden die Soldaten den Apostel los, denn der Kommandant
fürchtete, Schwierigkeiten zu bekommen, weil er befohlen hatte, einen römischen
Bürger auszupeitschen.
Apg 22,30 Der Kommandant wollte endlich genau wissen, was die Juden Paulus
eigentlich vorwarfen. Deswegen befahl er am nächsten Tag den Hohenpriestern und
dem Hohen Rat, zu einer Sitzung zu kommen, und nachdem man Paulus aus dem
Gefängnis geholt und ihm die Fesseln abgenommen hatte, wurde auch er dorthin
gebracht.
Apg 23,1 Ruhig blickte Paulus die Mitglieder des Hohen Rates an und sagte: »Ihr
Männer, liebe Brüder! Ich habe bis zum heutigen Tag Gott gedient, und zwar mit
gutem Gewissen.«
Apg 23,2 Aufgebracht befahl daraufhin der Hohepriester Hananias den
dabeistehenden Dienern, Paulus auf den Mund zu schlagen.
Apg 23,3 Der aber rief: »Du Heuchler, Gott wird dich dafür strafen. Du willst
hier nach dem Gesetz Recht sprechen, aber brichst selber das Gesetz und lässt
mich schlagen!«
Apg 23,4 Da empörten sich einige: »Du wagst es, den Hohenpriester Gottes zu
beleidigen?«
Apg 23,5 »Ich wusste nicht, Brüder, dass er der Hohepriester ist«, lenkte Paulus
ein, »denn natürlich ist mir bekannt, dass es in der Heiligen Schrift heißt:
›Das Oberhaupt deines Volkes sollst du nicht beleidigen.‹«
Apg 23,6 Paulus wusste, dass unter den Anwesenden sowohl Sadduzäer als auch
Pharisäer waren. Deshalb rief er laut: »Brüder, ich bin ein Pharisäer wie viele
meiner Vorfahren, und nun stehe ich hier vor Gericht, weil ich an die
Auferstehung der Toten glaube.«
Apg 23,7 Diese Worte lösten einen heftigen Streit zwischen den Pharisäern und
Sadduzäern aus, und die Versammlung spaltete sich in zwei Lager.
Apg 23,8 Denn im Gegensatz zu den Pharisäern behaupten die Sadduzäer: Es gibt
keine Auferstehung und weder Engel noch Geister.
Apg 23,9 Immer lauter wurde der Streit. Aufgeregt sprangen einige
Schriftgelehrte der Pharisäer auf und riefen: »An dem Mann ist doch nichts,
wofür er verurteilt werden könnte. Vielleicht hat ja wirklich ein Geist oder
Engel zu ihm geredet.«
Apg 23,10 Der Tumult nahm solche Formen an, dass der römische Kommandant
fürchtete, Paulus vor der aufgebrachten Menge nicht länger schützen zu können.
Deshalb ließ er Soldaten kommen, die Paulus holten und ihn wieder in die Festung
zurückbrachten.
Apg 23,11 In der folgenden Nacht trat der Herr zu Paulus und sagte: »Sei
unbesorgt! So wie du in Jerusalem mein Zeuge gewesen bist, sollst du auch in Rom
mein Zeuge sein!«
Apg 23,12 Bei Tagesanbruch kamen einige Juden zusammen. Feierlich schworen sie
sich, weder zu essen noch zu trinken, bis es ihnen gelungen wäre, Paulus zu
beseitigen.
Apg 23,13 Mehr als vierzig Männer waren an dieser Verschwörung beteiligt.
Apg 23,14 Sie gingen zu den Hohenpriestern und führenden Männern des Volkes, um
ihnen mitzuteilen: »Wir haben geschworen, nichts zu essen und zu trinken, bis
wir diesen Paulus getötet haben.
Apg 23,15 Sorgt nun im Auftrag des Hohen Rates dafür, dass der Kommandant ihn
noch einmal zum Verhör bringen lässt. Sagt, ihr wolltet die Angelegenheit
genauer untersuchen. Alles andere überlasst uns: Er wird nicht bei euch
ankommen.«
Apg 23,16 Ein Neffe des Paulus erfuhr von diesem Anschlag. Er lief zur Festung
und berichtete ihm alles.
Apg 23,17 Da rief der Apostel einen der Hauptleute zu sich und bat: »Bring
diesen jungen Mann zum Kommandanten; er hat eine wichtige Mitteilung für ihn!«
Apg 23,18 Der Hauptmann führte den Verwandten des Paulus zum Kommandanten und
meldete: »Der Gefangene Paulus hat mich rufen lassen und darum gebeten, diesen
jungen Mann zu dir zu bringen. Er soll dir etwas mitteilen.«
Apg 23,19 Da führte der Kommandant den jungen Mann beiseite und fragte: »Was
hast du mir zu melden?«
Apg 23,20 Eilig begann der zu berichten: »Die Juden werden dich bitten, Paulus
morgen noch einmal dem Hohen Rat vorzuführen. Angeblich wollen sie den Fall
genauer untersuchen.
Apg 23,21 Glaube ihnen nicht, denn vierzig Männer lauern ihm auf, um ihn zu
ermorden. Sie haben sich geschworen, nichts zu essen und zu trinken, bis er tot
ist. Jetzt warten sie nur auf deine Zusage.«
Apg 23,22 Der junge Mann verließ die Festung, nachdem der Kommandant ihm
eingeschärft hatte, dass niemand von ihrem Gespräch erfahren dürfte.
Apg 23,23 Gleich darauf ließ der Kommandant zwei Hauptleute zu sich kommen.
Ihnen gab er den Auftrag: »Stellt für heute Abend neun Uhr zweihundert Soldaten
zum Marsch nach Cäsarea bereit, dazu noch siebzig Reiter und zweihundert
Leichtbewaffnete.
Apg 23,24 Kümmert euch auch um Reittiere für den Gefangenen, und bringt ihn
sicher zum Statthalter Felix.«
Apg 23,25 Dann schrieb er diesen Brief:
Apg 23,26 »Klaudius Lysias grüßt seine Exzellenz, den Statthalter Felix.
Apg 23,27 Diesen Mann hier hatten die Juden ergriffen. Sie wollten ihn gerade
töten, als ich ihn mit Gewalt aus ihren Händen befreite; denn ich hatte
erfahren, dass er römischer Bürger ist.
Apg 23,28 Weil ich wissen wollte, was er getan hat, brachte ich ihn vor ihren
Hohen Rat.
Apg 23,29 Dort stellte sich heraus, dass er nichts getan hat, wofür er die
Todesstrafe verdient hätte oder wofür man ihn auch nur hätte gefangen nehmen
dürfen. Es handelt sich lediglich um Streitfragen des jüdischen Gesetzes.
Apg 23,30 Inzwischen habe ich von einem neuen Mordanschlag gegen ihn erfahren,
und deshalb schicke ich ihn zu dir. Seine Kläger habe ich angewiesen, bei dir
Anklage gegen ihn zu erheben.«
Apg 23,31 Wie man es ihnen befohlen hatte, brachten die Soldaten Paulus noch in
derselben Nacht bis nach Antipatris.
Apg 23,32 Am folgenden Tag kehrten die Fußtruppen nach Jerusalem zurück, während
die Berittenen mit Paulus weiterzogen.
Apg 23,33 In Cäsarea übergaben sie das Schreiben dem Statthalter und lieferten
ihm den Gefangenen aus.
Apg 23,34 Nachdem der Statthalter den Brief gelesen hatte, fragte er Paulus, aus
welcher Provinz er stamme. »Aus Zilizien«, antwortete Paulus.
Apg 23,35 »Wenn sich deine Ankläger hier eingefunden haben«, entschied nun der
Statthalter, »werde ich deine Angelegenheit klären.« Auf Befehl des Felix wurde
Paulus im Palast des Königs Herodes weiter gefangen gehalten.
Apg 24,1 Fünf Tage später erschienen der Hohepriester Hananias, einige führende
Männer des Volkes und der Anwalt Tertullus, um Anklage gegen Paulus zu erheben.
Apg 24,2 Nachdem man Paulus hereingerufen hatte, begann Tertullus:
Apg 24,3 »Verehrter Felix! Voller Dankbarkeit erkennen wir Juden an, dass wir
durch dich endlich Ruhe und Frieden genießen und es unserem Volk durch deine
Fürsorge so gut geht wie selten zuvor.
Apg 24,4 Um aber deine kostbare Zeit nicht unnötig in Anspruch zu nehmen, bitten
wir dich, uns kurz anzuhören.
Apg 24,5 Wir wissen, dass dieser Mann gefährlich ist wie die Pest. Überall im
Römischen Reich zettelt er unter den Juden Aufstände an. Und er selbst ist der
Anführer der Nazarener-Sekte.
Apg 24,6 Als er versuchte, den Tempel zu entweihen, haben wir ihn gefasst. Wir
wollten ihn nach unseren Gesetzen aburteilen.
Apg 24,7 Aber der Kommandant Lysias kam dazu und ließ ihn durch seine Soldaten
abführen.
Apg 24,8 Außerdem befahl er, die Anklage gegen ihn bei dir vorzubringen. Wenn du
ihn verhörst, wirst du feststellen, dass unsere Beschuldigungen wahr sind.«
Apg 24,9 Die anderen Juden unterstützten die Anklagerede in allen Punkten und
erklärten, dass sie die reine Wahrheit enthielte.
Apg 24,10 Auf einen Wink des Statthalters stand Paulus auf und sagte: »Weil ich
weiß, dass du seit vielen Jahren Richter für dieses Volk bist, will ich mich
gern vor dir verantworten.
Apg 24,11 Wie du leicht nachprüfen kannst, bin ich erst vor zwölf Tagen nach
Jerusalem gekommen, um im Tempel zu beten.
Apg 24,12 Dabei habe ich weder im Tempel noch in den Synagogen oder in der
Öffentlichkeit mit jemandem gestritten oder gar einen Aufstand unter dem Volk
angezettelt.
Apg 24,13 Deshalb gibt es auch keinerlei Beweise für die Anklagen, die gegen
mich vorgebracht wurden.
Apg 24,14 Dies eine bekenne ich allerdings offen: Ich diene dem Gott unserer
Vorfahren, und zwar nach der Glaubensrichtung, die sie für eine Sekte halten.
Ich glaube alles, was im Gesetz des Mose und in den Propheten steht.
Apg 24,15 Wie meine Ankläger habe ich die Hoffnung, dass Gott alle Menschen vom
Tod auferwecken wird - sowohl die Menschen, die ihm gedient haben, als auch die
anderen, die nichts von ihm wissen wollten.
Apg 24,16 Deshalb bemühe ich mich auch, immer ein reines Gewissen vor Gott und
den Menschen zu haben.
Apg 24,17 Nachdem ich viele Jahre nicht in Jerusalem gelebt habe, bin ich nun
zurückgekehrt, um mit einer Geldspende meinem Volk zu helfen und um Gott im
Tempel ein Opfer darzubringen.
Apg 24,18 Als ich gerade - unauffällig und ohne jedes Aufsehen - das
Reinigungsopfer brachte, erkannten mich
Apg 24,19 einige Juden aus der Provinz Asia. Sie müssten eigentlich hier als
Ankläger auftreten, wenn wirklich etwas gegen mich vorzubringen wäre!
Apg 24,20 Oder lass dir von den hier Anwesenden sagen, welche Verbrechen sie mir
vorwerfen konnten, als ich vor dem Hohen Rat stand.
Apg 24,21 Es kann lediglich der Satz gewesen sein, den ich allen Versammelten
zurief: ›Weil ich an die Auferstehung der Toten glaube, werde ich heute
angeklagt!‹«
Apg 24,22 Felix, der über den Glauben der Christen viel wusste, vertagte
daraufhin die Verhandlung und sagte: »Wenn der Kommandant Lysias hier ist, werde
ich die Sache entscheiden!«
Apg 24,23 Paulus blieb weiter in Haft. Aber Felix wies den verantwortlichen
Hauptmann an, die Haft zu mildern. Außerdem durften Angehörige und Freunde
Paulus versorgen.
Apg 24,24 Nach einigen Tagen ließen Felix und seine jüdische Frau Drusilla den
Gefangenen Paulus zu sich rufen. Sie wollten mehr über den Glauben an Jesus
Christus hören.
Apg 24,25 Aber als Paulus von einem Leben, das Gott gefällt, von
Selbstbeherrschung und dem künftigen Gericht Gottes sprach, erschrak Felix und
sagte schnell: »Für heute reicht es! Wenn ich mehr Zeit habe, werde ich dich
wieder rufen lassen.«
Apg 24,26 Insgeheim hoffte er, von Paulus Bestechungsgelder zu bekommen. Deshalb
ließ er ihn häufig zu sich holen und unterhielt sich mit ihm.
Apg 24,27 Nach zwei Jahren wurde Felix von Porzius Festus abgelöst. Um den Juden
am Ende seiner Amtszeit noch einen Gefallen zu tun, ließ er Paulus als
Gefangenen zurück.
Apg 25,1 Drei Tage nachdem Festus sein Amt angetreten hatte, reiste er von
Cäsarea nach Jerusalem.
Apg 25,2 Dort kamen die Hohenpriester und die einflussreichsten Juden zu ihm, um
Paulus erneut anzuklagen.
Apg 25,3 Als ein Zeichen seines Wohlwollens baten sie Festus darum, Paulus nach
Jerusalem bringen zu lassen. In Wirklichkeit wollten sie den Gefangenen
unterwegs überfallen und töten.
Apg 25,4 Aber Festus lehnte den Vorschlag ab: »Paulus bleibt in Cäsarea«,
entschied er. »Ich reise bald wieder zurück.
Apg 25,5 Wenn er tatsächlich etwas Unrechtes getan hat, können eure
Anklagevertreter mitkommen und ihn verklagen.«
Apg 25,6 Nach etwa acht bis zehn Tagen kehrte Festus nach Cäsarea zurück. Schon
am folgenden Tag setzte er die Verhandlung an und ließ Paulus vorführen.
Apg 25,7 Kaum hatte man ihn hereingebracht, da drängten sich die Juden aus
Jerusalem um Paulus und beschuldigten ihn schwer. Aber sie konnten nichts
beweisen.
Apg 25,8 Paulus verteidigte sich mit den Worten: »Ich habe weder gegen das
Gesetz der Juden verstoßen noch den Tempel entweiht oder die Gesetze des Kaisers
übertreten.«
Apg 25,9 Festus wollte den Juden einen Gefallen tun und fragte Paulus: »Bist du
damit einverstanden, dass wir deinen Prozess unter meinem Vorsitz in Jerusalem
weiterführen?«
Apg 25,10 Paulus erwiderte: »Für mich ist das Gericht des Kaisers zuständig. Wie
du weißt, habe ich das jüdische Recht nicht verletzt.
Apg 25,11 Sollte ich ein Unrecht begangen haben, das mit dem Tod bestraft werden
muss, dann bin ich bereit zu sterben. Wenn die Beschuldigungen der Juden aber
unbegründet sind, darf mich auch niemand an sie ausliefern. Ich fordere, dass
meine Angelegenheit vor dem Kaiser in Rom verhandelt wird!«
Apg 25,12 Nachdem Festus sich mit seinen Beratern besprochen hatte, entschied
er: »Du hast dich auf den Kaiser berufen; man wird dich also vor den Kaiser
bringen.«
Apg 25,13 Einige Tage später kamen König Agrippa und seine Schwester Berenike
nach Cäsarea, um Festus offiziell zu begrüßen.
Apg 25,14 Während ihres mehrtägigen Aufenthaltes sprach Festus mit dem König
über Paulus. »Von meinem Vorgänger Felix«, so erklärte Festus, »habe ich einen
Gefangenen übernommen, dessen Fall noch nicht entschieden wurde.
Apg 25,15 Kurz nach meiner Ankunft in Jerusalem erschienen seinetwegen die
Hohenpriester und die führenden Männer der Juden bei mir. Sie verlangten seine
Verurteilung.
Apg 25,16 Ich antwortete ihnen aber, dass die Römer einen Menschen erst
verurteilen, wenn er sich in einem ordentlichen Gerichtsverfahren vor seinen
Anklägern persönlich verteidigen konnte.
Apg 25,17 Nachdem sie hierher gekommen waren, zögerte ich nicht und setzte schon
am nächsten Tag die Gerichtsverhandlung an, bei der ich den Gefangenen vorführen
ließ.
Apg 25,18 Doch ein Verbrechen, wie ich es vermutet hatte, konnten ihm seine
Ankläger nicht vorwerfen.
Apg 25,19 Es ging lediglich um Streitfragen ihrer Religion und um irgendeinen
verstorbenen Jesus, von dem Paulus behauptet, dass er am Leben ist.
Apg 25,20 Nun kenne ich mich auf diesem Gebiet sehr wenig aus. Deshalb schlug
ich Paulus vor, die Verhandlung in Jerusalem fortzuführen.
Apg 25,21 Doch Paulus verlangte, vor den Kaiser gebracht zu werden, und forderte
dessen Entscheidung. So befahl ich, ihn weiter in Haft zu halten, bis ich ihn
vor den Kaiser bringen kann.«
Apg 25,22 »Diesen Mann würde ich gern selber einmal hören!«, erwiderte Agrippa.
»Morgen hast du die Möglichkeit dazu«, antwortete Festus.
Apg 25,23 Am folgenden Tag zogen Agrippa und Berenike mit ihrem ganzen Hofstaat
in den Gerichtssaal ein. Sie wurden von hohen Offizieren und den vornehmsten
Bürgern der Stadt begleitet. Auf einen Befehl des Festus brachte man Paulus
herein.
Apg 25,24 Festus begann: »König Agrippa! Verehrte Anwesende! Vor euch steht der
Mann, dessen Hinrichtung alle Juden in Jerusalem wie auch hier lautstark
gefordert haben.
Apg 25,25 Aus meiner Sicht hat er allerdings nichts getan, was die Todesstrafe
rechtfertigen würde. Weil er sich aber selbst auf den Kaiser berufen hat, werde
ich ihn nach Rom bringen lassen.
Apg 25,26 Doch ich weiß nicht, was ich dem Kaiser als Anklageschrift vorlegen
soll. Deshalb habe ich ihn euch vorführen lassen, besonders dir, König Agrippa,
damit ich nach dem Verhör weiß, was ich schreiben soll.
Apg 25,27 Denn es wäre doch unsinnig, einen Gefangenen vor den Kaiser zu
bringen, ohne sagen zu können, was gegen ihn vorliegt.«
Apg 26,1 Nun sagte Agrippa zu Paulus: »Du darfst dich jetzt selbst verteidigen.«
Paulus hob die Hand und begann:
Apg 26,2 »Ich bin sehr froh, König Agrippa, dass ich mich wegen der
Anschuldigungen der Juden vor dir rechtfertigen kann;
Apg 26,3 denn du kennst ja die jüdischen Sitten und Lehren sehr genau. Darum
bitte ich dich, mich geduldig anzuhören.
Apg 26,4 Zunächst: Weil ich seit meiner Jugend in Jerusalem lebte, bin ich allen
Juden dort sehr gut bekannt.
Apg 26,5 Wenn sie es nur wollten, könnten sie bezeugen, dass ich von Anfang an
zur strengsten jüdischen Glaubensrichtung, zu den Pharisäern, gehört habe.
Apg 26,6 Heute stehe ich nun vor Gericht, weil ich an die Zusagen glaube, die
Gott unseren Vorfahren gab.
Apg 26,7 Auf ihre Erfüllung warten die zwölf Stämme Israels, die Gott Tag und
Nacht dienen. Und trotzdem, König Agrippa, werde ich wegen dieser Hoffnung von
den Juden angeklagt!
Apg 26,8 Warum erscheint es euch denn so unglaublich, dass Gott Tote auferweckt?
Apg 26,9 Zwar meinte auch ich zunächst, man müsste den Glauben an Jesus von
Nazareth mit allen Mitteln bekämpfen.
Apg 26,10 Und das habe ich in Jerusalem auch getan. Ich ließ mir eine Vollmacht
des Hohenpriesters geben und brachte viele Christen ins Gefängnis. Wenn sie zum
Tode verurteilt werden sollten, stimmte ich dafür.
Apg 26,11 In den Synagogen quälte ich sie so lange, bis sie Christus
verleugneten. In meinem maßlosen Hass verfolgte ich sie schließlich sogar bis
ins Ausland.
Apg 26,12 Aus diesem Grund reiste ich im Auftrag der Hohenpriester und mit ihrer
Vollmacht versehen nach Damaskus.
Apg 26,13 Plötzlich umstrahlte mich und meine Begleiter mitten am Tag, o König,
ein Licht vom Himmel, das heller als die Sonne war.
Apg 26,14 Wir stürzten zu Boden, und ich hörte eine Stimme in hebräischer
Sprache: ›Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Dein Kampf gegen mich ist
sinnlos.‹
Apg 26,15 Ich fragte: ›Herr, wer bist du?‹, worauf er antwortete: ›Ich bin
Jesus, den du verfolgst!
Apg 26,16 Aber steh jetzt auf; denn ich bin dir erschienen, damit du mir dienst.
Du sollst bezeugen, was du heute erlebt hast und was ich dir in Zukunft zeigen
werde.
Apg 26,17 Ich will dich behüten vor deinem Volk und vor den Völkern, die nichts
von mir wissen. Zu ihnen sende ich dich.
Apg 26,18 Du sollst ihnen die Augen öffnen, damit sie sich von der Finsternis
dem Licht zuwenden und aus der Herrschaft des Satans zu Gott kommen. Dann werde
ich ihnen die Sünden vergeben, und weil sie an mich glauben, haben sie einen
Platz unter denen, die zu mir gehören.‹
Apg 26,19 Was diese Erscheinung vom Himmel mir aufgetragen hat, habe ich
befolgt, König Agrippa.
Apg 26,20 Zuerst habe ich in Damaskus und Jerusalem gepredigt, dann in Judäa und
bei den übrigen Völkern. Überall habe ich verkündet, die Menschen sollten sich
von der Sünde abwenden, zu Gott umkehren und durch ihr Leben zeigen, dass sie
sich geändert haben.
Apg 26,21 Allein deswegen haben mich die Juden im Tempel ergriffen, und deswegen
wollen sie mich umbringen.
Apg 26,22 Aber Gott hat mich bewahrt, so dass ich noch heute vor allen, den
Machthabern wie dem einfachen Volk, bezeugen kann, was schon die Propheten und
Mose vorhergesagt haben:
Apg 26,23 Christus, der versprochene Retter, muss leiden und wird als Erster von
den Toten auferstehen, um den Juden, aber auch allen anderen Völkern das Licht
zu bringen.«
Apg 26,24 An dieser Stelle unterbrach ihn Festus erregt: »Du bist wahnsinnig,
Paulus! Vor lauter Studieren hast du den Verstand verloren!«
Apg 26,25 Doch Paulus erwiderte: »Ich bin nicht wahnsinnig, verehrter Festus.
Meine Worte sind wahr, und ich weiß, was ich sage.
Apg 26,26 Der König, zu dem ich in aller Offenheit spreche, kann das bestätigen.
Ich bin überzeugt, dass er davon erfahren hat, denn schließlich ist das nicht in
irgendeinem verborgenen Winkel der Welt geschehen.
Apg 26,27 Glaubst du den Propheten, König Agrippa? Du glaubst ihnen! Ich weiß
es.«
Apg 26,28 Jetzt sagte Agrippa: »Es fehlt nicht viel, und du überredest mich
noch, ein Christ zu werden!«
Apg 26,29 »Ich bete zu Gott«, entgegnete Paulus, »dass nicht nur du, sondern
alle hier über kurz oder lang Christen würden wie ich - allerdings ohne
Fesseln!«
Apg 26,30 Da erhoben sich der König, der Statthalter, Berenike und alle anderen.
Apg 26,31 Nach der anschließenden Beratung erklärten sie einstimmig: »Dieser
Mann hat nichts getan, wofür er die Todesstrafe oder Haft verdient hätte.«
Apg 26,32 »Wir könnten diesen Mann freilassen«, meinte Agrippa zu Festus, »hätte
er sich nicht auf den Kaiser berufen.«
Apg 27,1 Nachdem feststand, dass wir nach Italien segeln sollten, wurde Paulus
mit einigen anderen Gefangenen dem Hauptmann Julius vom kaiserlichen Regiment
übergeben.
Apg 27,2 Wir gingen an Bord eines Schiffes, das aus Adramyttion kam und
verschiedene Häfen der Provinz Asia anlaufen sollte. Dann stachen wir in See.
Uns begleitete auch der Mazedonier Aristarch aus Thessalonich.
Apg 27,3 Am nächsten Tag legten wir in Sidon an. Der Hauptmann Julius war sehr
freundlich zu Paulus und gestattete ihm, seine Freunde zu besuchen, die ihn mit
allem Nötigen versorgten.
Apg 27,4 Wegen des ungünstigen Windes blieben wir in Küstennähe und segelten im
Schutz der Insel Zypern weiter.
Apg 27,5 Nachdem unser Schiff das offene Meer vor Zilizien und Pamphylien
durchquert hatte, erreichten wir Myra in der Provinz Lyzien.
Apg 27,6 Dort fand unser Hauptmann ein Schiff aus Alexandria, das nach Italien
segelte. Mit diesem Schiff setzten wir unsere Reise fort.
Apg 27,7 Wir kamen sehr langsam voran und erreichten nur mit Mühe Knidos. Weil
der Wind immer noch ungünstig war, segelten wir südwärts nach Kreta und im
Schutz dieser Insel in Richtung Salmone.
Apg 27,8 Langsam trieben wir an der Küste entlang und erreichten einen Ort, der
Guter Hafen heißt; ganz in der Nähe lag die Stadt Lasäa.
Apg 27,9 Inzwischen war viel Zeit vergangen. Das Fasten im Herbst war bereits
vorüber, und die Seefahrt begann gefährlich zu werden. Deshalb warnte Paulus:
Apg 27,10 »Ihr Männer, wenn wir weitersegeln, sehe ich große Gefahren und
Schwierigkeiten, und zwar nicht nur für das Schiff und seine Ladung, sondern
auch für unser Leben.«
Apg 27,11 Doch der Hauptmann gab mehr auf das Urteil des Kapitäns, zumal auch
der Besitzer des Schiffes zur Weiterfahrt riet.
Apg 27,12 Weil sich außerdem der Hafen zum Überwintern schlecht eignete,
bestanden die meisten darauf, weiterzufahren. Wenn irgend möglich, wollte man
den Hafen Phönix erreichen. Er liegt ebenfalls auf der Insel Kreta und ist nach
Nordwesten und Südwesten offen; deshalb kann man dort gut überwintern.
Apg 27,13 Als Südwind aufkam, fühlte sich die Schiffsbesatzung in ihrem Plan
bestärkt. Sie lichteten die Anker und segelten dicht an der Küste Kretas
entlang.
Apg 27,14 Doch schon bald schlug das Wetter um: Der gefürchtete Nordoststurm kam
auf
Apg 27,15 und trieb das Schiff auf das offene Meer hinaus. Vergeblich versuchte
die Mannschaft Kurs zu halten. Wir trieben dahin, Wind und Wogen ausgeliefert.
Apg 27,16 Im Schutz der kleinen Insel Kauda versuchten wir, das Rettungsboot
einzuholen. Es gelang nur mit Mühe.
Apg 27,17 Um den Rumpf des Schiffes zu verstärken und zu sichern, banden die
Seeleute dicke Taue um das Schiff. Außerdem warfen sie den Treibanker aus, weil
sie fürchteten, sonst auf die Sandbänke vor der afrikanischen Küste zu geraten.
Dann ließen sie das Schiff dahintreiben.
Apg 27,18 Der Sturm wurde so stark, dass die Besatzung am nächsten Tag einen
Teil der Ladung über Bord warf,
Apg 27,19 tags darauf sogar die Schiffsausrüstung.
Apg 27,20 Tagelang sahen wir weder Sonne noch Sterne, und der Orkan tobte so
heftig weiter, dass schließlich keiner mehr an eine Rettung glaubte.
Apg 27,21 Während dieser ganzen Zeit hatte niemand etwas gegessen. Da sagte
Paulus zu der Schiffsbesatzung: »Ihr Männer! Es wäre besser gewesen, ihr hättet
auf mich gehört und in Kreta überwintert. Dann wären uns allen diese Ängste und
Schwierigkeiten erspart geblieben.
Apg 27,22 Doch jetzt bitte ich euch eindringlich: Gebt nicht auf! Keiner von uns
wird umkommen, nur das Schiff ist verloren.
Apg 27,23 In der letzten Nacht stand neben mir ein Engel des Gottes, dem ich
gehöre und dem ich diene.
Apg 27,24 Er sagte: ›Fürchte dich nicht, Paulus. Du wirst vor den Kaiser
gebracht werden, und auch alle anderen auf dem Schiff wird Gott deinetwegen am
Leben lassen.‹
Apg 27,25 Deshalb habt keine Angst! Ich vertraue Gott. Es wird sich erfüllen,
was er mir gesagt hat.
Apg 27,26 Wir werden auf einer Insel stranden.«
Apg 27,27 Wir trieben schon die vierzehnte Sturmnacht im Adriatischen Meer.
Gegen Mitternacht meinten die Matrosen, dass sich das Schiff einer Küste
näherte.
Apg 27,28 Deshalb warfen sie ein Lot aus und maßen eine Wassertiefe von etwa
vierzig Metern. Kurz darauf waren es nur noch etwa dreißig Meter.
Apg 27,29 Da bekamen sie Angst, auf ein Küstenriff aufzulaufen. Sie warfen am
Heck vier Anker aus und warteten sehnsüchtig darauf, dass es hell würde.
Apg 27,30 Noch in der Dunkelheit versuchten die Matrosen, das Schiff heimlich zu
verlassen. Unter dem Vorwand, sie müssten auch vom Bug aus Anker auswerfen,
wollten sie das Rettungsboot zu Wasser lassen.
Apg 27,31 Doch Paulus machte dem Hauptmann und den Soldaten klar: »Wenn die
Besatzung nicht auf dem Schiff bleibt, sind wir alle verloren.«
Apg 27,32 Da kappten die Soldaten die Haltetaue, und das Rettungsboot stürzte in
die Tiefe.
Apg 27,33 Im Morgengrauen forderte Paulus alle auf, endlich etwas zu essen. »Ihr
habt vierzehn Tage lang gehungert«, sagte er.
Apg 27,34 »Wenn ihr überleben wollt, müsst ihr jetzt etwas essen! Und ihr dürft
sicher sein: Euch wird nichts passieren. Keinem von euch wird auch nur ein Haar
gekrümmt werden!«
Apg 27,35 Nachdem Paulus das gesagt hatte, nahm er ein Brot, dankte Gott laut
und vernehmlich, so dass alle es hören konnten, und begann zu essen.
Apg 27,36 Da fassten alle neuen Mut und aßen ebenfalls.
Apg 27,37 Insgesamt waren wir 276 Mann an Bord.
Apg 27,38 Als alle gegessen hatten, warfen sie die restliche Ladung Getreide
über Bord, damit das Schiff leichter wurde.
Apg 27,39 Bei Tagesanbruch wusste keiner der Seeleute, welche Küste vor ihnen
lag. Sie entdeckten aber eine Bucht mit flachem Strand. Dahin wollten sie das
Schiff treiben lassen.
Apg 27,40 Sie kappten sämtliche Ankertaue, ließen die Anker im Meer zurück und
machten die Steuerruder klar. Schließlich hissten sie das Vorsegel und hielten
mit dem Wind auf das Land zu.
Apg 27,41 Kurz darauf lief das Schiff auf eine Sandbank auf. Während der Bug
fest eingerammt war, wurde das Heck des Schiffes von der Brandung zertrümmert.
Apg 27,42 Jetzt wollten die Soldaten alle Gefangenen töten, damit keiner von
ihnen an Land schwamm und entkam.
Apg 27,43 Doch der Hauptmann Julius hinderte sie daran, weil er Paulus retten
wollte. Er befahl zunächst allen Schwimmern, über Bord zu springen und so das
Ufer zu erreichen.
Apg 27,44 Dann sollten die Nichtschwimmer versuchen, auf Brettern und
Wrackteilen an Land zu kommen. Auf diese Weise konnten sich alle retten.
Apg 28,1 Als wir in Sicherheit waren, erfuhren wir, dass die Insel Malta hieß.
Apg 28,2 Ihre Bewohner waren sehr freundlich. Sie zündeten ein Feuer an und
nahmen uns bei sich auf; denn es hatte zu regnen begonnen, und es war sehr kalt.
Apg 28,3 Paulus sammelte trockenes Reisig und warf es ins Feuer. Von der Hitze
aufgescheucht, fuhr plötzlich eine Schlange heraus und biss sich an seiner Hand
fest.
Apg 28,4 Die Inselbewohner sahen die Schlange an seiner Hand und riefen
entsetzt: »Das muss ein Mörder sein. Er ist dem Meer entkommen, und nun straft
ihn die Göttin der Rache!«
Apg 28,5 Aber Paulus schleuderte das Tier ins Feuer, ohne dass ihm etwas
geschehen wäre.
Apg 28,6 Gespannt warteten die Leute darauf, dass sein Arm anschwellen oder
Paulus plötzlich tot umfallen würde. Doch als sie auch nach langer Zeit nichts
Ungewöhnliches beobachten konnten, änderten sie ihre Meinung. Jetzt sagten sie:
»Er muss ein Gott sein!«
Apg 28,7 Ganz in der Nähe der Küste lag das Landgut, das dem Statthalter der
Insel gehörte. Er hieß Publius. Von ihm wurden wir freundlich aufgenommen, und
wir blieben drei Tage dort.
Apg 28,8 Während dieser Zeit bekam der Vater des Publius Fieber und erkrankte an
der Ruhr. Paulus ging zu ihm, betete, legte ihm die Hände auf, und der Kranke
war wieder gesund.
Apg 28,9 Als das bekannt wurde, kamen auch alle anderen Kranken der Insel und
ließen sich heilen.
Apg 28,10 Sie beschenkten uns überreich, und bei unserer Abfahrt versorgten sie
uns mit allem, was wir brauchten.
Apg 28,11 Drei Monate später segelten wir mit einem Schiff weiter, das aus
Alexandria kam und in Malta überwintert hatte. Man konnte es an seinen
Gallionsfiguren, den »Zwillingen«, erkennen.
Apg 28,12 Wir liefen Syrakus an und blieben drei Tage dort.
Apg 28,13 In Küstennähe ging es von da weiter nach Rhegion. Weil schon nach
einem Tag ein günstiger Südwind aufkam, erreichten wir in nur zwei Tagen
Puteoli.
Apg 28,14 Dort begegneten wir Christen. Sie luden uns ein, eine Woche bei ihnen
zu bleiben. Und dann brachen wir auf nach Rom.
Apg 28,15 Die Christen in Rom hatten schon von uns gehört und kamen uns bis zum
Forum des Appius und Tres-Tabernae entgegen. Als Paulus sie sah, dankte er Gott
und blickte mit neuem Mut in die Zukunft.
Apg 28,16 In Rom erlaubte man Paulus, eine eigene Wohnung zu nehmen, in der er
von einem Soldaten bewacht wurde.
Apg 28,17 Drei Tage nach seiner Ankunft lud er die führenden Männer der
jüdischen Gemeinde zu sich ein. Als sich alle versammelt hatten, sagte er:
»Liebe Brüder! Ich habe nichts gegen unser Volk und nichts gegen die
Überlieferungen unserer Vorfahren getan. Trotzdem hat man mich in Jerusalem
gefangen genommen und an die Römer ausgeliefert.
Apg 28,18 Sie haben mich verhört, und weil sie nichts fanden, was die
Todesstrafe gerechtfertigt hätte, wollten sie mich freilassen.
Apg 28,19 Aber die Juden waren dagegen. Nur deshalb musste ich mich auf den
Kaiser berufen; nicht etwa, weil ich die Absicht habe, mein Volk in irgendeiner
Weise anzuklagen.
Apg 28,20 Um euch das zu sagen, habe ich euch hergebeten, denn ich trage diese
Ketten, weil ich an den Messias glaube, auf den ganz Israel hofft.«
Apg 28,21 Darauf sagten die Juden zu Paulus: »Wir haben bisher aus Judäa weder
in einem Brief noch von irgendwelchen Abgesandten etwas Nachteiliges über dich
gehört.
Apg 28,22 Wir würden aber gern erfahren, was du zu sagen hast, denn uns ist von
dieser Glaubensrichtung bisher nur bekannt, dass sie sehr umstritten ist.«
Apg 28,23 An einem festgesetzten Tag kamen viele Juden in die Wohnung des
Paulus. Er sprach zu ihnen über Gottes neue Welt und erklärte ihnen alles. Vom
Morgen bis zum Abend erzählte er ihnen von Jesus und zeigte ihnen, wie bereits
das Gesetz des Mose und die Bücher der Propheten auf Jesus hingewiesen hatten.
Apg 28,24 Einige ließen sich auch überzeugen, andere aber wollten nichts davon
wissen.
Apg 28,25 Zerstritten und uneinig verließen sie Paulus, als er sagte: »Der
Heilige Geist hatte Recht, als er euren Vorfahren durch den Propheten Jesaja
sagen ließ:
Apg 28,26 ›Geh zu diesem Volk und sprich: Ihr werdet hören und nicht verstehen,
sehen und nicht erkennen.
Apg 28,27 Denn das Herz dieses Volkes ist hart und gleichgültig. Sie sind
schwerhörig und verschließen die Augen. Deshalb sehen und hören sie nicht. Sie
sind nicht einsichtig und wollen nicht zu mir umkehren, darum kann ich ihnen
nicht helfen und sie heilen!‹«
Apg 28,28 »Das sollt ihr wissen«, fügte Paulus hinzu: »Diese Rettung, die Gott
schenkt, wird jetzt anderen Völkern gebracht, und sie werden sie annehmen!«
Apg 28,30 Paulus blieb zwei Jahre in seiner Wohnung. Jeder durfte zu ihm kommen,
Apg 28,31 und niemand hinderte ihn daran, in aller Offenheit über Gottes neue
Welt und über den Herrn Jesus Christus zu predigen und zu lehren.
Röm 1,1 Diesen Brief schreibt Paulus, der Jesus Christus dient und von ihm zum
Apostel berufen worden ist. In Gottes Auftrag verkündet er die rettende
Botschaft.
Röm 1,2 Gott hat sie in der Heiligen Schrift schon lange durch seine Propheten
angekündigt.
Röm 1,3 [3/4] Es ist die Botschaft von seinem Sohn Jesus Christus, unserem
Herrn. Als Mensch aus Fleisch und Blut ist er ein Nachkomme König Davids. Durch
die Kraft des Heiligen Geistes wurde er von den Toten auferweckt, und so
bestätigte Gott ihn als seinen Sohn.
Röm 1,5 Ich habe seine Liebe erfahren und bin als sein Apostel beauftragt, in
seinem Namen bei allen Völkern Menschen für Gott zu gewinnen, damit sie an ihn
glauben und auf ihn hören.
Röm 1,6 Auch euch hat Jesus Christus zum Glauben gerufen, ihr gehört jetzt zu
ihm.
Röm 1,7 Diesen Brief schreibe ich an alle in Rom, die von Gott geliebt und dazu
berufen sind, ganz zu ihm zu gehören. Ich wünsche euch Gnade und Frieden von
Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus!
Röm 1,8 Zunächst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus dafür, dass man von
eurem Glauben überall in der Welt nur Gutes hört.
Röm 1,9 Und wie oft ich an euch denke, dafür ist Gott mein Zeuge. Ihm diene ich
von ganzem Herzen, indem ich die rettende Botschaft von seinem Sohn verkünde.
Röm 1,10 Gott weiß auch, dass ich im Gebet immer und immer wieder darum bitte,
euch endlich einmal besuchen zu können, wenn es sein Wille ist.
Röm 1,11 Denn ich möchte euch sehr gern persönlich kennen lernen und euren
Glauben stärken, indem ich etwas von dem weitergebe, was mir Gottes Geist
geschenkt hat.
Röm 1,12 Aber auch ihr würdet mir neuen Mut geben; so würden wir uns alle in
unserem gemeinsamen Glauben gegenseitig ermuntern.
Röm 1,13 Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, liebe Brüder und Schwestern, wie
oft ich schon zu euch kommen wollte. Bis jetzt war das nicht möglich. Nur allzu
gern würde ich auch bei euch wie bei anderen Völkern Menschen für Christus
gewinnen.
Röm 1,14 Denn ich fühle mich allen verpflichtet, ob sie nun eine hohe Kultur
haben oder nicht, ob sie gebildet oder ungebildet sind.
Röm 1,15 Soweit es an mir liegt, möchte ich auch bei euch in Rom die rettende
Botschaft verkünden.
Röm 1,16 Ich schäme mich nicht für die rettende Botschaft. Sie ist eine Kraft
Gottes, die alle befreit, die darauf vertrauen; zuerst die Juden, aber auch alle
anderen Menschen.
Röm 1,17 Durch sie zeigt Gott, wie er ist: Er sorgt dafür, dass unsere Schuld
gesühnt wird und wir mit ihm Gemeinschaft haben können. Dies geschieht, wenn wir
uns allein auf das verlassen, was Gott für uns getan hat. So heißt es schon in
der Heiligen Schrift: »Nur der wird Gottes Anerkennung finden und leben, der ihm
vertraut.«
Röm 1,18 Gott lässt aber auch seinen Zorn sichtbar werden. Vom Himmel herab
trifft er alle Menschen, die sich gegen Gott auflehnen und so die Wahrheit mit
Füßen treten. Sie führen ein Leben ohne Gott und tun, was ihm missfällt.
Röm 1,19 Dabei wissen sie ganz genau, dass es Gott gibt, er selbst hat ihnen
dieses Wissen gegeben.
Röm 1,20 Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben
die Menschen seit jeher seine göttliche Macht und Größe sehen und erfahren
können. Sie haben also keine Entschuldigung.
Röm 1,21 Denn obwohl sie schon immer von Gott wussten, wollten sie ihn nicht
anerkennen und ihm nicht danken. Stattdessen kreisten ihre Gedanken um
Belangloses, und da sie so unverständig blieben, wurde es schließlich in ihren
Herzen finster.
Röm 1,22 Sie wähnten sich besonders klug und waren die größten Narren.
Röm 1,23 Statt den ewigen Gott in seiner Herrlichkeit anzubeten, verehrten sie
Götzenstatuen von sterblichen Menschen, von Vögeln und von vierfüßigen und
kriechenden Tieren.
Röm 1,24 Deshalb hat Gott sie all ihren Trieben und Leidenschaften überlassen,
so dass sie sogar ihre eigenen Körper entwürdigten.
Röm 1,25 Sie haben Gottes Wahrheit verdreht und ihrer eigenen Lüge geglaubt. Sie
haben die Schöpfung angebetet und nicht den Schöpfer. Ihm allein aber gehören
Lob und Ehre bis in alle Ewigkeit. Amen.
Röm 1,26 Weil die Menschen Gottes Wahrheit mit Füßen traten, gab Gott sie ihren
abscheulichen Leidenschaften preis: Ihre Frauen haben die natürliche Sexualität
aufgegeben und gehen gleichgeschlechtliche Beziehungen ein.
Röm 1,27 Ebenso haben die Männer die natürliche Beziehung zur Frau mit einer
unnatürlichen vertauscht: Männer begehren Männer und lassen ihrer Lust freien
Lauf. So erfahren sie die gerechte Strafe für ihren Götzendienst am eigenen
Leib.
Röm 1,28 Gott war ihnen gleichgültig; sie gaben sich keine Mühe, ihn zu
erkennen. Deshalb überlässt Gott sie einer inneren Haltung, die ihr ganzes Leben
verdirbt:
Röm 1,29 Sie sind voller Unrecht und Niedertracht, Habgier, Bosheit und Neid, ja
sogar Mord; voller Streit, Hinterlist und Verlogenheit, Klatsch
Röm 1,30 und Verleumdung. Sie hassen Gott, sind gewalttätig, anmaßend und
überheblich. Beim Bösen sind sie sehr erfinderisch. Sie verachten ihre Eltern,
Röm 1,31 haben weder Herz noch Verstand, lassen Menschen im Stich und sind
erbarmungslos.
Röm 1,32 Dabei wissen sie ganz genau, dass sie nach dem Urteil Gottes dafür den
Tod verdient haben. Trotzdem machen sie so weiter wie bisher, ja, sie freuen
sich sogar noch, wenn andere es genauso treiben.
Röm 2,1 Aber auch ihr anderen - wer immer ihr seid - könnt euch nicht
herausreden. Ihr spielt euch als Richter über alle auf, die Unrecht begehen, und
sprecht euch damit euer eigenes Urteil. Ihr klagt bei anderen an, was ihr selbst
tut.
Röm 2,2 Wir wissen, dass Gott über alle, die so handeln, ein gerechtes Urteil
fällen wird.
Röm 2,3 Meint ihr etwa, ihr könntet dem Gericht Gottes entgehen, wenn ihr
genauso wie die handelt, die ihr verurteilt?
Röm 2,4 Für wie armselig haltet ihr denn Gottes unendlich reiche Güte, Geduld
und Treue? Seht ihr denn nicht, dass gerade diese Güte euch zur Umkehr bewegen
will?
Röm 2,5 Ihr aber weigert euch hartnäckig, zu Gott zu kommen und euer Leben zu
ändern. Es ist allein eure Schuld, wenn euch Gottes Zorn am Tag des Gerichts mit
ganzer Härte trifft. Wenn Gott sich als der Richter zeigt,
Röm 2,6 wird jeder bekommen, was er verdient hat.
Röm 2,7 Ewiges Leben in Herrlichkeit und Ehre wird er denen geben, die sich
danach sehnen und die mit großer Ausdauer Gutes tun.
Röm 2,8 Gottes unversöhnlicher Zorn aber wird die treffen, die aus Selbstsucht
Gottes Wahrheit leugnen, sich ihr widersetzen und dafür dem Unrecht gehorchen.
Röm 2,9 Angst und Not werden über alle kommen, die Böses tun; zuerst über die
Juden, dann aber auch über alle anderen.
Röm 2,10 Aber jedem, der Gutes tut, wird Gott seine Herrlichkeit, Ehre und
Frieden schenken, zuerst den Juden, dann auch allen anderen.
Röm 2,11 Denn vor Gott sind alle Menschen gleich.
Röm 2,12 Wer also Gottes Willen nicht beachtet und gegen seine Gebote handelt,
wird sein Leben auf ewig verlieren, auch wenn er Gottes geschriebenes Gesetz gar
nicht kannte. Und wer vom Gesetz wusste und dennoch dagegen verstieß, wird von
Gott nach dem Gesetz gerichtet werden.
Röm 2,13 Entscheidend ist nämlich nicht, ob man Gottes Gebote kennt. Nur wenn
man auch danach handelt, wird man von Gott angenommen.
Röm 2,14 Freilich gibt es unter den Völkern Menschen, die Gottes Gebote gar
nicht kennen und doch danach leben, weil ihr Gewissen ihnen das vorschreibt.
Röm 2,15 Durch ihr Handeln beweisen sie, dass Gottes Gesetz in ihre Herzen
geschrieben ist, denn ihr Gewissen und ihre Gedanken klagen sie entweder an oder
sprechen sie frei.
Röm 2,16 Was heute noch in den Menschen verborgen ist, wird einmal sichtbar und
offenkundig werden, und zwar an dem Tag, an dem Gott durch Jesus Christus die
Menschen richten wird. So bezeugt es die rettende Botschaft, die ich verkünde.
Röm 2,17 Du nennst dich Jude und verlässt dich darauf, dass du Gottes Gesetz
kennst, du bist stolz auf deinen Gott
Röm 2,18 und auf dein besonderes Verhältnis zu ihm. Denn du hast Gottes Gebote
gelernt und weißt genau, wie man sich verhalten soll.
Röm 2,19 Deshalb traust du dir zu, Blinde führen zu können und für alle, die im
Dunkeln tappen, das Licht zu sein.
Röm 2,20 Du willst die Unverständigen erziehen und die Unwissenden belehren,
denn du kennst ja das Gesetz, in dem alles über Gott und seine Wahrheit steht.
Röm 2,21 Doch wenn du die anderen so gut belehren kannst, weshalb nimmst du
selbst keine Lehre an? Du predigst, dass man nicht stehlen soll, und stiehlst
selber?
Röm 2,22 Du sagst den Leuten, dass sie nicht die Ehe brechen sollen, und tust es
selbst? Von anderen verlangst du, keine Götzen anzubeten, und dabei bereicherst
du dich an ihren Tempelschätzen.
Röm 2,23 Du bist stolz darauf, dass Gott euch seine Gebote gegeben hat, und
dennoch lebst du nicht nach seinen Geboten und bringst ihn so in Verruf.
Röm 2,24 Aber das steht ja schon in der Heiligen Schrift: »Euretwegen werden die
Völker Gottes Ehre in den Schmutz ziehen.«
Röm 2,25 Sicher ist es ein ganz besonderer Vorzug, ein Jude zu sein, wenn du
Gottes Gebote befolgst. Tust du dies aber nicht, dann bist du mit denen
gleichzustellen, die niemals beschnitten worden sind.
Röm 2,26 Alle, die nach Gottes Geboten leben, gelten vor ihm als beschnitten.
Röm 2,27 Ja, solche Menschen werden sogar über euch Juden Richter sein; denn ihr
habt zwar Gottes Gebote, lebt aber nicht danach.
Röm 2,28 Die jüdische Abstammung und die Beschneidung sind nur äußerlich und
lassen noch niemanden wirklich zum Juden werden.
Röm 2,29 Jude ist man im tiefsten Inneren, wenn die Beschneidung mehr bedeutet
als die Erfüllung toter Buchstaben. Was wirklich zählt, ist die Beschneidung,
die vom Heiligen Geist kommt und einen Menschen völlig verändert. In den Augen
der Menschen mag das nicht viel bedeuten, wohl aber bei Gott.
Röm 3,1 Welchen Vorteil hat man also davon, ein Jude zu sein, und was nützt die
Beschneidung?
Röm 3,2 Das hat durchaus Vorteile! Als Erstes: Gott hat dem jüdischen Volk sein
Wort anvertraut.
Röm 3,3 Zwar sind einige ihre eigenen Wege gegangen, aber was ändert das? Kann
die Untreue dieser Menschen etwa Gottes Treue aufheben?
Röm 3,4 Niemals! Gott steht auf jeden Fall zu seinem Wort, auch wenn alle
Menschen Lügner sind. Es heißt ja schon in der Heiligen Schrift: »Deine Worte,
Gott, werden sich als wahr erweisen, und du wirst siegen, wenn man dich
verurteilen will.«
Röm 3,5 Ist es nicht aber so, fragen manche Menschen, dass wir Gott untreu sein
müssen, damit Gottes Treue erst richtig zur Geltung kommt? Und ist es eigentlich
gerecht von Gott, wenn er uns dann wegen unserer Schuld bestraft?
Röm 3,6 Nein, Gott ist nicht ungerecht! Könnte er denn sonst Richter über uns
Menschen sein?
Röm 3,7 Aber fragen wir noch einmal: Wie kann Gott mich als Sünder ansehen und
verurteilen, wenn doch erst durch meine Falschheit seine Wahrheit in ihrer
ganzen Größe aufstrahlt?
Röm 3,8 Wäre es dann nicht viel besser, nach dem Motto zu leben: »Lasst uns das
Böse tun, denn es kommt ja letztlich das Gute dabei heraus!«? Das legen mir
einige in den Mund und verleumden mich damit. Sie alle bekommen von Gott ihre
gerechte Strafe.
Röm 3,9 Haben wir Juden nun irgendeinen Vorzug vor den anderen Menschen? Ich
sage: Nein! Denn eben habe ich allen Menschen - ob Juden oder Nichtjuden -
bewiesen, dass sie unter der Herrschaft der Sünde leben.
Röm 3,10 Dasselbe sagt schon die Heilige Schrift: »Es gibt keinen, auch nicht
einen Einzigen, der ohne Sünde ist.
Röm 3,11 Es gibt keinen, der einsichtig ist und nach Gott fragt.
Röm 3,12 Alle haben sich von ihm abgewandt und sind dadurch für Gott unbrauchbar
geworden. Da ist wirklich keiner, der Gutes tut, kein Einziger.
Röm 3,13 Ihre Worte bringen Tod und Verderben. Durch und durch verlogen ist all
ihr Reden, und was über ihre Lippen kommt, ist bösartig und todbringend wie
Schlangengift.
Röm 3,14 Ihr Mund ist voller Flüche und Gehässigkeiten.
Röm 3,15 Sie sind schnell bereit, Blut zu vergießen.
Röm 3,16 Sie hinterlassen eine Spur der Verwüstung und des Elends.
Röm 3,17 Den Weg zum Frieden kennen sie nicht,
Röm 3,18 denn sie haben keine Ehrfurcht vor Gott.«
Röm 3,19 Nun wissen wir: Das Gesetz Gottes gilt gerade für die, denen es gegeben
wurde. Deshalb kann sich keiner herausreden. Alle Menschen auf der Welt sind vor
Gott schuldig.
Röm 3,20 Denn kein Mensch wird jemals vor Gott bestehen, indem er die Gebote
erfüllt. Das Gesetz zeigt uns vielmehr unsere Sünde auf.
Röm 3,21 Jetzt aber hat Gott uns gezeigt, wie wir vor ihm bestehen können,
nämlich unabhängig vom Gesetz. Dies ist sogar schon im Gesetz und bei den
Propheten bezeugt.
Röm 3,22 Gott spricht jeden von seiner Schuld frei und nimmt jeden an, der an
Jesus Christus glaubt. Nur diese Gerechtigkeit lässt Gott gelten. Denn darin
sind die Menschen gleich:
Röm 3,23 Alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen
könnte.
Röm 3,24 Aber was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er
nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.
Röm 3,25 Um unsere Schuld zu sühnen, hat Gott seinen Sohn am Kreuz für uns
verbluten lassen. Das erkennen wir im Glauben, und darin zeigt sich, wie Gottes
Gerechtigkeit aussieht. Bisher hat Gott die Sünden der Menschen ertragen;
Röm 3,26 er hatte Geduld mit ihnen. Jetzt aber vergibt er ihnen ihre Schuld und
erweist damit seine Gerechtigkeit. Gott allein ist gerecht und spricht den von
seiner Schuld frei, der an Jesus Christus glaubt.
Röm 3,27 Bleibt uns denn nichts, womit wir uns vor Gott rühmen können? - Nein,
gar nichts! Woher wissen wir das? Etwa durch das Gesetz, das unsere eigene
Leistung verlangt? Nein! Nur durch den Glauben, der uns geschenkt ist.
Röm 3,28 Also steht fest: Nicht wegen meiner guten Taten werde ich von meiner
Schuld freigesprochen, sondern erst, wenn ich mein Vertrauen allein auf Jesus
Christus setze.
Röm 3,29 Gilt dies vielleicht nur für die Juden, weil Gott ein Gott der Juden
ist? Oder gilt das auch für die anderen Völker? Natürlich gilt das auch für sie,
denn Gott ist für alle Menschen da.
Röm 3,30 Es ist ein und derselbe Gott, der Juden wie Nichtjuden durch den
Glauben an Jesus von ihrer Schuld befreit.
Röm 3,31 Bedeutet das etwa, dass wir durch den Glauben das Gesetz Gottes
abschaffen? Nein, im Gegenteil! Wir bringen es neu zur Geltung.
Röm 4,1 Ich möchte das jetzt noch deutlicher machen. Wodurch konnte Abraham, der
Stammvater des jüdischen Volkes, vor Gott bestehen?
Röm 4,2 Bestimmt nicht wegen seiner guten Taten! Damit hätte er zwar bei den
Menschen Ruhm und Ansehen gewinnen können, nicht aber bei Gott.
Röm 4,3 In der Heiligen Schrift heißt es: »Abraham setzte sein ganzes Vertrauen
auf Gott, und so fand er Gottes Anerkennung.«
Röm 4,4 Es ist doch so: Wenn ich eine Arbeit leiste, habe ich Anspruch auf Lohn.
Er ist kein Geschenk, sondern ich habe ihn mir verdient.
Röm 4,5 Aber bei Gott ist das anders. Bei ihm werde ich nichts erreichen, wenn
ich mich auf meine Taten berufe. Nur wenn ich Gott vertraue, der den Gottlosen
von seiner Schuld freispricht, kann ich vor ihm bestehen.
Röm 4,6 Davon hat schon König David gesprochen, als er den Menschen glücklich
nannte, der von Gott ohne jede Gegenleistung angenommen wird. David sagte:
Röm 4,7 »Glücklich sind alle, denen Gott ihr Unrecht vergeben und ihre Schuld
zugedeckt hat!
Röm 4,8 Glücklich ist der Mensch, dem Gott seine Sünden nicht anrechnet.«
Röm 4,9 Für uns ergibt sich hier die Frage: Gelten Davids Worte nur für die
Juden oder auch für alle anderen? Wie gesagt, es heißt in der Heiligen Schrift:
»Abraham setzte sein ganzes Vertrauen auf Gott, und so fand er Gottes
Anerkennung.«
Röm 4,10 Aber nun müssen wir genauer fragen: Wann fand Abraham die Anerkennung
Gottes? War es vor oder nach seiner Beschneidung? Wir wissen, dass es vorher
war.
Röm 4,11 Denn Abrahams Beschneidung war ja gerade das äußere Zeichen dafür, dass
er durch seinen Glauben Anerkennung bei Gott gefunden hatte. Und diese
Anerkennung fand er, noch ehe er beschnitten war! Auf diese Weise ist Abraham
zum Stammvater für alle Unbeschnittenen geworden, die allein wegen ihres
Glaubens von Gott angenommen sind.
Röm 4,12 Doch Abraham ist ebenso der Vater der Beschnittenen. Allerdings genügt
die Beschneidung nicht, um zu seinen Nachkommen gezählt zu werden. Entscheidend
ist vielmehr, dass wir denselben Glauben haben, den unser Vater Abraham schon
vor seiner Beschneidung hatte.
Röm 4,13 Gott hatte Abraham versprochen, dass er und seine Nachkommen die ganze
Welt zum Besitz erhalten würden. Aber dieses Versprechen gab Gott nicht, weil
Abraham das Gesetz erfüllte, sondern weil Abraham Gott unerschütterlich
vertraute. Damit fand er Gottes Anerkennung.
Röm 4,14 Würde dagegen die Zusage für die gelten, die sich auf die Erfüllung des
Gesetzes verlassen, dann wäre der Glaube außer Kraft gesetzt und Gottes
Versprechen würde aufgehoben.
Röm 4,15 Tatsächlich bringt uns das Gesetz nichts als den Zorn Gottes ein. Nur
da, wo es kein Gesetz gibt, wird niemand schuldig.
Röm 4,16 Deshalb gilt Gottes Zusage allein dem, der glaubt. Denn was Gott
versprochen hatte, sollte ja ein Geschenk sein. Nur so bleibt die Zusage
überhaupt gültig, und zwar für alle Nachkommen Abrahams. Das sind nicht nur die
Juden, die nach dem Gesetz leben, sondern auch alle anderen Menschen, die Gott
so vertrauen wie Abraham. Deshalb ist Abraham der Vater aller.
Röm 4,17 So sagt Gott schon in der Heiligen Schrift zu Abraham: »Ich habe dich
zum Stammvater vieler Völker bestimmt!« Und Abraham vertraute dem Gott, der die
Toten lebendig macht und der aus dem Nichts ins Leben ruft.
Röm 4,18 Gott versprach Abraham: »Deine Nachkommen werden so zahlreich wie die
Sterne am Himmel sein, und du sollst zum Stammvater vieler Völker werden.«
Abraham glaubte diesen Worten, obwohl alles dagegen sprach.
Röm 4,19 Denn er selbst war fast hundert Jahre alt, und auch seine Frau Sara
konnte in ihrem hohen Alter nach menschlichem Ermessen keine Kinder mehr
bekommen. Doch sein Glaube wurde nicht erschüttert,
Röm 4,20 er zweifelte nicht und vertraute Gottes Zusage. Sein Glaube wurde
dadurch gestärkt, er gab Gott die Ehre
Röm 4,21 und war fest davon überzeugt, dass Gott sein Versprechen erfüllen
würde.
Röm 4,22 Deshalb fand er Gottes Anerkennung.
Röm 4,23 Dass er durch seinen Glauben vor Gott bestehen konnte, ist nicht nur
seinetwegen aufgeschrieben worden,
Röm 4,24 sondern auch für uns. Auch wir sollen Gottes Anerkennung finden, denn
wir vertrauen ihm, der unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt
hat.
Röm 4,25 Jesus musste sterben, um unsere Sünden zu tilgen; er wurde auferweckt,
damit wir vor Gott bestehen können.
Röm 5,1 Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind,
haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.
Röm 5,2 Wir können ihm vertrauen, er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben
geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen. Und mehr noch: Wir
werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit
Freude und Stolz.
Röm 5,3 Doch nicht nur dafür sind wir dankbar. Wir danken Gott auch für die
Leiden, die wir wegen unseres Glaubens auf uns nehmen müssen. Denn Leid macht
geduldig,
Röm 5,4 Geduld aber vertieft und festigt unseren Glauben, und das wiederum gibt
uns Hoffnung.
Röm 5,5 Und diese Hoffnung geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist
geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.
Röm 5,6 Schon damals, als wir noch hilflos der Sünde ausgeliefert waren, ist
Christus zur rechten Zeit für uns gottlose Menschen gestorben.
Röm 5,7 Kaum jemand von uns würde für einen anderen Menschen sterben, selbst
wenn er schuldlos wäre. Es mag ja vorkommen, dass einer sein Leben für einen
ganz besonders gütigen Menschen opfert.
Röm 5,8 Gott aber hat uns seine große Liebe gerade dadurch bewiesen, dass
Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.
Röm 5,9 Wenn wir jetzt von Gott angenommen sind, weil Jesus sein Blut für uns
vergossen hat, dann werden wir erst recht am kommenden Gerichtstag vor Gottes
Zorn gerettet.
Röm 5,10 Als wir noch seine Feinde waren, hat Gott uns durch den Tod seines
Sohnes mit sich selbst versöhnt. Wie viel mehr werden wir, da wir jetzt Frieden
mit Gott haben, am Tag des Gerichts bewahrt bleiben, nachdem ja Christus
auferstanden ist und lebt.
Röm 5,11 Doch das ist nicht der einzige Grund, Gott zu loben und ihm zu danken:
Schon jetzt sind wir ja durch unseren Herrn Jesus Christus mit Gott versöhnt.
Röm 5,12 Durch einen einzigen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und
als Folge davon der Tod. Weil nun alle Menschen gesündigt haben, sind sie alle
dem Tod ausgeliefert.
Röm 5,13 Demnach war die Sünde schon da, lange bevor Gott durch Mose das Gesetz
gab. Aber wo kein Gesetz ist, kann auch keine Schuld angerechnet werden.
Röm 5,14 Dennoch waren alle Menschen von Adam bis zu Mose ebenfalls dem Tod
verfallen, auch wenn sie nicht wie Adam bewusst gegen Gottes Willen handelten.
Adams Schuld hatte Folgen für alle Menschen. Insofern ist er das genaue
Gegenbild zu Christus, der uns erlöst hat.
Röm 5,15 Freilich lässt sich die Erlösung, die uns Christus geschenkt hat, nicht
mit der Sünde Adams vergleichen. Denn durch die Sünde des einen wurde die
gesamte Menschheit dem Tod ausgeliefert; durch Jesus Christus aber erfuhren wir
in überreichem Maß Gottes Barmherzigkeit und Liebe.
Röm 5,16 Man kann also die Erlösung durch Christus und die Sünde Adams nicht auf
eine Stufe stellen. Gottes Urteilsspruch brachte wegen der einen Sünde Adams die
Verdammnis; was Christus getan hat, brachte trotz unzähliger Sünden den
Freispruch.
Röm 5,17 Hat aber der Ungehorsam eines einzigen Menschen zur Herrschaft des
Todes geführt, um wie viel mehr werden dann alle, die Gottes überreiche
Barmherzigkeit und seine Vergebung erfahren haben, durch Jesus Christus leben
und einmal mit ihm herrschen.
Röm 5,18 Es steht also fest: Durch die Sünde eines Menschen sind alle Menschen
in Tod und Verderben geraten. Aber durch die Erlösungstat eines Menschen sind
alle mit Gott versöhnt und bekommen neues Leben.
Röm 5,19 Oder anders gesagt: Durch Adams Ungehorsam wurden alle Menschen vor
Gott schuldig; aber weil Jesus Christus gehorsam war, werden sie von Gott
freigesprochen.
Röm 5,20 Das Gesetz aber kam später hinzu, um die Wirkung der Sünde zu
vergrößern. Denn wo sich die ganze Macht der Sünde zeigte, da erwies sich auch
Gottes Barmherzigkeit in ihrer ganzen Größe.
Röm 5,21 Wo bisher die Sünde über alle Menschen herrschte und ihnen den Tod
brachte, dort herrscht jetzt Gottes Gnade. Gott spricht uns von unserer Schuld
frei und schenkt uns ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Röm 6,1 Was bedeutet das nun für uns? Sollen wir etwa weitersündigen, damit Gott
Gelegenheit hat, uns seine Barmherzigkeit in ihrer ganzen Größe zu zeigen?
Röm 6,2 Natürlich nicht! Als Christen sind wir für die Sünde tot. Wie könnten
wir da noch länger mit ihr leben?
Röm 6,3 Ihr wisst doch, was bei der Taufe geschehen ist: Wir sind auf den Namen
Jesu Christi getauft worden und haben damit auch Anteil an seinem Tod.
Röm 6,4 Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und
wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht seines Vaters von den Toten
auferweckt wurde, so sollen auch wir ein neues Leben führen.
Röm 6,5 Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil
an seiner Auferstehung.
Röm 6,6 Damit steht fest: Unser früheres Leben endete mit Christus am Kreuz.
Unser von der Sünde beherrschtes Wesen ist vernichtet, und wir müssen nicht
länger der Sünde dienen.
Röm 6,7 Wer gestorben ist, kann nicht mehr beherrscht werden - auch nicht von
der Sünde.
Röm 6,8 Sind wir aber mit Christus gestorben, dann werden wir auch mit ihm leben
- davon sind wir überzeugt.
Röm 6,9 Wir wissen ja, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist und nie
wieder sterben wird. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Röm 6,10 Mit seinem Tod hat Christus ein für alle Mal beglichen, was die Sünde
fordern konnte. Jetzt aber lebt er, und er lebt für Gott.
Röm 6,11 Das gilt genauso für euch, und daran müsst ihr festhalten: Ihr seid tot
für die Sünde und lebt nun für Gott, der euch durch Jesus Christus das neue
Leben gegeben hat.
Röm 6,12 Achtet darauf, dass euer vergänglicher Leib nicht von der Sünde, von
seinen Begierden beherrscht wird.
Röm 6,13 Nichts, keinen einzigen Teil eures Körpers sollt ihr der Sünde als
Werkzeug für das Böse zur Verfügung stellen. Dient vielmehr Gott mit allem, was
ihr seid und habt. Weil ihr mit Christus gestorben seid und er euch neues Leben
schenkte, sollt ihr jetzt Werkzeuge in Gottes Hand sein, damit er euch für seine
Ziele einsetzen kann.
Röm 6,14 Die Sünde hat ihre Macht über euch verloren. Denn ihr seid nicht länger
an das Gesetz gebunden, sondern ihr lebt von der Barmherzigkeit Gottes.
Röm 6,15 Soll das nun etwa heißen, dass wir einfach Schuld anhäufen können, weil
ja Gottes Barmherzigkeit zählt und wir das Urteil des Gesetzes nicht mehr zu
fürchten brauchen? Nein, so ist das nicht gemeint!
Röm 6,16 Wisst ihr nicht, dass ihr dem Herrn gehorchen müsst, dem ihr euch
verpflichtet habt? Und das heißt: Entweder entscheidet ihr euch für die Sünde
und werdet sterben, oder ihr hört auf Gott, und er wird euch annehmen.
Röm 6,17 Aber Gott sei Dank! Ihr seid nicht mehr hilflos der Sünde ausgeliefert,
sondern ihr hört von ganzem Herzen auf das, was euch gelehrt worden ist.
Röm 6,18 Denn nachdem ihr von der Herrschaft der Sünde wirklich frei geworden
seid, könnt ihr jetzt Gott dienen und das tun, was ihm gefällt.
Röm 6,19 Weil ihr das so schwer verstehen könnt, will ich es euch an einem
bekannten Beispiel deutlich machen, dem Sklavendienst: Früher habt ihr der
Zügellosigkeit und dem Unrecht wie Sklaven gedient. Jetzt aber sollt ihr
uneingeschränkt Gott dienen; lebt so, wie es ihm gefällt, denn ihr gehört zu
ihm!
Röm 6,20 Als Sklaven der Sünde wart ihr zwar frei, allerdings nur vom Guten.
Röm 6,21 Und was kam dabei heraus? Bei dem Gedanken daran könnt ihr euch heute
nur schämen, denn ihr hattet dafür nichts anderes als den Tod verdient.
Röm 6,22 Aber jetzt seid ihr frei von der Sünde und dient Gott als seine
Knechte. Ihr gehört zu ihm und tut, was ihm gefällt, und schließlich schenkt er
euch das ewige Leben.
Röm 6,23 Denn die Sünde wird mit dem Tod bezahlt. Gott aber schenkt uns in der
Gemeinschaft mit Jesus Christus, unserem Herrn, ewiges Leben.
Röm 7,1 Meine lieben Brüder und Schwestern! Ihr kennt doch das Gesetz.
Eigentlich solltet ihr dann wissen, dass Gesetze für uns nur Gültigkeit haben,
solange wir leben.
Röm 7,2 Was bedeutet das? Eine verheiratete Frau zum Beispiel ist an ihren Mann
durch das Gesetz so lange gebunden, wie er lebt. Stirbt der Mann, dann ist sie
von diesem Gesetz frei und kann wieder heiraten.
Röm 7,3 Hätte diese Frau zu Lebzeiten ihres Mannes einen anderen Mann gehabt,
wäre sie eine Ehebrecherin gewesen. Nach dem Tod ihres Mannes aber ist sie frei
von den Verpflichtungen des Ehegesetzes. Niemand wird sie eine Ehebrecherin
nennen, wenn sie als Witwe einen anderen Mann heiratet.
Röm 7,4 Genauso wart auch ihr gebunden, an das Gesetz. Aber ihr seid davon
befreit worden, als Christus am Kreuz für euch starb. Und jetzt gehört ihr nur
noch ihm, der von den Toten auferweckt wurde. Nur so werden wir für Gott Frucht
bringen, das heißt leben, wie es ihm gefällt.
Röm 7,5 Von Natur aus waren wir einst der Gewalt der Sünde ausgeliefert und
wurden von unseren selbstsüchtigen Wünschen beherrscht. Durch das Gesetz wurde
die Sünde in uns erst geweckt, so dass wir taten, was letztendlich zum Tod
führt.
Röm 7,6 Aber jetzt sind wir von diesen Zwängen frei, denn für das Gesetz sind
wir tot. Deswegen können wir Gott durch seinen Heiligen Geist in einer völlig
neuen Weise dienen und müssen es nicht mehr wie früher durch die bloße Erfüllung
toter Buchstaben tun.
Röm 7,7 Soll das alles nun etwa bedeuten, dass Gottes Gesetz sündig ist?
Natürlich nicht! Aber es ist doch so: Ohne die Gebote Gottes hätte ich nie
erfahren, was Sünde ist. Würde es dort nicht heißen: »Du sollst nicht begehren
...«, so wüsste ich nicht, dass meine Leidenschaften Sünde sind.
Röm 7,8 Die Sünde aber gebrauchte dieses Gebot des Gesetzes, um in mir alle
möglichen Leidenschaften zu wecken. Denn ohne das Gesetz ist die Sünde tot.
Röm 7,9 Früher habe ich ohne das Gesetz gelebt. Erst seit ich das Gesetz mit
seinen Geboten kenne, wurde auch die Sünde in mir lebendig,
Röm 7,10 und darum bewirkte das Gesetz meinen Tod. So hat mich Gottes Gebot, das
den Weg zum Leben zeigen sollte, letztlich dem Tod ausgeliefert.
Röm 7,11 Denn die Sünde benutzte das Gebot und betrog mich, indem sie statt des
versprochenen Lebens den Tod brachte.
Röm 7,12 Das Gesetz selbst aber entspricht Gottes Willen; jedes einzelne Gebot
ist heilig, gerecht und gut.
Röm 7,13 Kann aber etwas, das gut ist, meinen Tod bewirken? Nein, ganz und gar
nicht. Aber gerade dadurch, dass die Sünde das Gute benutzte, um mir den Tod zu
bringen, hat sie sich als Sünde entlarvt; erst durch das Gebot ist sie in ihrer
ganzen Abscheulichkeit sichtbar geworden.
Röm 7,14 Das Gesetz ist von Gottes Geist bestimmt. Das wissen wir genau. Ich
aber bin nur ein Mensch und der Herrschaft der Sünde ausgeliefert.
Röm 7,15 Ich verstehe ja selber nicht, was ich tue. Das Gute, das ich mir
vornehme, tue ich nicht; aber was ich verabscheue, das tue ich.
Röm 7,16 Bin ich mir aber bewusst, dass ich falsch handle, dann gebe ich damit
zu, dass Gottes Gesetz gut ist.
Röm 7,17 Das aber bedeutet: Nicht ich selbst tue das Böse, sondern die Sünde,
die in mir wohnt, treibt mich dazu.
Röm 7,18 Ich weiß wohl, dass in mir nichts Gutes wohnt. Deshalb werde ich
niemals das Gute tun können, so sehr ich mich auch darum bemühe.
Röm 7,19 Ich will immer wieder Gutes tun und tue doch das Schlechte; ich
verabscheue das Böse, aber ich tue es dennoch.
Röm 7,20 Wenn ich also immer wieder gegen meine Absicht handle, dann ist klar:
Nicht ich selbst bestimme über mich, sondern die Sünde in mir verführt mich zu
allem Bösen.
Röm 7,21 Ich mache immer wieder dieselbe Erfahrung: Das Gute will ich tun, aber
ich tue das Böse.
Röm 7,22 Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als Gottes Gesetz zu erfüllen.
Röm 7,23 Dennoch handle ich nach einem anderen Gesetz, das in mir wohnt. Dieses
Gesetz kämpft gegen das, was ich innerlich als richtig erkannt habe, und macht
mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das mein Handeln
bestimmt.
Röm 7,24 Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich jemals aus dieser
Gefangenschaft befreien?
Röm 7,25 Gott sei Dank! Durch unseren Herrn Jesus Christus bin ich bereits
befreit. So befinde ich mich in einem Zwiespalt: Mit meinem Denken und Sehnen
folge ich zwar dem Gesetz Gottes, mit meinen Taten aber dem Gesetz der Sünde.
Röm 8,1 Wer nun mit Jesus Christus verbunden ist, wird von Gott nicht mehr
verurteilt.
Röm 8,2 Denn für ihn gilt nicht länger das Gesetz der Sünde und des Todes. Es
ist durch ein neues Gesetz aufgehoben, nämlich durch das Gesetz des Geistes
Gottes, der durch Jesus Christus das Leben bringt.
Röm 8,3 Wie ist es dazu gekommen? Das Gesetz konnte uns nicht helfen, so zu
leben, wie es Gott gefällt, weil wir, an die Sünde versklavt, zu schwach sind,
es zu erfüllen. Deshalb sandte Gott seinen Sohn zu uns. Er wurde Mensch und war
wie wir der Macht der Sünde ausgesetzt. An unserer Stelle nahm er Gottes
Verurteilung der Sünde auf sich.
Röm 8,4 So erfüllt sich in unserem Leben der Wille Gottes, wie es das Gesetz
schon immer verlangt hat; denn jetzt bestimmt Gottes Geist und nicht mehr die
sündige menschliche Natur unser Leben.
Röm 8,5 Wer seinen selbstsüchtigen Wünschen folgt, der bleibt seiner sündigen
Natur ausgeliefert. Wenn aber Gottes Geist in uns wohnt, wird auch unser Leben
von seinem Geist bestimmt.
Röm 8,6 Was unsere alte, sündige Natur will, bringt den Tod. Regiert uns aber
Gottes Geist, dann schenkt er uns Frieden und Leben.
Röm 8,7 Von unserem Wesen her lehnen wir Menschen uns gegen Gott auf, weil wir
seine Gebote nicht erfüllen und auch gar nicht erfüllen können.
Röm 8,8 Deshalb kann Gott an denen, die so selbstsüchtig leben, kein Gefallen
finden.
Röm 8,9 Nun aber seid ihr nicht länger eurem selbstsüchtigen Wesen ausgeliefert,
denn Gottes Geist bestimmt euer Leben - schließlich wohnt er ja in euch! Seid
euch darüber im Klaren: Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört auch nicht
zu ihm.
Röm 8,10 Wenn Christus in euch lebt, dann ist zwar euer Körper wegen eurer Sünde
noch dem Tod ausgeliefert. Doch Gottes Geist schenkt euch ein neues Leben, weil
Gott euch angenommen hat.
Röm 8,11 Ist der Geist Gottes in euch, so wird Gott, der Jesus von den Toten
auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib wieder lebendig machen; sein Geist
wohnt ja in euch.
Röm 8,12 Darum, liebe Brüder und Schwestern, sind wir nicht mehr unserer alten
menschlichen Natur verpflichtet und müssen nicht länger ihren Wünschen und ihrem
Verlangen folgen.
Röm 8,13 Denn wer ihr folgt, ist dem Tod ausgeliefert. Wenn ihr aber mit der
Kraft des Geistes eure selbstsüchtigen Wünsche tötet, werdet ihr leben.
Röm 8,14 Alle, die sich vom Geist Gottes regieren lassen, sind Kinder Gottes.
Röm 8,15 Denn der Geist Gottes, den ihr empfangen habt, führt euch nicht in eine
neue Sklaverei, in der ihr wieder Angst haben müsstet. Er macht euch vielmehr zu
Gottes Kindern. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: »Vater, lieber
Vater!«
Röm 8,16 Gottes Geist selbst gibt uns die innere Gewissheit, dass wir Gottes
Kinder sind.
Röm 8,17 Als seine Kinder aber sind wir - gemeinsam mit Christus - auch seine
Erben. Und leiden wir jetzt mit Christus, werden wir einmal auch seine
Herrlichkeit mit ihm teilen.
Röm 8,18 Ich bin ganz sicher, dass alles, was wir zurzeit erleiden, nichts ist,
verglichen mit der Herrlichkeit, die Gott uns einmal schenken möchte.
Röm 8,19 Darum wartet die ganze Schöpfung sehnsüchtig und voller Hoffnung auf
den Tag, an dem Gott seine Kinder in diese Herrlichkeit aufnimmt.
Röm 8,20 Ohne eigenes Verschulden sind alle Geschöpfe der Vergänglichkeit
ausgeliefert, weil Gott es so bestimmt hat. Aber er hat ihnen die Hoffnung
gegeben,
Röm 8,21 dass sie zusammen mit den Kindern Gottes einmal von Tod und
Vergänglichkeit erlöst und zu einem neuen, herrlichen Leben befreit werden.
Röm 8,22 Wir wissen ja, dass die gesamte Schöpfung leidet und stöhnt wie eine
Frau in den Geburtswehen.
Röm 8,23 Aber auch wir selbst, denen Gott bereits jetzt seinen Geist als Anfang
des neuen Lebens gegeben hat, warten voller Sehnsucht darauf, dass Gott uns als
seine Kinder zu sich nimmt und auch unseren Leib von aller Vergänglichkeit
befreit.
Röm 8,24 Darauf können wir zunächst nur hoffen und warten, obwohl wir schon
gerettet sind. Hoffen aber bedeutet: noch nicht haben. Denn was einer schon hat
und sieht, darauf braucht er nicht mehr zu hoffen.
Röm 8,25 Hoffen wir aber auf etwas, das wir noch nicht sehen können, dann warten
wir zuversichtlich darauf.
Röm 8,26 Dabei hilft uns der Geist Gottes in all unseren Schwächen und Nöten.
Wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen, damit es Gott gefällt!
Deshalb tritt der Geist Gottes für uns ein, er bittet für uns mit einem Seufzen,
wie es sich nicht in Worte fassen lässt.
Röm 8,27 Und Gott, der unsere Herzen ganz genau kennt, weiß, was der Geist für
uns betet. Denn der Geist vertritt uns im Gebet, so wie Gott es für alle möchte,
die zu ihm gehören.
Röm 8,28 Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was
geschieht, zum Guten. Dies gilt für alle, die Gott nach seinem Plan und Willen
zum neuen Leben erwählt hat.
Röm 8,29 Wen Gott nämlich auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu
bestimmt, seinem Sohn ähnlich zu werden, damit dieser der Erste ist unter vielen
Brüdern und Schwestern.
Röm 8,30 Und wen Gott dafür bestimmt hat, den hat er auch in seine Gemeinschaft
berufen; wen er aber berufen hat, den hat er auch von seiner Schuld befreit. Und
wen er von seiner Schuld befreit hat, der hat schon im Glauben Anteil an seiner
Herrlichkeit.
Röm 8,31 Kann man wirklich noch mehr erwarten? Wenn Gott für uns ist, wer kann
dann gegen uns sein?
Röm 8,32 Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle
dem Tod ausgeliefert. Sollte er uns da noch etwas vorenthalten?
Röm 8,33 Wer könnte es wagen, die von Gott Auserwählten anzuklagen? Niemand,
denn Gott selbst hat sie von aller Schuld freigesprochen.
Röm 8,34 Wer wollte es wagen, sie zu verurteilen? Keiner, denn Christus ist für
sie gestorben, ja noch mehr: Er ist vom Tod auferweckt worden und hat seinen
Platz an Gottes rechter Seite eingenommen. Dort tritt er jetzt vor Gott für uns
ein.
Röm 8,35 Was also könnte uns von Christus und seiner Liebe trennen? Leiden und
Angst vielleicht? Verfolgung? Hunger? Armut? Gefahr oder gewaltsamer Tod?
Röm 8,36 Man geht wirklich mit uns um, wie es schon in der Heiligen Schrift
beschrieben wird: »Weil wir zu dir, Herr, gehören, werden wir überall verfolgt
und getötet - wie Schafe werden wir geschlachtet!«
Röm 8,37 Aber dennoch: Mitten im Leid triumphieren wir über alles durch die
Verbindung mit Christus, der uns so geliebt hat.
Röm 8,38 Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch
Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten,
Röm 8,39 weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas können uns von der Liebe
Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt.
Röm 9,1 Christus ist mein Zeuge, und der Heilige Geist bestätigt es mir in
meinem Gewissen, dass es wahr ist, wenn ich euch versichere:
Röm 9,2 Ich bin voller Trauer und empfinde tiefen Schmerz,
Röm 9,3 wenn ich an Israel denke. Käme es meinen Brüdern und Schwestern, meinem
eigenen Volk, zugute, ich würde es auf mich nehmen, verflucht und von Christus
getrennt zu sein.
Röm 9,4 Gott hat doch die Israeliten dazu auserwählt, seine Kinder zu sein. Er
hat sich diesem Volk in seiner Macht und Herrlichkeit offenbart. Immer wieder
hat er mit ihnen Bündnisse geschlossen, er hat ihnen seine Gebote gegeben. Sie
dienen Gott im Tempel, und ihnen gelten seine Zusagen.
Röm 9,5 Abraham, Isaak und Jakob sind ihre Vorfahren, und Christus selbst stammt
aus ihrem Volk. Ihn, der Gott ist und über alles regiert, preisen wir in alle
Ewigkeit. Amen.
Röm 9,6 Gottes Zusagen haben nach wie vor ihre Gültigkeit, auch wenn nicht alle
aus dem Volk Israel zu Gottes auserwähltem Volk gehören.
Röm 9,7 Nicht alle Nachkommen Abrahams sind auch wirklich seine Kinder. Denn
Gott hatte zu Abraham gesagt: »Nur die Nachkommen deines Sohnes Isaak werden das
auserwählte Volk sein.«
Röm 9,8 Das bedeutet: Nicht alle, die auf natürliche Weise von Abraham
abstammen, gehören zu Gottes Volk und damit zu seinen Kindern. Nur der zählt
dazu, wer - so wie Isaak - Gottes Zusage hat.
Röm 9,9 Denn das hatte Gott Abraham zugesagt: »Nächstes Jahr um diese Zeit komme
ich wieder zu euch, und dann wird Sara einen Sohn haben.«
Röm 9,10 Aber nicht nur Abrahams Frau Sara erging es so. Rebekka war von unserem
Stammvater Isaak mit Zwillingen schwanger.
Röm 9,11 [11/12] Noch ehe ihre Söhne Esau und Jakob geboren waren, das heißt,
noch ehe sie etwas Gutes oder Böses getan haben konnten, hatte Gott zu ihr
gesagt: »Der Ältere wird dem Jüngeren dienen.« Damit gab Gott ganz klar zu
erkennen, dass seine Zusagen ausschließlich auf seinem Willen beruhen; sie sind
also unverdientes Geschenk und nicht von den Leistungen des Menschen abhängig.
Röm 9,13 So sagt Gott ausdrücklich: »Ich habe nur Jakob geliebt, aber Esau
gehasst.«
Röm 9,14 Bedeutet das etwa, dass Gott ungerecht ist? Auf keinen Fall!
Röm 9,15 Denn Gott hat einmal zu Mose gesagt: »Ich erweise meine Güte, wem ich
will. Und über wen ich mich erbarmen will, über den werde ich mich erbarmen.«
Röm 9,16 Entscheidend ist also nicht, wie sehr sich jemand anstrengt und müht,
sondern dass Gott sich über ihn erbarmt.
Röm 9,17 Wie erging es dem Pharao? Die Heilige Schrift berichtet, dass Gott zu
ihm sagte: »Ich habe dich nur deshalb als König über Ägypten eingesetzt, um
durch dich meine Macht zu zeigen und meinen Namen in der ganzen Welt bekannt zu
machen.«
Röm 9,18 Gott schenkt also seine Barmherzigkeit, wem er will, aber er macht
Menschen auch hart und gleichgültig, wenn er es will.
Röm 9,19 Sicher werdet ihr mich jetzt fragen: »Wie kann Gott dann noch von
unserer Schuld sprechen? Wer kann denn etwas gegen Gottes Willen unternehmen?«
Röm 9,20 Darauf kann ich nur antworten: Wer seid ihr denn eigentlich, ihr
Menschen, dass ihr meint, Gott zur Rechenschaft ziehen zu können? Glaubt ihr
wirklich, dass ein Gefäß aus Ton den Töpfer fragt: »Warum hast du mich so
gemacht?«
Röm 9,21 Der Töpfer hat schließlich die Freiheit, aus ein und demselben Klumpen
Lehm zwei verschiedene Gefäße zu machen: ein kostbares zum Schmuck und ein
gewöhnliches für den Abfall.
Röm 9,22 Genauso wollte Gott an denen, die für das Verderben bestimmt sind,
seinen Zorn und seine Macht sichtbar werden lassen. Und obwohl sie ihrem
Untergang nicht entgehen konnten, hat er große Geduld mit ihnen gehabt.
Röm 9,23 An den Menschen, die an seiner Herrlichkeit teilhaben sollen, wollte er
dagegen seine Barmherzigkeit beweisen. So möchte er an ihnen in reichem Maße
seine Herrlichkeit zeigen.
Röm 9,24 Zu diesen Menschen gehören auch wir. Und er hat uns nicht nur aus dem
jüdischen Volk, sondern aus allen Völkern berufen.
Röm 9,25 Schon im Buch des Propheten Hosea sagt Gott: »Einmal werde ich die mein
Volk nennen, die bisher nicht dazugehörten; und ich werde die auserwählen, die
bisher nicht meine Auserwählten waren.«
Röm 9,26 Und wo ihnen gesagt wurde: »›Ihr seid nicht mein Volk‹, da werden sie
›Kinder des lebendigen Gottes‹ heißen.«
Röm 9,27 Und der Prophet Jesaja sagte über Israel: »Selbst wenn es so viele
Israeliten wie Sand am Meer gibt, werden doch nur wenige von ihnen gerettet.
Röm 9,28 Denn der Herr wird sein Urteil auf der Erde bald vollstrecken.«
Röm 9,29 So hat es Jesaja schon vorher gesagt: »Hätte der Herr, der allmächtige
Gott, nicht einen kleinen Rest von uns gerettet, dann wären wir alle umgekommen
wie damals die Leute von Sodom und Gomorra.«
Röm 9,30 Was will ich nun damit sagen? Menschen aller Völker, die sich nicht
darum bemüht haben, bei Gott Anerkennung zu finden, wurden von ihm angenommen,
und zwar durch ihren Glauben an Jesus Christus.
Röm 9,31 Israel aber, das sich so sehr bemühte, Gottes Gebote zu erfüllen, um
dadurch vor Gott bestehen zu können, hat dieses Ziel nicht erreicht.
Röm 9,32 Warum eigentlich nicht? Weil die Israeliten nicht durch den Glauben an
Christus, sondern durch ihre eigenen Leistungen Anerkennung bei Gott finden
wollten. Deshalb wurde ihnen Christus zum Stein des Anstoßes.
Röm 9,33 So steht es schon in der Heiligen Schrift: »Seht her, ich lege in
Jerusalem einen Stein, über den man stolpern wird, und einen Fels, über den sie
stürzen werden. Wer aber an ihn glaubt, steht fest und sicher.«
Röm 10,1 Liebe Brüder und Schwestern, ich wünsche mir sehnlichst und bitte Gott
inständig, dass auch mein Volk gerettet wird.
Röm 10,2 Denn ich kann bezeugen, dass die Israeliten Gott dienen wollen, mit
viel Eifer, aber ohne Einsicht.
Röm 10,3 Sie haben nämlich nicht erkannt, wie sie Gottes Anerkennung finden
können, und versuchen immer noch, durch eigene Leistungen vor ihm zu bestehen.
Deshalb lehnen sie ab, was Gott ihnen schenken will.
Röm 10,4 Christus hat das Gesetz erfüllt und damit die Herrschaft des Gesetzes
beendet. Wer ihm vertraut, wird von Gott angenommen.
Röm 10,5 Wer dennoch durch das Gesetz vor Gott bestehen will, für den gilt, was
Mose geschrieben hat: »Wer alle Forderungen des Gesetzes erfüllt, wird dadurch
leben.«
Röm 10,6 Aber wer den Weg zu Gott durch den Glauben an Christus gefunden hat,
über den sagt die Heilige Schrift: »Du brauchst nicht länger darüber
nachzudenken, wie du in den Himmel steigen willst« - um Christus herabzuholen.
Röm 10,7 Ebenso brauchst du nicht mehr zu fragen: »Wer will hinabsteigen zu den
Toten?« - um Christus von dort heraufzuholen.
Röm 10,8 Stattdessen heißt es: »Gottes Wort ist dir ganz nahe; es ist in deinem
Mund und in deinem Herzen.« Das ist nämlich das Wort vom Glauben, das wir
verkünden.
Röm 10,9 Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: »Jesus ist der Herr!«, und wenn
du von ganzem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, dann
wirst du gerettet werden.
Röm 10,10 Wer also von Herzen glaubt, wird von Gott angenommen; und wer seinen
Glauben auch bekennt, der findet Rettung.
Röm 10,11 So heißt es schon in der Heiligen Schrift: »Wer auf ihn vertraut,
steht fest und sicher.«
Röm 10,12 Da gibt es auch keinen Unterschied zwischen Juden und anderen Völkern:
Gott ist ein und derselbe Herr, der aus seinem Reichtum alle beschenkt, die ihn
darum bitten.
Röm 10,13 »Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, der wird von ihm
gerettet.«
Röm 10,14 Wie aber sollen die Menschen zu Gott beten, wenn sie nicht an ihn
glauben? Wie sollen sie zum Glauben an ihn kommen, wenn sie nie von ihm gehört
haben? Und wie können sie von ihm hören, wenn ihnen niemand Gottes Botschaft
verkündet?
Röm 10,15 Wer aber soll Gottes Botschaft verkünden, ohne dazu beauftragt zu
sein? Gerade dies ist schon in der Heiligen Schrift vorausgesagt: »Was für ein
herrlicher Augenblick, wenn ein Bote kommt, der eine gute Nachricht bringt!«
Röm 10,16 Aber nicht jeder hört auf diese rettende Botschaft. So klagte schon
der Prophet Jesaja: »Herr, wer glaubt schon unserer Botschaft?«
Röm 10,17 Doch es bleibt dabei: Der Glaube kommt aus dem Hören der Botschaft;
und diese gründet sich auf das, was Christus gesagt hat.
Röm 10,18 Wie ist das nun bei den Juden? Haben sie etwa Gottes Botschaft nicht
zu hören bekommen? Doch, natürlich! Es heißt ja in der Heiligen Schrift: »Auf
der ganzen Erde hört man diese Botschaft, sie erreicht noch die fernsten
Länder.«
Röm 10,19 Ich frage nun: Hat Israel sie vielleicht nicht verstanden? Doch! Denn
schon bei Mose heißt es: »Ich will mein Volk eifersüchtig machen auf Menschen,
die bisher nicht zu mir gehörten, und ihr werdet zornig sein auf ein Volk, das
mich jetzt noch nicht kennt.«
Röm 10,20 Später wagte Jesaja sogar ganz offen zu sagen: »Die mich gar nicht
gesucht haben, die haben mich gefunden, und ich habe mich denen gezeigt, die
niemals nach mir fragten.«
Röm 10,21 Aber zu seinem eigenen Volk muss Gott sagen: »Den ganzen Tag habe ich
meine Hände nach dem Volk ausgestreckt, das sich nichts sagen lässt und gegen
meinen Willen handelt!«
Röm 11,1 Ich frage jetzt: Will Gott von seinem Volk nichts mehr wissen? Davon
kann keine Rede sein! Auch ich bin ja ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams aus
dem Stamm Benjamin.
Röm 11,2 Wie könnte Gott sein Volk, das er sich einmal erwählt hat, einfach
aufgeben? Oder habt ihr vergessen, was in der Heiligen Schrift berichtet wird?
Elia beklagte sich bei Gott über Israel:
Röm 11,3 »Herr, alle deine Propheten haben sie ermordet, und deine Altäre haben
sie niedergerissen. Nur ich bin übrig geblieben, ich allein, und nun trachten
sie auch mir nach dem Leben.«
Röm 11,4 Und was antwortete Gott damals? »Mit dir lasse ich noch 7000 Menschen
in Israel am Leben, die nicht vor dem Götzen Baal auf die Knie gefallen sind.«
Röm 11,5 So war es damals, und so ist es auch noch heute. In seiner
Barmherzigkeit hat Gott einen Teil des Volkes Israel auserwählt und gerettet.
Röm 11,6 Wenn das aber ein unverdientes Geschenk war, dann hatte es nichts mit
eigenen Leistungen zu tun. Sonst wäre ja sein Geschenk nicht mehr unverdient.
Röm 11,7 Was heißt das also? Israel hat nicht erreicht, worum es sich mit aller
Kraft bemühte. Das wurde nur einem kleinen, von Gott auserwählten Teil des
Volkes geschenkt. Alle übrigen aber sind verhärtet und taub für Gottes
Botschaft.
Röm 11,8 Von ihnen sagt die Heilige Schrift: »Gott hat einen Geist über sie
kommen lassen, der sie wie in tiefen Schlaf versetzt hat. Mit ihren Augen sehen
sie nichts, mit ihren Ohren hören sie nichts - und das bis auf den heutigen
Tag.«
Röm 11,9 Auch König David sagt: »Ihre Opferfeste sollen ihnen zu einer Falle
werden, in der sie sich selbst fangen und der Strafe Gottes ausliefern.
Röm 11,10 Lass sie blind werden, damit sie nichts mehr sehen können, und beuge
für immer ihren Rücken unter der schweren Last.«
Röm 11,11 War es nun Gottes Absicht, dieses Volk fallen zu lassen, weil er sich
endgültig von ihm abwenden wollte? Nie und nimmer! Weil das Volk Israel die
rettende Botschaft abgelehnt hat, wurde der Weg bereitet, um den übrigen Völkern
diese Botschaft zu bringen. Ihrem Beispiel soll Israel nun nacheifern.
Röm 11,12 Bedenken wir aber, welchen Segen schon die ablehnende Haltung und die
Schuld Israels allen anderen Völkern brachte, wie groß wird erst der Segen sein,
wenn das ganze Israel für Christus gewonnen ist!
Röm 11,13 Euch, die ihr keine Juden seid, möchte ich sagen: Gott hat mich gerade
zu euch geschickt, um euch die rettende Botschaft zu verkünden. Darauf bin ich
stolz.
Röm 11,14 Vielleicht eifern dadurch auch einige aus meinem Volk eurem Beispiel
nach, so dass sie doch noch gerettet werden.
Röm 11,15 Denn kam es schon zur Versöhnung der Völker mit Gott, als er sich von
Israel abwandte, wie herrlich muss es werden, wenn Gott sich seinem Volk wieder
zuwendet! Dann werden alle vom Tod zu neuem Leben erwachen.
Röm 11,16 Mit dem ersten Brot, das Gott zum Opfer gebracht wird, ist nämlich die
ganze Ernte Gott geweiht; und sind die Wurzeln eines Baumes gut, dann sind es
auch die Zweige.
Röm 11,17 Einige Zweige dieses Baumes sind herausgebrochen worden. An ihrer
Stelle wurdet ihr als Zweige eines wilden Ölbaums aufgepfropft. So lebt ihr von
den Wurzeln und Säften des edlen Ölbaums.
Röm 11,18 Bildet euch aber deshalb nicht ein, besser als die herausgebrochenen
Zweige zu sein! Denn nicht ihr tragt die Wurzel, sondern die Wurzel trägt euch.
Röm 11,19 Freilich könnte jemand einwenden: »Man hat die Zweige doch
herausgebrochen, damit ich dort Platz habe.«
Röm 11,20 Das ist richtig, sie wurden herausgebrochen, weil sie nicht glaubten.
Und ihr seid an ihrer Stelle, weil ihr glaubt. Seid deshalb nicht hochmütig,
sondern passt auf, dass es euch nicht genauso ergeht.
Röm 11,21 Denn hat Gott die Zweige des edlen Ölbaums nicht verschont, wird er
euch erst recht nicht schonen.
Röm 11,22 Zweierlei sollt ihr daran erkennen: Gottes Güte und seine Strenge.
Gottes Strenge seht ihr an denen, die ihm untreu geworden sind. Gütig aber ist
er zu euch, wenn ihr euch immer auf seine Güte verlasst. Sonst werdet auch ihr
wie jene Zweige herausgebrochen.
Röm 11,23 Umgekehrt werden alle aus dem Volk Israel wieder eingepfropft, die den
Glauben nicht länger ablehnen. Gott hat die Macht dazu.
Röm 11,24 Immerhin hat er euch als Zweige eines wilden Ölbaumes dem guten Ölbaum
aufgepfropft, was sonst niemand tun würde. Wie viel mehr wird Gott bereit sein,
die Juden als die herausgebrochenen Zweige wieder auf den Ölbaum zu pfropfen,
auf den sie ursprünglich gehörten.
Röm 11,25 Damit ihr nicht auf die Juden herabseht, liebe Brüder und Schwestern,
möchte ich euch ein Geheimnis anvertrauen: Ein Teil des jüdischen Volkes ist
verhärtet und verschlossen für die rettende Botschaft. Aber das wird nur so
lange dauern, bis die volle Zahl von Menschen aus den anderen Völkern den Weg zu
Christus gefunden hat.
Röm 11,26 Danach wird ganz Israel gerettet, so wie es in der Heiligen Schrift
heißt: »Aus Jerusalem wird der Retter kommen. Er wird die Nachkommen Jakobs von
ihrem gottlosen Leben befreien.
Röm 11,27 Und das ist der Bund, den ich, der Herr, mit ihnen schließe: Ich werde
ihnen ihre Sünden vergeben.«
Röm 11,28 Indem sie die rettende Botschaft ablehnen, sind viele Juden zu Feinden
Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch der Weg zu Christus frei.
Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorfahren erwählt hat, bleiben
sie sein geliebtes Volk.
Röm 11,29 Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er die
Zusage, dass er jemanden auserwählt hat.
Röm 11,30 Früher habt ihr Gott nicht gehorcht. Aber weil die Juden Christus
ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen.
Röm 11,31 Jetzt wollen die Juden nicht glauben, dass Gott jedem Menschen durch
Christus barmherzig ist, obwohl sie es doch an euch sehen. Aber auch sie sollen
schließlich Gottes Barmherzigkeit erfahren.
Röm 11,32 Denn Gott hat alle Menschen ihrem Unglauben überlassen, weil er allen
seine Barmherzigkeit schenken will.
Röm 11,33 Wie groß ist doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit,
wie tief seine Gedanken! Wie unbegreiflich für uns seine Entscheidungen und
seine Pläne!
Röm 11,34 Denn »wer könnte jemals Gottes Absichten erkennen? Wer könnte ihn
beraten?«
Röm 11,35 »Wer hätte Gott jemals etwas gegeben, das er nun von ihm zurückfordern
könnte?«
Röm 11,36 Denn alles kommt von ihm, alles lebt durch ihn, alles vollendet sich
in ihm. Ihm sei Lob und Ehre für immer und ewig! Amen.
Röm 12,1 Weil ihr Gottes Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf,
liebe Brüder und Schwestern, mit eurem ganzen Leben für Gott da zu sein. Seid
ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Ihm auf diese
Weise zu dienen ist die angemessene Antwort auf seine Liebe.
Röm 12,2 Passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch, indem ihr euch
von Gott völlig neu ausrichten lasst. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes
Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt.
Röm 12,3 In der Vollmacht, die mir Gott als Apostel gegeben hat, warne ich euch:
Überschätzt euch nicht, sondern bleibt bescheiden. Keiner von euch soll sich
etwas anmaßen, was über die Kraft des Glaubens hinausgeht, die Gott ihm
geschenkt hat.
Röm 12,4 Unser Körper besteht aus vielen Teilen, die ganz unterschiedliche
Aufgaben haben.
Röm 12,5 Ebenso ist es mit uns Christen. Gemeinsam bilden wir alle den Leib
Christi, und jeder Einzelne ist auf die anderen angewiesen.
Röm 12,6 Gott hat jedem von uns unterschiedliche Gaben geschenkt. Hat jemand die
Gabe, in Gottes Auftrag prophetisch zu reden, dann muss dies mit der Lehre
unseres Glaubens übereinstimmen.
Röm 12,7 Wem Gott einen praktischen Dienst übertragen hat, der soll ihn
gewissenhaft ausführen. Wer die Gemeinde im Glauben unterweist, soll diesem
Auftrag gerecht werden.
Röm 12,8 Wer andere ermutigen kann, der nutze diese Gabe. Wer beauftragt ist,
die Armen zu versorgen, soll das gerecht und unparteiisch tun. Wer eine Gemeinde
zu leiten hat, der setze sich ganz für sie ein. Wer Kranke und Alte zu pflegen
hat, der soll es gern tun.
Röm 12,9 Eure Liebe soll aufrichtig sein. Und wie ihr das Böse hassen müsst,
sollt ihr das Gute lieben.
Röm 12,10 Seid in herzlicher Liebe miteinander verbunden, gegenseitige Achtung
soll euer Zusammenleben bestimmen.
Röm 12,11 Bewältigt eure Aufgaben mit Fleiß, und werdet nicht nachlässig. Lasst
euch ganz von Gottes Geist durchdringen, und dient Gott, dem Herrn.
Röm 12,12 Seid fröhlich in der Hoffnung darauf, dass Gott seine Zusagen erfüllt.
Seid standhaft, wenn ihr verfolgt werdet. Und lasst euch durch nichts vom Gebet
abbringen.
Röm 12,13 Helft anderen Christen, die in Not geraten sind, und seid
gastfreundlich!
Röm 12,14 Bittet Gott um seinen Segen für alle, die euch verfolgen, ja, betet
für sie, anstatt sie zu verfluchen.
Röm 12,15 Freut euch mit den Fröhlichen! Weint aber auch mit den Trauernden!
Röm 12,16 Seid einmütig untereinander! Strebt nicht hoch hinaus, und seid euch
auch für geringe Aufgaben nicht zu schade. Hütet euch vor Selbstüberschätzung
und Besserwisserei.
Röm 12,17 Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Euer Verhalten soll bei
allen Menschen als ehrbar gelten.
Röm 12,18 Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt, lebt mit allen
Menschen in Frieden.
Röm 12,19 Liebe Freunde, verschafft euch nicht selbst Recht. Überlasst vielmehr
Gott das Urteil, denn er hat ja in der Heiligen Schrift gesagt: »Es ist allein
meine Sache, euch zu rächen. Ich, der Herr, werde ihnen alles vergelten.«
Röm 12,20 Handelt so, wie es die Heilige Schrift von euch verlangt: »Wenn dein
Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig, gib ihm zu trinken. So
wirst du ihn beschämen.«
Röm 12,21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das
Gute.
Röm 13,1 Jeder soll sich den bestehenden staatlichen Gewalten unterordnen. Denn
es gibt keine staatliche Macht, die nicht von Gott kommt; jede ist von Gott
eingesetzt.
Röm 13,2 Wer sich also den Regierenden widersetzt, handelt gegen die von Gott
eingesetzte Ordnung und wird dafür von ihm verurteilt werden.
Röm 13,3 Wer gut und richtig handelt, braucht die staatliche Macht ohnehin nicht
zu fürchten; das muss nur, wer Böses tut. Wollt ihr also ohne Angst vor
Bestrafung leben, dann tut, was richtig und gut ist, und euer Verhalten wird
Anerkennung finden.
Röm 13,4 Die öffentliche Gewalt steht im Dienst Gottes zum Nutzen jedes
Einzelnen. Wer aber Unrecht tut, muss sie fürchten, denn Gott hat ihr nicht ohne
Grund die Macht übertragen, Strafen zu verhängen. Sie handelt im Auftrag Gottes,
wenn sie alle bestraft, die Böses tun.
Röm 13,5 Es sind also zwei Gründe, weshalb ihr euch der staatlichen Macht
unterordnen müsst: Zum einen ist es das drohende Urteil Gottes, zum anderen aber
auch euer Gewissen.
Röm 13,6 Und weil die Vertreter des Staates ihren Dienst im Auftrag Gottes
ausüben, zahlt ihr Steuern.
Röm 13,7 Gebt also jedem, was ihr ihm schuldig seid. Zahlt die Steuern, die man
von euch verlangt, ebenso den Zoll. Unterstellt euch der staatlichen Macht, und
erweist denen, die Anspruch darauf haben, den notwendigen Respekt.
Röm 13,8 Bleibt keinem etwas schuldig! Eine Verpflichtung allerdings könnt ihr
nie ein für alle Mal erfüllen: eure Liebe untereinander. Nur wer seine
Mitmenschen liebt, der hat Gottes Gesetz erfüllt.
Röm 13,9 Die Gebote: »Du sollst nicht die Ehe brechen; du sollst nicht töten; du
sollst nicht stehlen; begehre nicht, was anderen gehört« und alle anderen Gebote
lassen sich in einem Satz zusammenfassen: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich
selbst.«
Röm 13,10 Denn wer seinen Mitmenschen liebt, tut ihm nichts Böses. So wird durch
die Liebe das ganze Gesetz erfüllt.
Röm 13,11 Liebt also eure Mitmenschen, denn ihr wisst doch, dass es Zeit ist,
aus aller Gleichgültigkeit aufzuwachen. Unserer endgültigen Erlösung sind wir
jetzt näher als zu Beginn unseres Glaubens.
Röm 13,12 Bald ist die Nacht vorüber, und der Tag bricht an. Deshalb wollen wir
uns von den finsteren Taten der Nacht trennen und uns stattdessen mit den Waffen
des Lichts rüsten.
Röm 13,13 Lasst uns ein gutes Leben führen, so wie es zum hellen Tag passt, ohne
Fressgelage und Saufereien, ohne sexuelle Zügellosigkeit und Ausschweifungen,
ohne Streit und Eifersucht.
Röm 13,14 Jesus Christus soll der Herr eures Lebens sein. Passt auf, dass sich
nicht alles um eure Wünsche und Begierden dreht!
Röm 14,1 Nehmt auch den ohne Vorbehalte an, dessen Glaube noch schwach ist.
Verwirrt ihn nicht noch dadurch, dass ihr über unterschiedliche Ansichten
streitet.
Röm 14,2 So essen die einen guten Gewissens alles, während andere meinen, kein
Fleisch essen zu dürfen.
Röm 14,3 Niemand sollte deswegen auf die verächtlich herabschauen, die bestimmte
Speisen meiden. Diese wiederum dürfen niemanden verurteilen, weil er das Fleisch
der Opfertiere isst. Denn Gott hat den einen wie den anderen in seine
Gemeinschaft aufgenommen.
Röm 14,4 Du bist nicht der Herr deines Mitmenschen. Mit welchem Recht willst du
ihn also verurteilen? Ob er im Glauben standfest bleibt oder ob er fällt, ist
eine Sache zwischen ihm und Gott, seinem Herrn. Und er wird im Glauben
festbleiben, denn der Herr hält ihn.
Röm 14,5 Für manche Leute sind bestimmte Tage von besonderer Bedeutung. Für
andere wieder sind alle Tage gleich. Jeder soll nach seiner Überzeugung leben.
Röm 14,6 Wer nämlich Fastentage einhält, der will damit Gott, den Herrn, ehren.
Und wer an solchen Tagen isst, der ehrt auch Gott, denn im Gebet dankt er ihm
für das Essen. Fastet aber jemand an diesen Tagen, dann fastet er aus Liebe zu
Gott, und auch er dankt Gott im Gebet und erweist ihm dadurch die Ehre.
Röm 14,7 Niemand von uns lebt für sich selbst, und niemand stirbt für sich
selbst.
Röm 14,8 Leben wir, dann leben wir für den Herrn, und sterben wir, dann sterben
wir für den Herrn. Ganz gleich also, ob wir leben oder sterben: Wir gehören dem
Herrn.
Röm 14,9 Denn Christus ist gestorben und zu neuem Leben auferstanden, um der
Herr der Toten und der Lebenden zu sein.
Röm 14,10 Mit welchem Recht verurteilst du also einen anderen Christen? Und
warum schaust du auf ihn herab, nur weil er sich anders verhält? Wir werden alle
einmal vor Gott stehen, und er wird über uns urteilen.
Röm 14,11 So steht es in der Heiligen Schrift: »So wahr ich lebe, spricht der
Herr: Vor mir werden alle niederknien, und alle werden bekennen, dass ich der
Herr bin!«
Röm 14,12 So wird also jeder für sich selbst vor Gott Rechenschaft ablegen
müssen.
Röm 14,13 Deshalb wollen wir uns nicht länger gegenseitig verurteilen. Keiner
soll durch sein Verhalten den anderen in Gewissensnot bringen oder in seinem
Glauben verunsichern.
Röm 14,14 Ich weiß, und Jesus, der Herr, bestätigt es mir, dass uns keine Speise
von Gott trennt, weil sie unrein wäre. Wer aber etwas für unrein hält, für den
ist es tatsächlich unrein.
Röm 14,15 Wenn du aber durch das, was du isst, einen anderen Christen verwirrst
oder ihn sogar dazu verführst, gegen sein Gewissen zu handeln, dann bist du
lieblos. Wegen irgendwelcher Speisen dürft ihr auf keinen Fall den Glauben eines
anderen gefährden, für den doch Christus auch gestorben ist.
Röm 14,16 Was Gott euch geschenkt hat, soll nicht in Verruf geraten.
Röm 14,17 Wo Gottes neue Welt beginnt, geht es nicht mehr um Essen und Trinken.
Es geht darum, dass wir gut und richtig miteinander umgehen und dass Gott uns
durch seinen Heiligen Geist mit Frieden und Freude erfüllt.
Röm 14,18 Wer Christus in dieser Weise dient, über den freut sich Gott und den
achten die Menschen.
Röm 14,19 Deshalb wollen wir uns mit allen Kräften darum bemühen, in Frieden
miteinander zu leben und einander im Glauben zu stärken.
Röm 14,20 Gott hat eure Gemeinde aufgebaut. Zerstört nicht sein Werk wegen
irgendwelcher Speisevorschriften. Zwar sind in Gottes Augen alle Speisen rein.
Manche Christen aber kommen in Gewissensnöte, wenn sie bestimmte Speisen essen.
Damit schaden sie sich selbst.
Röm 14,21 Deswegen isst du besser kein Fleisch, trinkst keinen Wein und
vermeidest überhaupt alles, was einen anderen Christen zu Fall bringt.
Röm 14,22 Wovon du persönlich überzeugt bist, ist eine Sache zwischen dir und
Gott. Glücklich ist, wer mit seiner Überzeugung vor dem eigenen Gewissen
bestehen kann und sich nicht selbst verurteilen muss.
Röm 14,23 Wer aber beim Essen zweifelt, ob es richtig ist, was er tut, der ist
schon verurteilt. Denn er handelt nicht im Vertrauen auf Christus. Alles aber,
was wir nicht in diesem Vertrauen tun, ist Sünde.
Röm 15,1 Wir, die einen starken Glauben haben, sind dazu verpflichtet, auf die
Schwachheit der anderen Rücksicht zu nehmen und nicht an uns selbst zu denken.
Röm 15,2 Jeder von uns soll sich so verhalten, dass er seinen Mitmenschen zum
Guten ermutigt und ihn im Glauben stärkt.
Röm 15,3 Auch Christus lebte nicht für sich selbst. Von ihm heißt es: »Die
Anfeindungen, die dir, Gott, galten, haben mich getroffen.«
Röm 15,4 Und aus dem, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt wurde, sollen wir
lernen. Sie ermutigt und tröstet uns, damit wir unsere Hoffnung auf ihre Zusagen
setzen und daran festhalten.
Röm 15,5 Gott aber, der uns immer wieder neuen Mut und Trost schenkt, helfe
euch, einmütig zu sein, so wie es euch Jesus Christus gezeigt hat.
Röm 15,6 Dann könnt ihr alle wie aus einem Mund Gott, den Vater unseres Herrn
Jesus Christus, loben und preisen.
Röm 15,7 Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat. Auf diese Weise
wird Gott geehrt.
Röm 15,8 Christus kam doch in diese Welt, um seinem Volk Israel zu dienen. Er
zeigte ihnen, wie treu Gott seine Zusagen hält, die er ihren Vorfahren gegeben
hat.
Röm 15,9 Auch die anderen Völker können Gott für seine Barmherzigkeit danken. So
steht es schon in der Heiligen Schrift: »Ich will dich loben, alle Völker sollen
es hören. Zu deiner Ehre will ich singen.«
Röm 15,10 Ebenso heißt es: »Jubelt, ihr Völker, zusammen mit seinem Volk
Israel!«
Röm 15,11 An einer anderen Stelle können wir lesen: »Lobt den Herrn, alle
Völker; preist ihn, alle Nationen!«
Röm 15,12 Und Jesaja prophezeite: »Der Trieb, der aus der Wurzel Davids
hervorsprießt, wird groß werden und über die Völker herrschen. Er wird ihre
einzige Hoffnung sein.«
Röm 15,13 Deshalb wünsche ich für euch alle, dass Gott, der diese Hoffnung
schenkt, euch in eurem Glauben mit großer Freude und vollkommenem Frieden
erfüllt, damit eure Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes wachse.
Röm 15,14 Liebe Brüder und Schwestern! Ich bin fest davon überzeugt, dass ihr
aufrichtig und gütig seid, weil ihr selbst wisst, wie viel Gott euch geschenkt
hat. Deshalb könnt ihr euch auch gegenseitig ermahnen.
Röm 15,15 Trotzdem habe ich mir die Freiheit genommen, euch an einige Dinge zu
erinnern, wobei ich stellenweise sehr deutlich geworden bin. Das habe ich getan,
weil Gott mich beauftragt hat,
Röm 15,16 als Diener Jesu Christi allen Menschen die rettende Botschaft zu
verkünden. Wie ein Priester im Tempel Gott dient und ihm opfert, so sehe ich
meinen Auftrag. Durch den Heiligen Geist sollen Menschen aus allen Völkern zu
Gott gehören und so eine Opfergabe werden, die ihm gefällt.
Röm 15,17 Ich bin vor Gott stolz auf alles, was Jesus Christus durch mich getan
hat.
Röm 15,18 Hätte nicht er es bewirkt, dass Menschen aus vielen Völkern zum
Glauben gekommen und Gott gehorsam geworden sind, würde ich es nicht wagen, auch
nur davon zu reden. So aber wirkte Gott durch meine Predigt und meinen Einsatz
Röm 15,19 und bestätigte dies alles durch Zeichen und Wunder seines Geistes. Von
Jerusalem bis hin zur Provinz Illyrien habe ich die rettende Botschaft von
Christus verbreitet und ihr Geltung verschafft.
Röm 15,20 Dabei war es mein großes Anliegen, nur dort zu predigen, wo man noch
nichts von Jesus Christus gehört hatte. Denn ich wollte nicht auf einem
Fundament aufbauen, das jemand anders gelegt hatte.
Röm 15,21 Ich folgte damit den Worten der Heiligen Schrift: »Gerade die sollen
ihn sehen, denen er nicht angekündigt war, und die noch nichts von ihm gehört
haben, werden ihn begreifen.«
Röm 15,22 Weil ich damit so beschäftigt war, bin ich auch bisher noch nicht bei
euch gewesen.
Röm 15,23 Aber jetzt habe ich meine Arbeit hier beendet, und wie ich es mir
schon seit Jahren sehnlichst wünsche, möchte ich nun zu euch kommen.
Röm 15,24 Ich habe vor, nach Spanien zu reisen, und bei dieser Gelegenheit hoffe
ich, euch in Rom persönlich kennen zu lernen. Wenn ich dann in der Gemeinschaft
mit euch neue Kraft geschöpft habe, könntet ihr mich vielleicht auf meiner
Weiterreise begleiten.
Röm 15,25 Im Augenblick bin ich auf dem Weg nach Jerusalem, um der Gemeinde dort
zu helfen.
Röm 15,26 Denn die Christen in den Provinzen Mazedonien und Achaja haben für die
Armen der Gemeinde von Jerusalem Geld gesammelt.
Röm 15,27 Sie haben das gern getan, weil sie gerade dieser Gemeinde viel Dank
schulden. Denn von Jerusalem aus hat sie die rettende Botschaft erreicht, und
insofern ist es nur recht und billig, dass sie jetzt der Jerusalemer Gemeinde in
ihrer Not helfen.
Röm 15,28 Sobald man mir dort bestätigt hat, dass ich das Geld ordnungsgemäß
abgeliefert habe, kann ich auf dem Weg nach Spanien zu euch kommen.
Röm 15,29 Ich weiß, dass ich euch dann den reichen Segen Jesu Christi
weitergeben werde.
Röm 15,30 Liebe Brüder und Schwestern, im Namen Jesu Christi und weil wir in der
Liebe des Heiligen Geistes miteinander verbunden sind, bitte ich euch: Helft mir
bei meinem Kampf, indem ihr für mich betet.
Röm 15,31 Bittet Gott, dass er mich vor denen in Judäa bewahrt, die nicht auf
die rettende Botschaft hören wollen. Und betet darum, dass meine Hilfe von den
Christen in Jerusalem dankbar angenommen wird.
Röm 15,32 Dann erst kann ich frohen Herzens zu euch kommen und - so Gott will -
mich über die Gemeinschaft mit euch freuen.
Röm 15,33 Gott aber, von dem aller Friede kommt, sei mit euch allen. Amen.
Röm 16,1 Unserer Schwester Phöbe, die im Dienst der Gemeinde von Kenchreä steht,
dürft ihr vertrauen.
Röm 16,2 Nehmt sie freundlich auf, wie es für Christen selbstverständlich ist.
Ihr tut es ja für den Herrn. Steht ihr bei, wo immer sie eure Hilfe braucht. Sie
selbst hat auch vielen geholfen, die in Not waren, nicht zuletzt mir.
Röm 16,3 Grüßt Priszilla und Aquila, die mit mir zusammen Jesus Christus dienen.
Röm 16,4 Sie haben ihr Leben für mich gewagt, und ich bin nicht der Einzige, der
ihnen zu Dank verpflichtet ist. Auch die nichtjüdischen Gemeinden verdanken
ihnen viel.
Röm 16,5 Grüßt die ganze Gemeinde von mir, die sich in ihrem Haus versammelt.
Grüßt meinen lieben Epänetus, der als Erster in der Provinz Asia zum Glauben an
Jesus Christus kam.
Röm 16,6 Grüßt Maria von mir, die sich so viel Mühe um euch gemacht hat.
Röm 16,7 Herzliche Grüße auch an Andronikus und Junia, meine jüdischen
Landsleute, die mit mir wegen ihres Glaubens im Gefängnis waren. Beide sind ja
noch vor mir Christen geworden und sind als Apostel hoch angesehen.
Röm 16,8 Grüßt Ampliatus, mit dem ich mich im Glauben verbunden weiß,
Röm 16,9 unseren Mitarbeiter Urbanus sowie den lieben Stachys.
Röm 16,10 Grüßt ebenso Apelles, diesen im Glauben bewährten Mann. Meine besten
Wünsche gelten denen, die im Haus des Aristobul leben.
Röm 16,11 Grüßt meinen Landsmann Herodion und die Christen im Haus des
Narzissus.
Röm 16,12 Viele Grüße auch an Tryphäna und Tryphosa sowie meine liebe Persis,
die alle so unermüdlich für den Herrn arbeiten.
Röm 16,13 Grüßt Rufus, den der Herr zu seinem Dienst auserwählt hat, und seine
liebe Mutter, die auch mir eine Mutter gewesen ist.
Röm 16,14 Herzliche Grüße außerdem an Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas,
Hermas und die anderen Christen bei ihnen.
Röm 16,15 Schließlich möchte ich noch Philologus, Julia, Nereus und dessen
Schwester grüßen sowie Olympas und alle Christen, die bei ihnen sind.
Röm 16,16 Grüßt einander mit dem Friedenskuss. Alle Gemeinden hier lassen euch
grüßen.
Röm 16,17 Zum Schluss, meine lieben Brüder und Schwestern, muss ich euch noch
vor Leuten warnen, die eure Gemeinde spalten und durcheinander bringen. Sie
verbreiten eine andere Lehre und widersprechen dem, was ihr gelernt habt. Mit
solchen Leuten sollt ihr nichts zu tun haben.
Röm 16,18 Denn sie dienen nicht unserem Herrn Christus. Es geht ihnen nur um die
Erfüllung ihrer persönlichen Wünsche und Begierden. Mit schönen Worten und
Schmeicheleien verführen sie ihre arglosen Zuhörer.
Röm 16,19 Von euch allerdings hört man nur Gutes. Jeder weiß, dass ihr tut, was
Gott von euch möchte. Darüber freue ich mich. Ich wünsche, dass ihr auch in
Zukunft voller Weisheit beim Guten bleibt und euch nicht vom Bösen verderben
lasst.
Röm 16,20 Denn Gott, von dem aller Friede kommt, wird bei euch den Satan bald
endgültig besiegt haben. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!
Röm 16,21 Mein Mitarbeiter Timotheus und meine Landsleute Luzius, Jason und
Sosipater schicken euch viele Grüße.
Röm 16,22 Auch ich, Tertius, möchte euch als meine Mitchristen herzlich grüßen.
Paulus hat mir diesen Brief an euch diktiert.
Röm 16,23 Gajus lässt ebenfalls herzlich grüßen. Ich bin sein Gast, und die
ganze Gemeinde trifft sich hier in seinem Haus. Erastus, der Stadtkämmerer, und
unser Freund Quartus schicken euch viele Grüße.
Röm 16,24 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen! Amen.
Röm 16,25 Gott sei gelobt! Er gibt euch Kraft und Stärke durch die rettende
Botschaft von Jesus Christus. Durch meine Predigt habt ihr davon gehört, und nun
lässt diese Botschaft euch erkennen, was seit ewigen Zeiten verborgen war.
Röm 16,26 Schon die Propheten haben in den Heiligen Schriften davon gesprochen,
und nach dem Willen des ewigen Gottes sollen nun Menschen aus allen Völkern die
rettende Botschaft hören, Gott vertrauen und tun, was ihm gefällt.
Röm 16,27 Dem allein weisen Gott, den wir durch Jesus Christus kennen, ihm
gehören Lob und Ehre in alle Ewigkeit. Amen!
1Kor 1,1 Paulus, den Gott zum Apostel Jesu Christi berufen hat, und sein
Mitarbeiter Sosthenes schreiben diesen Brief
1Kor 1,2 an die Gemeinde Gottes in Korinth, an alle, die durch Jesus Christus zu
Gott gehören. Gott hat euch dazu berufen, so zu leben, wie es ihm gefällt. Unser
Brief richtet sich auch an alle anderen, die Jesus Christus auf der ganzen Welt
als unseren gemeinsamen Herrn anbeten.
1Kor 1,3 Ich wünsche euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem
Herrn Jesus Christus.
1Kor 1,4 Immer wieder danke ich Gott dafür, dass er euch durch Jesus Christus
seine unverdiente Güte geschenkt hat.
1Kor 1,5 Durch ihn seid ihr in allem reich geworden, er hat euch in reichem Maß
befähigt, seine Botschaft zu verkünden und zu verstehen.
1Kor 1,6 Die Botschaft von Christus ist der feste Grund eures Glaubens.
1Kor 1,7 Darum fehlt bei euch keine der Gaben, die Gottes Geist den Glaubenden
schenkt. So wartet ihr darauf, dass Jesus Christus, unser Herr, für alle
sichtbar kommt.
1Kor 1,8 Er wird euch die Kraft geben, im Glauben festzubleiben und das Ziel zu
erreichen, so dass ihr vor ihm bestehen könnt, wenn er kommt.
1Kor 1,9 Darauf könnt ihr euch verlassen, denn Gott steht zu seinem Wort. Er
selbst hat euch ja zur Gemeinschaft mit seinem Sohn, unserem Herrn Jesus
Christus, berufen.
1Kor 1,10 Liebe Brüder und Schwestern, im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus
möchte ich euch aber bitten: Hört auf, euch zu streiten! Duldet keine Spaltungen
in der Gemeinde, sondern steht fest zusammen, seid einig in allem, was ihr
glaubt und entscheidet!
1Kor 1,11 Von Leuten aus dem Haus der Chloë habe ich erfahren, dass ihr Streit
miteinander habt.
1Kor 1,12 Es soll einige bei euch geben, die sagen: »Wir gehören zu Paulus«,
während andere erklären: »Wir halten uns an Apollos!« Die Nächsten meinen: »Nur
was Petrus sagt, ist richtig!«; und die letzte Gruppe behauptet schließlich:
»Wir gehören allein zu Christus!«
1Kor 1,13 Was soll das? Wollt ihr etwa Christus zerteilen? Bin denn ich, Paulus,
für euch gekreuzigt worden? Oder wurdet ihr auf meinen Namen getauft?
1Kor 1,14 Ich danke Gott dafür, dass ich außer Krispus und Gajus niemanden von
euch getauft habe.
1Kor 1,15 Sonst würdet ihr vielleicht noch behaupten, ich hätte euch getauft,
damit ihr mir nachfolgt!
1Kor 1,16 Da fällt mir ein, dass ich auch Stephanas getauft habe und alle, die
in seinem Haus leben. Von anderen aber weiß ich nichts.
1Kor 1,17 Christus hat mich nicht beauftragt, die Menschen zu taufen, sondern
die rettende Botschaft zu verkünden. Dabei geht es mir nun wirklich nicht darum,
meine Zuhörer durch menschliche Weisheit zu beeindrucken. Denn sonst wäre die
Botschaft, dass Christus am Kreuz für uns starb, nicht mehr der Mittelpunkt
unseres Glaubens.
1Kor 1,18 Dass Jesus Christus am Kreuz für uns starb, muss freilich all denen,
die verloren gehen, unsinnig erscheinen. Wir aber, die gerettet werden, erfahren
gerade durch diese Botschaft vom Kreuz die ganze Macht Gottes.
1Kor 1,19 Denn Gott spricht in der Heiligen Schrift: »Bei mir zählt nicht die
Weisheit der Welt, nicht die Klugheit der Klugen. Ich werde sie verwerfen.«
1Kor 1,20 Was aber haben sie dann noch zu sagen, all diese Philosophen, die
Kenner der heiligen Schriften, die redegewandten Leute dieser Welt? Hat Gott
ihre Weisheiten nicht als Unsinn entlarvt?
1Kor 1,21 Denn Gott in seiner Weisheit hat es den Menschen unmöglich gemacht,
mit Hilfe ihrer eigenen Weisheit Gott zu erkennen. Stattdessen beschloss er,
alle zu retten, die einer scheinbar so unsinnigen Botschaft glauben.
1Kor 1,22 Die Juden wollen Wunder sehen, und die Griechen suchen nach Weisheit.
1Kor 1,23 Wir aber sagen den Menschen, dass Christus am Kreuz für uns sterben
musste, auch wenn das für die Juden eine Gotteslästerung ist und für die
Griechen blanker Unsinn.
1Kor 1,24 Und dennoch erfahren alle, die von Gott berufen sind - Juden wie
Griechen -, dass sich gerade in diesem gekreuzigten Christus Gottes Kraft und
Gottes Weisheit zeigen.
1Kor 1,25 Was Gott getan hat, übersteigt alle menschliche Weisheit, auch wenn es
unsinnig erscheint; und was bei ihm wie Schwäche aussieht, übertrifft alle
menschliche Stärke.
1Kor 1,26 Schaut euch selbst an, liebe Brüder und Schwestern! Sind unter euch,
die Gott berufen hat, wirklich viele, die man als gebildet und einflussreich
bezeichnen könnte oder die aus einer vornehmen Familie stammen?
1Kor 1,27 Nein, denn Gott hat sich die aus menschlicher Sicht Törichten
ausgesucht, um so die Klugen zu beschämen. Gott nahm sich der Schwachen dieser
Welt an, um die Starken zu demütigen.
1Kor 1,28 Wer von Menschen geringschätzig behandelt, ja verachtet wird, wer bei
ihnen nichts zählt, den will Gott für sich haben. Aber alles, worauf Menschen so
großen Wert legen, das hat Gott für null und nichtig erklärt.
1Kor 1,29 Vor Gott kann sich niemand etwas auf sein Können einbilden.
1Kor 1,30 Auch ihr verdankt alles, was ihr seid, der Gemeinschaft mit Jesus
Christus. Er ist Gottes Weisheit für uns. Durch ihn haben wir Anerkennung vor
Gott gefunden, durch ihn können wir ein Leben führen, wie es Gott gefällt, und
durch ihn sind wir auch befreit von unserer Schuld.
1Kor 1,31 So trifft nun zu, was die Heilige Schrift sagt: »Wenn jemand stolz
sein will, soll er auf das stolz sein, was Gott für ihn getan hat!«
1Kor 2,1 Liebe Brüder und Schwestern! Als ich zu euch kam und euch Gottes
Botschaft brachte, die bisher noch nicht bekannt war, habe ich das nicht mit
geschliffener Rede und menschlicher Weisheit getan.
1Kor 2,2 Ich wollte von nichts anderem sprechen als von Jesus Christus und
seinem Tod am Kreuz.
1Kor 2,3 Dabei war ich schwach und elend und zitterte vor Angst.
1Kor 2,4 Was ich euch sagte und predigte, geschah nicht mit ausgeklügelter
Überredungskunst, durch mich sprach Gottes Geist und wirkte seine Kraft.
1Kor 2,5 Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen,
sondern auf Gottes rettende Kraft.
1Kor 2,6 Dennoch erkennt jeder im Glauben gereifte Christ, wie wahr und voller
Weisheit diese Botschaft ist, auch wenn diese Welt und ihre Machthaber das nicht
als Weisheit gelten lassen wollen. Aber die Welt mit all ihrer Macht wird
untergehen.
1Kor 2,7 Die Weisheit, die wir verkünden, ist Gottes Weisheit. Sie bleibt ein
Geheimnis und vor den Augen der Welt verborgen. Und doch hat Gott, noch ehe er
die Welt schuf, beschlossen, uns an seiner Weisheit und Herrlichkeit teilhaben
zu lassen.
1Kor 2,8 Von den Herrschern dieser Welt hat das keiner erkannt. Sonst hätten sie
Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht ans Kreuz geschlagen.
1Kor 2,9 Es ist vielmehr das eingetreten, was schon in der Heiligen Schrift
vorausgesagt ist: »Was kein Auge jemals sah, was kein Ohr jemals hörte und was
sich kein Mensch vorstellen kann, das hält Gott für die bereit, die ihn lieben.«
1Kor 2,10 Uns aber hat Gott durch seinen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der
Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken.
1Kor 2,11 So wie jeder Mensch nur ganz allein weiß, was in ihm vorgeht, so weiß
auch nur der Geist Gottes, was Gottes Gedanken sind.
1Kor 2,12 Wir haben nicht den Geist dieser Welt bekommen, sondern den Geist
Gottes. Und deshalb können wir auch erkennen, was Gott für uns getan hat.
1Kor 2,13 Was wir euch verkünden, kommt nicht aus menschlicher Klugheit, sondern
wird uns vom Geist Gottes eingegeben. Und so können wir Gottes Geheimnisse
verstehen, weil wir uns von seinem Geist leiten lassen.
1Kor 2,14 Der Mensch kann mit seinen natürlichen Fähigkeiten nicht erfassen, was
Gottes Geist sagt. Für ihn ist das alles Unsinn, denn Gottes Geheimnisse
erschließen sich nur durch Gottes Geist.
1Kor 2,15 Der von Gottes Geist erfüllte Mensch kann alles beurteilen, er selbst
aber ist keinem menschlichen Urteil unterworfen.
1Kor 2,16 Es steht ja schon in der Heiligen Schrift: »Wer kann die Gedanken des
Herrn erkennen, oder wer könnte gar Gottes Ratgeber sein?« Nun, wir haben den
Geist Christi empfangen und können ihn verstehen.
1Kor 3,1 Liebe Brüder und Schwestern! Ich konnte allerdings zu euch nicht wie zu
Menschen reden, die sich vom Geist Gottes leiten lassen und im Glauben erwachsen
sind. Ihr wart noch wie kleine Kinder, die ihren eigenen Wünschen folgen.
1Kor 3,2 Darum habe ich euch nur Milch und keine feste Nahrung gegeben, denn die
hättet ihr gar nicht vertragen. Selbst jetzt vertragt ihr diese Nahrung noch
nicht;
1Kor 3,3 denn ihr lebt immer noch so, als würdet ihr Christus nicht kennen.
Beweisen Neid und Streit unter euch nicht, dass ihr immer noch wie alle anderen
Menschen denkt und lebt?
1Kor 3,4 Wenn die einen unter euch sagen: »Ich gehöre zu Paulus!«, und andere:
»Ich zu Apollos!«, dann benehmt ihr euch, als hätte Christus euch nicht zu neuen
Menschen gemacht.
1Kor 3,5 Wer ist denn schon Apollos oder Paulus, dass ihr euch deshalb streitet?
Wir sind doch nur Diener Gottes, durch die ihr zum Glauben gekommen seid. Jeder
von uns hat lediglich getan, was ihm von Gott aufgetragen wurde.
1Kor 3,6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, aber Gott hat euren Glauben
wachsen lassen.
1Kor 3,7 Es ist nicht so wichtig, wer pflanzt und wer begießt; wichtig ist
allein Gott, der euren Glauben wachsen lässt.
1Kor 3,8 Von Gottes Mitarbeitern ist einer so notwendig wie der andere, ob er
nun das Werk beginnt oder weiterführt. Jeder wird von Gott den gerechten Lohn
für seine Arbeit bekommen.
1Kor 3,9 Wir sind Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Ackerland und sein
Bauwerk.
1Kor 3,10 Gott hat mir in seiner Gnade den Auftrag und die Fähigkeit gegeben,
wie ein guter Bauleiter das Fundament zu legen. Doch andere bauen nun darauf
weiter. Und jeder muss darauf achten, dass er wirklich sorgfältig arbeitet.
1Kor 3,11 Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand
kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen.
1Kor 3,12 Nun kann man mit den unterschiedlichsten Materialien weiterbauen.
Manche verwenden Gold, Silber, kostbare Steine, andere nehmen Holz, Schilf oder
Stroh.
1Kor 3,13 Doch an dem Tag, an dem Christus sein Urteil spricht, wird sich
zeigen, womit jeder gebaut hat. Dann nämlich wird alles im Feuer auf seinen Wert
geprüft, und es wird sichtbar, wessen Arbeit dem Feuer standhält.
1Kor 3,14 Hat jemand fest und dauerhaft auf dem Fundament Christus weitergebaut,
wird Gott ihn belohnen.
1Kor 3,15 Verbrennt aber sein Werk, wird er alles verlieren. Er selbst wird zwar
gerettet werden, aber nur mit knapper Not, so wie man jemanden aus dem Feuer
zieht.
1Kor 3,16 Denkt also daran, dass ihr Gottes Tempel seid und dass Gottes Geist in
euch wohnt!
1Kor 3,17 Wer diesen Tempel zerstört, den wird Gott richten. Denn Gottes Tempel
ist heilig, und dieser Tempel seid ihr!
1Kor 3,18 Macht euch doch nichts vor! Wer sich einbildet, in dieser Welt
besonders klug und weise zu sein, der muss den Mut aufbringen, als töricht zu
gelten. Nur dann wird er wirklich weise.
1Kor 3,19 Denn alle Weisheit dieser Welt ist in den Augen Gottes blanker Unsinn.
So steht es schon in der Heiligen Schrift: »Er fängt die Klugen mit ihrer
eigenen List.«
1Kor 3,20 Und außerdem heißt es: »Der Herr durchschaut die menschlichen Gedanken
und weiß: Sie sind oberflächlich und hohl.«
1Kor 3,21 Merkt ihr, wie unsinnig es ist, sich auf das Können von Menschen etwas
einzubilden? Euch gehört doch ohnehin alles:
1Kor 3,22 Paulus, Apollos und Petrus, ja die ganze Welt, das Leben wie der Tod,
die Gegenwart wie die Zukunft - alles gehört euch!
1Kor 3,23 Ihr selbst aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.
1Kor 4,1 Seht in uns Diener Christi und Boten, die Gottes Geheimnisse verkünden.
1Kor 4,2 Von solchen Boten verlangt man vor allem Zuverlässigkeit.
1Kor 4,3 Wie es bei mir damit steht? Mir ist es nicht so wichtig, wie ihr oder
irgendein menschliches Gericht in diesem Punkt über mich urteilen. Ich maße mir
auch über mich selbst kein Urteil an.
1Kor 4,4 Zwar bin ich mir keiner Schuld bewusst, aber damit bin ich noch nicht
freigesprochen. Entscheidend ist allein Gottes Urteil.
1Kor 4,5 Deshalb urteilt niemals voreilig! Wenn Christus kommt, wird er alles
ans Licht bringen, auch unsere geheimsten Wünsche und Gedanken. Dann wird Gott
jeden so loben, wie er es verdient hat.
1Kor 4,6 Liebe Brüder und Schwestern, ich habe jetzt nur von Apollos und mir
gesprochen. An unserem Beispiel sollt ihr lernen, was der Satz bedeutet: »Geht
nicht über das hinaus, was in der Heiligen Schrift steht.« Seid nicht
überheblich, und spielt darum nicht einen von uns gegen den anderen aus!
1Kor 4,7 Woher nimmst du dir das Recht dazu? Bist du etwas Besonderes? Alles,
was du besitzt, hat Gott dir doch geschenkt. Hat er dir aber alles geschenkt,
wie kannst du dann damit prahlen, als wäre es dein eigenes Verdienst?
1Kor 4,8 Aber ihr seid ja so satt und selbstzufrieden. Ihr haltet euch für so
reich, dass ihr anscheinend nichts mehr braucht. Ihr bildet euch ein, schon
jetzt herrschen zu können, als ob Christus bereits wiedergekommen wäre. Uns
braucht ihr dabei nicht. Ich wünschte, ihr würdet wirklich schon mit Christus
herrschen. Dann wären auch wir am Ziel unseres Glaubens und könnten mit euch
regieren.
1Kor 4,9 Doch ich meine, dass Gott uns, seine Apostel, auf den letzten Platz
verwiesen hat, dem Tod näher als dem Leben. Wie in einer Arena kämpfen wir vor
den Augen der ganzen Welt. Menschen und Engel beobachten gespannt, wie dieser
Kampf ausgehen wird.
1Kor 4,10 Uns hält man für Narren, weil wir an Christus glauben; euch aber hält
man aus dem gleichen Grund für klug. Wir sind schwach; ihr aber seid stark. Ihr
werdet geachtet und geehrt; wir aber werden ausgelacht.
1Kor 4,11 Bis heute leiden wir Hunger und Durst, und unsere Kleider sind kaum
mehr als Lumpen. Wir werden geschlagen und herumgestoßen, nirgendwo haben wir
ein Zuhause.
1Kor 4,12 Wir arbeiten hart für unseren Lebensunterhalt. Wenn man uns beleidigt,
dann segnen wir. Verfolgt man uns, wehren wir uns nicht dagegen;
1Kor 4,13 und wenn man uns verhöhnt, antworten wir freundlich. Wir waren schon
immer die Sündenböcke für die ganze Welt, der Müllhaufen, auf dem jeder seinen
Unrat ablädt.
1Kor 4,14 Ich schreibe das alles nicht, um euch zu beschämen. Vielmehr möchte
ich euch, meine geliebten Kinder, ermahnen und wieder auf den rechten Weg
bringen.
1Kor 4,15 Selbst wenn ihr zehntausend Erzieher hättet, die euch im Glauben
unterweisen, so habt ihr doch nicht viele Väter. Denn ich habe euch die rettende
Botschaft von Jesus Christus gebracht, und dadurch habt ihr das Leben empfangen.
1Kor 4,16 Darum bitte ich euch: Folgt meinem Beispiel!
1Kor 4,17 Weil mir so viel daran liegt, habe ich Timotheus zu euch geschickt.
Durch den Glauben ist er mir ein lieber und treuer Sohn geworden. Er wird euch
daran erinnern, wie ich in der Verbindung mit Christus lebe. So lehre ich es
auch in allen anderen Gemeinden.
1Kor 4,18 Einige von euch behaupten lautstark, ich würde es gar nicht mehr
wagen, selbst nach Korinth zu kommen.
1Kor 4,19 Aber ich werde bald bei euch sein, wenn der Herr es zulässt! Dann
interessieren mich nicht die großen Sprüche dieser aufgeblasenen Leute, sondern
was dahinter steckt.
1Kor 4,20 Denn Gott gründet seine neue Welt nicht auf Worte, sondern auf seine
Kraft.
1Kor 4,21 Entscheidet also selbst: Soll ich den Stock bei euch gebrauchen oder
mit Liebe und Freundlichkeit zu euch kommen?
1Kor 5,1 Ich habe gehört, dass ihr in eurer Gemeinde Leute duldet, die verbotene
sexuelle Beziehungen eingegangen sind, und zwar soll einer von euch mit seiner
Stiefmutter zusammenleben. So etwas ist nicht einmal bei den Menschen erlaubt,
die Gott nicht kennen!
1Kor 5,2 Ihr aber seid auch noch eingebildet. Müsstet ihr nicht stattdessen
traurig und beschämt diesen Mann aus der Gemeinde ausschließen?
1Kor 5,3 Ich selbst bin zwar nicht persönlich, aber doch im Geist bei euch. Und
so habe ich - als wäre ich mitten unter euch - bereits mein Urteil über den
Schuldigen gefällt.
1Kor 5,4 Wenn ihr im Namen Jesu Christi zusammenkommt, werde ich im Geist bei
euch sein. Dann wollen wir gemeinsam in der Kraft unseres Herrn Jesus
1Kor 5,5 diesen Mann dem Satan ausliefern. Er soll die zerstörende Macht des
Bösen an seinem Leib erfahren, damit sein Geist am Tag des Gerichts gerettet
werden kann.
1Kor 5,6 Ihr habt wirklich nicht den geringsten Grund zur Überheblichkeit. Wisst
ihr nicht, dass schon ein wenig Sauerteig genügt, um den ganzen Teig zu
durchsäuern?
1Kor 5,7 Entfernt jeden Rest des alten Sauerteigs, damit ihr ein neuer,
ungesäuerter Teig werdet. Ihr seid doch rein, weil Jesus Christus als unser
Passahlamm geopfert wurde.
1Kor 5,8 Darum lasst uns das Passahfest feiern: nicht mit Brot aus dem alten
Sauerteig von Sünde und Bösem, sondern mit ungesäuertem Brot der Reinheit und
Wahrhaftigkeit.
1Kor 5,9 Ich habe euch schon einmal geschrieben, dass ihr nichts mit Leuten zu
tun haben sollt, die sexuell zügellos leben.
1Kor 5,10 Damit habe ich freilich nicht alle auf der Welt gemeint, die zügellos
leben, habgierig sind, die Götzen anbeten oder stehlen. Sonst müsstet ihr ja die
Welt verlassen.
1Kor 5,11 Nein, ich meinte, dass ihr euch von all denen trennen sollt, die sich
Christen nennen und trotzdem verbotene sexuelle Beziehungen eingehen, Götzen
anbeten, die geldgierig sind, Gotteslästerer, Trinker oder Diebe. Mit solchen
Leuten sollt ihr keinerlei Gemeinschaft haben.
1Kor 5,12 [12/13] Es ist nicht unsere Aufgabe, Leute zu verurteilen, die nicht
zur Gemeinde gehören. Das wird Gott tun. Aber für das, was in der Gemeinde
geschieht, tragt ihr die Verantwortung. »Entfernt den Bösen aus eurer Mitte!«,
heißt es schon bei Mose.
1Kor 6,1 Wie ist es möglich, dass ihr als Christen eure Streitigkeiten vor
ungläubigen Richtern austragt, statt die Gemeinde um Rat zu bitten!
1Kor 6,2 Wisst ihr denn nicht, dass wir als Christen einmal über die Welt
richten werden? Dann müsstet ihr doch auch diese Kleinigkeiten unter euch selbst
regeln können.
1Kor 6,3 Habt ihr vergessen, dass wir sogar die Engel richten werden? Müsstet
ihr dann nicht erst recht eure alltäglichen Streitigkeiten schlichten können?
1Kor 6,4 Aber ihr lauft damit zu Richtern, die in der Gemeinde nichts zu sagen
haben.
1Kor 6,5 Traurig, dass ich darüber reden muss! Gibt es denn in der ganzen
Gemeinde keinen Einzigen, der Streit zwischen euch schlichten kann?
1Kor 6,6 Stattdessen zieht ein Christ den anderen vor Gericht und verklagt ihn
vor den Ungläubigen.
1Kor 6,7 Schlimm genug, dass ihr überhaupt Streit miteinander habt! Weshalb
ertragt ihr nicht lieber Unrecht, und warum nehmt ihr nicht eher Nachteile in
Kauf, anstatt auf euer Recht zu pochen?
1Kor 6,8 Doch ihr tut selbst Unrecht und betrügt andere; sogar eure Brüder und
Schwestern in der Gemeinde!
1Kor 6,9 Habt ihr vergessen, dass für Menschen, die Unrecht tun, in Gottes neuer
Welt kein Platz sein wird? Täuscht euch nicht: Wer verbotene sexuelle
Beziehungen eingeht, andere Götter anbetet, die Ehe bricht, wer sich von seinen
Begierden treiben lässt und homosexuell verkehrt, wird nicht in Gottes neue Welt
kommen;
1Kor 6,10 auch kein Dieb, kein Ausbeuter, kein Trinker, kein Gotteslästerer oder
Räuber.
1Kor 6,11 Und all das sind einige von euch gewesen. Aber jetzt sind eure Sünden
abgewaschen. Ihr gehört nun ganz zu Gott; durch Jesus Christus und durch den
Geist unseres Gottes seid ihr freigesprochen.
1Kor 6,12 »Es ist alles erlaubt«, sagt ihr. Das mag stimmen, aber es ist nicht
alles gut für euch. Mir ist alles erlaubt, aber ich will mich nicht von
irgendetwas beherrschen lassen.
1Kor 6,13 Wenn ihr schreibt: »Das Essen ist für den Bauch, und der Bauch für das
Essen«, dann ist das schon richtig. Und ebenso gewiss hat Gott beides - das
Essen wie den Bauch - zur Vergänglichkeit bestimmt. Aber das bedeutet nicht,
dass Gott uns den Körper gab, damit wir sexuell zügellos leben! Vielmehr wurde
auch unser Körper zum Dienst für den Herrn geschaffen. Deshalb ist es Gott nicht
gleichgültig, wie wir damit umgehen.
1Kor 6,14 Denn Gott wird uns durch seine Kraft vom Tod zum ewigen Leben
auferwecken, so wie er Christus auferweckt hat.
1Kor 6,15 Wisst ihr denn nicht, dass auch euer Körper zum Leib Jesu Christi
gehört? Wollt ihr wirklich den Leib Christi mit dem einer Hure vereinigen?
Niemals!
1Kor 6,16 Denn wer sich mit einer Hure einlässt, der wird ein Leib mit ihr. So
heißt es schon in der Heiligen Schrift von Mann und Frau: »Die zwei werden eins
sein mit Leib und Seele.«
1Kor 6,17 Wenn ihr dagegen in enger Verbindung mit dem Herrn lebt, werdet ihr
mit ihm eins sein durch seinen Geist.
1Kor 6,18 Deshalb warne ich euch eindringlich vor jeder verbotenen sexuellen
Beziehung! Denn mit keiner anderen Sünde vergeht man sich so sehr am eigenen
Körper wie mit sexueller Zügellosigkeit.
1Kor 6,19 Oder habt ihr etwa vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen
Geistes ist, der in euch wohnt und den euch Gott gegeben hat? Ihr gehört also
nicht mehr euch selbst.
1Kor 6,20 Gott hat euch freigekauft, damit ihr ihm gehört; nun dient auch mit
eurem Körper dem Ansehen Gottes in der Welt.
1Kor 7,1 Nun zu der Frage, die ihr mir in eurem Brief gestellt habt. Ihr sagt:
»Es ist gut für einen Mann, überhaupt nicht zu heiraten.«
1Kor 7,2 Ja, aber damit niemand zu einem sexuell zügellosen Leben verleitet
wird, ist es besser, wenn jeder Mann seine Frau und jede Frau ihren Mann hat.
1Kor 7,3 Der Mann soll seine Frau nicht vernachlässigen, und die Frau soll sich
ihrem Mann nicht entziehen,
1Kor 7,4 denn weder die Frau noch der Mann dürfen eigenmächtig über ihren Körper
verfügen; sie gehören einander.
1Kor 7,5 Keiner soll sich dem Ehepartner verweigern, außer beide wollen eine
Zeit lang verzichten, um für das Gebet frei zu sein. Danach kommt wieder
zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führen kann, weil ihr euch
nicht enthalten könnt.
1Kor 7,6 Ich sage euch dies als Rat, nicht als Befehl.
1Kor 7,7 Ich wünschte zwar, jeder würde wie ich ehelos leben. Aber jeder hat von
Gott eine besondere Gabe bekommen: Die einen leben nach seinem Willen in der
Ehe, die anderen bleiben unverheiratet.
1Kor 7,8 Den Unverheirateten und Verwitweten rate ich, lieber ledig zu bleiben,
wie ich es bin.
1Kor 7,9 Wenn ihnen das Alleinsein aber zu schwer fällt, sollen sie heiraten.
Denn das ist besser, als von unerfülltem Verlangen beherrscht zu werden.
1Kor 7,10 Was ich jetzt den Verheirateten sage, ist kein persönlicher Rat,
sondern ein Gebot unseres Herrn: Keine Frau darf sich von ihrem Mann scheiden
lassen.
1Kor 7,11 Hat sie sich aber doch von ihm getrennt, soll sie unverheiratet
bleiben oder sich wieder mit ihrem Mann versöhnen. Dasselbe gilt für den Mann.
1Kor 7,12 Für alle anderen Fälle gibt es keinen ausdrücklichen Befehl des Herrn.
Deshalb rate ich: Wenn ein Christ eine ungläubige Frau hat, die bei ihm bleiben
will, soll er sich nicht von ihr trennen.
1Kor 7,13 Und wenn eine Christin einen ungläubigen Mann hat, der bei ihr bleiben
will, soll sie ihn nicht verlassen.
1Kor 7,14 Denn der ungläubige Mann steht durch seine gläubige Frau unter dem
Einfluss Gottes, ebenso die ungläubige Frau durch ihren gläubigen Mann. Sonst
würden ja auch eure Kinder fern von Gott sein. Doch auch sie stehen unter Gottes
Segen.
1Kor 7,15 Wenn aber der ungläubige Partner auf einer Trennung besteht, dann
willigt in die Scheidung ein. In einem solchen Fall ist der christliche Partner
nicht länger an den anderen gebunden. Denn Gott will, dass ihr in Frieden lebt.
1Kor 7,16 Es ist ja nicht sicher, ob du als Frau deinen Mann zu Christus führen
kannst oder ob du als Mann deiner Frau zum Glauben verhelfen wirst.
1Kor 7,17 Grundsätzlich möchte ich sagen: Jeder soll in der Lebensform bleiben,
in der er lebte, als er Christ wurde. So ordne ich es in allen Gemeinden an.
1Kor 7,18 Darum soll jemand, der nach jüdischem Gesetz beschnitten wurde, sich
auch als Christ zu seiner Beschneidung bekennen. Wurde er aber nicht
beschnitten, soll er die Beschneidung auch nicht nachholen.
1Kor 7,19 Denn Gott kommt es nicht darauf an, ob wir beschnitten sind oder
nicht. Bei ihm zählt allein, ob wir nach seinen Geboten leben.
1Kor 7,20 Jeder soll Gott an dem Platz dienen, an dem ihn Gottes Ruf erreichte.
1Kor 7,21 Bist du als Sklave ein Christ geworden? Mach dir deswegen keine
Sorgen! Kannst du aber frei werden, dann nutze die Gelegenheit.
1Kor 7,22 Wer als Sklave Christus gehört, der ist von ihm aus der Sklaverei der
Sünde freigekauft worden. Ein freier Mann aber, der dem Herrn gehört, ist
dadurch ein Sklave Christi.
1Kor 7,23 Christus hat euch freigekauft; ihr gehört jetzt allein ihm. Lasst euch
nicht wieder von Menschen versklaven!
1Kor 7,24 Deshalb, liebe Brüder und Schwestern, soll jeder an dem Platz bleiben,
an dem er war, als Gott ihn zum Glauben rief. Dort soll er ihm dienen.
1Kor 7,25 Für die Unverheirateten hat der Herr keine ausdrückliche Anweisung
gegeben. Aber ich bin vom Herrn in seiner Gnade dazu bestimmt worden,
vertrauenswürdig zu sein. Darum möchte ich euch meine Meinung sagen.
1Kor 7,26 Wenn ich daran denke, welch schwere Zeiten uns bevorstehen, scheint es
mir das Beste zu sein, wenn man unverheiratet bleibt.
1Kor 7,27 Hast du dich allerdings schon an eine Frau gebunden, dann sollst du
diese Bindung nicht lösen. Bist du aber noch frei, dann suche nicht nach einer
Frau.
1Kor 7,28 Wenn du heiratest, begehst du jedoch keine Sünde. Das gilt für Männer
wie für Frauen. Nur werdet ihr als Verheiratete besonderen Belastungen
ausgesetzt sein, und das würde ich euch gern ersparen.
1Kor 7,29 Denn eins steht fest, Brüder und Schwestern: Wir haben nicht mehr viel
Zeit. Deshalb soll von nun an für die Verheirateten ihr Partner nicht das
Wichtigste im Leben sein.
1Kor 7,30 Wer weint, soll sich von seiner Trauer nicht gefangen nehmen lassen,
und wer sich freut, lasse sich dadurch nicht vom Wesentlichen abbringen. Wenn
ihr etwas kauft, betrachtet es so, als könntet ihr es nicht behalten.
1Kor 7,31 Verliert euch nicht an diese Welt, auch wenn ihr in ihr lebt. Denn
diese Welt mit allem, was wir haben, wird bald vergehen.
1Kor 7,32 Ich möchte euch unbelastet und ohne Sorgen wissen. Wer unverheiratet
ist, kann sich uneingeschränkt darum kümmern, wie er dem Herrn gefällt.
1Kor 7,33 Ist aber jemand verheiratet, so kümmert er sich um viele Dinge und
will seiner Frau gefallen.
1Kor 7,34 Darum ist seine Aufmerksamkeit geteilt. Eine unverheiratete Frau sorgt
sich uneingeschränkt darum, mit Leib und Seele zum Herrn zu gehören. Aber eine
verheiratete Frau sorgt sich um menschliche Belange und will ihrem Mann
gefallen.
1Kor 7,35 Ich sage dies alles nicht, um euch durch irgendwelche Vorschriften
einzuengen, sondern um euch zu helfen. Ich möchte, dass ihr ein vorbildliches
Leben führt und unbeirrt nur das eine Ziel verfolgt, beim Herrn zu bleiben.
1Kor 7,36 Wenn aber jemand meint, es sei Unrecht, seine Braut nicht zu heiraten,
und wenn sein Verlangen nach ihr zu stark ist, so soll er tun, was er für
richtig hält. Die beiden können heiraten, es ist keine Sünde.
1Kor 7,37 Wer aber die innere Bereitschaft zur Ehelosigkeit aufbringt, wer sich
selbst beherrschen kann und fest entschlossen ist, nicht zu heiraten, der tut
gut daran.
1Kor 7,38 Wer also heiratet, der handelt richtig; wer nicht heiratet, handelt
besser.
1Kor 7,39 Solange ein Mann lebt, ist seine Frau an ihn gebunden. Wenn er aber
stirbt, darf sie wieder heiraten, wen sie will. Nur sollte sie darauf achten,
dass sie dabei im Einklang mit Gottes Willen handelt.
1Kor 7,40 Allerdings bliebe sie besser allein und würde nicht noch einmal
heiraten. Dies ist kein Befehl, sondern ein Rat, doch ich habe schließlich auch
Gottes Geist empfangen.
1Kor 8,1 Nun wolltet ihr wissen, ob wir das Opferfleisch essen dürfen, das den
Göttern geweiht wurde. Wir wissen zwar, dass wir alle die Fähigkeit haben zu
erkennen, was richtig ist. Doch richtige Erkenntnis allein führt leicht zum
Hochmut, Liebe dagegen baut die Gemeinde auf.
1Kor 8,2 Wenn sich einer also einbildet, alles zu wissen, so weiß er gerade
nicht, worauf es ankommt.
1Kor 8,3 Wer aber Gott liebt, dem wendet sich Gott in Liebe zu.
1Kor 8,4 Dürfen wir also Opferfleisch essen oder nicht? Wir wissen doch alle,
dass es außer dem einen Gott gar keine anderen Götter gibt.
1Kor 8,5 Und wenn auch so genannte Götter im Himmel und auf der Erde leben - und
es gibt ja tatsächlich viele Mächte und Gewalten -,
1Kor 8,6 so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, der alles erschaffen hat
und für den wir leben. Und wir haben auch nur einen Herrn, Jesus Christus, durch
den alles geschaffen wurde. Durch ihn sind wir zu neuen Menschen geworden.
1Kor 8,7 Einige Christen haben das aber noch nicht erkannt. Bisher waren sie
davon überzeugt, dass es wirklich Götter gibt. Wenn sie nun vom Opferfleisch
essen, fürchten sie, damit die Götter anzuerkennen, und bekommen ein schlechtes
Gewissen.
1Kor 8,8 Was wir essen, entscheidet nicht darüber, wie wir vor Gott dastehen.
Vor ihm sind wir weder besser noch schlechter, ob wir nun das Fleisch essen oder
nicht.
1Kor 8,9 Trotzdem solltet ihr darauf achten, dass ihr mit eurer neu gewonnenen
Freiheit dem nicht schadet, dessen Glaube noch schwach ist.
1Kor 8,10 Angenommen, du isst in einem heidnischen Tempel Opferfleisch, weil du
erkannt hast, dass der Genuss einer Speise dich nicht von Gott trennen kann.
Wenn nun dein Bruder, dessen Glaube noch schwach ist, dich dabei sieht - wird er
dann nicht ermutigt, es dir nachzumachen, obwohl er dabei gegen sein Gewissen
handelt?
1Kor 8,11 Und so würde an deiner durchaus richtigen Erkenntnis dein im Glauben
schwacher Bruder zugrunde gehen, für den doch Christus gestorben ist.
1Kor 8,12 Wenn ihr euch euren Brüdern gegenüber so verhaltet und ihr Gewissen
verletzt, so versündigt ihr euch an Christus.
1Kor 8,13 Darum: Wenn ich befürchten muss, dass mein Bruder zur Sünde verführt
wird, weil ich bedenkenlos Opferfleisch esse, dann will ich lieber mein Leben
lang überhaupt kein Fleisch mehr essen, als ihm das anzutun!
1Kor 9,1 Wie halte ich es denn selbst in solchen Dingen? Bin ich nicht ein
freier Mann? Habe ich nicht unseren Herrn Jesus mit eigenen Augen gesehen? Hat
er mich denn nicht zu seinem Apostel berufen? Dass ihr Christen geworden seid,
zeigt deutlich, dass ich für den Herrn gearbeitet habe.
1Kor 9,2 Mögen die anderen auch behaupten, ich sei kein Apostel Christi, ihr
könnt das nicht sagen! Denn ihr seid zum Glauben an Jesus Christus gekommen, und
das ist die Bestätigung für meinen Dienst.
1Kor 9,3 Denen, die meine Vollmacht in Frage stellen, habe ich dies zu sagen:
1Kor 9,4 Hätten meine Mitarbeiter und ich nicht das Recht, uns auf Kosten der
Gemeinde versorgen zu lassen?
1Kor 9,5 Dürften nicht auch wir eine Ehefrau mit auf die Reise nehmen, wie es
die anderen Apostel tun, die Brüder des Herrn und auch Petrus?
1Kor 9,6 Müssen etwa nur Barnabas und ich unseren Lebensunterhalt selbst
verdienen?
1Kor 9,7 Wo zahlt je ein Soldat seinen eigenen Sold, und wer würde einen
Weinberg anlegen, ohne die Trauben auch zu ernten? Oder welcher Hirte würde
nicht von der Milch seiner Tiere trinken?
1Kor 9,8 Das ist nicht nur allgemein so üblich; das verlangt auch das Gesetz des
Mose.
1Kor 9,9 Dort heißt es doch: »Wenn ihr mit einem Ochsen Getreide drescht, dann
bindet ihm nicht das Maul zu!« Hat Gott dies etwa angeordnet, weil er sich um
die Ochsen sorgt?
1Kor 9,10 Ohne Frage dachte er dabei an uns! Denn wir sind gemeint, wenn es dort
heißt, dass alle, die pflügen und das Getreide dreschen, ihren Anteil an der
Ernte erwarten dürfen.
1Kor 9,11 Wir haben nun unter euch die geistliche Saat ausgesät - die Botschaft
von Jesus Christus. Wäre es wirklich zu viel von euch verlangt, uns dafür mit
dem zu versorgen, was wir zum Leben brauchen?
1Kor 9,12 Ihr unterstützt doch auch noch andere Prediger, und das ist richtig
so. Aber hätten wir nicht ein größeres Anrecht darauf? Dennoch haben wir dieses
Recht nie eingefordert. Wir haben darauf verzichtet, um der Botschaft von Jesus
Christus keine Steine in den Weg zu legen.
1Kor 9,13 Ihr wisst doch genau, dass alle, die im Tempel Dienst tun, etwas von
den Tempelgaben bekommen. Und wer am Altar den Opferdienst übernimmt, erhält
auch einen Teil von den Opfertieren.
1Kor 9,14 Ebenso hat der Herr angeordnet: Wer die rettende Botschaft verkündet,
soll von diesem Dienst auch leben können.
1Kor 9,15 Trotzdem habe ich darauf verzichtet und nie auch nur eine Kleinigkeit
von euch verlangt. Ich schreibe das nicht, weil ich in Zukunft etwas von euch
haben möchte. Lieber würde ich verhungern, als dass ich mir meinen Grund, mich
zu rühmen, von irgendjemandem nehmen ließe.
1Kor 9,16 Dass ich die rettende Botschaft verkünde, ist allerdings kein Anlass,
mich zu loben; ich muss es tun! Dieser Aufgabe kann ich mich unmöglich
entziehen. Sonst würde Gottes Strafe mich treffen.
1Kor 9,17 Hätte ich die Aufgabe freiwillig übernommen, so könnte ich dafür Lohn
beanspruchen. Doch Gott hat mich dazu beauftragt, ich habe keine andere Wahl.
1Kor 9,18 Aber worin besteht denn nun mein Lohn? Darin, dass ich jedem die
Botschaft von Jesus verkünde, und zwar ohne Bezahlung und ohne auf meine Rechte
zu pochen.
1Kor 9,19 Ich bin also frei und von niemandem abhängig. Aber um möglichst viele
für Christus zu gewinnen, habe ich mich zum Sklaven aller Menschen gemacht.
1Kor 9,20 Damit ich die Juden für Christus gewinne, lebe ich wie ein Jude: Wo
man alle Vorschriften des jüdischen Gesetzes genau befolgt, lebe ich auch
danach, obwohl sie für mich nicht mehr gelten. Denn ich möchte auch die Leute
gewinnen, die sich dem Gesetz unterworfen haben.
1Kor 9,21 Bin ich aber bei Menschen, die ohne diese Gesetze leben, dann passe
ich mich ihnen genauso an, um sie für Christus zu gewinnen. Das bedeutet aber
nicht, dass ich mich gegen Gottes Gebote stelle. Ich befolge das Gesetz, das
Christus uns gegeben hat.
1Kor 9,22 Wenn ich bei Menschen bin, deren Glaube noch schwach und unsicher ist,
achte ich sorgfältig darauf, ihnen nicht zu schaden. Ich möchte mich allen
gleichstellen, um auf jede erdenkliche Weise wenigstens einige Menschen zu
retten und für Christus zu gewinnen.
1Kor 9,23 Dies alles tue ich für die rettende Botschaft, damit auch ich Anteil
an dem Segen erhalte, den sie verspricht.
1Kor 9,24 Ihr kennt das doch: Von allen Läufern, die im Stadion zum Wettlauf
starten, gewinnt nur einer den Siegeskranz. Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!
1Kor 9,25 Wer im Wettkampf siegen will, setzt dafür alles ein. Ein Athlet
verzichtet auf vieles, um zu gewinnen. Und wie schnell ist sein Siegeskranz
verwelkt! Wir dagegen kämpfen um einen unvergänglichen Preis.
1Kor 9,26 Ich weiß genau, wofür ich kämpfe. Ich laufe nicht irgendeinem
ungewissen Ziel entgegen. Wenn ich kämpfe, geht mein Schlag nicht ins Leere.
1Kor 9,27 Ich gebe alles für diesen Sieg und hole das Letzte aus meinem Körper
heraus. Er muss sich meinem Willen fügen. Denn ich will nicht andere zum Kampf
des Glaubens auffordern und selbst untauglich sein.
1Kor 10,1 Liebe Brüder und Schwestern, erinnert euch daran, was unsere Vorfahren
während ihrer Wüstenwanderung erlebten. Ihnen zog eine Wolke voraus, und so
leitete Gott sie sicher durch das Rote Meer.
1Kor 10,2 Alle wurden im Meer und unter der Wolke auf Mose getauft.
1Kor 10,3 Gott gab ihnen allen dasselbe Brot vom Himmel zu essen
1Kor 10,4 und dasselbe Wasser aus einem Felsen zu trinken. Dieser Felsen hatte
eine besondere Bedeutung: Er kam mit ihnen, und durch ihn war Christus selbst
bei ihnen.
1Kor 10,5 Aber es gefiel Gott nicht, wie die meisten von ihnen lebten. Deshalb
kamen sie in der Wüste um.
1Kor 10,6 Das soll uns eine Warnung sein, damit wir uns nicht wie sie vom Bösen
beherrschen lassen.
1Kor 10,7 Werdet nicht zu Menschen, die Götzen anbeten, so wie manche von ihnen.
Die Heilige Schrift berichtet: »Sie ließen sich nieder, um zu essen und zu
trinken, und dann feierten sie ein rauschendes, ausschweifendes Fest.«
1Kor 10,8 Lasst euch auch nicht wie sie zu sexueller Zügellosigkeit verleiten,
sondern denkt daran, dass an einem einzigen Tag dreiundzwanzigtausend Menschen
dafür mit dem Tod bestraft wurden.
1Kor 10,9 Stellt die Güte und Geduld des Herrn nicht auf die Probe. Sie taten es
damals, wurden von Schlangen gebissen und starben.
1Kor 10,10 Lehnt euch nicht gegen Gott auf wie einige von ihnen. Gott
vernichtete sie durch seinen Todesengel.
1Kor 10,11 Alle diese Ereignisse sind uns als Beispiel gegeben. Sie wurden
niedergeschrieben, damit wir gewarnt sind; denn das Ende der Welt ist nahe.
1Kor 10,12 Deshalb seid vorsichtig! Gerade wer meint, er stehe besonders sicher,
muss aufpassen, dass er nicht fällt.
1Kor 10,13 Was eurem Glauben bisher an Prüfungen zugemutet wurde, überstieg
nicht eure Kraft. Gott steht zu euch. Er lässt nicht zu, dass die Versuchung
größer ist, als ihr es ertragen könnt. Wenn euer Glaube auf die Probe gestellt
wird, schafft Gott auch die Möglichkeit, sie zu bestehen.
1Kor 10,14 Darum, liebe Freunde, hütet euch vor jedem Götzendienst!
1Kor 10,15 Als Christen wisst ihr doch, worum es geht. Überlegt einmal selbst:
1Kor 10,16 Haben wir durch den Abendmahlskelch, über dem wir das Dankgebet
sprechen, nicht Anteil am Blut, das Christus für uns vergossen hat? Haben wir
durch das Brot, das wir brechen und gemeinsam essen, nicht Anteil an seinem
Leib?
1Kor 10,17 Es gibt beim Abendmahl nur ein Brot. Und obwohl wir so viele sind,
sind wir doch ein Leib, weil wir alle von dem einen Brot essen.
1Kor 10,18 Seht euch doch einmal an, wie das Volk Israel Gott verehrt! Alle
haben Gemeinschaft mit Gott, weil sie gemeinsam vom Fleisch der Opfertiere
essen.
1Kor 10,19 Was will ich damit sagen? Dass es doch Götter gibt oder dass die
Opfer, die ihnen gebracht werden, irgendeine Bedeutung haben?
1Kor 10,20 Natürlich nicht! Was die Götzenanbeter auf dem Altar darbringen,
opfern sie den Dämonen, nicht etwa Gott. Ich will aber nicht, dass ihr
Gemeinschaft mit dämonischen Mächten habt.
1Kor 10,21 Ihr könnt unmöglich aus dem Kelch des Herrn und zugleich aus dem
Kelch der Dämonen trinken. Ihr könnt nicht Gäste am Tisch des Herrn sein und
auch noch am Tisch der Dämonen essen.
1Kor 10,22 Oder wollen wir etwa den Herrn herausfordern? Bilden wir uns wirklich
ein, stärker zu sein als er?
1Kor 10,23 Ihr lebt nach dem Grundsatz: »Alles ist erlaubt!« Ich antworte
darauf: Aber nicht alles, was erlaubt ist, ist auch gut. Alles ist erlaubt, aber
nicht alles baut die Gemeinde auf.
1Kor 10,24 Denkt bei dem, was ihr tut, nicht nur an euch. Denkt vor allem an die
anderen und daran, was für sie gut ist.
1Kor 10,25 Kauft unbesorgt das Fleisch, das auf dem Markt angeboten wird, und
macht euch kein Gewissen daraus, ob es von Opfertieren stammt.
1Kor 10,26 Denn »die Erde und alles, was auf ihr lebt, gehört dem Herrn.«
1Kor 10,27 Lädt euch jemand, der kein Christ ist, zum Essen ein und ihr wollt
hingehen, so esst, was aufgetragen wird, ohne eine Gewissensfrage daraus zu
machen, wo es herkommt.
1Kor 10,28 Sollte euch aber jemand ausdrücklich sagen: »Dieses Fleisch stammt
vom Götzenopfer!«, dann esst es seinetwegen nicht, damit ihr das Gewissen nicht
belastet.
1Kor 10,29 Es geht dabei nicht um euer eigenes Gewissen, sondern um das des
anderen. Nun mag jemand einwenden: »Weshalb soll ich denn meine persönliche
Freiheit vom Gewissen eines anderen einengen lassen?
1Kor 10,30 Wenn ich an einem Festmahl teilnehme und Gott für das Essen danke,
warum wird mir mein Verhalten dann zum Vorwurf gemacht? Schließlich habe ich
Gott doch für die Speise gedankt!«
1Kor 10,31 Darauf will ich antworten: Was immer ihr tut, was ihr auch esst oder
trinkt, alles soll zur Ehre Gottes geschehen.
1Kor 10,32 Seid für niemanden ein Hindernis zum Glauben, weder für die Juden
noch für die Nichtjuden und auch nicht für die Mitchristen in der Gemeinde.
1Kor 10,33 Das ist auch mein Grundsatz. Ich versuche, allen in jeder Beziehung
gerecht zu werden. Dabei geht es nicht um mich, sondern darum, dass möglichst
viele Menschen gerettet werden.
1Kor 11,1 Folgt meinem Beispiel, so wie ich dem Vorbild folge, das Christus uns
gegeben hat.
1Kor 11,2 Ich freue mich darüber, dass ihr immer an mich denkt und euch nach den
Anweisungen richtet, die ich euch weitergegeben habe.
1Kor 11,3 Ich will aber, dass ihr auch Folgendes wisst: Jeder Mann untersteht
Christus, die Frau dem Mann, und Christus untersteht Gott.
1Kor 11,4 Ein Mann entehrt Christus, wenn er im Gottesdienst öffentlich betet
oder im Auftrag Gottes prophetisch redet und dabei eine Kopfbedeckung trägt.
1Kor 11,5 Trägt dagegen eine Frau keine Kopfbedeckung, wenn sie im Gottesdienst
betet oder im Auftrag Gottes prophetisch redet, dann entehrt sie sich selbst.
Das wäre genauso, als wenn sie kahl geschoren herumliefe.
1Kor 11,6 Will eine Frau ihren Kopf nicht bedecken, kann sie sich auch gleich
die Haare abschneiden lassen. Aber weil es jede Frau entehrt, wenn ihr das Haar
kurz geschnitten oder der Kopf kahl geschoren ist, soll sie ihren Kopf bedecken.
1Kor 11,7 Ein Mann aber soll im Gottesdienst keine Kopfbedeckung tragen, denn er
ist nach Gottes Bild und zu seiner Ehre geschaffen, die Frau dagegen zur Ehre
des Mannes.
1Kor 11,8 Denn Adam, der erste Mensch, wurde nicht aus einer Frau erschaffen,
aber Eva, die erste Frau, wurde aus dem Mann erschaffen.
1Kor 11,9 Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau
für den Mann.
1Kor 11,10 Deshalb soll sie im Gottesdienst eine Kopfbedeckung tragen als
Zeichen dafür, dass sie dem Mann untersteht. Auch wegen der Engel, die über
Gottes Ordnungen wachen, sollte sie dies tun.
1Kor 11,11 Vor dem Herrn sind jedoch Mann und Frau gleichermaßen füreinander da.
1Kor 11,12 Denn obwohl Eva aus Adam geschaffen wurde, so werden doch alle Männer
von Frauen geboren. Beide aber, Mann und Frau, sind Geschöpfe Gottes.
1Kor 11,13 Urteilt doch selbst: Gehört es sich für eine Frau, ohne Kopfbedeckung
öffentlich zu beten?
1Kor 11,14 Lehrt euch nicht schon die Natur, dass lange Haare für den Mann eine
Schande sind,
1Kor 11,15 aber eine Ehre für die Frau? Das lange Haar ist ihr als Schleier
gegeben.
1Kor 11,16 Doch wer es darüber zum Streit kommen lassen will, dem möchte ich nur
sagen: Wir kennen die Sitte nicht, dass Frauen ohne Kopfbedeckung am
Gottesdienst teilnehmen, und die anderen Gemeinden Gottes auch nicht.
1Kor 11,17 Was ich euch jetzt noch zu sagen habe, ist kein Lob. Wie ihr eure
Gottesdienste feiert, kann ich wirklich nicht gutheißen. Sie scheinen eurer
Gemeinde mehr zu schaden als zu nützen.
1Kor 11,18 Zunächst höre ich da von Uneinigkeit bei euren Versammlungen. Etwas
Wahres muss wohl daran sein.
1Kor 11,19 Allerdings muss es auch zu Spaltungen unter euch kommen, denn nur so
wird sichtbar, wer sich im Glauben bewährt hat.
1Kor 11,20 Was ihr in euren Gottesdiensten feiert, ist gar nicht das Mahl des
Herrn.
1Kor 11,21 Weil jeder das isst und trinkt, was er mitgebracht hat, bleibt der
eine hungrig und durstig, während der andere sich betrinkt.
1Kor 11,22 Könnt ihr denn nicht zu Hause essen und trinken? Oder bedeutet euch
die Gemeinde so wenig, dass ihr diejenigen geringschätzig behandelt, die arm
sind und kein Essen mitbringen konnten? Soll ich euch dafür auch noch loben?
Darauf könnt ihr lange warten!
1Kor 11,23 Denn Folgendes habe ich vom Herrn empfangen und euch überliefert: In
der Nacht, in der unser Herr Jesus verraten wurde, nahm er das Brot,
1Kor 11,24 dankte Gott dafür, brach es und sprach: »Das ist mein Leib, der für
euch hingegeben wird. So oft ihr dieses Brot esst, denkt an mich und an das, was
ich für euch getan habe!«
1Kor 11,25 Nach dem Essen nahm er den Kelch und sprach: »Dieser Kelch ist der
neue Bund zwischen Gott und euch, der durch mein Blut besiegelt wird. So oft ihr
aus diesem Kelch trinkt, denkt an mich und an das, was ich für euch getan habe!«
1Kor 11,26 Denn jedes Mal, wenn ihr dieses Brot esst und aus diesem Kelch
trinkt, verkündet ihr, was der Herr durch seinen Tod für uns getan hat, bis er
kommt.
1Kor 11,27 Wer aber gedankenlos und leichtfertig von diesem Brot isst und aus
dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig am Leib und am Blut unseres Herrn.
1Kor 11,28 Darum soll sich jeder prüfen, ehe er von dem Brot isst und aus dem
Kelch trinkt.
1Kor 11,29 Denn wer davon nimmt, ohne zu bedenken, dass es hier um den Leib
Christi geht, der liefert sich selbst dem Gericht Gottes aus.
1Kor 11,30 Deshalb sind so viele von euch schwach und krank, und etliche sind
schon gestorben.
1Kor 11,31 Wenn wir uns selbst prüfen, wird Gott uns nicht auf diese Weise
bestrafen.
1Kor 11,32 Straft uns aber der Herr, so will er uns erziehen, damit wir nicht
zusammen mit der gottlosen Welt verurteilt werden.
1Kor 11,33 Darum, meine Brüder und Schwestern, wartet aufeinander, wenn ihr
zusammen das Abendmahl feiert.
1Kor 11,34 Wer hungrig ist, soll vorher zu Hause etwas essen; sonst bringt euch
dieses Mahl nicht Gottes Segen, sondern seine Strafe. Alles andere werde ich
klären, wenn ich bei euch bin.
1Kor 12,1 Nun möchte ich euch, liebe Brüder und Schwestern, nicht länger im
Unklaren lassen über die Gaben, die der Geist Gottes schenkt.
1Kor 12,2 Ihr wisst, dass es euch mit unwiderstehlicher Gewalt zu den stummen
Götzen gezogen hat, als ihr noch keine Christen wart.
1Kor 12,3 Ich erkläre euch aber ausdrücklich: Wenn in einem Menschen der Geist
Gottes wirkt, kann er nicht mehr sagen: »Verflucht sei Jesus!« Und keiner kann
bekennen: »Jesus ist der Herr!«, wenn er nicht den Heiligen Geist hat.
1Kor 12,4 So verschieden die Gaben auch sind, die Gott uns gibt, sie stammen
alle von ein und demselben Geist.
1Kor 12,5 Und so unterschiedlich auch die Aufgaben in der Gemeinde sind, so
dienen wir doch alle dem einen Herrn.
1Kor 12,6 Es gibt verschiedene Wirkungen des Geistes Gottes; aber in jedem Fall
ist es Gott selbst, der alles bewirkt.
1Kor 12,7 Wie auch immer sich die Gaben des Geistes bei jedem Einzelnen von euch
zeigen, sie sollen der ganzen Gemeinde nützen.
1Kor 12,8 Dem einen schenkt er im rechten Augenblick das richtige Wort. Ein
anderer kann durch den Geist die Weisheit Gottes klar erkennen und weitersagen.
1Kor 12,9 Wieder anderen schenkt Gott durch seinen Geist unerschütterliche
Glaubenskraft und dem Nächsten die Gabe, Kranke zu heilen.
1Kor 12,10 Manchen ist es gegeben, Wunder zu wirken. Einige sprechen in Gottes
Auftrag prophetisch; andere sind fähig zu unterscheiden, was vom Geist Gottes
kommt und was nicht. Einige reden in unbekannten Sprachen, und manche
schließlich können das Gesagte für die Gemeinde auslegen.
1Kor 12,11 Dies alles bewirkt ein und derselbe Geist. Und so empfängt jeder die
Gabe, die der Geist ihm zugedacht hat.
1Kor 12,12 So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen
Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist
doch ein einziger Leib.
1Kor 12,13 Wir haben alle denselben Geist empfangen und gehören durch die Taufe
zu dem einen Leib Christi, ganz gleich, ob wir nun Juden oder Griechen, Sklaven
oder Freie sind; alle sind wir mit demselben Geist erfüllt.
1Kor 12,14 Nun besteht ein Körper aus vielen einzelnen Gliedern, nicht nur aus
einem einzigen.
1Kor 12,15 Selbst wenn der Fuß behaupten würde: »Ich gehöre nicht zum Leib, weil
ich keine Hand bin!«, er bliebe trotzdem ein Teil des Körpers.
1Kor 12,16 Und wenn das Ohr erklären würde: »Ich bin kein Auge, darum gehöre ich
nicht zum Leib!«, es gehörte dennoch dazu.
1Kor 12,17 Angenommen, der ganze Körper bestünde nur aus Augen, wie könnten wir
dann hören? Oder der ganze Leib bestünde nur aus Ohren, wie könnten wir dann
riechen?
1Kor 12,18 Deshalb hat Gott jedem einzelnen Glied des Körpers seine besondere
Aufgabe gegeben, so wie er es wollte.
1Kor 12,19 Was für ein sonderbarer Leib wäre das, der nur einen Körperteil
hätte!
1Kor 12,20 Aber so ist es ja auch nicht, sondern viele einzelne Glieder bilden
gemeinsam den einen Leib.
1Kor 12,21 Darum kann das Auge nicht zur Hand sagen: »Ich brauche dich nicht!«
Und der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: »Ihr seid überflüssig!«
1Kor 12,22 Vielmehr sind gerade die Teile des Körpers, die schwach und
unbedeutend erscheinen, besonders wichtig.
1Kor 12,23 Wenn uns an unserem Körper etwas nicht gefällt, dann geben wir uns
die größte Mühe, es schöner zu machen; und was uns anstößig erscheint, das
kleiden wir besonders sorgfältig.
1Kor 12,24 Denn was nicht anstößig ist, muss auch nicht besonders bekleidet
werden. Gott aber hat unseren Leib so zusammengefügt, dass die unwichtig
erscheinenden Glieder in Wirklichkeit besonders wichtig sind.
1Kor 12,25 Unser Leib soll eine Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil
für den anderen da ist.
1Kor 12,26 Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein
Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen.
1Kor 12,27 Ihr alle seid der eine Leib Christi, und jeder Einzelne von euch
gehört als ein Teil dazu.
1Kor 12,28 Jedem hat Gott seine ganz bestimmte Aufgabe in der Gemeinde
zugeteilt. Da sind zunächst die Apostel, dann die Propheten, die verkünden, was
Gott ihnen eingibt, und drittens diejenigen, die Gottes Botschaft lehren. Dann
gibt es Christen, die Wunder tun, und solche, die Kranke heilen oder Bedürftigen
helfen. Einige leiten die Gemeinde, andere reden in unbekannten Sprachen.
1Kor 12,29 Sind sie nun etwa alle Apostel, Propheten oder Lehrer? Oder kann
jeder von uns Wunder tun?
1Kor 12,30 Kann jeder Kranke heilen, in unbekannten Sprachen reden und das
Gesagte erklären?
1Kor 12,31 Natürlich nicht. Aber jeder Einzelne soll sich um die Gaben bemühen,
die der Gemeinde am meisten nützen. Und jetzt zeige ich euch den einzigartigen
Weg dahin.
1Kor 13,1 Wenn ich in allen Sprachen der Welt, ja, mit Engelszungen reden kann,
aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie eine dröhnende Pauke oder ein
lärmendes Tamburin.
1Kor 13,2 Wenn ich in Gottes Auftrag prophetisch reden kann, alle Geheimnisse
Gottes weiß, seine Gedanken erkennen kann und einen Glauben habe, der Berge
versetzt, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nichts.
1Kor 13,3 Selbst wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenke und für
meinen Glauben das Leben opfere, aber ich habe keine Liebe, dann nützt es mir
gar nichts.
1Kor 13,4 Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt
nicht und schaut nicht auf andere herab.
1Kor 13,5 Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil,
sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend.
1Kor 13,6 Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit
siegt.
1Kor 13,7 Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert
nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende.
1Kor 13,8 Die Liebe wird niemals vergehen. Einmal wird es keine Prophetien mehr
geben, das Reden in unbekannten Sprachen wird aufhören, und auch Erkenntnis wird
nicht mehr nötig sein.
1Kor 13,9 Denn unsere Erkenntnis ist bruchstückhaft, ebenso wie unser
prophetisches Reden.
1Kor 13,10 Wenn aber das Vollkommene da ist, wird alles Vorläufige vergangen
sein.
1Kor 13,11 Als Kind redete, dachte und urteilte ich wie ein Kind. Jetzt bin ich
ein Mann und habe das kindliche Wesen abgelegt.
1Kor 13,12 Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben
Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt
erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so
deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.
1Kor 13,13 Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Liebe aber ist das
Größte.
1Kor 14,1 Die Liebe soll euer höchstes Ziel sein. Strebt nach den Gaben, die der
Geist Gottes gibt; vor allem danach, in Gottes Auftrag prophetisch zu reden.
1Kor 14,2 Wenn nämlich jemand in unbekannten Sprachen redet, dann spricht er
nicht zu Menschen, denn niemand versteht ihn. Er spricht zu Gott, und was er
durch Gottes Geist redet, ist ein Geheimnis.
1Kor 14,3 Wer aber eine prophetische Botschaft von Gott empfängt, kann sie an
andere Menschen weitergeben. Er hilft ihnen, er tröstet und ermutigt sie.
1Kor 14,4 Wer in unbekannten Sprachen redet, stärkt seinen persönlichen Glauben.
Wer aber in Gottes Auftrag prophetisch spricht, stärkt die ganze Gemeinde.
1Kor 14,5 Ich will schon, dass ihr alle in unbekannten Sprachen redet. Aber noch
besser wäre, ihr könntet alle in Gottes Auftrag prophetisch sprechen. Das ist
wichtiger, als in unbekannten Sprachen zu reden, es sei denn, das Gesprochene
wird erklärt, damit die ganze Gemeinde einen Gewinn davon hat.
1Kor 14,6 Stellt euch doch einmal vor, liebe Brüder und Schwestern, ich komme zu
euch und rede in einer Sprache, die niemand kennt. Davon hättet ihr gar nichts.
Ich will euch lieber klar sagen, was Gott mir offenbart hat; ich möchte euch
helfen, seinen Willen zu erkennen, ich will in Gottes Auftrag prophetisch reden
und euch unterweisen.
1Kor 14,7 Es ist genauso wie bei Musikinstrumenten. Bei einer Flöte etwa oder
einer Harfe muss man unterschiedliche Töne hören können, sonst erkennt keiner
die Melodie.
1Kor 14,8 Wenn der Trompeter nicht ein klares Signal gibt, wird sich kein Soldat
auf den Kampf vorbereiten.
1Kor 14,9 Genauso ist es beim Reden in unbekannten Sprachen. Wenn ihr
unverständlich redet, wird euch niemand verstehen. Ihr redet nur in den Wind.
1Kor 14,10 Es gibt auf der Welt unzählige Sprachen, und alle haben ihren Sinn.
1Kor 14,11 Wenn ich aber die Sprache eines anderen Menschen nicht kenne, können
wir uns nicht verständigen.
1Kor 14,12 So ist es auch mit euch: Wenn ihr euch schon so eifrig um die Gaben
bemüht, die der Heilige Geist schenkt, dann setzt auch alles daran, dass die
ganze Gemeinde etwas davon hat.
1Kor 14,13 Wer also in einer unbekannten Sprache redet, der soll den Herrn darum
bitten, dass er sie auch auslegen kann.
1Kor 14,14 Denn wenn ich in solchen Sprachen aus meinem Innersten heraus zu Gott
bete, verstehe ich nicht, was ich rede.
1Kor 14,15 Wie verhalte ich mich nun richtig? Ich will beten, was Gottes Geist
mir eingibt; aber ich will beim Beten auch meinen Verstand gebrauchen. Ich will
Loblieder singen, die Gottes Geist mir schenkt, aber ebenso will ich beim Singen
meinen Verstand einsetzen.
1Kor 14,16 Wenn du Gott nur in unbekannten Sprachen anbetest, die sein Geist dir
eingibt, wie soll jemand, der diese Sprache nicht versteht, dein Gebet mit einem
»Amen« bekräftigen? Er weiß doch gar nicht, was du gesagt hast!
1Kor 14,17 Da kann dein Gebet noch so gut und schön sein, dem anderen nützt es
überhaupt nichts.
1Kor 14,18 Ich bin Gott dankbar, dass ich in unbekannten Sprachen reden kann,
und zwar mehr als ihr alle!
1Kor 14,19 In der Gemeinde aber will ich lieber fünf Worte mit Vernunft reden,
damit ich die Zuhörer unterweisen kann, als zehntausend Worte in einer Sprache,
die keiner versteht.
1Kor 14,20 Liebe Brüder und Schwestern, seid, was eure Vernunft betrifft, doch
nicht wie kleine Kinder, die nicht verstehen, was man ihnen erklärt! Im Bösen,
darin sollt ihr unerfahren sein wie Kinder; in eurer Vernunft aber sollt ihr
reife, erwachsene Menschen sein.
1Kor 14,21 In der Heiligen Schrift heißt es: »Ich will zu diesem Volk in
fremden, unbekannten Sprachen reden. Aber sie wollen nicht auf mich hören,
spricht der Herr.«
1Kor 14,22 Das Reden in unbekannten Sprachen ist also ein Zeichen Gottes,
allerdings nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen. Das
prophetische Reden in Gottes Auftrag dagegen ist kein Zeichen für die
Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.
1Kor 14,23 Stellt euch vor, die Gemeinde versammelt sich, und jeder redet in
einer anderen, unbekannten Sprache. Nun kommt jemand dazu, der das nicht kennt,
oder einer, der noch kein Christ ist. Wird er nicht sagen: »Ihr seid alle
verrückt!«?
1Kor 14,24 Wenn ihr dagegen alle in verständlichen Worten prophetisch redet und
ein Ungläubiger oder Fremder kommt dazu, wird ihn dann nicht alles, was ihr
sagt, von seiner Schuld überzeugen und in seinem Gewissen treffen?
1Kor 14,25 Was er bis dahin sich selbst nie eingestanden hat, wird ihm jetzt
plötzlich klar. Er wird auf die Knie fallen, Gott anbeten und bekennen: »Gott
ist wirklich mitten unter euch!«
1Kor 14,26 Was bedeutet das nun für euch, liebe Brüder und Schwestern? Wenn ihr
zusammenkommt, hat jeder etwas beizutragen: Einige singen ein Loblied, andere
unterweisen die Gemeinde im Glauben. Einige geben weiter, was Gott ihnen
offenbart hat, andere reden in unbekannten Sprachen, und wieder andere legen das
Gesprochene für alle aus. Wichtig ist, dass alles die Gemeinde aufbaut.
1Kor 14,27 Während eines Gottesdienstes sollen höchstens zwei oder drei in
unbekannten Sprachen reden, und zwar einer nach dem anderen. Was sie gesagt
haben, soll gleich für alle erklärt werden.
1Kor 14,28 Wenn dafür niemand da ist, sollen die Betreffenden schweigen. Sie
können ja für sich allein beten; Gott wird sie hören.
1Kor 14,29 Auch von den Propheten, die Gottes Botschaften empfangen, sollen zwei
oder drei sprechen; die anderen sollen das Gesagte deuten und beurteilen.
1Kor 14,30 Der Prophet, der eine Botschaft von Gott bekommen hat, soll seine
Rede unterbrechen, wenn Gott einem der Anwesenden eine neue Botschaft eingibt.
1Kor 14,31 Ihr könnt doch alle der Reihe nach in Gottes Auftrag reden, damit
alle lernen und alle ermutigt werden.
1Kor 14,32 Wer eine Botschaft von Gott bekommt, hat sich dabei völlig in der
Gewalt.
1Kor 14,33 Denn Gott will keine Unordnung, er will Frieden. Wie in allen
Gemeinden
1Kor 14,34 sollen auch bei euch die Frauen in den Gottesdiensten schweigen und
dort nicht das Wort ergreifen. Stattdessen sollen sie sich unterordnen, wie es
schon das Gesetz vorschreibt.
1Kor 14,35 Wenn sie etwas wissen wollen, können sie zu Hause ihren Mann fragen.
Denn es gehört sich nicht, dass Frauen in der Gemeinde das Wort führen.
1Kor 14,36 Ihr seid anderer Meinung? Bildet ihr euch etwa ein, Gottes Botschaft
sei von euch in die Welt ausgegangen? Oder glaubt ihr, die Einzigen zu sein, die
sie gehört haben?
1Kor 14,37 Wenn einer meint, Gott rede durch ihn oder er sei von Gottes Geist
erfüllt, dann muss er auch erkennen, dass alles, was ich hier anordne, dem
Willen des Herrn entspricht.
1Kor 14,38 Wer das aber nicht erkennt, den kennt auch Gott nicht.
1Kor 14,39 Also, meine Brüder und Schwestern, setzt alles daran, in Gottes
Auftrag prophetisch zu sprechen, und hindert keinen, in unbekannten Sprachen zu
reden.
1Kor 14,40 Aber sorgt dafür, dass alles einwandfrei und geordnet vor sich geht.
1Kor 15,1 Liebe Brüder und Schwestern! Ich möchte euch an die rettende Botschaft
erinnern, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen und darauf euer
Leben gegründet.
1Kor 15,2 Ganz gewiss werdet ihr durch diese Botschaft gerettet werden,
vorausgesetzt, ihr bewahrt sie genau so, wie ich sie euch überliefert habe.
Sonst glaubt ihr vergeblich und erreicht das Ziel nicht.
1Kor 15,3 Zuerst habe ich euch weitergegeben, was ich selbst empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste, und so steht
es schon in der Heiligen Schrift.
1Kor 15,4 Er wurde begraben und am dritten Tag vom Tod auferweckt, wie es in der
Heiligen Schrift vorausgesagt ist.
1Kor 15,5 Er hat sich zuerst Petrus gezeigt und später allen zwölf Jüngern.
1Kor 15,6 Dann haben ihn mehr als fünfhundert Brüder zur gleichen Zeit gesehen,
von denen die meisten noch heute leben; einige sind inzwischen gestorben.
1Kor 15,7 Später ist er Jakobus und schließlich allen Aposteln erschienen.
1Kor 15,8 Zuletzt hat er sich auch mir gezeigt, der ich es am wenigsten verdient
hatte.
1Kor 15,9 Ich bin der unbedeutendste unter den Aposteln und eigentlich nicht
wert, Apostel genannt zu werden; denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt.
1Kor 15,10 Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade. Und
seine Gnade hat er mir nicht vergeblich geschenkt. Ich habe mich mehr als alle
anderen eingesetzt, aber das war nicht meine Leistung, sondern Gott selbst hat
alles in seiner Gnade bewirkt.
1Kor 15,11 Doch ganz gleich, ob die anderen Apostel oder ich: Wir alle haben
diese eine rettende Botschaft verkündet, und dadurch seid ihr zum Glauben
gekommen.
1Kor 15,12 Wenn wir nun gepredigt haben, dass Gott Christus von den Toten
auferweckt hat, wie können da einige von euch behaupten: »Eine Auferstehung der
Toten gibt es nicht!«
1Kor 15,13 Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann kann ja auch Christus
nicht auferstanden sein.
1Kor 15,14 Wäre aber Christus nicht auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt
keinen Sinn, und euer Glaube hätte keine Grundlage.
1Kor 15,15 Mit Recht könnte man uns dann vorwerfen, wir seien Lügner und keine
Zeugen Gottes. Denn wir behaupten doch: Gott hat Christus auferweckt. Das kann
ja gar nicht stimmen, wenn mit dem Tod alles aus ist!
1Kor 15,16 Wie schon gesagt, wenn die Toten nicht auferstehen, dann ist auch
Christus nicht auferstanden.
1Kor 15,17 Wenn aber Christus nicht von den Toten auferweckt wurde, ist euer
Glaube nichts als Selbstbetrug, und ihr seid auch von eurer Schuld nicht frei.
1Kor 15,18 Ebenso wären auch alle verloren, die im Glauben an Christus gestorben
sind.
1Kor 15,19 Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt,
sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen.
1Kor 15,20 Tatsächlich aber ist Christus als Erster von den Toten auferstanden.
So können wir sicher sein, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.
1Kor 15,21 Der Tod ist durch die Schuld eines einzigen Menschen in die Welt
gekommen. Ebenso kommt auch durch einen einzigen die Auferstehung.
1Kor 15,22 Alle Menschen müssen sterben, weil sie Nachkommen Adams sind. Ebenso
werden alle durch die Verbindung mit Christus zu neuem Leben auferweckt.
1Kor 15,23 Die Auferstehung geht in einer bestimmten Reihenfolge vor sich: Als
Erster ist Christus auferstanden. Wenn er kommt, werden alle auferstehen, die zu
ihm gehören.
1Kor 15,24 Danach kommt das Ende: Christus wird alles vernichten, was Gewalt und
Macht für sich beansprucht, und wird Gott, seinem Vater, die Herrschaft über
diese Welt übergeben.
1Kor 15,25 Denn Christus wird so lange herrschen, bis er alle Feinde unterworfen
hat.
1Kor 15,26 Als letzten Feind wird er den Tod vernichten,
1Kor 15,27 denn es heißt in der Heiligen Schrift: »Alles hat Gott ihm zu Füßen
gelegt.« Wenn nun Christus der Herr über alles ist, dann bedeutet dies natürlich
nicht, dass er auch Herr über Gott ist, von dem ja alle Macht ausgeht.
1Kor 15,28 Wenn aber zuletzt Christus der Herr über alles ist, dann wird er als
der Sohn Gottes sich seinem Vater unterordnen, der ihm diesen Sieg geschenkt
hat. So wird Gott der Herr sein, der durch alles und in allem wirkt.
1Kor 15,29 Bei euch haben sich einige stellvertretend für Menschen taufen
lassen, die schon gestorben sind. Welchen Sinn hätte das, wenn die Toten gar
nicht auferstehen?
1Kor 15,30 Und warum begeben wir uns immer wieder in Gefahr, wenn wir Gottes
Botschaft weitergeben?
1Kor 15,31 Tag für Tag riskiere ich mein Leben. So gewiss ihr zum Glauben
gekommen seid, kann ich vor Jesus Christus, unserem Herrn, stolz auf euch sein.
1Kor 15,32 Hätte ich mich wohl in Ephesus in Lebensgefahr begeben, wenn ich
nicht an die Auferstehung glauben würde? Wenn die Toten nicht auferstehen, dann
haben alle Recht, die sagen: »Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir
tot!«
1Kor 15,33 Hütet euch vor solchen Sprüchen, denn: »Schlechter Umgang verdirbt
gute Sitten!«
1Kor 15,34 Kommt endlich zur Besinnung, und sündigt nicht länger. Denn zu eurer
Schande muss ich feststellen, dass einige von euch Gott im Grunde noch gar nicht
kennen.
1Kor 15,35 Vielleicht werdet ihr jetzt fragen: »Wie werden die Toten denn
auferstehen? Was für einen Körper werden sie haben?«
1Kor 15,36 Wisst ihr das denn immer noch nicht? Jedes Samenkorn, das gesät wird,
muss vergehen, ehe neues Leben daraus wächst.
1Kor 15,37 Und was wir säen, ist ja nicht schon die fertige Pflanze, sondern es
sind nur Körner, sei es Weizen oder anderes Saatgut.
1Kor 15,38 Aus jedem Samenkorn lässt Gott eine Pflanze wachsen, die so aussieht,
wie er es gewollt hat, und diese Pflanzen sind alle ganz verschieden.
1Kor 15,39 Unterscheiden sich nicht auch alle Lebewesen in ihrem Aussehen?
Menschen sehen anders aus als Tiere, Vögel anders als Fische.
1Kor 15,40 Die Sterne am Himmel sind ganz anders beschaffen als die Geschöpfe
auf der Erde; doch jeder Stern und jedes Lebewesen ist auf seine Weise schön.
1Kor 15,41 Die Sonne hat ihren eigenen Glanz, anders als das Leuchten des Mondes
oder das Glitzern der Sterne. Selbst die Sterne unterscheiden sich in ihrer
Helligkeit voneinander.
1Kor 15,42 Genauso könnt ihr euch die Auferstehung der Toten vorstellen. Unser
irdischer Körper ist wie ein Samenkorn, das einmal vergeht. Wenn er aber
auferstehen wird, ist er unvergänglich.
1Kor 15,43 Was begraben wird, ist unansehnlich und schwach, was aufersteht, ist
herrlich und voller Kraft.
1Kor 15,44 Begraben wird unser irdischer Körper; aber auferstehen werden wir mit
einem Körper, der von unvergänglichem Leben erfüllt ist. Denn wie es einen
sterblichen Körper gibt, so gibt es auch einen unsterblichen.
1Kor 15,45 In der Heiligen Schrift heißt es ja, dass der erste Mensch, Adam,
irdisches Leben in sich trug. Aber der letzte Adam war erfüllt vom Geist Gottes,
der unvergängliches Leben schenkt.
1Kor 15,46 Zuerst kommt der irdische Körper, und dann erst der unvergängliche -
nicht umgekehrt.
1Kor 15,47 Adam, den ersten Menschen, erschuf Gott aus Erde; aber der neue
Mensch, Christus, kommt vom Himmel.
1Kor 15,48 Als Nachkommen Adams haben wir jetzt alle einen irdischen Körper.
Nach der Auferstehung werden wir dann wie Christus einen himmlischen Leib haben.
1Kor 15,49 Jetzt gleichen wir alle dem ersten Menschen, der aus Erde gemacht
wurde. Aber einmal werden wir Christus gleichen, der vom Himmel gekommen ist.
1Kor 15,50 Eins steht fest, liebe Brüder und Schwestern: Menschen aus Fleisch
und Blut können nicht in Gottes neue Welt kommen. Nichts Vergängliches wird in
Gottes neuer Welt Platz haben.
1Kor 15,51 Ich möchte euch aber ein Geheimnis anvertrauen: Wir werden nicht alle
sterben, aber Gott wird uns alle verwandeln.
1Kor 15,52 Das wird ganz plötzlich geschehen, von einem Augenblick zum anderen,
wenn die Posaune das Ende ankündigt. Dann werden die Toten zum ewigen Leben
auferweckt, und auch wir Lebenden werden verwandelt.
1Kor 15,53 Denn das Vergängliche muss mit Unvergänglichkeit und das Sterbliche
mit Unsterblichkeit überkleidet werden.
1Kor 15,54 Wenn aber dieser vergängliche und sterbliche Körper unvergänglich und
unsterblich geworden ist, dann erfüllt sich, was die Propheten vorausgesagt
haben: »Das Leben hat den Tod überwunden!
1Kor 15,55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo bleibt nun deine Macht?«
1Kor 15,56 Der Tod hat Macht durch die Sünde, und die Sünde hat ihre Kraft durch
das Gesetz.
1Kor 15,57 Aber gelobt sei Gott, der uns den Sieg schenkt durch Jesus Christus,
unseren Herrn!
1Kor 15,58 Meine lieben Brüder und Schwestern, bleibt fest und unerschütterlich
in eurem Glauben! Setzt euch mit aller Kraft für den Herrn ein, denn ihr wisst:
Nichts ist vergeblich, was ihr für ihn tut.
1Kor 16,1 Zum Schluss will ich noch etwas zur Geldsammlung für die Christen in
Jerusalem sagen. Führt sie so durch, wie ich es auch für die Gemeinden in
Galatien angeordnet habe.
1Kor 16,2 An jedem Sonntag soll jeder von euch dafür so viel Geld zurücklegen,
wie es ihm möglich ist. Dann braucht ihr mit dem Sammeln nicht erst anzufangen,
wenn ich komme.
1Kor 16,3 Gleich nach meiner Ankunft sollen dann ausgewählte, zuverlässige
Männer aus eurer Gemeinde das Geld nach Jerusalem bringen. Die erforderlichen
Beglaubigungsschreiben werde ich ihnen mitgeben.
1Kor 16,4 Sollte es nötig sein, werde ich selbst mit ihnen reisen.
1Kor 16,5 Ich werde zu euch kommen, sobald ich die Gemeinden in der Provinz
Mazedonien besucht habe. Dort will ich mich nicht länger aufhalten;
1Kor 16,6 aber bei euch möchte ich eine Zeit lang bleiben, vielleicht sogar den
ganzen Winter über. Es wäre gut, wenn mich dann einige von euch für die
Weiterreise versorgen könnten.
1Kor 16,7 Diesmal möchte ich euch nicht nur kurz auf der Durchreise besuchen.
Wenn der Herr es zulässt, hoffe ich, einige Zeit bleiben zu können.
1Kor 16,8 Bis Pfingsten bleibe ich noch in Ephesus.
1Kor 16,9 Hier hat mir Gott große Möglichkeiten gegeben, die rettende Botschaft
zu verkünden; allerdings sind auch viele Gegner da.
1Kor 16,10 Wenn Timotheus zu euch kommt, sorgt bitte dafür, dass er sich bei
euch wohl fühlt. Ermutigt ihn, denn er arbeitet wie ich für den Herrn.
1Kor 16,11 Niemand darf ihn herablassend behandeln. Seht zu, dass er sich dann
in Frieden von euch verabschieden kann und unbeschwert wieder zu mir
zurückkommt, denn wir alle erwarten ihn hier.
1Kor 16,12 Unseren Mitarbeiter Apollos habe ich immer wieder gebeten, euch mit
den anderen Brüdern zu besuchen, aber er meinte, es sei jetzt nicht angebracht.
Sobald sich eine andere Gelegenheit bietet, wird er kommen.
1Kor 16,13 Bleibt wachsam, und steht fest im Glauben! Seid entschlossen und
stark!
1Kor 16,14 Bei allem, was ihr tut, lasst euch von der Liebe leiten.
1Kor 16,15 Noch eins, liebe Brüder und Schwestern: Ihr kennt doch Stephanas und
alle, die bei ihm leben. Sie waren die ersten Christen in der Provinz Achaja und
haben sich ganz für den Dienst in der Gemeinde zur Verfügung gestellt.
1Kor 16,16 Hört auf solche Leute und auf alle anderen, die mitarbeiten und ihr
Bestes geben.
1Kor 16,17 Ich freue mich, dass Stephanas, Fortunatus und Achaikus zu mir
gekommen sind. Sie haben mir darüber hinweggeholfen, dass ich nicht bei euch
sein konnte.
1Kor 16,18 Ja, sie haben uns neuen Mut gegeben, so wie sie auch euch ermutigt
haben. Nehmt euch diese Männer zum Vorbild!
1Kor 16,19 Die Gemeinden der Provinz Asia senden euch herzliche Grüße. Aquila
und Priszilla lassen euch im Namen Jesu ebenfalls grüßen, zusammen mit der
Gemeinde, die sich in ihrem Haus versammelt.
1Kor 16,20 Auch die Brüder und Schwestern hier haben mich gebeten, euch zu
grüßen. Grüßt euch mit dem Friedenskuss!
1Kor 16,21 Und hier noch mein Gruß an euch, den ich, Paulus, mit eigener Hand
schreibe.
1Kor 16,22 Wer den Herrn nicht liebt, den soll Gottes Strafe treffen! Unser
Herr, komm!
1Kor 16,23 Die Gnade unseres Herrn Jesus soll immer mit euch sein!
1Kor 16,24 In seiner Liebe bleibe ich mit euch verbunden.
2Kor 1,1 Paulus, ein Apostel Jesu Christi, von Gott berufen, und sein
Mitarbeiter Timotheus schreiben diesen Brief an die Gemeinde Gottes in Korinth
und an alle in der Provinz Achaja, die zu Gott gehören.
2Kor 1,2 Ich wünsche euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem
Herrn Jesus Christus.
2Kor 1,3 Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater
voller Barmherzigkeit, der Gott, der uns in jeder Not tröstet!
2Kor 1,4 In allen Schwierigkeiten ermutigt er uns und steht uns bei, so dass wir
auch andere trösten können, die wegen ihres Glaubens leiden müssen. Wir trösten
sie, wie Gott auch uns getröstet hat.
2Kor 1,5 Weil wir Christus gehören und ihm dienen, müssen wir viel leiden, aber
in ebenso reichem Maße erfahren wir auch seine Hilfe.
2Kor 1,6 Deshalb kommt es euch zugute, wenn wir leiden; und wenn wir ermutigt
werden, dann geschieht auch das zu eurem Besten. Das gibt euch Kraft, die
gleichen Leiden wie wir geduldig zu ertragen.
2Kor 1,7 Darum sind wir zuversichtlich und haben keine Angst um euch. Denn ihr
werdet zwar leiden müssen wie wir, aber ihr werdet auch von Gott getröstet
werden.
2Kor 1,8 Liebe Brüder und Schwestern! Ich meine, ihr solltet wissen, dass wir in
der Provinz Asia Schweres erdulden mussten. Wir waren mit unseren Kräften am
Ende und hatten schon mit dem Leben abgeschlossen.
2Kor 1,9 Unser Tod schien unausweichlich. Aber Gott wollte, dass wir uns nicht
auf uns selbst verlassen, sondern auf ihn, der die Toten zu neuem Leben erweckt.
2Kor 1,10 Und tatsächlich hat Gott uns vor dem Tod gerettet und wird es auch in
Zukunft tun. Wir vertrauen fest darauf, dass er uns immer wieder aus Todesgefahr
befreit.
2Kor 1,11 Denn auch ihr betet ja für uns. Und so werden nicht nur wir, sondern
viele Gott dafür danken, dass er uns gnädig ist und uns bewahrt hat.
2Kor 1,12 Wenn es etwas gibt, worauf wir stolz sein können, dann ist es unser
gutes Gewissen: Wir leben so, wie Gott es will; wir haben euch nichts
vorgemacht. Nicht eigensüchtige Überlegungen haben unser Handeln bestimmt,
sondern allein Gottes Barmherzigkeit. So haben wir uns überall verhalten, und
ganz besonders bei euch.
2Kor 1,13 Auch unsere Briefe wollen nichts anderes sagen, als was ihr schwarz
auf weiß lesen könnt. Ich hoffe, ihr werdet einmal voll und ganz verstehen, was
ich meine.
2Kor 1,14 Wenigstens zum Teil habt ihr schon verstanden, dass ihr auf uns stolz
sein könnt, genauso wie wir auf euch, wenn Jesus, unser Herr, kommen wird.
2Kor 1,15 In dieser Zuversicht wollte ich zuerst zu euch kommen. Gerne hätte ich
euch zweimal besucht und euch beide Male Gottes Liebe nahe gebracht -
2Kor 1,16 sowohl auf dem Weg nach Mazedonien als auch auf der Rückreise von
dort. Einige von euch hätten mich dann nach Judäa begleiten können.
2Kor 1,17 Bin ich denn nun leichtfertig gewesen, als ich diese Reise plante?
Entscheide ich etwa so, wie ich selbst es für richtig halte, ohne nach Gottes
Willen zu fragen? Oder gehöre ich zu den unzuverlässigen Leuten, die »Ja« sagen,
wenn sie »Nein« meinen?
2Kor 1,18 Gott ist mein Zeuge, dass wir niemals etwas anderes sagen, als wir
wirklich meinen.
2Kor 1,19 Auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, den Silvanus, Timotheus und ich
euch verkündet haben, war nicht gleichzeitig »Ja« und »Nein«. Er selbst ist in
seiner Person das Ja Gottes zu uns,
2Kor 1,20 denn alle Zusagen Gottes haben sich in ihm erfüllt. Und auf das, was
Christus für uns getan hat, antworten wir zur Ehre Gottes mit Amen.
2Kor 1,21 Gott selbst hat unser und euer Leben auf ein festes Fundament
gestellt, auf Christus, und uns mit seinem Geist erfüllt.
2Kor 1,22 So drückte er uns sein Siegel auf, wir sind sein Eigentum geworden.
Das Geschenk des Geistes in unseren Herzen ist Gottes sicheres Pfand dafür, dass
er uns noch viel mehr schenken wird.
2Kor 1,23 Warum bin ich dann doch nicht wie geplant nach Korinth gekommen? Nur
um euch zu schonen, mit Rücksicht auf euch! Ich rufe Gott als Zeugen an; er soll
mich strafen, wenn das nicht die Wahrheit ist.
2Kor 1,24 Denn wir möchten nicht über euch und euren Glauben herrschen, sondern
helfen, dass ihr euch freuen könnt. Im Glauben steht ihr ja bereits fest.
2Kor 2,1 Ein Besuch bei euch schien mir nicht sinnvoll zu sein, weil er uns
allen nur neuen Kummer gebracht hätte.
2Kor 2,2 Denn wenn ich euch nur traurig mache, bleibt ja niemand, der mich
wieder froh stimmen könnte.
2Kor 2,3 Deshalb schrieb ich euch den letzten Brief, damit ihr eure
Angelegenheiten in Ordnung bringt, ehe ich zu euch komme. Ich wollte nämlich
nicht über euch traurig sein, sondern mich über euch freuen. Denn ich hoffe
doch, dass auch ihr euch freut, wenn ich mich freuen kann.
2Kor 2,4 In großer Sorge, mit schwerem Herzen und unter Tränen hatte ich euch
geschrieben. Aber ich wollte euch damit nicht verletzen. Im Gegenteil! Ihr
solltet vielmehr erkennen, wie sehr ich gerade euch liebe.
2Kor 2,5 Wer anderen Kummer bereitet hat, der hat nicht nur mich traurig
gemacht, sondern euch alle - oder doch fast alle, um nicht zu übertreiben.
2Kor 2,6 Die meisten von euch haben sein Verhalten bestraft, damit soll es gut
sein.
2Kor 2,7 Jetzt müsst ihr ihm vergeben und ihn ermutigen, denn er soll nicht
verzweifeln.
2Kor 2,8 Zeigt ihm deshalb eure Liebe.
2Kor 2,9 Der Zweck meines Briefes ist ja erreicht: Ich wollte sehen, ob ihr euch
bewährt und meine Anweisungen befolgt.
2Kor 2,10 Wem ihr vergebt, dem vergebe ich auch. Wenn ich etwas zu vergeben
hatte, dann habe ich es um euretwillen vor Christus längst getan.
2Kor 2,11 Denn wir kennen die Absichten Satans nur zu genau und wissen, wie er
uns zu Fall bringen möchte. Aber das soll ihm nicht gelingen.
2Kor 2,12 Als ich nach Troas kam, um dort die rettende Botschaft von Christus zu
verkünden, machte der Herr die Menschen sehr offen für diese Botschaft.
2Kor 2,13 Trotzdem war ich beunruhigt, weil ich meinen Mitarbeiter Titus nicht
antraf. Darum verabschiedete ich mich bald wieder von den Christen in Troas und
reiste ihm nach Mazedonien entgegen.
2Kor 2,14 Von ganzem Herzen danke ich Gott dafür, dass er uns überall im
Triumphzug Christi mitführt. Wohin wir auch kommen, verbreitet sich die
Erkenntnis Gottes wie ein angenehmer Duft, dem sich niemand entziehen kann.
2Kor 2,15 Ob die Menschen nun die Botschaft annehmen und gerettet werden oder
sie ablehnen und verloren gehen: Durch Christus sind wir ein Wohlgeruch für
Gott.
2Kor 2,16 Für die einen ist es ein Verwesungsgeruch, der ihnen den Tod bringt;
für die anderen aber ein angenehmer Duft, der ihnen neues Leben gibt. Wer aber
ist für diese große Aufgabe geeignet?
2Kor 2,17 Nun, wir machen jedenfalls mit Gottes Botschaft keine Geschäfte wie so
manche andere. Wir reden in aller Aufrichtigkeit und in Gottes Auftrag, weil wir
mit Christus eng verbunden sind und uns Gott verantwortlich wissen.
2Kor 3,1 Wollen wir damit etwa schon wieder für uns selbst werben? Sollen wir
euch etwa, wie es gewisse Leute tun, Empfehlungsschreiben vorzeigen oder uns
solche von euch geben lassen?
2Kor 3,2 Ihr selbst seid doch der beste Empfehlungsbrief für uns. Er ist in
unser Herz geschrieben und kann von allen gelesen werden.
2Kor 3,3 Jeder weiß, dass ihr selbst ein Brief Christi seid, den wir in seinem
Auftrag geschrieben haben; nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen
Gottes; nicht auf steinerne Gesetzestafeln wie bei Mose, sondern in menschliche
Herzen.
2Kor 3,4 Das wagen wir nur deshalb zu sagen, weil wir Gott vertrauen, der uns
durch Christus beauftragt hat.
2Kor 3,5 Wir bilden uns nicht ein, aus eigener Kraft irgendetwas tun zu können;
nein, Gott hat uns Kraft gegeben.
2Kor 3,6 Nur durch ihn können wir die rettende Botschaft verkünden, den neuen
Bund, den Gott mit uns Menschen geschlossen hat. Wir verkünden nicht länger die
Herrschaft des geschriebenen Gesetzes, sondern das neue Leben durch Gottes
Geist. Denn der Buchstabe tötet, Gottes Geist aber schenkt Leben.
2Kor 3,7 Schon das Gesetz, das in Stein gehauen war und den Tod brachte, ließ
etwas von Gottes Herrlichkeit erkennen. Nachdem Gott Mose das Gesetz gegeben
hatte, lag da nicht ein Glanz auf Moses Gesicht - so stark, dass die Israeliten
es nicht ertragen konnten? Doch wie schnell war dieser Glanz erloschen!
2Kor 3,8 Wie viel herrlicher muss es dann sein, die rettende Botschaft von
Christus zu verkünden, denn sie führt die Menschen durch Gottes Geist zum Leben!
2Kor 3,9 Wenn schon der Auftrag, der schließlich alle zum Tod verurteilte, so
sichtbar Gottes Herrlichkeit ausstrahlte, wie viel herrlicher ist dann der
Auftrag, durch den die Menschen von ihrer Schuld vor Gott freigesprochen werden!
2Kor 3,10 Die Herrlichkeit des Gesetzes verblasst vor der Herrlichkeit der
Botschaft von Jesus Christus.
2Kor 3,11 Wenn schon das Gesetz, das doch nur für eine bestimmte Zeit galt,
Gottes Herrlichkeit erstrahlen ließ, um wie viel mehr wird sich Gottes
Herrlichkeit durch die Botschaft von Jesus Christus offenbaren, die ewig gilt!
2Kor 3,12 Weil wir diese Hoffnung haben, können wir die rettende Botschaft
voller Zuversicht verkünden.
2Kor 3,13 Und wir brauchen auch nicht unser Gesicht mit einem Tuch zu verhüllen,
wie Mose es getan hat, damit die Israeliten nicht sahen, wie der Glanz Gottes
auf seinem Gesicht wieder erlosch.
2Kor 3,14 Aber nicht nur das, sie sind verschlossen für Gottes Botschaft. Bis
zum heutigen Tag ist das Alte Testament für sie wie mit einem Tuch verhüllt. Sie
lesen es zwar, aber seinen Sinn verstehen sie nicht. Dieses Tuch wird erst dann
weggenommen, wenn sie an Christus glauben.
2Kor 3,15 Bis heute liegt es auf ihren Herzen, wenn aus den Büchern des Mose
vorgelesen wird.
2Kor 3,16 Aber wie es bei Mose war, so ist es auch bei ihnen: Wenn sich Israel
dem Herrn zuwendet, wird das Tuch weggenommen.
2Kor 3,17 Mit dem »Herrn« ist Gottes Geist gemeint. Und wo der Geist des Herrn
ist, da ist Freiheit.
2Kor 3,18 Wir alle aber stehen mit unverhülltem Gesicht vor Gott und spiegeln
seine Herrlichkeit wider. Der Herr verändert uns durch seinen Geist, damit wir
ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit
bekommen.
2Kor 4,1 Weil Gott uns in seiner Barmherzigkeit die Aufgabe übertragen hat,
seine Botschaft überall zu verkünden, verlieren wir nicht den Mut.
2Kor 4,2 Wir halten uns fern von allen Heimlichkeiten, über die wir uns schämen
müssten, wir täuschen niemanden und verfälschen auch nicht Gottes Botschaft. Im
Gegenteil, wir sind Gott verantwortlich und verkünden frei und unverfälscht
seine Wahrheit. Das ist unsere Selbstempfehlung! Jeder, der ehrlich ist zu sich
selbst, wird mir Recht geben.
2Kor 4,3 Die Botschaft, dass Jesus Christus unsere Rettung ist, bleibt nur für
die dunkel, die verloren sind.
2Kor 4,4 Diese Ungläubigen hat der Satan, der Herrscher dieser Welt, so
verblendet, dass sie das helle Licht dieser Botschaft und die Herrlichkeit
Christi nicht sehen können. Und doch erkennen wir Gott selbst nur durch
Christus, weil Christus Gottes Ebenbild ist.
2Kor 4,5 Nicht wir sind der Mittelpunkt unserer Predigt, sondern Christus, der
Herr! Wir sind nur eure Diener, aus Liebe zu Jesus.
2Kor 4,6 Denn so wie Gott einmal befahl: »Licht soll aus der Dunkelheit
hervorbrechen!«, so hat sein Licht auch unsere Herzen erhellt. Durch uns sollen
nun alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus
aufstrahlt.
2Kor 4,7 Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche
Gefäße sind. So wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns
wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst.
2Kor 4,8 Die Schwierigkeiten bedrängen uns von allen Seiten, und doch werden wir
nicht von ihnen überwältigt. Wir sind oft ratlos, aber nie verzweifelt.
2Kor 4,9 Von Menschen werden wir verfolgt, aber bei Gott finden wir Zuflucht.
Wir werden zu Boden geschlagen, aber wir kommen dabei nicht um.
2Kor 4,10 Tagtäglich erfahren wir am eigenen Leib etwas vom Sterben, das Jesus
durchlitten hat. So wird an uns auch etwas vom Leben des auferstandenen Jesus
sichtbar.
2Kor 4,11 Unser Leben lang sind wir um Jesu willen ständig dem Tod ausgeliefert;
aber an unserem sterblichen Leib wird auch immer wieder sein Leben sichtbar.
2Kor 4,12 Uns bringt der Dienst für Jesus ständig in Todesgefahr, euch dagegen
hat er neues Leben gebracht.
2Kor 4,13 Wir haben Gottes Geist, der uns auf Gott vertrauen lässt. Wie der
Beter in der Heiligen Schrift können wir sagen: »Ich vertraue auf Gott, deshalb
rede ich!« Weil wir also an Jesus Christus glauben, müssen wir von ihm reden.
2Kor 4,14 Wir wissen: Gott, der Jesus vom Tod auferweckt hat, wird auch uns
auferwecken. Dann werden wir mit euch gemeinsam vor Gott stehen.
2Kor 4,15 Alle Entbehrungen aber ertragen wir für euch. Denn je mehr Menschen
das unverdiente Geschenk der Güte Gottes annehmen, umso mehr werden Gott danken
und ihn über alles ehren.
2Kor 4,16 Darum geben wir nicht auf. Wenn auch unsere körperlichen Kräfte
aufgezehrt werden, wird doch das Leben, das Gott uns schenkt, von Tag zu Tag
erneuert.
2Kor 4,17 Was wir jetzt leiden müssen, dauert nicht lange und ist leicht zu
ertragen in Anbetracht der unendlichen, unvorstellbaren Herrlichkeit, die uns
erwartet.
2Kor 4,18 Deshalb lassen wir uns von dem, was uns zurzeit so sichtbar bedrängt,
nicht ablenken, sondern wir richten unseren Blick auf Gottes neue Welt, auch
wenn sie noch unsichtbar ist. Denn das Sichtbare vergeht, doch das Unsichtbare
bleibt ewig.
2Kor 5,1 Das wissen wir: Wenn unser Leib einmal zerfällt wie ein Zelt, das
abgebrochen wird, erhalten wir einen neuen Leib, eine Behausung, die nicht von
Menschen errichtet ist. Gott hält sie im Himmel für uns bereit, und sie wird
ewig bleiben.
2Kor 5,2 Voll Verlangen sehnen wir uns danach, den neuen Leib anzuziehen wie ein
Kleid,
2Kor 5,3 damit wir nicht nackt, sondern bekleidet sind, wenn wir unseren
irdischen Körper ablegen müssen.
2Kor 5,4 Solange wir in diesem Körper leben, liegt eine schwere Last auf uns.
Wir wünschen uns nicht etwa den Tod herbei, sondern wir möchten den neuen Leib
überziehen, damit alles Vergängliche vom Leben überwunden wird.
2Kor 5,5 Darauf hat uns Gott vorbereitet, indem er uns als sicheres Pfand dafür
schon jetzt seinen Geist gegeben hat.
2Kor 5,6 Deshalb sind wir jederzeit zuversichtlich, auch wenn wir in unserem
irdischen Leib noch nicht bei Gott zu Hause sind.
2Kor 5,7 Jetzt glauben wir an ihn, auch wenn wir ihn noch nicht sehen können.
2Kor 5,8 Aber wir rechnen fest damit und würden am liebsten diesen Leib
verlassen, um endlich zu Hause beim Herrn zu sein.
2Kor 5,9 Ganz gleich, ob wir nun bei ihm sind oder noch auf dieser Erde leben,
möchten wir in jedem Fall tun, was Gott gefällt.
2Kor 5,10 Denn einmal werden wir uns alle vor Christus als unserem Richter
verantworten müssen. Dann wird jeder das bekommen, was er für sein Tun auf
dieser Erde verdient hat, mag es gut oder schlecht gewesen sein.
2Kor 5,11 Weil ich weiß, dass ich mich einmal vor Gott verantworten muss, will
ich möglichst viele für Christus gewinnen. Gott weiß, dass ich nur dies eine
will, und ich hoffe, auch ihr unterstellt mir keine anderen Absichten.
2Kor 5,12 Das sage ich nun wirklich nicht, um mich selbst zu loben. Ich will
euch nur ein paar Gründe nennen, warum ihr stolz auf mich sein dürft. Dann könnt
ihr sie denen entgegenhalten, für die äußere Vorzüge wichtiger sind als innere
Überzeugung.
2Kor 5,13 Wenn ich, ergriffen vom Geist Gottes, in Ekstase gerate, dann
geschieht dies nur zur Ehre Gottes. Euch gegenüber rede ich dagegen immer mit
Vernunft, und das kommt euch zugute.
2Kor 5,14 Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt
hat - sie lässt uns keine andere Wahl. Wir sind davon überzeugt: Weil einer für
alle Menschen starb, sind sie alle gestorben.
2Kor 5,15 Und Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die leben,
nicht länger für sich selbst leben, sondern für Christus, der für sie gestorben
und auferstanden ist.
2Kor 5,16 Wir beurteilen auch niemanden mehr nach rein menschlichen Maßstäben.
Selbst wenn wir Christus früher danach beurteilt haben, so gelten diese Maßstäbe
jetzt nicht mehr.
2Kor 5,17 Gehört jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher
war, ist vergangen, etwas Neues hat begonnen.
2Kor 5,18 All dies verdanken wir Gott, der durch Christus mit uns Frieden
geschlossen hat. Er hat uns beauftragt, diese Botschaft überall zu verkünden.
2Kor 5,19 Denn Gott ist durch Christus selbst in diese Welt gekommen und hat
Frieden mit ihr geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger
anrechnet. Gott hat uns dazu bestimmt, diese Botschaft der Versöhnung in der
ganzen Welt zu verbreiten.
2Kor 5,20 Als Botschafter Christi fordern wir euch deshalb im Namen Gottes auf:
Lasst euch mit Gott versöhnen! Wir bitten euch darum im Auftrag Christi.
2Kor 5,21 Denn Gott hat Christus, der ohne jede Sünde war, mit all unserer
Schuld beladen und verurteilt, damit wir freigesprochen sind und Menschen
werden, die Gott gefallen.
2Kor 6,1 Als Gottes Mitarbeiter bitten wir euch: Lasst die Gnade, die Gott euch
geschenkt hat, in eurem Leben nicht ohne Auswirkung bleiben.
2Kor 6,2 Denn Gott hat gesagt: »Ich will dein Gebet erhören. Es wird eine Zeit
der Gnade für dich geben, einen Tag, an dem du meine Hilfe erfährst!« Genau
diese Zeit ist jetzt da, der Tag der Rettung ist nun gekommen.
2Kor 6,3 Niemand soll uns persönlich etwas Schlechtes nachsagen können, damit
nicht unser Auftrag in Verruf gerät.
2Kor 6,4 In allem empfehlen wir uns als Gottes Mitarbeiter: Wir bleiben
standhaft in Bedrängnissen, in Not und Angst,
2Kor 6,5 auch wenn man uns schlägt und einsperrt, wenn wir aufgehetzten Menschen
ausgeliefert sind, bis zur Erschöpfung arbeiten, uns kaum Schlaf gönnen und auf
Nahrung verzichten.
2Kor 6,6 Wir lassen uns nichts zuschulden kommen und erkennen Gottes Willen; wir
sind geduldig und freundlich, Gottes Heiliger Geist wirkt durch uns, und wir
lieben jeden Menschen aufrichtig.
2Kor 6,7 Wir verkünden Gottes Wahrheit und leben aus seiner Kraft. Zum Angriff
wie zur Verteidigung gebrauchen wir die Waffen Gottes: das richtige Verhalten
vor Gott und den Menschen.
2Kor 6,8 Dabei lassen wir uns nicht beirren: weder durch Lob noch Verachtung,
weder durch gute Worte noch böses Gerede. Man nennt uns Lügner, und wir sagen
doch die Wahrheit.
2Kor 6,9 Für die Welt sind wir Unbekannte, aber Gott kennt uns. Wir sind
Sterbende, und dennoch leben wir. Wir werden geschlagen und kommen doch nicht
um.
2Kor 6,10 In allen Traurigkeiten bleiben wir fröhlich. Wir sind arm und
beschenken doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles.
2Kor 6,11 Ihr lieben Christen in Korinth! Wir haben sehr offen zu euch
gesprochen und euch dabei in unser Herz blicken lassen.
2Kor 6,12 Der Platz in unserem Herzen ist euch sicher, auch wenn ihr euch uns
gegenüber verschließt.
2Kor 6,13 Ich rede zu euch wie ein Vater zu seinen Kindern. Schenkt mir doch
dasselbe Vertrauen, das ich euch entgegenbringe, und öffnet mir eure Herzen!
2Kor 6,14 Zieht nicht an einem Strang mit Leuten, die nicht an Christus glauben.
Was haben denn Gottes Gerechtigkeit und die Gesetzlosigkeit dieser Welt
miteinander zu tun? Wie passen Licht und Finsternis zusammen?
2Kor 6,15 Was hat Christus mit dem Teufel gemeinsam? Oder was verbindet einen
Glaubenden mit einem Ungläubigen?
2Kor 6,16 Was haben die Götzenfiguren mit dem Tempel Gottes zu tun? Vergesst
nicht: Wir selbst sind der Tempel des lebendigen Gottes. So hat Gott gesagt:
»Ich will mitten unter ihnen leben. Ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein
Volk sein!«
2Kor 6,17 Darum befiehlt Gott: »Verlasst sie, und trennt euch von ihnen! Rührt
nichts Unreines an! Dann will ich euch annehmen.
2Kor 6,18 Ich werde euer Vater sein, und ihr werdet meine Söhne und Töchter
sein. So spricht der Herr, der allmächtige Gott.«
2Kor 7,1 Meine lieben Freunde! All dies hat uns Gott versprochen. Darum wollen
wir uns auch von allem trennen, was unseren Körper oder unseren Geist
verunreinigt. In Ehrfurcht vor Gott wollen wir immer mehr so leben, wie es ihm
gefällt.
2Kor 7,2 Vertraut uns doch! Wir haben ja keinem von euch Unrecht getan. Wir
haben niemanden zugrunde gerichtet und keinen von euch betrogen.
2Kor 7,3 Ich sage das nicht, um euch zu verurteilen. Denn ich habe euch ja
vorhin gesagt, wie sehr ich euch liebe. Wir sind untrennbar miteinander
verbunden, im Leben und im Sterben.
2Kor 7,4 Ich vertraue euch in jeder Beziehung und bin sogar stolz auf euch.
Trotz aller Schwierigkeiten bin ich getröstet, und meine Freude ist
unbeschreiblich groß.
2Kor 7,5 Als wir nach Mazedonien kamen, waren wir sehr beunruhigt. Überall gab
es Schwierigkeiten. Wir mussten alle möglichen Anfeindungen ertragen und waren
zudem selber voller Angst und Sorgen.
2Kor 7,6 Aber Gott hilft den Mutlosen. Er hat uns durch die Ankunft des Titus
getröstet;
2Kor 7,7 und das nicht nur, weil Titus endlich wieder bei uns war. Noch mehr
haben wir uns darüber gefreut, dass Titus bei euch so viel Gutes erfahren hat.
Er hat mir davon berichtet, wie sehr ihr auf meinen Besuch wartet, wie leid euch
das Geschehene tut und mit welchem Eifer ihr euch für mich einsetzt. Ich kann
euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe.
2Kor 7,8 Jetzt bereue ich auch nicht, dass ich euch den Brief geschrieben habe,
der euch so erschüttert hat. Zwar dachte ich schon, ich hätte ihn gar nicht
abschicken sollen - eben weil ihr wegen des Briefes traurig gewesen seid,
2Kor 7,9 doch jetzt bin ich froh, dass ich ihn geschrieben habe. Natürlich
nicht, weil ihr traurig gewesen seid, sondern weil euch dies zum Nachdenken und
zur Umkehr gebracht hat. Genau das war Gottes Absicht, und deshalb hat euch
unser Brief auch nicht geschadet.
2Kor 7,10 Denn die von Gott bewirkte Traurigkeit führt zur Umkehr und bringt
Rettung. Und wer sollte das jemals bereuen! Nur die Traurigkeit, die nicht zur
Umkehr führt, bewirkt den Tod.
2Kor 7,11 Bedenkt doch nur, was Gott alles durch eure Traurigkeit erreicht hat!
Wie viel guten Willen zeigt ihr jetzt, wie bereitwillig habt ihr euch
entschuldigt, und wie sehr bemüht ihr euch zu beweisen, dass ihr euch nicht
mitschuldig machen wollt! Jetzt seid ihr über das Vorgefallene empört, wie groß
ist eure Furcht vor den Folgen! Ihr wünscht euch sehr, mich wiederzusehen. Eure
Entschlossenheit hat dazu geführt, dass der Schuldige bestraft wurde. Ihr habt
damit bewiesen, dass diese Sache bereinigt ist.
2Kor 7,12 Ich habe euch meinen Brief nicht geschrieben, weil es mir um den ging,
der Unrecht getan hat, oder den, dem Unrecht geschehen ist. Es kam mir allein
darauf an, dass ihr vor Gott zeigen konntet, wie sehr ihr euch für uns einsetzt.
2Kor 7,13 Deshalb sind wir nun getröstet, und das umso mehr, als mir Titus
voller Freude berichtete, wie er von euch ermutigt worden ist.
2Kor 7,14 Ich hatte ihm so viel Gutes von euch erzählt, und ihr habt mich nicht
enttäuscht. So wie ich euch gegenüber immer die Wahrheit gesagt habe, so konnte
mir Titus nun auch bestätigen, dass ich zu Recht auf euch stolz bin.
2Kor 7,15 Er liebt euch jetzt noch mehr, denn er hat eure Bereitschaft zum
Gehorsam gesehen, nachdem ihr ihn voller Angst und Bangen aufgenommen habt.
2Kor 7,16 Ich freue mich, dass ich euch so ganz und gar vertrauen kann.
2Kor 8,1 Nun will ich euch berichten, was Gott in seiner Güte in den Gemeinden
der Provinz Mazedonien bewirkt hat.
2Kor 8,2 Die Christen dort haben wegen ihres Glaubens viele Schwierigkeiten
standhaft ertragen. Und doch waren sie voller Freude und haben trotz ihrer
großen Armut reichlich für andere gegeben.
2Kor 8,3 Ich kann bezeugen, dass sie von sich aus gaben, was sie nur konnten,
und sogar mehr als das.
2Kor 8,4 Sie haben es sogar als ein Vorrecht angesehen, sich an der Hilfe für
die Christen in Jerusalem beteiligen zu dürfen.
2Kor 8,5 Sie haben sehr viel mehr getan, als wir jemals erwarten konnten, denn
sie schenkten sich geradezu selbst, zuerst dem Herrn, danach auch uns. So
gehorchten sie Gott.
2Kor 8,6 Nach dieser Erfahrung habe ich Titus zugeredet, dass er auch bei euch
die Sammlung, mit der er bereits begonnen hat, zum Abschluss bringt.
2Kor 8,7 Ihr seid in so vielem überaus reich gesegnet: in eurem Glauben, in der
Predigt und dem Verständnis der Botschaft Gottes, in eurem Einsatz für den Herrn
und durch die Liebe, die wir in euch geweckt haben. Lasst diesen Reichtum nun
auch sichtbar werden, indem ihr der Gemeinde in Jerusalem helft.
2Kor 8,8 Natürlich will ich euch nichts befehlen. Aber angesichts der
Opferbereitschaft der anderen würde ich gern sehen, wie echt eure Liebe ist.
2Kor 8,9 Denkt daran, was unser Herr Jesus Christus in seiner Liebe für euch
getan hat. Er war reich und wurde doch arm, um euch durch seine Armut reich zu
machen.
2Kor 8,10 Nach meiner Meinung kann es nur gut für euch sein, wenn ihr die
Sammlung durchführt. Ihr habt sie euch ja vor einem Jahr vorgenommen und auch
schon damit begonnen.
2Kor 8,11 Nur solltet ihr diesmal die Sache auch tatsächlich zu Ende bringen,
damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt. Gebt so viel, wie es euren
Möglichkeiten entspricht!
2Kor 8,12 Wenn ihr etwas geben wollt, dann wird eure Gabe dankbar angenommen,
sei es viel oder wenig - entsprechend dem, was ihr habt.
2Kor 8,13 Ihr sollt nicht selbst in Not geraten, weil ihr anderen aus der Not
helft. Es geht nur um einen gewissen Ausgleich.
2Kor 8,14 Heute habt ihr so viel, dass ihr ihnen helfen könnt. Ein andermal
werden sie euch von ihrem Überfluss abgeben, wenn es nötig ist. Das meine ich
mit Ausgleich.
2Kor 8,15 Erinnert euch daran, was die Heilige Schrift dazu sagt: »Wer viel
eingesammelt hatte, der hatte nicht zu viel; und wer nur wenig aufgelesen hatte,
dem fehlte nichts.«
2Kor 8,16 Ich danke Gott, dass er Titus dazu bereitgemacht hat, sich für euch
einzusetzen.
2Kor 8,17 Er war gleich einverstanden, zu euch zu reisen, ohne dass ich ihn erst
lange darum bitten musste.
2Kor 8,18 Mit ihm kommt noch ein anderer Bruder, den alle Gemeinden sehr
schätzen, weil er die rettende Botschaft verkündet.
2Kor 8,19 Die Gemeinden haben ihn ausdrücklich dazu bestimmt, gemeinsam mit uns
das gesammelte Geld nach Jerusalem zu bringen. Das war auch unser Wunsch, damit
alles zur Ehre Gottes geschieht.
2Kor 8,20 So soll allen Verdächtigungen vorgebeugt werden - es handelt sich
immerhin um eine recht hohe Geldsumme.
2Kor 8,21 Wir wollen uns nämlich nicht nur Gott, sondern auch den Menschen
gegenüber gewissenhaft verhalten.
2Kor 8,22 Zusammen mit den beiden schicken wir noch einen anderen Bruder zu
euch. Wir haben ihn bei vielen Gelegenheiten als überaus tatkräftigen und
zuverlässigen Christen kennen gelernt. Weil er schon so viel Gutes von euch
gehört hat, kommt er besonders gern zu euch.
2Kor 8,23 Titus ist mein Freund und Mitarbeiter, die beiden anderen Brüder
wurden von den Gemeinden für diese Aufgabe ausgewählt und machen mit ihrem Leben
Christus alle Ehre.
2Kor 8,24 Nehmt sie deshalb in Liebe auf, und beweist damit vor allen Gemeinden,
dass wir euch zu Recht so sehr gelobt haben.
2Kor 9,1 Über die Sammlung für die Gemeinde in Jerusalem brauche ich wohl keine
weiteren Worte zu verlieren.
2Kor 9,2 Eure Bereitschaft zu helfen ist mir ja bekannt. Ich habe euch deswegen
in den mazedonischen Gemeinden schon gelobt und berichtet, dass ihr in der
Provinz Achaja bereits im vorigen Jahr mit der Sammlung begonnen habt. Euer
Beispiel hat viele angespornt.
2Kor 9,3 Ihr könnt jetzt beweisen, dass ich eure Hilfsbereitschaft richtig
eingeschätzt habe. Damit eure Sammlung auch wirklich abgeschlossen wird, wie ich
es überall erzählt habe, schicke ich diese Männer zu euch.
2Kor 9,4 Dann brauche ich den Leuten aus Mazedonien, wenn sie mit mir nach
Korinth kommen, nicht beschämt einzugestehen, dass wir uns geirrt haben, weil es
mit eurer Opferbereitschaft nicht weit her ist. Doch im Grunde müsstet ihr euch
dann schämen.
2Kor 9,5 Deshalb habe ich lieber die Brüder vorausgeschickt, damit sie dafür
sorgen, dass die von euch zugesagte Spende auch wirklich bereitliegt. Es soll
doch eine reiche Gabe sein und kein Almosen von Geizhälsen.
2Kor 9,6 Ich bin davon überzeugt: Wer wenig sät, der wird auch wenig ernten; wer
aber viel sät, der wird auch viel ernten.
2Kor 9,7 So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und
zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich
gibt.
2Kor 9,8 Er wird euch dafür alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das. So
werdet ihr nicht nur selbst genug haben, sondern auch noch anderen von eurem
Überfluss weitergeben können.
2Kor 9,9 Schon in der Heiligen Schrift heißt es ja von dem Mann, den Gott reich
beschenkt hat: »Großzügig schenkt er den Bedürftigen, was sie brauchen; auf
seine barmherzige Liebe kann man immer zählen.«
2Kor 9,10 Gott aber, der dem Sämann Saat und Brot schenkt, wird auch euch
Saatgut geben. Er wird es wachsen lassen und dafür sorgen, dass eure
Opferbereitschaft Früchte trägt.
2Kor 9,11 Ihr werdet alles so reichlich haben, dass ihr unbesorgt weitergeben
könnt. Wenn wir dann eure Gabe überbringen, werden viele Menschen Gott dafür
danken.
2Kor 9,12 Eure Gabe hätte demnach zwei gute Auswirkungen: Sie wäre nicht nur
eine Hilfe für die notleidenden Christen in Jerusalem, sie würde auch bewirken,
dass viele Menschen Gott danken.
2Kor 9,13 Durch eure Unterstützung zeigt sich, wie sich euer Glaube bewährt.
Dann werden die Beschenkten Gott loben, weil ihr euch so treu zur rettenden
Botschaft von Christus bekennt und so bereitwillig mit ihnen und mit allen
anderen teilt.
2Kor 9,14 Sie werden für euch beten und wären gern mit euch zusammen, weil sich
an euch die Gnade Gottes auf so wunderbare Weise gezeigt hat.
2Kor 9,15 Wir aber danken Gott für seine unaussprechlich große Gabe.
2Kor 10,1 Ich, Paulus, möchte mit euch noch eine persönliche Angelegenheit
klären, im Geist der Liebe und Güte Christi. Einige von euch sagen mir nach, ich
sei feige und ängstlich, solange ich bei euch bin, aber mutig und zu allem
entschlossen, wenn ich mich nur weit genug von euch entfernt habe.
2Kor 10,2 Zwingt mich bitte nicht dazu, tatsächlich hart durchgreifen zu müssen,
wenn ich zu euch komme. Auf jeden Fall werde ich entschieden gegen alle
vorgehen, die mir allzu menschliche Absichten unterstellen.
2Kor 10,3 Natürlich bin auch ich nur ein Mensch, aber ich kämpfe nicht mit
menschlichen Mitteln.
2Kor 10,4 Ich setze nicht die Waffen dieser Welt ein, sondern die Waffen Gottes.
Sie sind mächtig genug, jede Festung zu zerstören, jedes menschliche
Gedankengebäude niederzureißen,
2Kor 10,5 einfach alles zu vernichten, was sich stolz gegen Gott und seine
Wahrheit erhebt. Alles menschliche Denken nehmen wir gefangen und unterstellen
es Christus, weil wir ihm gehorchen wollen.
2Kor 10,6 In diesem Sinn werden wir auch jeden Ungehorsam strafen, aber zuerst
müsst ihr als Gemeinde zum Gehorsam bereit sein.
2Kor 10,7 Seht doch den Tatsachen ins Auge! Ist jemand davon überzeugt, zu
Christus zu gehören, dann soll er uns das nicht absprechen.
2Kor 10,8 Immerhin könnte ich noch für mich in Anspruch nehmen, dass Gott mir
als Apostel besondere Vollmacht gegeben hat. Damit würde ich nicht einmal
übertreiben. Doch mein Auftrag ist, euch zu helfen, nicht euch zu schaden.
2Kor 10,9 Ihr sollt aber nicht denken, ich wollte euch mit meinen Briefen
einschüchtern.
2Kor 10,10 Das könnte man fast annehmen, wenn ihr sagt: »In seinen Briefen
gebraucht er große Worte, doch bei uns ist er ängstlich und zaghaft. Und wen
beeindruckt schon, was er sagt?«
2Kor 10,11 Wer das von mir behauptet, der soll wissen: Genauso wie ich in meinen
Briefen mit euch rede, werde ich handeln, wenn ich bei euch bin.
2Kor 10,12 Wir würden es natürlich niemals wagen, uns mit denen zu vergleichen,
die sich überall selbst empfehlen, oder uns gar auf eine Stufe mit ihnen zu
stellen. Wie unverständig sie doch sind! Sie stellen ihre eigenen Maßstäbe auf,
um sich dann selbst daran zu messen.
2Kor 10,13 Wir dagegen überschätzen uns nicht so maßlos. Wir möchten
ausschließlich mit Gottes Maß gemessen werden, und dazu gehört auch unsere
Arbeit bei euch.
2Kor 10,14 Wir sind bis zu euch gekommen und haben euch die rettende Botschaft
von Christus gebracht; daher sind wir auch nicht maßlos, wenn wir uns rühmen.
2Kor 10,15 Dabei schmücken wir uns keineswegs mit fremden Federn. Wenn ihr erst
einmal im Glauben fest und stark geworden seid, hoffen wir sogar, unsere
Missionsarbeit noch weiter ausdehnen zu können.
2Kor 10,16 Denn wir wollen auch den Menschen die rettende Botschaft bringen, die
jenseits eurer Grenzen leben. Sonst würden wir uns ja mit einer Arbeit brüsten,
die andere bereits getan haben.
2Kor 10,17 Es heißt doch: »Wer sich rühmen will, der rühme das, was Gott getan
hat.«
2Kor 10,18 Niemand ist schon deshalb ein bewährter Diener Gottes, weil er sich
selbst empfiehlt. Entscheidend ist, dass Gott ihm ein gutes Zeugnis ausstellt.
2Kor 11,1 Ihr gestattet mir sicher, dass ich mich jetzt auch einmal töricht
verhalte.
2Kor 11,2 Ich werbe geradezu eifersüchtig um euch, so wie Gott um euch wirbt.
Wie ein Vater seine Tochter einem einzigen Mann anvertraut, so möchte ich euch
mit Christus verloben, damit ihr ihm allein gehört.
2Kor 11,3 Zur Zeit aber fürchte ich, dass mir dies nicht gelingt. Denn wie schon
am Anfang die Schlange Eva mit ihrer List verführte, so könntet auch ihr davon
abgebracht werden, einzig und allein Christus zu lieben und an ihn zu glauben.
2Kor 11,4 Ihr lasst euch leicht verführen. Wenn jemand daherkommt und etwas
anderes über Jesus sagt, als wir euch gelehrt haben, dann schenkt ihr ihm
bereitwillig Glauben. Ihr empfangt einen anderen Geist als den Geist Gottes und
nehmt eine andere Botschaft an als die, die wir euch gebracht haben.
2Kor 11,5 Ich stehe diesen großartigen Aposteln, vor denen ihr solchen Respekt
habt, in nichts nach. Das weiß ich.
2Kor 11,6 Vielleicht bin ich kein besonders geschickter Redner, aber was meine
Erkenntnis der rettenden Botschaft betrifft, nehme ich es gern mit ihnen auf.
Das habe ich in aller Öffentlichkeit zu jeder Zeit bewiesen.
2Kor 11,7 Habe ich etwa ein Unrecht begangen, als ich euch die rettende
Botschaft verkündet habe, ohne etwas für meinen Lebensunterhalt zu erwarten? Zu
euren Gunsten habe ich auf alles verzichtet.
2Kor 11,8 Um euch ungehindert dienen zu können, habe ich andere Gemeinden
geradezu beraubt und Geld von ihnen genommen.
2Kor 11,9 Auch als ich während meines Aufenthaltes bei euch in Not geriet, habt
ihr nichts für mich zahlen müssen. Versorgt haben mich die Gemeinden aus
Mazedonien, so dass ich euch niemals zur Last gefallen bin. Und dabei wird es
auch in Zukunft bleiben.
2Kor 11,10 So wahr Christus in mir lebt und die Wahrheit ist: Niemand in der
ganzen Provinz Achaja wird mir diesen Ruhm nehmen können!
2Kor 11,11 Sage ich dies etwa, weil ich euch nicht liebe? Gott weiß, wie sehr
ich euch liebe!
2Kor 11,12 Trotzdem will ich auch in Zukunft kein Geld von euch annehmen. Keiner
von diesen anderen soll sich länger als Apostel ausgeben dürfen. Wir
unterscheiden uns in vielen Dingen!
2Kor 11,13 Denn sie sind falsche Apostel, Betrüger, die lediglich behaupten, sie
seien Apostel Christi.
2Kor 11,14 Aber das ist nicht weiter verwunderlich! Gibt sich nicht sogar der
Satan als Engel Gottes aus?
2Kor 11,15 Kein Wunder, wenn auch seine Helfer als Diener Gottes auftreten! Doch
sie werden ihr verdientes Ende finden.
2Kor 11,16 Ich sage es noch einmal: Niemand soll mich für einen Narren halten.
Wenn ihr es aber doch tut, dann lasst mich auch den Narren spielen, damit ich
ein wenig prahlen kann.
2Kor 11,17 Was ich jetzt sage, ist allerdings nicht im Sinn unseres Herrn. Ich
bin mir bewusst, dass ich damit wie ein Narr rede. Aber ich sage es trotzdem,
wenn wir schon einmal beim Prahlen sind.
2Kor 11,18 Wie die anderen dauernd ihre guten Seiten herausstellen, will ich es
auch einmal tun.
2Kor 11,19 Ihr seid ja so klug, dass ihr bereitwillig hinter jedem Narren
herlauft.
2Kor 11,20 Und ihr habt ja nichts dagegen, wenn man euch schindet und ausnutzt,
wenn man euch einfängt, euch von oben herab behandelt oder gar ins Gesicht
schlägt.
2Kor 11,21 Zu meiner Schande muss ich gestehen: Im Vergleich zu diesen
großartigen Aposteln waren wir geradezu Schwächlinge! Aber da ich mich nun
einmal entschlossen habe, wie ein Narr zu reden: Womit diese Leute sich brüsten,
damit kann ich schon lange dienen.
2Kor 11,22 Sie sind Hebräer? Das bin ich auch! Sie sind Israeliten? Das bin ich
auch! Sie sind Nachkommen Abrahams? Ich etwa nicht?
2Kor 11,23 Sie sind Diener Christi? Was ich jetzt entgegne, kann wirklich nur
noch ein Narr sagen: Ich habe Christus weit mehr gedient und viel mehr auf mich
genommen als sie. Ich bin öfter im Gefängnis gewesen und häufiger ausgepeitscht
worden. Unzählige Male hatte ich den Tod vor Augen.
2Kor 11,24 Fünfmal habe ich von den Juden die neununddreißig Schläge erhalten.
2Kor 11,25 Dreimal wurde ich von den Römern ausgepeitscht, und einmal hat man
mich gesteinigt. Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einmal trieb ich sogar
einen Tag und eine ganze Nacht hilflos auf dem Meer.
2Kor 11,26 Auf meinen vielen Reisen bin ich immer wieder in Gefahr geraten durch
reißende Flüsse und durch Räuber. Gefahr drohte mir von meinem eigenen Volk
ebenso wie von den Nichtjuden. In den Städten wurde ich verfolgt, in der Wüste
und auf dem Meer bangte ich um mein Leben. Und wie oft wollten mich falsche
Brüder verraten!
2Kor 11,27 Mein Leben bestand aus Mühe und Plage, aus durchwachten Nächten, aus
Hunger und Durst. Ich habe oft gefastet und war schutzlos der Kälte ausgesetzt.
2Kor 11,28 Aber das ist noch längst nicht alles. Tag für Tag lässt mich die
Sorge um alle Gemeinden nicht los.
2Kor 11,29 Wenn einer schwach ist, dann trage ich ihn mit; wird jemand zum Bösen
verführt, versuche ich ihm unter Einsatz aller meiner Kraft zu helfen.
2Kor 11,30 Wenn ich mich also schon selbst loben muss, dann will ich mit meinen
Leiden prahlen.
2Kor 11,31 Gott weiß, dass dies alles wahr ist. Ihm, dem Vater unseres Herrn
Jesus Christus, sei Lob und Ehre in Ewigkeit.
2Kor 11,32 Einmal, es war in Damaskus, ließ der Statthalter des Königs Aretas
die Stadttore bewachen, um mich festzunehmen.
2Kor 11,33 Dort hat man mich in einem Korb durch eine Luke in der Stadtmauer
hinuntergelassen, und nur so konnte ich entkommen.
2Kor 12,1 Freilich ist solches Eigenlob im Grunde Unsinn und nützt niemandem.
Trotzdem muss ich jetzt diese Gedanken zu Ende führen und von Visionen und
Offenbarungen berichten, die der Herr schenkt.
2Kor 12,2 Ich kenne einen Menschen, der mit Christus eng verbunden ist. Vor
vierzehn Jahren wurde er in den dritten Himmel entrückt. Gott allein weiß, ob
dieser Mensch leibhaftig oder mit seinem Geist dort war.
2Kor 12,3 Und wenn ich auch nicht verstehe, wie er dorthin kam - auch das weiß
allein Gott -,
2Kor 12,4 er war im Paradies und hat dort Worte gehört, die für Menschen
unaussprechlich sind.
2Kor 12,5 Was dieser Mensch erlebt hat, das will ich rühmen. Bei mir selbst aber
lobe ich nur meine Schwachheit.
2Kor 12,6 Doch auch wenn ich mich selbst loben würde, wäre ich noch lange nicht
verrückt, schließlich sage ich die Wahrheit. Ich verzichte aber darauf, denn ihr
sollt mich nicht überschätzen, sondern mich nur nach dem beurteilen, was ihr an
meinem Leben sehen und aus meinen Worten hören könnt.
2Kor 12,7 Gott selbst hat dafür gesorgt, dass ich mir auf die unbeschreiblichen
Offenbarungen, die ich gesehen habe, nichts einbilde. Deshalb hat er mir ein
quälendes Leiden auferlegt. Es ist, als ob ein Engel des Satans mich mit Fäusten
schlägt, damit ich nicht überheblich werde.
2Kor 12,8 Dreimal schon habe ich Gott angefleht, mich davon zu befreien.
2Kor 12,9 Aber er hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst!
Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir.«
Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist
sich die Kraft Christi an mir.
2Kor 12,10 Und so trage ich alles, was Christus mir auferlegt hat - alle
Misshandlungen und Entbehrungen, alle Verfolgungen und Ängste. Denn ich weiß:
Gerade wenn ich schwach bin, bin ich stark.
2Kor 12,11 Ihr habt mich gezwungen, mich wie ein Narr aufzuführen. Denn nicht
ich sollte mich loben, sondern ihr solltet es tun. Obwohl ich ein »Nichts« bin,
kann ich es mit euren großartigen Aposteln aufnehmen.
2Kor 12,12 Durch meine unermüdliche Arbeit bei euch und durch Zeichen, Wunder
und andere machtvolle Taten habe ich bewiesen, dass ich wirklich ein Apostel
bin.
2Kor 12,13 Habe ich euch etwa schlechter behandelt als andere Gemeinden, nur
weil ich euch kein Geld abnahm? Dann verzeiht mir dieses »Unrecht«!
2Kor 12,14 Ich werde jetzt zum dritten Mal zu euch kommen, und auch diesmal
nicht auf eure Kosten leben. Schließlich geht es mir nicht um euer Geld, sondern
um euch selbst. Außerdem versorgen in der Regel nicht die Kinder ihre Eltern,
sondern die Eltern ihre Kinder.
2Kor 12,15 Für euch würde ich alles hingeben, sogar mein Leben. Sollte ich
tatsächlich von euch weniger geliebt werden, weil ich euch so sehr liebe?
2Kor 12,16 Nun gut, ich habe von euch kein Geld genommen. Aber vielleicht denkt
ihr sogar, ich sei ganz besonders listig gewesen und hätte euch auf
hinterhältige Weise ausgenutzt.
2Kor 12,17 Haben euch meine Mitarbeiter ausgebeutet, die ich zu euch schickte?
2Kor 12,18 Titus etwa, den ich selbst beauftragt habe, oder der von den
Gemeinden entsandte Bruder? Natürlich nicht, das ist ausgeschlossen! Denn in
dieser Sache sind wir vollkommen einer Meinung und gehen denselben Weg.
2Kor 12,19 Ihr meint wohl, wir wollen uns vor euch nur verteidigen. Ganz und gar
nicht; denn als Christen sind wir allein Gott verantwortlich. Mit allem, was wir
euch gesagt haben, liebe Brüder und Schwestern, wollen wir euch doch nur
weiterhelfen.
2Kor 12,20 Denn ich befürchte, dass ich euch bei meiner Ankunft nicht so
antreffen werde, wie ich es erhoffe. Und dann - fürchte ich - werdet auch ihr
von mir enttäuscht sein. Hoffentlich erwarten mich bei euch nicht wieder Streit,
Neid, Zorn und hässliche Auseinandersetzungen! Hoffentlich gibt es nicht wieder
Verleumdung und bösartiges Gerede, Hochmut und Unfrieden!
2Kor 12,21 Ich habe Angst, dass Gott mich aufs Neue bei euch demütigen könnte
und ich über viele von euch traurig sein müsste, die nicht bereit waren, von
ihrem zügellosen, ausschweifenden Leben umzukehren.
2Kor 13,1 Jetzt werde ich zum dritten Mal zu euch kommen. Denkt daran: »Jeder
Streitfall soll durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.«
2Kor 13,2 Schon bei meinem zweiten Besuch habe ich euch gewarnt. Ich sage es
jetzt in diesem Brief noch einmal unmissverständlich: Ich werde, wenn ich wieder
bei euch bin, ohne Nachsicht gegen alle vorgehen, die Schuld auf sich geladen
haben.
2Kor 13,3 Ihr selbst wollt ja den Beweis, dass Christus durch mich spricht. Nun,
Christus ist euch gegenüber nicht schwach, sondern stark und mächtig.
2Kor 13,4 Als er gekreuzigt wurde, war er schwach; aber jetzt lebt er aus der
Kraft Gottes. Auch wir sind schwach, weil wir mit Christus verbunden sind; doch
euch gegenüber wird sich zeigen, dass wir mit Christus aus der Kraft Gottes
leben.
2Kor 13,5 Prüft euch! Stellt selbst fest, ob euer Glaube noch lebendig ist! Oder
ist bei euch nichts mehr davon zu merken, dass Jesus Christus unter euch lebt?
Dann allerdings hättet ihr diese Prüfung nicht bestanden.
2Kor 13,6 Ich hoffe aber, ihr werdet erkennen, dass wir diese Probe bestanden
haben.
2Kor 13,7 Wir beten zu Gott, dass ihr nichts Böses tut; und zwar nicht, damit
wir bestätigt werden, sondern allein damit ihr das Gute tut, selbst wenn man uns
für Versager hält.
2Kor 13,8 Gegen Gottes Wahrheit können wir ohnehin nichts ausrichten, wir können
nur für sie eintreten.
2Kor 13,9 Gern wollen wir schwach sein, wenn ihr nur stark seid. Darum beten
wir, dass ihr immer mehr so lebt, wie es Gott gefällt.
2Kor 13,10 Ich habe euch das alles aus der Ferne geschrieben, ehe ich zu euch
komme, damit ich nicht zu streng mit euch sein muss, wenn ich bei euch bin. Denn
Gott hat mir seine Vollmacht gegeben, um euch aufzubauen, nicht um euch zu
zerstören.
2Kor 13,11 Zum Schluss, meine lieben Brüder und Schwestern, noch einmal meine
Bitte: Freut euch! Kehrt von euren falschen Wegen um! Hört auf alles, was ich
euch geschrieben habe. Haltet fest zusammen, und lebt in Frieden miteinander.
Dann wird Gott, der ein Gott der Liebe und des Friedens ist, bei euch sein.
2Kor 13,12 Grüßt euch mit dem Friedenskuss. Die Gemeinde hier lässt euch grüßen.
2Kor 13,13 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die
Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Gal 1,1 Diesen Brief schreibt Paulus, der Apostel. Ich bin weder von Menschen
berufen noch durch sie ausgesandt worden. Jesus Christus selbst hat mich zu
seinem Apostel bestimmt und Gott, unser Vater, der Jesus von den Toten
auferweckte.
Gal 1,2 Im Namen aller Brüder und Schwestern, die hier bei mir sind, grüße ich
die Gemeinden in Galatien.
Gal 1,3 Euch allen wünschen wir Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und
dem Herrn Jesus Christus.
Gal 1,4 Er hat sein Leben für unsere Sünden hingegeben. Er hat uns davon
befreit, so leben zu müssen, wie es in dieser vergänglichen, vom Bösen
beherrschten Welt üblich ist. Damit erfüllte er den Willen Gottes, unseres
Vaters.
Gal 1,5 Ihn wollen wir in alle Ewigkeit loben und ehren. Amen.
Gal 1,6 Ich wundere mich sehr über euch. Gott hat euch doch in seiner Gnade das
neue Leben durch Jesus Christus geschenkt, und ihr seid so schnell bereit, ihm
wieder den Rücken zu kehren. Ihr meint, einen anderen Weg zur Rettung gefunden
zu haben?
Gal 1,7 Doch es gibt keinen anderen! Es gibt nur gewisse Leute, die unter euch
Verwirrung stiften, indem sie die Botschaft von Christus verfälschen.
Gal 1,8 Wer euch aber einen anderen Weg zum Heil zeigen will als die rettende
Botschaft, die wir euch verkündet haben, den wird Gottes Urteil treffen - auch
wenn wir selbst das tun würden oder gar ein Engel vom Himmel.
Gal 1,9 Ich sage es noch einmal: Wer euch eine andere Botschaft verkündet, als
ihr angenommen habt, den wird Gottes Urteil treffen!
Gal 1,10 Rede ich den Menschen nach dem Munde, oder geht es mir darum, Gott zu
gefallen? Erwarte ich, dass die Menschen mir Beifall klatschen? Dann würde ich
nicht länger Christus dienen.
Gal 1,11 Ihr könnt sicher sein, liebe Brüder und Schwestern: Die rettende
Botschaft, die ich euch gelehrt habe, ist keine menschliche Erfindung.
Gal 1,12 Ich habe sie ja auch von keinem Menschen übernommen, und kein Mensch
hat sie mich gelehrt. Jesus Christus selbst ist mir erschienen und hat mir seine
Botschaft offenbart.
Gal 1,13 Ihr wisst sicherlich, wie ich als strenggläubiger Jude gelebt habe,
dass ich die Christen überall mit glühendem Hass verfolgte und ihre Gemeinden
zerstören wollte.
Gal 1,14 Mein Einsatz für den jüdischen Glauben übertraf den aller meiner
Altersgenossen in unserem Volk. Mehr als alle anderen setzte ich mich dafür ein,
dass die überlieferten Gesetze unserer Vorfahren buchstabengetreu erfüllt
würden.
Gal 1,15 Aber Gott hatte mich in seiner Gnade schon vor meiner Geburt dazu
bestimmt, ihm einmal zu dienen. Als die Zeit dafür gekommen war,
Gal 1,16 ließ er mich seinen Sohn erkennen. Die anderen Völker sollten durch
mich von ihm erfahren. Ohne Zögern habe ich diesen Auftrag angenommen und keinen
Menschen um Rat gefragt.
Gal 1,17 Ich bin nicht einmal nach Jerusalem gereist, um die nach ihrer Meinung
zu fragen, die schon vor mir Apostel waren. Nein, ich bin sofort nach Arabien
gezogen und von dort wieder nach Damaskus zurückgekehrt.
Gal 1,18 Erst drei Jahre später kam ich nach Jerusalem, weil ich Petrus kennen
lernen wollte. Fünfzehn Tage bin ich damals bei ihm geblieben.
Gal 1,19 Von den anderen Aposteln habe ich bei diesem Aufenthalt keinen gesehen,
außer Jakobus, den Bruder unseres Herrn.
Gal 1,20 Gott weiß, dass alles wahr ist, was ich euch schreibe.
Gal 1,21 Danach bin ich in den Gebieten von Syrien und Zilizien gewesen.
Gal 1,22 Die christlichen Gemeinden in Judäa haben mich damals noch nicht
persönlich gekannt.
Gal 1,23 Nur vom Hörensagen wussten sie: »Der Mann, der uns früher verfolgt hat,
ruft jetzt selbst zu dem Glauben auf, den er einst so erbittert bekämpfte.«
Gal 1,24 Und sie dankten Gott für alles, was er an mir getan hat.
Gal 2,1 Erst vierzehn Jahre später bin ich zusammen mit Barnabas wieder nach
Jerusalem gekommen. Auch Titus nahm ich mit.
Gal 2,2 Gott selbst hatte sich mir offenbart und mir den Auftrag zu dieser Reise
gegeben. In Jerusalem habe ich erklärt, welche Botschaft ich den Menschen aus
anderen Völkern verkünde. Ich trug dies der versammelten Gemeinde vor und in
einem weiteren Gespräch ihren führenden Männern. Denn ich wollte vermeiden, dass
meine Arbeit abgelehnt wird und alle meine Mühe vergeblich ist.
Gal 2,3 Alle Verantwortlichen stimmten meiner Arbeit zu. Nicht einmal von Titus,
meinem griechischen Reisebegleiter, verlangte man, sich beschneiden zu lassen.
Gal 2,4 Die Frage der Beschneidung wäre überhaupt nicht zum Problem geworden,
hätten sich da nicht einige so genannte Christen hinter meinem Rücken in die
Gemeinde eingeschlichen. Sie hegten ein tiefes Misstrauen gegenüber der
Freiheit, die uns Christus schenkt, und wollten uns wieder dem jüdischen Gesetz
unterwerfen.
Gal 2,5 Aber wir haben ihnen keinen Augenblick nachgegeben und ihnen in keinem
einzigen Punkt zugestimmt. Denn für uns ist nur eins wichtig: dass euch die
Wahrheit der rettenden Botschaft erhalten bleibt.
Gal 2,6 Die verantwortlichen Männer in der Gemeinde haben mir jedenfalls keine
Vorschriften gemacht - im Übrigen ist es mir ganz unwichtig, was sie früher
einmal waren. Denn Gott schaut nicht auf Rang und Namen.
Gal 2,7 Diesen Leitern der Gemeinde ist klar geworden, dass Gott mir den Auftrag
gegeben hat, den nichtjüdischen Völkern die Botschaft von Christus zu verkünden,
so wie er Petrus aufgetragen hat, sie den Juden zu bringen.
Gal 2,8 Denn alle konnten sehen, dass meine Arbeit als Apostel ebenso von Gott
bestätigt wurde wie die des Petrus.
Gal 2,9 Jakobus, Petrus und Johannes, die als die Säulen der Gemeinde gelten,
hatten erkannt, dass Gott mir diesen besonderen Auftrag gegeben hat. Da gaben
sie mir und Barnabas die Hand zum Zeichen unserer Gemeinschaft. Wir einigten
uns, dass sie die rettende Botschaft weiter unter den Juden verkünden sollten
und wir unter den anderen Völkern.
Gal 2,10 Nur um eins haben sie uns gebeten: Wir sollten die Armen in der
Gemeinde von Jerusalem nicht vergessen. Und dafür habe ich mich auch immer
eingesetzt.
Gal 2,11 Als aber Petrus später nach Antiochia kam, musste ich ihm vor allen
widersprechen, denn er hatte sich eindeutig falsch verhalten.
Gal 2,12 Zunächst hatte er ohne Bedenken mit den Christen, die keine Juden
waren, an den gemeinsamen Mahlzeiten teilgenommen. Als aber einige jüdische
Christen aus dem Kreis um Jakobus dazukamen, zog er sich zurück und wollte nicht
mehr wie bisher mit allen zusammen sein. Er fürchtete nämlich die Vorwürfe der
jüdischen Christen.
Gal 2,13 So wie Petrus handelten auch die anderen Juden in der Gemeinde gegen
ihre Überzeugung, und schließlich verleiteten sie sogar Barnabas dazu, den
gemeinsamen Mahlzeiten fernzubleiben.
Gal 2,14 Als ich merkte, dass sie nicht ehrlich waren und von der Wahrheit der
rettenden Botschaft abwichen, stellte ich Petrus vor der ganzen Gemeinde zur
Rede: »Obwohl du als Jude geboren wurdest, befolgst du jetzt das jüdische Gesetz
nicht mehr, weil du Christ geworden bist. Weshalb verlangst du dann von den
Christen, die aus den nichtjüdischen Völkern stammen, dass sie nach den Regeln
des jüdischen Gesetzes leben sollen?
Gal 2,15 Zwar sind wir beide durch unsere Geburt Juden und stammen nicht aus
einem anderen Volk, das Gott nicht kennt.
Gal 2,16 Trotzdem wissen wir inzwischen sehr genau, dass wir nicht durch Taten,
wie das Gesetz sie von uns fordert, vor Gott bestehen können, sondern allein
durch den Glauben an Jesus Christus. Wir sind doch deshalb Christen geworden,
weil wir davon überzeugt sind, dass wir allein durch den Glauben an Christus von
unserer Schuld freigesprochen werden; nicht aber, weil wir die Forderungen des
Gesetzes erfüllen. Denn wie die Heilige Schrift sagt, findet kein Mensch durch
gute Werke Gottes Anerkennung.«
Gal 2,17 Wenn aber auch wir Juden allein durch den Glauben an Christus
Anerkennung bei Gott finden wollen, dann sind wir ebenso wie die Menschen aus
anderen Völkern, nämlich ohne jedes Gesetz. Bedeutet dies nun, dass Christus zum
Komplizen der Sünde wird, wenn durch den Glauben an ihn das Gesetz aufgehoben
ist? Auf gar keinen Fall!
Gal 2,18 Nicht Christus, sondern ich selbst bin ein Komplize der Sünde, wenn ich
dem Gesetz wieder Geltung verschaffen will, das ich vorher als nutzlos erkannt
habe.
Gal 2,19 Durch das Gesetz nämlich war ich zum Tode verurteilt. So bin ich nun
für das Gesetz tot, damit ich für Gott leben kann. Mein altes Leben ist mit
Christus am Kreuz gestorben.
Gal 2,20 Darum lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir! Mein
vergängliches Leben auf dieser Erde lebe ich im Glauben an Jesus Christus, den
Sohn Gottes, der mich geliebt und sein Leben für mich gegeben hat.
Gal 2,21 Niemals werde ich dieses unverdiente Geschenk Gottes ablehnen. Könnte
ich nämlich durch das Befolgen des Gesetzes von Gott angenommen werden, dann
hätte Christus nicht zu sterben brauchen.
Gal 3,1 Warum wollt ihr Christen in Galatien das denn nicht endlich begreifen!
Wer konnte euch bloß so durcheinander bringen? Habe ich euch das Sterben Jesu
Christi am Kreuz nicht so geschildert, als hättet ihr alles mit eigenen Augen
gesehen?
Gal 3,2 Beantwortet mir nur diese eine Frage: Wodurch habt ihr den Geist Gottes
empfangen? Indem ihr die Forderungen des Gesetzes erfüllt habt oder weil ihr die
Botschaft des Glaubens gehört und angenommen habt?
Gal 3,3 Wie könnt ihr nur so blind sein! Wollt ihr jetzt etwa aus eigener Kraft
zu Ende führen, was Gottes Geist in euch begonnen hat?
Gal 3,4 Ihr habt doch so Großes mit Gott erfahren. Soll das wirklich alles
vergeblich gewesen sein? Das kann ich einfach nicht glauben!
Gal 3,5 Ich frage euch darum noch einmal: Warum schenkt Gott euch seinen Geist
und lässt Wunder bei euch geschehen? Weil ihr das Gesetz erfüllt oder weil ihr
von Christus gehört habt und an ihn glaubt?
Gal 3,6 Erinnert euch einmal daran, was von Abraham gesagt wird: »Abraham
glaubte Gott, und so fand er bei ihm Anerkennung.«
Gal 3,7 Das bedeutet doch: Die wirklichen Nachkommen Abrahams sind alle, die
glauben.
Gal 3,8 Die Heilige Schrift selbst hat schon längst darauf hingewiesen, dass
Gott auch die anderen Völker durch den Glauben retten wird. Gott verkündete
schon Abraham die gute Botschaft: »Durch dich sollen alle Völker gesegnet
werden.«
Gal 3,9 Mit Abraham, der unerschütterlich Gott vertraute, werden alle gesegnet,
die ebenso glauben wie er.
Gal 3,10 Wer dagegen darauf vertraut, von Gott angenommen zu werden, weil er das
Gesetz erfüllt, der steht unter einem Fluch. Die Heilige Schrift sagt ganz klar:
»Jeden soll der Fluch treffen, der nicht in allen Punkten Gottes Gesetz
erfüllt.«
Gal 3,11 Dass aber niemand durch das Gesetz Anerkennung bei Gott finden kann,
ist ebenfalls klar. Denn schon der Prophet Habakuk sagt: »Nur wer Gott vertraut,
wird leben.«
Gal 3,12 Das Gesetz aber fragt nicht nach dem Glauben. Hier gilt: »Nur wer seine
Forderungen erfüllt, wird leben.«
Gal 3,13 Von diesem Fluch des Gesetzes hat uns Christus erlöst. Als er am Kreuz
starb, hat er diesen Fluch auf sich genommen, wie es vorausgesagt war: »Wer so
aufgehängt wird, ist von Gott verflucht.«
Gal 3,14 Der Segen, den Gott Abraham zugesagt hatte, sollte durch den Tod Jesu
am Kreuz allen Völkern geschenkt werden. Und durch den Glauben an Christus
werden wir alle den Geist Gottes empfangen, wie Gott es versprochen hat.
Gal 3,15 Liebe Brüder und Schwestern! Ich möchte einmal ein ganz alltägliches
Beispiel gebrauchen. Ist ein Testament einmal ausgefertigt und rechtsgültig,
dann kann niemand etwas hinzufügen oder gar das Testament selbst für ungültig
erklären.
Gal 3,16 So ist es auch mit den Zusagen Gottes an Abraham. Betrachten wir sie
genauer, dann stellen wir fest: Gott gab sein Versprechen Abraham und seinem
Nachkommen. Es heißt nicht: »Abraham und seinen Nachkommen«, als ob viele
gemeint wären. Gott sagt ausdrücklich: »deinem Nachkommen«, also einem einzigen.
Dieser eine ist Christus.
Gal 3,17 Ich will damit sagen: Gottes Versprechen an Abraham ist rechtsgültig
wie ein Testament, und das Gesetz des Mose, das erst 430 Jahre später gegeben
wurde, ändert daran nichts. Gottes Versprechen wird deshalb nicht ungültig.
Gal 3,18 Würde Gott jetzt seine Zusage von der Erfüllung des Gesetzes abhängig
machen, so wäre sein früheres Versprechen aufgehoben. Aber Gott hat Abraham
seine Zusage ausdrücklich ohne jede Bedingung gegeben.
Gal 3,19 Was aber soll dann noch das Gesetz? Gott hat es zusätzlich gegeben,
damit wir das Ausmaß unserer Sünden erkennen. Dieses Gesetz - von den Engeln
durch den Vermittler Mose zu uns gebracht - sollte auch nur so lange gelten, bis
der Nachkomme Abrahams da wäre, an dem Gott sein Versprechen erfüllen wollte.
Gal 3,20 Bei dieser Zusage war kein Vermittler notwendig, sondern Gott, der
Eine, hat selbst zu Abraham gesprochen.
Gal 3,21 Soll man nun daraus schließen, dass die Zusagen Gottes und das Gesetz
einander widersprechen? Auf keinen Fall! Es gibt ja schließlich kein Gesetz, das
uns neues Leben schenkt. Nur dann käme unsere Anerkennung vor Gott tatsächlich
aus dem Gesetz.
Gal 3,22 Aber in der Heiligen Schrift heißt es eindeutig, dass wir alle
Gefangene der Sünde sind und dass wir allein durch den Glauben an Jesus Christus
befreit werden. Denn in Christus hat sich Gottes Versprechen erfüllt.
Gal 3,23 Bevor aber der Glaube kam, hielt das Gesetz uns gefangen. Das dauerte
so lange, bis die Zeit da war, in der der Glaube an Christus uns befreien
sollte.
Gal 3,24 [24/25] Bis dahin hatte das Gesetz für uns die Aufgabe eines strengen
Erziehers. Seit Christus aber finden wir durch den Glauben die Anerkennung
Gottes und sind dem Gesetz, diesem strengen Erzieher, nicht mehr unterstellt.
Gal 3,26 Denn durch den Glauben an Jesus Christus seid ihr nun alle zu Kindern
Gottes geworden.
Gal 3,27 Ihr gehört zu Christus, weil ihr auf seinen Namen getauft seid.
Gal 3,28 Jetzt ist es nicht mehr wichtig, ob ihr Juden oder Griechen, Sklaven
oder Freie, Männer oder Frauen seid: In Christus seid ihr alle eins.
Gal 3,29 Gehört ihr aber zu Christus, dann seid auch ihr Nachkommen Abrahams.
Als seine Erben bekommt ihr alles, was Gott ihm zugesagt hat.
Gal 4,1 Überlegt einmal: Solange der Erbe noch nicht volljährig ist, besteht
zwischen ihm und einem Sklaven kein Unterschied, obwohl ihm als Erben schon
alles gehört.
Gal 4,2 Bis zu dem vom Vater festgesetzten Zeitpunkt bestimmen sein Vormund und
seine Vermögensverwalter über den Besitz.
Gal 4,3 Genauso ging es auch uns. Wie Unmündige waren wir allen Mächten und
Zwängen dieser Welt ausgeliefert.
Gal 4,4 Aber zu der von Gott festgesetzten Zeit sandte er seinen Sohn zu uns.
Christus wurde wie wir als Mensch geboren und den Forderungen des Gesetzes
unterstellt.
Gal 4,5 Er sollte uns befreien, die wir Gefangene des Gesetzes waren, damit Gott
uns als seine Kinder annehmen konnte.
Gal 4,6 Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott seinen Geist,
denselben Geist, den auch der Sohn hat. Deshalb dürft ihr jetzt im Gebet zu Gott
sagen: »Lieber Vater!«
Gal 4,7 Ihr seid nicht länger Gefangene des Gesetzes, sondern Kinder Gottes. Und
als Kinder Gottes seid ihr auch seine Erben, euch gehört alles, was Gott
versprochen hat.
Gal 4,8 Als ihr von Gott noch nichts wusstet, habt ihr so genannten Göttern
gedient, die in Wirklichkeit gar keine sind.
Gal 4,9 Nachdem ihr nun aber Gott kennt und liebt - genauer gesagt, nachdem Gott
euch kennt und liebt -, wie ist es da möglich, dass ihr euch diesen armseligen
und kümmerlichen Vorstellungen wieder zuwendet und sogar sklavisch danach lebt?
Gal 4,10 Oder warum sonst legt ihr so großen Wert auf die Einhaltung bestimmter
Tage, Monate, Feste und Jahre?
Gal 4,11 Ich mache mir Sorgen um euch! Ist denn meine ganze Arbeit bei euch
sinnlos gewesen?
Gal 4,12 Liebe Brüder und Schwestern, ich bitte euch: Folgt meinem Beispiel,
erwartet eure Rettung nicht vom Gesetz. Denn auch ich habe mich nach euch
gerichtet, und ihr habt mich bisher noch nie gekränkt.
Gal 4,13 Ihr erinnert euch sicherlich daran, als ich das erste Mal bei euch war
und euch die rettende Botschaft verkündete. Damals wurde ich krank,
Gal 4,14 und obwohl meine Krankheit für euch nicht leicht zu ertragen war, habt
ihr mich weder verachtet noch abgewiesen. Im Gegenteil, ihr habt mich wie einen
Engel Gottes aufgenommen, ja, wie Jesus Christus selbst.
Gal 4,15 Wie glücklich und dankbar wart ihr doch damals! Und heute? Ich bin
sicher, zu der Zeit hättet ihr sogar eure Augen für mich hergegeben.
Gal 4,16 Bin ich jetzt euer Feind geworden, weil ich euch die volle Wahrheit
sage?
Gal 4,17 Vielleicht liegt es an den Leuten, die euch zurzeit so umschmeicheln.
Doch sie meinen es nicht ehrlich mit euch. Sie wollen nur erreichen, dass ihr
euch von mir abwendet und ihnen nacheifert.
Gal 4,18 Nun habe ich gar nichts dagegen, wenn ihr andere zum Vorbild nehmt.
Besser wäre es allerdings, ihr würdet mir nacheifern, und das nicht nur, wenn
ich bei euch bin.
Gal 4,19 Euretwegen, meine lieben Kinder, leide ich noch einmal alle Schmerzen
und Ängste, wie sie eine Mutter bei der Geburt ihres Kindes auszustehen hat.
Wenn man doch endlich an euch erkennen könnte, dass Christus euer Herr ist und
euer Leben bestimmt!
Gal 4,20 Könnte ich doch nur bei euch sein und mit meinen Worten euer Herz
erreichen! Ich weiß wirklich nicht, was ich noch mit euch machen soll!
Gal 4,21 Ihr wollt also nach dem Gesetz leben. Wisst ihr denn eigentlich, was im
Gesetz steht?
Gal 4,22 Dort heißt es, dass Abraham zwei Söhne hatte: einen von der Sklavin
Hagar und einen von seiner Frau Sara, die als Freie geboren war.
Gal 4,23 Der Sohn der Sklavin wurde geboren, weil Abraham endlich einen Sohn
haben wollte, der Sohn der Freien dagegen, weil Gott ihn versprochen hatte.
Gal 4,24 Am Beispiel dieser beiden Frauen will uns Gott zeigen, wie verschieden
seine beiden Bündnisse mit den Menschen sind. Den einen Bund, für den Hagar
steht, schloss Gott auf dem Berg Sinai mit dem Volk Israel, als er ihm das
Gesetz gab. Dieses Gesetz aber versklavt uns.
Gal 4,25 Hagar weist auf den Berg Sinai in Arabien hin. Er entspricht dem
Jerusalem unserer Zeit, denen, die am Gesetz festhalten und deshalb nie frei
werden.
Gal 4,26 Die andere Frau aber, von der wir abstammen, ist frei. Sie weist auf
das neue Jerusalem im Himmel hin.
Gal 4,27 Von ihr spricht schon der Prophet Jesaja: »Sei fröhlich, du
Unfruchtbare, auch wenn du nie ein Kind geboren hast. Juble und jauchze, du
Kinderlose. Denn du, die du allein bist, wirst mehr Kinder haben als die Frau,
die einen Mann hat.«
Gal 4,28 Liebe Brüder und Schwestern, ihr verdankt euer Leben wie Isaak der
Zusage Gottes.
Gal 4,29 Allerdings verfolgte schon damals der Sohn der Sklavin - der geboren
wurde, weil Menschen es so wollten - den Sohn der Freien, der geboren wurde,
weil Gott es wollte. Genauso ist es auch noch heute.
Gal 4,30 Aber was sagt die Heilige Schrift dazu? »Jag die Sklavin und ihren Sohn
fort! Denn nicht er, sondern der Sohn der Freien soll dein Erbe sein!»
Gal 4,31 Wir aber, meine lieben Brüder und Schwestern, sind nicht die Kinder der
Sklavin, sondern der Freien!
Gal 5,1 Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben.
Jetzt kommt es darauf an, dass ihr euch nicht wieder vom Gesetz versklaven
lasst.
Gal 5,2 Ich, Paulus, sage euch deshalb in aller Deutlichkeit: Wenn ihr euch
beschneiden lasst, ist alles nutzlos, was Christus für euch getan hat.
Gal 5,3 Und noch einmal erkläre ich jedem Einzelnen von euch: Wer sich
beschneiden lässt, der muss das ganze Gesetz mit allen seinen Forderungen
befolgen.
Gal 5,4 Wenn ihr aber durch das Gesetz vor Gott bestehen wollt, dann habt ihr
euch von Christus losgesagt und Gottes Gnade verspielt.
Gal 5,5 Wir aber vertrauen darauf, dass wir durch den Glauben an Jesus Christus
von Gott angenommen werden. Er hat uns ja durch seinen Geist diese Hoffnung
geschenkt.
Gal 5,6 Wenn wir mit Jesus Christus verbunden sind, ist es völlig gleich, ob wir
beschnitten oder unbeschnitten sind. Bei ihm gilt allein der Glaube, der sich in
Taten der Liebe zeigt.
Gal 5,7 Es hat so gut mit euch angefangen! Wer konnte euch nur so beeinflussen,
dass ihr der Wahrheit nicht mehr folgen wollt?
Gal 5,8 Gott bestimmt nicht! Er hat euch ja auf diesen Weg des Glaubens geführt!
Gal 5,9 Wie ihr wisst, genügt schon ein wenig Sauerteig, um den ganzen Teig zu
durchsäuern.
Gal 5,10 Aber ich verlasse mich auf den Herrn; und ich vertraue euch, dass ihr
in dieser Frage mit mir übereinstimmen werdet. Wer euch aber im Glauben
durcheinander bringt, wird seiner Strafe nicht entgehen, wer er auch sein mag.
Gal 5,11 Liebe Brüder und Schwestern! Manche Leute behaupten, ich selbst würde
alle Christen dazu drängen, sich beschneiden zu lassen. Würden mich die Juden
dann aber noch verfolgen? Dann brauchte auch niemand mehr Anstoß daran zu
nehmen, dass ein Gekreuzigter der von Gott versprochene Retter ist.
Gal 5,12 Wenn diese Leute euch so hartnäckig die Beschneidung aufdrängen wollen,
dann sollen sie sich doch gleich kastrieren lassen!
Gal 5,13 Durch Christus wurde euch die Freiheit geschenkt, liebe Brüder und
Schwestern! Das bedeutet aber nicht, dass ihr jetzt tun und lassen könnt, was
ihr wollt. Dient vielmehr einander in Liebe.
Gal 5,14 Denn wer dieses eine Gebot befolgt: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich
selbst!«, der hat das ganze Gesetz erfüllt.
Gal 5,15 Wenn ihr aber wie die Wölfe übereinander herfallt, dann passt nur auf,
dass ihr euch dabei nicht gegenseitig fresst!
Gal 5,16 Darum rate ich euch: Lasst euer Leben von Gottes Geist bestimmen. Wenn
er euch führt, werdet ihr allen selbstsüchtigen Wünschen widerstehen können.
Gal 5,17 Denn, selbstsüchtig wie wir sind, wollen wir immer das Gegenteil von
dem, was Gottes Geist will. Doch der Geist Gottes duldet unsere Selbstsucht
nicht. Beide kämpfen gegeneinander, so dass ihr das Gute, das ihr doch
eigentlich wollt, nicht ungehindert tun könnt.
Gal 5,18 Wenn ihr aber aus der Kraft des Geistes lebt, seid ihr den Forderungen
des Gesetzes nicht länger unterworfen.
Gal 5,19 Gebt ihr dagegen euren selbstsüchtigen Wünschen nach, ist
offensichtlich, wohin das führt: zu sexueller Zügellosigkeit, einem sittenlosen
und ausschweifenden Leben,
Gal 5,20 zur Götzenanbetung und zu abergläubischem Vertrauen auf übersinnliche
Kräfte. Feindseligkeit, Streitsucht, Eifersucht, Wutausbrüche, Intrigen,
Uneinigkeit und Spaltungen bestimmen dann das Leben ebenso
Gal 5,21 wie Neid, Trunksucht, üppige Gelage und vieles andere. Ich habe es
schon oft gesagt und warne euch hier noch einmal: Wer so lebt, wird niemals in
Gottes neue Welt kommen.
Gal 5,22 Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor:
Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, Güte und Treue,
Gal 5,23 Besonnenheit und Selbstbeherrschung. Ist das bei euch so? Dann kann
kein Gesetz mehr etwas von euch fordern!
Gal 5,24 Es ist wahr: Wer zu Christus gehört, der hat sein selbstsüchtiges Wesen
mit allen Leidenschaften und Begierden ans Kreuz geschlagen.
Gal 5,25 Durch Gottes Geist haben wir neues Leben, darum lasst uns jetzt auch
unser Leben in der Kraft des Geistes führen!
Gal 5,26 Wir wollen nicht mit unseren vermeintlichen Vorzügen prahlen und
dadurch Kränkungen und Neid hervorrufen.
Gal 6,1 Brüder und Schwestern, wenn einer von euch vom richtigen Weg abkommt,
dann sollt ihr, die von Gottes Geist geleitet werden, ihn liebevoll wieder
zurechtbringen. Seht aber zu, dass ihr dabei nicht selbst zu Fall kommt.
Gal 6,2 Jeder soll dem anderen helfen, seine Last zu tragen. Auf diese Weise
erfüllt ihr das Gesetz, das Christus uns gegeben hat.
Gal 6,3 Wer sich einbildet, besser zu sein als die anderen, der betrügt sich
selbst.
Gal 6,4 Darum soll jeder sich selbst genau prüfen. Dann wird er sich über seine
guten Taten freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit haben.
Gal 6,5 Denn jeder ist für sein eigenes Tun vor Gott verantwortlich. Das ist
schon schwer genug!
Gal 6,6 Wer in der Heiligen Schrift unterwiesen wird, soll auch zum
Lebensunterhalt seines Lehrers beitragen, so gut er kann.
Gal 6,7 Glaubt nur nicht, ihr könntet euch über Gott lustig machen! Ihr werdet
genau das ernten, was ihr gesät habt.
Gal 6,8 Wer sich nur auf sich selbst verlässt, den erwartet der ewige Tod. Wer
sich aber durch den Geist Gottes führen lässt, dem wird Gott das ewige Leben
schenken.
Gal 6,9 Werdet nicht müde, Gutes zu tun. Es wird eine Zeit kommen, in der ihr
eine reiche Ernte einbringt. Gebt nur nicht vorher auf!
Gal 6,10 Solange uns noch Zeit bleibt, wollen wir allen Menschen Gutes tun; vor
allem aber denen, die mit uns an Jesus Christus glauben.
Gal 6,11 Wie ihr an den großen Buchstaben sehen könnt, schreibe ich diesen Brief
eigenhändig zu Ende.
Gal 6,12 Leute, denen es nur um ihr Ansehen und ihre Geltung vor Menschen geht,
bedrängen euch, ihr müsstet euch noch beschneiden lassen. Dabei haben sie nur
Angst, verfolgt zu werden, wenn sie sich einzig und allein zum gekreuzigten
Jesus Christus bekennen.
Gal 6,13 Doch obwohl sie selbst beschnitten sind, erfüllen sie die Forderungen
des Gesetzes nicht. Sie wollen nur damit prahlen, dass sie euch zur Beschneidung
überredet haben.
Gal 6,14 Ich aber kenne nur einen Grund zum Rühmen: das Kreuz unseres Herrn
Jesus Christus. Weil er starb, starb auch diese Welt für mich, und ich bin tot
für ihre Ansprüche und Forderungen.
Gal 6,15 Vor Gott ist es vollkommen gleichgültig, ob wir beschnitten oder
unbeschnitten sind. Wichtig ist allein, dass wir durch Christus neue Menschen
geworden sind.
Gal 6,16 Wer sich daran hält, dem möge Gott seinen Frieden und seine
Barmherzigkeit schenken - ihm und allen, die zu Gottes auserwähltem Volk
gehören.
Gal 6,17 Bitte belastet mich nicht noch mehr! Im Dienst für Jesus habe ich genug
gelitten, wie die Narben an meinem Körper zeigen.
Gal 6,18 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen, liebe Brüder
und Schwestern. Amen!
Eph 1,1 Paulus, ein Apostel Jesu Christi, von Gott berufen, schreibt diesen
Brief an alle in Ephesus, die an Jesus Christus glauben und ganz zu Gott
gehören.
Eph 1,2 Ich wünsche euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem
Herrn Jesus Christus.
Eph 1,3 Lob und Dank sei Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat
uns mit seinem Geist reich beschenkt, und durch Christus haben wir Zugang zu
Gottes himmlischer Welt erhalten.
Eph 1,4 Schon vor Beginn der Welt, von allem Anfang an, hat Gott uns, die wir
mit Christus verbunden sind, auserwählt. Wir sollten zu ihm gehören, befreit von
aller Sünde und Schuld. Aus Liebe zu uns
Eph 1,5 hat er schon damals beschlossen, dass wir durch Jesus Christus seine
eigenen Kinder werden sollten. Dies war sein Plan, und so gefiel es ihm.
Eph 1,6 Darum wollen wir Gottes herrliche, unverdiente Güte preisen, die wir
durch seinen geliebten Sohn erfahren haben.
Eph 1,7 Denn durch sein Blut, das er am Kreuz vergossen hat, sind wir erlöst,
sind unsere Sünden vergeben. Und das verdanken wir allein Gottes unermesslich
großer Gnade.
Eph 1,8 In seiner Liebe beschenkte er uns mit Weisheit und Erkenntnis seines
Willens.
Eph 1,9 Er hat uns seinen Plan für diese Welt gezeigt. Was bis dahin geheim war,
wollte er durch Christus ausführen.
Eph 1,10 So soll, wenn die Zeit dafür gekommen ist, alles im Himmel und auf der
Erde unter der Herrschaft Christi vereint werden.
Eph 1,11 Weil wir nun zu Christus gehören, hat Gott uns schon im Voraus als
seine Erben eingesetzt; denn was Gott einmal beschlossen hat, das führt er auch
aus.
Eph 1,12 Jetzt sollen wir mit unserem Leben Gottes Herrlichkeit für alle
sichtbar machen, wir, die wir schon lange auf unseren Retter gewartet haben.
Eph 1,13 Das gilt aber auch für euch, die ihr erst jetzt das Wort der Wahrheit
gehört habt, die gute Botschaft von eurer Rettung. Nachdem ihr diese Botschaft
im Glauben angenommen habt, gehört ihr nun Gott. Er hat euch sein Siegel
aufgedrückt, als er euch den Heiligen Geist schenkte, den er jedem Glaubenden
zugesagt hat.
Eph 1,14 Diesen Geist hat Gott uns als ersten Anteil an unserem himmlischen Erbe
gegeben. Er verbürgt uns das vollständige Erbe, die vollkommene Erlösung. Und
dann werden wir Gott in seiner Herrlichkeit loben und preisen.
Eph 1,15 Seitdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu
allen Christen gehört habe, höre ich nicht auf,
Eph 1,16 Gott dafür zu danken und für euch zu beten.
Eph 1,17 Ihn, den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Vater, dem alle
Herrlichkeit gehört, bitte ich darum, euch durch seinen Geist Weisheit zu geben,
dass ihr ihn immer besser erkennt und er euch seinen Plan zeigt.
Eph 1,18 Er öffne euch die Augen, damit ihr seht, wozu ihr berufen seid, worauf
ihr hoffen könnt und welch unvorstellbar reiches Erbe auf alle wartet, die zu
Gott gehören.
Eph 1,19 Ihr sollt erfahren, mit welch unermesslich großer Kraft Gott in uns,
den Glaubenden, wirkt. Ist es doch dieselbe Kraft,
Eph 1,20 mit der er Christus von den Toten auferweckte und ihm den Ehrenplatz an
seiner rechten Seite gab!
Eph 1,21 Mit ihr hat Gott ihn zum Herrscher eingesetzt über alle Mächte und
Gewalten, über alle Kräfte und Herrschaften dieser und der zukünftigen Welt.
Eph 1,22 Alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt und ihn zum Haupt seiner Gemeinde
gemacht.
Eph 1,23 Sie ist sein Leib: Der Schöpfer und Vollender aller Dinge lebt in ihr
mit seiner ganzen Fülle.
Eph 2,1 Aber wie sah euer Leben früher aus? Ihr wart Gott ungehorsam und wolltet
von ihm nichts wissen. In seinen Augen wart ihr tot.
Eph 2,2 Ihr habt gelebt, wie es in dieser Welt üblich ist, und wart dem Satan
verfallen, der seine Macht ausübt zwischen Himmel und Erde. Sein böser Geist
beherrscht auch heute noch das Leben aller Menschen, die Gott nicht gehorchen.
Eph 2,3 Zu ihnen haben wir früher auch gehört, damals, als wir eigensüchtig
unser Leben selbst bestimmen wollten. Wir haben den Leidenschaften und
Verlockungen der Sünde nachgegeben, und wie alle anderen Menschen waren wir dem
Zorn Gottes ausgeliefert.
Eph 2,4 [4/5] Aber Gottes Barmherzigkeit ist groß. Wegen unserer Sünden waren
wir in Gottes Augen tot. Doch er hat uns so sehr geliebt, dass er uns mit
Christus neues Leben schenkte. Denkt immer daran: Alles verdankt ihr allein der
Gnade Gottes.
Eph 2,6 Durch den Glauben an Christus sind wir mit ihm auferstanden und haben
einen Platz in Gottes neuer Welt.
Eph 2,7 So will Gott in seiner Liebe zu uns, die in Jesus Christus sichtbar
wurde, für alle Zeiten die Größe seiner Gnade zeigen.
Eph 2,8 Denn nur durch seine unverdiente Güte seid ihr vom Tod errettet worden.
Ihr habt sie erfahren, weil ihr an Jesus Christus glaubt. Dies alles ist ein
Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk.
Eph 2,9 Durch eigene Leistungen kann man bei Gott nichts erreichen. Deshalb kann
sich niemand etwas auf seine guten Taten einbilden.
Eph 2,10 Gott hat etwas aus uns gemacht: Wir sind sein Werk, durch Jesus
Christus neu geschaffen, um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nur, was Gott schon
im Voraus für uns vorbereitet hat.
Eph 2,11 Vergesst nie, dass ihr früher verächtlich »Unbeschnittene« genannt
wurdet, weil ihr zu den nichtjüdischen Völkern gehört. Die Juden wollten sich
als »Beschnittene« von euch unterscheiden, obwohl ihre Beschneidung nur von
Menschen durchgeführt wird.
Eph 2,12 Ihr habt damals ohne Christus gelebt und wart ausgeschlossen von Gottes
Volk. Darum galten für euch die Zusagen nicht, die Gott seinem Volk gab, als er
seinen Bund mit ihnen schloss. Ohne jede Hoffnung und ohne Gott habt ihr in
dieser Welt gelebt.
Eph 2,13 Aber weil Jesus Christus am Kreuz sein Blut vergossen hat, gehört ihr
jetzt zu ihm. Ihr seid ihm jetzt nahe, obwohl ihr vorher so weit von ihm
entfernt lebtet.
Eph 2,14 Durch Christus haben wir Frieden. Er hat Juden und Nichtjuden in seiner
Gemeinde vereint und die Mauer zwischen ihnen niedergerissen. Durch sein Sterben
Eph 2,15 hat er das jüdische Gesetz mit all seinen Geboten und Forderungen
endgültig außer Kraft gesetzt. Durch Christus leben wir nicht länger voneinander
getrennt, der eine als Jude, der andere als Nichtjude. Als Christen sind wir
eins. So hat er zwischen uns Frieden gestiftet.
Eph 2,16 Christus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben, damit wir alle
Frieden mit Gott haben. In seinem neuen Leib, der Gemeinde Christi, können wir
nun als Versöhnte miteinander leben.
Eph 2,17 Christus ist gekommen und hat seine Friedensbotschaft allen gebracht:
euch, die ihr fern von Gott lebtet, und allen, die nahe bei ihm waren.
Eph 2,18 Durch Christus dürfen jetzt alle, Juden wie Nichtjuden, vereint in
einem Geist, zu Gott, dem Vater, kommen.
Eph 2,19 So seid ihr nicht länger Fremde und Heimatlose; ihr gehört jetzt als
Bürger zum Volk Gottes, ja sogar zu seiner Familie.
Eph 2,20 Als Gemeinde Jesu Christi steht ihr auf dem Fundament der Apostel und
Propheten. Doch der Stein, der dieses Gebäude trägt und zusammenhält, ist Jesus
Christus selbst.
Eph 2,21 Durch ihn sind die Bauteile untereinander fest verbunden und wachsen zu
einem Tempel des Herrn heran.
Eph 2,22 Weil ihr zu Christus gehört, seid auch ihr ein Teil dieses Baus, in dem
Gottes Geist wohnt.
Eph 3,1 Weil ich, Paulus, euch Nichtjuden diese rettende Botschaft verkündete,
bin ich nun im Gefängnis. Als Gefangener Jesu Christi bete ich für euch.
Eph 3,2 Sicher wisst ihr, dass Gott mir den Auftrag gegeben hat, gerade euch,
den Menschen aus anderen Völkern, von seiner Gnade zu erzählen.
Eph 3,3 Gott selbst hat mir dieses Geheimnis offenbart. Ich habe es eben schon
kurz erwähnt,
Eph 3,4 und wenn ihr meinen Brief lest, werdet ihr merken, welche Einsichten in
das Geheimnis Christi mir Gott gegeben hat.
Eph 3,5 Kein Mensch wusste früher etwas von diesem Geheimnis; jetzt aber ist es
seinen berufenen Aposteln und Propheten durch seinen Geist offenbart worden.
Eph 3,6 Durch Christus bekommen die nichtjüdischen Völker zusammen mit den Juden
Anteil an dem Erbe, das Gott uns versprochen hat; sie gehören zur Gemeinde Jesu
Christi, und auch für sie gelten die Zusagen, die Gott seinem auserwählten Volk
gab. Das ist die rettende Botschaft.
Eph 3,7 Dieser Botschaft diene ich, weil Gott mir in seiner großen Gnade und
unbegrenzten Macht einen Auftrag gegeben hat.
Eph 3,8 Ausgerechnet ich, der geringste unter allen Christen, darf anderen
Völkern verkünden, welch unermesslichen Reichtum Christus für jeden von uns
bereithält.
Eph 3,9 Allen darf ich erklären, was Gott, der das Weltall geschaffen hat, von
Anfang an mit uns Menschen vorhatte und was bisher verborgen blieb.
Eph 3,10 Jetzt sollen alle Mächte und Gewalten der himmlischen Welt an der
Gemeinde die unendliche Weisheit Gottes erkennen.
Eph 3,11 Alle sollen nun wissen, dass Gott seinen ewigen Plan durch unseren
Herrn Jesus Christus verwirklicht hat.
Eph 3,12 Jetzt können wir zu jeder Zeit furchtlos und voller Zuversicht zu Gott
kommen, weil wir an ihn glauben.
Eph 3,13 Darum bitte ich euch: Werdet durch meine Gefangenschaft nicht mutlos.
Was ich hier für euch leide, soll euch zugute kommen.
Eph 3,14 Darum knie ich nieder vor Gott, dem Vater, und bete ihn an,
Eph 3,15 ihn, dem alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde ihr Leben verdanken
und den sie als Vater zum Vorbild haben.
Eph 3,16 Ich bitte Gott, dass er euch aus seinem unerschöpflichen Reichtum Kraft
schenkt, damit ihr durch seinen Geist innerlich stark werdet
Eph 3,17 und Christus durch den Glauben in euch lebt. In seiner Liebe sollt ihr
fest verwurzelt sein; auf sie sollt ihr bauen.
Eph 3,18 Denn nur so könnt ihr mit allen anderen Christen das ganze Ausmaß
seiner Liebe erfahren,
Eph 3,19 die wir doch mit unserem Verstand niemals fassen können. Dann wird
diese göttliche Liebe euch immer mehr erfüllen.
Eph 3,20 Gott aber kann viel mehr tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns
auch nur vorstellen können. So groß ist seine Kraft, die in uns wirkt.
Eph 3,21 Deshalb wollen wir ihn mit der ganzen Gemeinde durch Jesus Christus
ewig und für alle Zeiten loben und preisen. Amen.
Eph 4,1 Vergesst nicht, dass ich für den Herrn im Gefängnis bin. Als sein
Gefangener bitte ich euch: Lebt so, wie Gott es von denen erwartet, die er zu
seinen Kindern berufen hat.
Eph 4,2 Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in
Liebe aufeinander ein!
Eph 4,3 Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt,
bestehen bleibt durch den Frieden, der euch verbindet.
Eph 4,4 Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wir ein Leib. In uns
wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung.
Eph 4,5 Wir haben einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe.
Eph 4,6 Und wir haben einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht,
der durch uns alle und in uns allen wirkt.
Eph 4,7 Jedem Einzelnen von uns aber hat Christus besondere Gaben geschenkt, so
wie er sie in seiner Gnade jedem zugedacht hat.
Eph 4,8 Nicht ohne Grund heißt es von Christus: »Er ist in den Himmel
hinaufgestiegen, er hat Gefangene im Triumphzug mitgeführt und den Menschen
Gaben geschenkt.«
Eph 4,9 Wenn es aber heißt: »Er ist in den Himmel hinaufgestiegen«, so bedeutet
dies doch, dass er vorher zu uns auf die Erde gekommen ist.
Eph 4,10 Der zu uns herabkam, ist derselbe, der auch wieder hinaufgestiegen ist.
Jetzt ist er Herr über den Himmel und erfüllt das ganze Weltall mit seiner
Macht.
Eph 4,11 Einige hat er zu Aposteln gemacht, einige reden in Gottes Auftrag
prophetisch, und andere gewinnen Menschen für Christus. Wieder andere leiten die
Gemeinde oder unterweisen sie im Glauben.
Eph 4,12 Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die
Gemeinde Jesu aufgebaut und vollendet wird.
Eph 4,13 Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und den Sohn
Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen,
zu einer Gemeinde, in der Christus mit der ganzen Fülle seiner Gaben wirkt.
Eph 4,14 Dann sind wir nicht länger wie unmündige Kinder, die sich von jeder
beliebigen Lehrmeinung aus der Bahn werfen lassen und die leicht auf geschickte
Täuschungsmanöver hinterlistiger Menschen hereinfallen.
Eph 4,15 Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben und zu Christus
hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde.
Eph 4,16 Er versorgt den Leib und verbindet die Körperteile miteinander. Jedes
Einzelne leistet seinen Beitrag. So wächst der Leib und wird aufgebaut in Liebe.
Eph 4,17 Darum hat mir der Herr aufgetragen, euch zu sagen: Lebt nicht länger
wie Menschen, die Gott nicht kennen! Ihr Denken ist verkehrt und führt ins
Leere,
Eph 4,18 ihr Verstand ist verdunkelt. Sie wissen nicht, was es bedeutet, mit
Gott zu leben, und ihre Herzen sind hart und gleichgültig.
Eph 4,19 Ihr Gewissen ist abgestumpft, deshalb leben sie ihre Leidenschaften
aus. Sie sind zügellos und in ihrer Habgier unersättlich.
Eph 4,20 Aber ihr habt gelernt, dass solch ein Leben mit Christus nichts zu tun
hat.
Eph 4,21 Was Jesus wirklich von uns erwartet, habt ihr gehört - ihr seid es ja
gelehrt worden:
Eph 4,22 Ihr sollt euer altes Leben wie alte Kleider ablegen. Folgt nicht mehr
euren Leidenschaften, die euch in die Irre führen und euch zerstören.
Eph 4,23 Gottes Geist will euch durch und durch erneuern.
Eph 4,24 Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid neue
Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. Ihr gehört
zu Gott und lebt so, wie es ihm gefällt.
Eph 4,25 Belügt einander also nicht länger, sondern sagt die Wahrheit. Wir sind
doch als Christen die Glieder eines Leibes, der Gemeinde Jesu.
Eph 4,26 Wenn ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem ihr
unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr einander
vergeben habt.
Eph 4,27 Gebt dem Teufel keine Gelegenheit, Unfrieden zu stiften.
Eph 4,28 Wer früher von Diebstahl lebte, der soll sich jetzt eine ehrliche
Arbeit suchen, damit er auch noch Notleidenden helfen kann.
Eph 4,29 Redet nicht schlecht voneinander. Was ihr sagt, soll für jeden gut und
hilfreich sein, eine Wohltat für alle.
Eph 4,30 Beleidigt nicht den Heiligen Geist. Als Gott ihn euch schenkte, hat er
euch sein Siegel aufgedrückt. Er ist doch euer Bürge dafür, dass der Tag der
Erlösung kommt.
Eph 4,31 Mit Bitterkeit, Jähzorn und Wut sollt ihr nichts mehr zu tun haben.
Schreit einander nicht an, redet nicht schlecht über andere, und vermeidet jede
Feindseligkeit.
Eph 4,32 Seid vielmehr freundlich und barmherzig, und vergebt einander, so wie
Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat.
Eph 5,1 Ihr seid Gottes geliebte Kinder, daher sollt ihr in allem seinem Vorbild
folgen.
Eph 5,2 Geht liebevoll miteinander um, so wie auch Christus euch seine Liebe
erwiesen hat. Aus Liebe hat er sein Leben für uns gegeben. Und Gott hat dieses
Opfer angenommen.
Eph 5,3 Ihr gehört zu Gott. Da passt es selbstverständlich nicht mehr, sexuell
zügellos zu leben, über die Stränge zu schlagen oder alles haben zu wollen. Ihr
sollt nicht einmal darüber reden!
Eph 5,4 Genauso wenig ist Platz für Klatsch, Sticheleien und zweideutiges
Gerede. Vielmehr sollt ihr Gott danken und ihn loben.
Eph 5,5 Denn eins ist klar: Wer ein ausschweifendes, schamloses Leben führt, für
den ist kein Platz in der neuen Welt, in der Gott und Christus herrschen werden.
Das gilt auch für alle, die von Habgier besessen sind; denn solche Menschen
beten ihre eigenen Götzen an.
Eph 5,6 Lasst euch von niemandem verführen, der euch durch sein leeres Geschwätz
einreden will, dass dies alles harmlos sei. Gottes Zorn wird alle treffen, die
ihm nicht gehorchen.
Eph 5,7 Darum meidet solche Leute!
Eph 5,8 Früher habt auch ihr in Dunkelheit gelebt; aber heute ist das anders:
Durch den Herrn seid ihr im Licht. Darum lebt nun auch wie Kinder des Lichts!
Eph 5,9 Ein solches Leben führt zu aufrichtiger Güte, Gerechtigkeit und
Wahrheit.
Eph 5,10 Prüft in allem, was ihr tut, ob es Gott gefällt.
Eph 5,11 Lasst euch auf keine finsteren Machenschaften ein, die keine gute
Frucht hervorbringen; im Gegenteil: helft sie aufzudecken.
Eph 5,12 Denn was manche im Verborgenen treiben, ist so abscheulich, dass man
nicht einmal davon reden soll.
Eph 5,13 Doch wenn das Licht Gottes auf diese Dinge fällt, werden sie erst
richtig sichtbar.
Eph 5,14 Was Gott ans Licht bringt, wird hell. Deshalb heißt es auch: »Erwache
aus deinem Schlaf! Erhebe dich von den Toten! Und Christus wird dein Licht
sein.«
Eph 5,15 Achtet also genau darauf, wie ihr lebt: nicht wie unwissende, sondern
wie weise Menschen.
Eph 5,16 Dient Gott, solange ihr es noch könnt, denn wir leben in einer
schlimmen Zeit.
Eph 5,17 Seid nicht verbohrt; sondern begreift, was der Herr von euch will!
Eph 5,18 Betrinkt euch nicht; das führt nur zu einem ausschweifenden Leben.
Lasst euch vielmehr von Gottes Geist erfüllen.
Eph 5,19 Singt miteinander Psalmen, und lobt den Herrn mit Liedern, wie sie euch
sein Geist schenkt. Singt für den Herrn, und jubelt aus vollem Herzen!
Eph 5,20 Im Namen unseres Herrn Jesus Christus dankt Gott, dem Vater, zu jeder
Zeit, überall und für alles!
Eph 5,21 Ordnet euch einander unter; so ehrt ihr Christus.
Eph 5,22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, so wie ihr euch dem Herrn
unterordnet.
Eph 5,23 Denn wie Christus als Haupt für seine Gemeinde verantwortlich ist, die
er erlöst hat, so ist auch der Mann für seine Frau verantwortlich.
Eph 5,24 Und wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, so sollen sich auch die
Frauen in allem ihren Männern unterordnen.
Eph 5,25 Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus seine Gemeinde liebt,
für die er sein Leben gab,
Eph 5,26 damit sie ihm ganz gehört. Durch sein Wort und durch das Wasser der
Taufe hat er sie von aller Schuld gereinigt.
Eph 5,27 Wie eine Braut soll seine Gemeinde sein: schön und makellos, ohne
Flecken, Falten oder einen anderen Fehler, weil sie allein Christus gehören
soll.
Eph 5,28 Darum sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen
Körper. Wer nun seine Frau liebt, der liebt sich selbst.
Eph 5,29 Niemand hasst doch seinen eigenen Körper. Vielmehr hegt und pflegt er
ihn. So sorgt auch Christus für seine Gemeinde;
Eph 5,30 denn wir sind Glieder seines Leibes.
Eph 5,31 Erinnert euch an das Wort: »Ein Mann verlässt seine Eltern und
verbindet sich so eng mit seiner Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und
Seele.«
Eph 5,32 Das ist ein großes Geheimnis. Ich deute dieses Wort auf die Verbindung
zwischen Christus und seiner Gemeinde.
Eph 5,33 Es gilt aber auch für euch: Ein Mann soll seine Frau so lieben wie sich
selbst. Und die Frau soll ihren Mann achten.
Eph 6,1 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! So erwartet es der Herr von euch.
Eph 6,2 »Ehre deinen Vater und deine Mutter!« Dies ist das erste Gebot, das Gott
mit einer Zusage verbunden hat:
Eph 6,3 » ... damit es dir gut geht und du lange auf dieser Erde lebst.«
Eph 6,4 Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht ungerecht! Sonst fordert ihr sie
nur zum Widerspruch heraus. Eure Erziehung soll sie vielmehr in Wort und Tat zu
Gott, dem Herrn, hinführen.
Eph 6,5 Ihr Sklaven, gehorcht euren Herren, ehrt und achtet sie! Dient ihnen so
aufrichtig, wie ihr Christus dient.
Eph 6,6 Tut dies nicht nur vor ihren Augen, um von ihnen anerkannt zu werden.
Ihr sollt vielmehr als Diener Christi bereitwillig und gern den Willen Gottes
erfüllen.
Eph 6,7 Arbeitet mit Freude als Christen, die nicht den Menschen dienen, sondern
dem Herrn.
Eph 6,8 Er wird jedem den verdienten Lohn geben, ganz gleich, ob jemand Sklave
ist oder frei.
Eph 6,9 Auch ihr Herren, behandelt eure Sklaven, wie es Gott gefällt. Schüchtert
sie nicht mit Drohungen ein. Denkt immer daran, dass ihr denselben Herrn im
Himmel habt wie sie. Vor ihm sind alle Menschen gleich.
Eph 6,10 Für euch alle gilt: Werdet stark, weil ihr mit dem Herrn verbunden
seid, mit seiner Macht und seiner Stärke!
Eph 6,11 Greift zu den Waffen Gottes, damit ihr alle heimtückischen Anschläge
des Teufels abwehren könnt!
Eph 6,12 Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und
Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren
ihr unheilvolles Wesen treiben.
Eph 6,13 Darum nehmt die Waffen Gottes! Nur gut gerüstet könnt ihr den Mächten
des Bösen widerstehen, wenn es zum Kampf kommt. Nur so könnt ihr das Feld
behaupten und den Sieg erringen.
Eph 6,14 Rüstet euch gut für diesen Kampf! Die Wahrheit ist euer Gürtel und
Gerechtigkeit euer Brustpanzer.
Eph 6,15 Macht euch auf den Weg, und verkündet überall die rettende Botschaft,
dass Gott Frieden mit uns geschlossen hat.
Eph 6,16 Verteidigt euch mit dem Schild des Glaubens, an dem die Brandpfeile des
Teufels wirkungslos abprallen.
Eph 6,17 Die Gewissheit, dass euch Jesus Christus gerettet hat, ist euer Helm,
der euch schützt. Und nehmt das Wort Gottes. Es ist das Schwert, das euch sein
Geist gibt.
Eph 6,18 Hört nie auf, zu bitten und zu beten! Gottes Geist wird euch dabei
leiten. Bleibt wach und bereit. Bittet Gott inständig für alle Christen.
Eph 6,19 Betet auch für mich, damit Gott mir zur rechten Zeit das rechte Wort
gibt und ich überall das Geheimnis der rettenden Botschaft frei und offen
verkünden kann.
Eph 6,20 Auch hier im Gefängnis will ich das tun. Betet darum, dass ich auch in
Zukunft diese Aufgabe mutig erfülle, so wie Gott sie mir aufgetragen hat.
Eph 6,21 Ich möchte gern, dass ihr auch erfahrt, wie es mir ergangen ist.
Tychikus, mein lieber Bruder und treuer Mitarbeiter im Dienst für den Herrn,
wird euch von mir berichten.
Eph 6,22 Ich schicke ihn zu euch, damit ihr wisst, wie es uns geht. Er soll euch
ermutigen.
Eph 6,23 Gott schenke euch seinen Frieden, meine lieben Brüder und Schwestern.
Er gebe euch Liebe und bewahre euren Glauben an ihn, den Vater, und unseren
Herrn Jesus Christus.
Eph 6,24 Gottes Gnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus lieben,
und schenke ihnen unvergängliches Leben.
Phil 1,1 Diesen Brief schreiben Paulus und Timotheus, die Jesus Christus dienen,
an alle in Philippi, die an Jesus Christus glauben und ganz zu Gott gehören, an
die Leiter der Gemeinde und die Diakone.
Phil 1,2 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und
unserem Herrn Jesus Christus.
Phil 1,3 Immer bin ich meinem Gott dankbar, wenn ich an euch denke,
Phil 1,4 und das tue ich in jedem meiner Gebete mit großer Freude.
Phil 1,5 Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute mit mir für die rettende
Botschaft eingesetzt.
Phil 1,6 Deshalb bin ich auch ganz sicher, dass Gott sein Werk, das er bei euch
begonnen hat, zu Ende führen wird, bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt.
Phil 1,7 Es ist ja nicht erstaunlich, dass ich so von euch denke, denn ihr liegt
mir ganz besonders am Herzen. Daran ändert sich nichts, auch wenn ich jetzt im
Gefängnis bin und vor Gericht die Wahrheit der rettenden Botschaft verteidigen
und bezeugen muss. Ihr alle habt Anteil an der Gnade, die Gott mir damit
erweist.
Phil 1,8 Gott allein weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; liebe ich
euch doch so, wie auch Jesus Christus euch liebt.
Phil 1,9 Ich bete darum, dass eure Liebe immer reicher und tiefer wird und dass
ihr immer mehr Weisheit und Einsicht erlangt.
Phil 1,10 So lernt ihr entscheiden, wie ihr leben sollt, um am Gerichtstag Jesu
Christi untadelig und ohne Schuld vor euren Richter treten zu können.
Phil 1,11 Alles Gute, was Christus in einem von Schuld befreiten Leben schafft,
wird dann bei euch zu finden sein. Und das alles zu Gottes Ehre und zu seinem
Lob!
Phil 1,12 Meine lieben Brüder und Schwestern! Ihr sollt wissen, dass meine
Gefangenschaft die Ausbreitung der rettenden Botschaft nicht hinderte. Im
Gegenteil!
Phil 1,13 Allen meinen Bewachern hier und auch den übrigen Prozessteilnehmern
ist inzwischen klar geworden, dass ich nur deswegen eingesperrt bin, weil ich an
Christus glaube.
Phil 1,14 Außerdem haben durch meine Gefangenschaft viele Christen neuen Mut und
Zuversicht gewonnen. Furchtlos und ohne Scheu predigen sie jetzt Gottes
Botschaft.
Phil 1,15 Zwar verkünden manche nur deswegen die Botschaft von Christus, weil
sie neidisch sind und mir eine erfolgreiche Missionsarbeit nicht gönnen; andere
aber lassen sich bei ihrer Predigt von den besten Absichten leiten.
Phil 1,16 Sie handeln aus Liebe, weil sie wissen, dass ich im Gefängnis bin, um
für die rettende Botschaft einzutreten.
Phil 1,17 Die anderen aber reden von Jesus Christus nur aus Eigennutz. Sie
meinen es nicht ehrlich und wollen mir noch zusätzlich Kummer bereiten.
Phil 1,18 Doch was macht das schon! Wichtig ist allein, dass die rettende
Botschaft von Jesus Christus verbreitet wird; mag das nun mit Hintergedanken
oder in ehrlicher Absicht geschehen. Wenn nur jeder erfährt, wer Jesus Christus
ist! Darüber freue ich mich, und ich werde mich auch in Zukunft darüber freuen!
Phil 1,19 Weil ihr für mich betet und Jesus Christus mir durch seinen Geist
beisteht, vertraue ich darauf, dass hier alles zum Besten für mich ausgehen
wird.
Phil 1,20 Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass ich während meiner
Gefangenschaft nicht schwach werde und versage, sondern dass Jesus Christus wie
bisher, so auch jetzt durch mich bekannt gemacht und geehrt wird, sei es durch
mein Leben oder durch meinen Tod.
Phil 1,21 Denn Christus ist mein Leben und das Sterben für mich nur Gewinn.
Phil 1,22 Weil ich aber mehr für Christus erreichen kann, wenn ich am Leben
bleibe, weiß ich nicht, was ich mir wünschen soll.
Phil 1,23 Beides erscheint mir verlockend: Manchmal würde ich am liebsten schon
jetzt sterben, um bei Christus zu sein. Gibt es etwas Besseres?
Phil 1,24 Andererseits habe ich bei euch noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.
Phil 1,25 Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass ich am Leben bleiben und zu
euch zurückkommen werde. Dann will ich euch helfen, damit euer Glaube wächst und
eure Freude noch größer wird.
Phil 1,26 Wenn ich erst wieder bei euch bin, werdet ihr noch mehr loben und
danken können für alles, was Jesus Christus durch mich getan hat.
Phil 1,27 Vor allem ist wichtig, dass ihr als ganze Gemeinde so lebt, wie es der
rettenden Botschaft entspricht. Ob ich nun bei euch sein kann und es mit eigenen
Augen sehe oder ob ich nur davon höre, ich möchte, dass ihr alle durch Gottes
Geist verbunden seid und einmütig für die Ausbreitung dieser Botschaft kämpft.
Phil 1,28 Lasst euch auf keinen Fall von euren Gegnern einschüchtern! Euer Mut
wird ihnen zeigen, dass sie verloren sind, ihr aber von Gott gerettet werdet.
Phil 1,29 Ihr habt nicht nur das Vorrecht, an Christus zu glauben, ihr dürft
sogar für ihn leiden.
Phil 1,30 Damit kämpft ihr nun denselben Kampf wie ich. Und wie dieser Kampf
aussieht, habt ihr ja früher selbst mit angesehen. Jetzt kann ich euch davon nur
berichten.
Phil 2,1 Es gibt über euch so viel Gutes zu berichten: Ihr ermutigt euch als
Christen gegenseitig und seid zu liebevollem Trost bereit. Man spürt bei euch
etwas von der Gemeinschaft, die der Geist Gottes bewirkt, und herzliche,
mitfühlende Liebe verbindet euch.
Phil 2,2 Darüber freue ich mich sehr. Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr
euch ganz einig seid, in der einen Liebe miteinander verbunden bleibt und fest
zusammenhaltet.
Phil 2,3 Weder Eigennutz noch Streben nach Ehre sollen euer Handeln bestimmen.
Im Gegenteil, seid bescheiden, und achtet den anderen mehr als euch selbst.
Phil 2,4 Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern habt das Wohl der anderen
im Auge.
Phil 2,5 Seht auf Jesus Christus:
Phil 2,6 Obwohl er in göttlicher Gestalt war, hielt er nicht selbstsüchtig daran
fest, Gott gleich zu sein.
Phil 2,7 Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er nahm
menschliche Gestalt an und wurde wie jeder andere Mensch geboren.
Phil 2,8 Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis
zum schändlichen Tod am Kreuz.
Phil 2,9 Darum hat ihn Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der über allen
Namen steht.
Phil 2,10 Vor Jesus werden einmal alle auf die Knie fallen: alle im Himmel, auf
der Erde und im Totenreich.
Phil 2,11 Und jeder ohne Ausnahme soll zur Ehre Gottes, des Vaters, bekennen:
Jesus Christus ist der Herr!
Phil 2,12 Meine lieben Freunde! Ihr habt immer befolgt, was ich euch geraten
habe. Hört aber nicht nur auf mich, wenn ich bei euch bin, sondern erst recht
während meiner Abwesenheit. Arbeitet mit Furcht und Zittern an eurer Rettung.
Phil 2,13 Und doch ist es Gott allein, der beides in euch bewirkt: Er schenkt
euch den Willen und die Kraft, ihn auch so auszuführen, wie es ihm gefällt.
Phil 2,14 Bei allem, was ihr tut, hütet euch vor Nörgeleien und Zweifel.
Phil 2,15 Dann wird euer Leben hell und makellos sein, und ihr werdet als Gottes
vorbildliche Kinder mitten in dieser verdorbenen und dunklen Welt leuchten wie
Sterne in der Nacht.
Phil 2,16 Dazu müsst ihr unerschütterlich an der Botschaft Gottes festhalten,
die euch das Leben bringt. Wenn Jesus Christus dann kommt, kann ich stolz auf
euch sein, dass ich nicht umsonst zu euch gekommen bin und mich nicht vergeblich
um euch gemüht habe.
Phil 2,17 Und selbst wenn ich sterben muss und mein Blut wie Opferblut vergossen
wird im Dienst für euren Glauben, so bin ich doch voller Freude. Ja, ich freue
mich mit euch allen.
Phil 2,18 Freut ihr euch ebenso, freut euch mit mir!
Phil 2,19 Im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus hoffe ich, dass ich Timotheus
bald zu euch schicken kann. Könnte er mir doch endlich berichten, wie es euch
geht, denn das würde auch mir neuen Mut geben!
Phil 2,20 Mit niemandem bin ich im Glauben so verbunden wie mit Timotheus, und
kein anderer wird sich so aufrichtig um euch kümmern wie er.
Phil 2,21 Alle anderen beschäftigen sich mit ihren eigenen Angelegenheiten und
nicht mit dem, was Jesus Christus will.
Phil 2,22 Aber ihr wisst ja selbst, wie zuverlässig Timotheus ist. Wie ein Kind
seinem Vater hilft, so hat er sich eingesetzt und mit mir die rettende Botschaft
verkündet.
Phil 2,23 Ich will ihn zu euch schicken, sobald ich weiß, wie es hier mit mir
weitergeht.
Phil 2,24 Im Übrigen hat mir der Herr die Zuversicht geschenkt, dass ich bald
selbst zu euch kommen kann.
Phil 2,25 Ich hielt es für notwendig, Epaphroditus zu euch zurückzuschicken. Er
hat mir eure Gaben überbracht und hat mir beigestanden. Nun, er ist mir wirklich
ein Bruder, ein guter Mitarbeiter und Mitkämpfer geworden.
Phil 2,26 Inzwischen aber hat er große Sehnsucht nach euch allen. Es hat ihn
sehr beunruhigt, dass ihr von seiner Krankheit erfahren habt.
Phil 2,27 Tatsächlich war er todkrank, aber Gott hatte Erbarmen mit ihm und auch
mit mir. Er wollte mir zusätzliche Trauer ersparen.
Phil 2,28 Jetzt soll Epaphroditus so schnell wie möglich zu euch zurückkehren.
Ihr sollt ihn gesund wiedersehen und euch über ihn freuen. Dann werde auch ich
eine Sorge weniger haben.
Phil 2,29 Nehmt ihn voller Freude als euren Bruder auf. Menschen wie ihn sollt
ihr achten und ehren.
Phil 2,30 Denn als er die Botschaft von Jesus Christus verkündete, setzte er
sein Leben aufs Spiel. Weil ihr nichts für mich tun konntet, hat er mir an eurer
Stelle geholfen und wäre dabei selbst fast gestorben.
Phil 3,1 Was auch immer geschehen mag, meine lieben Brüder und Schwestern: Freut
euch, weil ihr zum Herrn gehört! Ich werde nicht müde, euch das immer und immer
wieder zu sagen; weiß ich doch, dass es euch Gewissheit gibt.
Phil 3,2 Hütet euch aber vor allen, die eure Gemeinde zerstören wollen. Sie sind
wie bösartige Hunde, diese falschen Lehrer, die euch einreden wollen, dass ihr
euch beschneiden lassen müsst.
Phil 3,3 Nicht durch die Beschneidung sind wir Gottes Volk, sondern weil Gott
uns seinen Geist geschenkt hat und wir ihm dienen. Wir verlassen uns auf Jesus
Christus und nicht länger auf das, was wir selbst tun können.
Phil 3,4 Ich selbst könnte mich mit größerem Recht als manch anderer auf diese
Vorzüge berufen, wenn es wirklich auf die Beschneidung ankäme.
Phil 3,5 Ich wurde acht Tage nach meiner Geburt beschnitten, wie es das Gesetz
vorschreibt. Ich stamme aus dem Volk Israel und sogar aus dem Stamm Benjamin.
Von Geburt an bin ich Hebräer wie schon alle meine Vorfahren. Außerdem gehörte
ich zu den Pharisäern, der Gruppe, die am strengsten darauf achtet, dass Gottes
Gesetz eingehalten wird.
Phil 3,6 Ich habe die christliche Gemeinde mit fanatischem Eifer verfolgt und
die Regeln des Gesetzes bis in alle Einzelheiten erfüllt. Gemessen an dem, was
das Gesetz fordert, brauchte ich mir nichts vorzuwerfen.
Phil 3,7 Aber seit ich Christus kenne, ist für mich alles wertlos, was ich
früher für so wichtig gehalten habe.
Phil 3,8 Denn das ist mir klar geworden: Gegenüber dem unvergleichlichen Gewinn,
dass Jesus Christus mein Herr ist, hat alles andere seinen Wert verloren. Ja,
alles andere ist für mich nur noch Dreck, wenn ich bloß Christus habe.
Phil 3,9 Zu ihm will ich gehören. Durch meine Leistung kann ich vor Gott nicht
bestehen, selbst wenn ich das Gesetz genau befolge. Was Gott durch Christus für
mich getan hat, das zählt. Darauf will ich vertrauen.
Phil 3,10 Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich immer besser kennen
lernen und die Kraft seiner Auferstehung erfahren, aber auch seine Leiden möchte
ich mit ihm teilen und seinen Tod mit ihm sterben.
Phil 3,11 Dann werde ich auch mit allen, die an Christus glauben, von den Toten
auferstehen.
Phil 3,12 Dabei ist mir klar, dass ich dies alles noch lange nicht erreicht
habe, dass ich noch nicht am Ziel bin. Doch ich setze alles daran, das Ziel zu
erreichen, damit der Siegespreis einmal mir gehört, wie ich jetzt schon zu Jesus
Christus gehöre.
Phil 3,13 Wie gesagt, meine lieben Brüder und Schwestern, ich weiß genau: Noch
habe ich den Preis nicht in der Hand. Aber eins steht fest: Ich will alles
vergessen, was hinter mir liegt, und schaue nur noch auf das Ziel vor mir.
Phil 3,14 Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen,
das Leben in Gottes Herrlichkeit. Denn dazu hat uns Gott durch Jesus Christus
berufen.
Phil 3,15 Wir alle, die wir auf dem Weg zum Ziel sind, wollen uns so verhalten.
Wenn ihr in dem einen oder anderen Punkt nicht meiner Meinung seid, wird Gott
euch noch Klarheit und Einsicht schenken.
Phil 3,16 Doch an dem, was ihr schon erreicht habt, müsst ihr auf jeden Fall
festhalten. Bleibt nicht auf halbem Wege stehen!
Phil 3,17 Liebe Brüder und Schwestern, nehmt euch ein Beispiel an mir und an den
Menschen, die so leben wie ich.
Phil 3,18 Ich habe es euch schon oft gesagt, und jetzt beschwöre ich euch unter
Tränen: Hütet euch vor allen, die sich Christen nennen, aber durch ihr Leben
erkennen lassen, dass sie Feinde des Kreuzes Jesu Christi sind.
Phil 3,19 Ihr Weg führt unausweichlich ins Verderben. Im Grunde leben sie nur
für ihre Triebe und Begierden, und statt sich dafür zu schämen, sind sie auch
noch stolz darauf. Sie denken an nichts anderes als an das Leben auf dieser
Erde.
Phil 3,20 Wir dagegen haben unsere Heimat im Himmel. Von dort erwarten wir auch
Jesus Christus, unseren Retter.
Phil 3,21 Dann wird unser hinfälliger, sterblicher Leib verwandelt und seinem
auferstandenen, unvergänglichen Leib gleich werden. Denn Christus hat die Macht,
alles seiner Herrschaft zu unterwerfen.
Phil 4,1 Meine lieben Brüder und Schwestern, ich habe große Sehnsucht nach euch,
denn ihr seid meine ganze Freude, die Krönung meiner Arbeit. Bleibt nur fest in
eurem Glauben an den Herrn!
Phil 4,2 Evodia und Syntyche sollen sich wieder vertragen. Sie glauben doch
beide an den Herrn Jesus Christus.
Phil 4,3 Vielleicht kannst du, Syzygus, mein treuer Mitarbeiter, den Frauen
dabei helfen! Schließlich haben die beiden gemeinsam mit Klemens und meinen
anderen Mitarbeitern für die Verbreitung der rettenden Botschaft gekämpft. Gott
hat ihre Namen in das Buch des Lebens eingetragen.
Phil 4,4 Freut euch Tag für Tag, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will
ich es sagen: Freut euch!
Phil 4,5 Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr
kommt bald!
Phil 4,6 Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten. Sagt ihm, was
euch fehlt, und dankt ihm!
Phil 4,7 Und Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, wird eure Herzen
und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren.
Phil 4,8 Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an
dem, was wahrhaftig, gut und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen
guten Ruf hat, an dem, was auch bei euren Mitmenschen als Tugend gilt und Lob
verdient.
Phil 4,9 Haltet an der Botschaft fest, die ihr von mir gehört und angenommen
habt. Richtet euch nach dem, was ich euch gelehrt habe, und lebt nach meinem
Vorbild. Dann wird Gott bei euch sein und euch seinen Frieden schenken.
Phil 4,10 Ich habe mich sehr gefreut und bin dem Herrn von Herzen dankbar, dass
es euch wieder möglich war, mich finanziell zu unterstützen. Ihr wart zwar immer
dazu bereit, aber wurdet in letzter Zeit durch die ungünstigen Umstände daran
gehindert.
Phil 4,11 Ich sage das nicht, um euch auf meine Not aufmerksam zu machen.
Schließlich habe ich gelernt, in jeder Lebenslage zurechtzukommen.
Phil 4,12 Ob ich nun wenig oder viel habe, beides ist mir durchaus vertraut, und
so kann ich mit beidem fertig werden: Ich kann satt sein und hungern; ich kann
Mangel leiden und Überfluss haben.
Phil 4,13 Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.
Phil 4,14 Trotzdem war es sehr freundlich von euch, mir in meiner Notlage zu
helfen.
Phil 4,15 Ihr wisst ja, dass ich mich von keiner anderen Gemeinde als von euch
in Philippi habe unterstützen lassen. Gleich von Anfang an, als ich von
Mazedonien weiterzog, um die rettende Botschaft zu verkünden, wart ihr die
Einzigen, von denen ich als Gegenleistung für meinen Dienst Geld annahm.
Phil 4,16 Ihr habt schon an meinen Lebensunterhalt gedacht, als ich in
Thessalonich war, und danach habt ihr mir noch mehrmals geholfen.
Phil 4,17 Dabei geht es mir gar nicht um das Geschenk, sondern um die Frucht,
die daraus erwächst: Gott wird euch für eure Liebe und Fürsorge belohnen.
Phil 4,18 Ich habe alles bekommen, was mir Epaphroditus von euch überbrachte.
Nun habe ich alles, was ich brauche, ja, mehr als das! Eure Gabe ist wie ein
wohlriechendes Opfer, das Gott gefällt.
Phil 4,19 Aus seinem Reichtum wird euch Gott, dem ich gehöre, durch Jesus
Christus alles geben, was ihr zum Leben braucht.
Phil 4,20 Gott, unserem Vater, sei Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen.
Phil 4,21 Grüßt alle Christen in Philippi von mir. Herzliche Grüße von den
Brüdern, die bei mir sind.
Phil 4,22 Auch alle anderen Christen hier grüßen euch, besonders die im
kaiserlichen Dienst.
Phil 4,23 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen!
Kol 1,1 Paulus, ein Apostel Jesu Christi, von Gott berufen, und sein Mitarbeiter
Timotheus
Kol 1,2 senden diesen Brief an die Brüder und Schwestern in Kolossä, die zu Gott
gehören und mit denen wir im Glauben verbunden sind. Wir wünschen euch Gnade und
Frieden von Gott, unserem Vater.
Kol 1,3 Jedes Mal wenn wir für euch beten, danken wir Gott, dem Vater unseres
Herrn Jesus Christus.
Kol 1,4 Wir haben von eurem Glauben an Jesus Christus gehört und davon, wie ihr
allen Christen in Liebe verbunden seid.
Kol 1,5 Dazu seid ihr fähig, weil ihr wisst, dass sich eure Hoffnung im Himmel
erfüllen wird. Von dieser Hoffnung habt ihr gehört, als man euch das Wort der
Wahrheit, die rettende Botschaft von Jesus Christus, verkündete.
Kol 1,6 Diese Botschaft wird nicht nur bei euch, sondern auch in der ganzen Welt
verbreitet. Immer mehr Menschen hören sie, nehmen sie an, und so trägt sie
reiche Frucht. Auch bei euch ist es vom ersten Tag an so gewesen, als ihr
erkannt habt, wie barmherzig Gott ist.
Kol 1,7 Euch brachte unser lieber Mitarbeiter Epaphras diese rettende Botschaft.
Wir wissen, dass er Christus dient und dass er euch ein treuer und guter Lehrer
war.
Kol 1,8 Er hat uns auch davon berichtet, welche Liebe untereinander der Geist
Gottes in euch geweckt hat.
Kol 1,9 Seitdem haben wir nicht aufgehört, für euch zu beten und Gott darum zu
bitten, dass ihr seinen Willen erkennt und sein Geist euch mit Weisheit und
Einsicht erfüllt.
Kol 1,10 Dann nämlich könnt ihr so leben, dass der Herr dadurch geehrt wird. Er
hat Gefallen daran, wenn ihr immer mehr Gutes tut. Ihr sollt ihn immer besser
kennen lernen
Kol 1,11 [11/12] und seine göttliche Kraft erfahren, damit ihr geduldig und
ausdauernd euren Weg gehen könnt. Ihr habt wirklich allen Grund, Gott, dem
Vater, voll Freude dafür zu danken, dass ihr einmal mit allen anderen Christen
bei ihm sein dürft, in seinem Reich des Lichts.
Kol 1,13 Er hat uns aus der Gewalt der Finsternis befreit, und nun leben wir in
der neuen Welt seines geliebten Sohnes Jesus Christus.
Kol 1,14 Durch ihn sind wir erlöst, unsere Sünden sind vergeben.
Kol 1,15 Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, er war als Erster
vor Beginn der Schöpfung da.
Kol 1,16 Durch ihn ist alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist:
Sichtbares und Unsichtbares, Königreiche und Mächte, Herrscher und Gewalten.
Alles ist durch ihn und für ihn geschaffen.
Kol 1,17 Denn Christus war vor allem anderen; und alles besteht durch ihn.
Kol 1,18 Er ist das Haupt der Gemeinde, die sein Leib ist. Er ist der Ursprung
allen Lebens, der auch als Erster von den Toten zu neuem Leben auferstand, damit
er in jeder Hinsicht der Erste sei.
Kol 1,19 Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in ihm zu wohnen.
Kol 1,20 Alles im Himmel und auf der Erde sollte durch Christus mit Gott wieder
versöhnt werden, alles hat Frieden gefunden, als er am Kreuz sein Blut vergoss.
Kol 1,21 Auch ihr wart einmal weit weg von Gott, ihr wart seine Feinde durch
alles Böse, das ihr gedacht und getan habt.
Kol 1,22 Durch seinen Tod hat euch Christus mit Gott versöhnt. Jetzt steht ihr
ohne Sünde und ohne jeden Makel vor Gott.
Kol 1,23 Bleibt nur fest und unerschütterlich in eurem Glauben, und lasst euch
durch nichts davon abbringen! Keine Macht der Erde soll euch die Hoffnung dieser
rettenden Botschaft rauben, die ihr gehört habt und die überall in der Welt
verkündet worden ist. Im Auftrag Gottes sage ich, Paulus, diese Botschaft
weiter.
Kol 1,24 Was ich auch immer für euch erleiden muss, nehme ich gern auf mich; ich
freue mich sogar darüber. Das Maß der Leiden, die ich für Christus auf mich
nehmen muss, ist noch nicht voll. Und ich leide für seinen Leib, für seine
Gemeinde.
Kol 1,25 Gott hat mir aufgetragen, seiner Gemeinde zu dienen und euch seine
Botschaft ohne Abstriche zu verkünden.
Kol 1,26 Ihr habt erfahren, was von Anfang der Welt, was allen Menschen vor euch
verborgen war: ein Geheimnis, das jetzt allen Christen enthüllt worden ist.
Kol 1,27 Ihnen wollte Gott zeigen, wie unbegreiflich und wunderbar dieses
Geheimnis ist, das allen Menschen auf dieser Erde gilt: Christus lebt mitten
unter euch. Er hat euch die Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes geschenkt.
Kol 1,28 Diesen Christus verkünden wir euch. Mit aller Weisheit, die Gott mir
gegeben hat, ermahne ich die Menschen und unterweise sie im Glauben, damit jeder
Einzelne durch die Verbindung mit Christus reif und mündig wird.
Kol 1,29 Das ist das Ziel meiner Arbeit, dafür kämpfe ich, und dafür mühe ich
mich ab. Christus, der mit seiner Macht in mir wirkt, schenkt mir die Kraft
dazu.
Kol 2,1 Ihr sollt wissen, wie sehr ich um euch kämpfe, auch um die Gemeinde in
Laodizea und um all die anderen, die mich persönlich noch gar nicht kennen.
Kol 2,2 Gott möge euch Mut und Kraft geben und euch in der Liebe Christi
zusammenhalten. Er schenke euch tiefes Verstehen, damit ihr die ganze Größe
seines Geheimnisses erkennt. Dieses Geheimnis ist Christus.
Kol 2,3 In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.
Kol 2,4 Ich sage das, damit ihr euch von niemandem durch wohlklingende Worte auf
einen falschen Weg bringen lasst.
Kol 2,5 Zwar bin ich weit von euch entfernt, aber im Geist bin ich mit euch
allen verbunden. Ich bin glücklich, wenn ich sehe, wie fest ihr zusammensteht
und wie unerschütterlich ihr an Christus glaubt.
Kol 2,6 Ihr habt Jesus Christus als euren Herrn angenommen; nun lebt auch in der
Gemeinschaft mit ihm.
Kol 2,7 Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt
bleiben, und nur er soll das Fundament eures Lebens sein. Haltet fest an dem
Glauben, den man euch lehrte. Für das, was Gott euch geschenkt hat, könnt ihr
gar nicht dankbar genug sein.
Kol 2,8 Fallt nicht auf Weltanschauungen und Hirngespinste herein. All das haben
sich Menschen ausgedacht; aber hinter ihren Gedanken stehen dunkle Mächte und
nicht Christus.
Kol 2,9 Nur in Christus ist Gott wirklich zu finden, denn in ihm lebt er in
seiner ganzen Fülle.
Kol 2,10 Deshalb lebt Gott auch in euch, wenn ihr mit Christus verbunden seid.
Er ist der Herr über alle Mächte und Gewalten.
Kol 2,11 Durch euren Glauben an Christus habt ihr euer altes, sündiges Leben
aufgegeben, seid auch ihr Beschnittene. Zwar nicht durch eine Beschneidung, wie
sie der Priester im Tempel durchführt, sondern durch die Beschneidung, wie ihr
sie durch Christus erfahren habt.
Kol 2,12 Denn durch die Taufe ist euer altes Leben beendet; ihr wurdet mit
Christus begraben. Aber ihr seid auch mit ihm zu einem neuen Leben auferweckt
worden durch den Glauben an die Kraft Gottes, der Christus von den Toten
auferstehen ließ.
Kol 2,13 Früher wart ihr unbeschnitten, denn eure Schuld trennte euch von Gott.
In seinen Augen wart ihr tot, aber er hat euch mit Christus lebendig gemacht und
alle Schuld vergeben.
Kol 2,14 Gott hat den Schuldschein, der uns mit seinen Forderungen so schwer
belastete, eingelöst und auf ewig vernichtet, indem er ihn ans Kreuz nagelte.
Kol 2,15 Auf diese Weise wurden die finsteren dämonischen Mächte entmachtet und
in ihrer Ohnmacht bloßgestellt, als Christus über sie am Kreuz triumphierte.
Kol 2,16 Darum lasst euch keine Vorschriften machen über eure Ess- und
Trinkgewohnheiten oder bestimmte Feiertage, über den Neumondtag und über das,
was man am Sabbat tun darf oder nicht.
Kol 2,17 Das alles sind nur schwache Abbilder, ein Schatten von dem, was in
Christus Wirklichkeit geworden ist.
Kol 2,18 Lasst euch deshalb durch niemanden von eurem Ziel abbringen. Schon gar
nicht von solchen Leuten, die sich in falsch verstandener Demut gefallen, zu
Engeln beten und sich dabei stolz auf ihre Visionen berufen! Diese Menschen
haben nicht den geringsten Grund, sich derart aufzuspielen. Sie drehen sich ja
doch nur um sich selbst
Kol 2,19 und halten sich nicht mehr an Christus, der doch das Haupt der Gemeinde
ist. Denn nur von ihm her kann die Gemeinde als sein Leib zusammengehalten
werden und so wachsen und gedeihen, wie Gott es will.
Kol 2,20 Wenn ihr nun mit Christus gestorben seid, dann habt ihr euch auch vom
Wesen dieser Welt und ihren Mächten losgesagt. Weshalb unterwerft ihr euch dann
von neuem ihren Forderungen und lebt so, als wäre diese Welt für euch maßgebend?
Kol 2,21 Weshalb lasst ihr euch vorschreiben: »Du darfst dieses nicht anfassen,
jenes nicht essen und ganz bestimmte Dinge nicht berühren«?
Kol 2,22 Sie alle sind doch dazu da, dass man sie für sich nutzt und verzehrt.
Warum also lasst ihr euch noch Vorschriften von Menschen machen?
Kol 2,23 Möglich, dass manche, die danach leben, den Anschein von Weisheit
erwecken, zumal sie fromm wirken, sich bescheiden geben und bei asketischen
Übungen ihren Körper nicht schonen. Doch das alles bringt uns Gott nicht näher,
sondern es dient ausschließlich menschlichem Ehrgeiz und menschlicher Eitelkeit.
Kol 3,1 Wenn ihr nun mit Christus zu einem neuen Leben auferweckt worden seid,
dann richtet euer ganzes Leben nach ihm aus. Seht dahin, wo Christus ist, auf
dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite.
Kol 3,2 Richtet eure Gedanken auf Gottes unsichtbare Welt und nicht auf das, was
die irdische Welt zu bieten hat.
Kol 3,3 Denn für sie seid ihr gestorben, aber Gott hat euch mit Christus bereits
ewiges Leben geschenkt, auch wenn das jetzt noch verborgen ist.
Kol 3,4 Doch wenn Christus, unser Leben, erscheinen wird, dann wird in
Herrlichkeit sichtbar werden, dass ihr mit ihm lebt.
Kol 3,5 Also trennt euch ganz entschieden von allen selbstsüchtigen Wünschen,
wie sie für diese Welt kennzeichnend sind! Trennt euch von sexueller
Zügellosigkeit und von ausschweifendem Leben, von Leidenschaften und Lastern,
aber auch von der Habgier, die den Besitz für das Wichtigste hält und ihn zu
ihrem Gott macht!
Kol 3,6 Wer diese Dinge in seinem Leben duldet, wird Gottes Zorn zu spüren
bekommen.
Kol 3,7 Auch ihr habt früher so gelebt.
Kol 3,8 Aber jetzt ist es Zeit, das alles abzulegen. Lasst euch nicht mehr von
Zorn und Hass beherrschen. Schluss mit aller Bosheit! Redet nicht schlecht
übereinander, und beleidigt niemanden!
Kol 3,9 Hört auf, euch gegenseitig zu belügen. Ihr habt doch euer früheres Leben
mit allem, was dazugehörte, wie alte Kleider abgelegt.
Kol 3,10 Jetzt habt ihr neue Kleider an, denn ihr seid neue Menschen geworden.
Gott hat euch erneuert, und ihr entsprecht immer mehr dem Bild, nach dem er euch
geschaffen hat. So habt ihr Gemeinschaft mit Gott und versteht immer besser, was
ihm gefällt.
Kol 3,11 Dann ist unwichtig, ob einer Grieche oder Jude ist, beschnitten oder
unbeschnitten, ob er aus einem Volk ohne hohe Kultur kommt, ob er aus einem
Nomadenvolk stammt, ob er ein Sklave oder Herr ist. Wichtig ist einzig und
allein Christus, der in allen lebt.
Kol 3,12 Ihr seid von Gott auserwählt und seine geliebten Kinder, die zu ihm
gehören. Darum sollt ihr euch untereinander auch herzlich lieben mit
Barmherzigkeit, Güte, Bescheidenheit, Nachsicht und Geduld.
Kol 3,13 Ertragt einander, und seid bereit, einander zu vergeben, selbst wenn
ihr glaubt, im Recht zu sein. Denn auch Christus hat euch vergeben.
Kol 3,14 Wichtiger als alles andere ist die Liebe. Wenn ihr sie habt, wird euch
nichts fehlen. Sie ist das Band, das euch verbindet.
Kol 3,15 Und der Friede, den Christus schenkt, soll euer ganzes Leben bestimmen.
Gott hat euch dazu berufen, als Gemeinde Jesu in diesem Frieden ein Leib zu
sein. Dankt Gott dafür!
Kol 3,16 Lasst die Botschaft von Christus ihren ganzen Reichtum bei euch
entfalten. Unterweist und ermahnt euch gegenseitig mit aller Weisheit, und dankt
Gott von ganzem Herzen mit Psalmen, Lobgesängen und Liedern, die euch Gottes
Geist schenkt. Ihr habt doch Gottes Gnade erfahren!
Kol 3,17 All euer Tun - euer Reden wie euer Handeln - soll zeigen, dass Jesus
euer Herr ist. Weil ihr mit ihm verbunden seid, könnt ihr Gott, dem Vater, für
alles danken.
Kol 3,18 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter. So erwartet es Christus,
der Herr, von euch.
Kol 3,19 Ihr Männer, liebt eure Frauen und kränkt sie nicht.
Kol 3,20 Ihr Kinder, seid euren Eltern in allen Dingen gehorsam; denn das
gefällt dem Herrn.
Kol 3,21 Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht
ängstlich und mutlos werden.
Kol 3,22 Ihr Sklaven, gehorcht in allem euren Herren! Tut dies nicht nur, wenn
sie euch dabei beobachten und ihr von ihnen anerkannt werden wollt. Verrichtet
eure Arbeit aufrichtig und in Ehrfurcht vor Gott.
Kol 3,23 Denkt bei allem daran, dass ihr für den Herrn und nicht für die
Menschen arbeitet.
Kol 3,24 Als Lohn dafür wird Gott euch das Erbe geben, das er versprochen hat.
Das wisst ihr ja. Denn Jesus Christus ist euer wahrer Herr!
Kol 3,25 Wer allerdings Unrecht tut, wird auch dafür den entsprechenden Lohn
bekommen. Gott beurteilt alle Menschen gleich, egal, welches Ansehen sie
genießen.
Kol 4,1 Ihr Herren, behandelt eure Sklaven gerecht und anständig. Denkt immer
daran, dass ihr denselben Herrn im Himmel habt wie sie.
Kol 4,2 Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen, und vergesst dabei nicht,
Gott zu danken.
Kol 4,3 Betet auch für uns, damit Gott uns eine Möglichkeit gibt, sein Geheimnis
zu verkünden: die Botschaft von Christus, für die ich hier im Gefängnis sitze.
Kol 4,4 Und betet, dass ich frei und offen von dem reden kann, was mir
aufgetragen wurde.
Kol 4,5 Verhaltet euch klug und besonnen denen gegenüber, die keine Christen
sind. Nutzt die wenige Zeit, die euch noch bleibt!
Kol 4,6 Redet mit jedem Menschen freundlich; alles, was ihr sagt, soll gut und
hilfreich sein. Bemüht euch darum, für jeden die richtigen Worte zu finden.
Kol 4,7 Unser lieber Bruder Tychikus wird euch ausführlich berichten, wie es mir
geht. Er ist mein treuer Mitarbeiter und dient dem Herrn.
Kol 4,8 Ich schicke ihn gerade deshalb zu euch, damit ihr erfahrt, wie es uns
geht, und damit er euch ermutigt und weiterhilft.
Kol 4,9 Mit ihm zusammen schicke ich Onesimus, der ja zu euch gehört. Auch ihn
schätze ich als treuen und lieben Bruder. Beide werden euch alles erzählen, was
hier geschehen ist.
Kol 4,10 Aristarch, der zusammen mit mir im Gefängnis ist, lässt euch grüßen,
ebenso Markus, der Vetter von Barnabas. Seinetwegen hatte ich euch ja schon
geschrieben. Ich bitte euch noch einmal, ihn freundlich aufzunehmen, wenn er zu
euch kommt.
Kol 4,11 Auch Jesus Justus schickt euch seine Grüße. Diese drei Männer sind die
einzigen Christen jüdischer Herkunft, die sich mit mir für Gottes neue Welt
einsetzen. Sie sind mir Trost und Hilfe zugleich.
Kol 4,12 Epaphras, der zu euch gehört, grüßt euch ebenfalls sehr herzlich. Er
dient Jesus Christus und lässt nicht nach, für euch zu beten. Inständig bittet
er Gott darum, dass ihr reife Christen werdet und bereit, in allen Dingen Gottes
Willen zu erfüllen.
Kol 4,13 Ich kann bezeugen, wie viel Mühe er auf sich nimmt für euch, für die
Christen in Laodizea und die in Hierapolis.
Kol 4,14 Freundliche Grüße auch von dem Arzt Lukas, den wir alle sehr schätzen,
und von Demas.
Kol 4,15 Grüßt alle Christen in Laodizea von mir, vor allem Nympha und alle, die
sich in ihrem Haus versammeln.
Kol 4,16 Wenn ihr diesen Brief gelesen habt, dann gebt ihn an die Gemeinde in
Laodizea weiter. Lest auch den Brief, den ich dorthin geschrieben habe.
Kol 4,17 Und sagt Archippus: Erfüll den Auftrag, den dir der Herr gegeben hat,
treu und gewissenhaft!
Kol 4,18 Und hier noch mein persönlicher Gruß an euch; ich, Paulus, schreibe ihn
mit eigener Hand. Vergesst nicht, dass ich im Gefängnis bin! Gottes Gnade sei
mit euch!
1Thess 1,1 Paulus, Silvanus und Timotheus schreiben diesen Brief an die Gemeinde
in Thessalonich, die sich zu Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus
bekennt. Gott möge euch seine Gnade und seinen Frieden schenken.
1Thess 1,2 Wir danken Gott von ganzem Herzen für euch alle, jedes Mal wenn wir
für euch beten.
1Thess 1,3 Vor Gott, unserem Vater, werden wir daran erinnert, mit welcher
Selbstverständlichkeit ihr euren Glauben in die Tat umsetzt, mit welcher Liebe
ihr für andere sorgt und mit welcher Hoffnung und Geduld ihr auf das Kommen
unseres Herrn Jesus Christus wartet.
1Thess 1,4 Wir wissen, liebe Brüder und Schwestern, dass Gott euch liebt und
auserwählt hat.
1Thess 1,5 Denn wir haben euch die rettende Botschaft verkündet, nicht allein
mit Worten, sondern Gottes Macht wirkte durch uns. Sein Heiliger Geist stand uns
bei, und so hatten wir große Überzeugungskraft. Ihr wisst selbst, wie wir uns
verhielten, während wir bei euch waren: Alles, was wir getan haben, geschah für
euch.
1Thess 1,6 Nun seid ihr unserem Beispiel und dem unseres Herrn gefolgt. Und
obwohl ihr deswegen viel leiden musstet, habt ihr Gottes Botschaft mit einer
solchen Freude aufgenommen, wie sie nur der Heilige Geist schenken kann.
1Thess 1,7 So seid ihr für die Christen in ganz Mazedonien und in der Provinz
Achaja zum Vorbild geworden.
1Thess 1,8 Aber nicht nur dort hat sich die Botschaft des Herrn durch euch
verbreitet, auch an vielen anderen Orten spricht man von eurem Glauben, so dass
wir darüber nichts mehr berichten müssen.
1Thess 1,9 Im Gegenteil! Überall erzählt man, wie freundlich ihr uns aufgenommen
habt, dass ihr nicht länger die toten Götzenstatuen anbetet, sondern zu dem
lebendigen, wahren Gott umgekehrt seid und ihm allein dient.
1Thess 1,10 Jeder weiß auch, wie sehr ihr auf Gottes Sohn wartet, auf Jesus, den
er von den Toten auferweckt hat und der für alle sichtbar kommen wird. Er allein
rettet uns vor Gottes Zorn im kommenden Gericht.
1Thess 2,1 Ihr wisst ja selbst, liebe Brüder und Schwestern, dass unsere Mühe
nicht vergeblich war, als wir zum ersten Mal Gottes Botschaft bei euch
verkündeten.
1Thess 2,2 Und ihr wisst auch, dass wir vorher in Philippi viel zu leiden hatten
und misshandelt worden waren. Aber Gott hat uns den Mut und die Kraft gegeben,
euch seine rettende Botschaft zu verkünden - trotz aller Widerstände, mit denen
wir fertig werden mussten.
1Thess 2,3 Wir erzählen euch keine Märchen, machen euch nichts vor und führen
niemanden hinters Licht.
1Thess 2,4 Im Gegenteil, Gott selbst hält uns für würdig, die rettende Botschaft
zu verkünden - deshalb und nur deshalb reden wir. Wir wollen nicht Menschen
damit gefallen, sondern Gott. Ihn können wir nicht täuschen, denn er kennt unser
Herz.
1Thess 2,5 Ihr wisst auch, dass wir euch niemals mit Schmeicheleien einfangen
wollten und dass es uns nicht um unseren eigenen Vorteil ging. Dafür ist Gott
unser Zeuge.
1Thess 2,6 Niemals wollten wir bei euch oder anderen Leuten persönliches Ansehen
gewinnen.
1Thess 2,7 Als Apostel Jesu Christi hätten wir bei euch auf unsere besondere
Autorität pochen können; stattdessen waren wir liebevoll zu euch wie eine
stillende Mutter zu ihrem Kind.
1Thess 2,8 Aus Liebe zu euch waren wir nicht nur dazu bereit, euch Gottes
rettende Botschaft zu verkünden, sondern auch uns selbst, unser ganzes Leben mit
euch zu teilen. So sehr hatten wir euch lieb gewonnen.
1Thess 2,9 Liebe Brüder und Schwestern, erinnert euch doch nur einmal daran, wie
hart wir damals für unseren Lebensunterhalt gearbeitet haben! Tag und Nacht
haben wir uns geplagt; denn wir wollten euch Gottes rettende Botschaft bringen,
ohne jemandem zur Last zu fallen.
1Thess 2,10 Gott weiß es, und ihr wisst es auch, wie sehr wir in der Gemeinde
darauf geachtet haben, so zu leben, wie es Gott gefällt; wir waren vorbildlich
und ließen uns nichts zuschulden kommen.
1Thess 2,11 Denkt ihr noch daran, dass ich für euch gesorgt habe wie ein Vater
für seine Kinder? Dass ich jeden Einzelnen von euch ermahnt und ermutigt,
1Thess 2,12 ja, beschworen habe, so zu leben, dass Gott geehrt wird? Denn als
seine Kinder hat er euch dazu berufen, in seiner neuen Welt zu leben und seine
Herrlichkeit mit ihm zu teilen.
1Thess 2,13 Immer wieder danken wir Gott dafür, dass ihr unsere Predigt nicht
als Menschenwort aufgenommen und verstanden habt, sondern als das, was sie ja
tatsächlich ist, als Gottes Wort. Dieses Wort verändert jeden, der daran glaubt.
1Thess 2,14 Ihr, liebe Brüder und Schwestern, wurdet wegen eures Glaubens
genauso verfolgt wie die Christen in Judäa. Sie hatten von den Juden dasselbe zu
erleiden wie ihr von euren Landsleuten.
1Thess 2,15 Die Juden haben Jesus Christus getötet, wie sie vorher schon ihre
Propheten töteten, und jetzt verfolgen sie auch uns. So missfallen sie Gott. Mit
aller Welt sind sie verfeindet,
1Thess 2,16 und auch uns wollen sie mit allen Mitteln daran hindern, den
Nichtjuden die rettende Botschaft von Jesus Christus zu verkünden. Das Maß ihrer
Sünden ist voll; Gottes Zorn lässt sich nicht mehr abwenden. Er wird sie in
ganzer Härte treffen.
1Thess 2,17 Liebe Brüder und Schwestern, auch wenn wir uns eine Zeit lang nicht
sehen konnten, waren wir in Gedanken doch immer bei euch. Weil wir euch aber
unbedingt wiedersehen wollten, haben wir alles Mögliche unternommen, um zu euch
zu reisen.
1Thess 2,18 Ich, Paulus, versuchte es sogar mehrmals. Aber bisher hat der Satan
alle diese Pläne durchkreuzt.
1Thess 2,19 Doch wir werden nicht aufgeben. Denn seid ihr nicht unsere Hoffnung
und Freude, der Siegespreis, auf den wir stolz sein können, wenn Jesus, unser
Herr, kommt?
1Thess 2,20 Ja, ihr seid wirklich unser Stolz und unsere Freude!
1Thess 3,1 Wir hielten es einfach nicht länger aus, ohne Nachricht von euch zu
sein. Deswegen entschlossen wir uns, allein in Athen zu bleiben
1Thess 3,2 und unseren Bruder Timotheus zu euch zu schicken. Er dient ja Gott,
indem er die rettende Botschaft von Christus verkündet. Timotheus nun sollte
euch ermutigen und in eurem Glauben stärken,
1Thess 3,3 damit ihr bei allem, was ihr augenblicklich erleiden müsst, standhaft
bleibt. Ihr wisst ja selbst, dass wir als Christen leiden müssen.
1Thess 3,4 Das haben wir euch schon gesagt, als wir bei euch waren. Und jetzt
wisst ihr es aus eigener Erfahrung.
1Thess 3,5 Nun wollte ich aber genau wissen, wie es euch geht, und darum habe
ich Timotheus zu euch geschickt. Er sollte mir berichten, ob euer Glaube all
diesen Angriffen standgehalten hat oder ob euch der Versucher zu Fall bringen
konnte. Dann allerdings wäre all unsere Arbeit vergeblich gewesen.
1Thess 3,6 Doch jetzt ist Timotheus zurückgekehrt. Er hat uns gute Nachrichten
von eurem Glauben und eurer Liebe gebracht und uns erzählt, dass ihr uns nicht
vergessen habt, ja, dass ihr euch ein Wiedersehen ebenso sehnlich wünscht wie
wir.
1Thess 3,7 Von eurem Glauben zu hören hat uns in unserer eigenen Not und
Bedrängnis getröstet.
1Thess 3,8 Jetzt haben wir wieder neuen Lebensmut, weil ihr unbeirrt beim Herrn
bleibt.
1Thess 3,9 Wie sollen wir Gott nur dafür danken, dass er uns durch euch so viel
Freude schenkt!
1Thess 3,10 Tag und Nacht bitten wir ihn um ein Wiedersehen mit euch. Denn wie
gern würden wir euch helfen, dass ihr im Glauben weiter vorankommt.
1Thess 3,11 So warten wir jetzt darauf, dass Gott, unser Vater, und Jesus, unser
Herr, uns recht bald zu euch führen.
1Thess 3,12 Euch aber schenke der Herr immer größere Liebe zueinander und zu
allen anderen Menschen; eine Liebe, wie wir sie auch für euch empfinden.
1Thess 3,13 So werdet ihr innerlich stark, ihr lebt ganz für Gott, unseren
Vater, und könnt frei von aller Schuld vor ihn treten, wenn Jesus, unser Herr,
kommt mit allen, die zu ihm gehören.
1Thess 4,1 Um eins möchte ich euch noch bitten, liebe Brüder und Schwestern. Wir
haben euch bereits gesagt, wie ihr leben sollt, damit Gott Freude an euch hat.
Wir wissen auch, dass ihr unseren Anweisungen folgt. Doch nun bitten wir euch
eindringlich im Namen unseres Herrn Jesus: Gebt euch mit dem Erreichten nicht
zufrieden, sondern macht noch mehr Fortschritte!
1Thess 4,2 Ihr kennt ja die Gebote, die wir euch in seinem Auftrag gegeben
haben.
1Thess 4,3 Gott will, dass ihr ganz und gar ihm gehört. Deshalb soll niemand
unerlaubte sexuelle Beziehungen eingehen.
1Thess 4,4 Jeder soll mit seiner Ehefrau so zusammenleben, wie es Gott gefällt,
und auf sie Rücksicht nehmen.
1Thess 4,5 Ungezügelte Leidenschaft ist ein Kennzeichen der Menschen, die Gott
nicht kennen.
1Thess 4,6 Keiner von euch darf seinen Mitmenschen betrügen oder auf irgendeine
Weise übervorteilen. Denn wir haben es euch bereits mit allem Nachdruck gesagt:
Wer so etwas tut, wird in Gott einen unbestechlichen Richter finden.
1Thess 4,7 Gott hat uns nicht zu einem ausschweifenden Leben berufen, sondern
wir sollen ihn mit unserem Leben ehren.
1Thess 4,8 Wer sich darüber hinwegsetzt, der verachtet nicht Menschen; er
verachtet Gott, dessen Heiliger Geist in euch wohnt.
1Thess 4,9 Dass ihr als Christen einander lieben sollt, brauchen wir euch nicht
mehr zu sagen. Gott selbst hat euch gezeigt, wie ihr einander lieben sollt.
1Thess 4,10 Ihr beweist diese Liebe ja auch an euren Brüdern und Schwestern in
ganz Mazedonien. Trotzdem, gebt euch damit nicht zufrieden; denn eure Liebe kann
nie groß genug sein.
1Thess 4,11 Achtet darauf, dass ihr ruhig und besonnen lebt. Kümmert euch um
eure eigenen Angelegenheiten, und sorgt selbst für euren Lebensunterhalt, so wie
wir es euch schon immer aufgetragen haben.
1Thess 4,12 Auf diese Weise seid ihr von niemandem abhängig, und die Menschen
außerhalb der Gemeinde werden euch achten und euch vertrauen.
1Thess 4,13 Und nun, liebe Brüder und Schwestern, möchten wir euch nicht im
Unklaren darüber lassen, was mit den Christen ist, die schon gestorben sind. Ihr
sollt nicht trauern wie die Menschen, denen die Hoffnung auf das ewige Leben
fehlt.
1Thess 4,14 Wir glauben doch, dass Jesus gestorben und auferstanden ist. Darum
vertrauen wir auch darauf, dass Gott alle, die im Glauben an Jesus Christus
gestorben sind, auferwecken wird. Wenn er kommt, werden sie dabei sein.
1Thess 4,15 Denn das hat uns der Herr ganz gewiss zugesagt: Wir, die beim Kommen
des Herrn noch am Leben sind, werden gegenüber den Toten nichts voraushaben.
1Thess 4,16 Auf den Befehl Gottes werden die Stimme des höchsten Engels und der
Schall der Posaune ertönen, und Christus, der Herr, wird vom Himmel herabkommen.
Als Erste werden die auferstehen, die im Glauben an Christus gestorben sind.
1Thess 4,17 Dann werden wir, die wir zu diesem Zeitpunkt noch leben, mit ihnen
zusammen unserem Herrn auf Wolken entgegengeführt, um ihm zu begegnen. So werden
wir für immer bei ihm sein.
1Thess 4,18 Tröstet euch also gegenseitig mit dieser Hoffnung.
1Thess 5,1 Wann das alles sein wird, zu welcher Zeit und Stunde, brauchen wir
euch, liebe Brüder und Schwestern, nicht zu schreiben.
1Thess 5,2 Ihr wisst ja, dass der Tag, an dem der Herr kommt, so unerwartet
eintreffen wird wie ein Dieb in der Nacht.
1Thess 5,3 Wenn sich die Leute in Sicherheit wiegen und sagen werden: Ȇberall
ist Ruhe und Frieden«, wird sie das Ende so plötzlich überfallen wie die Wehen
eine schwangere Frau. Es wird für niemanden mehr einen Ausweg geben.
1Thess 5,4 Doch ihr, liebe Brüder und Schwestern, lebt ja nicht in der
Finsternis. Also kann euch der Tag, an dem der Herr kommt, auch nicht wie ein
Dieb in der Nacht überraschen.
1Thess 5,5 Als Christen sind wir Kinder des Lichts, Kinder des hellen Tages; wir
gehören nicht zur Nacht mit ihrer Finsternis.
1Thess 5,6 Darum lasst uns nicht schlafen wie die anderen! Wir wollen hellwach
und nüchtern bleiben!
1Thess 5,7 Denn die Müden schlafen in der Nacht, und die Säufer feiern nachts
ihre Trinkgelage.
1Thess 5,8 Wir aber haben uns für den Tag entschieden und wollen wach, nüchtern
und kampfbereit sein. Dazu brauchen wir als Brustpanzer den Glauben und die
Liebe. Die Hoffnung auf Erlösung wird uns wie ein Helm schützen.
1Thess 5,9 Denn Gott will uns nicht seinem Zorn und Gericht aussetzen; wir
sollen vielmehr durch unseren Herrn Jesus Christus gerettet werden.
1Thess 5,10 Christus ist für uns gestorben, damit wir - ganz gleich, ob wir nun
leben oder schon gestorben sind - mit ihm ewig leben.
1Thess 5,11 So ermutigt und tröstet einander, wie ihr es ja auch bisher getan
habt.
1Thess 5,12 Liebe Brüder und Schwestern! Ich bitte euch darum, all die besonders
zu achten und anzuerkennen, die sich für euch einsetzen, die eure Gemeinde
leiten und euch vor falschen Wegen bewahren wollen.
1Thess 5,13 Für ihre Mühe sollt ihr sie lieben und ihnen dankbar sein. Vor allem
aber lebt in Frieden miteinander.
1Thess 5,14 Außerdem, ihr Lieben, weist die zurecht, die ihr Leben nicht ordnen.
Baut die Mutlosen auf, helft den Schwachen, und bringt für jeden Menschen Geduld
und Nachsicht auf.
1Thess 5,15 Keiner von euch soll Böses mit Bösem vergelten; bemüht euch vielmehr
darum, einander wie auch allen anderen Menschen Gutes zu tun.
1Thess 5,16 Freut euch zu jeder Zeit!
1Thess 5,17 Hört niemals auf zu beten.
1Thess 5,18 Dankt Gott für alles. Denn das erwartet Gott von euch, weil ihr zu
Jesus Christus gehört.
1Thess 5,19 Lasst den Geist Gottes ungehindert wirken!
1Thess 5,20 Wenn jemand unter euch in Gottes Auftrag prophetisch redet, so weist
ihn nicht ab.
1Thess 5,21 Prüft alles, und behaltet das Gute!
1Thess 5,22 Das Böse aber - ganz gleich in welcher Form - sollt ihr meiden.
1Thess 5,23 Möge Gott euch mit seinem Frieden erfüllen und euch helfen, ohne
jede Einschränkung ihm zu gehören. Er bewahre euch, damit ihr fehlerlos seid an
Geist, Seele und Leib, wenn unser Herr Jesus Christus kommt.
1Thess 5,24 Gott hat euch ja dazu auserwählt; er ist treu, und was er
verspricht, das hält er auch.
1Thess 5,25 Betet auch in Zukunft für uns, liebe Brüder und Schwestern,
1Thess 5,26 und grüßt alle in der Gemeinde mit dem Friedenskuss.
1Thess 5,27 Im Namen unseres Herrn bitte ich euch dringend, diesen Brief allen
in der Gemeinde vorzulesen.
1Thess 5,28 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch.
2Thess 1,1 Paulus, Silvanus und Timotheus schreiben diesen Brief an die Gemeinde
in Thessalonich, die sich zu Gott, unserem Vater, und zu unserem Herrn Jesus
Christus bekennt.
2Thess 1,2 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, dem Vater, und dem
Herrn Jesus Christus.
2Thess 1,3 Liebe Brüder und Schwestern! Immer wieder müssen wir Gott für euch
danken; wir können gar nicht anders, denn euer Glaube wächst ständig, ebenso
eure Liebe zueinander.
2Thess 1,4 Wir sind stolz auf euch und stellen euch den anderen Gemeinden als
leuchtendes Vorbild hin. Wie treu und standhaft ertragt ihr doch alle
Verfolgungen und Leiden!
2Thess 1,5 Sie sind ein Vorzeichen für das kommende Gericht. Gott ist ein
gerechter Richter. Er wird euch in seine neue Welt aufnehmen, für die ihr hier
leidet.
2Thess 1,6 Ja, Gottes Urteil ist gerecht. Deshalb wird er alle bestrafen, die
euch jetzt verfolgen.
2Thess 1,7 Er wird eure Not beenden, und auch wir werden nicht länger leiden
müssen, wenn Jesus als der Herr mit allen seinen mächtigen Engeln vom Himmel
kommen wird.
2Thess 1,8 Wie ein vernichtendes Feuer wird sein Urteil alle treffen, die von
Gott nichts wissen wollen und die rettende Botschaft von Jesus, unserem Herrn,
ablehnen.
2Thess 1,9 Sie werden dem ewigen Verderben ausgeliefert sein; für immer von
unserem Herrn getrennt, ausgeschlossen aus seinem herrlichen Reich.
2Thess 1,10 Die aber zu ihm gehören, werden ihn an jenem Tag anbeten, und alle,
die an ihn glauben, werden ihm voller Freude zujubeln. Und auch ihr werdet dabei
sein, weil ihr der Botschaft vertraut habt, die wir euch gebracht haben.
2Thess 1,11 Deshalb beten wir immer wieder für euch, dass ihr so lebt, wie man
es von Menschen erwarten kann, die von Gott auserwählt sind. Wir bitten Gott,
dass es nicht bei eurem guten Willen bleibt, sondern dass ihr auch Taten folgen
lasst. Alles, was ihr im Glauben begonnen habt, sollt ihr durch Gottes Kraft
auch vollenden.
2Thess 1,12 Dann wird durch euch der Name unseres Herrn Jesus gerühmt und
geehrt. Und ebenso gelangt ihr auch bei ihm zu Ehren, denn unser Gott und unser
Herr Jesus Christus haben euch Barmherzigkeit erwiesen.
2Thess 2,1 Ihr wisst, liebe Brüder und Schwestern, dass unser Herr Jesus
Christus kommen wird und wir für alle Zeiten bei ihm sein werden. Wir bitten
euch nun aber:
2Thess 2,2 Lasst euch nicht verwirren und erschrecken, wenn Leute behaupten, der
Tag, an dem der Herr kommt, sei schon da. Sie werden euch von angeblichen
Offenbarungen Gottes erzählen. Glaubt ihnen nicht, selbst wenn sie euch Briefe
mit derartigen Behauptungen zeigen, die wir geschrieben haben sollen.
2Thess 2,3 Lasst euch von niemandem so etwas einreden! Denn bevor Christus
kommt, werden sich sehr viele Menschen von Gott abwenden. Dann wird ein Mann
auftreten, der die Gebote Gottes mit Füßen tritt. Doch er ist dem Untergang
geweiht.
2Thess 2,4 Er ist der Feind Gottes und wähnt sich größer als jeder Gott und
alles, was als heilig verehrt wird. Ja, er wird sich in den Tempel Gottes setzen
und sich selbst als Gott verehren lassen.
2Thess 2,5 Erinnert ihr euch nicht daran, dass ich euch das alles schon gesagt
habe, als ich noch bei euch war?
2Thess 2,6 Ihr wisst doch auch, was den Feind Gottes daran hindert, schon jetzt
zu erscheinen, noch vor seiner Zeit.
2Thess 2,7 Zwar spüren wir schon überall, wie sich die Mächte des Bösen regen,
aber noch werden sie von dem einen aufgehalten. Doch dann macht der Feind Gottes
den Weg für sie frei
2Thess 2,8 und erscheint in aller Öffentlichkeit. Wenn aber Jesus, der Herr,
kommt, wird er diesen Mann vernichten. Ein Hauch seines Mundes genügt.
2Thess 2,9 Vorher wird der Feind Gottes mit Hilfe des Satans machtvolle Taten,
Zeichen und Wunder vollbringen. Und doch ist alles durch und durch verlogen.
2Thess 2,10 Mit seinen Verführungskünsten wird er alle auf seine Seite bringen,
die verloren sind. Denn sie wollten die Wahrheit nicht anerkennen, die ihre
Rettung gewesen wäre.
2Thess 2,11 Deshalb lässt Gott sie auf diesen Irrtum hereinfallen, und sie
werden der Lüge Glauben schenken.
2Thess 2,12 So wird jeder gerichtet, der nicht an die Wahrheit glaubt, sondern
das Böse liebt.
2Thess 2,13 Euch aber, vom Herrn geliebte Brüder und Schwestern, hat Gott von
Anfang an dazu bestimmt, gerettet zu werden. Dafür müssen wir ihm immer wieder
danken. Durch den Geist Gottes führt ihr nun euer Leben nach Gottes Willen, und
ihr glaubt an die Wahrheit.
2Thess 2,14 Dazu seid ihr von Gott berufen durch die rettende Botschaft, die wir
euch gebracht haben. Ihr sollt an der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus
teilhaben.
2Thess 2,15 Bleibt also standhaft, liebe Brüder und Schwestern. Haltet euch an
die Überlieferungen, die wir euch mündlich und schriftlich gelehrt haben.
2Thess 2,16 Unser Herr Jesus Christus aber und Gott, unser Vater, der uns seine
Liebe geschenkt und in seiner Barmherzigkeit einen Trost und eine Hoffnung für
alle Zeiten gegeben hat,
2Thess 2,17 er ermutige euch und gebe euch Kraft, Gutes zu tun in Wort und Tat.
2Thess 3,1 Außerdem, liebe Brüder und Schwestern, betet bitte für uns, damit die
Botschaft des Herrn sich verbreitet und überall mit Dank gegen Gott angenommen
wird - wie schon bei euch.
2Thess 3,2 Bittet Gott auch darum, er möge uns vor den Angriffen
niederträchtiger und boshafter Menschen schützen; denn nicht jeder will dem
Herrn vertrauen.
2Thess 3,3 Gott aber ist treu. Er wird euch Mut und Kraft geben und euch vor
allem Bösen bewahren.
2Thess 3,4 Im Glauben an den Herrn vertrauen wir darauf, dass ihr euch jetzt und
in Zukunft an alle unsere Anweisungen haltet.
2Thess 3,5 Wir beten zum Herrn, dass die Liebe zu Gott euer Leben bestimmt und
dass ihr standhaft im Glauben an Christus bleibt.
2Thess 3,6 Liebe Brüder und Schwestern! Im Namen unseres Herrn Jesus Christus
fordern wir euch noch einmal auf: Trennt euch von all den Menschen in eurer
Gemeinde, die ihre Arbeit vernachlässigen und nicht so leben, wie wir es euch
gelehrt und aufgetragen haben.
2Thess 3,7 Ihr wisst doch genau, dass ihr auch darin unserem Beispiel folgen
sollt. Denn wir haben uns nicht vor der Arbeit gedrückt.
2Thess 3,8 Oder haben wir jemals auf Kosten anderer gelebt? Im Gegenteil: Tag
und Nacht haben wir gearbeitet und uns abgemüht, um niemandem von euch zur Last
zu fallen.
2Thess 3,9 Wir hätten zwar von euch Unterstützung verlangen können, doch wir
wollten euch ein Vorbild sein, dem ihr folgen sollt.
2Thess 3,10 Schon damals haben wir euch den Grundsatz eingeschärft: Wer nicht
arbeiten will, der soll auch nicht essen.
2Thess 3,11 Trotzdem haben wir gehört, dass einige von euch ein ungeordnetes
Leben führen, nicht arbeiten und sich nur herumtreiben.
2Thess 3,12 Sie alle fordern wir im Namen Jesu Christi auf, einer geregelten
Arbeit nachzugehen und für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen.
2Thess 3,13 Euch aber, liebe Brüder und Schwestern, bitten wir: Werdet nicht
müde, Gutes zu tun!
2Thess 3,14 Sollte sich jemand unter euch weigern, den Anweisungen in diesem
Brief zu folgen, dann brecht jede Verbindung mit ihm ab, damit er sich schämt.
2Thess 3,15 Doch behandelt ihn nicht als euren Feind, sondern ermahnt ihn als
Bruder.
2Thess 3,16 Unser Herr, von dem aller Friede kommt, schenke euch seinen Frieden
immer und überall. Er sei mit euch allen!
2Thess 3,17 Und hier noch mein Gruß an euch, den ich, Paulus, mit eigener Hand
schreibe. So schließe ich alle meine Briefe, damit ihr erkennt, dass sie auch
wirklich von mir sind.
2Thess 3,18 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen!
1Tim 1,1 Diesen Brief schreibt Paulus, ein Apostel Jesu Christi. Von Gott,
unserem Retter, und Jesus Christus, der unsere Hoffnung ist, bin ich zum Apostel
berufen.
1Tim 1,2 Ich grüße dich, lieber Timotheus. Du bist durch mich zum Glauben
gekommen und stehst mir deshalb so nahe wie ein Sohn. Ich wünsche dir Gnade,
Barmherzigkeit und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus
Christus.
1Tim 1,3 Als ich nach Mazedonien reiste, bat ich dich, in Ephesus zu bleiben. Du
solltest verhindern, dass dort bestimmte Leute falsche Lehren verbreiten.
1Tim 1,4 Sie sollen endlich mit diesem sinnlosen Nachforschen in Legenden und
Abstammungstafeln aufhören; das führt zu nichts als zu nutzlosem Gerede und
Streit. Es lenkt uns ab von der Aufgabe, die Gott uns gegeben hat und die wir im
Glauben ausführen.
1Tim 1,5 Die Unterweisung in der Lehre unseres Glaubens hat nur das eine Ziel:
die Liebe, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem
ungeheuchelten Glauben kommt.
1Tim 1,6 Doch es gibt Leute, die das bestreiten und sich lieber mit nutzlosem
Geschwätz abgeben.
1Tim 1,7 Sie bilden sich ein, Lehrer des Gesetzes zu sein; dabei verstehen sie
nicht einmal das, was sie selbst reden, und haben keine Ahnung von dem, was sie
so kühn behaupten.
1Tim 1,8 Wir dagegen wissen: Das Gesetz des Mose ist gut, wenn es nur richtig
gebraucht wird.
1Tim 1,9 Aber für wen gilt denn das Gesetz? Doch nicht für Menschen, die nach
Gottes Willen leben, sondern für solche, die gegen das Recht verstoßen und sich
gegen Gott und seine Gebote auflehnen: Es gilt für Menschen, die von Gott nichts
wissen wollen und Schuld auf sich laden, für Niederträchtige und Gewissenlose,
für Leute, die Vater und Mutter töten,
1Tim 1,10 unerlaubte sexuelle Beziehungen eingehen, homosexuell verkehren, für
Menschenhändler, für solche, die lügen und Meineide schwören oder in irgendeiner
anderen Weise gegen die gesunde Lehre unseres Glaubens verstoßen.
1Tim 1,11 So lehrt es die rettende Botschaft, die Gott mir anvertraut hat und
die Gottes Herrlichkeit zeigt.
1Tim 1,12 Ich danke unserem Herrn Jesus Christus immer wieder, dass er gerade
mich für vertrauenswürdig erachtet hat, ihm zu dienen, und dass er mir dafür
auch die Kraft schenkte.
1Tim 1,13 Früher habe ich ihn verhöhnt, ich habe Christus und seine Gemeinde mit
blindem Hass verfolgt und bekämpft. Aber Gott hat sich über mich erbarmt und mir
alles vergeben. Denn in meinem Unglauben wusste ich nicht, was ich tat.
1Tim 1,14 Umso reicher habe ich dann die unverdiente Güte des Herrn erfahren. Er
hat mir den Glauben und die Liebe geschenkt, wie sie nur in der Gemeinschaft mit
Jesus Christus zu finden sind.
1Tim 1,15 Denn das steht unumstößlich fest, darauf dürfen wir vertrauen: Jesus
Christus ist auf diese Welt gekommen, um uns gottlose Menschen zu retten. Ich
selbst bin der Schlimmste von ihnen.
1Tim 1,16 Doch gerade deshalb war Gott mir ganz besonders barmherzig. An mir
wollte Jesus Christus zeigen, wie groß seine Geduld mit uns Menschen ist. An
meinem Beispiel soll jeder erkennen, dass wirklich alle durch den Glauben an
Christus ewiges Leben finden können.
1Tim 1,17 Gott aber, der ewige König, der unsterblich und unsichtbar ist, dieser
einzig wahre Gott möge bis in alle Ewigkeit gelobt und geehrt werden. Amen!
1Tim 1,18 Mein lieber Timotheus! Du bist für mich wie ein eigener Sohn. Dir
vertraue ich jetzt diese Botschaft an. So ist es dir früher schon durch
Prophetien gesagt worden, damit du tapfer und unerschrocken kämpfen kannst.
1Tim 1,19 Bleib in deinem Glauben fest, und bewahr dir ein reines Gewissen. Denn
wie du weißt, haben einige ihr Gewissen zum Schweigen gebracht, und deshalb hat
ihr Glaube Schiffbruch erlitten.
1Tim 1,20 Hymenäus und Alexander gehören zu ihnen. Ich habe sie dem Satan
ausgeliefert, damit sie zur Besinnung kommen und Gott nicht länger verhöhnen.
1Tim 2,1 Am wichtigsten ist, dass die Gemeinde nicht aufhört zu beten. Betet für
alle Menschen; bringt eure Bitten, Wünsche, eure Anliegen und euren Dank für sie
vor Gott.
1Tim 2,2 Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung
tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und
aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber.
1Tim 2,3 So soll es sein, und so gefällt es Gott, unserem Retter.
1Tim 2,4 Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit
erkennen.
1Tim 2,5 Es gibt nur einen einzigen Gott und nur einen Einzigen, der zwischen
Gott und den Menschen vermittelt und Frieden schafft. Das ist der Mensch Jesus
Christus.
1Tim 2,6 Er hat sein Leben hingegeben, um uns alle aus der Gewalt des Bösen zu
befreien. Diese Botschaft soll nun verkündet werden, denn die Zeit, die Gott
festgelegt hat, ist gekommen.
1Tim 2,7 Und mich hat Gott zu seinem Apostel und Botschafter berufen. Das ist
die Wahrheit, ich lüge nicht. Ich soll die Nichtjuden im Glauben unterweisen und
ihnen Gottes Wahrheit verkünden.
1Tim 2,8 Ich will, dass die Männer in allen Gemeinden beten, mit reinem
Gewissen; sie sollen gegen niemanden Groll hegen und nicht im Streit leben.
1Tim 2,9 Die Frauen sollen unauffällig und schlicht gekleidet zum Gottesdienst
kommen. Sie sollen sich weder durch besondere Frisuren noch durch Goldschmuck,
Perlen oder auffällige Kleider hervortun.
1Tim 2,10 Der wahre Schmuck der Frauen ist es, Gutes zu tun. Damit zeigen sie,
dass sie Gott lieben und ehren.
1Tim 2,11 Die Frau soll lernen, sich in der Gemeinde unterzuordnen und still
zuzuhören.
1Tim 2,12 Einer Frau erlaube ich nicht, öffentlich zu lehren oder sich über den
Mann zu erheben. Sie soll vielmehr still und zurückhaltend sein.
1Tim 2,13 Denn Gott hat zuerst Adam geschaffen, den Mann, und danach Eva, die
Frau.
1Tim 2,14 Außerdem ließ sich nicht Adam von der Schlange verführen, sondern Eva.
Sie hat Gottes Gebot übertreten.
1Tim 2,15 Doch auch sie wird gerettet werden, wenn sie ihre Aufgabe als Frau und
Mutter erfüllt, vorausgesetzt, sie vertraut auf Gott, bleibt in seiner Liebe und
tut besonnen seinen Willen.
1Tim 3,1 Das ist wahr: Wer eine Gemeinde leiten will, der ist bereit, eine
schöne und große Aufgabe zu übernehmen.
1Tim 3,2 Allerdings muss ein solcher Mann ein vorbildliches Leben führen; das
heißt, er soll nur eine Frau haben, nüchtern und besonnen sein und keinen Anstoß
erregen. Ihn muss Gastfreundschaft auszeichnen, und er soll andere gut im
Glauben unterweisen können.
1Tim 3,3 Außerdem darf er weder ein Trinker sein noch gewalttätig oder
streitsüchtig; vielmehr soll er gütig und friedfertig seine Arbeit tun und nicht
am Geld hängen.
1Tim 3,4 Sein Familienleben soll geordnet sein, die Kinder sollen ihn achten und
auf ihn hören.
1Tim 3,5 Denn wie kann jemand, dem schon seine eigene Familie über den Kopf
wächst, die Gemeinde Gottes leiten?
1Tim 3,6 Er soll nicht erst vor kurzem Christ geworden sein; er könnte sonst
schnell überheblich werden, und so hätte der Teufel ihn dahingebracht, dass Gott
sein Urteil über ihn sprechen muss.
1Tim 3,7 Ein Gemeindeleiter soll auch bei Nichtchristen in einem guten Ruf
stehen, damit er nicht ins Gerede kommt und der Teufel ihn so zu Fall bringen
kann.
1Tim 3,8 Auch die Diakone in der Gemeinde sollen geachtete Leute sein, ehrlich
und glaubwürdig in ihrem Reden; sie sollen nicht zu viel Wein trinken und sich
nicht auf Kosten anderer bereichern.
1Tim 3,9 Denn das Geheimnis, das ihnen mit dem Glauben anvertraut wurde, können
sie nur in einem reinen Gewissen bewahren.
1Tim 3,10 Auch die Diakone müssen sich zuerst bewähren. Nur wenn an ihnen nichts
auszusetzen ist, darf man sie zum Dienst zulassen.
1Tim 3,11 Ebenso sollen die Diakoninnen vorbildlich leben, keine Klatschmäuler
sein, sondern besonnen und in allen Dingen zuverlässig.
1Tim 3,12 Auch Diakone sollen nur mit einer Frau verheiratet sein und müssen ein
vorbildliches Familienleben führen.
1Tim 3,13 Wer sich aber in seinem Dienst als Diakon bewährt, den wird die
Gemeinde achten, und er selbst wird die Zuversicht und Freude ausstrahlen, wie
sie der Glaube an Jesus Christus schenkt.
1Tim 3,14 Ich habe dir, lieber Timotheus, das alles geschrieben, obwohl ich
hoffe, bald selbst zu dir zu kommen.
1Tim 3,15 Aber falls sich mein Besuch noch hinauszögern sollte, weißt du nun,
wie man sich im Haus Gottes, in seiner Gemeinde, zu verhalten hat. Die Gemeinde
des lebendigen Gottes ist der tragende Pfeiler und das Fundament der Wahrheit.
1Tim 3,16 Eins steht ohne jeden Zweifel fest: Groß und einzigartig ist das
Geheimnis unseres Glaubens: In die Welt kam Christus als ein Mensch, und der
Geist Gottes bestätigte seine Würde. Er wurde gesehen von den Engeln und
gepredigt den Völkern der Erde. In aller Welt glaubt man an ihn, und er wurde
aufgenommen in Gottes Herrlichkeit.
1Tim 4,1 Gottes Geist sagt uns ausdrücklich, dass sich in Zukunft manche von
Gott abwenden werden, weil sie falschen Propheten hinterherlaufen und
teuflischen Lehren glauben.
1Tim 4,2 Diese Verführer sind durch und durch verlogen, ihr Gewissen haben sie
zum Schweigen gebracht.
1Tim 4,3 Sie verbieten, zu heiraten oder bestimmte Speisen zu essen. Dabei hat
Gott doch alles geschaffen, damit jeder, der an ihn glaubt und seine Wahrheit
erkannt hat, auch diese Dinge dankbar von ihm annimmt.
1Tim 4,4 Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut; und nichts ist schlecht,
für das wir Gott danken.
1Tim 4,5 Durch das Wort Gottes und das Gebet wird alles rein; nichts kann uns da
von Gott trennen.
1Tim 4,6 Wenn du, lieber Timotheus, der Gemeinde das alles so weitergibst, bist
du ein guter Diener Jesu Christi. Du lebst nach der Botschaft des Glaubens und
richtest dich nach der wahren Lehre, zu der du dich schon immer bekannt hast.
1Tim 4,7 Gib dich nicht mit dem gottlosen Geschwätz dieser falschen Prediger ab,
sondern diene Gott mit ganzer Kraft.
1Tim 4,8 Wie ein Asket zu leben ist ganz gut und schön, aber auf Gott zu hören
ist besser. Denn damit werden wir dieses und das zukünftige Leben gewinnen.
1Tim 4,9 Das steht unumstößlich fest, darauf dürfen wir vertrauen.
1Tim 4,10 Für nichts anderes arbeiten und kämpfen wir. Auf den lebendigen Gott
haben wir unsere Hoffnung gesetzt. Er ist der Retter aller Menschen, besonders
derjenigen, die an ihn glauben.
1Tim 4,11 Das alles sollst du die Gemeinde lehren.
1Tim 4,12 Niemand hat ein Recht, auf dich herabzusehen, weil du noch so jung
bist. Allerdings musst du in jeder Beziehung ein Vorbild sein: in allem, was du
sagst und tust, in der Liebe, im Glauben und in Selbstbeherrschung.
1Tim 4,13 Solange ich nicht wieder bei euch bin, lies du in der Gemeinde aus der
Heiligen Schrift vor, ermutige die Christen und unterweise sie im Glauben.
1Tim 4,14 Setz die Gabe ein, die Gott dir schenkte. Er hat dich ja durch eine
Prophetie für diese Aufgabe bestimmt, und die Leiter der Gemeinde haben dir die
Hände aufgelegt und dich gesegnet.
1Tim 4,15 Gebrauch deine Gabe und übe dich darin, dann wird jeder erkennen, wie
du Fortschritte machst.
1Tim 4,16 Achte auf dich selbst; sieh zu, dass du die Lehre von Jesus Christus
rein und unverfälscht weitergibst. Lass dich auf keinen Fall davon abbringen.
Dann wirst du selbst gerettet und alle, die auf dich hören.
1Tim 5,1 Einen älteren Mann fahre nicht hart an, wenn du ihn ermahnen musst,
sondern rede mit ihm wie mit einem Vater. Die jungen Männer behandle als deine
Brüder.
1Tim 5,2 Sei zu den älteren Frauen wie zu deiner Mutter und zu den jüngeren wie
zu Schwestern, aufrichtig und zurückhaltend.
1Tim 5,3 Sorge für die Witwen, wenn sie keine Angehörigen haben, die sie
unterstützen.
1Tim 5,4 Sind aber Kinder oder Enkel da, dann sollen diese lernen, zuerst in der
eigenen Familie Gottes Willen zu tun und ihre Angehörigen zu versorgen. Es
gefällt Gott, wenn sie auf diese Weise ihre Dankbarkeit zeigen für das, was sie
von ihnen empfangen haben.
1Tim 5,5 Eine Witwe dagegen, die ganz allein ist, hat gelernt, ihre Hoffnung auf
Gott zu setzen und Tag und Nacht zu ihm zu flehen und zu beten.
1Tim 5,6 Andere wieder wollen sich nur noch vergnügen. Sie sind schon tot, auch
wenn sie noch leben.
1Tim 5,7 Davor sollst du die Witwen warnen, damit man ihnen nichts nachsagen
kann.
1Tim 5,8 Wer sich aber weigert, seine Angehörigen zu versorgen - vor allem die
eigenen Familienmitglieder -, der verleugnet damit seinen Glauben; er ist
schlimmer als einer, der von Gott nichts wissen will.
1Tim 5,9 Eine Frau sollte erst dann in die Liste der Witwen eingetragen und von
der Gemeinde versorgt werden, wenn sie mindestens sechzig Jahre alt ist und nur
einen Mann hatte.
1Tim 5,10 Außerdem sollte sie dafür bekannt sein, dass sie viel Gutes getan hat.
Hat sie ihre Kinder gut erzogen? War sie gastfreundlich? Hat sie anderen
Christen selbstlos geholfen und Notleidenden beigestanden? Hat sie sich auch
sonst überall eingesetzt, um anderen zu helfen?
1Tim 5,11 Junge Witwen dürfen nicht in die Liste aufgenommen werden. Denn wenn
ihre Leidenschaft groß ist und sie eines Tages doch wieder heiraten wollen,
halten sie ihr Versprechen nicht, Christus allein zu dienen.
1Tim 5,12 Auf ihnen lastet dann der Vorwurf, ihr Versprechen Christus gegenüber
gebrochen zu haben.
1Tim 5,13 Außerdem gewöhnen sie sich daran, bei anderen Leuten herumzusitzen und
träge und geschwätzig zu werden. Neugierig beschäftigen sie sich mit Dingen, die
sie überhaupt nichts angehen.
1Tim 5,14 Deshalb möchte ich, dass die jungen Witwen wieder heiraten, Kinder
bekommen und sich um ihren eigenen Haushalt kümmern. Dann wird keiner unserer
Gegner an ihrem Lebenswandel etwas aussetzen können.
1Tim 5,15 Leider aber haben sich schon einige von Christus abgewandt und folgen
jetzt dem Satan.
1Tim 5,16 Wenn aber eine Christin in ihrer Verwandtschaft Witwen hat, dann soll
sie für diese sorgen. Auf keinen Fall darf die Gemeinde damit belastet werden.
Denn die Gemeinde soll sich nur um die Witwen kümmern, die gar keine Angehörigen
haben.
1Tim 5,17 Alle, die der Gemeinde als Leiter verantwortungsvoll dienen, sollen
nicht nur gut versorgt, sondern auch hoch geachtet werden; vor allem, wenn sie
Gottes Botschaft verkünden und die Gemeinde im Glauben unterweisen.
1Tim 5,18 Denn in der Heiligen Schrift heißt es: »Wenn ihr mit einem Ochsen
Getreide drescht, dann bindet ihm nicht das Maul zu!«, und an anderer Stelle:
»Wer arbeitet, soll auch seinen Lohn bekommen.«
1Tim 5,19 Nimm eine Klage gegen einen Gemeindeleiter nur an, wenn mindestens
zwei oder drei Zeugen sie bestätigen.
1Tim 5,20 Sollte sich einer tatsächlich etwas zuschulden kommen lassen, dann
weise ihn vor allen anderen zurecht, damit auch sie gewarnt sind.
1Tim 5,21 Vor Gott, dem Herrn Jesus Christus und seinen heiligen Engeln ermahne
ich dich: In solchen Fällen musst du ohne jedes Vorurteil und unparteiisch
handeln.
1Tim 5,22 Leg niemandem vorschnell die Hände auf, um ihm eine wichtige Aufgabe
in der Gemeinde zu übertragen. Sonst machst du dich mitschuldig, wenn er sich in
Sünden verstrickt. Dulde auch keine Sünde in deinem eigenen Leben.
1Tim 5,23 Nun gebe ich dir noch einen persönlichen Rat: Trink nicht länger nur
Wasser. Du bist so oft krank, und da würde etwas Wein deinem Magen gut tun.
1Tim 5,24 Im Übrigen erinnere dich daran: Die Sünden mancher Menschen kann jeder
sehen; sie sind schon vor dem Gerichtstag Gottes allen offenkundig. Die Sünden
anderer wieder bleiben uns verborgen und werden erst später aufgedeckt.
1Tim 5,25 Genauso ist es auch mit den guten Taten der Menschen: Manche sind
schon jetzt für jedermann sichtbar, während wir andere überhaupt nicht erkennen.
Doch auch sie werden nicht für immer verborgen bleiben.
1Tim 6,1 Wer sich als Sklave seinem Herrn unterordnen muss, der soll ihn achten,
damit der Name Gottes und die Lehre unseres Glaubens nicht durch sein schlechtes
Verhalten in Verruf geraten.
1Tim 6,2 Das gilt auch, wenn der Herr selbst ein Christ ist. Der Sklave soll
sich nicht mit ihm auf eine Stufe stellen, nur weil sie durch den Glauben Brüder
sind. Im Gegenteil, er soll ihm umso bereitwilliger dienen. Weil der Herr an
Christus glaubt und von ihm geliebt wird, ist er auch bereit, Gutes zu tun. Das
sollst du lehren, und daran sollst du alle erinnern.
1Tim 6,3 Wer aber etwas anderes behauptet, wer sich nicht an die heilsamen Worte
unseres Herrn Jesus Christus hält und die Lehre unseres Glaubens in den Wind
schlägt,
1Tim 6,4 der nimmt nur sich selbst wichtig, weiß aber überhaupt nichts. Solche
Leute sind aufgeblasen und zetteln fruchtlose Streitgespräche an. So entstehen
Neid, Zank, böses Gerede und gemeine Verdächtigungen. Ja, diese Leute sind wie
von einer Seuche befallen.
1Tim 6,5 Ständig sind sie in Streitereien verwickelt. Man könnte meinen, sie
hätten den Verstand verloren und die Wahrheit nie gehört; sie versuchen sogar,
mit dem Glauben an Jesus Christus Geschäfte zu machen.
1Tim 6,6 Dabei ist doch jeder reich, der an Gott glaubt und mit dem zufrieden
ist, was er hat.
1Tim 6,7 Denn wir sind ohne Besitz auf diese Welt gekommen, und genauso werden
wir sie auch wieder verlassen.
1Tim 6,8 Wenn wir zu essen haben und uns kleiden können, sollen wir zufrieden
sein.
1Tim 6,9 Wie oft erliegen Menschen, die um jeden Preis reich werden wollten, den
Versuchungen des Teufels, wie oft verfangen sie sich in seinen Netzen! Solche
unsinnigen und schädlichen Wünsche stürzen die Menschen in den Untergang und ins
Verderben.
1Tim 6,10 Denn alles Böse wächst aus der Habgier. Schon so mancher ist ihr
verfallen und hat dadurch seinen Glauben verloren. Wie viel Not und Leid hätte
er sich ersparen können!
1Tim 6,11 Du aber, mein lieber Timotheus, gehörst Gott und dienst ihm. Deshalb
meide all diese Dinge. Bemüh dich vielmehr mit aller Kraft darum, das Richtige
zu tun, Gott zu dienen, ihm zu vertrauen und deine Mitmenschen von ganzem Herzen
zu lieben. Begegne ihnen mit Geduld und Freundlichkeit.
1Tim 6,12 Kämpfe den guten Kampf des Glaubens! Erringe so das ewige Leben. Dazu
hat dich Gott berufen, und das hast du vor vielen Zeugen bekannt.
1Tim 6,13 Vor Gott, der alles Leben gibt, und vor Christus Jesus, der sich vor
Pontius Pilatus zu Gott bekannte, ermahne ich dich nun eindringlich:
1Tim 6,14 Führ deinen Auftrag so aus, dass niemand etwas daran auszusetzen hat,
bis unser Herr Jesus Christus kommt.
1Tim 6,15 Die Zeit dafür bestimmt Gott selbst, der einzige und allmächtige Gott,
der König aller Könige, der Herr aller Herren.
1Tim 6,16 Er allein ist unsterblich, er lebt in einem Licht, das niemand sonst
ertragen kann, kein Mensch hat ihn je gesehen. Ihm allein gehören Ehre und ewige
Herrschaft. Amen.
1Tim 6,17 Den Reichen musst du unbedingt einschärfen, sich nichts auf ihren
irdischen Besitz einzubilden oder sich auf etwas so Unsicheres wie den Reichtum
zu verlassen. Sie sollen vielmehr auf Gott hoffen, der uns mit allem reich
beschenkt, damit wir es genießen können.
1Tim 6,18 Sie sollen Gutes tun und gern von ihrem Reichtum abgeben, um anderen
zu helfen. So werden sie wirklich reich sein
1Tim 6,19 und sich ein gutes Fundament für die Zukunft schaffen, um das wahre
Leben zu gewinnen.
1Tim 6,20 Lieber Timotheus, bewahre sorgfältig, was Gott dir anvertraut hat!
Halte dich fern von allem gottlosen Geschwätz und dem leeren Gerede von Leuten
mit ihrer angeblich so neuen Erkenntnis.
1Tim 6,21 Manche sind schon vom Glauben abgekommen, weil sie sich darauf
eingelassen haben. Gottes Gnade sei mit euch allen!
2Tim 1,1 Diesen Brief schreibt Paulus, ein Apostel Jesu Christi, von Gott
berufen. In Gottes Auftrag verkünde ich das Leben, wie es uns durch Jesus
Christus geschenkt wird.
2Tim 1,2 Ich grüße dich, lieber Timotheus. Du bist mir lieb wie ein eigener
Sohn, und ich wünsche dir Gnade, Barmherzigkeit und Frieden von Gott, unserem
Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.
2Tim 1,3 Immer wenn ich für dich bete, danke ich Gott. Ihm diene ich mit reinem
Gewissen wie schon meine Vorfahren. Tag und Nacht denke ich an dich in meinen
Gebeten.
2Tim 1,4 Wenn ich mich an deine Abschiedstränen erinnere, dann sehne ich mich
danach, wieder bei dir zu sein. Darüber würde ich mich sehr freuen.
2Tim 1,5 Ich weiß, wie aufrichtig du glaubst; genauso war es schon bei deiner
Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike. Ich bin überzeugt, dass dieser Glaube
auch in dir lebt.
2Tim 1,6 Darum bitte ich dich: Lass Gottes Gabe voll in dir wirksam werden. Du
hast sie bekommen, als ich dir segnend die Hände auflegte.
2Tim 1,7 Denn Gott hat uns keinen Geist der Furcht gegeben, sondern sein Geist
erfüllt uns mit Kraft, Liebe und Besonnenheit.
2Tim 1,8 Schäm dich also nicht, dich in aller Öffentlichkeit zu unserem Herrn
Jesus Christus zu bekennen. Halte auch weiter zu mir, obwohl ich jetzt für ihn
im Gefängnis bin. Sei auch du bereit, für die rettende Botschaft zu leiden. Gott
wird dir die Kraft dazu geben.
2Tim 1,9 Er hat uns gerettet und uns dazu berufen, ganz zu ihm zu gehören. Nicht
etwa, weil wir das verdient hätten, sondern aus Gnade und freiem Entschluss.
Denn noch ehe diese Welt bestand, war es Gottes Plan, uns in seinem Sohn Jesus
Christus seine erbarmende Liebe zu schenken.
2Tim 1,10 Das ist jetzt Wirklichkeit geworden, denn unser Retter Jesus Christus
ist gekommen. Das ist die rettende Botschaft: Er hat dem Tod die Macht genommen
und das Leben - unvergänglich und ewig - ans Licht gebracht.
2Tim 1,11 Diese Botschaft soll ich bekannt machen, in Gottes Auftrag verkünden
und lehren.
2Tim 1,12 Darum hat man mich auch ins Gefängnis geworfen. Aber ich schäme mich
nicht, denn ich weiß genau, an wen ich glaube. Ich bin ganz sicher, dass
Christus mich und all das, was er mir anvertraut hat, bis zum Tag seines Kommens
bewahren wird.
2Tim 1,13 Halte dich genau an die Lehre, wie du sie von mir gehört hast. Halte
dich an den Glauben und die Liebe, die wir in Jesus Christus haben.
2Tim 1,14 Bewahr diese kostbare Gabe, die dir anvertraut ist. Die Kraft dazu
wird dir der Heilige Geist geben, der in uns wohnt.
2Tim 1,15 Wie du weißt, haben mich alle Christen aus der Provinz Asia im Stich
gelassen, sogar Phygelus und Hermogenes.
2Tim 1,16 Ich bitte den Herrn darum, dass er Onesiphorus und allen in seinem
Haus barmherzig ist. Denn Onesiphorus hat mir immer wieder geholfen. Er hielt
treu zu mir, obwohl ich im Gefängnis war.
2Tim 1,17 Als er nach Rom kam, ließ er nichts unversucht, bis er mich fand.
2Tim 1,18 Der Herr möge ihm am Tag des Gerichts sein Erbarmen schenken. Gerade
du weißt ja, wie viel er auch in Ephesus für mich getan hat.
2Tim 2,1 Mein lieber Timotheus! Werde stark im Glauben durch die Kraft, die
Jesus Christus dir schenkt.
2Tim 2,2 Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das gib jetzt an
zuverlässige Christen weiter, die fähig sind, auch andere im Glauben zu
unterweisen.
2Tim 2,3 Als ein guter Kämpfer Jesu Christi musst du so wie ich bereit sein,
auch für ihn zu leiden.
2Tim 2,4 Kein Soldat, der in den Krieg zieht, darf sich von seinen alltäglichen
Sorgen ablenken lassen, wenn sein Befehlshaber mit ihm zufrieden sein soll.
2Tim 2,5 Ein Sportler kann einen Siegeskranz nur gewinnen, wenn er sich an die
Wettkampfregeln hält.
2Tim 2,6 Ein Bauer, der schwer arbeitet, darf als Erster die Früchte seiner
Arbeit genießen.
2Tim 2,7 Denk darüber nach, was das heißt. Im Übrigen wird dir der Herr in allen
Dingen die richtige Einsicht geben.
2Tim 2,8 Vergiss nie: Jesus Christus, ein Nachkomme Davids, wurde durch Gott von
den Toten auferweckt. Das ist die rettende Botschaft, die ich verkünde.
2Tim 2,9 Dafür leide ich, und allein deswegen hat man mich wie einen Verbrecher
ins Gefängnis geworfen. Aber Gottes Botschaft lässt sich nicht einsperren.
2Tim 2,10 Doch ich nehme die Gefangenschaft gerne auf mich für alle, die Gott
auserwählt hat, damit sie durch Jesus Christus gerettet werden und für immer in
Gottes Herrlichkeit sein dürfen.
2Tim 2,11 Das steht unwiderruflich fest: Sind wir mit Christus gestorben, werden
wir auch mit ihm leben.
2Tim 2,12 Leiden wir hier mit ihm, werden wir auch mit ihm herrschen. Verleugnen
wir ihn, wird er uns auch verleugnen.
2Tim 2,13 Sind wir untreu, bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht untreu
werden.
2Tim 2,14 An dieses Bekenntnis sollst du alle immer wieder erinnern. Weise sie
vor Gott eindringlich darauf hin, dass sie endlich mit diesen sinnlosen
Streitereien um Worte aufhören, was keinem nützt, aber viele durcheinander
bringt.
2Tim 2,15 Setz alles daran, dass du in deiner Arbeit zuverlässig bist und dich
für nichts schämen musst. Sorg dafür, dass Gottes wahre Botschaft richtig und
klar verkündet wird.
2Tim 2,16 Beteilige dich nicht an dem heillosen, leeren Geschwätz gewisser
Leute. Sie entfernen sich dadurch nur immer weiter von Gott.
2Tim 2,17 Wie ein todbringendes Krebsgeschwür breitet sich ihre falsche Lehre
aus. Zu ihnen gehören auch Hymenäus und Philetus.
2Tim 2,18 Sie setzen sich über die Wahrheit einfach hinweg und behaupten, die
Auferstehung sei schon geschehen. Auf diese Weise haben sie schon manchen vom
Glauben abgebracht.
2Tim 2,19 Aber das feste Fundament, das Gott gelegt hat, können sie nicht
erschüttern. Es trägt die Aufschrift: »Der Herr kennt alle, die zu ihm gehören«,
und ebenso: »Wer sich zum Herrn bekennt, der darf nicht länger Unrecht tun.«
2Tim 2,20 Nun gibt es selbst in einem reichen Haushalt nicht nur goldene und
silberne Gefäße, sondern auch solche aus Holz oder Ton. Während die einen bei
Festen und großen Feiern auf den Tisch kommen, gebraucht man die anderen für den
Abfall.
2Tim 2,21 Wer sich von diesen Schwätzern fern hält, der wird wie eins der edlen
Gefäße sein: rein und wertvoll, nützlich für den Hausherrn, geeignet für alles,
was gut ist und Gott gefällt.
2Tim 2,22 Widerstehe den Verlockungen und Leidenschaften, die jungen Menschen zu
schaffen machen. Setz vielmehr alles daran, dass du das Richtige tust, dass dein
Glaube fest wird und du in Liebe und Frieden mit allen lebst, die den Herrn
aufrichtig anbeten.
2Tim 2,23 Lass dich nicht auf törichte und nutzlose Auseinandersetzungen ein. Du
weißt ja, dass sie nur zu Streit führen.
2Tim 2,24 Wer Gott dienen will, soll sich nicht herumstreiten, sondern allen
Menschen freundlich begegnen, ein geduldiger Lehrer sein, bereit, auch Böses zu
ertragen.
2Tim 2,25 Er soll versuchen, alle, die sich der rettenden Botschaft widersetzen,
mit Güte auf den richtigen Weg zu bringen. Denn vielleicht führt Gott sie ja zur
Einsicht, dass sie umkehren und die Wahrheit erkennen.
2Tim 2,26 Dann können sie wieder frei werden von den Schlingen des Teufels, in
denen sie sich verfangen hatten und sich von ihm für seine Zwecke missbrauchen
ließen.
2Tim 3,1 Das eine sollst du noch wissen: In den letzten Tagen dieser Welt werden
schreckliche Zeiten kommen.
2Tim 3,2 Dann werden die Menschen nur sich selbst und ihr Geld lieben. Sie
werden sich wichtig tun und sich selbst überschätzen, einander verleumden und
sich gegen die Eltern auflehnen, weder Dank noch Ehrfurcht kennen.
2Tim 3,3 Lieblos und unversöhnlich werden sie sein, ihre Mitmenschen verleumden
und hemmungslos leben, brutal und rücksichtslos. Sie hassen alles Gute,
2Tim 3,4 Verräter sind sie, unbeherrscht und aufgeblasen; nur ihr Vergnügen
haben sie im Kopf und wollen von Gott nichts wissen.
2Tim 3,5 Nach außen tun sie zwar fromm, aber von der Kraft des wirklichen
Glaubens wissen sie nichts. Hüte dich vor solchen Menschen!
2Tim 3,6 Einige gehen sogar von Haus zu Haus und versuchen dort vor allem
gewisse Frauen auf ihre Seite zu ziehen. Diese Frauen sind mit Sünden beladen
und werden nur von ihren Leidenschaften getrieben,
2Tim 3,7 sie wollen jederzeit etwas Neues hören, sind aber unfähig, die Wahrheit
zu erkennen.
2Tim 3,8 So wie sich die ägyptischen Zauberer Jannes und Jambres gegen Mose
auflehnten, so widersetzen sich diese falschen Lehrer der Wahrheit. Ihre
Ansichten sind verdreht und wirr, ihr Glaube hält keiner Prüfung stand.
2Tim 3,9 Auf die Dauer werden sie aber ihr Unwesen nicht treiben können. Mit der
Zeit wird jeder ihre Dummheit durchschauen. Genauso ist es den beiden
ägyptischen Zauberern ergangen.
2Tim 3,10 Du aber, Timotheus, bist bei dem geblieben, was ich dich gelehrt habe.
Du hast dir mein Leben, mein Ziel, meinen Glauben zum Vorbild genommen, dazu
auch meine Geduld, meine Liebe und Ausdauer.
2Tim 3,11 Du weißt, welche Verfolgungen und Leiden ich in Antiochia, in Ikonion
und Lystra ertragen musste. Wie unerbittlich hat man mich dort verfolgt! Aber
der Herr hat mich aus allen Gefahren gerettet.
2Tim 3,12 Doch vergiss nicht: Jeder, der an Jesus Christus glaubt und so leben
will, wie es Gott gefällt, muss mit Verfolgung rechnen.
2Tim 3,13 Die Verführer aber und die Betrüger werden sich immer stärker in die
Sünde verstricken. Sie verführen andere und werden auch selbst verführt.
2Tim 3,14 Darum bitte ich dich: Halte am Glauben fest, so wie du ihn kennen
gelernt hast. Von seiner Wahrheit bist du ja überzeugt. Schließlich weißt du
genau, wer deine Lehrer waren.
2Tim 3,15 Außerdem bist du von frühester Kindheit an mit der Heiligen Schrift
vertraut. Sie zeigt dir den einzigen Weg zur Rettung, den Glauben an Jesus
Christus.
2Tim 3,16 Denn die ganze Heilige Schrift ist von Gott eingegeben. Sie soll uns
unterweisen; sie hilft uns, unsere Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen
Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt.
2Tim 3,17 So werden wir reife Christen und als Diener Gottes fähig, in jeder
Beziehung Gutes zu tun.
2Tim 4,1 Vor Gott und vor unserem Herrn Jesus Christus, der kommen wird, um über
die Lebenden und die Toten Gericht zu halten und seine Herrschaft anzutreten,
bitte ich dich eindringlich:
2Tim 4,2 Verkünde den Menschen Gottes Botschaft. Setz dich dafür ein, ob es den
Menschen passt oder nicht! Rede ihnen ins Gewissen, weise sie zurecht, und
ermutige sie, wo es nötig ist. Lehre sie in aller Geduld.
2Tim 4,3 Denn es wird eine Zeit kommen, in der die Menschen von der gesunden
Lehre nichts mehr wissen wollen. Sie werden sich nach ihrem eigenen Geschmack
Lehrer aussuchen, die ihnen nur nach dem Munde reden.
2Tim 4,4 Und weil ihnen die Wahrheit nicht gefällt, folgen sie allen möglichen
Legenden.
2Tim 4,5 Doch du sollst wachsam und besonnen bleiben! Sei bereit, für Christus
zu leiden. Predige unerschrocken die rettende Botschaft, und führ deinen Dienst
treu und gewissenhaft aus.
2Tim 4,6 Ich sage dir das, weil ich mit dem Todesurteil rechnen muss und mein
Leben nun bald für Gott geopfert wird.
2Tim 4,7 Doch ich habe mit vollem Einsatz gekämpft; jetzt ist das Ziel erreicht,
und ich bin im Glauben treu geblieben.
2Tim 4,8 Nun hält der Herr für mich auch den Siegespreis bereit. Er, der
gerechte Richter, wird mir den Preis am Tag des Gerichts geben; aber nicht mir
allein, sondern allen, die wie ich voller Sehnsucht auf sein Kommen warten.
2Tim 4,9 Nun bitte ich dich: Komm doch so schnell wie möglich zu mir!
2Tim 4,10 Demas hat mich im Stich gelassen und ist nach Thessalonich gereist,
weil ihm die Dinge dieser Welt wichtiger waren. Kreszens ist in Galatien und
Titus in Dalmatien.
2Tim 4,11 Nur Lukas ist bei mir geblieben. Wenn du kommst, bring Markus mit,
denn er könnte mir hier viel helfen.
2Tim 4,12 Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt.
2Tim 4,13 Bring mir aus Troas meinen Mantel mit, den ich bei Karpus
zurückgelassen habe, ebenso die Bücher, vor allem aber die Pergamentrollen.
2Tim 4,14 Der Schmied Alexander hat mir viel Böses angetan. Er wird dafür vom
Herrn die gerechte Strafe erhalten.
2Tim 4,15 Hüte dich vor ihm, denn er hat unsere Botschaft von Jesus Christus
erbittert bekämpft.
2Tim 4,16 Bei meiner ersten Gerichtsverhandlung stand mir niemand bei. Alle
ließen mich im Stich. Gott möge ihnen verzeihen.
2Tim 4,17 Der Herr aber war bei mir. Er hat mir Kraft gegeben, dass ich selbst
an diesem Ort die rettende Botschaft von Jesus verkünden konnte und Menschen aus
aller Welt sie hörten. Er hat mich vor dem sicheren Tod bewahrt.
2Tim 4,18 Auch in Zukunft wird mich der Herr vor allen bösen Angriffen schützen
und in seine neue Welt im Himmel aufnehmen. Ihm gehört für immer alle Ehre.
Amen.
2Tim 4,19 Grüß bitte Priszilla und Aquila und alle im Haus des Onesiphorus.
2Tim 4,20 Erastus ist in Korinth geblieben, und Trophimus habe ich krank in
Milet zurücklassen müssen.
2Tim 4,21 Beeil dich, dass du noch vor Beginn des Winters hier bist. Eubulus
lässt dich herzlich grüßen, ebenso Pudens, Linus, Klaudia und alle anderen
Brüder und Schwestern hier.
2Tim 4,22 Unser Herr Jesus Christus sei mit dir und seine Gnade mit euch allen!
Tit 1,1 Diesen Brief schreibt Paulus, ein Diener Gottes und Apostel Jesu
Christi. Ich habe den Auftrag, alle, die Gott auserwählt hat, im Glauben zu
stärken. Viele Menschen sollen noch die Wahrheit erkennen und so leben, wie es
Gott gefällt.
Tit 1,2 Wir hoffen auf das ewige Leben, das Gott uns vor allen Zeiten zugesagt
hat. Und Gott lügt nicht.
Tit 1,3 Jetzt ist die Zeit gekommen, dass alle Menschen von seiner Zusage
erfahren sollen. Gott, unser Retter, hat mir deshalb den Auftrag gegeben, diese
Botschaft überall zu verkünden.
Tit 1,4 Ich grüße dich, lieber Titus. Durch unseren gemeinsamen Glauben bist du
mir lieb wie ein eigener Sohn. Ich wünsche dir Gnade und Frieden von Gott,
unserem Vater, und unserem Retter Jesus Christus.
Tit 1,5 Ich habe dich auf Kreta zurückgelassen, damit du die Arbeit zu Ende
führst, die wir dort gemeinsam begonnen haben. Vor allem sollst du in den
einzelnen Städten geeignete Männer als Leiter der Gemeinden einsetzen.
Tit 1,6 Es müssen Männer sein, die ein vorbildliches Leben führen. Sie dürfen
nur eine Frau haben. Ihre Kinder sollen an Jesus Christus glauben und nicht als
zügellos und ungehorsam bekannt sein.
Tit 1,7 Ein Gemeindeleiter muss tatsächlich in jeder Beziehung vorbildlich
leben, denn er trägt die Verantwortung für die Gemeinde Gottes. Darum darf er
weder rechthaberisch noch jähzornig oder gewalttätig sein, kein Trinker, und er
soll nicht darauf aus sein, sich durch unehrliche Geschäfte zu bereichern.
Tit 1,8 Vielmehr soll er gastfreundlich sein, das Gute lieben und besonnen sein,
gerecht urteilen, ganz für Gott da sein und sich selbst beherrschen können.
Tit 1,9 Außerdem muss er sich an die zuverlässige Botschaft Gottes halten, so
wie sie ihm gelehrt worden ist. Denn nur so kann er die Gemeinde im Glauben
festigen und andere, die einer falschen Lehre verfallen sind, von ihrem Irrweg
abbringen.
Tit 1,10 Denn es gibt viele, die sich gegen Gott auflehnen, Schwätzer und
Verführer, besonders unter getauften Juden.
Tit 1,11 Man muss ihnen unbedingt das Maul stopfen; denn es ist ihnen schon
gelungen, ganze Familien vom rechten Glauben abzubringen. Sie verbreiten ihre
falschen Lehren und lassen sich auch noch teuer dafür bezahlen!
Tit 1,12 Einer von ihren Landsleuten muss geradezu ein Prophet gewesen sein, als
er sagte: »Alle Leute auf Kreta lügen. Sie sind faul und gefräßig und benehmen
sich wie wilde Tiere.«
Tit 1,13 Dieser Mann hat die Wahrheit gesagt. Darum weise sie scharf zurecht,
damit sie wieder zu einem gesunden Glauben zurückfinden.
Tit 1,14 Keiner soll diese jüdischen Legenden glauben und sich nach den
Vorschriften von Leuten richten, die der Wahrheit den Rücken gekehrt haben.
Tit 1,15 Wen Gott von seiner Schuld rein gemacht hat, für den ist alles rein.
Wer aber noch mit Schuld beladen ist und nicht auf Gott hören will, für den ist
nichts rein. Sein ganzes Denken und Fühlen ist beschmutzt.
Tit 1,16 Zwar behaupten diese Leute, Gott zu kennen, aber ihr Leben beweist das
Gegenteil. Sie widersetzen sich Gottes Weisungen und sind zu nichts Gutem fähig.
Was sie tun, kann man nur verabscheuen.
Tit 2,1 Du aber sollst dich in allem, was du sagst, nach der unverfälschten
Lehre richten.
Tit 2,2 Den älteren Männern sag, dass sie maßvoll, ehrbar und besonnen leben
sollen; dabei treu in ihrem Glauben, voller Liebe und Geduld.
Tit 2,3 Von den älteren Frauen verlange, dass sie ein Leben führen, wie es Gott
Ehre macht. Sie sollen nicht klatschen und tratschen noch sich betrinken,
sondern in allen Dingen mit gutem Beispiel vorangehen.
Tit 2,4 So können sie die jungen Frauen dazu anleiten, dass sie ihre Männer und
Kinder lieben,
Tit 2,5 besonnen und anständig sind, ihren Haushalt gut versorgen, sich
liebevoll und gütig verhalten und sich ihren Männern unterordnen, damit Gottes
Botschaft durch sie nicht in Verruf gerät.
Tit 2,6 Ebenso musst du die jungen Männer ermahnen, beherrscht und maßvoll zu
leben.
Tit 2,7 Vor allem sei du ihnen in jeder Hinsicht ein gutes Vorbild. Die Lehre
sollst du unverfälscht und mit Würde weitergeben.
Tit 2,8 Was immer du sagst, soll wahr und überzeugend sein. Nur so werden unsere
Gegner beschämt und können nichts Nachteiliges gegen uns vorbringen.
Tit 2,9 Sag den Sklaven, dass sie sich ihren Herren in jeder Beziehung
unterordnen, und zwar freiwillig und nicht widerstrebend.
Tit 2,10 Sie sollen nichts unterschlagen, sondern zuverlässig sein, damit ihr
Beispiel die Menschen von der Botschaft Gottes, unseres Retters, überzeugt.
Tit 2,11 Denn Gottes Barmherzigkeit ist sichtbar geworden, mit der er alle
Menschen retten will.
Tit 2,12 Sie bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit und allen
selbstsüchtigen Wünschen trennen, dafür besonnen und rechtschaffen leben, wie es
Gott gefällt.
Tit 2,13 Denn wir warten darauf, dass sich unsere Hoffnung bald erfüllt: dass
unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner ganzen Herrlichkeit
erscheinen wird.
Tit 2,14 Er hat sein Leben für uns gegeben und uns von aller Schuld befreit. So
sind wir sein Volk geworden; bereit, von ganzem Herzen Gutes zu tun.
Tit 2,15 Das sollst du lehren; ermahne und weise mit ganzer Autorität zurecht.
Niemand darf auf dich herabsehen.
Tit 3,1 Erinnere die Christen daran, dass sie sich dem Staat und allen
Regierenden unterzuordnen haben. Sie sollen die Gesetze des Staates befolgen und
sich tatkräftig für die Menschen einsetzen.
Tit 3,2 Kein Christ darf gehässig über andere reden oder gar Streit suchen. Er
soll vielmehr jedem freundlich und liebevoll begegnen.
Tit 3,3 Vergessen wir nicht: Auch wir wussten es früher nicht besser. Wir waren
Gott ungehorsam, kannten den richtigen Weg nicht und wurden von allen möglichen
Wünschen und Leidenschaften beherrscht. Bosheit und Neid bestimmten unser Leben.
Wir hassten alle, und alle hassten uns.
Tit 3,4 Aber dann wurde die Liebe und Güte Gottes, unseres Befreiers, sichtbar.
Tit 3,5 Er rettete uns - nicht, weil wir etwas geleistet hätten, womit wir seine
Liebe verdienten; nein, seine Barmherzigkeit hat uns durch eine neue Geburt und
die Taufe zu neuen Menschen gemacht. Das wirkte der Heilige Geist,
Tit 3,6 den Gott uns durch unseren Retter Jesus Christus in reichem Maße
geschenkt hat.
Tit 3,7 So sind wir allein durch seine unverdiente Güte von aller Schuld befreit
und warten voller Hoffnung auf das ewige Leben, das wir als seine Kinder erben
werden.
Tit 3,8 Darauf können wir vertrauen. Ich will, dass du dies alles mit Nachdruck
weitergibst. Denn alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind, sollen sich darum
bemühen, Gutes zu tun. Das ist nützlich und hilfreich für alle Menschen.
Tit 3,9 Wo aber nur leeres Stroh gedroschen wird und man völlig sinnlos über
Abstammungslinien und Geschlechtsregister streitet, da hast du nichts zu suchen.
Beteilige dich nicht an dem Gezänk über bestimmte religiöse Vorschriften. Das
führt zu nichts und hat gar keinen Wert.
Tit 3,10 Wer falsche Lehren verbreitet, den sollst du ein- oder zweimal
zurechtweisen. Kommt er trotzdem nicht zur Einsicht, dann trenn dich von ihm.
Tit 3,11 Du weißt doch: Den Menschen, die ihre Sünde nicht einsehen wollen, kann
man nicht helfen. Sie sprechen sich selbst das Urteil.
Tit 3,12 Sobald Artemas oder Tychikus bei dir sind, komm so schnell wie möglich
zu mir nach Nikopolis. Dort will ich den ganzen Winter über bleiben.
Tit 3,13 Den Rechtsanwalt Zenas und auch Apollos rüste mit allem aus, was sie
für die Reise brauchen, damit ihnen unterwegs nichts fehlt.
Tit 3,14 Alle, die sich zu Jesus Christus bekennen, müssen lernen, überall da zu
helfen, wo es nötig ist. Denn sonst bleibt ihr Glaube fruchtlos.
Tit 3,15 Meine Mitarbeiter lassen dich herzlich grüßen. Viele Grüße an alle
Christen, die uns in Liebe verbunden sind. Die Gnade Gottes sei mit euch allen!
Phlm 1,1 Paulus, der im Gefängnis ist, weil er die rettende Botschaft von Jesus
Christus verkündet, und der Bruder Timotheus schreiben diesen Brief an ihren
lieben Freund und Mitarbeiter Philemon,
Phlm 1,2 an unsere Schwester Aphia, an Archippus, der sich wie wir mit aller
Kraft für die rettende Botschaft einsetzt, und an alle anderen Christen, die
sich in Philemons Haus treffen.
Phlm 1,3 Wir wünschen euch allen Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und
unserem Herrn Jesus Christus.
Phlm 1,4 Lieber Philemon! Ich danke meinem Gott immer wieder, wenn ich an dich
denke und für dich bete.
Phlm 1,5 Denn ich habe erfahren, mit welcher Liebe du allen Christen begegnest
und wie fest du an unseren Herrn Jesus glaubst.
Phlm 1,6 Ich bete, dass der Glaube, der uns miteinander verbindet, in dir weiter
wächst und du immer mehr erkennst, wie reich uns Jesus Christus beschenkt hat.
Phlm 1,7 Durch deine Liebe habe ich viel Freude und Ermutigung erfahren, denn
ich weiß, wie oft du andere Christen in ihrem Glauben gestärkt hast.
Phlm 1,8 Aus diesem Grund möchte ich dich jetzt um etwas bitten, was ich als
Apostel Jesu Christi auch mit gutem Recht von dir verlangen könnte.
Phlm 1,9 Doch um der Liebe willen möchte ich dir nichts befehlen, sondern dich
schlicht und einfach bitten als ein alter Mann, den man ins Gefängnis geworfen
hat, weil er die rettende Botschaft von Jesus Christus verkündet.
Phlm 1,10 Es geht um deinen Sklaven Onesimus, der hier durch mich zum Glauben an
Christus gefunden hat und für mich wie ein Sohn geworden ist.
Phlm 1,11 Möglich, dass er früher seinem Namen keine Ehre gemacht hat und für
dich nicht besonders nützlich war. Aber wie viel Nutzen kann er nun dir und mir
bringen!
Phlm 1,12 Ich schicke ihn jetzt zu dir zurück und mit ihm mein eigenes Herz.
Phlm 1,13 Wie gern hätte ich ihn noch bei mir behalten, solange ich für die
rettende Botschaft im Gefängnis sein muss. Er hätte mir helfen können, so wie du
selbst es tun würdest.
Phlm 1,14 Aber ich wollte ihn nicht ohne deine Einwilligung hier behalten. Denn
eine gute Tat sollte nicht erzwungen sein, sondern freiwillig geschehen.
Phlm 1,15 Vielleicht ist dir Onesimus nur deshalb für eine kurze Zeit genommen
worden, damit er für immer zu dir zurückkehrt.
Phlm 1,16 Nun kommt er nicht nur als dein Sklave wieder, du wirst viel mehr an
ihm haben: einen geliebten Bruder. Das ist er für mich gewesen. Wie viel mehr
wird er es für dich sein; er gehört ja zu dir - als Mensch und nun auch als
Christ.
Phlm 1,17 Wenn ich also dein Freund und Bruder bin, dann nimm Onesimus auf, als
würde ich selbst zu dir kommen.
Phlm 1,18 Sollte dir durch seine Flucht irgendein Schaden entstanden sein, oder
sollte er dir etwas schulden, dann stell es mir in Rechnung.
Phlm 1,19 Ich werde es bezahlen. Dafür bürge ich hier mit meiner Unterschrift.
Was du mir allerdings schuldest, weil du durch mich zum Glauben an Jesus
Christus gefunden hast, davon will ich hier gar nicht reden.
Phlm 1,20 Lieber Philemon! Bereite mir doch diese Freude und sei mir von Nutzen!
Erfülle meine Bitte, weil wir beide an den Herrn glauben und durch Jesus
Christus verbunden sind.
Phlm 1,21 Ich schreibe dir im Vertrauen darauf, dass du dich nach mir richten
wirst. Ja, ich bin sicher, du wirst noch mehr tun, als ich von dir erbitte.
Phlm 1,22 Übrigens rechne ich damit, dass Gott eure Gebete erhört und ich bald
zu euch kommen kann. Dann halte bitte eine Unterkunft für mich bereit.
Phlm 1,23 Epaphras lässt dich herzlich grüßen. Er ist mit mir für Jesus Christus
im Gefängnis.
Phlm 1,24 Herzliche Grüße auch von meinen Mitarbeitern Markus, Aristarch, Demas
und Lukas.
Phlm 1,25 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!
Hebr 1,1 Immer wieder hat Gott schon vor unserer Zeit auf vielfältige Art und
Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen.
Hebr 1,2 Doch jetzt, in dieser letzten Zeit, sprach Gott durch seinen Sohn zu
uns. Durch ihn schuf Gott Himmel und Erde, und ihn hat er auch zum Erben über
alles eingesetzt.
Hebr 1,3 In dem Sohn zeigt sich die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, denn
er ist ganz und gar Gottes Ebenbild. Sein Wort ist die Kraft, die das Weltall
zusammenhält. Durch seinen Tod hat er uns von der Last unserer Schuld befreit
und nun den Ehrenplatz im Himmel eingenommen, an der rechten Seite Gottes, dem
alle Macht gehört.
Hebr 1,4 Gott hat Christus seinen Sohn genannt und ihn damit weit über alle
Engel gestellt.
Hebr 1,5 Zu welchem Engel hätte Gott wohl jemals gesagt: »Du bist mein Sohn.
Heute setze ich dich zum König ein«? Und zu keinem Engel hat Gott je gesagt:
»Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein.«
Hebr 1,6 Als Gott seinen erstgeborenen Sohn in diese Welt sandte, erfüllte sich
das Wort: »Alle Engel sollen ihn anbeten.«
Hebr 1,7 Von den Engeln heißt es in der Heiligen Schrift: »Gottes Engel sind
Boten, die schnell sind wie der Wind, und seine Diener sind wie die Flammen
eines Feuers.«
Hebr 1,8 Von dem Sohn aber heißt es: »Gott, deine Herrschaft bleibt immer und
ewig bestehen. In deinem Reich herrscht die Gerechtigkeit.
Hebr 1,9 Denn du liebst das Recht und hasst das Unrecht. Darum hat dich dein
Gott als Herrscher eingesetzt und mehr als alle anderen mit Freude beschenkt.«
Hebr 1,10 Christus ist gemeint, wenn gesagt wird: »Am Anfang hast du, Herr,
alles geschaffen. Die Erde und der Himmel, alles ist das Werk deiner Hände.
Hebr 1,11 Sie werden vergehen, du aber bleibst. Wie alte Kleider werden sie
zerfallen,
Hebr 1,12 wie ein abgetragenes Gewand wirst du sie zur Seite legen und sie wie
alte Kleidung durch neue auswechseln. Du aber bleibst ein und derselbe, du wirst
immer und ewig leben.«
Hebr 1,13 Oder hat Gott jemals zu einem Engel gesagt: »Setze dich auf den
Ehrenplatz an meiner rechten Seite, bis ich dir alle deine Feinde unterworfen
habe, bis du deinen Fuß auf ihren Nacken setzt«?
Hebr 1,14 Alle Engel sind nur Wesen, die Gott dienen. Er sendet sie aus, damit
sie allen helfen, denen er Rettung schenken will.
Hebr 2,1 Deshalb müssen wir umso mehr auf das achten, was wir gehört haben.
Sonst verfehlen wir noch das Ziel!
Hebr 2,2 Denn schon das Gesetz, das die Engel Mose überbrachten, war für alle
verbindlich; und jeder, der diese Gebote Gottes übertrat, erhielt seine gerechte
Strafe.
Hebr 2,3 Wie viel weniger werden wir der Strafe entkommen, wenn wir Gottes
unvergleichliches Rettungsangebot ausschlagen! Jesus Christus selbst hat es
zuerst bekannt gemacht, und es wurde uns von Zeugen bestätigt, die unseren Herrn
mit eigenen Ohren gehört haben.
Hebr 2,4 Darüber hinaus hat Gott diese Botschaft beglaubigt durch Zeichen und
Wunder, durch seine machtvollen Taten und durch die Gaben des Heiligen Geistes,
die er nach seinem Willen austeilt.
Hebr 2,5 Über die zukünftige Welt, von der wir hier reden, werden keine Engel
herrschen.
Hebr 2,6 An einer Stelle der Heiligen Schrift heißt es dazu: »Was ist schon der
Mensch, dass du an ihn denkst? Und was ist der Menschensohn, dass du dich so um
ihn kümmerst?
Hebr 2,7 Für eine kurze Zeit hast du ihm zwar eine niedrige Stellung gegeben -
niedriger als die Engel. Aber dann hast du ihn mit Ruhm und Ehre gekrönt.
Hebr 2,8 Alles hast du ihm zu Füßen gelegt.« Wenn Gott aber seinen Sohn zum
Herrscher eingesetzt hat, dann hat er ihm die Herrschaft über alles gegeben -
ohne jede Ausnahme. Freilich können wir das jetzt noch nicht in vollem Umfang
sehen.
Hebr 2,9 Aber wir sehen, dass Gott seinen Sohn Jesus, der für eine kurze Zeit
niedriger war als die Engel, mit Ruhm und Ehre gekrönt hat. Dies war der Lohn
für sein Sterben am Kreuz. Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass
Jesus für alle den Tod erlitten hat.
Hebr 2,10 So ist es auch kein Widerspruch, dass Gott - für den alles geschaffen
wurde und durch den alles ist - seinen Sohn durch das Leiden am Kreuz zur
Vollendung gelangen ließ. Dadurch hat Jesus den Weg für viele Menschen gebahnt,
die er als Gottes Kinder in sein herrliches Reich führt.
Hebr 2,11 Jetzt haben sie alle den einen Vater: sowohl Jesus, der die Menschen
in die Gemeinschaft mit Gott führt, als auch die Menschen, die durch Jesus zu
Gott geführt werden. Darum schämt sich Jesus auch nicht, sie seine Brüder und
Schwestern zu nennen,
Hebr 2,12 wenn er sagt: »Ich will meinen Brüdern deinen Namen bekannt machen,
vor der ganzen Gemeinde will ich dich loben und ehren.«
Hebr 2,13 Er sagt auch: »Gott allein will ich vertrauen!« Und weiter: »Hier bin
ich, und hier sind die Kinder, die Gott mir gegeben hat.«
Hebr 2,14 Die Kinder aber sind wir, Menschen aus Fleisch und Blut. Christus ist
nun auch ein Mensch geworden wie wir, um durch seinen Tod dem Teufel - als dem
Herrscher über den Tod - die Macht zu entreißen.
Hebr 2,15 So hat er alle befreit, die aus Furcht vor dem Tod ihr ganzes Leben
hindurch Gefangene des Teufels waren.
Hebr 2,16 Denn Jesus geht es ja nicht um die Engel. Ihm geht es um die Menschen,
um die Nachkommen Abrahams.
Hebr 2,17 Deshalb musste er uns, seinen Brüdern und Schwestern, auch in allem
gleich sein. Dadurch konnte er ein barmherziger und zuverlässiger Hoherpriester
für uns werden und sich selbst als Sühneopfer für unsere Sünden Gott darbringen.
Hebr 2,18 Denn weil er selbst gelitten hat und denselben Versuchungen ausgesetzt
war wie wir Menschen, kann er uns in allen Versuchungen helfen.
Hebr 3,1 Euch, meine lieben Brüder und Schwestern, hat Gott dazu bestimmt, ihm
zu gehören. Seht deshalb auf Jesus, den Gesandten Gottes und Hohenpriester, zu
dem wir uns bekennen.
Hebr 3,2 Er ist seinem Vater, der ihn dazu beauftragt hat, ebenso treu gewesen
wie Mose dem Volk Gottes treu gedient hat.
Hebr 3,3 Und doch ist Christus viel höher zu ehren als Mose; ein Baumeister
genießt ja auch ein größeres Ansehen als das Haus selbst.
Hebr 3,4 Jedes Haus hat seinen Baumeister. Gott aber ist der Baumeister, der
alle Dinge geschaffen hat.
Hebr 3,5 Mose war Gottes treuer Diener im Volk Israel, dem Haus, das ihm der
Herr anvertraut hatte. So wurde er zum Hinweis für die Botschaft, die jetzt
verkündet wird.
Hebr 3,6 Christus dagegen ist Gottes treuer Sohn in seinem eigenen Haus. Dieses
Haus sind wir, seine Gemeinde, wenn wir bis zum Ende entschlossen und freudig
auf Christus vertrauen und uns durch nichts von der Hoffnung abbringen lassen,
die unser Glaube uns schenkt.
Hebr 3,7 Deshalb fordert uns der Heilige Geist auf: »Heute, wenn ihr meine
Stimme hört,
Hebr 3,8 [8/9] dann verschließt eure Herzen nicht, wie es eure Vorfahren getan
haben; damals, als sie mich in der Wüste herausforderten und sich erbittert
gegen mich auflehnten. Vierzig Jahre lang haben sie jeden Tag erlebt, dass ich
sie führte. Und trotzdem haben sie immer wieder neue Beweise meiner Macht von
mir verlangt.
Hebr 3,10 Voller Zorn über dieses Volk habe ich deshalb gesagt: ›Ihr ganzes
Wünschen und Wollen ist verkehrt und führt sie in die Irre. Die Wege, die ich
sie führen will, verstehen sie nicht.‹
Hebr 3,11 Ich habe geschworen in meinem Zorn: ›Niemals sollen sie in das
verheißene Land kommen, nie die Ruhe finden, die ich ihnen geben wollte.‹«
Hebr 3,12 Achtet deshalb darauf, liebe Brüder und Schwestern, dass ihr euch
nicht ebenso durch eure Widerspenstigkeit zum Unglauben verleiten lasst und euch
- wie eure Vorfahren - von dem lebendigen Gott abwendet.
Hebr 3,13 Ermahnt und ermutigt einander immer wieder, solange jenes »Heute« gilt
und Gott zu euch redet. Nur so seid ihr sicher, dass ihr euch nicht vor ihm
verschließt und die Sünde euch nicht betrügen kann.
Hebr 3,14 Denn nur wenn wir wirklich bis zuletzt an der Zuversicht festhalten,
die der Glaube uns schenkt, gehören wir zu Christus.
Hebr 3,15 Darum gilt, was Gott gesagt hat: »Heute, wenn ihr meine Stimme hört,
dann verschließt eure Herzen nicht wie eure Vorfahren, als sie sich erbittert
gegen mich auflehnten.«
Hebr 3,16 Wer hat denn Gottes Worte gehört und sich trotzdem gegen ihn
aufgelehnt? Es waren doch dieselben Leute, die Mose aus Ägypten geführt hatte!
Hebr 3,17 Und wer forderte vierzig Jahre lang Gottes Zorn heraus? Waren es nicht
dieselben, die sich gegen Gott auflehnten und deshalb in der Wüste so elend
umkamen?
Hebr 3,18 Wem hatte Gott geschworen, dass sie niemals in das verheißene Land
gelangen und zur Ruhe kommen sollten? Doch nur denen, die nicht auf ihn hören
wollten.
Hebr 3,19 Das alles zeigt uns ganz klar: Sie konnten ihr Ziel, das von Gott
verheißene Land, nicht erreichen, weil sie Gott nicht vertrauen wollten.
Hebr 4,1 Deshalb müssen wir alles daransetzen, das Ziel nicht zu verfehlen. Denn
Gottes Zusage, uns seine Ruhe zu schenken, ist noch nicht erfüllt.
Hebr 4,2 Auch uns gilt ja diese gute Botschaft, die Gott unseren Vorfahren gab.
Ihnen freilich nutzte dies nichts; denn sie haben Gottes Zusage zwar gehört,
aber sie vertrauten Gott nicht.
Hebr 4,3 Doch wir, die wir ihm vertrauen, werden in sein Reich des Friedens
kommen. Gott hat gesagt: »In meinem Zorn über ihren Unglauben habe ich
geschworen: Niemals sollen sie in das verheißene Land kommen, nie die Ruhe
finden, die ich ihnen geben wollte.« Und das sagte Gott, obwohl es diese Ruhe
von allem Anfang an gab, als Gott die Welt geschaffen hatte.
Hebr 4,4 Es heißt doch vom siebten Schöpfungstag: »Nachdem Gott alles geschaffen
hatte, ruhte er am siebten Tag von seiner Arbeit.«
Hebr 4,5 Dennoch schwört Gott: »Niemals sollen sie in das verheißene Land
kommen, nie die Ruhe finden, die ich ihnen geben wollte.«
Hebr 4,6 Das bedeutet: Gottes Angebot, uns in sein Reich des Friedens
aufzunehmen, besteht auch heute noch. Zuerst galt dieses Versprechen ja unseren
Vorfahren. Doch sie haben seine Erfüllung nicht erlebt, weil sie sich Gottes
Willen widersetzten.
Hebr 4,7 Darum hat Gott einen neuen Tag festgesetzt, an dem er sein Versprechen
erfüllen will. Dieser Tag heißt Heute. Lange Zeit später ließ er durch König
David sagen: »Heute, wenn ihr meine Stimme hört, dann verschließt eure Herzen
nicht.«
Hebr 4,8 Hätte Josua unsere Vorfahren tatsächlich zum Ort der Ruhe geführt,
würde Gott später nicht von einem anderen Tag sprechen.
Hebr 4,9 Gottes Volk erwartet also bis heute die Zeit der Ruhe, den wahren
Sabbat.
Hebr 4,10 Wer zu dieser Ruhe gefunden hat, wird von aller seiner Arbeit ausruhen
können, so wie Gott am siebten Schöpfungstag von seinen Werken ruhte.
Hebr 4,11 Darum lasst uns alles daransetzen, zu dieser Ruhe Gottes zu gelangen,
damit niemand durch Ungehorsam das Ziel verfehlt. Unsere Vorfahren sind uns
darin ein warnendes Beispiel.
Hebr 4,12 Gottes Wort ist voller Leben und Kraft. Es ist schärfer als die Klinge
eines beidseitig geschliffenen Schwertes; dringt es doch bis in unser Innerstes,
bis in unsere Seele und unseren Geist, und trifft uns tief in Mark und Bein.
Dieses Wort ist ein unbestechlicher Richter über die Gedanken und geheimsten
Wünsche unseres Herzens.
Hebr 4,13 Gottes Augen bleibt nichts verborgen; vor ihm ist alles sichtbar und
offenkundig. Jeder Mensch muss Gott Rechenschaft geben.
Hebr 4,14 Lasst uns also unerschütterlich an unserem Bekenntnis zu Jesus
Christus festhalten, denn in ihm haben wir einen großen Hohenpriester, der vor
Gott für uns eintritt. Er, der Sohn Gottes, ist durch den Himmel bis zu Gottes
Thron gegangen.
Hebr 4,15 Doch er gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen
und zu keinem Mitleiden fähig sind. Jesus Christus musste mit denselben
Versuchungen kämpfen wie wir, doch im Gegensatz zu uns hat er nie gesündigt.
Hebr 4,16 Er tritt für uns ein, daher dürfen wir mit Zuversicht und ohne Angst
zu Gott kommen. Er wird uns seine Barmherzigkeit und Gnade zuwenden, wenn wir
seine Hilfe brauchen.
Hebr 5,1 Jeder Mensch, der zum Hohenpriester ernannt wird, ist zum Dienst für
Gott eingesetzt: Stellvertretend für alle Menschen muss er Gott Gaben und Opfer
darbringen, um die Schuld zu sühnen.
Hebr 5,2 Und weil er selbst ein Mensch ist mit all seinen Schwächen, kann er die
Menschen verstehen, die unwissend sind und Irrwege gehen.
Hebr 5,3 Doch gerade deshalb muss er nicht nur für die Sünden anderer opfern,
sondern auch für seine eigenen.
Hebr 5,4 Niemand kann sich selbst zum Hohenpriester ernennen. Gott beruft in
diese Aufgabe, so wie er es mit Aaron getan hat.
Hebr 5,5 Auch Christus hat sich nicht die Würde des Hohenpriesters angemaßt. In
diese Aufgabe hat Gott ihn berufen, als er zu ihm sprach: »Du bist mein Sohn,
heute setze ich dich zum König ein.«
Hebr 5,6 Oder wie Gott an anderer Stelle sagt: »In alle Ewigkeit sollst du ein
Priester sein, so wie es Melchisedek war.«
Hebr 5,7 Als Jesus unter uns Menschen lebte, schrie er unter Tränen zu Gott, der
ihn allein vom Tod retten konnte. Und Gott erhörte sein Gebet, weil Jesus den
Vater ehrte und ihm gehorsam war.
Hebr 5,8 Dennoch musste auch Jesus, der Sohn Gottes, durch sein Leiden Gehorsam
lernen.
Hebr 5,9 Nachdem er zu Gottes Thron zurückgekehrt ist, ist er für alle, die ihm
gehorsam sind, zum Retter und Erlöser geworden.
Hebr 5,10 Gott selbst hat ihn für uns zum Hohenpriester eingesetzt, so wie
Melchisedek.
Hebr 5,11 Darüber hätten wir euch noch sehr viel mehr zu sagen. Aber weil ihr so
wenig hinhört, ist es schwer, euch etwas zu erklären.
Hebr 5,12 Eigentlich müsstet ihr es in eurem Glauben schon zum Meister gebracht
haben und andere unterweisen. Tatsächlich aber seid ihr erst wie Lehrlinge,
denen man die allerersten Grundlagen von Gottes Botschaft beibringen muss. Wie
Säuglingen kann man euch nur Milch geben, weil ihr feste Nahrung noch nicht
vertragt.
Hebr 5,13 Wer noch Milch braucht, ist ein kleines Kind und versteht nicht, was
die Erwachsenen reden.
Hebr 5,14 Ein Erwachsener kann feste Nahrung zu sich nehmen. Nur wer seine
Urteilsfähigkeit geschult hat, der kann auch zwischen Gut und Böse
unterscheiden.
Hebr 6,1 Darum wollen wir jetzt aufhören, euch immer wieder in den einfachsten
Grundlagen eures Glaubens an Christus zu unterweisen. Wir möchten vielmehr
darüber sprechen, was Christen wissen müssen, die in ihrem Glauben erwachsen
sind. Es geht jetzt also nicht mehr darum, das alte Leben hinter sich zu lassen,
das letztlich zum Tod führt; auch nicht darum, wie notwendig es ist, zu Gott
umzukehren und ihm zu vertrauen.
Hebr 6,2 Ebenso wenig wollen wir euch lehren über die Taufe, die Handauflegung,
die Auferstehung der Toten und über Gottes letztes Gericht.
Hebr 6,3 Wenn Gott es will, dann wollen wir lieber Schritte nach vorn tun.
Hebr 6,4 Doch dies eine möchte ich euch jetzt noch sagen: Für alle, die Gott
schon mit seinem hellen Licht erleuchtet hat, die an sich selbst erfahren haben,
wie herrlich Gottes himmlische Gaben sind, und denen der Heilige Geist geschenkt
wurde,
Hebr 6,5 die Gottes gute Botschaft aufnahmen und dadurch etwas von der Kraft der
ewigen Welt spürten, -
Hebr 6,6 für all diese Menschen ist es unmöglich, wieder zu Gott zurückzukehren,
wenn sie sich bewusst von ihm abgewendet haben und ihm untreu geworden sind.
Ihre Untreue würde nichts anderes bedeuten, als dass sie den Sohn Gottes noch
einmal ans Kreuz schlagen und ihn dem Spott seiner Feinde ausliefern.
Hebr 6,7 Wer für Gott ein guter Acker ist, der wird von ihm gesegnet. Er nimmt
den Regen auf, der immer wieder über ihm niedergeht und nützliche Pflanzen
wachsen lässt. Schließlich bringt er eine gute Ernte.
Hebr 6,8 Wer aber einem schlechten Acker gleicht, dem droht Gottes Fluch. Auf
ihm wachsen nichts als Dornen und Disteln, und am Ende wird er abgebrannt.
Hebr 6,9 Das mussten wir euch, liebe Freunde, ganz offen und unmissverständlich
sagen. Trotzdem sind wir überzeugt, dass ihr gerettet werdet und das Ziel
erreicht.
Hebr 6,10 Denn Gott ist nicht ungerecht. Er vergisst nicht, was ihr getan habt
und wie ihr aus Liebe zu ihm anderen Christen geholfen habt und immer noch
helft.
Hebr 6,11 Wir haben nur einen Wunsch: Jeder von euch soll mit diesem Eifer an
der Hoffnung festhalten, dass sich einmal alles erfüllt, was Gott versprochen
hat. Ja, haltet daran fest, bis ihr das Ziel erreicht!
Hebr 6,12 Werdet in eurem Glauben nicht träge und gleichgültig, sondern folgt
dem Beispiel der Christen, die durch ihr Vertrauen zum Herrn standhaft geblieben
sind und alles erhalten werden, was Gott zugesagt hat.
Hebr 6,13 Als Gott Abraham sein Versprechen gab, da bekräftigte er seine Zusage
mit einem Eid. Und weil niemand über Gott steht und diesen Eid Gottes
beglaubigen konnte, schwor Gott bei seinem eigenen Namen.
Hebr 6,14 Er versprach Abraham: »Du kannst dich fest darauf verlassen: Ich will
dich mit Segen überschütten, und du sollst viele Nachkommen haben.«
Hebr 6,15 Abraham wartete geduldig; und schließlich ging in Erfüllung, was Gott
ihm versprochen hatte.
Hebr 6,16 Menschen schwören einen Eid, um ihre Aussage zu bekräftigen und um
mögliche Zweifel auszuräumen. Dabei berufen sie sich auf eine Autorität über
ihnen.
Hebr 6,17 Auch Gott hat sein Versprechen mit einem Eid bekräftigt. So haben wir,
denen seine Zusagen gelten, die unumstößliche Gewissheit, dass er sie auch
einlöst.
Hebr 6,18 Und weil Gott niemals lügt, haben wir jetzt zwei Tatsachen, auf die
wir uns verlassen können. Gottes Zusage und sein Eid ermutigen und stärken alle,
die an der von Gott versprochenen Hoffnung festhalten.
Hebr 6,19 Diese Hoffnung ist für uns ein sicherer und fester Anker, der
hineinreicht in den himmlischen Tempel, bis ins Allerheiligste hinter dem
Vorhang.
Hebr 6,20 Dorthin ist uns Jesus vorausgegangen. Er ist unser Hoherpriester für
alle Zeiten - wie es Melchisedek war.
Hebr 7,1 Melchisedek war König von Salem und ein Priester des höchsten Gottes.
Als Abraham aus der Schlacht gegen die Könige siegreich zurückkehrte, ging ihm
Melchisedek entgegen und segnete ihn.
Hebr 7,2 Abraham gab ihm damals den zehnten Teil seiner ganzen Kriegsbeute.
Melchisedek bedeutet eigentlich »König der Gerechtigkeit.« Er heißt aber auch
König von Salem, das bedeutet »König des Friedens.«
Hebr 7,3 Weder der Vater noch die Mutter Melchisedeks sind bekannt, auch keiner
seiner Vorfahren. Man weiß nicht, wann er geboren, auch nicht, wann er gestorben
ist; sein Leben war gewissermaßen ohne Anfang und ohne Ende. Er gleicht dem Sohn
Gottes und bleibt Priester für alle Zeit.
Hebr 7,4 Wie mächtig muss dieser König und Priester gewesen sein, dem Abraham,
der Stammvater Israels, den zehnten Teil seiner Siegesbeute übergab!
Hebr 7,5 Zwar haben die jüdischen Priester als Nachkommen Levis ein Anrecht
darauf, von den Angehörigen ihres Volkes den zehnten Teil vom Ernteertrag zu
bekommen; und das, obwohl sie ihre Brüder sind und wie diese von Abraham
abstammen.
Hebr 7,6 Melchisedek aber gehörte gar nicht zu Abrahams Volk. Dennoch nahm er
den zehnten Teil der Beute an und segnete Abraham, dem Gott seine Zusagen
gegeben hatte.
Hebr 7,7 Nun steht ohne jede Frage der Segnende über dem, der den Segen
empfängt.
Hebr 7,8 Die jüdischen Priester, die den zehnten Teil der Ernte erhalten, sind
sterbliche Menschen. Mit Melchisedek aber nahm einer den zehnten Teil entgegen,
von dem die Heilige Schrift bezeugt, dass er weiterlebt.
Hebr 7,9 Indem Abraham dem Melchisedek ein Zehntel der Beute gab, hat dies
sozusagen auch Levi getan, obwohl er als Priester doch selbst den zehnten Teil
empfängt.
Hebr 7,10 Zwar war Levi damals noch gar nicht geboren, aber bei der Begegnung
Abrahams mit Melchisedek stand schon fest, dass Levi zu Abrahams Nachkommen
zählen würde.
Hebr 7,11 Das Priestertum der Leviten - über das im Gesetz klare Bestimmungen
vorliegen - konnte uns offensichtlich nicht ans Ziel bringen und mit Gott
versöhnen. Sonst hätte Gott doch nicht einen ganz anderen Priester vom Rang
Melchisedeks zu uns schicken müssen. Dann hätte auch ein Priester vom Rang
Aarons genügt.
Hebr 7,12 Setzt Gott nun aber ein anderes Priestertum ein, dann muss auch das
Gesetz geändert werden.
Hebr 7,13 Immerhin kommt ja Christus, von dem hier die Rede ist, aus einem Stamm
unseres Volkes, von dem nie einer als Priester am Altar Gottes gedient hat.
Hebr 7,14 Denn wie jeder weiß, gehört unser Herr Jesus Christus zum Stamm Juda,
obwohl Mose nie gesagt hat, dass aus diesem Stamm Priester kommen werden.
Hebr 7,15 Schickt Gott also einen anderen Priester, einen vom Rang des
Melchisedek zu uns, dann wird ganz klar, dass er damit eine besondere Absicht
verfolgt.
Hebr 7,16 Denn Christus ist nicht aufgrund menschlicher Verordnungen und Gesetze
Hoherpriester geworden, sondern weil in ihm unzerstörbares, ewiges Leben ist.
Hebr 7,17 So heißt es ja von Christus: »In alle Ewigkeit sollst du ein Priester
sein, so wie es Melchisedek war.«
Hebr 7,18 Die alte Ordnung ist damit ungültig geworden; sie war wirkungslos und
brachte keinen Nutzen.
Hebr 7,19 Das Gesetz, so wie es uns von Mose übergeben wurde, konnte uns nicht
ans Ziel bringen und mit Gott versöhnen. Doch jetzt haben wir die Gewissheit,
dass wir wirklich zu Gott kommen dürfen.
Hebr 7,20 Gott hat das neue Priestertum durch einen Eid bekräftigt; die Leviten
aber sind ohne Schwur Priester geworden.
Hebr 7,21 Nur zu Christus hat Gott gesagt: »Der Herr hat es geschworen, und
diesen Schwur wird er niemals bereuen: ›In alle Ewigkeit sollst du Priester
sein!‹«
Hebr 7,22 So wurde Jesus für uns zum Bürgen eines neuen, besseren Bundes mit
Gott.
Hebr 7,23 Zur Zeit des alten Bundes musste es außerdem viele Priester geben,
denn sie waren alle sterbliche Menschen.
Hebr 7,24 Christus aber lebt in alle Ewigkeit; sein Priesteramt wird nie von
einem anderen eingenommen.
Hebr 7,25 Und weil Jesus Christus ewig lebt und für uns bei Gott eintritt, wird
er auch alle endgültig retten, die durch ihn zu Gott kommen.
Hebr 7,26 Er allein ist der Hohepriester, den wir brauchen: Er ist heilig und
ohne jede Schuld, rein und ohne Fehler, von Gott hoch erhoben auf den Ehrenplatz
im Himmel.
Hebr 7,27 Christus muss nicht - wie die anderen Hohenpriester - an jedem Tag
zuerst wegen der eigenen Sünden für sich selbst ein Opfer darbringen, ehe er für
sein Volk opfert. Als Jesus Christus am Kreuz für unsere Schuld starb, hat er
ein Opfer dargebracht, das ein für alle Mal gilt.
Hebr 7,28 Das Gesetz des Mose bestimmte Menschen mit all ihren Schwächen und
Fehlern zu Hohenpriestern. Doch dieses Gesetz gilt nicht mehr, seit Gott seinen
eigenen Sohn mit einem Schwur als unseren Hohenpriester eingesetzt hat. Und das
wird er bleiben - für alle Zeiten in göttlicher Vollkommenheit.
Hebr 8,1 Das Wichtigste aber ist: Wir haben einen Hohenpriester, der auf dem
Ehrenplatz rechts neben dem Thron des allmächtigen Gottes sitzt.
Hebr 8,2 Er dient dort als Priester in dem einzig wahren Heiligtum, das vom
Herrn selbst und nicht von Menschen errichtet worden ist.
Hebr 8,3 So wie jeder Hohepriester dazu eingesetzt ist, Gott Opfer und Gaben
darzubringen, muss auch Christus etwas haben, was er opfern kann.
Hebr 8,4 Freilich, hier auf der Erde könnte Christus kein Priester sein; denn
hier gibt es schon genügend Priester, die den Opferdienst nach dem Gesetz
leisten.
Hebr 8,5 Sie dienen allerdings in einem Tempel, der nur eine schwache
Nachbildung, ein unvollkommenes Abbild des himmlischen Heiligtums ist. Als Mose
das heilige Zelt errichten sollte, befahl ihm Gott: »Achte genau darauf, dass
alles nach dem Vorbild angefertigt wird, das ich dir hier auf dem Berg gezeigt
habe.«
Hebr 8,6 Nun hat Christus eine viel größere Aufgabe erhalten als alle anderen
Priester auf der Erde. Deshalb hat er auch als Vermittler zwischen Gott und uns
Menschen einen weitaus besseren Bund geschlossen, der außerdem auf festeren
Zusagen beruht als der alte Bund.
Hebr 8,7 Wenn dieser alte Bund vollkommen gewesen wäre, hätte ein neuer Bund
nicht geschlossen werden müssen.
Hebr 8,8 Es lag doch ein starker Tadel darin, als Gott zu seinem Volk sagte: »Es
kommt die Zeit, in der ich mit dem Volk Israel und dem Volk von Juda einen neuen
Bund schließe.
Hebr 8,9 Er ist nicht mit dem zu vergleichen, den ich damals mit ihren Vorfahren
schloss, als ich sie mit starker Hand aus Ägypten befreite. Denn sie haben sich
nicht an meinen Bund gehalten. Deshalb habe ich mich von ihnen abgewandt«,
spricht der Herr.
Hebr 8,10 »Aber nach dieser Zeit werde ich mit dem Volk Israel einen neuen Bund
schließen. Und der wird ganz anders aussehen: Ich schreibe mein Gesetz in ihr
Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein,
und sie werden mein Volk sein.
Hebr 8,11 Niemand muss dann den anderen noch belehren, keiner braucht seinem
Bruder mehr zu sagen: ›Erkenne doch den Herrn!‹ Denn alle - vom Kleinsten bis
zum Größten - werden erkennen, wer ich bin.
Hebr 8,12 Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden.«
Hebr 8,13 Gott selbst hat hier von einem neuen Bund gesprochen. Das bedeutet,
dass der erste Bund nicht mehr gilt. Was aber alt und überholt ist, wird bald
nicht mehr bestehen.
Hebr 9,1 Auch im ersten Bund gab es Regeln und Vorschriften für den Gottesdienst
und das Heiligtum, das Menschen hier auf der Erde für Gott errichtet hatten.
Hebr 9,2 Im vorderen Teil des Heiligtums standen ein Leuchter und ein Tisch mit
den Broten, die Gott geweiht waren. Diesen Teil des Zeltes nannte man das
Heilige.
Hebr 9,3 Dahinter lag ein zweiter Raum, durch einen Vorhang abgetrennt. Dies war
das Allerheiligste.
Hebr 9,4 Hier befanden sich der goldene Räucheropferaltar und eine rundum mit
Gold beschlagene Truhe, die so genannte Bundeslade. Darin lagen der goldene Krug
mit dem Manna, der Stab Aarons, der Knospen getrieben hatte, und die Steintafeln
mit den Zehn Geboten.
Hebr 9,5 Über der Bundeslade breiteten die Cherub-Engel, die auf Gottes
Herrlichkeit hinweisen, ihre Flügel aus und bedeckten so diese Stätte der
Vergebung und Versöhnung. Doch nun genug von diesen Einzelheiten.
Hebr 9,6 Das Heiligtum besteht also aus zwei Räumen: In dem ersten Raum
verrichten die Priester täglich ihren Dienst.
Hebr 9,7 Den anderen Raum, das Allerheiligste, darf aber nur der Hohepriester
betreten, und auch das nur ein einziges Mal im Jahr. Hier bringt er das Blut
eines Tieres als Opfer dar, damit Gott ihm seine eigene Schuld und auch die
Sünden seines Volkes vergibt.
Hebr 9,8 Der Heilige Geist wollte auf diese Weise sichtbar werden lassen:
Solange das irdische Heiligtum noch steht, bleibt uns der Zugang zum
Allerheiligsten, zu Gott, verschlossen.
Hebr 9,9 Das irdische Heiligtum ist nichts anderes als ein Bild für unsere
gegenwärtige Zeit. Dort werden zwar Gaben und Opfer dargebracht, aber nichts
davon kann uns vollkommen mit Gott versöhnen und uns ein gutes Gewissen
schenken.
Hebr 9,10 Denn in einem solchen Gottesdienst werden doch nur Vorschriften
befolgt, die das äußere Leben regeln. Es geht dabei um Essen und Trinken oder
bestimmte Reinigungsvorschriften. Diese Anordnungen galten aber nur solange, bis
Gott die neue Ordnung in Kraft setzte.
Hebr 9,11 Seit Christus gilt diese neue Ordnung. Er ist der Hohepriester, durch
den sich Gottes Zusagen an uns erfüllt haben. Seinen Dienst verrichtet er in
einem Heiligtum - größer und vollkommener als jedes andere, das je von Menschen
betreten wurde. Dieses Heiligtum ist nicht von Menschenhand errichtet, es gehört
nicht zu dieser Welt.
Hebr 9,12 Christus opferte auch nicht das Blut von Böcken und Kälbern für unsere
Sünden. Vielmehr opferte er im Allerheiligsten sein eigenes Blut ein für alle
Mal. Damit hat er uns für immer und ewig von unserer Schuld vor Gott befreit.
Hebr 9,13 Schon nach den Regeln des alten Bundes wurde jeder, der nach den
religiösen Vorschriften unrein geworden war, wieder äußerlich rein, wenn er mit
dem Blut von Böcken und Stieren oder mit der Asche einer geopferten Kuh
besprengt wurde.
Hebr 9,14 Wie viel mehr wird das Blut Jesu Christi uns innerlich erneuern und
von unseren Sünden reinwaschen! Erfüllt von Gottes ewigem Geist, hat er sich
selbst für uns als fehlerloses Opfer Gott dargebracht. Darum sind unsere Sünden
vergeben, die letztlich nur zum Tod führen, und unser Gewissen ist gereinigt.
Jetzt sind wir frei, dem lebendigen Gott zu dienen.
Hebr 9,15 So hat Christus den neuen Bund zwischen Gott und uns Menschen
vermittelt: Er starb, damit die Sünden aufgehoben werden, die unter dem alten
Bund geschehen sind. Nun können alle, die Gott berufen hat, das von Gott
zugesagte unvergängliche Erbe empfangen, das ewige Leben bei Gott.
Hebr 9,16 Beim neuen Bund ist es wie bei einem Testament: Ein Testament wird
erst eröffnet, wenn der Tod seines Verfassers nachgewiesen ist.
Hebr 9,17 Solange er lebt, ist es ohne jede Rechtskraft. Erst durch seinen Tod
wird es gültig.
Hebr 9,18 So wurde auch schon der alte Bund erst rechtskräftig, nachdem er mit
Blut besiegelt war.
Hebr 9,19 Als Mose dem Volk Israel alle Gebote des Gesetzes mitgeteilt hatte,
nahm er das Blut von Kälbern und Böcken, vermengte es mit Wasser und besprengte
mit Hilfe von Ysopzweigen und roter Wolle das Gesetzbuch und das ganze Volk.
Hebr 9,20 Dann sagte er: »Dieses Blut besiegelt den Bund, den Gott mit euch
geschlossen hat.«
Hebr 9,21 Ebenso besprengte Mose das heilige Zelt und alle Gefäße und Werkzeuge
für den Opferdienst.
Hebr 9,22 Nach den Bestimmungen des alten Bundes wird fast alles mit Blut
gereinigt. Denn ohne Blut ist eine Vergebung der Schuld nicht möglich.
Hebr 9,23 Deshalb musste das heilige Zelt, das als Abbild des himmlischen
Heiligtums hier auf der Erde stand, durch das Blut von Tieren gereinigt werden.
Als es aber um das himmlische Heiligtum ging, war ein besseres Opfer nötig.
Hebr 9,24 Schließlich ging Christus nicht in ein von Menschen erbautes
Heiligtum, das ja nur ein Abbild des wahren Heiligtums ist. Er betrat den Himmel
selbst, um sich bei Gott für uns einzusetzen.
Hebr 9,25 Christus brauchte sich nur ein einziges Mal zu opfern. Der
Hohepriester dagegen muss jedes Jahr aufs Neue ins Allerheiligste gehen und Gott
das Blut eines Tieres opfern.
Hebr 9,26 Wie oft hätte Christus dann seit Beginn der Welt schon leiden müssen!
Aber er ist jetzt, am Ende der Zeit, erschienen, um ein für alle Mal durch
seinen Opfertod die Sünden zu tilgen.
Hebr 9,27 Jeder Mensch muss einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht.
Hebr 9,28 So ist auch Christus ein einziges Mal gestorben, um alle Menschen von
ihren Sünden zu erlösen. Wenn er zum zweiten Mal kommen wird, dann nicht, um uns
noch einmal von unserer Schuld zu befreien. Dann kommt er, um alle, die auf ihn
warten, in seine neue Welt aufzunehmen.
Hebr 10,1 Das Gesetz des alten Bundes war lediglich ein matter Abglanz und
Vorgeschmack all dessen, was Gott für uns bereithält. Es brachte uns noch nicht
in eine enge Gemeinschaft mit Gott. Denn die Opfer der alten Ordnung konnten
keinen Menschen für immer von seiner Schuld befreien. Jahr für Jahr musste man
erneut Opfer bringen.
Hebr 10,2 Niemand hätte mehr ein Opfer gebracht, wenn alle schon nach dem ersten
Opfer von ihren Sünden befreit worden wären. Dann hätte ja auch die Schuld ihr
Gewissen nicht länger belastet.
Hebr 10,3 Aber gerade durch diese Opfer werden sie Jahr für Jahr aufs Neue an
ihre Sünde und Schuld erinnert.
Hebr 10,4 Dabei können wir durch das Blut von Stieren und Böcken unmöglich von
unserer Schuld befreit werden.
Hebr 10,5 Deshalb sprach Christus zu Gott, als er in die Welt kam:
»Schlachtopfer und andere Gaben wolltest du nicht. Aber du hast mir einen Leib
gegeben; er soll das Opfer sein.
Hebr 10,6 Dir gefällt nicht, dass man dir Tiere schlachtet und zur Sühne auf dem
Altar verbrennt.
Hebr 10,7 Deshalb habe ich gesagt: ›Ich komme, um deinen Willen, mein Gott, zu
erfüllen. So heißt es von mir bereits in der Heiligen Schrift.‹«
Hebr 10,8 Obwohl das Gesetz diese Opfer verlangte, hat Christus gesagt:
»Schlachtopfer und andere Gaben hast du nicht gewollt. Sie gefallen dir so wenig
wie die Brandopfer und die Sündopfer.«
Hebr 10,9 Außerdem sagte er: »Ich komme, mein Gott, um deinen Willen zu
erfüllen.« So hebt Christus die alte Ordnung auf und setzt eine neue in Kraft.
Hebr 10,10 Er hat mit seinem Tod am Kreuz diesen Willen Gottes erfüllt; und
deshalb gehören wir durch sein Opfer ein für alle Mal zu Gott.
Hebr 10,11 Der Priester aber muss jeden Tag neu den Altardienst verrichten und
Gott immer wieder Opfer darbringen. Dennoch können diese Opfer keinen Menschen
für immer von seiner Schuld befreien.
Hebr 10,12 Jesus Christus dagegen hat ein einziges Opfer für alle Sünden
gebracht. Jetzt sitzt er für immer auf dem Ehrenplatz an der rechten Seite
Gottes.
Hebr 10,13 Dort wartet er, bis ihm alle seine Feinde unterworfen sind und er
seinen Fuß auf ihren Nacken setzt.
Hebr 10,14 Für immer und ewig hat Christus mit dem einen Opfer alle Menschen,
die zu Gott gehören sollen, in eine vollkommene Gemeinschaft mit ihm gebracht.
Hebr 10,15 Das bezeugt uns auch der Heilige Geist. Denn nachdem der Herr gesagt
hatte:
Hebr 10,16 »Dies ist der Bund, den ich mit meinem Volk Israel schließen werde«,
sprach er: »Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und
Handeln bestimmen.
Hebr 10,17 Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden.«
Hebr 10,18 Sind aber die Sünden vergeben, dann ist kein Opfer mehr nötig.
Hebr 10,19 Und so, liebe Brüder und Schwestern, können wir jetzt durch das Blut,
das Jesus Christus am Kreuz für uns vergossen hat, frei und ungehindert in
Gottes Heiligtum eintreten.
Hebr 10,20 Christus hat sein Leben geopfert und damit den Vorhang
niedergerissen, der uns von Gott trennte. So hat er uns einen neuen Weg gebahnt,
der zum Leben führt.
Hebr 10,21 Er ist unser Hoherpriester und herrscht nun über das Haus Gottes,
seine Gemeinde.
Hebr 10,22 Darum wollen wir uns Gott nähern mit aufrichtigem Herzen und im
festen Glauben; denn das Blut Jesu Christi hat uns von unserem schlechten
Gewissen befreit, und unser Körper wurde mit reinem Wasser von aller Schuld
reingewaschen.
Hebr 10,23 Haltet an dieser Hoffnung fest, zu der wir uns bekennen, und lasst
euch durch nichts davon abbringen. Ihr könnt euch felsenfest auf sie verlassen,
weil Gott sein Wort hält.
Hebr 10,24 Lasst uns aufeinander achten! Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe
ermutigen und einander anspornen, Gutes zu tun.
Hebr 10,25 Versäumt nicht die Zusammenkünfte eurer Gemeinde, wie es sich einige
angewöhnt haben. Ermahnt euch gegenseitig dabeizubleiben. Ihr seht ja, dass der
Tag nahe ist, an dem der Herr kommt.
Hebr 10,26 Wir haben in Christus die Wahrheit erkannt. Sündigen wir aber auch
jetzt noch mutwillig weiter, gibt es kein Opfer mehr, das uns von unseren Sünden
befreien kann.
Hebr 10,27 Dann bleibt nichts als das schreckliche Warten auf das Gericht, in
dem Gottes verzehrendes Feuer alle seine Feinde vernichten wird.
Hebr 10,28 Wenn jemand gegen das Gesetz des Mose verstößt und dieses Vergehen
von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird, kann er keine Gnade erwarten. Er muss
sterben!
Hebr 10,29 Was meint ihr, um wie viel härter die Strafe für den sein wird, der
den Sohn Gottes gleichsam mit Füßen tritt, dem das Blut des neuen Bundes nichts
mehr bedeutet, durch das er doch Gemeinschaft mit Gott haben konnte! Ein solcher
Mensch beleidigt Gottes Geist, von dem er nichts als Gnade und Barmherzigkeit
erfahren hat.
Hebr 10,30 Wir alle kennen doch den, der gesagt hat: »Ich werde Rache nehmen und
Vergeltung üben!« Von ihm heißt es auch: »Der Herr wird über sein Volk das
Urteil sprechen.«
Hebr 10,31 Wie furchtbar wird es allen ergehen, die dem lebendigen Gott in die
Hände fallen!
Hebr 10,32 Erinnert euch nur einmal an die Zeit, kurz nachdem ihr die Wahrheit
kennen gelernt habt und Christen geworden seid. Damals musstet ihr euch in einem
schweren und leidvollen Kampf bewähren.
Hebr 10,33 Viele von euch wurden in aller Öffentlichkeit verspottet und gequält;
andere halfen denen, die so leiden mussten.
Hebr 10,34 Ihr habt mit den Gefangenen gelitten, und ihr habt es sogar mit
Freuden ertragen, wenn man euch euer Hab und Gut wegnahm. Denn ihr wisst, dass
ihr durch Christus etwas viel Besseres besitzt, einen bleibenden Wert.
Hebr 10,35 Werft nun euer Vertrauen nicht weg! Es wird sich erfüllen, worauf ihr
hofft.
Hebr 10,36 Aber ihr müsst standhaft bleiben und tun, was Gott von euch erwartet.
Er wird euch alles geben, was er zugesagt hat.
Hebr 10,37 Denn das steht fest: »Schon bald wird der kommen, der angekündigt
ist. Er wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Hebr 10,38 Nur wer mir, Gott, vertraut, wird leben. Wer aber zurückweicht und
aufgibt, an dem werde ich keinen Gefallen finden.«
Hebr 10,39 Doch wir gehören nicht zu denen, die zurückweichen und verloren
gehen. Wir gehören zu denen, die am Glauben festhalten und das ewige Leben
gewinnen.
Hebr 11,1 Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen
zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.
Hebr 11,2 Unsere Vorfahren lebten diesen Glauben. Deshalb hat Gott sie als
Vorbilder für uns hingestellt.
Hebr 11,3 Durch unseren Glauben verstehen wir, dass die ganze Welt durch Gottes
Wort geschaffen wurde; dass alles Sichtbare aus Unsichtbarem entstanden ist.
Hebr 11,4 Weil Abel an Gott glaubte, war sein Opfer besser als das seines
Bruders Kain. Gott nahm sein Opfer an, und Abel fand Gottes Anerkennung. Obwohl
Abel schon lange tot ist, zeigt er uns noch heute, was es heißt, Gott zu
vertrauen.
Hebr 11,5 Weil Henoch glaubte, musste er nicht sterben. Gott nahm ihn zu sich;
er war plötzlich nicht mehr da. Die Heilige Schrift bestätigt, dass Henoch so
gelebt hat, wie es Gott gefiel.
Hebr 11,6 Denn Gott hat nur an den Menschen Gefallen, die ihm fest vertrauen.
Ohne Glauben ist das unmöglich. Wer nämlich zu Gott kommen will, muss darauf
vertrauen, dass es ihn gibt und dass er alle belohnen wird, die ihn suchen.
Hebr 11,7 Auch Noah glaubte Gott und befolgte gehorsam seine Anweisungen. Er
baute ein großes Schiff, obwohl weit und breit keine Gefahr zu sehen war.
Deshalb wurde er mit seiner ganzen Familie gerettet. Durch seinen Glauben wurde
der Unglaube der anderen Menschen erst richtig deutlich. Und durch diesen
Glauben fand Noah auch Gottes Anerkennung.
Hebr 11,8 Auch Abraham glaubte fest an Gott und hörte auf ihn. Als Gott ihm
befahl, in ein Land zu ziehen, das ihm erst viel später gehören sollte, verließ
er seine Heimat. Dabei wusste er überhaupt nicht, wohin er kommen würde.
Hebr 11,9 Er vertraute Gott. Das gab ihm die Kraft, als Fremder in dem Land zu
leben, das Gott ihm versprochen hatte. Wie Isaak und Jakob, denen Gott dieselbe
Zusage gegeben hatte, wohnte er nur in Zelten.
Hebr 11,10 Denn Abraham wartete auf die Stadt, die wirklich auf festen
Fundamenten steht und deren Gründer und Erbauer Gott selbst ist.
Hebr 11,11 Und Sara, Abrahams Frau, die eigentlich unfruchtbar war, glaubte
unerschütterlich an Gottes Zusage, dass sie noch ein Kind bekommen würde. Sie
wusste, dass Gott alle seine Zusagen einhält. Und tatsächlich wurde sie
schwanger, obwohl sie dafür schon viel zu alt war.
Hebr 11,12 So erhielt Abraham, der eigentlich schon gar keine Kinder mehr zeugen
konnte, Nachkommen so zahlreich wie der Sand am Meer und die Sterne am Himmel.
Hebr 11,13 Alle, die hier erwähnt wurden, haben sich ganz auf Gott verlassen.
Doch sie starben, ohne dass sich Gottes Zusage zu ihren Lebzeiten erfüllte.
Lediglich aus der Ferne haben sie etwas davon gesehen und sich darüber gefreut;
denn sie sprachen darüber, dass sie auf dieser Erde nur Gäste und Fremde seien.
Hebr 11,14 Wer aber zugibt, hier nur ein Fremder zu sein, der sagt damit auch,
dass er seine wirkliche Heimat noch sucht.
Hebr 11,15 Unsere Vorfahren betrachteten das Land, aus dem sie weggezogen waren,
nicht als ihre Heimat; dorthin hätten sie ja jederzeit zurückkehren können.
Hebr 11,16 Nein, sie sehnten sich nach einer besseren Heimat, nach der Heimat im
Himmel. Deshalb bekennt sich Gott zu ihnen und schämt sich nicht, ihr Gott
genannt zu werden; denn für sie hat er seine Stadt im Himmel gebaut.
Hebr 11,17 Abraham glaubte so unerschütterlich an Gott, dass er sogar bereit
war, seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern, als Gott ihn auf die Probe stellte.
Und das, obwohl ihm Gott ein Versprechen gegeben
Hebr 11,18 und gesagt hatte: »Von Isaak wird deine gesamte Nachkommenschaft
abstammen.«
Hebr 11,19 Abraham traute es Gott zu, dass er Isaak sogar von den Toten
auferwecken könnte, und bildlich gesprochen hat Gott Isaak das Leben ja auch
noch einmal geschenkt.
Hebr 11,20 Auch Isaak vertraute Gott. Darum segnete er seine Söhne Jakob und
Esau im Blick auf die Zukunft.
Hebr 11,21 Jakob segnete kurz vor seinem Tod in festem Glauben die beiden Söhne
Josefs. Auf seinen Stab gestützt, betete er Gott an.
Hebr 11,22 Weil Josef an Gottes Zusagen glaubte, konnte er vor seinem Tod
voraussagen, dass die Israeliten Ägypten eines Tages wieder verlassen würden. Er
rechnete so fest damit, dass er anordnete, sie sollten bei ihrem Weggang seine
Gebeine mitnehmen.
Hebr 11,23 Weil die Eltern des Mose unerschütterlich an Gott glaubten, hatten
sie keine Angst, gegen den Befehl des Pharaos zu handeln: Sie hatten ein schönes
Kind bekommen und versteckten es drei Monate lang.
Hebr 11,24 Auch Mose vertraute Gott. Denn als er erwachsen war, weigerte er
sich, noch länger als Sohn der Pharaonentochter zu gelten.
Hebr 11,25 Lieber wollte er gemeinsam mit Gottes Volk Unterdrückung und
Verfolgung erleiden, als für kurze Zeit das gottlose Leben am Königshof zu
genießen.
Hebr 11,26 Für ihn waren alle Schätze Ägyptens nicht so viel wert wie Schimpf
und Schande, die er für Christus auf sich nahm. Denn er wusste, wie reich Gott
ihn belohnen würde.
Hebr 11,27 Im Vertrauen auf Gott verließ er später Ägypten, ohne den Zorn des
Königs zu fürchten. Er rechnete so fest mit Gott, als könnte er ihn sehen.
Deshalb gab er nicht auf.
Hebr 11,28 Weil er Gott glaubte, hielt Mose die Passahfeier und ließ die
Türpfosten mit dem Blut eines Lammes bestreichen. So blieben alle Israeliten am
Leben, als der Todesengel die ältesten Söhne der Ägypter tötete.
Hebr 11,29 Auch das Volk Israel bewies seinen Glauben, als es durch das Rote
Meer wie über trockenes Land ging. Das ägyptische Heer verfolgte die Israeliten
und versank in den Fluten.
Hebr 11,30 Allein der Glaube des Volkes Israel war es, der die Mauern Jerichos
einstürzen ließ, nachdem die Israeliten sieben Tage lang um die Stadt gezogen
waren.
Hebr 11,31 Nur weil die Prostituierte Rahab Gott vertraute und die Kundschafter
Israels freundlich aufnahm, wurde sie nicht getötet wie alle anderen Bewohner
Jerichos, die sich Gottes Willen widersetzt hatten.
Hebr 11,32 Es wären noch viele andere zu nennen. Nur würde die Zeit wohl nicht
ausreichen, wollte ich sie alle aufzählen: Gideon und Barak, Simson, Jeftah,
David, Samuel und die Propheten.
Hebr 11,33 Weil sie Gott vertrauten, konnte er Großes durch sie tun. Sie
bezwangen Königreiche, sorgten für Recht und Gerechtigkeit und erlebten, wie
sich Gottes Zusagen erfüllten. Vor dem Rachen des Löwen wurden sie bewahrt,
Hebr 11,34 und selbst das Feuer konnte ihnen nichts anhaben. Sie entgingen dem
Schwert ihrer Verfolger. Als sie schwach waren, gab Gott ihnen neue Kraft. Weil
sie sich auf Gott verließen, vollbrachten sie wahre Heldentaten und schlugen die
feindlichen Heere in die Flucht.
Hebr 11,35 Und einige Frauen erlebten, wie ihre verstorbenen Angehörigen von
Gott auferweckt wurden. Andere, die auch Gott vertrauten, wurden gequält und zu
Tode gefoltert. Sie verzichteten lieber auf ihre Freiheit, als ihren Glauben zu
verraten. Die Hoffnung auf ihre Auferstehung gab ihnen Kraft.
Hebr 11,36 Wieder andere wurden verhöhnt und misshandelt, weil sie an Gott
festhielten. Man legte sie in Ketten und warf sie ins Gefängnis.
Hebr 11,37 Sie wurden gesteinigt, mit der Säge qualvoll getötet oder mit dem
Schwert hingerichtet. Heimatlos, nur mit einem Schafpelz oder Ziegenfell
bekleidet, zogen sie umher, hungrig, verfolgt und misshandelt.
Hebr 11,38 Sie irrten in Wüsten und im Gebirge umher und mussten sich in
einsamen Tälern und Höhlen verstecken - Menschen, zu schade für diese Welt.
Hebr 11,39 Sie alle haben Gott vertraut, deshalb hat er sie als Vorbilder für
uns hingestellt. Und doch erfüllte sich die Zusage Gottes zu ihren Lebzeiten
noch nicht.
Hebr 11,40 Denn Gott hatte einen besseren Plan: Sie sollten mit uns zusammen ans
Ziel kommen.
Hebr 12,1 Da wir nun so viele Zeugen des Glaubens um uns haben, lasst uns alles
ablegen, was uns in dem Wettkampf behindert, den wir begonnen haben - auch die
Sünde, die uns immer wieder fesseln will. Mit zäher Ausdauer wollen wir auch
noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten.
Hebr 12,2 Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sondern allein
auf Jesus. Er hat uns den Glauben geschenkt und wird ihn bewahren, bis wir am
Ziel sind. Weil große Freude auf ihn wartete, erduldete Jesus den verachteten
Tod am Kreuz. Jetzt hat er als Sieger den Platz an der rechten Seite Gottes
eingenommen.
Hebr 12,3 Vergesst nicht, wie viel Hass und Anfeindung er von gottlosen Menschen
ertragen musste, damit auch ihr in Zeiten der Verfolgung nicht den Mut verliert
und aufgebt.
Hebr 12,4 Bis jetzt hat euch der Kampf gegen die Sünde noch nicht das Letzte
abverlangt, es ging noch nicht um Leben und Tod.
Hebr 12,5 Trotzdem werdet ihr schon mutlos. Ihr habt wohl vergessen, was Gott
euch als seinen Kindern sagt: »Mein Sohn, wenn der Herr dich zurechtweist, dann
sei nicht entrüstet, sondern nimm es an,
Hebr 12,6 denn darin zeigt sich seine Liebe. Wie ein Vater seinen Sohn erzieht,
den er liebt, so schlägt der Herr jeden, den er als sein Kind annimmt.«
Hebr 12,7 Wenn ihr also leiden müsst, dann will Gott euch erziehen. Er behandelt
euch als seine Kinder. Welcher Sohn wird von seinem Vater nicht streng erzogen
und auch einmal bestraft?
Hebr 12,8 Viel schlimmer wäre es, wenn Gott anders mit euch umginge. Dann
nämlich wärt ihr gar nicht seine rechtmäßigen Kinder.
Hebr 12,9 Außerdem: Haben wir nicht unsere leiblichen Väter geachtet, die uns
auch gestraft haben? Wie viel mehr müssten wir dann die Erziehung unseres
göttlichen Vaters annehmen, der uns ja auf das ewige Leben vorbereitet.
Hebr 12,10 Unsere leiblichen Väter haben uns eine bestimmte Zeit nach bestem
Wissen und Gewissen erzogen. Gott aber weiß wirklich, was zu unserem Besten
dient. Denn wir sind seine Kinder und sollen ganz zu ihm gehören.
Hebr 12,11 Natürlich freut sich niemand darüber, wenn er gestraft wird; denn
Strafe tut weh. Aber später zeigt sich, wozu das alles gut war. Wer nämlich auf
diese Weise Ausdauer gelernt hat, der tut, was Gott gefällt, und ist von seinem
Frieden erfüllt.
Hebr 12,12 Darum heißt es: »Stärkt die kraftlosen Hände! Lasst die zitternden
Knie wieder fest werden!«
Hebr 12,13 Bleibt auf dem geraden Weg, damit die Schwachen nicht fallen, sondern
neuen Mut fassen und wieder gesund werden.
Hebr 12,14 Setzt alles daran, mit jedem Menschen Frieden zu haben und mit eurem
ganzen Leben Gott zu gehören. Sonst werdet ihr den Herrn niemals sehen.
Hebr 12,15 Achtet darauf, dass keiner von euch an Gottes Gnade gleichgültig
vorübergeht, damit sich das Böse nicht bei euch breit macht und die ganze
Gemeinde vergiftet.
Hebr 12,16 Keiner von euch soll ein zügelloses Leben führen wie Esau, der Gott
den Rücken gekehrt hatte. Für ein Linsengericht verschleuderte er das Vorrecht,
als ältester Sohn das Erbe und den besonderen Segen seines Vaters zu erhalten.
Hebr 12,17 Später wollte er alles wieder rückgängig machen und flehte seinen
Vater unter Tränen um diesen Segen an. Doch da war es zu spät.
Hebr 12,18 Ihr habt noch Größeres erlebt als damals die Israeliten. Der Berg
Sinai, zu dem sie gekommen waren, war ein irdischer Berg. Sie sahen ihn im Feuer
lodern, als Mose von Gott die Gebote erhielt. Dann wurde es finster wie in der
Nacht, ein Sturm brach los,
Hebr 12,19 und nach einem lauten Fanfarenstoß hörten die Israeliten eine
mächtige Stimme wie das Rollen des Donners. Erschrocken bat das Volk, diese
Stimme nicht länger hören zu müssen.
Hebr 12,20 Sie konnten nicht ertragen, dass Gott ihnen befahl: »Jedes Tier, das
diesen Berg auch nur berührt, soll gesteinigt werden.«
Hebr 12,21 Was sich vor ihren Augen und Ohren ereignete, war so furchterregend,
dass sogar Mose bekannte: »Ich zittere vor Angst und Schrecken!«
Hebr 12,22 Ihr dagegen seid zum himmlischen Berg Zion gekommen und in die Stadt
des lebendigen Gottes. Das ist das himmlische Jerusalem, wo ihr Gott zusammen
mit seinen vielen tausend Engeln bei einem großen Fest anbetet.
Hebr 12,23 Ihr gehört zu seinen Kindern, die er besonders gesegnet hat und deren
Namen im Himmel aufgeschrieben sind. Ihr habt eure Zuflucht zu Gott genommen,
der alle Menschen richten wird. Ihr gehört zu derselben großen Gemeinde wie alle
diese Vorbilder des Glaubens, die bereits am Ziel sind und Gottes Anerkennung
gefunden haben.
Hebr 12,24 Ja, ihr seid zu Jesus selbst gekommen, der als Vermittler zwischen
Gott und uns Menschen den neuen Bund in Kraft gesetzt hat. Um euch von euren
Sünden zu reinigen, hat Christus am Kreuz sein Blut vergossen. Das Blut Abels,
der von seinem Bruder umgebracht wurde, schrie nach Rache, aber das Blut Christi
spricht von der Vergebung.
Hebr 12,25 Hört also auf den, der jetzt zu euch redet. Weigert euch nicht - wie
damals das Volk Israel -, auf seine Stimme zu hören. Sie sind ihrer Strafe nicht
entgangen, weil sie am Berg Sinai Gott nicht gehorchen wollten. Uns wird die
Strafe noch viel härter treffen, wenn wir den zurückweisen, der jetzt vom Himmel
her zu uns spricht.
Hebr 12,26 Damals hat seine Stimme nur die Erde erbeben lassen. Doch jetzt
kündigt er an: »Noch einmal werde ich die Erde erschüttern und auch den Himmel!«
Hebr 12,27 Dieses »Noch einmal« bedeutet: Alles, was Gott geschaffen hat, wird
er dann von Grund auf verändern. Bleiben wird allein das Ewige, das nicht
erschüttert werden kann.
Hebr 12,28 Auf uns wartet also eine neue Welt, die niemals erschüttert wird.
Dafür wollen wir Gott von Herzen danken und ihm voller Ehrfurcht dienen, damit
er Freude an uns hat.
Hebr 12,29 Denn unser Gott ist wie ein Feuer, dem nichts standhalten kann.
Hebr 13,1 Liebt einander weiter als Brüder und Schwestern.
Hebr 13,2 Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn ohne es zu wissen haben
manche auf diese Weise Engel bei sich aufgenommen.
Hebr 13,3 Kümmert euch um alle, die wegen ihres Glaubens gefangen sind. Sorgt
für sie wie für euch selbst. Steht den Christen bei, die verhört und misshandelt
werden. Leidet mit ihnen, als würden die Schläge euch treffen.
Hebr 13,4 Achtet die Ehe, und haltet euch als Ehepartner die Treue. Gott wird
jeden verurteilen, der sexuell zügellos lebt und die Ehe bricht.
Hebr 13,5 Seid nicht hinter dem Geld her, sondern seid zufrieden mit dem, was
ihr habt. Denn Gott hat uns versprochen: »Ich lasse dich nicht im Stich, nie
wende ich mich von dir ab.«
Hebr 13,6 Deshalb können wir voller Vertrauen bekennen: »Der Herr hilft mir, und
ich brauche mich vor nichts und niemandem zu fürchten. Was kann mir ein Mensch
schon antun?«
Hebr 13,7 Denkt an die Leiter eurer Gemeinden, die euch Gottes Botschaft
weitersagten! Vergesst nicht, wie sie Gott bis zu ihrem Lebensende die Treue
gehalten haben. Nehmt euch ihren Glauben zum Vorbild.
Hebr 13,8 Jesus Christus ist und bleibt derselbe, gestern, heute und für immer.
Hebr 13,9 Darum lasst euch nicht durch alle möglichen Lehren in die Irre führen.
Es ist das Größte, wenn jemand seine ganze Hoffnung auf Gottes Gnade setzt und
sich durch nichts davon abbringen lässt. Fest im Glauben wird man nicht, indem
man auf bestimmte Speisen verzichtet. Das hat noch niemandem genützt.
Hebr 13,10 Wir haben einen Altar, das Kreuz, an dem Jesus seinen Leib als Opfer
darbrachte. Daran haben die keinen Anteil, die ihre Rettung von den Opfern im
jüdischen Heiligtum erwarten.
Hebr 13,11 Einmal im Jahr - am großen Versöhnungstag - bringt der Hohepriester
das Blut von Opfertieren in das Allerheiligste, um die Sünden des Volkes zu
sühnen. Die Tiere selbst werden aber außerhalb der Stadt verbrannt.
Hebr 13,12 So starb auch Jesus außerhalb der Stadt, um durch sein Blut die
Menschen von ihrer Schuld zu befreien.
Hebr 13,13 Lasst uns zu ihm hinausgehen und die Verachtung mittragen, die ihn
getroffen hat.
Hebr 13,14 Denn auf dieser Erde gibt es keine Stadt, in der wir für immer zu
Hause sein können. Sehnsüchtig warten wir auf die Stadt, die im Himmel für uns
erbaut ist.
Hebr 13,15 Wir wollen nicht aufhören, Gott im Namen Jesu zu loben und ihm zu
danken. Das sind unsere Opfer, mit denen wir uns zu Gott bekennen.
Hebr 13,16 Und vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. An
solchen Opfern hat Gott Freude.
Hebr 13,17 Hört auf die Leiter eurer Gemeinden und folgt ihrem Rat. Sie müssen
einmal Rechenschaft über euch ablegen, denn sie sind für euch verantwortlich.
Macht ihnen das nicht zu schwer; sie sollen doch ihre Aufgabe mit Freude tun und
sie nicht als eine bedrückende Last empfinden. Dies würde euch nur selber
schaden.
Hebr 13,18 Betet für uns! Wir haben ein gutes Gewissen, denn wir wollen in jeder
Weise ein Leben führen, das Gott gefällt.
Hebr 13,19 Betet vor allem darum, dass ich bald wieder zu euch kommen kann.
Hebr 13,20 [20/21] Ich wünsche euch nun von Herzen, dass Gott selbst euch hilft,
das Gute zu tun und seinen Willen zu erfüllen. Er ist es ja, der uns seinen
Frieden schenkt. Er hat unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt.
Ihn, durch dessen Blut der neue und ewig gültige Bund geschlossen wurde, ihn hat
er zum wahren Hirten seiner Herde gemacht. Jesus Christus wird euch die Kraft
geben, das zu tun, was Gott gefällt. Ihn wollen wir bis in alle Ewigkeit loben
und ehren. Amen.
Hebr 13,22 Ich bitte euch, liebe Brüder und Schwestern: Lasst euch von meinem
Brief ermahnen und ermutigen! Ich habe euch ja nur kurz geschrieben.
Hebr 13,23 Zum Schluss möchte ich euch noch mitteilen, dass unser Bruder
Timotheus freigelassen worden ist. Sobald er kommt, wollen wir euch gemeinsam
besuchen.
Hebr 13,24 Viele Grüße sende ich an eure Gemeinden und an alle ihre Leiter. Die
Christen aus Italien lassen euch grüßen.
Hebr 13,25 Gottes Gnade sei mit euch allen!
Jak 1,1 Jakobus, der Gott und unserem Herrn Jesus Christus dient, grüßt mit
diesem Brief die zwölf Stämme Israels, die über die ganze Welt zerstreut in der
Fremde leben.
Jak 1,2 Liebe Brüder und Schwestern! Betrachtet es als Grund zur Freude, wenn
euer Glaube immer wieder hart auf die Probe gestellt wird.
Jak 1,3 Denn durch solche Bewährungsproben wird euer Glaube fest und
unerschütterlich.
Jak 1,4 Bis zuletzt sollt ihr so unerschütterlich festbleiben, damit ihr in
jeder Beziehung zu reifen Christen werdet und niemand euch etwas vorwerfen kann
oder etwas an euch zu bemängeln hat.
Jak 1,5 Wenn es jemandem von euch an Weisheit fehlt, soll er Gott darum bitten,
und Gott wird sie ihm geben. Ihr wisst doch, dass er niemandem seine
Unwissenheit vorwirft und dass er jeden reich beschenkt.
Jak 1,6 Betet aber in großer Zuversicht, und zweifelt nicht; denn wer zweifelt,
gleicht den Wellen im Meer, die vom Sturm hin- und hergetrieben werden.
Jak 1,7 Ein solcher Mensch kann nicht erwarten, dass Gott ihm etwas gibt.
Jak 1,8 In allem, was er tut, ist er unbeständig und hin- und hergerissen.
Jak 1,9 Wer arm ist und wenig beachtet wird, soll sich darüber freuen, dass er
vor Gott hoch angesehen ist.
Jak 1,10 Ein Reicher dagegen soll niemals vergessen, wie wenig sein irdischer
Besitz vor Gott zählt. Wie eine Blume auf dem Feld wird er samt seinem Reichtum
vergehen.
Jak 1,11 In der glühenden Mittagshitze verdorrt das Gras, die Blüten fallen ab,
und alle Schönheit ist dahin. Ebenso wird es den Reichen ergehen. All ihre
Geschäftigkeit bewahrt sie nicht vor Tod und Verderben.
Jak 1,12 Glücklich ist, wer die Bewährungsproben besteht und im Glauben
festbleibt. Gott wird ihn mit dem Siegeskranz, dem ewigen Leben, krönen. Das hat
er allen versprochen, die ihn lieben.
Jak 1,13 Niemand, der in Versuchung gerät, kann behaupten: »Diese Versuchung
kommt von Gott.« Denn Gott kann nicht vom Bösen verführt werden, und er verführt
auch niemanden zum Bösen.
Jak 1,14 Es sind vielmehr unsere eigenen selbstsüchtigen Wünsche, die uns immer
wieder zum Bösen verlocken.
Jak 1,15 Geben wir ihnen nach, dann haben wir das Böse empfangen und bringen die
Sünde zur Welt. Sie aber führt unweigerlich zum Tod.
Jak 1,16 Lasst euch also nichts vormachen, liebe Brüder und Schwestern!
Jak 1,17 Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des
Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis.
Jak 1,18 Es war sein Wille, dass er uns durch das Wort der Wahrheit, durch die
rettende Botschaft, neues Leben geschenkt hat. So sind wir der Anfang einer
neuen Schöpfung geworden.
Jak 1,19 Denkt daran, liebe Brüder und Schwestern: Seid immer sofort bereit,
jemandem zuzuhören; aber überlegt genau, bevor ihr selbst redet. Und hütet euch
vor unbeherrschtem Zorn!
Jak 1,20 Denn im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt.
Jak 1,21 Deshalb trennt euch von aller Schuld und allem Bösen. Nehmt vielmehr
bereitwillig Gottes Botschaft an, die er wie ein Samenkorn in euch gelegt hat.
Sie hat die Kraft, euch zu retten.
Jak 1,22 Allerdings genügt es nicht, seine Botschaft nur anzuhören; ihr müsst
auch danach handeln. Alles andere ist Selbstbetrug!
Jak 1,23 Wer Gottes Botschaft nur hört, sie aber nicht in die Tat umsetzt, dem
geht es wie einem Mann, der in den Spiegel schaut.
Jak 1,24 Er betrachtet sich, geht wieder weg und hat auch schon vergessen, wie
er aussieht.
Jak 1,25 Ganz anders ist es dagegen bei dem, der nicht nur hört, sondern immer
wieder danach handelt. Er beschäftigt sich gründlich mit Gottes Gesetz, das
vollkommen ist und frei macht. Er kann glücklich sein, denn Gott wird alles
segnen, was er tut.
Jak 1,26 Wer sich für fromm hält, aber seine Zunge nicht zügeln kann, der macht
sich selbst etwas vor. Seine Frömmigkeit ist nichts wert.
Jak 1,27 Witwen und Waisen in ihrer Not zu helfen und sich vom gottlosen Treiben
dieser Welt nicht verführen zu lassen: das ist wirkliche Frömmigkeit, mit der
man Gott, dem Vater, dient.
Jak 2,1 Liebe Brüder und Schwestern! Wenn ihr an den Herrn Jesus Christus
glaubt, dem allein alle Herrlichkeit zusteht, dann lasst euch nicht vom Rang und
Ansehen der Menschen beeindrucken!
Jak 2,2 Stellt euch einmal vor, in eure Gemeinde kommt ein vornehm gekleideter
Mann mit einem goldenen Ring am Finger. Zur selben Zeit kommt einer, der arm und
schäbig gekleidet ist.
Jak 2,3 Wie würdet ihr euch verhalten? Ihr würdet euch von dem Reichen
beeindrucken lassen und ihm eilfertig anbieten: »Hier ist noch ein guter Platz
für Sie!« Aber zu dem Armen würdet ihr sicherlich sagen: »Bleib stehen, oder
setz dich neben meinem Stuhl auf den Fußboden.«
Jak 2,4 Habt ihr da nicht mit zweierlei Maß gemessen und euch in eurem Urteil
von menschlicher Eitelkeit leiten lassen?
Jak 2,5 Hört mir gut zu, liebe Brüder und Schwestern: Hat Gott nicht gerade die
erwählt, die vor der Welt arm sind? Sie sollen im Glauben reich werden, und Gott
wird sie in seine neue Welt aufnehmen, die er allen zugesagt hat, die ihn
lieben.
Jak 2,6 Ihr dagegen behandelt die Armen geringschätzig. Habt ihr denn noch nicht
gemerkt, dass es gerade die Reichen sind, die euch unterdrücken und vor die
Gerichte schleppen?
Jak 2,7 Wie oft sind gerade sie es, die Jesus Christus verhöhnen, auf dessen
Namen ihr getauft seid!
Jak 2,8 Lebt nach dem wichtigsten Gebot in Gottes neuer Welt: »Liebe deinen
Mitmenschen wie dich selbst!« Wenn ihr das in die Tat umsetzt, handelt ihr
richtig.
Jak 2,9 Beurteilt ihr dagegen Arme und Reiche nach unterschiedlichen Maßstäben,
dann verstoßt ihr gegen Gottes Gebot und werdet schuldig.
Jak 2,10 Es hilft dann nichts, wenn ihr alle anderen Gebote Gottes genau
einhaltet. Wer nämlich auch nur gegen ein einziges seiner Gebote verstößt, der
hat das ganze Gesetz übertreten.
Jak 2,11 Denn Gott, der gesagt hat: »Du sollst nicht ehebrechen!«, der hat auch
bestimmt: »Du sollst nicht töten!« Wenn du nun zwar nicht die Ehe brichst, aber
einen Menschen tötest, so hast du Gottes Gesetz übertreten.
Jak 2,12 Maßstab eures Redens und Handelns soll das Gesetz Gottes sein, das euch
Freiheit schenkt. Danach werdet ihr einmal gerichtet.
Jak 2,13 Ohne Gnade wird dann über den das Urteil gesprochen, der selbst kein
Erbarmen gehabt hat. Wer aber barmherzig ist, braucht das Gericht nicht zu
fürchten.
Jak 2,14 Liebe Brüder und Schwestern! Welchen Wert hat es, wenn jemand
behauptet, an Christus zu glauben, aber an seinen Taten ist das nicht zu
erkennen! Kann ihn ein solcher Glaube vor Gottes Urteil retten?
Jak 2,15 Stellt euch vor, in eurer Gemeinde sind einige in Not. Sie haben weder
etwas anzuziehen noch genug zu essen.
Jak 2,16 Wenn nun einer von euch zu ihnen sagt: »Ich wünsche euch alles Gute!
Hoffentlich bekommt ihr warme Kleider und könnt euch satt essen!«, was nützt
ihnen das, wenn ihr ihnen nicht gebt, was sie zum Leben brauchen?
Jak 2,17 Genauso nutzlos ist ein Glaube, der sich nicht in der Liebe zum
Mitmenschen beweist: Er ist tot.
Jak 2,18 Nun könnte jemand sagen: »Der eine glaubt, und der andere tut Gutes.«
Ihm müsste ich antworten: »Zeig doch einmal deinen Glauben her, der keine guten
Taten hervorbringt! Meinen Glauben kann ich dir zeigen. Du brauchst dir nur
anzusehen, was ich tue.«
Jak 2,19 Du glaubst, dass es nur einen einzigen Gott gibt? Gut und schön. Aber
das glauben sogar die Dämonen - und zittern vor Angst.
Jak 2,20 Wann endlich wirst du törichter Mensch einsehen, dass der Glaube nichts
wert ist, wenn wir nicht auch tun, was Gott von uns will?
Jak 2,21 Erinnert euch an Abraham, unseren Stammvater! Sogar er fand vor Gott
erst Anerkennung, nachdem er getan hatte, was Gott von ihm verlangt hatte. Er
war bereit, seinen Sohn Isaak als Opfer auf den Altar zu legen.
Jak 2,22 Hier wird ganz deutlich: Bei ihm gehörten Glaube und Tun zusammen; und
erst durch sein gehorsames Handeln wurde sein Glaube vollkommen.
Jak 2,23 Das meint auch die Heilige Schrift, wenn sie sagt: »Abraham glaubte
Gott, und so fand er seine Anerkennung.« Ja, er wurde sogar der »Freund Gottes«
genannt.
Jak 2,24 Ihr seht also: Wir werden nur dann von Gott angenommen, wenn unser
Glaube auch Taten hervorbringt. Der Glaube allein genügt nicht.
Jak 2,25 Auch die Prostituierte Rahab ist dafür ein Beispiel. Sie fand bei Gott
Anerkennung, weil sie die Kundschafter der Israeliten bei sich versteckte und
ihnen auf einem sicheren Weg die Flucht ermöglichte.
Jak 2,26 So wie der Körper ohne den Geist tot ist, so auch der Glaube ohne
Taten.
Jak 3,1 Liebe Brüder und Schwestern! Es sollten sich nicht so viele in der
Gemeinde danach drängen, andere im Glauben zu unterweisen. Denn ihr wisst ja:
Wer andere lehrt, wird von Gott nach besonders strengen Maßstäben beurteilt.
Jak 3,2 Und machen wir nicht alle immer wieder Fehler? Wem es freilich gelingt,
nie ein verkehrtes Wort zu sagen, den kann man als vollkommen bezeichnen. Denn
wer seine Zunge im Zaum hält, der kann auch seinen ganzen Körper beherrschen.
Jak 3,3 So legen wir zum Beispiel den Pferden das Zaumzeug ins Maul und
beherrschen sie damit.
Jak 3,4 Und selbst die großen Schiffe, die nur von starken Winden vorangetrieben
werden können, lenkt der Steuermann mit einem kleinen Ruder, wohin er will.
Jak 3,5 Genauso ist es mit unserer Zunge. So klein sie auch ist, so groß ist
ihre Wirkung! Ein kleiner Funke setzt einen ganzen Wald in Brand.
Jak 3,6 Mit einem solchen Feuer lässt sich auch die Zunge vergleichen. Sie kann
eine ganze Welt voller Ungerechtigkeit und Bosheit sein. Sie vergiftet uns und
unser Leben, sie steckt unsere ganze Umgebung in Brand, und sie selbst ist vom
Feuer der Hölle entzündet.
Jak 3,7 Die Menschen haben es gelernt, wilde Tiere, Vögel, Schlangen und Fische
zu zähmen und unter ihre Gewalt zu bringen.
Jak 3,8 Aber seine Zunge kann kein Mensch zähmen. Ungebändigt verbreitet sie ihr
tödliches Gift.
Jak 3,9 Mit unserer Zunge loben wir Gott, unseren Herrn und Vater, und mit
derselben Zunge verfluchen wir unsere Mitmenschen, die doch nach Gottes Ebenbild
geschaffen sind.
Jak 3,10 Segen und Fluch kommen aus ein und demselben Mund. Aber genau das,
meine lieben Brüder und Schwestern, darf es bei euch nicht geben!
Jak 3,11 Fließt denn aus einer Quelle gleichzeitig frisches und ungenießbares
Wasser?
Jak 3,12 Kann man Oliven von Feigenbäumen pflücken oder Feigen vom Weinstock?
Ebenso wenig kann man aus einer salzigen Quelle frisches Wasser schöpfen.
Jak 3,13 Hält sich jemand von euch für klug und weise? Dann soll das an seinem
ganzen Leben abzulesen sein, an seiner Freundlichkeit und Güte. Sie sind
Kennzeichen der wahren Weisheit.
Jak 3,14 Seid ihr aber voller Neid und Streitsucht, dann braucht ihr euch auf
eure angebliche Weisheit nichts einzubilden. In Wirklichkeit verdreht ihr so die
Wahrheit.
Jak 3,15 Eine solche Weisheit kann niemals von Gott kommen. Sie ist irdisch,
ungeistlich, ja teuflisch.
Jak 3,16 Wo Neid und Streitsucht herrschen, da gerät alles in Unordnung; da wird
jeder Gemeinheit Tür und Tor geöffnet.
Jak 3,17 Die Weisheit aber, die von Gott kommt, ist vor allem aufrichtig;
außerdem sucht sie den Frieden, sie ist freundlich, bereit nachzugeben und lässt
sich etwas sagen. Sie hat Mitleid mit anderen und bewirkt Gutes; sie ist
unparteiisch, ohne Vorurteile und ohne alle Heuchelei.
Jak 3,18 Nur wer selber Frieden schafft, wird die Gerechtigkeit ernten, die dort
aufgeht, wo Frieden herrscht.
Jak 4,1 Wieso gibt es denn bei euch so viel Kämpfe und Streitigkeiten? Kommt
nicht alles daher, dass ihr euren Leidenschaften und Trieben nicht widerstehen
könnt?
Jak 4,2 Ihr wollt alles haben und werdet nichts bekommen. Ihr seid voller Neid
und tödlichem Hass; doch gewinnen werdet ihr dadurch nichts. Eure Streitigkeiten
und Kämpfe nützen euch gar nichts. Solange ihr nicht Gott bittet, werdet ihr
nichts empfangen.
Jak 4,3 Wenn ihr freilich Gott nur darum bittet, eure selbstsüchtigen Wünsche zu
erfüllen, wird er euch nichts geben.
Jak 4,4 Ihr Treulosen! Ist euch denn nicht klar, dass Freundschaft mit der Welt
zugleich Feindschaft mit Gott bedeutet? Wer also ein Freund dieser Welt sein
will, der wird zum Feind Gottes.
Jak 4,5 Oder meint ihr, die Heilige Schrift sagt ohne jeden Grund:
»Leidenschaftlich wünscht sich Gott, dass der Geist, den er in uns wohnen lässt,
ganz ihm gehört«?
Jak 4,6 Aber was Gott uns schenken will, ist noch viel mehr. Darum heißt es
auch: »Die Hochmütigen weist Gott von sich; aber er hilft denen, die wissen,
dass sie ihn brauchen.«
Jak 4,7 Unterstellt euch Gott, und widersetzt euch dem Teufel. Dann muss er von
euch fliehen.
Jak 4,8 Sucht die Nähe Gottes, dann wird er euch nahe sein. Wascht die Schuld
von euren Händen, ihr Sünder, und lasst Gott allein in euren Herzen wohnen, ihr
Unentschiedenen!
Jak 4,9 Seht doch endlich ein, wie groß eure Schuld ist; erschreckt und trauert
darüber! Dann werdet ihr nicht mehr lachen, sondern weinen; und aus eurer Freude
wird Traurigkeit.
Jak 4,10 Beugt euch vor dem Herrn! Erst dann wird Gott euch aufrichten.
Jak 4,11 Redet nicht schlecht übereinander, liebe Brüder und Schwestern! Denn
wer jemandem Schlechtes nachsagt oder ihn verurteilt, der verstößt gegen Gottes
Gesetz. Anstatt es zu befolgen, spielt er sich als Richter auf.
Jak 4,12 Gott allein ist beides: Gesetzgeber und Richter. Nur er kann
verurteilen oder von Schuld freisprechen. Woher nimmst du dir also das Recht,
deine Mitmenschen zu verurteilen?
Jak 4,13 Noch etwas will ich euch sagen. Manche von euch kündigen an: »Heute
oder morgen wollen wir hier- und dorthin reisen. Wir wollen dort ein Jahr
bleiben, gute Geschäfte machen und viel Geld verdienen.«
Jak 4,14 Dabei wisst ihr nicht einmal, was morgen geschieht! Was ist denn schon
euer Leben? Nichts als ein leiser Hauch, der - kaum ist er da - auch schon
wieder verschwindet.
Jak 4,15 Darum sollt ihr lieber sagen: »Wenn der Herr will und wir leben, wollen
wir dieses oder jenes tun.«
Jak 4,16 Ihr aber seid stolz auf eure Pläne und gebt damit an. Eine solche
Überheblichkeit ist verwerflich.
Jak 4,17 Wer Gelegenheit hat, Gutes zu tun, und tut es trotzdem nicht, der wird
vor Gott schuldig.
Jak 5,1 Nun zu euch, ihr Reichen! Weint und klagt über all das Elend, das über
euch hereinbrechen wird!
Jak 5,2 Euer Reichtum verrottet, und die Motten zerfressen eure kostbaren
Kleider.
Jak 5,3 Euer Gold und Silber verrostet. All das wird euch anklagen. Ihr selbst
werdet vergehen wie euer Reichtum. Warum seid ihr - so kurz vor dem Ende dieser
Welt - nur auf Reichtum aus gewesen?
Jak 5,4 Der Herr, der allmächtige Gott, hat den Schrei eurer Erntearbeiter
gehört, die ihr um ihren verdienten Lohn betrogen habt.
Jak 5,5 Euch dagegen ist es auf dieser Erde gut ergangen, ihr habt in Saus und
Braus gelebt und euch doch nur für den Schlachttag gemästet.
Jak 5,6 Unschuldige habt ihr verurteilt und umgebracht, und sie haben sich nicht
gegen euch gewehrt.
Jak 5,7 Meine Brüder und Schwestern, wartet geduldig, bis der Herr kommt. Muss
nicht auch der Bauer mit viel Geduld abwarten, bis er die Ernte einfahren kann?
Er weiß, dass die Saat dazu den Herbstregen und den Frühlingsregen braucht.
Jak 5,8 Auch ihr müsst geduldig sein und dürft nicht mutlos werden, denn der
Herr kommt bald.
Jak 5,9 Klagt nicht übereinander, liebe Brüder und Schwestern! Sonst wird Gott
euch verurteilen. Bedenkt: Der Richter steht schon vor der Tür.
Jak 5,10 Nehmt euch ein Beispiel an den Propheten, die im Auftrag des Herrn
gesprochen haben. Wie vorbildlich und mit welcher Geduld haben sie alle Leiden
ertragen!
Jak 5,11 Menschen, die so standhaft waren, sind wirklich glücklich zu nennen.
Denkt doch nur an Hiob! Ihr habt alle schon gehört, wie geduldig er sein Leiden
ertragen hat. Und ihr wisst, dass der Herr in seiner Barmherzigkeit und Liebe
alles zu einem guten Ende führte.
Jak 5,12 Um eines möchte ich euch vor allem noch bitten, meine Brüder und
Schwestern: Schwört nicht; weder beim Himmel noch bei der Erde, noch bei sonst
etwas! Wenn ihr »Ja« sagt, dann muss man sich darauf verlassen können. Und wenn
ihr »Nein« sagt, dann steht auch dazu. Sonst müsst ihr euch vor Gottes Gericht
dafür verantworten.
Jak 5,13 Leidet jemand unter euch? Dann soll er beten! Hat einer Grund zur
Freude? Dann soll er Gott Loblieder singen.
Jak 5,14 Wenn jemand von euch krank ist, soll er die Gemeindeleiter zu sich
rufen, damit sie für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben.
Jak 5,15 Wenn sie im festen Vertrauen beten, wird der Herr dem Kranken helfen.
Er wird ihn aufrichten und ihm vergeben, wenn er Schuld auf sich geladen hat.
Jak 5,16 Bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt
werdet. Denn das Gebet eines Menschen, der nach Gottes Willen lebt, hat große
Kraft.
Jak 5,17 Elia war ein Mensch wie wir. Er betete inständig, es möge nicht regnen,
und tatsächlich fiel dreieinhalb Jahre kein Wassertropfen auf das Land.
Jak 5,18 Dann betete er um Regen. Da regnete es, und alles Land wurde grün und
brachte wieder Früchte hervor.
Jak 5,19 Liebe Brüder und Schwestern! Wenn einer von euch vom rechten Weg
abkommt, dann sollt ihr ihn zur Umkehr bewegen.
Jak 5,20 Ihr müsst nämlich wissen: Wer einen Sünder von seinem falschen Weg
abbringt, der hat diesen Menschen vor dem sicheren Verderben gerettet, denn Gott
hat ihm seine Sünden vergeben.
1Petr 1,1 Diesen Brief schreibt Petrus, den Jesus Christus zu seinem Apostel
berufen hat, an alle Christen, die als Fremde überall in den Provinzen Pontus,
Galatien, Kappadozien, Asia und Bithynien mitten unter Menschen leben, die nicht
an Christus glauben.
1Petr 1,2 Ihr seid Gottes Kinder geworden, weil Gott, unser Vater, euch von
Anfang an dazu auserwählt hat. Durch die Kraft des Heiligen Geistes könnt ihr
jetzt Jesus Christus als euren Herrn anerkennen, weil er am Kreuz sein Blut für
euch vergossen und euch von eurer Schuld befreit hat. Gott schenke euch immer
mehr seine Gnade und seinen Frieden.
1Petr 1,3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem
grenzenlosen Erbarmen hat er uns neues Leben geschenkt. Weil Jesus Christus von
den Toten auferstanden ist, haben wir die Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben.
1Petr 1,4 Es ist die Hoffnung auf ein ewiges, von keiner Sünde beschmutztes und
unzerstörbares Erbe, das Gott im Himmel für euch bereithält.
1Petr 1,5 Bis dahin wird euch Gott durch seine Kraft bewahren, weil ihr ihm
vertraut. Aber dann, am Ende der Zeit, werdet ihr selbst sehen, wie herrlich das
unvergängliche Leben ist, das Gott schon jetzt für euch bereithält.
1Petr 1,6 Darüber freut ihr euch von ganzem Herzen, auch wenn ihr jetzt noch für
eine kurze Zeit auf manche Proben gestellt werdet und viel erleiden müsst.
1Petr 1,7 So wird sich euer Glaube bewähren und sich wertvoller und beständiger
erweisen als pures Gold, das im Feuer vollkommen gereinigt wurde. Lob, Preis und
Ehre werdet ihr dann an dem Tag empfangen, an dem Christus für alle sichtbar
kommt.
1Petr 1,8 Ihr habt ihn nie gesehen und liebt ihn doch. Ihr glaubt an ihn, obwohl
ihr ihn auch jetzt nicht sehen könnt, und eure Freude ist grenzenlos,
1Petr 1,9 denn ihr kennt das Ziel eures Glaubens: die Rettung für alle Ewigkeit.
1Petr 1,10 Schon die Propheten haben nach dieser Rettung gesucht und geforscht,
und sie haben vorausgesagt, wie reich Gott euch beschenken würde.
1Petr 1,11 In ihnen wirkte bereits der Geist Christi. Er zeigte ihnen, dass
Christus leiden müsste und danach Ruhm und Herrlichkeit empfangen würde.
Daraufhin forschten die Propheten, wann und wie dies geschehen sollte.
1Petr 1,12 Gott ließ sie wissen, dass diese Offenbarungen nicht ihnen selbst
galten, sondern euch. Nun sind sie euch verkündet worden, und zwar von denen,
die euch die rettende Botschaft gebracht haben. Gott erfüllte sie dazu mit dem
Heiligen Geist, den er vom Himmel zu ihnen sandte. Diese Botschaft ist so
einzigartig, dass selbst die Engel gern mehr davon erfahren würden.
1Petr 1,13 Darum seid bereit und stellt euch ganz und gar auf das Ziel eures
Glaubens ein. Lasst euch nichts vormachen, seid nüchtern und richtet all eure
Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit, die er euch in vollem Ausmaß an dem Tag
erweisen wird, wenn Jesus Christus für alle sichtbar kommt.
1Petr 1,14 Weil ihr Gottes Kinder seid, gehorcht ihm und lebt nicht mehr wie
früher, als ihr euch von euren Leidenschaften beherrschen ließt und Gott noch
nicht kanntet.
1Petr 1,15 Der heilige Gott hat euch schließlich dazu berufen, ganz zu ihm zu
gehören. Danach richtet euer Leben aus!
1Petr 1,16 Genau das meint Gott, wenn er sagt: »Ihr sollt heilig sein, denn ich
bin heilig.«
1Petr 1,17 Ihr betet zu Gott als eurem Vater und wisst, dass er jeden von euch
nach seinem Verhalten richten wird; er bevorzugt oder benachteiligt niemanden.
Deswegen führt euer Leben in Ehrfurcht vor Gott, solange ihr als Fremde mitten
unter den Menschen lebt, die nicht an Christus glauben.
1Petr 1,18 Denkt daran, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der
Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben, wie es schon eure Vorfahren
geführt haben. Christus hat euch losgekauft, aber nicht mit vergänglichem Silber
oder Gold,
1Petr 1,19 sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut, das er wie ein
unschuldiges, fehlerloses Lamm für uns geopfert hat.
1Petr 1,20 Schon bevor Gott die Welt erschuf, hatte er beschlossen, Christus zu
euch zu schicken. Aber erst jetzt, in dieser letzten Zeit, ist Christus
euretwegen in die Welt gekommen.
1Petr 1,21 Durch ihn habt ihr zum Glauben an Gott gefunden. Gott hat Jesus
Christus von den Toten auferweckt und ihm seine göttliche Herrlichkeit gegeben,
damit ihr an ihn glaubt und eure ganze Hoffnung auf ihn setzt.
1Petr 1,22 Ihr habt euch nun der Wahrheit, die Christus brachte, zugewandt und
habt ihm gehorcht. Darum seid ihr fähig geworden, einander aufrichtig zu lieben.
So handelt auch danach, und liebt einander von ganzem Herzen.
1Petr 1,23 Ihr seid ja neu geboren worden. Und das verdankt ihr nicht euren
Eltern, die euch das irdische Leben schenkten; nein, Gott selbst hat euch durch
sein lebendiges und ewiges Wort neues, unvergängliches Leben geschenkt.
1Petr 1,24 Ja, es stimmt: »Die Menschen sind wie das Gras, und ihre Schönheit
gleicht den Blumen: Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken.
1Petr 1,25 Aber das Wort des Herrn bleibt gültig für immer und ewig.« Und genau
dieses Wort ist die rettende Botschaft, die euch verkündet wurde.
1Petr 2,1 Hört auf mit aller Bosheit und allem Betrug! Heuchelei, Neid und
Verleumdung darf es bei euch nicht länger geben.
1Petr 2,2 Wie ein neugeborenes Kind nach Milch schreit, so sollt ihr nach der
unverfälschten Lehre unseres Glaubens verlangen. Dann werdet ihr im Glauben
wachsen und das Ziel, eure endgültige Rettung, erreichen.
1Petr 2,3 Ihr habt ja selbst erfahren, wie gut der Herr ist.
1Petr 2,4 Zu ihm dürft ihr kommen. Er ist der lebendige Stein, den die Menschen
weggeworfen haben. Aber in Gottes Augen ist er wertvoll und kostbar.
1Petr 2,5 Lasst auch ihr euch als lebendige Steine zu einem Haus aufbauen, das
Gott gehört. Darin sollt ihr als seine Priester dienen, die ihm als Opfer ihr
Leben zur Verfügung stellen. Um Jesu willen nimmt Gott diese Opfer an.
1Petr 2,6 Es steht ja schon in der Heiligen Schrift: »Einen ausgewählten,
kostbaren Grundstein werde ich in Jerusalem legen. Wer auf ihn baut und ihm
vertraut, steht fest und sicher.«
1Petr 2,7 Ihr habt durch euren Glauben erkannt, wie wertvoll dieser Grundstein
ist. Für alle aber, die nicht glauben, gilt das Wort: »Der Stein, den die
Bauleute wegwarfen, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist zum Grundstein des
ganzen Hauses geworden.
1Petr 2,8 Er ist ein Stein, an dem sich die Menschen stoßen, ja, der sie zu Fall
bringt.« Denn sie stoßen sich nur deshalb daran, weil sie nicht auf Gottes
Botschaft hören. Gott selbst hat sie dazu bestimmt.
1Petr 2,9 Ihr aber seid ein von Gott auserwähltes Volk, seine königlichen
Priester, ihr gehört ganz zu ihm und seid sein Eigentum. Deshalb sollt ihr die
großen Taten Gottes verkünden, der euch aus der Finsternis befreit und in sein
wunderbares Licht geführt hat.
1Petr 2,10 Früher habt ihr nicht zu Gottes Volk gehört. Aber jetzt seid ihr
Gottes Volk! Früher kanntet ihr Gottes Barmherzigkeit nicht; doch jetzt habt ihr
sie erfahren.
1Petr 2,11 Meine lieben Freunde! Ihr wisst, dass ihr in dieser Welt Fremde seid;
sie ist nicht eure Heimat. Deshalb bitte ich euch eindringlich: Gebt den
Angeboten und Verlockungen dieser Welt nicht nach. Es geht in diesem Kampf um
euren Glauben!
1Petr 2,12 Lebt stattdessen so vorbildlich, dass die Menschen, die Gott nicht
kennen, darauf aufmerksam werden. Durch euer Verhalten sollen selbst die
überzeugt werden, die euch bösartig verleumden. Wenn Gott ihnen eines Tages die
Augen öffnet, werden auch sie ihn noch ehren.
1Petr 2,13 Denkt daran: Der Herr will, dass ihr euch den menschlichen Ordnungen
und Gesetzen fügt. Ordnet euch dem Kaiser unter, der das Land regiert,
1Petr 2,14 und auch seinen Statthaltern. Denn sie haben den Auftrag, diejenigen
zu bestrafen, die Gesetze übertreten, und die zu belohnen, die Gutes tun.
1Petr 2,15 Gott will, dass ihr durch euer vorbildliches Verhalten alle
überzeugt, die euch aus Unwissenheit oder Dummheit verleumden.
1Petr 2,16 Das könnt ihr tun, weil ihr freie Menschen geworden seid. Aber
missbraucht diese Freiheit nicht als Ausrede für euer eigenes Fehlverhalten!
Denn ihr seid frei geworden, damit ihr Gott dient.
1Petr 2,17 Achtet alle Menschen, und liebt eure Brüder und Schwestern! Habt
Ehrfurcht vor Gott, und bringt dem Kaiser den schuldigen Respekt entgegen.
1Petr 2,18 Ihr Sklaven, ordnet euch euren Herren mit der notwendigen Achtung
unter, nicht nur den guten und freundlichen, sondern auch den ungerechten.
1Petr 2,19 Es ist ein besonderes Geschenk Gottes, wenn jemand deshalb Böses
erträgt und Unrecht erduldet, weil er in seinem Gewissen an Gott gebunden ist.
1Petr 2,20 Kann denn jemand stolz darauf sein, wenn er die gerechte Strafe für
sein böses Handeln auf sich nimmt? Erträgt aber jemand Leid, obwohl er nur Gutes
getan hat, dann ist das ein Geschenk Gottes.
1Petr 2,21 Dazu hat euch Gott berufen. Denn auch Christus hat für euch gelitten,
und er hat euch ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt.
1Petr 2,22 Er hat keine Sünde getan; keine Lüge ist je über seine Lippen
gekommen.
1Petr 2,23 Beschimpfungen ertrug er ohne Widerspruch, gegen Misshandlungen
wehrte er sich nicht; lieber vertraute er sein Leben Gott an, der ein gerechter
Richter ist.
1Petr 2,24 Christus hat unsere Sünden auf sich genommen und sie selbst zum Kreuz
hinaufgetragen. Das bedeutet, dass wir für die Sünde tot sind und jetzt leben
können, wie es Gott gefällt. Durch seine Wunden hat Christus uns geheilt.
1Petr 2,25 Früher seid ihr herumgeirrt wie Schafe, die sich verlaufen hatten.
Aber jetzt habt ihr zu eurem Hirten zurückgefunden, zu Christus, der euch auf
den rechten Weg führt und schützt.
1Petr 3,1 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter! Auch ohne viele Worte
sollt ihr allein durch euer Vorbild eure Männer für Christus gewinnen, wenn sie
bisher nicht auf seine Botschaft hören wollten.
1Petr 3,2 Euer Vorbild und eure Ehrfurcht vor Gott überzeugen mehr als tausend
Worte.
1Petr 3,3 Nicht der äußerliche Schmuck - wie kunstvolle Frisuren, goldene Ketten
oder aufwendige Kleidung - soll für euch Frauen wichtig sein.
1Petr 3,4 Eure Schönheit soll von innen kommen! Schmückt euch mit
Unvergänglichem wie Freundlichkeit und Güte. Das gefällt Gott.
1Petr 3,5 So haben sich auch die gläubigen Frauen zur Zeit unserer Vorfahren
geschmückt: Sie setzten ihre ganze Hoffnung auf Gott und ordneten sich ihren
Männern unter.
1Petr 3,6 Sara vertraute sich Abrahams Führung an und nannte ihn ihren Herrn.
Ihr könnt euch als ihre Töchter betrachten, wenn ihr wie Sara das Gute tut und
euch durch nichts davon abbringen lasst.
1Petr 3,7 Ihr Männer, nehmt Rücksicht auf eure Frauen, so wie sie es als die
Schwächeren brauchen; achtet und ehrt sie. Vergesst nicht, dass Gott in seiner
Gnade allen das ewige Leben schenkt, Männern wie Frauen. Nichts soll zwischen
euch stehen, das euch am Beten hindert.
1Petr 3,8 Und noch etwas möchte ich euch sagen: Haltet fest zusammen! Nehmt
Anteil am Leben des anderen, und liebt einander wie Geschwister! Geht barmherzig
miteinander um, und seid nicht überheblich.
1Petr 3,9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem, bleibt freundlich, auch wenn man euch
beleidigt, und bittet Gott um seinen Segen für den anderen. Denn ihr wisst ja,
dass Gott auch euch dazu berufen hat, seinen Segen zu empfangen.
1Petr 3,10 Es heißt doch in der Heiligen Schrift: »Wer sich am Leben freuen und
gute Tage erleben will, der achte auf das, was er sagt. Keine Lüge, kein
gemeines Wort soll über seine Lippen kommen.
1Petr 3,11 Vom Bösen soll er sich abwenden und das Gute tun. Er setze sich
unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein.
1Petr 3,12 Denn Gott sieht mit Freude auf solche Menschen und wird ihre Gebete
erhören. Wer aber Böses tut, wird Gottes Zorn zu spüren bekommen.«
1Petr 3,13 Und wer sollte euch Böses tun, wenn ihr euch mit ganzer Kraft für das
Gute einsetzt?
1Petr 3,14 Doch selbst wenn ihr leiden müsst, weil ihr nach Gottes Willen lebt,
kann man euch glücklich nennen. Darum fürchtet euch nicht vor dem Leid, das euch
die Menschen zufügen, und lasst euch von ihnen nicht einschüchtern.
1Petr 3,15 Christus, der Herr, soll der Mittelpunkt eures Lebens sein. Seid
immer dazu bereit, denen Rede und Antwort zu stehen, die euch nach eurem Glauben
und eurer Hoffnung fragen.
1Petr 3,16 Begegnet ihnen freundlich und mit Respekt. Ihr sollt ein gutes
Gewissen haben! Dann nämlich werden alle, die Lügen über euch verbreitet haben,
beschämt sein. Sie werden erkennen, dass sie Menschen verleumdet haben, die in
der Verbundenheit mit Christus ein vorbildliches Leben führen.
1Petr 3,17 Es ist doch besser - wenn Gott es so will -, für das Gute zu leiden
als für etwas Schlechtes.
1Petr 3,18 Vergesst nicht, wie viel Christus für unsere Sünden leiden musste!
Er, der frei von jeder Schuld war, starb für uns schuldige Menschen, und zwar
ein für alle Mal. So hat er uns zu Gott geführt; sein Körper wurde am Kreuz
getötet, der Geist Gottes aber erweckte ihn zu neuem Leben.
1Petr 3,19 So ist er auch zu den Geistern in die Totenwelt gegangen, um ihnen
die Botschaft der Befreiung zu verkünden.
1Petr 3,20 Er ging zu denen, die zur Zeit Noahs gelebt hatten und Gott
ungehorsam gewesen waren. Geduldig hatte Gott gewartet, ob sie noch zu ihm
umkehren würden, während Noah schon die Arche baute. Aber nur acht Menschen
wurden in der Arche vor der Wasserflut gerettet.
1Petr 3,21 So wie diese acht Menschen damals erfahrt ihr heute eure Rettung in
der Taufe. Denn in der Taufe soll ja nicht der Schmutz von eurem Körper
abgewaschen werden. Vielmehr bitten wir Gott darum, uns ein reines Gewissen zu
schenken. Und das ist möglich geworden, weil Jesus Christus auferstanden ist.
1Petr 3,22 Er ist jetzt bei Gott im Himmel und hat den Ehrenplatz an seiner
rechten Seite eingenommen. Alle Engel, alle Mächte und Gewalten unterstehen
seiner Herrschaft.
1Petr 4,1 Weil Christus gelitten hat, sollt auch ihr bereit sein, Leiden auf
euch zu nehmen. Wer körperlich leiden musste, weil er zu Christus gehört, über
den verliert die Sünde ihre Macht.
1Petr 4,2 Solange ihr noch auf der Erde lebt, lasst euch nicht von menschlichen
Leidenschaften, sondern von Gottes Willen leiten.
1Petr 4,3 Lange genug habt ihr früher ein Leben in Saus und Braus geführt wie
alle anderen, die Gott nicht kennen. Ihr habt euch gehen lassen, euch betrunken
und rauschende Feste gefeiert, und ihr habt beim abscheulichen Götzendienst
mitgemacht.
1Petr 4,4 Natürlich können eure alten Freunde nicht verstehen, weshalb ihr von
diesem haltlosen Leben auf einmal nichts mehr wissen wollt. Und deshalb
verspotten sie euch.
1Petr 4,5 Doch dafür werden sie sich verantworten müssen vor dem, der bald sein
Urteil über alle Menschen sprechen wird, über die Lebenden wie über die Toten.
1Petr 4,6 Denn auch den Toten ist die Botschaft der Rettung verkündet worden.
Was sie getan hatten, brachte ihnen - wie allen Menschen - den Tod. Ihr Körper
war gestorben, aber Gott wollte, dass ihr Geist ewig lebt.
1Petr 4,7 Bald wird das Ende dieser Welt kommen. Deshalb seid wachsam und
nüchtern, werdet nicht müde zu beten.
1Petr 4,8 Vor allem aber lasst nicht nach, einander zu lieben. Denn »Liebe sieht
über Fehler hinweg«.
1Petr 4,9 Seid gastfreundlich, und klagt nicht über die vermehrte Arbeit.
1Petr 4,10 Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben
hat. Wenn ihr die vielen Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, setzt ihr sie
richtig ein.
1Petr 4,11 Bist du dazu berufen, vor der Gemeinde zu reden, dann soll Gott durch
dich sprechen. Hat jemand in der Gemeinde die Aufgabe übernommen, anderen
Menschen zu helfen, dann arbeite er in der Kraft, die Gott ihm gibt. So ehren
wir Gott mit allem, was wir sind und haben. Jesus Christus hat uns dies
ermöglicht. Gott gehört alle Ehre und alle Macht für immer und ewig. Amen.
1Petr 4,12 Meine lieben Freunde! Wundert euch nicht über die heftigen
Anfeindungen, die ihr jetzt erfahrt. Sie sollen euren Glauben prüfen und
festigen und sind nichts Außergewöhnliches.
1Petr 4,13 Freut euch vielmehr darüber, dass ihr mit Christus leidet; dann
werdet ihr auch jubeln und euch mit ihm freuen, wenn er in all seiner
Herrlichkeit erscheint.
1Petr 4,14 Ihr dürft euch glücklich nennen, wenn man euch angreift und verhöhnt,
nur weil ihr Christen seid. Daran zeigt sich nämlich, dass der Geist Gottes, der
Geist seiner Herrlichkeit, bei euch ist.
1Petr 4,15 Freilich soll keiner von euch leiden, weil er als Mörder, Dieb oder
wegen anderer Verbrechen bestraft werden musste oder weil er sich Rechte anmaßt,
die ihm nicht zustehen.
1Petr 4,16 Wer dagegen leidet, weil er ein Christ ist, der braucht sich nicht zu
schämen. Er soll Gott dafür danken, dass er zu Christus gehört.
1Petr 4,17 Denn es ist Zeit für das Gericht Gottes, und es beginnt bei denen,
die zu ihm gehören. Wenn aber schon wir gerichtet werden, welches Ende werden
dann die nehmen, die Gottes rettende Botschaft ablehnen!
1Petr 4,18 Wenn schon der nur mit knapper Not gerettet wird, der nach Gottes
Willen lebt, wie wird es erst denen ergehen, die von Gott nichts wissen wollen
und seine Gebote mit Füßen treten?
1Petr 4,19 Wer nach Gottes Willen leiden muss, der soll sich nicht davon
abbringen lassen, Gutes zu tun und seinem treuen Schöpfer sein Leben
anzuvertrauen.
1Petr 5,1 Jetzt noch ein Wort an die Leiter eurer Gemeinden. Ich selbst habe die
gleiche Aufgabe wie ihr, bin ein Zeuge der Leiden Christi und werde auch an
seiner Herrlichkeit Anteil haben, wenn er kommt. Deshalb möchte ich euch bitten:
1Petr 5,2 Versorgt die Gemeinde gut, die euch Gott anvertraut hat. Hütet die
Herde Gottes als gute Hirten, und das nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus
freien Stücken. Das erwartet Gott. Seid nicht darauf aus, euch zu bereichern,
sondern arbeitet gern, auch ohne Gegenleistung.
1Petr 5,3 Spielt euch nicht als die Herren eurer Gemeinde auf, sondern seid ihre
Vorbilder.
1Petr 5,4 Nur dann werdet ihr den unvergänglichen, herrlichen Siegeskranz
erhalten, wenn Christus kommt, der ja der oberste Hirte seiner Gemeinde ist.
1Petr 5,5 Den jungen Leuten unter euch sage ich: Ordnet euch den Leitern eurer
Gemeinden unter! Und für euch alle gilt: Hütet euch vor Hochmut! Denn »die
Hochmütigen weist Gott von sich; aber er hilft denen, die wissen, dass sie ihn
brauchen«.
1Petr 5,6 Deshalb beugt euch unter Gottes mächtige Hand. Gott wird euch
aufrichten, wenn seine Zeit da ist.
1Petr 5,7 Ladet alle eure Sorgen bei Gott ab, denn er sorgt für euch.
1Petr 5,8 Bleibt besonnen und wachsam! Denn der Teufel, euer Todfeind, läuft wie
ein brüllender Löwe um euch herum. Er wartet nur auf ein Opfer, das er
verschlingen kann.
1Petr 5,9 Stark und fest im Glauben sollt ihr seine Angriffe abwehren. Und denkt
daran, dass alle Christen in der Welt diese Leiden ertragen müssen.
1Petr 5,10 Gott aber, von dem ihr so viel unverdiente Güte erfahrt, hat euch
durch Jesus Christus zugesagt, dass er euch nach dieser kurzen Leidenszeit in
seine ewige Herrlichkeit aufnimmt. Er wird euch ans Ziel bringen, euch Kraft und
Stärke geben, so dass ihr fest und sicher steht.
1Petr 5,11 Ihm allein gehört alle Macht für immer und ewig. Amen.
1Petr 5,12 Silvanus, den ich als treuen Bruder sehr schätze, hat mir geholfen,
diesen kurzen Brief an euch zu schreiben. Damit wollte ich euch Mut machen und
euch bezeugen, dass Gott barmherzig ist und euch wirklich liebt. Daran haltet
fest!
1Petr 5,13 Die Gemeinde hier in Babylon, die genauso von Gott auserwählt ist wie
ihr, sendet euch Grüße, ebenso Markus, den ich wie einen Sohn liebe.
1Petr 5,14 Grüßt euch untereinander mit dem Kuss, der eure Liebe zueinander
zeigt. Gottes Friede sei mit euch allen, die ihr mit Christus verbunden seid!
2Petr 1,1 Diesen Brief schreibt Simon Petrus, ein Diener und Apostel Jesu
Christi, an alle, die denselben Glauben haben wie wir. Dieser kostbare Glaube
wurde uns geschenkt, weil wir durch Jesus Christus, unseren Retter, von Gott
angenommen sind.
2Petr 1,2 Ich wünsche euch, dass Gottes Gnade und sein Friede euch immer mehr
erfüllen. Das wird geschehen, wenn ihr Gott und unseren Herrn Jesus Christus
immer besser kennen lernt.
2Petr 1,3 Gott hat uns alles geschenkt, was wir brauchen, um zu leben, wie es
ihm gefällt. Denn wir haben ihn kennen gelernt; er hat uns in seiner Macht und
Herrlichkeit zu einem neuen Leben berufen.
2Petr 1,4 Dadurch hat er uns das Größte und Wertvollste überhaupt geschenkt: Er
hat euch zugesagt, dass ihr an seinem ewigen Wesen und Leben Anteil haben
werdet. Denn ihr seid dem Verderben entronnen, das durch die menschlichen
Leidenschaften und Begierden in die Welt gekommen ist.
2Petr 1,5 Deshalb setzt alles daran, Gott zu vertrauen, und zeigt das durch ein
vorbildliches Leben. Jeder soll sehen, dass ihr Gott kennt.
2Petr 1,6 Diese Erkenntnis Gottes zeigt sich in eurer Selbstbeherrschung.
Selbstbeherrschung erfordert Ausdauer, und aus der wiederum erwächst wahre Liebe
zu Gott.
2Petr 1,7 Wer Gott liebt, wird auch seine Brüder und Schwestern lieben, und
schließlich werden alle Menschen diese Liebe zu spüren bekommen.
2Petr 1,8 Wenn ihr diesen Weg geht und dabei weiter vorankommt, wird euer Glaube
nicht leer und wirkungslos bleiben, sondern ihr werdet unseren Herrn Jesus
Christus immer besser kennen lernen.
2Petr 1,9 Wer aber nicht auf diesem Weg ist, der tappt wie ein Blinder im
Dunkeln, denn er hat vergessen, dass er von seiner Schuld befreit wurde.
2Petr 1,10 Deshalb sollt ihr euch mit aller Kraft in dem bewähren, wozu Gott
euch berufen und auserwählt hat. Dann werdet ihr nicht vom richtigen Weg
abkommen,
2Petr 1,11 und die Tür zur ewigen Welt unseres Herrn und Retters Jesus Christus
wird euch weit offen stehen.
2Petr 1,12 Ich will euch immer wieder an all dies erinnern, selbst wenn ich euch
damit nichts Neues sage. Ihr seid ja längst davon überzeugt und in der Wahrheit
gefestigt, die euch verkündet wurde.
2Petr 1,13 Trotzdem halte ich es für meine Pflicht, euch immer wieder daran zu
erinnern und euch wach zu halten, solange ich lebe.
2Petr 1,14 Durch unseren Herrn Jesus Christus weiß ich aber, dass ich diese Erde
bald verlassen muss.
2Petr 1,15 Deswegen sorge ich dafür, dass ihr euch das alles auch nach meinem
Tod in Erinnerung rufen könnt.
2Petr 1,16 Wir haben doch keine schönen Märchen erzählt, als wir euch von der
Macht unseres Herrn Jesus Christus und von seinem Erscheinen berichteten. Mit
unseren eigenen Augen haben wir ihn in seiner ganzen Größe und Herrlichkeit ja
selbst schon gesehen.
2Petr 1,17 [17/18] Gott, der Vater, hat ihm diese Ehre und Macht gegeben. Als
Jesus mit uns auf dem Berg war, haben wir selber die Stimme des höchsten Gottes
vom Himmel gehört: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe.«
2Petr 1,19 Umso fester verlassen wir uns jetzt auf das, was Gott durch seine
Propheten zugesagt hat. Auch ihr tut gut daran, wenn ihr darauf hört. Denn
Gottes Zusagen leuchten wie ein Licht in der Dunkelheit, bis der Tag anbricht
und der aufgehende Morgenstern in eure Herzen scheint.
2Petr 1,20 Doch vergesst nicht: Kein Mensch kann jemals die prophetischen Worte
der Heiligen Schrift aus eigenem Wissen deuten.
2Petr 1,21 Denn niemals haben sich die Propheten selbst ausgedacht, was sie
verkündeten. Immer trieb sie der Heilige Geist dazu, das auszusprechen, was Gott
ihnen eingab.
2Petr 2,1 Doch schon damals hat es im Volk Israel falsche Propheten gegeben.
Solche Leute werden auch bei euch auftreten und Lehren verbreiten, die euch ins
Verderben stürzen sollen. Damit verleugnen sie Christus, den Herrn, der sie doch
von ihren Sünden freigekauft hat. Aber sie sollen ein schnelles Ende finden!
2Petr 2,2 Trotzdem werden viele auf sie hören und sich ihrem zügellosen Leben
anschließen. Diese Leute bringen unseren Glauben, den wahren Weg zu Gott, in
Verruf.
2Petr 2,3 Sie können nie genug bekommen und werden euch belügen und betrügen, um
euch das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch das Urteil über sie ist längst
gefällt; sie werden ihrem Untergang nicht entgehen.
2Petr 2,4 Gott hat nicht einmal die Engel, die sich gegen ihn auflehnten, vor
der Strafe verschont, sondern sie in den tiefsten Abgrund gestoßen. Dort müssen
sie - gefesselt in der Finsternis - auf den Gerichtstag warten.
2Petr 2,5 Ebenso wenig hat er die Menschen zu Noahs Zeiten geschont. Als die
große Flut über die Gottlosen hereinbrach, kamen alle um; nur acht wurden
gerettet: Noah, der die Menschen zur Umkehr aufrief, und sieben andere aus
seiner Familie.
2Petr 2,6 Auch die Städte Sodom und Gomorra hat Gott in Schutt und Asche sinken
lassen und damit sein Urteil an ihnen vollstreckt. Dies sollte ein warnendes
Beispiel für die Menschen aller Zeiten sein, die von Gott nichts wissen wollen.
2Petr 2,7 Nur Lot hat er gerettet, der so lebte, wie es Gott gefällt, und durch
das ausschweifende Leben der Bewohner Sodoms viel erleiden musste.
2Petr 2,8 Für ihn, der nach Gottes Willen lebte, war es eine Qual, die Bosheit
dieser Menschen Tag für Tag hören und sehen zu müssen.
2Petr 2,9 Denkt daran: Gott weiß genau, wie er alle, die nach seinem Willen
leben, aus Versuchungen und Gefahren rettet. Aber ebenso gewiss lässt er alle,
die seinen Willen missachten, ihre Strafe am Tag des Gerichts erwarten.
2Petr 2,10 Sein Gericht wird vor allem die treffen, die sich von ihren Trieben
und Leidenschaften beherrschen lassen und so tun, als gäbe es keinen Herrn, der
sie zur Rechenschaft zieht. Diese frechen und überheblichen Irrlehrer schrecken
nicht davor zurück, höhere Mächte zu verspotten.
2Petr 2,11 Das wagen nicht einmal die Engel, die doch viel stärker und mächtiger
sind. Niemals würden sie diese Mächte vor Gott, dem Herrn, lächerlich machen und
verurteilen.
2Petr 2,12 Diese falschen Lehrer haben genauso wenig Verstand wie das Vieh, das
nur zum Fangen und Schlachten geboren wird. Sie verspotten, was sie gar nicht
verstehen, aber ihre Bosheit wird ihnen zum Verhängnis werden.
2Petr 2,13 Sie werden für ihren Unglauben und ihre Verdorbenheit bezahlen
müssen. Besteht doch ihr ganzes Vergnügen darin, von früh bis spät die üppigsten
Gelage zu veranstalten. Ein Schandfleck sind sie in eurer Gemeinde; denn sie
verbreiten selbst dann noch ihre betrügerischen Irrlehren, wenn sie mit euch
zusammen essen.
2Petr 2,14 Ständig machen sie Frauen schöne Augen, die zum Seitensprung bereit
sind. Unersättlich geben sie sich der Sünde hin. Sie verführen alle, die leicht
zu beeinflussen sind. Habgier hat alles andere aus ihrem Herzen verdrängt.
Gottes Fluch wird sie treffen.
2Petr 2,15 Den richtigen Weg haben sie verlassen und gehen in die Irre; genauso
wie Bileam, der Sohn Beors. Er war bereit, für Geld Unrecht zu tun.
2Petr 2,16 Aber Bileam wurde von seinem Unrecht überführt. Ein Esel war es, der
mit menschlicher Stimme zu ihm sprach und den Propheten hinderte, sein
wahnwitziges Unternehmen auszuführen.
2Petr 2,17 Diese falschen Lehrer sind wie Brunnen ohne Wasser, wie Wolken, die
vom Wind vertrieben werden, ohne den ersehnten Regen zu bringen. In der tiefsten
Finsternis werden sie einmal für ihre Bosheit büßen müssen.
2Petr 2,18 Sie schwingen große Reden, doch es ist nichts als hohles Geschwätz.
Noch schlimmer ist, dass sie mit ihrem zügellosen Leben alle wieder in die Sünde
hineinreißen, die gerade erst den falschen Weg verlassen haben und mit knapper
Not entkommen sind.
2Petr 2,19 Sie versprechen anderen die Freiheit, sind aber selbst Gefangene
ihrer Leidenschaften. Denn von wem ich mich überwältigen lasse, dessen
Gefangener werde ich.
2Petr 2,20 Viele haben Jesus Christus als ihren Herrn und Retter kennen gelernt
und sich von der Verdorbenheit dieser Welt getrennt. Wenn sie sich aber dann
wieder von der Sünde überwinden und gefangen nehmen lassen, so sind sie
schlimmer dran als je zuvor.
2Petr 2,21 Es wäre besser, sie hätten nie etwas von Christus erfahren! Denn so
haben sie ihn zwar kennen gelernt, sich dann aber doch wieder von den heiligen
Geboten, die sie empfangen haben, abgewandt.
2Petr 2,22 Ihr kennt sicher das Sprichwort: »Der Hund frisst noch einmal, was er
eben herausgewürgt hat.« Oder das andere: »Auch ein gewaschenes Schwein wälzt
sich wieder im Dreck.« Nichts anderes tun diese Menschen.
2Petr 3,1 Das ist nun mein zweiter Brief an euch, liebe Freunde. Ich wollte euch
wieder an so manches erinnern, damit ihr auch in Zukunft aufrichtig und
standhaft bleibt.
2Petr 3,2 Vergesst nicht, was schon die Propheten Gottes vor langer Zeit gesagt
haben! Erinnert euch an die Weisungen unseres Herrn und Retters Jesus Christus,
die euch die Apostel weitergegeben haben.
2Petr 3,3 Vor allen Dingen müsst ihr wissen, dass in dieser letzten Zeit
Menschen auftreten werden, denen nichts heilig ist. Über alles machen sie sich
lustig und lassen sich nur von ihren Begierden treiben.
2Petr 3,4 Spöttisch werden sie euch fragen: »Wo ist denn nun euer Christus? Hat
er nicht versprochen, dass er wieder kommt? Schon unsere Vorfahren haben
vergeblich gewartet. Sie sind längst gestorben, und alles ist so geblieben, wie
es von Anfang an war!«
2Petr 3,5 [5/6] Dabei wollen sie nicht wahrhaben, dass Gott schon einmal durch
eine große Flut diese Erde zerstörte, die er durch sein Wort am Anfang der Welt
aus dem Wasser erschaffen hatte.
2Petr 3,7 Auch unser Himmel und unsere Erde werden nur so lange bestehen, wie
Gott es will. Dann aber, am Tag des Gerichts, wird er sein Urteil über alle
Gottlosen sprechen, und auf sein Wort hin wird das Feuer Himmel und Erde
vernichten.
2Petr 3,8 Doch eins dürft ihr dabei nicht vergessen, liebe Freunde: Was für uns
ein Tag ist, das ist für Gott wie tausend Jahre; und was für uns tausend Jahre
sind, das ist für ihn wie ein Tag.
2Petr 3,9 Wenn manche also behaupten, Gott würde seine Zusage nicht einhalten,
dann stimmt das einfach nicht. Gott kann sein Versprechen jederzeit einlösen.
Aber er hat Geduld mit euch und will nicht, dass auch nur einer von euch
verloren geht. Jeder soll Gelegenheit haben, zu Gott umzukehren.
2Petr 3,10 Doch der Tag, an dem der Herr sein Urteil spricht, wird so plötzlich
und unerwartet da sein wie ein Dieb. Krachend werden dann die Himmel zerbersten,
die Elemente werden sich auflösen und im Feuer verglühen, und die Erde wird
verbrennen mit allem, was auf ihr ist.
2Petr 3,11 Wenn aber alles in dieser Weise zugrunde gehen wird, müsst ihr euch
erst recht darauf vorbereiten, das heißt, ihr müsst ein Leben führen, das Gott
gefällt und allein auf ihn ausgerichtet ist.
2Petr 3,12 So erwartet ihr diesen Tag, an dem Gott kommt, und tut alles dazu,
dass er nicht mehr lange auf sich warten lässt. Dann werden die Himmel im Feuer
verbrennen und die Elemente in der Glut zerschmelzen.
2Petr 3,13 Wir alle aber warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, die Gott
uns zugesagt hat. Wir warten auf diese neue Welt, in der es endlich
Gerechtigkeit gibt.
2Petr 3,14 Ich weiß, dass ihr, meine Freunde, voller Hoffnung darauf wartet,
deshalb ermahne ich euch: Lebt so, dass ihr dem Herrn ohne Schuld und mit einem
reinen Gewissen im Frieden gegenübertreten könnt.
2Petr 3,15 Erkennt doch: Der Herr bringt euch so viel Geduld entgegen, damit ihr
gerettet werdet! Das hat euch ja auch schon unser lieber Bruder Paulus gesagt,
dem Gott in all diesen Fragen viel Weisheit geschenkt hat.
2Petr 3,16 Er schreibt in seinen Briefen mehrfach darüber. Allerdings ist
manches davon nur schwer zu verstehen. Und deshalb haben Leute, die entweder
unwissend oder im Glauben noch nicht gefestigt sind, vieles verdreht und
verfälscht. So machen sie es ja auch mit den anderen Heiligen Schriften und
stürzen sich damit selbst ins Verderben.
2Petr 3,17 Ihr aber, meine Lieben, wisst nun, wie gefährlich diese Irrlehrer
sind. Hütet euch vor ihnen! Lasst euch nicht von eurem festen Glauben abbringen,
und geht nicht mit ihnen in die Irre.
2Petr 3,18 Ich wünsche euch vielmehr, dass ihr in eurem Leben immer mehr die
unverdiente Liebe unseres Herrn und Retters Jesus Christus erfahrt und ihn immer
besser kennen lernt. Denn ihm allein gehört alle Ehre - jetzt und in Ewigkeit!
Amen.
1Joh 1,1 Das Wort, das zum Leben führt, war von Anfang an da. Wir haben es
selbst gehört. Ja, wir haben es sogar mit unseren eigenen Augen gesehen und mit
unseren Händen berührt.
1Joh 1,2 Dieses Leben hat sich uns gezeigt. Wir haben es gesehen und können es
bezeugen. Deshalb verkünden wir die Botschaft vom ewigen Leben. Es ist von Gott,
dem Vater, gekommen, und er hat es uns gezeigt.
1Joh 1,3 Was wir nun selbst gesehen und gehört haben, das geben wir euch weiter,
damit ihr mit uns im Glauben verbunden seid. Gemeinsam gehören wir zu Gott, dem
Vater, und zu seinem Sohn Jesus Christus.
1Joh 1,4 Wir schreiben euch das, damit wir uns von ganzem Herzen freuen können.
1Joh 1,5 Das ist die Botschaft, die wir von Christus gehört haben und die wir
euch weitersagen: Gott ist Licht. Bei ihm gibt es keine Finsternis.
1Joh 1,6 Wenn wir also behaupten, dass wir zu Gott gehören, und dennoch in der
Finsternis leben, dann lügen wir und widersprechen mit unserem Leben der
Wahrheit.
1Joh 1,7 Leben wir aber im Licht, so wie Gott im Licht ist, dann haben wir
Gemeinschaft miteinander. Und das Blut, das sein Sohn Jesus Christus für uns
vergossen hat, befreit uns von aller Schuld.
1Joh 1,8 Wenn wir behaupten, sündlos zu sein, betrügen wir uns selbst. Dann ist
kein Fünkchen Wahrheit in uns.
1Joh 1,9 Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erfüllt Gott seine Zusage
treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen
reinigen.
1Joh 1,10 Doch wenn wir behaupten, wir hätten gar nicht gesündigt, dann machen
wir Gott zum Lügner und zeigen damit nur, dass seine Botschaft in uns keinen
Raum hat.
1Joh 2,1 Meine geliebten Kinder, ich schreibe euch, damit ihr nicht länger
sündigt. Sollte aber doch jemand Schuld auf sich laden, dann tritt einer beim
Vater für uns ein, der selbst ohne jede Sünde ist: Jesus Christus.
1Joh 2,2 Denn Christus hat unsere Sünden, ja, die Sünden der ganzen Welt auf
sich genommen; er hat sie gesühnt.
1Joh 2,3 Wenn wir uns an Gottes Gebote halten, zeigt uns dies, dass wir Gott
kennen.
1Joh 2,4 Wenn jemand behauptet: »Ich kenne Gott«, hält sich aber nicht an seine
Gebote, so ist er ein Lügner; die Wahrheit ist nicht bei ihm zu finden.
1Joh 2,5 Doch wer nach dem lebt, was Gott gesagt hat, an dem zeigt sich Gottes
ganze Liebe. Daran ist zu erkennen, ob wir wirklich mit Christus verbunden sind.
1Joh 2,6 Wer von sich sagt, dass er zu Christus gehört, der soll auch so leben,
wie Christus gelebt hat.
1Joh 2,7 Was ich euch jetzt schreibe, meine Lieben, ist kein neues Gebot,
sondern die Botschaft Gottes, die ihr von Anfang an gehört habt.
1Joh 2,8 Und trotzdem ist dieses Gebot neu, weil Christus es verwirklicht hat
und ihr jetzt danach lebt. Denn die Finsternis schwindet, weil das wahre Licht
für uns leuchtet.
1Joh 2,9 Wenn nun jemand behauptet, in diesem Licht zu leben, hasst aber seinen
Bruder oder seine Schwester, dann lebt er in Wirklichkeit immer noch in der
Finsternis.
1Joh 2,10 Nur wer seine Geschwister liebt, der lebt wirklich im Licht. An ihm
lässt sich nichts Anstößiges finden.
1Joh 2,11 Wer dagegen seinen Bruder oder seine Schwester hasst, der lebt ganz
und gar in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht. Er ist wie ein Blinder,
der nichts sehen kann in all der Dunkelheit, die ihn umgibt.
1Joh 2,12 Dies schreibe ich euch, meine geliebten Kinder, weil ich weiß, dass
eure Schuld durch Jesus Christus vergeben ist.
1Joh 2,13 Euch Vätern schreibe ich, weil ihr den kennt, der von Anfang an da
gewesen ist. Ich schreibe aber auch euch, ihr jungen Leute; denn ihr habt den
Bösen besiegt.
1Joh 2,14 Euch Kindern schreibe ich, weil ihr den Vater kennt; ebenso habe ich
euch Vätern geschrieben, weil ihr den kennt, der von Anfang an da war. Und euch,
ihr jungen Leute, habe ich geschrieben, weil ihr in eurem Glauben stark geworden
seid. Gottes Wort wohnt in euch, und ihr habt den Bösen besiegt.
1Joh 2,15 Liebt nicht diese Welt, und hängt euer Herz nicht an irgendetwas, das
zu dieser Welt gehört. Denn wer die Welt liebt, kann nicht zugleich Gott, den
Vater, lieben.
1Joh 2,16 Was gehört nun zum Wesen dieser Welt? Selbstsüchtige Wünsche, die Gier
nach allem, was einem ins Auge fällt, Selbstgefälligkeit und Hochmut. All dies
kommt nicht von Gott, unserem Vater, sondern gehört zur Welt.
1Joh 2,17 Die Welt aber mit ihren Verlockungen wird vergehen. Nur wer tut, was
Gott gefällt, wird ewig leben.
1Joh 2,18 Das Ende dieser Welt ist nahe, meine geliebten Kinder! Ihre letzte
Stunde ist angebrochen. Ihr wisst, dass zu dieser Zeit der Feind Christi, der
Antichrist, kommen wird. Schon jetzt sind viele Antichristen aufgetreten. Daran
können wir erkennen, dass die Welt ihrem Ende entgegengeht.
1Joh 2,19 Diese Feinde Christi kommen zwar aus unseren eigenen Reihen, in
Wirklichkeit aber haben sie nie zu uns gehört. Denn wären sie wirklich Christen
gewesen, hätten sie sich niemals so weit von uns entfernt. Nun aber ist für
jedermann sichtbar geworden, dass sie gar nicht zu uns gehören.
1Joh 2,20 Doch euch hat Christus seinen Heiligen Geist gegeben, und deshalb
kennt ihr die Wahrheit.
1Joh 2,21 Ich schreibe euch also nicht, weil ich meinte, ihr müsstet die
Wahrheit über Gott erst noch erfahren. Ihr kennt diese Wahrheit sehr gut und
wisst auch, dass aus ihr keine verlogene Irrlehre kommen kann.
1Joh 2,22 Wenn nun jemand behauptet, Jesus sei gar nicht Christus, der von Gott
gesandte Retter, muss der nicht ein Lügner sein? Wer den Vater und den Sohn
leugnet, ist ohne jeden Zweifel ein Antichrist.
1Joh 2,23 Denn wer sich gegen den Sohn stellt, der stellt sich auch gegen den
Vater. Doch wer sich zum Sohn bekennt, der hat auch Gemeinschaft mit dem Vater.
1Joh 2,24 Lasst euch also nicht von dem abbringen, was ihr von Anfang an gehört
habt. Wenn ihr daran festhaltet, dann werdet ihr für immer mit Gott, dem Vater,
und mit seinem Sohn Jesus Christus verbunden sein.
1Joh 2,25 Denn genau das hat uns Gott zugesagt: ewiges Leben bei ihm.
1Joh 2,26 Das müsst ihr über diese Leute wissen, die euch vom richtigen Weg
abbringen wollen.
1Joh 2,27 Doch der Heilige Geist, den euch Christus gegeben hat, er bleibt in
euch. Deshalb braucht ihr keine anderen Lehrer, der Heilige Geist selbst ist
euer Lehrer. Was er euch sagt, ist wahr und ohne Lüge. Haltet also an dem fest,
was euch der Geist lehrt, und bleibt bei Christus.
1Joh 2,28 Meine Kinder, lasst euch durch nichts von Christus trennen. Dann
werden wir ihm voll Zuversicht entgegengehen und brauchen sein Urteil nicht zu
fürchten, wenn er kommt.
1Joh 2,29 Ihr wisst, dass Christus so gelebt hat, wie es Gott gefällt. Also
könnt ihr davon ausgehen, dass jeder, der ebenso lebt, zu seinen Kindern gehört.
1Joh 3,1 Seht doch, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns schenkt! Denn wir
dürfen uns nicht nur seine Kinder nennen, sondern wir sind es wirklich. Als
seine Kinder sind wir Fremde für diese Welt, weil Gott für sie ein Fremder ist.
1Joh 3,2 Meine Lieben! Wenn wir schon jetzt Kinder Gottes sind, was werden wir
erst sein, wenn Christus kommt! Dann werden wir ihm ähnlich sein, denn wir
werden ihn sehen, wie er wirklich ist.
1Joh 3,3 Wer diese Hoffnung hat, der meidet jede Schuld, so wie Christus ohne
Schuld war.
1Joh 3,4 Wer sündigt, lehnt sich gegen Gott und seine Gebote auf, denn sündigen
heißt: Gottes Gebote missachten.
1Joh 3,5 Doch ihr wisst ja, dass Christus Mensch wurde, um uns von unseren
Sünden zu befreien, und er selbst war ohne jede Sünde.
1Joh 3,6 Wer mit Christus verbunden bleibt, der wird nicht länger sündigen. Wer
aber weiter sündigt, der weiß nichts von Christus und kennt ihn nicht.
1Joh 3,7 Meine geliebten Kinder! Lasst euch durch niemanden vom richtigen Weg
abbringen! Ihr dürft nur dem vertrauen, der wie Christus ein Leben führt, das
Gott gefällt.
1Joh 3,8 Wer sich aber gegen Gott auflehnt, gehört dem Teufel. Denn der Teufel
hat sich von Anfang an gegen Gott aufgelehnt. Doch der Sohn Gottes ist gerade
deswegen zu uns gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören.
1Joh 3,9 Wer von Gott neues Leben bekommen hat und zu seinen Kindern gehört, der
sündigt nicht; denn Gott hat ihm seine Kraft geschenkt, die in ihm wirkt. Weil
er ein Kind Gottes ist, kann er nicht länger als Sünder leben.
1Joh 3,10 Daran kann also jeder erkennen, wer ein Kind Gottes oder wer ein Kind
des Teufels ist. Alle, die Unrecht tun und ihren Bruder oder ihre Schwester
nicht lieben, sind niemals Gottes Kinder.
1Joh 3,11 Von Anfang an habt ihr gehört: Wir sollen einander lieben.
1Joh 3,12 Nicht Kain darf unser Vorbild sein. Er war ein Kind des Teufels und
tötete seinen Bruder Abel. Und warum hat er ihn ermordet? Weil seine eigenen
Taten böse waren, aber das Leben seines Bruders Gott gefiel.
1Joh 3,13 Genau aus demselben Grund hasst euch die Welt. Wundert euch also nicht
darüber, liebe Brüder und Schwestern.
1Joh 3,14 Wir wissen, dass wir vom ewigen Tod gerettet wurden und jetzt neues
Leben haben. Das zeigt sich an der Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern. Wer
nicht liebt, der bleibt dem Tod ausgeliefert.
1Joh 3,15 Jeder, der seinen Bruder oder seine Schwester hasst, ist ein Mörder.
Und das wisst ihr: Ein Mörder hat das ewige Leben nicht.
1Joh 3,16 Die Liebe Christi haben wir daran erkannt, dass er sein Leben für uns
opferte. Ebenso müssen auch wir bereit sein, unser Leben für unsere Geschwister
hinzugeben.
1Joh 3,17 Denn wie kann Gottes Liebe in einem Menschen bleiben, dem die Not
seines Bruders oder seiner Schwester gleichgültig ist, obwohl er selbst alles im
Überfluss besitzt?
1Joh 3,18 Deshalb, meine Kinder, lasst uns einander lieben: nicht mit leeren
Worten, sondern mit tatkräftiger Liebe und in aller Aufrichtigkeit.
1Joh 3,19 Daran zeigt sich, dass die Wahrheit unser Leben bestimmt. So können
wir mit einem guten Gewissen vor Gott treten.
1Joh 3,20 Doch auch wenn unser Gewissen uns schuldig spricht, dürfen wir darauf
vertrauen, dass Gott größer ist als unser Gewissen. Er kennt uns ganz genau.
1Joh 3,21 Kann uns also unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben,
dann dürfen wir voller Freude und Zuversicht zu Gott kommen.
1Joh 3,22 Er wird uns geben, worum wir ihn bitten; denn wir richten uns nach
seinen Geboten und leben, wie es ihm gefällt.
1Joh 3,23 Und so lautet Gottes Gebot: Wir sollen seinem Sohn Jesus Christus
vertrauen und einander so lieben, wie Christus es uns aufgetragen hat.
1Joh 3,24 Wer sich an seine Gebote hält, der bleibt mit Gott verbunden, und Gott
bleibt in ihm wohnen. Wir wissen, dass Gott in uns lebt; das bestätigt der
Geist, den er uns geschenkt hat.
1Joh 4,1 Meine Lieben! Glaubt nicht jedem, der behauptet, dass er Gottes Geist
hat. Prüft vielmehr genau, ob er wirklich von Gottes Geist erfüllt ist. Es hat
in dieser Welt schon viele falsche Propheten gegeben.
1Joh 4,2 Den Geist Gottes erkennt ihr daran: Er bekennt, dass Jesus Christus als
Mensch aus Fleisch und Blut zu uns gekommen ist.
1Joh 4,3 Ein Geist, der das leugnet, ist nicht der Geist Gottes, sondern der
Geist des Antichristen. Dass dieser kommen wird, habt ihr schon gehört, ja er
ist schon jetzt in der Welt.
1Joh 4,4 Doch ihr, meine geliebten Kinder, gehört zu Gott. Ihr habt diese
Lügenpropheten durchschaut und besiegt. Denn der Geist Gottes, der in euch
wirkt, ist stärker als der Geist der Lüge, von dem die Welt beherrscht wird.
1Joh 4,5 Die falschen Propheten gehören ganz zu dieser Welt. Deshalb verbreiten
sie nichts als menschliche Vorstellungen und Gedanken, und alle Welt hört auf
sie.
1Joh 4,6 Wir dagegen gehören zu Gott. Jeder, der Gott kennt, wird auf uns hören.
Wer aber nicht zu Gott gehört, wird uns ablehnen. Daran erkennen wir den Geist
der Wahrheit und den Geist der Täuschung.
1Joh 4,7 Meine Freunde! Lasst uns einander lieben, denn die Liebe kommt von
Gott. Wer liebt, ist ein Kind Gottes und kennt Gott.
1Joh 4,8 Wer aber nicht liebt, der weiß nichts von Gott; denn Gott ist Liebe.
1Joh 4,9 Gottes Liebe zu uns ist für alle sichtbar geworden, als er seinen
einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben können.
1Joh 4,10 Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt,
sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. Er gab uns seinen Sohn, der alle
Schuld auf sich nahm, um uns von unserer Schuld freizusprechen.
1Joh 4,11 Meine Freunde, wenn uns Gott so sehr liebt, dann müssen auch wir
einander lieben.
1Joh 4,12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Doch wenn wir einander lieben, bleibt
Gott in uns und seine Liebe erfüllt uns ganz.
1Joh 4,13 Ich sage es noch einmal: Dass wir mit Gott verbunden bleiben und er
mit uns, wissen wir, weil er uns seinen Geist gegeben hat.
1Joh 4,14 Wir haben es selbst erlebt, und darum bezeugen wir: Gott, der Vater,
hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, um sie zu retten.
1Joh 4,15 Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der bleibt in Gott und
Gott in ihm.
1Joh 4,16 Das haben wir erkannt, und wir vertrauen fest auf Gottes Liebe. Gott
ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
1Joh 4,17 Wenn Gottes Liebe uns ganz erfüllt, können wir dem Tag des Gerichts
voller Zuversicht entgegengehen. Denn wir leben in dieser Welt so, wie Christus
es getan hat. Wirkliche Liebe ist frei von Angst.
1Joh 4,18 Ja, wenn die Liebe uns ganz erfüllt, vertreibt sie sogar die Angst.
Wer sich also fürchtet und vor der Strafe zittert, der kennt wirkliche Liebe
noch nicht.
1Joh 4,19 Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat.
1Joh 4,20 Sollte nun jemand behaupten: »Ich liebe Gott«, und dabei seinen Bruder
oder seine Schwester hassen, dann ist er ein Lügner. Wenn er schon seine
Geschwister nicht liebt, die er sehen kann, wie will er dann Gott lieben, den er
nicht sieht?
1Joh 4,21 Vergesst nicht, dass Christus selbst uns aufgetragen hat: Wer Gott
liebt, der muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben.
1Joh 5,1 Wer glaubt, dass Jesus der von Gott versprochene Retter ist, der ist
ein Kind Gottes. Kinder aber, die ihren Vater lieben, die lieben auch ihre
Brüder und Schwestern.
1Joh 5,2 Dass wir wirklich Gottes Kinder lieben, erkennen wir an unserer Liebe
zu Gott und daran, dass wir nach seinen Geboten leben.
1Joh 5,3 Denn Gott lieben heißt nichts anderes als seine Gebote befolgen; und
seine Gebote sind nicht schwer.
1Joh 5,4 Jedes Kind Gottes kann den Sieg erringen über alles, was sich in dieser
Welt Gott widersetzt. Ja, unser Glaube hat diese Welt bereits besiegt.
1Joh 5,5 Denn nur wer daran glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, kann diesen
Sieg erringen.
1Joh 5,6 Jesus Christus kam zu uns. Er wurde getauft und hat sein Blut für uns
am Kreuz vergossen. Nicht allein das Wasser seiner Taufe, sondern auch sein Blut
bestätigen ihn als Sohn Gottes. Das bezeugt auch Gottes Geist. Und Gottes Geist
ist die Wahrheit.
1Joh 5,7 Für Jesus Christus als den Sohn Gottes sprechen also drei Zeugen:
1Joh 5,8 Gottes Geist, das Wasser der Taufe und das Blut, das Jesus am Kreuz
vergossen hat. Alle drei Zeugen stimmen in ihrer Aussage völlig überein.
1Joh 5,9 Wenn wir schon den Zeugenaussagen von Menschen Glauben schenken, wie
viel mehr müssen wir dann dem vertrauen, was Gott selbst bezeugt. Und Gott hat
bezeugt, dass Jesus Christus sein Sohn ist.
1Joh 5,10 Wer an den Sohn Gottes glaubt, der ist in seinem Innersten von der
Wahrheit dieser Aussage überzeugt. Wer Gott nicht glaubt, stellt ihn als Lügner
hin; denn er behauptet ja, Gottes Aussage über Jesus Christus sei falsch.
1Joh 5,11 Gott aber hat ganz eindeutig bezeugt, dass er uns das ewige Leben
schenkt, und zwar nur durch seinen Sohn.
1Joh 5,12 Wer also dem Sohn vertraut, der hat das Leben; wer aber dem Sohn nicht
vertraut, der hat auch das Leben nicht.
1Joh 5,13 Ich weiß, dass ihr an den Sohn Gottes glaubt. Mein Brief sollte euch
noch einmal versichern, dass ihr das ewige Leben habt.
1Joh 5,14 Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott unser Beten erhört, wenn
wir ihn um etwas bitten, was seinem Willen entspricht.
1Joh 5,15 Und weil Gott solche Gebete ganz gewiss erhört, dürfen wir auch darauf
vertrauen, dass er uns gibt, worum wir ihn bitten.
1Joh 5,16 Wenn jemand von euch merkt, dass ein anderer Christ eine Sünde begeht,
die nicht zum Tod führt, soll er für ihn beten. Dann wird Gott diesem Menschen
das Leben schenken. Das gilt aber nicht für die Sünde, die den Tod zur Folge
hat. Wenn jemand diese Schuld auf sich lädt, sollt ihr nicht für ihn beten.
1Joh 5,17 Natürlich ist jedes Unrecht Sünde. Aber nicht jede Sünde führt in den
Tod.
1Joh 5,18 Wir wissen: Wer ein Kind Gottes ist, der sündigt nicht, weil der Sohn
Gottes ihn bewahrt. Darum kann der Teufel ihn nicht zu Fall bringen.
1Joh 5,19 Wir gehören zu Gott, auch wenn die ganze Welt um uns herum vom Teufel
beherrscht wird.
1Joh 5,20 Doch wir wissen, dass der Sohn Gottes zu uns gekommen ist, damit wir
durch ihn Gott kennen lernen, der die Wahrheit ist. Nun sind wir eng mit dem
wahren Gott verbunden, weil wir mit seinem Sohn Jesus Christus verbunden sind.
Ja, Jesus Christus ist selbst der wahre Gott. Er ist das ewige Leben.
1Joh 5,21 Darum, meine Kinder, hütet euch davor, anderen Göttern nachzulaufen!
2Joh 1,1 Als verantwortlicher Leiter wende ich mich heute an eure von Gott
erwählte Gemeinde und an jeden Einzelnen von euch. Ich liebe euch in aller
Aufrichtigkeit; aber nicht nur ich, sondern auch alle anderen, die in Christus
die Wahrheit erkannt haben.
2Joh 1,2 Diese Wahrheit bleibt in uns und wird für immer und ewig mit uns sein.
2Joh 1,3 Gnade, Erbarmen und Frieden wird uns geschenkt von Gott, unserem Vater,
und seinem Sohn Jesus Christus; so bleiben wir in Gottes Wahrheit und in seiner
Liebe.
2Joh 1,4 Ich freue mich sehr, dass ich in eurer Gemeinde einige kennen gelernt
habe, die ihren Glauben aufrichtig leben, so wie Gott es uns geboten hat.
2Joh 1,5 Eure ganze Gemeinde möchte ich jetzt an das wichtigste Gebot erinnern:
Wir sollen einander lieben. Ihr wisst ja, dass ich damit nichts Neues sage,
sondern nur wiederhole, was Gott uns von Anfang an aufgetragen hat.
2Joh 1,6 Diese Liebe zeigt sich darin, dass wir nach Gottes Geboten leben. Von
Anfang an ist euch das gesagt worden, damit ihr euer Leben danach ausrichtet.
2Joh 1,7 Überall begegnen wir Menschen, die in der ganzen Welt ihre Irrlehren
verbreiten. Sie behaupten, dass Jesus Christus nicht als Mensch aus Fleisch und
Blut zu uns gekommen ist. Diese Leute sind Werkzeuge des größten Verführers und
schlimmsten Feindes Christi, des Antichristen.
2Joh 1,8 Seht euch vor, dass ihr nicht alles verliert, wofür ihr euch bisher
eingesetzt habt, sondern dass ihr von Gott den vollen Lohn für eure Arbeit
erhaltet.
2Joh 1,9 Wer über das hinausgeht, was Christus uns gelehrt hat, der wendet sich
von Gott ab. Nur wer sich an die Lehre von Christus hält, bleibt mit dem Vater
und mit dem Sohn verbunden.
2Joh 1,10 Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzählen
will, den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen.
2Joh 1,11 Denn wer diesen Verführern auch nur Gutes wünscht, unterstützt ihre
bösen Absichten und macht sich mitschuldig.
2Joh 1,12 Ich habe noch so vieles auf dem Herzen, aber das möchte ich euch
lieber persönlich sagen und nicht schreiben. Ich hoffe, bald bei euch zu sein.
Dann können wir alles miteinander besprechen, und nichts wird unsere Freude
trüben.
2Joh 1,13 Alle, die hier zu der von Gott erwählten Gemeinde gehören, lassen euch
herzlich grüßen.
3Joh 1,1 Als verantwortlicher Gemeindeleiter schreibe ich an meinen Freund
Gajus, den ich in aller Aufrichtigkeit liebe.
3Joh 1,2 Lieber Gajus! Ich hoffe, dass es dir gut geht und du an Leib und Seele
so gesund bist wie in deinem Glauben.
3Joh 1,3 Ich habe mich sehr gefreut, als einige Brüder zu mir kamen und
berichteten, wie aufrichtig dein Glaube ist und wie du dein Leben nach ihm
ausrichtest.
3Joh 1,4 Für mich gibt es keine größere Freude, als zu hören, dass alle, die
durch mich Christen geworden sind, ihren Glauben aufrichtig leben.
3Joh 1,5 Mein lieber Freund! Es ist gut, dass du dich für die Brüder, die eure
Gemeinde besuchen, so tatkräftig einsetzt.
3Joh 1,6 Sie selbst haben uns vor der ganzen Gemeinde deine Liebe bestätigt. Es
ist gut und richtig, wenn du ihnen alles gibst, was sie für ihre Weiterreise
benötigen, so wie es ihnen als Dienern Gottes zusteht.
3Joh 1,7 Denn sie wagen diese Reisen, um die Botschaft von Jesus Christus zu
verkünden. Sie wollen auf keinen Fall von denen, die nicht an Gott glauben,
etwas für ihren Lebensunterhalt annehmen.
3Joh 1,8 Darum ist es unsere Aufgabe, diese Männer zu unterstützen. So helfen
wir mit, dass Gottes Wahrheit weitergetragen wird.
3Joh 1,9 Ich habe bereits an eure Gemeinde geschrieben. Aber Diotrephes, der bei
euch gern die führende Rolle spielen möchte, will nicht auf uns hören.
3Joh 1,10 Wenn ich zu euch komme, muss ich seine Machenschaften aufdecken; denn
er bringt uns mit seinen Verdächtigungen und Lügen überall in Verruf. Doch damit
noch nicht genug: Er ist auch nicht bereit, durchreisende Brüder aufzunehmen,
ja, er schließt sogar die Leute aus der Gemeinde aus, die das tun.
3Joh 1,11 Doch du, mein lieber Freund, sollst diesem schlechten Beispiel nicht
folgen, sondern dem guten. Denn nur wer das Gute tut, ist ein Kind Gottes. Wer
das Böse tut, kennt Gott nicht.
3Joh 1,12 Von Demetrius aber hört man überall nur Gutes, und das entspricht voll
und ganz der Wahrheit. Auch wir können dies bestätigen. Und wie du weißt, ist
unsere Empfehlung gut und richtig.
3Joh 1,13 Es gibt noch so vieles, was ich dir gern mitteilen würde. Aber ich
möchte es nicht schriftlich tun.
3Joh 1,14 Ich hoffe, dich bald zu sehen, und dann können wir über alles
ausführlich sprechen.
3Joh 1,15 Ich wünsche dir Frieden. Die Freunde von hier lassen dich grüßen.
Grüße auch du bitte jeden Einzelnen unserer Freunde!
Jud 1,1 Judas, der Jesus Christus dient, ein Bruder des Jakobus, schreibt diesen
Brief an alle, die Gott zum Glauben berufen hat. Gott, der Vater, liebt euch
alle, und Jesus Christus wird euch sicher ans Ziel bringen.
Jud 1,2 Ich wünsche euch, dass Gottes Barmherzigkeit, sein Friede und seine
Liebe euch immer mehr erfüllen.
Jud 1,3 Liebe Freunde! Eigentlich wollte ich euch über die Rettung schreiben,
die Gott uns gemeinsam geschenkt hat. Das liegt mir sehr am Herzen. Doch nun
muss ich in meinem Brief ermahnen und warnen. Setzt euch entschlossen für den
Glauben ein, wie er denen, die zu Gott gehören, ein für alle Mal überliefert
ist.
Jud 1,4 Bei euch haben sich einige Leute eingeschlichen, über die schon längst
das Urteil gefällt wurde. Sie wollen von Gott nichts wissen und missbrauchen
seine Gnade als Freibrief für ihr zügelloses Leben; ja, sie verraten Jesus
Christus, der doch allein unser Herr und Herrscher ist.
Jud 1,5 Was ich jetzt sage, ist euch allen längst bekannt. Und doch möchte ich
euch daran erinnern: Zwar befreite Gott das ganze Volk Israel aus Ägypten.
Trotzdem vernichtete er später alle, die sich von ihm abgewandt hatten.
Jud 1,6 Gott bestrafte auch die Engel, die ihren Auftrag missachtet und den
Platz verlassen hatten, der ihnen von Gott zugewiesen war. Bis zum Tag des
letzten Gerichts hält er sie mit unlösbaren Ketten in der Finsternis
eingeschlossen.
Jud 1,7 Vergesst auch nicht Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte. Sie
verhielten sich ähnlich wie jene Engel. Denn auch sie führten ein Leben voll
sexueller Zügellosigkeit und wollten sich mit Wesen anderer Art einlassen. Sie
sind ein warnendes Beispiel: Jetzt müssen sie die Qualen des ewigen Feuers
erleiden.
Jud 1,8 Genauso lassen sich in euren Gemeinden Leute von falschen Visionen
leiten und vergehen sich am eigenen Körper. Sie leugnen Gott als ihren Herrn und
lästern alle höheren Mächte.
Jud 1,9 Das wagte nicht einmal Michael, und er ist doch ein Fürst der Engel. Als
der Teufel ihm den Leichnam des Mose streitig machen wollte, sagte er nur: »Der
Herr soll dich bestrafen!« Er beschimpfte und verurteilte den Teufel nicht.
Jud 1,10 Diese Leute aber spotten über Dinge, die sie überhaupt nicht kennen.
Ohne jede Vernunft, wie die Tiere, folgen sie nur ihren Trieben. Damit richten
sie sich selbst zugrunde.
Jud 1,11 Wehe ihnen! Sie folgen dem Beispiel Kains, der seinen Bruder umbrachte.
Wie Bileam sind sie für Geld zu allem bereit. Und wie Korach gehen sie an ihrer
Aufsässigkeit zugrunde.
Jud 1,12 Wenn ihr euch zu euren Mahlzeiten versammelt, schlagen sie sich
hemmungslos die Bäuche voll. Ein Schandfleck sind sie für eure Gemeinde! Sie
sind wie Wolken, die der Wind vor sich hertreibt, ohne dass sie den ersehnten
Regen bringen; wie verdorrte Bäume, auf denen man zur Erntezeit die Früchte
vergeblich sucht. Sie sind vollkommen tot und entwurzelt.
Jud 1,13 Sie sind wie die wilden Meereswogen, die ihren Schmutz und Unrat ans
Ufer werfen. Sie gleichen Sternen, die aus der Bahn geraten sind, und werden in
der ewigen Finsternis versinken.
Jud 1,14 Henoch, der in der siebten Generation nach Adam lebte, hatte schon
damals über solche Leute vorausgesagt: »Seht, der Herr kommt mit vielen tausend
heiligen Engeln,
Jud 1,15 um über alle Menschen Gericht zu halten. Alle, die von Gott nichts
wissen wollen und sich gegen ihn auflehnen, wird er dann verurteilen. Ja, sie
bekommen ihre Strafe für ihr gottloses Treiben und ihr höhnisches Geschwätz.«
Jud 1,16 Diese Leute sind ständig unzufrieden und beklagen voller Selbstmitleid
ihr Schicksal. Sie lassen sich von ihren Begierden antreiben, schwingen
einerseits große Reden und kriechen andererseits vor den Leuten, wenn sie nur
irgendeinen Vorteil davon haben.
Jud 1,17 Ihr aber, meine lieben Freunde, sollt daran denken, was euch die
Apostel unseres Herrn Jesus Christus schon vor langer Zeit gesagt haben.
Jud 1,18 Sie warnten euch davor, dass in den letzten Tagen dieser Welt Spötter
auftreten werden, die von Gott nichts wissen wollen und sich nur von ihren
selbstsüchtigen Begierden leiten lassen.
Jud 1,19 Sie spalten die Gemeinde. Ihr ganzes Tun und Denken ist auf diese Welt
ausgerichtet; aber Gottes Geist ist nicht in ihnen.
Jud 1,20 Doch für euch, meine lieben Freunde, ist der Glaube, den Gott euch
selbst geschenkt hat, wie ein festes Fundament: Baut euer Leben darauf! Betet in
der Kraft des Heiligen Geistes!
Jud 1,21 Bleibt fest in der Liebe Gottes, und wartet geduldig auf den Tag, an
dem euch unser Herr Jesus Christus in seiner Barmherzigkeit zum ewigen Leben
führen wird.
Jud 1,22 Kümmert euch liebevoll um alle, die im Glauben Zweifel haben.
Jud 1,23 Helft ihnen, und reißt sie aus den Flammen des Gerichts. Auch allen
anderen Menschen sollt ihr mit Güte begegnen. Aber nehmt euch in Acht, dass ihr
euch nicht von ihrer Zügellosigkeit anstecken lasst.
Jud 1,24 Gott allein kann uns davor bewahren, dass wir vom rechten Weg abirren.
So können wir von Schuld befreit und voller Freude vor ihn treten.
Jud 1,25 Ihm, dem einzigen Gott, der uns durch Jesus Christus, unseren Herrn,
gerettet hat, gehören Ehre, Ruhm, Macht und Herrlichkeit. So war es schon immer,
so ist es jetzt und wird es in alle Ewigkeit sein. Amen.
Offb 1,1 In diesem Buch enthüllt Jesus Christus die Zukunft. Gott gab ihm den
Auftrag, seinen Dienern zu zeigen, was schon bald geschehen wird. Christus
schickte seinem Diener Johannes einen Engel, der ihm alles übermitteln sollte.
Offb 1,2 Alles, was er gesehen und gehört hat, gibt Johannes hier weiter. Er
bezeugt, was Gott gesagt und Jesus Christus ihm gezeigt und bestätigt hat.
Offb 1,3 Glücklich ist, wer die prophetischen Worte dieses Buches liest, auf sie
hört und danach handelt. Denn schon bald wird dies alles in Erfüllung gehen.
Offb 1,4 Dies schreibt Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asia: Ich
wünsche euch Gnade und Frieden von Gott, der immer da ist, der von Anfang an war
und der kommen wird; Gnade und Frieden auch von den sieben Geistern vor Gottes
Thron
Offb 1,5 und von Jesus Christus, der uns zuverlässig Gottes Wahrheit bezeugt. Er
ist als Erster von den Toten auferstanden und herrscht über alle Könige dieser
Erde. Er liebt uns und hat sein Blut für uns vergossen, um uns von unserer
Schuld zu befreien,
Offb 1,6 er gibt uns Anteil an seiner Herrschaft und hat uns zu Priestern
gemacht, die Gott, seinem Vater, dienen. Ihm gehören Ehre und alle Macht für
immer und ewig. Amen!
Offb 1,7 Seht! Jesus Christus wird in den Wolken kommen. Alle Menschen werden
ihn sehen, auch die, die ihn ans Kreuz geschlagen haben. Dann werden alle Völker
dieser Erde jammern und klagen. Das ist ganz sicher. Amen!
Offb 1,8 Gott, der Herr, spricht: »Ich bin der Anfang, und ich bin das Ziel, das
A und O.« Ja, er ist immer da, von allem Anfang an, und er wird kommen: der Herr
über alles!
Offb 1,9 Ich bin Johannes, euer Bruder, und teile mit euch Bedrängnis und
Verfolgung. Wie ihr warte auch ich geduldig und standhaft darauf, dass Jesus
Christus kommt; dann werde ich mit euch an seiner neuen Welt teilhaben. Weil ich
Gottes Botschaft verkündet und Jesus öffentlich bezeugt habe, wurde ich auf die
Insel Patmos verbannt.
Offb 1,10 An einem Sonntag ergriff mich Gottes Geist. Ich hörte hinter mir eine
gewaltige Stimme, durchdringend wie eine Posaune:
Offb 1,11 »Schreib alles auf, was du siehst, und sende das Buch an die sieben
Gemeinden: nach Ephesus, Smyrna und Pergamon, nach Thyatira, Sardes,
Philadelphia und Laodizea.«
Offb 1,12 Ich drehte mich um, weil ich sehen wollte, wer zu mir sprach. Da sah
ich sieben goldene Leuchter.
Offb 1,13 Mitten zwischen ihnen stand einer, der wie ein Mensch aussah. Er hatte
ein langes Gewand an, und um die Brust trug er einen goldenen Gürtel.
Offb 1,14 Seine Haare waren so hell wie reine Wolle, ja leuchtend weiß wie
Schnee. Seine Augen glühten wie die Flammen eines Feuers,
Offb 1,15 die Füße glänzten wie flüssiges Gold im Schmelzofen, und seine Stimme
dröhnte wie ein tosender Wasserfall.
Offb 1,16 In seiner rechten Hand hielt er sieben Sterne, und aus seinem Mund kam
ein scharfes, doppelschneidiges Schwert. Sein Gesicht leuchtete strahlend hell
wie die Sonne.
Offb 1,17 Als ich das sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Aber er
legte seine rechte Hand auf mich und sagte: »Fürchte dich nicht! Ich bin der
Erste und der Letzte,
Offb 1,18 und ich bin der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich für immer
und ewig, und ich habe Macht über den Tod und das Totenreich.
Offb 1,19 Schreib alles auf, was du gesehen hast, was jetzt geschieht und was in
Zukunft geschehen wird.
Offb 1,20 Die sieben Sterne in meiner Hand und die sieben goldenen Leuchter, die
du gesehen hast, haben folgende Bedeutung: Die sieben Sterne sind die Engel der
sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind diese Gemeinden selbst.«
Offb 2,1 »Schreib an den Engel der Gemeinde in Ephesus: Der in seiner rechten
Hand die sieben Sterne hält und zwischen den sieben goldenen Leuchtern
umhergeht, der lässt dieser Gemeinde sagen:
Offb 2,2 Ich weiß, wie viel Gutes du tust, weiß von all deiner Arbeit, und ich
kenne auch deine Standhaftigkeit. Es ist gut, dass du die Bösen in eurer Mitte
nicht duldest und die als Lügner entlarvst, die sich als Apostel ausgeben und es
doch nicht sind.
Offb 2,3 Geduldig hast du für mich Schweres ertragen und niemals aufgegeben.
Offb 2,4 Aber das eine habe ich gegen dich: Deine Liebe ist nicht mehr so stark
wie früher.
Offb 2,5 Erinnere dich daran, mit welcher Hingabe du einmal begonnen hast. Was
ist davon geblieben? Kehre um, und handle wieder so wie zu Beginn. Sonst werde
ich kommen und deinen Leuchter von seinem Platz stoßen.
Offb 2,6 Eins aber will ich dir zugute halten: Dir ist das Treiben der
Nikolaïten ebenso verhasst wie mir.
Offb 2,7 Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden sagt.
Denn wer durchhält und den Sieg erringt, dem will ich die Früchte vom Baum des
Lebens zu essen geben, der in Gottes Paradies steht.«
Offb 2,8 »An den Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Diese Botschaft kommt
von dem, der zugleich der Erste und der Letzte ist, der tot war und nun wieder
lebt.
Offb 2,9 Ich kenne alle deine Leiden und weiß, in welcher Armut du lebst; doch
in Wirklichkeit bist du reich. Mir ist auch nicht entgangen, wie bösartig euch
die Leute verleumden, die sich als fromme Juden ausgeben, in Wirklichkeit aber
Gehilfen des Satans sind.
Offb 2,10 Fürchte dich nicht vor dem, was dir noch bevorsteht. Der Teufel wird
einige von euch ins Gefängnis bringen, um euch auf die Probe zu stellen. Zehn
Tage lang werdet ihr leiden müssen. Doch wenn du mir treu bleibst bis zum Tod,
werde ich dir als Siegespreis das ewige Leben geben.
Offb 2,11 Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden
sagt. Wer durchhält und den Sieg erringt, dem wird der zweite, der ewige Tod
nichts anhaben können.«
Offb 2,12 »Schreib an den Engel der Gemeinde in Pergamon: Das lässt dir der
sagen, der das scharfe, doppelschneidige Schwert trägt.
Offb 2,13 Ich weiß, dass du in einer Stadt wohnst, die vom Satan regiert wird.
Trotzdem bekennst du dich treu zu mir und hast deinen Glauben nicht widerrufen;
selbst dann nicht, als Antipas, mein treuer Zeuge, in dieser Hochburg des Satans
getötet wurde.
Offb 2,14 Und doch habe ich etwas an dir auszusetzen: Du duldest in eurer Mitte
Leute, die an der Lehre Bileams festhalten. Aber Bileam brachte Balak dazu, das
Volk Israel ins Verderben zu stürzen. Er verführte sie, das Fleisch von
Götzenopfern zu essen, und verleitete sie zu sexueller Zügellosigkeit.
Offb 2,15 Es gibt unter euch Leute, die den Nikolaïten und ihrer Irrlehre
folgen.
Offb 2,16 Kehr zu mir um, sonst werde ich sehr schnell zu dir kommen und gegen
diese Leute mit dem Schwert aus meinem Mund kämpfen.
Offb 2,17 Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden
sagt. Wer durchhält und den Sieg erringt, wird Brot vom Himmel essen. Als
Zeichen des Sieges werde ich ihm einen weißen Stein geben. Darauf steht ein
neuer Name, den nur der kennt, der ihn erhält.«
Offb 2,18 »Schreib an den Engel der Gemeinde in Thyatira: Dies sagt dir der Sohn
Gottes, dessen Augen wie die Flammen eines Feuers glühen und dessen Füße wie
flüssiges Golderz glänzen.
Offb 2,19 Ich sehe alles, was du tust. Ich weiß, mit welcher Liebe du mir dienst
und mit welcher Treue du am Glauben festhältst. Ich kenne deinen Dienst für
andere und deine Geduld. Und heute setzt du dich noch mehr ein als früher.
Offb 2,20 Trotzdem habe ich etwas an dir auszusetzen: Du unternimmst nichts
gegen Isebel, die sich als Prophetin ausgibt. Durch ihre Lehre verführt sie die
Gläubigen zu sexueller Zügellosigkeit und ermuntert sie, ohne Bedenken das
Fleisch der Götzenopfer zu essen.
Offb 2,21 Diese Frau hat genug Zeit gehabt, ihr Leben zu ändern. Aber sie
weigert sich, zu mir umzukehren.
Offb 2,22 Darum werfe ich sie aufs Bett, zusammen mit all ihren Liebhabern. Dort
werden sie leiden müssen, wenn sie nicht ihr böses Treiben beenden.
Offb 2,23 Isebels Kinder werde ich dem Tod ausliefern. Dann werden alle
Gemeinden wissen, dass ich die Menschen durch und durch kenne, selbst ihre
geheimsten Gedanken und Wünsche. Und jeder wird den Lohn von mir bekommen, den
er verdient.
Offb 2,24 Allen anderen in Thyatira, die der Irrlehre nicht gefolgt sind und
sich auf diese so genannten tiefen Erkenntnisse über den Satan nicht eingelassen
haben, will ich keine zusätzlichen Lasten auferlegen.
Offb 2,25 Haltet nur unerschütterlich an dem fest, was ihr habt, bis ich komme.
Offb 2,26 Denn wer durchhält und den Sieg erringt, wer bis zuletzt nach meinem
Willen lebt und handelt, dem werde ich Macht über die Völker der Erde geben.
Offb 2,27 Mit eiserner Strenge wird er über sie herrschen und sie zerschlagen
wie Tongefäße.
Offb 2,28 Und wie mein Vater mir Macht und Herrschaft gab, will ich sie auch
jedem geben, der im Glauben festbleibt. Als Zeichen der Macht schenke ich ihm
den Morgenstern.
Offb 2,29 Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden
sagt.«
Offb 3,1 »Schreib an den Engel der Gemeinde in Sardes: Das sagt der, dem die
sieben Geister Gottes dienen und der die sieben Sterne in seiner Hand hält. Ich
weiß alles, was du tust. Du giltst als lebendige Gemeinde, aber in Wirklichkeit
bist du tot.
Offb 3,2 Wach auf und stärke die wenigen, deren Glaube noch lebendig ist, bevor
auch ihr Glaube stirbt. Denn so, wie du bisher gelebt hast, kannst du vor Gott
nicht bestehen.
Offb 3,3 Hast du denn ganz vergessen, wie du Gottes Botschaft gehört und
aufgenommen hast? Besinn dich wieder darauf, und kehr um zu Gott. Wenn du nicht
wach wirst, werde ich plötzlich da sein, unerwartet wie ein Dieb. Und du wirst
nicht wissen, wann ich komme.
Offb 3,4 Aber auch bei euch in Sardes sind einige, denen der Schmutz dieser Welt
nichts anhaben konnte. Sie werden immer bei mir sein und weiße Kleider tragen;
denn sie sind es wert.
Offb 3,5 Wer durchhält und den Sieg erringt, der wird solch ein weißes Kleid
tragen. Ich werde seinen Namen nicht aus dem Buch des Lebens streichen, sondern
mich vor meinem Vater und seinen Engeln zu ihm bekennen.
Offb 3,6 Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden
sagt!«
Offb 3,7 »Schreib an den Engel der Gemeinde in Philadelphia: Das sagt dir der
eine, der heilig und wahrhaftig ist. Er allein hat als Nachkomme Davids den
Schlüssel zum Heil. Wo er aufschließt, kann niemand mehr zuschließen; wo er aber
zuschließt, kann niemand mehr öffnen.
Offb 3,8 Ich weiß, was du getan und geleistet hast. Sieh, ich habe dir eine Tür
geöffnet, die niemand verschließen kann. Deine Kraft ist klein; doch du hast an
dem, was ich gesagt habe, festgehalten und dich unerschrocken zu mir bekannt.
Offb 3,9 Achte jetzt auf alles, was geschehen wird: Es werden Leute zu dir
kommen, die sich als fromme Juden ausgeben. Aber sie lügen; in Wirklichkeit sind
sie Anhänger des Satans. Diese Männer werde ich dazu bewegen, dass sie vor dir
auf die Knie fallen; denn sie sollen erkennen, dass ich dich liebe.
Offb 3,10 Du hast meine Aufforderung befolgt, geduldig auszuhalten. Deshalb will
ich dich auch in der schweren Prüfung bewahren, die über die ganze Erde kommen
wird, um alle Menschen auf die Probe zu stellen.
Offb 3,11 Ich komme schnell und unerwartet. Darum halte fest, was du hast, damit
dir niemand deinen Siegespreis nehmen kann.
Offb 3,12 Denn wer durchhält und den Sieg erringt, den werde ich zu einer Säule
im Tempel meines Gottes machen; er wird dort immer bleiben. Und er soll den
Namen meines Gottes tragen und wird ein Bürger des neuen Jerusalem sein, der
Stadt, die Gott vom Himmel herabkommen lässt. Auch meinen eigenen neuen Namen
wird er erhalten.
Offb 3,13 Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden
sagt.«
Offb 3,14 »An den Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt dir der
eine, der die Erfüllung aller Zusagen Gottes ist. Christus ist Gottes treuer und
wahrhaftiger Zeuge. Er ist der Ursprung von allem, was Gott geschaffen hat.
Offb 3,15 Ich kenne dich genau und weiß alles, was du tust. Du bist weder kalt
noch heiß. Ach, wärst du doch das eine oder das andere!
Offb 3,16 Aber du bist lau, und deshalb werde ich dich ausspucken.
Offb 3,17 Du bildest dir ein: ›Ich bin reich und habe alles, was ich brauche!‹
Da machst du dir selbst etwas vor! Du merkst gar nicht, wie jämmerlich du in
Wirklichkeit dran bist: arm, blind und nackt.
Offb 3,18 Darum solltest du dich endlich um den wahren Reichtum bemühen, um das
reine Gold, das im Feuer geläutert wurde. Nur dieses Gold macht dich reich, und
nur von mir kannst du es bekommen. Lass dir auch die weißen Kleider von mir
geben, damit du nicht länger nackt und bloß dastehst. Kauf dir Augensalbe, die
deine blinden Augen heilt.
Offb 3,19 Bei allen, die ich liebe, decke ich die Schuld auf und erziehe sie mit
Strenge. Nimm dir das zu Herzen, und kehr um zu Gott!
Offb 3,20 Merkst du es denn nicht? Noch stehe ich vor deiner Tür und klopfe an.
Wer jetzt auf meine Stimme hört und mir die Tür öffnet, zu dem werde ich
hineingehen und Gemeinschaft mit ihm haben.
Offb 3,21 Wer durchhält und den Sieg erringt, wird mit mir auf meinem Thron
sitzen, so wie auch ich mich als Sieger auf den Thron meines Vaters gesetzt
habe.
Offb 3,22 Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden
sagt.«
Offb 4,1 Danach, als ich aufblickte, sah ich am Himmel eine offene Tür. Dieselbe
Stimme, die schon vorher zu mir gesprochen hatte, gewaltig wie der Schall einer
Posaune, sagte: »Komm herauf! Ich will dir zeigen, was in Zukunft geschehen
wird.«
Offb 4,2 Sofort ergriff mich Gottes Geist, und dann sah ich: Im Himmel stand ein
Thron, auf dem jemand saß.
Offb 4,3 Die Gestalt leuchtete wie ein Edelstein, wie ein Jaspis oder Karneol.
Und um den Thron strahlte ein Regenbogen, schimmernd wie lauter Smaragde.
Offb 4,4 Dieser Thron war von vierundzwanzig anderen Thronen umgeben, auf denen
vierundzwanzig Älteste saßen. Sie trugen weiße Gewänder und auf dem Kopf goldene
Kronen.
Offb 4,5 Blitze, Donner und gewaltige Stimmen gingen von dem Thron aus. Davor
brannten sieben Fackeln: Das sind die sieben Geister Gottes.
Offb 4,6 Gleich vor dem Thron war so etwas wie ein Meer, durchsichtig wie Glas,
klar wie Kristall. In der Mitte und um den Thron herum standen vier mächtige
Lebewesen, die überall Augen hatten.
Offb 4,7 Die erste dieser Gestalten sah aus wie ein Löwe, die zweite glich einem
Stier; die dritte hatte ein Gesicht wie ein Mensch, und die vierte glich einem
fliegenden Adler.
Offb 4,8 Jede dieser Gestalten hatte sechs Flügel. Auch die Flügel waren innen
und außen voller Augen. Unermüdlich, Tag und Nacht, rufen sie: »Heilig, heilig,
heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der schon immer war, der heute da ist
und der kommen wird!«
Offb 4,9 Diese vier Lebewesen loben und preisen den, der vor ihnen auf dem Thron
sitzt und immer und ewig leben wird.
Offb 4,10 Und jedes Mal fallen die vierundzwanzig Ältesten dabei vor ihm nieder
und beten den an, dem alle Macht gegeben ist und der ewig lebt. Sie legen ihre
Kronen vor seinem Thron nieder und rufen:
Offb 4,11 »Dich, unseren Herrn und Gott, beten wir an. Du allein bist würdig,
dass wir dich ehren und rühmen, uns deiner Macht unterordnen. Denn du hast alles
erschaffen. Nach deinem Willen entstand die Welt und alles, was auf ihr lebt.«
Offb 5,1 Ich sah, dass der auf dem Thron in seiner rechten Hand eine Buchrolle
hielt. Sie war innen und außen beschrieben und mit sieben Siegeln verschlossen.
Offb 5,2 Und ich sah einen mächtigen Engel, der mit gewaltiger Stimme rief: »Wer
ist würdig, dieses Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?«
Offb 5,3 Doch es war niemand da, der es öffnen und hineinsehen konnte; niemand
im Himmel, niemand auf der Erde und auch niemand im Totenreich.
Offb 5,4 Da weinte ich sehr, weil niemand da war, der würdig gewesen wäre, das
Buch zu öffnen und hineinzusehen.
Offb 5,5 Doch einer von den Ältesten sagte zu mir: »Weine nicht! Einer hat
gesiegt; er kann das Buch öffnen und seine sieben Siegel brechen. Es ist der
Löwe aus dem Stamm Juda, der Nachkomme König Davids.«
Offb 5,6 Und dann sah ich es: In der Mitte vor dem Thron, umgeben von den vier
mächtigen Gestalten und den Ältesten, stand ein Lamm, das aussah, als ob es
geschlachtet wäre. Es hatte sieben Hörner und sieben Augen. Das sind die sieben
Geister Gottes, die in die ganze Welt ausgesandt worden sind.
Offb 5,7 Das Lamm ging zu dem, der auf dem Thron saß, und empfing das Buch aus
dessen rechter Hand.
Offb 5,8 Im selben Augenblick fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig
Ältesten vor dem Lamm nieder. Jeder von ihnen hatte eine Harfe und goldene
Schalen voller Weihrauch. Das sind die Gebete aller, die zu Gott gehören.
Offb 5,9 Und alle sangen ein neues Lied: »Du allein bist würdig, das Buch zu
nehmen, nur du darfst seine Siegel brechen. Denn du bist als Opfer geschlachtet
worden, und mit deinem Blut hast du Menschen für Gott freigekauft; Menschen
aller Stämme und Sprachen, aus allen Völkern und Nationen.
Offb 5,10 Durch dich sind sie jetzt Könige und Priester unseres Gottes, und sie
werden über die ganze Erde herrschen.«
Offb 5,11 Danach sah ich viele Tausende und Abertausende von Engeln, eine
unzählbare Menge, und ich hörte, wie sie gemeinsam etwas riefen. Sie standen um
den Thron, um die vier Gestalten und um die Ältesten.
Offb 5,12 Gewaltig ertönte ihre Stimme: »Allein dem Lamm, das geopfert wurde,
gehören alle Macht und aller Reichtum. Ihm allein gehören Weisheit und Kraft,
Ehre, Herrlichkeit und Anbetung!«
Offb 5,13 Dann hörte ich, wie auch alle anderen Geschöpfe einstimmten. Alle im
Himmel und auf der Erde, die Toten unter der Erde wie die Geschöpfe des Meeres,
sie alle riefen: »Lob und Ehre, alle Herrlichkeit und Macht gehören dem, der auf
dem Thron sitzt, und dem Lamm für immer und ewig!«
Offb 5,14 Die vier Gestalten bekräftigten dies mit ihrem »Amen«. Und die
vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten Gott an.
Offb 6,1 Nun sah ich, wie das Lamm das erste der sieben Siegel aufbrach. Da
hörte ich eine der vier Gestalten mit Donnerstimme rufen: »Los!«
Offb 6,2 Und als ich mich umsah, erblickte ich ein weißes Pferd. Sein Reiter
trug einen Bogen und erhielt die Krone des Siegers. Er kam als Sieger, um erneut
zu siegen.
Offb 6,3 Als das Lamm das zweite Siegel aufbrach, hörte ich die zweite der
mächtigen Gestalten sagen: »Los!«
Offb 6,4 Diesmal kam ein Reiter auf einem feuerroten Pferd. Ihm wurde ein großes
Schwert gegeben. Damit sollte er den Frieden von der Erde nehmen. Erbarmungslos
würden sich die Menschen gegenseitig umbringen.
Offb 6,5 Dann brach das Lamm das dritte Siegel auf, und ich hörte die dritte
Gestalt sagen: »Los!« Und nun sah ich ein schwarzes Pferd. Sein Reiter hielt
eine Waage in der Hand.
Offb 6,6 Da rief eine der vier Gestalten: »Für den Lohn eines ganzen
Arbeitstages gibt es nur noch ein Kilo Weizen oder drei Kilo Gerste. Nur Öl und
Wein gibt es zum alten Preis!«
Offb 6,7 Nachdem das vierte Siegel aufgebrochen war, hörte ich die vierte
Gestalt sagen: »Los!«
Offb 6,8 Da sah ich ein Pferd von aschfahler Farbe. Sein Reiter hieß Tod, und
ihm folgte das ganze Totenreich. Sie hatten die Macht über ein Viertel der Erde,
um die Menschen durch Kriege, Hungersnöte, Seuchen und wilde Tiere
dahinzuraffen.
Offb 6,9 Jetzt brach das Lamm das fünfte Siegel auf. Ich sah unten am Altar all
die Menschen, die man getötet hatte, weil sie sich treu an Gottes Wort gehalten
und bis zuletzt ihren Glauben bekannt hatten.
Offb 6,10 Laut riefen sie: »Du heiliger und wahrhaftiger Gott! Wann endlich
sprichst du dein Urteil über all die Menschen auf der Erde, die uns verfolgt und
getötet haben? Wann wirst du sie dafür bestrafen?«
Offb 6,11 Jeder von ihnen bekam ein weißes Gewand, und ihnen wurde gesagt:
»Wartet noch so lange, bis sich das Schicksal eurer Geschwister und
Leidensgefährten auf der Erde erfüllt hat, die auch noch getötet werden müssen.«
Offb 6,12 Als das Lamm das sechste Siegel öffnete, gab es ein gewaltiges
Erdbeben. Die Sonne wurde schwarz wie ein Trauerkleid und der Mond rot wie Blut.
Offb 6,13 Und die Sterne fielen vom Himmel auf die Erde, so wie der Feigenbaum
seine reifen Früchte abwirft, wenn er vom Sturm geschüttelt wird.
Offb 6,14 Der Himmel verschwand vor meinen Augen wie eine Buchrolle, die man
zusammenrollt. Die Berge wankten und stürzten in sich zusammen, und die Inseln
versanken.
Offb 6,15 Angst und Schrecken ergriff die Mächtigen und Herrscher der Erde, die
Heerführer, die Reichen und die Starken, die Herren ebenso wie ihre Sklaven. Sie
alle suchten Schutz in Höhlen und zwischen den Felsen der Berge.
Offb 6,16 Und alle schrien zu den Bergen: »Stürzt doch auf uns herab! Verbergt
uns vor den Augen dessen, dem alle Macht gehört! Bewahrt uns vor dem Zorn des
Lammes!
Offb 6,17 Der Tag, an dem sie Gericht halten, ist jetzt gekommen. Wer kann da
bestehen?«
Offb 7,1 Dann sah ich in jeder der vier Himmelsrichtungen einen Engel stehen.
Sie hielten die Winde und Stürme zurück. Kein Lufthauch war zu spüren, weder auf
der Erde noch auf dem Meer; nicht ein Blättchen raschelte an den Bäumen.
Offb 7,2 Aus dem Osten, da wo die Sonne aufgeht, sah ich einen anderen Engel
heraufsteigen; der trug das Siegel des lebendigen Gottes. Den vier Engeln, die
von Gott die Macht erhalten hatten, das Verderben über Land und Meer zu bringen,
rief er mit lauter Stimme zu:
Offb 7,3 »Wartet! Bringt noch kein Unheil über das Land, das Meer und die Bäume.
Erst wollen wir allen, die zu Gott gehören und ihm dienen, sein Siegel auf die
Stirn drücken.«
Offb 7,4 Dann hörte ich, wie viele dieses Zeichen erhielten. Es waren 144000;
sie kamen aus allen Stämmen Israels:
Offb 7,5 [5-8] je zwölftausend aus den Stämmen Juda, Ruben, Gad, Asser, Naftali,
Manasse, Simeon, Levi, Issaschar, Sebulon, Josef und Benjamin.
Offb 7,9 Jetzt sah ich eine riesige Menschenmenge, so groß, dass niemand sie
zählen konnte. Die Menschen kamen aus allen Nationen, Stämmen und Völkern; alle
Sprachen der Welt waren zu hören. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm.
Alle hatten weiße Gewänder an und trugen Palmenzweige in der Hand.
Offb 7,10 Mit lauter Stimme riefen sie: »Heil und Rettung kommen allein von
unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!«
Offb 7,11 Alle Engel standen um den Thron, um die Ältesten und die vier
mächtigen Gestalten. Sie fielen vor dem Thron nieder und beteten Gott an.
Offb 7,12 »Ja, das steht fest«, sagten sie, »Anbetung und Herrlichkeit, Weisheit
und Dank, Ehre, Macht und Kraft gehören unserem Gott für immer und ewig. Amen!«
Offb 7,13 Da fragte mich einer der Ältesten: »Weißt du, wer diese Menschen mit
den weißen Kleidern sind und wo sie herkommen?«
Offb 7,14 »Nein, Herr«, antwortete ich, »aber du weißt es. Sag es mir doch!« Da
antwortete er mir: »Sie kommen aus Verfolgung, Leid und Bedrängnis. Im Blut des
Lammes haben sie ihre Kleider rein gewaschen.
Offb 7,15 Deshalb stehen sie hier vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und
Nacht in seinem Tempel. Gott, der auf dem Thron sitzt, wird bei ihnen wohnen!
Offb 7,16 Sie werden nie wieder Hunger oder Durst leiden; keine Sonnenglut oder
sonst etwas wird sie jemals wieder quälen.
Offb 7,17 Denn das Lamm, das vor dem Thron steht, wird ihr Hirte sein. Er wird
sie zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens entspringt. Und Gott
wird ihnen alle Tränen abwischen!«
Offb 8,1 Als das Lamm das siebte Siegel aufbrach, wurde es im Himmel ganz still,
etwa eine halbe Stunde lang.
Offb 8,2 Ich sah die sieben Engel vor Gott stehen, und sie erhielten sieben
Posaunen.
Offb 8,3 Dann kam ein anderer Engel. Mit einem goldenen Weihrauchgefäß trat er
vor den Altar. Ihm wurde viel Weihrauch gereicht; er sollte ihn auf dem Altar
vor Gottes Thron als Opfer darbringen, zusammen mit den Gebeten der Menschen,
die zu Gott gehören.
Offb 8,4 Und so geschah es auch. Der Duft des Weihrauchs stieg aus der Hand des
Engels zu Gott auf, zusammen mit den Gebeten der Menschen.
Offb 8,5 Jetzt füllte der Engel das Weihrauchgefäß mit Feuer vom Altar und
schleuderte es auf die Erde. Da begann es zu blitzen und zu donnern, und die
Erde bebte.
Offb 8,6 Nun machten sich die sieben Engel bereit, die sieben Posaunen zu
blasen.
Offb 8,7 Als die Posaune des ersten Engels ertönte, fielen Hagel und Feuer, mit
Blut vermischt, auf die Erde. Ein Drittel der Erde, ein Drittel der Bäume und
alles grüne Gras verbrannte.
Offb 8,8 Jetzt blies der zweite Engel seine Posaune. Etwas, das wie ein großer
feuerglühender Berg aussah, stürzte brennend ins Meer. Da wurde ein Drittel des
Meeres zu Blut,
Offb 8,9 ein Drittel aller Lebewesen im Meer starb, und ein Drittel aller
Schiffe wurde zerstört.
Offb 8,10 Dann ertönte die Posaune des dritten Engels. Ein riesiger Stern fiel
wie eine brennende Fackel vom Himmel. Er stürzte auf ein Drittel aller Flüsse
und Quellen.
Offb 8,11 Dieser Stern heißt »Bitterkeit«. Er vergiftete ein Drittel des Wassers
auf der Erde. Viele Menschen starben, nachdem sie von dem bitteren Wasser
getrunken hatten.
Offb 8,12 Jetzt hörte ich die Posaune des vierten Engels. Schlagartig erloschen
ein Drittel der Sonne und des Mondes; auch ein Drittel aller Sterne verfinsterte
sich. Das Licht des Tages wurde um ein Drittel schwächer, und die Finsternis der
Nacht nahm um ein Drittel zu.
Offb 8,13 Ich blickte auf und bemerkte einen Adler, der hoch oben am Himmel flog
und laut schrie: »Wehe! Wehe euch Menschen auf der Erde! Bald werden die drei
anderen Engel ihre Posaune blasen. Und dann wird Furchtbares geschehen!«
Offb 9,1 Da stieß der fünfte Engel in seine Posaune. Ich sah einen Stern, der
vom Himmel auf die Erde gefallen war. Diesem Stern wurde der Schlüssel zum
Abgrund der Hölle gegeben.
Offb 9,2 Er öffnete den Abgrund, und heraus quollen Rauch und beißender Qualm
wie aus einem riesigen Schmelzofen. Die Luft war vom Rauch so verpestet, dass
man die Sonne nicht mehr sehen konnte.
Offb 9,3 Aus dem Rauch quollen Heuschrecken und überfielen die Erde. Ihre Stiche
waren giftig wie die von Skorpionen.
Offb 9,4 Doch sie durften weder dem Gras noch den Bäumen oder irgendeiner
Pflanze auf der Erde Schaden zufügen. Sie sollten nur die Menschen quälen, die
nicht das Siegel Gottes auf ihrer Stirn trugen.
Offb 9,5 Aber sie durften die Menschen nicht töten, sondern sie mussten ihnen
fünf Monate lang qualvolle Schmerzen zufügen, wie sie der Stich eines Skorpions
hervorruft.
Offb 9,6 In dieser Zeit werden sich die Menschen verzweifelt den Tod wünschen,
aber er wird sie nicht erlösen. Sie wollen nur noch sterben, aber der Tod wird
vor ihnen fliehen.
Offb 9,7 Die Heuschrecken sahen aus wie Streitrosse, die in den Kampf ziehen.
Auf ihren Köpfen glänzte es, als würden sie goldene Kronen tragen, und ihre
Gesichter hatten menschliche Züge.
Offb 9,8 Sie hatten eine Mähne wie Frauenhaar und Zähne wie Löwen.
Offb 9,9 Brustschilde hatten sie wie Eisenpanzer, und ihre Flügelschläge
dröhnten wie Streitwagen, die mit vielen Pferden bespannt in die Schlacht
ziehen.
Offb 9,10 Sie hatten Schwänze und Stacheln wie Skorpione. Mit ihrem Gift konnten
sie die Menschen fünf Monate lang quälen.
Offb 9,11 Als König herrschte über sie ein Engel der Hölle. Die Juden nennen ihn
Abaddon, bei den Griechen heißt er Apollyon. Das bedeutet: Zerstörer.
Offb 9,12 Aber das ist noch nicht alles. Diesem ersten Unheil werden noch zwei
weitere folgen.
Offb 9,13 Jetzt blies der sechste Engel seine Posaune. Ich hörte eine Stimme von
allen vier Hörnern des goldenen Altars, der vor dem Thron Gottes steht.
Offb 9,14 Diese Stimme forderte den sechsten Engel auf: »Befrei die vier Engel,
die am Euphratstrom gefangen sind!«
Offb 9,15 Und die vier Engel wurden befreit. Auf dieses Jahr, diesen Monat,
diesen Tag, ja, genau auf diese Stunde hatten sie gewartet, um ein Drittel der
Menschheit zu töten.
Offb 9,16 Sie führten ein riesiges Heer. Ich hörte, dass es zweihundert
Millionen Reiter waren.
Offb 9,17 Und dann sah ich diese Vision: Die Pferde trugen ebenso wie ihre
Reiter feuerrot, himmelblau und schwefelgelb glänzende Rüstungen. Mächtig wie
Löwenköpfe waren die Köpfe der Pferde. Feuer, Rauch und brennender Schwefel
schossen aus ihren Mäulern.
Offb 9,18 Mit diesen drei Waffen töteten sie ein Drittel der Menschheit.
Offb 9,19 Aber nicht nur aus ihren Mäulern kamen Tod und Zerstörung, auch mit
ihren Schwänzen konnten sie die Menschen umbringen. Denn ihre Schwänze sahen aus
wie Schlangen. Sie bissen zu und töteten.
Offb 9,20 Doch trotz all dieser entsetzlichen Katastrophen dachten die
Überlebenden nicht daran, sich zu ändern und zu Gott umzukehren. Nach wie vor
beteten sie die Dämonen an und ihre selbst gemachten Götzen aus Gold, Silber,
Bronze, Stein oder Holz, die weder hören noch sehen, noch laufen können.
Offb 9,21 Ja, die Menschen kehrten nicht um. Sie hörten nicht auf, einander
umzubringen, Zauberei zu treiben, sexuell zügellos zu leben und einander zu
bestehlen.
Offb 10,1 Dann sah ich einen anderen mächtigen Engel vom Himmel herabkommen.
Eine Wolke umgab ihn, und über seinem Kopf wölbte sich ein Regenbogen. Sein
Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Beine glichen lodernden Feuersäulen.
Offb 10,2 In seiner Hand hielt er ein kleines, aufgeschlagenes Buch. Seinen
rechten Fuß setzte er auf das Meer, seinen linken auf das Land.
Offb 10,3 Wie Löwengebrüll dröhnte seine Stimme, und laut krachend antworteten
ihm sieben Donnerschläge.
Offb 10,4 Doch als ich aufschreiben wollte, was ich hörte, rief mir eine Stimme
vom Himmel zu: »Schreib nicht auf, was die sieben Donner geredet haben. Behalt
es für dich!«
Offb 10,5 Jetzt erhob der Engel, den ich mit einem Fuß auf dem Meer und mit dem
anderen auf dem Land stehen sah, seine rechte Hand zum Himmel.
Offb 10,6 Und er schwor bei dem, der immer und ewig lebt, der den Himmel, die
Erde, das Meer und alles Leben geschaffen hat: »Die Zeit geht zu Ende!
Offb 10,7 Denn wenn der siebte Engel seine Posaune bläst, wird Gott seinen
geheimen Plan vollenden, so wie er es seinen Dienern, den Propheten, zugesagt
hat.«
Offb 10,8 Noch einmal sprach die Stimme vom Himmel zu mir und forderte mich auf:
»Geh und nimm das aufgeschlagene Buch aus der Hand des Engels, der auf dem Meer
und auf dem Land steht!«
Offb 10,9 Da ging ich zu dem Engel und bat ihn um das kleine Buch. Er antwortete
mir: »Nimm das Büchlein, und iss es auf! Es schmeckt süß wie Honig, aber du
wirst Magenschmerzen davon bekommen.«
Offb 10,10 So nahm ich das kleine Buch aus seiner Hand und aß es. Es schmeckte
wirklich süß wie Honig; aber dann lag es mir schwer im Magen.
Offb 10,11 Da sagte mir jemand: »Gott wird dir noch einmal zeigen, was er mit
den Völkern, Nationen, Stämmen und ihren Herrschern vorhat. Das sollst du auch
noch bekannt machen!«
Offb 11,1 Nun erhielt ich einen Messstab, der wie ein langes Rohr aussah, und
jemand forderte mich auf: »Steh auf und miss den Tempel Gottes aus und den
Altar. Zähl alle, die dort beten.
Offb 11,2 Nur den Vorhof draußen vor dem Tempel sollst du nicht messen. Denn ihn
werden die Nichtjuden besetzen, wenn sie Gottes heilige Stadt zweiundvierzig
Monate lang belagern und zerstören.
Offb 11,3 Ich werde ihnen meine zwei Zeugen schicken. Sie kommen in
Trauerkleidung und werden in diesen 1260 Tagen verkünden, was Gott ihnen
eingegeben hat.«
Offb 11,4 Diese beiden Zeugen sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die
vor dem Herrn der Welt stehen.
Offb 11,5 Wer es wagt, sie anzugreifen, wird durch Feuer aus ihrem Mund getötet.
Ja, wer sich an ihnen vergreift, der wird sterben.
Offb 11,6 Sie haben die Macht, den Himmel zu verschließen, damit es nicht
regnet, solange sie im Auftrag Gottes sprechen. Ebenso liegt es in ihrer Macht,
jedes Gewässer in Blut zu verwandeln und Unheil über die Erde zu bringen, so oft
sie wollen.
Offb 11,7 Wenn sie Gottes Auftrag ausgeführt haben, wird aus dem Abgrund der
Hölle ein Tier heraufsteigen und gegen sie kämpfen. Es wird siegen und die
beiden Zeugen töten.
Offb 11,8 Ihre Leichen wird man auf dem Platz der großen Stadt zur Schau
stellen, in der auch ihr Herr gekreuzigt wurde. Diese Stadt ist wie ein neues
»Sodom« oder »Ägypten«.
Offb 11,9 Menschen aus allen Völkern, Stämmen, Sprachen und Nationen werden die
Toten sehen, die dort dreieinhalb Tage lang liegen. Denn man wird es nicht
erlauben, die Toten zu bestatten.
Offb 11,10 Alle Menschen auf der Erde werden über den Tod der beiden Zeugen so
erleichtert sein, dass sie Freudenfeste feiern und sich gegenseitig Geschenke
machen. Denn diese beiden Propheten haben großes Leid über die Menschen auf der
ganzen Welt gebracht.
Offb 11,11 Nach dreieinhalb Tagen aber gab Gottes Geist ihnen neues Leben, und
sie standen wieder auf! Alle, die das sahen, waren wie gelähmt vor Angst und
Schrecken.
Offb 11,12 Dann forderte eine gewaltige Stimme vom Himmel die beiden Zeugen auf:
»Kommt herauf!« Vor den Augen ihrer Feinde wurden sie in einer Wolke zum Himmel
hinaufgehoben.
Offb 11,13 In demselben Augenblick gab es ein schweres Erdbeben. Ein Zehntel der
Stadt stürzte ein, und siebentausend Menschen kamen ums Leben. Die Überlebenden
waren entsetzt. Sie fürchteten sich und unterwarfen sich endlich der Herrschaft
Gottes.
Offb 11,14 Aber das Unheil ist noch immer nicht vorüber. Der zweiten
Schreckenszeit wird sehr bald eine dritte folgen.
Offb 11,15 Jetzt ertönte die Posaune des siebten Engels. Und im Himmel erklangen
mächtige Stimmen: »Von jetzt an gehört die Herrschaft über die Welt unserem
Herrn und seinem Sohn Jesus Christus. Sie werden für immer und ewig herrschen!«
Offb 11,16 Die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen,
warfen sich vor ihm nieder. Sie lobten Gott
Offb 11,17 und beteten: »Wir danken dir, Herr, du großer, allmächtiger Gott, der
du bist und immer warst. Du hast deine große Macht bewiesen und die Herrschaft
übernommen.
Offb 11,18 Die Völker haben sich im Zorn von dir abgewandt. Darum trifft sie
jetzt dein Zorn. Die Zeit des Gerichts ist gekommen, und die Toten wirst du
richten. Allen wirst du ihren Lohn geben: deinen Dienern, den Propheten, allen,
die dir gehören und Ehrfurcht vor dir haben, den Großen wie den Kleinen. Ohne
Ausnahme wirst du alle vernichten, die unsere Erde ins Verderben gestürzt
haben.«
Offb 11,19 Da öffnete sich der Tempel Gottes im Himmel, und die Bundeslade war
zu sehen. Blitze zuckten über den Himmel, und Donner, gewaltige Stimmen,
Erdbeben und schwere Hagelstürme erschütterten die Erde.
Offb 12,1 Am Himmel sah man jetzt eine gewaltige Erscheinung: eine Frau, die mit
der Sonne bekleidet war und den Mond unter ihren Füßen hatte. Auf dem Kopf trug
sie eine Krone aus zwölf Sternen.
Offb 12,2 Sie war hochschwanger und schrie unter den Geburtswehen vor Schmerz.
Offb 12,3 Dann gab es noch eine Erscheinung am Himmel: Plötzlich sah ich einen
großen, feuerroten Drachen mit sieben Köpfen, sieben Kronen und zehn Hörnern.
Offb 12,4 Mit seinem Schwanz fegte er ein Drittel aller Sterne vom Himmel und
schleuderte sie auf die Erde. Der Drache stellte sich vor die Frau; denn er
wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
Offb 12,5 Die Frau brachte einen Sohn zur Welt, der einmal mit eiserner Strenge
über die Völker der Erde herrschen sollte. Das Kind wurde von Gott aufgenommen
und vor seinen Thron gebracht.
Offb 12,6 Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott selbst einen Zufluchtsort für
sie vorbereitet hatte. 1260 Tage sollte sie dort versorgt werden.
Offb 12,7 Dann brach im Himmel ein Kampf aus: Michael und seine Engel griffen
den Drachen an. Der Drache schlug mit seinem Heer von Engeln zurück;
Offb 12,8 doch er verlor den Kampf und durfte nicht länger im Himmel bleiben.
Offb 12,9 Der große Drache ist niemand anders als der Teufel oder Satan, der als
listige Schlange schon immer die ganze Welt zum Bösen verführt hat. Er wurde mit
allen seinen Engeln aus dem Himmel auf die Erde hinuntergestürzt.
Offb 12,10 Jetzt hörte ich eine gewaltige Stimme im Himmel rufen: »Nun hat Gott
den Sieg errungen, er hat seine Stärke gezeigt und seine Herrschaft
aufgerichtet! Alle Macht liegt in den Händen seines Sohnes Jesus Christus. Denn
der Ankläger ist endgültig gestürzt, der unsere Brüder und Schwestern Tag und
Nacht vor Gott beschuldigte.
Offb 12,11 Sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes und weil sie sich zu
Gott bekannt haben. Sie haben ihr Leben für Gott eingesetzt und den Tod nicht
gefürchtet.
Offb 12,12 Darum freut euch nun, ihr Himmel und alle, die ihr darin wohnt! Aber
wehe euch, Erde und Meer! Der Teufel wurde auf euch losgelassen. Er schnaubt vor
Wut; denn er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt.«
Offb 12,13 Als der Drache merkte, dass er auf der Erde war, verfolgte er die
Frau, die den Sohn geboren hatte.
Offb 12,14 Doch Gott gab der Frau die starken Flügel eines Adlers. So konnte sie
an ihren Zufluchtsort in der Wüste fliehen. Dreieinhalb Jahre wurde sie hier
versorgt und war vor den Angriffen des Drachens, der bösen Schlange, sicher.
Offb 12,15 Doch die Schlange gab nicht auf. Eine gewaltige Wasserflut schoss aus
ihrem Rachen, und die Frau geriet in große Gefahr.
Offb 12,16 Aber die Erde half der Frau. Sie öffnete sich und verschlang das
Wasser, das der Drache ausspuckte.
Offb 12,17 Darüber wurde der Drache so wütend, dass er jetzt alle anderen
Nachkommen dieser Frau bekämpfte. Das sind die Menschen, die nach Gottes Geboten
leben und sich zu Jesus bekennen.
Offb 12,18 Und der Drache begab sich an den Strand des Meeres.
Offb 13,1 Ich sah ein Tier aus dem Meer auftauchen. Es hatte sieben Köpfe und
zehn Hörner; auf jedem Horn trug es eine Krone. Auf den Köpfen standen Namen,
die Gott beleidigten.
Offb 13,2 Das Tier sah aus wie ein Panther, aber es hatte die Tatzen eines Bären
und den Rachen eines Löwen. Der Drache gab ihm seine ganze Macht, setzte es auf
den Herrscherthron und übertrug ihm alle Befehlsgewalt.
Offb 13,3 An einem Kopf des Tieres sah ich eine tödliche Wunde; aber diese Wunde
wurde geheilt. Alle Welt lief dem Tier voller Bewunderung nach.
Offb 13,4 Und die Menschen fielen vor dem Drachen nieder und beteten ihn an,
weil er seine Macht dem Tier gegeben hatte. Auch das Tier beteten sie an und
riefen: »Wo auf der ganzen Welt ist jemand, der sich mit ihm vergleichen kann?
Wer wagt es, den Kampf mit ihm aufzunehmen?«
Offb 13,5 Das Tier wurde ermächtigt, große Reden zu schwingen und dabei Gott zu
lästern. Zweiundvierzig Monate lang durfte es seinen Einfluss ausüben.
Offb 13,6 Wenn das Tier sein Maul aufriss, beleidigte es Gott. Es verhöhnte
seinen Namen, sein Heiligtum und alle, die im Himmel wohnen.
Offb 13,7 Nichts und niemand hinderte das Tier daran, gegen die Menschen zu
kämpfen, die zu Gott gehören, und sie sogar zu besiegen. Das Tier herrschte
uneingeschränkt über alle Völker und Stämme, über die Menschen aller Sprachen
und Nationen.
Offb 13,8 Und alle Menschen auf der Erde werden das Tier verehren und anbeten:
alle, deren Namen nicht schon seit Beginn der Welt im Lebensbuch des
geschlachteten Lammes stehen.
Offb 13,9 Hört genau hin und achtet darauf:
Offb 13,10 Wer dazu bestimmt ist, ins Gefängnis zu kommen, der wird auch
gefangen genommen. Und wer durch das Schwert sterben soll, der wird auch mit dem
Schwert getötet. Hier muss sich die Standhaftigkeit und die Treue aller
bewähren, die zu Christus gehören.
Offb 13,11 Aus der Erde sah ich dann ein anderes Tier aufsteigen. Es hatte zwei
Hörner wie ein Lamm und eine Stimme wie ein Drache.
Offb 13,12 Dieses Tier übte dieselbe Macht aus wie das erste und erhielt von ihm
seine Aufträge. Es brachte alle Bewohner der Erde dazu, das erste Tier, dessen
tödliche Wunde geheilt war, wie einen Gott zu verehren und anzubeten.
Offb 13,13 Dieses zweite Tier vollbrachte große Wunder. Vor den Augen der
Menschen ließ es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde fallen.
Offb 13,14 Und immer wenn das erste Tier dabei war, verführte das zweite die
Menschen durch solche Wunder. Es forderte sie auf, eine Statue zu Ehren des
ersten Tieres zu errichten, das durchs Schwert tödlich getroffen und dann wieder
lebendig geworden war.
Offb 13,15 Doch das war noch nicht alles. Es gelang ihm sogar, der Statue Leben
einzuhauchen. Sie begann zu sprechen und verlangte, dass jeder getötet werden
sollte, der sie nicht verehrte und anbetete.
Offb 13,16 Jeder - ob groß oder klein, reich oder arm, ob Herr oder Sklave -
wurde gezwungen, auf der rechten Hand oder der Stirn ein Zeichen zu tragen.
Offb 13,17 Ohne dieses Zeichen konnte niemand etwas kaufen oder verkaufen. Und
dieses Zeichen war nichts anderes als der Name des Tieres, in Buchstaben
geschrieben oder in Zahlen ausgedrückt.
Offb 13,18 Doch um das zu ergründen, ist Gottes Weisheit nötig. Wer Einsicht und
Verstand hat, wird herausfinden, was die Zahl des Tieres bedeutet. Hinter ihr
verbirgt sich ein Mensch. Es ist die Zahl 666.
Offb 14,1 Ich sah das Lamm auf dem Berg Zion stehen, umgeben von 144000
Menschen. Auf ihrer Stirn stand sein Name und der Name seines Vaters.
Offb 14,2 Jetzt hörte ich Stimmen vom Himmel - gewaltig wie ein rauschender
Wasserfall und wie heftige Donnerschläge und doch so zart und schön wie
Harfenspiel.
Offb 14,3 Vor dem Thron Gottes, vor den vier Gestalten und den vierundzwanzig
Ältesten sangen sie ein neues Lied. Aber nur die 144000, die das Lamm durch sein
Opfer von der Erde losgekauft hat, können dieses Lied singen.
Offb 14,4 Sie sind ihrem Herrn treu geblieben und haben sich nicht durch
Götzendienst verunreinigt. Sie sind rein und folgen dem Lamm überallhin. Als
erste von allen Menschen sind sie von ihrer Schuld freigekauft und ganz Gott und
dem Lamm geweiht.
Offb 14,5 Weder Lüge noch Falschheit gibt es bei ihnen; sie sind ohne Tadel, und
niemand kann ihnen etwas vorwerfen.
Offb 14,6 Jetzt sah ich einen Engel hoch am Himmel fliegen. Er hatte die
Aufgabe, allen Menschen auf der Erde, allen Stämmen und Völkern, den Menschen
aller Sprachen und Nationen eine ewig gültige rettende Botschaft zu verkünden.
Offb 14,7 Laut rief er: »Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre! Denn jetzt wird er
Gericht halten. Betet den an, der alles geschaffen hat: den Himmel und die Erde,
das Meer und die Wasserquellen.«
Offb 14,8 Diesem Engel folgte ein zweiter. Er rief: »Babylon ist gefallen, die
große Stadt! Sie hat alle Völker der Erde betrunken gemacht mit ihrem Wein der
Verführung. Die Menschen konnten nicht genug davon bekommen.«
Offb 14,9 Nun kam ein dritter Engel. Er rief: »Wehe allen, die das Tier aus dem
Meer und seine Statue verehren und anbeten, die das Kennzeichen des Tieres an
ihrer Stirn oder Hand tragen!
Offb 14,10 Denn sie werden den Kelch, der mit Gottes Zorn gefüllt ist, bis zur
bitteren Neige leeren müssen. In Gegenwart der heiligen Engel und vor den Augen
des Lammes werden sie in Feuer und Schwefel qualvoll leiden.
Offb 14,11 Dieses Feuer wird niemals verlöschen; immer und ewig steigt sein
Rauch auf. Niemals werden die Ruhe finden, die das Tier und seine Statue
angebetet und sein Zeichen angenommen haben.
Offb 14,12 Hier müssen alle, die zu Gott gehören, ihre Standhaftigkeit beweisen;
denn nur die können bestehen, die nach Gottes Geboten leben und dem Glauben an
Jesus treu bleiben.«
Offb 14,13 Dann hörte ich eine Stimme vom Himmel, die mich aufforderte:
»Schreib: Ab jetzt kann sich jeder freuen, der im Vertrauen auf den Herrn
stirbt!« »Ja«, antwortete der Geist, »sie dürfen von ihrer Arbeit und ihrem
Leiden ausruhen. Der Lohn für all ihre Mühe ist ihnen gewiss!«
Offb 14,14 Danach sah ich eine weiße Wolke. Darauf saß einer, der wie ein Mensch
aussah. Er trug eine goldene Krone auf dem Kopf und hielt in der Hand eine
scharfe Sichel.
Offb 14,15 Nun kam ein Engel aus dem Tempel und rief ihm zu: »Nimm deine Sichel,
und fang an zu ernten! Denn die Erntezeit ist gekommen, und die Erde ist reif
dafür.«
Offb 14,16 Und der auf der Wolke saß, schwang seine Sichel über die Erde, und
die Ernte wurde eingebracht.
Offb 14,17 Ein anderer Engel trat aus dem Tempel im Himmel. Auch er hatte eine
scharfe Sichel.
Offb 14,18 Dazu kam noch ein Engel vom Altar, der Gewalt über das Feuer hatte.
Er rief dem Engel mit der Sichel zu: »Nimm deine scharfe Sichel, und schneide
die Trauben vom Weinstock der Erde; sie sind reif.«
Offb 14,19 Da schleuderte der Engel seine Sichel auf die Erde und erntete die
Trauben. Er warf sie in die große Weinpresse des Zornes Gottes.
Offb 14,20 Draußen vor der Stadt wurde der Saft aus den Trauben gekeltert. Ein
riesiger Blutstrom ergoss sich aus der Weinpresse: dreihundert Kilometer weit
und so hoch, dass er den Pferden bis an die Zügel reichte.
Offb 15,1 Danach sah ich am Himmel eine andere große und gewaltige Erscheinung:
Sieben Engel waren dort, und jeder brachte eine neue Katastrophe auf die Erde.
Erst damit sollte Gottes Gericht zu Ende gehen.
Offb 15,2 Ich sah so etwas wie ein Meer, durchsichtig wie Glas und leuchtend wie
Feuer. An seinem Ufer standen alle, die Sieger geblieben waren über das Tier,
die seine Statue nicht angebetet und die Zahl seines Namens nicht angenommen
hatten. In ihren Händen hielten sie Harfen, die Gott ihnen gegeben hatte.
Offb 15,3 Sie sangen das Siegeslied, das schon Mose, der Diener Gottes, gesungen
hatte, und das Lied des Lammes: »Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr, du
allmächtiger Gott! Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König aller
Völker!
Offb 15,4 Wer sollte dich, Herr, nicht anerkennen, und wer deinen Namen nicht
rühmen und ehren? Nur du allein bist heilig! Alle Völker werden kommen und dich
anbeten, denn alle werden deine Gerechtigkeit erkennen!«
Offb 15,5 Dann sah ich, wie im Himmel der Tempel, das heilige Zelt, weit
geöffnet wurde.
Offb 15,6 Aus dem Tempel kamen die sieben Engel, die sieben Katastrophen über
die Erde bringen sollten. Sie trugen strahlend weiße Leinengewänder und ein
goldenes Band um die Brust.
Offb 15,7 Eine von den vier mächtigen Gestalten gab den sieben Engeln sieben
goldene Schalen. Jede von ihnen war gefüllt mit dem Zorn des Gottes, der ewig
lebt.
Offb 15,8 Die Wolke der Herrlichkeit und Macht Gottes erfüllte den Tempel. Und
niemand konnte den Tempel betreten, bevor die sieben Engel die sieben
Katastrophen zum Abschluss gebracht hatten.
Offb 16,1 Jetzt hörte ich, wie eine gewaltige Stimme aus dem Tempel den sieben
Engeln zurief: »Geht und überschüttet die Erde mit den sieben Schalen des Zornes
Gottes.«
Offb 16,2 Da ging der erste Engel und goss seine Schale auf die Erde. Sofort
bildeten sich bösartige und schmerzhafte Geschwüre bei allen Menschen, die das
Zeichen des Tieres trugen und seine Statue angebetet hatten.
Offb 16,3 Der zweite Engel goss seine Schale in das Meer. Da wurde das Wasser zu
Blut. Es war wie das Blut von einem Toten. Und alle Lebewesen im Meer
verendeten.
Offb 16,4 Der dritte Engel goss seine Schale über die Flüsse und Quellen. Alles
wurde zu Blut.
Offb 16,5 Dabei hörte ich, wie der Engel, der über das Wasser herrscht, sagte:
»Du hast dein Urteil gesprochen, du heiliger Gott, der du bist und immer warst.
Dein Urteil ist richtig und gerecht.
Offb 16,6 Sie haben alle getötet, die an dich glaubten, und sie haben das Blut
deiner Propheten vergossen. Deshalb hast du ihnen dieses Blut zu trinken
gegeben. Das haben sie verdient!«
Offb 16,7 Und ich hörte, wie eine Stimme vom Altar her sagte: »Ja, Herr, du
allmächtiger Gott! Deine Urteile sind wahr und gerecht.«
Offb 16,8 Dann goss der vierte Engel seine Schale über die Sonne. Von nun an
quälte sie die Menschen mit ihrem Feuer.
Offb 16,9 Alle Menschen litten unter der sengenden Glut. Doch keiner kehrte um
und erkannte Gott als den Herrn an. Sie verfluchten vielmehr seinen Namen und
lehnten sich weiter gegen ihn auf, der sie mit solch schrecklichen Katastrophen
heimsuchte.
Offb 16,10 Der fünfte Engel schüttete seine Schale über dem Thron des Tieres
aus. Da versank das Reich des Tieres in tiefste Finsternis. Die Menschen dort
zerbissen sich vor Schmerzen die Zunge.
Offb 16,11 Aber auch sie bereuten nichts und kehrten nicht um, sondern
verfluchten Gott, weil sie solche Schmerzen und qualvollen Geschwüre ertragen
mussten.
Offb 16,12 Der sechste Engel goss seine Schale in den großen Fluss, den Euphrat.
Der Fluss trocknete aus, so dass die Könige aus dem Osten ungehindert mit ihren
Armeen in das Land eindringen konnten.
Offb 16,13 Ich sah, wie aus dem Maul des Drachen, des Tieres und des falschen
Propheten drei unreine Geister krochen, die wie Frösche aussahen.
Offb 16,14 Es sind dämonische Geister, die Wunder vollbringen und die Herrscher
dieser Erde für sich gewinnen wollen. Alle sollen sich mit ihnen zum Kampf gegen
den allmächtigen Gott verbünden, wenn der große Tag der Entscheidung kommt.
Offb 16,15 »Doch vergiss nicht«, sagt Christus, »ich komme plötzlich und
unerwartet wie ein Dieb! Nur wer wach bleibt und bereit ist, wird an diesem Tag
glücklich sein. Nur wer seine Kleider griffbereit hat, muss dann nicht nackt
umherlaufen und sich schämen.«
Offb 16,16 Die dämonischen Geister versammelten die Heere der Welt an dem Ort,
der auf Hebräisch »Harmagedon« heißt.
Offb 16,17 Der siebte Engel schüttete seine Schale in die Luft. Da erklang vom
Thron des Tempels im Himmel eine gewaltige Stimme: »Es ist geschehen!«
Offb 16,18 Blitze zuckten über den Himmel, der Donner krachte, und gewaltige
Stimmen dröhnten. Die Erde bebte so heftig wie noch nie seit Menschengedenken.
Offb 16,19 Die große Stadt Babylon zerbrach in drei Teile, und die Städte der
Welt sanken in Trümmer. Gott hatte Babylon und ihre Sünden nicht vergessen. Nun
musste auch sie den Kelch, der mit Gottes Zorn gefüllt ist, bis zur bitteren
Neige leeren.
Offb 16,20 Die Inseln versanken, und die Berge stürzten in sich zusammen.
Offb 16,21 Riesige zentnerschwere Hagelbrocken fielen vom Himmel auf die
Menschen. Sie verfluchten Gott wegen dieser furchtbaren Katastrophe.
Offb 17,1 Nun kam einer von den sieben Engeln, die sieben Schalen erhalten
hatten, zu mir und sagte: »Komm mit, ich will dir zeigen, wie Gott die große
Hure straft, die an den vielen Wasserläufen so sicher thront.
Offb 17,2 Die Mächtigen dieser Welt haben sich mit ihr eingelassen. Alle
Menschen waren berauscht von dem Wein der Verführung, den sie ihnen eingoss.«
Offb 17,3 Jetzt nahm mich der Engel und versetzte mich im Geist in die Wüste.
Dort sah ich eine Frau auf einem grellroten Tier, das sieben Köpfe und zehn
Hörner hatte. Es war überall beschrieben mit Beleidigungen Gottes.
Offb 17,4 Die Frau trug purpur- und scharlachrote Kleider, dazu kostbaren,
goldenen Schmuck mit wertvollen Edelsteinen und Perlen. In ihrer Hand hielt sie
einen Becher aus Gold, der bis an den Rand gefüllt war mit ihrer Bosheit, ihrer
Verführung und ihrem Götzendienst.
Offb 17,5 Auf ihrer Stirn stand ein geheimnisvoller Name: »Die große Babylon,
die Mutter aller Verführung und allen Götzendienstes auf der Erde!«
Offb 17,6 Und ich sah, wie sie sich berauschte an dem Blut all der Menschen, die
Gott gehörten und getötet wurden, weil sie Jesus die Treue hielten. Ich war tief
erschüttert von all dem, was ich sah.
Offb 17,7 »Warum bist du so fassungslos?«, fragte mich der Engel. »Ich will dir
erklären, wer diese Frau ist und was das Tier mit den sieben Köpfen und den zehn
Hörnern bedeutet, auf dem sie sitzt.
Offb 17,8 Das Tier, das du gesehen hast, war einmal da, auch wenn es jetzt
verschwunden ist. Aber es wird aus dem Abgrund aufsteigen, und dann führt sein
Weg in den endgültigen Untergang. Und den Menschen auf der Erde, deren Namen
nicht schon seit Beginn der Welt im Buch des Lebens stehen, wird es beim Anblick
dieses Tieres die Sprache verschlagen. Sie werden sich wundern, dass es zuerst
da war, dann verschwand und plötzlich wieder auftauchte.
Offb 17,9 Um das zu begreifen, ist Weisheit und Verständnis nötig: Die sieben
Köpfe bedeuten sieben Hügel, von denen aus die Frau ihre Macht ausübt. Zugleich
sind sie auch ein Bild für sieben Könige.
Offb 17,10 Fünf von ihnen sind schon gefallen. Der sechste regiert jetzt, und
der siebte wird noch kommen. Aber seine Regierungszeit wird nur kurz sein.
Offb 17,11 Das Tier, das früher da war und jetzt nicht da ist, dieses Tier ist
ein achter König; und er gehört zu den sieben anderen. Auch sein Weg führt in
den Untergang.
Offb 17,12 Die zehn Hörner, die du gesehen hast, bedeuten zehn Könige, die noch
nicht an die Macht gekommen sind. Aber wie Könige werden sie mit dem Tier
herrschen, wenn auch nur für kurze Zeit.
Offb 17,13 Sie ziehen an einem Strang, haben ein gemeinsames Ziel und stellen
sich mit ihrer Macht und ihrem Einfluss dem Tier zur Verfügung.
Offb 17,14 Gemeinsam werden sie gegen das Lamm kämpfen. Aber das Lamm wird sie
besiegen. Denn es ist der Herr über alle Herren, der König über alle Könige. Und
mit ihm siegen alle, die von ihm berufen und auserwählt wurden und ihm treu
sind.«
Offb 17,15 Weiter sprach der Engel zu mir: »Die Wasserläufe, die du gesehen hast
und an denen die Hure sitzt, sind ein Bild für die Völker aller Rassen, Nationen
und Sprachen.
Offb 17,16 Das Tier und seine zehn Hörner, die du auch gesehen hast, werden die
Hure hassen. Sie werden sie völlig ausplündern, so dass sie nackt und bloß
dasteht. Ihr Fleisch werden sie fressen und alles andere im Feuer verbrennen.
Offb 17,17 Damit aber erfüllen sie nur die Absicht Gottes. Er sorgt dafür, dass
sie alles gemeinsam tun und ihre ganze Macht und ihren ganzen Einfluss dem Tier
überlassen, bis alles erfüllt ist, was Gott gesagt hat.
Offb 17,18 Die Frau, die du gesehen hast, ist die große Stadt, die über alle
Könige der Erde herrscht.«
Offb 18,1 Danach sah ich, wie ein anderer Engel vom Himmel herabkam. Er hatte
besondere Macht, und von seinem Glanz erstrahlte die ganze Erde.
Offb 18,2 Mit gewaltiger Stimme rief er: »Gefallen ist Babylon, die große Stadt!
Ja, sie ist gefallen! Dämonen und böse Geister hausen jetzt dort, in ihren
Ruinen leben abscheuliche Vögel, die als unrein gelten.
Offb 18,3 Alle Völker haben sich mit ihrem Wein der Verführung betrunken. Sie
konnten gar nicht genug bekommen! Auch die Herrscher dieser Erde haben sich mit
ihr eingelassen. Und durch ihren Reichtum sind die Händler auf der ganzen Welt
reich geworden.«
Offb 18,4 Dann hörte ich eine andere Stimme vom Himmel her rufen: »Verlass diese
Stadt, du mein Volk! Sonst wirst du mit hineingezogen in ihre Sünden, und dann
wird Gottes Gericht auch dich treffen.
Offb 18,5 Denn ihre Sünden reichen bis an den Himmel. Aber Gott hat nicht eine
einzige ihrer Schandtaten vergessen.
Offb 18,6 Gebt ihr zurück, was sie euch angetan hat. Ja, zahlt es ihr doppelt
heim! Gab sie euch einen Kelch ihres Weines zu trinken, so schenkt ihr doppelt
ein!
Offb 18,7 So wie sie einst in Saus und Braus gelebt hat, soll sie jetzt Qual und
Leid ertragen. Insgeheim denkt sie noch: ›Ich bin Königin und werde weiter
herrschen. Ich bin keine hilflose Witwe; Not und Trauer werde ich niemals
erfahren. Ich doch nicht!‹
Offb 18,8 Aber an einem einzigen Tag wird alles über sie hereinbrechen: Hunger,
Trauer und Tod. Im Feuer wird sie verbrennen. Denn Gott, der Herr, der mit ihr
abrechnet, ist stark und mächtig.
Offb 18,9 All die Mächtigen der Erde, die ihr nachgelaufen sind und sich mit ihr
eingelassen haben, werden jammern und klagen, wenn sie den Rauch der brennenden
Stadt sehen.
Offb 18,10 Zitternd vor Angst werden sie aus großer Entfernung alles mit ansehen
und laut schreien: ›Ach, Babylon! Du großes, du starkes Babylon! Von einem
Augenblick zum anderen ist das Gericht über dich hereingebrochen!‹
Offb 18,11 Auch die Kaufleute der Erde weinen und trauern; denn niemand kauft
mehr ihre Waren:
Offb 18,12 all das Gold und Silber, die Edelsteine und Perlen, feine Leinwand,
Seide, purpur- und scharlachrote Stoffe; edle Hölzer, Gefäße aus Elfenbein,
kostbare Schnitzereien, Kupfer, Eisen und Marmor;
Offb 18,13 Zimt, duftende Salben, Räucherwerk, Myrrhe und Weihrauch, Wein und
Olivenöl, feinstes Mehl und Weizen, Rinder und Schafe, Pferde und Wagen, ja
sogar Menschen.
Offb 18,14 Auch die Früchte, die du so sehr liebtest, gibt es nicht mehr. Aller
Glanz und alle Pracht sind dahin. Nie mehr wird dieser Reichtum wiederkehren.
Offb 18,15 So werden die Kaufleute, die durch ihren Handel mit Babylon reich
geworden sind, alles von ferne mit ansehen, weil sie Angst haben vor den Qualen
dieser Stadt. Weinend und jammernd
Offb 18,16 werden sie rufen: ›Welch ein Elend hat dich getroffen, du mächtige
Stadt! Wo sind all deine Schätze, die kostbare Leinwand, die Purpur- und
Scharlachstoffe? Du strahltest doch in goldenem Glanz und warst geschmückt mit
Gold, Edelsteinen und Perlen!
Offb 18,17 Und in einem Augenblick ist alles vernichtet!‹ Auch Kapitäne und
Steuermänner mit ihren Schiffsbesatzungen schauten von weitem zu.
Offb 18,18 Als sie den Rauch der brennenden Stadt sahen, riefen sie: ›Was auf
der Welt konnte man mit dieser Stadt vergleichen?‹
Offb 18,19 In ihrer Trauer streuten sie sich Staub auf den Kopf und klagten laut
weinend: ›Welch ein Jammer um diese mächtige Stadt! Durch ihre Schätze sind alle
reich geworden, die Schiffe auf dem Meer haben. Und so schnell ist sie nun
zerstört worden!‹
Offb 18,20 Doch du, Himmel, freu dich darüber! Freut euch, die ihr Gott
vertraut! Freut euch, ihr Apostel und Propheten! Gott hat sein Urteil an ihr
vollstreckt für alles Unrecht, das ihr erleiden musstet.«
Offb 18,21 Dann hob ein mächtiger Engel einen Stein auf, so groß wie ein
Mühlstein. Den warf er ins Meer und rief: »So wie dieser Stein wird auch das
große Babylon untergehen. Nichts wird davon übrig bleiben.
Offb 18,22 Nie wieder wird dort Musik erklingen: keine Harfen, keine Sänger,
weder Flöten noch Trompeten. Nie mehr wird ein Handwerker in dieser Stadt
arbeiten, und ihre Getreidemühlen werden für immer stillstehen.
Offb 18,23 Alle Lichter werden verlöschen, und die fröhlichen Hochzeitsfeste
sind für alle Zeiten vorbei. Du hattest die besten Kaufleute, sie beherrschten
die ganze Erde. Durch deine Zauberei hast du alle Völker verführt.
Offb 18,24 Du bist schuldig am Tod der Propheten und der Menschen, die zu Gott
gehörten. Ja, du bist verantwortlich für den Tod aller Menschen, die auf der
Erde umgebracht wurden.«
Offb 19,1 Da hörte ich im Himmel viele Stimmen wie von einer großen
Menschenmenge. Sie riefen: »Halleluja! Lobt den Herrn! In ihm allein ist alles
Heil, ihm gehören alle Herrlichkeit und Macht!
Offb 19,2 Er ist der unbestechliche und gerechte Richter. Denn er hat sein
Urteil über die große Hure vollstreckt, die mit ihrem verlockenden Zauber die
ganze Welt verführte. Für das Blut seiner Diener, das sie vergossen hatte, zog
er sie zur Rechenschaft.«
Offb 19,3 Immer wieder riefen sie: »Halleluja! Lobt den Herrn! Für alle Zeiten
wird der Rauch dieser brennenden Stadt zum Himmel aufsteigen.«
Offb 19,4 Da fielen die vierundzwanzig Ältesten und die vier mächtigen Gestalten
vor dem Thron Gottes nieder. Sie beteten Gott an und riefen laut: »Amen! Lobt
den Herrn. Halleluja!«
Offb 19,5 Jetzt erklang vom Thron eine Stimme: »Rühmt unseren Gott! Alle, ob
groß oder klein, die ihr zu ihm gehört und ihm dient!«
Offb 19,6 Und wieder hörte ich viele Stimmen wie von einer großen Menschenmenge:
mächtig wie Wassermassen, die zu Tal stürzen, und wie das Grollen des Donners.
Sie riefen: »Halleluja! Lobt den Herrn! Denn der allmächtige Gott, unser Herr,
hat seine Herrschaft angetreten.
Offb 19,7 Wir wollen uns darüber freuen, jubeln und Gott ehren. Jetzt ist der
große Hochzeitstag des Lammes gekommen; seine Braut ist bereit!
Offb 19,8 In feines, strahlend weißes Leinen durfte sie sich kleiden.« Das
Leinen ist ein Bild für die gerechten Taten der Menschen, die zu Gott gehören.
Offb 19,9 Dann befahl mir der Engel: »Schreib: ›Glücklich, wer zum Hochzeitsfest
des Lammes eingeladen ist!‹« Und er fügte hinzu: »Gott selber hat das gesagt,
und seine Worte sind zuverlässig!«
Offb 19,10 Da fiel ich vor dem Engel nieder und wollte ihn anbeten. Aber er
wehrte ab und sagte: »Nein, tu das nicht! Ich bin nichts anderes als du und
deine Brüder, ein Diener, der von Jesus beauftragt wurde. Bete allein Gott an!
Wenn wir die Botschaft von Jesus verkünden, dann schenkt uns sein Geist
prophetische Worte.«
Offb 19,11 Da öffnete sich der Himmel vor meinen Augen, und ich sah ein weißes
Pferd. Der darauf saß, heißt: »der Treue und Wahrhaftige«. Es ist der gerechte
Richter, der für die Gerechtigkeit kämpft!
Offb 19,12 Seine Augen leuchteten wie flammendes Feuer, und sein Kopf war mit
vielen Kronen geschmückt. Der Reiter trug einen Namen, den nur er selber kannte.
Offb 19,13 Sein Gewand war voller Blut, und man nannte ihn: »Das Wort Gottes.«
Offb 19,14 Die Heere des Himmels folgten ihm auf weißen Pferden. Sie alle trugen
Gewänder aus reinem, strahlend weißem Leinen.
Offb 19,15 Aus dem Mund des Reiters kam ein scharfes Schwert, mit dem er die
Völker besiegt. Er wird sie mit eiserner Strenge regieren. Und wie beim Keltern
der Saft aus den Trauben gepresst wird, so wird er sie zertreten, und sie werden
den furchtbaren Zorn des allmächtigen Gottes zu spüren bekommen.
Offb 19,16 Auf seinem Gewand, an der Hüfte, stand der Name: »König über alle
Könige! Herr über alle Herren!«
Offb 19,17 Dann sah ich einen Engel, umstrahlt vom Sonnenlicht. Mit lauter
Stimme rief er allen Vögeln zu, die am Himmel flogen: »Kommt her! Versammelt
euch zum großen Schlachtfest Gottes.
Offb 19,18 Stürzt euch auf das Fleisch der Könige, der Heerführer und aller
Mächtigen dieser Erde. Fresst das Fleisch der Pferde und ihrer Reiter, das
Fleisch der Herren und der Sklaven, der Großen und der Kleinen.«
Offb 19,19 Und ich sah das Tier und die Herrscher der Erde. Mit ihren Armeen
waren sie angetreten, um gegen den Reiter auf dem weißen Pferd und gegen sein
Heer zu kämpfen.
Offb 19,20 Doch das Tier wurde ergriffen und mit ihm der Lügenprophet. Der hatte
im Auftrag des Tieres die Wunder getan und damit alle verführt, die das Zeichen
des Tieres angenommen und seine Statue angebetet hatten. Bei lebendigem Leib
wurden beide - das Tier und der Lügenprophet - in einen See voller brennendem
Schwefel geworfen.
Offb 19,21 Die anderen wurden mit dem Schwert getötet, das aus dem Mund des
Reiters auf dem weißen Pferd kam. Und alle Vögel fraßen sich satt an ihrem
Fleisch.
Offb 20,1 Danach sah ich einen Engel vom Himmel herabkommen. In seiner Hand
hielt er den Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette.
Offb 20,2 Er ergriff den Drachen, die alte Schlange - sie ist nichts anderes als
der Teufel oder Satan -, und legte ihn für tausend Jahre in Fesseln.
Offb 20,3 Der Engel warf ihn in den Abgrund, verschloss den Eingang und
versiegelte ihn. Nun konnte der Satan die Völker nicht mehr verführen, bis die
tausend Jahre vorüber waren. Nach dieser Zeit muss er noch einmal für kurze Zeit
freigelassen werden.
Offb 20,4 Und ich sah mehrere Thronsessel. Auf ihnen nahmen alle Platz, die den
Auftrag hatten, über andere Gericht zu halten. Ich sah die Seelen der Menschen,
die man enthauptet hatte, weil sie sich treu zu Jesus und zu Gottes Botschaft
bekannt hatten. Sie hatten das Tier und seine Statue nicht angebetet, hatten
sein Zeichen nicht auf ihrer Stirn oder Hand getragen. Jetzt lebten sie mit
Christus und herrschten mit ihm tausend Jahre lang.
Offb 20,5 Dies ist die erste Auferstehung. Die anderen Toten wurden erst wieder
lebendig, nachdem die tausend Jahre vorüber waren.
Offb 20,6 Glücklich und von Gott angenommen sind alle, die an der ersten
Auferstehung teilhaben. Über sie hat der zweite Tod keine Macht. Als Priester
Gottes und Christi werden sie tausend Jahre mit ihm herrschen.
Offb 20,7 Wenn die tausend Jahre vorüber sind, wird der Satan für kurze Zeit aus
seinem Gefängnis freigelassen.
Offb 20,8 Dann wird er alle Völker der Welt, Gog und Magog, zum Kampf anstiften
und aufmarschieren lassen. So zahlreich wie der Sand am Meer werden sie sein.
Offb 20,9 Sie zogen herauf, überrannten die ganze Erde und umzingelten das Lager
des Gottesvolkes und die geliebte Stadt Gottes. Doch da fiel Feuer vom Himmel
und vernichtete die Heere des Satans.
Offb 20,10 Er selbst, der sie verführt hatte, wurde nun auch in den See mit
brennendem Schwefel geworfen zu dem Tier und dem Lügenpropheten. Immer und ewig
müssen sie dort Tag und Nacht schreckliche Qualen erleiden.
Offb 20,11 Ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß. Erde und
Himmel konnten seinen Blick nicht ertragen, sie verschwanden im Nichts.
Offb 20,12 Und ich sah alle Toten vor dem Thron Gottes stehen: die Mächtigen und
die Namenlosen. Nun wurden Bücher geöffnet, auch das Buch des Lebens. Über alle
Menschen wurde das Urteil gesprochen, und zwar nach ihren Taten, wie sie in den
Büchern beschrieben waren.
Offb 20,13 Das Meer gab seine Toten zurück, ebenso der Tod und sein Reich. Alle,
ohne jede Ausnahme, wurden entsprechend ihren Taten gerichtet.
Offb 20,14 Der Tod und das ganze Totenreich wurden in den See aus Feuer
geworfen. Das ist der zweite Tod.
Offb 20,15 Und alle, deren Namen nicht im Buch des Lebens aufgeschrieben waren,
wurden ebenfalls in den Feuersee geworfen.
Offb 21,1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der vorige
Himmel und die vorige Erde waren vergangen, und auch das Meer war nicht mehr da.
Offb 21,2 Ich sah, wie die Stadt Gottes, das neue Jerusalem, von Gott aus dem
Himmel herabkam: festlich geschmückt wie eine Braut an ihrem Hochzeitstag.
Offb 21,3 Eine gewaltige Stimme hörte ich vom Thron her rufen: »Hier wird Gott
mitten unter den Menschen sein! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein
Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben.
Offb 21,4 Er wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr
haben. Leid, Klage und Schmerzen wird es nie wieder geben; denn was einmal war,
ist für immer vorbei.«
Offb 21,5 Der auf dem Thron saß, sagte: »Sieh, ich schaffe alles neu!« Und mich
forderte er auf: »Schreib auf, was ich dir sage, alles ist zuverlässig und
wahr.«
Offb 21,6 Und weiter sagte er: »Alles ist in Erfüllung gegangen. Ich bin der
Anfang, und ich bin das Ziel, das A und O. Allen Durstigen werde ich Wasser aus
der Quelle des Lebens schenken.
Offb 21,7 Wer durchhält und den Sieg erringt, wird dies alles besitzen. Ich
werde sein Gott sein, und er wird mein Kind sein.
Offb 21,8 Furchtbar aber wird es denen ergehen, die mich feige verleugnen und
mir den Rücken gekehrt haben, den Mördern und denen, die sexuell zügellos leben,
allen, die Zauberei treiben und anderen Göttern nachlaufen, den Lügnern und
Betrügern. Sie alle werden in den See aus brennendem Schwefel geworfen. Das ist
der zweite, der ewige Tod.«
Offb 21,9 Dann kam einer der sieben Engel, die in ihren Schalen die letzten
sieben Katastrophen gebracht hatten, zu mir und sagte: »Komm, ich will dir die
Braut zeigen, die Frau des Lammes!«
Offb 21,10 Gottes Geist ergriff mich und führte mich auf einen großen, hohen
Berg. Dort zeigte er mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott aus dem
Himmel herabkam.
Offb 21,11 Die Stadt erstrahlte im Glanz der Herrlichkeit Gottes. Sie leuchtete
wie ein Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis.
Offb 21,12 Die hohe und breite Mauer rund um die Stadt hatte zwölf Tore, die von
zwölf Engeln bewacht wurden. An den Toren standen die Namen der zwölf Stämme
Israels.
Offb 21,13 Auf jeder Seite - im Norden, Süden, Osten und Westen - gab es drei
Tore.
Offb 21,14 Die Mauer ruhte auf zwölf Grundsteinen, auf denen standen die Namen
der zwölf Apostel des Lammes.
Offb 21,15 Der Engel, der mit mir redete, hielt in seiner Hand einen goldenen
Messstab, um die Stadt, ihre Tore und Mauern auszumessen.
Offb 21,16 Die Stadt hatte die Form eines Vierecks und war ebenso lang wie
breit. Mit seinem Messstab hatte der Engel gemessen, dass die Stadt etwa
zweitausendvierhundert Kilometer lang, breit und hoch ist.
Offb 21,17 Dann maß er auch die Mauer der Stadt. Nach unseren heutigen Maßen war
sie siebzig Meter hoch
Offb 21,18 und bestand ganz und gar aus Jaspis. Die Stadt war aus reinem Gold
gebaut, klar und durchsichtig wie Glas.
Offb 21,19 Die Grundsteine der Stadtmauer schmückten die verschiedensten
Edelsteine. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der
dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd,
Offb 21,20 der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Karneol, der siebte ein
Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein
Chrysopras, der elfte ein Hyazinth und der zwölfte ein Amethyst.
Offb 21,21 Die zwölf Tore bestanden aus zwölf Perlen, jedes Tor aus einer
einzigen Perle. Und die Straßen waren aus reinem Gold, klar und durchsichtig wie
Glas.
Offb 21,22 Nirgendwo in der Stadt sah ich einen Tempel. Ihr Tempel ist der Herr
selbst, der allmächtige Gott, und mit ihm das Lamm.
Offb 21,23 Die Stadt braucht als Lichtquelle weder Sonne noch Mond, denn in ihr
leuchtet die Herrlichkeit Gottes und das Licht des Lammes.
Offb 21,24 In diesem Licht werden die Völker der Erde leben, und die Herrscher
der Welt werden kommen und ihre Reichtümer in die Stadt bringen.
Offb 21,25 Weil es keine Nacht gibt, werden die Tore niemals geschlossen; sie
stehen immer offen.
Offb 21,26 Die Völker werden all ihre Schätze und Kostbarkeiten in die Stadt
bringen.
Offb 21,27 Doch wer Böses tut und die Sünde liebt, wer lügt und betrügt, der
darf diese Stadt niemals betreten. Nur wer im Lebensbuch des Lammes steht, wird
eingelassen.
Offb 22,1 Nun zeigte mir der Engel den Fluss, in dem das Wasser des Lebens
fließt. Er entspringt am Thron Gottes und des Lammes, und sein Wasser ist so
klar wie Kristall.
Offb 22,2 An beiden Ufern des Flusses, der neben der großen Straße der Stadt
fließt, wachsen Bäume des Lebens. Sie tragen zwölfmal im Jahr Früchte, jeden
Monat aufs Neue. Mit den Blättern dieser Bäume werden die Völker geheilt.
Offb 22,3 In der Stadt wird nichts und niemand mehr unter dem Fluch Gottes
stehen. Denn der Thron Gottes und des Lammes steht in ihr, und alle Einwohner
werden Gott dienen.
Offb 22,4 Sie werden Gott von Angesicht zu Angesicht sehen, und seinen Namen
werden sie auf ihrer Stirn tragen.
Offb 22,5 Dort wird es keine Nacht geben, und man braucht weder Lampen noch das
Licht der Sonne. Denn Gott, der Herr, wird ihr Licht sein, und sie werden immer
und ewig mit ihm herrschen.
Offb 22,6 Danach sprach der Engel zu mir: »Diesen Worten kannst du vertrauen;
sie sind zuverlässig und wahr. Gott, der Herr, dessen Geist durch den Mund der
Propheten spricht, hat seinen Engel geschickt; durch ihn sollen alle, die Gott
dienen, erfahren, was bald geschehen muss.
Offb 22,7 Jesus sagt: Macht euch bereit! Ich komme bald. Wirklich glücklich ist,
wer sich an die prophetischen Worte dieses Buches hält!«
Offb 22,8 Dies alles habe ich, Johannes, gehört und gesehen. Ich fiel vor dem
Engel, der mir alles gezeigt hatte, nieder und wollte ihn anbeten.
Offb 22,9 Aber er wehrte ab und sagte: »Nein, tu es nicht! Ich diene Gott ebenso
wie du und deine Brüder, die Propheten, und wie all die anderen, die nach den
Worten dieses Buches leben. Gott allein sollst du anbeten!«
Offb 22,10 Dann sagte Jesus zu mir: »Halte die prophetischen Worte nicht geheim,
die du aufgeschrieben hast, denn bald wird alles in Erfüllung gehen.
Offb 22,11 Wer dennoch weiter Unrecht tun will, der soll es tun. Wer mit Schuld
beladen bleiben will, der soll es bleiben. Doch wer ein Leben führt, wie es Gott
gefällt, der soll weiterhin so leben. Und wer Gott gehört, der soll bei ihm
bleiben.
Offb 22,12 Macht euch bereit! Ich komme schnell und unerwartet und werde jedem
den verdienten Lohn geben.
Offb 22,13 Ich bin der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ziel, das A und
das O.
Offb 22,14 Glücklich werden alle sein, die ihre Kleider rein gewaschen haben.
Sie dürfen durch die Tore in die Stadt hineingehen und die Früchte von den
Bäumen des Lebens essen.
Offb 22,15 Draußen vor den Toren der Stadt müssen alle Feinde Gottes bleiben:
alle, die sich mit Zauberei abgeben, die sexuell zügellos leben, die Mörder,
alle, die anderen Göttern nachlaufen, die gerne lügen und betrügen.
Offb 22,16 Ich, Jesus, habe meinen Engel zu dir gesandt, damit du den Gemeinden
alles mitteilst. Ich bin die Wurzel und der Nachkomme aus der Familie Davids.
Ich bin der helle Morgenstern.«
Offb 22,17 Der Geist und die Braut sagen: »Komm!« Und wer das hört, soll auch
rufen: »Komm!« Wer durstig ist, der soll kommen. Jedem, der es haben möchte,
wird Gott das Wasser des Lebens schenken.
Offb 22,18 Wer auch immer die prophetischen Worte dieses Buches hört, den warne
ich nachdrücklich: Wer diesen Worten etwas hinzufügt, dem wird Gott all das
Unheil zufügen, das in diesem Buch beschrieben wurde.
Offb 22,19 Und wer etwas von diesen prophetischen Worten wegnimmt, dem wird Gott
auch seinen Anteil an den Bäumen des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen,
die in diesem Buch beschrieben sind.
Offb 22,20 Der alle diese Dinge bezeugt, der sagt: »Ja, ich komme bald!« Amen!
Ja, komm, Herr Jesus!
Offb 22,21 Möge unser Herr Jesus euch allen seine Gnade schenken!